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Ungehorsam.
auf ein selbstherrliches Dastchen im Leben gerichtet ist, und dieser Drang giebt sichmanchmal schon in frühen Jahren kund. Naturen, die auf ein kräftiges Schaffen undDurchgrcifcu im späteren Leben angelegt sind, zeigen ihn ebenso wie künftige Böscwichte.Dort wird es der Kraft der Eigcnthümlichkeit schwer, sich zu oricntircn und cinzuordnen,hier steht mau vor dem Näthsel einer angcborncn Verschiebung der moralischen Lcbcns-clcmente, welche fast zu der Theorie von einem vorzeitlichen Act der LebcnScntschcidungenhinsührt.
Nicht Können bei Stumpfheit, nicht Wollen bei starker persönlicher Erregtheit sindindessen die selteneren Erscheinungen des Ungehorsams gegenüber von denjenigen, welcheman am ehesten mit nicht Mögen bezeichnet. Hier ist der Einzelwille nicht eigentlichgebunden, auch nicht stark erregt, aber er wird von Einflüssen der Sinnlichkeit und desäußern Lebens in Anspruch genommen und gelenkt. So ist die sinnliche Trägheit Haupt-Ursache des Nichtlerncnmögcns; die Lüsternheit, das Vagabnndircn, der Trieb zu spielenund drgl. lassen das Gebot oder Verbot des Erziehers unkräftig, weniger aus positivverkehrtem Willen, sondern weil das Nichtmögen es überhaupt nicht zu einem rechtenAnfmerken, Horchen und Wollen kommen läßt. Wohl wird hiebei sporadischer Gehorsamgeleistet, aber cs fehlt der zuständliche, die Folgsamkeit als Habitus. Es ist nicht einernsthafter Kriegszustand zwischen Erzieher und Zögling, wobei entscheidende Kämpfedurchgcfochten würden, dagegen ist hier ein tägliches Geplänkel, viel Unlust und Gedulds-proben. Jedoch am Ende kommt cs auch noch dazu, daß das Nichtmögen sich in ein Nicht-wollen verwandelt, indem der täglich sich erneuernde Ungehorsam gegen den Erzieher denEinzelwillen immer mehr in die Abhängigkeit von den Einslüsscn der Sinnlichkeit führtund in die Knechtschaft der Sünde, insofern als Eigenwille und Eigensinn nicht Freiheitdes Individuums, sondern dessen Gcbnndcnbcit durch unberechtigte Naturgewaltcn, durchFleisch und Blut bedeuten.
Ungehorsam kann auch zur epidemischen Krankheit werden, wcnn'sFreiheitsgcfühl undFreiheitsstreben in einer Zeit mit besonderem Nachdruck sich geltend machen, ohne ihr Maßan der Ehrfurcht vor dem Heiligen und an dem Nespect vor Gesetz und Ordnung zu haben.Ta dringt eine falsche Ambition durch die Gesellschaft und bemächtigt sich auch der keimen-den Jugend. Es ist natürlich, daß wo die Schüler ihre Väter sich mit Geringschätzung,Hohn und Grimm über Staat und Kirche, Gesetze und Obrigkeit anslassen hören, daßsie dann auch dem Lehrer gegenüber widerspenstig und empfindlich werden, daß sieRügen und Strafen als ein ihnen angethancs Unrecht anschcn, und so eine geheime,manchmal auch offene Rebellion in den Schulen entsteht. Im allgemeinen wird mansagen mäßen: unsere Jugend ist jetzt weit heikler zu behandeln als noch vor wenigenJahrzehnten, das vertrauensvolle Aufsehen zu den Lehrern vermindert, die Lenkung schwie-riger. Konnte früher ein herber Schulmann wohl auch bis zu eigentlichen Mißhand-lungen schreiten, ohne daß eS ihm besonders nachgetragen wurde, so hat man sich gegen-wärtig schon in den Worten vorznsehcn, daß nicht der Ambition zn nahe getreten nndStörrigkeit anstatt des Gehorsams hervorgerufcn werde. Mit solcher allgemein vorhan-denen Disposition ist zn rechnen, das Ehr- und Frciheitsgefühl, soweit cs erlaubt, zumBundesgenossen zu macken. Ob aber die Schule den Gehorsam zu erzwingen vermag,welchem der Hans- und Volksgeist entgegcnwirkt, das ist eine Frage, die nur unter ganzbesonders günstigen Schulverhältnissen eine bejahende Lösung finden wird: während dervon einzelnen muthwilligen und bösartigen Schülern ausgehenden Ansteckung leichterbegegnet werden kann.
Ungehorsam entsteht aber auch aus Ursachen, welche ihren Sitz nicht in der Dispo-sition der Zöglinge, vielmehr in derjenigen des Erziehers selbst haben. Wer Ungerechtesoder über die Kräfte Gehendes znmnthet, bringt einen Widerspruchsgeist hervor, der auchbilligen Anforderungen sich zn entziehen sucht. Wer oft droht, ohne der Drohung Folgezu geben, auf den hört man bald nicht mehr, und wo soll Glauben nnd GehorsamHerkommen, wenn wer andern predigt selbst verwerflich wird? Auch das viele und