Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
104
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zur fortschreitenden Kultur, und cs sind nicht die äußernVerhältnisse allein, welche bei den Völkern die geistige Bil-dung bcftinimcn, sondern es ist vielmehr der Geist, derden rohen Stoff beherrscht und ihn nmschafft.

Wir wollen nun daS schon so vielfach besprochene Ver-haltniß der Gewerbe in den Städten näher untersuche».

Die meisten Städte, vorzüglich in der alten Welt,sind Geburten der Noch, Schöpfungen eines frühere» Zeit-alters, Jnstituzioncn, welche längst ihren Zweck erfülltbaben, und, dem ewigen Gesetze der Natur gemäß, zumThcil jetzt wieder im Abnehmen sind. Sie künstlich haltenzu wollen, würde widernatürlich seyn. Die Natur mußsich ewig neu gestalten, ewig verjüngen, eben so der Staat,und zwar eben so unmerklich, eben so wenig gewaltsam.Mit den in der frühcrn Geschichte aufzusuchenden Veran-lassungen zu der Bildung unsers jetzt veralteten Gcwcrbc-und Zunftwesens hat cs seine eigene Bewandniß. DieGriechen und Römer, besonders die letzteren, kannten un-sere Gewerbe in ihrer Freiheit und Unbeschränktheit nicht;nur die eigentliche Kunst war frei, und ein bedeutenderThcil aller Arbeiten wurde durch Sklaven verrichtet, dieman als Maschinen gebrauchte. Später in Deutschlandführte das Bedürfniß, Schutz zu suchen, die freien Gewer-betreibenden in die Städte; auf dem Lande war thcilsKnechtschaft, theils wenigstens allzugroßc Abhängigkeit vondem Adel und der Geistlichkeit. Hier konnte daher schondas Gewerbe nicht gedeihen, weil es die Freiheit liebt.Gemeinschaftliches Interesse vereinigte die wenigen geschick-ten Handwerker, welche als Monopolisten anzusehen wa-ren, in gemcinschastlicde Verbindungen, Zünfte, Gildenu. s. w.; aber nicht blos die beschränkten Zwecke unsererjetzigen Zünfte hatte man sich vorgesteckt, sondern haupt-sächlich auch noch politische und militärische. Die Zünftenahmen an dem Rcgimcntc der Städte Antheil, wie diesnoch in den letzten Dezennien des abgelaufcncn Jahrhun-derts in mehreren Reichsstädten der Fall war, und oft auch