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Kurze Geschichte des Fahrrades und seiner Entwicklung
Leute aus aller Welt zusammenströmteu, welche sich das dortGesehene mehr oder minder zu nutze zu machen suchten, daferner noch heute im Germanischen Museum weitere Modellevon Nürnberger Lauf- und Fahrmaschinen vorhanden sind,welche den spätem französischen und englischen auf einHaar gleichen, so ist der Schluß Wäntig-Haugks gewißberechtigt, Nürnberg als die Geburtsstätte des Fahrradeszu bezeichnen.
Immerhin aber war dies nur die erste Phase des Ge-dankens, ein durch des Fahrenden eigene Kraft bewegtesVehikel zu schaffen.
Die nächste Phase der Entwicklung trat mit denjenigenNürnberger Modellen ein, welche nur zwei Räder hinter-einander zeigen, und diese gaben wahrscheinlich auch dembadischen Forstmeister K. von Drais Frei Herrn vonSauerbronn*), welcher sich mit mancherlei Erfindungenbefaßte, die Idee, eine Laufmaschine zu konstruieren.
Ist er somit auch nicht eigentlich als Erfinder der erstenIdee des Fahrrades zu betrachten, so ist er doch in derselben
') Carl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais vosn Sancr-bronn, geb. 29. April 1785 in Karlsruhe als einziger Sohn des 1830 in Mann-heim jals jOberhofrichter verstorbenen Frcihcrrn Karl Wilhelm von Drais. DieFamilie von Drais entstammte einem alten lothringischen Geschlecht. 1805 bestandder junge Freiherr die Prüfung siir das höhere Forstfach; 1808 kam er als Forst-inspektor nach Gengenbach. Seine vielfachen Vcmiihnngen mit Dingen, die nichtins Forstfach schlugen, zogen ihm manchen jTadel seiner Vorgesetzten zn underhielt er aus jseine Bewerbung 'einen Urlaub lauf unbeschränkte Zeit bewilligt.1811—14 wohnte von Drais in Karlsruhe, hauptsächlich init mechanischen Studienbeschäftigt, und reiste im gleichen Jahre nach Wien, um eine sFahrmaschincvorzuführen. Infolgedessen wurde ihm durch Miuisterialreskript das Tragen derUniform und das Führen des Forstmeistcrtitcls für seine öffentlichen Produktionenuntersagt. 1817jlcgte er seinem Fürsten Beschreibung undZcichnung seiner Maschinevor, worauf er unter Enthebung von seinen forstdicnstlichen Verhältnissen denCharakter eines Professors der Mechanik und ein Patent auf 19 Jahre für seineLausmaschine bewilligt erhielt. Drais suchte nun seine Laufmaschine überallbekannt zu machen und reiste 1821 nach Amerika, 1830 nach Paris, 1833 nachLondon und lebte darauf in einem Ocrtchcn des Odemvaldcs, wo er seinen aufBahuschicncn zu benutzenden, mit Kurbeln und Handgabcln bewegten Wagenerfand. Bon 1841 lebte er bei seinen Schwestern in Karlsruhe, wo er infolgeseiner Touren auf dem Laufrad eine bekannte und vielverspottcte Figur war.Wie cs heißt, nach langer Krankheit, starb er daselbst am 10. Dezember 1851.