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Lateinischer Unterricht.
Pauli (III, S. 111) und andere, drangen damit auch an vielen Orten durch. Indes; istder Kreis durch Wolf sehr erweitert und allmählich werden andere Grundsätze befolgt,wie sich bei der Behandlung der verschiedenen Gebiete ergeben wird.
Wir lesen Cicero in der Schule nicht mehr, damit die Jugend nach seinem MusterBriefe, Reden und Abhandlungen schreibe, sondern damit sie den Schriftsteller kennenlerne, der die lateinische Sprache zu der höchsten Vollendung geführt, die wissenschaftlicheDarstellung recht eigentlich für die Römer geschaffen hat und schon im Alterthum alskuermäino Imtinrmngus littorurum pnrens (klin. X. H. VII, 30) oder psrlsotrunxrosno sloipusntins äseus (Voll. I, 17, 3) gefeiert ist.*) Daß er als Redner amhöchsten steht, erkennt das Altcrthum; **) er hat darnach in planvoller Thätigkeit mitrastlosem Fleiße gestrebt (cts ornt. I, e. 79 u. 95- Vrut. c. 93). Bis in dieneueste Zeit hat niemand an dieser Meisterschaft gezweifelt; jetzt hat man angefangen ihnmit Hohn und Spott zu verfolgen. Th. Mundt***) nennt ihn den Talleyrand der altenBeredsamkeit, wirft seinem Stil Gesinnungslosigkeit und Ostentation vor und spricht vonZungendreschcrei der laugen und athemlosen Perioden, von Aufgeblasenheit der Reduer-bühnc und von Uebcrtäubung durch künstliche Sätze, die nie etwas nachahmungswerthes-werden könne und die zum wahren Unglück von der deutschen Jugend mit der Muttermilcheingcsogen werde. Dazu kam dann die übellaunige, verbitterte Schilderung, welche Trumannvon dem Charakter des Menschen und Staatsmannes mit großer Gründlichkeit entworfenhat. 7 ) Th. Mommsen endlichff) hat in seinem Cultuö für den Genius Caesars nicht Wortegenug zu einer vernichtenden Beurtheilung Cicero'ö finden können. Diese trifft natürlich auchden Redner: „er war nichts als Advocat und kein guter Advocat. fff) Er verstand es, seineSacherzählung anekdotenhaft pikant vorzutragen, wenn nicht das Gefühl, doch die Senti-mentalität seiner Zuhörer zu erregen und durch Witze oder Witzeleien meist persönlicherArt das trockene Geschäft der Rechtspflege zu erheitern;" dazu „muß der absolute Mangelpolitischen Sinnes in der staatsrechtlichen, juristischen Deduction in den Gerichtsreden,der pflichtvergessene, die Sache stets über dem Anwalt aus den Augen verlierende Egois-mus, die gräßliche Gedankenöde jeden Leser der ciceron. Reden von Herz und Verstandempören." Daneben finden wieder sich Aussprüche, wie „seine besseren Reden sind doch eineleichte und angenehme Lectüre" oder „er war der Schöpfer der modernen lateinischenProsa; auf seiner Stilistik ruht seine Bedeutung und allein als Stilist zeigt er einsicheres Selbstgefühl." An Nachfolgern fehlt es nicht, wie Blaß, *f) oder an schüchternenVorgängern, wie Bake, äs minusnäa nämirutious slogusntius (llssron. in den solwlicnllz'pomn. I, 1—37. Sogar ein Schulmann, wie Schönborn in BreSlau, *ff) wollte dieReden von der Schullectüre ganz auSschließeu, weil das Luxuriirende der rednerischenDiction den Schülern auch stilistisch höchst nachtheilig sei. Wie ganz anders urtheilt einanderer großer Geschichtsschreiber Roms, Niebuhr *fff), namentlich in dem Gespräch mitThibaut (Archiv f. civil. Praxis XXI, S. 391), denn als dieser erklärte, er wolle Ciceroallein retten, wenn man die ganze römische Litteratur verbrennen wollte, erwiderteNiebuhr: „finde ich doch wieder einmal einen Menschen, welcher den Cicero recht beur-theilt. Ich denke über ihn wie du und habe daher auch gerade nach ihm meinen Sohn
*) Anderes bei grünt. VII, 3, 64. 66. X, 1, 105. XII, 1, 19. 10, 12. 11, 28.
**) grünt. X, 1, 112. Kuno spsetsinriZ; lroo proposituin sit nodis exernplrnn: ilts soxrokseisss soiat, eui Lioero vuläe xlaestüt.
***) Die Kunst der deutschen Prosa S. 54—56.f) Geschichte Roms III. 411—588. 597, dagegen Abeken äisxut. äs Oiosronis vita a 1>ru-rnanno ässeripta, Progr. von Osnabrück 1848, vgl. auch desselben Cicero in seinen Briefen 1835.ff) Rom. Gesch. III? S. 602. 606.
fff) Osenbrüggcn bewundert ihn gerade als Sachwalter und findet darin seine Hauptgröße.
*f) Die gricch. Beredsamkeit im Zeitalter Alexanders bis Augustus S. 126.
*ff) Verhandl. der schles. Dir.°Conf. I. S. 45.
"fff) Rom. Gesch. l. S. 692 und der Brief an einen jungen Philologen von Jacob (Lpz. 1839) S-193'