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Misopsychie —
sologie, Vernunfthaß, bes. insofern einer der Ver-nunft alle Fähigkeit abspricht, ein Urtheil in Sachender Religion abzugeben; vgl. Rationalismus.
Misopsychie (v. Gr.), Lebensüberdruß.
Misox (ital. Misocco), 1) Thal im Bezirk Moesades schweizerischen Kantons Graubllnden, erstreckt sich36 km lang zwischen hohen Bergreihen vom Bern-hardin längs des Flusses Modsa bis gegen Bellin-zona, wo es in die Riviera mündet. Am Fuße desBernhardinpasses aus seiner höchsten Thalstufe liegtin 1626 m Mcereshöhe das Dorf Bernardin (s. d.).Das Thal hat bis oberhalb des Ortes M. die Na-tur der nördl. Alpgebirge u. neun bedeutende Glet-scher, nimmt dann aber einen ganz italienischen Cha-rakter an, wird durch die malerischenGebirgsformen,prächtigen Wasserfälle und herrlichen Wälder höchstanmuthig, hat Kastanienwälder, Weinbau, Feigen-u. Maulbeerbäume, Maisfelder, Seidenbau, Vieh-zucht, Ausfuhr von Holz u. Holzkohlen an den Lan-gensee. 2) (Cremco) Dorf darin, an der Mo'ösa; inder durch üppige Vegetation u. prächtige Wasserfälleausgezeichneten Umgebung die colossale Ruine derBurg M., welche für die schönste der ganzen Schweizgilt. Die Burg war die Stammburg der Grafen vonSax n. wurde 1521 von den Graubündnern zerstört.
Mispel, s. Llssxiius.
Misr (arab., türk. Misir), so v. w. Aegypten.
Miss (engl.), der Titel unverheiratheter Frauen-zimmer, dem französischen Dcmoiselle entsprechend;es gilt für unhöflich, denselben ohne Zusatz des Tauf-oder Vaternaniens zu gebrauchen.
Missa (lat.), 1) Messe; 2) Feiertag eines Heiligen,wie 21. Lanebi llodaimis, der Johannistag.
Miffale, Meßbuch, enthält die schon seit Gregord. Gr. im Wesentlichen festgestellte Meßliturgie; vomTridentiner Concil wurdePius V. mitAusarbeitungeines allgemeinen M. beauftragt, da sich im Mittel-alter viele Ungleichmäßigkeiten eingeschlichen hatten.Pius V. publicirtedieses M. 1570; neue Revisionenfanden statt unter Clemens VIII. 1604, Urban VIII.1634. Missal heißt auch eine große Schriftart, nachden Meßbüchern, die aus ihr gedruckt wurden. Löffler.»
Mißbildungen, vitia Primas kormatäoms, Ab-weichungen von der äußeren Form und Bildung desGesammtorganismns oder einzelner Theile einesFötus od. Kindes, welche durch Störungen der Ent-wickelung des Eies od. Embryos bedingt sind. Sinddie Abweichungen so bedeutender Art, daß dadurchdas Leben unmöglich wird, so Pflegt man den Fötusod. das Neugeborene Mißgeburt, Monstrum zunennen. Geringere Grade der Abweichung von derForm bezeichnet man mit demNamen Naturspiele,Anomalien. Es bedarf kaum der Erwähnung, daßdie M. nach den gewöhnlichen Entwickelungsgesetzenentstehen u. nur abnorme Einflüsse, welche die Ent-wickelung ändern oder hemmen, zu ihren Ursachenhaben. Zu diesen Einflüssen kann aber das vomPublikum hartnäckig festgehaltene „Versehen" derSchwangeren nicht gezählt werden, da cs undenkbarist, daß ein augenblicklicher psychischer Eindruck dieEntwickclungsverhältnisse des Fötus, da der letzterenicht durch Nerven mit dem mütterlichen Organis-mus in Verbindung steht und sonach nervöse Erreg-ungen nicht auf den Fötus übertragen werden kön-nen, sondern nur sein Ernährungsmaterial, das Blut,von der Mutter bekommt, in wesentlicher u. dauern-
Mißbildungeu.
der Weise zu ändern vermag. Untersucht man auchdie Fälle des Versehens genauer, so findet man mei-stens, daß das Versehen in einem späteren Schwan-gerschaftsmonate stattgefundenhatte,inwelchem längstdcr Fötus vollständig gebildet war u. diese Mißbildungunmöglich entstanden sein konnte. Je nach der Zeit,in welcher die Einflüsse auf die Entwickelung einwir-ken, sind die Arten und Grade der M. verschieden.Zahlreiche M. entstehen durch ein Stehenbleibsnauf einer gewissen Entwickslungsstufs und sind nor-male Typen dieser Entwickelungsstadien; in an-deren Fällen ändern Krankheitszustände die Ent-wickelung um, doch ist uns darüber noch wenig Ge-naueres bekannt. Es kann der befruchtende Same,sowie das Ei krankhast beschaffen sein, u. wir müssenaus diese Ursachen eine Anzahl M. znrückführen, indenen man von einer Vererbung spricht. SolcheVererbungen können noch in der Sphäre der Nor-malität liegen: so sind in manchen Familien sogen.Habichtsnasen, auffallend große abstehende Ohren rc.erblich. In anderen Fällen sind die Abweichungenmehr pathologischer Natur: es fehlt z. B. ein Finger,einZehcn od. es ist einZehen zu viel. Ferner könnenAnomalien u. Krankheiten der Geburtsorgane (derEileiter, der Gebärmutter), falsche Lagen des Fötusin der Gebärmutter, Umschlingungen der Nabelschnur,Verwachsungen der Eihäute, Entartungen der Pla-centa rc. M. zur Folge haben. Endlich sollen durchäußere Einwirkungen auf den Unterleib der Schwan-geren (Schlag, Stoß, Einschnürungen) M. entstehenkönnen. In experimenteller Weise hat man versucht,M. bei Thicren zu erzeugen, dies ist bis jetzt nurwenig gelungen. Vorzugsweise gaben die Experi-mente mit Vogeleiern gewisse Resultate; z. V. konnteman durch verticale Stellung von Hühnereiern imBrütofen verschiedene M. Hervorrufen. Je nach denoben auseinandergesetzten ursächlichen Verhältnissenhat man eine Anzahl Theorien aufgestellt u. die Ent-stehung der M. zuerklären versucht, so die patholo-gische Theorie, nach welcher die M.aus krankhafteVorgänge des Embryo zurückgeführt werden (Mor-gagni), die embryologische Theorie, nach wel-cher alleM. Hemmungsbildungen sein sollen (Meckel)u.die mechanische Theorie, nach welcher äußereEinwirkungen die Ursachen der M. sind (Dareste).Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß keine die-ser Theorien im Stande ist, alle M. zu erklären.Man theilt nach Buffon, Blumenbach und Försterdie M. in folgende Gruppen ein:
I. M., bei denen mehr oder weniger Theile ganzfehlen oder zu klein sind: 2.) mit gänzlichem Fehlenvon Körpertheilen (21onstra äsüoientia); a) voll-kommen ungestaltete M. (21. amorxlm, 2l. aniäoa),aus Haut, Fett, Knochenpartikeln, seröser Flüssigkeitund Gefäßzwcigen bestehend; nicht lebensfähig; d)Rumpfmonstra (21. ruMosximla), nur mit Spurenvon Eingeweide», ohne Kopf und Extremitäten; v)kopflose M. (21. aespimla), mit mehr oder wenigerunvollkommener Entwickelung des Rumpfes und derGliedmaßen; nicht lebensfähig; ä) M. mit mangel-haftem Kopse (N.xsioosxiiala,); es sind: aahl'ssuäo-vsxinUus s.karaosplmius, mit einem Kopsrudimentu. mehr od. weniger mangelhaftem übrigen Körper;nicht lebensfähig; 2.oorwus, rudimentärer Kops aufregelmäßigen Zwillingen; bd) hirnlose M. (Ilsmi-,2Iiero-, Lnenooplmlus), häufig mit Lpina diüäa u.