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3 (1891)
Entstehung
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vernichten, die teilweise bis zum heutigen Tage fortdauernde Ab-neigung zu inniger Vereinigung und zur Besieguug gefühlsartigwirkender und darum so schwer zerstörbarer Antipathie. Dasdaraus entstandene nationale Unglück einzelnen Personen undRegentenhäusern, so mächtig diese auch gewesen sind und wieverderblich sie in dieser Beziehung gewirkt haben, zuschieben zuwollen, wäre Ungerechtigkeit; der Trieb nach Individualität undBesonderheit muß mit in Rechnung gezogen werden.

Dieser Geist der persönlichen Freiheit und Selbständigkeitoffenbart sich auch aufs deutlichste durch die Mannigfaltigkeitder Meinungen, Ansichten, Überzeugungen der Deutschen auf allenGebieten. Nirgends in der Welt (Nordamerika ausgenommen,welches wie kein anderes in gleichen: Grade die Entwickelung derPersönlichkeit begünstigt) ist die Verschiedenheit der Ansichten sogroß, als in unserm lieben Vaterlande. Nirgends ist es schwerer,als bei uns, in irgend einer Beziehung die Menschen zu eiuerÜberzeugung zu veranlasse».Jeder steht auf sich selbst ganzallein." Nirgends in der Welt ist es daher auch schwerer, ein-heitliche Parteien zu bilden, als bei uns. Es widerstrebt das demdeutschen Charakter. Jeder ist eine Partei für sich, jeder bildetsich sein Urteil, jeder hält darauf. Nirgends ist daher auch dieKritik mehr zu Hause, als bei uns. Keiner kann es dem andernganz recht machen. Über die Vorgänge oder Nachteile dieses Um-standes ist hier nicht zu urteile», nur das Faktum zu konstatiere».Es ist unleugbar vorhanden; es äußert sich überall, auch darin,daß jeder zu einer Gesellschaft, zu einer Partei rc. hinzutritt mitdem laut ausgesprochenen oder stillen und zugestandenen Vorbehalteder Freiheit der eigenen Überzeugung. Nirgends in der Weltachtet man auch mehr diese Freiheit, als bei uus, und wenn manin Wahrheit erkennt, daß einer irgend eine Handlung aus Über-zeugung begangen hat, so spricht man ihn von innerer Verschul-dung frei.

In der glänzendsten Weise zeigt sich die aus der freien In-dividualität entspringende Mannigfaltigkeit in der deutschenLitteratnr. Suche man eine Litteratnr, welche in betreff dieserEigenschaft die unsrige übertrifft; es giebt keine. Jede Art und

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