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Polen (Gcsch.).
Die polnische Garde zu Pferde warf die hinter demsächsischen Palais ausgestellten Russen, überall wur-den die Russen zurückgedrängt, das Zeughaus, woman 213 Kanonen fand, wurde erstürmt, bas Volkbewaffnet, das von einem Bataillon verlheidigteJgelströmsche Palais, welches sich zwei Tage hielt,angegriffen, die Besatzung des sächsischen Palais aber,als dies in Brand gerieth, niedergemacht. Jgel-ström selbst war nach dem Krasinskischen Palais undvon da zu den Preußen geflohen. Preußische u. rnss.Hilfstruppen nützten nichts. Am 18. April abendswar der Kamps beendet. Vier Generale u. an 2000Russen waren getödtet, 2000 Mann gefangen n. 400verwundet. Der preuß. Gesandte Bnchholz wurdeverhaftet, später aber sreigelassen. Nun wurde dieConstitution von 1791 von Neuem unterzeichnet u.ein Rcvolntionstribnnal errichtet, welches den Bi-schof Kossakowski, den Großfeldherrn Ozarowski, de»Unterfeldhcrrn Zabiello und Len Grafen Ankwicz9. Mai hängen ließ. Warschau wurde mit Feuer-eifer befestigt. Auch in Wilna war 19. April derAufruhr losgebrochen u. die russische Besatzung un-ter Arseniew niedergemacht oder gefangen worden,das Revolutiousgericht ließ hier den litauischen Feld-Herrn Kossakowski am 21. hängen. Kosciufzro wurdenun als Oberseldherr u. Diktator anerkannt u. ihmdie Ausübung der höchsten Gewalt übertragen. DerKönig wurde gar nicht beachtet. Ein Ausruf Kos-cinszkos an alle Polen von 15—50 Jahren, sich zuwasfnen und zum Heere zu stoßen, mehrte dasselbe,welches schon vor der Warschauer Revolution 8000Manu Linientruppen (übergetretene), 5000 beritteneEdellcute u. 14,000 Seusenträger gezählt, aus 70,000Mann. Ein provisorisches oberstes Nationalconseilaus acht Gliedern wurde errichtet.
Aber allenthalben rückten nun die Feinde gegenP. heran. 60,000 Russen unter Repnin standen inSPolen u. an den Grenzen, u. Snworow zog miteiner Armee heran; 18,000 Österreicher bedrohtenan der galizischen Grenze P.; vom W. her zogen54,000 Mann Preußen. Koscinszko stand mit seinemHauptcorps zwischen Polauize u. Opatow, rückte ge-gen die vereinte preußisch-russische Armee, wurde aber6. Juni bei Szczekocyu geschlagen u. zog sich nachRadom; Krakau ergab sich nach der ersten Auffor-derung. Koscinszko zog nach Warschau; dahin folg-ten die Preußen, sowie auch von der Südseite dieRussen unter General Derselben und Fürst Repninaus Litauen gegen die Hauptstadt verrückten. In derStadt aber brach unterdessen ein furchtbarer Auf-stand der unteren Klassen unter dem DemagogenKauofka 27. Juni ans. Das Volk errichtete Galgen,erbrach die Gefängnisse, hängte acht Personen, wo-runter der Geh. Rath von Boskamp, der Fürst Czet-wertinski u. der Bischof von Wilna, Fürst Massalskiwaren, auf u. ließ sich nur mit Mühe von weiterenGräueln abhalten. Koscinszko ließ 1500 der Schul-!digsten ins Heer stecken u. 7 der Rädelsführer hängen/
Nun begann die Belagerung von Warschau. DiePreußen bildeten den linken Flügel u. das Centrum,die Russen unter Fersen den rechten. Am 27. Juliwurde die wichtigeKrenzschanze bei Wola genommenu. die erste Parallele angelegt. Aber durch Krank-heit u. Desertion schmolz das preuß. Heer aus 25,000Mann herab u. bald fehlte den Preußen Munition,dazu brachen in ihrem Rücken Aufstände in Preuß.-
Polen aus u. 6. Sept. begann der Rückzug. Dage-gen nahten nun von S. u. O. neue Feinde. Öster-reich ließ 17,000 Mann über Lublin und Brody inP. einrllcken u. Sandomir, Krakau, Lublin u. Chelmbesetzen; später zogen sie sich mehr gegen die gali-zische Grenze. Die Russen hatten bisher ernstlichvorzudringen gezögert, da sie im NO. die Unruhenin Litauen zu bekämpfen hatten. Wilna wurde nun12. Aug. von ihnen besetzt und Litauen u. Kurlanddurch eine unter Branicki und Poninski organisirteGegenconsvderation allmählich gereinigt. Während-dem stand der russische General Derselben mit 12,000Mann bei Slonim, General Fersen war mit 8000Mann über die Weichsel gegangen, um sich mit ihmzu verbinden n. aus der Moldau zog Suworow mit20,000 Mann herbei. Snworow warf 18. Sept.bei Brzesk die 20,000 Polen Sierakowskis zurück,folgte ihnen 19. über den Bug, schlug Sierakowskitotal u. ging nun ans Warschau los. Fersen, im Be-griff sich mit Snworow zu vereinigen, traf aufKos-ciuszko; in der Schlacht bei Maciejowicc wurde letz-terer 10. Oct. besiegt und mit ihm wurden mehrereGenerale u. viele tausend Mann gefangen, der Restder Polen unter Poninski floh gegen Warschau. Hierdrang die Kriegspartei u. der Pöbel auf Gegenwehru. General Wawrzcwski wurde zum Oberfeldherru auKosciuszkos Stelle gewählt, während die übrigen Ge-nerale Zajonczek, Joseph Poniatowjki, Dombcowski,Madalinski, Makronowski zur Rettung Warschausherbeieilten. Am 29. Oct. war das russische Heer vorPraga versammelt u. forderte vergebens den Könign. das polnische Heer zur Ergebung ans. 104 Ka-nonen u. eine Reihe Erdwerke deckten Praga. Aberschon 4. Nov. erstürmte Suworow mit 22,000 Mannin sieben Colonnen Praga; 13,000 Polen warenniedergehauen, nur 800 unter Zajonczek über dieBrücke entkommen. Ein Theil von Praga brannteab; schauerlich wütheteu die Russen unter PragasBewohnern. Der Widerstand der Patrioten in War-schan war gebrochen, die Bürger drangen in dieMitglieder des Nationalrathes, zu unterhandeln;dieser dankte ab und 5. Nov. kam die Capitulationvon Warschau zu Staude, der zufolge die Stadt am8. übergeben ward. Suworow benahm sich groß-müthig nnd entließ einen Theil des Heeres aus derGefangenschaft. Die alte Ordnung wurde nun un-ter Suworows Leitung wieder in P. eingefuhrt.
Die Trümmer des polnischen Heeres unter demOberfeldherrn Wawrzewski waren vor dem Ein-rllcken Snworows zu dem Heere gezogen, welchesden Preußen gegenüberstand, die kaum vier Städte,worunter Posen u. Thorn, in Prenßisch-Polen hat-ten halten können. Als bei Snworows Anrllcken diePolen ans SPrcußen abzogcn, wurde der Aufstandallmählich gestillt, Bromberg besetzt, der ganzeNetze-districtvon den Insurgenten gereinigt u. diese überallvon den Preußen besiegt. Die letzten 7000 Mannergaben sich 15. Nov. freiwillig. Der nach Sando-mir zurückzichenden Armee Wawrczcwskis folgten diePreußen unlerKleist mit dem rnss. General Denissoivn. bedrängten sie so lebhaft, daß schon die Infanteriebei Opoczno entlassen wurde; die 6000 Mann Ca-valerie mußten sich 18. Nov. bci Radaczhn ergeben;Alle wurden nach Warschau gebracht; Madalinski u.Kolonial) entkamen nach Galizien, wurden aber hiervon Österreich internirt.
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