Druckschrift 
Bd. 5 (1876) Chopin - Decennium
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

(itccro.

fchroanfte hin u. her, an8 ©aterlanbglicbe u. aug©harafterfchroäche. ®ie Übermacht ber ®riumbirnbanb ihm bie Wänbe, öfter fe^te if)n bie unterbicfen Scannern eintretcnbe ©paitnung in biegrößte ©erlegenheit it. beftimmte ißn gu ©oncef«ßonen, bie feilten Sluhtn nicht erhöhten. ®abeinafym er feine geric^tücCje ®ljätigfeit ttrieber auf;in biefe 3eit fallen feine Sieben für Seftiug, ©ö»liug, ©albug, Sßlaiiciug, SDiito, Slabiriug, gegen©atiniug u. i}3ifo. Wiißerbent befcßäftigte er fiel),befonberg auf feinen Satibgütern bei ©uteoli (Aca-demia) u. bei Sugculutu (Tusculauum), eifrig mitben Siffenfdjaften. ffir nmrbe 53 in bag Stugu«rencotlegium geroäljlt, 51 burd) ein ©efeh begSPotnpejug genötigt, alg Sßroconful nad) ©iticiengu gehen. ®iefeg Süntt ücrtnaltete er geredet u.milb it. ^atte aud) gtiidlidjen ©rfolg im Kampfegegen bie fparttfer. ®ie Sljre beg Sriuntphegmürbe ihm jeboch berroeigert. Om barauf folgen»ben ©ürgerfriege trat er itad) längerem ©chroan*!en auf bie ©eite beg Spoinpejug. 0«t 'S 11 "' 49begab er fteß in beffen Säger, fanb fid^ aber itad;ber ©djladjt bei Sßharfalug (Oct. 47) mieber inSJom ein, roo er bon Süutouiug megmerfenb, Don©äfar mit Sichtung bcßanbelt mürbe, u. lebte biggur ©rmorbitng ©äfarg (15. SOtärg 44) guriidge»gogen, augfchließlid) mit literarifd;en Arbeiten be»fcEjäftigt. Stad) ©äfarg ©rmorbung erflärte er fid)für ©rutug it. ©affiug gegen älntomug. Qtoifdfenbeut 2. ©ept. 44 u. betu 24. SSiai 43 hielt ertljeitg bor bem Senate tljeilg bor bem ©olle 13Orationes Philippicae (fo genannt gur ©ergleid)*ltng mit ben Sieben beg ®emoftheneg gegen $ö=nig ipf)itipp bon SDtacebmtien), morin er benSlntoniug aig ben gefäßrlidjfien geinb ber Stepu»blit barjteHte it. alle Slönter aufforberte, ftd) guttiKampfe gegen beffen Berbred)erifd;e SfSiäne gubereinigen. ®iefe Sieben, mehr noch eine, bie ernid)t roirftid) hielt, fonbern in länblidjer SDtußealg Seit!- unb Sßartcifdjrift augarbeitete (in berSteiljenfolge ber 14 bie groeite) untergruben bie^Popularität beg Slutouiug u. medten feine tobt*bringenbe 3tad;e. ®er ©eift, bie ©aterlanbgliebeu. ber ÜDlutf) beg großen Slcbiterg feierten einenJürgen ®riumpl). ®ie ,§eere berließen ben oßn-mächtigen ©enat; Dctabianuö, bem 6. ftd) an*gef^loffen h atte , berbaitb ftd) mit 3lntoniug u.Scpnbttg; im Oct. 43 fe(}te Stutoiiiug ben Slebtterauf bie SßrofcriptionSIifte. ©. flüchtete bor bengegen il)u auggefanbten SStörbern nad) Slfhtra u.Sirceji, irrte uneutfdlloffen an ber fiüfte hin u.^er, begab fid) auf fein gormianifd)eg Sanbgut it.mürbe bon ßier in einer Sänfte nad) ber Säftegetragen, Bon mo er feine gluckt fortgnfe^en ge-buchte. Stal)e bei ©ajeta (@aeta) ereilten if)uaber (7. ®ec.) feine genfer, geführt boit bemSenturio |>erenniug unb bem Srieggtribnn Sßo*pitling Sänag, ber feiner Serebtfatnfeit bag Sebenberbanfte. ®er ©lenbe fpeb ilpu bag .f>aupt u.bie rechte W«nb ab u. eilte bamit nad) Slom guSlntoniug, ber ifjit reid^Iid; belohnte. ®cffeit ©e-malflin, fpulbia, burcbftadö biegnnge beg SRebnergmit glüßeitbeit Stabein; Sopf unb §aitb ließ ber®riumbir auf ber Stcbnerbüline aitffteden. ©.mar gmeimal berßeiratßet. Serentia, bie er 77,im 29. Sebengjaßre, ßeimfüßrte, gebar il)m 64

einen ©o^n, SJtarcug (f. unt. 3), ju. fpäter eineSofter, ®uüia. 46 trennte er ftdj bon ißr, n.im fotgenben Qfa^re ^eirat^ete er bie junge n,feßöne $itblilia, ließ aber aud) bon i^r ftd) halbfdjeiben; ®uKia fiarb bor bem Sater. ®-g ®e«ftalt mar ^oeß u. fdjtanf, fein ©lid ernft it. mürbe*botl; feinen bon Statur fdpnädjlidjeu Sörper mußteer bur(^ SMäßiguitg u. Drbuung ber Sebeitgmeifeabguljärten. ®enn bie fxnnlic^e @enußfud;t, beten©efriebigung ißtn fein 3teid;tßum geftattete u. bieborneßme ©efetlfcßaft jener 3eit nic^t an i^m ge-tabelt ^abeit mürbe, mar ifjm frernb, u. menn erberfeßmenbete, gefdja^ eg nur aug einer eblenSiebßaberei, inbem er feilte ©iUeit gern mit benÜBerfeit ber bilbenbeit Smtß fdjmüdte. Stuf beranberen ©eite blieb fein ©emütf) bont ©eige nn-befledt. Sind) Söodtjeit u. Steib eutftetlten eg nic|t.()m Umgänge mar er tiebengroürbig, botl Weiter-leit u. 3Bi(5. Su feinen Sugenben gehörten einemanne gamitienan§ängli(|!eit, ein Ijolfer ©inn fürbie gicunbfdjaft unb eine treue ©aterlanbgliebe.35on Unreblidjfeit u. ©cmeinljcit blieb feine po«litif^ie SBirlfamfeit unberührt. ®ie ©röße unbfyreißeit beg Staateg mar bag ^ö^fte 3id feiner©efirebmtgen. ®er ©iitfluß, ben er tebiglid) biird^fein ®atent u. feinen guten SBiKen geitroeife aufbie öffentlichen Slngelegenheiten übte, gemährt ungein erljebenbeg ©^aufpiel u. umgibt feine Stirnmit einem unnergänglid)en Sorbeer. Slber gu einerburdjgreifenben fegengreidjen Sirlfamleit fehlte iljmeinerfeitg ber augreid;enbe praftifd)*politifche ®act,anberfeitg bie männliche geftigfeit beg ©ßaralterg.©eine ltmfaffenbe Senntniß ber SKeufdjen, ber©efchid^te, ber ©taatg- u. Steditgberhältniffe hin»berte ihn nicht, fein §erg an gufMube u. ©in»ridfluugeit gu hängen, bie in ber Sluflöfung be-griffen maren, u. fein Säuge bor ber Uitabroenb»barieit einer neuen ©ntmidelung gu berfchließen.gür eine fo rauhe 3eit, für fo fchmere ©erhält»uiffe mar feine Statur aug gu roeidjem ©toffe ge»biibet u. fein SGBiCle nicht energifih genug, jte guftäßlen. Säuöh Berblenbete ihn bie ©itelleit nur gufehr u. gab fein Sluftreten ber ©ogljeit, bem Steibeu. ber ©erfpottung preig. Oft fehlte ihm bie Umftchtu. bie Sraft im Wanbetu, oft fchmantte er hin u. her,oft berfaitl er in fileiitmuth; aud) bon 3tt>eibeutigfeitblieb er nicht frei. Unter feinen bielfeitigen ©eifteg»gaben übermog bie rebnerifche tljeilg burch natürliche©ntmidelung, theilg burch Sie polit. SBirffamleit,bie ifjn borguggmeife in bie ©eridjtghalleu, aufbag gontm u. in beit ©enat rief, u. fte erhielteine fräftige ©^e an ber philofophifd;en ©ilb»uug, bie er an ftd) felbft gu berbollfoiiimiten it.ber höhe«« römifdjeit ©efetlfdjaft angueignenfiteste, ©eilt poetifcheg ®atent brachte groar inSSerfen nur SJlittelmäßigeg herbor, läßt ftch aberin feiner ©pradje u. in feinen ©harattergeidhnun»gen erlernten; ein poetifcher W au( h bur^mehtfein Seben u. feine Schriften; fdjott itt feiner ©e*geiftentng für ©lato geigt ftd) eine bichterifdjeSlber. SBag er in ber ©efdjichtfchreibung geleijtet,bermögeit mir nicht gu beurteilen. 0« öer Slechtö»u. ©taatgmiffenfehaft ßnbett mir ihn burchaug be»maitbert, u. feine ©triften geroähren in biefer©e»giehmtg eine utterfchöpflid;e gunbgrube. 6. er»fdjeiut ung alg ein großer ©ilbuer feiner Station;