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5 (1883) Nachahmung - Philologenverein
Entstehung
Seite
479
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Orbnungöftn«, DrbmutgSltcöe. 479

Drbnung unb nidjt ber Unordnung" genannt wirb, unb auS ber ©djöpfung, bet baSgeidjen bet Drbnung fdjon in intern erften SBetßen djaraEteriftifcCj aufgeprägt ift, mußbie Drbnung auf bie einzelne ju Bitbenbe -ßetfönlidjfeit tbeils tu natürlid)er unbunbewußter, t£)eilS in geiftiger, bewußter, »ermitteltet Sßeife übergeben. Sie ®r=fenntniS bet Vebingungen, unter weldjen, unb bie Leitung bet freien Sßätigfeiten,burd) weld)e BieS gefd)iet)t, ift bet ©egenftanb ber benfenben ißäbagogif. ©S ergiebtfiel) aber hieraus ein doppeltes. Sie Dtbnung als päbagogifdjer fjactor ift junädjfttfiaturanlage burd) ©rbe »on ©tamm unb ®efd)(ed)t ober burd) eine urfprünglidje,anerfdjaffene ©igentbümlidjfeit beS ffnbiöibuumS: DtbnungSfinn (natürlidje DrbnungS=liebe). jfjütS anbte ift fie eine Sugenb, weld)e, fei eS mit, fei eS ohne befonbete Untereftüpung ber Staturanlage, ettootben wirb: Ordnungsliebe (im engem ©inne). 3nDiefeu beißen ©eftalten ift fie »on unS aufjufaffen.

DrbnungSfinn als natürliche Anlage ift bie ^ä^igfeit unb bet Stieb, bieSinge in il)ter jwecfentfpredjenben unb naturgemäßen 3 u fammengebörigfeit anjufdjauenunb butd) eigeneg St)un auf bie umgebenbe Slußenwett in biefem ©inne geftaltenb ein=juwirfen. SJtit bem ©d)ßnl)eitSfinn ift et nabe »erwanbt unb gebt in benfelben übet,fobald biefe 3 u fantmenge^örigEeit »on ber ©eite ihrer SBoldgefälligfeit angeraut unb©egenftanb beS Vergnügens mit», während bet DtbnungSfinn gunädjft nur bamit jutbun t)at, baß bie unb bie Verbindung ber Singe bie red)te fei, auS il)rer 2ßa^rl)eitber»orgel)e. Vünct£id)feit ift eine Slrt bes DtbnungSfinn es, diejenige nämtid), bie baSkleine ins Stuge faßt; ebenfo bie 9teinlid)feit, bie bafüt forgt, baß bie angemeffene ®r=fd)einung bet Singe nidjt burd) efelerregenbe 3utbaten geftört werbe. ®S !ann feinem3»eifel untermorfen fein,*) baß baS eine $htb »ot bem anbetn mit berartigen Saßig=feiten auSgeftattet, unb wiederum, baß manches in biefet §infid)t »on bet Statur gleidjfam»ernadjläfftgt ift. Ser ffeine ®nabe, bet ebne befonbete ©trenge »on ©eiten beSSefjrerS mit Slengfttid)feit batauf bringt, gut regten SStinute in bet ©dmte ju erfd)einen,baS ffeine 93täbd)en, baS in bet Veljanblung feinet fßuppenfüd)e immer alles an feinemOrte bat unb »on fefbft fein ©pielgeug nad) bem @ebraud)e unaufgeräumt liegen läßt, beweist ben angebotnen DtbnungSfinn unb empfiehlt fiep burd) benfelben, ebe feinfittlic^ VJefen jut eigentlidjen ©ntfaltung gelangt. ©S fann biefet angeborene ©innaber aud) früpjeitig auSarten, in ßleinliddeit unb fßeinlidifeit übergeben, ber 3Bunbet=lidjfeit unb bem ©goiSmuS Vorfd)üb leiften. Sem gegenüber fällt ber ipang junädfftju'äußerlidjet Unordnung, baS Unbefümmertfein um ©inljalten bet 3 e tt, um eine aufben £eib paffenbe Äleißung, um Veifammenbleiben beS 3ufammengebötigen in ©d)ul=gerätsen, ©pielfad)en u. bgl. als angebotne Untugenb auf, unb gereicht anbetn jumülnftoße, fei eS nun, baß bie VMfürlidjfeit eines unbotmäßigen ©parafterS dahinterftedt, ober baß in folgern 3Befen nur bie ®ef)tfeite einet mit überwiegender Sebl;aftig=feit nad) anbeten ©eiten bin gebenben @emütbs= unb ©eifteSt^ätigfeit ju Sage tritt.3n leitetet $orm ift [i e nantentlid) bei geiftig originalen, probuctißen Staturen etwasfo häufiges, baß man ©enialität unb Steigung jut äußern, Wo nicht aud) innetn Un=orßnung als ©orrelate anjufeben pflegt, ©ewiß ift, baß bie ©ntfaltung beS ©enieS,als eines bie gewöf)nlid)cn ©djranfen überhaupt burd)bred)enben geiftigen SebenS, aud)die ©dbtanfen der äußern Drbnung als etwas wertl)lofeS erfdjeinen läßt, unb baß berauf große Verl)ältniffe geridjtete ©eift bie gorberung, aud) baS Sleinfte im äußern?eben ju bead)ten, als eine Veeinträd)tigung feiner eigentbümlid)en SbätigfeitSweifeempfindet. Saß ©enialität unb DtbnungSfinn nidjt ohne weiterS Slntipoben find, be=weist it. a. ©oetbeS Veifpiel, ber in feiner Sugenb fdjon große ipünctlicbfeit an benSag legte unb eine regelmäßige SageSeintl)eilung fid) jut ©ewobnbeit gemacht hatte;

*) fiämiucl bat in jpergaitgS Gsncptlopäbie, ©. 333, ben angeborenen OrbnungSfutngeleugnet, ohne aber biefe aitffattenbe SSebauptung, bie mit der täglidicn Srfabntng ftreitet, jitbegrüitben.