Elementarschule.
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ausgegangen werden kann, wie denn nicht ohne Grund von Graffunder (a. a. O.I. Bd. S. 49) bemerkt worden ist, daß wir bei der Besprechung dieses Gegenstandesden tiefsten Geheimnissen des Unterrichtes begegnen. Wahrend die einen mehr denallgemein vorbereitenden Charakter der Elementarschule hervorheben, und die Aufgabederselben in der Mittheilung derjenigen Kenntnisse und Fertigkeiten sehen, durch welcheder geistige Verkehr überhaupt und der Zugang zu aller berufsmäßigen Bildung bedingtist, finden die andern das Wesen dieser Anstalten mehr in den Mitteln selbst, deren siesich bedienen, in der Ausschließung des wissenschaftlichen Zusammenhanges, in der rich-tigen Hervorhebung der gegebenen Grundtheile und in der angemessenen Gliederung desStoffes. Scheint nach dieser Ansicht der Stoff an sich gleichgültig, so wird von wich-tigen Stimmführern dagegen geltend gemacht, daß freilich die besondere Berufsbildungdes Einzelnen nicht Gegenstand des vorbereitenden Unterrichtes sein könne, daß aber dieElementarschule, eben weil sie allgemein menschliche Bildung anstrebe, auch den höchstemund allgemeinsten Inhalt aller Bildung wirklich darbieten müße. Solchen Forderungengegenüber entsteht die Frage, was das Eigenthümliche der Elementarschule in der Ver-arbeitung jener Stoffe sei, ob die bloße Aneignung derselben oder die geistige Durch-dringung. Für beide Richtungen giebt es Kämpfer, denn für beide giebt es Gründe;aber in der Heftigkeit des Streites wird nicht selten verkannt, daß die Wahrheit Wedenauf der einen noch auf der andern Seite sei, sondern in der lebendigen Zusammenfassungbeider Richtungen. Um den Streit zu schlichten, wird auf das Object des Elementar-unterrichtes hingewiesen, auf das Kind selbst, und gefragt, welche Grundkräfte der kind-lichen Seele gepflegt werden mäßen. Die Antwort erfolgt nach den mitgebrachten Vor-aussetzungen; aber die gesunde Praxis hat zu allen Zeiten im Auge behalten, daß dieElementarschule die ganze Kindesseele ergreifen soll. Es ist ersichtlich, daß nur in devallseitigen Berücksichtigung dieser verschiedenen Gesichtspuncte die Aufgabe der Elementar-schule erfüllt werden kann.
Was die Einrichtung der Elementarschule anbetrifft, so richtet sich dieselbe nachden drei Hauptgattungen von Schulen, denen sie vorauf geht, der Volksschule, desGymnasiums und der Realschule. Es ist schon oben (S. 89) gezeigt worden, daß sieals integrirender Theil dieser Schulen nothwendig an dem eigenthümlichen Charakterderselben theilnehmen muß. Natürlich wird dies eben so sehr in der innern Organi-sation als in den äußern Verhältnissen sichtbar werden. Je bestimmter der Charakterder Schule, welcher eine Elementarschule angehört, ausgeprägt ist, desto einfacher undin den verschiedenen Schulen derselben Gattung desto übereinstimmender wird sich dieEinrichtung der Elementarschule gestalten. Dieser bestimmte Charakter ist nun demGymnasium uud der Realschule in einem viel höheren Grade eigen, als der Volks-schule, welche von der sogenannten „einclassigen" Dorfschule bis zu den gehobenenStadtschulen eine sehr mannigfaltige Reihe nach den Verhältnissen der betreffenden Ge-meinden verschiedener Anstalten umfaßt. Indem wir zunächst die Einrichtung jder"'derVolksschule angehörenden Elementarschule besprechen, und dann die Einrichtung der denGymnasien und Realschulen voraufgehenden Elementarclassen folgen lassen, setzen wiran diesem Orte alles, was das Wesen dieser Anstalten überhaupt anbetrifft, eben so>als bekannt voraus, wie wir in Betreff der einzelnen Lehrgcgenstände, deren Methodehier nicht ausführlich dargestellt werden kann, auf die betreffenden Artikel verweisen müßen.
Wo die Volksschule, wie in vielen ländlichen Ortschaften, in denen nur ein Lehrersteht, noch die embryonische Gestalt hat, daß, wenigstens während des Winterhalbjahres,die Kinder aller verschiedenen Altersstufen sich zu gleicher Zeit in dem Schullocale zn-sammenfinden, da kann nur außergewöhnliche Begabung des Lehrers, und auch diese nurauf dürftige Weise, dem Schulzwecke entsprechen. Die verdienstvolle Schrift von E. Th.Goltzsch: Einrichtungs- und Lehrplan für Dorfschulen rc. (4. Ausl. Berlin 1859) hatin schlagender und überall die gründlichste Kenntnis der wirklichen Zustände offenbarenderWeise die Nachtheile und Unvollkommenheiten dieser Einrichtung, „die eben eigentlich