Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
23
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Man frage mich nicht: Was haben wir alten gebrech-lichen Weiber für angemessene Beschäftigung zu geben,außer dem Spinnrade? Ich gestehe aufrichtig, daß ichnoch keine kenne, für jüngere würde ich das WebenVorschlägen, welches auch im Altcrthum die Beschäftigungdes andern Geschlechts war. Freilich werden dann wiedermännliche Weber brodlos aber man quäle sich nichtmit dergleichen Sorgen. Gott hqt alles wohl gemacht,und den Menschen wird cs besser gehen, wenn sic ihre Er-findungskräfte nutzen, als wenn sie ihr Pfund vergrabe».

In Westfalen sollten wir dem Flachsbau übrigens nochmehr Aufmerksamkeit weihen, als wir thun. Die ge-rühmte Leinsaat (lin rsms) der Niederländer soll oft soviel wcrth seyn, als der Boden, auf dem sie steht. Seydies auch übertrieben, so bleibt doch so viel wahr, daßdie Niederländer den Boden höher, als wir, durch Flachsnutzen. Konnten wir nicht auch, wie sic, unsere Lein-saat nach übrigens sorgfältigster Kultur noch mit Hühner-und Taubcnkoth überstreuen, und, um dem Fallen desso stark gedüngten Flachses vorzubaucn, das Land mit Ga-belstücken, worauf Ruthen liegen, bestecken?

Noch hat auch wohl Niemand bei uns versucht, obnicht andere Reizmittel, als z. B. Kalk, Gyps, Vitriol-crdc, den Wuchs des Flachses befördern; da solche bei an-dern Pflanzen so wirksam sind, warum sollten sic es beimFlachse nicht scyn? Der Versuch wäre beim Flachse umso zweckmäßiger, weis die Länge desselben nicht nur dasProdukt ansehnlich vermehrt, sondern auch zu einigen Ver-wendungen noch ganz besonder» Werth hat,

Ich erinnere auch daran, daß die Tartaren in derKrimm den Flachs bewässern diese Methode möchteauch in Deutschland bei einer Pflanze, deren Gedeihen sosehr von der zufälligen Feuchtigkeit abhängt, wo solchevon der Oertlichkeit begünstigt wird, wohl nicht unan-wcndbar seyn? Vielleicht versprachen insonderheit derzweijährige und der ewige Lein, auf diese Weise gebaut, eher