DYNASTISCHE FORSCHUNGEN VON LEOPOLD FREIHERRN VON LEDERUR, HAUPTMANN A. D. U. DIRECTOR DER K. KUNSTKAMMER ETC. I ERSTES HEFT. I. Die Grafen von Jülich und ihre Stammgenossen. II. Der Antoingsche Stamm mit seinen Zweigen. III. Besitzungen, nach denen sich die alten Grafen von Cleve, Antoingschen Stammes, genannt haben. IV. Die Grafen von Moors. V. Nachweis, dass die Herren von Schoeppingk dem höheren deutschen Adel angehört haben. VI. Die Grafen von Sayn, Dietzisclien Stammes. VII. Die Edlen Herren von Holte. BERLIN. VERLAG VON LUDWIG RAUH. 1853. Vo r w o r t. Mit der ausserordentlichen Anhäufung urkundlichen Materials, welches seit einem halben Jahrhunderte gründlicheren Studien der Vergangenheit zugeflossen ist, und mit den anerkennenswerthen Bemühungen, in correctercr Gestalt die Quellenschriften des Mittelalters zugänglich zu machen, haben kritische genealogische Forschungen, selbst bei den wichtigsten dynastischen Geschlechtern, offenbar nicht Schritt gehalten. Glaubt man wirklich solcher Forschungen für die Territorial-Geschichte Deutschlands bereits enthehren zu können? Wäre es nicht endlich an der Zeit, einer entschieden antidynastischen Strömung, welche bewusst oder unbewusst, seit der französischen Revolution bei den meisten Historikern sich geltend gemacht hat, entgegen zu treten, mit ähnlichen Forschungen auf einem lange vernachlässigten Gebiete, auf welchem die Männer der Academia Theodoro-Palitina einst so schöne Kräfte entfaltet haben, während unsere heutigen Academien nur IV dann einige Bedeutung den genealogischen Forschungen scheinen zugestehen zu wollen, wenn es sich um irgend eine Dynastie des alten Aegyptens oder um Mythen der altnordischen Götterwelt handelt. Freuen würde es uns, gelänge es, mit diesem ersten Hefte dynastischer Forschungen einen allmählig sich erweiternden Sammelplatz zu gewinnen, für verwandte Bestrebungen. Entdeckungen auf dem Gebiete dynastischer Genealogien, Lösung verwickelter Knotenpunkte, Hindeutungen auf Stammesgenossenschaften, Aufhellung von Dunkelheiten und Zweifeln, Feststellungen des bisher Schwankenden und Ungewissen, Berichtigungen des als feststehend Angenommenen, würden hier ihre Aufnahme finden. I. Die Grafen von Jülich und ihre Stammgenossen. §. 1. Die ältere Linie der Grafen von Jülich. Die Jülichschc Dynastie bietet uns seit dem Beginn des 11. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts in der Primogenitur eine Reihe von Gerhards, in denen bald 5*), bald 6 Generationen **) anerkannt worden sind. Wir schliessen uns, wenn auch in einigermassen abweichender Begrenzung, der letzteren Ansicht an; und unterscheiden: Gerhard I., Grafen im Jülichgau 1003, 1001, 1008, 1009, 1018, 1019, 1020, 1029; Gerhard II., 1051, 1054, 1004, 1067, 1070, 1081; Gerhard III., Graf von Jülich, 1101, 1102, 1104, 1105, 1106; Gerhard IV. v. Jülich, 1109, Graf 1114, 1116, 1117, 1118, 1125, 1126, 1127; Gerhard V. v. Jülich, 1118, 1124, 1126, 1127, Graf, 1130, 1131, 1132, 1135, 1136, 1138; Gerhard VI. puer comes 1141, bereits 1153 nicht mehr am Leben. *) Krem er, akad. Beiträge III. 160. **) Ritz in v. Ledebur Allgem. Archiv XI. 129 — 131. 1 2 Die Herren von Wickerath und Hochstarten älteren Stammes. Seit dem Jahre 1143 und bis zum Jahre 117G finden wir Wilhelm I. als Grafen von Jülich bezeichnet; dem wir keinen angemesseneren Platz anzuweisen vermögen, als indem wir ihn zu einem Sohn des Gotfried von Jülich*), und diesen zu einem Bruder von Gerhard 1J . machen, so dass also Wilhelm I. und Gerhard V. Brudersöhne gewesen sein müssten, wofür freilich der Beweis noch mangelt. Bisher ist angenommen worden. dass des Grafen Wil- O heim I. Sohn Wilhelm II., der im Jahre 1207 als der Letzte Von der älteren Linie starb, mit seiner Gemahn Alveradis, Gräfin und Erbin von Molbacli, die sich zum zweiten mal mit Otto v. Wickerath aus dem Stamme der Grafen von Ahr vermählte, gar keine Kinder gezeugt habe; wir glauben jedoch nicht zu irren, wenn wir dieser Ehe einen in der Kindheit verstorbenen Sohn Wilhelm zuschreiben **). §.2. Die Herren von Wickerath und Hoch Staden älteren Stammes. Beim Jahre 1104 wird ein Gerlach der Bruder desjenigen Grafen Gerhard genannt,***) den wir als den dritten dieses Namens in der Jiilichschen Stammfolge kennen gelernt haben. Dieser Umstand erleichtert uns die Annahme, dass bereits der vorhergehende Jülicher Graf Gerhard II. einen Bruder des Namens Gerlach gehabt habe und zwar denjenigen, welchen wir als einen der drei Schutzvögte der Abtei Siegburg genannt *) Uber Godefrirtus de Juliaco 1138 (Lacomblet I, 219.) **) VIT. Kai. Jul. f Wilhelmus filius Alveradis pro quo dato sunt II marc. (Quix necrplog. b. Marie Aquensis p. 37.) ***) Gerhard comes de Julicho et frater ejus Gerlach (Kremer akad. Beiträge III. Urk. 2ti. Lacomblet I. 171.) Die Herren von Wickerath nml lloelistaden älteren Stammes. 3 finden, *) und der wohl ein und dieselbe Person ist mit dem Gcrlacli von Wickerath, mit dem uns verschiedene Urkunden des Jahres 10'38 bekannt machen **). Die Richtigkeit dieses genealogischen Zusammenhanges, wonach Gerlach von Wickerath der Sohn des Grafen Gerhard 1. von Jülich gewesen sein müsste, findet in dem durch das 10. bis 13. Jahrhundert sehr leitenden Gesetze, dass der erst- geborne Enkel den Vornamen des Grossvaters väterlicher Seits zu erhalten pflegte, eine Unterstützung; wenn wir den Gerhard von Hochstaden, den wir in vielen Urkunden von 1080 —1109 und zwar, was bisher unbeachtet geblieben ist, als einen Bruder des Erzbischof Hermann (III.) von Göhl kennen lernen, ***) als den Sohn jenes Gerlach v. Wickerath ansehen. Wir dürfen dies um so sicherer, als es fest steht, dass Gerhards gleichnamiger Sohn f) in früherer Zeit von Wickerath ff), in späterer Zeit von Hochstaden fff) genannt wird. Denn dass wir es bei letzterem mit einer und derselben Person zu tliun haben, dies ergiebt sich zur Genüge, da die einzige Tochter Adelheid, vermählt mit dem Grafen Otto von Ahr, Erbin sowohl von Hochstaden als von Wicke- ratli war, wovon das erstere auf ihren Sohn Dietrich, das *) Urkunden von 10(14, 1000, 1070. (Lacomblet I. 137. 140). **) Kindlinger Münst, Beitr. II. Urk. S. 44. Seibertz Westfäl. Urkdb. I. 32. Lacomblet I. 137. ***) Ilermannus Colonicnsis ccctesie archiepiseopus... Gerhardo da IIos- tuth fratre meo 1094. (Lacomblet I. 102.); irrig unter dem Jahre 10S4. (Kremer III. Urk, S. 21,) 4) Hermannus Colonicns. archip ... ipsius archipresulis fratre Gerardo ejusque filio Gerardo 1094. (Lacomblet I. 100. 102.) ff) Urkunden von 1115 (v, Ledebur Neu. Atlgem. Archiviii. 98.). 1117. (Kremer III. Urk. S.. 31.), 1118 (Lacomblet I. 189.) 444) ' n zahlreichen Urkunden von 1124 bis 1147. gewöhnlich als Uber oder nobilis vir beseichnct, seltener als comes. Gerardus comes dellostade 1126. (Lacomblet I. 198.); comes Gerhardus de Ilostad 1129 (ibd. 1. 201.); Gerhardus homes de Ilonstat 1134. (Niesert Miinst. Urk. s. II. 130,) 1* andere auf ihren Sohn Oho überging; die somit, die Stammherren einer neuen Reihe der Grafen von Hochstaden, wie der Herren von Wickerath, aus Ahrschem Geschlechte wurden *). Erzbischof Friedrich I. von Cöln bekundet im Jahre 1102, dass Lutgard für ihren in der-abteilichen Kirche zu Siegburg bestatteten Genial Heinrich von Katzenellenbogen der gedachten Kirche Güter zu Honnef geschenkt habe. Hei dieser Gelegenheit wird ihre Mutter Judith und werden ihre Brüder Gerlach, Dietrich und Adelger genannt **). — Zwar ist bereits ermittelt worden, dass diese Lutgard in zweiter Ehe mit dem Grafen Goswin von Staleclc vermählt gewesen, und damit das Räthscl gelöst, dass Graf Heinrich der Jüngere von Kalzenellcnbogen und der Pfalzgraf Hermann von Stahleck in mehreren Urkunden sich Brüder nennen, da sie Söhne einer und derselben Mutter waren ***); allein unbekannt war bisher, welchem Geschlechte Lutgard entsprossen sei. Eine vergleichende Zusammenstellung verschiedener Zeugnisse f), wird es ausser *) Wir erwähnen liier nur einiger Urkunden: Gerardus de Iloinstath vir nohitis ... ecclesiam Ilauenburne in allodio suo fundatam 1139 (Lacom- Met I. 223). — per manum Gerardi de Ilostade viri libcri...per manum Ottonis gencri et licrodis prenominati Gerardi 1147. (ibid. 1.244). — tempo- ,ribus Brunonis archiepiscopi secundi (1137), Gerardus de Iloinstadten vir no- bitis et memoria dignus ecclesiam Ilavenburnensem in allodio suo fundatam ...de Advocato ejusdem ecelesie ... uf nullus advocatus si...-3. 184.); 1314. Hiddoric van Cleve greve van Hilkerode (Nijhof 1. 154.); Diederick van Cleeff Grave van Ililkerade (v. Mieris II. 142); 1318. Theodericus de Cleve comes de Elkerode (ibd. II. 195. Büt- kens I. prcuves p, 153.). 1320. Theodericus de Cleve comes in Ililkeroy (Binterim et Mooren IV. 131 ) 1321 comes in Hilkerode (ibd. IV. 137.); 1323 Dirc Loef van Cleve Grave van Ililkenrede (v. Mieris II. 309.) von 1309 an, wie es scheint auf den Sohn zu beziehen. *) Lacombiet Ii. Vorrede p. XXXIII, **) Kindlinger Mühst. Beitr. III. Urk. S. 20fi. Fahne I. 07. "*) Kindlinger Bandseil. III, S. 203. 38 Iliilchrad. nämlich einen Turnierkragen über einem Schildchen *) welches ganz dasselbe Wappen ist, dessen sich auch die dem Lini- burgischen Stamme angeliörigen Edlen Herren von Reifferscheid bedienten **). Dieses Wappen beider dürfen wir wohl, da es weder das Clevesche, noch das Limburgische Stamm- Wappen ist, mit dem Besitz der Graf- oder Herrschaft Hiilcb- rad in Verbindung bringen. Des Namens Loif finden wir mehrere ritterliche Geschlechter***), namentlich auch in Cöln f) J wir sind jedoch der Meinung, dass wir es in dem Cleveschen Geschlechte nur mit einem unterscheidenden Taufnamen, nämlich mit einer Form des Taufnamens Ludolph zu thun haben, der schon unter den mythischen Ahnherren der Cleveschen Grafen, unter den Nachkommen des Elias Grail vorkommt ff), und auch anderwärts ff t) am Niederrhein, selbstin Westphalen*f) gefunden wird. *) Die Louones von Hilkerode mit dem bezeichneten Wappen unter den Cölnischen Patriciern aufgeführt (Siebmacher V. 302.). **) Fahne I. 356. ***) z.B. in ütrechtsclien Urkunden von 1224, 1225, 1226 einen mites Ar- noldus Loeff (Bondam charterb. v. Gelre p. 334. 341. 346. 353. 355.) 1326 magister Wilhcimus dictus Loef beafi memorie. (v. Mieris II. 349.). f) Fahne I. 259. Für diesen Namen giebt es nach lateinischen Urkunden eine andere Erklärung, indem sie de Laude genannt werden. tt) Lei* Sohn Reynolds I. und Vater Johanns in der fabelhaften Genealogie wird der angeblich 790 gestorbene Graf Ludolph (IIopp S. 172), nach Andern Graf Loiff (Schüren S. 106) genannt. Unter den Söhnen des Dieth- rich gen. Louf Grafen v. Hilkerode wird der zweite, der Dompropst zu Cöln war, mit seinem Vornamen nur Lueff genannt, (ibd ). ttt) Loyff von Horn (Fahne I. 173.). Der Knappe Loiff von Wienhorst 1453 (Binterim u. Mooren IV. 381.). Luf oder Loif von Lintzenich 1466 bis 1496. (Fahne I. 250.). *1) Löf de Lipperode miles 1305. (Gesch. der Stadt Osnabrück I. 205.). Kervenheim. 39 §. 7. Kervenheim. Schon ältere Genealogen nennen von den drei Brüdern Diethrich Grafen von Cleve, Diethrich gen. Louf Graf zn Hülch- rad und Herr zu Tomburg, und Diethrich Propst zu Xanten, diesen letztern als Herrn von Kervenheim *), nach dem unfern der Niers im Kreise Geldern gelegenen Städtchen. Das bestätigt eine Urkunde von 1282, wonach Dietrich Propst zu Xanten seine Burg daselbst als offenes Haus seines Bruders des Grafen Diethrich von Cleve erklärt **). Ihr Vater Diethrich hatte erst im Jahre 12G9 die Lehnsherrlichkeit über die Burg von dem Ritter Stephan von Wissel übertragen erhalten ***). Demnächst wird des Diethrich gen. Louf Grafen zu Hülchrad ältester Sohn Dietrich Graf von Ilülchrad Herr von Kervenheim genannt f), nicht minder dessen Bruder Siegfried Dompropst zu Münster tth Ja vielleicht ist auch der Johann von Kervenheim, den wir 1318 als Canonikus zu Xanten genannt finden ftt) gar kein anderer als der spätere Domdeehant zu Cüln und Dechant zu Xanten *f), der nach seines ältern Bruders Diethrich Grafen von Cleve 1347 erfolgtem Tode, die *) Teschcu in acher p. 189. "*) Theodcri'cus preposit Xautensis et archidincon. Colon ... Castrum nostrum in Kervenem ... domiui Theoderici comitis Clevcnsis fratris nostri (Lacomblet II. 457.) ***) Lacomblet II. 350. f) Greve Dericti van Karvenhem. (Gert van Schüren p. 103. 112.). Jacob Ridder van Ilugelhoven Drussyt ende Ambtmann zu Ilylginrode de Edylyn mans her Dytderichs van Kervcnlieym 1313. (v. Ledebur Allg. Arch XV. 235) -J-J-) Wilkens Vers, einer Gesch. d. Stadt Münster S. 04. flf) Hinter im u. Mooren IV. 123. *|) Diderik greve van Cleve ende Margrite Grevynne van Cleve sin wyff heren Jan deken van Xanten onsen broeder ... onse suster die vrouw van Ilorne 1331. (Nijhof I. 259. 202.). 40 Linn und Bergen op Zoom. Regierung von Cleve antrat und 13G8 als Letzter dieses Stani nies starb. §. 8. Linn. Der im Jahre 13ti8 verstorbene letzte Graf von Cleve des Antoingschen Stammes, wird verscliiedentlieh, und zwar bereits vor der Brudertheilung des Jahres 1328 *), als Herr von Linn, einem Städtchen im heutigen Kreise Krefeld gelegen, genannt **). §. 9. Bergen op Zoom. Des Herrn Amt von AVesemale Tochter Mcchtildis, Erbin von Bergen op Zoom in der Niederländischen Provinz Nord- brabant, vermählte sich zuerst mit des Gerhard von Voorn Burggrafen von Seeland und der Hadcwig von Borselen Sohn Albert, der sicli seitdem Herr von Bergen op Zoom nannte***): jedoch 1331 kinderlos starb. Die Wiftwe vermählte sich hierauf wieder mit des Diethrich v. Cleve gen. Louf, Grafen von Hülchrad jüngstem Sohne Reinold, der nunmehr sich Herr von Bergen op Zoom nannte f). Aber auch diese Ehe, die durch *) Grtvo Lörick gafl' 1328 Johann van Cleve synen Broeder voer syn Broederscheydung und Afl'guydong Slott, Stadt ende Landt van Lynne und Orssou. (G. v. Sc Ii iir en S. 112.). **) Johannes de Clevls deean. et arehidincon. Coloniensis dominus de Linne 1324. (Müller Güferwosen S. 33S.). Theodericus comes de Cleve... domino Johanni domino de Linne fratri nostro 1334. (v. Mieris II. 562,) ***) Alehreelit van Voerne here van Berghen op den Zoem end Machtild onse ghesellinne 1329 (v. Mieris II. 490.) t) Lerick Lueff von Cleve, Oreve tho Ililkeraide. wann dese Kinder als .Abstammung der Grafen von Moers. 41 den 13f3 erfolgten Tod der Mechtiklis gelrennt wurde, blieb unfruchtbar. IV. Die Grafen von Moers. §. 1. Die Grafen von Moers vermutblich aus dem Stamme der Grafen von Yianden. Seit dem Jahre 122G finden wir einen Grafen Diethrich von Moers genannt *), ohne dass wir früher in Urkunden auch nur eine Spur von einem dynastischen oder ritterlichen Geschlechte dieses Namens anträfen. Es hat der verhängnissvolle Zeitpunkt dieses plötzlichen Auftretens eines bis dahin unbe- Derick den iitston, Lueff Domproest to Cölne, Otto Procst to Sente Gereon in Cölne, Syffried Proest in den Rom tlio Munster und Reynolt Herr to Bergen op den Soym. (Gert. v. Schüren p. 106.), — 1335 Her Reynolt van Cleve Her to Bergen op dem Soeme (ibd. p. 113.), — 1336 Roinold von Cleve Herr von Berghen op den Some und Sivert von Cleve dompropst zu Münster. (Nünning mon. Monaster. p, 224. 225). *) Theodoricus comes de Morse 1226. (Bintcrim u. Mooren Erzdiö- cese Cöln IV. 18. Lacomblet II, 74). — Theodoricus comes de Moersa 1228 (Binterim u. Mooren III. 107.). •— Theodoricus comes de Morse 1229 (kremer akd. Beifr. II. Ulk. S. 254. Lacombl. II. 85.). — Rer Um, stand, dass wir bis zum Jahre 1241 diesem Namen nicht weiter begegnen- dass wir mit alleiniger Ausnahme von 1246, wo Theodericiis comes de Morse (Lacombl. II. 160. 161. Binterim und Mooren IV. 33.) genannt wird, ein Diethrich v. Moers nur als nobils vir oder dominus de Morse, ohne Grafentitel 1241, 1242, 1255, 1259 (Lacombl. II. 135. 139. 227. 264) erscheint, könnte zu der Annahme führen, dass hier zwei verschiedene Personen, Vater und Sohn zu verstehen seien, würde nicht durch die Identität ihrer Siegel bewiesen, dass wir es mit der nämlichen Person zu thun haben. 42 Abstammung der Grafen von Moers. kannt gebliebenen Namens noch dazu mit dem Grafentitel auf die gewiss sehr begründet erscheinende Vermutliung geführt*), dass mit der in diesem Jahre 1226 erfolgten Hinrichtung des Grafen Friedrich von Isenberg, mit der Einziehung der Vogtei- schaft desselben über die im Bereiche von Moers gelegenen Besitzungen der Abtei Werden und deren Uebertragung an Diethrich, das erste Auftreten mit gräflichem Prädikate in Verbindung zu bringen sei. Damit wäre dann freilich wohl die Machterhebung des Moersischen Geschlechtes, nicht aber die erste Erwähnung des Namens unter den Edlen dieser Gegend erklärt. Wir werden, um dies zu erklären, genöthigt sein, des Grafen Diethrich Vorfahren unter irgend einem andern dynastischen Geschlechte der Nachbarschaft zu suchen — und da giebt uns, in Ermangelung eines direkten urkundlichen Beweises — das Wappenbild — der einfache Querbalken im Schilde — die Hinweisung auf das Geschlecht der Grafen v. Vianden. Wir wissen keine geeignetere Stelle dem Diethrich Grafen von Moers anzuweisen, als indem wir ihn für einen Urenkel des von 1124 bis 1172 in Urkunden erscheinenden Grafen Friedrich von Vianden **) der ein Solm war des 1096 erwähnten Gerhard von Vianden ***), somit als einen Bruder des ums Jahr 1220 verstorbenen Grafen Friedrich f) erklären. Zur *) Lacomblet II. Vorrede p. XXXV. **) Urkunden von 1124, 1136, 1138, 1143, 1146, 1148, 1152 beiSchan- nat Eifflia illustr. I. 2. Abth. S. 958. Hontheim I. 534, 540, 555, 558, 568. v. Ledebur Neu. Allg. Arch. III. 122. ***) Gerardus de Vienna (Hontheim I. 445.). -[-) Fridericus comes de Vienno 1193. (Lacomblet 1. 377.). Fridericus comes de Vienna 1195 (Wiirdtwein subs. dipl. V. 264.) Fridericus comes de Vianden 1197 (Hontheim I. 630.). Hie Genealogien machen zwar keinen Bruder dieses Friedrich namhaft, dass er aber deren mindestens Einen gehabt haben müsse, scheint aus der Urkunde von 1120 hervorzugehen, worin es heisst: comes Luzelnburcli comites de Vianden, quos capiiuarat, liberos et solutos dimittet (Lacombl. II. 49.). Oder bezieht sich dies auf Friedrichs Söhne? Des Grafen Friedrich von Moers Kinder. 43 Unterstützung dieser Yermuthung ist nicht unerheblich, dass unter den Söhnen Diethrichs sowohl ein Friedrich als ein Gerhard sich findet *). §. 2. Des Grafen Friedrich von Moers Kinder. Die Moersischen Dynasten, deren Ursprung oder Anlehnung an ein anderes Edles Geschlecht der Umgegend in Dunkel und in Ungewissheit gehüllt ist, und welches im 13, Jahrhundert, und zwar erst seit der dritten Dekade desselben mit den schwankenden Bezeichnungen comes, nobilis vir, dominus oder wohl gar blos mit Angabe der ritterlichen Würde als miles seine Mitglieder bezeichnet **), in Lelmsabhängigkeit von den Grafen von Cleve***), gewinnen im 15. Jahrhundert durch Erbschaften, Familien-Verbindungen und ausgezeichnete Persönlichkeiten, besonders als geistliche Fürsten eine grosse Machtentwickelung und Bedeutung. Als den Begründer dieser Macht dürfen wir Friedrich ansehen, der sich 1375 noch Herr von Moers f), später jedoch *) dominus Theodericus vir nobilis de Murse... de eonsensu Elysabeth uxoris sue et liberorum suorum, quos nunc habet videiieet Theodcrico, Fri- derico, Ilenrico, Ricolfo et Gerardo. 1259, (Lacomblet II. 264.) **) Die beiden älteren Söhne des Grafen Diethrich I. von Moers nennen sich u. a.: Theodericus dominus do Morse 1263; Theodericus nobilis de Morse 1268; nobilis viri domini Theodericus et Fredericus milites de Morse 1287; Th. dominus de Murse et frater ejus F. viri nobiles 1288; Fridericus de Morse miles 1288. (Lacomblet II. 307. 336. 494. 506. 508.) *"*) Nos Theodoriens dominus de Morse ... quod nos bona fiele nostro Castro, nostro corpore et toto nostro posse promittimus juvare virum nobilem dnm. Theodeiicum comitem Clivensem prout ligius homo quod Ledichmhan vulgariter dieifur domino suo tenetur. 1287. — Nos Teodcricus dominus de Morse ... quod nos Castrum nostrum Morse et opidum nostrum ibidem,,, te- nemus a nostro Teoderico comite Clivense jure feudali. 1294. — Ego Fredericus dictus de Morse miles ... quod viri nobilis diii Theoderici comitis Cti- vensis ligius existo fidelis 1295. (Ritz Urk. des Niederrh. I. 66. 67.) t) Fredericus dns de Morse 1375. (Ritz Urk. d. Niederrheins I. 68.) 1 44 Des Grafen Friedrich von Moers Kinder. Graf von Moers und Herr von Baer nennt *) und der durch seine Gemalin Walpurgis **), eine Schwester des Erzbischof Friedrich Von Göhl ***), die Grafschaft Saarwerden erhielt. — Wir lernen folgende Kinder dieses Grafen Friedrich kennen: 1. Friedrich, der sich 1392 mit Engelberta, Tochter des Grafen Adolph v. d. Mark und der Gräfin Margaretha v. Jülich vermählte f), den Stamm der Grafen von Moers fortpflanzte und gewöhnlich sich Graf von Moers und Saarwerden nennt ff). 2. Johann, der 1417 die Grafschaft Saarwerden erhielt und Stifter einer Nebenlinie wurde, die nach Erlöschen der älteren Linie auch in den Besitz von Moers sich setzte. 3. Dietherich Erzbischof von Cöln und Administrator zu Paderborn von 1414 bis zu seinem am 13. Febr. 14(13 erfolgten Tode. 4. Heinrich Bischof von Münster von 1423 und Administrator zu Osnabrück von 1441 bis zu seinem Tode am 2. Juni 1450. 5. Walram zum Bischof von Utrecht erwählt, wo er sich jedoch nicht zu behaupten vermochte; dann Bischof zu Münster von 1450 bis zu seinem Tode den 3. Oct. 1456. Unter den vielen Vehden, in welche diese drei ausgezeichneten Kirchenfürsten verwickelt waren, ist ins Besondere der Soester-Krieg (von 1441—1449) zu nennen. *) Her Frederich greve fo Morse end here to Baer. 1393. (Niesert Miinst. Urkb. II. 40ti.). — 1414 (Kremer I. 60. Urk. S. 70.); 1419 (Müller Güterwesen S. 489.). **) Teschenmac her annat. Cliviae p. 361. ***) Friderich zu Cölne Erzbischof .. die edelcn liern Johann Greven zu Sarwerden unaern liehen Vater und hern Ulrichen hern zu Vinstingen lant- voigt. zu Elsasen unsern liehen ohm 1371. (Hontheim II. 254.). — Fridrich zu Colne Erzebischof ... une Swager ind nevo Greve Friderich van Murse 1392. (Binterim und Mooren IV. 316.) •[) v. Steinen Wcstph. Gesch. I. 265. 277. 302. ■)t) Urkunden von 1420, 1425, 1431, 1441 bei Kremer akd. Beitr. 1.20- 85. Ilrk. S. 85. Hontheim II. 391. Zill - Genealogie der Grafen von Moers. 45 0. Anna vermählt mit Nieolaus Grafen V. Tecklenburg *). 7. Elisabeth vermählt mit Bernhard Edlen von der Lippe **). 8. Walpurgis vermählt mit Johann Edlen Herrn von Heinsberg ***), §. 3. Zur Genealogie der Grafen von Moers. Ein Blick auf die Stammtafeln, welche Hamelmannf), Hennigesff), Teschenmacherfff) und Fahn e*+) von dem Moersischen Geschlechte entworfen haben, zeigt wie abweichend und wie lückenhaft ihre Mittheilungen sind. Einiges zur Berichtigung und Vervollständigung möge hier Platz finden. Es wird des Grafen Diethrich II. Gemalin von Fahne Margaretha von Dollendorf genannt ; sie war jedoch eine Tochter des Herrn Gerlacli von Isenburg und der Elisabeth, die eine Tochter gewesen des Grafen Diethrich von Cleve und der Elisabeth von Brabant **f). Zwischen diesem Diethrich 11. und dem Grafen Friedrich, der mit Walpurgis Gräfin von Saarwerden vermählt war, und *) Gobeliui Persona cosmodrom. ap. Meibom 1.339. Teschenmacher p. 361. Hennigs theatr. p. 418. 427. **) Teschenmacher p. 361. Hennigs p. 412. ***) Kremer akd. Boitr. 1. 66. Urk. S 70. f) .. opera geneal. historica p. 402. -j-f) theatrum goncal. p. 427. ttt) annal. .Inl. Cliv. Mont. p. 361. *f) Geschichte der Cöln-.Jiilich-Geschlechter X. 292. **-}-) Theödericns dominus de Murse ... quod nobilis vir dominus Theode- ricus comes Clevensis ... cum Margaretha nepte sua, dilecta fllia Gerlaci do- mini de Isenburg, cum ipsam duximus in uxorem. 1292. (Lacomblet II. 547.). 46 Zur Genealogie der Grafen von Moers. welche Teschenmacher für Vater und Solin hält, schaltet Fahne noch zwei Diethriche von 1294 und 135G ein. Während jener eine Generation zu wenig annimmt, giebt dieser offenbar eine zu viel. Wir haben den Diethrich II. der 1259 zuerst als der älteste von den Söhnen Diethrichs I. erscheint für ein und dieselbe Person zu halten, die wir noch 1294 mit dem zweiten Bruder Friedrich zusammen genannt finden*); für seinen Sohn dagegen denjenigen Diethrich (III), dem wir in Urkunden von 1324—135G begegnen**); und wieder für dessen Sohn den Grafen Friedrich, welcher ausser der Gräfin Walpurgis von Saarwerden noch eine Gemalin aus dem Geschlechte der Hocli- straten gehabt haben soll ***). Wold mit Recht giebt Teschenmacher diesem Grafen Friedrich einen von Fahne übergangenen Bruder Johann, da wir einen solchen in Urkunden von 13G4—13G8 genannt finden t). Eine in den erwähnten Stammtafeln übergangene Tochter des Grafen Friedrich von Moers und der Walpurgis Gräfin von Saarwerden, nämlich Walpurgis, vermählt mit Johann Edlen Herrn von Heinsberg 1414, haben wir in dem vorhergehenden Paragraphen bereits aufgeführt; aber einer Tochter des Grafen Friedrich von Moers und Saarwerden und der Gräfin Engelberta von der Mark haben wir noch zu gedenken. Sie hiess Margaretha und verlobte sich am 5. Mai 1431 mit Gerhard *) Theoderiens dominus de Murse ... nobili Frederico fratre nostro 1294. (Teschenmacher c. d. p. 214. Ritz I. 66. 67. Lacomblet II. 560.) **) Theodericus nobilis dominus de Morsa 1324. (Müller Güterwesen S. 390.). —■ Her Dyderik greve van Moorse 1326. (Niesert Münst. Urkb. II. 294.). — Her Thiderich Greve zu Morse 1341. (Kremer akd. Beitr. II. Urk. S. 144.). — Derick Her to Morse 1356. (Ritz I. 68 ) ***) Teschenmacher p. 361. )) Herr Johann von Mürs 1364. (Kremer I. 35.). — der edle Man Herr Johann van Muerse to der tit een amptman to Gelre 1366. (Binte- rim u. Mooren IV. 262. 263.). — Herr Johann Herr zu Mors 1368. (Kremer II. Urk. S. 56.). Die Herren von Schoeppingk. 47 von Loen Herrn von Jülich und Blankenheim, dem sie jedoch erst vier Jahr später zu Theil wurde *). Wenn Graf Wilhelm von Wied und Moers den Grafen Vincenz von Moers und Saarwerden seinen Vater und Schwiegervater nennt**), so hindert dieser Ausdruck nicht, dass letzterer vielmehr der Grossvater von des Grafen Wilhelm Ge- malin Margaretha war. Ihr Vater Fried rieh war vor seinem Vater, dem erwähnten Grafen Vincenz gestorben. Dem Grafen Christoph von Moers und Saarwerden ***) ist noch eine Stelle anzuweisen. V. Historisch diplomatischer Nachweiss, dass die Herren von Schoeppingk in ihren älteren Vorfahren dem höheren deutschen Adel angehört haben. Dass die Herren von Schoeppingk, oder wie sie in der aus dem Ritterschafts-Archive zu Mitau beigebrachten Stammtafel genannt werden: „die Freiherren op dem Hamme genannt Schoeppingk" gleich den meisten übrigen ritterlichen Geschlechtern Curlands und Lieflands aus Westphalen ihren *) Kremer I. 85. **) Wilhelm Greve zu W'iede urut Morse her zu Isenberg ... myne leven vader und Scliwegerherren Vincentien Greven zu Morse und zu Sarwerden 1498. (Ritz I. 117.) **') Carl hertoge vun Gelre ende van Gulich . . . onse licve neve Cris- toffel greve tot Moerse ende tot Sarwerden 1530. (Ritz I. 69.) 48 Bio Herren von Schoeppingk. Ursprung genommen haben; dies würde, selbst wenn es zufällig an jener Beglaubigung fehlte, schon allein durch den Klang und die Form des Namens, so wie durch allgemeinere, historisch beglaubigte Verhältnisse, welche den Tractus des Westphälisehen Adels in jene fernen Ostseelande als eine historisch-merkwürdige Thatsache feststellen, über allem Zweifel erhaben sein. Die Angabe, dass Johann op dem Hamme genannt Schöp- pingk, mit welchem jene Stammtafel anhebt, aus dem Amte Camen in Westphalen herstamme, bestätigt sich nicht minder durch westphälische Quellen, indem einer der fleissigsten Sammler*) für westphälische Adelsgeschichte die ,,op dem Hamme genannt Schoeppingk 1 ' zu denjenigen Geschlechtern zählt, die um Garnen in der Grafschaft Mark begütert waren; nur sind leider die ausführlicheren Nachrichten, auf die er vertröstet, nicht mitgetheilt worden, und daher wohl für immer verloren. Werthvoll ist die Ermittelung, dass im Jahre 1470 Johann op dem Hamme gen. Schoeppingk ein Haus in Camen op dem Rode gekauft habe: nicht unwahrscheinlich ein Zeugniss für die erste Niederlassung in der Graf Mark. Die Gemalin jenes zuerst in Curland auftretenden Johann op dem Hamme gen. Schoeppingk wird Eine von Welmoede aus Westphalen genannt. Dies bestätigt wiederum die Richtigkeit der Angabe, dass aus der Gegend von Camen derselbe gekommen sei. Denn ohne Zweifel ist hier die Rede von derjenigen Familie von Velmede, die ihren Namen dem gegenwärtig der Familie der Freiherren von Bodelschwingh gehörigen Rittersitze Velmede an der Sesicke unfern Camen entlehnt, und die auch Burglehne zu Camen besessen hat. Den älteren Siegeln zufolge sind hier zwei ritterliche Ge- ■ schlechter desselben Namens zu unterscheiden, diejenigen von *) v. Steinen Westphäl. Gesch. III. 20. Hie Herren von Sehoeppingk. 49 Velmede nämlich. welche nach Siegeln des 14. Jahrhunderts gleich denen von der Mark einen geschachten Querbalken; in späterer Zeit aber einen geschachten Schrägbalken im Wappen führten; und diejenigen v. Velmede, welche abwechselnd mit Kornähren, oder mit Getraidekürnern (auch als Rauten gestaltet) das Wappenschild gefüllt haben. Aber es ist, trotz dieser grossen Wappen-Verschiedenheit eine Stammes-Gemeinschaft beider Familien nicht unwahrscheinlich; zumal da in der Familie v. Lethmate, die sowohl den Schachbalken, als die Aeh- ren hat, eine Vermittelung beider Bilder sich zeigt; und auch aus andern Gründen eine gemeinsame Sippe dieser Geschlechter wahrscheinlich. Gänzlich verschieden dagegen von dieser Familie von A elmede in der Gegend von Garnen ist dasjenige Geschlecht, welches sich nach einem gleichnamigen Dorfe unfern Brilon im Herzogthum Westphalen nannte. Auch die Dorothea v. Heyden, welche in jener Stammtafel als die Gemalin des zweiten Johann v. Sehoeppingk Erbherrn zu Bornsmünde und Planeborn angegeben ist, wird einem in der Gegend von Camen begüterten Geschlechte, nicht aber, wie behauptet wird, dem Anhaltinischen Geschlechte v. Heyden angehörig sein: nämlich denen v. d. Heyden genannt Rynsch, die mit denen von Altenbockum, von Hamm u. a. m. gemeinsamen Ursprungs sind, und einen Ring im AVappen führen. Dies geht nicht bloss daraus hervor, dass der Dorothea Mutter Eine von Melschede genannt wird, deren Familie ebenfalls der Grafschaft Mark angehört, sondern auch aus dem Vornamen Jobst, der mehrfach bei den in der Grafschaft Mark und im Cleveschen begüterten Herren v. d. Heyden gen. Rynsch vorkommt. So wird z.B. im J. 1501 einJobst v.d. Heyden gen. Rynsch, der füglich der Ämter jener Dorothea sein kann, mit Ellerden im Cleveschen belehnt. Er starb 1547: ein anderer desselben Namens war 1C29 Richter zu AVesel. Wir dürfen übrigens die gegen den Schluss des 15. Jahr- 4 50 I)le Herren von Schoeppingk. liunderts um Camen sesshafte adelige Familie op dem Hamme gen. Schoeppingk als ein ursprünglich der Grafschaft Mark an- gehüriges Geschlecht nicht ansehen: denn sonst würde wohl unter den vielen Urkunden dieses südlich der Lippe gelegenen, zum Cülnischen Sprengel gehörigen Tlieils von Westphalen, irgend Eine derselben erwähnen; das ist aber nicht der Fall; selbst die Landes-Vereinigung vom Jahre 142(5, welche eine sehr vollständige Uebersicht, der ganzen Ritterschaft der Grafschaft Mark giebt, gedenkt der von Schoeppingk noch nicht. Auch kann der Sparrenhof in Camen auf das, zwar richtig als Sparren erkannte Wappenbild der von Schoeppingkschen Familie sich nicht beziehen, sondern bezieht sich ohne Zweifel auf die Familie Sparre, welche gleichfalls Burglehne zu Camen inne hatte*). Die so wichtige Frage nach der ursprünglichen engeren Heimath und nach der ersten Veranlassung zu dem Namen des Geschlechts, sobald dieser nämlich dem Besitze entlehnt ist, wird stets durch die Topographie beantwortet. Da bieten sich nun für den Namen Schoeppingk in Westphalen nur zwei topographische Punkte, denen wir unsere Aufmerksamkeit zu widmen haben. Zuerst das in dem zum Münsterschen Sprenge] gehörigen Kirchspiel Brünen des llerzogthums Cleve gelegene Scoppynch, dessen eine Urkunde vom Jahre 133G **) als eines zum Haupthofe Brünen gehörigen Erbes oder mansus gedenkt. Allein ein solcher Unterhof kann nicht füglich einem Geschlechte den Namen gegeben haben, dessen Rittermässigkeit feststeht. Niemals wird auch in diesen Gegenden in irgend einer Urkunde, deren Tausende von mir benutzt worden sind, eines solchen Geschlechtes gedacht. So bleibt uns dann in der gesammten Topographie West- phalens kein anderer Ort, als nur das einzige, im Regierungs- *) v. Steinen Wcstph. Gesch. III. 10. "*) v. Ledebur Land und Volk der Bructerer S. 317. Die Herren von Schoeppingk. 51 bezirk Münster gelegene Städtchen Schöppingen, welches wir als Namensgrund und die eigentliche Wiege des freiherrlichen Geschlechtes der von Schoeppingk in Curland anzusehen haben. Dass mit diesem Einen Orte kein anderer concurrirt, das ist von der entschiedensten Erheblichkeit für die vorliegende Frage; weil wir hiermit der Klippe entgehen, welche den genealogischen Forschungen sonst so grosse Schwierigkeiten in den Weg stellt: nämlich der Schwierigkeit des richtigen Auseinanderhaltens und des Vermeidens einer irrigen Identili- cirung des Gleichnamigen. Denn wo es viele gleichnamige Oerter giebt, da giebt es stets auch viele gleichnamige, dem Stamme und Wappen nach nichts desto weniger verschiedene Geschlechter. Die Identität des nach diesem Einen Orte Schöppingen sich nennenden, urkundlich nachweisbaren Geschlechtes mit demjenigen, welches wir als op dem Hamme gen, Schöppingk vorübergehend im 15. Jahrhunderte in der Grafschaft Mark erblicken, und von dort nach Curland hinüber wandern sehen, kann somit, auch bei Ermangelung eines dies bestätigenden Siegels als ausser Zweifel stehend angenommen werden, und wird auch durch andere weiterhin zu erwähnende, nicht unerhebliche Gründe, bestätigt. Bei der Namens-Abweichung, die zwischen dem heutigen Orte Schöppingen und der Familie von Schoeppingk obzuwalten scheint, wird es nicht unangemessen sein, liier einige diplomatisch beglaubigte Spracli-Bemerkungen einfliessen zu lassen. Der Name des Ortes erscheint seit dem 9. Jahrhunderte in demjenigen Formen Wechsel, den auch der Name des hiernach sich schreibenden Geschlechtes im allmäligen Sprach-Entwicke- lungsgange durchzumachen gehabt hat. Nur darf nicht unerwähnt bleiben, dass man gern bei Familiennamen, zumal wenn sie der Heimath des Ortes entrückt wurden, die dem Ortsnamen verbleibende stumme Endung cn fallen liess, wie dies z. B. 4" 52 Die Herren von Schoeppingk. auch bei der Familie v. Schöning im Verhältniss zu dem Orte Schöningen sich wiederholt. Zur Bestätigung des hier Gesagten wird es von Nutzen sein, die verschiedenen urkundlichen Formen, unter denen der Name des Orts uns entgegentritt, hier zur Anschauung zu bringen. Scopingon 838 nach dem im Provinzial-Archive zu Münster befindlichen Original, nach welchem also der Abdruck bei Schaten annal. Paderb. welcher Schoppingus *) hat, zu berichtigen ist; richtig findet sich dagegen diese Form in den Abdrücken der Bestätigungs-Urkunden von 995 und 1002 **). Die bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts durchweg in der altsächsischen Mundart sich Vorfindende, volltönende Endform on, macht seit der Mitte des 12. Jahrhunderts gänzlich der stummen Endung en Platz***). Daher Scopinge 1147 nach dem Originale im Herforder Stifts-Archive, wogegen der Abdruck bei Lamey f) Schopinghe hat; Scopingen 1178 ff), 1184 tff), 1333 *f), Schopingen 1151 **f), 1290 f*) Scop- pinghe 1277 ff*); Scoopynghe 1313 §); Schoppingen *) Auffallender Weise hat der neuere dem Original entnommene Abdruck in Erhard reg. hist. Westfaliae: I. Urk. S. 10. in pago qui dicitur Scopingus. **) Ebendas. I. Urk. S. 50 und 58. ***) Dieser so merkwürdige, fast plötzliche sprachliche Uebergang ist in zahlreichen Beispielen deutlich zu übersehen in meinen Commentaren zu dem wichtigen Freckenhorster Ileberegister (Dorow Denkmäler alter Sprache und Kunst T. 2tes und 3tes lieft) und in meinem „das Miinstersche Sachsenland' - , wo ein Verzeichniss aller bis zum Schlüsse des 12. Jahrhunderts namhaft gemachten Oerter des Siiehsiseh-Münstersclien Sprengeis gegeben ist. ■f) Gesch. d. Grafen v. Ravensberg cod. dipl p. 11. tt) Niesert M linst. Urks. II. 122. ttt) Wilkens Versuch einer Gesch. d. Stadt Münster S. 100. # f) Wilkens Edle von Steinfurt S. 48. **f) Niesert Münst. Urks. II. 173. ■J-*) Falke cod. trad. Corbej. p. 752. tt*) Niesert Münst. Urks. V. 56. §) v. Ledebur Allg. Archiv. IV. 236. Die Herren von Schoeppingk. 53 1335, 1337*) 1355**); Schöpincgen 1337 ***); Scoping- hen 1330, 1350 f); Schöppingen, die heutige Form, finden wir bereits im 15. Jahrhundert 1423 ff); 1489 tft). Die drei ältesten Urkunden von 838, 995 und 1002 nennen uns zwar nicht einen Ort, sondern einen Gau-Bezirk Scopin- gon; es unterliegt aber keinem Zweifel, dass dieser Gau-Bezirk selbst dem Orte, wo das Haupt-Placitum, die oberste Mal- und Dingstätte desselben war, seinen Namen zu verdanken hat. In diesen drei Urkunden wird zweier, in dem gedachten Gau gelegenen, der Abtei zu Herford überwiesenen Kirchen, nämlich zu Wetteringen und zu Stockum erwähnt*!). Die Kirche des letzteren Ortes ging bald darauf ein, und wurde nach Schöppingen **f), worüber die Aebtissin zu Herford noch im Jahre 1G71 die Collation besass f*), verlegt. Was nun den für gegenwärtige Untersuchung nicht gleichgültigen Umfang des Gaues Scopingon betrifft, so sind wir berechtigt, ihn für congruent zu erklären mit dem Umfange der *) Lodtmann acta Osnabrug. II. 220. 215. **) Niesert Miinst. Urks. V, 206. ***) ibd. IV. 273. f) ibd. IV. 472. V. 107. ff) v. Ledebur Allg. Arch. IV. 245. +Ü) Niesert Miinst. Urks. VI. III. 112. *)) In pago qui dieitur Scopingus, in villa nuneupata Uuateringas eecle- siam inibi fundutam ... et in eodem pago, qui dieitur Scopingus, in villa qui nppeltatur Stochheim ecclesiam inibi fabricatam. 838 (Erhard reg. hist. Westfaliae I, Urk. S. 10). In den beiden Bestätigungsbriefen von 995 und 1002 heisst es: tres ecclesias in pagis Bursibant et Scopingon nominatis in villis quoque Reini, Vuadiringus (Uuadiringas) et Stochheim constructas (ibd. I. Urk. S. 56. 58), wo sich der erste Ort Rheine a. d. Ems auf den zuerst genannten Gau Bursibant bezieht. **f) Statt der vorhin erwähnten drei Kirchen: Rheine, Wetteringen und Stockum heisst es nämlich 1147: „die drei Kirchen zu Rheine, Wetteringen und Schöppingen" (Lainey Grafen v. Ravensberg c. d. p. 11.). Nach einer Urkunde von 1290 hatte die Aebtissin zu Herford den Pfarrer zu Schöppingen einzusetzen und einen Hof daselbst (Falke cod. trad. Corbej. p. 752.), !*) v. Ledebur Allg. Arch. IV. 254, 54 Die Herren von Scbooppingk. nachmaligen Freigrafschaft Wetteringen und der damit völlig übereinstimmenden Gaugrafschaft Sandwell: da beide Institute, unmittelbar aus der gemeinsamen Wurzel der alten Gau-Verfassung hervorgegangen, überall sich decken. Ich darf mich hierbei im Allgemeinen auf einige frühere, diese Verhältnisse urkundlich darthuende Abhandlungen beziehen*), und brauche hier nur zu bemerken, dass dieser Gaubezirk demgemäss die Kirchspiele: Oen, Wetteringen, Welbergen, Ochtrup, Steinfurt, Borchorst, Leer, Horstmar, Schöppingen, Eggerode, Ileeck, Epe, Metelen ganz, und Theile der Kirchspiele: Osterwik, Holt- wyk und Legden umfasste. Wir kommen nun zu dem wichtigsten Theile unserer Aufgabe ; nämlich zu zeigen, dass es ein mit der höheren Nobi- lität bekleidet gewesenes Geschlecht des Namens von Schöppingen wirklich gegeben habe, und dass dies ein und dasselbe sei mit demjenigen, welches wir kurze Zeit darauf in dem Stande der Ministerialen erblicken. Die Urkunde, welche uns einen Reinberfus de Scopingon, also noch in der älteren, volltönenden Wortform, als no- bilis vir im Gegensatz zu den unmittelbar darauf folgenden Ministerialen vorführt, ist vom Jahre 1138 und lautet wie folgt: In Christi nomine. Notum esse cupimus omnibus tarn futuris quam presentibus fidelibus, quod ego Engelbertus apud antiquum moriasterium S. Pauli videlicet praepositus cum ejusdem ecclesiae fratribus in praesentia Domini Wern- heri episcopi nostri pono in Vadio domum unam, quo sin- gulis annis quinque solidos nobis persolvit, Thidmaro et so- rori ejus Gerburgac pro sex marcis argenti, ea videlicet pactione: ut de consensu praedicte domüs Thidmarus duos *) Ueber die Gaue des Sächsisch-Miinstersclien Sprengeis (v. Ledebur AUg. Arcli, VII. 217.), und „Die Gografschaften der Miinsterschen Diöcese (ibd. X. 153,). Die Herren von Schoeppingk. 55 solidos sibi retineat et, tribus fratribus nostris persolvat. Si vero fratres iiostri praenominato Thidmaro sex mrcas red- diderint, ipse quamdiu vixerit de praedicta domo fratribus nostris quinque solidos persolvere curabit. Quodsi Thid- marus vita decesserit, et soror ejus Gherburgis supervixerit, ipsa cum eadem pactione fratribus nostribus respondeat et mater Tliidmari et Gerburgis si forte illis defunctis supervixerit, et ipsa eadem ratione praefatam domum optineat. His ergo tribus defunctis, si proles legitima de Thidmaro et sorore ejus Gerburga aliqua successerit, fratris nostri, si voluerint sex marcas argenti illi restituant et domum, de qua loquimur ad communem utilitatem libere recipiant. Haec autem quia hic scripta continentur, ut magis rata sint et firma, licentia et auctoritate Domini Wernheri episcopi nostri sigillo nostrae ecclesiae volumus obligari. Hujus pactionis testes suht liii: Engelbertus praepositus, Dodo decanus ejus- dem ecclesiae, Ludgerus diaconus, Hardewicus diaconus, Bernliardus presbiter, Sigfridus presbiter, Ricbertus pres- biter, Herrmannus diacomus, Haymo diaconus, Adalbero diaconus, Menricus diaconus, Arnoldus subdiaconus, Thio- dericus subdiaconus, Engelliardus subdiaconus, Bertholdus de Monasterio sanctae Mariae presbiter; nobiles: R,einher tu s de Scopingon, Bruno de Drivorde; ministeriales: Everliardus, Wulfardus, Thiedolfus, Lambertus, Ecbertus et filius suus Lambertus, Waldbertus, Wichardus, Thiedboldus, Tiezo, Adelbertus, Wicellinus. Acta sunt haec anno incar- nationis dominicae M°. C°. XXXVIII 0 . Indictione prima, regnante Chunrado rege, praesidente Monästeriensis ecclesiae AVernhero episcopo *). Ganz anders zeigt sich die Stellung der Familie einige vierzig Jahre später. Die Edle Frau Gerberg hatte mit Be- *) Aus einem Copiario des alten Doms zu Münster in YYilkens Versuch einer Geschichte der Stadt Münster S. 76. 56 Die Herren von Schoeppingk. willigung iln-es Bruders Amelung dem Kloster Asbeck mehrere Güter geschenkt, die theihveise in der Gaugrafschaft lagen, zu welcher Darfeld gehörte und die Bernhard v. Dülmen als Gograf verwaltete: theihveise in der Gaugrafschaft Wetteringen, der Lubbert von Asbeck als Gograf vorstand. In Beziehung auf diese letzten Güter heisst es nun in der betreffenden Urkunde des Jahres 1180: Praeterea memoratus Amelongus. hanc sororis sue obla- tionem Weteringe in comitiam in qua Heuuene continetur veniens a, Luberto de Asbek tunc comite: Alardo de Thri- uorden nobili viro et. minist er ialibus Brunsteno de Bil- lei'beke, Rodulfo de Scopenge, Remberto de Stochern, liberis quoque Gerhardo de Burghorst, Eluerico de Methelen et aliis multis presentibus et attestantibus regali interum banno confirmatam propria mann stabiliuit *). Wir sehen also hier schon die gemeinfreien Leute hinter die Ministerialen rangirt, und diese, als den eigentlichen Kern der sich bildenden Ritterschaft zwischen den Edlen und Freien eingeschoben. Wir sehen ferner, dass während der von Dri- vorden, dessen gleichnamiger Stammsitz nordwärts von Scliü- ttorff in der Grafschaft Bentheim gelegen ist, die höhere Mobilität noch gewahrt hatte, der von Schöppingen bereits in die Ministerialität getreten war. Diesem Geschicke, oder vielmehr dieser mit mancherlei Ehren und Vortheilen verknüpften Tendenz der Zeit, sich in den Dienst eines geistlichen oder weltlichen Fürsten zu begeben, unterlagen die meisten Geschlechter seit der Mitte des 12. Jahrhunderts; ja auch die Edlen von Drivorden konnten dem sich nicht entziehen. Denn, wiewohl eine Bentheimsche Urkunde von 1248 noch Gerhardus et Bernhardus fratres nobiles viri de Drivorden milites nennt**), so bezeichnet eine Münstersche Urkunde von 1240 den einen der- *) Niesert Miinst. Urks. IV. 137. ") Niesert Münst. Urks. V, 39. Die Herren von Schoeppingk. 57 selben, Bernhardus de Di'iuorde als ministerialis ecclesie Morl asteriei isis *). Es kann nach diesem Beispiele, die wir zu häufen im Stande wären**!, durchaus nicht weiter bedenklich erscheinen, die Identität des Geschlechtes, welchem jener nobilis vir Rein- bertus de Scopingon von 1138, und dieser ministerialis Rodulfus de Scopenge von 1180 angehörten, anzuerkennen. Dass aus dem Stande der Edlen die Ministerialen, welche von dieser Zeit an, seit der Mitte nämlich des 12. Jahrhunderts, eine viel grössere politische Bedeutung gewannen, vorzugsweise hervorgegangen sind; dies kann nach Wolilbrück's trefflicher Abhandlung ***) nicht mehr in Zweifel gestellt werden. Ebensowenig kann es aber auch zweifelhaft sein, dass mit dem Aufhören des Ministerialwesens, welches in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts fast überall seine Endschaft erreicht hatte, und einem freien Vasallenthum Platz machtet); der ursprüngliche freie Herrenstand rehabilitirt worden ist; *) Jung liist. comit. Benth. II. 54. **) Vergl. u. a. die Edlen v. Holte. Abschnitt VII. ***) Von mir aus des Verfassers handschriftlichem Nachlasse im 1. Hefte des 3. Bandes der Märkischen Forschungen mitgetheilt. t) Gegen Ende des lt. Jahrhunderts geschah, nachdem das ahe Mi- nisterial-Dienstwesen bereits aufgehoben war, auch noch die Umwandlung der Ministerial-Allodien in Mann lehne und lösete somit gänzlich das Verhält- niss auf, welches zwischen den Ministerialen und ihren Herren einige Jahrhunderte hindurch Slatt gefunden hatte. Daher kam es denn, dass mit diesem Wendepunkte, wodurch die mit der Ministerialität verknüpften llörig- keits-Verhältnisse geschwunden waren, auch die an jenem Stande haftenden Beschränkungen wegfielen. So durften z. Ii. so lange die Ministerialität währte, nur Personen des hohen Adels in das Dom-Capitel zu Magdeburg treten. Sobald jene Schranke jedoch gefallen war, gab es kein Ilinderniss mehr für den Eintritt der bisherigen Ministerial-Geschlcchter in das erwähnte Capitel, welches seit der Mitte des 14. Jahrhunderts geschah. Es war die Ministerialität gewissermaassen nur eine Sistirung der höchsten Adelsfreiheit für diejenigen welche derselben früher genossen, wie etwa heute noch ein amtliches Dienstverhältniss die volle Freiheit bindend ist, die aber mit der Auflösung dieses Verhältnisses wieder gewonnen wird. 58 Die Herren von Schoeppingk. nur mit cler Beschränkung allerdings, dass die in sehr verminderter Zahl, jedoch zu erhöhter Macht angewachsenen Geschlechter, die ihre alte Mobilität gewahrt hatten, eine höhere Rangstufe als hoher Adel, gegenüber dieser gewissermaasen erneueten Freiherrenschaft behaupteten. Leider fehlt es uns seitdem an Urkunden, die uns den Namen von Schöppingen nennen. Der Grund, dass wir fortan diesen Namen verschwinden sehen, beruht wohl vornehmlich darin, dass dieselbe Familie sich hinter andere Namen verbirgt; und da haben wir es zuvörderst mit dem: ,,op dem Hamme" zu tliun, der demselben, vermuthlich als unterscheidendes Merkmal von einem andern, dem nämlichen Geschlechte angehörigen Beinamen; hinzugefügt wird, aber auch wohl selbstständig erscheint; wie wir denn Thancmarus de Hamme von 1229 *) hierher glauben rechnen zu müssen. Hiermit lieben aber sogleich die oben angedeuteten, bei dem blossen Namen von Schöppingen wegfallenden Schwierigkeiten an, nämlich dass wir dadurch auf einen Namen geführt werden, der sich, so wie in der Topographie, so auch unter den adeligen Geschlechtern Westphalens vielfältig wiederholt; so dass nur die genaue Beachtung der älteren Siegel hier gegen sonst unvermeidliche Verwechselungen Schutz gewähren kann. Vor allen Dingen haben wir hier zu unterscheiden: erstens diejenigen von Hamm oder von dem Hamme, welche gleichen Stammes mit denen von Vittinghof, einen mit drei Kugeln belegten Schrägbalken, von einem Turnierkragen überdeckt, führen; zweitens die von Hamm oder von dem Hamme, welche gleichen Stammes mit denen von Altenbockum und von der Heyden gen. R.ynsch einen Ring im Wappen führen; beide in der Grafschaft Mark, im Essenschen und Recklinghausenschen begütert; drittens das Münstersche Stadtgeschlecht V. Hamm, *) Niesert Münst. Urks. II. 382. Die Herren von Schoeppingk. 59 welches gleich den hier ebenfalls vorkommenden v. Herding einen Hund im Wappen fuhren, und noch mehrere andere. Unter Hamme ist allemal eine wässerige, niedrige Gegend zu verstehen; was von dem Lande der Chamaven, oder dem Hamalande an der Yssel, bis Hamburg hin, auf alle Locali- täten Anwendung findet, deren Namen die Stammsilbe Hamm enthalten *). Besonders bezeichnend ist aber der Ausdruck „op dem Hamm". Diesen finden wir in der Topographie West- phalens wiederum nur ein einziges Mal, und zwar für eine Lokalität, die auf der grossen Locoqschen Karte von West- phalen „auf dem Hamm" genannt wird, in der Wester Bauerschaft des Kirchspiels Ochtrup gelegen, welches, wie wir oben gesehen haben mit Schöppingen in ein und demselben Gau gelegen hat. Wir nehmen daher keinen Anstand, gerade diese Lokalität für die Veranlassung zu erklären, weshalb die Familie von Schöppingen sich op dem Hamme gen. Schoeppingk geschrieben hat. In dieser Beziehung op dem Hamme erkennen wir aber, wie bereits angedeutet worden, nur einen geographischen Gegensatz zum Unterschiede von einem anderweitigen Namen Uppenberge oder von dem Berge, den eine andere Münster- sclie Familie führte, die wir, ohnerachtct wir niemals die Bezeichnung op dem Berge gen. Schoeppingk gefunden haben, dennoch als einen andern Zweig der Schöppingenschen Familie zu betrachten, uns unabweislich veranlasst sehen. Schon die Hinzuziehung eines Edlen Reinbart von Schöppingen zu einer so speciell die Stadl Münster betreffenden Verhandlung, wie die ist. wo dasCapitel des alten Domes den Geschwistern Thidmar und Gerburg unter gewissen Bedingungen ein Haus daselbst überlässt, führt auf die Vermuthung, *) Vergl. v. Ledebur Feldzüge Karls des Grossen gegen die Sachsen und Slaven S. 132 und desselben Land und Volk der Brukterer S. 60—76. 60 Die Herren von Sehoeppingk. dass Reinbert selbst wohl ansässig in Münster gewesen sein möge. War dies wirklich der Fall, so steht zu erwarten, dass das Vasallen-Verhältniss, in welches die in die Dienstmannschaft getretenen von Schöppingen zu den im Schöppingau am längsten und zwar ununterbrochen die höhere Nobilität bewahrender Edlen von Steinfurt getreten sein werden; auch auf den in Münster selbst befindlichen Wohnsitz Ausdehnung gefunden haben werde. Nun zeigt es sich wirklich, dass der Hof, welchem das Geschlecht Uppenberge seinen Namen Verdankt *) nicht allein in der Stadt Münster gelegen hat, sondern auch, dass die Edlen von Steinfurt das Obereigenthum darüber gehabt haben **). Zu diesem Zusammentreffen von Umständen gesellt sich aber noch einer, der unserer Combination den Stempel der Untrüglichkeit aufdrückt; nämlich der wichtige Umstand einer überraschenden Wappen-Uebereinstimmung. Betrachten wir nämlich die so ganz unheraldische Figur, wie das heutige Wappenbild der Freiherren von Schoeppingk den Blicken zeigt, so kann nicht bezweifelt werden, dass dasselbe falsch aufgefasst, und aus zwei in einander geschobenen Sparren hervorgegangen ist. Ebenso, und zwar was gewiss höchst überraschend ist, mit denselben Tinkturen schwarz auf Gold, zeigt sich im Schilde wenn auch ein einfacher, auf dem Helme jedoch der Doppel-Sparren bei dem Münsterschen Geschlechte up dem Berge oder von dem Berge zu Niengraben. So finden wir das Wappen nach einer 1721 zu Münster aufgeschworenen Ahnentafel; das Schild mit dem Sparren sehen *) Ilermannus ilo Uppenbergo ministerialis 1246 (Nicsert Münst. Urks. S. 29.); Ebertas Ubenberg 1285 (ibd. IV. 250 ) **) Nos Baldevinus nobilis vir de Steinvordia mansionem nostram Up penberghe sitnm in civitate Monasteriensi 1282 (Niesert Münster. Urks. V. 70.). Die Herren von Sclioeppingk. Gl wir aber auch schon auf Siegeln des Knappen Rudolfus de Berghe 1338 *) und des Dieterich von dem Berge 1471**). Was ist nun aber dies ungewöhnliche, ausser diesen beiden Familien nicht weiter vorkommende Wappenbild der zwei in einander geschobenen Sparren anders als die redende Anspielung auf den alten Namen von Schöppingen, nämlich eine Bedachung, die der Bedeutung von Scoppen, Schoppen oder Schuppen entspricht? Somit glaube ich denn alle möglicherweise zu erhebenden Bedenken gegen die Identität der Edlen von Schöppingen und der Freiherren op dem Hamm gen. Schöppingk beseitigt, alle die scheinbaren Räthsel aufgelösst, und den Nachweis unwiderleglich geführt zu haben, dass die Freiherrn op dem Hamm gen. Schöppingk in Curland in früherer Zeit dem hohen deutschen Adel angehört haben. Denn dass das Prädikat nobilis vir, welches jenem Reinbertus de Scopingen 1138 er- theilt wird, stets, wo es sich in Urkunden des 12. und 13. Jahrhunderts zeigt, diejenige höhere Adelsstufe bezeichnet, die den Stand der Dynasten begreift, zu Welchem auch die Grafen von Hohenzollern, von Habsburg u. a. m., ehe sie zu Fürsten des Reichs emporstiegen, gehört haben: dies ist eine so fest begründete, von allen Staats- und Rechtslehrern so allgemein anerkannte Thatsaclie, dass es einer näheren Begründung dieser Wahrheit nicht, sondern nur einer Hindeutung darauf bedarf. Nur das sei noch erwähnt, dass in gleichem Maase wie hier, nur wenigen ritterlichen Geschlechtern es vergönnt sein wird, ihre direkte Abstammung aus dem höhern Adel, mithin ihre ursprüngliche Zubehörigkeit zu demselben, so gegen alle Bedenken gesichert, mit der Evidenz darzuthun, wie es hier möglich geworden ist. *) Kindtingers Handschriften 29. Bd. S. 267. ") ibd. 13. Bd. S. 49. 02 Heinrich Graf von Sayn nnil Dietz. Wenn somit für die Herren von Schoeppingk der frühere Besitz des höheren deutschen Adels ausser Zweifel gestellt, d. h. ihre ursprüngliche Gleichstellung mit dem Stande der ältesten reichsunmittelbaren Grafen und heutigen regierenden Geschlechter nachgewiesen ist; so dürfte es wohl nur als Minimum der Berücksichtigung dieser älteren historischen Beziehungen gelten, wenn denselben die Anerkennung als Grafen zu Theil würde. VI. Die Grafen von Sayn, Dietzischen Stammes. §. 1. Heinrich Graf von Sayn und Dietz. Durch einen Zeitraum hindurch von mehr als 40 Jahren, die um die Mitte des 12. Jahrhunderts liegen, begegnen wir in Urkunden zweien Brüdern Heinrich und Eberhard Grafen von Sayn, von denen bis jetzt die Vorfahren nicht ermittelt worden sind*); die wir jedoch gewinnen werden, wenn es gelingt, zu erweisen, dass dieser Heinrich ein und dieselbe Person ist, mit dem in der Reichsgeschichte, namentlich in den Umgebungen Kaiser Friedrichs I. oft genannten Grafen Heinrich von Dietz **). Dies darzuthun sei unsere Aufgabe. *) Tolner (historia Palatinal. 97.) kam der Spur wenigstens nahe, indem er den 1246 verstorbenen letzten Grafen Heinrich v. Sayn, des älteren Stammes, Nassauschen Ursprungs hält. **) Zuerst, wo Graf Heinrich v. Dietz nebst dem Pfalzgrafen Hermann von Stahleck .und andern Grafen auf dem Reichstage zu Worms 1156 zur Heinrich Graf von Sayn und Dietz 63 1 Schon der Umstand, dass nicht früher als im Jahre 1139, wo wir in zwei verschiedenen Urkunden einmal dem einen, dann dem andern begegnen*), der Name irgend eines Grafen von Sayn gefunden wird**), lässt erwarten, dass hinter irgend einem andern dynastischen Namen die Vorfahren derselben zu suchen sein werden. Unser Blick muss, schon wegen der Nachbarschaft, zunächst auf die dem Nassauschen Stamme entsprossenen Grafen von Dietz fallen, und das um so mehr, als bei denselben der Name Heinrich vorwaltet, und weil im Wesentlichen, in dem Löwen nämlich, das Wappenbild übereinstimmt: denn es ist unwesentlich, ob dieser als Leopard (von Vorn gesehen) oder als eigentlicher Löwe (im Profil), ob in der Einheit oder Mehrzahl erscheint; weil solche Abweichungen nur als Linien-Unterscheidungen eines und desselben Stammes anzusehen sind. Die Zahl der Urkunden, sowohl derer, in welchen Graf Heinrich v. Dietz, als derer, in welchen Graf Heinrich v. Sayn als Zeuge aufgeführt wird, ist bedeutend; niemals aber finden wir, trotz der Nachbarschaft beider Wohnsitze, einen Heinrich Grafen von Dietz neben einem Heinrich Grafen von Sayn zugleich genannt, wodurch die Annahme der Identität der Personen sofort widerlegt sein würde; wohl aber finden wir unmittelbar neben einander gestellt, sowohl Eberhard und Heinrich, beide als Grafen von Sayn ***), als auch Eberhard und Strafe des Hundetragens verurtheilt wurde (Lehmann Chronik von Speier p. 52S.); dann in den Zügen Kaiser Friedrichs nach Italien; und zuletzt, wo er 1188 in Palästina der Ueberbringer der Kriegserklärung an Saladin war. (v. Birnau Leben und Thaten Friedrichs I. p. 314.) *) Lacomblet Urkundenb. I. 224. 226. **) Wo geschieht um das Jahr 1112 eines Grafen Heinrich von Sayn, in welchem der Grafen Heinrich und Eberhard von Sayn Vater vermuthet wird (v. Stramberg Rhein. Antiquar. III. Abth. I. Bd. 2. Lief. S. 202) Erwähnung? ***) Eberhardus et Ilenricus Seinae coinites 1157. (Brower annal. Trevir. II. 63.). — Everhardus comes de Sayne et frater ejus Ilenricus 1157 (Hontheim 1.579.). — Heinricus comes de Seina et Euerhardus frater ejus 1171. 1176. (Lacomblet I. 308. 319.) 64 Heinrich Graf von Sayn und Dietz. Heinrich, jenen als Grafen von Sayn, diesen als Grafen von Dietz bezeichnet*). Vergleichen wir nun ferner Zeit und Ausstellungsorte der Urkunden, in denen uns ein Heinrich, bald als Graf v. Sayn, bald als Graf von Dietz begegnet, so finden wir auch hier keinen Widerspruch unserer Annahme, ihrer Identität; ein Widerspruch, der sich doch irgend einmal durch irgend ein alibi herausstellen müsste, um so mehr wenn wir bedenken, dass Heinrich so vielfach in dem Gefolge Kaiser Friedrichs 1. und zwar ausserhalb Deutschlands sich befindet, hier stets als Graf v. Dietz bezeichnet, als Graf von Sayn dagegen fast nur in seiner Heimath. In Betracht aller dieser erheblichen Gründe dürfen wir wohl auch als auf ein direktes Zeugniss für unsere Behauptung, dass der Graf Heinrich von Dietz der Bruder des Grafen Eberhard von Sayn war, auf zwei Urkunden des Jahres 1152 hinweisen **), die offenbar dieselben Personen im Auge haben. Sicher würde in der zweiten Urkunde, wenn zwei verschiedene Personen hätten ausgedrückt werden sollen, der Vorname Heinrich, einmal für den Bruder Eberhards und dann für den Grafen v. Dietz nicht ausgelassen worden sein; so aber erschien es genügend, in dem nicht besonders durch Vornamen bezeichneten Bruder Eberhards auf denjenigen hinzuweisen, der zugleich auch Graf von Dietz war. Nunmehr kann es dann nicht weiter befremden, dass wir das 1 4 Stunde von Dietz gelegene Kloster Dirstein unter der Vogteigerechtigkeit der Grafen von Sayn erblicken; dass wir *) Everhardus comes Seynensis. HeDricus comes de Dyehesse 1161. (Hontheim I. 595.). — Everardus de Seyne, Henricus de Diethesse comites 1161. (Brower II. 99.) Everhardus comes de Seyna, Heinricus comes de Ditse 1174. (Lacomblet I. 316.). **) Everhardus et ejus uxor et Heinricus fratres comites de Sayna. (Hontheim I. 569.). — Everardus et frater ejus de Seyna, comes de Dye- desa. (Günther I. 333). Heinrich Graf von Saffenberg, 65 über das im Bezirke des Dietzisclien Gerichtes Flacht gelegene Mensfelden die Grafen von Sayn die Gerichtsbarkeit ausüben sehen, und dass wir unter den Gütern, über welche Mathilde, die.Wittwe des letzten Grafen Heinrich von Sayn 1247 zu Gunsten ihrer Neffen disponirte, auch die comitia de Hademare war, worauf die Grafen von Dietz ebenfalls ein Anrecht behaupteten *). §. 2. Heinrich Graf von Saffenberg. Zu den Saynschen Besitzungen, welche die Gräfin Mathilde von Wied, die Wittwe des kinderlos verstorbenen Heinrich, letzten Grafen von Sayn, den Kindern der Adelheid Gräfin von Sponheim und Eherstein, einer Schwester ihres Gernals am 29. Aug. 1247 überliess, gehörten u. a. auch das Castrum Saffenberg und die Vogtei-Gerechtigkeit über Bonn, so wie über andere Cölnische Kirchen **). Dem Besitze von Saffenberg ist es zuzuschreiben, dass des gedachten Grafen Heinrich gleichnamiger Vater, ein Sohn des Grafen Eberhard I., sich Graf von Saffenberg in mehreren Urkunden nennt***). *) Arnoldi Gesch. der Oranien-Nassauischen Lande II. 30, 45, 62. **) Avemann Burggrafen v. Kirchberg Urk. S. 148. Günther cod. Rhen. Mosellan. II. 210. 222. Reis ach und Linde Archiv II. 260. ***) Ilenricus eomes de Saffenberg 1174 (Günther I. 417. 420.). — Hen- ricus comes de Sapliuenberg. — Ilenricus de Safenberg advocatus major S. Petri, pater ejus Euerardus comes de Seina, Everardus fitius ejus. — Hen- ricus comes de Safenberg et advocatus domus S. Petri in Cotonia. — 1176. (Kremer akad. Beitr. I. 323. II. Urk. S. 242. III. Urk. S. 55. — Lacom- blet I. 320. 324.) Es ergiebt sich hieraus, dass es auf einem Irrthum beruht, wenn Graf Heinrich für den Sohn des Grafen Hermann von Saffenberg gehalten wird. (Biirsch Zus. zu Schannat Eifflia illustrata II. 944.). 5 60 Bruno IV. Erzbischof von Cöln. Es bleibt künftiger Forschung vorbehalten, den Zusammenhang und die Ursachen zu ermitteln *), welche die Cülni- schen Kirchenfürsten und den übrigen Clerus veranlasst haben mögen, den Lehnsbesitz von Saffenberg, so wie die obere Schirmvogtei, nicht bloss über die Hauptkirche St. Petri, sondern auch über Bonn u. a. m. den alten so mächtigen Grafen von Saffenberg, die bisher damit bekleidet waren, zu entziehen; nur so viel erhellt, dass mit dieser Entziehung, welche um das Jahr 1170 zu fallen scheint, die Grafen von Saffenberg Von ihrer früheren Bedeutung und Macht herabsanken und dass sie von dieser Zeit an ihr bisher geführtes gräfliches Prädikat allmählig mit der Bezeichnung Edle Herren vertauschten. §. 3. Bruno IV. Erzbischof von Cöln. Eine aus dem 15. Jahrhundert herrührende Notiz über die Stiftung des Klosters Reichstein bei Montjoie, nennt den Cölnischen Erzbischof, welcher die ersten Nonnen aus Heinsberg dorthin verlegt haben soll, Bruno v. Sigelbach **). Nach der Note eines alten Lagerbuches eben dieses Klosters, dessen Begründung in das Jahr 1205 gesetzt wird, heisst dieser Erzbischof Bruno (IV.) v. Saynerbach ***). An beiden Orten wird von den Herausgebern die Bemerkung hinzugefügt, dass sonst dieser Bruno, Was allerdings auch von andern Autoren be- *) v. Stramberg ( Rheinisch. Antiquar. III. Abth. I. Bd. 2. Lief, S. 204) sagt: „Saffenberg und die Schirmvogtei wird Heinrich von seiner Mutter, die eine Gräfin von Saffenberg gewesen sein muss, ererbt haben," Das ist freilich nur eine Vermuthung. **) Ernst histoire du Limbourg VI. 171. ***) Ritz Urkund. u. Abhandlungen zur Gesch. des Niederrheins I. 72. Bruno IV. Erzbiseliof von Cöln. 67 hauptet wird*), dem Geschleehte der Grafen von Sayn beigezählt werde. Hierfür hat es bisher an den urkundlichen Beweisen gefehlt, die wir aus einer Zeit beizubringen vermögen, wo Bruno (f 2 Nov. 1208), bevor er im Jahre 1204, vom Papste und von Otto IV. unterstützt, gegen den zur Hohonstauffischen Partei gehörigen Erzbischof Adolf T. als Gegen-Erzbiseliof aufgestellt wurde, Propst zu St. Maria ad gradus in Cöln und St. Castor in Coblenz war. Er wird nämlich nicht allein öfter in Urkunden neben den Grafen Heinrich und Eberhard von Sayn, sondern einmal auch ausdrücklich ihr Bruder genannt **). Was nun die Bezeichnungen von Siegelbach und von Saynerbach betrifft, so ist uns der Grund dafür nicht klar geworden. Wr dürfen jedoch nicht unerwähnt lassen, dass im Jahre 1201 die Gebrüder Von Breidenbach gegen das Kloster Haina u. a. auf Güter in Sigelbach verzichten***), so dass es also einen Ort dieses Namens in dortiger Gegend geben muss; vielleicht sind aber auch beide Lesarten auf ein und dasselbe zurückzuführen, auf Sigen- oder Saynerbach; wie denn das Flüsschen Sayn, gewöhnlich Saynbach genannt, in älteren Urkunden, sowohl Sigina als Seyne genannt wird f). *) Kleinsorg Kirchengesch, von Westphalen II. 101. **) Ilcnricus comes de Seina et frater ejus Everhardus, pro quibus frater eornm Bruno prepositus 1182. — Bruno prep. S. Marie ad gradus ... Ilein- ricus comes Seynensis, Everhardus frater ejus. 1184. — Bruno prepos. St. Marie in Colonia. Everhardus comes de Seyne 1189—1190. — Bruno prepos. de Gradibus in Colonia. Ilenricus et Everhardus eomites de Seyne 1190. — Bruno prep. S. Castoris in Confluentia .. Henricus comes de Seyn. 1201. (Günther I. 341. 441. 445. 464. 467. III. Vorr. p. VI. VII.). ***) Wenk Hess. Landesgeseh. II. Urk. S. 185. f) Fluvium Sigina 927. (Meibom s. rer. Germ. I. 358. Schafen annal. Paderb. I. 178.) — rivum Seyne 1256. (Reysach und Linde II. 277.). 68 Adelheid Gräfin von Sponheim und Eberstein. §. 4. Adelheid Gräfin von Sponheim und Eberstein. Der Eberhard von Sayn, dessen das Necrologinm des Klosters Rosenthal als eines der Stifter desselben, am 22. Februar, seinem Sterbetage, gedenkt; und die Adelheid, welche mit ihrem Gemal Eberhard Grafen von Eberstein beim 6. Jan. ebenfalls zu den Stiftern dieses Klosters gezählt wird *), waren Geschwister. Dies erhellt namentlich aus einer Urkunde von 1258, worin des Grafen Heinrich von Zweibrücken Tochter Agnes ausdrücklich eine Tochter heisst des Grafen Eberhard v. Eberstein und der Adelheid, diese aber eine Schwester des Grafen Eberhard von Sayn **). Adelheid lebte mit diesem ihrem Gemal Eberhard Grafen von Eberslein noch 1255 ***), war aber in erster Ehe mit Gottfried f) Grafen von Sponheim vermählt gewesen, und nennt sich deshalb auch wohl gleichzeitig Gräfin von Sponheim und Eberstein ff). Von ihren Söhnen erster Ehe hat bekanntlich der ältere: Johann, die Starkenburger Linie der Grafen von Sponheim und die Grafen von Sayn jüngeren Stammes fortgesetzt; der zweite: Heinrich, den in mehrere Aeste sich verzweigenden Stamm der Herren Von Heinsberg; der dritte: Simon, die Kreuznacher Linie der Grafen von Sponheim fff). Ihr Sohn Eberhard dagegen war aus der Ebersteinschen Ehe *f). Auch dieser hatte durch *) Kremer orig. Nassov. II. 422. 423. **) Crollii orig. Bipont. II. 66. Kre m er Ardennisches Geschl. Urk. S. 125. ***) Reisaeh u. Linde II. 276. f) Nicht Johann, wie Hontheim I. 569 berichtet, ff) A. comitissa de Spanheim et Everstein pro remedio anime nostre dileetorum nostrorum videlicet domini Godefridi comitis de Spanheim et do- mini Everhardi predilecti filii nostri. 1256. (Reisach ü. Linde II. 277.) 1Tt) Krem er akad. Beitr. 1. 102. *t) Hiernach ist die v. Spiicker Gesch. der Grafen v. Everstein mitge- theilte Stammtafel der Grafen von Eberstein in Schwaben zu berichtigen. Adelheid Gräfin von Sponheim und Eberstein. 69 seine Matter Adelheid, die 1265 nicht mehr am Lehen war *), Antheil an den 1247 unter den Kindern der Adelheid vertheilten Saynschen Gütern **), und wird deshalb auch wohl Graf von Sayn und Herr zu Eberstein genannt ***). # ) per mortem Aleydis bone memorie quondam comitissc de Spanhcym. 1265. (Reisach und Linde II. 284.) **) ibd. II. 260. ***) Ludovicus comes Palatinus Rheni, dux Bavariae ... consanguineo nostro nobili viro Gothofredo eomiti Saynensi ... comitiam Saynensem ... exceptis possessionibus et bonis que Eberhardus ... affinis noster, comes de Sayn dominus de Eberstein recolendae memoriae patri nostro libera dimisit. 1273. (Tolneri hist. Palat. I. 97.) Stammtafel der älteren Grafen von Sayn. §. 5. Stammtafel der älteren Grafen von Sayn. Embricho, Graf von Dietz, 1133. (YVenck. Hess. Landesgesch. 11. Urk. S. 82. Gem. Demodis Gräfin von Lurenburg (vita Lodewici eomitis in Arnstein ap. Kremer orig. Nassov. II. 363.) Heinrich Graf von Sayn 1139—1176. Graf von Dietz, deren Stamm er fortpflanzt 1145 — 1189. (Stammtafel bei Wenck I. 584.) Eberhard Graf von Sayn. 1139—1176. Gem. 1152. (Hontheim I. 5G7). Heinrich 1172. 1174. Graf v. Sayn 1178—1203. Graf v. Saffenberg 1174. 1176. Obervogt der Kirche zu Cöln 1174. 1176. 1180. 1197. Gem. Agnes 1182. (La- comblet I. 341); soll dem Nassauschen Geschlechte angehören (Arnoldi I. 28.) i—■ i arm —«a Eberhard 1172. 1176. Gr. v. Sayn 1178—1202. Heinrich Graf von Sayn 1202—1246. Gem. Mechtild Gr. v. Wied 1221, als Wittwenoch 1283 am Leben. Adelheid Mutter d. späteren Grafen v. Sayn, 1.265 todt.. vorm. a Gottfried Gr. v. Sponheim, b. Eberhardt Graf V. Eberstein. Bruno Propst zu St. Maria ad gra- dus in Cöln. 1180 bis 1193 zu St. Gastor in Coblenz 1180—1201. Erz- bischof von Cöln 1204. f 2. Nov. 1208. Agnes verm. Gr. von Blies - Gastel (de Castris) 1243. 1255. (Günther II. 200. 201. 287). Wigbold Edler von Holte 1122 — 1137. —— Bernhard Edler v. II. 1134. 1136. Wilhelm Edler v. H. 1153- _____ 1169. Bernhard (in Urkunden zwar nicht, jedoch von Teschenmacher Vater des Bischof Lu- dolph von Münster genannt). Wigbold Domdechant zu Osnabrück 1225 bis 1237. Ludolpli 1212 Domherr, W77 bis 124^Bi- schof v. Münster. Hermann Dompropst zu Merseburg; 1222-1257 Abt zu Corvei. AdolphEdler v.Holte 1211—1258. Ritter und Burgmann zu Schauenburg. Wilhelm Dompropst zu Osnabrück und Münster, Domdechant zu Hildesheim 1211—1240. Wigbold Edler v. Holte 1205 — 1253; später Mönch zu Locum 1261. Gem. Wolderadis Edle v. Dreigwörden 1249—1261 später Aebtissin zu Bersenbrück 1284. Jutta Aebtissin zu Nottulen 1211 bis 1250. Bertha Aebtissin zu Essen. 1258. Wilhelm oder Wilkin Edler von Holte Burgmann zu Schauenburg und Ritter 1254-—1284. Hermann Edler von Holte 1261—1282 in späteren Jahren Dompropst zu Münster 1279. Wilhelm Vicedoml238. 1239, Dompropst 1245 his 1259, Bischof von Münster 1260. / /30' Dcbr. Wigbold Propst zu St. Mauritz b. Münster 1261 Domscholaster zu Cöln 1275. 1282 Erzbischof 1298—1303. AVidekind 1275. Beatrix Propstin zu Vreden 1280, Aebtissin z.Essen 1292—1317. Gertrud Stiftsdame zu Essen 1292. Adolph Edler v. Holte Ritter 1281—1300 todt 1309. Gem. Cunegunde ,1282. Lutgard Aebtissin zu Vischbeck 1304. Ludwig Edler von Holte 1261; später Domherr zu Münster 1282. Jutta Erbin v. Holte 1261. 1263. verm. m. Hermann v. Langen. Gertrud 1261. Wilkin v. Holte 1282, Burgmann zu Schauenburg Ritter 1309—1341. Adolph v. Id. 1282 Burgmann zu Schauenburg Knappe 1309—1317. Cunegunde 1309. Ilerbord v. Holte Knappe 1350. 1361. Ritter 1374. . A Adolph v. Holte Knappe 1374, Ritter 1400. Gem. Leneke, später verm. m. Heinrich Ledebur. «•Mtw [■■■■.mrrtfhur.uija ! ■> i^ .M aamaazz» ——«aa a m « ta msam■ Herbord v. Holte Knappe 1400 Ritter 1418. Schweder v. H. 1422; Dechant zu St. Martin in Münster. Mechtild Aebtissin zu Vischbeck; 1406-1429. Leneke verm. m. a. Cort Busche b. Johann Korff. Dio Edlen von Holte. 71 VII. Die Edlen Herren von Holte. §. 1. Die Edlen von Holte in Westplialen und am Niederrhein gehören 3 oder 4 verschiedenen Geschlechtern an. Dreierlei Dinge sind es, die bei dem Namen der Edlen von Holte unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen und zu einem längeren Verweilen auffordern. Einmal ist es die Schwierigkeit, die verschiedenen Stämmen angchürigen Personen dieses Namens richtig zu sondern; zweitens die ver- hältnissmässig grosse Zahl von Personen dieses Namens, und zwar ausschliesslich des Einen Stammes näher zu beleuchten, welche höhere geistliche Würden bekleidet haben; drittens dass uns hier eins der evidentesten Beispiele vorliegt, von dem Uebergange eines Geschlechtes höheren Adels in den Stand der gemeinen Ritterschaft, oder des niederen Adels. Was zunächst den ersten Punkt betrifft, so haben wir dem Stamme nach drei, oder wie wir weiterhin sehen werden, vier zu unterscheiden. Einmal das Osnabrück'sche Edle Geschlecht der Herren von Holte mit 3 Adlerflügeln im Wappen, von welchem in den beiden folgenden Paragraphen ausschliesslich die Rede sein wird. Zweitens die Edlen Herren von Holte, welche unfern Dinslaken im Cleve'.sehen ihren Sitz hatten, deren genealogischer Zusammenhang mit den vorhergehenden zwar behauptet, aber nicht erwiesen, ja sogar höchst unwahrscheinlich ist. Drittens endlich Zweig des Altena-Isenber- gischen Stammes, der sich von Holte nannte. In Beziehung auf das zweite der genannten Geschlechter 72 Die Edlen von Holte. berichtet nämlich Tesehcnmacher*), dass nach der Zerstörung des Schlosses Holte im Osnabrück'schen, die Edlen Herren von Holte bei Dinslaken im Cleve'schen sich angekauft und hier ein neues Schloss gleiches Namens gegründet haben**). Was jedoch die zuerst von Erdmann***) erwähnte, angeblich nach 7jähriger Belagerung im Jahre 1144 erfolgte Zerstörung des Schlosses Holte durch den Bischof Philipp von Osnabrück und den Grafen Otto von Ravensberg betrifft, so wie die Vertreibung des Edlen daselbst ansässigen Geschlechtes, und die Einziehung ihrer Stammbesitzungen durch eben diesen Grafen von Ravensberg, so bedarf diese Nachricht sehr der Berichtigung. Schon eine Urkunde vom Jahre 1153, worin der eben genannte Bischof Philipp bezeugt, dass der Herr Wilhelm von Holte sich mit Siegfried von Hute dahin verglichen habe, dass dieser ihm jährlich 12 Pfennige bezahlen und 12 Scheffel *) Annal. Cliviae p. 180. *") Vergl. meinen Aufsatz: Die Stadt und ehemalige Burg Holte im Herzogthum Cleve, und das gleichnamige Dynastengeschlecht im Ailgem. Arch. f. d. Gcschichtsk. d. Preuss. Staates V. 155—171. ***) Eldwinus Erdmann starb 1505 als Bürgermeister zu Osnabrück. Was er über das Schloss Holte im Osnabrüek'sehen (in chronic. Osnabrug. ap. Meibom sept. rer. Germ. II. 211.) berichtet, wird von Hämelmann (opera geneal. p. 684), Lodtmann (mon. Osnbr. d. 86.) Moser (Osnabr. Gesch. II. 67. 68.), Sandhof (antist. I. 108. III.), Weddigen (Gesch. der Grafsch. Ravensberg I. 6.), Stiivc (Beschr. u. Gesch. d. Höchst. Osnabrück S. 176 78.) u. von a. m. nacherzählt. Müser zweifelt jedoch, dass die Belagerung sieben Jahre gedauert haben soll und meint, es sei wohl an eben so viel Monaten genug, da sonst die Belagerung bereits unter dem Bischof Odo begonnen haben müsse. Vergleicdienswerth hiermit ist eine auf ältere Handschriften sich berufende Nachricht von der Abstammung des Ravensbergischen adeligen Geschlechtes von Brincke, weil hier, freilich neben viel traditionellen Ausschmückungen, mehrerer urkundlich sieh bestätigender Umstände gedacht wird (Z edlers Univers. - Lex. IV. 1390.). Diese Nachricht erwähnt zwar der Zerstörung des Schlosses im Jahre 1144, weiss aber nichts von einer 7jährigen Belagerung. Die Etilen von Holte. 73 Roggen nach Holte liefern solle*); und eine andere Urkunde**) von 1261 giebt uns hinreichend, die Ueberzeugung, dass dies Edle Geschlecht, aus dem so viele bedeutende Männer hervorgegangen sind, fortwährend in dem Besitze der Stammburg Holte im Osnabrückschen war; und wenn wir nun im Jahre 1315 sehen, dass der Edle Hermann v. Eon, die von seiner Gemalin Gertrud, einer Tochter und Erbin des Edlen Hermann Von Holte ihm zugefallene Herrschaft dieses Namens an den Grafen Otto von Ravensberg förmlich verkauft***), so haben wir von der Nachricht des angeblich im Jahre 1144 stattgehabten Anfalls dieser Herrschaft an die Grafen von Ravensberg sowohl die Grundlosigkeit als die Erklärung gefunden. Eben so wenig nun, wie die Nachricht von der Vertreibung des Edlen Geschlechtes von Holte aus dem Osnabrückschen begründet ist, eben so wenig ist die Stammgemeinschaft der am Niederrhein, im nachmaligen Herzogthum Cleve sich zeigenden Dynasten dieses Namens erwiesen. Zu dem Geschlechte, welches zu Holte oder Holten im Cleveschen seinen Sitz hatte, gehört ein Edler Everwin, den wir in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Urkunden erblicken f). Von einem verwandschaftlichen Zusammenhange mit dem um eben diese Zeit im Osnabrückshen auftre- *) Stüve, Gesch. d. Stadt Osnabrück II. 6. **) v. Ledebur Allg, Arch. V. 167. ***) Schaten annal. Paderb. ed. pr, II. 233. Kindlinger Samml. merk- wiird. Urk. 128. Niesert Miinst. Urkb. II. 378. •f) In einer Urkunde des Klosters Hamborn 1151 (Teschenmacher annal. Cliviae p. 181); nobilis Euenvinus de Holze et cognatus ejus Bruno Spcde 1166 (Kremer nkad, Beitr. II. 226. 229. Laeomblet I. 286. 288); nobilis Ebruwin de Holt 1166 (Laeomblet I. 295.); Euenvinus de Holte über homo 1167—1173 (ibd. I. 313); nobilis Euervinus de Holte... Bruno Spede 1167—1177 (ibd. I. 326.) nobilis Euenvinus de Holte 1170 (Niesert Münst. Urk. s. 11.224.); Euenvinus de Holtlio 1173 (Binterim u. Mooren Erzdiöcese Köln 111. 145.); über dominus Evervinus de Holte 1188. (Laeomblet I. 356.). 74 Die Edlen von Holte. tenden Edlen "Wilhelm von Holte ist nirgends eine Spur zu finden*). Mit diesem Edlen Everwin, den wir als erstes Mitglied des Niederrheinischen Dynastengeschlechles von Holte erblicken, scheint dasselbe auch im Mannesstamm erloschen. Höchst wahrscheinlich kam durch eine Erbtochter desselben die Herrschaft an den Grafen Arnold von Altena und Isenberg, der in einer Cappenberger Urkunde von 1170 unmittelbar vor Everwin genannt wird**) und an dessen jüngern Sohn Adolph, der ein Halbbruder seiner älteren Geschwister Friedrich Grafen von Isenberg, welcher als Mörder des Erzbiscliof Engelbert von Cöln 1226 ein so tragisches Ende nahm, ferner der Bischöfe Diethrich von Münster, Engelbert von Osnabrück und Bruno von Osnabrück, sowie der Pröpste Philipp von Soest und Godfried von St. Martin in Münster war, ein leiblicher Bruder aber des Wilhelm von Isenberg. Da es gleichzeitig aus dem Osnabrückschen Geschlechte einen Edlen Adolph von Holte gegeben hat, so scheint es zweckmässig, zur Verhütung von Verwechselungen, ausführlicher der Zeugnisse zu gedenken, die Bezug haben auf den dem Altena-Isenbergschen Stamme angehörigen Adolph. Seiner wird zuerst im Jahre 1220 in einer Soester Urkunde gedacht***). Im Jahre 1223 nennt Bischof Dietrich *) Zwar begegnen wir kurz vor dem ersten Erscheinen eines Edlen Everwin von Holte am Niederrhein, 1149 unter Osnabrückschen Zeugen auch einem Edlen Everwin (Moser Osnabr. Gesch. II Urk. S. 09.), allein wir dürfen wohl mit Recht annehmen, dass dies ein Edler Vogt von Freckenhorst ist 1150 (ibd. 11. 71.) Everwinus advocatus de Freckenhorst 1142; nobilis Everwinus advocatus 1151; Euerwintis advocatus de Freckenhorst 1152 (Niesert Miinst. ürkb. II. 155. 174. 182. **) Evcrhardus Comes, Engelbertus frater ejus, Arnoldus Cornea, nobilis Everwinus de Holte, Gerhardus nobilis in Colonia. (Niesert Münst. Urkunds. II. 224.). ***) Adolph nobilis de Holte (v. Steinen Westph. Gesch. III. 338J Die Edlen von Holte. 75 Von Münster ihn und Wilhelm von Isenberg ausdrücklich seine Brüder *). Wahrscheinlich ist es derselbe, den wir 1227 zwischen dem Edlen Conrad von Hoenbüke und Amelung von Lippe als Zeugen genannt finden in einer Urkunde, wodurch der Abt Hermann von Corvey, aus dem Geschlechte dcv^Os- nabrückschen Edlen von Holte, sich mit den Söhnen des im Jahre 122G hingerichteten Grafen Friedrich von Isenberg (Bruders des Edlen Adolph von Holte) wegen zwei von ihm zu Lehn gehender Karrat Wein, auseinandersetzt**). Auch in einer Urkunde des Klosters Hamborn vom Jahre 1237 wird Adolph genannt ***) Von besonderer genealogischer Wichtigkeit ist aber eine Urkunde des Jahres 1242 f). Als nämlich des unglücklichen Friedrichs Sohn, der Edle Dietrich von Isenberg, sein neu erbautes Schloss Limburg an der Lenne, wonach er sich späterhin Graf von Limburg nannte, seinem Oheim, dem Grafen Heinrich von Berg, zu Lehn auftrug und als Bergisches Lehn zurück empfing, geschah dies mit Bewilligung folgender Personen: des Bischofs Engelbert von Osnabrück, des Propstes Philipp von Soest, des Dompropstes Bruno von Osnabrück, des Propstes Godfried zu St. Martin in Münster, des Wilhelm von Isenberg und Adolph von Holte, die nicht nur unter einander Brüder, sondern auch Oheime (avun- culi) Dietrichs genannt werden, den sie als ihren cognatus bezeichnen. Beachtenswerth ist es, dass unter den anhangenden Siegeln das des Adolph von Holte einen Reiter vorstellt, *) Tlieoderieus Monasteriens. episc... Adolphus do Holte, Wilhelmus germani fratres npslri. (Niesert Miinst. Urks. II. 349.). **) Urkunde in Kindlingcrs Hämisch. 101. S. 7t>. Diese Urkundo ist zwar abgedruckt in Falke cod. trad. Corbej. p. 2Ü4, der Edle Adolph von Holte wird darin aber irrig nobilis Adolphus de Hosten genannt. ***) Tescli enmacli er annal. Cliviae p. 1SI. •() Engelbertus Osnabrug. episc. Philippus majoris eccl. in Susato prep. Bruno prep. Osnabrug. Godefridus prep, S. Martini Monasteriens. Wilhelmus dictus de Isenberg, Adolphus de Holte fratres. (v. Steinen W'estph. Gesch. III. 1435. Kremer akad. Beitr. II. 123.). 76 Dio Edlen von Holte. der in seinem Schilde einen aufgerichteten schreitenden Löwen führt*). Wir sehen also, dass dies Wappen von dem der Edlen v. Holte im Osnabriickschen gänzlich abweicht, und da wir annehmen müssen, dass es eben dasjenige ist, dessen sich die Synasten des Niederrheinischen Schlosses Holte bedienten**), so dient dieser Umstand zur Bestätigung der oben ausgesprochenen Ansicht, dass zwischen dem Osnabiückschen und Niederrheinischen Geschlechte desselben Namens eine stammgenossenschaftliche Verbindung nicht Statt gefunden habe. Im Jahre 1248 finden wir den Herrn A. von Holte zu Cöln als Zeugen in einer Urkunde, Worin die verwittwete Gräfin Mech- tild von Sayn dem Friedrich Herrn von Blankenheim, statt der *) Kremer akad. Beitr. II, 31. 123, **) Bekanntlich ist es eine sehr gewöhnliehe Erscheinung, dass dieselben Burgen und Schlösser, wonach ein Geschlecht des höheren Adels sich nannte, auch einer Familie des niedern Adels, einem Burgmannsgeschlechte den Namen gegeben hat, das dann mit jenen Dynasten auch ein gleiches Wappenbild führte, so finden wir denn auch ein Geschlecht von Holte niederen Adels mit einem Löwen im Wappen, v. Steinen nennt zwar das Haus Holte zwischen Lütgen-Dortmund und Harpen als Stammsitz dieses Geschlechtes (Westph. Gesch. III. 337—340. Tab. LXIV. nro. 5) und rechnet hieher auch den Bernd v. Holte, der 1435 in seinem Siegel einen Löwen hat (ibd. Tab. LXV. nro. 4.); wir finden indessen auch einen Knappen Peter v. Holte, der 1337 den Gebrüdern Gerd und Liideke v. Langen die Erlaub- niss ertheilt, das Erbe Dichove im Münsterschen Kirchspiele AA'estbevern für 30 Mark und 200 Pfennige wieder einlösen zu können, mit einem Siegel, worin ein .aufgerichteter" Löwe zu sehen ist (Kindlingers Handsch. 18 S. 109). Gewiss führte auch der: Leo de Holte officiatus et Schultotus curie in Rikelinchusen 1302 (Kindlinger Volmest. Gesch. II. 227) einen Löwen im Wappen. Wir möchten aber alle diese zu jenem Geschlechte rechnen, die von der Burg Holte bei Dinslaken ihren Namen empfangen haben, wohin ohne Zweifel auch der Gerd von Holte gehört, der in einer Urkunde von 1399 (Kindlinger Münst. Beitr. I. Urk. S. 77) unmittelbar neben einem Gerd von Dynslake genannt wird. Dagegen scheint ein anderes AVappen, zwei gezinnte Querbalken, deren sich Wilhelm v. Holten 1455 in einer Fröndenberger Urkunde bedient (v. Steinen AVestph. Gesch. III. 338. Tab. LXV, nro. 2.) dem aus der Grafschaft Mark stammenden Geschlechte angehört zu haben. Die Edlen von Holte. 77 ihm versprochenen Hälfte von Hunolstein, Güter bei Lastenberg uncl zu Ahrweiler giebt *). Im Jahre 1250 leistet der Edle Adolph von Holte nebst seiner Gemalin Elisabeth und ihren, nicht weiter namhaft gemachten Erben, so wie seine Schwiegermutter Ermengard Verzicht auf den von dem Grafen Godfried von Arnsberg zu Lehn gehenden Hof in Flierich, womit Ritter Hermann von Brockhausen wiederum belehnt .wird**). Elisabeth, die Gemalin Adolphs ***), war eine Tochter des Edlen Heinrich des Schwarzen von Arnsberg f). Am 5. Nov. 1261 bestätigt Adolph als Erbe dieses seines Schwiegervaters ff), den von Letzterem geschehenen Verkauf der Vogtei über Röckinghausen an das Kloster Oelinghausen. Wichtig ist sein an dieser Urkunde hangendes Siegelf ff), indem es sein Stammwappen, nämlich die Isenbergische Rose enthält —• eine neue Bestätigung dafür dass der früher im Schilde geführte Löwe auf die ihm ange- erbtei^ Herrschaft und Namen Holte sieh bezieht. Elizabeth hatte von ihrem Gemal, den sie lange überlebte*!), eine Tochter Mechtildis, die schon im Jahre 1255 *) Günther cod. dipl. Rheno-Mosell. II. 229. **) Adolplius nohilis de Iloltho et Elyzabeth uxor ipsins et haeredes eorundem, nec non et Emengardis memorate Elyzabeth mater (Kindlinger Volmest. Gesch. II. 144), Kremer (akadem. Beitr. II. 9.) führt diese Urkunde an, nennt aber irrig die Mutter der Elisabeth gleichfalls Elisabeth und statt 1250 die Jahreszahl 1202, wie Kindlinger (p. 146.) bewiesen hat. ***) Adolphus de Holte miles und seine Gemalin Elisabeth auch 1253 (v. Steinen W. G. III. 338.). f) Vergl. Urk. von 1252 angeführt in Seibertz Westph. Urkb. I. 402. ff) Adolphus vir nobilis de Holte ... quod cum Hinricus vir nobilis dictus niger bone memorie de Arnesberg ... nos qui successimus eidem in heredi- tate ratione filie ipsius, quam duximus in uxorem 1261 (Seibertz I. 401.). fff) Seibertz ibid. II. Tab. V. 14. *f) Nobilis domina Elyzabeth dicta de Holte 1266 (Seibertz I. 422) — domina Elyzabeth de Holthe et Hinricus filius ejus 1269 (ibd. I. 429.) — Henricus clericus de Holte et domina Elyzabeth mater mea. 1277 (v. Ledebur Allg. Arch. V. 169.). — Elizabeth relicta quondam Adolphi domini de Holthe et Henricus filius ejus ... presente etiam fratre dictc Elizabeth Con- ; 78 Die Edlen von Holte. Wittwe des Burggrafen von Cöln Gerhard von Arberg genannt wird *), und zwei Söhne Heinrich lind Wilhelm, die beide in den Dominikaner-Orden gefreten zu sein scheinen**); so dass also rado de Ustende 1277 ( v. Steinen Westpli. Gesell. I. 811. 812). Dieser Conrad von Ustene oder von Husten war ein Stiefbruder der Elisabeth, von der gemeinsamen Motter Ermengard geboren. Das an der Urkunde hängende Siegel, auf welchem „ein doppelter Adler, hinter welchem sich ein Blitz zeigt" zu sehen ist, theilt v. Steinen (III. 338. Tab.EXV. 1.) irrig als das der Edlen v. Holte mit; es ist aber, wie die Urkunde auf das Bestimmteste ausdrückt (sigillo mei Elizabeth predicte feeimus communiri et ego II. (enricus) prefatus sigillo Domine et matris mee in liac parte usus sum et contentus) nicht das Siegel Heinrichs, sondern das seiner Mutter. Das bestätigt auch eine andere Urkunde von 1282, worin es beisst: Ego Bela (wohl richtiger Beta, als Abkürzung von Elisabeth) filia llenrici Nigri de Arnesberg et Ilenricus filius noster dictus de Holte (Wigand Archiv V. 169.). Es hängt derselben Urkunde nämlich ein gleiches Siegel an, von dessen Umschrift: borg man gerade genug erkennt, um den Namen Arensberg wieder zu finden. Dasselbe Wappenbild führte ihr Vater Heinrich 1247 mit der Umschrift -f Sigillum Ileinrici nigri de Arnesberg, schon darum bemerkenswert!), weil es das älteste Siegel ist, Worauf sich ein zweiköpfiger Adler befindet. (Kindlinger Samml. merkw. Nachr. u. Ork. S. 155.) *) Mechtildis femina nobilis dicta de Holte., in memoriam mei ac pa- rentum meorum; nec non et viri mei Gerardi, qui defunetus est... ac patris mei A. viri nobilis de Holte 1255. (Lacomblet Nied. Urkb. I. 224). — Johannes Burggravius Coloniensis cum consensu matris sue Mettildis nobilis ma- trone de Holte 1266 (Fahne Gesch. d. Köln-Jülich-Bergschcn Geschlechter I. 10, der Mathilde jedoch irrig für eine Schwester des zu dem Osnabriick- schen Geschlechte von Holte gehörigen Erzbischofs Wigbold von Cöln hält S. 9.). — Megteldis nobilis matrona de llolthe et Johannes Burgravius de Arberg filius ejus 1271 (Lacomblet I. 366.). — Mechtildis nobilis femina domina de Holt, relicta quondam nobilis viri domini Gerardi burgravii Arber- gensis... pro salute anime nostre ac bone inemorie Johannis militis domini de Arberg filii nostri 1281 (ibd. I. 448. 449.). — Methildis nobilis matrona domina de llolthe relicta quondam nobilis viri Gerardi Burgravii Coloniensis domini de Areberg 1282 (ibd. I. 448.). — Methildis nobilis matrona domina de Holte rclicte quondam nobilis Gerardi Burgravii Coloniensis 1287 (ibd. I. 490.). — Everhnrdus comes de Marka et Engelbertus ejus filius, ac Metbils dis uxor dicti Engelberti, domina de Arberg, nec non Methildis domina de Holte, avia dicte Methildis de Arberg. 1299 (ibd. I. 606.). **) Ilenricus clericus de Holte et domina Eiyzabeth mater mea 1277 (v. Ledebur Allg. Arch. V. 169.). Wir glauben diesen Heinrich und seinen muthmaasslichen Bruder Wilhelm in folgenden Personen einer Soester Urk. Geistliehe Würdenträger ana dem Gesehiecht dor Edlen von Holte. 79 mit diesen Kindern die Edlen von Holte des Altena-Isenberg- schen Stammes als erloschen angesehen werden müssen. Als eine von diesem Heinrich verschiedene Person, und zwar als einen Bruder seiner Mutter Elisabeth anzusehen haben wir einen andern Edlen Heinrich von Holte *) der wenigstens ausdrücklich ein Sohn des Edlen Heinrich des Schwarzen von Arensberg genannt wird **). §. 2. Mitglieder des Osnabrückschen Geschlechtes der Edlen von Holte, die höhere geistliche Würden bekleidet haben. Es biete^ die Einreihung geistlicher Personen in die Stammtafeln der Edlen Geschlechter, wegen des verhältnissmässig grossen Mangels an solchen Urkunden, welche das Verwandtschafts-Verhältniss ausdrücken, manche Schwierigkeiten dar. Wir widmen in dieser Beziehung dem Osnabrückschen Geschlechte der Edlen Von Holte mit den 3 Flügeln im Wappen um so lieber unsere Aufmerksamkeit, als sich gerade hier eine ungewöhnliche Anzahl bedeutender Persönlichkeiten zeigt, deren Zubehör zu diesem Geschlechte zum Theil noch des Beweises bedarf. 1. Poppo, der am 28. November 1084 als Bischof von Paderborn starb ***), und der das Jahr 1081 als das sechste seiner bischöflichen Regierung bezeichnet f), mithin seit 1076 von 1281 wieder zu finden: frater Henricus prior fratrum predicatorum in Colonia.... frater Wilhelmus de Hotte (Seibertz I. 484.) *) Henricus nobilis vir de Holte 1267. 1272. 1279. 1280. 1284 (Seibertz I. 425. 440. 471. 472. 501.). **) Ego Henricus dictus de Holte filius Henrici de Arnesberg dicti nigri 1284. Er bedient sich des Siegels seines Vaters. (Seibertz I. 502.) "*) Kleinsorg Kirchengesh. I. 554. 555. f) Hindling er Gesch. d. Ilörigk. S. 226. 80 Geistliche Würdenträger aus dem Geschlecht der Edlen von Holte. regiert haben muss*), wird von den Paderbörnschen Geschichtschreibern einstimmig dem Osnabrückschen Gescblechte der Edlen von Holte beigezählt **). Beweise für eine solche Behauptung fehlen jedoch gänzlich. Vor seiner bischöflichen Würde war Poppo Dompropst zu Bamberg ***). Die Lage dieses Bisthnms, so wie der Vorname Poppo lassen jedoch eher auf das Hennebergisclie Geschlecht schliessen. Sollte sich aber dennoch die Abslammnng aus dem Holteschen Geschlechte begründen lassen, so könnte füglich der Poppo, den wir 1049 als Diakonus im Domkapitel zu Osnabrück erblicken f)> mit ihm ein und dieselbe Person sein. Bischof Poppo wird sonst auch ein Schwestersohn des Bischof Wilhelm von Utrecht, den Heda für einen Bruder des Grafen Wichard von Geldern ausgiebt, genannt ff). 2. Burchard, der von 1098 bis zu seinem am 9. März 1118 erfolgten Tode den bischöflichen Stuhl zu Münster bekleidete und so mächtig in die Händel seiner Zeit eingriff, wird nicht minder für einen Edlen von Holte gehalten fff) Gründe für diese Behauptung werden überall verschwiegen. Wilkens behauptet*!), des Bischofs Bruder sei Vater zweier Edlen Burchard und Wicbold gewesen, und nennt an anderer Stelle **f), die nähere Beweisführung, welche er aber schuldig *) Sein Vorgänger Imad starb den 3. Febr. 1076 (Bessen Gesch. d. Bisth. Paderborn 1. 144.). **) H. v. Kerssenbroch catal. episc. Paderb. 1578 unter Beifügung des richtigen Holteschen Wappens mit den drei Flügeln. Sehnten annal. Paderb. — Bessen Gesch. d. Bisth. Paderborn I. 144. 145. ***) Poderbrunnensem vero episcopatum Boppo Babenbergensis praepositus obtinuit 1076. (Lamberti annal. ap. Pertz VII. 244.) -{-) Moser Osnabr. Gesch. II. Urk. S. 19. it) Weddigen Paderb. Gesch. nach Schaten S. 130—138. Lambert von Aschaffenburg nennt beide Bischöfe blutsverwandt (ap. Pertz VII. 283.). ttt) w Steinen Westph. Gesch. III. 338. Kock series episc. Monaster. I. 42—49. Erhard Gesch. Münsters S. 71. *f) Versuch einer Gesch. d. Stadt Münster. 1823 S. 75. **t) Tross Westphalia 1825. St. 20. Geistliche Würdenträger aus dem Geschlecht der Edlen von Holte. 81 geblieben ist, sich Vorbehaltend, den Vater der beiden Letzteren, also des Bischof Burcliard Bruder Burgwald, dessen Existenz jedoch, ganz abgesehen Von der Richtigkeit des behaupteten genealogischen Zusammenhanges mit den Edlen von Holte, des Beweises recht sehr bedarf. Dessen Ansicht von dem im Münsterland zu suchenden Stammsitze, so wie von dem behaupteten Gau Syndinon oder Senden, muss auf das Bestimmteste als völlig unkritisch verworfen werden. — Wir sehen also, dass es für die Zubohörigkeit dieser beiden Bischöfe zum Holtcschen Geschlechte an Beweisen noch sehr gebricht, 3. Ludolph, der schon im Jahre 1212 mit Hinzufügung seines Familien-Namens als Domherr*), von 1226 bis zu seinem am 9. Jun. 1247 erfolgten Tode als Bischof von Münster erscheint, gehört dagegen unbestreitbar dem in Rede stehenden Osnabr.ückschen Geschlechte an **). 4. Hermann, des vorigen Bruder***), Dompropst zu *) Ludolfus de Holte canonic. Monasteriens. ecclesie 1212 (Niesert Münst. Urks. II. 322.). **) Folgende Urkunden geben das Verwandtscha'fls-Verhältniss an: Ludolfus Monasteriens. episc. .. testes: Wilbelmus frater episcopi ... nobiles Adolphus et Wicboldus fratres de Holte 1227. (Niesert Münst. Urks. 11. 360. Wilkens Edle von Steinfurt S. 39.). — Ludolfus Monaster. episc. frater noster Wilhelmus Osnabrug. prepos. 1229. (Kindlinger Ilandsch. 8. Tb. S. 18.). — Ludolfus Monaster. episc.. Wicboldo fratrc nostro 1230 (Niesert Marienborn S. 35. 37. 40.). — Ludolfus episc. Monaster. ... Wilhelmo fratre nostro Osnabrug. prep. laicis Wicboldo et Adolfo fratribus nostris 1231. (Kindlinger Münst. Beitr. I. Urk. S. 6. 8. Niesert Münst. Urkb. II. 160.). — Ludolfus Monaster. episc. . Wilhelmus Osnabrug. prep. Adolfus et Wicboldus fratres de Holte 1234 und die Bestätigungsbriefe von 1272, 1275, 1277, (Sandhof antist. Osnbr. II. Urk. S. 81. 149. 156. 163.). ***) Nur wenige von den vielen seiner gedenkenden Urkunden, sprechen das VerwandtschaftsrVerhältniss aus: Ludolfus Monasteriens. episc. — frater noster dorn. Ilermannus Corbej. abbas et ceteri fratres nostri Wilhelmus Osnabrug. prep. Wicboldus nobilis de Holte 1227 (Niesert Münst. Urks. II. 371.). — Ilermannus abbas Corbej .. Wicboldus de Holte frater noster 1247 (Moser Osnabr. Gesch. III. 367.). 6 i i I I