Nordpolreisen. 581
bis 24 durchforschte Lütke, 1821—23 Wrangel, 1823Anjou, der bis 76" 35' u. Br. vordrang, 1834—35Pachtusow, 1838—39 Ziwolka das asiatische Eis-meer. Aber alle diese Untersuchungen, denen sichnoch zahlreiche später anschlossen, beweisen, daß dieLüstenwasser des Eismeeres für Handelsfahrten alsgänzlich unbenutzbar betrachtet werden müssen.
IV. Neuere Reisen zur Aufsuchung dernordwestlichen Durchfahrt. Da man durchCooks dritte Reise erfuhr, daß sich der Norden derNeuen Welt bis zur Beringstraße erstrecke, erschienendie Schwierigkeiten der nordwestlichen Durchfahrtso groß, daß erst, als man in den Jahren 1816 und
1817 durch den Walfänger Scoresby erfuhr, daß in-folge ungewöhnlich heißer Sommer das Eis im hohenNorden sich löse, es dem Geographen John Narrowgelang, noch einmal die alte Leidenschaft der Britenfür die Nordwestfahrten zu entzünden. Man er-neuerte die früher ausgesetzten Preise, 20,000 Pfd.Sterl. für die Entdeckung einer nördl. Durchfahrt,SOSO für die Erreichung des 110. Längengrades vonGreenwich. Gleichzeitig wurden zwei Expeditionen
1818 nach dem Pole u. dem Nordwesten ausgesen-det,diejedochkeincnwesentlicheu Erfolghatleu. Alleinschon 1819 gelang es dem Capitän Parry in Priuce-Negent Sund einen Winterhafen auf der Mclvillc-insel aufzufinden. Hierbei hatte Parry den 110" w.L. von Greenwich gekreuzt, den Welliugtonkanal u.dieByam-Martininsel entdeckt; 1820 fand er Banks-laud. Im Jahre 1819 reiste auch John Franklinmit Richardson, Back u. Hood zu Lande ab, um vomKupserminenfluß die Nordküste weiter nach Ostenzu untersuchen. 1821 erreichte er die Mündung desFlusses, befuhr die Coronation-Bucht, mußte aberbei Point Turnagain zurückkehren. 1821 unternahmParry mit Capitän Lyon seine zweite Reise, unter-suchte die Repulsebai u. die Halbinsel Melville, ent-deckte 1822 die Fnry u. Heclastraße. NochmalsdrangParry 1824 u. 25 in das Priuce - Regent - Jnlet,mußte aber nach dem Verlust der Fnry umkehren.1826 erforschte abermals Franklin auf einer Land-expedition init Richardsou u. Back die Küste zu beidenSeiten der Mackenziemündung u. gelangte bis zumReturn Reef.
V. Neuere Reisen nach dem No rdpol (18.u. 19. Jahrh.) Um sich von der von vielen geheg-te» Ansicht, daß am Nordpol ein freies Meer sei,zu überzeugen, sendete 1775 die britische Regierungden Capitän Phipps mit 2 Schiffen ab, der aber nurbis Spitzbergen 80°n. Br. gelangte. Erst als 1806der ältere Scoresby bis 81° 12' n. Br. drang undgroße Flächen des arktischen Meeres nicht nur da-mals, sondern auch auf spütereuFahrten eisfrei fand,trat Parry 1827 begleitet von dem jüngeren Roß,seine vierte Reise an, um mit Schlitten zu Eise überden Nordpol ins Stille Meer zu gelangen; glückteihm auch dies nicht, so hat er doch die höchste nördl.Breite erreicht, denn er glaubt am 23. Juli den 82"45' n. Br. berührt zu haben.
VI. Weitere Reisen zur Aufsuchung derNordwestdurchfahrt. Unerforscht waren nochander Nordküste Amerikas die Strecken zwischen CapBarrow u. Return Reef, sowie zwischen Cap Garryu.Cap Turnagain. 1829 trat John Roß seine zweiteReise, welche hauptsächlich von Felix Booth ausge-rüstet war, in Begleitung seines NeffenJames Clark
Roß an. Roß fuhr in die Prince-Regent-Einfahriu. begann an deren Westküste vom Cap Garry anseineEntdeckungen, vondenen besondersdieder Halb-insel FelixBoothiazn nennen ist. Ein viel wichtigeresResultat erzielten aber die Forschungen seines Neffen,denn dieser entdeckte am 1. Juni 1831 bei Cap Ade-laide (lat. 70° 5' 17", konA. 96° 46'45" W. Greenw.)den magnetischen Nordpol, da dieNeignngsnadel auf89» 59' sank. Als Roß erkannte, daß der Prince-Regent Sund nach einem geschlossenen Golfe führe,dachte er an die Rückkehr; aber vom Eise eingeschlos-scn, mußte er 1832 das Schiff verlassen und ver-mochte erst 1833 in Booten denLancastersund zu er-reichen, von wo er vom Schiffe Jsabella nach Eng-land gebracht wurde. Zu seiner Aufsuchung war1833 Capitän Back, in Begleitung vonKing, entsen-det worden. Derselbe befuhr, 1834 und 1835, denGroßen Fisch- (Back-) flnß bis zu seiner Mündungn. drangbislat.68°13'57", Icm§.94»58W. Greenw.etwas östlich von der Oglespitze vor. Wichtige Re-sultate hatten aber dieLandrcisen, welche Peter Mar-ren Dease und Thomas Simpson, zwei Beamte derHudsonsbai-Gesellschast, 1837, 38 u. 39 unternah-men. Auf der ersten Reise erforschten sie die im W.noch unbekannte L-trecke zwischen der Barrowspitzeu. dem Return Reef; auf der zweiten Reise fuhrensie zur Mündung des Kupferminenflusscs u. von danach Osten, bald mußten sie die Reise zu Land sort-setzeu u. hierbei entdeckte Simpson das Victorialand.Auf der dritten Reise drangen sie über das Cap Tnr-nagainostwärts durch dieDeasestraße nach derSimp-sonstraße u. dehnten ihre Küstenfahrt bis zur Münd-ung des Fischflnsses aus. So blieb nur noch dernordwestliche u. nördliche Theil von Boothia aufzu-klären, sowie die Südküstc des Boorhiagolfcs. DieseAufgabe löste Rae im Jahre 1854 (s. weiter unten),nachdem er schon 1846 u. 47 durch seine Untersuch-ungen fcstgestellt hatte, daß Boothia mit dem Fest-lands zusaminenhinge.
VII. Franklins Reise u. die Expeditionenzu seiner Aufsuchung. Da durch die Ergebnissealler dieser Entdeckungsfahrten sich mit Sicherheilaus das Vorhandensein einer nordwestlichen Durch-fahrt schließen ließ, so entsandte 1845 die britischeRegierung zu diesem Zwecke eine neue Expedition.John Franklin erhielt den Oberbefehl u. fuhr 18.Mai mit den Schiffen Erebus und Terror aus derThemse ab. Die letzten Nachrichten von Franklin,datirt vom 16. Aug. an der Nordküste von Grönland,erhielt die englische Admiralität im Dec. Als nunbis znm Jahre 1847 keine Nachrichten von den Rei-senden eingingen, so folgte zur Aufsuchung der Ver-mißten eine lange Reihe von Expeditionen, die erst1859 endeten. Drei Expeditionen wurden sofort vonder englischen Regierung ausgesendet: Capitän SirJames Roß nach der Barrowstraße mit den SchiffenEntreprise u. Jnvestigator, Capitän Moore auf demPlover mit Capitän Kellett auf dem Herald durch dieBeringsstraße u. unterRichardson u. Rae eine Land-u. Bootexpedition nach dem Küstengebiete an denMündungen des Mackenzie und des Kupferminen-flusses. Allein sie blieben erfolglos. Doch trotz dieserso ungünstigen Erfolge erkaltete der Eifer für dieNachsuchungen keineswegs. Im Jan. 1850 gingenaus England Collinson u. Mac Clure auf den SchiffenEntreprise n. Jnvestigator ab, um durch die Berings-