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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschullehrerseminar.

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dieser Hochachtung des Gegenstandes wage ich es doch, eine Verminderung der Mustk-stnndcn für diejenigen Zöglinge in Anregung zu bringen, welche nicht zu Organistenund Kantoren gebildet werden sollen. Das gemeinsame Ziel für alle Seminaristen ist,daß sie eine Singstunde geben können; für die unvollständig begabten oder unzureichendvorgcbildcten muß es genügen, daß sie bei der Morgenandacht den Choral anstimmenkönnen. Es ist dies eine Concession an einen Nothstand, aber doch wohl eine unab-weisbare, da die Stellen, an denen dem Lehrer keine Gesangstnnde übertragen wird,in den großen Städten häufig Vorkommen.

Für den Schreibunterricht haben die englischen Scminarprogrammc zweierlei Na-men; writin§ und xennmnsllip, d. h. etwa Schreiben und Schreibcwerk. Es veranschau-licht das die beiden Gcsichtspuncte, unter welche die Sache gestellt wird. Die Praktikernehmen eine gute Handschrift zum Ziele; wir haben oben mit Freuden gelesen, wasHerr Dnruy für diese anbringt. Dagegen sehen die Theoretiker auf die Anleitung zum Schreib-nnterricht, und wo ein solcher als Schreiblehrer fungirt, da giebt es in der Schreibstnndeunleserlich geschriebene Hefte mit Dictaten über die normalen Buchstabcnformen. DasRichtige ist leicht getroffen. Die angehenden Lehrer sollen sich durch viel Uebung selbsteine einfache und geläufige Handschrift aneignen, und durch fleißiges Schreiben an derWandtafel befähigt werden, in regelrechter und schöner Form die einzelnen Schriftzügcin methodischer Aufeinanderfolge vorzuschrcibcn. Sie müßen außerdem eine kurze An-weisung für den Unterricht empfangen, den sie geben sollen. Doch muß der methodischenAnleitung die Zeit knapp bemessen werden und ebenso ist die saubere und gute Hand-schrift bei allen Schriftsätzen, auch den schnell geschriebenen, die Hauptsache. Ich habeden Fall erlebt, daß ein Scminarabitnrient eine Probeschrift abgab, die einer Zeichnungan Feinheit glich und seine Aufsätze unleserlich schrieb. Derselbe junge Mann begegnetemir bei der Nachprüfung in einer andern Provinz; seine schriftlichen Arbeiten warenwieder kaum zu enträthseln.

In den Realien stellt das praktische Leben jetzt von Tage zu Tage höhere An-forderungen; Physik, Mechanik, Chemie sind nachgerade unentbehrliche Dinge geworden;um so mehr ist scstzuhalten, daß sich der Meister in der Beschränkung zeige, und daßdie Menge des Stoffes die Güte seiner Behandlung beeinträchtige. Das Gebiet derNaturwissenschaften ist ein so unendlich weites, daß bereits seit langem eines MannesKraft cs nicht mehr in allen seinen Thcilen zu durchdringen vermag. Die wissenschaftlicheDarstellung hat, wo sie den Namen wirklich verdient, eine tiefe und vielseitige Bildung,Einsicht in die höhere Mathematik, Bekanntschaft mit der spccnlativcn Philosophie n. dgl.zur Voraussetzung. Die Hypothese hat obeucin auf diesem Wissensgebiete einen sobreiten Raum eingenommen, daß nur die größte Selbständigkeit des Urtheils, bezw.die Sicherheit des Wissens vor Jrrthümern bewahrt. Endlich wird von allen Lehrernder Naturkunde selbst zweifellos zugestanden werden, daß die Methode derselben langenoch nicht in sichere Bahnen geleitet sei, daß ihr bis jetzt dieselbe formalbildende Kraftnoch nicht beiwohne, wie anderen Unterrichtsgegcnständcn, bezw. daß diese erst da zuwirken beginne, wo man über die Elemente hinaus ist, d. h. jenseits der Schule.

Darnach ergeben sich für den Seminarnnterricht die Regeln, daß er nur das Ge-wisse, das Verbürgte darbietc, daß er dieses in unmittelbarer Beziehung zum Lebengebe, und an Stelle des nicht herzustcllcndcn wissenschaftlichen Interesses das praktischesetze, daß er endlich, wo die Möglichkeit da ist, auch formale Bildung bezwecke. Dazugehört, daß das Gedächtnis nicht durch Nomenclatur belastet, und daß überall die An-schauung zu Hülfe genommen werde. Wo cs zweckmäßig und, wo cs ansführbar ist,liegen die Originale, sonst die Bilder der Lehrdarstellung zu Grunde; in Physik undChemie hat das Experiment seine Stelle. Auch die Abbildung, z. B. der Locomotive,des Gasometers, des Telegraphen kann nicht entbehrt werden. Die Unterlassungssündender Seminarlehrcr pflanzen sich durch diejenigen ihrer Schüler in weite Kreise fort.Der junge Lehrer darf den Fall gar nicht für möglich halten, daß er von chemischen