Eiseiibcihn-BetriebZmatcnal.
127
i
stem 6, die II. Kl. 8, die III. Kl. 10 Plätze;die IV. Kl. hat selten Sitzplätze. In neuererZeit gibt es auch Wagen III. Kl. mit 2 Etagen,in denen bis 90 Personen Platz finden. Um eineGleichmäßigkeit im Aeußern der Personenwagen u.eine Wechselbeziehung zwischen Platz n. Billet her-beizuführen, ist kürzlich nach österreichischem Vorbildedie Anordnung bei vielen Bahnen getroffen worden,daß die Wagen od. Coupes I. Kl. gelb, II. Kl.grün, III. Kl. rothbraun, I V. Kl. grau bei Neu-beschaffungen n. Neulackirnng hergestcllt u. diesenFarben entsprechend, nur in helleren Tönen dieBillets (od. Fahrkarten) angefertigt werden. DieWagenräder sind theils Speichen-, theils Scheiben-räder von Gnßstahl mit Gußstahlachsen von 118bis 150 mm Durchmesser in der Nabe n. Guß-stahlbandagen (die Achsen einiger Güterwagen habenStahlachsen von 92—105 nun). Die Untergestelleder Wagen sind von Eisen mit elastischen Stoß-u. Zngapparaten bei den Buffern, u. theils Lind-nerschen, theils Heberleinschen, theils anderenBremsvorrichtungen. Die achträdrigenWagen sindsäst gänzlich abgeschafft, sechsrädrige hat man nochvielfach, aber die Vierräder sind am gebräuchlich-sten, gegenwärtig mit fast gleichem Obergestell wiejene. Auf lang ausgedehnten Bahnen od. Tourenwerden auch Schlafwagen eingestellt, für derenBenutzung entweder die Verwaltungen oder dieBesitzer (Schlafwagen-Vermiethungs-Gesellschaften)besondere Beträge erheben. Die Personenwagenwerden im Winter großentheils mit Warmwasser,warmem Sand, mit Preßkohle od. mit Dampf ausder Locomotive oder aus besonderen Heizwagengeheizt. Ihre Beleuchtung erfolgt durch an derDecke angebrachte Öllampen oder Stearinkerzensowol bei Nacht als auf den Strecken, wo dieZuge länger als 2 Minuten durch Tunnel fahren,auch bei Tage. Mit der Fabrikation von Per-sonen- wie von anderen Eisenbahnwagen be-schäftigt sich eine große Zahl von Ban-Anstalten(im Deutschen Reiche z. B. in Berlin, Breslau (3),Görlitz, München, Hamburg, Braunschweig, Elbingu. a.), während die Achsen u. Räder in anderenEtablissements (in Deutschland größtentheils answestfälischen und rheinischen Fabriken) hergestelltwerden. (Näheres über den Bau n. dieBestand-theile s. u. Wagen.) Gepäckwagenwerden theilszur Beförderung des Persouengepäcks bei den ver-schiedenen Personenzügcn verwendet, theils zurAufnahme des Stückgutes in den Güterzügen.Diese Wagen stehen im Zuge gleich hinter demTender der Locomotive. Bisweilen wird auch, umden Stoß bei etwa erfolgenden Unglücken abzn-schwächen, gleich hinter dem Tender ein ganz leererWagen eingeschoben. Hinter dem Packwagen, od.am Ende des Zuges folgt der Postwagen. DieseWagen gehören größtentheils der Postverwaltungals Eigenthum an, wo nicht dieselbe mit der derEisenbahnen, wie in Bayern, verbunden ist. Diegesetzlichen Bestimmungen über das Verhältnis) derPost zu den Eisenbahnen ist festgestellt in demGesetz v. 20. Dec. 1875, betreffend die Abänder-ung des Z 4 des Gesetzes über das Postwesen desDeutschen Reiches v. 28. Oct. 1871.
Der wichtigste Theil der Transportwagcn sinddie verschiedensten Gattungen von Güterwagen, zu-
nächst als offene mit hohen od. niedrigen Bordenoder ohne Borde (Plateanwagen) u. als bedeckteunterschieden. Die Plateauwagen sind zum Equi-pagentransport, die niederbordigen offenen zu glei-chem Zweck (auch Kanonen, Wagen, Menagerien,Fonrgons rc.), sowie hauptsächlich zum Massen-transport von schweren Gütern, Eisen, Steine,Ziegel, Holz, Kohlen bestimmt. Mit Deckeln ver-sehen, nehmen sie Kalk auf. In den hochbordigenoffenen Wagen werden Pferde n. Rinder befördert,für Kleinvieh u. Geflügel sind sie mit Etagen u.Deckeln versehen, wobei sie statt der BretterbordcLeistenborde haben. Feine Pferde und Schasböckebekommen unter Erhöhung des Preises Stallwagenmit gepolsterten Wänden. Dampfkessel od. Lang-holz werden auf zwei durch einen Langbanm ge-trennten verschiebbaren, auf beiden Seiten durchRungen gehaltenen Doppelräderpaaren befördert.Man hat für einzelne Gattungen von Gütern u.Vieh noch besondere Vorrichtungen u. bezeichnet dieWagen als Bier-,Käse-, Obst-, Milch-, od. Borsten-vieh-, Ochsen-, Hornvieh-, Schemel-, Bügel- undConlissenwagen; letztere mit beweglichen Hinter-wänden. Auch zur Spiritusvcrladnng wurden inden letzten Jahren Wagen unter Berücksichtigungder Zoll- u. Stenervorschriften besonders zur Be-förderung nach anderen Ländern hergestellt. Disbedeckten Güterwagen, wie die übrigen, theils höl-zerne, theils eiserne, haben eine Ladungsfähigkeitvon 100—240 Ctr. bei einem Eigengewicht von110—180 Ctr., die offenen bei geringerem Eigen-gewicht tragen oft ebensoviel. Die bedeckten Güter-wagen werden, sobald die Personenwagen III. Kl.nicht mehr ausrcichen, also im Kriege, zum Mili-tärtransport benutzt; sie sind dazu mit Sitzvor-richtnngen zu versehen und faßt ein vierrädrigerWagen 32 Mann. Manche der größeren Bahn-verwaltungcn können so über 20,000 Manu nebstPferden n. Kanonen zugleich befördern. Was daszur Sicherung des Betriebes erforderliche Bremsenbetrifft, so bestimmt das Bahnpolizei-Reglememfür die deutschen Bahnen, daß in jedem Zuge außerden Bremsen am Tender od. an der Locomotiveso viele kräftig wirkende Bremsvorrichtungen an-gebracht u. bedient sein sollen, daß durch die letz-teren bei Neigungen der Bahn bis incl.
I : 500 bei Personen-Zügen der 8., bei Giiter-Z. d. IS. Thl.MO „ „ io. „
soo „ 5., „ 8. „
100 , 4., „ 7. „
00 , 3., „ 5. „
40 „ 2., „ 4. .
der Räderpaare gebremst werden kann. JederWagen muß Bezeichnungen erhalten, aus welchenzu ersehen ist: 1) die Eisenbahn, zu welcher ergehört; 2) die Ordnungsnummer, unter welcherer in den Werkstätten- und Revisionsregistern ge-führt wird; 3) das eigene Gewicht einschließlichder Achsen u. Räder; 4) das größte Ladegewicht,mit welchem er belastet werden darf; 5) das Da-tum der letzten Revision. Jeder Personenwagensoll, wie oben gesagt, Merkmale erhalten, welchedem Reisenden das Auffinden der Wagenklasse wieder benutzten Wagenabtheilnng erleichtern. DieseRevision hat zu erfolgen u. erstreckt sich auf Ach-sen, Lager u. Federn, sobald der Wagen 30,000Icrn durchlaufen hat oder früher, sobald 2 Jahre