XXV.
Schuß den Polizisten der Natur!
Jugenderinnerungen sind unverwüstlich, unverlierbar.
Siegen, mein Geburtsort liegt auf einem Berge, ist eineBergstadt, auf drei Seiten von einem Thale umgeben, an dassich Berge anschließen (der sogenannte „Häusling" gehört zu denschönsten Bergformen, die ich je gesehen), die zum Teil mitHoch- und Niederwald besetzt sind, in welchem hundert Vogelartennisten und singen. Selbstverständlich gehörte es, wenigstens vor50 und mehr Jahren, zu den höchsten Freuden der SiegenerJugend, die damals fast mehr auf den Bergen, in Wäldern undauf den Schmelzhütten als in den Schulen lebte, Nester* zusuchen, nicht um sie auszuheben, sondern um sich ihrer zu freuen.Doch wurde hier und da ein junger Vogel zum Aufziehen mit-genommen. Ein Schulfreund, der nachherige Direktor des Gym-nasiums in Elberfeld, Seelbach, hatte ein ganzes Zimmer vollder mannigfaltigsten Arten. Dasselbe zu betreten, gehörte zuden Genüssen. Ich erinnere mich noch lebhaft des Aufruhrs, denein hineingebrachter alter Sperber darin verursachte. Wir selbstholten einst aus dem sogenannten „Birkenwald", der aber einWald voll der prächtigsten, hochstämmigsten Eichen war, dreijunge Adler aus dem Neste, zogen sie auf, und hatten das Ver-gnügen, sie so zu zähmen, daß sie herangewachsen über die Stadtdahinflogen und zur Fütterzeit heimkehrten, bis sie zu unserer
* „Lauter Meisterstücke", sagt Hebel in seiner „Betrachtung übereinVogelnest". „Gottes Werke macht niemand nach", fügt er hinzu.