Druckschrift 
6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

106 Die Landtagssession 1871 — 1872 .

mir eben so oft passiert, daß ich die eines meiner Kolle-gen für die bessere anerkenne. Ich habe damit nur be-zeichnen wollen — und der Herr Vorredner bestätigte mirmeine persönliche Auffassung —, daß der Herr Abgeord-nete für Meppen in seiner Fraktion an Begabung, anpolitischem Blick so ungewöhnlich hervorragt, daß erjederzeit sicher weiß, wohin die Führung gerichtet ist,und welches Ziel erstrebt wird. Ich will wünschen, daßdies auch allen seinen Kollegen immer klar werde. Ichhabe durch meine gestrigen Aeußerungen versucht, dasmeinige zur Aufklärung der Situation beizutragen, undich freue mich, daß mir das in einem gewissen Maßegelungen ist; die Schlußerklärung des Herrn Abgeord-neten für Meppen gestern hat mir dazu verholfen unddie Rede des Herrn Vorredners auch. Er nannte denAbgeordneten für Meppen eine Perle. Ich teile dies inseinem Sinne vollständig; für mich aber hängt derWert einer Perle sehr von ihrer Farbe ab, ichbin darin etwas wählerisch. (Heiterkeit.)

Der Herr Abgeordnete hat mir ferner in den Mundgelegt, ich hätte als Bedingung für den Frieden dasAusscheiden eines Mitgliedes gestellt. Nun, meine Her-ren, ich habe, glaube ich, Bedingungen gar nicht gestellt,ich habe bloß versucht, uns gegenseitig den Dienst zuerweisen, daß wir die Situation klar legen, und ich habeIhnen gesagt, wir würden den für den Staat erforder-lichen Frieden zwischen der geistlichen Gesetzgebung derkatholischen Kirche und der weltlichen des Staates leichterherbeiführen können, wenn Sie sich von all den hetero-genen Elementen freihalten wollten, deren Träger Sievielleicht jetzt unwillkürlich geworden sind. Sie sind indie eigentümliche Lage geraten, daß sich eine Anzahl