58 Die Landtagssession 1871—1872.
Ich hatte geglaubt, mich an der heutigen Debattelediglich als Zuhörer beteiligen zu können, und geglaubt,daß sie sich auf das Ressort und die Vorlagen beschränkenwürde, ohne soweit politisch auszugreifen, wie es dieRede des Herrn Vorredners gethan hat. Sie ist dieeinzige von den Vorreden, die ich gehört habe, da ander-weite Geschäfte im Herrenhause mich genötigt haben,später zu kommen, als ich beabsichtigt hatte. Diese Redenötigt mich aber, heute schon einige Worte über dieStellung der Staatsregierung mit Bezug auf das ebenGehörte zu sagen:
Der Herr Vorredner hat mit warmen Worten denWunsch betont, daß wir zum konfessionellen Frieden imLande gelangen möchten, der früher nicht gestört war,und daß wir in der Eintracht, die uns dieser Friede gebe,an unserem gemeinschaftlichen Werke arbeiten möchten.Ich möchte an das eigene, doch sonst scharfe und richtigeUrteil des geehrten Herrn Vorredners appellieren, obseine eigene Rede wohl geeignet und darauf berechnetgewesen sein kann, diesen Frieden zu fördern. (Sehrwahr!)
Der Herr Vorredner hat wenigstens nicht mit christ-licher Milde über seine Gegner geurteilt und nicht mitchristlicher Demut über die eigene Sache; ich kann nichteinmal zngeben, daß er überall mit der Wahrheit, diealle Religionen an die Spitze ihrer Vorschriften stellen,die Thatsachen gegeben hätte. Der Herr Vorredneräußerte gerade, als ich eintrat: Ihr Nein ist kein Be-weis, er hat aber nur sein Ja als vollen Beweis füreine große Masse von Thatsachen hingestellt, denen nichtszur Seite steht als seine eigene Behauptung, und vondenen ich mit seinen eigenen Worten sagen muß: ich