162 Die erste Session des deutschen Reichstages.
gewissermaßen mediatisiert wird, für eine sehr bedenklicheAenderung in der Verfassung. Ich glaube, daß derBundesrat eine große Zukunft hat, indem er zum ersten-male den Versuch macht, der monarchischen Spitze, ohnedie Wohlthaten der monarchischen Gewalt — oder derhergebrachten republikanischen Obrigkeit — dem Einzel-staat zu nehmen, und in seiner höchsten Spitze als föde-ratives Kollegium sich einigt, um die Souveränität desgesamten Reiches zu üben; denn die Souveränität ruhtnicht beim Kaiser, sie ruht bei der Gesamtheit der ver-bündeten Negierungen. Es ist das zugleich nützlich, in-dem die — nennen Sie es Weisheit oder Unweisheit vonfünfundzwanzig Regierungen unvermittelt in diese Be-ratungen hineingetragen wird, eine Mannigfaltigkeit vonAnschauungen, wie wir sie im Einzelstaate niemals ge-habt haben. Wir haben, so groß Preußen ist, von denkleinen und kleinsten Mitgliedern doch manches lernenkönnen; sie haben umgekehrt von uns gelernt. Es sindfünfundzwanzig Ministerien oder Obrigkeiten, von denenjede unverkümmert in ihrer Sphäre die Intelligenz, dieWeisheit, die dort quillt, an sich saugt und im Bundes-rat selbständig von sich zu geben berechtigt ist, ohne irgendeine Beschränkung, während der Einzelstaat sehr vieleHemmnisse hat, die die Quellen auch da, wo sie fließenmöchten, stopfen. Es ist nur ein einziger Verschluß, derdie ganze Aeußerung der einzelnen Staatsgewalt hemmenoder freilassen kann, mag er nun in dem Majoritäts-votum eines Ministeriums bestehen oder mag er in demWillen des Landesherrn bestehen. Es ist das ein Ver-schluß, der der Minorität des Ministeriums, die nicht zurGeltung gekommen ist, oder demjenigen Ministerium,welches sich mit dem Landesherrn für den Augenblick nicht