Volksschule.
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wir die positive christliche Religion, denn die Erfindung einer eigenen Schulrcligion istzwar schon hie und da (z. B. von den Philanthropen), aber vergebens versucht worden,und diejenigen, welche heutzutage wiederum auf diesen Gedanken zurückkommen, sindnicht im Stande, deutlich anzugcbcn, worin eine solche zu bestehen hätte. Das viel ge-brauchte, viel auch mißbrauchte Wort: „non soliolus seä vituo" findet auf den Reli-gionsunterricht seine besondere Anwendung, ja man möchte auch noch beisetzen „ot morti,"denn die Volksschule hat bei diesem Unterricht für ihrer Lehrlinge Leben und Sterbenmitzusorgen. Zudem ist dieses Fach ein solches, bei dem das Lernen zu einer gewitzenVollständigkeit kommt, wie sie bei den realistischen Fächern nicht möglich ist, und derZusammenhang von Lehre und Geschichte giebt ihm dazu noch Fülle und Nachhaltigkeit.Entziehe sich also keine Volksschule ohne Noth der Aufgabe, welche in dem: „Waidemeine Lämmer" für sie liegt.
Nachdem im Bisherigen die wesentlichen Aufgaben unserer Schule aufgeführt wor-den sind, bleibt noch übrig, von einigen Fächern zu reden, deren Mitaufnahme in denLehrplan gewünscht zu werden Pflegt, theilweise cingeführt ist. Es sind dies erstlichdie weiblichen Arbeiten für die Mädchen — eine grosse Wohlthat für manche Orte;sie sind auch da und dort obligat gemacht, doch wäre es als ein Eingriff in das Rechtder Familie anzusehcn, wollte man Kinder, für welche in diesem Punct daheim oder durch Pri-vatunterweisung hinlänglich gesorgt ist, zu solchem Unterricht in die Schule zwingen. Jebesser dieser gegeben wird — und man hat z. B. in Württemberg hicfür methodischgebildete Lehrerinnen — um so eher ist auf eine freiwillige Benützung zu rechnen. Aberdie Anstrengung ist groß und nicht selten aufreibend da, wo dieselbe Lehrerin den Un-terricht im Strecken, Nähen u. dgl. neben dem in den gewöhnlichen Schulfächern zugeben hat. Fürs andere kommen hier die Leibesübungen für die Knaben in Betracht.Ohne Zweifel sind sie diesen zu gönnen, denn rationell betrieben dienen sie zu einer ge-sunden Diversion von den Anstrengungen der Kopfarbeit, ergänzen die Einseitigkeiten inder Gliederübung durch die bäuerlichen Geschäfte, oder richten den vom Sitzen auf denSchulbänken, am Webstuhl u. dgl. verhockten Körper wieder auf, und daß Gelenkigkeitund Kraft dem künftigen Sodatenbcruf zu statten kommen, macht jene Ucbungcn nochempfehlenswerther. Auch sie sind zum Theil obligatorisch gemacht durch Gesetze oderVerordnungen, aber die Wirklichkeit bleibt hinter dem Befohlenen häufig zurück, und diesist wohl erklärlich, wenn man bedenkt, wie kostbar die Arbeitskräfte sind, und mit welcherSehnsucht manches Haus auf die Rückkehr der Knaben aus der Schule wartet. Fürräthlich vermögen wir den Zwang dazu nicht zu halten, wohl aber, daß nach Thunlich-keit Gelegenheit zu solchen Uebungen gegeben werde. Nur soll man nicht auch hierwiederum vor allem auf den Schulmeister reflcctiren, als ob derselbe, weil er Lehrerheißt, alles Denkbare gelernt haben und lehren müßte, und als ob einem Manne, derseine Schulstunden reichlich und redlich gehalten hat, auch noch zugemuthet werden dürfte,nunmehr wie zu seiner Erholung die ermüdete Stimme beim Commandiren von Ord-nungsübungen im Freien anzustrengen.
Es führt uns dies auf einen schon einmal berührten Punct und zu der in unfernTagen gewiß recht angelegten Ermahnung: lasse man sich doch durch den Titel: „Volks-schule, Volksschullehrer" nicht verführen, den Betrieb oder die Anfänge von allem undjedem, was irgend der Bevölkerung zu wissen und zu können noth oder wohl thut, unsrerSchule aufzuhalsen; sie hat Arbeit genug, wenn sie dasjenige leistet, was zu leisten un-umgänglich nöthig ist und was sonst noch von besonders Wünschenswcrthem diesem an-gcheftet werden kann. Mehr und zu viel fordern ist ungerecht und verderblich. Volks-schule ist nicht gleichbedeutend mit Schule des Volks; sie ist Schule der Kinder aus demVolk; des Volkes Schule aber ist das Leben, das Leben mit seinen Arbeiten und Leiden,seinen Reizungen, Hemmungen und Antrieben in Beruf, Haus und Staat, und dieVolksschule hat daö Ihrige geleistet, wenn sic durch Weckung und Uebung dazu vor-bereitete, daß den Herangewachscnen der Unterricht, welchen die große allgemeine Lebens-