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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Russische Ostsceprovinzen.

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kurze allgemeine Geographie und ausführlichere Geographie Rußlands; allgemeineKenntnisse der Naturgeschichte und Physik, so Weit sie für das Verständnis der wichtig-sten Erscheinungen in der Natur unentbehrlich sind; Kalligraphie und Gesang. Außer-dem werden die Zöglinge in den Handwerken unterrichtet, nach Auswahl der Couferenz,und in der Gymnastik. Das Seminar ist eine geschlossene Lehranstalt, in dasselbe wer-den bis 60 Kronszöglinge ausgenommen, welche verpflichtet sind, nach Beendigung desKursus 4 Jahre nach Anordnung des Curators in den baltischen Provinzen zu dienen,von dieser Verpflichtung aber nach Rückzahlung der auf ihre Ausbildung verwandtenSummen, falls sie es wünschen, entbunden werden können. Es werden aber auch zumUnterricht Stipendiaten sowohl von Landgemeinden, wie auch von Privatpersonen, undZöglinge auf eigene Kosten unentgeltlich zugelassen. Im Verlauf des letzten Jahresüben sich die Zöglinge im Unterrichten in der aus den Mitteln der Riga'schen religiösenPeter-Pauls Brüderschaft (Bratstwo) unterhaltenen 2-classigen, russisch-cstnisch-lettischenVolksschule, welche aus dem Etat des Seminars eine Unterstützung erhält. Das Se-minar steht unter der Leitung eines Directors mit einem Einkommen von 2000 Rubelund freier Wohnung und hat einen Religionslchrer griechischer Konfession und 2 Lehrermit einem Einkommen von je 1200 Rubel und freier Wohnung; außerdem Stunden-lehrer für den protestantischen Religionsunterricht, für Gesang, Gymnastik und Hand-werke. Director und Lehrer genießen dieselben Rechte, wie die der Gymnasien. DieZöglinge sind von allen persönlichen Abgaben, auch der Recrutenpflicht befreit. ImI. 1871 hatte das Seminar 84 Zöglinge (aus Livland 69, Kurland 14 und aus andernGouvernements 1), unter ihnen 5 Russen, 55 Letten und 24 Esten; der Konfessionnach waren 56 rechtgläubig, 28 lutherisch; beim Eintritt in das Seminar hatten 73ihre Vorbildung in den Landelementarschulen genossen, 9 in Kreisschulen, 2 durch Privat-unterricht. Nach dem officiellen Berichte entwickelt dieses Seminar eine erfolgreicheThäligkeit, die für die Zukunft des Landschulwcsens von großer Bedeutung werden kann.

Werfen wir noch einen Blick auf das baltische Landschulwesen im allgemeinen,wobei wir von den zuletzt erwähnten Schulen bei ihrem gegenwärtigen Zustande ganzabsehen können so treten uns als besonders bedeutsam und einflußreich für die Ent-wicklung der lutherischen Schulen zwei Eigenthümlichkeiten derselben entgegen, die engeVerbindung derselben mit der Kirche und der häusliche Unterricht. Esist schon bemerkt, daß die Gemeindeschulen evangelisch-lutherischer Konfession auch durchdas Gesetz ausdrücklich als Schulen kirchlicher Institution und die Parochialschulen füreine Angelegenheit der Kirchengemeindc anerkannt sind. Die Instruction der Oberland-schulbehörde in Livland (1851) stellt daher als Zweck der Land- oder Bauernschule dienölhige Vorbildung zur Konfirmation und zum Eintritt ins christliche Gemeindelcben hin,wie es in Verbindung mit den Lebensbedingungen eines tüchtigen Bauernstandes vonder evangelischen Kirche verlangt werden muß. Diese Stellung der Schule entsprichtfreilich nicht dein gegenwärtig von einer modernen, doctrinären Pädagogik eifrig ver-tretenen Princip der Trennung der Schule von der Kirche und Constituirung derselbenAs reiner Staatsanstalt; die Anwendung dieses Princips aber auf die baltische Volks-schule würde im schroffsten Widerspruche zu den eigenthümlichcn örtlichen Lebcnsverhält-mssen stehen, unter denen sich die Schule entwickelt hat, und den Ruin der letzten: un-sthlbar zur Folge haben. Der engen Verbindung mit der Kirche, der sorgfältigen Pflegeund Beaufsichtigung durch die Prediger, die durch Beamte und Behörden des Staatesw keiner Weise ersetzt werden könnte, verdanken die Schulen den befriedigenden Zustandder Entwicklung, in welchem sie sich im allgemeinen befinden. Daß es dessen ungeachtetuvch immer uöthig ist, durch Gründung neuer Schulen, Heranbildung tüchtiger Lehrerund Verbesserung ihrer materiellen Existenz an der Vervollkommnung des Schulwesensrastlos fortzuarbeiten, das dürfte denen am wenigsten verborgen sein, welchen die Leitungdesselben zunächst anvertraut ist. An eifrigen und opferwilligen Bestrebungen fehlt esvon dieser Seite nicht; unterstützt werden dieselben durch die im allgemeinen nicht geringe