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6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
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Das Schulaufsichtsgesetz im Herrenhause rc. 127

anderer Meinung und Se. Majestät der König teilt derenAnsicht, und sie machen eine Vorlage und sagen, es seinötig, so lassen wir das Publikum darüber urteilen, werdiese Frage besser zu beurteilen weiß, wer diese Dingebesser verstehen muß, der Herr Redner oder die Negierung.Diese Art der Kritik kann ich nicht besser benennen alsUeberhebung, ich kann es mir nicht gefallen lassen, daß dieHerren Redner solche Argumente hier gebrauchen! Es istdas eine geringschätzige Behandlung, wie sie die Regierungnicht verdient, wenn man mit solchen Argumenten kommtund sagt, du verstehst das nicht, du gehst leichtsinnig dar-über hin, — oder wenn andere Redner derselben Partei(Herr v. Wedell) vor meiner Ankunft gesagt haben, dieseGesetzvorlage sei so unerklärlich, daß man ihr notwendigden Hintergedanken unterschieben müsse: wenn die Re-gierung den gebotenen Kompromiß nicht annehme, dannmüsse sie die uneingestandene Absicht haben, mit der konser-vativen Partei zu brechen. Keine Regierung hat jeein Interesse, mit einer konservativen Partei zubrechen, aber die Partei besorgt das mitunterselbst. (Bravo! Heiterkeit.)

Wir haben vor vier Jahren ähnliche grundlose, ichwill nicht sagen, mutwillig heraufbeschworene Zwistig-keiten gehabt*). Herr v. Waldaw sprach vorher vondem Drängen der Parteien: uns hat niemand gedrängt!Wenn wir in der That von irgend einer Partei unsdrängen ließen, so hat das niemand gethan, als die da-malige konservative Partei, die alles gethan hat, um dieRegierung dahin zu drängen, daß sie ihre Anlehnungmehr nach links suche. Aber wir haben uns nicht

-) Vgl. Bd. IV, S. 144 ff.