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3 (1891)
Entstehung
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die Religion, sondern anch die Politik bemächtigte sich diesesGlaubens der Völker, er wurde ein Werkzeug in den Händender Macht. Wie sie die Kunst benutzten, um die Meinung zuverbreiten, daß sie die Völker zu glücklichen Unternehmungenheranriefen, daß dies schon in den Sternen bestimmt sei, sowurde dieser Glaube auch im Mittelalter nicht bloß ein Werk-zeug der Priester, sondern auch der Potentaten. Die Impe-ratoren haben sich verschieden dagegen verhalten. In Rom gabes rechnende Astronomen oder Mathematiker und beobachtende,die eigentlichen Sterndeuter. Der eine Imperator verteidigte sie,der andere verbannte sie. Wenn die Mathematiker eine Kala-mität, die über das Land kam, nicht vorausgesagt hatten, sowurden sie vertrieben, gewöhnlich aber fanden sie sich bald wiederein; denn der Glaube, den ein Volk hat, läßt sich weder durchBefehle noch durch Gewalt irgend einer Art aus dem Menschen-geschlechte verdrängen. Die Meinung der Menschen ist unzu-gänglich äußeren Befehlen, und so erhielt sich der Glaube undging von Geschlecht zu Geschlecht. Während der Völkerwanderung,in jener Zeit der Barbarei, verschwand der Glaube an die Machtder Gestirne; als aber die Araber im 7. und 8. JahrhundertEinfluß auf das Abendland gewannen, kam die Astrologie nachden Abendländern und erlebte hier unter der Macht der Geist-lichkeit in den christlichen Jahrhunderten eigentlich erst ihre rechteBlüte, so daß wir sagen müssen, im 9. bis 16. Jahrhundert warder Glaube an die Astrologie in der ganzen Christenheit ver-breitet, und zwar in einem so ungeheuren Grade, daß, wenn dieAstrologen ein Unglück weissagten, sich die Furcht überall hinverbreitete. So haben sie mehrmals den Untergang der Weltauf einen bestimmten Tag vorausgesagt, den Anfang des tausend-jährigen Reiches verkündet, neue Sündfluten prophezeit, so daßdie ganze Christenheit in Schrecken geriet vor diesem Tage,einzelne Gesellschaften Archen bauten, um sich in der neuen Flutnach Möglichkeit zu retten. Natürlich hat sich die Astrologie imLaufe der Jahrhunderte mannigfaltig verändert, und in den ver-schiedenen Zeiten wandte man verschiedene Manöver an. Sowar die Astrologie auch im Mittelalter besonders darauf bedacht,