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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Ungehorsam.

Ungcratlicnc Kinder.

würdiges Betragen fordern und im Fall der Noth erzwingen. Herzliches Erbarmen aufGrund des Evangeliums und dann das Gesetz.

Dies gegenüber von dem Nichtkönnen. DaS Nichtwollcn erfordert eine andereHeilmethode. Hier heißt bekämpfen — heilen. Der störrige Eigenwille muß ge-brochen, der Nacken gebeugt werden. Doch so, daß auch bei der entschiedensten Ncactiondas Grundrecht der Persönlichkeit respectirt, die Grundkräfte des individuellen Lebensgeschont werden. Den Ungehorsam tödtcu, aber den Menschen beleben. Wo ein ent-stehendes Feuer noch mit Wasser gelöscht werden kann, darf man nicht das Haus ein-reißeu. Nicht selten setzt sich eine Widerspenstigkeit da fest, wo die Erziehung nachstarren Regeln handelt und alle Individuen in einen und denselben Model gießen will,und man weiß nicht, ob jene Widersetzuug nicht das geringere Uebel ist, verglichen mitder Nachgiebigkeit, bei welcher die Persönlichkeit untcrgeht. Kein Mensch hat das Recht,einen andern zum willenlosen Werkzeug seiner Negierung zu machen, und es ist jenesbekannte System, nach welchem die Individualitäten so zu sagen ausgcbeint und an derStelle des Gewissens, der eigenen Ucberlegung und Entschließung die Winke der Obernmit absoluter Geltung gesetzt werden, ein des Mcnschcnthnms und Christenthnms un-würdiges, der Gesellschaft gefährliches System. Gefährlich, schädlich und lächerlich zu-gleich erscheint aber der Anspruch eines Einzelnen, der seine eigene individuelle Art zurNorm und Uniform für die Zöglinge machen will, und man weiß, wie oftmals derenspäteres Leben solcher, vielleicht gut gemeinter, aber schlecht verstandener Erziehungs-maximcn spottet. Nur der gereinigte, von pedantischem Eigenstem befreite Erzicherwillehat ein Recht über den Eigensinn des Zöglings; dieses Recht aber soll er dann auchausübcn mit aller Entschiedenheit und dem: „Ich will nicht" sein: „Du mußt, denndu sollst" entgegensetzen, damit nicht eine verfrühte Selbständigkeit in unbändige Selbst-Herrlichkeit ausarte, unter welcher das gottgeschaffene Selbst erkrankt und die Persönlich-keit entartet.

Auch das Nichtmögen ist durch Bekämpfung zu heilen. Dem trägen, zerstreutenWesen muß mit fester Hand begegnet, der Wille aus den Banden der Sinnlichkeit ge-löst werden, wobei auch sinnliche Mittel keineswegs als unstatthaft zu bezeichnen sind(s. d. Art. Strafen). Der Gefahr, daß sich ein mehr zufälliger Ungehorsam in einenbeharrlichen verwandle, zum Habitus werde F steuert nur die feste, beharrliche Zucht,welche, indem sie beugt und bändigt, zur Freiheit leitet. Dem Wogen und Wallen desLeichtsinns gegenüber muß der erziehende Wille als ein Fels dastehcn, dieses Felsenge-stein aber desto härter sein, wenn der Ungehorsam nicht mehr bloß als Untugend ein-zelner erscheint, sondern vurch Eonspiration einer größeren Anzahl von Zöglingen zumSystem zu werden droht.

Schlaffes Regiment macht zuchtlose Rotten, und nicht aus persönlicher Ambition,aber aus dem Bewußtsein einer heiligen Pflicht und großen Verantwortung muß derbeharrliche Eifer hervorgeheu, welcher dem Ungehorsam steuert und wie im Staate denThron so in der Schule den Katheder zum Sitz eines ernsten, keinem Angriff weichendenWaltcns macht. A. Hauber.

IlllgtklUhene Killdcr: ein schwerer Artikel, wem er zufällt. — Nichts kann sotief erfreuen, als ein wohlgerathcnes Kind, nichts so tief betrüben, als ein ungerathenes.Der Erzvater Jakob wußte von beiden: zu sagen, der König David auch. Wie innigmag deS Erzvaters Freude au seinem herrlichen Sohne Joseph gewesen sein, und desKönigs an seinem Sohne Salomo, der so ganz in alle seine Gedanken eiugieug! Welch einHerzeleid machten dem Erzvater die übrigen Söhne und dem Könige der tückische Ab-salom! Welch ein Schmerz tönt, alles übertönend, aus den Worten, mit denen er demgefallenen Aufrührer nachjammert: „O Absalom, mein Sohn, mein Sohn!" — KeinWunder! Unsere Kinder sind ja „Fleisch von unserem Fleisch." Ihr Gcrathen ist einZeugnis göttlicher Barmherzigkeit,, die alle menschlichen Gebrechen, wie sie auch der treue-sten Erziehungsarbeit anklebcu, zudeckt, ihr Misratheu eine tiefeinschneidende Büßpredigt.