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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Lateinischer Unterricht.

diese improvifirte Gelegenheitsrede, in welcher der Redner im Senate dem Caesar für dieBegnadigung des Marcellus dankt, ihn nicht frei zeigt und zum Verständnis genaue Bekannt-schaft mit den Verhältnissen voraussetzt, wenn sie interessiren soll. Das ist in der troisismoder französischen Lyceeu und bei unfern Ober-Tertianern nicht vorauszusetzen. Die om-tiuneuln zur Vcrtheidigung des Galatischen Tctrarchen Dejotarus, der eines Mordversuchs aufCaesar angeklagt war, ist in Caesars Wohnung gehalten und von dem Redner selbstals unbedeutend und kauin des Niederschrcibens Werth erachtet und nur aus Gefälligkeitgegen den alten Gastfreund übernommen. *) — Anders könnte es bei der InAnrianascheinen, deren künstlerischen Werth schon Georg von Trapeznnt entwickelt und die LordBrougham für das größte Meisterstück in lateinischer Sprache erklärt hat. Das ist über-trieben, obschon die lebendige Darstellung, die schöne Sprache und der edle Freimuth,mit welchem er sich des verbannten Pompejaners annimmt, wenigstens vor den Verdäch-tigungen B. Weiske's hätte schützen sollen. Schlecht ist diese äsprssutio nicht, aber doch zuunbedeutend.**) — Mehr Widerspruch befürchte ich, wenn ich die Rede pro llosciv^.msrino ausschcide, Cicero'S criminalistische Jungfernrede aus dem I. 80. Nägelsbachnennt sie gar die erste welthistorische That Ciccro's, weil er nicht blos den Rosciuö gegendie Anklage wegen des Vatermordes vertheidige, sondern zugleich eine Angriffswaffe gegendie Tyrannei des Sulla schmiede. Das stimmt mit Cicero'S eigenem Urthcil überein(Oküc. II, 14, 51 und Lrnt. o. 80, 312) und Anerkennung verdient der jugendlicheRedner, der muthig dem Günstlinge des Machthabers entgegentrat und den von allenverlassenen Angeklagten rettete. Tie Bewunderung solches Wagnisses in einer Schreckens-zcit ist wohlverdient. Aber die Ausführung leidet an Breite, die Sprache an Archais-men und lästiger Fülle: des rhetorischen und gelehrten Aufputzes und des spielendenWitzes ist zu viel. Das hat der Redner selbst nicht verkannt (Orut. 30, 107. 108. ipsaillu pro Uoseio iuvsuilis rsckuncknntiu), denn er bewegte sich noch in den FormenAstanischcr Beredsamkeit, in denen sein Rival Hortensius Meister war. Erst der Aufent-halt in Griechenland und Kleinasien befreite ihn von diesen Mängeln (Lrut. 91, 31K),und als er aus Sicilicn zurückkam, ium viäsoutnr Muck in ms, gnieguiä esset, essexsrtsetnm et imdsrs inuturltutsin gemuckum suam, und cs gelang ihm den Hortensiuszu überwinden, imm, fährt er §. 321 fort, oum proptsr nssickuitutsm in eausis etiuäustriam tnm proptsr excinisitius st minnme vol§urs orutionis Asnns mümosllominum uck me ckiesnäi novitute sonvsrtsrum. Warum sollen wir zu jenen mangel-haften Anfängen greifen, während des Vollendeteren genug vorhanden ist? Sogar R. Klotz(Stilistik S. 65) tadelt die Lectüre dieser Rede in den Gymnasien. Und doch habenwir Schulausgaben von Osenbrüggen (1844), Goßrau (1853), Halm (bereits in 7. Ausl.),Richter (1864, zweite Aust, von Fleckeisen 1877), und auch die Humanisten, wie Guarinovon Verona, haben sie bereits commentirt. — Selbstverständlich ist, daß rein privatrechtlicheReden, wie pro Loscio somoscko, pro llnilio, pro Lusoiuu u. a. nicht in die Schulegehören (und doch sind sie von der Elbinger Realschule auf der vierten prcuß. Directoren-Conferenz S. 116 wirklich vorgeschlagen) oder rein criminalrechtliche, wie pro OlusntioHudito in Sachen eines Giftmords, obschon sie Joh. Sturm ***) dringend empfohlen hatund auch Niebuhr in dem Briefe an einen jungen Philologen S. 144. Auch auf dieRede cks xroviueiis oousuluribus, welche Tischer 1861 für die Schule bearbeitet hat,können wir leicht verzichten, weil die Schäden der damaligen Strafrechtspflege oder dieVerdorbenheit der Gesellschaft für die Schule nicht ins Gewicht fallen.

Als Reden, welche in der Schule zu lesen sind, bezeichnet NägelSbach's) nach dem*) Upist. ack. kam. IX, 12.

**) Hiecke deutscher Untere. S. 22. In den Reden und Aufsätzen S. 186 setzt er sie an dasEnde der Schulzeit nach Prima, am liebsten nach Ober-Prima. Putsche Archiv f. Philol. Bd. IN,S. 533.

*'*) Vormb. I, 689.

-s) Encyllop. U S. 925.