2. Kapitel. Von den Dehnungszeichen. 27-
benabsichken, oder der Grillen einzelner Personenwillen, seine ganze Dorstcllungsart zu andern.Die Orthographie ist so wenig unveränderlich, alsirgend ein anderer Hheil der Sprache; aber alleVeränderungen gehen nicht anders vor, als nachdem dunkelen Gefühle des Bedürfnisses, folglichunvcrmerktund nach und nach, ungefähr so, wie dieAnnahme der Vcrlangcrungszeichen geschehen ist.
Fortsetzung.
§. 2s. Das Ungewohnte, welches man denorthographischen Neuerungen so oft entgegen ge»setzet hat, hätte also einen sehr guten Grund, nurdaß diejenigen, welche diesen Einwmf vortrugen,ihn sich nicht allemahl deutlich zu machen wußten.Und gesetzt, der ganze Gebrauch der Nerlänge»rungszeichen hätte keinen begreiflichen Nutzen, sowürde doch schon dieses Ungewohnte ihrer Abschaf-fung im Wege stehen, wenn nicht ein überwie-gender Vorthcil, der zugleich cinartig auf dengrößten Theil der Schreibenden wirken muß, da-durch zu erlangen ist. Die Ersparnis) einiger we«Niger Buchstaben ist wohl der große Vortheil nicht,wenigstens läßt sich diese Ersparniß an den Gedan-ken mit ungleich befferm Erfolgeanbringcn. Wähltjeder Schriftsteller unter seinen Gedanken nur im»mer die besten, nothwendigsten, und wirklich nütz-lichen, und tragt sie mit der gehörigen Präcisionvor, so wird er weit mehr Platz ersparen können,als durch die Dehnungszeichen; und hat er so vielrichtiges Gefühl, daß er diese Präcision in seinenGedanken und Ausdrücken, beobachten kann, so