Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
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Da die Menschen sich entwickeln wollen, so mußt du, Lehrer,deine Schüler entwickeln, sie zur Entwickelung von innen herausveranlassen.

Zwar ist dieses die Aufgabe der Lehrer aller Zeiten gewesen;aber in erhöhtem Maße in dieser Zeit.

Der Mensch wird das, was er werden soll, nur durch inneresWachstum, durch Entfaltung seiner Natur, durch Entwickelung.

Jeder Pflanzenkeim, jedes Samenkorn kann es dich lehren.Die Gesetze seines Werdens sind auch die Gesetze des mensch-lichen Werdens. Alle Organismen tragen die Gesetze ihrer Ent-wickelung in sich. Forsche ihnen nach und befolge sie! KeinGewächs wächst von außen, nur vou iuuen. Es birgt in sichden Trieb zur Entwickelung. Die Natur kommt diesem Triebedurch Licht, Luft, Wärme uud Feuchtigkeit eutgegeu. Thue dasÄhnliche bei deinem Kinde! Laß es wachsen, verschaffe ihm freienRaum, gieb ihm Gelegenheit zur Bethätiguug seiner Kräfte,verstehe dich auf deu entwickelnden, erziehenden Unterricht, aufdie entwickelnd-erzieh ende Thätigkeit! In diesem einenWorte liegt alle Weisheit des Erziehers und Lehrers!

4. Das Vierte ist: laß die Zeit mit ihren ge-sunden, frischen Kräften auf dich wirken!

Der Lehrer als solcher soll kein Parteimann sein, weder einpolitischer, noch ein religiöser, gewiß nicht; weder politische, nochreligiöse Parteisachen gehören in die Schule, in welcher die all-gemein menschlichen Anlagen zur Entwickelung erregt werden,und wo man weder auf die augenblickliche Staatsverfassung, nochauf konfessionelle Verschiedenheiten und andere Parteisachen zurücksichteu hat. Aber er darf sich darum nicht von seiner Zeitabschließen, sich nicht gegen die erregenden Einflüsse der Zeitisolieren und im 19. Jahrhundert so leben, als hätte er ineinem andern Jahrhundert das Licht der Welt erblickt; der Lehrerist nicht bloß Mensch, er ist Bürger, und er soll das Heran-wachsende Geschlecht für die Gegenwart und für die Zukunft er-ziehen. Folglich muß er diese Zeit kennen, er muß sich ihrenEinflüssen aussetzen.

Zwar hat er es überall mit der Menschennatur, welche, so-