Deutsche Texte des Mittelalters herausgegeben von der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften. Band XL Die Predigten Taulers. BERLIN Weidmannsche Buchhandlung 1910. Die/Predigten Taulers aus der Engelberger und der Freiburger Handschrift sowie aus Schmidts Abschriften der ehemaligen Straßburger Handschriften herausgegeben Ferdinand Vetter. Mit drei Tafeln in Lichtdruck. BERLIN Weidmannsche Buchhandlung 1910. OXj / s. ADV- Katalog -woa^ HEK iELDORF Z \>tt?>Z Ozs\ ^c?zfy£ JInhaltsverzeichnis. I. Stück 1 bis 36 aus Straßburger Handschriften (A 89, mit Vcrgleichung von A 88 und A 91) nach den Abschriften von Karl Schmidt, samt Lesarten der Freiburger Handschrift 41. Seite 1. Des Tauwelers bredie an dem winnaht tage von drien geburten ist genommen usser den drien messen des winnaht tages und seit wie wir die drie krefte unserre seien versamelen süllent und ouch verlöuckenen aller eigenschaft wellendes, begerendes und würckendes ............................ 7 2. Accipe puerum et matrem eius et vade in terram Israhel et cetera (Matth. 2,13—33). Die bredie usser sancte Matheus ewangelio, des zwölften obendes, von Josephes vorbte und von Arcbelaus tot, leret uns fürsihtekliche warnemmen des endes in dem anefange eines iegclichen werckes, und warnet uns vor drien, vienden die unser sele süchent. — Disse bredige lisset man an der heilige dry künüg obon....... 12 3. In epyphania. An dem zwölften tage (Matth. 2,1—12). Die bredie usser sancte Matheus ewangelio des zwölften tages in den winabten, von drien mirren, seit wie Got usser grosser truwen fürsehen und geordent het alle liden zu ewigeme nutze eines iegelichen menschen, in weler wise es ime begegent kleine oder gros........................... 16 4. Die bredie usser sant Matheus ewangelio des zwölften tages von den drien künigen lert wie man die gehurt suchen sol und vinden müs in dem liehte der gnoden mjt undergange des natürlichen liehtes durch langbeitsamkeit in den begerungen (Matth.2,2) 20 5. Ein ander bredige von dem zwölften tage usser Ysaias epistele leret in weler wise der mensche ufston sol von iine selber und von allen creaturen umb daz Got sinen grünt bereit vinde und sines werckes in ime hekummen müge (Jes. 51,17. 52,2) . . . 22 6- Die ewige worheit: min joch daz ist senfte (Matth. 11, 25—30). Die bredie usser sancte Matheus ewangelio des sunnentages vor der septua- gesimen seit wie die sele si ein mittel zwüschent zit und ewikeit, und wenne sü sich scheidet von allen bilden, so treit sü ein süsses joch und der ussere mensche eine lihte bürde............................ 25 7. Simile est regnum eelorum (Matth. 20,1—16). Die bredige usser sancte Matheus ewangelio des sunnentages septuagesima, so man das alleluia leit, von dem wingarten, leret einen iegelichen menschen fürbas ufgon in sime grote sunder alles stilleston und verhüben.............. 28 8- Erat festus judeorum (Joh. 5,1—11). Die bredie usser sancte Johans ewangelio des fritages noch der grossen vastnaht, von des wassers bewegunge in dem tyche, seit wie Got etteliche menschen lot in eime X Inhaltsverzeichnis. Seite unwissende, in vorhten und in getrenge untze an iren tot und ergetzet sü denne erst riliche.............................. 34 9. Jhesus ging us in die ende der lande Tyri und Sidonis {Matth. 15, 21—28). Die bredie usser sanete Matheus ewangelio des anderen sunnentages in der vasten, von der chananeschen frowen, seit wie Got etteliche jaget durch den strit des inneren und usseren menschen, mit bewisunge einer gebesserlichen gliehnisse....... 40 10. Ego suni lux mundi dicit dominus (Joh. 8,12). Die bredige usser sant Johans ewangelio des samestdages vor dem palme obende leret uns kummen in unsern Ursprung und womitte wir des gehindert werdent, und seit ouch underscheit der geworen Gottes fründe und der valschen........ 47 11. Si quis sitit, veniat et bibat {Joh. 7, 37). Die bredie usser sanete Johans ewangelio des mendages vor dem palmetage, von unseres herren liden, seit von dem minnenturste noch Gotte und von dem gejegetze, wie der mensche gejaget wurt mit den hunden maniger leige bekorungen..... 50 12. Tempus meum nondum advenit, tempus autem vestrum semper est paratum {Joh. 7,6). Die bredige usser sant Johans ewangelio des zistdages vor dem palmetage seit wie wir süllent ufgon zu der hochgezit mit gütlichen meinungen, dozn dienent alle gesetzede eins ieglichen ordens das der herre verbörgenliche gegenwertig ist in unserm gebette........................... 56 13. Oves mee vocem meam audiunt {Joh. 10, 27). Die bredige usser sant Johans ewangelio an der mittewochen vor dem palmetage von der kirwihen zu Jherusalem, seit von zwein wintern des götlichen darbendes, der eine kummet von sache des menschen und ist gar schedelich, der ander ist sunder sache ein verdienliche gäbe Gottes.................... 00 14. Sante Johannes schribet {Joh. 18,14). Die bredie usser sanete Johans ewangelio des fritages vor dem pahnetage, von dem worte das Cayphas sprach: ' es ist weger daz ein mensche sterbe, wanne alles volg verderbe', leret drier hande lüte in weler wise sü irme eiginen willen sterben söllent, dadurch in ewig leben möge gevolgen.................. 65 15. Clariflca me pater claritate quam habui prius {Joh. 17, 5). Die bredige usser sant Johans ewangelio des balmeobendes von der verklerunge seit von eime wiselosen gebette, heisset gewore einunge mit Gotte, ist über alle wort und übunge des ussewendigen gebettes, und seit ouch drie wisen mit den man kummet zu der lutersten worheit........................ 67 16. Expedit vobis ut ego vadam {Joh. 16, 7—15). Die bredie usser sanete Johans ewangelio des vierden sunnentages noch dem ostertage seit wie uns der heiige geist stroffet umb alle unser sünde, und meldet in uns alle weltliche inbildunge underscheidenliche und heisset uns nieman urteilen . . 71 17. 18 s. Nr. 60a. 60b {nach der Engelhcrger Handschrift) ............ 76 19. Die ander uzlegunge von der uffart seit von fünf kunne gevengnisse domitte die lüte hie in zit swerliche gefangen werdent, und ouch womitte sü der böse geist in der gevengnisse behebet und in weler wise man ir lidig mag werden. — An der vffart tag ein bredige (Eph. 4,8) ....................... 76 20. Do der minnecliche {Marc. 16,19). Die dirte uzlegunge von der uffart seit wie der mensche Cristo stetekliche noch- volgen sol, also er uns vorgegangen ist drü und drissig jor durch manigvaltig gros liden, ebe er wider zu dem vatter kummen mohte. — Dise bredige lisset man an der vff fart tag............................ 80 Inhaltsverzeichnis. • XI Seile 21. Die vierde uzlegunge von der uffart leret uns suchen friden in unfriden, fröide in trurikeite und trost in bitterkeite, und Gottes gezüge sin mit lebende und mit noch- volgende, und sin verjehen nüt alleine in luste und tröste, sunder ouch in widerwerti- keite und in lidende. — An der vff fart tag liss disse bredige (Act. 1,11) ..... 85 22. In diebus Ulis reversi sunt apostoli ad montem qui vocatur (Act. 1,12 — 26). Die fünfte uzlegunge von der uffart seit von dem nutze der demütikeit, wie sä übertriffet gehorsame und gerektekeit, also bezeichent ist bi sanete Matbise, uf den das los viel von siner kleinheit wegen, und nüt uffe Joseph, wie doch er gereht und gehorsam was........................... 88 23. Bstote prudentes et vigilate in orationibus (1. Petri 4, 8). Die bredie usser sanete Peters epistole des sunnentages noch dem nonetage leret uns künde haben geworer abgescheidenheit, lidikeit, innikeit und einikeit, die eine bereitschaft sint das wir enpfenglich werdent des heiigen geistes. — Ein bredige in der pinfstwüchen.......................... 91 24. Sante Peter sprach: sint (1. Petri 4, 8). Eine andere uzlegunge der egenanten sante Peters epistele leret uns alles unser tun in Got rihten und uzrüten und umbkeren und abehSwen was Got nüt enist, glich eime ackermanne der sine böme besnidet und sin krut uzgittet und sin ertrich umbkeret zu mertzen......................... 97 25 s. Nr. 60 e (nach der Engelberger Handschrift) ............... 103 26. Bepleti sunt omnes spiritu saneto et ceperunt loqui (Act. 2,4). Die andere uzlegunge von den pfingesten seit wie sich der mensche müs sammelen zu ime selben und sich insliessen von allen usseren dingen, das der heilige geist stat vinde, die er ouch selber bereiten müs und enpfenglich machen..... 103 27. Dixit Jhesus diseipulis suis: qui non intrat per hostium (Joh. 10,1 f.). Die dirte uzlegunge von den pfingesten seit wie die schof müssent ingon durch die tür in den schofstal, das betütet Got luterliche meinen und mit des unseren, one alle annemmenlicheit, und wie wir ouch nieman söllent urteilen in keinen sinen wisen 110 28. Dise nehesten nochgonden zwo bredigen von der heiligen trivaltikeit sint genommen in sanete Jobans ewangelio von irme hoebgezit, usser den Worten die Cristus sprach: 'das wir wissent, daz sagent wir, unde das wir sehent, daz bezügent wir' (Joh. 3,11). In illo tempore erat homo ex pbariseis (Joh. 3,1 f.). Die erste uzlegunge von der trivaltikeit seit das ein iegelich mensche mus haben zwene gezügen, glich und ungelich, sol er zu dem edelen ende kummen, und dozii gehörent vil töde, das men neme in leide liep und in sure süsse......... 114 29. 30 und 31: s. Nr 60d.c.f (nach der Engelberger Handschrift) ......... 118 32. Scriptum est in Johanne: 'caro mea vere eibus est, sanguis meus vere est potus' (Joh. 6, 55). Die dirte uzlegunge von dem sacramente seit von der würdikeit, von dem nutze und von der bereitschaft, mit vil hoher überswenckiger sinne, die alleine eime luteren, einfaltigen, lehelichen gelouben zügehorent................. 118 33. Caro mea vere est eibus et sanguis meus vere est potus (Joh. 6,55). Die vierde usselegunge von dem sacramente seit von den standen und fliessenden hindernissen die den menschen tunt verhüben, das er die fruht nüt enphohet, und nennet ir vil underscheidenliche weles tegeliche sünden sint eine grosser danne die andere.............................. 125 34. 35 s. unten IL Nr. 60g und 60h (nach der Engelberger Handschrift) ....... 131 XII Inhaltsverzeichnis. Seite 36. Erant appropinquantes ad Jhesum (Luc. 15,1 f.) Die bredie usser sanete Lucas ewangelio von dein vorgenanteu dirten sunnen- tage seit von vier leige sündern, von iren strengen töden, und ouch wie Got einen iegeliehen gütwilligen menschen suchet mit maniger leige widerwertikeit..... 131 II. Stück 36 (Schluß) bis 71 aus der Engelberger Handschrift 124, samt Lesarten der Freiburger Handschrift 41, sowie der Straßburger Handschriften nach den Abschriften von Karl Schmidt .... 133 37. Que mulier hahens dragmas decem et cetera (Luc. 15, 8 f.). Die bredie usser eime andern worte in dem egenanten sanete Lucas ewangelio, von dem verlornen pfenninge, seit von vil wisen der burnenden minnen, und wie der mensche got suchet in zwo wisen und wie er von gotte gesuchet wurt mit benemunge aller lustlicher fürwürffe....................... 142 38. Estote misericordes sicut et pater vester misericors est (Luc. 6,36f.). Die bredige usser sanete Lucas ewangelio des vierden sunnentages, leret barm- hertzikeit und mit urteilen und unsern gehresten usliden und indewendige menschen werden und gelossen sin in allen goben gottes, sur und süsse......... 147 39. Karissimi estote unanimes in oratione et c. (1. Petri 3, S). Die bredige usser sanete Peters epistele des fünften sunnentages, seit wie wir unser kraft ufspannen söllent und in dem geiste betten und alle unsere fürwürffe göttelich machen und drie grete eines indewendigen lebendes.......... 154 40. Johannes est nomen eius (Luc. 1, 63). Die bredige von der geburt sante Johans baptisten seit von zweien lidungen do- durch die gnode gottes wurt gehorn in eime ieglichen menschen das er geistliche das priesterliche ambaht mag begon, und leret ouch underscheit des valschen lichtes und des geworen............................ 162 41. Ascendit Jhesus in naviculam que erat Symonis (Luc. 5,1 f.). Die bredige usser sanete Lucas ewangelio des vorgenanteu fünften sunnentages, von dem schiffelin, ist eine warnunge vor künftigen pflogen, und leret uns unser ge- müte uferhaben von allen creaturen und verklerete gotförmige menschen werden . . . 170 42. Divisiones ministracionum sunt, idem autem Spiritus et cetera (1. Vor. 12, 6 f.). Die bredie usser sant Pauwels epistele von dem zehenden sunnendage manet einen iegeliehen menschen warzünemmende zu was ambahtes er von gotte gerüffet si, und leret minnewerg und tilgende üben und eigens willen uzgon........ 176 43. Qui spiritu dei aguntur, hij filij dei sunt (Böm. 8,14). Die bredie usser sanet Pauwels epistele von dem ahtesten sunnendage seit wie uns got selber wolte wureken, liessent wir unser ufsetze, und seit wie etteliche betwungene knehte gottes sint und etteliche verdingete knehte und von zweiger leige sune gottes. — Die bredige an dem VIII sunetag noch der trinitas....... 181 44. Bene omnia fecit: surdos fecit audire et mutos loqui (Marc. 7,31 f.). Die bredige usser sant Marx ewangelio des selben zwölften sunnendages seit wie ein got minnender mensche blibet in liebe unerhaben und in leide unentsetzet, dein sine oren sint ufgeton mit den siben goben des heiigen geistes......... 190 45. Beati oculi qui vident quod vos videtis et c. (Imc. 10,23). Die bredige usser sant Lucas ewangelio des drizehenden sunnendages leret uns noch dem einen werben das got selber ist und bekennen unser selbes blintheit und snödekeit, dodurch wir gezogen werdeut zu rehter demütikeit geistes und natural . . 194 Inhaltsverzeichnis. Xlll Seile 46. In omnibus requiem quesivi (Sirach 24, 7 f.). Die bredige von unsere frouwen ende also sü zu liimel für seit daz wir uf keinen dingen lipliclie oder geistliche mit luste räwen süllent sunder in unserme un- bekanten gotte und wie wir wonen süllent in zweyen erben.......... 201 47. Fratres, si spiritu vivimus, s])iritu et ambulenms (Gal. 6,1 f.). Die predige usser sant Paulus epistele von dem fünfzelienden sunnendage seit von drier kunne wandelunge, die erste wir süllent nit kriegen, die andere volgen dem bilde Cristi in allen tilgenden, die dirte den vinstern bildelosen wegen ussliden . . . 207 48. Vigilate quia nescitis horam quando dominus vester venturus sit (Matth. 24, 42) . . . 214 41). Transite ad me omnes qui concupiscitis me et a generacionibus meis et c. (Sirach 24, 2G). Man begot den tag das die gütliche jungfröwe geborn wart........ 219 50. Transite ad me omnes qui concupiscitis nie et a generacionibus meis adinplemini (Sirach 24, 26). Man begat den achtoden tag das unser fröwe geborn wart......... 224 51. In exaltacione sancte crucis. Es ist der tag der erbebunge des heiligen niinneclichen krüzes....... 230 52. Transite ad nie omnes qui concupiscitis me et a generacionibus meis adinplemini (Sirach 24,26) ........................... 234 53. Fratres, ohsecro vos ego vinctus in domino (Eph.4,1 —6'). Die bredige usser sant Paulus epistele des sübenzehensten sunnendages seit von drier bände lüte den got ruftet und ouch wie iegliche wandelen süllent in iren greten, die ersten in den gebotten, die andern in den reten, die dirten in einikeit des geistes 240 54. Diliges dominum deum tuum (Luc. 10, 27). Die dirte uzlegunge von dem ewangelio des drizehenden sunnendages seit von drierleige phariselicher wisen und von drier leige minne, bezeichent bi drier leige gemoleter bilde, und von drien eigenscbaften der starcken minne........ 240 55. Sequere me! at ille relictis omnibus secutus est eum (Luc. 5, 27. 28) ....... 253 50. llenovamini spiritu mentis vestre (Eph. 4, 23 f.). Die bredige usser sant Paulus epistele von dem nüiizebenden sunnendage stroffet vaste die weltlichen hertzen linder geistlichem schine die iren lust liement völlecliche an zitlicben dingen es sient kleider oder kleinöter.............. 259 57. Duo homines ascenderunt ut orarent (Luc. 18,10f.). Die bredige usser sant Lucas ewangelio des eilften sunnendages von dem phariseo und publicano, wiset uns uf unser kleinbeit und mit vermügen und ist ein gute regele aller geistlicher lüte wie sich ein iegliche sammenunge halten sol ... 266 58. Dis ist ein gut lere und ein heilige manunge............... 274 59. Dis ist ein kurtze bichte....................... 275 60. Dis ist ein gute lere......................... 276 60a (= I, Nr. 17). Dixit .Thesns discipulis suis: Quis vestrum habet amicum (Luc. 11, 5—13). Die bredie usser sancte Lucas ewangelio des mandages vor dem nonedage, leret uns betten, suchen und kloppten, und seit von waz Sachen zweier leige lüte versteiuet werdent in irme gehette, die eine ist gar schedelich, die ander züniole nützlich und fruchtber............................. 278 60b (= I, Nr. IS). Dise allernehesten nochgouden vier bredien von unsers herren uffart sint gezogen usser sancte Marx ewangelio das man haltet an dem nonetage und den XIV Inhaltsverzeichnis. Seile gantzen ahtesten, und die fünfte bredige von der uffart ist gezogen uffe sancte Mathyses kleinlieit, usser der epistelen die men ierliche haltet an sime lioehgezit umbe die vastnaht. Recumbeiitibus undeeim discipulis (Marc. IG, 14). Die eine uzlegungo von der uffart, seit wie aller leyge lüte von gotte gestroffet werdent umb iren ungelouben und umb die liertikeit ires hertzen, und verwurffet gar trSweliebe alle sinneliebe ufsetze und glichet sü den fulen smackenden Zisternen . . . 285 60 c (= I, Nr. 30). Dise allernehesten nocligonden vier bredigen von dem heiligen sacra- mente sint genommen in sancte Johans ewangelio von dem bochgezit unsers herren lichamen usser den Worten die Cristus sprach: min fleisch ist eine gewore spise und min blut ist ein gewores trang et cetera. Qui manducat meam carnem et bibit meum sanguinem, in me manet et ego in eo (Joh. G, 55— .5.9). Die eine uzlegunge von dem sacramente leret uns drie grete des göttelichen lobes und seit von vil nützlicher würkungen und wie dicke und mit weler bereitschaft es ein iegelich mensche noch sime lebende und geschicketheit enpfohen sol..... 292 GOd (= I, Nr. 29). Quod scimus, loquimur, et qnod vidimus, hoc testamur, et testimonium nostrum non accipitis et c. (Joh. 3,11). Die ander uzlegunge von der heiligen drivaltikeit seit wie sü das bilde in uns ist unbiltliehe, in dem selben gründe der mensche vindet alles das von gnoden das got von naturen het, also verre er sich darin Hesse und kerete one alle bilde und manigvaltikeit. — Disi bredgi lis an der beige drifalltikeit dag......... 298 60e (= I, Nr. 25). Dise allernehesten nocligonden drie bredien von dem hochgezit der pfingesten sint zwo die ersten genommen uz der episteln des pfingesttages usser den Worten: sü sint alle erfüllet von dem heiligen geiste, et cetera; und die dirte bredige ist genommen usser sancte Johans ewangelio des zinsttages in den pfingesten von dem schofstalle. Repleti sunt omnes (Act. 2, 4). Die eine uzlegunge von den pfingesten seit: wele menschen erfüllet werden süllent mit dem heiligen geiste, die müssent vor irre hertzen lidigen von eigener minnen, von eigener meinunge und von eigeme willen und gelossen sin in sworheit und in ungeschicketheit........................ 304 60 f (= -T, Nr. 31). Qui manducat meam carnem (Joh. 6, 5G). Die ander uzlegunge von dem sacramente leret vier stücke domitte man zu sol gon, und seit wie wir müssent gejaget werden in maniger leige wise von innen und von ussen, und ouch wie wir entwerden müssent in aller der wise do wir uns selber besessen haut........................... 310 COg (= I, Nr. 34). Homo quidam fecit cenam magnam et c. (Luc. 4,16 f.). Die bredie usser sante Lucas ewangelio des anderen sunnentages nach der trivaltekeit von dem obentessende, seit von drien wurtsekaften, bezeichent bi den drien entschuldigern die do mit kummen woltent von unmüssen zitliches gescheffedes . . . 317 60h (= I, Nr. 35). Karissimi, humiliamini sub potenti manu Dei et c. (1. Petri 5, 6). Die bredige usser sant Peters epistele von dem dirten sunnendage, leret drie tilgende, demütikeit, götlich minne und bescheidenbeit, und ouch wackerkeit wider den lügenden lowen des bösen geistes.................. 321 61. Hie venit ut testimonium perhiberet de lumiue (Joh. 1, 7). Die ander bredige von sant Johans baptisten seit von zweien liehten der gnoden und der glorien und wie wir das gezügnisse enphohen süllent das wir bevindent die minnende minne, die quelende minne und die rasende minne.......... 328 Inhaltsverzeichnis. XT Seile 62. Estote misericordes sicut et pater vester misericors est (Lue. 0,36 f.). Ein ander uzlegunge des egenanten ewangelies, seit von vier mossen die dem menschen süllent geben werden und von zweien greten eines göttelicken lebendes und wie wir unsern ebenmensehen minnen süllent................ 330 63. Duc in altum et laxate recia vestra in capturam (Luc. 5,1 f.). Die andere uzlegunge des ersten ewangelies von dem fünften sunnendage seit wie wir gotlo söllent gehorsam sin und sime insprechende stat geben und annfit minnen in rehter gelossenheit geistes und naturell.............. 341 64. Beati oculi qui vident que vos videtis et c. (Luc. 10, 23). Eine höhere geistliche usslegunge des ersten ewangelies von dem drizehenden sunnentage, wie der mensche müs lossen von eigeme willen und müs gon durch minne und mus in siner redelicheit ervolgen sehs stücke, sol er bekennen das wesen siner seien ............................... 346 65. Si exaltatus fuero, omnia traham ad nie ipsum. Es ist der tag der erhebunge des über wirdigen heiligen krüces...... 353 66. Querite primum regnum Bei et justiciam eins (Matth. 6, 33). Die bredige usser sant Matheus ewangelio von dem egenanten fünfzehenden sunnentage verhütet alle sorgvaltikeit und erzalet vil stücke der gritekeit und streifet sunderliche geistliche lüte umb ire wergberkeit und glichet irre wisen vil der symonigen ............................. 358 67. Plecto genua mea ad Deum et patrem Domini Jhesu Christi, a quo omnis patemitas in celo et in terra nominatur ( Eph. 3,14 f.). Die bredige usser sant Paulus epistele von dem sehtzehensten sunnendage seit under vil andern tieffen sinnen wie der mensche kummen mag in die höhe der über- wesenlichen gotkeit durch drie tilgende, gelossenheit, lidikeit und unannemlicheit . . 364 68. Angeli eorum semper vident faciem patris mei qui in celis est (Matth. 18,10). Es ist der wirdige tag der heiligen wirdigen engele........... 372 69. In domo tua oportet me manere (Luc. 19, 5). Die bredige usser sant Matheus ewangelio von der kilwihen wiset uns uf eine ernuwerunge und seit wie die nature ir selbes verlöukenen müs in aller klebelicheit do su lust an minnet, sol der mensche ein süsse rouch gottes werden....... 377 70. Fratres, ego vinetus in domino obsecro vos: estote justi in domino, ut digne ambuletis vocacione qua vocati estis, in omni hmnilitate et mansuetudine cum paciencia suppor- tantes in vicem in caritate (Eph. 4,1— 6). Die ander usslegunge der obgenanten epistel leret wie man senftmütekeit und gedult erkriegen mus in widerwertikeit und mit was fürgonder bereitschaft man kummet zu einikeit des geistes und wie drü üt in der naturen sterben müssent . . . 380 71. Bevela domino viam tuam et spera in eo et ipse faciet et educet quasi lumen justiciam tuam et Judicium tutini tamquam meridieni; subditus esto domino et ora eum etc. (Ps.3G,5) ............................. 384 III. Stück 72 bis 80 aus Straßburger Handschriften (A 89, mit Vergleichimg von A 88) nach den Abschriften von Karl Schmidt, samt Lesarten der Freiburger Handschrift 41 ........ 389 72. Cum appropinquaret Jhesus Jerusalem videns civitatem flevit super illam (Luc. 19, 41). Die bredige usser sante Lucas ewangelio des zehenden sunnendages noch pfingesten von unsers herren weinen über .Therusalem und von den kouffern und ver- XVI Inhaltsverzeichnis. Seile kouffern die er uss dem tempel treip, stroffet alle mutwillige lustsücher weltliche und geistliche grusenliche sere hi ewiger verdampnisse.............. 391 73. Littera occidit, Spiritus autem vivificat (2. Cor. 3, 6). Die bredige UBser sant Paulus epistele des zwelften sunnendages (noch der trinitas) leret wie wir Got liden süllent in allen sinen goben, in allen sinen bürden vnit rehter langbeitekeit..................•...... 395 74. Ecce prandium meum paravi (Matth. 22, 4). Die bredige usser sante Matheus ewangelio dez zwentzigesten sunnendages (noch der trinitas) von eime menschen sunder hrunlöft kleit, seit wie Got gerne uns wisete uf die schedelichen wurtzeln unserre bösen neiglicheit der alten gebresten, das sü ussgetriben wurdent......................... 398 75. Confortamini in domino (Eph. 6,10 f.). Die bredige usser sante Paulus epistele vor dem XXI sunnendage seit von grosseme nutze der bekorungen und wie man sich dar gegen weffenen sol und was der schilt und die pantzer sie und wie man vehten sol mit dem swerte des Gottes wortes .............................. 403 7ti. Oro i'ratres ut Caritas vestra magis etc. (Phil. 1,9 f.). Die bredige usser sante Paulus epistele von dem XXII sunnendage seit von grosser fruht der minnen und wie wir us minnen unseres liebsten gebresten gütliche liden und vertragen süllent und uns selben in den willen Gottes geben in allen gegen- würffen der begirden......................... 407 77. Qui michi ministrat, nie seipaatur (Joh. 12, 26 f.). Die bredige usser sant Matheus ewangelio des liebsten sunnendages noch aller heiigen dac von der übergeschrift des Pfenniges lert trügen durch alle züvelle in Got mit vil guter merglicher underscheide waz darzü hindert oder fürdert. — Disse bredige lisset an sät laurecz' tag od' an eins and' marter's tag......... 412 78. Domns inea domus oracionis vocabitur (Matth. 21, H). Ein ander usslegunge von der kilwihen seit von dem wesen der andaht, darzü man kummen müs durch drü stücke iegliches underscheidenliche mit sinen zuvellen: das erste ist geworer gloube, das ander ist ein vernunftig bekennen Gottes, das dirte ist gebet............................. 418 79. Die materie sunder tytulus und one thema ist geheissen ein büchelin, seit von vier gar sorglichen subtilen bekorungen und ouch mit was Übungen man sü fürkummen sol und in angesigen mag...... 422 80. Dilectus meus loquitur michi: ' surge propera amica inea et veni' (Gant. 2,12). Die bredige usser der brüte Spruch in der minnen buche seit von vil stücken die eine brut Gottes an ir haben müs, das ir gütlicher fride von hinan hübe und überwinde die drie widersachen: die weit, den bösen geist und ir eigen fleisch..... 424 IV. Stück 81 aus der Freiburger Handschrift 41 ..... 429 81. Ecce prandium meum paravi et c. (Matth. 22, 4). Man beget den tag der edelen juncfrowen sancte Cordelen......... 431 / Stück 1 bis 36 (Eingang) aus Sira/sburger Handschriften (Jf, 89, mit Vergleichung von Jf, 88 und Jt, 91) nach den ^Abschriften von JCar/ Schmidt, samt Xesarten der freiburger Handschrift 41. Deutsche Texte des Mittelalters XI. Vorbemerkung Karl Schmidts. Vor der Verbrennung durch die Preußen, in der Nacht vom 24. zum 25. August 1870, besafs ansre Stadtbibliothek drei, ans der ehemaligen Johanniter- Bibliothek stammende Handschriften Taulerscher Predigten: 1. A, Ol, klein f°, Pergament, 2 Spalten, grofse Schrift; enthaltend 34 Predigten und den Anfang einer 35".; auf dem. letzten Blatt stand der Schlufs einer Predigt, die nicht von Tauler m sein schien. 2. A, 80, klein f", Pergament, sehr schöne grofse Schrift, die 35 Predigten aus Nr. Ol in derselben Ordnung bringend, nebst einer Anzahl andrer. Die vorgesetzte Tafel gab die Überschriften von 81 Stachen, in dem 73". brach aber der Codex ab. Die Sammlung bestand aus zu-ei Theilen: 1. Nr. 1—40, und. 2. Nr. 41 u. f. Zwei Stnche waren keine Predigten, 3. A, 88, f, Papier, kleine Cursiv-Schrift, die nämlichen Predigten wie in A, 80, nur in andrer Ordnung, die sicei Teile in eine Sammlung verschmolzen und nach dem Kirchenjahr geordnet. Cod. Ol war der älteste; er gehörte der zweiten Hälfte des 14". Jahrh. an; Cod. 89 war etwas jünger, aber auch noch aus dem 14". Jahrh,; Cod. 88 aus dem Anfang des 15". Vor etwa 10 Jahren kam ich mit meinem mm verewigten Freunde Franz Pfeifer überein, eine Ausgäbe von Taulers Schriften zu veranstalten, ich sollte dazu die Copie der hiesigen Predigten liefern, die dann Pfeifer kritisch bearbeitet hätte. Bereits 1840 hatte ich Cod. 89 zu meinem Privatgebrauch ahgeschrieben und genau coliationirt. Da ich aber diese Abschrift nicht aus den Händen geben wollte, nahm ich mir vor eine neue zu machen. Das richtigste schien, beim ersten Blick, sich an Cod. 91 als den ältesten zu halten; allein da er nicht alle Predigten gab 1* und sehr incorrect war, hielt ich es für zweckmäßiger Cod. 89 zum Grunde m legen,' 1 ') um so mehr da er im Alter nicht zu tveit von 91 entfernt war. [Am Rande beigeschrieben: 'Viele Fred, habe ich aus 91 1 ) abgeschrieben, und dann nach 89 corrigirt'. \ Das Unternehmen der Herausgabe verzögerte sich immer mehr, so daß ich mit dem. Abschreiben inne hielt bis Pfeifer mich wieder dazu auffordern würde. Darüber starb Pfeifer, und als unsre Bibliothek verbrannte, hatte ich schon seit mehreren Jahren nichts mehr copirt. Dagegen halte ich angefangen die vorzüglichsten Varianten zu noliren. Die aus 91 sind mit blauer Dinte geschrieben, die aus 88 mit schwarzer. Einige Predigten aus 91 stimmten mehr mit 88, andre mehr mit 89; wo ich es nicht in Parenthese mit blauer Dinte angemerkt habe, ist der Text von 89 derselbe wie 91; steht bei einer Predigt: 91 stimmt mit 88, so heifst dies, daß 91 größtenteils den Text von 88 gibt. 1 ) Das hatte Schmidt allerdings hei Vornahme unsrer Abschrift nicht getan; vielmehr erscheint hier durchweg urspr. Cod. 88 abgeschrieben und sodann am Hand ein Verzeichnis der 'Var. aus Cod. 80' gegeben. Erst nachträglich hat Seh. dann durch drei Fünfteile seiner Abschrift hindurch diese Abweichungen der 11s. 89 in den Text hineinkorn'giert und die von SS an den Hand, gesetzt, indem er daselbst in der Rubrik: 'Var. aus Cod. 89' die 9 in eine 8 verwandelte und ebenda die Lesarten der urspr. Abschrift von 88 vermittelst Korrektur statt derjenigen von 89 einsetzte; eine zweite Rubrik, in blauer Tinte, gab sodann die — weit weniger zahlreichen — 'Var. aus Cod. 91' bis dahin, wo diese 11$. — in Fred. 35, S. 296 der Abschr. — abbricht. Von S. 316, Mitte, an hört das llineinkorrigieren in die Abschrift und in die Variantenrubrik des Bandes auf: jene gibt von hier bis zum Schluß (S. 493) die unkorrigierte IIs. SS, diese die 'Var. aus Cod. 89' wieder. Auf diese SS. 316—493 bezieht sich die Randbemerkung Schmidts, wonach ,viele Predigten' aus SS (verschrieben in: 91!) abgeschrieben und nach S9 korrigiert vorlägen; die früheren, SS. 1—316, zeigen jetzt den Text von 89, nach 88 korrigiert, ursprünglich allerdings ebenfalls den von 88, nach 89 korrigiert. Unser Text benutzt (abgesehen von den Nachträgen, 111) nur diese frühern Predigten und Varianten, da für SS. 254 ff. der Abschrift die 11s. IS vorlag, nimmt aber dazu auch die von Schmidt angemerkten Lesarten auf, da es sich um drei untergegangene IIss. handelt, die nur in dieser einen Abschrift erhalten sind. Bei Kleinigkeiten wie Tilgung oder Setzung von Buchstaben oder von Vokalzeichen, wie Schmidt solche nach 89 in seiner Abschrift von SS vornimmt ohne sie am Rand zu verzeichnen (Fred. 1 Überseht:: bredige 88, bredie 89; genomen 88, genommen 89; weiterhin etwa genode 88, genade 89; geloben 88, gelouben 89; liimel 88, Mmmel 89; oeb u. dgl), haben auch wir die Abweichungen in der Regel nicht angemerkt, zumal in solchen Fällen der ursprüngliche Bestand von 88 nicht immer deutlich mehr zu erkennen war; ebenso ließen wir die kleinen lautlichen Verschiedenheiten, die am Rande vermerkt waren fdot 88 st. tot, one 88 st. ane, nit 88 st. nüt u. ähnl.), meist bei Seite. Wir geben also in Text und Lesarten das wieder, was Schmidt auf Grund der ihm vorliegenden drei Straßburger IIss. für den Druck bestimmt hatte, unter Beibehaltung seiner Schreibung, während seine Interpunktion nach den Prinzipien der Deutschen Texte modifiziert wurde. Randbemerkungen zum Text, zur Numerierung usw., die Schmidt unter die Lesarten mischt, geben wir in seiner Fassimg, zwischen ' ' gestellt, wieder. Abweichungen der Freiburger 11s. (F) sind mir in Auswahl, soweit sie zweckdienlich schienen, mitgeteilt. In den wenigen Fällen, wo Schmidts Text verlassen werden mußte, toeil er unverständlich war, sind die Abweichungen durch Kursivdruck gekennzeichnet, und Schmidts Lesung, die in der Regel = 89 sein wird, ist im Apparat mit dem Zeichen S vermerkt. 2 ) offenbar Schreibfehler Schmidts für: 88. Von den Varianten gebe ich nur die wichtigem; es wäre um so überflüssiger Abweichungen -wie wieder für wider, wanne für wan, gnode für genode, tot für dot, götlich für göttelich, u, dergl, anzuführen, da sowohl in 88 als in 89 die Orthographie häufig schwankt and beide Formen neben einander vorkommen; auch wechselt a mit o, gan — gon, gnade — gnode, elc. 88 und 91 haben durchgängig h wo 89 meist cli hat; relite (89 rechte), bihte (89 Dichte), Killten (89 lücliten) usw. 88 hat heiig, 89 heilig. 88 meist ewikeit, demütikeit, etc.; 89 meist ewekeit, elc. 88 lud Correctionen und Zusätze von späterer Hand, ich füge sie am, Rande bei. In den 40 ersten Predigten von 89 gelten die drei Codices am meisten auseinander; jedem der drei scheint ein besonderer Urtext zum Grunde gelegen zu haben. Manchmal haben auch die Sätze keinen rechten Sinn; die Predigten scheinen ursprünglich von Zuhörern nachgeschrieben worden zu sein, die vielleicht nicht immer alles verstanden. Solche unklare Stellen sind meist in Cod. 88 von der Hand die die Correcluren machte, mit einem Kreuz bezeichnet: Beweis dass der Schreiber sie in der Urschrift die er copvrte so vorgefunden halte. 25. Nov. 1870. Dis sint etteliche andehtige gute bredien des erliihteten begnodeten lerers brfider Iohans Tauwelers von sante Dominicus orden, mit einre vorgonden tofeln in der die meinunge und der sin einer iegelichen bredien kürtzlich alle vor genennet sint und mit der zale gezeichent, dieselbe zale darnoch an alle bletter einer iegelichen bredien sunderliche gescliriben stot. 1. Des Tauwelers bredie an dem winnaht tage von drien geburten ist genommen usser den drien messen des winnaht tages und seit wie wir die drie krefte unserre seien versamelen siillent und ouch verlöuckenen aller eigenschaft wellendes, begerendes und 10 würckendes. Man beget hüte drier leige geburt in der heiigen cristenheit, in der ein ieglich cristen mensche so grosse weide und wunne solte nemen daz er rehte von wunnen solte usser ime selber springen in iubilo und in minnen, in dangnemekeit und inrelicher fremde, und weler mensche des nit in ime bevint, 15 der mag sich vörhten. Nu di erste und die überste geburt daz ist das der himelsche vatter gebirt seinen eingebornen sun in götlicher wesenlicheit, in persönlicher underscheit. Die ander geburt die man hüte beget, das ist die mütterliche berhaftekeit die geschach megdelicher küschikeit in rehter luterkeit. Die dirte geburt ist daz Got alle tage und alle stunde wurt werlichen geist- 20 liehen geborn in einre guten sele mit gnoden und mit minnen. Dise drie geburte beget man hüte mit den drien messen. Die erste singet man in der vinster naht, und get an: dominus dixit ad me, filius meus es tu, ego Vor 1 bei Schmidt Überschrift: 'Taulers Predigten | aus | Codex A, 89 [korr. aus: 88] | der ehemaligen Strassburger Johanniter-Bibliothek'. 1 «. ö. bredigen 88. 6. zu stot bei Schmidt Anm.: 'Biese Tafel schreibe ich nicht ab, da jeder einzelnen Predipl ihre Überschrift voransieht'. zu der Nummer: 'Cod. 89, n° 40'. 15. und i.] in i. 88. 16. oberste 88. 19. megetlicher 88. Davor in zu ergänzen? 8 1. Von drien geburten. hodie genui te; und dise messe meinet die verborgene geburt die geschach in der viristerre verborgenre unbekanter gotheit. Die ander messe get an: lux fulgebit hodie super nos, und die meinet den scliin der gegötteter menschlicher naturen, und die messe ist ein teil in vinsternisse und ein teil in 5 dem tage, sü waz ein teil bekant und ein teil unbekant. Die dirte messe singet man in dem kloren tage, und die get an: puer natus est nobis et tilius datus est nobis, und meinet die minnencliche geburt die alle tage und in allen ougenblicken sol geschehen und geschult in einre ieglicher guten heiigen seien, ob sü sich darzu kert mit warnemende und mit.minnen, wan sol 10 sü diser geburt in ir bevinden und gewar werden, daz müs geschehen durch einen inker und widerker alle ir krefte, und in diser geburt wurt ir Got also eigen und git sich ir als eigen über alles daz eigen daz ie oder ie eigen wart. Daz wort daz sprichet: ein kint ist uns geborn und ein sun ist uns gegeben; er ist unser und zümole unser eigen und über alle eigen, er wurt alle zit 15 geborn one underlos in uns. Von diser minnenclichen geburt, die dise leste messe meinet, von der wellent wir nu aller erste sprechen. Wie wir herzu kumnien süllent das die edel geburt in uns adellichen und fruhtbeiiichen geschehe, daz süllent wir leren an der eigenschaft der ersten vetterlichen geburt, do der vatter gebirt sinen sun in der ewikeit, wan von überflüssikeit 20 des überwesenlichen richtümes in der gute Gottes so enmöhte er sich nüt inne enthalten er müste sich uzgiessen und gemeinsamen, wan als Boecius und sant Augustinus sprechent daz Gottes nature und sin art ist daz er sich uzgiesse, und alsus hat der vatter sich uzgegossen an dem usgange der götlichen personell, und vor hat er sicli entgossen an die creaturen. Darumb 25 sprach sant Augustinus: 'wan Got gut ist, darumb sint wir, und als daz alle creaturen gütz__hant, daz ist alles von der wesenlichen gute Gottes allein'. Weles ist nu die eigenschaft die wir an der vetterlichen geburt mercken und leren süllent? Der vatter an siner persönlicher eigenschaft so kert er in sich selber mit sime götlichen verstentnisse und durchsiht sich selber in clorem SO verston den wesenlichen abgrunde sins ewigen wesens, und von dem blossen verstaue sin selbs so sprach er sich alzümole us, und daz wort ist sin sun und daz bekennen sin selbes daz ist daz geberen sins sunes in der ewikeit; er ist inne blibende in wesenlicher einikeit und ist uzgonde an persönlichem under- scheide. Alsus get er in sich und bekennet sich selber, und er get danne 35 usser sich in geberenne sin bilde, daz er do bekant und verstanden het, und get denne wider in sich in volkomene behegenlicheit sin selbes; die behege- licheit iiüsset us in ein unsprechenliche minne, daz do ist der heilge geist, 2. Verborgenheit 88. 24. zu personen] 'Beigeschrieben von späterer Hand: eines sunes' [88]. 26 f. gottes. Allein w. S, gottes allein. Weles 88. 28. zu er]'Beigeschr.: sich' [88]. 30. den] in dem 88. 31. veri'tonde 88. 35. geberende 88. 36. zu behegenlicheit] 'Corrigirt: gevellicheit' [88]. 1. Von drien geburten. " alsus blibet er inne und get uz und-get wider in. Darumbe sint alle uzgenge umb die widergenge, darumb ist des himels louf alre edelste und volkomenste, wan er alre eigenlicheste wider in sinen Ursprung und in sinen begin get, do er uzging; alsus ist des menschen louf alre edelste und aller volkomenste, wan er aller eigenlichest wider in sinen Ursprung get. Nu die eigenschaft 5 die der himeJsrhe vatter hat an sime ingange und an sime uzgange, die eigenschaft" so4 ouch dei mensche an ime haben der ein geistliche müter wil werden diser göttelichen geburt, er sol alzümole in sich gon und denne usser sich gon. Also wie? Die sele hat drie edele krefte, in den ist sü ein wor bilde' der heiigen drivaltikeit, gehugnisse, verstentnisse und frige wille, 10 und durch dise kreften^so- ist sü Götz griffig und enpfenglich, daz sü alles des enpfenglich mag werden *daz Got ist und hat und geben mag, und ist übermitz dis sehende in ewikeit, wan die sele ist geschaffen zwüschent zit und ewikeit, Nu mit, irem obersten teile so gehört sü in ewikeit, und mit inne nidersten teile so gehört sü in die zit, mit iren simelichen vihelichen kreften. Nu ist die sele 15 bede mit iren obersten und nidersten kreften uzgelouifen in die zit und in die zitlichen ding, umb die sipschaft die die obersten zu den nidersten hant; so ist der louf ir sere geringe und bereit uzzülouffende in die sinnelichen ding und enget der ewikeit. Entruwen, es müs von not ein widerlouf geschehen, sol dise geburt geborn werden, do müs ein kreftig inker geschehen, ein inholen, ein 20 inneweudig versamenen aller krefte, der nidersten und der obersten, und do sol Verden ein vereinunge von aller zerströwunge, also alle vereinte ding sint ■ki'eftiper: alse ein schütze ein zil wil eben treffen, so tut er ein ouge zu, das dtfö r/ ander deste nauwer sehe; der ein ding wil tiefe mercken, der tut alle sine sinne darzü und twinget sine sinne uf ein in die sele, do sü uz sint geflossen, 25 als alle die zwige kumment uz dem stamme des bömes, als alle die krefte versamment sint, sinnelichen und günlichen und bewegelichen krefte, in die obersten, in den grünt, dis ist der ingang. Denne sol do geschehen ein uzgang, jo ein Übergang usser ime selber und über in, do süllent wir verlöugenen allen eigenschaft wellens und begerens und würckens, denne do sol bliben ein blos 30 lüter meinen Gottes, und des sinen nüt eigens in dekeiner wise zu sinde oder zu weidende oder zu gewinnende, denne allein zu sinde und ime stat zu gebende uf daz höhste und uf daz nehste, das er sins Werkes und sinre geburt in dir bekummen müge und von dir des ungehindert werde. Wan wenne zwei süllent eins werden, so müs sich daz eine halten lidende und daz 35 ander würckende; sol min ouge enpfohen die bilde in der want oder waz es sehen sol, so müs es an ime selber blos sin aller bilde, wan hette es ein 2. zu widergenge] 'üorrig.: wider ingenge' [88]. zu volkomenstej 'Beigcschr.: in den creaturen' [88]. 8. zu sich] 'Corrig.: im' [88]. 10. zu gehugnisse] 'üorrig.: gedeht- nifse' [88]. 12. übermitz] durch 88. 24. genauwer 88. 10 1. Von drien geburten. einig bilde in ime einiger varwen, so geselle es niemer kein vanve; oder hat daz ore ein getöne, so gehört es niemer enkein getöne; so welich ding enpfohen sol, das müs itel, lidig und wan sin. Danabe sprach sant Augustinus: 'güs uz, daz du mügest erfüllet werden; gang uz, uf daz du mügest ingon'; und 5 sprach ouch anderswo: 'o du edele sele, o edele creature, waz gest du uz dir suchen den der alzumole und aller werlichest und blöslichest 'in dir ist, und sit das du bist tejljiaftig, gütlicher nature, waz liest du denne zu tünde oder zu schaffende mit allen creaturen?' Wenne der mensche alsus die stat, den grünt bereitete, so ist kein zwifel do an, Got müsse do alzumole erfüllen, 10 der himel risse e und erfülte daz itel, und Got lot nu vil minre die ding itel, es wer wider alle sin nature und wider sin gerehtikeit. Und darumbe soltu swigen: so mag dis wort diser geburt in dich sprechen und in dir gehört werden; aber sicher, wiltu sprechen, so müs er swigen. Man enmag dem worte nit bas gedienen denne mit swigende und mit losende. Gest du nu alaümole 15 uz, so got er one allen zwifel zümole in, Aveder minre noch mere denne alse vil uz alse vil in. Von disem uzgange vinden wir ein glichnisse in her Moyses buche, daz Got Abraham hies gon uz sime lande, usser sime gesiebte, er wolte ime zöugen alles gut; alles gut daz ist dise gütliche geburt, die ist alleine alle gut; sin lant oder sin ertlich uz dem er solte, daz ist der licham 20 in aller genügede und unordenunge; die möge, daz meinen wir die neigunge der sinnelicher krefte und ir bildunge, die in noch inziehen und sleiffent, i.uch bringent sü in bewegunge liebes und leides, fröude und trurikeit, begeimiiflp und vorhte, sorgveltikeit und lihtmütikeit. Dise möge die sint uns gar. ;Jiohe sippe, der sol man gar nawe warnemen, daz man ir zümole uzge, sol erzöuget 25 werden alles gut das dise geburt in der worheit ist. Man sprichet: ein heime gezogen kint daz ist usse als ein rint; daz ist in disem wor, wan die menschen die mit sint uzgegangen irs heimen noch sint übergegangen über die nature noch über daz die sinne möhtent bringen sehende oder hörende oder ffüende oder bewegende, die disem heim und allem heim natürlicher dinge mit sint über 30 und uzgegangen, die sind rehte als rinder oder kelber zu verstünde zu disen hohen götlichen dingen; also ist ir innewendig grünt reht als ein isenin berg, do nie kein lieht ingeschein; wenne in die sinnelicheit enget und die bilde und forme, so wissent und gefülent sü nit me. Dise sint noch doheime, darumb bevindent sü diser geburt mit. Von disen sprach Cristus: 'wer durch mich lot 35 vatter, müter und acker, der sol hundert Averbe also vil wider nemen und darzü das ewige leben'. Nu haut wir gesprochen von der ersten und lesten geburt, wie 3. zu itel] 'Corrig.: 1er' [88]. 5. ein zweites du nach dem zweiten o 88. 7. teilheftig 88. 10. nu] im 88. 11. alle] allez[?] 88. 18. die] dis 88. 31. iserin 88. 32. zu ingeschein] ' Beigeschr.: und darumb' [88], und f. S, in, 'Corrig.: und' 88. 35. m. brüder u. 88. innemen 88. 1. Von drien geburten. " wir in der lesten an der ersten süllent lere nemen. Nu wellent wir sü ouch wisen an die mittelste geburt, das der Gottes sun als hinnaht geborn ist von der müter und unser brüder ist worden. Er wart in der ewikeit geborn sunder müter und in der zit sunder vatter. Saat Augustinus sprach: 'Maria waz vil seliger von dem daz Got geistlichen in ir sele geborn waz, denne daz er liplich 5 von ir geborn wart'. "Wer nu wil daz dise geburt in sinre seien edellichen und geistlichen geborn werde als in Marien seien, der sol warnemen der eigenschaft die Maria an ir bette, die muter waz liplichen und geistlichen. Sü waz ein luter maget, eine juncfröwe, und sü waz ein verlobete, ein vertruwete juncfröwe, und sü waz ingeslossen, von allem abgescheiden, wan der engel ging zu ir. Und 10 alsus sol ein geistlich müter Gottes diser geburt sin, sü sol sin luter reine maget; ist sü wol ettewenne gewesen uz der luterkeit, so sol sü nu widerkeren, so wurt sü wider reine und mägtlich. Ein maget betütet alse vil als daz uzwert unfruhtber ist und von innan vil frühte hat; also sol dise maget ir ussere minne züsliessen und nit vil gewerbes do mitte hau, mit vil fruht do 15 mitte bringen. Maria endöwete mit wan zu göttelichen dingen; innewendig sol sü vil frühte haben. Alle die zierde des küniges dohter die ist alles von innan; alsus sol dise juncfröwe in abgescheidenheit sin, alle ir Sitten, ir sinne, ir gelas, alles inwert, so bringet sü vil frühte und grosse fruht, Gotte selber, Gottes sun, Gottes wort, daz alle ding ist und treit in ime. Maria waz ein vertruwete 20 juncfröwe; also sol dise sin getruwet, noch sant Paulus lere. Du solt dineii wandelberen willen insencken in den gütlichen willen, der unbewegenlich ist, daz dine;- krangheit gekol&en werde. Maria Avaz ouch ingeslossen; also sol ouch dise dirne Gottes sin ingeslossen, obe sü dise geburt wil in der worheit in ir bevinden, doch nüt allein von zitliehen uzlöüungen, die ettewaz gebrestlich 25 schinent, sunder ouch von sinnelicher übunge der fugende, und sol ein raste, ein stille in ir machen und sich in sich sliessen und vor den sinnen in de»* geist sich verbergen und verstecken und entslieffen etwie dicke und machen in ir ein stillenisse, ein inreliche raste. Hievon sol man singen in dem liebsten sunnendage in dem anhebende der messen: dum medium silencium fieret, 30 do daz mittel swigen wart und alle ding in dem höhsten swigende worent und die naht iren louf vollebroht hette, herre, do kam dine almehtige rede von dem künigiiclien stule, das waz daz ewige wort von dem vetterlichen hertzen. In disem mittel swigende, in disem do alle ding sint in dem höhsten swigende und ein wor silencium ist, denne wurt man dis wort in der Avorheit hörende; 3 f. (ziceimal) zu sunder] 'Corrig.: on' [88]. 10. von allem [88], und allein S. i. in 88. 13. als f. 88. 14. zu uzwert] 'Corrig.: ufsewendig' [88]. 19. inwert] ir werk 88. 23. din kr. helffe ei »en meister, einen habest, unen oischof, die alle über mich sint, und woltent sü alle Übel mit mir, daz sü / < e zu Wölfen würdent und woltent mich bissen, darunder wolte ich in worer / und° SS( "tl f U1Kl undei ' teni ^ licl1 midl le S en und Men - Woltent sü mir gut tun 10 .i , Sin ' daz solte icn liemen > oder woltent sü mich bissen, obe ir hundert vo ht VÜ Were ' daz solte ich liden und mich dran lossen - Nu Jose P h der such t S1Cl1 UntZ daZ ime dei engel Seite Sli werent tot die des kindes sele letent; do vorschete er vil flissecliche wer do regnierte in dem lande. Do übe" 16 "! ' SOli<;]le ' lüte lllld weUent alle vorhte verlieren. Und du solt niemer 15 man T • k ° men diewile du iemer & ele ^st in ertlich. Timor sanctus per- / Noch 6 i U1 f eculum seculi , die vorhte solbliben bitz an daz ende der wei te. ^o flissp.i• i aZ dir de1 ' engel seite ' 110c]l denne solt du dich voriiten und solt diser T 7 0rschen waz in dir regniere, ehe Archelaus iergent do richsene. Nu pure intv • "*? ^ Mnt Und die mfiter " Bi dem kinde so1 man mercken eine 20 0 / och kl • . Der menscli e sol zümole unvermenget sin mit allen dingen, er sol wore\r Ue Sm % m verworfener demntjk eit. By der müter nimmet man smacken , verkleim!" 16 ? G ° tte ' Wanne die miune ist eiu mflter der lutem demütikeit, AA iiri-nS- i 6 , , eschen selber in einer underworffenheit under Gottes willen lant di h tx ' N ° ch ist der niensche J™* imd so1 »och nüt Mich in daz 25 varn in v?T ÜWnnge varn ' er ma S wo1 sine11 appelos do holen und wider in- nut zu einem vn'n ^ ^ * d ° Mbe lÜ die WÜe er n0Ch jxm - Lst und aoch woffen der * lekomen manne worden ist dui ' c]l unsers herren Jhesus Gristus wort nVit h l U ! 1S alle dÜlg: in sime lebende wo1 meiert; also wir daz Gottes Jhern.,1 I TT 1 g6Ilt ' S ° Vindent wir in sime lebende alle din S- Er kai * zfi 30 dennn,! \ .f * WÖlf jor alt waz ' er blei P do nit > er flodl enweg, er was worden i ^.«W^sea, er noch enweg bitz er ein vollekomen man waz u, uo er dnssig jor alt waz worden, do kam er tegelich zu Jherusalem in 1 dernl '&». !T SU 7 ndel ' ] ' V ° n SpMerer Hawl dar Mergcschrieben: one' [881 2 *w alleine in Ä]XS2s?**%r?7**^ oder gemanet - s ° l0 ** *»' » 3 "ge" mole wolfe W ^ ,f 1fl ! , o, 1 '^ Wir Labent 9i einen meister f- 91 - 9- ■• 16 f. Timor -'seculi f 88 1« ii „n t o* "^ S M * 12 " L genie L M - darin M " gar k. 9X m ?o n or v V o, 91 2 °" U ' ouch d ' 9L k - so s - ^ 22. o. * M. 32. Tr - Li f «T S 25> L alS ° ^ M - UM u - 91 - 31- «• ^ er enweg f. 9J. 33. lu gegangen 91. 16 2. Accipe puerum. und schalt do und stroffete do und seite do den Juden iren bresten und die worheit vil herlich, und predigete do und lerte do und wonte do in dem lande und waz do friliche und herliche wo er wolte, zvi Kafarnum und zu Galilea und zu Nazareth und liberal in dem lande zu Juda also ein herre, und det do 5 zeichen und wunder. Eechte also sol der mensche tun, er sol in den edeln landen in daz edeltüm sich_nüt legen zu wonende, er mag drin louffen und wieder fliehen die wile er nit volle wahssen ist und noch jung und unvolle- komen ist. Aber so er yollekomen ist und ein man würt, so sol er denne komen in daz lant von Juda. Juda sprichet alse vil alse ein bejehunge 10 Gottes. Und zu Jherusalem in dem woren frieden do machtu leren und straffen und macht denne varn zu Galilea, daz ist ein übervart, hie ist alle ding uberkomen und ist übergevarn, und denne so kummet man zu Nazareth , , in die woren blute, do springent die blümen des ewigen lebendes, do ist der ^ \/\\ geware, sicher, gewisse yorsmag des ewigen lebens, do ist gantze Sicherheit, do ^k)>K 15 ist unsprechenlich friede und fröide und raste, dar kumment alleine die sich lassent und lident und undertruckent untze sü Got uzfiiret und sich selber mit uzbrechent, die kumment in disen frieden und in dise blute zu Nazareth !: und vindent do dez sü ewicliche gebruchen sullent. Das uns dis allen werde, des hellte uns der minnencliche Got. Amen. 3. 20 In epyphania. An dem zwölften tage. Die bredie usser sancte Matheus ewangelio des zwölften tages in den winahten, von drien mirren, seit wie Got usser grosser truwen fürsehen und geordent lief alle liden zu ewigeme nutze eines iegeliclien menschen, in weler wise es ime begegent kleine oder gros. 25 Die künige oppfertent mirre, wyroch und golt. Nu nim zu dem ersten die mirren, die ist bitter und meinet die bitterkeit die darzü gehöret das der mensclie Got vinde, also der mensche zii dem ersten sich keret von der weite zu Gotte, e er denne alle die lüste und genügede uzgetribe; wan daz müs von 1. seh. do] das volk u. str. es 91. gebresten 88. 3. Capharnaum 88. 5. u. ouck gar grosse w. 91. also] so 91. in den 88. den S. G. 1. und i. 88. m. wol d. 91. 8. danne 88. 10. molitu 88. 12. ist (nach und) f. 88. 13. entspringen! 91. f. Mit des ewige beginnt F wieder. 10. u. sich selber u. 91. 19. d. vil m. 91. zu der Nummer:] 'Cod. 88 u. 91 No. 1'. Vemgemäss steht bei Schmidt hier nochmals, nachträglich durchgestrichen, die zu unsrer Nr. 1, oben 8. 1, mitgeteilte Überschrift, worin hier lediglich statt tofelen — tovelen erscheint. 20. ' Matth. .2,1—12'. 21. sant 88. 22. winuahten 88. 23. ewigen 88. 25. wirouch 88. 26. mirre 88. 28. lust 88. kl 3. An dem zwölften tage von drien mirren. 1' not sin, daz alles daz uz müs daz der mensche mit gelust besessen hat. Daz ist zu dem ersten gar bitter und gar swere. Alle die ding müssent dir also bitter werden also der lust waz, daz ie sin müs. Do gehört ein gros sin und ein behender flis zu. Darnoch der lust gros was, darnoch wurt ouch die mirre bitter und ein bitter bitterkeit. Nu möchte man sprechen: wie mag der mensche one genügede gesiii diewile er in der zit ist? Mich hungert, ich Lsse; mich türstet, ich trincke; mich sloffert, ich sloffe; mich frürt und ich werme mich. Entruwen, dis kan mir nüt geschehen daz mir daz bitter gesin muge noch sunder genügede der naturen, das enkan ich niemer gemachen alse verre nature ^v/it nat ur ist. Aber dise genügede sol nüt ingon noch keine stat in der inrekeit 10 haben, sü sol sin in ebne inlüessende mit den werken und inkein bliben mit nute, sü ensol nit lust darsetzen sunder hinfliessen und nüt in eigener besitzunge das man üt daruf raste mit genügede oder mit lust, aber losse hinfliessen alle die genügede die du in dir vindest zu der weite, und zu den creaturen. Do müstu natur mit natur töten und überwinden, ja die genügede die du vindest 15 mit den gotzfründen und guten menschen, daz und alles daz do du dich geneiget vindest, daz müstu als zümole überkummen, al die wile bitze daz Herodes und als sin gesinde die des kindes sele süchtent, in dir zümole werlichen und sicher- lichen tot ist. Darumbe nüt enbetrüg dich selber, besieh vil ebene wie es mit dir ste und nüt en sist zu fri. Noch ist ein ander mirre die verre überget 20 die erste, daz ist die mirre die Got git, es si welicher künne liden daz si, inne- wendig oder ussewendig. 0 der die mirre in der minnen und uz dem gründe neme do sü G-ot uz git, welich ein wunnencliche Avise wurde geborn in dem menschen, ouch welich ein fröide, welich ein friede, welich ein edel ding daz were! Ja daz minste und daz meiste liden daz Got iemer uf dich lat gevallen, 25 daz get hie uz dem gründe siner unsprechenlichen minnen und also grosser minnen also die höhste und beste gäbe die er dir geben möhte oder ie gegap, kundestu sü eht genemen, sü wer dir also nütze; ja alles daz liden, daz aller minste har daz von dinem höbete ie geviel des du nüt enachtest, sprach unser herre: 'ein bor sol nüt ungezalt bliben'; ja es mag niemer so kleine liden uf dich so gevallen, Got habe es eweklich angesehen und daz geminnet und gemeinet, und also gevellet daz uf dich. Also vil diu vinger, als dir tu diu houbt we, dich friere an din füsse, dich hunger oder turste, man betrübe dich mit Worten oder mit werken, oder waz dir iemer gewerden mag daz du nöte hast, daz bereitet 2. bitterre 91. C. genügde 88. 7. und f. 91. 8. nit besehenen 88. 11. enkein 88. 15. mit der n. 88. 17. alles z. 88. untz d. 91. 19. s. nüt tot S, 'Durchgestrichen' [88]. 21. künne] bände 88. 22. usser 91. 23. werlichen 91. 24. och 91. 2G. usser 8S. 27. gap SS. 28. also f. 88. 30. kleine] ein kleines 91. 32. zu Also vil] 'Cod. 88. Von späterer Hand durchgestr. und durch folg. ersetzt: „als er es angesehen het. Also wie dir tu" — (fehlt in Cod. 89)'. 32. als] oder 88. 34. mit vor werken f. 88. Deutsohe Texte des Mittelalters XI. 2 18 3. An dem zwölften tage von drien mirren. dich alles und dienet alles zu dem edeln wunnencliclien wesende. Es ist alles von Gotte also geordent daz dir daz also werden sulle, es ist gemessen, gewegen und gezalt und mag nüt minner gesin noch anders sin. Das mir min öge stet in mime houbete, daz ist ewekliche von Gotte, von dem himmelschen vatter also 5 angesehen; nu daz var mir uz und werde Mint oder top, daz het der himelsche vatter ewicliche angesehen also daz daz also kummen solte, und einen ewigen rat darumb ewekliche gehabt und haut es ewicliche in ime verlorn. Ensol ich denne nüt mine innerlichen ougen uf tun oder oren und danken des mime Gotte daz sin ewiger rat an mir vollenbracht ist? Solte mir daz leit sin? Es 10 solte mir wunderlich zu dancke sin. Dis ist an Verlust der fründe oder des gutes oder der eren oder des trostes oder waz daz si daz dir Got git, dis bereitet dich alles und dienet dir zu worein friden, kanstu es alleine genemmen. So sprechent sü: 'herre, es gat mir also übel und liden swerliche'; so spriche ich ime si vil reht also. So sprechent sü: 'nein, herre, ich han es 15 verdienet, ich han ein böse bilde in mich gezogen'. Enrüche dich, vil liebes kint, es si verdienet oder unverdienet, und eht daz liden von Gotte si, und dancke Gotte, lit dich und la dich. Alle die mirre die Got git die sint in rechter ordenunge, daz er den menschen zu grossen dingen wil ziehen durch lidendes willen; so het e r alle dinge gesät in widerwertekeit wider den 20 menschen; also wol und also lichteklich bette Got lassen daz brot wahssen alse claz ^ körn, denne das der mensche müs in allen dingen geübet werden, und ein leghches het er in der ewigen ordenunge also geordent und iursehen, daz der moler niemer so versiht in sime sinne wie er einen ieglichen strich gestriche ^ an dem bilde, wie kurtz und wie lang und wie breit, daz nüt anders enmag 25 sin, sol daz bilde eine meisterliche forme gewinnen, und die rote und die blowe varwe gelege, Got si tusent werbe nie beflissen wie er den menschen mit manigem stricAe des lidendes und maniger varwen zu der formen bringe das er ime gefellig werde uf daz höhste, der diser gaben und der diser mirren reht tete. Sunder etliche lüte engnüget nüt an der mirren die in Got git, sü 30wellent ir ouch me uf sich laden und machent böse houbet und krancke „Jantasien und hant lange gelitten und vile und tünt den dingen nit reht, und wurt wenig genaden darus und verblibent rechte, wanne sü buwent uf ir eigen utsetze, es si in penitencien oder abstinencien oder si gebet oder andaht, iemer ™va 91 L a ^ 6S] *i*° f 1 alles] also 9t all es f. 91. 3. enmag 88. minder noch mere vi. 5. n dar d 91 7 <* i i, * o ri «« o ,, , , ' ' '• S eü eoet 88. 8. oder mine o. und minen munt und sol L 8 8 iL ll ' i ri ■ 10 - W - Ue P und z - 8S - 13. genemen 88. So] Und 88. 5dof: 9i JA pm 5 ■ 17 - ut dich ] flissidichen und lide dick d ° mitte 9l - 22 f in nll«, MrZL i L o °' l so h - 9L 21 - denne l wan 91. werden] sin 88. vüenef Tl. "TS sie -2,% ^ ^ ^ ™ ao ist «* «• ™ ^ 29. sunderlichen 91 3 uid^vle ? o i **^ "i * te ^ diSer "• * ** oi. uua vor vüe f. 91. 32. r. alzumale w. 91. 33. in f. 91. 3. An dem zwölften tage von drien mirren. 19 mos Got irre müsse beiten, bitze das sü daz ire getünt, do enwurt nüt us. Got het sich des beraten daz er nüt enlone wanne sinen eigenen werken, in dem lümmelriclie enkrönet er nüt wan sine werg, nüt die dinen; was er nüt in dir enwurcket do enhaltet er nüt von. Nu ist eine gar bitter mirre die Got git, indewendig getrenge und indewendig vinsternisse; der des wol war 5 nimm et und sich darin lat, daz verzert fleisch und bißt und die nature und verwandelt die vanve vil me daz indewendige werg wan gros übunge von ussen, wan Got kummet mit gruwelichen bekorungen und in wunderlichen und sunderlichen wisen die nieman erkennet wanne der sü bevindet. Es hant soliche lüte also wunderliche liden under in, also sunder liehe mirre, daz kume 10 ieman sich darabe gerichten kan; aber Got weis wol war er mit wil. Ouch das man dis nüt war ennimmet, daz ist also wunderlichen schedeliche, den schaden enmag nieman volle klagen, in welicher minnen die mirre Got git; und lot man daz hingen in einer slafheit und in unahten und entwurt nüt darus, so kumment soliclie och: 'herre, ich bin so dürre und so vinster von 15 innan'. Vil liebes kint, dem warte, so bistu vil bas daran denne obe du in grosseme bevindende werest. Dise mirre wurt angetastet in zweigeiieige wise, mit den sinnen und mit der Vernunft. Die usser mirre wurt angetast mit den sinnen, also daz soliclie lüte wellent also wise sin und wenent es mit irre wislieit also bewarn und gebent dise ussewendigen gevelle dem gelücke und 20 Unglücke, und meinent als sü soltent die liden bas bewart han. Wer es alsus und also geton, so wer es wol kummen und das liden wer avoI bewart. Sü wellent Gotte zu wise sin und in leren und in meistern, und enkunnent nit die ding von ime gen einen; die hant gros liden und wurt in ir mirre sere bitter. Die andern die tastent die indewendige mirre an mit irre naturlichen 25 hehendekeit und brechent sich uz diseme getrenge, daz enist mit vernunftigen öilüen, und engont dicke einvaltige lüte snellicher zu Avanne die mit den vernünftigen grossen dingen, wanne die einvaltigen volgent Gotte einvaltecliche, Su enwissent nit anders. Sunder entruwen volgetent die vernünftigen und bessent sich ime alleine, sü kement vil edeler und wunnenklicher in, wanne 30 » 7 V J r Vernunft dienet in zu allen dingen niinnenklich. Och die ehte sich liessent dieseme, so emver kein blütes troppfe so kleine, es dienet als sunderlich herzu. Hinnan von wehsset ein edel rouchelin, ein zwigelin des edeln wiröches 1. zu müsse] 'Cod. 88 durchgestrichen 1 . müsse] masse 91. das f. 88. e. anders , . " 3. w. und n. 91. 5. g. das ist i. 91. iimewendig stets 88. 6. verz. das fi. u. nnM, ,1 „ n-, g glw _ in f 91 9 sun(lerliclieil j ouch mit fr5medeu 9] 11. Oueh das man] Und das man ouch 91. 13. minne 88. 15. s. lüte o. 91. 16. dran 88. 18. u. ouch m. 91. 20 f. u. dem 23. u. wellent i. 1. 91. 25. a. lüte d. 91. 20. v. dingen und 29. entruwent 88. 30. edellicher 88. u - ouch d. n. 91. 10 - i- und a. 91. 14. lasseheit 91. u - 91 - 21. alles 88. h - 91 - 27. gont 88. IJ wchgestrichen\ Oh die lüte d. 91. 33. e. also e. 91. 31. zu Öch] 'Cod. 88. 2* 20 3. An dem zwölften tage von drien mirren. körnelin. Das wiröch hat guten roch; also wanne daz für daz körnelin begriffet, so läget es und suchet eht den roch in dem körne, er löset den gevangenen der in dem körne lag, daz der ufgat und wurt ein gut roch darus. Dis für enist anders nüt wanne bürnende minne zu Gotte, die in dem gebette 5 lit. Daz ist der wiröch der uzlat den rechten guten roch der heiigen andacht, wanne also geschrieben stot: gebet ist nüt anders wanne ein ufgang des gemütes in Gotte. Bebt also daz strö ist umbe kornes willen und nit nie, man welle denne ein bette daruz machen do du ui'fe rüwest oder einen mist, also ist ussewendig gebet nüt me nütze denne also verre als es zu diser 10 edelen andaht den menschen reisset, und dannan uzbrichet der edel roch; wanne der denne uskummet, so la das gebet des mundes künliche varn. Hie slüss ich die uz die von den gebotten der heiligen kirchen zu gebette verbunden sint. Die bredige usser sant Matheus ewangelio des zwölften tages 15 von den drien künigen lert wie man die geburt suchen sol und vinden müs in dem liebte der gnoden mit undergange des natürlichen liehtes durch langbeitsamkeit in den begerungen. _ Wo ist der geborn der Juden künig? wir wellent in anbetten und eren mit mirren und mit wiröche und mit golde.' Die sele weis wol daz Got 20 ist, jo ouch von natürlichem bellte, mer wer er si oder wo er si, das ist zumole lr unbekant und verborgen und enweis davon zümole nihtes niht. Nu stot uf ein minnencliche begerunge und suchet und froget flissecliche und wüste gerne umb iren Got der ir alsus bedecket und verborgen ist. In disem üissigen suchende so get ir uf ein sterne, daz ist ein schin und ein glanta Rötlicher gnoden, ein götlich lieht, wanne diser, sprichet daz lieht, er ist ietze" geborn, und wiset die sele uf die geburt wo die ist; wanne daruf kunnent Kern naturlich lieht nüt gewisen wo er ist. Etliche lüte wellen mit irme natiirüclieme behte hernoch tasten noch diser geburt, und alle die müssent veibiiben, su müssent verderben, do enwurt nüt us. Dise geburt enmag nüt milden werden; _ denne daz selbe lieht daz die geburt geseit hat, daz müs ouch aie geburt bewisen wele sü si und wo sü geschehen si. Nu dise dorehten lüte kunnent noch enwellent nüt also lange erbeiten daz in daz lieht gelullte do 9 i das «' o? 1 f ' 88 ' , J* Di8] daz 88 - 5 - d - d0 u - (J1 - 7- nit l ouch ™ tzit 91 - 'ÜberMMh'a, S\ ^ ' °° A ^ [8 °' UeS: 88 ^ Nr ' 75 <&* in Cod.89)V zu 14] 4. An dem zwölften tage von den drien künigen. 21 sü inne funden wurt. Aber sü brechent sich herus und wellent mit irme natürlichen liehte daz vinden, und daz enmag nüt sin, sü müssent der zit erbeiten, die enist noch nüt, Dise begerunge würket sich und wurt also gros in etlichem das sü get durch fleisch und blüt, jo durch das marg und gebeine, /|^ wanne das die nature geleisten mag, das müs dis kosten, sol diser begerunge 5 ^e^ gnüg geschehen und sol dise geburt in der worheit funden werden; alle natürliche lieht enwiset sü dich nit. Hie sint drü ding zu merkende, das eine daz ist das do suchet, das ist die begerunge, das ander die wise dis suchendes, das dirte das vinden der geburt. Nu sint drü ding hie, daz eine klebet an der naturen in fleische und in blute, als die liplichen sinne und sinnelicheit; 10 das ander daz ist die Vernunft; das dirte das ist ein lutere blosse substancie der seien; die alle sint ungelich und enpflndent ouch ungeliche iegliche noch sinre wisen. Der schin der sunnen der ist gar einvaltig an ime selber, aber der selbe schin wurt ungelich enpfangen in dem glase: das eine glas das ist swartz, das ander gel, das dirte wis; bi dem swartzen glase mag man nemen 15 die sinnelicheit, bi dem jjelen die Vernunft und bi dem wissen den Intern , blossen geist. Das nu die sinnelicheit schin inziehe in die Vernunft und die //' r Vernunft in den geist, so wurde das swartze gel und daz gele wis, und w u rde / ^ l ll , ein luter einvaltikeit do dis lieht alleine inlühtet und anders niergent, und wurt dis lieht reht enpfangen in der worheit, und do vallent alle bilde und 20 forme und glichnisse abe und wiset alleine die geburt in der worheit. Der himel ist nu in sinre natürlicher dunkelheit; wurt er nu gewandelt in eine i luter klore sunne alzümole, so enmöhte jüeman des andern bilde gesehen vor / '! der klorheit; und wenne dis klore lieht lulltet in der seien, so entwichent alle bilde und formen, und wo das lieht sol erschinen, do miis daz natürliche lieht 25 undergon und erlöschen; wanne der sterne der dise künige dise geburt wisete, daz enwaz nüt ein natürlich sterne alse ander Sternen; er stunt ouch nüt an himele natürlichen alse die andern. Die sinne nement die bilde von den natürlichen dingen, und doch vil edelre in den sinnen wanne die ding von in selber sint. Das swartze glas meinet die sinne; die Vernunft klimmet do in 30 über und enkleit die sinnelichen bilde von ire sinnelicheit und machet sü vernünftig, do wurt es gele abe; als die Vernunft irs selbes entwüst und sich ires selbes verlöukent und wandelt sich in den Intern blossen geist, do wurt e§_wis, do lühtet diser sterne all eine; und heruf get aller menschen leben zümole blöslichen, und dise drü antwurtent den drin oppfern die die künige 35 oppfertent alhie. 36. Einen zweiten Teil dieser Predigt bietet die Ausgabe von 1521: IX^aff. 22 5. An dem zwölften tage usser Ysaias epistele. 5. _ Ein ander bredige von dem zwölften tage usser Ysaias epistele leret in weler wise der mensche ufston sol von ime selber und von allen creaturen umb daz Got sinen grnnt bereit vinde und smes werckes in ime bekummen müge. 5 _ 'Stant uf, Jherusalem, und wurt erlühtet.' Got enbegert noch enbedarff mit in aller der weite denne alleine eins dinges, des begert er also uznemende sere als aller sin flis do an gelige, daz ist daz einige das er den edeln grünt den er in dem edeln geiste des menschen geleit hat, daz er in blos und bereit vinde, das er sins edeln gütlichen werkes do inne bekummen müge; wanne Got 10 hat gantzen gewalt in himel und in erden, aber do an gebristet ime allein daz er sins aller wunnenclichesten werkes an dem menschen nüt bekummen enmag. Nu waz sol der mensche herzu tun daz Got in disen minnenclichen grünt erfüllten und gewürcken müge? Er sol ufston, surge, sprichet dis wort: 'stant uf'; dis lühtet iemer als ob der mensche darzü tun sülle, er müs ufston von 15 allem dem daz Got nüt enist, von ime selber und von allen creaturen; und von disem ufstonde so wurt diser grünt berüret mit einer swinden begerungen und in der mblostekeit und inblosende aller ungelicheit, und so der ie nie ist oder gelaget, so die begerunge ie me wehsset und hoher über sich selber gat, und gat dicke an dem berürende des blossen grundes durch fleisch und blüt und 20 durch daz marg. Aber diseme berüren wurt begegent oder gevolget zweier kunne wise von zweier kunne lüten. Die ersten kumment mit irre natürlichen behendikeit und mit vernünftigen bilden und mit hohen dingen, domitte verirrent sü disen grünt; und dise begerunge stillent sü domitte daz sü dise ding wellent hören und verston, und do inne nement sü grossen friden und 25 wenent in den wercken vernünftiger bilde ein Jherusalem sin und friden habe». Oder ouch etliche in iren eigenen uf setzen und in iren wisen, es si in gebette und in betrahtungen oder in dem alse sü selber entrahtent oder alse su senent das ander lüte tünt, und in disen wisen wellent sü iren grünt Deieiten und do mne den friden haben, und so duncket sü denne sü sigent zumole ein Jherusalem worden, und hant in den wisen und in den werken grossen luden und niergent anders denne in iren wisen oder ufsetzen. Das WKHiJ 7* V ■ ? S1 ' daZ S01 man daran m ercken daz sü in iren gebresten hie DiDiioent, es si hochvart oder lust des lichamens, des fleisches oder genüglicheit k al fihw * • der. creaturen und argwon in urteil, und tete man in üt 35 a zuhant ein unwertlicheit oder Scheltwort oder has oder unmügen hiebi und vn cuser gliche untugende die in blibent mit willen, so sol man bekennen daz = mgerlZt?"^ ' °* W *' 7 ° ^ 5 " ** ^ "' «% * » fanget? 5. An dem zwölften tage usser Ysaias epistele. 23 su disen grünt selber wellent bereiten und drin würckent und daz Got in disen grünt nüt gewürcken enkan, und dovon ist ir fride valscli und ensint mit in der worheit ufgestanden; dise lüte ensüllent sich nüt anenemen daz sü dt Jherusalem sint oder sich eigens woren fridens üt vermessen, aber sü süllent und müssent sich üben noch vil sicherlichen daz sü ire gebresten 5 überwinden und in den bilden unsers herren Jhesu Cristi und in demütigen wercken und in minnewercken, und sterben des iren in allen dingen und leren also ufston. Mer die andern daz sint edele menschen, die stont uf in der worheit, und davon werdent sü eiiühtet, die lossent Got iren grünt bereiten und lossent sich Grotte zumole und gont des iren us in allen dingen und 10 behaltent in nüt in keinen dingen noch in werken noch in wisen, in tun noch in lossende, noch sus noch so, in liebe noch in leide, sü nement alle ding von Got in demütigen vorhten und tragent sü ime zumole uf wider in eime blossen armüte irs selbes in einre williger gelossenheit, und böugent sich demütecliche under den götlichen willen; wie Got welle in allen dingen, des sint sü züfriden, 15 in friden und in unfriden, wanne in smacket alleine der gute wolgevallende wille Gottes. Von den lüten mag man sprechen also unser herre sprach zu sinen jungern do sü in uf hiessent gon zu der hochgezit, do sprach er: 'Gont ir uf, uwer zit ist alle zit bereit, aber mine zit enist noch nüt'. Diser lüte zit ist alle zit, das sü sich lident und lossent: die zit ist alle zit; aber sine zit ist 20 allewegent nüt; wenne er würcken oder erlühten sülle oder welle, das lossent sü sime götlichen willen in einre gelossenre gebeitsamer langmütikeit Und dis underscheit von disen menschen für den ersten ist daz das sü Got iren grünt bereiten lossent und nüt sü selber; und die dis sint, die liant wol den ersten anstos und die erste bewegunge, wan der enist nieman lidig. Aber 25 darnoch so in die gebresten fürgehalten werdent, es si hochfart oder lust des fleisches oder zitlicher dinge oder zorn oder has oder weler hande kunne daz ist domitte sü angevohten werdent, daz sü vil gröslichen und vil swerlichen ankummet, alzuhant noch der ersten bewegungen, so kumment sü es an Got demüteclichen und lossent sich sime willen und lident und lossent sich, und die 30 lüte stont in der worheit uf, wanne sü kumment allerdinge über sich selber; und dise werdent ouch in der worheit ein wor Jherusalem und hant friden in unfriden und liep in leide; in smacket der wille Gottes in allen dingen, und dovon kan in iren friden alle die weit nüt benemen; hettent alle die tüfele und alle die menschen gesworn, sü enkundent in iren friden nüt genemen. 35 Den lüten smacket alleine Got und nieman anders, und dise werdent in der worheit erlühtet, wanne Got lühtet in sü in allen dingen krefteclichen und / 6\ ^, luterlichen, also werlichen in dem meisten vinsternisse und noch vil weiiicher denne dem schinenden Hellte. Ach dis sint minnencliche lüte, es sint über- ........~ . ' ' Ci 6. das erste und eu streichen? 13. demütiger? (undeutl). 39. vor dem ein in au ergänzen? 5- An dem zwSlften tage usser Ysaias epistele. natürliche gütliche lüte, und dise enwürckent noch entflnt nützit sunder Got in allen iren werken, und obe man es getörste gesprechen, sü ensint nüt etlicher messen, sunder Got ist in in. Ach dis sint minnencliche menschen, sü tragent alle die weit und sint edele sülen der weite; der in disem rehte 'stünde, daz 5 were ein selig wunnenclich ding. Das underscheit von diser zweier kunne liite ist daz die ersten die iren grünt mit in selber wellent bereiten und sich nüt botte lossent daz er in bereite, der krefte blibent also gevangen in den geDresten daz su darüber nüt enkunnent kummen, oder sü blibent do inne mit genugeden und behalten! das ire mit Inste', iren eigenen willen. Aber die 10 andern edelen menschen die sich Gotte lossent bereiten, die edelen seligen gelossenen Inte, die sint erhaben über sich selber, und dovon, zühant also sü die gebresten anstossent und sü es gewar werdent, alzübant so fliehent sü domit m Got und ist nüt nie der gebreste do, wanne sü sint in einre gottelichen friheit; süllent denne nüt dise lüte wellen das Got iren grünt 15 bereite? Usserlicher werke würken gezimmet in nüt herzu zu tünde in keinre notdürftiger wisen, nein. Nu sprichet doch dis wort surge und heisset sü daz su utstont, daz ist iemer ein werg; ja ein werg gehört in zu, daz süllent sü allewegent tun on underlos die wile sü iemer gelebent, das der mensche niemer zu der volkomenheit enmag kummen, er ensülle allewegent ufston und 20 ein utrihtunge des gemfttes in Got und in ein entlidigen des innewendigen gninaes, und süllent allewegent trogen: wo ist er der geborn ist? in einre demütigen vorhten und in einem warnemen von innan was Got von ime welle, üaz su dem gnug sigent, Git in Got in lidender wisen. so lident sü, git er 25 1I,W ^ WiSe ' S ° würckent su > in schöwen oder in gebruclie wise, so /5 geon cnent su Diser grünt git des selber gezügnis in in selber daz in Got oerat und gelutert hat; disen grünt wil Got alleine besitzen und enwil nüt cuz iemer creature darin kumme. Got würket in disem gründe mit mittele a s m den ersten luten, und sunder mittel in den anderen edelen seligen lüten; qn n uLT Z ^ 1U , dlSen lüten in den unvermittelten grünt würeke, dovon enkan ZZ / eS1 ' rechen 110dl *<*» mensche enmag dem andern dovon gesagen, tobe Z ^ W61S ' lmt dis befunden alleine > aber er enkan dil ' selber m ' lt vnlW Viü! 86115 WaUne das Got disen g r nnt in der worheit besessen hat, so hinew mW menS n aMm ° le alle wer ^ abe die verlieh ^t, aber daz 30 ritl ZT' 11 ,?°* teS daz nimmet ^ ime gröslichen zu. Und wenne unser herre spra^^n ne alles dJ? "S ff VerlÖUCken ^ "fS ^ snrechen ä*v t r „ Z V daz S etunt d az lr vermügent, so süllent r -----^gg^^L^ngulhj^Ugjveg gpt m ein er demütipen vor i lt en ston, 19. und] lies in? 5. An dem zwölften tage usser Ysaias epistele. ^ in dem allerhöhsten punten so sol er allewegent sprechen und meinen: fiat voluntas tua, 'herre din wille werde'; und sol ouch vil eben warnemen an ime selber ob er iergent an einigen dingen klebe und obe Got üt in disem gründe vinde das ime widersto sins edelen unmittelliclien werckes zii würckende in dem gründe. Das wir alle also müssent ufston das Got sins Werkes in uns bekummen müsse, das helffe uns der minnenclicli Got. Amen. 6. Die ewige worheit: min joch daz ist senfte. Die bredie usser sancte Matheus evangelio des sunnentages vor der septuagesimen seit wie die sele si ein mittel zwüschent zit und ewikeit, und wenne sü sich scheidet von allen bilden, so treit sü ein süsses joch und der 10 ussere mensche eine lihte bürde. Die ewige worheit unsers herren Jhesu Cristi het gesprochen: 'Min joch daz ist süsse und min bürde ist lihte.' Dis widersprechent alle natürliche menschen alse verre alse sü nature treit, und sprechent daz Gottes joch bitter si und sine bürde swer; und müs doch war sin, wanne die ewige worheit het 15 es gesprochen. Ein joch heisset ein ding das man swerlich nochslöiffet oder zühet, und ein bürde heisset ein ding daz sere trucket oder swere vellet. By dem joche nimmet men den innewendigen menschen, und bi der bürde nimmet man den ussern menschen, den alten, den ersten menschen. Der innewendige edel mensche der ist uz dem edelen gründe der gotheit heruzkummen und ist 20 gebildet noch dem edeln Intern Grotte, und ist do Avider ingeladen und wider ingerüffet und wurt wider gezogen 1 , das er alles des gutes teilhaftig mag werden das der edel wunnencliche grünt hat von naturen, daz mag sü erkriegen von genoden. Wie Got in dem indewendigen gründe der seien gegründet het und verborgen und bedecket lit, der daz vinden und bekennen 25 möhte und beschöwen, der wer on allen zwifel selig; und wie der mensche sine gesiht het uzgekert und irre get, doch so het er ein ewig locken un d ein neigen herzu und enkan kein raste niergent han waz er dis umbegat, wan alle andere ding enmügent ime mit genüg gesin ussewendig dis, wan dis treit und Cf, j zühet in alles in daz aller innerste sunder sin Avissen, wande^dis ist sin ende, 30 ^ also alle ding rastent an irre stat. Also der stein uffe der erde n und das für zu der Nummer] 'Cod. 89 und 91, Nr. 3'. zu Z. 7\ 'Matth. 11,25—30' '. 1—5 f. F. 12. w. unser herre rhesus Cristus 88; F wie S. 13. i. gar s. 91. süsse] senfte F. b. die i- 91. 14. s . die n. 91. 15. w. die h. 91. 16. m , gar s. 91. slfmffet 88. 17. ein ding f. 91. 20. d. gründe d. edelen g. 91, 21. u. ouch w. 91. 22. das] des 88 F. 23. zu grünt] 'Cod. 88. Ausgestrichen und ersetzt durch: got'. 24. der] den F. 29. ussewendig dis] in Tssen diseme F. 30. zu wände]' Cod. 88. Corrigirt : wan'. 31. irre] dirre 91. 26 6. Min joch daz ist senfte. in dem lüfte, also tut die sele in Grotte. W arna ist nu dis joch süsse, dis ziehen und dis tragen? Niemanne wanne den menschen die sich haut gekert, ir antlitz, ir gemüte, ir werg von allen creaturen. Die sele ist relit ein mittel zwüschent zit und ewikeit; kert sü sich zu der zit, so vergisset sü der 5 ewekeit; und werdent ir die ding verre und dannan abe, sint sü kleine, also das man verre siht, das schinet kleine, und daz nohe ist, daz sehinet gros, wenne es liet wenig mittels; also die sunne, wie daz sü sechtzig werbe merre si danne alles ertlich, der ein beckin mit wasser neme zu summer do die sunne hohe an dem himmel stat, und leite darin einen kleinen Spiegel, darinne 10 ersehine die grosse sunne alzümole und schine kume als ein kleine bodem; und wie kleine ouch daz mittel si daz derzwüschent dem kleinen spiegel und der grossen sunnen kerne, daz neme dem spiegel daz bilde der grossen sunnen zümole. Also rehte also ist es umbe den menschen der das mittel geleit het, es si waz daz si oder wie kleine daz si, das er in disen grünt nit kan 15 gesehen, one allen zwifel, daz selbe mittel benimmet ime daz sich das grosse gut daz Got ist, in dem spiegel sinre seien mit erbilden mag. Las, wie edel und wie luter die bilde sint, alle machent sü mittel des unverbildeten bildes daz Got ist. Weliche sele in der sich die sunne erspiegeln sol, die müs blos sin und gefriget von allen bilden, wanne wo einige bilde sich in dem spiegel 20 wiset, do wurt sü des bildes vermittelt. Alle di cliser blosheit nit war nement, daz sich diser verborgen grünt nüt mag erdecken noch erbilden, di sint alle küchin dirnen, und den ist dis joch bitter. Und wer nie darin gesaeh noch dis grundes nie gesmachte, daz ist ein offen zeichen, sprach Origenes, das er ewiclich des niemer sulle gesmacken noch enbissen. Welich mensche das doch 25 nüt zu dem minsten einest an dem tage sich in erkert in den grünt, doch noch sime vermügende, der enlebet nit also ein recht cristen mensche. Aber die diseme rument und sich ime müssigent und bilde abelegent, daz sich die sunne drin mag ergiessen, den ist daz joch Gottes über honig und über allen den smag süsse, und unsmeglich und bitter als daz das nit enist, ja alle die die dis \ 30 ie gesmahtent, den ist alle dise weit ein bitter galle, wanne wo dis gesmacket ist, diser edel grünt, da trucket er und zühet so sere, es zühet daz marg uz den bemen und daz blüt uz den ädern. Und wo sich dis bilde in der worheit hat erbildet, do verlöschent alle bilde in schedelicher wisen. Dannan von hmderent dich die ding, sü sint waz kunne sü sint, daz ist daz du mit den , i 1. W eme] Wenne F. 2. und f. F. 3. ir wergj in wert F. 4. sich nu z. 91. 5. a. gar k. 91. a. alles d. 6. d. das m. 91. d. do n. Ol. 7. h. gar w. 91. d. grossi _;!; 7"«, /' „, ,. , °' B< so sf h ' 10 - l>odou 91. 14. oder - si f. 91. 16. daz ist f. m. 18. Welicher sich in der svnne e. (auf Bamr) F. 20. wisent 91. des] dis F. 21. endecken F. 22. dis] das 88. 25. t. nvt in enkert F. 27. diseme] disen dingen 91. 29. u. ouch unsm. 91. das] dis F. am moette die f. F. 30. ie f. SS. 82f. w. abe h. F. 34. k. s. denne s. d. 1. 91. 84 f. d. dingen h. F. 6. Min joch daz ist senfte. 27 bist verbildet mit eigenschaft. Werest du des bildes und der eigenschaft lidig, hettestu denne ein kunigriclie, es enschatte dir nüt. Wis one eigenschaft und bildelos unde has Aves du bedarft an allen dingen. Man vindet von eime heiligen vatter, der waz also bildelos daz ime kein bilde enbleip; clo kloppfete einer an siner türen und hiesch ime ettewaz; er sprach er wolte es ime holen; 5 do er hinin kam, do waz es ime zümole vergessen; genre kloppfete aber; er sprach: 'was wiltu?' Diser hiesch aber; er meinde aber er wolte es ime holen und vergas es aber; zu dem dirten mole gienre kloppfete aber; do sprach diser: 'kum und nim selber, ich enkan des bildes also lange in mir nit enthalten, also blos ist min gemute aller bilde.' In disen bildelosen lüten do 10 schinet die götteliche sunne in und werdent so edellich erzogen usser in selber und usser allen dingen und hant iren Avillen geben gevangen und sich selber und alle ding dem gütlichen willen, darin sint sü verstricket, die werdent so Avunnenklich gezogen in daz joch Gottes daz sü vergessent der dinge, des schinent sü in kleine, und eAvige dinge sint in nohe, die sint indewendig, die 15 schinent in gros von irre nehe wegen, die sint in unmitteliche, davon kumment sü in süssikeit, Nu nement wir daz ander wort: 'min bürde ist lichte.' Domitte nimmet man den ussern menschen, do manigvaltig liden ufvellet. 0 minnenclicher Got, wo sint nu die seligen lüte den die bürde Gottes lihte ist? Wanne nieman enAvil liden und müs doch iemer ein liden und ein lossen sin, 20 kere es war du Avilt. Cristus müste liden und alsus kummen in sin ere. Was solt du nu liden? Du sölt liden die urteil und die verhengnisse Gottes, avo und Avie die uf dich vallent, es si von__Gotte.. oder von den lüten.. Dir sterbent dine frünt oder verlürest des gutes oder der eren, des trostes indewendig oder usseAvendig, Gottes oder der creaturen, die bürde soltu lichtecliche 25 tragen und dine eigene gebresten, die dir leit sint und nit übenvinden kanst noch enmachst; so leg dich under die bürde zu lidende in dem göttelichen Avillen und gip es Gotte. Daz pfert daz machet den mist in dem stalle, und wie der mist einen unflat und einen stang an im selber het, daz selbe pfert zühet den selben mist mit grosser arbeite uf daz velt, und wehsset danuan 30 uz edel schöne Aveisse und der edel süsse Avin, der niemer also gewühsse und were der mist nit do. Also din mist das sint dine eigene gebresten, den du 1. werdest 91. 2. nüt] nitschit 88. 3. hab 88. an] in F. 5. an] für F. sprach] seite F. wolte] solte F. 6 f. kl. Ab' er sp. F. 7. Diser] der 91. 14. zu der] 'Cod. 88. Beigeschrieben: zergenglichen'. 15. n. und d. 91. s. in i. F. 16. zu die schinent] 'Ib. corrigirt: und darumbe schinent sü'. vnmittelich' do abe volgent sy in süssekliche F. 17. w. herfür d. Ol. 18. do so m. 91. 19. wo] wie F. selige F. 20. e. sü 1. 01. 21. vnd kuinen also i. F. 22. u. ouch d. 91. 26. u. die du n. 91. mäht n. enkanst F. 27. enmaht 88. dem] den 91. 28. e. alles g. 91. 30. grossen erbeite F. 30 f. denne do us 91. 81. und gar edel schöner win und der gar süsse ist und gut an ime selber d. n. 91. der vor edel f. F. zu und (vor were)] ' Cod. 88. Ausgestrichen', nüt. Do also F. 28 6. Min joch daz ist senfte. nit getün enkanst und nüt abegelegen noch überwinden kanst, die trag mit arbeit und mit flisse uf den acker des minnenclichen willen Gottes in rechter gelossenheit diu selbes. Spreite dinen mist uf das edel velt, on allen zwifel do wehsset in einer temütigen gelossenheit edel wunnecliche frucht US. Wer 5 sich truckete under dise und alle die urteil und verhengnisse Gottes mit demütiger gelossenheit und litte sich in Gottes willen, in habende und in darbende, mit eime biblibenden ernste in demütiger hoffenunge, und alle ding von Gotte nemen und sü ime wider uftragen in rechter abegescheidenheit und mit eime inneblibende bi ime selber, und sich insenken in den ewigen willen 10 Gottes in eime verlöickende sin selbes und aller creaturen, so wer dis tete und in disem stunde, dem wer die bürde Gottes lichte in der worheit, jo also lichte daz uf dem menschen alle die bürden wurdent geleit die alle die weit treit, die wurde ime also lichte das es ime rechte were es were ein luter niht; jo es were im ein wunne, ein genügecle, ein fröide, ein himelrich, wanne got 15 trüge die bürde und der mensche wer zümole lidig und also uz gegangen und Got ginge zümole in aller wise in in alles des menschen tun und lossen. Das alsus der eclele Got an uns würkende werde das uns sin joch süsse werde und sine bürde lihte, des helffe uns Got. Amen. Simile est regnum celorum. 20 Die bredige usser sancte Matheus ewangelio des sunnentages septua- gesima, so man das alleluia leit, von dem wingarten, leret einen iegelichen menschen fürbas ufgon in sime grote sunder alles stilleston und verbliben. Dis ewangelium hüte sprach: daz himelrich ist gelich einem menschen, einem huswarte der uz gieng daz er gewünne werglüte in sinen wingarten, 25 und gieng uz trüge zu prime zit, zu tercien zit, zii sexten zit und dingete sü umb einen tegelichen pfennig. Do es abunt was, do vand er lüte müssig ston 1. e. noch enraaht u. ouoh n. 91. 2. u. ouch m. 91. 3. s. und sp. 91. 4. demütigen 88. g. ein e. 91. 5. die vor urt. f. 91. u. ouch v. 91. 6. u. ouch i. 91. 7. i. einer d. 91. 8. zu nemen und zu tragen] 'Ib. corrigirt: neme—trüge' [88]. 9. u. ouch a. 91. senkete 88. 10. ein verloukende 88. u. ouch a. 91. s. hin w. 91. 12. den F. 13. e. w. ime also e. F. 14. f. und e. 91. g. der t. 91. 15. w. zu mole f. F. 1. vnd were a. F. IG. g. der g. 91. 17. wirken F. i. gar s. 91. zur Überschr.: 'Cod. 89 u. 91, Nr. 4'. In F (50 >>>> ») am Bande: diße bredig liß man so man dz all[elui]a hin leit. zu ZI. 20] 'Matth. 20,1—16. 23. h. daz i. F. 24. gewünne] miete F. 25. fro vs F. z. vnd zu sexte vnd F. H\ 7. Simile est regnum celorum. ^" und sprach zu in: 'wes stont ir hie müssig allen disen tag? gont ouch ir in minen wingarten, und daz recht ist, daz gibe ich üch.' Diser huswurt daz ist unser herre Jhesus Cristus, sin hus daz ist himelrich und ertlich, vegefür und helle; der sacli das alle die nature verirret waz und daz sin minnenclicher wingarten massig lag, und menschliche nature die darmnbe gemäht waz disen 5 edeln wingarten zu besitzende, iie was verirret und lies den minneklichen wingarten müssig ligen. Nu diser herre wolte disen menschen wider laden in sinen wingarten do er in zu gemäht nette, und ging frage us. In eime sinne so ist unser minnenclicher herre früge uzgegangen do er in der ewigen geburt ist uzgegangen us dem vetterlichen hertzen und ist doch inne bliben. 10 In eime andern sinne so ist unser lieber herre Jhesus Cristus früge uzgegangen in menschliche nature umb daz das er uns verdingete und widerbrechte in sinen wingarten, und gewan lüte zu prime, zu tercie, zu sexste und zu none zit. Zu vesperzit ging er aber us und vant aber lüte, und dise lüte stundent müssig, und er sprach sü hertlichen an wes sü allen den tag do müssig 15 stundent; und sü sprachent: 'wan uns nieman gedinget enhat.' Das sint die lüte die noch staut in irre natürlichen luterkeit und unschult, und sint sü vil selig, und gesach sü G-ot ie daz sü mit verdinget ensint von der weite oder von den creaturen, oder sint ouch ettewenne verdinget gewesen, daz sü doch nü fri sint und lidig und unverdinget sint; doch stont dise lüte müssig, daz 20 ist sü stont in lauwikeit, in kaltheit, minnelos und gnadelos, wanne wo nüt die minne Gottes enist die wile der mensche stet in der naturen, und tete der mensche, obe es mugelich were, alle die guten werg die alle die weit ie getet, er stet noch dan alzümole müssig und itel, und enhilffet zümole nüt. Dis früge uzgan daz meinet der uzgang der gnoden, wanne der morgen daz 25 ist ein ende der naht, do daz vinsternisse ein ende nimmet und der tag der gnaden ufget. Er sprach: 'wes stont ir hie müssig? gont in minen wingarten, und daz recht ist, daz gebe ich üch.' Dise giengent ungelich in den wingarten; die einen daz sint anhebende lüte, die gont darin mit usserlicher arbeite, in sinnelicher wisen und mit iren eigen ufsetzen und verblibent docli in dem daz 30 sü grosse werg tünt, also vasten und wachen, und bettent vil und ennement irs grundes nit war. Sü behaltent sicli in sinnelicher genügeden, gunst und Ungunst, und daruz wurt geborn unrehte urteil, und in in stont vil gebresten, 1. h. allen den dag in. F. 3. vnser lieber h. F. vegefür f. 91. 5. d. dar zu gem. F. 6. die F, der S, das 88. denj disen F. 7. Irre er w. F. 10. i. also u. 91. 11. lieber f. 91. 13. gewan] miete F. lüte f. 88. U. vesper SS. v. do g. 91. 1- die s. 91. 15. herteclicbe 88, berliclien 91 F. 19. zu sint] 'Cod. 88. Beigeschrieben: sü'. 20. nu] noch 91. d. so st. 91. 21. lewekeit 88. u. ouch g. 91. 22. minne] gnade F. 27. Und er s. 88. 28. gib 88. D. die g. 91. 30. über- blibent(?) 91. 31. a. si vasteut unde wachen t 91. 32 f. u. ouch in ung. 91. 33. dan vs F. 30 7. Simile est regnuni celorum. hochfart, geswindekeit, bitterkeit, eigenwillekeit, kriegelicheit und manig disem glich. Die andern die hant versmoht sinneliclie genügede und liant ouch grosse gebresten überwunden und sint gekert zu eime liöhern grote; die wandelent in der vernünftigen übunge, und do inne vindent sü solichen lust 5 und wunne daz sü der aller nehesten worlieit verblibent. Sunder die dirten, daz sint minnencliche menschen, die gont über alle ding und gont ordenlichen und edelliclien in den wingarten, wanne die menschen die enmeinent noch enminnent nüt denne Got in ime selber und enselient weder uf lust noch uf nutz noch uf enkein ding, nilit uf alle die usflüsse die uz Gotte gefliessen 10 mügent, dan sü versinkent inrelichen einvalteklichen in Got und sü meinent alleine Götz lop und sin ere, daz sin ewig wolgevelleclicher wille alleine gewerde in in und in allen creaturen. Dodurch lident sü und lossent alle ding und enpfohent von Gotte und tragent ime alles daz sü enpfohent, zümole luterlich wider uf und ennement sich des sinen zümole nüt an. Sü tünt 15 rechte alse ein wasser das uzflüsset und wieder in flüsset, als daz mer daz flüsset us und ilet iemer wieder in den Ursprung, also dise, alle ire goben tragent sü wieder in den grünt do es geborn wart, und mit dem so fliessent sü selber wieder in; wanne so sü alle ire goben wieder tragent und nüt werdent enthalten weder in luste noch in nutze, noch dis noch daz, sus noch 20 so, so müs Got von not ir enthalt sin inrelichen. Nu wie dise meinunge alsus luterlichen den menschen usser im tragent und wie sü einvaltig und blos uf Got go, so het die nature ein etwas widerböigen uf sich selber; des enkan der mensche nüt abegescheiden, er welle oder enwelle; daz ist daz der mensche gerne Got hette und von naturen begert selig zu sinde; alleine daz solte gar 25 kleine und an dem allerminsten teile angesehen und gemeint werden; glicher wise alse der arbeiter des wingarten, alleine er durch die arbeit do si, doch müs er ein imbis do haben, und daz ist gar kurtze zit und die arbeit ist gar lang, al den tag ist die arbeit und kume alse eine stunde ist die labunge und dieselbe ist durch die arbeit alleine, daz er gearbeiten müge, darumb ist daz 30 essen, und die spise die get eime durch fleisch und blüt und marg und gebeine, und daz treit sich alzümole wider uz und wurt verzert mit der arbeit; und also daz alles verzert wurt in dem werke, so isset er aber ein kleines, daz er es verzere aber in dem werke des wingarten. Beeilte also sol der edel mensche tun, daz er also ein wiederböigunge in ime vinde Got zu habende, 35 genade und waz des ist, daz er des sinen gar kleine und wenig daran meine, 1. m. ding d. 91. 3. g. grobe g. 91, grobe g. F. 10. i. und e. 91. 11. ge- vellicher 8S, wol bevelliche F. 12. D. so 1. 91. 16. zu also] 'Cod. 88, beigeschr.: tünt' 16 f. g. die t. 8S. 19. dis noeb daz] in diseme noch in deine, weder 91. 22. ettewaz 88- 23. a. werden e. 91. 24. d. si so s. F. 26. erbeiter 88. erbeit 88. 27. do f. 91- g. ein k. 91. a. die i. 91. 30. u. durch das b. u. durch m. u. ouch das g. 91. 32. wurt] ist F. 33. werke des f. 88. 35. daran] an F. 7. Simile est regnum celorum. 31 alleine es doch sin müs dan zu einer labunge und ermachunge, daz er es verzeren müge in der erbeit, und so es uf daz hölieste verzert wurt mit Wiederfliessunge in aller wise alse sü es enpfangen haut, so müssent aber sü gelabet werden in den minneclichen uzflüssen in den Worten daz sü es aber verzeren mügent. Ocli kinder die die gaben Gottes liplichen und geistlichen 5 aisus wieder tragent alzümole, daz sint die alleine die noch mere goben allezit enpfenglich und würdig werdent. Dise lüte werent des würdig daz sü berlin und golt essent und daz alrebeste daz die weit heb. Aber nu ist manig edel arm mensche der dis mit enhet; der sol Valien in die aller vennügeiide & kraft ^ottes und sol der getruwen daz sü wol siille helffen. Kinder," kinder, kinder, 10 !sen menschen geschiht reht also dem winholtze; daz ist ussewendig swartz und dürre und gar snöde, und wer es nüt erkennete, den enduchte es niergent jU gut danne in das für zu werffende und zu verbürnende Mer do sint inne verborgen in dem gründe die lebenden odern und die edele kraft, do die aller Reiste süsseste fruht uz kummet vor allem holtze und vor allen bömen. 15 echte also ist disem aller minneklichesten in Got versunkeme Volke, daz ist ussewendig an dem schine alse ein verdorben volk und swartz und schint uire, wanne sü sint demütig und kleine uswert; sü sint weder von grossen Worten noch werken noch ufsetzen und enschinent nüt und sint die minsten in U , m ? teile - Aber der die lebenden äderen behaute die in dem gründe ist do 20 s u irme teile enpfallent und Got ir teil und ir enthalt ist, woffen, welich ein wimnenclich ding daz wer daz zu bekennende! Nu get der wingarter nun sclnere uz und besnidet sin reben daz wilde holtz abe, wanne tete er daz nüt ud liesse ^es ston an dem guten holtze, so brechte es alles suren bösen win; ord° S01 tfin diSei " edel mensc]ie > er so1 sicb selber besniden von aller un- 25 enungen und daz von gründe heruz rüten in allen wisen und neigungen, w i 68 ?! d leides ' daz sint die bösen gebresten abgesnitten, und daz enbrichet Wa a • 1)0dl arm n ° Ch beIn- Halt StÜle daZ meSS6r Untz daz du besihest bald \ S1Üden söllest ; und kunde der wingarter nüt die kunst, er snitte also ,^ e abe daz e del holtz daz die trübel schiere bringen sol, also daz böse und 30 ^iderbete den wingarten; also tünt alle soliche lüte, sü enkunnent nüt die unst, sü lossent die untugende und die unrechte neigunge in dem gründe der seih 6 " nd llöwent und snident abe die arme nature; die nature ist in ir -*fig£-gQt md edel: was wiltu darabe zu höwende? Warn dan daz zit der 1- alleine es] wau es alleine 91. 3 f. sü aber wol g. F. 5. d. do d. 88. C. w. 8. hab F. 9. aller f. 88. die verm. aller der k. 91. 10. des g. 91. sü] helffen] ime ze helfe kumen 91. das dritte kinder f. 91 F. 11. diseme 91. und nnww S ^ 9t U - die edele] 0Uch die gliche 91. 17. schinent 91. 18. k. , n< Unwert 88, k. vnd enge vswert F. m t. s, die 88, 12. S. 91. daz vor zu f. 91. z - M der F. 25. edelre F. 27. ahgesnitteu] abe 91 F. 29. besniden 91. 23. uz so b. er 34. darabe lt. Ki 32 7. Simile est regnum celorura. fruhte solte komen, daz ist ein göttelich leben, so liest du die nature verderbet. Harnach so heftet man und sticket die reben, man büget die reben von obenan nider und sticket sh mit stareken stecken domit sü ufgehalten werdent. Dobi mag man nemen daz süsse heilige leben und heilige bilde und 5 daz liden unsers herren Jhesu Cristi, der alles des guten menschen enthalt sülle sin, und daz der mensche wider gebouget sol werden, sin oberstes nider, in dem insinkende in warre underworffener demütikeit, in den grünt, in Cristum, in der worheit, mit mit gelosen, sunder von gründe. Och wan alle dise krefte, innewendig und ussewendig, sinnelich und begirlich und vernünftige 10 krefte, so die alzümole werdent gegürtet ein iegeliche uf ir stat, daz noch die sinne noch der wille noch enkein kraft fri werde, dan gebunden und ufgegürtet ston in rehter ordenunge under dem göttelichen willen, daz Got ewiclich gewellet hat in sime ewiclichen willen. Darnoch undergrebet man die stocke und ruret daz unkrut uz; rehte also sol der mensche sich undergraben mit 15 tieffem gemercke sins grundes, ob noch üt do si, daz er daz usrüre, umbe daz die götteliche sunne desto unmittellicher dem gründe müge genehen und schinen, und lest du die oberste kraft do würcken, so zühet die sunne die fühtekeit herus in die lebende kraft die in dem holtze verborgen lag, und die trübel die gont vil schöne herfür. Och kinder, der sinen winstog alsus bereite 20 daz die götteliche sunne drin gewürken und geschinen möhte, welich edele düre fruht solte Got uz dem menschen ziehen! Danne schulet die sunne und würcket in die trübel und tut sü minneklichen blügen. Och die blümen sint von so gutem edelme gesmacke daz alle vergiftnisse der smag zumole vertribet, noch krotte noch slange enmag den smag nüt erliden. 0 kinder, 25 kinder, do die götteliche sunne disen grünt unmittellichen berürt, och, in aller der frucht die dan uz gezogen wurt, indewendig und ussewendig, o die get so luterliche uf Got und hinget so wunneclichen in eime lutern gotmeinende, daz in der worheit so wunderlichen edellichen roch git daz von not alle vergiftnisse des alten slangen fliehen mus. Ja in der worheit, hettent alle die so tüfele gesworn die in der helle sint, und alle die menschen die in ertliche sint, sü enkundent dem luter gotminnenden menschen nüt geschaden; ie nie sü sich des beflissent ime zu schadende, so sü in ie tiell'er und höher erhübent, so er 1. ein /'. 88. 2. v. und verswendet. H. 91. 3. stecken] rame F. ufent- lialten 88. 4. D. man n. mag F. und — bilde f. 88. 6. oberste nider wert F. 7. worer 88. 8. Ouch 88. 8 f. von a. die k. F. 9. die 88. u. ouch v. 91. 11. n. in enkeine kr. fr. in w. F. 12. dem 8, den F. 13. ewigen 91. D. so u. 91. 14. rürt dis F. 17. geschinen F. du f. F. 19. Ouch 88. 21. D. so seh. 91. 22. Ouch 88 F. 23. edelen rovehe F. smag] roveh F, ebenso 24. 24. 0] Ovch F. 24 f. das «weite kinder f. 91. 25. ouch SF. 2C. o] Ovch F. 27. luter F. 28. w. und so gar e. 91. get, dasu am Bande von jüngerer Hand: do von F. 29. w. und h. des a. 91. 30. u. ouch a. 91. 31. got meinenden F. 31 f. ie si sich des me b. F. 32. erhöben F. 7. Simile est regnum celörum. 33 echte lue inne were; und wurt er mit diser blute gezogen in den tieften grünt der hellen, es müste ime himelrich und Got und selikeit do in der hellen Verden. Und darumb wer dise blümen hette, der endörfte sich nüt förhten in ' eille _ wise noch fürwürffe die ime engegen louffent, waz daz si, do Got nierliche inne gemeinet wurt, do enmag ime nüt gewerren noch geirren. Dan 5 ^nt die snnne noch klerlicher und würfet ir hitze uf dise fruht und machet ■ tuil ne ie nie und ie nie; und beginnet die süssekeit ie nie und ie nie sich ossen, und beginnent die mittel gar dünne werden; alsus in diseme daz die l ttel zu lest also dünne werdent daz man die gütlichen inblicken hat vil ne on alles underlos; also dicke und also snel also man sich zu gekeren 10 ' a g, so vindet man von in innan die götteliche sunne schinen vil klorer dan . e s nnnen an dem himmel ie geschinen, und wurt also alle, des menschen Se a l so vergottet daz er enkeines dinges also Averlichen also Götz enbevindet ensmacket noch enweis in einer wesenlicher wise, doch verre über nunffcig wissen und wisen. Harnoch so blichet man und blösset die bletter 15 e > daz die sunne sunder alle mittel niüge uf die fruht sich gegiessen; also valient rehte alle mittel in disen menschen abe, und empfahent alles sunder mittel; hie vallet gebet abe und die bilde der heiligen und wisen und ngen; nnd ouch ensol der mensche nüt daz abe werften bitz daz es selber -r--~ bellet. Dan in dem do wurt die fruht so unsprechenlich süsse daz dan 20 kein Vernunft verston mag, und klimmet also verre daz der geist in (i * Une , so vei 'sinket das er die underscheit so verlüret, er wurt also ein mit ' ^ s ussekeit der gotheit daz sin wesen also mit dem göttelichen wesen o ^ c fangen wurt daz er sich verlüret, rechte alse ein troppfe wassers in einig r~Y§JL_Z§ssei._wines; also wurt der geist versunken in Got in götlicher 25 v i, ^ 5 ^ az er do verlüst alle underscheit, und als daz in dar het braht, daz } st . * ^° s inen namnien, also demütikeit und nieinunge und sicli selber, und , Inter stille heimliche einekeit sunder alle underscheit. Och kinder, hie ^ nieinunge und demütekeit ein einvaltekeit, ein wesenliche stille ver- . pnneit, daz man es kume gemerken kan. Ocli in diseme ein stunde zu 30 le i jo einen ougenblick. daz ist tusent werbe nützer und Gotte werder dan 1 Z1 8' jor in dinen eigenen ufsetzen. Daz uns dis allen werde, daz helffie >p f r üns Got. Amen. ■ V.. wfl] . fe 2 - e |me F. 3. wer] der F. b. in der worheit h. F. 4. w. und n. 91. für das J* ■ ime f' 91 - 5 ' iime f' F ' g ewer(1 en 91. 7. das zweite ie f. F. s. da i. F. 11 in° e ' ie ie f" F - 8 - alsus l und alles us 9L 9 - götteliche in Michelle F. inhlickunge OL alles 88 Wendig . 91 ' binnE R diS6 S ' F ' klerlicIier 91 > kla re F. 12. a. die s. 88. gehet 89 13 ' enbevindet ] ingefült F. 17. disem SS. enphahet F. 18. valient abe v. 0] ( 19- daz vor abe f. F. 21. kumment 88. 22. also v. 01. 24. s. also 28 fi v ' lus et F. 25. versenket 01. 26. verlurt SS. 27 f. Und vor ist f. F. den F 88 F ' 29 f- st und eine v - 91 - 30 - 0ucu 8S F - 31. einen] ein F. 32. dinen] des F. "u'Bche Texte a <* Mittelalters XI. Q 34 8. Erat festus judeorum. Erat festus judeorum. Die bredie usser sancte Johans ewangelio des fritages noch der grossen vastnaht, von des wassers bewegunge in dem tyche, seit wie Got etteliclie menschen lot in eime unwissende, in vorhten und in getrenge untze 5 an iren tot und ergetzet sü denne erst riliche. In diseme ewangelio sant Johannes lesen wir daz ein hochgezit waz der Juden, und Jhesus ging uf zii Jherusalem, do waz ein tich mit fünf porten, do lag ein grosse menige der siechen, die beitetent bitze daz der enget unsers herren nider ging in den tich und beweget« in daz wasser in dem 10 tiche; und welich mensche zii dem ersten kam noch der bewegunge des wassers, der wart zümole gesunt von welich er kunne siechtagen er hatte. Do was ein mensche, der was echtewe und drissig jor siech gewesen; do den unser herre Jhesus sach und bekante das er also lange do gelegen hatte, do sprach er: 'wiltu gesunt werden?' Der sieche antwurte: 'ich enhan nieman der mich 15 in daz wasser losse so es beweget ist, und wenn ich dar kumme, so ist ein anderre vor mir do gewesen'. Unser herre sprach: 'stant uf, hebe uf din bette und gang'. Alzühant wart der sieche gesunt und hüb uf sin bette und gieng. Noch langer rede die hie noch gieng, und so stot der mensche uf und enwuste es nüt daz es Jhesus waz; mer darnoch do vant in unser herre und sprach: 20 'du bist nu gesunt worden; ensünde nüt nie, daz dir üt argers geschehe'. — Diser tich oder dis wasser das ist die minnecliche persone unsers herren Jhesu Cristi, und daz wasser das alsus beweget wart, daz in diseme tiche oder in disem wiher ist, das ist das hochgelobete blüt dez minneklichen Gottes sunes, der got und mensche ist und uns alle in sime türen blute geweschen het und von 25 minnen alle die weschen wil die zu ime iemer kumment. — Die siechen, der eine grosse schar waz, die bi disem tiche logent und wartetent der berürunge dez wassers, das ist in eime sinne zu nemende als menschlich kunne, die under dem alten testament gevangen lagent in allem irme lebende, und noch irme tode so müstent sü in der vorhellen ligen und wartetent der berürunge, das dis 30 türe edel blüt berüret wurde das in disem edeln tiche waz, soltent sü genesen, und mit e mochtent sü gesunt werden noch niemer genesen. Mer ouch in disen lesten tagen, das do sint die tage des heiles, so enmag enkein mensche zu der Nummer] 'Cod. 89 und 91, Nr. 5'. zu Z. 1] 'Joh. 5,1— IV. in F (. . .) am Band: disse bredige liset man in der erste vastwünchen an dem fridtag. 5. an] in 88. 6. hochgezit] fest 91 F. 7. t. der hatte f. F. 10. der f. 91. 11. von f. 91. sieche- tage daz er gehalte wz F. 15. also daz wasser b. F. 16. g. Vn vnser F. 18. uf f. F. 19. es vor nüt f. 88 F. 20. üt] nützit 91. 23. ist f. F. 25 f. e. gar g. 91. 27. als] alles F. 28. testamenta F. 29. so] do F. warten 91. 30. edeln] minnekliehe F. 31. en mähte sv -e- g. F. 8. Erat festus judeorum. 35 uemerme genesen noch gesunt werden dan übermitz daz minnekliclie wasser e s^ tiches, daz ist daz blftt unsers lierren Jhesu Cristi. Nu die siechen die lerm nüt enkumment, die müssent eweklich sterben und verderben. Es sint u ch soliche siechen die in disen rainneclichen tich kumment, nach dem das dis Wasser berüret wurt, das ist ein ussewendige berürunge; beschult an in daz sä 5 °n Gotte gemant werdent und gerüffet werdent übermitz sulite oder betrüp- sse °der ander züvelle liebes und leides, so kerent sü sich zu Gotte; oder sii Werdent berüret von dem Gottes worte us der lerer munde und kumment also ^ u Gotte in dis wasser; aber daz tünt sü also leweklichen, blintlichen und ^glichen, und darumb, alleine sü genesent, so blibent sü doch also verre alse io es > an in ist, nüt alse es an Gotte ist, so blibent sü also ungelutert daz sü Müssent ingon in daz fegefür und müssent do liden heische pine, heisch für, o sin ein spot der tüfele und do sin also lange bitz das sü gelutert werdent. — , u an disem tiche worent fünf pforten, vor den lagent ein grosse menige der Sle dien, daz sü alle wartetent der bewegunge des wassers, und welicher aller 15 ls t darin kam, der wart on allen zwifel gesunt von welichem siechtagen er axte. Bi disen mügen wir nemen hochvartige und zornige und hessige und gütige und unküsche, und also von allen den die in diser wise siech sint und 1 in Cristus blut weschen mügent, daz sü gesunt werdent alzümole, obe sü e üent in dis wasser kummen. Die fünf porte» dis tiches mag man nemen in 20 *tte sinne die heiigen fünf wunden unsers herren, durch die und in den wir e gesunt sint worden. Aber in eim andern sinne so sint dise fünf pforten . ftuunge der fügende mit underscheide genomen. Alleine uns ir aller not ^ i doch ist ein mensche an eime teile kranker wan an dem andern, und dan- u bedarf er me flisses sich mit underscheide zu übende an einer me dan an 25 ei andern. — Die erste pforte an disen Übungen das ist ein tiefte verworffene , niu tekeit, daz der mensche von ime selber zümole nüt enthalte und künne '. cll _ in lidender wisen gedrucken under Got und alle creaturen unde ein glich ding wo es herkome, das er daz demütecliche von Gotte neme und von le «un anders, und las sich Gotte in einer demütigen vorhte, in woreme 30 . ersm ohende sich selber in allen dingen, in liebe und in leide, in habende und |i darbende. — Die ander pforte das ist ein nissig bibliben bi dem gründe. 0 u Mer, wie no t wer dis manigen guten menschen die in guter einvaltikeit j„ , 1- übermitz] durch SS. 4. das] also 91. 6. übermitz] durch. 9. leweliche F. • s i blibent doch F. 12. p. und helsches 01. 12 f. f. und d. s. e. 91, f. Vfl sin da e. F. -lud do sin f. F. 14. worent] stündet F. porten 91. 15. berürunge 911<\ IG. allen ^ ■*• von welichem] was 91. 20. fünfte porte S, fünf porten 89, f. porte F. 21. durch J urspr. über; 'ausgestrichen und verbessert dicrch: durch die' (SS). durch die und] über- 2g ; vber mitz in den das w. F. 24. ein] solich F. 24 f. dar von] dan abe F. 32 ,!" d ' worfen e F. 27. enhalte F. 30. v. und i. 91. 31. und nach liebe f. 91 F. • U J »ch F. 33. manigeme F. 3* 36 8. Erat festus judeorum. ungewarnet uzlöffent von irme gründe in gut schulenden wisen und werken, es si an lerende, an hörende, an redende, an wirkende, und löflent alsus uz sinnelichen und lustlichen in daz unwisliche. Daz geschiht, also sancte Augustinus sprichet, daz ir vil si die also verre löffent daz sü niemer nie 5 wieder in kumment. Der mensche solte in allen sinen werken und uzgengen sins grundes ein nissig warnemen haben und darin sehen mit allem ernste. Wan er darus würckete, so blibe er in allen sinen werken in geworeme friden. Und danvon hat er nüt friden in sinen werken und in sinen uzgengen, wenne er usget unvernünftiklichen nach bewegunge der sinne und der usse- 10 wendigen züvelle und nüt von eime göttlichen tribende noch manende. — Die dirte porte von disen daz ist ein war wesenlicher ruwe der sünden. Welicher ist daz? das ist ein gantz war abeker von allem dem daz nüt luter Got enist oder des Got nüt ein wäre sache enist, und ein war gantz züker zu Gotte mit allem dem daz man ist; und daz ist alleine der kerne und daz marg des 15 ruwen; und dan mit einer versaster getrüwunge versinken in das minnenkliche luter gut das Got ist, und an ime und in ime iemer me zu blibende und anzuhangende mit minnen und mit luterre meinunge in eime vollen bereiten willen, den liebsten willen Gottes zu tünde also verre also er mag. Kinder, dis ist wesenlicher ruwe, und wer disen ruwen het, dem werdent sunder zwifel 20 alle sine sünde vergeben, und wer dis me hat, dem wurt öch luterlicher und werlicher und me vergeben. — Die vierde porte ist ein willig armüte. Kinder, es ist zu prüfende ein ussewendige armüte noch dem züvalle, und indewendi// armüte das daz wesen des gewaren armütes ist. Das ussewendige armüte daz enist aller lüte ding nüt, und zu dem sint nüt alle menschen gerüffet das sü 25 ussewendig arm sint. Zu dem wesenlichen armüte sint wir alle gerüffet, alle die Gottes f runde wellent sin, das ist das Got uns all eine besitze unsern grünt und daz wir von keinen dingen besessen anders ensint und das wir alle ding also haltent also sü Got in uns wil gehalten haben in armüte unsers geistes, also sant Paulus sprach: 'also die nüt enhabent und alle ding besitzent', daz 30 ist daz sü enkein ding so liep enhabent, weder gut noch frünt, weder 11p noch sele noch lust noch nutz, wolte Got ein anders von uns, wir solten ime daz zu liebe und zu lobe gerne in sinem guten willen lassen in aller der wisen also er es gelassen wolte haben, dis sol unser gantz gut wille sin. Aber obe 1. schinend' F. u. ouch w. 91. 2. an redende f. 91. 3. lüstliche vnde vn- wisliche [vnde auf Rasur] F. 5. vs giügen F. 7. darusj das us 91. e. aller sinre w'ke F. wareme F. 8. dan von so h. 91, dan abe h. F. 10. noch] oder F. 11. weliches F. 14. allen deme F. 17. v. und b. 91. 17 f. bereiten willen f. 88. 18. also vor er f. 88 F. 21. und vor me f. 91. 22. es] hie [auf Rasur] F. inde- wendig F, indewendigem S. 24. aller d' 1. F. 26. uns] 'ausgestrichen' [88]. vns got F. 30. sü] wir F. we oder g. 91. weder vor lip] noch 91 F. 32. sine F. 8. Erat festus jndeorum. 37 wol die krancke nature lierwieder ist, do lit mit an, so der wille herzu bereit • Kinder, dis ist daz wore wesenliche armüte, zu dem alle gute menschen in lidv W ° rlieit gellörent und daz Got von in wil > und so daz su habent ein tri, g, erhaben gemüte, das ungevangen ist von allen dingen, noch mit luste och mit liebe, und stet in der bereitschaft alle ding zu lossende, obe es Got 5 oite gelossen haben. Hette der mensche ein kunigriche, das wer doch ein wesenliche arm mensche, und enhindert in mit der enpfenglicheit Götz alle die / Ü, e das dis menschen gemüte enkein vergenglich ding zu rasten noch zu / if 1 en mag gesetzen, wanne alleine ist er allewege die hant sinre begerunge ® r . ende Z1 * dem muten almüsen des Intern gutes daz Got selber ist; das 10 nid m e * ne De gmigen in sime willen und in sime gründe, es si in den Und t6D kreften und in der vihelicheit daz lust und unlust hat in frommen ^ scliaden, das ist lierwieder mit, do müs man sich inne liden und Gotte '. a ^tragen. — Die fünfte porte ist daz der mensche Gotte steteclichen ein als r - ln Un ^ u ^ ra gen habe, also daz man von ime enpfangen hat luterlichen, 15 in r W m den Ursprung, in den grünt do es uzgeflossen ist, 0 kinder, die i„„ , Se P° rten w ol und recht geroten weren. wie ein minnenklich ding das WCl'P' TT 1 i • Wen ' i ■ verhübet vil manig grosser menschen, die sere wol daran iiiitt l Sm ' Un< ^ a ^ S ° * n ^ ot g rosse sonderliche goben schencket do sü alzümole S4)iel e ^ oltent _ geborn werden, so vallent sü daruf mit liebe und mit luste und 20 hebe t ' tte nnd flielient nüt zühant wider in den Ursprung, sunder sü gc j , u . an un( l ziehent es an sich also es des iren si, und tünt iren mordigen gem Cei i lliemitte - Dem menschen solte also emest sin zu Gotte das er enkein einiff a S ° lte llaben uf alle die di " 8 ' die beden siteu für slahent a " nöw° e USfll ^ Sse; recnte glicher wise der ein ding mit allen sinen kre/'ten sere 25 daz mUrte durCÜ einen engen spalt oder ein dünne geremtze, alle die wile in fl r • a ^ en Sill6n kreften das gerne ansehe das er durchsihet, so enhindert Wie Tri mittel nut > ^ert er aDer sm gemercke uf das mittel und sihet das an, das ^ 6lne ^ aS * S ^ Ulld w * e dunne daz mittel ist, so wurt hie gens gehindert da- 61 durcn sehen solte; rechte also mag das mittel nüt so kleine gesin, edel m,an ra f tet uf den gaben, oder die usflüsse mugent nüt so luter noch so mit nU 1 t . gesin ' hübet man daruffe mit lust und mit genügede, man werde Götz gehindert, den man in den goben solte nemmen und solte sü wider in : - SO be ßei .- - *' da in Selit nvt an s. F. gereit F. 5. gereitschaft F. 9. allewegent 88. 16 s" ge F ' 12- voilicheit F - 13 - cL en ist F - lö - als 8S > alle 3 [le B auf Rasur] F. «iensoh Ung 88 ' ^ ° VCh F 17 ' d ' Sen P ° lte F ' r ' S 01 ' 0 * 0111 w - 86 '- la vil f- 9L 2o hei 6 * 88 ' M F ' 19- %■ in sch- F ' 21 ' sp ' si (L F vli in niessent zu hHt da mitte a*t w - F er f. 8 ane F üt ^ ützit 91 ' als H lles F 23 - llie alle F 23 ' Dem ! Den 91 F 25 re ,' d - sn e - 91, (1. er also mer als e. F. 24. d. zu b. 91. bede F. zu slahe F. ge'renz p 88 ' kuec «ten SF > kreften 88. 26. nnirte F; l marcte (vgl Z. .28)? B. 31. res j ' 8a 27. e. da d. F. 28. nüt] niht des gens F. 30. durch] vor 91. et F. enmugen F. mit vor so /'. F. 32. in. enw'de gotz. Da mitte gelmndert F. Vai k»«. 38 8. Erat festus judeorum. GrOt tragen und mit den goben insinken in den Ursprung mit aller kraft, do die gobe usflüsset. — Nu an disen porten dis ticlies lagent vil siechen, und ein iegliclier der in dis wasser kam noch der bewegunge des wassers, der wart zumole gesunt. Waz ist nu dise bewegunge und dise berüruuge dan daz der 5 heilig e geist kummet von inbo/en in den menschen und berüret dez menschen indewendekeit und machet eine grosse bewegunge do, also das rehte des menschen indewendekeit wurt umbegekert und in im zumole verwandelt, das ime nüt der dinge smackent die ime e smachtent, und do ime vor gruwelte, daz gelust im nu, also smochheit, eilende, einöte, lidekeit, indewendekeit, demütikeit, 10 verworlTenheit, abegescheidenheit von allen creaturen, das ist nu sin aller- höheste wonen. Wanne dise berürunge ist beschehen, so kummet der sieche, daz ist der ussewendige mensche mit sinen ussern kreften gentzlichen und grüntliclien in disen tich und weschet sich rechte in Oristo in sime hoch- guldigen blute; usser disem gründe diser begerunge so wurt er erlichen gesunt, 15 also geschoben stot ouch anderswo: 'alle die in rürtent, die wurdent gesunt'. — Nu lies unser herre von grossen truwen die lüte undenyilen für siech ligen, und sint sü doch genesen zumole und enwissent es doch mit und hant alles ir leben für siech; wenne unser herre bekennet daz von in, wüstent sü daz das * v °'* r . . su 'v 25 dis.....unwissendes und dis vinsternisses, und tut in denne so vetterlichen und \m oA*No»k»A tröstet sü denne und lot sü dicke smacke n vor irme tode des sü eweclichen gebi'uchen sullent, und sterbent denne in grosser Sicherheit, Und die ime denne in diseme vinsternisse truwe hant geleistet, die fürt er on alles mittel in sin unsprechenlich.es ewiges liep, und werdent in der gptheit begraben und sint 30 selige toten, sü sint in Gotte gestorben. — Nu kummet unser herre und vant einen siechen do ligende, der waz ehtewe und drissig jor siech gewesen, und sprach zu dem: 'wiltu gesunt werden?' Do sprach der sieche: 'herre, ich han nieman der mich in daz wasser losse noch der berürunge'. Und unser herre sprach: 'stant uf und hebe uf din bette und gang!'. Und alzühant was der 2. vf flüsset F. 4. bew. od' ber. F. 5. inblosen 8, inbofen Ol, in boven F. b. als d. F. menschen f. 01. 8. i. die dinge F. nach -e- oben eingeflickt: nvt F. d. von i. 91, d. im -e- des F. 9. im] in 88 F. 10. das] dis 88. 11. so] vnd F. 13 /'. boch güldinö F. 14. berürungen F. sicherlickü F. 1.5. stot] ist F. IG. grosser F. dise F. 17. sü f. Ol, z. m. sy e. F. h. sich alle F. 18. i. und w. Ol, das f. 88. 19. sint] werent 88. 22 f. d. vare oder k. F. 24. vil S. die] usser der 91. O v eh F. 2C>. ]. danne d. v. i. t, smacken des si e. F. 28. geleistet] gehalten F. alle F. 29. ewiges f. Ol. 8. Erat festus judeorum. 39 sieche gesunt und hüb uf sin bette und gieng. Kinder, dis ist sere zu merkende daz diser sieche also lange und also vil jore do gelegen hatte. Diser sieche der waz zu den glorien Gottes und mit zu dem tode. 0 der diseme biunde wol noch ginge in der waren gebeitsamkeit, das diser sieche echtewe . drissig jor hatte gewartet bitze daz in Got selber gesunt mähte und Ines 5 gon! Dis ist wider die lüte die, also schiere also sü eins sunderlichen elendes bestent, und löffent in danne alzühant mit grosse ding zu, so ist es es verloren, und klagent sich von Gotte rehte als er in unrehte tu. 0 wie eiug lüte haut dise edel tugent daz sü sich kunnent gelossen und geliden ö haltent sich für daz sü sint, und lident ire krangheit, ire gevengnisse und 10 --.'orunge bitze sü der herre selber gesunt machet. Und darumb ensprichet ttUt daz sü in der worheit ufstent und gont und tragent ir bette und sint j Unt - ^er sich in diseme gevengnisse hielte und mit e uz enbreche bitze daz r . er herre selber löste, o kinder, welch ein edel wunnenclich ding das were, i ! o S eAva lt, welich ein herschaft wurt dem menschen gegeben! Ime wurde 15 üb i Z1 ° lges l n ' 0ca en: 'stant uf: du ensolt nümme ligen, du solt allen gevengnissen eijviiniinen und enbunden sin und fri sin und wandelen frilichen, und solt e dm bette tragen, also waz dich hie vormoles trüg, daz soltu nu uf lieben ii & en gewelteklichen und mechteclichen. 0 der mensche den der herre ei a lsus erlöste, der wurde wol erlost und wandelte lustlichen und kerne 20 . , 1 lser g'ebeitsamekeit in wunderlicher friheit, der alle die enberent die / dj "~ . ~ - — ew wenent und uzbreclient e zit. Also ouch nu dise lüte in / jf^ ■ so n "eit vallent und irs gevengnisses los sint und vindent sich gar gesunt, ' \- und 0 \ c ^ az £ ar wol das sü usser disem friden ettewenne unverselichen in • • ^ Cüen nzgont under die menige oder zu den usseren dingen oder 25 sü V 6 Sögen oder Übungen, und geschult in denne rechte also diseme, das „ ni ent Götz in ein unbekentnisse. — Do die Juden disen fragetent wer in tem 8'eniaht hette, do enwuste er es nüt; also er aber wieder in den all m ' ^° s P racn ™- e Jl iesus zu > un( i d° bekante er in und predigte do Uni- - ln Vo ^ e - Also sol dis minnenkliche mensche tun; wann er dis 30 i-eiitiusse in ime gewar wurt, so sol er alle ding lossen und gon snelleklichen in/ 611 tem P e ^' ^as ist daz er in einer samenungen aller siner krefte in sinem Wendigen tempel in sinen tieffen grünt kum; so er wol darin klimmet, on in üieg 2> und v - i- 88. 3. g. erwelet u. 91. 5. gewartet hatte F. 5 f. hies in SF] 10 k ' • G ' S ' Sich e ' 0t 7 " testent l alm ement 91. nvt alzehant F. 8. beklaget F. ei) i] iriel ^^ t&g5 ire gev ' F ' 11- ens P racn F u - °1 0vch F - 15- welich vor 18 g 0 X ' 16 - "vme ensoltu F. nüt nie 91. 17. enbunden] in boven [ov auf Basur?] F. gelost F 19 ' t- di>Z S ' F ' ^ ° Vch K 20 - alsus solber F - Wl so w - 91 K 24 Un ' w ' so L F 22. lösen 91 F, lösent 8. 23. lossent S, los sint F. gar /'. F. 31 vnbl lenhChen SS - 26 - oder] Und 8& 30 - dera f- 91 - m f- di8 vor unk -l diser 9L ^entnisses F. lossen] begeben F. südlichen SS. 33. kum f. F. \ 40 8. Erat festus judcorum. allen zwifel so vint er do werlichen Got, und do wurt er in erkenende. Und waz do Jhesus, und der sprach ime do zu und seite ime unde sprach zu ime: 'sich, du bist nu gesunt worden, nu hüte dicli furbaz me!'. Und dan prediget alles des menschen würcken und wissen und leben dan Got in der worheit. 5 Und wanne also der mensche alsus von göttelicheme waren befindende in dem Intern bekentnisse in dem innewendigen tempel in sime gründe Got funden het und ouch vil wol von eigem schaden getriben ist und dan von Gotte gewarnet wurt, o so ist des menschen bredigen sin got und kündet in; daz kummet uz bevintlicher warheit und ist sere nütze und ouch vil fruhtber. Das uns das 10 allen geschehe, des helfe uns Got. Amen. 9. Jhesus ging us in die ende der lande Tyri und Sidonis. Die bredie usser sancte Matheus ewangelio des anderen sunnentages in der vasten, von der chananeschen frowen, seit wie Got etteliche jaget durch den strit des inneren und usseren menschen, mit bewisunge einer gebesseiiichen 15 glichnisse. Jhesus gieng us in die ende der lande Tyri und Sidonis; und us dem selben lande ging us ein wip, ein cananesche, und die rief unserme herren noch und sprach: 'herre, Davides sun, erbarme dich über mich, wan min tochter die ist übel gemüt von dem bösen geiste'. Unser herre entwurtete der 20 frowen ein wort nüt. Dis wip rief vaste. Do sprachent die jungern: 'herre, dis wip rüffet uns nach, lose!' Do sprach unser herre: 'ich bin nüt gesant denne zu den verdorbenen schoffen des huses zu Israhel; es ist mit gut daz man den kinden daz brot neme und es werffe den hunden'. Do dis fröwelin dis gehörte, do sprach sü: 'doch, herre, alleine daz ist wor, so geschult doch ouch das die 25 kleinen hündelin ouch werdent gespiset von den brosemen die do vallent von des herren tische'. Do sprach unser herre: 'o wip, gros ist din gloube; also du wilt, also geschehe dir!' Do wart ir tochter gesunt an der selben stunden. — 2. waz] weis F. do vor zu f. Ol. 3. furbaz] vort F. dan] do Ol. 4. dan] denne Ol. 5. wanne] dan F. mensche Ol F) menschen würcken und wissen S (wohl aus der frühem Zeile wiederholt). alsus f. Ol. 7. getriben] gekeret F. 8. o] O v ch F. brediet F. 10. vil] gar Ol. a. sament g. Ol. zu der Nummer] 'Cod. SO wnd Ol, Nr. 6". zu Z. 11] 'Matth. 15,21—28'. in F [65"] am Band v. j. H.: Der and' sunetag in der vasten; daselbst ist die Lüche für die rote lat. Überschr. diesmal nicht ausgefüllt. 17. lande] ende F. 18. her Ol. 20. w. das r. Ol. 21. lose S, lo sn 88 (vgl. Matth. 15,23: dimitte eam). 25. welpelin F. 26. des] der 88 F. 9. Jhesus ging us in die ende der lande Tyri und Sidonis. 41 Kinder, dis ewangelium wiset uns uf den aller edelsten, nutzesten, sichersten, wesenlicliesten ker den man in der zit haben mag; und welich ker etteliche se nüt in diseme beschiht, als das denne der mensche getan map:, Aas hülfet «mg oder zumole mit. Nu nement das wort: 'Jhesus ging uz'. Wannen us? z den schribern und den phariseen. Kinder, merkent disen grünt! Weliches 5 tue lute von den daz Jhesus usging? Die schriber daz warent die wisen von Iren künsten hieltent, und die pharisei das worent die von irre geist- ieit hieltent, und die stundent uf iren wisen in iren ufsetzen. Hiebi sol man ennen zwen die schedelichen gründe die under geistlichen lüten gesin 8'ent; und wele in disen so verblibent, die verderbent, wanne dis verderbet 10 > und usser diser enkeiwe entwürt mit us. Und ist doch wenig lüte, sü sint iseme einen ettewaz besessen oder in allen beiden, mer die einen vil me die ^ andern. By den schribern verstet man die vernünftigen die alle ding ent m ir vernünftige wise oder inire sinnelicheit; sü schöppfent durch die e und ziehent es also in irre Vernunft das sü grosse ding verstont, und 15 . . ° mne ir glorien und sprechent hohe wort, und in dem gründe do die da ^ lieiUZ da blibent sü itel und wüste. Und dan die andern sint die pharisei, das sint die geistlichen die sich für gut haut und halten! für 11 Se ^ er un ^ stont in iren ufsetzen und wisen und haltent ire gewonheit „ t *\ ^ und we H en t in den geachtet sin und gerümet sin, und aller ir 20 Jlie • S ^ V °^ ur * e ^ s u ^ a ^ e die die der wisen nüt ensint. Unser herre einr S . lstus der 8' m £ lls von disen lüten. — Dise lüte hattent in gefreget in o. Wl _ se n eines urteiles, warumbe sine jungem nüt enthieltent die guten snr ^ ^ 61 ' vorc ' ei ' en un d das sü mit ungetwagenen henden essent. Do tunt° V UnSe - r ll61Te wieder: ' warumlb haltent ir Götz gebot nüt?' Eehte also 25 für v » 6 ' S1 * haltent ir eigenen wisen und ufsetzen und alle ir gewonheit urt '1 ^ ^^ cüe manunge und den götelichen willen, und vernütent und enk e edem Gtotz fründe die enkeinen eigenen ufsetzen noch wisen Vol Ulent ^ evo ^8'en, dan das sü Gotte in sinen verborgenen wegen miissent der ' Eisern urteile en meinet man nüt daz man üppige riichelose lüte in 30 a menungen nüt urteilen sülle; so vergienge geistliche zuht. Vor diser 2f „ tt ,. J' d ' e a - edelste nvtzeste sicherste wesenlicheste k. F. 2. gehaben kan F. nu ni ol Wise f' 88 ' 3 - l d - in geschult F. 4. das] dis F. J. der g. 91. 5. K. Vei "blibet • 7 ' ilem g ' F 8 ' "^ Uf 0J ' 9 ' soli edelichesten F. 10. wele f. F. e akei me p 1(llrbet F 10 f- wanne ~~ sü ] so waz Vdirhet F. 11. diseme 91. enkeine S, 14. sin , , d - gar w. 01. doch f. F. 12. einigeme F. 13. verstet] nimet F. rümetl IT F ' sck cs d - 0L 1B> diug ' f' F 17 - blibet F - dau l wan v - 20 - S e " »ngetwS" 16 ^ 6 ' R 22 ' CristUS f K L die L F 23 - w - daz s - F 24 - vederg K 27 - ffian 'Cod. 88, darübergeschr.: ungeweschenen'. 25. enhalte ir nvt g. g. F. lose 9! Ug6n f' 27 f- und «rteilent f. F. 30. üppige] itele F. röckelose F, veruht- 31. der f. F. nyt ejisvlle vrt. F. verurteilen 91. 42 9. Jhesus ging us in die ende der lande Tyri und Sidonis. phariseilichen wisen hüte sich iegliches in sime gründe, obe sich ein valsche heilikeit do verborgen habe, die ende habe oder Ursprung danne als uz Gotte geborn ist, und von den get Jhesus, sicher er enblibet do nüt. Also vindet man lüte die als sehent uf ussewendig gute wise in den werken und in der 5 haltunge, so die gut ist, so ist es alles geton, aber der grünt ist zümole bekumbert mit den creaturen und schedelichen bevangen, und in disem lesent sü vil seltere; also tünt ouch die Juden, dise venient, vastent, bettent, und iedoch so ist ir grünt got nüt, danne die leidige creature, zu den ist ir minne und ir meinunge und ir begerunge gekert mit alzügrossen swinden guten 10 Übungen. Nein, kinder, bi diser phariselicher wisen so enblibet Got nüt, das sint nüt die pflantzen die der himelsche vatter gepflantzet het; siwt sicher, sü müssent mit der wurtzelen uzgeworffen werden, wanne also er ouch selber sprach: 'wer mit mir nüt enist, der ist wider mich, und wer mit mir nüt ensamnet, der zerströwet'. Wissest, wen die zit kummet der ernen, daz er sin 15 körn samnet, sint sicher, alle die mit ime nüt gesamnet enhabent, sunder eime andern herren, sicher so let sü Got; do er sine pflantze in dem gründe nüt envindet, die werdent alle uzgeworffen. Kinder, dis sint zwene valsche gründe, die nu regnierent, die natürliche behendekeit in der schriberlichen wisen, oder die phariseiliche wise in den ussewendigen schinen oder ufsetzen. Die lüte 20 sint ietze in der schriberlichen wisen so behende daz wir kume eine bichte kunnent geboren, und ist der behender funde also vil, sü blibent also in irre wisen. Nu von disen lüten ging Jhesus, also er sicher noch allezit tut. — Und war gieng er? Er gieng in die ende der lande Tyri und Sydonis. Tyri sprichet also vil also 'ein getrenge', und Sydonis daz sprichet also vil also 25 'einer jaget'. 0 kinder, daz nement wenig lüte war wie ein wunnenclich ding daz ist do dise zwei züsamene sint. 0 wie ein edel ding do wurt do diz jagen reht ist und dise behendekeit, die do wurt geboren uz dem jagen. Weles ist nu dis jagen? Nüt anders denne das der indewendige mensche gerne zu Gotte were, do sin eigen stat ist, und tribet und jaget den ussewendigen menschen, 30 und der ussewendige mensche jaget einen andern weg und wil als ussewendig zu den nidern dingen, do sin eigen stat ist, alsus ist ein zweiunge in disen; der inner mensche des eigenschaft ist Got, und zu dem sehent sine begerunge und sin wille und sin meinunge, wan dar neiget sin nature; aber dis ist dem lf. g. oder einige v. h. sich da inne v. F. 2. d. einig e. F. o. einen u. 91. 5. gr. der i. F. 6. bewachsen F. gevangen F. If. iude die lesent vil seltere. Dise F. 8. so f. 88. nützit 91. den] dem F. 9. also gr. DJ. 11. hat. vH alle die er nvt gcpfianzet hat F. sint F, sist S. 15. k. sol samene F. 10. sicher f. F. let] lasset 91. g. sich'. Da F. 18. der] diser F. 21. v. das s. 91, ire 88. 24. eine F. 25. 0] O v ch F (so meist). n. gar w. 91. 20. daz] dis F. wie] welich F. dise iaget F (immer). 27. bankeit F (immer). 27 f. welich i. n. dise iaget nvt. Nvt F. 30. M. der i. F. vswert nid'wert da F. 33. wände der F. n, sich s. 91. 9. Jhesus ging us in die ende der laude Tyri und Sidonis. 43 ussern menschen wieder sin natnre und krieget dowieder, also sanctus Paulus ^pilcnet: 'ich vinde in mir ein ewig wieder vechten, die inder natnre wiederstet dem ewigen jagen des geistes, und das ich mit enwil, das tun ich, . . ^ as ich wil, daz tun ich nüt'. Alsus jagent dise wider ein ander; und eiin von oben kummet Got und jaget sü beide und oucli die genade. Und 5 dis jagen in der worheit verstanden wurt, do stat es sere wol, wan alle le Von dem geiste Gottes gejaget Averdent, das sint die kinder Gottes. von disem jagen so kummet grosse bandikeit und getrenge,. Ouch, kinder, . lser bandikeit, wanne der mensche hie inne stet und wurt dis tribens in r e ^ewar, on allen zwifel so kummet Jhesus und get on allen zwifel in. Und 10 ° man dis tribens nit envolget noch diser bandikeit mit inne enist, darin tuimnet er nüt, noch alle die menschen die dis tribens noch diser bandikeit 11 envolgent, usser disen lüten enwürt niemer nüt und verblibent, so n kumment sü öch nüt zu in selber, und dannan von so enwissent sü nüt von 6 ^ daz in in ist, wanne manige bekorunge stat in dem menschen uf in 15 e a m ' e und in geiste. 0 hiegegen solte man nigen und sü anbetten, dan so ist ( sicher daz Got mit ime get. So kummet die weit mit iren starcken si Umen un d der vigent mit sinen behenden listen und das fleisch und die nid 6 UI l d ZUInole di e nidersten krefte mit grosser krangheit und neigent sich , e ? zu ussern dingen. Und hie wider wurt der innewendige mensche 20 en vou Gotte und von dem natürlichen neigende daz er zu Gotte het; hie billich bandekeit und getrenge. — Und waz sol der arme mensche danne sol ° 6r in clisem i a g en stet nnd enkan keinen weg vinden? Entruwen, so da ' ■ a ^ S ° ^ s arme w * p tet > un< * £ an zu J Resu nncl ru ff en m it i u ^ er stimme, libe * ^arcker stimme und begerunge: 'lierre, Davides sun, erbarme dich 25 ruf 1 ° Binder, in disem jagen wurt geborn ein unmessig ruf, dis geistes do " + 1 " - ^ l ^ er ^usent tnsent milen und dannoch nie mit eime süftzende daz Hill S i a ^ e masse e in gr und elos süftzen; daz ist verre über die nature, g , , ' üeil S e g'eist der müs dis süftzen in uns volle tun, also sanctus Paulus w t ^ 6r ße iÜ8' e Seist bittet für uns mit unzellichem süftzende'. Kinder, hie 30 in gnmt bereit obe allen den bereitungen die man iemer erdenken mag ^ a ^ Nemet diz war, also der arme mensche in disem jagen und in eloser bandikeit ist und mit unsprechelichem süftzende zu Gotte rufte 6 ' dol d er na ture SF. 3. iagen f. F. 4. des entün F. 5. von oben] boven F. u n d L az ' If- wo] so wo F. in gevolget F. 12. dises tribe F. noch vor diser] blioijgjjl 13 - n - 1 gevolge F. disen] den F. in gewirt F. n. me n. F. ver- g. jp 14. dannan von] dan abe F. 16. i. dem g. 91, O'ch h' in gege F. 17. I f. p ® f' "• a lze male nid'wert, vfi vs wert, vnd h' wid' F. 22. m. aber d. 91, 23. vinden (suchen • ^ daS F ' 25 ' stimme Ulld f' 91 F - her 9L i- so w - 91 - 27 - süchede 30- e aTT T St suttzeu ) F - 28. Dis suche d. F. 29. in uns f. 91, volle in uns t, SS. e- «er bitte 91. 3l , ^e] in boven F. 33. rfiffet F. 44 9. Jhesus ging us in die ende der lande Tyri und Sidonis. mit solicher begerunge das es durch die himmele tringet, und Got dan geboret als er es einen trehen mit enhöret oder mit derabe wissen enwelle, wie müs sich die begerunge hie wieder in den grünt hiemitte ie nie und ie me erbeiten und bereit werden! 0 kinder, wie mag daz gesin? Der burne der vollekomen 5 erbarmehertzekeit slos sich zu do dis arme wip rief; der burne wart zügeslossen in dem usflusse der Adam sich ufentslos; welich wunder ist dis daz Got suchet! Und die jungern batent und sprachent für sti. Zu lest do sprach er vil herteclich, er enwere nüt gesant wanne zu den verdorbenen schaffen des huses von Israhel, 'und es enist mit gut daz man neme daz brot den kinden 10 und gebe daz den hunden'. Er tet hie noch hertlicher und smehelicher daz er ir mit alleine versagete, sunder er prüfete es ir mit bewerlichen reden daz er ir unbilliche genade tete; er versagete ir ouch niit alleine dis brot, das doch ein notdürftig ding heisset und gemein ist, sundern er versagete ir daz si mit ein kint enwere, er versagete und enthies ir menschlich wesen und Ines sü 15 einen hunt. Wie möhte er sü me versucht und bekort han, und sü naher gejaget und getriben haben? — Waz tet sü zu allem disem jagen? Sü lies sicli jagen und jagete sich selber noch tieffer dan er sü gejagen möhte, sü ging mit dem jagen in den grünt, noch naher trang sü hinin in daz abgrunde und sprach: 'nein, herre, mit all eine ein hunt, mer also ein kleines welfelin'. Bi 20 disem versinkende und vernütende so bleip sü in getrmmnge und sprach: 'o herre, ie doch geschult es underwilen daz die kleinen welfelin, die kleinen hündelin, daz die doch gespiset werdent von dem gebrockele daz do vellet von der herren tische'. 0 kinder, die alsus einen waren inslag kunnent geraten in dem gründe der warheit, mit mit glosen noch mit den Worten noch mit den 25 sinnen, sunder in dem woren gründe, daz in Got noch alle creaturen so tief mit kundent vertrucken noch vernüten noch verseuchen, er sunke in der worheit noch vil tieffer, und noch enmöhtent sü ime so sere nüt versagen noch vernüten und abegetriben, er blibe ie stände in vollehertunge und trucke alles hin nähere in gantzer züversiclit und liesse sinen flis ie me und me wahssen, 30 kinder, dis wer do es alles an gelegen were, der dis geraten hette, der hette wol geradt. Ouch dise wege die leitent in der worheit alleine reht an alle mittel in Got. Und etteliche enmugent nüt messen ein grundelos vernüten 1. und] wan 88. t. vnd so geboret [diese zwei Worte auf Rasur] er [hierauf 1—2 Worte getilgt] als F. 2. enhöre F. davon 91. 3. erbieten 88. if. volle- komere barmen, der s. F. 6. Adam] 'adren (andren?)' 91. 7. suchet SF] man erwartet etwa swiget. li. i. die spräche vn baten F. 9. zu i. 10. herteclicher 88, herlicher F. süslich' F. 11. a. in v. F. 12. Er en v'saget F. n. dis a. F. dise SS. 13. notdurft. dürftig d. F. 15. naherrc F. 16. h. vnd vernvtet haben, w. F. 17. t. vnd d. F. 18. nah're F. 19. Mer noch vil mire ein F. welpelin F. 21. welpelin F. wenige h. F. 22. gebrückele F. 24. gelosen F. Worten oder m. F. 26. enkunde F. er ensvnke F. 27. nvt so sere F. 27 f. noch aht' wert, vn abe g. F. 28. er enblibe F. 29. in] vn F. 30. gelege. Der F. 31. gerat 88 F. 32. etteliche f. F. 9. Jhesus ging us in die ende der lande Tyri und Sidonis. 45 und war bibliben bi dem gründe in volleliertunge, in rehter worer züversiht, also dis fröwelin tet. — Ouch darumb wart ir geentwurtet: 'o wip, gros ist din geloube, also daz du gloubest, daz geschehe dir, also du wilt, also gewerde dir'. J-ß der worheit, alle die in disen wisen und in disem wege werdent rechte ftmden, den sol also geantwurtet werden: alles daz du wilt, das sol dir 5 geschehen in aller der wisen also du wilt; wanne du uz bist gegangen des «inen, so müstu gelich ingon in als dis miwe; wan allen willen enmag man . * haben, danne in eime nute in der creature. Alles daz du wilt, daz sol dir Sl n und geschehen; diz enmag mit geschehen dan in dem verlöuckende der mensche dez sinen; also der mensche uzget, rehte also vil gat Got in, in der 10 Worheit, — Kinder, ich enwil vidi nu zumole mit me sagen wanne ein klein Berlin daz hierin wol gat. Ich weis ein Cananee, wol mag sü also heissen; dl s ist geschehen innewendig vier joren, und sü lebet noch; dise wart e nzucket us den sinnen zumole und kam also verre nutze daz sü Got sach und unser frowen und alle heiligen. TJo sü dis sach, do sach sü sich in einer 1 5 ^^gfilien^ye rre von Got te; do geschach dem geiste unsprechenlichen und Wiglouplichen we und bevant sich in helscher pine von diser verre wegen. wanne daz ist ouch die meiste pi ne der hell en das sü sich kennent geifl rt von *2i]&_ In diser unsprechenlicher not do diser geist inne was, do kerte er sicli Z~ Unser frowen und zu allen heiigen und bat sü alle sament das sü ir hülfen. 20 ls e alle sament die sach sü daz sü also gröslichen in Got worent verstart -M-gestecket das sü einen trelien zu irme rüffe sich nie geneigetent, so & los waz ir wunne und ire fröide daz sü irs rüffes mit hortent noch enachtent, kerte sü sich noch menscblicher Avisen zu der heiigen pinen und der pinen den tot, und zu den wunden unsers herren Jhesu Christi; do wart ir 25 s antwurtet, waz ir die an solte gerüffet den sü nie enkein ere hette b e ootten? Do sü daz sach das ir weder unser frowe noch die heil igen noch e heilige jone unsers herren mit enhalf, do kerte sü sich zu dem herren oiber, und sprach der geist des menschen: '0 herre, sit daz mir nieman iilulil'et, so sieb, minneclicher Got, daz ich din arme creature bin und du min 30 °t bist, und valle rechte in din urteil noch dime liebesten willen, ob du jrfh in diser grundeloser helscher pine eweklichen wellest haben, daz lau ich, lebei> herre, alzümole an dinen wolgevallenden willen'. Und aldo lie~s"u~sich a ,. 3. d. also also d. F. dir f. F. 4. a. daz d. 8S. disen] diser F. 7. als dis mine F, e s daz mine 88, alle dise minne S. 8. nute in SF; l nuten (= vernichten)? II. 10. also] 11 . a- vil alse d - 88 - Y - s0 8- 8- F - w - vllli uevint da al verlövkent. Kind' F. • enwil] enspulwe F. nu z. m. /. F. 11 f. nie ze sagene. Ab' no wil ich vck e. klein 18 S ^ en d ' F ' 14, S ezucket 9L 1G - unsprechenlichen 88, vnsprechlich' F. 17. verde F. • bekenet F. gefürt SF] l geferret? 19. dis F. 20 f. das — sament f. 88. f. 9 ! e p tecket 88 - n. engeneigete F. 23. n. enhorte F. in ahteten F. 24. der pinen Well 27, nocu die heilige f- 88 - 32 - grundeloser] grawelicher 88 F, gruwelichen[?] 91. ell est ew. F. des gan i. F. 33. herre] got F. ' 1 Vi 46 9. Jhesus ging us in die ende der lande Tyri und Sidonis. zu gründe in ein ewike it; sü gelie sich nie so balde, sü wurde do alzuhant gezogen verre über alle mittel und wart alzümole in das abgrunde Gottes gezogen, sü wart rehte von der wunderlichen gotheit ingeslunden. 0 wie ein wunneclich slunt ist diz! Dise selbe persona wurt noch alle tage uf denselben 5 weg antwede r in den grün t oder uf den selben weg gezogen und ist ein junge juncfröwe; ich wene in der worheit daz sü in allem irme lebende nie grosse sünde getete, do sü Got mitte erzurnde. Kinder, waz mittels sol denne erschinen an den die Got dicke erzürnent und vil erzürnet liant und an den dingen so vaste klebent? Dis mensche lies sich in Göt z willen in ein ewikeit 10 in ein hellesche pine, _ Alsus tunt die nüt die in vieren oder in fünf joren duncket rehte sü süllent wunder ervolgen, und so Sprechent sü: 'ach bit für mich das ich der aller liebesten fründe Götz einre werde'. Du ensoltest dich nüt darzü wirdig dünken das du der aller minresten einre werden mügest; setze dich in die aller niderste stat, als dis ewangelium lert, so wurstu 15 erhöhet; aber die sich selber erhöhen!, die werdent genidert. Beger also es Got eweclich gewellet hat und also er es von dir angesehen hat in sime aller- gevellicliesten willen do dine stat sülle sin. Kinder, in diser wisen gat man in Got, daz man sich sin selbes verzihe gantz in allen wisen, in allem habende. Und der dis in der worheit einen troppfen erkriegen möhte und ime 20 dis ein funke wurde, der solte in nie bereiten und naher in füren dan obe der mensche alle sine kleider von ime risse und enweg gebe und ob er dorne und steine esse, obe es die nature erliden möhte; und wer in disem ein püntelin gelebet nützer dan viertzig jor in eigen ufsetzen. Kinder, dis wer der edelste und der kürtzeste weg und der lichteste vor allen den wegen .die eigen 25 Vernunft bekennen mag. 0 womitte gont ir umb und verlierent üwer edel wunnecliches zit und versument dis minnencliche liiter gut, daz in üch möhte und solte one underlos geborn werden, und gont dise lange jor umb rechte also in eime löffele und kumment nüt fürbaz, und über manig jor so ir gelebent, so sint ir also nahe als des ersten do irs anevingent, in wäre 30 vollekomenheit; sicher daz ist wo] ein klegelich ding in der worheit, eya, bekantent ir den unsprechenlichen schaden. Nu bittent wir unsern herren das wir uns also versenken müssent das wir in ime funden werdent. Amen. 1. e. Also balde in gelies si sich nft. sy enwürde F. 2. g. vi)' alle die v're m. F. 3. Ouch welieh e. F. 4. diz] daz F. noch] ouch 91. dem selben 91. 5. w. zu minsten g. F. 7. welieh mittel F. 8. d. vnd vil e. h. F. V. dicke e. 91. vnd noch a. F. 10. ein vor hellesche f. SS F. 11. volgen F. so] also 91. sü f. 91. 12. alre 88. gotz f. F. 13. nützit 88. 14 dis] das 88. 15. erhöhet] 'Cod. 88. Beigesehr.: über alle ding'. 16 f. alre bevellicheste F. 19. dis ein troppfen in der warheit e. F. 20. obe] abe F. 24. k. weg. vnd der nytzeste weg. v. d. 1. weg v. F. 25. erkennen F. wir S, 'Cod. 88, corrigirt in ir', ir 91 F. 29. beginet F. 32. also] 'Cod. 88. Beigesehr.: in got'. 10. Ego sum lux mundi dicit dominus. 47 10. Ego sum lux mundi dicit dominus. Die bredige usser sant Johans ewangelio des samestdages vor dem palme obende leret uns kummen in unsern Ursprung und womitte wir des gehindert werdent, und seit oucli undersclieit der geworen Gottes friinde und der valschen, das notdurftig zu wissende ist. 5 Unser herre sprach: 'ich bin ein lieht der weite'. Die Juden sprachen! er were von Galilea, und die lüte die dannen werent, die hettent mit ime zu tünde; 'nu sie üch mit darumb!' sprach er: 'ich bin ein lieht aller der weite und aller menschen'. Und von diseme Hellte sint erhöhtet alle lieht in ertrich, liplich, also die sunne und der mane und die sternen und die liplichen sinnen 10 des menschen; und ouch geistlich lieht, also die Vernunft der vernunftigen menschen, die alle creaturen wider in iren Ursprung fliessent; und obe sü nüt wieder in enfliessent, so sint sü in in selber ein wore tunsternisse gegen disem Woren wesenlichen lieht, daz ein lieht ist aller der weite. Nu sprach unser lieber herre: 'begip din lieht, daz in der warheit ein dunsternisse ist gegen 15 mime liebte, und contrario umbe mich, wanne ich daz gewore lieht bin, so wil ich dir umb dine vinsternisse min ewig lieht eigenen, daz es si din also min, min wesen und leben und selikeit und fröde'. Also er och bat sinen vatter: 'daz sü mit uns eins sint also wir eins sint, ich in dir und du in mir, nüt vereiniget, sunder zümole eins, das sü also eins sint mit uns, doch mit von 20 uaturen, mer von genaden noch unbegriffenlicher wisen'. — Nu ilent doch alle elementen in iren ersten Ursprung, der stein, daz für und alle ding; wie mag Hu daz sin daz die edele creature, die ein wunder ist aller wunder, durch die daz der minnencliche Got geschaffen hat alle dise ding, himmel und erden und alle ding, das die so innerlich verblibent und nüt wider in enkerent noch 25 enilent in iren ewigen Ursprung in das ende und in das lieht? Hie sint zwei ding zu merckende; das eine, wie der mensche wider kommen sülle in sinen Ursprung, welches der weg si und wisen darzü zu körnende; daz ander, weles die hindernisse sint ■ daz man disem ende nüt envolget und nüt darin enkumment; daz muz iemer ein gros ding sin daz dis unsprechenlich grosses 30 gut hindert und dich irret. Dise hindernisse sint zweier leige wise in z weigerleige lüten. Die ersten das sint weltliche hertzen, die iren lust und ir genügede nement in den creaturen und in den sinnen, und domitte verzerent s ti ir mäht und ir sinne, und alle ir zit get domitte hin; dise sint zü mole in dem dunsternisse unde haut contrarie in disem Jielite. Die andern das sint 35 s us geistliche lüte die in grosseme schine sint und von vil grossen namen, und zu der Nummer] 'Cod. 80 und 91, Nr. 7'. zu Z. 1] 'Joh. 8,12'. 6. h. der sp. 91. *3. vinsternisse 88. 15. Heber f. 91. 17. dunsternisse 88. 27. sinen] disen 91. 29. disem] dise 91. ervolget 91. 31. g. dich h. 91. dich vor irret /. 91. 48 10. Ego snm lux mundi dicit dominus. sint über dise usser vinsternisse, duncket sü, verre klimmen, und in irme gründe so sint sü pliariseen und sint vol eigener miauen und eigens willen und sint rebte ir selbes vorwurff. Dise sint sere böse zu erkennende under den Minden Gots ussewendig, wan sü wol von nie übunge underwilen sint 5 wanne die waren Götz fründe sint, von ussen in bettende, in vastende und in hertekeit des lebendes, also daz sü von ussen mit sint zu bekennende, denne der geist Gottes, in den der ist, erkennet es. Aber ein underscheit baut sü von den woren fründen Gottes ussewendig; dise sint vol urteiles ander lüten und der Gottes frünt and arteilen t sich selber mit, aber die waren (Julies 10 frünt enurteilent nienian danne sich selber. Dise süchent in allen dingen das ire, ir ding ist in inne, in allen iren dingen, an Gotte und an allen creaturen süchent sü daz ire. Kinder, dise pliariseliclie wise daz sü meinent und süclient, daz ist so tief und so gruntliclien gevestent in die nature das alle die winkel des menseben sint des vol, und wer also lilite ysenin berge zu durebbreeben 15 also dis mit der natural überwinden. Aber dis ist nüt zu überkomende danne mit eime dinge, daz were daz Got zumole überhant neme und die stat besesse, das ist alleine an sinen fründen. Mer alle die weit leider ist dis vol, also gross schaden ist komen hinabe, verre und nahe, das den waren fründen Gottes ir bertze dorren und kelten mag in irme libe, daz sü daz sehent daz \>\\\\A 20 lvme Gotte so gros unreht geschult in vil menschen von dem mordigen schaden der lüte. Dirre grünt müs grossen flis han; die wile der mens^he_lebet, so ' j wurt er niemer gantz getötet noch überwunden, ime si noch me zu tünde. Dis ist ein swere liindernisse in dis wore lieht und in disen Ursprung zu klimmende; so vallent soliclie uf ir natürlich liebt und verblibent do, wan do 25 ist so gros lust in der natürlichen Vernunft daz aller lust der weite dawider nüt enist in allem dem daz die Avelt geleisten mag. Und dis liant soliche beiden bekant die in dem natürlichen liebte alleine blibent und nüt fürbas enkumment, das sü in ewigem vinsternisse müssent bliben. Dis sint die liindernisse des waren lichtes. — Das ander teil daz hie zu merekende ist, das 30 ist die wise und der wore kürzeste weg zu komen in disen Ursprung und in dis wäre Hellt; das ist ein war veiioucken der mensche sin selbes und ein luter gruntlich blos meinen und minnen Got und mit daz sine in keinen dingen, dan alleine der ere und der glorie Gottes begeren linde suchen von Gotte sunder mittel, ouch wo es herkumme und ime wider uf trage alle ding, 35 ouch sunder alle umbewege und mittel, das do si ein gantz unmittelliches usüus und widerflos; dis ist der wore rechte weg. Hie scheident sich die woren frünt Gottes und die valschen: die valschen kerent alle ding uf sich 1. usserliclie 91. v. und dunkent sich v. 91. 5. sint f. 91. h. und i. 88. 7. i. der e. 91. 11 f. c. so s. 91. 20. dem 91, den S. 33. der vor gl. f. 88. 36. m usflus] 'Cod. 88. Ausgestrichen: usflus'. 10. Ego sum lux mundi dicit dominus. 49 selber und nement sich der goben an und tragent sü mit Gotte luteiiiclie wider uf mit minne und mit dangberkeit in eime verlöickende sin selbes und gantz gon in Gotte luterliclie. Wer dis allermeist hat, der ist der aller- gantzeste frünt Gottes, und wer dis mit enmeint und mit enhet, sunder bestet er uf sin er eigener minne, wur t er hie inne funden, er gesiht daz geware lieht 5 niemer, und wurt dis vil sorglicher und vil schedelicher hiemitte verrauschet wan das man mit enprüffet noch warnimmet das die nature also gantz do ist do man schinet Got meinen. Dis wurt man ouch gewar, obe man dis habe, so gros swere liden uf die lüte vellet; mit dem fliehen t die woren Gottes frunde in zu Gotte und lident dis ie me und nement dis von ime, also das sü es mit 10 ime oder in ime lident, oder sü verlierent es in ime alzümole, das in Got so innan wurt das in liden mit liden enist in ime, danne es wurt in ein fröide und eine wunne. Aber dise valschen frünt in einer phariselicher wisen, so uf die liden vellet, so wissent sü nüt avo sü hin louffent, und sü löffent alles us und süchent helffe und rat und trost, und do vindent sü es nüt, so wellent sü 15 zerbrechen und verzwifeln, und do ist ouch grosse sorge an das es in müsse swerlich ergan an.irme ende, wanne sü mit Got in in vindent in dem gründe; sü hant iren gebuw uf den stein der Cristus ist, nüt gezimbert, des müssest sü yon not nieder in den grünt vallen. Dise lüte sint tusent werbe sorglicher dran wanne die gemeinen weltlichen lüte, die haut sich für böse und sint in 20 demütiger vorhte, als ouch do das gemeine volk, das volgete doch unserm herren, aber die pharisei und die bischöffe und die schriber, das heilig schein, das widerstunt ime strenglichen unde totent in. Disen den getar man nüt sagen, sü widerstant oder sü ftühent, also dise ouch tatent do Cristus an der erden schreip, sü enwoltent ire gebresten nüt erkennen, von den meistern und 25 von den ältesten hüb sich die fluht von ersten bitze sü alle geflohen. Den einvaltigen lüten ist vil bas zu helfende und zu ratende, diewile sü gebresten bekennent und aller der gut rot wurt die sich für gebrestlich haltent und in vorhten und in demütekeit stant. — Wider die manigvaltige hindernisse so het uns der minnecliche Got gegeben grosse helffe und trost und het uns sinen 30 eingebornen sun gesant, das sin heilig leben und sin grosse vollekomen tugent und bilde und lere und manigvaltig liden uns usser uns leite und uz uns ( 'I '«. A r*P r I f fc \ 'fr selber leite zu mole, und das wir lassent löschen unser vinster lieht in sinem ' Waren wesenlichen lieht; und er het uns die heiligen sacramente gegeben, von erst den heiligen töf und den heiigen crisemen, darnoch also wir usvallent, die 35 heilige bihte und die penitencien, darzu sinen heiligen lichamen und an dem n: 9. d. so f. 91. 10. ie me] ime 88. dis] es 88. 12. innan] innenlichre 91. 13. einer] dirre 91. 14. wo hin sü 88. 17. n. denne g. 91. 23. die widerstundent 88. 25. selireip] vgl. Joh. 8, 6. 26. die] ire 91. b. daz s. 91. gefluhen 88. 27. s. iren g. 91. 28. und vor aller] also 88. 30. u. ouch t. 91. 32. uns vor leite f. 91. 33. leite f. 91. Deutsche Text» des Mittelalters XI, 4 50 10. Ego sum lux mundi dicit dominus. lesten daz heilige oley. Dis sint iemer starcke und grosse sture und helffe wider in zu gon in den Ursprung und in unsern begin. \ Sprichst sanctus Augustinus: 'die grosse sunne hat under ir gemäht eine minren sunnen und die heschettewet mit eime wölken, und doch nüt zu bedecken, sunder sü zu 5 tempern, daz wir sü gesehen mügent'; die grosse sunne das ist der himelische vatter, der het under ime gemalit eine minre sunne, das ist der sun; alleine er ime gelich si noch der gotheit, so het er sicli selber geminret noch der menschheit, nüt uns zu verbergen, sunder daz er uns getemperiert wurde, daz wir in gesehen möhtent; wanne er ist daz wäre lieht, daz do erlüchtet einen 10 ieglichen menschen der do kummet in dise weit. Dis lieht lüchtet in daz vinsternisse, und daz vinsternisse enpfieng des liehtes nüt. Dis lieht enpfahet nieman wanne die armen von geiste und die ir selbes in eigener minnen und in willen blos sint. Der ist vil die von gute arm sint gewesen viertzig jor und dis nie einen troppfen gesmachtent; sü verstont es wol und haut es wol 15 in den sinnen und in der Vernunft, mer in dem gründe ist es in frömde und verre in dem gesmacke. Vil lieben kint, hierumb setzent als daz ir geleisten mügent in geiste und in nature, daz üch dis wore lieht lullte in smackender wise, so mügent ir klimmen in üwern Ursprung, do dis wore lieht luchtet. Daz üch dis werde, darumb begerent und bittent mit nature und on nature, herfür 20 setzent als das ir geleisten mügent, bittent die Gottes frünt daz sü üch darzü helfen, hangent den an die Gotte anhangent, daz sü üch mit in in Got ziehent. Das uns dis allen werde, des helffe uns der minnencliche Got! Amen. 11. Si quis sitit, veniat et bibat. Die bredie usser sancte Johans ewangelio des mendages vor dem 25 palmetage, von unseres herren liden, seit von dem minnenturste noch Gotte und von dem gejegetze, wie der mensche gejaget wurt mit den hunden maniger leige bekorungen. An dem lesten tage eins grossen hochgezites rief unser herre mit einre grossen luten stimme also: 'wen do dürste, der kumme zu mir und trincke!' 30 Daz minnecliche liden unsers herren daz wir im vorhant, daz ensol kein mensche von sime hertzen nüt lossen kummen sunder grosse bewegunge und 1. und vor gr. f. 91. 10. 1. das 1. 91. 12. v. dem g. 91. m. us sint gegangen u. 91. 13. i. dem w. 91. 19. hie für 91. zu der Nummer] 'Cod. 89 und 91, w> 8'. zu Z. 23] 'Joh. 7,37'. 30. unsers herren f. 91. 11. Si quis sitit. 51 denne einen turst enweis etteAvenne nüt der mensche was ime ist, in ime und ein verdries aller creaturen. Disejj 10 mitliden und dangnemekeit. Ouch sit unser ewiger vatter Got und herre so grosse smacheit und manigvaltige pine gelitten hat, so ensüllent alle die sine frünt gerne werent, mit nöte liden so waz uf sü vellet zu rehte oder zu unrechte, sü fröwent sich der eren und der selikeit billichen daz sü ime daran gelich mugent werden und ime also noch volgen mügen sin selbes weg, den er selber ging. Dan so wen türstet, was ist diser turst? Anders nüt danne so wanne der heiige geist kummet in die sele und enphohet do ein minnenfür, einen minnenkolen, von dem wurt ein minnenbrant in der seien; die hitze würffet uz minnenfuncken, die denne einen turst gebirt noch Gotte und eine minnenkliche begerunge; und danne er bevindet ein jamer begerunge ist drier leige in drier leige lüten und sint vil ungelich. Die erste ist in anhebenden lüten, die ander ist in zünemenden lüten, die dritte in den die volkommen lüte heissent, also hie mügelich ist in diseme lebende. — Der heilige David der sprach in dem seiter: 'reht also den hirtz türstet zu dem 15 burnen des Wassers, also, herre, türstet min sele zu dir, Got'. Also der hirtz wurt gejaget von den hunden stergliche durch die weide und durch die berge, und von der grossen hitzen so wurt in ime erweget ein gros turst und ein begerunge des Wassers vil me denne ander tier; rehte also der hirtz wurt gejaget von den hunden, rehte also wurt der anhebende mensche gejaget von 20 den bekorungen,_ also er alrerst abekert von der weite, und sunderlichen von sinen starcken grossen groben gebresten so wurt der mensche stergliche gejaget. Das sint die süben höbetsünden, die jagent ime noch mit grossen swinden bekorungen vil me dan do man in der weite was, wan do fürkam in die bekorunge, mer nu wurt man ir jagen gewar; also sprach Salonion: 'sun 25 min, wanne du intrittest Gotte zu dienende, danne alzühant so bereite din hertze gegen der bekorunge'. So nu dis jagen starker und geswinder ist, so der turst den wir zu Gotte hant, und die hitze vil deste merre solte sin und die begerunge. Nu geschiht underwilen das der hunde einer den hirtz ervolget und vert ime mit den zenen in den buch; so der hirtz des hundes nüt 30 kan lidig werden, so sleiffet er den hunt nach ime bitz an einen böm und sieht in denne wol herte umb einen böm und brichet ime den köpf und wurt sin also lidig. Eechte also sol der mensche tun; wanne er sine hunde, sine bekorunge nüt kan überwinden, so sol er löffen mit grossem ilen an den böm des crützes und des lidendes unsers heren Jhesu Cristi, und also sieht er sinen 35 bunt, daz ist sine bekorunge, den köpf enzwei, das ist: er überwindet do alle bekorunge und wurt ir alzümole lidig. — Also nu der hirtz sich der grossen h 1. Och SS. vatter f. 91. 3. nach liden Semikolon S. 5. mügen] müssent 88. 6. nach türstet Semikolon S. 13. dirte 88. 15. salter 88. den] ein SS. 19. d. ein a. 91. 25. ire 88, ires 91. 29. N. ist es das g. 91. einre 88. 35. lidens 88. 35 /'. sine hunde 91. 4* 52 11. Si quia sitit. hunde hat er wert, so kumment die kleinen lmndelin und löffent under den hirtz und zwickent da und da, und dovon enhütet sich der hirtz also gar vaste nüt, und doch entrennent sü in also das der hirtz dovon fulen müs. Rehte also geschult dem menschen; also er sich der grossen Sünden erwert 5 und überwindet, so kumment danne die kleinen hündelin, vor den er sich nüt enhütet, es sint gespilen oder kleinöter oder die geselleschalt oder die kurtze- wile und der menschlichen gütlicheit, und die rissent ime stückelin us hie und do, das ist sü zerziehent ime sin hertze und sin indewendikeit, das er von not verfulen müs in allem gütlichen lebende und genaden und andaht, und aller 10 götlicher ernst und bevindende Gottes und heiliger andaht, und ist ime dicke vil schedelicher wan die grossen bekorunge, wan vor den hütet er sich und het sie für unreht, und d az achtet er n üt. Also alle die ding vil schedelicher sint der man nüt bekennt, wan die sint die man bekennet, also ist dis geverte do man nüt uf Avil achten, also gespilschaft oder die tüchere, die kleider, die 15 kleinöte. Als der hirtz von ieglicheme jagene ungeliclie nie wurt erhitzet und me sin turst wechsset und mere wurt, also in der worheit so solte der mensche von einre iegelichen bekorunge ungeliches me werden erhitzet, in wareme turste noch Gotte gereisset, und von eime ieglichen also er gereisset und getwungen wurde zu Gotte, do er nüt enfiinde denne worheit und Mde 20 und gerechtikeit und trost. — Nu tünt ettewenne die jeger, also der hirtz zu dürre und zu müde ist, so efcent sü die hunde ein wenig und werdent ufgehalten, also sü des hirtzes sicher sint in dem tiergarten, und lassent in sich ein wenig erkülen eine kleine stunde, und wurt also etwie vil gestercket, und mag dan daz jagen deste bas erliden anderwerbe. Rehte also tut unser 25 herre; also er siht das den menschen die bekorunge und das jagen zu gros und zu swere wurt, so haltet er sü ein wenig uf, und wurt dem menschen ein troppfe in den munt des hertzen, ei« smag von süssekeit von göttelichen dingen, die sterckent in also daz ime alle ding nüt smackent die Got nüt ensint, und duncket in danne er habe alle sine not überwunden. Dis ist nüt 30 dan ein erstercken zu eime nuwen jagende; und also er es allerminnest wenet, so sint ime die hunde uf dem halse und lagent ime vil me danne e, aber er ist nu gesterket und vermag ouch ungliche me wan e. Aber dis tut Got von wunderlicher truwen und grosser ininnen, das er die jegede lot kummen über den menschen, wan von dem gejegede wurt der hirtz billichen zu Gotte 5 f. s. enweret noch h. 91. 6. die] ir 88. die] ir 88. 7. I. die menschliche? 8. verziehent 88. u. ouch s. 91. 14. wil uf 8S. die vor t. f. 88. 15. ungeliche f. 88. 16. u. ie me 91. 18. i. rehte a. 88. 18 f. und von bis Gotte zu streichen? 19. do] das 88. 21. essent S, letzent 88, dazu: 'Cod. 88. Es scheint ursprünglich geheissen zu haben: etzent; es ist mit schwarzer Binte ein 1 vorgesetzt.' 22 f. sich in 8S. 24. dan] dovon 91. 25. den] dem 88. 91. 27. des] sins 88. ein 91, einen S. 28. ensmackent 88. 32. wan] danne 88. 33. grosser] unmessiger 91. 11. Si quis sitit. 53 gejaget und ein turst gewinnen zu dem do aller fride und worheit und gantz trost ist in der worheit, und umbe daz das einem menschen der trang der nach dem turste get, deste süsser und gelustliclier und deste wunn eclicher werde hie in der zit und hernoch in der ewikeit, do man den aller süssesten brunnen trincken sol mit vollem munde uz sime eigenen Ursprünge und us 5 sime vetterlichen liertzen, und liie.....in alsolicheme tröste daz ime alle ding kleine werdent und mit durch Got zu lidende. — Wane so der hirtz dise hunde alle überwunden hat und zu wasser kummet, so lat er sich mit völleclichem munde in daz wasser und trincket mit gantzer genügede, wie er mag; also tut der mensche, also er sich mit der helffe unseres herren lidig gemachet alles 10 dis gezoges der grossen und der kleinen hunde unde entruwen mit diseme turste kummet zu Gotte. Waz wil er dan tun? er ziehe als vil in sich und trincke mit allem vollen munde, das er wol trunken wurt und wurt Götz also vol das er in wunnen und in volle sin selbes vergisset, daz in duncket daz er wunder vermüge, in duncket er sülle wol unde frölich gon durch für, durch wasser, 15 durch tusent swert, ja durch die spitze des swertes, er enforhtet weder leben noch tot, noch liep noch leit. Daz ist des schult das su trunken sin) worden, dis heisset Jubilieren, underwilent schrigent sü, underwilent lachent sü, so singent sü. Denne kumment die vernünftigen die hievon mit enwissent was der heiige geist wunders und werk es hat mit den sinen, wan sü enhant noch 20 enwissent mit danne'in die nature git. Dise sprechent: 'Got segen, Avie sint ir aber also ungesast und also ungestüme?' Er tut in das sü also truncken sint, danvon enwissent dise nüt. Hernoch kumment sü in unsprechenliche fröide, das in alle ding ein wunne und ein fröide ist; wie es in gat, waz man in tut, allewege sint sü in worem friden und fröiden, wan der minnenkole lit 25 in in und glimet und glüget und löschet als wasser daz do ist in in, das für tut sü wallen in wunnen und in fröiden. — Die dirten die s t erbent, den brichet ir hertze entzwei das sü die grossen werg Gottes nüt liden enkunnent, das so starg in in ist und so gros. Wissent daz hievon manig mensche gestorben ist, das man sich diseme wunderlichen grossen werke also sere ergap das es die 30 üäture Jiüt erliden möhte und derunder brach. Also unser lieber herre dis siht das sü alsus dis dinges zu viLwellent machen und sich alsus ertrenckent, so tut er rehte also ein gut biderbe husman, der vil edelen guten win het bi ime stonde und leit sich nider und sloffet, und gant denne sine kint dar und trinckent des edeln wines also vil das sü wol truncken werdent; so der gute 35 man ufstet und daz sihet, er machet eine gute rüte und zersiecht sü wol, das sii also trurig werdent alsu sü ie fro wurdent, und git in des Wassers also vil 3. lustlicher 88. 5. burnen 88. 7. zu und nüt] '(ausgelöscht)' [in 91]. lt. in truwen 88. 91. 14. völlekeit 91. v. und d. 88. 25. allewegent 88. 27. u. ouch i. 91. /"'►{' l 1 rp -l R\ VL\ »A*S~ ^A\ XVl *»A 54 11. Si quis sitit. daz sü also nüchtern werdent also sü ie truncken wurden! Eechte also tut unser herre; er geboret rechte also obe er sloffe, und lot sine frünt rehte von dem sinen nemmen und nützen wie vil sü es begeren mügent; aber alse er siht daz es in nüt nütze werden wil und es in zu vil wil werden, so enzühet er in daz bevinden und den trost und den starcken wine und machet sü das sü also trurig werdent also sü ie fro wurdent, und also nühtern also sü ie truncken wurdent, so in diser trost und dis bevinden beginnet frömde werden. Und ouch leider waz möchtent sü nu dis das sü also truncken worden sint? su 10 sü turste sere, und man gap in den vollen; aber hiemitte locket und loste er uz in selber und usser allem leide der gevengnisse der leiden creaturen; aber nu ist ir zu vil wilde worden, nu wil er sü wider zu ime selber bringen in nüchteren. Dan werdent sü also wol getempert und alle gesast und sehent nu wer sü sint und waz sü vermügent, diewile sü zu in selber kummen sint. Die zuvorderst nieman künde han gebunden, sü woltent alles me denne in 15 ieman künde han gesaget, sü woltent me liden, me würken, die werdent nu also getemperieret. Die wile sü in irre eigenre mäht stont, so künnent sü kume ein kleine werg tun one grosse swerheit und ein kleine wörtelin kume getragen; in diseme so sehent sü wer sü selber sint und waz sü vermügent mit irre kost und mit irre eigenen kraft, und in diseme so werdent sü denne 20 also gesast, also wesenlich gelöibig und also stille. — Und daz ist noch alles in den nidersten kreften gewesen, alle dise wisen und gesturme und dis werg, und in denen enwil Got keine wise mit wonen, nocli sine stat enist do mit mite, es ist ime do zu enge und zu kleine, er enkan sich do nüt bekeren, er kan sines werkes do nüt bekummen, er wil unde müs wonen in den obersten 25 kreften und do würcken götteliche und eigenlichen, do alleine ist sine stat, do vint er sin eigen bilde und sine gelichnisse, do wonet Got und würket do, und wer Got eigenliche vinden Avil, der suche do und niergent anders; der dar kummet, der vindet daz er verre und lange umbewege gesüchet hat. Do wurt denne der geist gezogen über alle die krefte in eine wüste wilde, do nieman 30 kan von gesprechen, in daz verborgen vinsternisse des wiselosen gutes; do wurt der geist also nohe gefürt in die einikeit in der simpelen wiselosen einikeit, daz sü Verlust alle underscheid, sunder fürwürfliehen und bevintlichen, wan in einikeit verlüret man alle manigvaltekeit, und die einikeit die einiget alle manigvaltekeit. Also die menschen kumment zu in selber, so hant sü 35 schönre wunneclicher underscheit wan ieman hat von allen dingen, das ist geboren in der einveltekeit und einikeit, clar war underscheit von allen artickeln des lutern geloben, wie der vatter und der sun und der heiige geist 1. a. so t. 91. 22. wise] weil Druck. 30. von kan 88. 35. 4. entzüket 88. 12. alle] al 91. 21. dise] die 88. dis] dise 91. 22 f. d. nüt m. n. S. 25. kreften f. 91. 27. s. in d. 91. minneklicher 91. 36. einvaltigen einikeit 91. c. und w. 91. 11. Si quis sitit. I 55 ein got sint, und fürbaz von aller worlieit. Es enverstet nieman bas war underscheit dan die die geratent in einikeit; dis heisset und ist eine unsprechen- Hclie vinsternisse, und ist doch das wesenliche lieht und ist unde heisset ein unbegriffenliche wilde wüste, do nieman vindet weg noch wise, wan es ist über alle wise. Das vinsternisse sol man also verstan. Es ist ein lieht do 5 enkein geschaffen verstentnisse zügelangen noch verston enmag von naturen, und ist darumb wilde wanne es enkeinen zügang enhat; in dis wurt der geist gefüret über sich selber und über al sin begriffen und verstan. Do wurt der burne getruncken uz sime eigenen gründe, uz der waren wesenlichen quellen; o do ist er so süsse und so frisch und so luter, als alle burnen aller io süsseste sint in irme Ursprünge luter und frisch, mer in den Aussen sint sü warm und sur. 0 wie ein luter wunneklich burne wurt ir hie geschencket uz der quellen! Herin versincket sü zümole mittenander mit allem dem daz sü ist und vermag, und mit vollem munde wolte sü gerne trinken, aber dis enmag ir nüt hie geschehen. Aber sü sinckent und entsinckent in den grünt, rehte 15 also ein wasser daz uf eime ertlich gestünde und insincket in daz ertrich. Wanne nu der mensche, alse er herkummen ist, und wolte noch den nidersten kreften müssig ligen und nüt tun dan lassen die nidersten krefte ligen sloffen, so enwurt nüt drus; die nidersten krefte sol man halten noch ir wise, oder , r der heiige geist ginge zümole enweg, und do wurde geborn geistliche hochfart 20/ ; und ungeordente friheit und vellet in die vernünftige bevellikeit und enwurde nüt drus und verblibe alzümole; sunder mit grosser demütikeit sol man sich legen under den göttelichen willen, und der heischet dan in dem menschen grosser abegescheidenheit dan ie,/ aber ie in einer edelicher wisen vil edellich dan ie oder ie, und merre luterkeit, blosheit, unverbildete friheit und einikeit 25 und innerliche und usserliche swigen und tieffer demütikeit und alle fügende in den nidersten kreften, und do wurt danne der mensche Gotte heimelich und wurt ein göttelich mensche darus. — Sehent ir nu, wie und waz? hant ir dt geprüfet, wie wunderliche wege er sü gefüret het und sin spil hie gewiset ist? Zu dem ersten, do sü das sine in sich nam in irre krefte, wie es 30 ir entwaste, und dez sinen entkunde sü in ir nüt enthalten, sü enwurde / entsast und enordent und vertrungen; aber nu fürt er sü alhie und hat sü geholt über sich selber und über alle ir krefte in sich selber, und git ir alhie j sich selber ungelich dem ersten, und hie wurt sü wunnenklich geordent. Dis ist rechte das die brut sprach in der minne buche: 'introduxit me rex in 35 cellarium', der künig het mich ingefüret oder ingeleitet in sinen winkelre, N 1 f. b. einen woren u. 91. 5. Das] dise 88, die 91. 10. u. onch s. 1. 91. 12. wie] weler 91. 15. I. sincket und entsincket? 17. im Druck Wült statt Wanne; und wolte fehlt. 20. g. der g. 91. 21. b. der Vernunft u. 91. 24. aber] ab 91. 2G. und vor inn. f. 91. 31. 1. entwuste 'entwischte'? B., entwuchß Druck. 32. entordinieret 91. 34. geordinieret 91. 35/". zu introduxit —cellarium] 'fehlt in Cod. 88'. 56 11. Si quis sitit. und do hat er sine minne geordent. Sicher er het sü hie alzümole wole geordent und durch wunderliche wilde wege sü gefürt und geleitet und über- gefürt in daz tieffe abgrunde in sich selber; waz sü do vint, daz ist über alle sinne, Vernunft kan es nüt erlangen, nieman mag es begriffen noch verston, 5 es ist ein war fürsmag des ewigen lebendes. Sehent wie die minnencliche gute Gottes mit sinen uzerwelten spilen kan; das er uns herinbringen müge und daz uns harnoch dürsten welle, darnoch türstet in mit grossem turste, und darumb rief er mit grosser luter stimme: 'ist ieman den türste, der kome zu mir und trinke'. Ime waz so not in turste darnoch daz er einen turst in 10 uns vinden möhte und daz wir uns wolten türsten lassen, und so wolte er uns also rilichen trencken daz von des libe die des tranckes also trinken soltent lebende wasser fliessen und die do sprungent in das ewige leben. — Waz ist daz: von des libe? Gelicher wise also der lichame nüsset die lipliche spise, so enpfahet sü der mage und wurt denne al umbgeteilet in ein ieglich gelit 15 des lichames unde wurt danvon gestercket der lichame alzümole, rehte also enphohet hie der geist die edel götteliche spise in disem trinckende, und wurt daz von der woren gütlichen hitzigen minnen alle umbgeteilet in alle die gelider, in alles des menschen leben und wesen, daz alle sine werg bas geordent werdent, das sü mit bas geordent möhtent sin, und allen menschen 20 besserlicher ouch wurt von der indewendigen waren ordenungen, so wurt ouch do der ussewendige mensche wol geordent und wurt blügende und gros und starg zu allem dem darzü in Got haben wil, und springent in daz ewige leben. Das uns dis allen geschehe, dez helfe uns Got. Amen. 12. Tempus meum nondum advenit, tempus autem vestrum semper 25 est paratum. Die bredige usser sant Johans ewangelio des zistdages vor dem palmetage seit wie wir süllent ufgon zu der hochgezit mit götlichen meinungen, dozü dienent alle gesetzede eins ieglichen ordens das der herre verbörgenliche gegenwertig ist in unserm gebette. 35 Unser herre sprach: 'gont ir uf zu der hochgezit, ich enwil nu nüt dar gon, uwer zit die ist alle zit, und mine zit die enist noch mit'. AVas ist 1. m. in mir g. 88. Dazu] '{fehlt Cod. 91)'. 4. enkan 88. gelangen 88. 8. d. so r. 91. 11. soltent arco xoivov. 22. springet 91. eu der Nummer] ' Cod. 89, Nr. 77 (fehlt)'. zu Z. 24 f. fehlt bei Schm. die Angabe der Bibelstelle; es ist Joh. 7, G. 12. Tempus meum nondum advenit. 57 dis hochgezit zu dem das uns unser lieber herre uf heisset gon, die zit alle zit ist? Die oberste und die woreste lioclizit und die aller leste ist die hocl i- gezit des ewigen lebens, das ewige selikeit heisset, do Gottes gegenwürtikeit ist in der worlieit; die enmag hie mit sin, mer die hochgezit die wir hie mügent haben, das ist des ein fürsmag und ein gefülen in innewendigem 5 gebruchen.de innewendiger gefülungen der gegenwertikeit Gottes in dem geiste; das ist die zit die unser allewegent ist, das wir Got suchent und sine gegenwertikeit meinent in allen unsern werken und lebende, willen und minnen; und alsus süllent wir ufgon über uns selber und über alles daz Got nüt enist, in alleine wellende und minnende luterlichen und anders nüt; dise zit ist alle 10 zit, Nu dise wore hochgezit des ewigen lebens der begerent alle lüte von naturen, wenne alle menschen wellent von naturen selig sin; und dise begerunge die enist nüt gnüg, wir müssent Got meinen und suchen durch sich selber; und disen fürsmag von dem grossen woren hochgezit den hettent ouch vil lüte gerne und klagent das es in nüt enwerde; und wenne sü kein 15 hochgezit envindent in irme gründe also sü bettent, noch Gottes gegenwertikeit nüt enfülent, des verdrüsset sü und tünt es deste minre oder deste nöter und sprechent sü enfülent Gottes nüt, darumbe verdriesse sü des würckendes und des bettendes. Des ensol der mensche nüt tun; wir ensüllent keins werckes deste minre tun, wanne Got ist do gegen wertig, aber gefülent wir es nüt, er 20 ging doch heimelichen dar zu der hochgezit. Wo Got ist, do ist in der worlieit hochgezit, und er enmag des nüt gelassen noch verloben, er müsse do sin von not do man in luterliche meinet und in alleine suchet, do müs er von not sin, oder er ist in einre verborgener wise do, er ist ie doch do. — Aber das wir in alsus luterlichen suchent und meinent in allen unsern wercken und 25 dicke inwert süllent keren und ufgon über uns selber, die zit ist die er meinet do er sprach: 'uwer zit die ist alle zit, daz ir ufgont'; mer sine zit enist alle zit nüt das er sich offenbaren welle und sülle und entdecken und offenbaren; die zit süllent wir ime bevelhen. Mer er ist on allen zwifel heimlichen do wo er gesüchet und gemeinet wurt; und darumb entü nüt deste noter enkeine 30 gute übunge, wanne du vindest in sicherlichen zu leste, wanne er ist do, aber er ist dir noch verborgen. Dis meinent und diseme dienent alle die wisen und alle die werg und Übungen die wir haut in unserm heiigen ordene, und alle andere ordenunge, sü sigent weler hande kunne sü sigent, und in allen unsern gesetzeden und ordenunge, daz wir unsern Got alleine luterlichen meinent 35 und das er in uns hochgezit mache und wir mit ime habent ein un- bekumberten grünt, der mit inne enhabe denne Got luterlichen; und wie vil alle werg und wise herzu dienent, also vil sint sü löbelicher und heiliger und nützer, und wo des nüt enist, do ist rehte also der Juden Synagoge. Die alte 1. der zeyt Bruch. 34. zu kunne] 'Durchgestrichen' [88]. 58 12. Tempus meum nondnm advenit. e die hette vil gesetzede und lieilikeit und grosser wercke und darzü maniger hande pinlicher Übungen, aber mit allem dem so enmölite nieman behalten werden, aber alleine was es eine bereitunge der nuwen e, und in der nuwen e wart daz rieh Gottes ufgeslossen und ufgeton. Also ist in allen Übungen 5 ussewendig, die alleine ein weg sint und eine bereitunge; und hie inne envindet man dis hoehgezit nüt, das alte es enwerde ingeneiget und geendet, und das nuwe inkomme in den grünt und in die luterkeit, so ist al zu kleine oder zümole nüt. Lieben kint, dis hant wir alle Gote gelobet und mit eiden gesworn daz wir in minnen und meinen süllent, do wir die weit allererst 10 verswürent und verlobtent, und swürent ime daz Avir ime dienen soltent und in minnen und meinen soltent und ime dienen untz in den dot; von diseme eide enmöhtent uns alle pfaffen und bischöfe nüt gelösen die ie geborn wurdent, und bindet vil me denne ob wir einen eit gesworen hettent under dem sale, und den brechent vil; me werdent wir hie meineidig wenne wir mit 15 willen und mit beroteme mute unser hertze und unser meinunge einigen creaturen geben, daz wir Gotte hant gelobet, ouch hie mitte werdent wir me meineidig denne mit einigeme eide. Dis ist daz unser orden und alle unser gesetzede wisent und meinent. — Dis frogetent unser brüdere unsern beugen vatter sant Dominieum do er sterben solte, und botent in daz er in underscheit 20 seite des wesens des heiigen ordens und den grünt, dis subjeetum darumb daz er alle dise gesetzede gesetzet hette, den understant woltent sü wissen; den züval wustent sü wol. Also tünt wir ouch alle, die gesetzde wissent wir wol. Do sach er in den grünt und daz wesen und sprach das es were wore götliche minne und demütikeit und armüte des geistes und ouch des gutes. Dis ist 25 der grünt Got zu minnende von gantzeme luterme hertzen und nüt darzü, und wir us brüderlicher minnen undereinander minnent uns also uns selber; und in eime demütigen undergeworffen gemüte under Got und in einre minnenclichen bewisungen under einander; und arm sin unser selbes und alles des daz Got nüt enist luterlichen, aller eigenschaft arm sin gutes und willen, und blos sin 30 aller creaturen und alles das uns sin geirren mag, und daz Got disen grünt frilichen und gewalteclichen besitzen müge in dem edeln minnenclichen gründe do er sin götlich bilde ingeleit hat, und inne besitzen solte do alle sine genügede und sine wöle angelit. Lieben swestern, dis ist alleine das unser orden meinet, harumb sint alle örden und alle geistliche leben und aller 35 clöster zuht und gesetzede und wisen oder clusen und aller leige leben, wie sü schinent oder heissent, und darumbe daz alle unser gesetzede gesetzet und geordent sint, und also vil also sü herzu dienent, also vil sint sü minnenclicher und nützlicher und me zu minnende und zu haltende. Dis ist die meinunge 6. zu es] 'Ausgestrichen' [88]. zu enwerde] 'Beigcschr.: denne' [88]. zu ingeneiget und] 'Ausgestrichen' [88]. 7. zu al] 'Corrig.: es alles' [88]. 13. under d. sale] vor gerichte Druck. 12. Tempus meum nondum advenit. 59 und der grünt, und dis ist daz wir uns me Gotte gelobt und gesworn lmnt und schuldig sint, und haltent wir dis ordens nüt, so brechen wir ime sicherlichen; aber haltent wir ime dis, so hant wir den orden, den grünt, den wesenlichen orden, den unser vatter gemeinet hat und alle vettere, es si sant Benedictus, sant Augustinus, sant Bernhardus, sant Franciscus, alle meinent sü disen 5 wesenlichen orden, und darin wisent alle die ussern wisen und gesetzede. Lieben kint, disen orden bitte ich üch daz ir lerent ypn_grunde Got minnen und alle ding also vil sü üch darzü gefürdern niügent, sü sigent geschaffen wie sü wellent; in der worheit so wil und sol unser herre grosse vollekomene hochzit mit uns machen und haben. Nu müssent wir doch der gesetzede vil 10 halten, wir müssent zu köre gon und singen und lesen, es si danckes oder undanckes, und darumb lossent uns lieber hochgezitlichen tun denne dürre und mit swerheit, also daz wir das ewige hochgezit mit enveiiierent noch en- vermissent. Wol ist es wor, ein mensche der sunder dotsünde ist und in eime heiigen guten willen ist, das er mit mite wolle tun das wider Gottes willen 15 were, der wurt in dem heiigen glouben behalten; aber sint des sicher, wellent ir iemer dis minnencliche hochgezit bevinden do man Gottes in gegenwertikeit gefület und geAvar wurt, so müssent ir ime einen lutern unbekumberten grünt erbieten, so mügent ir sin gewar Averden in gebruchenlicher Avisen. Das heisset Avore andaht alleine das dir nüt ensmacket noch dich mit gelust denne 20 dins Gottes mit minnen und meinen; daz ist der minnencliche ruf, darumb das uns der minnencliche Got alleine in disen heiigen orden geruffet hat, dem ruffe süllent wir volgen, und er hat uns erlost von der bösen valschen weite in daz heiige leben der Avoren penitencien, wanne Avir von natural sint kinder des Zornes und des eAvigen todes und würdig des eAvigen verdümpnisses von unsern 25 wegen. — Sant Augustinus sprach: 'der mensche ist von einer fulen materiell stinckende und verderbende, ein klotz und ein ful ertlich, des ende ist der ewige tod; daz Überkummet man mit dem lebende der penitencien, und daz üch der minnencliche Got geladen und geruffet hat von siner frigen lutern minnen sunder alles verdienen'. Was ist daz leben der penitencien in dem 30 wesende und in der Avorheit? Daz enist anders nüt denne ein gantz wor abeker von allem dun daz Got nüt enist, und ein gantz wor zükeren zu dem luteren Avoren gute daz Got ist und heisset. Wer daz me hat und dis me tut, der tut me penitencien. Und sol üch, lieben kint, billichen und von rehte alzu wunderlichen sere von Gotte zu dancke sin daz er üch 35 her geladen und geruffet het, und grosse sichere hoffenunge machen das üch Got eweclichen bi ime in eAvikeit behalten wil, der üch her gesammelt hat von der valschen weite und ime zu eigenen sundeiiichen uzenvelten brüte und fründen geruffet und so sundeiiichen minnenclichen geladen hat, zu sinre 39. hat S, l. und? 60 12- Tempus meum nondum advenit. sunderlichen lieimlicheit erweit hat. Und dis ist wol ein offen zeichen daz Got uns gegenwertig ist in der worheit in diser erwelunge, und ist ouch wol zu merckende daz er in gegenwertig ist, do sich junger lüte hertze twinget, die von naturen wilde sint und geneiget zu der weite sint, daz sü sich mügent 5 lossen zemmen und vohen, und volgent Gotte noch und lossent alle creaturen, und alleine sü enkein gros bevinden enhant von Gotte, so lident sü sich doch; daz were unmügelich und were Got nüt lieimlichen do in einre verborgenre wisen. — Eya, nu tünt es zu frummen, und tünt allen uwern flis darzü das üch dis minnenclich bochgezit werde in der worheit und daz sich Got endecke in 10 üch und wunne und wore fröude ir in üch vindent und gantze hochgezit habent und beiindent in üch, wenne ir woltent und in üch kertent in uwerme gebette und in allen uwern werken, die ir doch tun müssent; wanne do vindet man in der worheit das wore hochgezit Gottes minnenclichen in gegen- wertikeit, do sich der mensche Gottes eigen gefület und niemans me. In der 15 worheit, des eigen ist ouch Got; herwiderumb ist er sin eigen zümole und engelot in niemer zühet er sine gegenwertikeit von dem menschen. Enist dis nüt ein wunnenclich ding und ein hochgezitlich frölich selig leben, wir in Gotte und Got in uns, hie in der zit und do in der ewikeit und unsprechen- licher selikeit? Das uns das allen geschehe, des helffe uns Got. Amen. 13. 20 Oves mee vocem meam audiunt. Die bredige usser sant Johans ewangelio an der mittewochen vor dem palmetage von der kirwihen zu Jherusalem seit von zwein wintern des götlichen darbendes, der eine kummet von sache des menschen und ist gar schedelich, der ander ist sunder sache ein verdienliche gäbe Gottes. 25 In einre zit waz kilwihe zu Jherusalem, und es waz winter, und Jhesus wandelte uf Salomons bettehus; do umbegingent in die Juden und sprochent: 'wie lange wilt du unser sele uf enthalten? bist du Cristus, so sage uns daz offenbare'. Und under vil andern Worten die unser herre sprach, so sprach er ouch: 'mine schoffe die hörent mine stimme, und ich bekenne sü und sü volgent 30 mir, und ich gibe in daz ewige leben, und nieman nimet sü uz minre hant'. — Dis waz in Salomons bettehus; sprach David: 'er hat gemäht sine stat in dem 7. zu und were Got nüt] 'Corrig.: daz got do nüt were' [88]. zu do] 'Ausgestrichen' [88]. 16. niemer ärcb xoivov. zu zühet] 'Corrig.: noch enzühet niemer' [88]. zu der Nummer:] 'Cod. 89, n° 80 (fehlt)'. 20. Bei S. fehlt die Angabe der Bibelstelle; es ist Joh. 10,27. 13. Oves mee vocem meam audiunt. 61 friden'. Salomon sprichet also vil also 'pacificus'; dis ist der ewige Salomon, des stat enmag niergent gesin denne in dem friden in mnewendigen friden. — Jhesus ging do in den tempel, und es waz kilwihe. Dir tempel do der gute Jhesus inging, daz ist die edele minnencliche-sele mit ire lutern innewendikeit, an die Got me sins flisses het geleit wan an alle creaturen, und nie werckes 5 domit geliebt het. In disem minnencliclien tempel waz kilwihe, das ist eine vernuwunge. Wie gescliilit dise vernuwunge in diseme tempel, do der minnene- liclie Got so gerne inne wonet, jo vil eigenliclier denne in allen den tempeln die ie gebuwen oder gewihet wurdent? Das ist und heisset nuwe daz nohe ist bi sime beginne, wenne der mensche mit allen sinen kreften und ouch mit sinre 10 seien inkert und inget in disen tempel, do er Got in der worlieit inne vindet wonende und würkende, und er me hie vindet in bevindender wisen, nüt in sinnelicher wisen noch in vernünftiger wisen, aber also man gehört oder gelitten het oder durch die sinne ist inkummen, sunder in bevindender smackender wisen, also es uz dem gründe heruz ist quellende also us sime 15 eigenen burnen und us der fontenien, und nüt ingetragen, wanne ein burne ist besser denne Zisternen, wanne die Zisternen die fulent und vertruckent, aber der burne der löffet und quillet und wehsset, hie ist war und eigen und süsse: denne ist in der worlieit kilwihe in diseme tempel; und also dicke also diser ker geschult des tages, obe daz mügelich wer das diser ker tusent werbe 20 geschehe des tages, also dicke wirrt eine vernuwunge do, und werdent alle- wegent geborn mit diseme kere nuwe luterkeit, nuwe lieht und gnode und nuwe tagende. Es ist ein wininenclich ding umb disen ker, und herzu dienent alle ussewendigen Übungen und werg und nement ire vollekomenheit hie inne; und usser diseme so enhant sü nüt vil mäht und gros, denne alleine man sich 25 allezit in allen guten wisen und werken üben sülle, doch vor allen dingen so sol man dis keres warnemen, so wart dise kilwihe wor und gantz. — Dis was in dem winter. Wenne ist diser winter? Denne ist in der worlieit winter also wenne das hertze verkaltet und verhei'tet ist, das weder gnode noch Got noch gütliche ding in dem hertzen nit ensint, denne der kalte sne und riffe, 30 daz sint die „leidigen verdorrende und verderbende creaturen, die mit minnen und mit luste daz hertze besessen haut, die verlösclient alzümole das minnen für des heiigen geistes und machent eine wunderliche kelte do von aller gnoden und von alleme gütlichen tröste und aller sinre minnenclicher lieim- licheit, die sü alzümole verlösclient. Es ist ouch noch ein ander winter, do ein 35 gut götlich mensche, der Got minnet und meinet und sich mit flisse hütet vor sünden, und doch von Gotte gelossen wurt in bevintlicher wisen, und dürre und vinster und kalt wurt von allem gotlichen tröste und süssikeit. In disem 1. zu pacificus] 'Beigeschr.: fridesam'. 12. nie S, in Druck. 13. aber S: zu streichen? es fehlt im Druck. 14. zu gelitten] 'geluten?'. Der Druck hat gelesen. 18. hie S, er Druck. 37. das zweite und fehlt im Druck. 62 13. Oves mee vocem meam audiunt. wintere was unser lieber herre Jhesus Cristus, der also gar gelossen waz von sime vatter in helfender wisen und von der gotheit, der er doch natürlichen waz vereiniget, daz ein einig troppfe sinre gotheit der krancker durchlidender menscheit nie einen ougenblig zu helffe enkam in allen sinen nöten und in 5 sime unsprechenlicheme lidende. Er waz vor allen menschen der aller liden- deste und der aller gelossenste one alle helffe. Also süllent sich sine uzer- welten frünt fröwen mit voller fröuden irs frien willen, und wenne su daz vindent daz su irme minneclichen hirten, des schof sii wellent sin, noch mügent volgen in gelossenre gelossenlieit von innan und von ussen, wie werent sü so 10 überselig obe sü irme hirten alsus volgetent in diseme wintere. Dise zu mole gelossenlieit von Gotte und von allen creaturen, do were Got Jhesus werlicher und in nützlicher in gegenwertig denne in allen den summeren spilender gebrüchlicheit die sü lihte ie oder ie gewunnent. Enkein Vernunft enmag daz begriffen waz in diser rehter worer gelossenlieit verborgen lit. Also es zümole 15 winter ist und dürre vinstere quetschlicher quellenden vinsterkeit gelossenlieit, daz get über alle bevindende gebrüchlicheit, so man sich do in hielte in gelicher gelicheit. — Nu sprichet das ewangelium: 'die Juden stundent umb in'. Es worent zweier leige Juden, gut und böse, also sint oucli under uns. Ein Jude sprichet also vil also 'der Got begibt'. Wenne die krefte do wir von 20 gesprochen hant, sich in der worheit inkerent mit naturen und inboven der naturen und kerent in den innewendigen grünt, in die wurtzele, also verjehent su Gottes in bevintliclier wisen, und also sü Got do vindent, so verjehent sü sin in der worheit in gebrucheiilicher wisen ; und dis ist doch alles in dem woren lebenden glouben, und alles daz hinuz wurt geborn imiewendig in der 25 Vernunft und in dein willen, ussewendig in die ussern krefte, es si mit würkende oder mit lidende, in Worten, in werken, in gelosse, in Wandelungen, alles enpfindet man mit noch in würckender noch in schowender wisen denne alles ein verjehen Gottes in der worheit. Dise möhte Cristus meinen do er sprach: 'die min verjehent vor den lüten, der sol ich vor mime liimelschen vatter 30 verjehen'. Wanne wissent oucb, welich werg du ouch tuost, dem du ein ander ende setzest wenne Got, in dem vergissest du Gottes, wanne Got der sol sin von naturen ein ende aller dinge und meinungen, und wo du ein ander ende setzest, do tust du als ob du sin verlöuekenst, wan du gist der creaturen das daz Gottes eigen reht ist von naturen. Es worent ouch böse Juden die 35 Jhesum umbstiindent, den waz ir hertze also vol bitterkeit daz sü in nüt möhtent angesehen noch in geliden; sü worent also obe sü steinin hertzen hettent wider in. Och was vindet man noch cristenre: wenne sü Gottes frünt sehent in guter wisen und in guten werken, so hant sü rehte also ein contrarie wider sü und bitterent rehte ir hertze wider sü und vernütent ire werke und ir leben, sü vindent so vil glosen wider sü; daz sint rehte die 20. inboiien S. 13. Oves mee vocem meam audiunt. 63 bösen Juden. Und es ist ein sundeiiich sorglich ding und es ist der aller woresten zeichen eins under allen zeichenen, das sü mit Gotte und mit allen sinen frunden niemer kein teil ensüllent haben ewiclichen, die nüt in in vindent einen gunst und eine minne und gehengnisse doch zu dem minnesten zu allem dem das gut und götlich ist; wan Cristus sprach: 'wer mit mir nit 5 enist, der ist wider mich'. Und herwiderumb so begont die als die guten Juden Gottes, die in in vindent unberoten eine minne und einen gunst, ein neigen zu allem gute, daz ist iemer ein aller worest zeichen das daz gut in irme gründe ist und des wesenlichen gutes ewiclichen gebrachen süllent. — Mer die des nüt ensint, zu den sprach er: 'ir ensint von minen schoffen mit, wan mine schof die 10 höreirt mine stimme', daz ist dise stimme. Warumb heisset unser herre sine frünt also manig werbe alles schoffe? Daz ist durch zwei ding die die schof an in hant, die unser herre alzümole und sunderlichen minnet, daz ist unschult und senftmütikeit. Die luterkeit, die unschult die mähte volgen dem lambe noch also war es gat, die senftmütikeit die ist Gotte nach, die liörent Gottes 15 stimme, des der ungestüme und zornige mensche niemer gehört; wenne der wint stürmet und die venster und die türen klapperent, do enkan man nüt wol gehören. Solt du daz vetterliche verborgene heimliche wort in dir hören daz in dem heiligen gerüne dem innersten der seien wirrt gesprochen, so mos in dir und uz dir alle ungestümekeit darnider ligen, und solt ein senftmütig 20 scheffelin sin und gesetzet und gelossen und begeben din stürmen und losen zu diser minnenclichen stimmen mit stiller senftmütikeit. Dis ist allen den verborgen die nit schoffe ensint. — Mer zu sinen schoffen sprach er also man hinnaht las in den letzen: 'ich wil dir geben ein begerlich erterich und ein verklert erbe und die übunge der heidenen, und du solt mich vatter heissen 25 und ensolt nüt ufhören noch mir in zu gonde'. Weliche ist nu dis begerlich ertrich das er sinen fründen und sinen lieben schoffen gelobete? Das ist das ertlich irs lichames, die von naturen widerspenig was, das die also begerlich wurt und also undertenig wie sü wellent und war sü in haben wellent, darzü wurt er bereit und hat grosse wunne und gelust do inne; daz vor dürre waz, 30 daz wurt nu also ein wol gedöwet ertrich das weich ist, daz man mag segen und egen; also wurt diser luter lichame begirlich zu allem gute. — Welich ist denne nu das verklerte erbe? enist anders nüt denne unser herre Jhesus Cristus, der ist das verklerte erbe, wanne er ist ein erbe sins vatters und wir sint sin miterben, also sant Paulus sprach. Der sun het von dem vatter 35 genomen alles daz er ist und het und vermag, der vatter het ime alle ding gegeben in sine hant, dis trüg der sun dem vatter also gruntlichen wider uf in allen den wisen und in allen dem also ers von dem vatter enpfangen het, das er ime ein hör nüt vor enhaltet noch sich annam, denne allein suchet er 14. zu mähte] 'Corrig.: machet' [88]. 24. den] undeutlich 8; der? 27. erbe S. 28. die S, der Bruch. die 8, er Bruch. 35. ein S, sin Bruch; vgl, Böm. 8,17. G4 13. Oves mee vocem meam audiunt. die glorie des vatters und mit des sunes. Also süllent wir dem sune noch- volgen, in der selben wisen sol er unser verklert erbe sin, so süllent wir dem vatter d is also gründlichen wider uftragen alles daz wir sint und hant und vermügent, und alles daz wir von ime ie empfingen!, das wir es uns ein hör 5 breit nüt ensüllent annemen noch innewendig nocli ussewendig; wanne er kummet mit mittel oder sunder mittel, lo es dem des es ist und ennim dich es nüt an und suche in. So sint die leiden sinne und die nature also kleberig und die leiden ougen schalkehte, die sieht ie zu und suchet daz sine in allen dingen, do wurt alzü sere mit vervinstert das verklerte erbe. Also wo du 10 dich des göttelichen annimmest, do machest du daz götteliche creaturlichen und verfinsterst es. — Und er sol dir geben die übunge der heidenin, die enhettent enkeine wise noch heilikeite nocli ewig, danne daz sü noment gnode umb gnode sunder alle ir verdienen; mer die Juden die verliessent sich uf ir tun, die hettent ir cerimonie und die gebot und den ewen und vil dinges; aber die 15 heidenen die hettent enkeinen enhalt daruf sü buwetent, denne uf Gottes gnode blöslichen in sine barmherzikeit. Sich, in der wisen sol ouch dine übunge sin, daz du dich nüt in enthaltest denne uf der blossen gnoden und barmhertzikeit Gottes, und nemest und gist gnode von gnoden von Gottes gute alleine, und nüt enwisse von keinre dinre bereitunge oder wirdikeit. Ouch dise judesche 20 wise die hant alles vil lüte und stont uf iren eigenen wercken, die wellent sü ie haben zu eime understande, sü enhabent ire wercke geton, so ist alles mit in verlorn, so engetürrent sü Gotte noch niemanne geloben noch zu Gotte kumen, sü buwent verbörgenliche uf ire werg und uf ir eigen tun, und nüt blöslichen uffe Got. Ich enmeine des nüt das man gute übunge üt lossen sülle; 25 man sol sich allezit üben, mer man sol nüt daruf buwen noch daruf sich halten. So haltent soliche sere denne ob sü habent herin hemde angetragen und halsberge und also vil gevastet, geAvachet, gebettet, und viertzig jor ein arm mensche gewesen ist, und alle dise wisen sint in rehte also ein zügang zu Gotte. Sünder die nüt also sicher oder also küne enwerent, daz und alles des 30 oder man aller menschen werg geton hette die ie geton wurdent, das man des also blos und also lidig sye in dem gründe und in der haltender wisen also die nie kein gut werg getotent weder gros noch kleine, denne ist es alles also blos und also lidig also min vinger blos ist, und ein hör nit dovon halten denne gnode umb gnode und von der blossen barmhertzikeit Gottes sunder 35 allen enthalt eigenre züversiht dirre bereitung e, dis ist daz hoffen der heidenen, und du solt mich vatter heissen und ensolt nit uf hören noch mir in zu gonde: Das uns dis allen geschehe, daz helffe uns Got. Amen. 8. zu schalkehte] 'Beigeschr.: natur' [88]. 11. verfinstert 8. 12. I. ewen? (B.). 13. zu ir nach ufj 'Beigeschr.: wercke und uf ir' [SS]. 29/'. Sunder —man] Aber das mau Druck; die mir unverständlichen Worte und alles des oder sind ivol zu streichen. 14. Sante Johannes schribet. 65 14. Sante Johannes schribet. Die bredie usser sancte Jolians ewangelio des fritages vor dem palmetage, von dem worte das Cayplias sprach: 'es ist weger daz ein mensche sterbe, wanne alles volg verderbe', leret drier bände litte in weler wise sü irme eiginen willen sterben söllent, dadurch in ewig leben möge gevolgen. 5 Sanctus Johannes schribet in demme ewangelio das Cayplias sprach: 'ir enwissent mit noch engedenckent mit, es füget sich das ein mensche sterbe für das volk, das alles volk mit verderbe'. Dis sprach er von ime selber mit, sunder der heilige geist sprach es durch in, und was die leste profecie vor unsers herren tode; und sprach: 'dirre mensche tut grosse zeichen; lossent wir io in alsus, so kumment die Römer und nemment unser stat und slahent unser volk zu tode'. Nu süllen wir wegen die unbegriffeuliche tiefte minne die uns Cristus bewiset hat in dem unbegrii'fenlichen minnewercke in dem er so unbegriffenlichen gelitten het in allen sinen übersten kreften und in allen sinen nidersten kreften unde in allen sinen sinnen indewendig und ussewendig. — 15 Nu sint vil menschen die gerne woltent wissen den allerliebsten weg zu der nehsten worheit. Eya, nu prüfent! Unser herre rüffet driger bände lüten. Den einen mit offenbaren schänden, umbe daz er ime den grünt behalte und in in nochmoles erwerke; die mit demütekeit herin kaffen woltent, die soltent wunderliche spilen in der ordenunge Gottes mit dangberkeit; sunder die noch 20 den sinnen mit urteil beruf Valien wellent, die tünt iren schaden swerlich hie inne. Die andern hite ziihet er mit penitencien. Was ist nu wore penitencie? Das ist, wanne der mimt allerliebest spreche, das er denne swige, und wenne daz ouge allerliebest mit gelüstlicheit sehe, daz du es denne zutust und nüt sehest mit gelüstlicheit, und warzü dine sinne allermeist kerent mit lüst- 25 licheit, daz du dich daruz brechest und darvon kerest und dich insliessest. Den dirten menschen den züliet Got mit ime selber. — Nu merckent, nu mus iemer ein mensche sterben. Wie wollen wir nu disen menschen nemmen oder heissen? Eigenwille oder eigenschaft. Was ist des des der mensche sterben sol? Hettestu alle die martel gelitten die alle marteler ie gelittent, hettestu alles 30 daz gut geton das alle die cristenheit ie getet oder iemer me getün sol bitze zu der Nummer:] ' Cod. 89 u. 91 n» 9'. In F: ,33'' (ohne Überschr.) —35». zu Z. 1:] 'Joh. 18, U '. 5. eigen 8S. nioege fi, G. dein 88. das /'. F. 8. a. das v. n. enfürderbe F. 12. bewegen 91, wige F. 12 f. cristus uns F. 13- dem vor er] der 91. }3f- s. gar u. 91. 14. n. ouoh i. 91. 17. riohsten 88. h. der r. 91. lüte F. 18 f. in ln J in hie (auf Rasur) F. 19. mischen die und mit v. j. IL ander, zwischen dem. und herin ebenso die übergeschr. F. 21. urteil] ordenunge 91. 24. sehe m. gel. F. ' 25. mit gel. '• F- 25 f. gelüstlicheit F. 2G. daruz] dan vz F. darvon] dan abe F. us sl. 91. 29- des des] das 91, dz dez F. der] diser F. 31. alle die] dise 91, alle F. me f. 88. Dciutsoho Toxte des Mittelalters XI. 5 66 14. Sante Johannes scliribet. an das ende der weite, das daz in dir nihtes mit ensi, nie in allem dem do du ein zuhatten zu hast und eine enpfenglicheit, eine genülicheit do inne möhtest haben, das daz nihtes nüt ensi. Wo mitte süllent wir nu erkriegen das dis mensche also sterbe? Das du dich alle tage zu tusent molen zu tode liessest 5 stechen und also dicke wieder lebende wurdest und alle tage dich manig werbe umb ein rat liessest flechten und steine und dorne essest, hiemitte kundestu dis mit erkriegen, sunder sencke dich nu in die vertieffete grundelose erbarni- hertzikeit Gottes, mit eime temütigen geiossen willen under Gotte und under alle creaturen, und sich das es dir Cristus alleine geben müs von blosser 10 miltekeit und friger gute und minnen und barmhertzekeit. Hie lulltet in daz wort daz Cristus sprach: 'so ir alles daz getönt daz ir vernnigent, so süllent ir üch noch danne halten für unnütze knehte'. — Und geschult dis nüt das dis mensche nüt erstirbet, so kumment die Bömere und besitzent die stat. Was ist nu Rome wanne daz höhste von der weite? Also ist die indewendige 15 hochvartikeit daz höhste von allen Untugenden, die besitzet die stat die Cristus besitzen solle, und sieht zu tode alles daz volk, das sint die obersten krefte und ouch die nidersten, das ist das gesinde der sele. Kinder, kinder, sehent für üch, es ist vil wunderliches Volkes uf ertliche, das do mit grossen wisen und mit grossem sehine disem edeln wege enget. Und also lange also 20 dis eine mensche in uns blibet und nüt enstirbet, so spreitet es sich durch alle die krefte des indewendigen und des ussewendigen menschen, bitze er es alles verderbet das Cristus inpflantzen solle. 0 wie vil grosser menschen, die so gros schinent und mit den Got so grosses beginnet hat, die in dem sint hie inne verdorben! Wir nement zu eime exempel Salomon, do Got mitte 25 sprach, und in sinem sun und Samson, die von dem engel gebotschaft wurdent, wie swerlich die vielen!; wan dis eine mensche nüt enstarp und sü uf den goben Gottes mit lüstlicheit ir selbes blibent und Gotte undangber worent, wie sint sü in daz urteil Gottes in dem lesten gevallen, also das die heilige kirche von in zwifelt obe sü behalten sint. Nu kumment dise hohen vernunfte die 30 in irre eigen natürlichen vernunften ufgewachssen sint, die wellent über alle ding kummen sin. Kinder, do kerent üch nüt an; alles daz die nature git, daz nimmet sü ouch wider, und alles daz Cristus git, daz nimmet er ouch wider. Nu enhaltent dise grossen vernünftigen menschen dicke den anstos in den 1. der] dirre 91. en si niht dz es in ime selb' nihtes niht. en si niere F. 2. zu hast f. F. enpli. vn e. 91 F. 2 f. m. du h. 88. 3. W. m. so s. 91. i. tage zu tode tusent w'be 1. F. 5. u. ouch a. 91. manig werbe f. 91. 6. u. ouch st. 91. h. so k. 91. 7. sunderlichen 91. nu] nuwen 91. vertieffete] tieffe 91. 8 f. u. allen F. 10. u. von f. 91. 11. so i.] also i. F. 15. hochv'tikeit F. 16. zu tode] tot F. 17. seien F. 19. entgont F. 20. in] under 91. 22. alles] also F. w. sint so v. 91. 23. grosse ding 91, gros F. 25. in sine F, in siuen 88; l sinen? gebotschaftet wart F. 2ü. die] dise F. 28. in vor dem] zu 91. 29. hohe riebe v. F. 33. m. gar d. 91. 14 Saute Johannes schribet. 67 sinnen vil eigentlicher wan ein edel gelössen mensche; zu dem sprechent sü: 'Got segen, waz ungelossens mensche bistu!' zu den edeln menschen, die doch harte gelössen sint in irme gründe! Wissest daz der trug den Got verlienget deine inren menschen, ist hie harte genüglich, und wil in harte gerne mer truwen, nüt also dem ussern menschen. Kinder, nüt verwürrent üch noch 5 verferrent üch! Das bilde bewiset uns unser herre Jhesus Cristus, do sin nature zwifelte und wasser und blüt switzete. Lieben kinder, lerent üch alsus liden und legen under Got und under alle creat uren, und nüt ververrent üch; eime ieglichen iode dem volget ewig leben. Daz wir also sterben mussent, des helfe mir und üch der vatter und der sun und der heilige geist. Amen. 10 15. Clarifica me pater claritate quam habui prius. Die bredige usser sant Johans ewangelio des balmeobendes von der verklerunge seit von eime wiselosen gebette, heisset gewore einunge mit Gotte, ist über alle wort und übunge des ussewendigen gebettes, und seit ouch drie wisen mit den man kummet zu der lutersten worheit. 15 Der minnencliche sun Gottes, do der ufliüp sine götlichen ougen in den himel und sprach: 'vatter, mache clor dinen sun', dis werg lert uns das wir uf süllent haben alle unser sinne, hende und krefte und die gemüte in die höhi, und betten in ime, mit ime, durch in. Dis ist das aller minnenclicheste hochwürdigeste werg daz der eAvige Gottes sun hie det, daz er sinen 20 geminneten vatter anbettete. Dis ist aller Vernunft zu überswenkig, und enkunnent niergent herzukummen nocli verston, es ensi in dem heiigen geiste. Von dem gebette sprach sanctus Augustinus und sant Anshelmus, daz gebet si ein ufgang des gemütes in Got. Lieben kint, dise riehen lüte kumment an üch und gent armen verzerten krancken kinder vier haller oder sehsse, und 25 heissent sü üch enweis wie vil venien machen und lihte hundert pater noster sprechen; von diseme kouffe und von sus und aller wisen do halt Got in siner ewikeit also vil abe also er wil. Aber ich sage dir ein ding: kere dich in der worheit von dir selber und von allen geschaffenen dingen und rihte din gemüte alzümole uf in Got über alle creaturen in daz tieffe abgrunde, darin 30 versenke dinen geist in Gottes geist, in wore gelossenheit aller diner obersten 1. dem] den F. 2. menschen 88. 3. trug] grünt 8S. i. deme] des F. 5. t. erzögen n. 88. 7. zu zwifelte;] 'Cod. 88, corrig. durch: erzitterte'. 8. legen] legent üch 91. verwürrent 88, erv'rent F. 10. d. vil h. 91. zu der Nummer:] 'Cod. 89, n° 79 (fehlt)', zu Z. 11.-] Joh. 17,5. 22. zu ensi:] 'Beigeschr.: denne' [88]. 5* (58 15. Clarifica me pater claritate. und nidersten kreften, über alle sinne und verstentnisse, in einer woren vereinungen mit Gotte innerlichen in dem gründe; mit diseme überkummest du alle wise und alle wort und übunge, und da do bitte Got für alles das do er wil für gebetten lian und des du und alle menschen von dir begerent; und 5 wisse: also klein also ein klein jung haller ist für hundert tusent marck goldes, also ist alle ussewendige gebette vor diseme gebette, das do ist und heisset wore einunge mit Gotte, dis geschaffene geist versincken und versmeltzen in dem ungeschaffenen geiste Gottes. Vil lieben kinder, weife dise einunge dis gebett des mundes lident und ungehindert darabe blibent, so tut 10 es künlichen; zwei sint besser denne eins, und daz darumb du gebetten bist, ouch ist es gut das du das also bettest mit der wisen ussewendig also du geheissen bist und du gelobet hast, und mit dem und in dem so tribe din gemüte uf in die höhe und in die iure wüstenunge, dar trip alle dine vihe mit hern Moyses; und hindert dich danne ein einige wise oder gebet oder 15 ussewendig werck, das loss künlich uf mich varen, ussgenomenlich die die zu irme gezite verbunden sint, anders so ist alles gebet des mundes rehte alse spruwern und strö wider edelme weissen, also (Jristus sprach: 'die woren anbettere die bettent in dem geiste und in der worheit'. In diseme werdent alle die Übungen vollebroht, werg und wise, die von Adams geziten geopfert 20 sint und noch süllent bitz an den jungesten dag; das vollbringent dise in eime ougenblicke mit diseme woren wesenlichen inkere. Also ir sehent dise kilche und dise manigvaltikeit die herzu gehöret, also daz fulment, die muren, die steine die denne herzu dienent, denne daz sü dis alles herzu trügent, dis ist alles umbe gebet geschehen, und wurt in diseme alles wesenliche zu worer 25 fruht und in Got getragen, darumb das es allessament worden ist; und alle ding werdent in eime ougenblicke ingetragen in den minnenclichen grünt, das als ussgeilossen ist in die ewikeit, do es ewiclichen in gegenwerteclichen gewesen ist und ietze ist und als wol da inne ist. — Davon sprach Cristus: 'ich habe alle ding geton die du mir gebe zii tünde'. Hette er das genomen nach 30 der zit, so enwere es nüt also gewesen, wanne es waz noch vil ungeton; er solte noch do liden und erston, sunder er nante noch der wisen der ewikeit, do sint alle ding, alse sü ewiclich sint gewesen und ewiclich sin söllent, also sint sü ietze in diseme nu ietze, alse dise lüte die hier in reht gerotent, die würckent alle ire werg ussewendig der zit in ewikeit, sü bettent in Gottes 35 geiste und lebent und würkent in ime und sint in selbes gestorben, wanne nieman mag ein anders werden, er enmüsse denne entwerden daz er do ist. Do bettent dise und würckent in dem geiste; do der vatter gebirt sinen sun, do werdent sü wider in geborn; in den grünt wurt diser geist wider in getrungen über alle bilde und formen, ir selbes entformet und entbildet, und 8. vvele S, wil Basler Bruch von 1521. 22. zu fulment:] 'üorrig.: f undament'. 15. Clariflca me pater claritate. 69 sint in über wise geroten. Dise lüte in diseme gebette so erwerbent sü alle ding-, sü bittent hie den vatter für sinen eingebornen sun, bitze her het der sun für sü gebetten. Got segen, also wie bitten sü für d en su n? Unser herre lert uns betten daz sin nanien geheiliget wurde, des bittent sü alle hie das sin namen geheiligt werde und gegrösset und bekant und geminnet werde 5 und also befunden werde also er es ewiclichen angesehen und gemeinet und gewelet hat in ewikeit, und das ime sin tür verdienen und sin bitterJiden. vergolten und widerlonet~werde und fruhtber werde. Dise lüte bittent für die. . heiige cristenheit, und ir gebet wurt allewegent erhört, Dise nement ouch alle ding von Gotte glich, haben und darben, liep und leit, gelieh willig und 10 völlig; do lit gros verdienen an. — Unser herre sprach: 'ich bitte dich das sü eins Averdent alse wir eins sint'. Dise einunge geschult in zweierlei wise, innewendig und ussewendig, mit mittel und sunder mittel, in geiste und in naturen. Diz wurt dicke valschlichen verstanden, wan gütliche nature enpfohet keinen züval. Dise einunge eiiniag die Vernunft nit begriffen, wie 15 daz die sele mit dem libe vereiniget ist und wie sü würcket und beweget sich in der hant, in dem fusse noch in dinen eigenen gelidern; wie solte denne der mensche götteliche einunge verston? Die herin kuniment, die würckent ussewendig der zit in ewikeit, uss geschaffenheit in ungeschaffenheit, us manig- valtikeit in einvaltikeit, sü blibent in friden in unfridesamkeit und sinckent 20 mit einre minnenclicher begerunge in den grünt und tragent Gotte alle ding .wider uf, alse es eweclichen gewesen in ime ist und er es geminnet und genieinet het. Diz ist neher wan daz gebet, verre nehere; herin enmügent nüt kummen die in ire natürlicher Vernunft ufgewachssen sint und gezogen sint in ire eigenre dötlicheit und in iren sinnen gelebet hant, die enkumment 25 herbi mit nute. Usser diseme lert üch und seit üch ein minnenclich meister, und des enverstont ir nüt; er sprach uss der ewikeit, und ir vernement es noch der zit. Lieben kint, han ich üch nu zu vil gesprochen, dis enist Gotte nüt zu vil, aber ir süllent mir es vergeben, ich wil mich gerne bessern. Ein hoch meister der sprach von diseme sinne sunder wise und sunder wege, das 30 begeisten vil lüte mit dem ussern sinne und werdent vergiftige menschen, und herumbe ist es hundert werbe besser daz man mit wisen und mit wegen darzü kumme. — Nu mag man frogen weles die wisen und die wege sint die do gehörent zu der lutersten und der höhesten und der vollekomensten worheit, Nu het unser herre Jhesus Cristus sant Johans in drie wisen gezogen, do 35 zühet er och noch alle die menschen mitte die zu der neuesten worheit kummen söllent, Nu zoch unser herre Jhesus Cristus sant Johans zu dem ersten mole do er ime von der weite rief und mähte in zu eime aposteln; zu dem andern mole lies in unser herre Jhesus Cristus rüwen uf sime minnenc- 31. E. schlägt begriffen statt begeisten vor; vergiftige erklärt sich aus Nr. 23. 70 15. Clai'ifica me pater claritate. liehen hertzen; zu dem dirten mole, daz das volkomenst ist, daz was uf den pfingestdag, do ime der heilige geist gegeben wart, do wart ime die tür geoffent, und er wart in genommen. — Nu zu dem ersten mole, also der mensche mit sante Johanse geruffet wurt von der weite, daz ist das der mensche alle sine 5 innersten kreften regniere und ordene usser der obersten bescheidenheit; also daz du lerest dich selber bekennen und bi dir selber bliben, das du lernest warnemen dürre worte, das du niemanne entsprechest denne daz du woltest daz man dir spreche, diner bewegunge, obe sü von Gotte kumment und wider zu Gotte wellent, diner gedencke, das du keinen bösen unnützen gedank mit 10 willen nüt besitzest; waz dir darüber invellent, daz enist nüt me denne eine bereitunge und eine luterunge zu eime bessern diner wereke, das du nüt enmeinest in allen dinen wereken denne die ere Gottes und aller menschen fride und selikeit. Alsus nimmet dich unser herre von der weite und machet dich zu eime apposteln Gottes, und alsus lerest du den ussern menschen zu 15 einem innern menschen machen. Dis ist noch ein anevohender mensche. — Zu dem andern mole, wilt du rüwen uff dem minnenclichen hertzen unsers herren -Thesu Cristi mit sant Johans, so müst du gezogen werden in daz minnencliche bilde unsers herren Jhesu (Msti, das du ein nissig ansehen daran habest und sehest an sine sanftmütikeit und demütikeit und an sine tiefte fürin minne, 20 die er hette zu sinen frunden und zu vigenden, an die grosse gehorsame gelossenheit die er hette in alle wege, in alle wise, in alle die stetten do ime der vatter in rief. Nu nim sine vertieffete miltekeit, die alle menschen wisete, und ouch sine gebenediete armüte: himelrich und ertlich waz sin, und enbesasz es nie mit eigenschaft; alles daz er sprach und alles daz er würekete, do 25 meinde er des vatters ere und aller menschen selikeit. Nu sich in das minnencliche bilde unsers herren Jhesu Cristi vil neher und vil tieffer wenn ich dich geleren kann, hie habe ein nissig heischen und jagen nach, sich dich nu mit flisse an wie ungelich du sigest disem bilde, und sich dine verreheit und dine kleinheit hie ane, hie lot dich unser herre wol rüwen. Harzü ist in 30 der zit nüt nützers noch bessers danne daz sacramente des werden lichamen unsers herren: usser eime anderme, dem das lieht der worheit neher lühtet denne dir zu tünde und zu lossende, disem minnenclichen bilde wirrst du riche und vindest alsolichen trost und süssikeit do du mitte verseist allem tröste und süssikeite der weite. — Dise zwo wisen stont dicke in vil menschen die gar 35 wol dran wenent sin mit eigenschaft in eime swinden gemüte, und sint doch verre den nehsten wegen; alleine sant Johannes hette gerüwet uf dem hertzen unsers herren, er lie doch den mantel Valien und floch da man Cristum ving; also sigest du, mensche, wie heilig du sigest in disen zwein wisen, obe du angegriffen wurst, daz du den mantel lossest vallen, ich meine eigenschaft und 39. den f. S. 15. Clarilica me pater claritate. 71 swindekeit dins gemixtes. Daz du dich in disen zwein wisen übest, daz ist gut und heilig, und enloss dir dise übunge diser wisen enkeine creature nemen, Got der enziehe dich denne selber neher; zühet dich Cristus, so lo dich ime sunder forme und sunder bilde, und lo in würcken, bis sin instrumente, das ist ime löbelicher und dir nützlicher das du dich hie inne lossest ein pater noster 5 lang, denne du dich hundert jor übetest in andern zwein wisen. Nu sprechent etliche lüte: 'bist du nüt noch darüber komen?' Ich spriche: 'nein, über das bilde unsers herren Jhesu Christi enmag nieman kum men' . Sunder du soltest sprechen: 'bist du über die wege und wise noch nit kummen die du mit eigenschaft besessen hast?' Nu sich in mit flisse und nim war der ordenunge 10 Gottes von innan und nim eine wise noch der andern! Hie wart die türe uf geoffent ettelichen mit eime zuge, ettelichen mit einre gelossenlieit, hie wurt sant Paulus wort vollebrecht, das nie ouge engesach noch nie ore engehörte noch in nie hertze enkam daz Got hie offenbaret. Meiner ensol sich der mensche des versehen daz er iemer volkomen werde; alse verre alse es hie 15 mügelich ist, der usser mensche werde broht in den innem menschen, do wurt der mensche ingenomen, do wurt alsolich wunder, alsoliche richeit geoffenbart. Entruwen, kinder, der vil hie in gaffen wolte, der müste dicke zu bette ligen, die nature enkunde es nüt getragen. Nu wissent, e daz vollebroht werde dovon wir hie gesprochen haut, do müs uf die nature manig swinde dot Valien 20 ussewendig und innewendig. Dem tode antwurtet ewig leben, Kinder, dis wil nüt eins tages, eins jores zügon, nüt enverrent üch, es nimmet zit und harzü gehört simpelheit und luterkeit und gelossenlieit. Und dis ist der aller volkomenste weg; den gebe mir und üch der vatter und der sun und der heiige geist. Amen. 16. Expedit vobis ut ego vadam. 25 Die bredie usser sancte Johans eAvangelio des vierden sunnentages noch dem ostertage seit wie uns der heiige geist stroffet umb alle unser sünde, und meldet in uns alle weltliche inbildunge underscheidenliche und heisset uns nieman urteilen. Unser herre sprach zu sinen geminten frunden: 'es ist üch nütze daz 30 ich von üch var, unde var ich nit von üch, so enkummet der tröster nüt zu 4. zu sunder {zweimal):] 'Corrig.: on' [SS]. bis] bitz S. zu bitz:] l id.[?]: siest' S. W. I. noch nie in h.? Der Basler Druck hat: noch in keins menschen h. zu der Nummer:] 'Cod. 89 u. 91, n» 10'. zu 'A. 35:] 'Joh. 16, 7—15'. in F(78»ff.) fehlt Z. 36—29; dafür v.j. IL: d' üi sunnetag' noch d'oct. der osteren. 30. h. ihc sp. F. g. und userweiten iuugem unde f. 91. 72 16. Expedit vobis ut ego vadam. üch; var ich aber, so sende ich in üch. und wenne er kummet, so sol er die weit bestraften von sünden und von gerechtekeit und von dem urteile'. — Kinder, in disen sin ist sere nauwe zu sehende, das den Götz fründen der heilige geist mit möhte werden, er müste zu dem ersten von in varen. Weles 5 ist sin von üch varn anders danne gelassenheit, trostlosekeit und ungeschickeit zii alleme gute, trege und kalt und swer und dünster? danne ist Jhesus von uns gevarn. Die menschen die herin sehent und es in nütze machent, das wer gar ein edel ding das men hiemitte spilen künde, dem wurde alle manig- veltekeit einvaltikeit und liden trost und unfride fride, und alle bitterkeit wurde 10 ein wäre süssekeit. — 'Es ist üch danne nütze das ich von üch vare, und also ich vare, so sende ich üch den heiigen geist, und also der heilige geist kummet, so sol er die weit stroffen.' Waz und wie sol er stroffen? Daz ist: er sol klerliche zu erkennende geben und melden obe die weite in dem menschen si bedecket und verborgen, daz sol er bestroffen und schelten. 15 Weles ist nu die weit in uns? Das ist die wise, die würkunge, die inbildunge der weite, smacken in liebe, in leide, in minnen, in vorhten, in trurikeit, in fröiden, in begerungen, in jomer, in sorgveltekeit. Sante Bernhart sprach: 'mit allen den daz du trurest und dich fröwest, mit den selben soltu geurteilet werden'. Kinder, dis sol der heilige geist, so er kummet, klerlich in uns 20 endecken und melden und sol darumb uns stroffen, und daz wir niemer enkein raste gewinnent die wile wir dise böse schedeliche besitzunge in uns vindent, es enwerde uzgetriben. Und so wo dis schedeliche böses in dem menschen unberespet und unbestraffet blibet, daz man mit creaturen besessen ist, sü sint dot oder lebendig, daz ist alles weit, und wer dis böse haltet unbestroffet, das 25 ist ein offen zeichen daz der heilige geist noch mit darkomen ist, wanne Cristus die worheit sprach, also er kerne, so solte er dise ding bestroffen und bescheiten,.— Ouch so sol er stroffen umbe die sünde. Weles sint nu die sünde? Ir wissent wol, lieben kinder, Got het alle ding gemachet, und ein ieglich ding geordent in ir reht ende, also hat daz für daz es ufgat, und der stein daz 30 er nider get, also hat die nature geben dem ougen daz es sehe, und dem oren daz es höre, und der hand zu würckende und den füssen zu gande, und ein 2. bestroffen] berispe F. 3. genauwe 91. 4. enmöhte F. entmiste F. welich F (meist). 5. üch S, vns F. anders f. F. g. und t. Ol. ungescbicketheit 88, ungescbichtikeit Ol. 8. gar /'. F. 9. und unfride fride Ol, fride vnd vnfride SF; dazu in S: 'Cod. 88: und ausgestrichen'. 11. also] so F. 12. stroffen] berispe F (meist). 14. b. v'borge lit. vnd daz F. bestroffen] berispe vn bestraffen F. 15. w. und die bildunge Ol. 16. weite. Der weite s. F. v. und i. Ol. 17. f. und i. Ol. 18. d. ouch f. Ol. soltu öch g. F. 19 f. u. zu c. 91. 22. e. denne u. 91. dis —böses] dise böse schedliche ding Ol. 23. u. ouch unb. 91. ungestraffet 88. 24. b. ding h. 91, böses behalt F. 26/'. b. u. b.] berispe schelte vn straffen F. so f. F. 28. k. das g. Ol. 29. ir] sin 91. a. das für hat so e. Ol. daz vor für] dis F. die steine F. 30 f. o. zv hörende F. 31. und vor der f. F. dem füs F. 16. Expedit vobis ut ego vadam. 73 ieglich gelide daz ist dem natürlichen willen gehorsam des lichamen sunder einige widersprechunge, es si im liht oder swer, süsse oder sur, wil es ehte gentzlich der wille, so ist es gehorsam, es ga an leben oder tot. Daz schinet wol an den minnern diser weite, wie sü sich getröstent alles gemaches und gutes und eren umbe daz sü minnent. Nu sprechent die sünder: 'wer ist 5 Gotte also gehorsam, also genug in allen sinem willen und sinen gebotten?' Wo wogestu durch Got lip und gut, liep und leit und lest dich selber und alle ding usser dime innerlichen gründe do Got ein gebieter solte sin? Nu dise sünden meldet der heilige geist, daz du sinem willen und sinen manungen widerstest so dicke und so vil, da du so dicke und so vil mitte sündest; dis 10 und manigen verborgen bresten die berespet und bestraftet der heilige geist, so er kummet. Dis machet ein swinde urteil und ein hellesche pin und ein unlidelich we, do natürliche lüte wenig von wissent. Dis ist der gewarsten zeichen eins das der heilige geist do ist in der worheit, wo dis urteil in der worheit geboren wurt, daz ist ein alzü sicher ding, wanne tusent gebresten 15 die du in der worheit bekennest und dich dovon schuldig gebest, enwerent dir nüt also sorglich noch also schedelich alse ein einiger des du nüt enwoltest bekennen noch dich nüt woltest lassen Avisen und nüt jomer noch bandikeit darumb enhettest, dan dich wolte alles dünken du bettest reht. Kinder, die lüte den ir ding also wol gevellet und ander lüte tun übel, daz sint 20 sorgliche gebresten, und us den wurt niemer mit. — Nu dan er sol urteilen oder bestraften die gereclitekeit. 0 kinder, wie ist unser gerechtekeit so ein snöde ding vor Gotte! Sant Augustinus sprach: 'wi und we aller gerechtikeit obe sü Got noch sinre barmehertzekeit nüt urteilen wil'. Unser herre sprach durch Ysaiam: 'üwer gerehtikeit ist ein unflat vor minen ögen'. Unser herre 25 sprach: 'so ir alles daz getünt daz ir vernnigent, so sprechent dennoch: wir sint unnütze knechte'. AVer sich für üt het so er nüt enist, der betrüget sich selber, also sant Johannes sprach. Manigem menschen gevallent sine wisen also avoI daz er sich niemanne lassen enwil, noch Gotte noch den Inten, und hütet sich alse sins ögen das er sich Gotte nüt enlasse; kummet unser herre 30 mit einer manungen, an mittel oder mit mittel, do setzet er sine wise für und kert sich daran nüt einen troppfen. Dis sint ungelossene lüte zümole; wer 3. ge F, gange 01. o. an dot F. 6. genugsam Druck. u. in allen s. Ol, 1. in s. SS. 9. s. die ra. 91. 9 f. m. also w. 91, m. so d. so v. wid'stest F. 10. u. ouch s. v. m. Ol. 11. verborgenen 88. 13. von] abe F. 14. wo] wan F. 16. dovon] dar abe F. g. die e. 01. 17. d. bi nute also schedelichen und ouch also sörklichen a. Ol. 18. u. nüt] u. noch F. n. keine b. Ol. 19. hettest 88, enhest F. dan] wenne das Ol. alles] also 01. d. das d. Ol. best F. 20. bevellet F. 21 f. s. gar s. 91. vil enwirt niem' vs dene nvt F. 22. oder] und Ol. O] O v ch F. ein so F. 24. enwilt F. 26. so i.] als i. F. 26 f. sp. daz ir vnn. k. sint. wer F. 27. üt] ützit Ol. nüt] nützit 91. 28. gevallet sin wise F. 29. noch vor Gotte] weder 91. 30. sich] sin selbes 91. k. aber u - 91. 3i. eiuig' j/\ 32. ein traben F. 74 16. Expedit vobis ut ugo vadam. der lieilge geist do, so stroffete er diser lüte wise, wanne wo der heilige geist ist, do bekennet der mensche sine gebresten klerlich und lert gelossenheit und demütikeit und alle ding. — Dan von dem urteile. Weles ist daz urteil? Des urteiles nimmet sich ein ieglicher an, und hebest nüt für ir ögen ir eigen urteil 5 und ire mere gebresten, und het doch Cristus gesprochen: 'mit der mossen domitte du missest, domitte sol dir wieder gemessen werden'; und sprach: 'du ensolt nüt urteilen das du üt geurteilet werdest'. Ein heilige sprichet: 'also manig mensche als du mit dime urteile under dich truckest, ander also manigen soltu undertrucket werden'.. Die lüte wellent rechte pf äffen und 10 provineiale sin, einen ieglichen berichten, und enwissent wer sü selber sint. Wissent daz ir machent grosse starke muren zwüschent Gotte und üch. Kinder, also liep also üch Got und uwer sele und üwer ewig leben si, so enurteilent nieman Avan üch selber. Man ensolte kein ding urteilen das nüt totsünde enist; lieber wolte icli mine zunge bissen swerlichen dan ich enkein 15 mensche urteilte. Dis wurt geborn uz hochmütekeit und eigenre gevallunge, das ein vigentlich same ist verbörgenlich, und ist der heilige geist do nüt. Mer wo der heilige geist urteilet durch den menschen als des not ist, do beitet man statten und stunden als stat hat; nüt das man eine wunden heilen welle und zwo dobi slahe uz ungestümekeit, und nüt swere wort noch 20 gelas noch unmügende den liebsten verkleinet und vernütet in andere hertze, sunder als uz minne und senftmiitekeit, und daz der mensche blibe bi ime selber in demütekeit und in armute sines geistes; und daz treit er noch Avar er get und Avas er tut, er si eine oder gemeine, und enwarte nüt denne sin selbes in einvaltikeit, und let es vallen Avas in nüt ane engot noch bevolhen 25 enist; und enfrage nüt nach hohen künsten, denne gang in dinen eigenen grünt unde 1er dich selber kennen, und nüt enfroge von der Verborgenheit Götz, von dem usflusse und influsse und von dem ihte in dem nihte und von dem funcken der seien in der seien in der wtekeit. — 'Üch enist', sprach Cristus, 'nüt zu wissende von der heimlikeit Gottes'. Wir süllent halten einen einvaltigen 30 waren gantzen glouben an einen Got in drivaltikeit der personell, nüt manig- valteklich, sunder einvalteclich und luterlichen; Avanne Arrius und Sibillus, die 2. der mensche] er 91. 4. iekliches F. hebent 88, habent F, hebet 8. 4 f. ir —ir—ire SF, sin—sin —sin 91. 6. da dv mitte F. 7. iit] nüt 91. v'teilet F. 8. zu also:] 'Cod. 88. Beigeschr.: von'. 9. manigen] manigem urteile 91. 10. i. menschen b. 91. 11. g. und st. 91. 12. u ouch ü. s. 91. und üwer /'. F. 13. solte 88. 15. urteilte] urteilen wolte 91. u. usser e. 91. behagHge F. 16. i. ouch d. 91. 17. als F, alles S, also 68. des F, das S. not] notdurftig 91. 18. als SF, also es 91. 19. sl. nüt uz SF; vgl. den Druck: das man da bey drey oder vier mit vngestymmigkeyt geschlagen habe. 20. n. unmugene 88. oder v'nvt F. andren herzen 91, andere herze F. 21. vil d. M. blibet b. F. 22. i. rehter d. 91. 23. enwarte] in wart F. 23 /'. sins s. F. 26. bekeiien F. 28. instekeit S, instetikeit 91, istikeit F. 29. wissende] vorsehende 91. heTlickeit F, heilikeit S; dam:] 'Cod. 88, corrig. in: heimlikeit'. IG. Expedit vobis ut ego vadam. 75 wunder verstundent von der heiligen drivaltekeit, war sint sü klimmen? und Salomon und Origenes, die die heilige kirche gerichtet liant wunderlichen? wir enwissent mit war sü kummen sint. Dovon sehent für üch selber; nieman en- sol für üch entwürfen dan ir selb selber. Kinder, sehent für üch und nement Götz und sins liebsten willen war und des rüffendes mit welicheme üch Got 5 gerüffet habe, daz ir dem volgent; und enwissent ir nüt was Götz wille si, so volgent de» die von dem heiligen geiste me erlühtet sint wan ir; und enhant ir der nüt, so gont zu Gotte, on allen zwifel er git es üch, blibent ir dobi. Genüget dich noch denne nüt, so nim under zwifelichen dingen war wo du sihest das die nature aller minnest zu geneiget ist, daz du daz tust, wanne 10 in eime ieglichen tode der naturen do wurt aller werlichest Got inne lebende und wesende. — Lieben kint, sit das den heiligen jungern der heilige geist nit möhte werden, Cristus müste zu dem ersten von in varn, so sehent wir womitte wir umbegont. 0 lant alle ding, so wurt üch alle ding; in der worheit, tetent ir daz, üch solte wunnencliche entwürfe wiedervarn in der zit. 15 Und also der heilige geist kummet, so sol er üch leren alle ding und künftige ding. Lieben kint, dis enist nüt wie das oder dis urlüge versunet sülle werden oder das körn wol wahssen sülle; nein, nein, kint, nüt also; sunder alle ding, das sint der dinge der uns not ist zu eime woren göttelichen lebende und zu eime verborgenen bekentnisse der worheit und schalkeit der 20 naturen; und volgent Gotte und gont den heiligen rehten weg, das soliche lüte nüt entunt; also sü Got in wil haben, so gont sü us, und also sü Got us wil haben, so gont sü in, und ist als ein verkert ding. Dis sint die alle ding: daz sint alle die ding der uns not ist indewendig und ussewendig unde tiefliche und innerlichen, luterlichen und clerlichen, unser gebresten und vernütunge unser 25 selbes und grosse bestroffunge und wie wir der worheit entbliben und schede- lichen uf kleinen dingen; unde lert uns versincken in ein vertieffete demütekeit und einen gantzen underwurf tun under Got und alle creaturen. Dis ist ein kunst do alle künste inne beslossen sint der man zu warer heilikeit bedarf; daz were wäre demütikeit sunder alle glose und nüt in den Worten oder in 30 dem schine, sunder in der worheit und in dem gründe. Das wir alsus bereit werdent das uns der heilige geist in der worheit werde, des helffe uns Got. Amen. 2. orienes F. geriebet 88. 3. D. so s. 91. 4. selb f. 91. 7. den F, denne 8 (dazu: 'Cod. SS, conig. in: den'), denne den 91. 9. In genvget dir F. 10. die] din F. 14. 0] Ovch F. werdent 91. 15. soltent 91. der] dirre 88, diser F. 16- u. gar k. 91, vnd zukünftige F. 17. wie f. F. 20. vnd die seh. F. 21. zu nat, rn.it Verw.-Zeichen, am Rand v.j.H.: zu erken|ende F. beiligen f. F. 22. wil nach us] wolte 88 F. 23. so wellent sü ingon 88 F. als] alles 88. 23 /. D. s. d. a. d. der uns not ist, daz sint die alle ding ind. 91. 27. hinter dingen ist wol bliben zu ergänzen (aus dem vorangehenden entbliben). ■ 28. u. under a. 88. 28 f. Dis — bedarf f. 91. 30. gelose F. 76 [17. 18] 19. Von fünf kunne gevengnisse. 17. 18: s. Nr. 60 a - 60 b (nach der Engelberger Handschrift). 19. Die ander uzlegunge von der uffart seit von fünf kunne gevengnisse 5 domitte die lüte hie in zit swerliche gefangen werdent, und oucli womitte sü der Lose geist in der gevengnisse behebet und in weler wise man ir lidig mag werden. Unser herre Jhesus Cristus für uf zu himel und fürte mit ime das gevengnisse gevangen. Man findet fünf kunne gevengnisse domitte die lüte 10 hie swerlieh gevangen werdent in diser zit, die Cristus uffürt und abe nimmet, so er in uns ufgevert. Das erste ist daz der mensche wurt gevangen mit jjminne der creaturen, sü sint tot oder lebende, so es Got nüt enist; und sunderliche menschliche minne, die alse nahe in der naturen sint von gelicheit I | der menschen. Der schade der dovon kummet, der enist nüt zu volle- 15 sprecliende; den hat man in zweiger hande wise. Die einen die bekennent ! sich und vörhtent sich und hant ein we do inne und ein angest mit wieder- I bissende, und hant do straflünge umbe. Das ist ein edel gut zeiclien daz i sü von Gotte nüt verlassen ensint, wanne Got let und lat den menschen liden nacht und tag, er esse, er trincke; und dem nüt sin oren verstoppfet ensint 20 und des gewar wurt, der wurt noch selig. Aber ander lüte sind so fri in dem schedelichen gefengnisse und sint zümole top und Mint in dem gefengnisse, und sint wol zufrieden und wellent also gereht sin, sü tönt vil guter wercke, singen, lesen, swigen, dienen und betten vil, das sü deste bas mögent tun und daz man in deste bas günne Got und die lüte, und ie so sint sü so andehtig, 25 so müjjent sü weinen und ist in so wol. Die lüte sint vil sorglich daran, und tut in der vigant umb daz er sü behalte in dem gevengnisse, und die nature trüget denne den menschen, und ist der mensche in grossen sorglichen bekorungen, und wer ime vil besser daz er nüt enbettete in diseme, wan er bettet hie wider sich selber, und wer ime vil Aveger dass er in grossem SO getrenge und we stunde und in trurikeit, er wurde vil e los und lidig des sorglichen schedelichen gefengnisses; wan, wurt er dinne funden, er blibet sicherliche ewekliche gevangen des tüfels, des enhilffet ime nieman. — Daz ander zu der Nummer:] 'Cod. 89 u. 91, u» 13'. zu Z. 4ff.:] Eph. 4, 8. in F (0« ff.) fehlen Z. 4—7; dafür v. j. IL: an der vffart tag ein bredige. 9. funfer leige Ol. 10. diser] der Ol. vf fürte F. 15. m. wol i. 88. zwier kvnne F. 16. ang. und m. SF. 17. umbe Ol F, inne S (wol aus der vorigen Zeile). 18. liden iemer on vnderloz n. F. 19. er essen er trinken in sieb vs allen dingen, vil dem F. 22. z. fr. komen u. 91. 24. und vor die f. 88. 91. und vor ie f. F. 26. in dz der v. F. 28. in diseme in bette F. 29. bittet 88, bettete F. 30. dürrekeit F. und lidig /. F. 31. s. und seh. 91. dinne] in diseme 88. 32. e. ein g. 91. 19. Von fünf kuune gevengnisse. 77 gevengnisse ist daz manige lüte, also sü werdent von dem ersten gevengnisse erlöset, von minnen der creaturen in den ussewendigen dingen, so vallent sü in eigene minne ir selbes. Die rainne stet so gerelit und in so grosser billiclieit in in daz daz ein wunder ist. Do enstroffet sü nieman umb, noch oucli sü sicli selber, und hant so schöne mentele und so reliten schönen schin das do 5 : nüt wieder enmag sin, und kumment darzfi das die eigene minne die tut sü daz ire suchen in allen dingen, iren nutz, iren lust, iren trost, ir gemach und ere, und werdent also versuncken in daz ire daz sü in allen dingen, ouch an Gotte, daz ir siichent und anders nüt mit nute. Ouch, waz sol man des alhie vinden, also man in den grünt klimmet! Das nu grosse heilikeit schinet, was 10 valsches grundes sol alhie funden werden! Ouch, wie swerliche sol do zu helfl'ende sin do die lüte mit zartek eit der naturen und mit vernünftiger wisen in den geist kumment, wie swerlich sint die uz dem gefengnisse zu lossende! Wan also man also besessen ist mit der naturen, wer mag do gehelffen? sicher nüt wol ieman denne Got. Es schinet so vil dinges notdurft, und ist die not- 15 dürft so wit, so breit, und duncket man sich so kräng, so zart. Ouch geschieht dicke, daz die ding -benummen werdent oder angestattet werdent, es si daz gemach, der frünt oder daz gut oder die tröstlichen ding, daz man Got dicke let gon mit zornigen worten, mit wereken oder mit unworheit oder mit heime- lichen dingen uz zu rüffende; und so ist der mensche nüt ein mensche, er ist 20 alse ein zornig bunt oder ein reissender wolf. Dis ist ein schedeliche gevengnisse, eigene minne. — Das dritte gevengnisse das ist das gevengnisse der Vernunft. Darin vallent etteliche lüte vil swerlichen, wan als daz in dem geiste solte geborn werden, daz verderbent die lüte domitte das sü domitte flogierent in der Vernunft, es si lere, es si worheit, welicher kunne daz si, daz 25 sü daz verstont und dovon kunnent geredeu und domitte üt schinen und erhöhet werden, unde enbringent es weder zu wereken noch zu lebende. Ouch die minneklichen bilde unsers herren Jesu Cristi die nement sü in vernünftiger, wisen; trügent sü die in das götteliche übernatürliche lieht, do schinent sü ungeliche deme: rehte also ungelicli- daz underscheit were daz ich neme von 30 eime hellte das ein vadem lühten möhte, gegen der cloren sunnen, noch vil miner ist natürlich lieht bi dem göttelichen liebte. Dis underscheit dis götte- lichen liehtes daz sol man bekennen daran: das natürliche lieht daz schinet alles usvvert in hochfart, in eigene behagunge und in rüm der lüte und in 1. sü] siech 91. 4. ouch f. 91. 5. rehte 88. G. kumet F. 8. an] one 91. 9. Ouch aus Och S (ebenso Z. 11 u. 27). 10. n. harte g. F. 11. alhie] al F. 17. bestattet 91, an gestat F, l. an getastet? B. 18. gem. oder fr. F. 19. w. und mit 88. 91, 19 f. heimeliche ding vz rufet vn ist d. F. 20. n. als e. F. 21. 0. als e. 91. reissende F. 22. eigener 91. 26. daz vor verst. f. 91. dovon] do abe F. kvune F. 30. vugeliches F. 34. uf wert F. 78 19. Von fünf könne gevengnisse. urteil ander lüte, ouch so wiset es alles uzwert zu verströwunge der sinne und des gemütes; aber das götteliche lieht, do daz in der worheit ist, daz trucket alles sich nider in den grünt, es wiset sich und duncket sich der minste, der snödeste, der krenkeste, der blindeste; und daz ist wol recht, wan ist üt do, 5 daz ist zümole Gottes; ouch es wiset als innerlich, mit usserlich, es suchet als den indewendigen grünt darus es geborn ist, do ilet es wider in mit aller kraft; als des mensclien tun daz get innerlich noch der wurtzeln do es uz- gesprungen ist, der jaget es wieder in mit allem Hisse. Und herumb ist gros underscheit enzwüsclient den die der geschrift lebent, und in den die alleine sü 10 lesent. Die sü lesent, die wellent gegrösset sin und geeret sin und versmohent die die ir do lebent, die hant sü vor äffen und verkerte lüte und verflüchent und verjagent und verdampnent sü. Und die ir do lebent, die hant sich selber für sünder und erbarment sich über die andern. Und noch ungelicher ir leben ist, noch ungelicher ist ir ende. Die einen die vindent das leben, die andern 15 den ewigen tot. Paulus der sprach: 'die geschrift tötet und der geist machet lebende'. — Das vierde gevengnisse ist süssekeit des geistes; do ane ist manig ewig mensche verirret, das er dem zu verre volgete und sich daran lies un- ordenlichen und daz zu viele süchete und do ane bestirnt, wie es ein gros gut schine daran sich lossen und das mit luste zu besitzen, do behalt die nature 20 daz ire und wurt do lust genommen do man wenet Got nemen. Und daz sol men do ane prüfen, obe es Got oder nature gewesen si, obe der mensche sich vindet ungerüwig und in Unfrieden und in bandekeit, so ime die süssekeit enpfellet und enget, und enkan Gotte also gerne und also getrüwelichen nüt gedienen noch nüt gesin also ob er dis hette, do sol man es bekennen; oder 25 daz daz man es nüt mit Gotte enhatte, ob er ein soliche besitzen hette viertzig jor gehebet und ime denne genomen wurde, noch denne möchte der mensche grösliche vallen; und obe man uf den obersten grot kerne der süssekeit und stunde do inne, dennoch Avil sich es Got beroten obe er in behalten welle oder nüt, und mügent verlorn werden. —■ Daz fünfte gevengnisse ist des 30 eigenen willen, das der mensche sinen willen wil haben ouch an allen gütlichen dingen und an Gotte selber. Wer daz Got in dez menschen willen sesse und in sinem wünsche, das er aller siner gebresten lidig werden möchte und alle fugende und vollekommenheit gewinnen möchte, das schine 1. uf wert F. in zv strowunge F. 2. das gemüte S, dis gemüte F. 3. der minste f. 91. 5. innerlieh] in w't F. usserlich] vz wert F. als] alles 91, f. F. C. dan vz F. 7. innerlich] allez in wert F. 8. allen Hissen F. 11. vor] vür 88' 91. u. für v. 91 F. 12. v'dümSt F. 13. also ungelich 91. 14. das] dis F. 15. Sant P. 88. sprichet F. 15 f. m. daz lehen 91. 21. o. die n. 91. 22. in u.] zv u. F. bankeit F. so] als F. i. denne dise s. 91. 24. es] dis 88. 25. das zweite daz f. 91. ob er] ob man Druck, oder SF. alsolliche F. hette f. 88. 26. gehebet] gewesen F. benome F. 27. der süssekeit F, f. S. 28. e. lihte g. F. müge 88. 29 f. des menschen eigener w. 91. 32. alle 3 sines F. 19. Von fünf kunne gevengnisse. 79 ein torheit obe ich des mit enwolte oder enneme. Aber ich han mich bas beroten obe ich den willen und den wünsch mit Gotte möhte haben, so wolte ich sprechen: 'nein, herre, mit min gnoden oder goben oder wille, sunder, herre, wie du wilt, herre, so nim ich es oder so ml ich es, oder enwoltest du es mit, so wil ich es in dinem willen enbern und darben'. Also 5 darbende und enberende in rechter gelossenheit het man me und wimet man me danne nemmende und habende in eigen willen. Alles daz der mensche möhte haben in eigen willen, es si Got oder creature, do ist ime unzellicher vil nutzer ein willig demutig darben desselben und alles habendes in rechter gelossenheit und in uzgon dins willen in gelossenheit. Und darumb hette ich 10 vil lieber einen gerechten gelossen menschen mit minre wercken und minre scliine, denne ein vil hohen menschen in wercken und in schine mit vil grossen bilden, und wer minre gelossen. — Do unser herre bi sinen jungern waz, do minneten sü so wunderlichen sine menscheit daz sü mit zu der gotheit gelangen kundent vor der minnen der menscheit. Do sprach er: 'es ist üch 15! nütze das ich von lieh vare, oder der heilige geist, der tröster, enmag lieh mit werden'. Do müstent sü noch do beiten viertzig tage e er zu himel für, das er alles ir gemüte mit ime fürte und himmelsch mähte, und darnoch beiten zehen tage e danne in der heilige geist wurde gesant, der gewore. troster. Daz in woren tage, daz sint uns jore; wanne sü das fundamente soltent sin, des wart 20 ir frist kurtz, also ein tag vor ein jor. Der mensche tu was er tu und lege es an wie er welle, er enkummet niemer zu worein friden noch enwurt niemer ein wesenlich himmelsch mensche, es ensi denne daz der mensche kumme an sine viertzig jor. Es ist so maniger kummer mit dem menschen, und tribet in die nature nu har nu dar, und ist manigerleige daz die nature dicke do 25 regnieret, do man wen et das es zümole Got si, und kan der mensche nüt so zu worein vollekomenen frieden kmnmen noch zümole himelsch werden, e der zit. Danne sol der mensche zehen jor beiten hernoch e im der heilige geist, der tröster, in der worheit werde, der geist der alle ding leret, also die jungern zehen tage müstent beiten, noch dem das alle die bereitunge lebendes und 30 lidendes und alle ding gelossen worent von in und das sü die allerhöhsten bereitungen hatten, daz sü den gelossen hattent den sü über alle ding minnetent und durch den daz sü alle ding gelossen hattent und er alle iren geist und ir hertze, ir minne mit ime hatte zümole gefürt in den himmel und 2. die welle F. wünsche F. 3. willen F. 4. oder so wil ich es 91 F, f. S. 5. umb dinen 91. und] oder 91. 6.' minnet SF, nimet 91. 8. gehaben manige w. F. unzellich 91, vnzellichen F. 11 f. u. mit miureme seh. 91. 12. grosser F. 14. sie in so w. sine m. F. lif. s. z. d. g. nüt gel. F. 17. füre F. 18. d. beitetent sü z. 91. 19/: D. in in w. F. 20. s. in vns F. 21. vor] vür 88. 91 F. 23. denne f. F. 24. Es] • e • F. 25. manig' künne F. 27. volkomen 88. 29. worde F. 30. d. denne d. 91. 32. bereitunge F. 83. daz f. 88. 80 19. Von fünf kunne gevengnisse. alle ir meinunge, ir minne, ir liertze, ir sele alzümole in ime und mit ime in dem himmel waz. Nach aller diser beitunge und edeler wisunge müstent sü dennoch zehen tage beiten e denne sü den heiligen geist enpfiengent. Sü worent ingeslossen und versamment und vereinet und beiten. Also müs der 5 mensche tun, noch dan das er ist in ein gesastekeit kummen an sine viertzig jor und himmelsch und göttelich worden ist und naturen ettelicher mossen üb er kummen ist, noch dan gehöret do zehen jor darzü, das der mensche kummen ist an sine fünfzig jor, e danne ime der heiige geist in der höhsten und in der edelsten wisen werde, der heiige geist, der alle worheit leret in den 10 zehen joren, do der mensche kummen ist in ein göttelich leben und die nature überwunden ist, denne in den zehen joren sol der mensche haben eine inker und ein insincken, ein insmeltzen in daz luter götteliche einveltige inde- wendige gilt, do daz edele indewendige fünkelin hat ein gelich widertragen und ein gelich widerfliesscn in sinen Ursprung do es usgeflossen ist. Do der 15 wiederflus rechte geschult, do wirrt alle schulde gentzlich bezalt, jo und wer ir also vil also alle menschen ie schuldig wurdent von dem beginne der weite, und alle genode und alle selikeit wirrt dovon ingegossen, und wurt der mensche ein göttelich mensche, und dis sint die sülen der weite und der heiligen kirchen. 20 20. Do der minnecliche. Die dirte uzlegunge von der uffart seit wie der mensche Cristo stete- kliche nochvolgen sol, also er uns vorgegangen ist drü und drissig jor durch manigvaltig gros liden, ebe er wider zu dem vatter kummen möhte. Do der minnekliche Cristus uf dem berge Oliveti mit sinen geminneten 25 jungern gessen hette und er sü gescholten hatte uinb daz sü also lange bi ime gewesen worent und noch also herte woren zu gelobende, und er von in uffür in den himmel irs angesilites, o kinder, wie wenent ir das der gienre hertze die in so wunderlichen minneten, in seilendem jomer noch füren, wanne 2. Leitungen F. 4. beitende 91. 5. tun f. F. d. so e. 91. gesasckeit F. G. u. der n. 91. 7. gehorent 91. do die z. F. das f. SF; in S am Bande:] ' Cod. 88, heigeschr.: das'. 8. kummen ist] kumet 91 F. 10. so F. göttelich] himelsch F. 12. ins. und e. 91. 14. und] in F. 17. und vor alle g. /'. F. alle vor sei. f. 88. 18. süle F. zu der Nummer:} ' Cod. 89 u. 91, n° W. zu Z. 20:] 'Marc. 16,19'. In F (73«) am Band v.j. H.: dife bredige liffet man an der vff fart tag. Die Inhaltsangabe (Z. 3—5) f. F. 24. m. unser herre Jbesus 91. 25. gegessen 91. 26. und —gelobende (ivofür Zusatz am Band: und nit hottent gegloubent) f. 88. 27. o] 0'ch F. 28. füre F. 20. Do der mimiecliche. 81 wo din schätz ist, do ist oucli diu liertze. Hie mit diser minneclicher vart so wil er relite noch ime zihen sinre fründe hertze und sinne und krefte inde- wendig und ussewendig, daz wir nimmerme merrens oder wonens mit lust oder genügede haben in der zit, danne daz alle ire wandelunge si in den himmeln, minne, meinunge, genügede und trost. Lieben kinder, wie möhte daz iemer 5 minner gesin, die gelieder volgetent irme houbete, daz hüte ufgevarn ist und ist uns vorgegangen uns die stat bereiten ime nochzüvolgende, und daz Wir sprechent mit der brut in der minnen buche: 'trahe ine post te, züch mich nach dir'. Ouch, minneclichen kinder, wer mag uns des hindern daz wir unserme minneclichen houbete nüt on underlos envolgent? Wanne rehte also io er oucli sprach: 'ich gan zu uwerme vatter und mime vatter', sin grünt und sin ende und selikeit und unser selikeit ist rechte ein selikeit in ime; wir sint uz dem selben gründe heruzgeflossen, und mit allem dem daz wir sint, so gehörent wir rechte in das selbe ende und wider in den selben grünt. — Lieben kint, uu sehent wir daz er uns vorgangen ist in die selikeit, und wellen wir 15 ime nochvolgen, so müssent wir och den weg mercken den er drü und drissig jor uns bewiset het in eilende, in armüte, in bitterkeit über die masse., und müssent rehte den selben weg noch gon, wellent wir mit ime kummen über alle himmele. Obe alle meister tot werent und alle buch verbrant. werent, so vindent wir an sime heilige lebende iemer lere genüg, wan er selber ist der 20 weg und kein ander; gon wir ime noch und kumment ouch zu dem minneclichen ende dar er uns nu vorgegangen ist, mit aller unser kraft, Eechte als der agestein der zühet noch ime daz isen, also zühet der minnecliche Cristus nach ime alle hertzen die von ime ie berürt wurdent; alse dis isen von dem steine wurt berürt mit sinre kraft, so hebet es sich uf über sin natürlich art 25 jxnd get zu berge dem steine noch, wie es sin art mit enist, so rastet es nüt. in ime selber, es kumme über sich. Kinder, also alle die gründe die von dem agesteine Cristo ie berürt wurdent, die enbehebet noch liep noc h leit, sü kumment über sichanin^sü vergessent alle irre eigen nature und volgent diseme, und also vil also sü edellicher berürt sint, also vil volgent sü luter- 30 lieber und werlicher und bioslicher und öch lichtlicher. — Hie mereke menglich uf sich selber, ob er von Gotte berürt si oder mit, wan alle die dis nüt ensint, die vohent dicke vil schöne an, das man wenet es sülle gros ding derus 1. din] der F. diu] daz F. 2. z. aller s. F. 4. geuvgete in h. F. ire] Unser 91 F. 5. miue meiüge g. frövde t. F. daz] des F. 6. miuner] anders Druck. 7. uns] und uns S, f. Bruclc. 8. trahe —te f. 88. ü. kinder /'. F. des] dis F. 11. und —vatter f- F. 18. den] deme 91. 20. vünden F. 21. n. so k. wir 0. 88. 22. krafte rehte. also F. 24. a. die h. F. dis SF, daz 88. 27. enküme F. 27 f. v. diseme a. ie F. 28. enbehelt F, enhebet 88. noch F, und S. 29. enkümen F. k. denne ü. 88. al le f. F. eigire F. und (vor volgent) f. F. 31. öch f. 91. 31 f. H. prüfe m. sich b- 0. F. 33. schöne] schöner dinge 91. Deutaohe Tcxto des Mittelalters XI. 6 82 20. Do der rainnecliche. werden, und e man es wenet, so wurt nüt darus, sä sigent darnieder vil schiere und stürtzen uf ir alte gewonheit und uf lust der naturen; sü tünt rechte also die unnützen hunde tünt, so man jaget, die enwissent nüt von dem edeln wilde, dann sü löffent vaste den edeln winden noch, och und blibent 5 sü bi dem louffe, sicher sü ervolgetent ouch mit in, nein mit, danne des stüdelins mag gar lichte sin do sü an sument oder do sü blibent kleben, und lossent die jene für sich louffen und sü blibent; aber die edeln hunde die daz wilde gespüret haben!, die gont durch für, durch wasser, durch spies, durch sper und durch alle ding bitz sü es ervolgent. Also tünt dise edeln menschen, 10 die dis edeln lutern gutes gewar sin t worden, die volgent und ervolgent es; die andern verblibent gentzlicli, und alle die hie verblibent, die müssent eweklich verbliben, also lange also Got ewig ist. — Kinder, die sache daz man nüt berürt enist, des endarf man Gotte keine schulde nüt geben, also die lüte dicke blintliche sprechent: 'Got enrürt mich noch entribet mich nüt also ander 15 lüte'. Got rürt und tribet und manet und gert alle menschen gelich und wil alle m enschen gliche, sunder sin rüren und sin manen und sine goben die werdent._v.il ungelich enpfangen und genummen. So Got mit sinen berürungen und mit sinen goben kummet zu vil menschen, so vindet er die stat bekümbert und vindet ander geste do und müs widerkeren und enmag nüt in, wir minnent 20 und meinent andei's; des müssent sine goben, die er sunder underlos eime ieg- lichen menschen erbütet, do ussen bliben; dis ist die sache unsers ewigen schaden und verblibens, die ist unser und Götz nüt. Also vil itelre unmüssen machen wir und hant -wir daz wir unser selbes und Götz nüt wamement und tünt unsern unsprechenlichen schaden; daz enmügent wir nüt erwenden 25 denne mit eime geswinden dappferen ernste und mit hertzelichem innigem steten gebette, domitte wir dis unverbliben ervolgent, und anders nüt, und ein minneklich getruwen der grundelosen barmhertzekeit Gottes, an der das alles lit, und ein flissig und getrüwelich anhangen sunder mittel. — Kinder, die stat do der minnecliche Cristus uffür, die waz zu Oliveti, und heisset ein berg 30 drijer Hellte. Das eine das waz von der sunnen, wan der berg ist hoch und stet engegen der sunnen, und wanne die sunne von dannen gieng, so wart er erlühtet von dem liehte des tempels. Und uf dem berge wesenlich so wühs 3. zu unnützen:] 'die unnützen fehlt, sieht hinter tunt' [88]. hunde] ieger F. 3 f. in wisent v. d. e. w. nvt F. 5. sü ervolgetent 8, so ervolgete sv F. daime] wan 91. 6. zu sü (vor an):] 'Cod. 88, beujeschr.: sich'. 7. jene] andern 91. 11. a. die v. F. 15. tr. v. r. v. m. F. gert] get F. 15 f. und wil —gliche /: 88. F. 20. mvs s. gäbe F. s. alle u. 91 F. 21. do ussen] in busen 91 F. blibet F. ewigen f. F. 22. u. ouch v. 91. vnsers selbes, vnd F. 23. und hant wir 88. 91 F, f. S. 21. vnß Druck vnspr. ewigen ach. F. erwenden] verwinen F. 25. innigendem 91. 26. dis fürblibe F. 27 f. an d' da eil [dieses en auf Itasur] gelit; dazu mit Verw.-Zeichen am Band v. j. H.: nvt an F. 28. an] ein Druck, trüwelich; davor v. j. H. ge ergänzt F. 29. die] daz F. 30. ist] was 91 F. 31. engegen] in gen F. 20. Do der mirmecliche. 83 die materie des liehtes, dis oley. Kurtzlich, die sele do Gfot iinie wunnenclich uf sol varen, die müs ein berg sin und müs in uns erhaben sin über dise nidern vergenglichen ding, und sin enpfenglich drier Hellte, das sü stat gebe in ir daz die heilige hoche drivaltikeit in sü lühten müge und ir werk in ir gewurken möge nach allem irem willen, daz der gotvar schin in sü gefliessen 5 möge. — Diser berg lag zwüschent Jherusalem und Betaniam. Kinder, wer Cristus wil nachvolgen, der mus uf den berg klimmen. Es ist kein berg so wunnesam noch so schöne, es si doch erbeitsam druf klimmen; also, kinder, AVer Cristus nachvolgen wil, der müs der natural urlop geben. Diser lüte vindet man vil die ime gerne volgetent one pin und sunder alle erbeit, daz es 10 in mit sure enwurde, und werent gerne uf dem berge also verre er zu Jherusalem ist, das 'ein friden' meint, und dieselben lüte werdent in in gewar friden und fröden und trostes; mer do enwürt nüt us, sü habent denne ouch die ander site die gegen Betanien lit, daz sprichet also vil alse 'ein pinlicheit, ein gehorsam und ein lidunge'. Von diseme sprach der prophete in dem salter: 15 'disposuit in vallc lacrimarum; er hat gesät sine stat in dem tal der trehene'. Wissent das, kinder, so wer sinen stat herin nüt ensetzet, der verhübet, und us demme enwurt niemer nüt, wie schöne der friede ouch schine, es müs verhüben. Der mensche sol haben einen seilenden jomer noch sime geininiieten, der ime so hoch und so verre entvaren ist und also zümole 20 unbekant und verborgen ist, und so der grünt ie werlicher und gründlicher berürt ist, so dis tal der trehenen ie eigenlicher do ist an einre siten, und enwer es nüt nie, so wers wol not umb die sünde und der unflat der in der leiden naturen ist, do er so dicke von gehindert wurt so maniger edelre kere die sunder undeiios soltent und möhtent sin, und nianig minneklich uftragen 25 in dem er Grotte alle ding on underlos solte uftragen, do in die nature so gröblich an hindert; und daz sü so verbörgenlich regnieret, do es Got on underlos solte sin und anders nüt, dis ist die site gegen Betanien. Kinder, der dis war in ime neme, er verfiüsse nüt zümole; zu Jherusalem alleine wer wol sin gros trost und gesmack und gevallen; das ist do zu gut daz der mensche 30 mitte gestercket werde das er dis we, den jomer deste bas erliden möge, daz er nüt zu kräng in dem liden und dem eilende werde und nüt erlige, also er von Gotte gelossen ist und ungetröstet ist und in grosser bitterkeit ist. Also sprach der wise man: 'in den bösen tagen so soltu der guten tage nüt 4. gelühte F. C. b. der 1. F. in tutsche ih [.'] F. so w' F (so öfter). 8. ensi F. 11 /'■ v. als e. z. J. als v're es sehe, daz ein f. F. 13. fride vn tr. vn fr. F. denne f. F. 14. s. die zv betanien wert sint. Daz lut also vil F. 15. sp. wol d. F. 16. disposuit — lacrimarum f. 88. 17. so wer daz sine st. F. 23. den unfl. Druck. 24. ist] lit F. 25. mShten. vnd gölten F. manches liebliches Druck. 27. verb. da r. F. got 8F, gottes 91. 28. s. zv betanie wert F. 29. verslüffe F. ir'l'm daz es a. w. w. F. 30. smag. vil gevollen F. SO f. m. da m. F. 32. werde f. F. 34. tage f. 91. 6* 84 20. Do der minnecliche. vergessen'. Dise siten, Jherusalem und Betanien, die müssen alle beide in einander sin. — Jherusalem waz und lieisset eine stat des friden. Do in der selben stat do wart Cristus getötet und müste manige martel liden in der stat des friden. Entruwen, kint, du müst ouch in dem friden sterben des dinen 5 und tragen in dime Gotte uf, und verlouckene des dinen do an, du müst ouch herus under die bösen Juden, die süllent dich geischlen und vertümen und dich zu velde bringen, also du ein valscher mensche sist, und alles din leben verurteilen und in allen hertzen töten. Liebes kint, du müst sterben, sol der minnecliche Got diu leben one mittel werden und din wesen werden. Eya, 10 und also Cristus sprach: 'die ücli tötent, die duncket des daz sü Gotte einen dienst daran tünt'. 0 wie wer dem menschen denne so wol geschehen das er denne in Jherusalem wonete und het friden in unfriden, do wurt der wore friden wesenlich und wurde recht geborn. — Kinder, uf disem berge Oliveti do wahsse/ das oley uffe. Bi dem oleije verstat man wore andaht. Kinder, 15 wesenliche andaht das ist ein gemütlich anhangen Gottes mit einem bereiten gemüte, minnen und meinen alles daz Gotte zügehöret, und das man sich innerlich Gotte verbunden habe und welle und meinen in allen dingen. Dis ist ein oley daz ufswimmet und überget smacken und bevinden. Hastu dis, so bistu andechtig in der worheit in dem gründe. Mer dis werg der andacht das 20 ist daz der grünt mit minnen und mit hisse werde dicke erfrischet und ernuwet und angesehen weles der grünt der meinungen in allen wisen unde werken si, daz sich mit valsches dorin verberge und do nature würcke do man wenet daz es alles Got si, das leider der mensche dicke Got luter nüt enmeinet, sunder sich selber oder üt des sinen, es si süssekeit oder selikeit. 25 Das wir nu alle mit unserme herren ufvarent, das wir in ewekliche gebruchent, des helffe uns Got. Amen. 1. in SF, bi 88. 5. zu in.'] 'Coä.S8, corrig.: dich'. verlouckenen F. 7. al F. 10. und (vor also) /'. 88. sprach f. F. t. Sv fvllet des dünken daz F. 11. daran f. F. 12. dan in in iher. F. geware F. 14. wahssent S; dazu: 'Cod. 88, ausgestrichen' [das n]. Vf. der ol. F. nimet in. F. 16. und (vor das) f. F. 17. willen F. und (vor meinen) f. 88. 91; zu streichen? oder zu lesen: und welle in meinen.'' Der Druck liest: verbunden h. in willen, in meinen, vnd in allen dingen. 18. bevinden] voilin F. 19. bistu nie a. F. 20. der] diser F. 24. sinen] sins F. 25. vf varen nv. daz F. 26. des —Got f. F. 21. Fride in unfriden. 85 21. Die vierde uzlegunge von der uffart leret uns suchen friden in unfriden, fröide in trurikeite und trost in bitterkeite, und Gottes gezüge sin mit lebende und mit nochvolgende, und sin verjelien nüt alleine in luste und tröste, sunder oucli in widerwertikeite und in lidende. Dis ist Jliesus, der von rieh genummen ist in den himmel wart. Nieman 5 kummet in den himmel dan der von himmel kummen ist, daz ist Cristus, also daz ewangelium sprach. Lieben kinder, alle die wile daz unser höbet ist uf- gevarn, so ist das zimmeliche rede daz die gelieder nochvarent irme houbte und enkeinen trost noch enthalt ennemen in diser weite, denne ime volgen mit minnen und mit meinunge, und das sü den weg gont den er so werlich 10 gegangen hat; wanne also muste Cristus liden und komen also in sin ere. Dem minneklichen hertzogen süllent wir nochvolgen, der uns die banier vorgetragen hat; und neme ieder mensche sin erütze und volge ime, so kummet er do er ist. Und ir sehent wol daz manig mensche der weite volget umb üppige ere unt tröstet sich libes, gemaches und heimütes und fründe, und vert in strit 15 nnde umbe gut gewinnen; so müs man oucli billich ein gantz getrösten tun umbe daz luter gut das Got heisset und ist, und volgen unserme minnenclichen höbete. Es ist enkein glide an demme lichamen, es werde mit dem houbte vereinet; und enpfohet es nüt einen steten influs von dem höbete, es verfulte und verdürbe, und man müste es kürtzlich abehöwen. — Unser herre sprach zu 20 sinen jungern: ( ir süllent min gezüg sin in Judeam, in Jherusalem und zu Samarien bitze an daz ende der weite'. Jherusalem was eine stat des friden und ouch eine stat des unfriden, wan Cristus do so unmessekliche leit und bitterlichen starp. Kinder, in diser stat süllent wir sin gezüg sin, und nüt mit den Worten, sunder in der worheit, mit lebende und mit nochvolgende noch 25 unserre mäht. Vil menschen werent gerne Gottes gezüg in dem friden, das in alle ding noch willen giengent, und werent gerne heilig, das es in nüt sur en- wurde an Übungen unde an arbeit, und smacketent gerne und woltent und bekantent gerne one alle bitterkeit und one arbeit und one untrost. Und also in kumment stareke bekorungen und vinsternisse, und Got nüt voelen noch en- 30 smackent und alsus gelossen sint indewendig und ussewendig, so kerent sü wider und ensint do nüt wore gezüg. Alle menschen süchent friden und suchent in allen stetten, in werken und in wisen, friden. 0 kundent wir disem entpfallen zu der Nummer:] ' Cod. 80 u. 91, W> lö\ zu Z.5: Act. 1,11. in F (8'3") fehlen Z. 1—5; dafür v.j. H. : an der vff fart tag liff diife bredige. 5. g. ist i. d. h. wart F, g. i. d. h. vart S. 6- der der v. F. v. deine h. 91. 7. ist 91 F, f. S. 10. so sw'liche F. 12. baner 58. «■ üppige] itel F. 15. getrost F. 16. darumb das er zeytlich ere vnnd gut gewinnen möcht Brück 19. zu enpfohet:] 'Cod. 88, corrig.: enpfinge'. 25/'. noch (vor uns.) f. 91. -7. n . irme w. 91, zu w. F. 28. zu an (vor arb.):] 'Cod. 88, corrig.: on'. 29 f. vn an arke F; dann an gestr. und am Hand, mit Veno.-Zeichen, v. j. II.: wenne die; ebenso nach »ekorunge; kvment. 30. nüt] noch F. fuelent 88, volen F. 32. gezugen 91. 86 21. Fride in unfriden. und suchetent fride in Unfrieden (do wurt alleine gewar friede geborn, der blibende und werende were; was du anders suchest, du irrest, du ennemest sin wol war) und in trurikeit fröide und in unfriden friden, in raanigvaltikeit einvaliilceii', in bitterkeit trost; also wurt man Gottes gezüg in der worlieit. 5 Er sprach sinen jungern alles friden vor sime tode und ouch noch siner ur- stende als friden, und sü gewunnent doch nie frieden ussewendig, sunder sti nament fride in unfride und in liebe leit, und in dem tode nament sii daz leben und einen frölichen sig, also man sü vor gefragete und verurteilte und verdümete. Dis warent die waren gezüge. Ja es sint vil menschen die also 10 sint gewesen durchflössen mit süssekeit durch ir lip und durch ire sele, ich han ir bekant, und gieng in relite durch marg und durch ädern; und so dan daz liden und daz vinsternisse kam und sü gelossen worent indewenclig und ussewendig, so enwüstent sü nüt wo sü hin soltent, und verblibent zümole, und enwart mit drus. Also die gruwelichen Sturmwinde koment und so stiessent 15 indewendige gelossenheit und ussewendige bekorunge von der weite und von dem fleische und von dem viande, der dis durchbreche, der funde wesenlicher fride den ime nieman genemmen möhte. Wer disen weg nüt enget, der verhübet und bevindet meiner rechten frieden. Dis sint die wesenlichen gezüge Cristi. — 'Ir süllent ouch sin min gezüg in Judeam.' Judea sprichet also vil 20 also 'Got begeben' oder 'Got loben'. Hie süllent wir och Götz gezüge sin, daz wir in allen werken und wisen und meinungen Götz verjehent. Dis ensol nüt sin alleine so dir es wol get und voelet und smackent in gevöllet; jo so danket soliche lüte daz sü danne sere wol Götz verjehen, bekennen und minnent so es in noch irme willen get; aber also die gruwelichen anstösse kumment, so en- 25 wissent sü nüt womitte sü umbgegangen hant und wo sü dran sint, so daz liden kummet. Die gehurt die wiset sich do wo der grünt ire verjehunge heruskam; daz enwas nüt wesenliche Got, sunder ir gefulen das waz ein kräng fundamente und ein risende sant; sunder die Gottes gezüge sint in der worheit, die gestont wol in liebe, in leide uf Gotte und in sime willen sunder 30 wang, er gebe, er neme. St* ensint ouch nüt enthalten uf iren eigenen uf- setzen; so es in domitte wol zu banden get und sü grosse ding duncket, wie sü die wol vermügent und tunt, do buwent sü sere uf, rehte also ir tun get; was si J daruf dis haltest, _das brichet Got dicke von grosser truwen, und geschult dicke 2. der F, die S; dazu:] 'Cod. 88, corrig.: der'. 3. und in unfr. fr. zu streichen (vgl. Z. 1)? 4. einvaltikeit /'. SF (ergänzt von B). 6. als] alles F. 7. liebe leit 88. 91 F, 1. und leit S. 8. einen] disen 91. einen fr. s.] frövde sig F. fragete 88. 10. und f. 91. 11. ir SF, sü 91. 13. w. s. h. s.] wa hin F. 14. giweliche starke st. F. so] sü 91, si F. 20. begegen S, beiehen 88. och. f. 88. 21. vergen F. 22. so (vor dir)] also F. es dir 88. fuelet 88 (= das Gefühl). sm. noch i. geuöllet F. 23. v. und b. S8. 25. umbegangen SS. so] als F. 27. gevSlen 88. 28. ridende F. 29. wol Stent F. 30. od' n. F. sü 88, si F, So S. 31. wie f. F. 32. die /'. F. und] oder F. darauff bauwen sy doch nitt seer Druck. 32 f. g. swas si. dis enthalt, daz F. si f. S. 33. haltet S. 21. Pride in unfriden. 87 das der mensche nüt vermag; wachete er gerne, so müs er sloffen sunder sinen willen; vastet er gerne, so müs er essen; und so er-gerne in stille und in raste were, so müs er anders sin, umb das ime alles enthalt gebrochen Averde und uf sin blos luter niht gewiset werde und uf Got wesenlichen hübe und sin vergehen alleine in einte simpellen ejnveltigen gelouben unde enthalt 5 von nichte nüt nie. Wan also weltliche lüte und sündige menschen verblibent in gelücke der sinne, in gute und in eren, also verblibent die lüte in eigenre genügede, es si in wirkender oder in smackender wisen, und entvallent eime einvaltigen gruntlich uf Got sich lossen und wareme armüte irs geistes in Gottes Avillen. — Es sprich et ouch Judea also vil also 'Got loben'. Künde der 10 mensche den weg geroten daz er Got lobete umb alle ding, wie alle ding -gevielent ussewendig oder indewendig, mit ime oder wieder in, so het er wol geroten. Ouch kinder, das er alle ding mit dangnemekeit Gotte wieder uf- irüge, daz wer ein sicher und ein war gezüg. Trage es rehte wieder in den grünt do es usgeflossen ist, und merre du niht uf nichte, sunder flüs selbe mit 15 in mit allen dingen. Do wurt der wore lop Gottes geborn und bringet in der worheit fruht in (lerne gründe; do ist der blume und die fruht ein, do Got ist und Gotte daz lit in dem Hellte. Dar trag din ufvelle und din invelle, was es ist und wo es her kummet, oppfers ime wider uf und dich domitte. ■— Er sprach ouch: 'zu Samariam süllent ir sin min gezüg'. Samarien sprichet also vil also 20 'ein vereinunge mit Gotte'. Da ist daz allenvareste sicherste gezüg, do man Gotte vereinet ist in der worheit. Do entwüschet der geist ime selber und allen creaturen, wan in Götz einikeit do verlüret man alle manigvaltekeit und wurt do erhaben über manigvaltikeit. Do in disem gezüge so werdent die pbersten krefte ufgefürt in den hinunel, do der heiige Got vereinet ist und do 25 SÜ ire selikeit inne enpfindent und do sü Götz gebruclient in der worheit, und su - zielient die nidersten krefte noch in also verre also in daz mügelich ist; danne in disem mag der mensche vergen und endarf nüt me denne Got loben aller der minneklicher sunderlichen goben die der herre mit ime getan hat, Wanne er bekennet sü in Gotte und ennimmet er sich zümole nüt an. Dar- 30 nach so wurt er-gefürt in den andern himmel, in daz gotteliche wesen; do verlüret der geist so gar in dem himmele daz er sich selber do ve rlüret alzümole, und do versincket er. Wie es ime do get und was er do bevint und smacket und gefület, dannanvon enkan nieman gesprochen noch gedencken I . 1. enmag F. 2. in st,] stillen F. 3. raste wcrest F. nrastn vil a. s. vnd mvs alles sin tun ein anders sin vmbe F. 4. luter blos 88. werde F, werden S (aber n fiestr. und dann wieder ergänzt). 5. s. veriehen 88, s. v'ge F, sich . . versenek Druck. «gevaltene F. enhalte SS, halten Druck. 6. also, also w. F. 7. gelüste" F. 14. ein (vor war) f. F. IC. geware F. 17. do ist got 88 F. 18. gotte (glitte F) daz lieht SF, S- d. beht SS, l. Got daz lieht? 21. daz SF, der 91, 21 f. do mitte got v. 91. 24. do mi t e. 91. gezugnisse 91. 28 f. n. me Ionen a. 91 F. 30. vB der [dieses Wort ühergeschr.] m mmet F. 32. also g. F. 33. e. mit i. F. 34. dan ahe F. öö 21. Fride in unfriden. noch verstau; und wie solt das ieraan mügen verston oder gewissen? Der geist enweis es selber nüt, wanne er ist also versmoltzen in das götteliche abgrunde das er nüt enweis, enfület noch ensmacket dan einen einigen Intern blossen einvaltigen Got. Darnoch so sieht der geist herwieder verre in den 5 allertieffesten grünt der allerniedersten flbunge die er ie geübete, obe ime do üt entbliben si daz das vol mäht werden und wieder anderwerbe geborn werde und erfrischet werde. Und alsus so hanget rechte der mensche enzwüschent himmel und erden: mit sinen übersten kreften so ist er erhaben über sich selber und über alle ding und wonet in Gotte, aber mit sinen nidersten 10 kreften so ist er verdunst under alle ding in den grünt der demütekeit und ist rechte also ein anhabende mensche, in der allerniedersten übunge kan er sich halten, do er es zu dem aller ersten begunde, und verkleinet kein ding, wie snöde es ouch si, und het in eime ieglichem gewaren frieden; und alsus ist er ein wesenlich gezüg unsers herren, das er der ist der von dem himmel 15 kummen ist nider, wider in den himmel gevarn ist und über alle himmele. Und alle die die dar iemer kummen wellent, die müssent mit ime vereint werden und in ime und mit ieme und durch in dar kummen. Kinder, der disen weg gienge, der ginge gewerlichen und sicherlichen und gienge nüt irre, noch enwurde nüt von irrender conciencien, noch engewuune nüt rasende 20 höbet, noch benement uns nüt also vil zit mit fragende mit iren irre« sinnen. Das uns dis allen geschehe, des helfe uns der ewige Got. Amen. 22. In diebus Ulis reversi sunt apostoli ad montem qui vocatur. Du fünfte uzlegunge von der uffart seit von dem nutze der demütikeit, wie sü übertriffet gehorsame und gerehtekeit, also bezeichent ist bi sanete 25 Mathise, uf den das los viel von siner kleinheit wegen, und nüt uffe Joseph, wie doch er gereht und gehorsam was. Die jungern unsers herren do die wieder gingent von Jherusalem an den berg Oliveti, der do was bi Jherusalem, unde giengent in das cenaculum, 1. m. getün verst. F. wissen 91. 4. h. v. her nider i. F. 5. die] so 91. 6. molite 91, mag F. 8. sinen] den (nachtr. iibergeschr.) F. obersten 88, obersten 91. 10. v'dust F, verdruckt Bruch. 13. sn. daz e. F. ieklicheme in gewareme fride F. 15. her nider und w. 88. 91. 17. und m. i. f. 91. der] wer, nachtr. am Band mit Veno.-Zeichen v. j. H. eingetr. F. 19. rasende] ein ödes 91. 20. benement S, enbenement 88, enbeneme F, enbenemc 91. irre S. zu der Nummer:] 'Cod. 89 u. 91, n° 16'. zu Z. 22:] 'Act. 1,12—26'. 27 f. zu an den b.:] 'Cod. 88, corrig.: von dem berg'. Die Vulgata liest: reversi sunt Jerosolymam a monte; doch darf hier nicht geändert werden; vgl. 89,13 ff. 22. In diebus illis reyersi sunt apostoli. 89 und Petrus stunt uf enmitten den jungem und sprach von dem der abgevallen was, so solte man einen andern an sine stat setzen; unde würdent dozü zwene gesät, der eine Ines Joseph Justus, und was Barrabas sun, der ander waz Mathias; under disen zwein solte man einen welen, der die grosse edel stat solte halten do Judas abgevallen was, das er solte sin der gezüg Jhesu Cristi. — 5 Nu merkent hie, vil lieben kinder, die jungem die koment von Jherusalem. Das waz, also wir dise tage gesprochen hant, ein stat des rechten friden und och des unfriden; wan nieman kummet zu worem friden, er ensi in disen zwein wisen, das ist daz er habe fride in unfriden und in leide liep und lere in darbende haben. Nu dise jungern wieder gingent in dem berge Oliveti; von 10 der eigenschaft des nammen daz seite ich diser tage mer. Nu merckent, sü gingent uf den berg. Der mensche müs von not ufgon mit allen sinen kreften und sime gemüte in die hocheit der ewikeit über alle dise nidern geschaffenen ding und lassen hie nidennan alle ding, also Abraham tet, er lies hie nidennan den esel und den knecht do er Gotte oppfern wolte, und er und sin sun die 15 giengent uf daz gebirge. Disen ufgang den leit der wille, wanne der mag rechte gebieten allen den kreften, also ein fürste gehütet in sime lande und ein wurt in sime huse. Diser fürste der sol den menschen allezit uftriben über alle dise ding. Dise gingent ouch in das cenaculum; daz sprichet also vil also 'ein essehus'; cena daz ist also vil gesprochen also 'ein abunt 20 wurtschaft'. Nach dem abuntessende envolget keine wurtschaft nie noch nüt arbeitendes eigenlichen, sunder rasten. Und ist sere zu merkende warumb daz sü in dem huse worent. Also daz gemüte und krefte süllent rasten und ir ende setzen in wesenlicher und in würklicher wisen in dem do alle ding inne endent und do enkein widerwertikeit noch arbeit enget, wanne in diseme ist 25 ewige raste. Wer sine meinunge in dem gründe innerlich uf üt anders richtet u nd üt meinet, der enmeint daz luter gut das Got ist, nüt und enist nüt in worer wartunge und bereitunge des heiligen geistes. — Nu also man ist in dem cenaculum, do stat uf Petrus. Petrus betütet also vil also 'ein bekenner'. Diser wolte einen woren gezügen setzen an die stat dovon Judas gevallen 30 was. Judas was ein diep und ein verreter; dis bedros Petrus den bekenner, und wolte einen andern vor in setzen, do er abegevallen waz. Diser Judas der ist in uns, das ist die leide annemlicheit, die stilt und verratet alles das gut daz Got von frier luterre gute würeket in dem menschen. Des nimmet sich Judas in uns an zu unrehte, als es dez sinen si und er üt darzü geton habe; 35 1. e. under d. Ol. 3. zu Barrabas:] 'Ib. corrUßrt: Barsabaa' [88]. 5. g. unsers denT J ' 91 ' 8 ' e " denne *" 9L 9 ' leme Dmch 10 - zu in; ] ' C ° l1 88 > eorng.: von' S. n berg Ol. 13. j u d i e ] un d s. 15. die f. 88. 22. sunderlieben 91. 23. und] in S; Ol V A ^ 88 ' COrri ' J - : U11(1 '' ^ d ° 91 ' ' ,aS ^ 25 - in ^ et 88 > ln & at 9L 30 ' an dle S8 - , on der S. dovon] von der 91. 31. m bedros] 'Cod. 88, corrig.: verdros' S, verdros Ol, **■ für 88. 91. 33. die 88, der S {zweimal). 90 22. In diebus illis reversi sunt apostoli. dis bedrüsset das bekentnisse und wil einen andern an des diebes stat setzen. Hie wart ein los geworffen uf zwen; der eine was Joseph, der ander was Mathias. Joseph der hies 'der gerechte', und er waz es och an der worheit ein gereht man; diser der was Barrabas sun; Barrabas sprach also vil alse 'der 5 gehorsam ist'. Nu gegen disem wart gesetzet Mathias; Mathias sprichet also vil also 'der kleine ist vor G-otte'. Uf wen viel dis los-zu cliseme überminnenc- lichem wesende, disem edeln apostollichen ambahte? Es envil nüt uf den gehorsamen Joseph, noch umb daz er gereht was in der worheit und daz er geborn was von dem göttelichen tröste, das uns doch gar ein gros ding het 10 gedulit, dis enhalf alles herzu nüt das daz edele los üt uf in viele; es vil uf den kleinen vor Gotte. Ouch kinder, dis übertriffet alle gerechtikeit, gehorsamekeit, wie sü doch ein alzümole gros ding si, und den göttelichen trost Götz; aber daz ist ein gros wunder. Herumb doch der kleine, der demütige übertriffet alle ding, der wurt alleine erweit. Und wissest, wiltu 15 kummen zu dem hohen und allerhöhsten wesen, das du Götz junger werdest und sin war gezüg in der höhsten wisen, so müst du der allerminneste, der allerkleineste dich vor Gotte bekennen und achten; so vellet das los uf dich, und anders nüt. La allen dinen füs heruf gan das du ehte kleine und vernüt werdest, so wurt dir das du wurst in der worheit erhaben, das du wurst gesät 20 in das gröste, in daz nehste und daz allerwerdeste daz Got bat, also ime die aposteln für alle menschen worent. Zu diseme enmachtu nüt komen danne mit der nidersten verkleinunge. Kinder, der mensche der in disen grünt geratet und in dise Avise, das er in sin nüt künde kummen und kleine vor Gotte sich künde bekennen in der worheit, nüt in dem gedancke oder in dem schine, also 25 in gemachte, ein gedichte demütekeit, die ein swester ist und ein gespile der hochfart, in der schulender oder gesrrochenre demütekeit do lit die grosse demütekeit gröbeliclien unden und 'ist dicke harte verre dem verkleinernde in dem underwurffe under Got und alle creaturen. Dis wer die neheste und die woreste bereitunge den heiligen geist zu enpfohende. Und wer dise wise 30 hette, dem müste gute entwürfe in disem leben widervarn. Das wir alle alsus bereit werden müssent daz wir den heiligen geist in der worheit enpfohen müssent, des helffe uns Got. Amen. 1. zu bednisset;] 'ib. corrig.: verdrüsset' (88); verdrüsset Ol. 3 — 5 verderbt; l. etwa: Jos. sprach also vil alse 'der gehorsam ist'; der hies 'der gerechte' . . . .; Barrabas sprach also vil alse 'der götteliche trost' (B.). 4. der /'. 88. zu Barrabas (2mal):] 'ib. corrig.: Barsabas' [88]. sprach] sprichet 91. 7. enfiel 88, geviel 01. 10. in] sü 91. 11. zu gerechtikeit:] 'ib. beu/cschr.: und' [88]. 11 f. g. oder g. Ol. 13. daz] dis 91. gros f. 01. 14. d. der ü. 91. 16. a. und der 88. 19 f. g. und i. 91. 20. u. in d. 01. 20 f. d. heiligen a. 91. 21. d. so e. 91. 23. sin] sich 01. 25. ein (vor gedichte)] oder 01. 23. Estote prndentes et vigilate in orationibus. 91 23. Estote prndentes et vigilate in orationibus. Die bredie usser sancte Peters epistole des sunnentages noch dem nonetage leret uns künde haben geworer abgescheidenheit, lidikeit, innikeit und einikeit, die eine bereitschaft sint das wir enpfenglich werdent des heiigen geistes. 5 Die heilige kirche beget nu zu dirre zit die sendmige des heiligen geistes, das die enpfangen wart von- den jungern in einer sunderlicher innerlicher wisen. Und des was not, wan sü einen anevang hattent und eins nuwen wesens an in beginnet wart, und darumb was der wisen der eiipfohungen not umb der willen die noch in soltent klimmen. Mer alle die 10 wile sü iemer gelebc/ent in der zit, so nament sü iemer nie zu in allen stunden in der enpfohunge des heiigen geistes. Alsus sol ein ieglich Gottes frünt dis minnekliche hochgezit alle tage und alle stunt begon, das er den heiligen geist enpfohe ie in einer iegelichen stunde. Darnoch sin bereitunge und sin enpfenglicheit ist und er sich nie darzü keret, darnoch wurt sü an ime höhe- 15 lieber vollenbraht, Dise sendunge, die den heiigen jungern wart gesant uf den heiligen pfingesttag, die geschieht alle tage geistlich an allen den die sich griintlich darzü bereiten! Also kummet der heiige geist mit sunderheit und mit nuwer sunderlicher genoden und goben, die wile der mensche iemer gelebet und sich zu im keret innerlich und bereit ist darzü. — Nu kummet sant Peter und 20 wiset uns also klerlich und eigenlich weles die bereitunge sint hergegen, und sprach: 'estote prndentes'. Dis meinet nüt eigenliche wisheit in unserme tütsche, sunder es ist also vil also 'kündekeit', daz ist: also ein mensche ein ding wol und dicke versüht het, so ist ime das wol kündig unde het es wol durchsehen und ist avoI getreigert in den dingen. Also meinet dis wort, daz er uns hie 25 heisset und daz wir kündekeit süllent han und söllent an allem unserm tünde und lossende mit eime lichte unser redelicheit ein iegelich ding durchsehen, daz wir wol wissent und uns wol kündig si womitte wir umbegont. Die nu gegriffen kundent die nehste und die woreste bereitunge zu dirre enpfenglicheit des minneclichen heiligen geistes, und die do rechte one mittel inbringent den 30 zu der Nummer:] 'Cod. 89 u. 91, n° 17'. zu Z. 1:] 'LPetri I, 8". in F (W) fehlen Z. 3—5; dafür v. j. H. am untern liandc: Ein bredige in der pinfstwüchen. Tauler hat über dasselbe Textwort (I. Petri 4, 8) auch am Sonntag nach Himmelfahrt gepredigt (Nr. 24, S. 97 f- ?)} die obige Predigt ist im Druck die erste Pßngstpredigt. 6. zu] in F. ' 8. not] notdurftig 91. 8 f. ein nuwes wesen 91. 9. waren sxi d. 91. 11. gelebent S, gelebetent 88 F. iemer me] allewegen 91. 12. sol] so solte tun 91. U, D. also s. 91. 15. su f. 91 F. Ib. wart] ist F. 18. d. erbietent oder b. 91. So 91. 20. zu zu in zükeret (so S):] 'Cod. 88, »eigeschr.: im'. 2 1. her-] hie 91. her in gege F. 22. sprichet 91. D. wort m. • ein e . 91. 23. sunderlich 91. a. ein k. 91. 25. getregert 91, getreigiert F, *° l- dz vns sant peter h. h. F. 29. künde F. 30. des] dis F, 92 23. Estote prudentes et vigilate in orationibus. heiligen geist in einer hohen wisen, daz ist wore abgescheidenheit und lidikeit und innikeit und einikeit; dis ist die allernehste und die woreste bereitunge, und wer dis het und me an diseme zünimmet, der ist allermeist und aller enpfengliehest der enpfenglicheit des heiligen geistes. — Was ist nu Avore 5 abgescheidenheit, das dis erste ist von disen vieren? Das ist daz sich der mensche abekere und abescheide von allem dem das nüt Got luter und blos enist, und mit dem liebte siner bescheidenheit alle sine werg, wort und gedenke durchsehe mit eime verstanden gemüte, obe üt do si in dem gründe das Got mit luterlich ensi oder Got nüt blöslichen enmeine in allen 10 dingen, in tünde und in lossende, und vindet er üt do das do gemeinet wirrt anders denne Got, das man daz abescheide und uzsliesse. Und dis enhöret nüt all eine eime edeln indewendigen menschen zu, sunder ouch eime ieglichen • guten menschen, also man vil guter menschen vindet die grosser guter Übungen sint und doch von indewendikeit zümole nüt enwissent, ie doch so 15 sint sü alle schuldig das sü alle warnement waz sü Gotes geirren müge, daz sü das lossent und sich dana bescheident zümole. Dise abegescheidenheit müs man von not haben, so er den beugen geist und sine goben entpfohen sol, er sol Got meinen blöslichen und sich abescheiden von allem dem das Got nüt enist. Und dise abegescheidenheit und die wartunge des heiligen geistes die 20 ist ungelicb in den luten. Die einen die enpfohent den heiligen geist in sinnelicher biltlicher wisen mit den sinnen. Mer die andern enpfingent in vil edellicher in die obersten krefte und vernünftigen krefte in vernünftiger wisen verre über die sinne. Die dritten enpfingent in nüt alleine in der wise, sunder sü enpfiengent in in das verborgen abgrunde, in daz heaneliche rieh, 25 in den wunnenclichen grünt, do daz edele bilt der heiligen drivaltikeit verborgen lit, das daz alleredelste der seien ist. 0 wie wunnenklich vindet der heilige geist do sine stat! Und do werdent sine goben edellichen enpfangen noch göttelicher wisen. Und also dicke also der mensche herinloget mit dem liebte der redelicheit und hie zu Gotte keret, also dicke wurt ein 30 vereinunge do und ein nüwe ingeistunge des heiigen geistes in eime iegelichen ögenblicke, und enpfohei nüwe goben und gnode, also dicke er sich hiezü keret mit diser kündekeit und wore abegescheidenheit. und übersihet und durchsihet mit worem ernste alles sin tun und alle sine wege, wort und werg 4. n. ein w. 88. 5. abg. 91 F, abg. des heiligen geistes S; in S dazu: 'Cod. 88: des heiligen geistes ausgestr.'. 8. verstentliebeme 91. 9. luterliche si F. 10. das erste do f. F. 13. v. gute 88. 15. geirren] gehündere F. rangen SF. 16. dana] denne 91, dan abe F. scheide F. 17. so er] der auf Rasur F. sin gäbe F. er] der F. 19. U. ist d. 88. die] dise 88. 21. zu enpfingent:] 'Cod. 88, corrig.: enpfohent' (so immer). 24. himmelische nur S, heimeliche F, heimliche 88. 91. 26 f. v. do d. 91. 27. do (vor sine) f. 91. 28. her in lvget (lv auf llasur) F. 29. g. sicli k. 91. 30. vernmmge (nu auf Basur?) F. 31. enphahet F, enpfohent S. gobe F. 32. u. mit worer 91. 23. Estote prudentes et vigilate in orationibus. 93 und wise, obe üt si daz Got mit ensi, noch die meinunge uf in alleine mit engo, und wo man des üt vindet das Got mit enist, daz die' besclieidenheit das richte und regniere. Dis lieht sol berihten mit sime liebte die natürlichen tilgende, sü sint demütikeit, senftmütekeit, miltekeit, barmhertzikeit, stillekeit, und diser glich das natürliche tugende sint, ebe die uz Gotte geborn sint. 5 Ouch sol dis lieht lüchten in die sittelichen tilgende, also ist wisheit, gerechtikeit und stercke und messikeit; dis heissent ordenunge, die sol alle dis lieht der besclieidenheit in worer luterre meinunge durchsehen und berichten und ordenen, und in einer rehten besastikeit und in eine götteliche ordenunge setzen, also daz das in Gote und durch Got geton werde. Also der heilige in geist danne vindet daz der mensche das sine getüt, so kummet er mit sime liebte danne und übeiiühtet daz natürliche lieht und güsset darin übernatürliche tilgende, also gelobe, hoirenunge, götteliche minne und sine genade. Und alsus wurt der mensche ein kündig mensche und ein wol edel mensche in diser abegescheidenheit; aber dis müs wol durchsehen sin mit dem liebte, 15 wanne yil dinges sieht dicke zu das man wenet das Got gemeinet si, und so man in den grünt kummet, so vindet man es mit also. Doch sol man sich euch hievor warnen daz der mensche der Got luterliche meinet, in den kummet ouch ettewenne bandekeit, und ein trurikeit er habe Got nüt gemeinet und es si alles verlorn, und wurt entsast. Dis kummet underwilen von 20 natürlicher swermütekeit und von dem himmel oder von dem wetter oder ouch von dem viende; dis sol man fürkummen mit senftmütikeit. — Nu so wellent soliche lüte dis durchbrechen rechte mit gewalte in eime gestünne und machent böse höbeter, oder soliche louffent zu den lerern und zu den Gottes frunden, und wenig kan sich ieman hie uz verrichten, und sü werdent ettewenne vil 25 me verirret. So dis gros gewitter in eime ufstot, so solte der mensche rechte tun also die lüte so ein wetter kummet, regen und hagel, so fliehent sü under ein tach und beitent bitz das wetter vergat; rehte also sol der mensche tun s o er daz einveltekliche in ime vindet das er nüt anders enwil noch enbegert danne Gottes. Wenne denne dise bekorunge kummet, so sol er also werlich 30 entwichen bitz er vil wol besäst wurt, und sol sich liden in gelossenheit und in lidiger gelossenheit und warte Gottes in dem getrenge. Wer Aveis wo und ui welicheme daz Got kumnien welle und ime sine goben geben welle? Ein inensche stände under dem tache des göttelichen willen in senftmütikeit, das ist ime hundert stunt besser danne gros bevinden in uftragende der tilgende, 35 1. alleine f. 91. 2. das es g. F. 3. rihtet vn regnieret F. 4. tügende abe. v ist d. F. b. oder st. 91. 6. also dz i. F. 7. u. oueh m. 91. dis h.] dise h. 91. 1Qiv 88 ' 8 - lutere 8S - 9 - ordinieren 91 - 13. a. der g. 91. 18. do vor F. ofi bant ikeit F. 23. lüte f. F. 24. und] oder 91. 25. dar vs F. gerillten 91. f=ö. gros] wos F. 27. und] oder 91. 29. e. das n. 88. 31. b. das e. 88. 31 f. und 111 *• gelossenheit f. 88. 94 23. Estote prudentes et vigilate in orationibus. in blügender grünender erlüchteter Avisen, das er vil haben mohte; wenne in disem so mag der mensche nüt wol behalten das sine, also er tet in wale und bevinden; clo siecht zühant die nature zu und underwindet sich der goben mit luste, und do wurt alzuhant ein flecke von dem luste in der seien, wanne 5 Gottes goben daz enist nüt Got; lust sol alleine in Gotte sin und nüt in sinen goben. Sünder nu ist die leide nature also griffig und also sere ijehöget uf sich selber das sü alzuhant zu suchet und annimmet sich des daz ir nüt ist, und verderbet und beflecket die goben Gottes und hindert Got sins edeln Werkes; wanne von der vergiftekeite wegen die in die nature gevallen ist von 10 der erbesünde, so ist die nature alles uf sich selber nidergekeret in allen dingen; und sprichet meister Thomas das von der selben vergifte wegen so minne der mensche nie sich selber denne Got oder sine engel oder alles daz Got ie geschüf. Das enist nüt von dem das Got die nature gemäht het, sunder das sü also verdorben in der entmachunge ist von der wiederkerunge 15 von Gotte. Nu ist dise vergiftekeit die ist so tief in den grünt gewurtzelt das alle künsteriche meister disem mit sinne nüt enmogent nochgegon, und mit allem flisse mügent sü ime kume iemer getan oder uzgerüten. Diser valsche grünt in geiste und in nature wonet dicke do man wenet das es Got si zümole, do ist do dicke dise vergiftige widerböigunge, und meinet der 20 mensche alles daz sine in allem tünde. Dis waz der minnecliche Paulus ein worer prophete do er sprach: 'in den lesten tagen so süllent die lüte werden grosse minner ir selbes'; sit daz ist so schinberliche ietze daz man jomer daran sihet in aller der weite wie unbegriffenlich sorglich menglich dem andern daz sine abebrichet in unrechten wisen und listen und ufslahende, und' 25 suchent bichter noch irre wise, und nement frömde glosen us den beiden in der beugen geschrift. Dis sage ich aber zu ebne glichnisse, das dis usse- wendig ist, hundert werbe nie ist es in dem geiste, wan dis ist wor luter gut; und es ist ein klein ding bürge und lant, golt und silber zu lossende wider dem indewendigen in dem annemende der eigenschaft, es si in dem geiste oder 1 30 in der nature oder an der übunge der tilgende oder an Gotte selber; alles suchet die nature mit in e eines iht wisse, das alles dise ungeordente minne het der nature, — Herumbe het unser lieber herre uns ein alzüw/ol geordente 1. erhihtender 91, her hihteder F. das] des F. 2. disen F. gehalten 91. wale SF, welende 91. 5. got nvt F. 6. geboget 88. 91, gebSvget F, begobet S. 10. alles die nat. F. wider gekeret F. 14. ist. die w. F. 16. aller F. 17. f. mag men i. F. 17 f. Disen valsche F. 18. i. dem g. 91. wonet] wen F. 19. zv male si F. de (vor dicke) S, ouch 91, ez F. 20. t. und lassende. D. 91. 21. warer F, woren S. so f. F. 22. sit SF; dazu: 'Cod. 88, corrkj.: sich'. 23. u. und s. 91. 2G. das] als F. 27- es /'. F. dis] das 91. 28. 1. und g. 91. 29. a. in d. F. 30. and' üb. F. 31. eines] mens F. zu iht:] 'Cod. 88, beiyeschr.: daz'. zu das:] 'ib. das ausgestr.' dise] dis 91. 32. zu der:] 'ib. corrig.: die' [88]. die [ie auf Rasur] F. alzu mole 88, alzu wol SF. 23. Estote prudentes et vigilate in orationibus. 95 wise geben zu der lere die uns sant Peter heisset, daz wir süllent wise sin, und nu leret unser herre Jhesus Cristus wie geton dise Avise solle sin, unde sprichet: 'ir 'süllent wise sin also der slange'. Nu mercke wie der ewige Gottes sun, die wisheit des vatters, wie er die unsprechenliche clorheit sin er wisheit alle zit verbarg under einvaltige grobe glichnisse; wanne er zümole 5 demütig waz, darumb waz oucli alle zit sin lere demütig und einvaltig. Wise nu also der slange wisheit hat. Der slange, so er bevindet das er beginnet alten und rimpfen und stinken, so suchet er wo zwene steine bi ein ander ligent, und dodurcli sloiffet er sich vil enge, also daz ime die alte hut zümole abeget, und unden an ist ime ein nuwe hut gewahssen. Eechte also sol der 10 mensche tun der alten hut, das ist als das er von natural hat, es si wie gros oder wie gut das si, daz ist sicher in eime veraltende, und das hat in der worheit gebresten, e^ werde denne durch dise zwene steine, die gar nohe uf einander ligent, geslöiiTet, Weles sint die zwene steine? Der eine stein ist die ewige gotheit, die die worheit ist; der ander stein ist die minnecliche 15 menschheit Cristi, die der weg wesenlichen ist. Durch dise zwene stein sol der mensche alles sin leben und wesen würken, slöiffen und tragen, obe üt ist in eime veraltende, es si natürliche tilgende oder sitteliche tilgende. Dannan- von sol nu singen die heiige kirche in einer sequentiell: 'Sine tuo mimine 20 nicliil est in limine nichil est innoxium,' 'sunder dine gotheit so enist mit in dem liebte, unde nüt ist unschedeliches'. Also in der worheit, nim die tugende, wie subtile oder wie edel sü sin mügent, sint sü natürlich, so machen sü geistliche blotern; ie behender sü sint, ie 25 behender blotern sü machent. Aber sint sü sitteliche oder uftragende tugende, so machent sü geistliche flecken und eine veraltunge. Es si denne daz sü durch disen stein der Cristus ist, werdent geslöiffet und do vermenget mit inniger begerunge und in hertzeklichem gebette, und in getragen und wieder- geborn und vernuwet, so enhüffet es zümole nüt und ist ime ungeneme. Diz 30 ist der minnenkliche stein von dem sant Paulus sprichet, daz er ist der stein uf dem alle gezimmer gebuwen sint, und er ist ouch der eckestein von dem er selber sprichet. Und slöiffest du dich in der worheit mit alzümole grüntlich 4. er Bruch, fehlt SF. 5. wish. alle Ol F, w. des vatters a. 8. verbart F. 6. vch F. zit f. 88 F. 7. s. solliche w, F. er beg.] ime siii hut beg. F. 11. veraltette F. v. der n. 91. 12. d. es si 88. sicher]ickeii Ol. 13. gar f. Ol. 14. einander] in F. die] dise F. 16. wesenliche weg 91. wes.J wisende F. dise] die 91. 17. und (vor wesen) /. 01. sloffen F. 18. veraltette F. 18/. Den abe F. 21. in nomine S, lumine -F. 23. liehte SF; dazu in S: 'Cod. 88, corrig.: menschen'. vnsehedelickes (?), corrig. in vnschedelicher S, vnschedelich F. 29 f. u. do wied. 88 F. 31. schribet F. 32. geschimbert F. 33. sprach F. 96 23. Estote prudentes et vigilate in orationibug. durch disen stein, und werestu also wisealso Salonion und also starg alse Sampson, es enhülffe dir mit. Sencke dich in sin armüte, in sine küscheit, in sine gehorsamkeit und nim von allen tilgenden; und hie in ime werdent eime menschen gegeben die heiigen süben goben des heiligen geistes und die drige 5 göttelichen tügende, also geloube, züversiht und minne, und alle vollekomenheit und worheit und innerliche fröide und fride in dem heiigen geiste; hie inne wurt gelossenheit und senftmütige gebeitsamkeit, also daz man alle ding von Gotte genemen kau in gelicheme gemüte. — Waz Got über den menschen verhenget und gestattet, gelücke und ungelücke, liep und leit, das dienet alles 10 dem menschen zu selikeit; wanne ein ieglich ding das do über den menschen kummet, das ist ewiklich von Gotte also angesehen und vor in ime gewesen, das daz in der wise geschehen sol und in keinre andern, des blibet man aller ; dinge in fride. Disen frieden in allen disen dingen den leret man alleine in worre abegescheidenheit und in innekeit; so wer daz haben sol, der sol und 15 mus es da leren, er müs es mit ingekertem gemüte suchen und niergent anders; und hie wurt es gevestent und gewurtzelt. Und alle dise ding die in allem disem sermone sint gesprochen, die gehörent einem edeln menschen an, daz er die alle sammet vor habe in eime iegelichen ougenblicke in Worten und in wercken, in wisen; und daz ist wol mügelich. Das kummet von dem 20 das man drin gewurtzelt und gevestent ist in vorgesastikeit des gemütes in Got, ein luter Got meinen, und in diser kündekeit und inlüchtunge aller dinge, und dis alles durchslüffet durch Oristum und aller diser gelich die hie geborn und gevestent werdent in der indewemlikeit und in worre abegescheidenheit. Dis ist: also vil also dis nie wehsset und zünimmet, also vil wurt der heilige 25 geist edellicher gegeben und höhelicher enpfangen. — Von den andern stücke die hie blibent, sol man fürbas sagen in dem neusten sermon. Das uns dis allen geschehe, daz wir in worre abgescheidenheit Got luterlichen und innerlichen meinen müssent, des helffe uns der minnekliche Got durch sich selber. Amen. 2. d. in ein in s. F. 3. zu gehorsamkeit nachgetragen:] 'in sine minne, herdurch trage dine gebresten in abegescheidenheit: fehlt in Cod. 89, steht in 91 u. 88'; steht auch in F [hier f. in vor abeg.]. von SF, zu in 88. tügende F. zu ime:] 'Cod. 88: inime corrig. durch: inne. 5. g. vnd hoffenüge v. m. F. G. innerliche 91 F, innerlichen S. fride vnde froide F. 10. ü. die mensche F. 12. m. wol a. 91. 14. wore F. enikeit 91. so were daz es h. F. 16. gewesent F. 17. gespr. sint F. 19. w. in w.] w. und w. 91. 20. gewesent F. 21. ein] l. in? einen lutern 91. meine F. aller] der 88. 22. -slüffet SF, -flüsset 88. 23. gewesent F. 24. v. me also dz me w. F. v. me w. F. 25. den] dem F. stücke, korrig. aus: stücken 8. 24. Sante Peter sprach: sint. 97 24. Sante Peter sprach: sint. Eine andere uzlegunge der egenanten sante Peters epistele leret uns alles unser tun in Got rihten und uzrüten und umbkeren und abehöwen was Got nüt enist, glich eime ackermanne der sine böme besnidet und sin krut uz- gittet und sin ertrich umbkeret zu mertzen. 5 Sancte Peter sprach in der episteln: 'sint wise und wachent in dem gebette'. Also wir nu furhant daz minnenkliche hocligezit des heiligen geistes, gegen den sol sich ein ieglich mensche noch allem sime vermügende bereiten in zu enpfohende, also, also gestern hie gesprochen wart, mit luterme Got meinende, und das der mensche mit dem liehte siner redelicheit durchschöwe 10 alles sin tun und sin leben, obe üt do inne lebe und wone daz Got nüt ensi, und das dise bereitunge lige an den vier stücken die wir do sagetent, das was abegescheidenheit, lidekeit, innikeit und einikeit, und wie der usser mensche sol gesät und geübet sin mit naturlichen tilgenden und die niderste krefte mit sittelichen tilgenden, und wie der heilige geist danne die obersten krefte zieret 15 mit göttelichen tilgenden, und wie dis mit der bescheidenheit sol als gericht und geordenieret werden, ein iegliches in allem sime tünde, in allem sime lebende, wo ime reht si, ob es alles uf Got get oder nüt, und wo es üt vindet in sime tünde daz Got nüt luterlichen meinet, das er daz berichte. Und sol rechte tun also der ackerman der zu prüfende hat in dem mertzen, so er siht 20 daz die sunne beginnet nahen, so behöwet er und besnidet sin böme und gittet sin krut uz und keret sin ertterich umb und grebet es mit grossem flisse; also sol der mensche mit vil grossem flisse sich selber umbegraben und sehen in sinen grünt und keren rechte den werken den grünt umbe zümole und behöwe sin böme, daz sint sine ussern sinne und sine nidersten krefte, 25 und rate sin unkrut zümole us. Er sol zu dem ersten abehöwen und uzrüten aie süben höbtsünde gruntlichen und weckerlichen, von aller hochfart inde- wendig und ussewendig, und von aller gritekeit, von aller zornekeit, hasse und nide und von unküschikeit, lust in lichamen, in hertzen, in sinnen, in aller wise, in nature, ouch in geiste, obe iergent üt klebe indewendig und usse- 30 wendig, obe kein trockeit iergent sich do verberge. Dis und diseme glich daz zu der Nummer:] 'Cod. 89 u. 91, n° 18'. zu Z. 1:] ! 1. Petr. 4, 8'. 8. den] dem 88, deine 91. iegliches 88. 11. nüt got 88. 18. s. und o. SS. 91. 22. sinen grünt 88. 91. ertrich 88. 24. m rechte:] 'Cod. SS, beigeschr.: mit'. 2G. rüte] rüre 88. e. mole a. 88. -lutea] -rüren 88. 28. g. und v. 88. zu der mit aller zorn. beginnenden Zeile der Abschr. ««« zu einer Klammer, die bei der mit klerlich in den grünt (98, 7) beginnenden Zeile schliefst:] on da an stimmt 91 mit 88, ausgenommen das am Band leigeschriebene'. 28 f. nasses und »"des 88. 29. v. unkeuschem lust Druck. h. und i. 88. 30. i. der n. und ouch an de m g. 88. so f. u. und o. 88. Deutsche Texte des Mittelalters XI. 7 98 24. Saute Peter sprach: sint. sol man alles abehöwen und zümole uzjetten. Aber noch ist es dürre und herte. Die sunne die nohet, sü ist noch nüt klerlichen drin geschinen, aber sü kumniet vaste her naher, der summer der nohet hie sere. Die götteliche sunne beginnet schire in den wol bereiten acker zu schinende. Also der usser 5 mensche und die nidersten und obersten krefte wol behöwen und bereit sint und der mensche indewendig und ussewendig, so kummet denne die süsse götteliche sunne, und beginnet die klerlich in den grünt, in den edeln acker lühten klerlichen, und wurt ein wunnenklich summer do, rechte wore meigen- blüte, also es ietzent ist ussewendig. Also tut der minnenkliche ewige Got den 10 geist do grünen und blügen und die allerwunnenklicheste frucht bringen, von der enkein zunge kan gesprechen noch kein hertze gedenken, also grosse wunne wurt in dem geiste. Also der heilige geist gegenwerteklichen sinen wunneclichen glantz und sinen göttelichen schin mag unmittellichen in den grünt giessen, und der geist der do heisset und ist der wäre troster, also sine 15 süssen infhisse do stat haben mögent, o wie ein süsses niessen wurt do: do ist hochgezit, do nicliet die kuchin so wol der edelen guten spise die do wurt angerichtet, die ist so ungewonliche süsse und so wunderlich begirlich, do stat der meige in siner rechten blute; o wie smackent die leckermursel so wol heruz in die arme nature, und der wurt dannan uzgeschencket ouch gros 20 bevinden. Der wunnen die der heilige geist do anrichtet riliche und rüwe- lichen und dem wol bereiten geiste do schencket und zu bruchende git, des bevindens ein einigew troppfe« gewar werden und smecken, der einig troppfe übertrifft und verlöschet allen den gesmag und süssikeit den alle creaturen geleisten mügent in aller der wise daz man gedenken oder gegeben mag. — 25 Also nu etteliche lüte diser grossen ungewonlichen tröste unde diser wunnen in in bevindent und gewar werdent, so woltent sü sich gern zümole darin ver- sencken und woltent do inne gerne entslaffen und inne rasten, und blibent gerne in der begnügede. Also sant Peter wolte drü tabemackel von eime troppfen machen und wolte do bliben gerne, also wolte, entruwen, unser herre 30 nüt, es waz noch do harte verre von dem das in unser herre füren und bringen wolte; ouch wie er doch sprach: 'es ist gut daz wir alhie blibent', rechte also wellent soliche lüte; also sü diser süssekeit gewar werdent, so alzühant so wenent sü die sunne alzümole begriffen han und woltent gerne do 4. schinen 88. A. wenne d. 88. 5. bereitet 88. 7. g. schinen und i. 88. 8. klerlichen] luterlich 88. woren[?] 88. 9. u. ustringet. A. 88. 91. 12. zu Also] 'Cod. 88, beigeschr.: daz'. 14. gegiessen 88. 16. do] da Druck, die S. 18. leckerlichen in. 88, leckerliche m. 91. 19. grosses 88. 20 f. rüwelichon (nachträglich c zugesetzt, dann wieder gestrichen) S. 22. bevindendes 88. einigen 88, einig S. troppfe S. 25. zu der mit ungewonlichen beginnenden Zeile der Abschr.:] 'Von da an stimmt 91 mit 88'; sodann die Klammer geschlossen bei der mit lohen und leben beginnenden Zeile, unten S. 99,31. trSstunge 88. 27. inne f. SS. 28. henügede 88. 29. w. gerne do b. 88. 30. das] da Bruch. 31. hie 88. 24. Saute Peter sprach: sint. 99 inne rasten und nider ligen, und die daz tünt, die verblibent allesamen, und enwurt nüt usser den lüten, sü enkumraent nüt fürbas. — Etteliche verblibent oucli also daz sii in der süssekeit vallent in unrechte friheit; und in disem lust und bevindende so widerböiget die nature uf sich selber mit behendekeit und besitzet sich selber do, darzü daz der mensche geneiget ist vor allen dingen, 5 und verlot sich uf daz gewar werden; und ist do rechte also ich han gehöret von artzoten, daz den lüten böse were daz sii vil artzote hettent: wo die nature bevindet der helfe, so verlot su sich daruf und lat sich darnider und rastet und duncket das sü rehte helffe habe, und enwürket nüt also flissekliche also sü sus tele: und also so sü unsicher ist aller helffe, so wirbet sü und 1(| würcket sü und hilffet ir selber. Sehent, vil üben kinder, wie behendecliche suchet dise widerboigende vergiftige nature in alle ding und suchet ire raste und ir gemach, noch tusent werbe nie in den geistlichen, wan de« mensche« duncket zühant, also er diser lust und dis sunderlichen migewonlichen gutes in ime bevindet, so verlet er sich deruf und dunket sich deste sicherre, und 15 enwürckent nüt also flisseclichen noch also getruwelichen, und wurt alzühant so zart und so verwenet, und duncket in er müge nüt geliden oder gewürcken also vor und müsse rechte sich in raste halten. Und alse der vigent daz siht daz der mensche darnider lit, so klimmet er denne und güsset darin valsche süssekeit, umbe daz der mensche verblibe und in also behalte in der un- 20 rechter rasten . — Wie süllent wir tun? Süllent wir diser süssekeit entlöffen und sü vertriben? Nein, in keine wise nüt; wir süllent sü mit grosser dang- berkeit nemen und mit demütekeit Gotte wider uf tragen, und dancken und loben G-ot gröslich darumb und bekennen ir in uns alzümole unwürdig, und süllent rechte tun also ein frisch geselle, der wenig hat und hungerig und 25 turstig ist und zu löffende hat, und der zu ime spreche, künde er vier milen gelöffen, ime wurde wol zu essende und wurde ime sin kröpf wol gefüllet, er wurt so fro und strag und gemeit und löffet zehen milen; rechte also sol dirre niensche tun den Got also sterket' und spiset mit sime göttelichen tröste und bevindende, der sol vil nie tun über daz er vormoles tet, nie minnen, me 30 dancken und me loben und leben vil me denne e, und sol sich also vil me uf- i'ichten in hertzeklicher begerunge und in brinnender minne, und also verzern daz men ime noch me goben schuldig were, merre goben, merre trostes, merre 1- legen 88. u. alle die 88. 5. daz /'. Druck. 10. so vor sü f. 88. 10 f- würket sü und würket 88. 12. biegende 88. a. die d. 88. 13. m. ist es i. d. g. raten w. 88. den menschen 88, der mensche S. 14. d. also z. a. 88. 20. blibe 88. 21- rastunge 88. 24. und uns bek. ir gantz unw. Druck. 25. frischer 8S. 2G. u. d. denne z - 88 - 27. k. vil w. 88. 28. u. so starg u. so g. daz er wol liefe z. 88. 30. d. das e - 8S - 30. min. und m. 91. 32. bevindender 88. 33. werde 88. 91. merre (3 mal)] inere 8S. 100 24. Sante Peter sprach: sint. bevindendes. Rechte also ein mensche wolte gon zu dem babeste und wil ime bringen einen gülden, und der habest gienge ime engegene und gap ime hundert tusent pfunt goldes wider, und aber und aber ie mer also dicke er ime einen guldin bütte, i'echte also geschult diseme menschen, also dicke er 5 sich mit dangnemekeit zu Gotte keret; also dicke also er Gotte sich erbüttet mit minnen und mit dangnemekeit, so löffet ime Got engegen mit hundert tusent werbe also vil merre goben und genoden, merre trostes in eime ieg- lichen ougenblicke. Und alsus wurt uns die sussekeit ein helfe, ein leitunge zu Gotte und zu merem gute. Wir süllent sü bruchen und nüt gebruchen. 10 Gelicher wise der varen wolte uf eime karriche, mere er brücket in nüt, er neme sinen nutz dran und nüt wollust, also sol man an den goben Götz nüt me nemen denne den nutz und an Gotte alleine wölde. — Vor diseme schaden warnet uns sant Peter und sprichet daz wir süllent sin nüchtern und wachen, und warnet uns daz wir nüt entsloffent in disem gevölende, wanne der do 15 sloffet, der ist also er halb tot si, und enhet kein eigen werg. Wir siillent uns rechte erwackern und wacker sin und nüchtern. Der nüchterliche mensche der tut sin werg liepliclien und weckerlichen und vernunfteklichen. Also sprichet sant Peter: 'fratres sobrii, brüder sint nüchtern und wachent, wanne der widerwertige vigent get umbe also ein grinender lowe und suchet das er 20 üch verslinde, darumbe widerstant ime stergliche mit dem gelouben'. Vil lieben kint, nüt ensint also slelTerig noch trege, noch enrastent nüt in allem dem daz nüt luter Got enist, sunder sehent flissecliche umb üch mit dem Hellte der redelicheit unde nement uwer selbes dicke war und Gottes in üch in einer minnender begerunge. Nu enmöehtent doch die minnenden jungern 25 unsers herren in der lustlichen gegenwertekeit unsers herren nüt bliben, solte in der heilige geist werden. 'Si abiero, es si denne', sprach er, 'daz ich von üch vare, so enwurt üch der heilige geist nüt, der tröster, der heilige geist'. Die heiligen jungern worent also gar besessen von innan und von usse*h mit der gegenwertikeit unsers herren Jhesu Cristi, und also erfüllet alzümole alle 30 ire winkel, hertze, sele, sinne, krefte, indewendig und ussewendig, daz daz besessen uz müste und abe müste, soltent sü zu dem woren geistliclien inde- Avendigen tröste komen. Diz müste in abgesnitten werden, wie sur und wie bitter es in iemer wurde, soltent sü iemer fürbas kummen; sü werent anders 1. zu der mit bevindendes beginnenden Zeile der Absein::] '91 stimmt mit 88'. Die hier beginnende Klammer schliefst bei der mit wölde anhebenden Zeile, unten Z. 12. Rehter wise a. 88. wolte i. 88. 2. gebe 88. 3. a. also i. 88. 4. d. alse e. 88. 6. mit vor dangn. f. 88. 10. karren, der br. jn nit zu lust, suuder zu nutz, dz ist, er Druck. 11. den f. 88. 12. wollust Druck. 13. wachen] wacker 88. 15. entsloffet 88. als ob er 88. 19. zu der mit vigent beginnenden Zeile:] '91 stimmt mit 88'; die Klammer dann geschlossen bei der mit in der lustlichen beginnenden Zeile, unten Z. 25. grünender 88. 20. stereklichen 88. 21. sint 88. n. also t. 88. 25 f. s. ehte i. 88. 26. Si abiero f. 88. 28. ussenan 88. 24. Sante Peter sprach: sint. 101 zumole verbliben in dem nidersten und in den sinnen. Nu obe es über die sinne kummet, so kummet es in die obersten krefte, in die vernünftigen krefte, do wurt es vil edelliclier und vil wunnenklicher enpfangen; danne kummet es in den indewendigen grünt, in das verborgen des geistes, und do hat dise süssekeit alleine rechte eigen stat und wurt do werlichen und wislichen 5 enpfangen, und aldo wurt alleine der mensche in diser nüchterkeit wacker. — Nu sprichet sant Peter: 'ir süllent sin wacker in dem gebette, wanne der widerwärtige viant löffet umbe also ein lügende lowe'. Weles gebett meinet nu sancte Peter? meinet er daz gebet des mundes, daz etteliche lüte gebet heissent, also sü vil seiter uzlesent? Nein, daz enmeinet er nüt, sunder er meinde daz 10 gebet von dem unser herre Jhesus Cristus sprach, daz daz wore gebet were und die woren anbetter, die bettent in dem geiste und in der worheit. Die heiligen und die meister sprachent, daz gebet si ein ufgang des gemütes in Got, mere lesen und gebet des mundes daz dienet zu disem ettewenne, und also verre mag es löbelich sin; also min kappe und min kleider, das enbin ich 15 nüt, aber sü dienent mir, also dienet alles gebet des mundes, daz dienet ettewaz zu dem woren gebette, es enist es aber nüt, sunder do müs der geist und daz gemüte unmittellichen in Got gon; daz ist alleine dis wesen des woren gebettes und anders nüt. Daz dis gemüte ge mit minnen in, in inniger begerunge, in einem demütigen underwuri'fe under Got, das ist dis wore gebet 20 alleine. One alleine geistliche und geordente und geprüfete Inte, die sint verbunden zu iren ziten und des mundes gebet; sunder alle usserliche gebet ensint so andechtig nüt, so minnenkliche nüt so daz heiige pater noster, daz leret uns der oberste meister Cristus und sprach selber; daz dienet allernehest zu dem woren wesentlichen gebette, das ist ein himmelseh gebet. — Man sprichet 25 und meinet dis eigenliche on under los in dem himmel dis wore gebet, das ein worer ufgang ist in Gotte, das treit rechte das gemüte zumole uf, also das G°t in der worheit müge eigentliche ingon in daz luterste, in das innigeste, in uaz edelste, in den innerlichesten grünt, do wore einikeit alleine ist, von dem sancte Augustinus sprichet das die sele habe in ir ein verborgen appetgrunde, 30 daz enhabe mit der zit noch mit aller diser weite nüt zu tunde, und es ist verre überhaben über das teil das dem licham leben und bewegunge git. In °-em edeln wunneclichen abgrunde do in dem himmelischen riebe, dar sich 1. zu der mit sinnen beginnenden Zeile:] '01 stimmt mit 88'. Die hier anhebende Klammer ist geschlossen bei der mit ist in gotte beginnenden Zeile, unten Z. 27. ebe 01. 6 - ä. so k. 88. 4. g. und in die Verborgenheit 88. d. so h. 88. 5. r. ein e. 88. gewerlichen 88. ß. aMo] da 88. 8. lügender 88, lögenge S; dazu: 'Sic' S. was gebettes 88. n, vou dem ] (las 88. 18. dis] daz 8S. 19. ge] gange 88. 24. spr. es s^. Bruch. 26. gewore 88. 29. inrelicbesten 88. 30. abgrunde 88. Ol. 32. erhaben 88. das nach teil:] 'Cod. 88, das corrig. durch: do es dem'. dem] des Ol. 33. edelsten wunnechchsten 88. heimlichen 88. 91. 102 24. Sante Peter sprach: sint. die süssekeit inversencket von der wir gesprochen hant, do ist ir stat ewek- lichen, und do wurt der mensche so stille und so wesenlich und so gesast und nie abgescheiden und me ingezogen und mere ufgerichtet in merre luterkeit und lidekeit, und me gelossen in allen dingen, wanne Got ist selber gegen- 5 wertig in daz edel rieh komen und wurket do und wonet do und richset do; und daz mag dem ersten nüt geliehen, wanne er gewinnet rechte ein zümole göttelich leben, und versmiltzet der geist hie alzümole und inzündet ime selber in allen dingen und wurt ingezogen in das heisse für der minnen, die selber Got ist wesenlichen und natürlich. Und us disem gont sü denne hernider in 10 alle die not der heiligen cristenheit und gont denne mit heiligem gebette und begerunge in alles daz do Got für wil gebetten han und für ire frünt, und gont alles in die sünder und in daz fegefür, und gont alle umbe rat schaffen in aller minnen in eins iegelichen menschen not in der heiligen cristenheit, doch nüt also daz sü bittent für ver Metzen und Oüntzen, sunder in einer 15 einvaltigen wislichen wisen; also ich üch all hie vor mir sehe sitzen mit eime ange sicht, also zühent sü als mit in in, in daz selbe abgrunde, in den selben minnenglüt und in ein anschöwelichen wisen und widersehent aber wider in der minnen abgrunde, in der minnen glut und rastent do; und denne aber so döwent sü in daz minnenkliche heisse für, und aber hernider uf alle die in 20 nöten sint in der heiligen cristenheit, und aber wider in das minnenkliche dunster stille rasten in dem abgrunde. Alsus gont sü uz und in, und blibent doch allewegent inne in dem minneclichen stillen abgrunde, do ist ir wesen und ir leben, in dem ist och alles ir würeken und ir bewegen; man vindet ouch nüt an in, wo man sü vindet, denne ein göttelich leben; ir gelesse, ir 25 tun, ir Avise ist zümole göttelich. Dis sint edele menschen und sint nützelich aller der heiligen cristenheit, unde allen menschen sint sü besserlich und Gotte löbelich und allen menschen tröstlich; sü wonent in Gotte und Got wonet in in; wo sü sint, man sol sü loben. Daz wir daz alle müssent ervolgen, daz helffe uns Got. Amen. 3. in] und 88. merre] mer 88. 3 f. zu Int. u. lid.:] 'Cod. 88 cotrigirt: luter und lidig'. 5. richet 88. 01. 7. entzündet 88. 91. 9. us] usser 88. 01. 12. sunde 88. al umbe 88. 14. ver] fro 88, fro 01. u. für C. 88. 91. 15. alle hie 88. 17. widersehende 88. Ol. 21. dunsternisse 88. Ol. 23. och f. 91. 25. t. und i. 88. 91. 27. m. gar t. 88. 91. 28. a. sament m. 88. 91. [25] 26. Repleti sunt omnes spiritu sancto et ceperunt loqui. 103 25: s. Nr. 60 e (nach der Engelbcrger Handschrift). 26. Eepleti sunt omnes spiritu sancto et ceperunt loqui. Die andere uzlegunge von den pfingesten seit wie sich der mensche müs sammelen zu ime selben und sich insliessen von allen usseren dingen, das der heilige geist stat vinde, die er ouch selber bereiten müs und enpfeng- lich machen. 5 'Sü sint alle erfüllet mit dem heiligen geiste und begundent zu sprechende die grossen ding Gottes'. Dis ist der minnenkliche tag das der heilige geist wart gesant den heiligen jungern und allen den die mit in vereiniget Avarent, in fürigen zungen, do der minnenkliche schätz wider gegeben wart der in dem paradise verlorn waz von des viendes rate und von io menschlicher krangheit, der ist hüte uf disen tag wider gegeben. Dise wise waz ussewendig wunderlich, on daz indewendige hie inne verborgen und beslossen waz, das waz allen vernunften und allen sinnen und allen creaturen unbekentlich und unbegriffenlich und unsprechenlich. Der heilige geist der ist ein also unbegriffenlich gros wunnecliche unmasse, daz alle die grosse und 15 unmasse die einige Vernunft in bildelicher Avisen nüt begriffen mag, das enist nüt herwider, himmelrich noch erterich und alles das man do inne begriffen mag daz enist nüt herwieder, alle creaturen mitenander zümole die sint nüt also der allerminneste gegen alle der weite, noch tusent werbe und sunder einige begrif so sint minre alle creaturen wider dem minnesten das man von 20 dem heiligen geiste gedencken mag; und darumb, wo der heilige geist enpfangen sol werden, do müs er selber die stat bereiten unde die enpfeng- licheit selber machen mit ime selber und enpfahen ouch sich selber. Das unsprechenliche abegrunde Gottes das müs sins selbes stat und der enpfeng- bcheit sin und der creaturen. Dis hus wart alzümole erfüllet. Got füllet alzü- 25 mole; war Got kummet, do füllet er alle die enpfenglicheit und alle die Winkel der seien alzümole. — Die jungern wurdent alle erfüllet mit dem heiligen geiste. Hie ist zu merckende weles die gelegenheit werent die dise jungern m der Nummer:] 'Cod. SO u. Ol, w> 30'. zu Z. 1:] 'Act. 2, ■!'. 8. zu der mit jungem beginnenden Zeile der Abschr.:] '91 stimmt mit 88\ Die hier anhebende Klammer ist '/eschlossen bei der mit Der heilige beginnenden Zeile, unten Z. 13. 9. vereinet 88. furinen 88. W. u. gar unspr. 88. 15. grosses 88. 16. unm. daz d. SS. zu einige:] 'Cod. 88, corrig. eigen'. IG f. zu das bis herwider:] 'Ib. corrig.: gegen disem ist nüt glich wenue' [SS]. 1". noch] und SS. 18. daz bis herwieder f. SS. 91. vor alle steht und SS. 91. 19. zu üer allerminneste:] 'Ib. [SS] corrig.: die aller minste creatur'. 20. eigene begriffe 91. Mf- man uf sü ged. 91. 25. u. ouch d. SS. 91. 104 26. Kepleti sunt omnes spiritu sancto et ceperunt loqui. hettent die alsus erfüllet wurdent, und ein iegelich mensche haben sol: sü worent versamnet und worent inbeslossen, und sü sassent stille do in der heilige geist gesaut wart. Diser minneclicher heiliger geist der wurt eime ieglichen menschen also dicke und also manig werbe, also sich der mensche 5 mit aller kraft kert von allen creaturen und keret sich zu Gotte; in demselben ougenblicke wan der mensche dis tut, so kummet der heilige geist alzühant mit allem sime husrate und erfüllet alzühant alle die winkele und den grünt; und also herwiderumb in dem selben ougenblicke und in dem nü das sich der mensche keret von Gotte zu den creaturen mit willen, er si es 10 selber oder welicher kunne die creaturen sint, so alzühant so flühet der heilige geist und gat enweg mit allem sime richtüme und allen sime schätze. War der mensche sich kert on in Got und usser Gotte, der mensche meinet sich selber also in allen dingen. — Dis hus wart zümole erfüllet do die jungern sassent. Dis hus meinet die heilige kirche in eime sinne, die ein wonehus 15 Gottes ist; in eime andern sinne so meinet es einen ieglichen menschen in dem der heilige geist wonet. Also, alse vil Avonungen und kammeren sint in eime huse, also sint in dem menschen vil krefte und sinne unde würckunge; in alle dise kummet er mit sunderlicher wisen. Also er kummet, so trucket und reisset und neiget er den menschen und würket und erlüchtet in. Aber dis 20 inkummendes und inwürckendes werdent alle menschen nüt gelich gewar; ouch wie er doch ist in allen guten menschen, doch wer sin werg bevinden sol und sin bisin gefülen und smacken mag oder wil, der müs sich samenen zütz ime selber und sliessen sich in von allen ussern dingen und geben dem heiigen geiste stat in ime zu würkende in rastende und in stillen. Denne so wurt der 25 mensche allererste gewar und offenbart sich der heiige geist in ime; also vil nie also sich der mensche darzil ergit von stunden zu stunden, so wurt er es nie und nie gewar und uffenbart, alleine er in dem ersten zfimole wurde gegeben. — Die jungern warent in beslossen umb die vorhte der Juden. 0 minnenklicher Got, wie vil tusent werbe merre not were nu dem menschen zu 30 fliehende und sich inzüsliessende vor den leiden Juden, die allenthalben sint an allen enden, und alle die husere und winkele vol sint! Eya lieben kinder, hütent üch vor disen alzü schedelichen Juden, die üch Got und götteliche 2. gesament SYS'. ingeslosseii 88. 6. kunt 88. 7. alzumole alle 88. 9. zu das:] 'Cod. 88, corrig.: so'. 10. zu kunne:] 'Ib. [88] corrig.: leige'. 11//'. zu der stelle War bis dingen, die in Klammem gesetzt ist:] 'Ib. [88] Das eingekl. ist durchgestrichen'. 12. usser] in busen 91. 18 f. j. inne s. 91. 18. d. ding k. 88. 91. 21. ist f. 88. m. wonet d. 88. 22. zu gefülen:] 'Cod. 88, corrig.: befinden'. mag oder f. 88. 91. zütz] zu 88. 91. 23. besliessen 88. zu allen:] 'Ib. [88] beigeschr.: wisen und von allen'. 24. rasten 88. 27. und uffenbart /'. 88. 91 (vgl. o. Z. 2S). wurde] wurt 88. 91. 29. mer 88. notdurft 88. 91. 30. fliehen 88. 31. zu der mit winkele beginnenden Zeile:] '91 stimmt mit 88\ Die hier anhebende Klammer ist geschlossen bei der mit nüt me beginnenden Zeile, unten S. 105,3. 26. Repleti sunt omnea spiritu sancto et ceperunt loqui. 105 heimlicheit und daz minnenkliche gewar werden des heiligen geistes und götteliches trostes wellent üch beneinen; das tut üch tusentvalt nöter dan in tete; wanne die giene enmölitent in mit me getün wan den lip benemen, aber dise benement lieh Got und uwer sele und ewiges leben; dise fliehent und sliessent üch in und lossent uwer schedelich uzlöffen sin; hütent lieh vor den 5 Ursachen, vor der geselleschaft und kurtzewile der worte, der werg, der wisen; hütent üch, sü sehent zu den venstern in; hütent üch, sü sint dem venster alzft nahe; anders sicher, ir verjagent und verlierent den heiligen geist alzü- niole. So sprechent sü: 'nein, herre, min bichter sprach es enschat mir nüt, ich enmeins nüt übel, ich müs mich ergetzen und kurtzewile haben'. 0 minnen- 10 elidier Got, wie mag daz sin das daz luter minnenkliche, süsse, ewige, götte- liche, geminnete gut, das dich daz weder enlustet noch dir ensmacket, und das die leidige verstörewcZc, verterbende, tötende, unsinnige creature, das du an der bist und genügede solt vinden und kurtzewile und fröideu und frieden, und vertribe.st daz edel luter gut daz dich geschaffen hat, und tribest uz dime 15 hertzen den minneclichen heilgen geist, der ein tröster ist und heisset, und daz dir das nüt sülle schaden, daz ist iemer ein jamer. Kinder, fliehent aber nüt die wisen seligen menschen den nüt ensmacket wan Got und götteliche ding, die ein' wäre Got meinen haut in dem gründe; war die uswert gont, so blibent sü doch alle zit inne und heime, und die hant den heilgen geist und fride war 20 sü sich kerent. — Die jungern warent versamnet. Hie werdent wir geleret eine versamenunge aller unser krefte indewendig und ussewendig, das der heilige geist stat zu würekende vindet, wan er würket wunderliche ding wo er stat vindet. Sü sassent ouch do der heiige geist kam. Also müst du in der worheit sitzen und in Gottes willen setzen alle Creatoren, liep und leit, 25 Wille und Unwille; daz ist ein not rede allen geistlichen menschen; danvon heissent sü geistlich das sü mit Gotte einen willen haut und einförmig sint und mit ime vereint. Aber do sint alle cristene menschen zu verbunden die behalten süllent werden, daz sü wider Gottes willen mit enwellent. Man fr'oget obe alle geistliche lüte sint schuldig vollekomen zu sinde, alleine sü des 30 nüt ensint schuldig. 'Sü sint schuldig', sprach meister Thomas, 'zu lebende und zu ramende noch volkomenheit'. — Nu merke, der heilige geist git süben goben unde würket in den goben süben werg, so er in den menschen kummet. Der 2. üch fehlt im Druck. valt] werbe 88. dan] wan 88. 3. gine möhtent 88. a - *w der mit schedelich beginnenden Zeile:] '91 stimmt mit 88'. Die hier anhebende Klammer l $t geschlossen bei der mit obe alle beginnenden Zeile, unten Z. 30. den] disen 88. 6. u. n<1 v. 88. Worten und der werken und ouch der wisen 88. 7. ü. wan s. sint den venstern 88. 9. So spr. s.] Sü sprechent 88. enschadet 88. 10. enweis nüt Übels do inne S8. 12. dir f. 88. 13. verstorunge S, verstöreiule 88. t. und u. 88. 15. ver- u et S > dam: 'Cod. 88, corrig.: vertribest'. 18. n. anders e. 91. u. ouch g. 88. 19. uswert] ssewendig 88. 26. notdürftige r. 88. dannanvon 88. 28. do] so 88. 30 f. vollekomen Slnde > alleine sü des nüt ensint schuldig 88, f. S. 33. und würdikeit in 88. 106 26. Repleti sunt oranes spiritu sancto et ceperunt loqui. goben drige bereitent den menschen zu dem ersten zu hoher und zu worer vollekomenlieit, mere die andern viere die vollebringent den menschen, und wurt der mensche mit den vollemaht, indewendig und ussewendig, zu dem höhsten, lutersten, verklaresten ende der woren vollekomenlieit. — Die erste 5 gobe, daz eine götteliche vorhte ist, daz ist ein sicher und ein gewerlicher anevang und ein weg zu dem allerhöhsten ende zu kummende, und ist ein sichere starke veste mure den menschen zu hütende vor allen gebresten und hindernüsse und vor den schedelichen stricken; in den tieften vellen tut sü in fliehen und tut rechte also ein wildes tier oder ein wilder vogel, daz schuhet 10 oder snelleclichen flühet von allen den die es fahen süllent oder begriffen wellent. Also daz Got der naturen das gegeben hat, also git der heilige geist allen den sinen dise minnecliche vorlite, domitte sii behüt werdent vor den hindernisseil die sü von ime gehindern mügent. Das hat die vorlite von irs adels wegen, daz sü behütet vor der weite, vor dem vigende, vor dem 15 menschen selber und vor den wegen und iviscn und werken do der mensche sinen geistlichen friden verlieren mag und innerliche raste, do Gottes stat inne ist in der worheit. Do flü&et alles, wan die nature enwil nüt in dem mittele nu bliben also wilde. Antweder du müst dich Gotte zümole ergeben, oder dich sin getrösten das du in manige swere totsünde vallest, du 'wellest 20 oder enwellest. Dise wege flühet die götteliche vorhte, wanne sü ist ein beginnen der wisheit, also der prophete sprach. — Hernoch so klimmet ein ander gobe, daz ist die senftmütige miltekeit, die fürt den menschen in einen höhern grat zu der höhsten gereitschaft, wan sü beninmiet ime alle un- geordente trurikeit und bandikeit, die ime die vorhte möhte insenden und in 25 domitte niderwerffen; das richtet ime dise miltekeit uf und setzet den menschen in ein götteliche vertragsamekeit von innen und von ussen in allen dingen, und benimmet ime unwertsanikeit und hertmütikeit und alle bitterkeit in ime selber, und machet in süssemütig gegen sime neusten in allen dingen, in werten und in werken, und machet in fridesam und gütlich in siner usse- 30 wendiger wandelunge und gesast. Das stat alles noch in der vorhte wol, wan die swindekeit die verjaget und vertribet den heiigen geist zümole. —■ Hernoch so kummet die dirte gobe, die den menschen noch höher füret. Also leitet der heiige geist ie den menschen usser einer in die andern, und doch get die eine ie merre und ie noher wege wanne die andere; die heisset die kunst. Kinder, 35 hie wurt der mensche geleret wie er indewendig warnemen sol der manunge, der warnunge des heiligen geistes, wan, also unser herre Cristus sprach, so 4. h. und 1. 88. 91. 5. daz vor ist] die 88. 7. allem 88. 9. infliehen 8. 12. den /'. 88. 91. 14. s. ist b. 91. w. und v. 88. v. und ouch v. 88. 91. 15. und vor bis mensche 88, f. S. 17. flühe 88, fluchet S {undeutlich). 17 f. das selb fleucht alles, wenn die schalckhaftig natur ingeet mit mittel vnd mit willen, es sey was das sey Bruch 18. Entweder 88. 19. i. so m. 88. 91. 21. Hienoch 88. 23. bereitschaft 88. 91. 31. geswindekeit 88. 33. einre 88. 26. Repleti sunt omnes spiritu sancto et ceperunt loqui. 107 wanne er knmmet, er sol üch alle ding leren; das sint" alle ding der der mensche bedarf; daz sint Warnungen: 'hüte dich do, daz mag dir dannan von kummen, und sprich des mit, entü des mit, engang dar mit!'; so manet er: 'halte dich also, Avürcke do und lo dich do und vertrag das!'. Er wil alles den geist ziehen über den lip hoch und in sinen hohen adele über alle ding, und daz 5 der licham hie in sinre würdekeit blibe und in tilgende sich übe und in arbeit und in versmehunge mit getult; ein iekliches wil er haben in daz sine, und hernach so wil er sü dan in tusentvaltiger hoher würdikeit vereinen sunder alle vorhte. — Die diser kirnst volgent und diser goben, die leitet sü in die vierde gobe, die heisset götteliche stercke. 0 kinder, welich ein höhe 10 überedel gobe ist dise! Hie fürt rechte der heilge geist den menschen zümole über menschliche wise und krangkeit und vorhte; usser diser goben würcketent die lieiligen marteler daz sü frölichen den tot littent durch Got, In diser goben Avurt der mensche so grosmütig daz er gerne aller menschen werg würkete und alle ding litte, also sant Paulus sprach: 'ich vermag alle ding in 15 dem der mich do stercket'. Also in diseme envörhtet der mensche noch für noch wasser, dot noch mit, und sprichet er mit sancte Paulus: 'noch billiger noch turst noch principatus enmag mich gehindern von der minnen'. Hie wurt der mensche also starg daz er nüt alleine nüt ein totsünde entete, ja e danne er sinen Got erzurnde mit einer tegelichen sünden mit mütwillen und für- 20 dachtes, er wolle e lieber sterben. Das sprechent die lieiligen daz der mensche lieber sterben solte, aber das lasse ich nu ligen; aber do enist eukein zwifel a n, der mensche solte e lieber sterben e denne er eine totsünde wolte tun wider Got mit willen und mit wissende. In diser goben vermag der mensche wunderliche ding. Nu wissest, wenne der heilige geist kmnmet in den 25 menschen, so bringet er alle wege mit ime grosse minne und lieht und smag und trost, wanne er heisset der tröster. Also der torechte mensche dis geware Wurt, so vellet er heruf mit lust, und genüget in und mbmet den lust und got also von dem woren gründe; aber also tut der wise mensche mit in disen goben, und kert er zümole in disen Ursprung, er tringet durch alle goben und 30 genade in verklerte lüterunge, und ensiht weder uf dis weder uf das, danne 1. er sol üch] so sol üch er sü[?] 88, so sol er sü Ol. die der 88. 3. n. und en g. 88. 6. werklicheit 88, wirklicheit 91. 7. versmahtikeit 88. 01. 10. ein höhe f. 88. 91. i 1# (ii s ss. 91. 15 ff. zu der mit ich vermag beginnenden Zeile:} '91 stimmt mit 88 . Die hier anhebende Klammer schliefst bei der mit ein totsünde beginnenden Zeile, unten Z - 19 - 16 f. m. weder f. n. w. weder den t. 88. 17. er f. 88. noch vor hunger] weder 88. 18. mag 88. von] an 88. 19. dete 88. danne f. 88. 20 f. fürdachtes] mit verdohteme mute 88. 21 ff', zu der mit die heiligen beginnenden Zeile:] 'id.' Die Klammer geht bis zur Zeile weder uf usiu., unten Z. 31. der vor mensche] ein 88. 26. wegent 88. gesmag 88. 28. u. mit genugede u. 88. minnet 88, nimmet S. ö0. und] so 88. disen] den 88. 31. in 88, und S. weder noch dis] noch 88. 108 26. Repleti sunt omnes spiritu sancto et ceperunt loqui. blos uf Got on allen züvak,— Hernooli kummet die fünfte gobe, daz ist der rat; und diser goben bedarf der mensche harte wol, wanne nn wil ime G-ot alles das nemen daz er ime hiervor gap, und Avil in rechte nf sich selber Avisen und Avil sehen und daz der mensche ouch sehe was und welich er si und Avie er sich 5 hie inne halten kunne. Hie Avurt er rechte zu gründe gelossen, das er enweis von Gotte noch von genoden noch von tröste noch von allem dem das er ie geAvan oder ie einig gut mensche, das wurt ime hie zümole verborgen und benomen. In diseme ist dem menschen grosse not diser goben, daz er von disem rate kunne sich halten also Got von ime wil; und übermitz diser goben 10 so lert der mensche. gelossenheit und sterben und sich ergeben den gruAvelichen verborgenen urteiln Gottes und den Avezcen des beröbendes des edeln lutern gutes an dem alle sin heil, fröide und trost gelit. Do wurt der mensche beröbet sin selbes in rechter worer gelossenheit und versincket in den grünt des göttelichen willen, mit in diseme armut e und blosheit zu stände ein 15 Avochen oder ein manot, mere, obe Got wil, tusent jor oder eAveklichen, oder, obe in Got ein ewigen hellebrant wolte haben in ewiger pinen, daz er sich darin zu gründe gelossen kan: kinder, dis Avere gelossenheit. Es were ein klein ding und mit daz man tusent weite Hesse, herwider, und was ein klein ding und ein mit herwider daz die heiigen ir leben liessent, wanne sü hattent 20 Gottes trost so gros von innen daz sü es für ein gespötte nanient und frölichen sturbent mit wunnen, und was ein mit herwider; sunder Gottes enberen und darben, das ist verre über alle ding. Und dan so stot darzü in dem menschen uf alles daz Unglücke und bekorunge und gebreste die hie vormoles über- Avunden warent, die vehtent in nu an und in der allerswersten wisen, vil nie 25 denne do man zümole dinne waz. Hie lat er sich in. und lidet es also lange also Got wil , wanne Avenue der mensche im selber gelassen wurt, dan so enblibet er niemer ein stunde in ime do, so ist nu dis nu das, sus und also, das müs er alles Helen unde lassen sich zu gründe darinne, Warumb Avenent ir das zu sant Peter gesprochen wart das er süben Averbe sübentzig Averbe solte 30^vergeben? wanne in dem lassende zu ime selber so ist er so kräng, nüt alleine sübentzig Averbe süben werbe, sunder tusend werbe und one zal, und naht und tag, und also dicke wurt ime vergeben also dicke er ehte widerkert und den uzval bekennet. Das ist ein edel gut ding das men ehte den uzval bekennet und kummet ie Avider zu Gotte. Kinder, in diseme und in alleme müs man 1. blöslichen 88. 2. und 6'6', in S Druck 4. zu der mit welich beginnenden Zeile:] '91 stimmt mit 88'. Die Klammer reicht bis zu der Zeile daz sü usuh, unten Z. 20. welich] wie daz 88. 6. v. den gen. 88. 7. ie ein e. 88. m. wart d. 91. 10. e. denne d. 88. 11. wewen 88, wegen S. 12. h. und f. 88.. 14. diser armut 88. 16. in] sü 88. ewiger 88. 18. her-] hie 88. 19. her-] hie 88. 27. so] von 88. nu vor das] und 88. 91. 29. w. und süb. 88. 91. 32. ehte f. 88. 91. 33/'. zu Das —gotte (eingeklammert):] ' Cod. 88, das eingeklammerte fehlt '. 26. Repleti sunt omnes spiritu sancto et ceperunt loqui. 109 sich lassen und volgen dem rate, und lasse« und übertrette^ alle ding - und keren in den Ursprung wider in, in den grünt und in Gottes willen. Kinder, mit den ersten drin goben was man wol ein heilig gut mensche, mer in disem hindersten wurt man zümole himmelsch und göttelich, und in diser gelossenheit so setzet rechte der mensche sinen füs in das ewige leben, und noch diser pin 5 so enkummet er niemer in keine pin noch helle noch liden, und daz ist unmügelich das Got clisen menschen iemer gelasse; also wenig also sich selber Got mag gelassen, also mag er dise gelassen, wan sü habent sicli im gelassen und haltent sich an daz eine und an den Ursprung. Noch denne das alle pine und alles daz liden aller der weite uf sü viele, sü enachtetent es nüt noch io enschat in zümole nüt, wan es ist irme gemüte ein weide, und ein himmelrich hant sü in allen dingen, und in dem ist ir wandelunge und ir wonuuge. Sü endürffent mit me denne daz sü den andern fus den sü noch hie habent in der zit, noch in ziehent, so sint sü sunder alle mittele in dem ewigen leben, es ist ietzent mit in angefangen und sol eweklichen weren. — Hernoch so kumment 15 denne die sehsten und die sübenden goben, daz ist verstentnisse und smackende wisheit; dise zwo goben die fürent den menschen rechte alzümole in in den grünt, über menschliche Avise in daz götteliche abgrunde, do Got sich selber bekennet und verstat sich selber und smacket sin selbes wisheit und wesen- iicheit. In dem abgrunde verlüret sich der geist so tief und in so grundeloser 20 Avisen das er von ime se lber nüt enweis , er enweis do noch wort noch wise, noch smacken noch fülen, bekennen noch minnen, danne es ist alles ein luter blos einvaltig Got, ein unsprechenliches abgrunde,...ein., wesen, ein .geist; von Seuaden git Got dem geiste daz das er ist von naturen, und hat dem geiste do geeiniget das namelose formelose wiselose wesen; do müs Got in dem geiste 25 äüe sine werg würken, bekennen, minnen, loben und gebruchen, und ist der geist lidig in einer gotlidender Avisen. Von diseme mag man also wenig gesprochen wie es do get, also man A r on goltelicheme Avesen gesprechen mag noch ouch verstan, Avan es ist allen geschaffenen verstentnissen, engelen und menschen, zu hoch von naturen und ouch von genaden. Alsus fürt der heilige 30 geist alle die die ime die stat bereitent daz er sü erfüllen mag, und die in husAvurt lassent sin und die ime volgent. 0 kinder, Avie gerne und Avie über- gerne möhtent wir herumb uns selber und alle ding lossen und volgetent 1- zu der mit lassent beginnenden Zeile:] '91 stimmt mit S&". Die Klammer ist nicht geschlossen, lassent und ubertrettent S, lassen und übertretten 88. 6. kumutet 88. p. weder j n lide n noch in hellen u. 88. 11. enschadete 88. 13. enbedurfl'ent 88. 15. weren f. 91. wenoch so kuut 88. 16. sehste und ouch die subende gobe SS. 17. die f. 88. zümole 88. 1 do] daz 91. 21. do noch] weder 88. 91. 22. noch vor smacken] weder 88. 91. zu ueleu.-] 'Cod. 88, corrig.: befinden'. minnen] die minnen 88. 23. bioser einvaltig-er 88. ^ Alsus] so 88. 110 26. Repleti sunt oranes spiritu sanoto et ceperunt loqui. diseme süssen geiste, der also hüte ist gegeben und alle tage und alle stunde wurt gegeben allen den die sin enpfenglich sint. Das wir nu in alle enpfolien müssent in der edelsten wisen, des gunne uns Got. Amen. 27. Dixit Jhesus diseipulis suis: qui non intrat per hostium. 5 Die dirte uzlegunge von den pfingesten seit wie die schof müssent ingon durch die tür in den schofstal, das betütet Got luterliche meinen und nüt des unseren, one alle annemmenlicheit, und wie wir ouch uieman söllent urteilen in keinen sinen wisen. Unser herre Jhesus sprach zu sinen geminneten jungern: 'fürwar sage 10 ich üch: so wer mit in engot durch die türe in das schafhus, sunder klimmet uf anderswo, der ist ein diep, ein morder; der aber ingat durch die tür, der ist ein hirt der schaffe, dem tut der torwerter uf und die schaf hörent sine stimme, und die eigenen schaf heischet er nemelichen und fürt sü us; und also er die eigenen uzbringet, so gat er in vor und sü volgent ime nach, wan sü 15 bekennent sine stimme; keime frömden volgent sü nüt noch, von dem ilent und liiehent sü, wanne sü bekennent sinre stimmen nüt'. Dis bispel sprach Jhesus zu sinen jungern, mere sü enbekanten es nüt; do sprach er: 'ich sage üch in der worheit, ich bin die tür der schaffe, sunder wie vil der ander kummen ist, sü sint alle diebe und mördere, und die schaf enhant sü nüt gehört; ich bin 20 die türe, wer durch mich inget, der wurt behalten und get in und us unde sol weide vinden; mer der diep der enkummet nüt denne das er stele und morde und Verliese; und ich bin komen darumb daz sü lebent vollekomenlich'. Dis sint die wort unsers lieben herren, also saut Johannes schribet. — Unser herre sprach, er si ein tür des schafstalles. Welich ist nu diser schafstal, dis schaf - 25 hus, do Oristus ein tür an ist? Das ist daz vetterliche hertze; in dem und von dem ist rechte Oristus ein minnencliche türe, die uns das minnenkliclie hertze hat rechte entslossen und ufgeton daz allen menschen für beslossen was. In diseme schafhus ist ein versammenunge aller heiligen. Der scheffer daz ist daz ewige wort; die tür daz ist Oristus nienscheit; die schaf .dis huses daz 30 nemen wir nu das das sint die menschlichen seien; alleine ouch engelsche 1. alle vor stunde f. 88. zu der Nummer:] 'Cod. 80 u. Ol, n'21. zu Z.4:] 'Joh. 10,1 et seq: 9. f. so s. 88. 10. so f. 88. in nach nüt f. 88. 11. d. und e. 88. 91. 22 ff. zu der mit daz sü beginnenden Heile:] '91 stimmt mit 88'. Die Klammer reicht Ms zu der Zeile versammenunge usw., unten Z. 28. lebent] leben süllent SS, 1. süllen 91. 23. a. sü s. 88. 91. 24. spracb] spriebet 88. 27. für] vor 88. 29. daz vor nemen f. 88. 30. das eine das f. 88. 27. Dixit Jheaus discipulis suis: qui non intrat per hostium. 111 nature hörent in disen stal; und in dis minnenkliclie hus hat das ewige wort allen vernünftigen creatnren weg gegeben und ist der gerechte gute scheffer dis lmses. Aber der hostiarius, der torwerter dis huses, daz ist der heiige geist, wanne also sancte Ambrosius und och Jheronimus sprach das alle worheit die verstanden wirrt und gesprochen, daz kummet alles von dem 5 heiigen geiste. Wie der heilige geist dez menschen hertze reisset, neiget und tribet und jaget on underlos, danvon haut wir in disen pfiugesttagen gesprochen, und des haut die wol ein wor bevinden die zu in selber sint gekert. 0 wie minneklichen und lieplichen er dise türe entslüsset, dis vetter- lich hertze, und on underlos uftflt allen den verborgenen schätz und die 10 hehnelicheit und den rieh tum dis huses! Do euist noch enmag nieman vone gedencken noch verston wie offene und wie gereit und wie enpfenglich und wie türstende Got ist und engegen lötende in eime ieglichen ögenblicke und in einre iegelicher stunde. 0 kinder, wie wurt dem lieplichen inladen und manen und sinre begerungen gröslichen entbliben, und das zükomen ime un- 15 zellichen dicke frefelichen versaget! In dem buch Hester stet geschriben daz der künig Aswerus die kiinigin Vasti zu einem mole lüt und ir enbot daz sü zu ime kerne; do er in sime hochgezit waz und su enkam nüt, darumbe ver- smehete und verwarf er sü eweclichen niemer zütz ime zu kommende, niemer für sin antlitze, und erweite ein ander, die liies 7/ester, an ire stat. 0 lieben 20 kinder, wie manige manunge und ladunge wurt versaget so dem heiligen geiste selber, und mit allen creatnren dem also entbliben und widerstanden wurt; war uns Got wil haben, so wellent wir ie ein anders. — Diser torwerter heischet us die eigenen schaf, und heischet sü ouch der scheffer und leit sü, der do ist das ewige wort des vatters, der heischet und leit sü nemmelichen 25 us, und er get in vor und sü volgent ime noch. Diser scheffer der leit und heischet die eigenen schaf: war? dar er wonet; er gat in vor das sü ime volgent: war? in das schafhus, des vatters hertze, do ist sin Avonunge, sin sin , sin rasten. Aber alle die dar kummen süllent, die müssent gan durch die türe die Christus ist, nach .....siner ._.menscheit. • Das sint die eigenen schaf die des iren 30 n ut ensüchent noch enmeinent in enkeinre wisen, und meinent und süchent kleine Got luterlichen und blöslichen in ime selber, und nüt anders danne sin e re und willen, nüt darzü. Diesen get er vor und sü volgent ime noch und nüt 2. i. dis d. 88. 3. hostiarius der f. 88. 4. su der mit Ambrosius beginnenden Zeile:] 'Ol stimmt mit 88'. Die Klammer reicht bis an den Schlufs der Predigt. oeh f. 88. *• daManvon 88. 9 f. vetterlieheu 88. 10. herzen Ol. 11. Da von kan niemant noch mag Vnich 12. bereit 88. 14. einer 88. 15. siner 88. 16. zu In — Iiester] In der kimige buche 8; dazu: 'Cod. 88, corrig.: in dem büchHester'. 17. Vasti] Hester S; dazu: 'Ib. [88] corrig.: Vasti; corrig.: Vasti 91'. 19. zutz f. 88. 20. antlit 88. die Ines Hester] swester S; dazu : . gez. und ufgefurt 88. 22. a. der v. 88. 23. ungedenklieben 88. 25. ieglicher e er 88. 27. Mmmel noch in e. 88. 31 f. st. sebw. vnd in ein vnsprechlicl! göttlich Meinung Druck. 34. s. und noch g. 91. noch] weder 88. 118 28. In illo tempore erat homo ex phariseis. der mus allen creaturen und ime selber sterben und Gotte alleine luterliclien leben, und mit in den sinnen enmüs er leben und mit uzlouffen nu bar nu dar, nu sus nu so, in manigvaltige manigvaltikeit und ussewendike.it; alleine es gute werg schinent, so ist es diseme ein gros bindernisse danne alleine Gotte 5 leben luterliclien in allen dingen und Got in allen dingen nemen und alle ding in ime. Alsus kummet man zu diser heiliger wunnenklicber hochgelobeter drivaltikeit, von der ich mich zu kräng und zu snöde bekennen zu sprechende. Das uns dis allen geschehe, des helfe uns got. Amen. 29, 30 und 31: S. Nr. (»()■'■ '■ /■ {nach der Engelberger Handschrift). 32. Scriptum est in Johanne: 'caro raea vere cibus est, sanguis 10 meus vere est potus'. Die dirte uzlegunge von dem sacramente seit von der würdikeit, von dem nutze und von der bereitschaft, mit vil hoher überswenckiger sinne, die alleine ebne luteren, einfaltigen, lebelichen gelouben zügehörent. 'Min fleisch ist ein wore spise und min bliit ein gewore trang, und 15 wer hievon trincket und isset, der sol eweklichen leben'. So der mensche ie merre genoden enpfohet, so er ie me schuldig ist, und so der mensche ie me dangnemekeit sol haben unde lop und ere und dienest. Nu sint alle Übungen und alle goben und genoden ein weg und eine bereitunge zu Gotte, das der mensche mitte zu Gotte kome und in Got; mer dise gobe die ist daz ende und 20 der Ion und ist Got selber sunder mittel und on allen underscheit, und git sicli dem menschen alhie selber mit ime selber sunder mittel one alle gelichnisse, und vereinet sich alhie dem menschen alzumole einvelteklichen und luterliclien; und dannanvon ist dis ein liberminnenclich und ein überwesenliche gobe und hochgezit, die alle ding ubertriffet. An dem heiligen grünen dunrestdage 25 so mag man diseme mit sin volle getan, wanne die österlichen hochgezit kumment ime zu nohe, daz wir von unserre krangheit und sinre grosheit ime mit getün enkünnent, und darumbe so hat es die heilige kirche gebessert und hat es herwider gerüffet, daz wir nu mit aller kraft und minnen herin gerüffet 4. e. gar g. 88. 5. u . onch a. 88. zu der Nummer vor ZI. 0:] ' Cod. 80 u. 91, n° 26". zu Z. 9 f.:] 'lieber Joh. 6,65\ iß. genoden] goben SS, gaben 91. 18. alle goben und f. 88. 19. bei der mit kome beginnenden Zeile:] '91 stimmt mit 88'. Die hier sich öffnende Klammer ist nirgend geschlossen. die (vor ist) f. SS. 20. git] vereinet 88. 28. es /'. 88. 32. Scriptum est in Johanne: caro mea vere cibus est. 119 sint in daz wunderliche werg, anzusehende mit alleme vermögende und sinnen und mit dangberem lobe und minnen, und verre darin über das man vermag. Denne 'min fleisch ist ein gewore spise und min blüt ist ein wares trang': die dis also ausehent mit den sinnen ussewendig also spise, trang, brotes und Avines, die ensmackent noch enwissent nüt von diser edelen fruht und von der 5 unspreclienlichen süssikeit die hie inne verborgen lit. Ander spise die der mensche nützet, die ist in ir selber tot und snöde und enpfohet leben in dem menschen und wurt in ime geedelt; mer dise edele spise die lebet und ist selber das wesen des lebendes, und alle die die von diser spisen gelabet und gespiset werdent, die lebent eweklichen, also unser herre selber sprichet: -'der 10 min fleisch isset und min blüt trinket, der lebet ewecliche'. — Do er dise rede gesprach, do giengent vil siner f runde bind er sich von ime und verstundent sinre rede nüt und sprochent: 'wer mag dise rede gehören?' Sü nament es mit den sinnen, in dem gingent sü von ime. Mere dise gobe ist verre über alle sinne; hie ist der spiser und die spise ein. Nu Avere von diser hoher 15 würdekeit drü püntelin zu sagende: das eine von der überedelre würdekeit diser spisen; das ander von dem grossen unbegriffen nutze den dis bringet mit würklicheit den die sü enpfohent; das dirte weliche die bereitunge si die man herzu haben sol. Nu wil ich gerne hievon sagen also verre mir G-ot genade herzu git. Aber von disen hohen, wunderlichen, verborgenen, türen dingen so 20 enkan ich nüt gedencken noch geprüfen mit welicher kunne Worten daz man hievon muge gesprechen, das so unwortlichen ist und verre über allen gedang und Vernunft menschen und engelen und allen creaturen in himmele und in erden. Lieben kint, hettent wir nu einen zümole rechten lutern indewendigen menschen, der werlichen innig were, der möhte hievon wissen in gefülender, 25 smackender und in wesenlicher Avisen, aber er enmöhte es nüt zu Worten bringen noch nieman dervon gesagen, noch er enkan es mit sinnen noch mit Vernunft nüt begriffen. Aber leider nu vindet man vil ltite in geistlichem schine, das sü allen iren lebetagen von irre kintheit untz uf ir alter alles uf in selber stont in sinnelicher Avisen und in manigvaltiger wdrkunge uz eime in 80 das ander, nu her nu der; die enmögent von dem richtüme n/ 27.' zu Z. 1:] 'Über Joh. 6,55'. 6. beim Beginn der Predigt:] '91 stimmt mit 88, ausgenommen das am Band beigeschriebene'. Die hier beginnende Klammer ist nirgend geschlossen. zu eine:] 'Cod. 88, beigeschr.: gewore'. 9. zu d jse.'] 'Ib. [88] beigeschr.: dinge'. 10. I teils? 13. e. das a. 88. 14. fronlicham 8S. IS. und] noch 88. 17. eigenre f. 88. 19. a. so w. 88. verwandelt 88. 21. zümole f- 8 8- 26. ein also 88. 27. gestüppe SS'. 32. mit] in 88. 126 33. Caro mea vere est cilms. Judas. Die andern nement es sacramentliche und oucli geistliche in ire seien, sä enpfohent doch wenig genode und fruht und trostes dannanvon; das sint die die mit vil tegelichen sünden und unbereit und unandechtig es enpfohent. Die dirten die enpfohent es mit grosser heilger fruht und unmessigem nutze. Die 5 vierden die nement diz sacramente geistlichent, sunder sacramente; das sint gute luterre hertzen die dis heilgen sacramentes begerent und in nüt also zu der zit werden enmag; die enpfohent die genade des sacramentes villiht nie denne die es sacramentlichen enpfohent, darnoch das ir begerunge und ir meinunge ist. Und dis mag ein gut mensche hundert werbe des tages alsus 10 nemen, er si wo er si, siech oder gesunt. Alleine man es sacramentlichent enkeine Avise me sol nemen denne des tages ein mol, on alsus geistlichent, so mag man es mit unmessiger genaden und fruht nemen mit heiliger begerunge und andaht. Wanne manig mensche allezit daz sacramente wol enpfobet, in sinre sele und in dem ewigen lebende sol er es wol gebruchen, obe ime Got 15 des gan das er ane totsünden runden wurt; doch der minneclichen uzflüsse und. der unzellicher genoden die hie gegeben werdent, die enwerdent ime niemer, wanne sü blibent uf der bezeiclienunge ussewendig und enkummewt nüt in den grünt und gont mit vil vil tegeliclien sünden, und leweclichen gont si der unde genodelos gont sü dannan, und sü blibent itel und werkelos und kalt 20 und fürblibent alzümole von der grossen liindernisse wegen. — Weles sint nu die eigenen liindernisse die dem menschen disen unsprechenlicben schaden tünt, das inen dis tiiren Schatzes nüt enwurt der himmel und ertrich erfüllet in richeit, und alle itel und waw dobi blibent, also ir alle tage wol sebent an manigen menschen? Dis süllent ir mercken. Es sint tegeliche gebresten die die niinne- 25 Litze in irine werke erkaltent und das hertze zerströwent und andaht ver- tribent und hinderent, und den heiligen trost benimment und vertribent und Got ime unlieimelicben und frömde machent. Alleine sü nüt die gnode gerwe tö teilt in dem wesende, so tünt sü doch disen schaden und gebent grossen gefüg und nelie und neigunge die genade zu verlierende und in totsünden zu 30 vallende, ouch wie sü docli tegeliche sint, Nu dise tegelichen liindernisse die sint zweierleige, dise gebresten: die einen das sint stände gebresten, die andern daz sint fliessende gebresten; dise alle bede hinderent disen seligen influz der genaden des heiligen sacramentes. Den underscheit verstont: die gestandenen gebresten die sint etteliche hinderent gröslichen, das ist das der mensche 35 ist mit willen und wissende besessen mit den creaturen und verbeuget das 1 /• s. aber s. 88. 3. u. oucli uub. 88. imandekteklicken 88. 4. die (vor enpf.) f. 88. ßf zu und —sacramentes:] 'Das eingeklammerte fehlt in Cod. 88, steht aber in 89 (fehlt in 91).' 17. enkoment 88, enkummet 8. 21. t. und disen grossen schaden tunt d. 91. 22. inen 91, man 8. dis] des 88. 23. wane 88, wanne 8. manigeme 91. 24. i. gar eben m. 88. 31. zu dise gebresten;] 'Cod. 88, durchgeslr. und corrig. durch: die eine das sind stände gebresten.' die —stände fehlt S (89. 91). ' 35. u. mit w. 88. 33. Caro mea vere est cibus. , 127 mit minnen und genügede, sü sint weliclier kunne in ertriclie daz sü sint, lebende oder tot, der Got nüt ein wäre sache enist. Kinder, alles daz do der mensche sinneliclie genügede an suchet oder minnet, das ist alles tegeliche siinde, und etteliche ist also gros das man lihte zelien jor oder j vil nie darumb söI~büraen"Tn dem fegefüre . Nu dise gebresten stont also 5 das der mensche die creaturen und dise genügede nüt durch Got wil lossen, und die creature besitzet die stat Gottes in inte, also das Got nütz do gewonen noch gewürken enmag. Dis mos der mensche prüfen was do .in ime si, er mag es ouch selber sin in eigener unordenunge uf sine möge oder uf sine spuntzieren. Ach kinder, der gebreste ist nu leider so 10 gemeine, wie ein iegliches vil gewunne und gewinnet unde samelet und haltent und sint so karg! Das tünt geistliche lüte und ander lüte, nieman engenüget, iederman gedencket Avie er vil gesament, und so buwent sü grosse hüser und molent die mit affenheit, und der in ziehent sü wunder und iren sinnen lust, so sint es denne die silberin trinckevas und denne die gezierde, und sint 15 denne die kleider und die gerillte, und wellent in allen disen dingen lust haben und gesehen sin, und vestent rechte die steten tegelichen Sünden mit iren sinnelichen gelüsten für sich und in sich, und ist in ettewenne leit das •sü ir so wenig habent, und süchent früntschaft und kurtzewile und lihtverti- keit, do sü Got Aveder ensüchent noch enmeinent noch envindent. Ach kinder, 20 wie nahe sippe sind dise dem mordigen schaden der totsünden indewendig und ussewendig! E man es gedencket oder geprüfet, so ist man in manige gesuncken. Kinder, dis sint die standen hindernisse da ieder mensche mitte vaste get, der eine mit dem andern, zu dem heiligen lichamen unsers herren Jhesu Cristi, und wil ein iegliches doch sine wise halten und diser dinge 25 enkeines lossen und enbevindet Gottes noch sins trostes nüt, des lossent sü wol sin und kerent und haltent sich an ir ding, an die creaturen, und verblibent also viertzig oder fünftzig jor in geistlichem schine; und wissent es ist grosse sorge obe sü iemer behalten werdent, wanne ir grünt ist gewennet und Avissenliche verstricket mit creatürliclieit; wissent, sü enwissent nüt wo sü 30 daran sint. Nu vindet sü so vil glosen: 'ich müs dis haben, dis schat nüt, das schat nüt', und alsus wisent sü die hindernisse in sich und Averdent in also Wesenlichen das sü enkeine conciencie darumbe nüt enhant noch enkeine ahte. Dis sint starcke grosse hindernisse, rechte vormuren vor dem werke Gottes, daz sü das niemer mugent geAvar Averden, sü tünt Avas sü tünt; wanne also 35 vil die creature do füllet, also vil müs Got Aviderkeren mit sinen genaden. — 3. oder minnet f. 88. 5. m fegefüre:] obe man sü ungebüsset dar bringet [88}. 6 - die] dise 91. 9. do 88, das S. ime] inne 91. 11. u. vil g. 91. zu und gewinnet:] 'Cod. 88, dwchgestr.' sammenent 88. IG. disen f. 88. 19 f. Hhterikeit 91. 22. und] oder 88. 23. gestandenen 88. 27. k. sich u. 91. 28. i. eime g. 88. 31 f. schat (3mal)] schadet 88. 3C. creaturen (n gestr., dann wieder gesetzt) S, creatur Druck 128 33. Caro mea vere est cibus. Danne der fliessende gebreste, der ist das der mensche unbesessen, unbevangen ist mit keiner creaturen, tot noch lebende, und vindent sich allezit bereit zu lossende so was er wüste wissentliche das Got nüt von ime wolte haben, das were was das were, menschen oder sine front oder gut; doch so enist diser 5 mensche mit also bewarsam also er solte, und ist Überwindelich von natural an sinen natürlichen gebresten, welicher kunne die sint, es si zornikeit, hoch- vertikeit oder trackeit oder lichtvertiger worte. Also er denne kummet zu der Ursachen diser dingen do ime zu ist, so übertrittet er sich, es si an zu vil klaffende oder an zu vil trinckende oder an zu vil essende oder an zu vil 10 gemütekeit oder an zu vil bekümbernisse; und alleine die sünde an in selber ettewenne merre sünde sint, doch wenne dis zu kummet von krangheit und unversehen züvellet, so ist es ungeliche minre hindernisse und mittel vil minre, wan der grünt do luter ist, alleine der zuval böse ist. Doch also der mensche zu wolte gon morne oder hüte und denne diser zuvelle nüt behüt enwerde, das 15 hinderte den menschen alzümole sere an der minnecliclier züfugunge in füreinender wisen, und verkleinent die getruwunge und zerzühet und zerströwet das gemüte, und wurt dis minneclichen influsses unenpfenglich und des ver- klerten liehtes in ime. Doch obe dise hindernisse ungewillichent also gestern werent gevallen, so sü mit hertzeleide an werent gesehen, so hinderent sü nüt 20 also sere also obe sü hüte werent geschehen, wanne die bitterkeit und daz getrenge mit wewen dis angesehendes, das schüret den rost des gebresten ein gros teil abe, unde wolte der mensche aber hüte unbehüt sin, das er hiemitte zerströwet wurde, es were mit klaffende, mit zit verlierende oder mit bekümbernisse, daz hinderte zu sere, eine hindernisse uf das ander. Mer doch endarf 25 der mensche umb susliche ding nüt zümole lossen; get man zu, man ensündet nüt domitte, so es deine menschen leit ist, men möhte sich wol erkobern des nehsten tages. O v ch hindert die nature, das der mensche ungeschicket ist so der mensche zu vil oder zu wenig gesloffen hat oder gessen: ein mensche solte ettewenne kume einen muntvol essen und besehen obe es die nature zükomen 30 möhte. Kinder, es müz gar luter sin do Got sin unsprechenlichen heilikeit instürtzen und ingiessen sol. Kinder, dis sint die hindernisse des göttelichen minneclichen influsses des edelschatzes der do verborgen blibet. — Ouch sint gute luterre menschen ettewenne trege und slefferig, mere wider alle geheng- nisse, das sü des sloffes vil von naturen habent, nie wenne ir fride si; die 35 endurffent es ouch derumb nüt lossen. Es sint och etteliche hindernisse das etliche lüte alles das ire süchent, trost und bevintlicheit und wolsin, und 1. u. und u. 88. 6 f. z. oder h. 88. 8. d. also do 88. sich f. 88. zö vor vil tr. /'. 88. 12. unverselienliclien 88. 13. alles S, und alleine 88. 15 f. vereinter 88. 17. dis] des 88. 18. ungewilleclicken 88. 19. hertzeclichem leide 88. 23. mit zit verlierende f. 88. 24. die andern 88. 26. nie er enmohte 88. 28. oder zu wenig f. 88. 33/'. a. ire g. 88. 33. Caro mea vere est cibus. * 129 enfundent sü des mit, sü engingent nüt zu; die meinent sich verbörgenlichen me denne Got; dise Mte die wiset Got dicke uf sich selber mit grossen hammerslegen von ussen, die er uf sü losset vallen, und indewendig, das sü werdent getrungen mit getrenge also obe sü helscher pine befundent; en- geschihet diser enkeines, so sint gewis gruweliches fegefüres. Dise verblibent 5 und sint rehte hure also vernent, und enwurt nüt drus. — Ouch sint etteliche gute menschen also vol blinder vorhten, wanne sü nüt in bevindender wise eines brandes oder grosses Werkes in in bevindent, alleine sü doch kein merg- klich hindernisse emvissent, so endurrent sü ouch nüt zügon und verblibent ouch. — Sunder die enpfohent diser edelre fruht allermeist, die iren grünt 10 und ire meinunge luter vindent und denne uf zu Gotte gont, er gebe oder ueme, und lossent nüt abe und trmvent und geloubent ime in habende und in darbende; sü werdent in Gotte geboren und Got in in, und vellet wol uf sü ein hindernisse von innan oder von ussen, do kerent sü snelleclichen von und enblibent nüt deruf mit langeme kifelende, sunder sü minnent und meinent 15 Got, darin versenkent sü sich unde engesehent ouch nimmer uf sine goben, sunder uf in selber, sü nement alle dinge usser ime und tragent sü wider in in. In disen menschen würcket daz heilige saci'amente wunderlich edele ver- klerunge, in den ist dis der nehste und der kürtzeste weg. Der mensche der möhte mit solicheme ernste zügon, wer er in dem grote__iezent das er kummen 20 mohte in den nidersten kor, er möhte ervolgen in dem einen das er geordent Wurde in den andern oder in den dirten oder in den vierden kor. Er möhte wol also dicke und und also vil zügan, er wurde übermittes disen weg erhaben m_den obersten kor, jo über cherubin und seraphin, über alle engelsche nature. Aber dis ensol der mensche nüt meinen nüt anders denne den liebesten willen 25 Gottes und sine ere. Die wunder die dis edel sacramente wurket in eime lutern gründe, das ist über aller engele und menschen verstentnisse, wie der geluterte mensche wurt alzümole erhaben mit diseme über sich selber und über menschliche wise und wurt in Gotte gezogen und mit imme in demme gründe vereinet. Enmag denne demme edeln geluterten menschen dise gobe sacrament- 30 lichent nüt werden, so ergebe er sich darzü das er es geistlichen neme, und •las sol er zu dem minnesten einest des tages tun, er höre messe oder nüt, eilige siech oder wo er si. — Ach kinder, wel ein wunder fürmöhten wir mit trotte, obe wir zu uns selber kertent und dobi blibent und nement der genoden in uns war! So fürmöhtent wir rechte alle ding und fundent rechte himmel- 35 rieh in uns. Leider, leider, das entünt wir nüt, und ist des leiden uzlouffendes S P vil das es sunder alle mosse ist, so ist es dis, so ist es das. Also ir nu 1. so engingent sü n. 88. 8. br. und 88. 91. grosser werke 88. 11. uf got 2 ' S- g- S. 14. do] so 88. von] dovon 88. 15. e. bi nute do uffe SS. sunderlichen 88. 17. sunderlichen 8S. usser 89, yon 88. 91. 19. u. ouch d. 91. 24. s. und ü. 88. 25. d. edel m. 88. 27. aller 88, alle S. 30. dem e. 88. 35. rechte (vor alle) /'. S8. 37. so (vor fil)] also 91. Deutsche Texte des Mittelalters XI. 9 130 33. Caro mea vere est cibus. mit flisse hant gelöffen und das wort Gottes gehört liant, und e man es wenet, so enwisset ir nüt me darumbe und louffent denne eime andern noch und wissent weder Jens noch dis und kerent uz, und ist des leiden gerummeis also vil. Wir sint rechte wispelechter naturen, ich mit üch und ir mit mir, unstete, 5 wanckelsam. Ich hin in solichen landen gewesen do die lüte also menlich sint und tünt also wore starke kere und blibent dobi, und bringet das Gottes wort do merer wiirklicher frühte in eime jore denne hie in zehen joren, und sach man wunder an disem wunnenclichen volke und grosse genode. Sunder ette- liche laut do geberent sü alles wipliche, wie manr/es an sü kummet, so 10 enwurt doch niemer mit derus. Diz enhörent ir nüt gerne daz man üch hiemitte meine. Kinder, wir müssent man werden und tun einen kreftigen ker, oder do enwurt nüt usser uns. Wie jemerlichen ist das daz die grosse genade Gottes von uns verwarloset wart! Des möhte eime mensche sin hertze dovon dorren und sin lip. Und ist nu leider in maniger samenunge das men also 15 gerne nuwe mere seit, was die und die und der und der seit und tut, so sint es alles affechtige bilde. Und die gerne von Gotte hörent und sagent, die enmügent disen niergent wol getun, und das urteilent sü. Kinder, dise stette und diser lüte heimelicheit die fliehen t ufte mich, und fliehent für uwer bette sitzen und enslielTent uwer hertzen und wartent was Gottes und sines willens 20 si, dem volgent! Und obe ir des willen Gottes nüt enwissent, so nement einen guten rat von mir, wie ir tun süllent: wanne ir zwei werg oder zwo wisen vor hant, das ist tun und lossen, und nüt enwissent in den daz beste, so nement alle wege aller erste uwer selbes war, und das ist das sicherste das der naturen aller widerst ist, und do sü aller meist zu geneiget ist, in demme 25 sint ir aller unsicherst; wanne ie me ir der naturen lebent und irme luste, ie me ir Gotte minre lebent und sinem willen; wie ir der naturen minre lebent und iren lusten, ie me ir Gotte lebent und sine»* willen; ie me ir dem geiste wellent leben, ie me ir der naturen müssent leren sterben. — Nu dis ist denne die rede von disem übereigenlichem sacramente. Es ist demme also ungelich 30 welich man davon sagen wolte, welichen nutz, welichen frummen und Gottes ere und aller seligen fröide und aller menschen besserunge und grosse bekerunge der tütlichen sündern und erlösunge der seien in dem iegefure. Man vindet das ein geist eime Gottes frün de erschein in einre liebten flammen unmenschlichen allezümole vackelnde, und sprach daz were darumbe alleine 35 das er fürsümig were gewesen an dem enpfengnisse des heiligen lichamen unsers herren Jhesu Cristi und litte darumbe unsprechenliche pine der nieman gelouben möhte. Aber sprach er zu dem guten menschen: 'wiltu einest mit 7. hie zu Cöllli Dr. 8. u. gar g. 88. 9. wipl. gemüte 8, dazu 'Cod. 88, durchgestrichen'. 10. manges B., man es 8. 11. man] zu mannen 88. 15. seit und f. 88. 19. uwer hertzen] ueh selber 88. 24. widerzemcst SS. 27. sinen aus sime S. 29. denne 88. 30. solte 88. 35. der enpfenglicheit 88; 91 wie 89. 37. Aber bis leben S. 180 Z. 5 f. 88. 91. [34. 35] 36. Erant appropinquautes ad Jhesum. " 131 andalit den werden licham unsers herren Jhesu Cristi enpfohen für mich, daz sol mir helfen'; der det dis; der geist kam zühant des nehsten tages zu dem menschen und blickete und glentzete ine denne die sunne und was von dem einen enpfengnisse aller sinre unlidelicher pinen quit worden, und für alzuhant in_ daz ewige leben. Got gebe uns allen wol zu lebende, das gebe uns allen der vater und der sun und der heiige geist. Amen. 34. 35: s. unten II Nr. 60* und 60\ (nach der Engelberger Handschrift). 36. Erant appropinquantes ad Jhesum. Die bredie usser sancte Lucas ewangelio von dem vorgenanten dirten sunnentage seit von vier leige Sündern, von iren strengen töden, und ouch wie Got einen iegelichen gutwilligen menschen suchet mit maniger leige wider- 10 wertikeit. Man liset in dem ewangelio von diser wochen das sich die sünder uohetent zu unserm herren, und stot in dem ewangelio das unser herre ein glichnisse seite und sprach: 'wer ist under üch der hundert schof hat, und Verlöret er der eins, lat er nüt denne die nun und nüntzig in der wüste und 15 suchet daz eine das er verlorn het untze das ers vindet? So setzet ers uf f lne achselen und ladet alle sine frünt und sine nochgeburen das sü sich mit mie fröwent, er habe sin verlorn schaf fanden.' Uf dis wort gat die bredige. Kinder, wir sint alle sünder und alle mensche, und wer das spreche das er one sunde were, der were ein lügener, und die worheit were in ime nüt, also sancte 20 Johannes sprach. — Nu wil ich sagen von vier partien der sondere. Die ersten von disen vieren das sint dise groben, weltlichen, frefeln, mutwilligen, fleischlichen wilden lüte, die Got weder enforhtent noch enminnent und in grossen groben totsünden lebent frevelliche alle ir tage, und sü enwellent weder wissen noch hören von Gotte; sullent sü ein messe hören, so stont sü also springlichen, 25 und duncket sü gar zu lang. Dise sint Gottes unahtsam und aller tugent- Ucher dinge also verre also es Got und sin ere anget. Dise selben nohent unserm herren, sü gont zu dem heiligen lichamen unsers herren zu vasten, und liant doch nüt ganzen willen von iren wisen zu lassende, sü wellent tun also e. 6. der vil h. 88. zu der Nummer: 'Luc. 15,1 u. f.' 12. zu Z. 1 der Pred.: '91 rttmmt mit 88'. d. heiigen e. 88. 13. d. heiigen e. 88. 16. zu vindet: ' Cod. 88, heigeschr.: und so er es gevindet'. 22/: freischlichen etoltzen w. 88. 23. weder forchte hant noch minne 88. 9* 132 36. Erant appropinquantes ad Jhesum. Wisseiit das disen menschen besser were daz sü hundert tusent tüfele in iren lichamen enpfingent, wanne bü nement den lichamen rechte also in Judas nam, und werdent schuldig an dem licham unsers herren, also sancte Paulus sprach. Wer in nimmet in keiner totsünde, kinder, wustent ir wie engestlichen und 5 wie sorglichen es umb dise lüte stot, uwer hertzen möhtent üch darvon dorren in uwerme libe; und wustent sii es selber wele martel und jomer und das gruwelich urteil und die engestliche not so sii eweclichen liden süllent und müssent, ir bescheidenheit entmöhtent es mit erliden; und also sü zu dem ende komment und sehent wie es umb sii stat und gestanden hat, so liebet sich 10 denne erst jomer und not in in, das sü dicke in zwifel vallent und in einen gantzen untrost unde werdent ewecliche verlorn; und werdent ir etteliche ussprechen, also wol kurtzeliche befunden ist, so sprichet man sü rosent; es kummet von dem bitterlichen äugest do sü inne sint, und ouch von der grunde- loser barmehertzekeit Gottes das andere menschen domitte gewarnet werdent. 15 Kinder, dis were grosse not das sü getruwe bihter hettent die in den lichamen unsers herren verbüttent und in seitent wie sorgliche es umb sü stünde; der nu tapfere lerer unde Dichter bette, des enwart nie so grosse jemerliche not mit disen verherteten steinen hertzen. — Das ander von disen partien daz sint ouch grosse sunder, und dise menschen sint gar in eime guten 20 schine und sint von grossen Übungen und tünt vil gut werke und tragent den lüten ein vil gut bilde vor; und dis sint ypocriten und hant eine phariseliche wise und vol eigens willen — 4. zu keiner:] 'Cod. 88, corrig.: deheiner'. 5. h. die m. 88. 7. gewöuliche 88. u. ouch d. 88. 12. us- f. 88. 13. den b. angesten 88. 18. steininen 88. Die andern 88. 1Ü. s. ouch g. SS. gütenj heiligen 88. 22. v. des eigenen 88. Hier beginnt die Engel- berger Handschrift (E), der wir von nun an folgen. IL Stück 36 (Schlufs) bis 71 aus der Cngelberger Handschrift 12k, samt Ses arten der freibürg er Handschrift 41, sowie der Strassburger Handschriften nach den j/Tbschriften von JCarl Schmidt. [2 r ] — und minnent sich selber und das ir in allen dingen und sint nofertig und ungelossen. Diser leije lüte sint och grosse sünder und do für enhant si sicli selber ni it; denne si sint minner irs selbs. Kinder, dis sint och gar sörgkliche wege di si gont, die Gotte gar 5 wider sint, und mit den selben wisen und werken mit den si zu Gotte solten San, mit den selben rtiehent si verre von Gotte und verrent sich von im, als wie sie tunt grosse gute werk, die schin hant von tugenden, als demütkeit in Worten, in werken, und mit dem selben kerent si zu in selber mit liofart und tunt 0 mit iren ewigen schaden. Und dise selben lüte die gevalhv?,/ in selber, 10 Und dannan von so enkan kume ieman vor in genesen. Si sint vol Urteils anderre lüte. Als unser lierre och nie vor den phariseen enkonde genesen, also ist disem volke. Si sint vol urteiles und slahent uf alle die die von ir wisen nut ensint, wan si sint irs selbes vol in geistlicher hofart. Und diser gebrest der warf die aller höchsten engele in das aller tiefste abgründe. Do von 15 hutent üch hiervor als vor dem ewigen tode. Kerent zu üch selber und da urteilent und ennement üch niemans Urteils an! Wer ein ding ze mole bös, noch denne so begütent es, wo ir jnugent, in üch selber und engegent üwern nechsten, das nieman vol gebresten enwerde. Kinder, dis sint die von den nun vnd nünzig schoffen die er lies in der wüsti und suchte das ein schof. Das ander: Got enthalt zemole mit [2 V ] von disem verkertem volke noch er engedenket ir mit noch er enweis ir mit, als ein ewangelium spricht: ich enweis üwer nüt.' — 20 25 4 - ir selbes minner S. 8. gute f. S. w. aber si tunt werk die, dann aber —werk 9 riehen E. 9. su s i c h zu S. 10. geuall (sehr gedrängt) auf Basur E, gevallent 91. durch 1 y. 12 ' and ' re E - P harisen E - 15 - urs P r - : die aller tiefsten E. 18-19. hier mlen ein mit Faden gefliehter Bifs, dem der Schreiber ausgewichen ist. 19 f. d. kein S Teste dovon werde S. 24. nüt {vor noch)] nit (mit Circumß.), von jüngerer Hand (eines Korrektors) übergeschr. E. 136 36. Erant appropinquantes ad Jhesum. Die dritte partie von sündern die sind kalt slafflge lewe menschen. Dise menschen die sint in dem heiligen töffe gewesen als sie alle. Aber das hat Got verhalten das si mit ensint in nemmeliche totsünde gevallen der dinge die die heilige kilche gehotten oder verhotten hat. Dar uf verlossent si sich 5 und hant enkeinen flis noch ernst zu Grotte noch zu götlichen dingen. Si singent und lesent vil bücher und kerent der hletter vil har und dar. Mer do enist weder smak noch gnade inne, und in ist wol mit den creaturen: do hant si minne und genügde, und die smakent in und do mit ist in wol und dar in gewennent si sich mütwilklichen und frilichen und suchent do an den lust und 10 die genügde die in werden mag, vnd reissent sich selber dar zu mit allen den wisen, Worten und werken, mit kleidern, mit gelosse und mit maniger hande wise und wandelunge, in gande, in stonde, mit goben, mit hotten und mit brieven: so gent si sich us in maniger unbehutheit irre sitten, irre sinne, und meinent doch si wolten gar nöte totsünde tun, ja, die merklich weren. Aber wie es 15 umbe dise lüte stot, das weis Got wol. Si mügent sich wol fürchten. In ist recht geschehen als den lüten die böse magen haut, die unreine böse ding, das ful und unrein ist, do inne hant, das stinket und gat in uf, das si enkein gut spise gessen enmügen, und der gesmak ze aller guter spise ist in vergangen, und ob sie och essent, es en [3 r ] smak et in nüt, und gute ding die dunket si 20 bitter nach der bosheit die in in ist, und in ist als den fröwen die swanger sint, die gelust etwenne eitle und unrein ding. Recht also ist disem verdorbenem volke. Der mage irre minne, ir inwendikeit, die ist vol mistes der creaturen; dar umbe ist der gesmak aller götlicher himelscher dinge vergangen, und die dunket sie bitter und unsmeklich. Si sint swanger worden in irme inwendigen 25 gründe von den creaturen, si sin tot oder lebent, und do von gelust si erden und unreins dings, und das ist ir spise, ir lust und alles uswendig italkeit. Die meister sprechent das die erste materie die türst alles nach formen die ir eigen ist. Die materie in der müter libe, als si swanger worden ist, zem ersten 30 so ist es ein blosse materie. Dar nach gewint die materie ein tierliche forme. Die materie wartet und türstet nach einer menschlichen forme. Als die materie des menschen bereit wirt, die türstet nach einer ewiger, vernünftiger, nach Got gebildeter formen. Die forme die engewint niemer ewekliche raste, si enwerde über formet mit der forme die alle formen in ir treit und volmachet: das 35 ist das ungeschaffene ewig wort des himelschen vatters. 1. part. ie: vor i scheint ein e radiert E. 4. verb. oder geb. S. 13. in nachtr. über- geschr. E. 14. gar nöte] ungerne 8. 15—16. llifs wie auf der Vorderseite d. Bl, E. 18. nach ze aller durcJigestr.: ze keiner E. 19. dunkent S. 23. ist in der g. S. 30. es nachtr. übergeschr. E. 31. wartet: et nachtr. übergeschr. E. turstet ebenso E. 34. vor überf. nachtr. am Bande v. j. IL denne E. 36. Erant appropinquantes ad Jhesum. 137 Die sele die hat einen funken, einen grünt in ir, das des Got nüt envermochte, der alle ding vermag, das er den tnrst geloschen mochte mit tit anders denne mit im selber. Aber gebe er ir och den geist der formen, alles JJ.as er ie geschüf in himel und in erden, es enbenügte in mit noch [3 V ] ensettet in_nüt; das ist im inne von nature. 5 Disen grünt und dis höischen das verdamnewt dise verkerten menschen, und ginent als ob si mit dem winde wenent gesettet werden; und dar umbe ensmakent in alle gütlichen ding nüt; wan der gesmak ist enweg, des magen 10 pf ist verfulet; si nohent sere dem ewigen tode. Lieben kinder, was went ir das dise lüte tun stillen an irem ende, als 10 S ff f e ^ ient das s i ii'en natürlichen adel alsus verkert hant und mit so italen enheiten als unmessig gilt versumet hant und iren grünt verderbet und verquetschet haut? Och kinder, die not und der iomer der do werden sol, der gat tiber alle not. ' 15 Nu pruve! Nu hat der mensche doch alle ding von Got enphangen, alles das er iat inwendig und uswendig: gut der naturen, gut der gnaden und gut des 86 es - Dis hat er alles dar umbe, das er es Gotte wider uf stille tragen mit ninnen im ,i danken im und loben. Bise stumplien seien die alsus ir zit 20 o bringent, si tünt kurae als vil das si dem tegelichen das in zu velt, bezalen. 0 bubt denne unmessige schulde, die der mensche alle schuldig blibt? Kinder, als man dar in sieht und das gevordert alles wirf bis uf den andersten puneten, was went ir das do gewerden stille? Si seilen das in ntit geschehe als den torechten megden: von den enstot och ntit das si ie grobe 25 jUnde geteten, ane das si mit bereit funden enwurden. Si wolten sicli ereiten: das schein ein harte guter wille. Noch denne bliben si ussen; si urden us geslossen, und wart in zu gesprochen: 'ich enweis tiwer ntit'. [4 r ] Och es engat entrihven ntit als ir wenent. Nein, entrtiwen, nein! ■JSe blinden menschen wenent das die minneklichen bilde unsers lieben herren 30 hesu Christi und sin ttir bltit also mit spilende hin stille gon, ane fnicht lidig ossen ligen. Nein, es get ntit also dar. So sprechent si: -wir sint in einem itiügen orden und haben die heiligoste geselschaft und betten und lesen'. Das st du alles alsus ane minne und andacht mit einem zerströwetem herzen also etlichen und kaltlichen. In disem bichtent si, und den heiligen lichamen 35 insers herren enphohent si. Si ttint recht als der einen ktinig ze hus ladet m in setzet in einen unreinen stinkenden stal under die swin. Kinder, es danm r' "* ^° r "^ nacMr - angeflickt E > su s - 5- ist in ir v. S. 6. Diser S. ver- auf P 7 ' gesettet: tet nachtr. übergeschr. E. 8. in] sü S. 12. sig- (von vnmessig) Ja ätT? i ' r K 19 ' 6S S> f - K SUlle ul ' tra 8' eu S - 20. Dise S, In dise JE, In disen SS, l: ussen «j o 21 ' dM S ' da M 24 ' S ' SUllent S0lle " S - 25 - YOn S > vu K 27. s. hie 31 f. fruht (dahinter und 88) lossen lidig 1. S. M. alsus /'. 89. 138 36. Erant appropinquantes ad Jhesum. ijwere in tusentwerbe weger das si in niemer engenemen. Der denne kerne und {jwarnete si dis grüwelichen angstes in dem si lebent, und wie sörgklichen si sterben süllent, des spottetin si und sprechent denne: 'er ist ein begbart', und sagent es sin nüwe geiste, also das Juden noch beiden nie die cristenen also 5 ; verspotteten noch versprachen. Dise valschen cristenen versmohent si verre :| me und verspotten! si: 'hie ist ein nüwer geist komen; dise sint die von ■ den hoben geisten'. Dis tfint si den die wol sehent iren ewigen mordigen schaden, und wellent si dannan us wisen uf die rechten strosse; und wissen t: blibent si in disem ane rüwe und bekentnisse, si enkoment für das antlit Götz 10 niemer me. So sprechent si, si wölten nöte übel tun. Dunket dich das wolgeton? Du gist dis snödeste uswendig, die hülsen die gist [4"] du Gote mit dinen vibelichen sinnen, als lesen und betten uswendig, und dine gunst, dine minne, dine meinunge, din herze gist du den creaturen mit dinem frijen willen, dar 15 umbe allein er den tot hat gelitten. So engit er umbe das ander mit dri bonen. Dis sint du schof die er lies in der wüste. Da ist wening frucht. Aber wissest: ob dir Got der gnaden gan das dir rüwe wirt an dinem ende, do gros angst an ist, das du behalten wirst, so müstu als unmessig vegfür liden, und solt gebacben und gebraten werden liebt bis an den jüngsten tag. Als si 20 daz denne alles gelident, so süllent si denne so unspreebelicben verre sin von den sunderlichen fründen Götz her ab in einem winkellin verre. Dis sint sünder, und si enhant sich mit derfür. Si nolient sich alsus mit uswendigem lebende und mit ir iiswendiger unschult unserm berren, und ir herze, ir grünt und ir minne ist ime frömde und verre. 25 Die vierde partie von den sündern das sint selige minnekliche sünder. Es mag wol sin das si sin gevallen verre me wan alle dise in manige grüweliche totsünde: do enacht ich nu nüt uf, wie vil oder wie gros. Aber dise die nobent sich zu unserm berren nu von gründe, und tünt oder bant geton einen waren gruntlichen abker von allem dem das Got nüt luter und blos 30 enist, oder do er nüt inne ensebint, und bant ir herze und iren gunst gekert zu Gotte in alsolicher wise das si in für alle minnent und meinent, und begerent von ganzem gründe [5 r ] das si in alleine minnen und meinen müssen für alle ding. In dem so lossent si sich Gotte ussen und innan in weler wise er wil. Von diser lüte sünden enwil Got niemer enkeine vorderlinge getün 35 noch enwil ir nüt wissen. Si hant sich gentzlichen dar ab gekert, so hat sich och Got dar ab gekert; enwellent si ir nüt me wissen, so enwil ir och Got nüt me wissen. 4. Juden S, in den E. 1 f. er. a. v. n. v. 8, er. a. in« v. n. in (rad.) v. E. 11. Die selben spr. s. w. »9. 12. dis] das S. 18. als f. S. 25. part.ie {wie oben 13fi, 1) E. 28. nu /'. S. 31. solicher S. 32. gr. ires hertzen d. S. 31/'. enw. —wissen /'. S. 36. Erant appropinquantes ad Jhesum. 139 Wie ist dise wise die her zu gehört? Die ist das der mensche das in ime vindet, und in der worheit ane alle glose, das er alleine meine von gründe sines herzen Gotte alleine ze lebende und mit noch nieman nie enmeine, und begere in alleine für alle ding und ob allen dingen in blöslichen minnen und in meinen in allen sinen werken, und vinde des in ime einen wol bereiten 5 guten willen, was er wiste das Got von ime wolte, das were was das were, das er sich dar zii zemole bereit vinde das ze tünde, oder das er wolte von im gelossen han, das er do enkein ding in ertlich so lieb enhabe, er vinde sich bereit das ze lossende, und meine Gotte ze volgende, welen weg er in ziehen oder füren wil, es sie durch mittel oder ane mittel, das er dem gerne volgen 10 welle lideklichen und abgescheidenlichen, Avie es Got wil und in weler wise. Dis ewangelium sprach das er suchte dis schof. Nu wie sol man dis suchen verston? Got sucht und wil haben einen demütigen menschen, einen senftmütigen menschen, einen armen menschen, einen Intern menschen und einen gelossenen 15 menschen der gelich ste. Dis enist mit das [5 V ] man do nider sitze und die fei über das höbt slahe; entrüwen, kinder, nein! Aber du solt dich Got lossen suchen, das du als vil getrukt werdest und vernüt werdest das du demütkeit gelerest in allen den wisen, wo oder durch wen das kome. Also wer ein ding suchet das er verlorn hat, der ensücht es mit an eime ende: er suchet es an 20 manigen enden, do und do, also lange untz er es vindet. Sich .entrüwen, kint: also müs dich Got suchen in maniger wise. Lo dich echt vinden in allen den wisen und uffellen die uf dich vallent, wo es her kumet, durch Aven er Avil, m weler smocheit, in Aveler niderunge, das ennim mit anders denne von Gotte: der sucht dich do. 25 Er wil einen senftmütigen menschen haben. Des solt du als dike und als vil an geworffen Averden das du als avoI getretten Averdest in dem lidende das du senftmütkeit dinne lerst. Got Avil haben einen armen menschen. La dich! Man sol dir das gut nemen oder den frünt, den mögen, den schätz, was das ist do du an klebest, 30 das du dinen grünt blos und arm Gotte mügest geantAVÜrten. Got suchet dich do: lo dich vinden! Er wil einen lutern menschen haben: den suchet er. So suchet er dich mit als vil widerwertikeit das du gelütert werdest und verklert werdest do und in allem dem das uf dich velt oder Valien mag, wo es her sü'ebe oder fliege, 35 durch wen es kome, es si der vijent oder der frünt, es tu dir die müter, 2. und f. Dr. 3 f. u. anders nüt enm. denne got in allen dingen u. ob a. a - s - 5 f. e. guten bereiten w. S. • 10. ane auf Rasur E. 17. fei] mentele S. 18. und -Averdest f. S. 21. und do /. S. 22. m. leige w. S. 32. do von lo 8. 33. haben f. S. öo — dich f. S. 35. stiebe S, strebe F. 30. zw. oder und der Rifs der Hs. E. 36/'. dir vatter oder m., bruder oder swester, frünt oder mage, nüt S. 140 36. Erant appropinquantes ad Jhesum. die swester, die nüftel, die müme: nüt ennime es von den menschen, sunder alleine luterlichen [6 r ] vnd blöslichen von Gotte, und lo dich Got do suchen! Lieben kinder, und hette ein mensche ein wunden do im etwas böses und fules inne wüchse, er Hesse sich sniden und handelen grüwelichen uf etwie 5 manigen ende, das im nüt würde, und in der grossen pine schonde er nüt umbe das das das böse her us kerne, und also genese. Lieben kint, also mügent ir verre lieber liden die uffelle in den dich Got suchet, umbe das der grünt zemole gesunt und heil werde eweklichen. So sprich, wenne unversehen liden uf dich velt, es si von innan oder von ussen: 10 'bis wilkomen, min lieber einiger getrüwer frünt; hie enhatte ich mich din nüt versehen noch din gewartet', und nige vil demütklichen dar engegen. Also wissest, Got der suchet dich in allen dingen. Er wil dich haben einen gelosseuen menschen. Eya nu lo dich und wirde ein gelossen mensche! Got ensüchet nüt grosse ros noch starke ochsen, das sint lüte die von 15 grosser swinder übunge sint; er ensücht nüt die die von grossen uswendigen werken sint; er sucht allein demütkeit, senftmütkeit, das sint kleine gelossene menschen, die sich lossent Got suchen, und wo man si sucht, das man si do schof vint. Wut du dis scheffelin werden und sin, so setze dich in einen woren 20 geliehen friden alles des das uf dich vallen mag, in weler wise das si. Als du getüst das diu, so bis ane vorchte aller dinge, wie sie koment, in friden, und bevilhe alle ding Gotte, und losse du dich ime zemole och an dinen gebresten nach sinnelicher Avise, nüt in [6 V ] vernünftiger wise, das ist in einem abker und in eime missevallende; do enmag es nüt ze vil sin; aber in sinnelicher wise 25 so were es eime ein grosse hindernisse. Alsus halt dich aller dinge in friden, och an den goben Götz. Er git dir, er nint dir: alles blibe gelich. Alsus wirst du ein gelossen mensche, das du alle ding gelich von Gotte nünest: liep und leit, sur und süs, in eime worein volkomenen friden. Och, kinder, dis ist das also geminte schof, das der herre hat gesucht 30 und hat es recht funden. Er lies die nun und nünzig; ja nun und nünzig hundert lies er e der klebrechten lüte in der wüste, do wennig frucht inne ist: also ist in disen klebrechten lüten wennig oder lichte nüt frucht. Und als er dis minnekliche schof vint, das er alsus gesucht hat, das nint er uf sin schultern oder uf sin achsele und gat zu sinen fründen und zu sinen nach- 3/'. lo. oder f. S. 4. wüchse vnd ersieh: vnd und sich gestrichen E. 5. manige; lies: pine vnd schonde: vnd gestrichen E. 5 f. nit ward ander grosse pein, vmb das sehonete er sein selbs nit Bruch 5 f. u. das daz b. S. 8 f. Sich, w. S. 10. so sprich wis S. 11. und] ich 8. 12. a. wegen und in allen d. S. 15. ein die f. 8. 21. bis] sist S. 21—26. kumment ouch an den goben gottes (in friden — in friden ausgelassen) S. 24. misseuallende teilweise auf liasur E. nach ze vil v. j. IL sin eingeflickt E. 29. allergeniinneteste S. 32. disen] den S. nüt] keine S. 36. Erant appropinquantes ad Jkesum. 141 geburen und sprächet: 'congratulamini mecum, fröwent üch mit mir; wan ich han min schof funden'. Die frünt und die nachgeburen das ist alles himelsches her: engel und heiligen und alle sine lieben geminten frünt in himel und in erden; die haut alle die unsprechlichesten fröide, und ist die fröide unsprechlich die do ist von 5 disem schoffe. Die fröide die enkönde enkein menschliche verstentnisse begriffen noch verston di do wirt von disem, das gat recht in ein abgründe. Denne so nimet er dis schof, das minnekliche, und setzet das uf sine schultern und treit es mit ime. Die Schlüter die ist enzwischent dem lichamen und dem \wh[7 r ]te und rürt si alle beide. Das ist: er setzet dis minnekliche 10 schof enzwischent sine über heilige menschheit und sine hocligclohete gotheit. ■Die überheilige menschheit die wirt diser lüte understant und übertreit si in die wirdige gotheit. Die minnekliche menscheit die underwint sich di ser lieben schoffe und treit dise lieben schof in allen iren werken bis do si ire werk mit in und usser in selber taten. Aber nu treit si Got und 15 würket alle ir werk in in und durch si: si sprechent, si essent, si stont: alle ir werk die würket Got in in, und lebent und swebent in Gotte. Si gont us der menscheit in die gotheit und her wider umbe, und gont in und vis und vindent volle weide. Dise wunne und genüchte die do dem geiste geschenket wirt och hie in der zit, die ist als uiibegriffenlichen hoch über alle 20 die fröide die alle die weit ie gewan, ob si alle ze huffen gesparet were die alle creaturen in der zit ie gewunnen, engegen diser fröide. Ja, die aller minste die der geist hat in disem, die ist all ungelich als ein trophe wassers si gegen dem grossen mere. Dis sint die lüte von den das ewangelium sprach, das merre fröide si 25 in allen heiligen und engelen do sich ein sünder bekert, denne von hundert anderen, ja von tusent werbe tusenden; wan Got hat ir ere, und dis sint die sünder die Got in der worheit genohet hant. Nu belibet hie über von einem phenning den ein fröwe verlorn hatte, und die materie die dar zu gehört, die süllen wir morn sagen. 30 Bitten wir unsern herren das wir also lossen uns suchen, das man uns schof vinden [7"] müsse in der worheit. Des helf uns Got! Amen. 1. ü. alle m. S. 2. m. verlorn seh. 8. 4. geminten f. S. uf e. S. 5 f. alle d.. 1. f. von disem schoffe das da funden ist. Dieselben fr. enkunde 8. 6 — 9: ehemals vernähter Hifs in E. 8. e. das in. seh. u. S. 11. nach sine gestrichen: sine E. 11 f. und—mensekh. 8 8, f- 89. 91. E. 14. das erste lieben /'. S. 15. taten am Band nachgetr. E, tut S, f. 88. 21. werent S. 31. w. uns a. 1. s. S. 142 37. Quae mulier habens dragmas decem. 87. Que mulier habens dragmas decem et cetera. An disem tage seit ich alliie von disem ewangelio, wie die sünder noheten unserm herren, als ir do wol liortent und wie das verlorn schof gesucht wart und wie es funden wart. 5 Kinder, kerent es war ir wellent: ir müssent schof sin in worer senft- mütikeit, in stillikeit und aller gelossenheit, lidelicheit, das du habest ein under geworffen gemüte und er Got und durch in under alle creaturen in lide- licher wise, wie dich Got sucht oder suchen wil, in weler wise er wil und durch wen er wil, es si dur sich selber oder durch die menschen oder durch 10 den vijent oder durch alle creaturen in himel oder in erden, durch gruweliche herte wort und gelosse, in weler ungestümkeit man dich ankumet, das du dich denne nüt verantwürtest. Und in dem solt du volgen dem aller minnek- lichesten bilde, unserm lieben herren Jliesu Christo, der das aller senftmütigost lembelin was und sinen munt nüt uf entet unde für den scherer gefürt wart. 15 Also, liebes kint, man sol dich scheren mit herten Worten und werken, wie dich der herre suchen wil: also wirst du im gelich und wirst das minnek- liche scheffelin das er uf siner achselen tragen sol von der vergotteter menscheit der du an disem nach gevolget hast, bis in die überweseliche gotheit, do alle volkomene weide ist. Kinder, dis müs vor allen dingen von not sin. 20 Nu wissest, [8 r ] als du alsus ein scheffelin bist worden und dem niiuneklichen bilde, unserm herren Jhesu Christo, bist uachgevolget, das von not sin müs, denne bist du alrerst wol ein gut heilig mensche. Aber solt du ein edel mensche werden, so wissest das es noch unmossen verre ist, do du noch über klimmen müst. 25 Kinder, dis ewangelium das was vor das ein fröwe verlorn solte haben einen pfenning und entzunte ein lucernen und suchte den phenning. Dise fröwe das ist die gotheit. Die lucerna das ist die vergottete menscheit. Der phenning das ist die sele. 30 Diser phenning der müs haben drü ding, und gebrist im diser eins, so enist er nüt ein recht phenning. Er sol haben sin gewicht und sin materie, sin müntze und sin bilde: dis mus er alles von not haben. Er müs sin von golde oder von silber: das müs sin materie sin. Och kinder, was Wunders ist umbe disen phenning! Dis ist wol ein 35 güldin phenning, und ist ein unmessig und ein unbegriffenlich ding umbe disen minneklichen phenning. 1. zu der Überschrift: 'Luk. 15, 8 «. f.' ; sodann: Die bredie usser eime andern worte in dem egenanten sanote Lucas ewangelio, von dem verlornen Pfenninge, seit von vil wisen der burnenden minnen, und wie der mensche got suchet in zwo wisen und wie er von gotte gesüchet wurt mit benemunge aller lustlicher fürwtirffe S. 6. gel. und 1. S. 10. o. uf der e. S. 11. gelosse korr. aus gelasse? E. 23. uumossen] gar S. 25. was vor] sagt Druck. 32. sin müntze f. Druck. 37. Quae mulier habens dragmas decem. 143 Diser phenning sol haben sin gewicht. Wissist: dis gewichte dis phennings das ist unwigelich; er wigt nie denne himelrich und ertlich und alles das do inne beslossen ist. Wan Got ist in disem phenning, und dar umbe wigt er als vil als Got. Die materie dis phennings ist die ingesunkene gotheit, die sich mit der 5 überweselicheit siner misprechlicher minne in disen geist versenket hat und in herwiderumbe alzemole gar und gar in sich selber verslunden hat und versöift hat. Sol dis geschehen, [8 V ] so müst du entrüwen einen vil Höheren und einen vil behenderen weg gan, der verre über das ist das der uswendige mensche gesiichoi mag, und alle die Übungen des uswendigen menschen, 10 es si in lidender oder in würkender wise oder wie man es nemen wil, es si in bilden oder in formen: als wie? Dise frowe die enzunte ein lucerne und si kerte das hus zemole umbe. Dise lucerne die enzunte die ewige wisheit. Und das hie enzünt wirt, bi dem nemen wir nu die wore götliche minne: die sol enzünt sin; si sol 15 burnen. Lieben kinder, ir enwissent nüt was minne ist. Ir wenent das das minne si das ir gros bevindent und smackent und wollust habent: das heissent ir minne. Nein, das enist nüt minne. Das enist ir wise nüt. Aber das ist minne, do man hat ein burnen in darbende und in beröbunge, in einem verlossende, das da stände ein stetes unbeweglich quelea und man dabi bestat in 20 rechter gelossenheit, und in der quäle ein versmelzen und ein verdorren in dem brande dis darbens und do in glicher gelossenheit: das ist minne und nüt als ir wenent. Dis ist die enzündunge dieser lucernen. Nu si kert dis hus umbe und sucht den phenning. TPle geschieht dise süchunge die in den menschen geschieht? Die eine die ist in im wirklich und 25 die ander ist lidelich. Die wirklich das ist da der mensche sucht; in der anderen so wirt er gesucht. Die süchunge do der mensche mit sucht, die ist zweijer leije. Die eine süchunge do der mensche mit sucht, die ist uswendig, und die ander die ist inwen/fl'Vdig, und ist die eine über die ander als der himel ist über die erde, und ist al ze mole ungelich. Die uswendige süchunge 30 do der mensche Got mit sucht, das ist in uswendigen Übungen guter werke in maneger bände wise, als er von Üotte gemant und getriben wirt und von sinen frunden angewiset wirt, und aller meist mit Übungen der tilgende, als demütkeit, senftmütikeit, stillikeit, gelossenheit und mit allen anderen tilgenden die man übet oder geüben mag. • 35 1. g.; und w. S. 2. unwiglicheit 88. himel u. S. 4. got als mit Umstellungszeichen E. 5. ein insinkende g. 8. 1 f. und vers. h. f. S. 8. entrüwen f. S. 10. ges&clien wag 8, gesucht mag werden E. und — menschen f. S. 19. her. vnd in Bruch 20. ftäd" *■ _ 22. do] das Druck, und doch n. 91. 24. dis] das S. Wie Druck, Hie ES. 27. mit A . inne 8. 30. al aus also [?] durch Rasur E. 30 f. s. mit der d. m. g. s. 8. 144 37. Quae mulier habens dragmas deeem. Mer die ander süchunge die ist verre über dise. Das ist das der mensche in gange in sinen eiginen grünt, in das innerste, und do suche den herren, als er uns och selber dar gewiset hat, do er sprach: 'das rieh Götz das ist in üch.' Der das rieh vinden wil — das ist Got mit allem sinem richtüm 5 und in sin selbes eigenem wesen und naturell —, die müstu dor suchen do es ist: das ist in dem innersten gründe, do Got der seien naher und inwendiger ist verrer wan si ir selber ist. Diser grünt müs gesucht und funden werden. In dis hus müs der mensche gon und enpfallen allen den sinnen und das sinnelich ist, und allem 10 dem das mit den sinnen zu getragen wirt und in getragen ist von bilden und von formen, und von allem dem das die' fantasie und die bilderinne und alle sinneliche bilde ie in getrügen in eigener wise, ja och über die vernünftigen bilde und die wirkunge der Vernunft nach vernünftiger wise und irre würkunge. Als der mensche in dis hus kumet und Got do suchet, so wirt dis 15 hus umgekert, und denne [9"j suchet in Got und kert dis hus umbe und. umbe, als einer der do sucht: der wirffet das ein her, das ander dar, bis er vint das er sucht. Alsus geschieht disen menschen: als der mensche in kumet in dis hus und Got gesucht hat in disem innersten gründe, so kumet Got und sucht den 20 menschen und kert das hus alzemole umb und umbe. Nu wil ich sprechen einen sin den nüt ein iekliches verstot, und doch sprich ich iemer giit Witsch. Mer die verstont disen sin allein den dis etAvas für gespilt hat und etwas in gelüchtet hat, und anders nieman. Dis in gan enist och das nüt, das man under wilen in ge und denne 25 her us ge mit den creaturen schaffen. Dis umbe keren dis hus und dis suchen das Got den menschen hie suchet, das ist alle die fürwürfe und die engegenwürfe in aller der wise im Got hie für gehalten wirt, als er in disen inwendigen grünt kumet, in dis hus, das im das alzemole als gar benomen wirt, und wirt als gar umbekert als er 30 es nie noch nie engewunne; und aber und aber, alle die wise, alle die liechter, und in allem dem das do gegeben wirt und geoffenbart wirt o^er ie sich für getrüg, das wirt in disem suchende alzemole umgekert. Und ob es mügelich were das die nature möchte erliden das dise umbekerunge möchte geschehen under nacht und tag siben werbe sibenzig, das ers erliden möchte, das were im 35 nützer, und er sich her in gelossen künde, denne im alles das were das er ie 2. nach innerste folgt (nachtr. siv. gestrichen) Also E. 3. dar /'. S. 5. sin aus sins durch Rasur E. 5. müst" [u nachtr. übergeschr.] E. do' (könnte auch do mit ausnahmsweise gesetztem Circumflex oder Korrektur in dar bedeuten) E, do S. 7. verre wanne S. 12. «igener [ei nachtr. übergeschr.] E. 14. got do] gat und S. 15. das erste hus f. S. 22. iemer f. S. 24. das (vor nüt) f. S. 25. er. mag schaffen E, er. handeln Druck, er. S. 26. hie f. S. 27. w. also i. S. 27 f. zw. im und got gestr.: das E. 30. das erste nie f. S. 31. in all. d.] in allem S, alles das Druck. wirt (vor und) f. Druck. wart Druck, o der Druck, ob er ES. 33. n. es m. 8. 37. Quae mulier habens dragmas decem. 145 verstünt oder im gegeben wart. In diser um/20*ybekerunge do wirt der mensche so unsprechelichen verre gefürt, ob er sich her in gelossen könde, denne in allen den werken und wisen und ufsetzen die ie oder ie erdocht oder ie iunden wurden. Ja die her in recht gerotent, das werdent die aller minnek- lichesten menschen, und wirt in also licht, wenne si wellent in einem ieklichen 5 ögenblicke, so kerent si in und fliegent alle über die nature; die ist als kleb- recht in vil menschen und Avil ie etwas haben dar an si hange und ir enthalt si. Und etliche menschen sint als ungelossen und klebrecht: in ist recht als dien die ein tenne machen süllent und slahent; das ist denne also schor- nechtig und als hogrecht, und die das sint, do müs man nemen einen starken io herten besemen und fürwen vil scharpf und hert und über gon, untz das er siecht und gelich werde. Aber do ein glat tenne ist, do endarf man nüt denne das man mit einem vederwüsche hie über var. Also sint etliche menschen als hogrecht und als ungelossen: die müs Got überstrichen mit einem herten scharphen besemen manigvaltiger bekorunge und lidens, das er si lere das si 15 sich lossen. Aber die minnekliche menschen die sieht sint und gelossen sint, der ding gat recht selber zu, und do wurden also minnekliche menschen us geborn, und entsunken und enpflelen allem dem do sich die nature an enthalten mochte oder wolte, und trunge echt für sich in in den grünt das alles ist ane alles anhangen oder enthalten iclites, und hielte sich in dem annüte 20 und blosheit in worer gelossenheit. [10"J Kint, wie blos, wie blint, wie gelossen das der herre wolte, und in aller der wise als er wolte, das du dich alsus lossest suchen und din hus ambekeren, do würde der phenning funden, verre über das das ein ieklich mensche erdenken oder bekennen mag. 25 Och kinder, die sich in diser wise Hessen umbekeren, das gienge verre über alle die ufsetze und alle die werk und Avise die alle die weit gewürken m ag uswendig in sinnelicher wise und werk. Dis bewerte unser herre, do er sprach: 'wer zu mir Avil komen, der verzihe sich sin selbs und kome zu mir.' Alsus müs der mensche sin selbes verzihen in allem enthalten, das in des 30 woren fürganges hindert. Denne koment die ungelossenen menschen in grosse bekorunge, und werdent mit dem herten scharphen besmen überstrichen; so dunket si es si alles verlorn, und koment in grosse SAvinde bekorunge, zAvivel und giweliche voi'chte. So sprechent si: 'nein herre, es ist als verlorn. Ich bin beröbet alles 35 3 f. die ie erd. oder f. w. S. 4. recht f. S. gerotent 8, getrotent E. G. s. sich 1 - & alle f. S. 10 f. starcken slahen und hertecliche übergon 8, st. besemen und verbrennen Vil scharpfe und herte und üb. 88. 91. 11. er] es 8. 12. siecht und f. S. 12 f. denne m - e. v. hie über varen S. 14. hofereht S. Überfarn 8. 16. das zweite sint f. S. 17. werdent 8. 18. ensinkent u. enpfielent S. 19. trungent rechte S. alles f. S. 24. do] so S. das zweite das f. S. 28. u. lieber h. S. Deutsche Texte des Mittelalters XI. 10 146 37. Quae mulier habens dragmas decem. Hechtes, aller gnaden.' Werist du ein wol geslichtet gelossen mensche, so engieng es dir nie so wol noch enwart nie so gut, denne wie dich der herre suchen wolte, des genügte dir; dar inne hettest du woren friden. Wolt er blint, wolt er vinster, wolt er kalt, wolt er warn, wolt er arm und wie es im 5 geviele in allen wisen, in habende, in darbende: alles do er dich inne suchte, do liessist dich inne vinden. Och kinder, die disem wege volgeten und sich alsus von innan und von ussen Hessen, wie went [ll r ] ir das Got mit den lüten varn solte? Och, er solte si also minneklichen überfüren über alle ding. 10 Ir lieben erbern li'ite, mit enfürchtent üch, es sint och lute und lebent och die wasser trinken und gut girstin brot essent. Si komen t och also hin; enwellent ir nüt höher komen, so enfürchtent üch nüt. Diser phenning der müs sin swere, sin müntze haben. Sine swere, das er nider in den grünt wider in valle und in sinke als er us gevallen ist, in 15 aller der luterkeit, in aller der unbeflekheit, als blos und als unbehangen als er us geflossen ist. Er hat sin bilde blos. Dis bilde enist nüt das die sele nach Gotte si alleine, aber es ist das selbe bilde das Got selber ist in sinem eigenen luteren götlichen wesen; und alhie in disem bilde do mint Got, do bekent Got, 20 do gebracht Got sin selbes; Got lebt und wesent und wirkt in ir. In disem wirt die sele alzemole gotvar, gotlich, gottig. Si wirt alles das von gnaden das Got ist von naturell, in der vereinunge mit Gotte, in dem inversinkende in Got, und wirt geholt über sich in Got. Also gotvar wirt si do: were das si sich selber sehe, si sehe sich zemole für Got. Oder wer 25 si sehe, der sehe si in dem kleide, in der varwe, in der wise, in dem wesende Götz von gnaden, und wer selig in dem gesiebte, wan Gott und si sint ein in diser vereinunge von gnaden und nüt von natural. Und her wider umbe, der eine sele sehe in irem gründe die willeklichen ir minne und iren grünt nach creaturen hant geverwet, [ll v ] ane allen zwivel si enwere nüt anders 30 geschaffen denne der tüfel, der doch als grüwelich und als unlidelich geschaffen ist: wer das in ein ieklich mensche solte sehen in sinem rechten bilde, si zerstüben alle von der grüwelicheit, und in der grüwelicheit sol die sele selber eweklichen in an sehen ane ende und ane underlos, ist das si in dem gründe der creaturen Milden wirt also unnützlich und engstlich als der 35 tüfel ist. Und die lutere gütliche lidige sele die sol eweklichen gesehen werden als Got und als si alle ir selikeit süllen in ir und usser ir nemen in diser 2. me] l. nie S. 3. wolte] wil S. dar inne f. S. 5. geuiele auf Basier, darnach ie gestrichen E. 11. gut f. 89. 91. 13. sw. und s. m. S. 15. 1. und in S. 19. g. bilde und wesen u. alh. 8. in Druck, f. ES. do mitte 89. 91, do minnet 88. 23—24. im Pergament ein Loch, E. 29. Der die sehe am Anf. der Seite gestrichen E. 32. nach bilde gestrichen fleisch vnd bein E. 37. Quae mulier habens dragmas deoem. 147 vereinunge, und si sol sich selber an sehen als Got, wan Got und si sint ein in disem. Och kinder, wie sint die so selig und über selig die sich alsus lossent suchen und vinden, das si der herre. alsus in füre und si mit im vereine in unsprechlicher Avise! Das gat verre über alle sinne und verstentnisse und das 5 man geworten oder gedenken mag. Kinder, wer her zu komen wil, der müs alsus ordenlichen disen weg und dise Strosse gon, so enmag er nüt verirren, und entüt er och des mit und blibet in dem sinne und in den creaturen und in geschaffenen dingen, der müs von not nu und eweklichen beliben. 10 Das wir nu alle volgen müssen, des müsse uns der herre helfen! Amen. 38. Estote misericordes sicut et pater vester misericors est. Sant Lucas der verschribet in dem ewangelio das unser herre sprach zu sinen jungern: 'sint barmherzig als üwer vatter barmherzig ist! Enurteilent nieman, das ir nüt verurteilt emverdent, sunder yer[12 r ]gebent, das üch 15 vergeben werde, und gebent das üch gegeben werde ein gute mosse, und ein volle und ein getruckte und ein überflüssige mosse sol man üch geben in uwer schos, und mit der selben mosse do ir mit messent, do mit sol man üch wider messen.' In disem ewangelio werden wir zwei ding gelert. 20 Das ein das heisset unser herre, das wir das tun süllen. Das ander ist das wir etliche ding- lossen süllen. Hie ist ein tun und ein lossen. Das tun das uns hie für wirt geleit, das ist das wir süllen sin barmherzig. Das lossen das ist, wir ensüllen nieman verurteilen. 25 Kinder, von disem sinne sprach icli gester, wie sörgklich und wie engstlich es ist das ein mensche den andern urteilt und das ein ieklich mensche wol bedarf für sich ze sehende wie er sich hie an beware. Wan der munt der worheit der sprach alhie: 'mit derselben mosse mit der ir usmessent, mit der sol man üch wider in messen in aller wise.' Bist du vil barmherzig, 30 4. vereine 8, vereinen E, vereinet werdent 88. 11. a. also v. S. des helffe uns der herre S. 12. im, S (St. 38) zu der Überschr.: 'Luc 6, 36 u. f.'; dann: Die bredige usser sancte Lucas ewangelio des vierden sunnentages, leret barmhertzikeit und nüt urteilen und unsern gebresten usliden und indewendige menschen werden und gelossen sin in allen goben gottes, sur und süsse. 13. schribet letzteres durchstr. u. am Band von jüngerer Hand erde) E, fules leimes 89, fuler leiden • 30. in. es v. n. sin das d. c. UBgange u. din vas 1. werde u. h. S. 31. alsl so 8. M- als licht f. S. 150 38. Estote misericordes sicut et pater vester misericors est. der grossen erwirdikeit Götz, do Got us smilzet in barmherzkeit, und was er gütz und tilgenden von Götz gnaden in im vint, do mit sol er sich setzen under die porte der miltikeit Götz, do Got us smilzet in wisen der gute und in der unspreclilichen minne. 5 Als du dich alsus abzühest von allem dinem vermügende und gezogen hast von minnen und bekomernisse aller creaturen und dich uf getragen hast, so ist denne dar über das dich die bilde der dinge hinderent und du dem nüt getfln enkanst, als wol müglich ist. Liebes kint, so nim es recht für ein übunge und lo dich Gotte hie in disem, und blibe bi dir selber und enlöf nüt us, 10 sunder lide dich in disem und sprich mit grosser demütkeit: 'lieber herre, erbarme dich über mich! Deus in adjutorium meum, Eija, lieber herre, hilf!' Tring dich in dich selber nüt in, begin denne eins andern werkes; an allen zwivel es velt selber ab und löset sich. Als ich hau gesehen, als man Silber grebt, so verwechset sich das wasser, das mans nüt wol gewinnen enkan. So 15 hat man gemacht mit behentkeit das sich das wasser selber us schüt, und denne so vint man den schätz der alle die kost bezalt die dar uf gezert ist, und do über grosse gewinnunge. Also solt du dich liden und lossen dise truk und dise bilde und die widerwertigen gebresten die du wider din gemüte und herze liden müst dich pingende; sicher es schüt sich selber us, und das sol 20 alle die erbeit bezalen, und dir sol gros gut der mit in komen. So sol [M v ] unser herre sprechen: 'vil lieber minneklicher mensche, ich danken und loben mich von dir, das du mir mins lidens hast gedanket, und min swere bürdin mins krüzes hast du mir geholfen tragen mit dinen gebresten, die du us gelitten hast. Sich, nu solt du eweklichen mich selber do wider haben.' 25 Wilt du nu ein inwendig mensche werden, so müst du vor haben ein überstrichende mosse: als wie? Entrüwen, kint, du müst uswendige ding abstrichen als das widerwertig ist wider inwendikeit. Besieh dich selber in aller diner wandelunge und minne und meinunge, wort, werk, kleider, kleinöten, frünt, mage, gut, ere, gemach, gelust, gelas und sitten: so was an allem 30 dinem lebende ist das dich hindert das Got in dir nüt enlebet noch nüt enwürket noch ein wore sache enist, entrüwen, kint, das solt du alles abstrichen, solt du ein inwendig edel mensche werden. So solt du prüven die uswendigen Übungen, die einen grossen schin habent: vindest du das si dich hinderent, so strich si ab! War umbe ensage ich nüt von grossem vastende und 35 wachende? Wissent das vasten und wachen ein gar grosse starke helfe ist zu 1. nach vnd gestrichen och sol der mensch E. 5. von] mit S. 8. wol f. S. 11. Deus —meum f. 8. 12. Tring] bring 89. 16. gezert] gangen S. 19. dich f. S. das /. S. 20. u. s. dir dormitte gr. g. i. S. 20/'. Unser h. sol spr. S. 21. vil —mensche B 88, f. S. 22. vor hast gestrichen das E. 23. dime g. den 8. 24. du m. e. d. w. h. 8. 26. Entr. kint f. SE, ebenso 31. 27. widerwertig auf Rasur E. Besieh dich] ffesich 8. 38. Estote misericordes siout et pater vester misericors est. 151 einem gütlichen leben, so es der mensche vermag! Aber do ein krank mensche ist eines kranken höbtes — in disem lande band die liite gar böse höbt — und bevint der mensche das, das es sin nature qwetschet und wil verderben, so striche abe, und ob och wer ein tag den man vasten solte, so nim urlob von dinem bichter, und ob der urlob dir nüt enmag werden, so macht du doch denne von Gotte urlob nemen, und isse etwas untz morne, das du zu dem [15 r ] bichter oder zu dem pfaffen macht komen, und sprich denne: 'ich was krank und as', und nim denne darnach urlob. Die heilige kilche gemeinde noch gedochte das nie das sich ieman solte verderben. Lieben kinder, und dis ist iemer ein gar siechte rede. Also: was das ist das dich hindert an dem nechsten wege der worheit, das striche alles ab, es si uswendig, es si inwendig, es si liplich, es si geistlich, das schine oder heisse wie man welle. Lieben kinder, alsus müssent ir zu hohen dingen komen, ob ir in diser wise ordenlichen volgetint und edel menschen würden! Nu sol hie sin ein getrukte ze samene gejagte mosse. Vil lieben kint, uu verstont das ich sage. Swenne der mensche dise ordenliche wegen gegangen hat und alsus alle hindernisse abgestrichen hat, so engegen löft ime manig wunneklich fürwurf, das im so gros süssekeit und so grosse wollust inkumet in bevintlicher wise das die wollust durch gat geist und nature. Und die genügde, der trost und das bevinden das gat unsprechlichen über aller diser weite fröide, das in den menschen do geborn wirt, das lustlich und wunneklich ist. Kinder, dar über wirt dem geiste für gehalten alsolicher truk das jm alle die süssikeit und wollust wirt als gar ze mole benomen als es nie nüt engewunne, und wirt im do ein als in getrukte und zesamen gejagte mosse, und wirt ze gründe in sich selber geslagen, das im die wollust al zemole wirt benomen. Und sol der mensche fride haben, in der worheit, so müs er dis armütes und dis truckes also gelossen sin und [ 15 "1 also lidig ston, das er von allem disem wolluste nüt enhalte, denne allein trucke sich in in einer gelossener wise in den einveltigen grünt des aller liebsten willen Götz, das anträte von Gotte ze nein ende und sich do inne ze lidende, ob es Got wolte han gelitten untz an den jüngsten tag. Och kinder, do wirt der truk so unlidelich und so wi und so we, so wirt der armen naturen dise wite weit verre ze enge und dorret recht von jomer, als ir dise minnekliche "liechter 553 die grosse wollust also ze mole werdent als gar benomen als si si nie engewunnen. So sint etliche menschen als klebrecht und enkünnen sich in diseme nüt geliden. Das kumet von zwein Sachen, dise unlidelicheit. 10 15 20 25 SO 3 f. so sol er abestrichen die vaste ob er ioch von gesetze vasten solte so 8. 4 f. so nim urlop von gotte U. is S. 7. bichter — komen] bichter klimmest S. 10. und f. S. iemer f. S. 16. urspr. Swenne; S vor wenne rad. E. 17. louffet im engegen m. 8. 20. nach unsprechlichen gestrichen vnd E. 22. dar über] denoch 8. 24. ein als ein (v. j. H. zugesetzt) i. getrukte (t>. j. IL aus getrukt) u. zesamen (»;. j. H. a. R.) gej. E. ingetruckete gesanmete m. 8. 28. alle dise E. 30. nemende] nimmende 8. 36. dise unl. /'. S. I % ■■ 7 152 38. Estote misericordes sicut et pater vester misericors est. Die eine Sache ist das der mensche nüt zu gründe sihs selbes gestorben enist noch nüt tot enist. Die andere Sache ist das er G-otte nüt zemole engetrüwet. Her umbe ist der mensche als ungelossen und bricht us und enkan sich in disem trucke 5 nüt geliden: da lit also gros wunderlich schade an. Liebes kint, belibe bi disem: getrüwe Gotte; ane allen zwivel er löset dich. Und halt dich in demütkeit und in erwirdiger vorchte. So büt die hant us diner begerunge alleine zu dem überweselichen blossen luterme wesende das Got alleine weselichen ist, und nüt enhalt von allem dem das minre ist wan 10 das, und nüt entü als einr der ein kleinöter von eime neme und sich daran Hesse, und spute do mit und Hesse den ders im gab. Halt dich als ein slaffent mensche zu allem dem das dir gelüchten oder gesmaken mag, ane der herre selb selber alleine. Es si vernünftig oder unuernünftig: [16 r ] alles das do fliegen oder stieben mag, do enker dich 15 zemole nüt an, denne trucke dich zemole in wore demütkeit und in diu nicht und in Gottes liebsten willen in wore gelossenheit. Nu müsten doch die jungern unsern herren lossen, die aller minnek- lichsten engegenwürtkeit, die so trostlich und über gros und gotlich was, solten si mit dem höheren begäbet werden, so müsten si sich lossen. 'Extendens se 20 superne vocatione.' Du müst, als der liep Paulus sprach, sin usgedent zu den vordersten der obersten rüffunge, das du enphallest allem dem das minr ist wan das, und das do so lustlich und so wunnklich was. So stat der arme mensche recht als ob er hange enzwischent zwein wenden, und in dunkel, er enhabe weder hie noch do, und ist alsus in nöten recht als ob er under einer 25 keltern lige, und wirt gedrukt. Liebes kint, gehab dich wol und enbrich nüt us. Dis wirt schier weger, es enwart noch nie so nach, und sol dir recht sin; des selben solt du ledig sin und enkein sehen haben uf nüt denne blos in den willen Götz und in sine»« willen din ellendig eilende ze lidende als lange als im behagt, was diu 30 och gewerde. Als unser herre denne sieht din ellendig liden, das du das vertreist und dich do inne tugentlichen haltest und lidest und dich lost do es alles an gelit, denne kumet der herre mit der überflüssigen mosse und güsset sich selber in die mosse, wann ir enmag anders genügen nüt, und macht die mosse als über fliessende von dem überweselichen gute das er selber 35 ist, das si an allen enden über gat. Do tut der geist einen überswank i n das [16"] götlich abgründe. Er güsset sich us und blibet doch vol; als der ein 8. vberweseliche blosse E. 10. Meinöt' E. 17. doch f. S. 19. begäbet von j. H. mit Vene. a. B. E. 19 f. supne E; lies superna? vgl. Phil. 3,13 f.: extendens meipsum ... ad bravium supernae voeationis Dei. Extendens — vocatione f. S. 20 /'. zuvorderst der obersten rüffunge S. 22. stat auf Basur E. 23. dunket 8, dunke E. 24. do] dort ruw Druck. 24 f. einer keltern 88, einem kelre ES. 28. nach sehen gestrichen nüt. 29. sinem S, sinen E. 33. genug nüt werden u. 88. 38. Estote misericordes siont et pater vester misericors est. 153 klein krusen stiesse in das grundelose mer: das würde bald vol und gienge über und blibe doch vol. Hie git Orot dem geiste sich selber in einer überflüssiger wise, das verre ist und ob allen dingen das si ie begerte. Als er si vint in disem ungetrosten eilende, denne tut er recht als geschriben stot das der küng 5 Aswerus, do er die seligen geminten Hester vor ime stonde sach in bleichem antlit und ir irs geistes gebrast und geneiget was, do bot er ir zehant das güldin zepter und stünt uf von sinem künigklichen trone und umbe vieng si und gab ir sinen kus, und bot ir mit ir ze teilende sin künigrich. Diser Aswerus das ist der himelsche vatter. Als er die geminten sele io alsus vor im sieht in verlöschem antlit ungetröst von allen dingen, und ir des geistes gebrist und stat also geneiget, denne zühant so büt er ir sin güldin zepter und stat uf von sime trone, nach reden ze sprechende und mit nach wesende, und git ir sinen götlichen umbevang und hebt si uf über alle ir krankheit in dem götlichen umbevang. 15 Ach was wunders wenent ir das do in dem geiste gewerde? Er git ir sinen einbornen sun in dem neigende des zepters, und in dem aller süssesten küsse in güsset er ir alzemole die oberste überweselichen süskeit des heiligen geistes. Er mit teilt ir sin künigrich, das ist: er git ir ganzen gewalt über sin rieh, das ist über himelrich und ertrich, ja über sich selbe) - , das si des 20 alles fröwe [17 r ] si des er herre ist, und Got in ime si von gnaden, das er ist und hat von naturen. Alsus wirt dise mosse überflüssig, das alle die weit hin ab wirf gerichtet. Und enweren dise lüte mit in der cristenheit, die weit enstünde mit ein stunde; wan ire werk sint verre mere und besser wan alle die werk sin 25 die alle die weit iemer geAvürken mag. Wan Got würkt alles des menschen Werk, und dar umbe gant ire werk über aller menschen werk als vil als Got besser ist wan die creaturen. Dise mosse ist als überflüssig worden das si gat über alle sinne und alle menschlich, ja engelschlich verstentnisse. Hie ist wore und selige fröide, 30 und dis mag wol sin der fride der alle sinne über triff, von dem S. Paulus sprach. Und dis ist ein gar siechte rede, und wissent: es enist mit als grüwelich mit Gotte umbe ze gande als ir wenent. Kinder, wer dise wege gan wil als ir hie gehört hant, die koment zii disem ende. Und wissent für die luter worheit: weler mensche disen weg 35 mit engat, der enkumet zu der lebendiger worheit niemer me. Er mag wol komen zu vernünftigem bekentnisse, als rot mösch schinet etwenne als golt. Aber es ist ime gar verre in der worheit. Also ist vil valsches schines; aber die lebendige worheit die mus in diser wise und wegen gesucht werden. 4. und f. Druck. 6. in ES, mit 88. 9. m. ir ES, m. ime 88. 11. in ES, mit ss - 33. ze nachtr. übergeschr. E, 37. mesch 91, 154 38. Estote misericorrtes sicut et pater vester niisericors est. Nu were der wol ein tore der sinen wingarten hinder einen berg saste, dar die sunne niemer engeschine, und der begerunge bette die sunnen ze seilende, und kert ir [17"] den nacken und sin antlit kerte von der sunnen. Under hundert menschen die doch gute lüte wellent heissen, so vint man 5 kume einen menschen der sich gentzlichen zu der worheit kert. Das wir uns nu alle also müssen keren das uns dise volle und überflüssige mosse müsse werden, des helf uns Got! Amen. 39. Karissimi, estote unanimes in oratione et c. Man liset hütte in der epistolen von dem sunnentage das min herre 10 S. Peter sprach: ' aller liebsten, sint einmütig in dem gebette.' Kinder, hie rürt S. Peter das aller nutzeste und lustlicheste und edelste werk. Es ist das fruchtberste, minneklicheste werk das man in der zit getün mag. Nu verstaut was gebet si, das wesen des gebettes, wel wise si des 15 gebettes, wie man betten sülle und wo, und wel die stat si do man betten sol. Nu was ist nu das gebet? Das wesen dis gebettes das ist ein ufgang dis gemütes in Got, als die heiligen und die meister sprechen! Die stat do man betten sol, das ist in dem geiste, als unser herre selber sprach. Nu wie man betten sülle, wie man sich darzü fügen und halten sülle, 20 dar uf wil ich nu enwening sprechen. Ein ieklich gut mensch, wenne es betten wil, so sol es sammenen sine uswendigen sinne zu im selber, und sol in sin gemüte sehen, das das wol zii Gotte gekert si. Dise wise die mag der mensche haben in dem obersten, in dem nidersten oder in dem mittelsten grade oder wise. Und dar zu ist gut daz [18 r ] ein ieklich mensche vil eben brüve 25 was das si das ime aller ebenest kome und was in aller meist reisse zu rechter worer andacht, und die wise oder das werk das üb er. Aber wissent: wel gut mensch sich zu dem woren gerechten gebette keren wil, das sin gebet in der worheit gehört werde, der sol den rüggen haben gekert allen zitlichen und usserlichen dingen und was nüt götlich enist, es si frünt oder 30 frömde, und von aller italkeit, es si kl eider oder kleinöter, oder was es ist 6. also] zu der worheit 88. 8. in S (Sl. 40) zu der Übcrschr.: 'I.Petr.3,8.'; dann: Die bredige usser sancte Peters epistele des fünften sunnentages, seit wie wir unser kraft uf spannen söllent und in dem geiste betten und alle unsere furwurffe göttelich machen und drie grete eines indewendigen lebendes. 21. sämenen (der Strich später?) E. 24. Bifs und Loch in der IIs., vom Schreiber vermieden E. 28. hinter gekert nachtr. von eingefügt E, von S. 30. es ist nachtr. eingefügt E. 39. Karissimi, estote unanimes in oratione. 155 des Got nüt ein wore saclie enist, und gehört im zu das er besnide sine wort und wandelunge von aller unordenunge inwendig und uswendig. Alsus sol sich der mensche bereiten zu dem woren gebette. Das S. Peter heisset das es einmütig sülle sin, das ist das dis gemüte an Gotte alzemole und alleine klebe und das der mensche das antlit sines grundes und gemiites 5 alzemole an Got gegenwertklichen gekert habe und habe ein milt gunstlich anhangen an Gotte. Kinder, nu han wir doch alles das von Gotte was Avir han. Und wie mag des iemer minr gesin, wir entragen das alzemole wider uf alles das wir von im enphangen han, mit einem inwendigen zu gekerten antlit und gemixte, 10 das das ungeteilt si und einmütig. Und clenne sol der mensche uf spannen alle sine krefte uswendig und inwendig und sol die alle zemole uf tragen in Got. Dis ist die rechte wise die zu dem [18"] woren gebette gehört. Und nüt enwenent das das wor gebet si das man vil gepoppelt mit dem munde uswendig und vil seiter und vil vigilien liset und die ringe strichet und das 15 herze har und dar löft. Wissent für wor: alle die gebet oder die werk die üch an dem gemüte des gebettes hinderent, die losse künlichen varn, es si oder heisse wie es welle oder wie gros oder gut es schine, usgenomen das gezit alleine die das schuldig sint von ordenunge der heiligen kilchen; ane das so los künlichen varn so was anders dich hindert an dem woren wese- 20 liehen gebette. Nu gevelt das under wilen das einre gemeinde wirt uf geleit gros swer gebet uswendig für etliche Sachen. Wie sol sich dar zu gehalten ein inwendig mensche den die gebet des mundes inwendiges gebettes hinderent mit der nswendikeit? Er sol beide lossen und och tun: als wie? Er sol sich 25 samnen zu im selber und in sinen inwendigen grünt keren mit uferhabenem gemüte und ufgetenten kreften, mit einem innerlichen angesicht der gegen- würtikeit Götz und mit inwendiger begerunge vor allen dingen des aller liebsten willen Götz, in einem entsinkende der mensche sins selbs und aller creatürlicher dinge und do in sinken ie tiefer und tiefi'er in den clarificierten 30 willen Götz. Und denne sol der mensche dar in ziehen mit trüwen alle die Sachen die im enpholhen sint, und begeren das [19 r ] da Got sin ere und sin lob würke und nützlichen und trostlichen den lüten die im bevolhen sint. Kint, also hast du vil bas gebettet denne ob du tusent münden gebet tetest. 6. gegenw'tkliche E; die Abkürzung in ir oder ur (s. u. Z. 28) aufzulösen? 11. und S, ein E. 15. strichet E 88, stricket S. 16. h. h. S, h. und h. E. 20. lo alle die z it k. S. so {vor was), gestr. u. unterpunktiert, aber dem urspr. Schreiber angehörig, E. 23. etliche (auf Bas., urspr. suliche?) E. 24. munt [?] in mundes [s iibergeschr.] leorr. E. gebette: ein schließendes s ist ausradiert; vidi, gleichzeitig dem aus den korr.? E. Im Druck: den das geb. d. m. inw. geb. irret vnd hindert. geb. irrent und h. 8. 32. enpholen mit nachtr. iibergeschr. h u. mit Einschiebungszeichen E. 33. und (vor nützl.) f. Druck. y 4- t. werbe mit dem munde gebette t. S, t. münder gehabt bettest Druck, munde 88. 156 39. Karissimi, estote unanimes in oratione. Dis gebet, das in dem geiste geschult, das Übertrift arte mosse alle uswendige gebet, Wan der vatter begert alsolich die in also anbettent, und alle andere gebet iienent zu disem. Und wo es her zu nüt endienet, do las es künlichen varn. Es sol alles her zu dienen. Ze gelicher wise als die do 5 zimberent in dem t?°S', brotzet DrucJc. 21. wan] und 8. 24. vor Aber kein f E. 25. mohte machen S. 28. nach ab gestr.: das E. 29. werdent, also 8. d. vor geseit ist, d. S. f vor Die 1. E. 31. sunder Druck, oder ES. 32. gesaste (?) korr. aus gesät? E, gesast S. 33. so vor wa radiert? E. 35. sich {vor dem) f. S, 40. Johannes est nomen eius. 169 ' disem wege als lange als es im behagt. Und in dem lesten tut der lierre als ob er von siner quäle nüt enwisse; da ist als unlidelich darbende [30 r ] \mä also gros belangen, und doch in gelossenheit. Das heissent weseliche kere, den aller weselieh Ion antwortet. Ander», keren den antwürtet zu vallender Ion. Hin ab scliribt S. Thomas das grosse uswendig werk, wie gros die sint, 5 als verre als si werk sint, den enantwürt nüt denne züvaÜender Ion. Aber in dem inkere des geistes inwendig zu Gottes geiste us dem gründe sunder allen züval, denne alleine suchet Got blos und luter und über alle werk oder wise und über allen gedank oder Vernunft, — ja sprach S. Dyonisius: 'es ist unvernünftig, es ist ein unsinnig minne.' Dis ist ein recht weselieh ker; disem 10 müs alwegen antwürten weselieh Ion und Got mit im selber. Ein ander ker mag och wol in einer gemeiner usserlicher Avise weselieh heissen, das ist in allen den keren do der mensche Got luterlichen und blöslichen meint und nüt anders, noch enkein warumbe, denne Got durch sich selber in im selber. 15 Aber der erste ker der ist in einer inwendiger unförmlicher unwislieher engegenwürtkeit in einem über substentklichen intragende des geschaffenen geistes in den ungeschaffenen geist Götz. Und könde der mensch alles sin leben der ker einen getreffen, so were im wol geschehen. Disen menschen, der Gotte alsus gevölgig ist und im in disem getrenge 20 trüwe gehalten hat, dem müs der herre mit im selber antwürten und zühet disen menschen also grundeloslichen in sich selber und in sins selbes selikeit; do wirt der geist also wunne/3ö'7klichen in gezogen, und wirt alzemole mit der gotheit durchflössen und über gegossen und in in gezogen, das er in Gottes einikeit verlüret alle manigvaltikeit. . 25 Dis sint die die Got ergetzet hie in der zit aller ir arbeit, und hant einen woren fürsmak des si eweklichen gebruchen süllent. Dis sint die uf den die heiligen kilchen bestont, und enweren dise nüt in der heiligen cristenheit, die cristenheit enmöchte ein stunde nüt geston. Wan ir sin, das si alleine sint, das ist verre wirdiger und nützer denne aller 30 der weite tun. Dis sint die von den unser herre sprach: 'der si an griffet, der grifit mir in die sehen miner ögen.' Dar umbe hütent üch das ir in nüt entünt enkein unrecht. Das wir dis alle ervolgen in der nechsten wise das im löbelich si, des 35 helf uns Got. Amen. 1. dem w. 8. 4. andern keren 8, Andere kere E, Andern menschen Bruch. 6 - su 8, f. E. 7. ker S. 9- Do sprichet 8. 11. ime selb selber S. 13. Got /'. S. 14. m. got u. S. 18. m. in allem sime S. 20. Disem 8. 24. Übergossen S. 28. heiige Kirche stot S. 29. heiligen f. 8. 32. griffet und grifit (so) auf Rasuren statt eines urspr. andern Verbums E. 33. s. von E, s. S. min' auf Rasur; urspr.: minen? E. 170 41. Ascendit Jhesus in naviculam que erat Symonis. 41. Ascendit Jhesus in naviculam que erat Symonis. In dem ewangelio von der wuchen und von der zit liset man under anderen worten das unser herre Jhesus gieng in ein schif das was Symonis. und bat in das er das schif enwening uf in die höhi von dem stade Mrti, und 5 sas und lerte das volk us dem schiffe und sprach zu Symon: 'füre dis schif in die höhi und henkent üwer netz us ze vollende.' Und Symon sprach: 'gebieter, wir han alle dise nacht gearbeit und enhan nüt gevangen. Aber in dinen Worten so henke ich das netz us.' Und do si das getaten, do beslussen si als' vil vischen das das [31 r ] netz reis. 10 Nach vil anderen worten so fulten si das schif als vol das si sunken. Do viel Peter für unsern herren und sprach: 'gang us von mir, wan ich bin ein sünder.' Von disem schiffe wellen wir sagen. Dis schif das unser herre in der höliin Ines uf füren — 'duc in altum' —, das enist anders nüt wan das 15 gemüte des menschen inwendig, und sine meinunge. Dis schif das vert in disem sörgklichen wütenden mere diser engst- lichen weit, die alwegent in eime übent und wütent ist: nu liep nu leit, nu sus nu so. Wie sörgklichen es umb alle die stot der herze in diser wütunge stat mit minnen oder mit meinunge, und do an noch hangent, der das bekante, sin 20 herze möchte im torren von leide. Wie es her nach gon sol, dar an engedenkent ir nüt und gont mit blintheit und mit affenheit umbe, wie ir üch gekleident und gezierent, und vergessent üwer selbes und des engstlichen Urteils des ir wartent sint, ir enwissent hütte oder morne. Wistint ir in welen engstlichen engsten und sorgen es wirt stonde mit der weite und mit allen 25 den die Got nüt luterlichen in irem gründe an enhangent! Alle die zu dem minsten denne nit an in hangent die es in der worheit sint, den wirt es übeL ergant, als es kürtzlichen den woren fründen Götz geoffenbart ist. Und der das wiste, sine natürlichen sinne enmöchten das niemer erliden, und wie der gelobe wirt under/.M"/gande. Die das gelebent, die mügent es gedenken das 30 üch dis geseit ist. in S (St. 41) zu der Überschrift: 'Luc. 5,1 U. f.'; dann: Die bredige usser sancte Lucas ewangelio des vorgenanten fünften sunnentages, von dem schiffelin, ist eine warminge vor künftigen pflogen, und leret uns unser gemüte uferhaben von allen creaturen und ver- klerete gotförmige menschen werden. 3. schif] klein schiffelin S. 4. oder furti? E. Vgl. W. 171,3.25.28.35 gefürt. 5. Symö E (-= Symoni?). dis] das S. G. henkent] werffent 88. 8. henke] wurffe 88. 9. reis] brach S, zerbrach 88. 10. sunken] woltent versinken 88. 11. sante P. S. 14. duc in altum f. S; so alle lat. Citate. 19. hanget S. 23. des i. sehen werdent und w. S. 24. engstlichen f. S. 26. denne: de (?) und auf Basur ne; am llande ohne Verweisungszeichen nit (?) E (nüt 8). in] ime S. 41. Ascendit Jhesus in naviculam que erat Symonis. 171 Nu demie unser materie: 'duc in altum, füre das schif uf in die liöliin.' Dis ist der erste weg, der von not sin müs vor allen dingen, das dis gemüte sol und raus uf gefürt sin in die höhin, das si minne oder meinunge und gunst von allem dem das Got nüt enist und creatur ist/ So wer in disem grüweliclien mere nüt enwil verderben noch ertrinken, des gemüte müs von 5 not uf erhaben sin von allen creaturen, si sin oder heissen wie man welle. Nu sprach S. Peter: 'herre gebieter, wir han alle dise nacht gearbeit und enhan nüt gevangen.' In der worheit, das was wol gesprochen. Alle die mit disen uswendigen dingen umbe gont, die arbeiten! wol in der nacht und envohent nütznüt. 10 Do sprach unser herre: 'nu werfent aber us dis garn, und ir süllent vollen.' Und si viengen als vil fische das dis netz zerreis. Dis was vor unsers herren uferstandunge. Aber dar nach do si aber vischeten, do zerreis das netz nüt, sprach das ewangelium. Kinder, was ist dis netz das unser herre hies us werfen, do si als vil 15 mit viengen? Dis netz das man us sol werfen, das ist der gedank: dis gehüg- nisse des menschen das sol der mensche zem ersten us werfen in heiliger betrachtunge und sol mit ganzem fiisse für sich nemen alle die materien die in ze heiliger andacht reissen oder neigen mügen: das hochwirdig leben und liden und die heilige min/~3,2'ynekliclie wandelunge und werk unsers lieben 20 herren, und sol sich dar in als tief erbilden daz im die minne und die liebe durch ge alle sine krefte und sine sinne mit also grosser minne und fröiden das er die fröide mit verbergen emnüge, si breche us mit einem jubilieren. Nu 'duc in altum, füre uf das schif in die höhi', wan dis was noch der niderste grat. Dis müs uf hoher gefürt Averden. Sol der mensche werden uswendig 25 und inwendig ein gelassen mensche und gelütert, und inwendig ein verklert mensche, den S. Dyonisius nemmet ein verklert, gotformig mensche, so müs sin schif verre nie in der höhi gefürt werden, das ist: der mensche kumet dar zu das im alles das enphellet das die nidersten krefte begriffen mügen: alle die heiligen gedenke und die minneklichen bilde und die fröide und jubel und was 30 im von Gotte ie geschenket wart, das dunket in nu alles ein grob ding, und wirt dannan us alzemale getriben, also das ime das nüt ensmakt noch enmag da bi nüt bliben, und dis enmag er nüt, und des in lust, des enhat er nüt, und also ist er enzwischen zwein enden und ist in grossem we und getrenge. Dis schiffelin ist in die höhin gefürt, und dar zu das der mensche in 35 diser not stat von verlossenheit, so stot in im uf alles das getrenge und alle 4. So vor wer radiert E. 13. zerbrach S. 16 f. g. und d. g. (korr.: gedehtnisse) 88. 18. sich mit Verweisimgszeichen von j. H. am Bande E. die vor mal f. S. 21. tieffe verbilden 8. daz im mit Verweisungszeichen von j. II. am Bande E. nach liebe gestr. das im die E. 23. Nu rot unterstrichen E. 28. der (vor höhi) IS, die S. 29. begr. ra.j kegriffent 8. 32. daunan aus dan E. 30. nach stot gestr.: dar zu E. 172 41. Ascendit Jhesus in uaviculam que erat Symonis. die bekorunge und alle die bilde und die unselikeit die der mensche lange überwunden hat: die stritent nu wider in; mit aller kraft koment si und stossent im uf das schif in grossem sturmwetter. So slahent die unden uf das schif. 5 Liebes kint, [32 v ] enfürcht dich mit! so echt din schif vaste und hert gemert und geankert si, so enmügen im die unden mit schaden: so Avirt es alles gut rat. Job: 'post tenebras spero lucem, nach dem vinsternisse hoffen wir des liechtes.' Blibe allein bi dir selber und enlöf mit us und lide dich us und ensüche mit ein anders! So löffent etliche menschen als si in 10 disem inwendigen armüte stont, und suchent iemer üt anders, das si des getrenges dar mit engont. Das ist als schedelich. Oder si gont klagen oder lerer fragen und werdent nie verirret. Blibe bi disem ane allen zwivel; nach dem vinsternisse kumet der liechte tag, der sunnen schin. Hut dich als dines libes das du uf mit anders enslahest, wan warte. In der worheit, blibest du 1.5 do bi, die geburt die ist nach und sol in dir geborn werden. Und wissist uf mich das niemer enkein getrenge in den menschen uf gestot, Got enwelle nach dem ein miwe geburt in im ermiwen. Und wissest: so wel sache dir das~ getrenge oder den truk benimet oder gestillet oder entlöst, das sich das gebirt in dich. Und des ist die geburt, das si was das si, Got oder creature. 20 Und nu brüve: benimet dir das ein creature, si heisse wie si heisse, die verderbet dir Götz geburt alzemole. Nu brüve welen schaden du dir do mit tust. Were din schiffelin, din gemüte, hert geankert an den herten stein von dem der edel Paulus sprach, so enmöcht dich weder tot noch leben noch principatns noch potestates dannan 25 ab gewenken. Hettent alle tüfele und alle menschen gesworn: ie wider si dir weren, ie fürbas si dich in trengeten in din schiffelin und och ie höher [33 r ] uf gienge in die höhin. Kinder, in disem neme der mensche me zu und gienge me uf denne in allen den usserlichen Übungen die alle weit mit einander tun mag, das er sich hie inne lide und losse und dis vinsternisse us 30 lide oder die qwetschunge, weler künne in smirzet oder truket, und in suchte 3. vnden von j. II. gestr. und darunter gesetzt: od' welle E. sl. die wellen S, sl. sü die oder wellent 91. 6. neben vnden am Band von j. IL: od' welle E; unden oder wellen S, vigende oder die wellen 88. 7. rat f. S. Job sprach: noch der v. 8. 8. hoffe ich 8. 10. inwendigen f. S. vn von j. H. mit Verweisungszeichen am Hand; urspr. so suchent si iemer E, und so s. si i. S. 10 f. disem gedreng Bruch 11. vor das gestr.: Och E. vor schedelich gestr. ze E. i. gar seh. 8. 12. vor blibe gestr. Och E. disen allen, one allen 8. 16. vor gestot gestr.: in (?) E. 16 f. nach dem] noch denne S. 17. so vor wel gestr. E. vor dir gestr.: die E. 18. nach entlöst gestr.: das wissist (oder wissest?) E. sich nachtr. übergeschr. E. 19. des] das S. 23. Böm. 8, 38. 24. so möhte dich w. 88, sü möhtent w. S. 25 f. ie me w. 91. 26. ie me fürbasser S. vn och nachtr. von j. IL unten angeflickt E. (ich f. 88. 26 f. h. es u. g. S. 28. ussewondigeu 8. 29- das sich nüt lidet u. losset S 91. vor us gestr.: losse sich E. 30. nach lide ein n(t?) radiert E. q. in w. k. sü in s. S. truk 0 ': et nachtr. übergeschr. E. in vor suchte radiert E. suche 8. 41. Ascendit Jhesus iu naviculam que erat Symonis. 173 kein behelfen sus noch so. Es kome och was es kome, von ussen oder von innan: losse alles us sweren und ensüche enkeinen trost, so löset dich sicher Got, und desselben stant lidig und la es ime gantz. Kinder, dis ist der aller kürzeste weg und der nechste zu' der götlichen woren geburt, die lücht in dis ane alles mittel. Und es kumet dicke eime 5 uswendigen menschen ein usserlich liden zu, das im licht wirt gesprochen oder geton, das in dunket das ime ze unrecht geschehe, und im wirt denne aber so enge als im die weit ze enge si. Kiind der mensche das selbe in im ver- trucken und liesse das in im us sweren den wunden Gottes ze liebe und enklagte es nit noch en andet es: im solt der wunden ein wunneklich fride 10 antwürten. Was sol denne eime inwendigen menschen friden und fröiden ant- würten der sich alzemole lies Gotte? Dem menschen dem antwürt mit minre denne Got selber. Kinder, wellent ir üch selber werlichen bekennen wie ir sint an ganzen waren zeichen, so besehent was das si das üch aller meist bewegen mag ze 15 liebe oder ze leide oder ze fröiden oder ze jamer; das si was das si, das ding ist din bestes, das si Got oder creature. Aber bist du besessen mit Gotte, so enmügen dir din schiff elin, [33 "J din gemüte, alle creaturen mit getriben noch entsetzen. Dem menschen git der aller gutste Got ein sölich kleinöter, das ist alsolich fröide, das der mensche in siner innewendikeit smakt alsolichen woren 20 friden und veste, von der nieman enmag verston wan der es hat. Es kumet wol das äie unden in stürm wetter uf sin schiffelin etwie dicke von ussen slahent als si in ieze versöiffen wellent: das enmag so ungestümlichen nüt in an slahen, er solle von innen in gutem friden bliben. Oder sin schiflin wirt wol von ussen gewenket und beweget, aber niemer nie entsast: im blibt ie sin 25 inwendig götlich fride und wore fröide. Ir erbern lüte, nu erschrekkent nüt, ob ir dis nüt ensmackent; man vindet och als wol arm vischer als rieh. Mer doch süllent ir ein ding wissen, das enkein mensche enist von also kleiner übunge, meint er es und meint er es von gründe und begert ein hoch gros minner Götz ze sinde und blibet do bi 30 1. vor kein radiert: die (?) E. was] wenne S. 4. zu f. S. 6 f. o. ettewas g. S. '• ze f. 8. 8. nach enge gestr.: vnd so bange E. Sf. kunder, der m. der d. s. i. i. möhte v. 8. 10. gte es auf liasur und daneben vonj.H. nit E. ande': t nachtr. von j. IL eingeflickt E. 10 f. soltent die w. ein wunnenclichen frieden bringen S. 11 f. friden bringen und frode machen das s. a. gotte lot 8. 12 der: er auf liasur; urspr. wohl: das E. na. enwurt n. S. 16/ 1 . das d.—bestes f. S. 19. sölieh auf Rasur E. 20 f. w. fr. aus fr. w. E. w. vesten T. 8, w. gütlichen vr. und vesten friden S8. 21. veste: das erste e auf liasur E. nach dem ersten der gestr. das E. von dem das n. S. Es am Bande mit Verweisungsseichen v. j. H. E. kumet aus kum E. 22. wol ein st. S (ein /. 88). die] der JE. vnden gestr. u. v. j. IL Wellen Übergeschr. E. 22 f. u., und slahent 8. 23. in ieze auf liasur von j. IL E. besöiffen S. 24. nach solle M. Rasur E. von innen] vor in S. oder von j. IL in aber Korr. E, Aber 8. 25 f. aber doch blibet im indew. gut fride 8. 27. 1., nüt erschr. obe 8. erschrekket auf Rasur E. 30. gros hoch 8. 174 41. Ascendit Jhesus in naviculam que erat Symonis. und mint es in allen den die es do sint, und ob er sich denne einvaltklichen halt an mittellich hindernisse und Got meine in allem sinem tünde: sint des sicher, es wirt ime aber, wer es och an der zit sines todes. Nu diser fride den die woren Götz frünt habent, die haut och einer 5 künne unfriden: das ist ein us denen dis netzes, das er Got mit so vil enkan gesin als er gerne were, und das im och Got mit als vil enist das ime volkomenlichen genüge. Also liset man von einem, gieng in dem walde vierzig jor uf henden und uf füssen, und stot von ime das er nie gütlichen trost enbefünde: do ist 10 enkein zwivel an, er enhet[3d r ]te me gütliches trostes wan tusent ander; aber im engenügte mit, er hette es in der aller höchster wise do man es müge haben, und in der höchster wise do ist der weseliche fride von dem geschriben stat: 'quere pacem et persequere eam, si süchent den friden, und der volget in'. Diser fride der volget dem weselichen kere, der fride der alle sinne 15 ubertriffet; wenne sich das ungenante, das namlos das in der seien ist, in Got zemole kert, so volget und kert sich da mit alles das namen hat in dem menschen, und in dem kere antwürt alle zit alles das namlos ist in Gotte, das ungenante, und alles das in Gotte namen hat, das antwürt alles dem kere. In disem so sprach Got sinen woren friden, und denne mag der mensche 20 wol sprechen: 'audiam quid loquatur, ich will hören was der herre in mir spreche', wan er sprach: 'fride in sin volk und in die die zu iren herzen sint gekert'. Dis sint die menschen die S. Dyonisius nemmet gotformige menschen. Dise menschen und lüte mochte S. Paulus meinen, do er sprach: 'ir süllent sin gefundiert in der minne, das ir mügent begriffen mit allen heiligen weles si die 25 höhi, die breiti und die tieffi und lengi Götz.' Kinder, die höhi und die tieffi die sich entekt in disen menschen, das enkan enkein Vernunft noch sinne begriffen enkeins menschen; es gat über alle sinne in ein abgründe. Dis gut wird den liiten allein entekt die do sint uswendig gelütert menschen und inwendig sint verklerte menschen und inwonende 30 menschen. Disen lüten den ist himel und erde und alle creature als ein luter mit, wan si sint selber ein himel Götz, wan Got hat raste in in. 1. den nachtr. am Hand mit Verweisimgszeichen von j. H. E. 3. aber] und 8. 5. ein uzdennen 8, einer us denen E. 8. e. der g. S. 9. ist nachtr. untergeschrieben E. 10. vor an gestr. nut E. en vor hette radiert, aber deutl. IS, f. 8. 11. hette auf liasur (urspr. enhut?) E. h. in denne in 8. es nachtr. übergeschr. E. 12. vor gei'chriben gesir. das E. 13 f. stot: suche den fr. u. er volget dir S. 13. Ps. 33, 15. der auf liasur E. 14. Diser—kere f. S, steht 88. 91. 16. zumole gekert 8. da am Itande von j. H. nachgetr. E. 17. in f. 8, m streichen? 19. sprichet S. 20. l's. 84, 9. mir] mich S. 21. sprichet in s. v. fr. 8. 23. Eph. 3, 18. menschen und f. S. meinen] nemen «S'. 27. enkeins menschen f. S. 30. mit menschen bricht diese Predigt ab 91. 41. Aseendit Jhesus in naviculam que erat Symonis. Unser lierre [34 r ] der sas in dem schiffe und lerte das volk. Got rastet und riebet und berichtet alle die weit und alle creature in disen lüten. Kinder, kumet der mensche recht in disen grünt und in dis wesen, sint sicher, so müs dis netz von not rissen. Nut wenent das ich mich dis üt anneme das ich üt her zu komen si, allein enkein lerer mit ensülle leren das 5 er selber von lebende nüt enhabe. Doch ist es ze nöten gnüg das er es minne und meine und nüt do wider entü. Doch wissent das es nüt anders enmag sin. Do der vische als vil beslagen und gevangen wart, do reis das netz. Also wenne der mensche zu disem vollende kumet, das er dis ervolget, so müs die nature, die her zu ze krank ist, von not rissen, also das der mensche 10 niemer gesunden tag engewinnet. Und das lit gar wol, als 8. Hiltgart schribet: 'Götz wonunge enist nüt in einem starken gesunden libe ze sinde', als S. Paulus -Sprach: 'die tugent wirt vollebracht in der krankheit'. Aber dise krankheit enkumet nüt von uswendiger übunge, sunder von der überflüssikeit des über- gusses der gotheit, der disen menschen also Übergossen hat das des der arme 15 irdensche licham nüt erliden enmag. Wan Got hat disen menschen als gar in sich gezogen das der mensche wirt als gotvar das alles das in im ist, das wirt von einer überweselicher wise durch gössen und über formet, das Got dis menschen werk würket. Und dis heisset wol ein gotformiger mensche, wan wer den menschen recht sehe, der sehe in als Got, nüt denne von gnaden, wan 20 Got lebet und weset und würket in im alle sine werk und ge/55'7bruchet sin selbes in ime; Got hat ir ere. Si haut wol ir schif in die höhi gefürt und si hant ir netz wol us geworfen und hant vil gevangen. Als dis schif alsus kumet in die höhi und die tieffi, so versinket das schif mit dem netz und zerbrichet alles sament; das ist wol recht das sin 25 eigenheit zerbrochen und zerrissen werde: wan sol ein ieklich ding gewerden des es nüt enist, so müs es des entwerden das es ist. Hie get in etlicher wise under beide Hb und sele in disem tieffen mere, und verlierent ir natürliche werk und übunge nach iren eigenen kreften in natürlicher wise und hawt in dem versinkende in disem grundelosem mere 30 weder wort noch wise. Denne tut er recht als S. Peter tet: alhie viel er al ze mole do nider für unsern herren und sprach ein unsinnig wort: 'herre, gang us von mir, wan ich bin ein sünder.' Dem menschen sint enpfallen wort und wise. Das ist ein sache. Die ander sache ist das der mensche in disem -.also velt in sin grundelos nüt und wirt also ze mole klein und also gar nüt 35 ! V 2. rihtet und S, f. 88. 5. allein] wanne S. 8. beslagen und f. S. 10. die mfis vor von (doch wohl nicht vom Schreiber selbst) geslr. E, f. 8. 11. lautet Brück. 13- II. Cor. 12, 9. 17. das (vor alles) f. S. das (vor wirt) gestr. E. 21. weset: das t auf Rasur E, urspr. wesende? 21. sin aus sins E. 23. und] wanne sü S. 25. urspr. •las es sins E. hant S, hat E. 31. tut' E. er von sehr viel jüngerer Hand eingeflickt E, steht S. 176 41. Ascendit Jhesus in naviculam que erat Symonis. das er allem dem enpfelt das er von Gotte ie oder ie enpfieng, und wirft das al ze mole luterliclien wider in Got, des es och ist, als er es nie gewünne, und wirt mit allem dem nüt und also blos als das nüt en ist und nie mit engewan, und al do versinkt das geschaffen nüt in das ungeschaffen nüt: das ist nit was 5 man verstau oder geworten mag. Hie wirt das wort wor das in dem salter der prophete sprach: 'abyssus abyssum invocat, das abgründe das inlei/et das abgründe.' Das abgründe das geschaffen ist, das inleit in sich das ungeschaffen abgründe, ß5 v J uni werdent die zwei abgründe ein einig ein, ein luter götlich wesen, 10 und do hat sich der geist verlorn in Götz geiste; in dem grundelosen mere ist er ertrunken. Kinder, hie stot es als wol verre bas wan ieman verstan oder begriffen müge. Her nach so wirt der mensche also weselich und als gemein und tugentlich, gütlich und von minsamer wandelunge mit allen menschen gemein und gesellig, doch das man iemer enkeinen gebresten von ime enkan 15 gesehen noch vinden. Und dise menschen sint allen menschen gelöibig und barmherzig; si ensint nüt strenge noch hertmütig, denne vil gnedig. Und das enist nüt ze glöbende das dise lüte iemer von Gotte mügen gescheiden werden. Das uns dis allen geschehe, des helf uns Got. Amen. 42. Divisiones ministracionum sunt, idem autem spiritus et cetera. 20 Min herre S. Paulus der sprach hütte in der epistolen: 'es sint teilunge der werk, und wirket alles sament ein geist ze fnicht und ze nutze des menschen.' Und es ist aber der selbe geist, der wirket alle ding in allen dingen. Eime ieklichen wirt gegeben offenbarunge des geistes ze sinem nutze und frucht. Einem andern wirt gegeben rede der kunst in dem selben geiste, 25 und nemmerat da vil underscheides der gaben, und würket alles ein und der selbe geist, und er sprichet vil zu bewerunge des geloben. Hie vor moles do wurkte der geist Götz gar grosse wunderliche ding in sinen fründen ze bewerunge des geloben: das woren grosse zeichen und manigvaltige prophecien, und [;>6 r J vergiessunge der heiligen ir blüt und liden 1. oder ie f. S. 2. er von sehr viel jüngerer Hand eingeflickt E, steht S. 3. dis in das Jcorr. v. j, H. E. 4. also do 8. ist nit was von j. IL auf Rasur E. 7. inleidet E, in leitet S. 13. misamer: mi (von j. H.?) auf Basur E. 15. Und f. S. 19. in S (St. 44) zu der Überschrift: ' 1. Cor. 13,6 u.f.'; dann: Die bredie usser sant Pauwels epistele von dem zehenden sunnendage manet einen iegelichen mensclien warzunemmende zu was ambahtes er von gotte gerüffet si, und leret minnewerg und tugende üben und eigens willen uzgon. 25. nemmeut S, nennet 88, nenimet E. u. dis w. S. 27. moles /'. S. Götz f. S. 29. propheten S. 42. Divisiones ministracionum sunt, idem autem Spiritus. 177 den tot. Diser wise enist nu enkein not. Mer doch wissest leider das des woren lebenden wirklichen geloben in ettelichen cristenen menschen als wening ist als in heidenen und in Juden. Nu nemen wir das wort S. Paulus: 'es sint teilunge der werke und der dienst und wiirket alles ein und der selbe geist.' Kinder, als ir sehent 5 uswendig das ein licham ist und der selbe licham der hat vil lider und vil sinne, und ein ieklich teil der lider die haut ir sunderlich amt und werk, als das öge, das ore, der munt, die hant, der füs, und nieman ennimet sich nüt an das ander ze sinde noch anders denne als im Got geordent hat. Also sin wir alle ein licliam und gelider under einander, und Christus ist dis lichams höbt, 10 und an disem lichamen so ist gros underscheit der gelider. Das ein ist ein öge, das ander ein hant, das dritte ein füs, ein munt, ein ore. Die ögen des lichams der heiligen cristenheit das sint die lerer. Das engat üch nüt an. Aber wir gemeinen cristene menschen wir süllen vil eben war nemen was unser ambacht sülle sin dar zu uns der herre gerüffet und geladen hat, wele 15 die gnade si zu der uns der herre gefüget hat. Wan ein ieklich kunst oder werk, wie klein die sint, das sint alles sament gnaden, und würket alle der selbe geist ze nutze und ze frucht des menschen. Nu heben wir an dem nidersten an. Der eine kan spinnen, der ander der kan schüch machen, und etliche [36 v ] die künnen wol mit disen uswendigen 20 dingen, das si wol gescheffig sint, und das enkan ein ander nüt. Und dis sint alles gnaden die der geist Götz würket. Wissent, und wer ich nüt ein priester und wer under einer samenunge, ich nems für gros ding das ich könde schüch machen, und die wolt ich in allen vor machen, und och wolt ich gerne min brot mit minen henden verdienen. 25 Kinder, der füs noch die hant die ensol nüt wellen das öge sin. Ein ieklichs sol sin ambacht tun, das im Got zu gefuget hat, wie grob das ist, und das ein ander lichte nüt getün enkan. Und unser swestern ein iekliche sol ir amt tun. Die einen künnen nünnekliche singen und süllent ir salinen lesen. Und dis kunt alles von Götz geiste. Sant Augustinus sprach: 'Got 30 der ist ein einförmig götlich einvaltig wesen und würket doch alle manig- valtikeit und ist al in allen dingen, ein in al und al in ein.' Es enist niergen enkein werklin so klein noch künstelin noch so snöde, es kome al von Gotte, und es ist sunderlich gnade. Und das sol ein ieklich dem nechsten vor tun des es nüt als wol enkan, und geb gnade von minnen umbe gnade. Und 35 6. urspr. das ist ein licham vnd; dann (wohl von gleicher Hand) ist gestr. und zwischen Hcham und vnd übergeschr. E. 15. vor vns Rasur E. 18. selbe] heiige S. 24. f. ein g. S. 25. u. wolte ouch g. S. 26- ensüllent S. 27. zwischen grob und das urspr.: aber wielioh, dann (wohl vom Schreiber) gestr. E. 28. zwischen swest'n und ein urspr.: die süllen, dann (wohl vom Schreiber) gestrichen E. 30. von E 88, umbe S. 30. Aug' E. 31. alle m. S, alle in man. E. 32. in ein almehtikeit und almehtikeit in eime. Es 88. 35. gebe v. m. gn. umb gn. S. Deutsche Toxtü des Mittelalters XI. 12 178 42. Divisiones ministracionum sunt, idem autem Spiritus. wissist das: wel mensche nüt enübet noch us engibet noch enwürkt dem nechsten ze nutz, er müs Gotte grosse rede und antwürt dar ab geben, als das ewangelium sprach das der mensche miiste antwort geben von sinre meiger- schaft; das sol und müs ein ieklichs wider geben das er von Gotte enphangen 5 hat, als er es vermag, für [37 r ] einen anderen und im Got gegeben hat. Wannan kunt nu das das als vil geklagt wirt und ein ieklich klagt über sin amt das es in hinderte, daz doch von Got ist, wan Got engit nieman nüt ze hindernisse. Wannan ab kumet denne dis straffen in dise consciencie, sit es von Götz geiste kumet, und straffent doch und machent unfriden? Vil liebes 10 kint, wissest: was dir disen unfriden machet, das entünt nüt die werk, nein nüt, es tut din unordenunge, die du hast in den werken. Tetest du dine werk als du si billichen und von recht tun soltest und Got luterlichen und allein meintest und nüt des dinen, noch gevallen noch missevallen noch enmintest noch enfürchtest, und das weder nutz noch lust do inne enwurde gesucht denne 15 allein die ere Götz, und würkte man die werk allein Gotte, sehent, so were denne unmügelich das do iemer stroffen in geviele oder consciencie. Und solt sich ein geistlich mensche billichen des schämen das er sine werk als unorden- lichen getan hette und als unluterlichen das man das von im horte das si in straften. Wan man hört wol das die werk nüt in Gotte noch in rechter 20 luterer meinunge enwaren geton noch von worer luterer minne Götz und in frucht des nechsten. Und do an solt du och bekennen und bekant werden, weder din tun allein uf Got gegangen habe, ob du ir ze friden blibest oder nüt. Unser herre der enstrafte nüt Märten umb ir werk, wan die woren heilig und gut, aber er strafte si umbe ir sorgval/37"7tikeit. 25 Der mensche sol gute nütze übunge haben, als es gevelt, und er sol die sorge Gotte befelhen, und sine werk sol er tun vil behütsamklich und in stillin und sol bi im selber bliben und Got drin ziehen und dike dar in blicken mit einem zügekerten gemüte vil inneklichen und andechtklichen und sin selbes war nemen, was in jage oder tribe zu dem werke. Und och sol der mensche 30 vil innerlichen war nemen wenne in der geist Götz mane och ze Kdikeit oder ze würklicheit, das er einem ieklichen volge und tu usser der anwisunge des 1. engibet: ibet auf liasur E. us engibet] usgat S. 2. dar ab] darumb S. 3. inüste deuü. E, müste S. 3 f. meisterschafft Druck. 6. Wannan: nä auf Rasur E. 6 f. i. das got kl. das in s. a. bindert, das 8. 7. daz (vor doch) auf Basur E. doch mit Verweisungszeichen von j. H. am Band E. 8. urspr. Wenne ? in Wannä korr. E. in E 8S, und S. 9. stroffet (machet) S, straffent (machent) E 88. doch] dich S. 10. was] daz S. 12 f. u. alleine got lut. m. S. 13. geuallen: g auf Bas. E. 16. das kein stroffunge do gefiele in der conciencien S. 18. h. sagen d. S. 19—21. nüt sint geton i. g. und i. worer luter mein. u. in fruht d. n. S. 21. do an] daz S, des 88. u. ouch daran b. w. 8. 22. weder] ob 8. h. und obe S. ir ze E, ze S, in Druck. blibest] sigest S. 24. aber] wan S. 26. stillekeit S, stille 88. 80. lidikeit 8, ledikeit E, leidlicheit Druck. 31. tu und losse u. S. anwisunge E 88, an- würkunge S. 42. Divisiones miiüstraoionum sunt, ideru autem spiritus. 179 heiligen geistes: nu rasten, nu würken, und tu denne sine werk als gütlichen und fridelichen. Do ein alt, krank oder unbelmlfen mensche ist, dem solte man engegen löffen und striten einr für den anderen, minne werk ze tünde, und trage ieklichs des anderen bürdin. Und entüst du dis mit, bis gewis, Got sol dir dasselbe nemen und geben einem anderen der es wol usgerichten kan, 5 und last dich der tugent ital und wan bliben und och der gnaden. Und vindest du in den werken ein innerlich berürunge, der nim in den werken als subtilklichen war und lere also in die werk Got tragen, und enlöf nüt al zehant enweg. Kinder, alsus sol man leren sich üben in tugenden. Wan du müst 10 dich üben, solt du künnen. Nüt enwarte das dir Got die tilgende in stürze sunder din arbeit. Man ensol niemer ungeübten tugenden geloben, das der vatter und der sun und der heilig geist in den menschen Aussen. /~38 7 Man ensol nüt dar ab halten, der mensche enhabe es e mit Übungen ervolget eint- weder inwendig oder uswendig. 15 Ein gut man stünt und trasch sin körn, und in dem wart er verzuket, und der engel müste den phlegel haben oder er hette sich selber geslagen. Nu wellent ir echt ledig sin. Es kumet sere von tragheit: ieklichs wil ein öge sin und wellent alle schöwen und nüt würken. Ich weis einen den aller höchsten frünt Götz, der ist alle sine tage 20 ein ackerman gewesen nie denne vierzig jor und noch ist. Und er fragte einest unsern herren ob er wolte das er das begebe und in die kilchen gienge sitzen. Do sprach er: nein, er ensolt es nüt tun; er solte sin brot mit sinem sweisse gewinnen sinem edelen türen blute ze eren. Der mensche sol under nacht und tag iemer ein gute zit nemen, und in der sol er sich in senken in 25 den grünt, ein ieklichs nach siner wise. Die edele menschen die mit luterkeit und an bilde und an formen sich in Got künnen keren, die süllen tun nach ir wise. Und die anderen nach ir wise süllent sich da ein gute stunde inne üben, ein ieklichs nach siner wise, wan wir enmügen nüt alle ögen gesin. Denne fürbas süllent si ir gute übunge tun, wie in Got zu füget in 30 grosser minne und in friden und gütlichen nach Götz willen. Der Gotte dienet in Götz willen, dem sol Got antwürten nach des menschen willen. Der aber Gotte dienet in sinem willen und nach sinem eigenen willen, dem ensol Got nüt antwürten nach des menschen willen, sunder nach Götz willen. 4. u. ein ieglichs d. a. bürden helffen tragen 8. urspr. tragen: n radiert E. bis g.] 80 Slut sieber S. 6. last E 88, lossest du S. 7. einer innerlicher E, ein innerlich 8. nach berürunge (vom ScJir. ?) gestr. : wol in der vliden E. 8. subtilk auf Basur statt eines kurzem Wortes E. also ernstlich S (88). 10. sich lernen S. 11. künnen: ü auf Basur E, ummen zu gotte 8. 12. gel. ung. tug. noch das S. 14. es e nachtr. übergeschr. E, steht 8. ig. krangheit S. 22. e. daz b. solte und S. gon S. 23. er ens. — tün f. S. **■ svv. verdienen oder g. S. 30. in die got S. 12* 180 42. Divisiones ministracioimm sunt, idem autem Spiritus. Kinder, von disem usgange des eige[38 v Jnen willen dannan von wirt geborn und gat hin us der weseliche fride, der kumet usser der geübter tugent. Und sint sicher, es ist anders falsch, er enkorae us geübter tugent; inwendig und uswendig müst geübet sin. Aber der fride der von innen kumet, den 5 enmag in nieman benemen. So koment dise nasewise lüte, die sint als naswis: es solt alsns sin und also sin; und wellent einen ieklichen richten nach irem höbte und nach iren sinnen und nach irre wise. Und die selben sint vierzig jar geschinen in geistlichem lebende und enwissent noch hütte dis tages nüt wo si dran sint. Dise 10 sint vil küner wan ich si. Ich solt ein lerer sin, und als ich die lüte hören, so frage ich wie in were und wie si drin sint komen. Und noch denne engetar ich nüt ein urteil drum geben, und suche an unserm herren, und engit er mir es denne nüt, so spreche ich: 'lieben kint, süchent selber an unserm herren, er sols üch geben'. Und ir wellent einen ieklichen setzen und 15 urteilen nach üwer wise und nach üwerm gutdunkende. Alsus koment die wurme und essent das gut krütelin das in dem garten Götz wachsen solte. So sprechent si: 'dis enphlagen wir nüt; dis ist ein nüwe Avise und von dem nüwen geiste', und engedenkent nüt das in unbekant sint die verborgenen wege Götz. 20 Och was sol man Wunders sehen her nach von den die nu gar wol dran wenent sin! Nu sprach min herre S. Paulus: 'der geist würket und git underscheit der geiste'. [39 r ] Kinder, wel wenent ir das die lüte sin den Got ze bekennende 25 git underscheit der geiste? Wissent, die lüte die das sint, die sint also durch geübet in aller wise durch fleisch und durch blüt, und sint die bekorunge durch si gegangen in den grüwelichesten und in den sweresten wisen, und der vijent ist durch si gevarn und si wider durch in, und ist marg und bein durch geübet. Und dise lüte bekennent underscheit der geiste. Wenne si sich 30 dar zu wellent keren und si die lüte ansehent, al zehant so bekennent si ir geiste ohe si von Gotte sin oder nüt, und weles die nechsten zu genge sin und was si des hindere. Och kinder, wie versumen wir uns so schedelichen der edeler nechster worheit mit so kleinen snöden dingen und des iemer und eweklichen müssen 35 mangel han, alle die wile das Got ewig ist, und das wir nu versumen, das enwirt uns niemer me. 2. urspr. die kumet; horr. d' k. E. 3. vor vs Veno, und a. 11. von j. H. dene E; so steht auch S. 4. müüt oder müft? E, müst du 8. 5. in] ime S. 6. a. n. und sprechent, es 8. 10. si f. S. 12. süchent E, ich suche 8. 25 f. 29. durchübet 8. 30. dar scheint am Zeilenschlufs nachtr., doch vom Sehr., zugesetzt, E. 31. obe] oder E, und ob S. 34. des wir i. S. 43. Qui spiritu dei aguntur, hij filij dei sunt. 181 Und das wir alle in worlieit us richten beide die dienste und die würkunge die Götz geist uns gegeben und geleret hat, ein ieklichs nach dem das der geist Götz in uns gemeint hat, des helf uns Got. Amen. 43. Qui spiritu dei aguntur, hij filij dei sunt. Die von dem geiste Götz gewürket werdent oder getriben werdent, das 5 sint die kinder Götz. Alle die werk die alle menschen und alle creaturen mochten ie gewürken oder iemer gewürken süllen an ende der weit, das ist alles mit einander ein luter nicht, wie gros werk man [39"} gedenken oder gewürken mag, engegen dem aller minsten werke das von Gotte in den menschen 10 gewürket wirt, umbe das der mensche von Gotte gewürket werde. Als vil als Got besser ist wan alle creaturen, als ist sin werk besser werk wan alle die werk oder wise oder ufsetze mit aller der annemlicheit die alle menschen erdenken künnen. Nu kumet. der heilig geist dicke in den menschen und manet in und 15 tribet in in sinem inwendigen gründe oder och durch die lerer, und tut als ob er spreche: 'liebes mensche, woltest du dich mir lossen, und woltest du mir alleine al ze mole und gentzlichen volgen, so wolt ich dich uf die rechte strosse bringen, so möcht ich in dir gewürken und wolt ich dich selber würken.' 20 Och kinder, das ist ein jomer das wening ieman ist die disem wisen guten ratgeben wellen volgen oder in gehören wellen, sunder menlich blibt uf sinen eigenen ufsetzen und uf sinen eigenen angenomenen wisen und uf blinden sinlichen werken und gutdunklicheit: die hinderent der minneklicher in würkunge des heiligen geistes, das er weder siner spräche nüt enhört noch 25 enverstat noch zu sinem minneklichen werke kein stat noch gerum engit. War umbe? das ist wol ein notrede das man dem worte ze hörende nüt bas 3. gemanet Druck. 4. in F zu dieser Predigt (129'■ — 140'-) die Randbemerkung v. 3- H.: Die bredige an dem viij sunetag noch der trinitas; -in S (St, 43) nach der Überschrift: 'Rom. 8.W; dann: Die bredie usaer sanct Pauwels epistele von dem ahtesten sunnendage seit wie uns got selber wolte wurcken, liessent wir unser ufsetze, und seit wie etteliche betwungene knehte gottes sint und etteliche verdingete knehte und von zweiger leige sune gottes. 8- nach an kl. Rasur; urspr. ans? F, an S, an das 88. 9. erdenken S. gewürken] geworten F. io. denj dem S. 11. umbe] vfi F. 12. ist (vor wan) /. F. werk (vor Wan ) f- S- 14. möchtent 8. 16. sinen F. 17. Lieber F. 24 f. h. das iuwürcken Druck. weder gestr., aber wohl nicht vom Sehr., E, steht F. 25. siner: r ist ausradiert, doch noch lesbar F. sinre ensprache F. 26. rum S. 182 43. Qui spiritu dei aguntur, hij fllij dei sunt. enkan gedienen denne mit stillin und mit losende, mit swigende; sol Got sprechen, alle ding müssen swigen; sol Got eigenlichen und adellichen würken, so ist des not das ime ein stat und gerum gegeben werde und man Got lide. Wan [40 r ] zweijer leige werke envertragent sich nüt mit ein ander. Eins 5 müs sich halten lidende und das ander würkende. Hie mit, kinder, so mein ich nicht junge starke ungeübte menschen, das sich die mit in würklicheit ensüllen üben, wan die bedurften das si sich vil gröslichen und vil vaste süllen üben, und maniger guter wise und vil guter werk inwendig und uswendig, war si an gewiset werden! Aber ich meine alle geübte lüte, die gerne weren die 10 aller besten kinder Götz, der wege die müssent vil anders sin und ir wise wan der anhebender lüte. Nu nemen wir die weit al ze mole her für, so sieht man das der aller meiste liobetteil von alr der weit die sint alle leider vijent Götz. Denne sint andere die sint betwungene knechte Götz, die müs man 15 twingen zu dem dienste Götz. Und das selbe wening das si tünt, das entünt sie nüt von götlicher minne noch von andacht, aber si tünt es von vorchten. Und das sint gnadelose minnelose geistliche lüte die man ze köre und ze vil anderem dienste Götz twingen müs. Denne sint andere das gemeine verdingete knechte Götz sint. Das 20 sint pfaffen und nunnen und alle soliche lüte die Gotte dienent umbe ir pfründe und umbe ir presencien, und enweren si der nüt sicher oder enwürde in der nüt, si endienden Gotte mit und kerten wider umbe und würden gesellen der vijende Götz. Von allen disen lüten so enhalt Got einen tränen nüt, das si die 25 kinder oder die süne Götz üt mügen von irs dienstes wegen sin, aber tünt och vil grosser werke uswendig; [40"] der ennimet er sich nüt an, wan er enist der grünt nüt, wan si sint es selber das der werke sache ist. Mer die vierden das sint süne Götz, mer doch nüt die aller liebsten süne: das sint die lüte die stont uf ir uswendigen oder inwendigen ufsetzen 30 und eigenen wisen und würken ir gute werk und ensüchent nüt fürbas. Dise lüte die stont undenan an der rinden des böms und habent sich gar vaste dar an; aber si enwellent uf den böm mit klimmen. Aber si lont in 1. stille S, stillekeit 88, lusterene F. 3. ime S, f. EF. u. ein rum S. 4. envertragent; t nachtr., doch vidi, vom Sehr, übergeschr. E. 7. süllen nachtr. gestr. E, steht F, f. S. 8. und m. ES, in m. F, mit m. Druck, gute werk E, guter w'ke F. 12. nach das Veno, und a. B. von der H. d. Sehr, d' E. 13. liobetteil] teil mit Verw. a. B.; in der Zeile steht, teilw. auf Basur, houe (?): urspr. here? E, höbt (vorher ebenfalls d', nicht dj) F, teil S. die gestr., wohl nicht v. Sehr., E. alle leider /'. S. 17 f. und zu dem d. g. S. 21 f. oder—der nüt f. S. 21. enwürde: en ausradiert, doch lesbar E, in wurt F. 24. tropfen n. S. 25. nüt S. aber EF, von j. H. gestr. und in vnd korr. E, und S. 28. mer doeb] aber S. 30. w'ke ire gute w'ke; dann w'ke gestr. und ire in ire korr., aber die Korr. in gute w'ke unterlassen F. 31. haltet F. 32. Aber f. S. 43. Qui spiritu dei aguntur, hij filij dei sunt. 183 genügen an iren wisen, die si übent in ir angenomenheit, und denkent gar sere nach sinlicher wise und minnent in iren ufsetzen und in bildelicher wisen und Übungen und hant Got gar lieb und unser herre hat si och gar liep. Dis sint wol süne, aber es ensint mit die aller liebsten süne: si stont uf iren eigenen werken, und anders so enhant si enkeinen friden, die ensin alle us 5 getan. Aber die aller liebsten süne von den S. Paulus sprach, die werdent von dem geiste Götz geworcht uf das wort das do sprach das man von Götz geiste geworcht werde; wie das würken si, dar uf sprach S. Augustinus: 'in zwein wisen ist dis würken des heiligen geistes in den menschen. Die eine wise ist das der mensche ze allen ziten wirt von dem heiligen geiste geordiniert und 10 beweget, das ist, das in der geist ze allen ziten manet und tribet und locket und zühet in ein geordnet leben; das tut er allen den die im nach wartent und im stat gebent das si im volgent. Die ander wise die der heilig geist [41 r ] hat in sinen werken in den sinen, das ist das er si gehelingen zühet über alle die wise und die wege in einem blicke in einen vil höheren grat ob 15 allem irem werke und irem vermügende zu einem höherem zil: dis sint die aller liebsten kinder Götz.' Nu engetürrent noch enwellent sich vil lüte uf Götz werk nüt lossen und Avellent iemer ston uf iren werken. Die tünt recht als ze glicher wise als die einen grossen türen edelen schätz füren solten und fürten in einen grüwe- 20 liehen tiefen se, und füre mit grossen swinden arbeiten einen unrechten irrigen weg, der ze mole vinster und vol nebeis were und do unrein trophen im uf sinen schätz vielen und im sinen schätz entreinten und rostig und unrein machten: kerne denne ein erber biderber worhaftiger man und spreche: 'volge mir; ker din rüder umbe; ich wil dich füren und wisen uf ein wunnekliche 25 vart, do es ze mole heiter und klar unde schön ist, stille und wider liecht ist, und do schinet die sunne und sol dir dinen schätz schön und trucken machen, das aller der rost vergat, und och nüt als swerlichen endarft arbeiten als du uu in disem woge tust': wer enspreche nüt 'gerne'? Dis ist der mensche der den also türen schätz hat ze fürende über das wütende mer diser grüwe- 30 lieber weit. Das schif do wir inne varn, das ist unser sinlicheit. Mit disem schiffe varn wir verre her us an unserre uswendigen angenomenheit und würklicheit 2. in in i. u. S, got in i. u. Bruclc. 3. gar ES, wider F. 4. s., sü sint aber n - & 5^. die—getan] sü werdent denne vollebraht S. 7. das gesprochen ist d. m. S. 8 - wurde S. Aug' E. 9. den] dem S. 9. 13. vor Die steht H in E. 11. beweget] geregiert F. 11. der heilige g. S. vermauet S. 14. geheliche F. 18. uf] sich F. 19- werken] ufsetzen S. ze f. F. 20. edelen f. S. I. füren in einem? 21. tieffen] e PPete F. swinden f. S. 23. im sinen schätz] in S. 24. biderber f. 8. 26. wider aestr., doch wohl nicht v. Sehr., E, steht F, f. S. 27. do die s. seh. S. 28. bedarft 88. ^9- vor Wer das ^-Zeichen ausradiert E. nach enspreche Veno, und a. B. dene E, f. F, sie ht S. nach nüt gestr.: als E, steht F, f. S. 31. grüw. f. S. 33. vnserre: re ausrad., doch lesbar E. 184 42. Qui spiritu dei aguntur, hij fllij dei sunt. und arbeiten iemer dar mit disen [41"] ufsetzen und varen in die vinster nebele, das ist blintheit und unbekantheit des menschen sins selber in der wor- heit. In disem so wirft der vijent unreine böse trophen her in, die im sinen schätz entreinent, das ist eigene behagunge ir eigener würklicheit und ander 5 hofartkeit und eigenwillikeit und gütdunklicheit, ungelossenheit und swarmüti- keit, abgünstikeit und ander manig unreine trophen, die der vijent her in wirffet und entreint ime sinen edelen schätz. Und als der mensche diser trophen gewar in im wirt, so wil er dis alles us richten mit bichten, und vallent noch vil tiefler in den nebel mit dem 10 us löffende und us suchende. Kertent ir zu üch selber und bekantint üwer krankheit und klagetint ir es Gotte und bichtetint ir ime und sprechent denne üwer schulde, wan do mit wer es alles genüg; dis liesse ich minen köpf kosten. Nu denne so kunt der heilig geist: 'och, lieber mensche, woltest du 15 mir geloben vnd volgen, ich wolt dich einen gar sicheren weg füren und leiten'. Wer enwolte dewe guten getrüwen rat geben nüt geloben und volgen? Das der mensche also selig und also wise were das er sich liesse und Götz geiste volgete, sinen amvi sangen und manungen volgete und sinem tribende gnüg were, do würde ein wunneklich ding us. Leider des entut der arme 20 mensche nüt. Denne er blibet alles uf sinen uswendigen ufsetzen und uf sinen uswendigen angenomenen sinlichen wisen mit eigenheit, Nu ensüllent ir des nüt also verston, man [42''] ensülle harte wol gut ufsetze und angenomenheit von guten innigen Übungen wol haben. Aber der ensol man nüt haben mit eigener eigenschaft, und us den sol man eintweder 25 warten uf den aller liebsten willen Götz und uf sin werk in aller gelossenheit und nüt Götz werk verderben in eime vermessenlichen gut dunkende. Als die mit iren vernünftigen wisen und in irem natürlichen verstentnisse verblibent, mit den kumet es rechte als do ein schön bömgarte stünde vol schöner böme und die alle mit vollen fruchten und die öphel vielen alle ab e si zitig würdin, SO und würden alle wurmessig, und do in dem selben garten stunde als gut krut und valwet. Nu kernen dise unreinen würme und slüffen us den wurmessigen öphelen und essent das edel gut krut und machent es locherechtig. Dise öphel vn* V ^'/V 11 ! 8 ^ Uebele EF8 ' die vinstern »ibelunge 88. 2. inj vn F. 5. g. vH und S ' f. Druck 11 7 ' "^ F ' ^ ES ' 10 ' ker5t K 12> denne] ime S ' wan J v,ptt oa t ™«,oT,„ia'i a 6S ö 12 ^' iis —kosten] es were denne daz du dich swerlichen ^6 demITfl ' 'S gUt L A dime Mhter S - ^ ^ *«**«* 0 Bruch. Och] Och E. ™iü T Z "': Rand V - j - IL disE E > dei ™ Eiserne 8. 18. v. und s. 8, das zweite aesl JoTJ^ \ ?*»■*"■ ^ 2t mit ei ^ f- 8. 22. harte] ouch 8. 23. wol ri;t:r :i s S;nf r* l s - 2i -fr* ma - 5 f - *■ ^ dies r e ? feie aucn 8, stunde F. 31 ^ * k . ,, 3 °- £%**%. •£* * " •** ^ *' M « 42. Qui spiritu dei aguntur, hij fllij dei sunt. 185 die wile si do ligent, so sint si als avqI geschaffen und afa schön geschaffen als die guten e man si an rüre und si uf hebe und si handele. Also, lieben kinder, iekliclis sehe für sich das der grünt ze mole luter Got si; anders es ensol ze mole mit. Noch denne das ich Avene man solle kume zwene rechter guter öphele under disen künnen finden, si ensint ie 5 Avurmstichig; Avie si doch gar schöne uswendig schinent, ie in dem gründe vint man locher. Also sint vil und Avunderlichen vil guter Übungen, gros hoch schinent Übungen und wunderlichen hoch lebende wort und werk, das alles inwendig in dem gründe Avurmstichig ist und werden mag, noch würkent leben [42"] noch schöwent leben noch iubilacio noch enkein contemplacio noch 10 das man Avürde entzukt in den dritten himel (das vint man an dem edelen Paulus, der sprach das er genakslaget müste werden von der bekorunge, das er im selber mit engienge und in der höhin der gnaden nüt enirrete), und gros prophecien und zeichen tun: siechen gesunt machen und heimlicheit der herzen bekennen und underscheit der geiste und verborgene zukünftige ding. 15 Kinder, mit kurzen worten: alle die Avisen und leben die man haben mag, die mügen alle Avürmstichig werden, der mensch enstande denne uf siner hüte. Nu legen Avir das niderste und das gröbste us. Die lüte gebent ir almüsen oder tönt grosse minne werk oder dienst ieman oder grosse goben, 20 und ist dir nüt gelich ob es der mensche AAisse oder niemer begriffe oder verneine, so es doch Got alleine wisse; Avissest das die gobe der dienste wurmstichig ist. So gebent die lüte ir almüsen und Avellent das es die lüte Avissen, als das si für si süllen bitten. Und so machent si venster und elter und gerwe und wellent das man das wisse, und zeichenent das mit schilten, 25 das es alle lüte sehen. Wissent, si hant genomen iren Ion. Nu entschuldigent si sich: si meinent das man für si bitte. Inen were nützer ein klein almüsen die si zemole verbürgen in der schösse Götz im alleine, denne ob si ein grosse kilchen machten mit Avissende aller der lüte 1/'. als w. g. und /'. 8. as E (mundartl. Nebenform?), als FS. 2. rüre: rür auf liasur E, rüre auch 8, taste F. 3. k. also i. F. 4. es ensol E, es sol 8, es ist Druck, endöwet F. 5. diseme kunne S, disen Druck. 7. locher f. F. und f. F. If. gros — Übungen f. S. 8. nach schinent am Zeilenschlufs vnd gestr. E, schine vn F. und vil hoher leben von Worten und werken S. 9. noch (vor würkent) v.j.H. gestr. und aber korr. E; noch wirkede 1. F, noch wurkendem 1. S. 10 f. n. denne d. 8. 12. nackent geslagen 8. 14. heimlicheit der /'. 8. 17. der: d auf Bas. E. enstande denne (so auch F) wohl urspr.; jetzt, auf liasur: stände denne E, ebenso S. d. nohe vf F. 19. vn F'S, in E, f. 88. 20. dieste mäne (dieses Wort rad., doch lesbar) F. 21. es auf Bas., übergeschr. E. ob es der] od' d' .F. urspr. inbegriffende ? in und nde ausradiert E, in begriffene F. 22. urspr. mvernemen: in und n ausradiert E, in v'nemen F. doch got von j. H. auf Basur und am Bande; urspr. blofs got? E; so F. wisse.' über i von j. IL ein e geschr. E, weis 8. wissest v - 3- H. am B. mit Verw. E, f. F, steht 8. g. und der dienste S. 24. süllen b.] alle bittent 8. 25. gegerwe 8. 28. klein] luter S, der] deine F, die S, den 88. 186 43. Qui spiritu dei aguntur, hij filij dei sunt. und si alle für si beten; wan Got solt das wol ersetzen das alle menschen gebetten möchten, Hessen si ime ir guten werk und [43 r J getrüwetent ime; wan die almusen die bittent selber nie us einer Gotte gelossener lutterre Gotmeinunge denne alle menschen mit wissen gebetten mügen. Und in dem 5 so ist manig mensche der alle sine werk hat verderbet und verqwetscht, das er wening werke alle sine tage hat getan; es si dienst Götz oder der lüte, es si gebet oder gewachet oder gevastet, es si almusen, er enhabe ie ein ufsehen das im dannan ab werde; es si von Gotte oder von den lüten, er wil ie do ab eht gewis sin und üt dar ab haben des sinen, es si dank oder Ion oder gunst 10 oder wider als vil geton oder bevintlicheit, ie etwas des sinen. Kinder, alle dise werk die sint alle wurmfressig, und weren ir als vil das si in alle dise weit reichten. Dis ennement mit von mir als min wort; sunder ich wisen üch an den munt der worheit; der sprichet dis an manigen enden und git diser worte volkomen gezüg durch S. Matheus ewangelio und 15 sprach: 'ir ensüllent nüt tiin als ypocriten die sich wisent vastent. Wissent, si haut enpliangen iren Ion. Sünder verbirg dine vasten (das meint: alle dine gute übunge), so lonet dir es din vatter, der in der Verborgenheit ist'. Anderswa sprichet och er: 'merkent das ir üwere gerechtekeit mit entünt vor den liiten, das ir von in üt gesehen werdent. Anders ir ensiillent 20 enkeinen Ion haben von üwerm vatter, der in dem himel ist. Und ir ensüllent enkein busunen blasen (das meint das erb zeichen, als ir üwer almusen gent), als die gelichsener tünt. Ich sag üch in der \vor[43"]\\e\t: si haut genomen iren Ion. Alev wenne du almusen gist, so ensol din lingge haut nüt wissen so was din rechte hant tut, das es din vatter in der heimlicheit wisse und 25 dirs lone'. Und noch anderswo sprach er: 'als du bettest, so solt du in gan in din kemerlin und din tiirlin über dich zu besliessen und in diner heimlicheit dinen vatter an sprechen' et c. Kinder, sehent an das wort der worheit und nüt min wort, und sehent ein ieklichs ob er siner werke frucht üt vil an Gotte vinden sülle, die er im 30 nüt allein getan enhat, und ob si üt wurmstichig sin. 1. si (nach für)] in F. % Hessen si auf liasur E, liessent sü auch 8, den die F. nach werk ist lossent gestr. E, f. S, ime lasent F. 2 f. urspr. im getrüwent; dann im gestr. und getruwetont ime j corr _ E> ge truwetent ime auch S. 3. Das almusen bittet S. bit F. Gotte F, guten E. 3/'. einer luterre gelossener meinunge 8. 4. nach alle Basur; urspr. aller der m. E, aller m. F. 5. v. Vquist F, f. S. 6. w. nutzer w. S. 1 f. alm. gen, er 8. 8. ie f. 8. 9. 10. sinen] sins F. 9 /'. es si —sinen f. S. 11. vfi auf Bas. E, aber F. 12. dise ES, die F. 13. wisen F, wise und n rad. E. urspr.: spriche ich d. E, sprecbe d. F. 14. disen Worten S. Matth.6,16f. 15. wisent F, wissent, das zweite s rad. E. 18. Matth. 6,1 ff. 20. hinter Ion gestr. noch nüt lones E, steht F, f. S. 21. dise erbe zeichene a. F, f. 8. alm. nüt g. S. 23. Oder w. ES, Ab' so w. (so rad.) F. du dm a. F. ensvlt F. lirge F. 24. so F, rad. E. nach tut rad. vnd E, vn F, f. S. 26 f. und in S, und E, i F. 29. e. mit sinen werken üt vil f. S. 30. nach sin: vnd das in alle wise werk Valien mag, sunder gestr. E, rad. F, f. S. 43. Qui spiritu dei aguntur, hij fllij dei sunt. 187 Nu sint vier stuck, wer die hette, der were dis Wurmstiches wol versichert, das er niemer drin enviele. Das erste were das der mensche in dem • stünde das er von sinen werken al zemole nüt enhielte und doch alle sine werk inwendig und uswendig tete das er nüt für habe denne Got alleine und in alleine minne und meine. 5 Sind si im geneme und wert, das si im liep, und sint si des nüt, so vallent si binamen ab, des er si echt im ze liebe und ze lobe hab geton. Das ander, das der mensche ein grundelos gehorsam gemüte demütig habe under Got und under allen menschen, den aller minsten als den aller meisten, als der grosse hochwirdig meister Thomas tet, der sunder alles 10 beraten oder rede dem ruschenden brüder nach gieng in der stat do er wonet, mit einem liechte, und im nach gieng demütklichen. Also sol der mensche sich under werfen einem ieklichen; in sol dünken das alle menschen rechter haben [44 r J wan er, und sol sich gegen nieman setzen in deheiner wise, und losse einen ieklichen recht haben. Denne 15 in sol von gründe des dünken das alle menschen rechter haben wan er. Das dritte, das der mensche habe ein vertiefte demütkeit und sol ston uf sime eigenen, das ist: nicht. Ist üt anders do, das enist sin ze mole nüt, und alles sin tun und sin werk, als verre als si von im sint. sol er haben für bös und sich selber für bös. 20 Als stünt ein heiliger brüder, durch den Got manig zeichen und grosse wunderliche ding hatte geton, von sime gütlichem lebenne in unserm köre und sprach us dem gründe sines herzen zu mir: 'wissist, das ich bin der aller böste und meiste sünder der in aller der weite lebet'. Also sol sich der mensche halten von gründe sines herzen. Wan hette 25 Got dem hosten sünder also vil und also manig gut geton als er dir hat geton, er möchte ein gros heilig sin worden. Und die in disem worein sicherem gründe stont, die envermöchten des nüt das si einen menschen vermöchten 1. so wer F. 4. doch ES, in F. sine w'k Korr. in sine w'ke F. if. nach vs wendig (v. gl. IL?) übergesehr.: tete E, steht auch S, f. F. 5. nach er übergesehr.: do F. für (auf Rasur, mit Lücke) h. E, vor enhabe F, da von hab Bruch. 6. d. ime daz liep si S. 7. des] das 8. eht er sy ime (sy nachtr. übergesehr.) F. 8. gr. geh. d. gem. F, g. g. gem. und ein demütiges S. 9. den (nach als)] dem F. 10. s. aller alles EF, in E aller gestr. (vom Sehr.?). 11. d s in d^ F. do er wonet E, vnwedes F. 12. im nach gieng gestr. (vom Sehr.?) E, steht F, f. S. 15. deheiner] einer F. 18. das erste ist auf liasur E, es (zwischen ist unä vt nochmals ist übergesehr.) F. eigenen nüt; ist S. 19. alles: es (am Zeilenschlufs) auf dem Band nachtr. (vom Sehr.?) zugesetzt E, alle F. w. die sol F, hinter w. Rasur E, die sol f. S. vor und nach sol er M. Rasuren; urspr.: so sol er si E, so F. 22. von S, vö~ auf Rasur von j. H. E, in F. 23. sines herzen f. S, steht 88. 28. eine E, ei F. 28 f. vermöge daz sine vrteile F, v. daz sin vrteil, dann daz sin gestr. und vrteil in v'urteil 6 " Icorr. E. 188 43. Qui spiritu dei aguntur, hij filij dei sunt. verurteilen in deheiner wise oder werk die si tun mügent; und wer es och ze mole bös, so kertent si doch zehant mit dem uf ir eigen krankheit, und do mit vallent si von aller menschen urteil. Das vierde, das der mensche stände alwegen in einer demütiger übunge 5 und in engsten für die verborgenen urteil Götz, und das nüt als die zwiveler, sunder als ein liep frünt, der alwegen in sorgen ist das sin liep frünt sich nüt uf in enzürne. Dise vier stücke schribt der minnende Bernhardus, und wissent: wer in disem gründe in der worheit [M v ] nüt enstot, und tete als vil guter werke als 10 alle die weit mit einander tut: si werdent alle wurmstichig. Kinder, wissent wie disem ist. In disem garten der heiligen kilchen do stot manig wunneklich böm mit vollen fruchten: das ist manig gut demütig mensche an dem allein die wäre fnicht hanget, und anders an nieman. linder den stont böme, die tragent alles wurmessig obs, und das obs oder die öphel 15 die stont und schinent als recht geil und als schön, etwenne vil geiler und vil schönei- wan die guten. Und als lange als stille und süs wetter ist, so stont si vaste. Aber als ungewitter wirt und wint und stürm, so vallent si ab, und fint man das si ze mole vol wurme sint und niergent zu gut ensint, und dar zu ir würme verderbent und entreinent das gut krut. 20 Dise böme, die dis böse obs alles tragent, das sint eigene ungelossene mutwillige menschen, die uf iren grossen guten werken stont, unde tünt der vil nie und schinent verre nie denne die gerechten, und stont uf ir usgenomen Avisen, die die heilige kilche nüt gesetzt enhat, und verlossent sich uf ir übunge und ir gut verston und ir werk und grossen schin. 25 Kinder, alle die wile so es stille wetter ist und si in irem friden sint und die sunne in schint in iren wisen und ir wolievelliggeit, so schint ir tun schön und besser wan ander guter gerechter lüte. Das schint in selber und och anderen lüten. Aber als der wint und das stürm wetter kumet uf si, das sint die grü/i";/wnrket das er sins gemaches oder hofart oder eren oder liplicher genügden ir sinne dar umbe enberen welle, denne si blibent alles als si sint, 25 Och wie wening frucht bringet das minnekliche liden an den lüten! Lie frucht schint an dem nach erbilden und an dem leben gewar werdende und an den sitten und an den werken. Liebes kint, alsus solt du das heilig liden unsers herren üben und überdenken, das es lebende frucht an dir bringe. Und du solt dich selber SO vernüten und solt dich lossen dünken das dich die erde unbillichen uf irem rüggen trage und das si dich mit enverslinde in sich, und gedenke das manig tusent menschen in der helle sint die lichte nie als vil unertikeit an in en- 1. grosten höhsten w. S. 1 /'• Liebes kiut, sineke i. S. 2. tum S. 2 f. den stocken E, sinen glocken S. 5. alles E, teil S. 7. das zweite vfl do mit Verw. (v. j. H.?) «■ R. naclujelr. E, steht auch S. 8. nit von j. H. aus nu? E. 13. von j. H. hinter tätlich und hündin das Zeichen für -er E. ie, urspr. zivischen vnd und hofart stehend, ausrad. und (wohl durch den Sehr.) zivischen du und ere übergeschr. E. vrteil: das 0 wohl vom Sehr, nachgetr. E. IC. diu] dins: das s radiert E. 20. a. lidender d. S. 25. welle S, wolten E. si (vor blibent) von j. IL am Band mit Verw. E. sü verblibent S. 26. liden unsers uerreu a, .S". 27. nach /'. S. gewar werdende /'. S. 33. an in /'. S. in radiert E. 200 45. Beati oovili rjui vident. quod vos videtis. gewunnen; und het in Got also vi! liechtes gegeben und also manig gros gut getan als er dir het geton, si weren dir ungelich worden. Und er hat din geschonet und gebeitet, und er hat si eweklichen verdamnet. Und dis solt du dik an sehen und solt einen trehen wassers mit mit friheit noch vermessener 5 getörstikeit getürren nemen, denne mit demütiger vorchte. Nütze alle ding nach notdurft diner kranklieit und nüt nach genügde. So koment etliche und sagent von also grossen ver nünftige n über weselichen überformlichen dingen, recht als si ober die himele sin geflogen, und si enkamen noch nie einen trit usser sin selber an bekentnisse irs eigenen nichtes. Si mügen wol sin komen 10 zu vernünftiger worheit, sunder zu der lebenden worheit, do die worheit Avorheit ist, [53 v l dar zu enkumet nieman denne durch disen weg sins niclites. Und wer disen weg mit gegangen enist, der sol mit grossem schaden und schänden do ston do alle ding entecket süllent werden. Och kinder, denne möchten soliche wellen das si nie geistlichen schin 15 gewunnen enhetten und das si nie von hohen vernünftigen dingen enhetten gehört sagen noch do mit umbe gegangen enhetten noch als grossen namen nie gewunnen enhetten, und sollen si denne wünschen das si alle ir tage mit dem vihe uf dem velde heften gegangen und ir brötlin mit irem sweisse gewunnen betten. 20 Kinder, es kumet der tag das Got sol vorderung tun von den hiinnek- lichen gaben die er nu so milteklichen umbe ströwet und der man so krenklichen nu gebrucbet sunder alle frucht. Dise verkleinunge ensol mit bringen ein zwivellich vorchte also die zwivelere, sunder si süllent würken einen demütigen underval under Got und 25 under alle creaturen in rechter gelossenheit. Het och der mensche nu in ime üt für demütkeit, so wer es valscb. Dar umbe sprach unser herre: 'ir enwerdent als dis kint, niergen ab ensol man halten; lasent die kleinen zu mir komen'. Das ertrich das ist das aller niderste von allen den elementen und hat den himel von siner niderheit aller 30 meist geflohen, und dannan ab so jaget im der grosse himel mit aller siner kraft aller meist nach und sunne und mone und alle die sternen. und würkent die aller groste frucht in der [54.'] erden vor allen den hohen obersten elementen. So wo och das tal aller tieffest ist, da flüsset des wassers aller meist. Die telre sint vil fruchtberer gemeinlichen wan die berge. 5. getörstikeit (ör auf lias.) geturren (auf und nach Rasur: urspr. nüt turren?) E, getürstekeit geturren S. 6. etliche: et auf Bas. E. 11. worheit v. j. IL mit Vene, am untern Rand nachgeir. E. 18. zwischen vihe und vi' urspr. hetten, rvohl durch den Sehr, gestrichen E. werent geg. S. 20. sol] wil S. 27 f. der Druck liest: als eyn kind so mügen ir nit yugeen in das reich der hymel. Darumb solle wir niendert vö halte, dz wir thunt, wan d'herr sprach laßt. 28. laset: set auf Rasur, urspr. lant? (nicht lont) TS, 3;J. des wasser^: s nachgeir. E, das wasser .S'. !j 45. Beati oculi qui vident rjuod vos videtis. 201 Dise wore verkleinunge die versinkt in das götlich innerlich abgrunde. Kinder, da verliessent si sich al ze mole in rechter Avorer verlornheit ir selbs, 'Abyssus abyssum invocat, das abgrunde das in leitet das abgrunde'. Das geschaffen abgrunde das in leitet von siner tieffe wegen. Sin tiefte und sin bekant nicht das zühet das ungeschaffen offen abgrunde in sich, und do flüsset 5 | das ein abgrunde in das ander abgrunde und wjrt do ein einig ein, ein nicht in das ander nicht. Das ist das nicht da S. Dyonisms ab sprach, das Got nicht ensi alles das man genemmen oder verston oder begriffen mag: da wirt der geist als gelossen; in dem wolt in Got al ze mole zu nichte machen, und mocht er in 10 dem ze mole ze nichte werden, er wurde es von des ichtes minnen und das das er versmulzen ist, wan er enweis nicht, er mint nicht, er ensmakt nicht wan das ein. Kinder, dise ögen die alsus sint sehent worden, die sint avoI selig, und von disen mochte unser lierre wol sprechen das wort: 'selig sint die ogen die 15 do sehent das ir sehent'. Das wir nu alle denne selig müssen werden mit einer woren gesicht unsers eigenen nichtes, des helf uns Got. Amen. ': In omnibus requiem quesivi. Dis wort sprach der Avise man und liset man es von unser frÖAven, 20 und sprach: 'in allen dingen han ich rüwe ge[54 "/sticht und bin bliben wonende in dem erbe mins herren'. Dis Avort mag man von unser frÖAven aller eigenlichest nemen, Avan si für mit ir Vernunft über die himel in das abgrunde der helle und in das tieffe nier und in den umbekreis des ertrichs, und sie envant nie rÜAve. 25 Kinder, nieman ensol in disem lebende so hoch fliegen an Übungen, er ensülle ie ein stunde dar zu tun, das er diser minneklichen frÖAven ie ein 2. verliessent: v' nachtr. (v. j. H.V) vorgesetzt E, lont S. 3. invocat /'. E; vgl. Ps. 51, 8. 5 f. in sich —ein abgrunde f. S. 8. ist das Brack, f. ES. 9. genemmen: das zweite m nachtr. als Strich hinzugefügt E, genemen S, genemmen 88. 9 f. geist gel. in dem das in g. wolte alz. niht m. S. 10. vor wolt (durch den Sehr.?) gestr.: das E. 11. nach wurde von j. IL ein es ilbergeschr. E; es S. nihtes S. 11 /'. und das das E 88, in das Druck, in daz das S. 12. versunken S. 19. in S (Stück 69) zu der Überschrift: 'Sirach 24,7'n.f.'; dann: Die bredige von unsere frouAven ende also sü zu himel für seit daz Wir uf keinen dingen lipliche oder geistliche mit luste rüwen süllent sunder in unserme un- l'okanten gotte und wie wir wonen süllent in zweyen erben. 21. nach sprach Rasur; wspr.: dis wort? E, 202 46. Tu omnibus requiem quesivi. sunderlich wunneklich lob und dienst erbiete, und si minneklichen bitten das si uns füre und ziehe und helfe zu irem geminten kinde. Kinder, ir wirdikeit die gat iiber alle wise und raosse. Was Wunders was das, das si iren Got und iren schöpfer hatte in irre schösse und an iren 5 armen und in den aller begerlichesten lustlichesten wisen, die über alle sinne woren, und enzwivelte ein bar nüt, und was des sicher das er ir Got was, und mochte mit im gebaren wie si wolte, und er wandelte mit ir als ir kint, das ir herze in allem irem lebende nie ein ögenblik do uffe engeraste mit genügde, denne das ir gemüte ane underlos uf gieng und über gieng in das 10 götlich abgründe; in dem allein was ir rfiwe; do was ir erbe und ir raste, ir wonende stat. Kinder, von der vergiftikeit des ersten valles so ist die nature also nider gesunken in das niderste teil. Der mensche ist gemacht und stat enzwischent zwein enden, das ist zit und ewikeit. Die zit solte nümme habe n 15 von uns, denne einen durgang zu dem ende. Und ewikeit solte unser wonunge.. unser ende sin. Nu kert der arme mensche von des natürlichen [55 r ] valles wegen alles in die kränkste site von siner blintheit wegen und nimet alles rüwe in dem wege und vergisset sines rechten endes. Und ist die nature also 20 slekrechtig worden: wo mit si umbe gat, dar uf velt si die richti und wil ir rüwe do nemen, es si geistlich oder liplich, inwendig oder uswendig. Wie die weltlichen lüte ir rüwe und ir lust suchent, das ist wol scliinberlich, und wie es umbe si wirt stände, das süllent si wol ervarn her nach, und wie es allen den ergon sol, in. was stat si sint, sunderlichen die under eime geistlichen 25 schine weltliche herzen tragent und ir rüwe nement in zitlichen dingen, si sin. weler künne si sin, in welen sorgen die stont. Wistint si es, ir herz möcht in dorren von engsten. AVissent, Got bat alle ding gemacht ze notdurft, und nüt ze genügde noch ze lust denne sich selber. 30 Kinder, ich müs ücb sagen von minnen. Ich bin begriffen ze unrecht als ob ich sülle hau gesprochen, ich enwelle niemans bichte hören, er sülle mir geloben das er tun sülle das ich welle. Das ist gar unreht gesprochen: das ich welle; ich enwil von nieman nüt denne als geschriben stat, und das selbe enbit ich mir nieman geloben. Ich enmag nieman absolvieren, 35 im ensin denne sine sünde leit — noch och der babst —, und habe willen sich 1. ernstlichen bitte S. 5. i. allen den 1. begirlichesten w. S. 6. ein har f. S. 8 gerastete S. 14. nüt me iS'. 18. wegen f. S. 20: slekrechtig durchslr. u. a, B. v. j. IL: klebrecht E, kreftig S. do rihte S. 23. ervarn] bevinden S. 31 f. h., er welle in. denne g. S, h. Ir süllent mir geloben K. 32. er t. welle was S, ich tun s. das E. das ich welle durchstr. E, steht S. 34. geloben S, geloben F.. 31/'. abs. in einem sin, ime sigent d. S. 35. und habe] er habe denne S. 46. In omiiibus requiem quesivi,. 203 nie ze hütende und oeli ze hütende die Ursachen die in in selber die sünden sachent. Kinder, die Ursachen die die sünden sachent, die behaltent etliche h'ite wüleklichen und wissentlichen und gont do mit zu der [55 v ] bichte und zu dem heiligen lichamen unsers herren und enwellent ir gebresten nüt bekennen. 5 Alle die wile si mit enstelent noch grobe unküschekeit entünt, so gont si vaste für. Wie die absolviert werdent, das besehent si; das süllent si wol bevinden, und was rüwen do si. Si süchent ir raste und ir genügde uswendig Gotte, es si menschen, es si kleider, spise, trost der creaturen. Och suchet der mensche rfiwe an gar gut schulenden dingen. Als der mensche im selber 10 iergen engangen ist, so ilt er sere zu der uswendigen bichte, e er Gotte innerlichen bichte mit demütigem schuldig geben. In diser uswendiger bichte do inne sucht die nature ir rfiwe, das si ze friden werde und das innerlichen schelten unde straffen in ime gestille und geswige. Wan als der mensche gebichtet, so swiget das straffen und ist denne recht ze friden. Wissent 15 (las das bic7tten und das straffen ist recht als ein wunde die frisch ist und smirzet, das schirt wunderlichen sere ab den rost der sünden. Nu suchet och die nature rfiwe an iren geistlichen Übungen, etliche lüte an innewendigen wisen und werken, an iren ufsetzen und abgescheidenen Übungen, und belibent in den selben guten dingen als vaste das die do mit 20 irrent den herren der nechsten worheit. Kinder, mit kurzen Worten: alles do der mensche sine rfiwe sucht, das nüt luter Got enist, das ist alles wurmstichig. Liebes kint, es enist das alles mit das du einen bösen mantel freist und ein ander einen schonen heiligen schine an treit. Nein, entrüwen, do gehört nie zu. 25 Nu sagent etliche von den [56 r ] schönsten siechten dingen, wie es in alles so wol zehanden ist gegangen, und was in alles licht und lüstlich, was es betten, was es wachen, vasten, weinen: noch denne bevinde ich si in einer Verblibunge da, Wissent das: wie gut und wie gut es iemer mag sin oder schinen, das si bildelos, formenlos, wiselos, es si vernünftig oder gevöllichen ;so gebruchlich: alles do der mensche uf rastet mit bist und das besitzt, das wirf 1 //'. urs. zu den sünden. K. S. 3. etliche: et auf Bas. E. 5. nach herren Verw. und darüber a. B. v.j.H. lichame, aber das frühere lichamen zu tilgen vergessen E. 6. grobe /'• S. 7. vaste f. S. für auf Bas. E. 8. ruwen do si do sü so süchent i. r. S. 14. str. das in ime ist gestille S. das das vor in durchstr. E. 16. bihten S, bissen E. ist S, f-E. 17. vor ros t Meine Basur; urspr. trost? E. 18. etliche: et auf Bas. E. 19. zwischen lüte und an sw. u. r. durchstr.: vnd E. 22. sin r. mit s. S. 2if. herlichen schin S. 25. schine auf Bas. E. 26. siehtesten S. 27. zeh. ist gegangen] ist zu h. gangen S. alles] also S. nach lüstlich Veno. a. B., wohl v. j. IL, irrtümlich ein zweites was zugesetzt E. 27/". waz es were, vasten, wachen und weinen S. 28. vinde S. 29. nach da: was och si durchstr. E. blibunge. Do wissent, wie daz n. w. g. ilaz iemer S. 30. das] es S, formeni'«: los (nachtr. v. j. IL?) übcryeschr. E, formelos S, 204 46. In omnibus requiem quesivi. alles wurmstichig, denne ein blos einvaltig entsinken in das blos einvaltig unbekant ungenant verborgen gut das Got ist, in einer verlöigenender wise sin selbs und allem dem das sich in im entecken mag, als S. Dyonisius sprach: 'alles hab sich an sin nicht, nüt wissen, nüt erkennen, hie in disem mit 5 wellen denne in einer verlöigenender wise din selbes: nüt suchen noch wellen haben, denne alles in einer entsinkender wise.' Wan Got enist alles des nüt das du von im genemmen kaust: er ist über wise, Über wesen, über gilt, und alles des nüt das du von im bekennen oder genemmen kanst: do ist er fürbas über denne dehein verstentnisse begriffen kan, noch hoch noch nider, sus nocli 10 so, verre über alle wise, dis noch das. Liebes kint, in disen unbekanten Got dar in setze din rüwe und ensüche weder smacken noch lachten. Tu als ein hunt: kumet er do er gut fleisch vint, er engetar es nüt an rüren und flucht; also ist er mit herten siegen gewennet. Du solt dis, min liebes kint, vil wol her nach bevinden. 15 Halt dich nu demütklichen an dinem Intern nicht, das du doch in der worheit bist. Ist üt da, [56"j das ist sin und nicht din. Und ker dich nicht an alles das dir in gerächten mag, es si formlos, wiselos, bildelos, überweselich. 'Herre', sprechent si, 'es ist mir als engegenwürtig und wise£ sich ze mole es si Got'. Liebes kint, enker dich nicht daran in rastes wise, denne lo es 20 recht sin das es ist, und enfroge noch enförsche nüt ine, denne halt dich undenen und sink under in din nicht wissen noch wellen wissen; denne halt dich alles arm an dinen verborgenen unbekanten Got und halt dich das du der mensche nüt ensist der den grossen unbekanten verborgenen Got üt sol bekennen, denne blib in einem rastende und Avonende und nüt weder in 25 lüchtende noch in smakende. Tu dem propheten Ezechiele do stot geschriben: 'die man die do Süllen in gon in das heilige der heiligen, die ensüllent enkein erbe haben, sunder ich sol selber ir erbe sin.' Allein dis die priester meine, so meint es in einie geistlichen sinne alle die menschen die do wellent in gan in das heilige der heiligen, das ist in äic Verborgenheit der heimiicheit Götz: 30 die ensüllent enkein erbe haben denne das gütliche wiselose, formlose, namlose verborgen wesen Götz; das sol allein ir erbe sin. Ir höbt ensol uf nüt sich' neigen anders, es si inwendig oder uswendig: alles wirt es anders 3. alles des Druck. 5. wellen: w auf Ras. E. 8. alles des f. S. genemen S. 9. dene deheT, mit Ausn. des ersten Buchst, auf Rasur; kan a. R. beigefügt, beides v. j. H.; urspr. ivohl andere Konstr. E. denne kein v. kan begr. 8. 9. h&herre n. niderre S. 14. m. ]. k. /'. S. 15. din luter S. 18. engegenwürtig (en radiert, ab lesbar) E, gegenwertig S. weiset Druck, wisent ES. 20. noch enf. /'. S. 22. also arm S, alles an? (R). du (von j. 11?) übergeschr. E. 26. Egech. 44,27. 29. die v. S, der v. E. 30. wise mit Veno. n. a. R. (v. j. H.?) los E. 32 f. u., es wurt anders w. S. 32. anders es mit Um&teNungs- zeiclien, dann v. ,/. H. es gestr. u. vor anders neu iibergeschr. E. 46. In omnibus requiem quesivi. 205 wurmstichig. Nut enker dich dar an, als es also siecht ist, recht als es gelich si. Minne lieber das ruch und das ungelich denne dis smaken, dis beyinden. -Nein, liebes kint, enraste nüt, suche diu nicht. Do, Got alle ding schaffen und machen wolte, do en waz im nicht vor wan mit. Er einnachte [57 r ] mit nüt allein ein ding von üte: er machte alle ding von nute. Wo Got eigenlichen 5 würken sol und Avil, do enbedarf er nüt zu wan nütes. Das nüt das ist sin werk in lidender wise, enphengklicher wan dehein üt. Wiltu ane alle underlos enphengklich sin alles des so Got geben und würken mag oder wil in sinen aller usgenomensten fründen wesens und lebens, und' zemole in dich stürze alle sine goben, so flisse dicli für alle ding das du in der worheit in dinem 10 gründe nüt ensist; wan unser ichtikeit und annemlicheit die hindert Got sines edelen Werkes in uns. Der heilig man Job, den unser herre lobte und sprach das er were gerecht und einvaltig und das sin gelich nüt runden enwere, und stat das er nie tumplich wort engesprach, der sprach: 'ich mit allem dem mime gehören 15 in das aller tiefste des abgründes der helle. Wenst du ob ich do iht raste sülle mügen vinden?' Kinder, diser heiliger man enmeint nüt sich und das sin als von _sime geschaffem nute, als der mensche an dem teile nüt enist, sunder er nant sich und das sine von sinem verschuldigotten nute. 20 > Diser gerechter mensche Avolte von siner schulde wegen varn in den. aller tiefsten grünt des abgründes, in das aller pinlichest und in das vinsterste der helle, als ob er spreche misselich ob er minre schulde und miner verdienter schulde da icht genügen sülle, Und das wolt er liden in der aller meisten und sworster pinlicheit und niemer dannan ze körnende. Weis man ob er mit 25 üt genügunge schuldig were dirre verschuldeter schulde? [57 v ] Dis gelich sprach einer unser brüder, heisset Wigman, der bekante als verre sin nüt das er sine stat niergent konde vinden denne in dem aller tiefsten gründe der helle under Lucifer. Do er do lag, do horte er ein stimme rüffen von dem obersten himel, die sprach: 'Wigman, kum balde 30 her uf in den obersten tron, in das vetterlich herze'. 1. also E, alles S. es (vor gelich) v. j. II. übergeschr. E, e. alles 8. 2. ung. si d. 8. dis (wbev.)] und S. 4 f. n. alle d. S. ein nachtr. übergeschr. E. 5. eigelichen: eige auf Ras. an Stelle einer kurzem Buchstabengruppe E, einmutecliche S. 6. sol, und do endarf S. 7. dehei auf Ras. E. AViltu E, wan 8. 9. usgemiimensten S. vii (vor leb.) nachtr. übergeschr. E. stürtzen S. 14. st. geschriben d. 8. 15. enge / sprach: v. j. H. a. R. (mißverständlich) ergänzt zu: engege im / sprach E. 16 ff. rasten sülle? K. S. 18. n. das sich E, n. sich S. 19. nant? nam? E, meinet Druck. 23. ob er] oder ES. 25. mit] n«t; dazu a. R.: oder mit? S. 27. hiea Wigeman S. 30. d. aller o. S. 206 4G. In omnibus reqniem . italer] üppigen S (so auch 208,20.21). 26/'. er.; wir süllent ouch n. ö'. 208 47. Fratres, si spiritu vivimus, spiritu et ambulemus. und ensüllen mit kriegen under einander, [59 r ] weder zürnen noch hassen. Und ob ieman betrogen wirt, alle soliche süllent ir leren in dem geiste der senftmütikeit, üch selber merkent, das ir mit betrogen enwerdent, und trag üwer ieklichs des andern bürdi. Also wirt erfüllet die e Christi: wan wer do 5 wenet das er si, die wile er mit enist, der betrüget sich selber. Und ein ieklichs prüfe sin werk, und also in im selber gloriere und mit in eim andern, Avan ein ieklichs sol sin selbes bürdin tragen' etc. Dise wort sprach S. Paulus,' die sint allesament voll sinnes, und sunderlichen das erste wort der epistolen: 'leben wir in dem geiste, so süllen 10 wir och wandelen in dein geiste', das ist in dem heiligen geiste; wan also als unser sele ist ein leben unser* lichamen und der licham lebt von der seien, also ist der heilig geist ein leben der seien und lebt die sele von dem heiligen geiste und ist unser seien leben. Nu sprach S. Paulus: 'ob wir leben in dem geiste, so süllen wir och 15 wandelen in dem geiste'. Hie süllen wir drijer künne wandelen haben. Der erste wandel ist uswendig mit uns selber und unserm nechsten. Der ander wandel ist in den bilden unsers herren. Der dritte wandel der ist unbiltlichen. 20 Dis wort sprach: 'ir ensüllent nüt volgen begerungen der italer eren'. Wie weltliche lüte nacht und tag stont mit allem flisse nach italen eren, das sieht man wol: in den enist der heilig geist nüt, und sint Götz lider nüt, wan si sint us gescheiden. Von den enhalt Got nüt, und sint ander lüte die under geistlichem schine tragent weltliche herzen und süchent [59 v ] ere an 25 allen dingen: an kleidern, kleinöten, und ir genügde an fnintschaft, an gesel- schaft, an mogschaft, an gespilschaft und der gelich, ie langer, ie arger. Wan der heilig geist der enist in in nüt, und lebent vil sorgklicher denne si geloben mügen. Ital ere, das ist alles do man wil geprüfet, geeret und gemint sin für den andern. .10 Kinder, dis slicht so nohe in allen guten wisen, wort, werk, gelos, das der mensche mit allem flisse wol bedarf ze stonde uf siner hüte und das er Got bitte das er in behüte, wan er von im selber nüt envermag, dis ist, in uns selber. 4. Wan er E, wer S. 9. Ep. Aber 1.; dann Aber gestr. (v. j. H. ?) E. 11. unsere 8, unserre 88, unser E. 15 f. g., und s. haben drier leige kunne wandelunge S. 17. e. ist usser wandel m. u. 8. 18. in S, f. E. 20. begeruuge S. 21. wie weltliche E 8S, Die weltlichen S. 22. wol daz in die d h. g. einest nüt enkumme, wan sü s. gottes lider n. S. elider: g v. j. IL übergeschr. E. 23. wan /'. S. usg., und got haltet nit von in, und S. 25. uud ir gen. f. 8. 26. arger: über dem ersten r ein Haken (viell. auger?) E, arger 8. 28f. w. gepr., gerumet {dazu noch: geeret und geminnet 88) werden vor (für 88) d. a. S. 32. nüt gutes vermag S. 47. Fratres, si spiritu vivimus, spiritu et amküemus. 209 Wir süllent och gewerlichen wandelen mit unserm neclisten. Wir ensüllen nüt krieglich sin noch mit zürnen noch nüt betrüben. Das sol vor allen dingen der mensche leren das nieman den andern ensol überkomen mit einer hertheit oder bitterkeit, sunder minsamlichen in dem geiste der senft- mütikeit. Und merke ein ieklichs sich selber und enbetrübe noch entsetze 5 sinen neclisten nüt. So koment etliche mit den grüwelichsten Worten und geberden, als si finden, als gresselich und als zornig und bitter umb ein klein ding. Wissent für wor von üch und von den andern, wo das ist, das der heilig geist do nüt enist. Und hat man üt misseton, des enwellent si nüt vergeben. «f- 10 Hie prüve ein ieklichs sin leben. Aber ein ieklichs sol des andern bürdin tragen. Es sol sin ein licham in Christo in worer brüderlicher minne. Die obersten süllent die nidersten gütlichen leren und stroffen minneklichen, als unser vatter [60 r J S. Dominicus, des senftmütikeit was als gros, doch mit einem heiligen ernste, wie verkert sin underton woren, si wurden bekert von 15 sinem straffende. Also sol ein senßer mensche einen herten strengen menschen senft machen mit siner gedult. Also sol man leren die ungelert sint, nach S. Paulus wort, mit dem bilde der senftmütikeit. Ein ieklichs sehe wie er wandele mit sime neclisten, das er nüt Götz tempel in im zerstöre, das er nüt in Götz 20 ban envalle. Der ander wandel den wir süllen haben, der sol sin in biltlicher wise, das ist in dem minneklichen bilde unsers herren Jhesu Christi: die süllen wir für uns setzen in spiegellicher wise, als ein bildener, das wir alles unser tun nach im süllen richten nach unserre macht. 25 Wir süllen ansehen wie gedultig, wie senftmütig, wie gütlich, wie swigende, wie getrüwe, wie milt, wie gerecht, wie worhaftig et c. sine fliessende minne und alles sin leben ist gesin. Dis sol der mensche für sich nemen als in gebetz wise, also das er von gründe sines herzen Got sol bitten das er im helfe das er disem wege müge nach volgen, wan er von im selber 30 nüt envermag, und sol in gar tür ermanen siner grundelosen güti, wan du von dir selber nüt enbist noch enhast noch envermacht. Setze din gros ungelich engegen sim gelich und sich wie verre und wie frömde du disem minneklichen Wege bist, und opher alle tage mit aller andacht dem himelschen vatter sin 2. kr. sin E, kriegen S. 3. lernen S. 6. nüt dinen n. S. 7. geb., also gröslick und zörnlick S. 10. vergessen S. 11. H. sol e. i. prüfen s. 1. Ouch s. e. i. des S. 14. dock /'. S. 17. sol f. S. senfter f. JS. 18. macket S. g. und also S. ungelerten n. S. 19- s. seke ein i. wie es w. S. 20. in im /". S. 23. die auch S. 25. n. aller u. S. 27. work. was s. S. 28. nach minne Rasur; urspr. minnende? E. ist gesin mit Vene. a. R. '"■ j- B. E. ; f. S. 32. nook env. f. S. 33. siine gucken S. 34. alle tage f. S. ■Deutsche Texte des Mittelalters XI. 14 210 47. Fratres, si spiritu vivimus, spiritu et ambulemus. gelich für din ungelich, sine unschuldigen gedenke, wort und werk, tilgende, wandelunge, sin unschuldig bitter liden für dine schulde und für alle menschen, le/öÖ"/bent und tot. Kinder, unser herre ist als gut: der wol mit im könde, er bete im als 5 das ab das er geleisten möchte, und er ist also gerne gebetten, er hört sine frünt also gerne, er hört gerne das dis vegfür al ze mole ab valle, der sich echt gruntlichen zu ime innerlichen kerte, das alle gebresten ab vielen und alles ungelich und mittel und verlorn zit würde wider bracht. Aber den ker den müs Got geben und würken, und umbe den ker sol der mensche also 10 minneklichen und demütklichen von unserm herren bitten tegelichen, und sol der mensche des war nemen, wenne er dar zu vermant werde, das er denne alle hindernisse losse und warte des von innen. Kinder, inwendig gebet das durch tringet die himel, alles in dem das man den minneklichen füsstaphen unsers herren Jhesu Christi nach volge: 15 Adorabimus in loco ubi steterunt pedes eins. Wan dar uf gat alles das ich und alle lerer iemer gelerent, das wir den minneklichen füsstaphen nach volgen. Sant Peter sprach: 'unser herre hat vor uns gelitten, das wir sineu füsspüren süllen nach volgen'. Niemer mensche ensol so hoch komen das er 20 iemer us den füsspüren unsers herren stille komen: so er ie hoher kumet, so er ie tieffer dar in kumet und dar in trettende wirt in würklicher wise _und in gebruchlicher wise. So kumet min jungfröwe von der Maiporzen und setzet sich do nider recht als ob alle ding vollebracht sin. Nein, min lieben kint, es ist noch so nahe nüt; es engat also [61 r ] dar mit. 'Si süllent', sprach 25 S. Paulus, 'iren lichamen haben gekrüzigot mit allen sinen lüsten'. Si klagent, si haben hindernisse: als si betten süllen, so sloft'ent si. Entrüwen, kint, das ist enkein wunder. Und si enhaben enkein süssikeit. Und wilt du do süskeit suchen und nemen do din herre was in grosser unlidelicher bitterkeit? Din nössikeit die macht dich verre und frömde sinen füsspüren. Das ist das du 30 alles das dine suchest in allen dingen, in allen wisen und werken. Nein, niergen ensüche lust weder in vernünftigen bilden noch in vernünftigen dingen. Denne trucke dich demütklichen inwendig under sine bilde und sich in din nicht, das du bist ie niderre, ie hoher. Wan die sich niderent, die wer den t gehöcht. Setze din nicht in das hoch uberweselich wesen und sich wie gar 35 nicht das durch dicli worden ist, und wene nüt das din unüberwunden 1. sin Unschulden [unsehult 88] g. S. 2 f. aller in. schulde 1. S. 5. erbetten 8. 13. als S. 16. 1. geleren mügent d. S. 18. für S. 1. Petr. 2,21. 19. ensol: en rad., aber lesbar E; sol 8. 20. iemer aus niemer radiert E. 22. kumment mine juncfrowen [dam: 'corrig.: kummet'; kummet 88] S. Marcpforten ebenfalls mit grofsem M, ohne Var. S. 25 f. So kl. sü s. S. 29. nössikeit: nö auf Basur E, lassheit Bruch (vgl. 211,2 nösselich ohne Rasur E); nössekeit, nösselich auch 8. 30 f. N. nüt suche S. unvernünftigen d. S. 32. sin S. 35. n. das das durch; dann das erste das geslr. E, n. das er durch S. 47. Fratres, si spiritu vivimus, spiritu et ambulemus. 211 nature, si enmüsse angegriffen werden. Es enkumet dir nüt von dem himel in din schos geflogen. Etliche lüte sint als nösselich das in Got die richeit benemen mfis. Aber wer der mensche gelossen, so enbeneme es im Got nüt und neme in der richeit wol zu. Das nüt enkost, das engilt och nüt. Nein, liebes kint, das junge gesunde starke unüberwunden nature, die do in fleische 5 und in blute noch lebent, das die klagent, si haben als vil invelle und bewegunge und manigvaltige inbildunge, das ist wol mügelich, wan du enhast nüt recht noch gesucht. Du must einen anderen weg, sol [61 v ] dir recht werden. Dise lüte sint recht von Symons gesiechte, der das krütz Götz trüg von getwange und nüt von minnen. 10 Ein mensche sol in allem sinem tünde sich erbilden von minnen in das wirdige krütz und in den gekrüzigotten Christum. Solt du sloffen, so leg dich uf das krüze und gedenke und begere das der minnenriche schos din bette si und das süsse herze das das din orküssin si und das die minneklichen arme das die din teckin sin. Die geteilten arme, die also wit uf geteilt woren, die 15 süllent dine Zuflucht sin in allen dinen nöten inwendig und uswendig, so bist du über wol beschirmet. Als du issest und trinkest, do solt du einen ieklichen bis töffen in sinen minne wunden. Als unsere swestern ir salinen singent, so süllent si einen ieklichen 20 sahnen legen in sine sunderliche wunden mit underscheide. Alsus bild in in dich und dicli in in. Und was hilf et das einvalteklichen, als die lüte sprechent, si gedenken und betten die gebet unsers herren, es ensi das si den bilden mit liden, mit nachvolgen in tringen? Die dritte wandelunge die ist unbiltlich sunder alle bilde. Kinder, dis 25 i§t_gar ein behender, naher, vinster, unbekant, ellent weg. Von disem sprach Job und sprach Got durch in: 'dem manne ist verborgen der weg und Got hat in umbevangen mit vinsternisse'. Was ist dis anders wan diser weg? Hie Werdent fröwen zu mannen und all e die man die Gotte nüt envolgent, die werdent ze nute. 30 Nu diser weg der ist gar vinster, waii al/CS'71 es do wir vor ab gesprochen han, das ist in enphallen, der ensmakt in mit, und war si süllent, das ist in unbekant und stont al hie in grossem getrenge, und ist in diser 1. en- rad., aber lesbar E, f. 8. 2. geniessig Druck. 4. Nach Nein am Zeilen- schluss ist liebes am Band v. j. II. nachgetr. E. 5. ein zweites starke vor nat. gestr. E. 6- 1. das die k., dann das die gestr. E; das die f. S. 7. manigv. f. S. 9. recht f. S. 11. erbieten S. 12. Wiltu s. 8. 13. schos] schätz 8. 14. und —si f. S, u. d. s. h. din küssin si 88. 15. das die (vor din) f. S. zerteneten S. zertenet S. 21. salinen !egen] segen S; dazu: 'Corrig.: psalmen oder ve . . . (der Best ist abgeschnitten)'. zu wunden: 'Beigeschr.: trucken' S. 23. dene (hinter ensi) v. j. II. am Band E. 24. liden] leben und S. 31 f. als das do vor abe g. ist 8. 32. abe e. 8. der] und 8. 33. al] w-spr. alle; le rad., aber lesbar E; al f. S. 14* 212 47. Fratres, si spiritu vivimus, spiritu et ambulemus. weg wol umbevangen mit vinsternisse, sprach S. Gregorius uf dis wort das der mensche stot in eime unbekentnisse, wan manig mensche went gar wol dar an ,* i, sin, und als er an dis ende dis weges kumet, so begegent im der ewig tot. Kinder, in disem vinsteren unbekanten wege do müs man den witen 5 breiten weg lossen, wan der leitet in den ewigen tot, als das ewangelium sprach; sunder man sol gon den smalen weg. Der smale enge weg dis ist dis klein phedelin. Den weg den diser mensche vor im hat, das ist wissen und unwissen. Durch dise sol der mensche vil nohe mit einem ögen sehen als ein schlitze der sins zils nohe war nimet, dar er schiessen wil. 10 Also müs diser mensche tun und nemen war dis kleinen engen phedelins und lossen den breiten weg. In disem gar engen wege do inne stont zwei örtelin, durch die sol er enmitten slieffen. Das eine das ist wissen. 15 Das ander ist unwissen. An diser enkein ensol er sich lossen, denne gang do durch hin mit einem einvaltigen geloben. Das ander örtelin das ist Sicherheit und Unsicherheit; do durch sol man hin gon mit heiliger hoffenunge. Das dritte das ist fride des geistes und unfride der naturen. Do 20 enmitten sol man durch gon mit rechter gelossenheit. Denne kumet ein grosse Zuversicht und denne ein unrechte vorchte: do durch sol man gon mit demütkeit. [62 v ] Kinder, diser engen wegen und diser phede müs der mensche war nemen. Dis unwissen sol man nemen nach dem inwendigen gründe. Mer 25 in dem usseren menschen und in den kreften do sol man entruwen wissen wie man dran si und wo mit man umbe gange. Wan das ist schentlich einem gemeinen menschen das er ander ding weis und enweis sich selber mit. Dur dise ende so wirt er versichert des grüwelichen freisen do S. Gregorius von sprach. Wan wissen und unwissen, in den beiden mocht er irren: das ein in 30 erheben und das ander in entsetzen, und alsus an allen disen und in manigen die man schriben mochte, ensol man sich mit lossen denne in ein demütig entsinken in rechter gelossenheit an allen den enden die im zu slahent. Entsink in_ din mit und an amen heiligen geloben mit einer gütlicher leblicher hoffenunge und hüte dich vor den unreinen verzwifelen die manigen 35 hant hinderwert tun keren und dachten es were in unmüglich, und Hessen ab. 1. Grego' E. 2. eime] diseme 8. 3. sin 8, f. E. 5. in in d. 8. 6. spriehet 8. sunder] kinder S. 8. urspr. nohen: n racl, aber lesbar E. 12. zwei ES, drey Druck. 13. nach enmitten ein kurzes Wort radiert: dur? E. 15. Das ander ist ES, und Druck. 19. unfride E 89, fride S. 21. vo'chte E; vgl. oben 207,1. sol] mus S. 25. entr. f. S. 28. ende E 88, enge S. Greg' E. 33. dinen S, dime E. 34. hüte dich S, hüten sich E. verzweifelungen Druck. Bif. m, hinder sich hant geton (tun 88) keren S. 47. Pratres, si spiritu vivimus, spiritu et ambulemus. 213 Nein, liebes kint, lo dich die nüt hinderwert triben, sunder tring durch mit minnen und begerungen,, und henk dich und leine dich zärtlichen und gütlichen an dinen guten Got. Do denne ein gut nature ist und die gnade denne zu kuraet, do gat es gar snel für, als icli me denne einen menschen weis junger lüte von 5 XXV joren und in der e und edel von gebürten, die in disem wege so vol- komenlichen stont. Und als die armen kinder iii disem wege des zils war/6'3'7ten solten Götz werk, so jaget man si uf, si süllen nach brot gon. Do mag gros ding versumet werden. Es ist vil sörgklich mit disen lüten umbe gon die in disem vinsteren wege gont; si mügen sich lichte vermissen. 10 Kinder, diser menschen werk an den ist drü ding. Das ein ist: Got würket in in alle ire werk als verre als si sich im gelossen hant, und an dem ende so sint si als gut und loblich. An dem anderen ende, do der mensche ist gekert in Got mit allem sinem gemüte, und ist ein mit würker mit Gotte in ime und in meinende und 15 minnende, und an dem teile so sint si och gut. Das dritte, do der mensche sich mit annemlicheit und mit eigenschaft der naturen in etlicher beheglicheit und wol gevallens dar uf kert, do ist es ze mole bös und in einem vernütende, und hin ab wirt das vinsternisse ermert und verlengt sich. 20 Von disem Annsternisse kumet die nature in gros getrenge tmd unfride, wan der mensche stot hie enzwischent zwein enden in einem mittel: das sint. bilde und unbilda Wan alles do wir vor ab geseit han, das ist im alles enpfallen und das ensmakt im nüt me. Und das im smakt und das er sucht, des envint er nüt me und stot in grossem starkem getrenge und in bancheit. 25 Dis getrenge hat manigen tun löffen ze Ache, ze Eome, under die armen und in clusen. So si me US lieffen, so si minre fanden. Und etliche vallent wider uf ire vernünftigen bilde und spilent do mit, das si dis getrenge nüt durch liden enwellent, und pletschent [03 "j also ze mole her nider llLden grünt. 30 Och kinder, die minneklichen menschen die sich us lident in disem eilenden vinsternisse, das werdent die aller liebsten edelsten menschen. Aber, kinder, die nature die müs maniges todes sterben. Es fragte ein junger in dem walde sinen meister was er tun solte. Der vatter sprach: 'gang sitzen in din zelle und schrije alwegen mit dem 35 5. für auf Rasur E. denne teilweise auf Rasur; urspr. wan? E. 6. so f. S. 0- Domitte m. 8. 11. ist] sint S. 12. ein E, erste S. 18. urspr. behegenklicheit ? am Zeilenschluss nach behe auf Rasur am Rande glicheit; in der folgenden Zeile klicheit gestr. E, behegenlicheit S. 19. und —vern. f. S. gemert S. 25. oder bantheitP urspr. bekantheit? e k radiert, aber unkorrigiert E, bantheit S. 28. das aus do (?) v. j. II. Jcorr. E, wenne S. 29- also /. 8. [ ; 214 48. Vigilate quia nescitis horam quando dominus vester venturus Bit. proplieten: "mine trehene woren mir brot tag und nacht, wan man mir teglich zu sprach: wo min Got were'". Kinder, der mensche müs hert und vaste ston in den minnekliehen füsstaphen do wir vor von hant geseit; das müs ie sin. Was ist es anders 5 das man vil gedenkt, man enwelle mit nachvolgen dar in komen? Kinder, dise menschen engont nüt müssig. Nu wo gelendent dise ltite? Weles ist nu ir ende? Das ist das der lierre in einer kurzer stunde gehelingen — so kumet ein blik — und der bringet in so minnekliehen die verborgen gute: do wirt es in alles uf geton 10 in dem wunderlichen liechte und in den blicken in dem klaren schine, die in dem inwendigen gründe gelüchtet hant, die verborgene worheit. Denne wirt in bekant wo und wie si der lierre gefürt hat durch die vinsteren wege und si nu hat in das liecht brocht und ergetzet si do alles ires langen beitendes und irs leides. Denne enwart dem menschen nie so not eins tieften versinkens 15 in den grünt der demütkeit in rechter gelossenheit. So der under val ie tieffer und grundeloslicher ist, so sich Got des menschen und aller siner werke innerlicher [64 r J und richlicher under wint und alle sine werk würket in über natürlicher wise. Das wir im denne alle volgen die vinsteren wege, das er uns in das 20 wore liecht bringen müge, des helf uns Got. Amen. 48. Vigilate quia nescitis horam quando dominus vester venturus Sit. Die wort sprechent: 'ir süllent sin wacker und wachent, wan ir nüt enwissent die zit wenne der herre kumet von dem brunlöf; wan der vigent der tut alle sine liste und belientkeit dar zu ane underlos, das er uns verleite und 25 eweklich verderbe, und nimet sterklichen war wo er eine stunde oder einen ögenblick vint das wir nüt flis der andacht enlian und einer vensteren offen vergessen unserre usserer sinne und uf unserre hüte nüt enston; alzehant so suchet er in und stilt uns alles unser gut. Dar umbe hütent üwer vensteren und wachent das er üch nüt under grabe üwer hus als der tiep. Und dar 30 umbe mit allen kreften und gesamnetem gemüte sint ane underlos wacker. 1. wan ich dachte vor wan man gestr.; teglich zu am Rand mit Venv. v.j.II. nach- geir. E. 7. nach lüte ein nu gestr. (v.j. II.?) E, f. auch S. Weles —ende f. S. 8. der f. S. 9. es (nach wirt) übergeschr. v.j.H. E; steht auch S. 14, und irs leides f. S. 16. grunde- loser S. 16 f. urspr. w. sich i., dann sich gestr. E. 17. würket er i. S. 21 ff. Stück 48 f. S. Matth. 24,42. 30. und: vil nachtr. übergeschr. E. urspr. gesamneten; dann das Schlnss-n rad. und über das vorhergehende e ein Strich gezogen E. 48. Vigilate qula nescitis horam quando dominus vester venturus sit. 215 Und och als balde als einem menschen in kumet ein hoch müt, ein beheglicheit sin selbes und ein vermessenheit oder eigen willikeit, so zehant ist der vigent do und snit im sine sekel ab, den riehen sekel aller-siner guter werke. Kinder, was süllent ir des noch sehen und vinden her nach der die so grosse werk und ubunge haut gehabt und grossen namen und scliin, das den 5 in über beheglicheit als gar alles ab gesnitten ist, das si es so grossen dank süllent nemen das si under die groben ungelerten [64 v ] ungelebten lüte, die geburen, mügent gewiset werden! Und etliche arme einvaltige menschen do nieraan nüt ab enhalt von schine noch von werken umbe ir demütige ver- drukheit, süllent über alle dise sin so hoch das si dar kume süllen gesehen 10 künnen do si sint. Und dar umbe wachent mit wakerigem gemüte und mit offenen ögen, und ir süllent sehen die blossen worheit mit underscheide und ane underscheit, in gedenken, in Worten, in werken, in tünde, in lossende, in tugentlichen werken, in gedultigem lidende, und nement üwer selbes mit flisse war inwendig und uswendig! 15 Kinder, ir enwissent nüt in welen engsten ir stont von natürlicher krankheit und von unseren eigenen grossen grüwelichen gebresten und von dem grossen übertreffenden gute das wir ane underlos von Gotte mügen enphohen, das wir als unnützklichen versumen, und das die klaren gütlichen ögen uns als gruntliclien an sehent und durch sehent in unsern grünt, das der 20 mensche als recht unluter do engegen stot, das do engegen der gesiebt stot das ungelütert ist von dem das er nüt in der worheit enist. Wie mügen wir des so gruntliclien uns schämen und wie das so strenge sol geurteilt werden! Als geschriben stot das der gerechte so! kume behalten werden. Und was sol des armen sünders denne gewerden? 25 Sant Augustinus sprach: 'wi und we aller gerechtekeit, ob si Got nach siner barmherzikeit nüt urteilen enwil!' Und dar umbe, wistint ir in welen sorgen alle die [65 r ] stont den üt anders smakt denne Got, üwer menschlichen sinne enmöchten es nüt erliden. Der heilig Job sprach: 'herre, wie kleine lost du mich! e ich mine 80 «peichelen gesunde, so süiiden ich. 0 hüter der lüte, wor umbe hast du mich gemacht dir widerwertig ?' Nu sprach das ewangelium vor: 'ir süllent wachen und üwere lende die süllent sin gegürt und stillet haben burnende vakelen in üweren henden 1. hinter hoch v.j. H. ein r- Häkchen (hocher?) E. ein b. E, in b. Bruch (vgl. Z. 6). beheglicheit; eit v. j. IL. ubergeschr. E. 2. vor zehant: so (= mhd. sä?) rad., ab. lesbar E. 3- sekel (beidemal): sek auf Rasur E, urspr. bütel? 6. in] ir Brück. als auf Bas. E. 10. so vor und si nach süllent rad., aber lesb. E. 12. urspr. vnderscheiden: das Schluss-n fad., aber lesb. E. 13. urspr. sunder, darauf rad. u. v.j. IL. ane geschr. E. 21. do (nach unluter) v. j. LL. ubergeschr. E. 23. strenge auf einen vom 1. Schreiber leergelassenen Baum und noch auf den Bandhinaus v. j. H. geschr. E. 25. urspr. der armen sünder E. 20. Aug' E. Wi; korr. v.j. IL We E. ob; b auf Bas. E. 30. Job 7,19 f. 33. Luc. 13,35. 216 48. Vigilate quia nescitis horam quando dominus vester veiiturus sit. und süllent beiten des lierren, wen er kumet von dem brunlöf.' Nu von disem wachende das hant ir gehört. Nu süllent ir drü pünctelin alle hie merken. Das eine: das die lenden süllent gegürt sin und gebunden als den man 5 mit einem seile vaste bindet, das man in ziehen und füren mag wider sinen willen, als ein phert das man zöimet und do mit uf zühet, ob es in einen graben vallen wolte. Dise lende das sint gelustikeit der sinne: die sol man binden und zöimen und ze same'n gürten und ir friheit niemer gelossen. 10 Das ander pünctelin: ir süllent in üweren henden haben burnende lucernen, das ist die minneriche würklicheit. Kinder, die würklicheit der woren burnender minne inwendig und uswendig die sol niemer us üweren henden komen, wo ir es vermügent, nnd sunderlingen ir under einandern in aller andacht nach üwerem vermügent. 15 Das dritte: ir süllent sin beitent des herren wen er kumet von dem brunlöf. Selig und also selig sint die knechte die der [05 "J herre wachende vint als er kumet. Er sol si setzen über alles sin gut. Er sol sich schürzen und in dienen. Diser brunlöf von dem der herre kumet, der ist in dem aller innersten 20 der seien in irem gründe, do das edel bilde lit. Wele nehe do ist der seien mit Gotte und Got mit ir, und wel wunderlich werk Got do würket und wel wollust Got do hat und wunne, das ist über alle sinne und verstentnisse, noch denne das der mensche nüt do von enweis noch enbevindet. Mer die menschen mit den Got dise wunne hat und disen brunlöf, das 25 sint die menschen die ir herzen und iren gunst uf Got hant gekert und von der weite und von allen creaturen, mif einem ewigen willen im alleine ze lebende. Aber die menschen die ir genügde nement an eigenen dingen, tot oder lebent, das er nüt enist mit willen und mit wissende, mit den enhat er ze tünde nüt. 30 Nu dise beitenden lüte do sieht och der vigent zu; als der herre ze lange ist, so kumet er und bringet, inen etwas lustes in, es si inwendig oder uswendig, das si do mit beliben. Liebes kint, do von enhalt nüt, denne Mibe uf diner warte. Selig sint die knechte die beitent, wan si nüt enwissent wenne er komen sülle, ob es in der ersten oder in der anderen oder in der 35 dritten wachte sülle sin. Denne sol er dienen, das ist: er sol in schenken und lossen si gewar werden eins fiirsmakes der verborgener wunne des brunlöfs, und do mit sol er si sterken das in die warte nüt ze sür enwerde. 1. urspr. wan; korr. v. j. H. wen E. 15. urspr. wan; v. j. H. Strich über a und übergeschr. e E. 20. nach nehe: das rad., aber lesb. E. 25. vö übergeschr. E. 31. inen übergeschr., etwz auf Basnr E. 37. brunlSfs; nur hier korr. durch Unterpunktierwig des n und Überschreibang eines t E, sftr mit Circfl. (v. j. H. ?) E, 48. Vigilate quia nescitis horam quando dominus vester venturus sit. 217 Er git in [66 r ] in dem das si bevindent die süssikeit siner minne, das ir minne do mit gesterket werde, das dis beitende voilebracht werde. Nu nimet S. Gregorius das wort in dem salter: 'elongavi fugiens et mansi in solitudine, ich han mich geverret fliehende und bin bliben in der einsamkeit.' Als der inwendige mensche alsus gebeit hat — 'exspectans 5 exspectavi, gebeit und widerbeit' —, so sol er sich verren fliehende alle ding und bliben in der einsamkeit. Dise einsamkeit ist das der mensche mit alleine enhat uswendige manigvaltikeit gelossen, sunder och inwendige manig- valtikeit der inren krefte, das sint die bildende krefte in iren bilden und die fantasien und gedenke, und sich der mensche kert von allen bilden und formen 10 und blibet in der einsamkeit. Und als dise Hdelicheit alle überkumet und überlit, denne kumet der herre des er gebeit hat, und in einem blicke, und fürt in der herre über alle ding in dem blicke und ergetzt in sines langen beitendes. Denne siecht er in her wider nider, das er in disem bevindende nüt sich erhebe, und wider trukt in. Und von dem sprach Yeremias: 'herre, 15 du hast mich gesast in die angesucht diner hende und hast mich erfüllet mit tröwende, mit ersclirecken.' Was ist dis? Wenne der mensche in dise innerliche rüwe kumet in sich selber, so kumet Gut und erfüllet in mit tröwende, mit schreckende, recht als ob er im mit beiden füsten tröwete, Die eine fast mit, der er tröwet, das ist ein vinsternisse, [66 v ] begegent 20 im inwendig, und ein tief ellent weg und enweis noch enhat nüt, Und dar zu so begegent im alles das ungelücke, sünde, bekorunge, hofart, iinküscheit, un- gelöbe und die manigvaltige versüchnnge, des der mensche lange wonde quit sin und es wonde überwunden han. Das macht im nu gros erschreknisse, und im wirt do mit getröwet. 25 Die ander fust do mit er tröwet, das ist das im Got für halt die grü- weliche urteil. Und in dem so enkan sich der mensche mit anders gesetzen , denne in den tiefsten grünt der ewigen helle. Und dise zwo füste die truckent den menschen so Avunderlichen sere, und mit allem disem tröwen so meint Got .alles ze vertilggen den bösen vergiftigen grünt der hofart. 30 vKj r i Kinder, die in dise füste rechte sehent, in den verlöschet alle lustikeit nie denne mit allen den usseren Übungen die du in vil joren üben mochtest. Als der mensche nu sich al ze mole hat in die einsamkeit mit dem propheten gekert und blibt do wonende und ist in im gestilt alles gestürm, gedenke, bilde und formen: denne kumet Got und der heilig engel und bringent im in in 35 einem blicke gehelingen die würkliche minne, das dem menschen inne ist, oder ein sache die im bevolhen ist, oder für die heiligen cristenheit oder für die 1. seiner Druck, sin E. 4. geu'ret auf Ras. E. 11. alle] alles Druck. 15. nach sich: in rad., aber lesb. E. wider trukt; t v. j. IL übergeschr. E, vndertruckt Druck. 21. nüt v. j. IL m it Veno, am ob: Band E. 30, alles: s v. j. IL übergeschr. E. 31. lust- keit v. j. iL zu lustikeit korr. E, 218 48. Vigilate quia nescitis horam qnando dominus vester venturus sit. toten oder lebenden. In einem blicke so knmet im das in. Denne tflt unser herre recht als ob er spreche al zehant: 'du endarft mir mit nie sagen; ich weis wol was du wilt und begerst' und er[07 r ßu\t in des er begert. Dis ist das man beite in dem geiste als die woren anbetter. 5 Der vigent der kirnt och hie zu und besieht ob er des sinen och hie üt vinden müge, und stosset dar an und wirft zu liden gedenke, und halt die für den menschen. Der ensol der mensche mit achten und lossen si vor im hin fliessen, wan er ir mit gemint noch gemeint enhat: so mus er sine Strosse gon mit schänden und mit lidiger hant. Und der mensche wirt grösselichen mit 10 disen anstössen bereit. In etlichen landen vint man lüte die einer valscher lidikeit phlegent und tünt sich aller würklicheit ab, und inwendig hütent si sich vor guten gedenken, und sprechent si sin ze friden komen, und enwellent sich och mit üben an den werken der tilgende und si sin dar über komen. Si hant ein 15 tüfellin bi in sitzent, das verbüt allem dem das si von innan und von ussen entfriden mag in gedenken und in allen wisen, umbe das si in dem friden bliben, umbe das er si denne her nach mit ime füre in einen ewigen unfriden, in sin helle: dar umbe behüt er in iren valschen friden. Dise wise enhant mit die gerechten: die übent sich innan und ussen, 20 und si lident sich in allen den wegen do si der herre in fürt: in die bekorungen, in die vinsternisse, und ennement sicli nüt an das si ze friden komen sin, und si ensint och nüt ze unfriden, denne si gont einen engen phat enzwischent friden und unfriden und enzwischen hoffenunge und unrechter vorchte und enzwischen [(>?'"] Sicherheit und zwivel. Und als in wol in blicket 25 der wore fride und friheit des geistes oder Sicherheit, alle zehant werffent si das wider in den grünt sunder haften. Kinder, dise menschen die disen engen weg gon süllen, die süllent vor allen dingen sehen das si hert stant und vaste in den füsstaphen des lieben herren Jliesu Christi. Und so er ie herter und vaster hie inne stat, so er ie 30 luterre wirt. Denne entlössent sich die tröwenden füste und werdent so gütliche minnekliche hende, und denne umbe vohet si unser herre so zärtlichen in sine vetterlichen arme und fürt si uf, hoch über alle ding. In dem so enpfallent dem menschen alle creatürliche ding, und in verdrüsset alles das das nüt luter Got enist. 35 Nu lot in denne der herre sehen die sweren vinsteren wege und die engen phede die er übergangen hat; denne enmag im nieman me geschaden, denne werdent si alles irs eilendes ergetzet. Dis ist ungeret in der worheit 1. vor In gestr.: Dis E. 4. als auf Ras. E. 0/'. zu leide gedancke Druck. 11. etlichen: et auf Ras. E. 12. vfi (nach ab) auf Bas. E. zwischen inwendig und hütent urspr.: Vnd, rad., aber lesb. E. si v. j. H. übergeschr. E. • 30. entlössent: das e-Zeichen über o v. j. IL? E. 37. vngeret: das zweite e auf Ras. E. 48. Vigilate qnia nescitis horam quando dominus vester venturus sit. 219 den frijeii geisten die in valscher frilieit glorierent, und ocli dennen mit der valscher lidikeit, die sich eines valsclien friden vermessent, und och den die in iren eigenen wisen und ufsetzen stont. und do an genügt licht XL jor oder nie, und hant grosse werk getan. Dise alle enwolten disen engen weg mit gon. In einer grosser 5 samenunge do sint lichte kume ein mensche oder zAvei menschen die disen weg wellent gon. Und alle die do sint, die süllent dise menschen an würken und si bereiten her zu. Jo, so möch/~68'7ten si so lichte missetun; so spricht man in so swerlichen zu. Liebes kint, das solt du liden, und enpfert dir och wol ein hert antwürt und ein swer wort, so kume alzehant zu dir selber und 10 bekenne dinen gebresten und lo dir es leit sin. Liebes kint, swig stille und nim von Gotte das du dich do an bekennest. Wan bettest du vil gedult bewiset, dir möchte ein hoch gemüte dar ab sin komen. Dar umbe demütige dich unde gang echt für: es sol dich alles bereiten, es si krumb oder recht, es kumet dir alles ze gute, wollest du es Avar nemen und einen Avackeren flis 15 haben. Wer des herren denne alsus beitet mit wachenden (igen, als min herre S. Augustinus tet, des hochzit man nu begat, dem solte der herre dienen und volle fröide mit teilen als er im hat getan. Das uns nu das allen geschehe, des helf uns Got, Amen. 49. Transite ad nie omnes qui concupiscitis me et a generacionibus 20 meis. et c. Man begot hätte den minneklichen tag das die götliche jungfröwe unser fröwe reine und luter und heilig geborn wart von ir müter libe in der si geheiliget was. Und in ir ist wider bracht das verlorn was in dem paradyse, das edel bilde das der vatter nach im gebilt hatte, das do verderbet was, das 25 si nu were ein wider gebererin mit dem vatter alle sine gelider wider in in den Ursprung und von grundeloser barmherzkeit Götz wolt er uns durch si wider uf helfen von dem ewigen abgründe do wir in gevallen woren als verre a ls es an uns [68"] was. 1. zwischen Vnd und och rad., aber lesb.: die E. 3. genügt: das t v. j. H. eingeschoben? E. 7. zwischen süllent und dise, r.gestr.: wissen. 11. kit übergeschr. v.j. JH. E. 13. urspr. ensin: en rad., aber lesb. E. 14. für auf Jlas. E. 17. Aug' E. 19. nach allen: denne v. j. II. durchstr. E. 20. Stück 49 fehlt S. Sir. 24, 3(i. 26 f. wideramb zii bringgen in den ersten u. Druck. 220 49. Transite ad me omnes qui concupiseitis me. Nu liset man von ir dis wort, und sprach es die wislieit: 'trettent her über alle die min begerent, und werdent erfult von miner gebürte'. Dis wort das ist eigenlichen des himelschen vatters und leitet und locket uns zu siner geburt. Und die selben wort die sprach si och gar eigenlichen von diser jung- 5 fröwen, wan die selbe geburt die ist ir geburt, die der himelsche vatter ewek- lichen geborn hat: die hat och si geborn und leitet uns, das wir über gan und werden von der minneklichen geburt erfüllet. Si sprach: 'alle die min genügklich begerent, allen den die in der worheit genügklichen diser geburt begerent, den wirt under wilen ein bliklin geschenket von diser geburt'. Do 10 mit wirt ir begerunge gereisset unde vor gezogen me ze begerende. Und sprechent mit S. Augustinus: 'herre, du hast uns gemacht zu dir, und do von ist unser herze in steter unrüwe, es raste denne in dir.' Dise unrüwe, die man solte steteklichen und ane underlos haben, die wirt uf enthalten und gehindert mit fremden gebürten, die in dem menschen hant geborn: das sint zitliche, zer- 15 gengkliche, sinneliche ding, genügde und lust der creaturen, si sin tot oder lebent, früntschaft, geselschaft, die kleider, die spise, kürtzlichen alles do der mensche lust an nimet: die ding die geberent in im. Und die sint alsolicher geburt vatter in dir, das Got, die wile die geburt in dir stat, mit willen und mit wissende sin geburt [69 r ] in dich niemer ingebirt in die lustlichen 20 besessenheit, es si wie snöde oder klein das si. Das selbe klein das benimet dir und beröbet dich dines grossen Götz und der minneklichen geburt die Got in dich geberen wolte und solte, und benimet dir dar zu die begerunge und den trost den du nach Gotte und nach diser geburt soltest haben: daz halt dis lüstlin uf. Und klagent denne die lüte: 'och, ich han nüt minne, nüt 25 begerunge!', das ist alleine dise hindernisse; do stast du, das halt die minne und begerunge uf. Das besieh selber was das si, und das enweis nieman als wol als du. Nüt enfrage mich, aber frage dich wor umbe du nüt minne noch begerunge hast. Ir wellent als Got und die creaturen mit einander han, und das ist unmüglich: lust Götz mit lust der creaturen, und schrüwest du blut, 30 das enmag nüt sin. Hie mit ensint die ding nüt gemeint der man not hat oder die man dur Got hat oder in Gotte hat, oder och der man nüt von nature wol ab gescheiden enkan, als dem hunger lust der spise und dem turste lust des trankes und dem müden die raste und dem gevangen der slaf; 4 so dis ane 2. urspr. wert; v. j. IL in werdent korr. E. 9. zwischen begerent und de gestr.: genügklichen E. 11. Aug' E. Uf. zergengkliche: z auf Basur; urspr.: ver-? E. 17. geberen*: das t v. j. IL? E. 19. zwischen wiss. und sin gestr.: das got die wile E. ingebirt: in rad., aber lesb. E. 21. Götz: otz auf Bas. E. 23. daz: az auf Bas. E. 24. dis: s auf Bas. E. lüstlin: n auf Bas. E. Och: 0 in A korr. v. j. IL E. 25. da du vff Btest Druck. 30. nach sin: dar vmbe, v. j. IL gestr. E. 33f. den hilgerigen 1. d. sp. vü den durstige 1. d. tr. Druck. 34. d. gev.] den schlafferygenn Druck. ane] sunder rad., aber lesbar; darauf v. j. H. ane E. 49. Transite ad me omnes qni oonoupiscitis me. 221 ufsüchunge si nach lust, und mit sunderheit mit durch notdurft oder nutz der naturen, sunder nach lust und genügde, das hindert alles die geburt, mer doch minre wan andere ding genügde; wan es an der naturen notdurft lit, und das der dinge lust nüt dar ab gescheiden enmag werden als verre als die [69"] nature würkt. Aber der mensche der nüt ein hindernisse enwil sin der ewigen 5 geburt und vor in der begerunge wil einen fürgang haben, der neme dis hindernisse war der lust der sinne oder der naturen oder der creaturen. Wan als vil dis minre, als vil iens me; als vil die kelti us get, als vil gat die wermin in. Och das der mensche nüt belibe mit tragheit und Unachtsamkeit und nf sinem eigenen gemache und uf dunkel krankheit. Und gant etliche 10 menschen also blintlichen hin, und das selbe das si tunt, das tunt si als blint- lichen und unvernünftlichen als in einer unvorchtsamkeit. Und wissent: über alle dise gebresten diner besessenheit und unrüchsamkeit, do inne willen haben .ze blibende, do enhat der bichter enkein macht über; das du des tages zehen werbe bichtetist, das enhilfet dich nüt, du wellest denne ab Ion. Und wissist 15 dar zu: wirst du funden mit dinem mütwillen besessen mit minnen der creaturen, du enkumest für das antlit Götz niemer. Das seit alle die schritt und das ewangelium durch das man das vint an allen enden; das ist dis gebot in der alten e und in der nüwen e, das man Got sülle minnen et c. Anderswo: 'der nüt enlat alles das er besessen hat, der enist min nüt 20 wirdig' und anderswo: 'nüt enkoment die alle in das rieh die do sprechent: "herre, herre!", sunder die den willen tunt mins vatters, die gant in das rieh der himele'. Wenent ir das Got sin rieh den unseligen creaturen welle geben dar umbe er sin türes blüt hat vergossen und sin leben [70''] hat gegeben? Sehent für üch: nüt enweneut das es Got alsus sülle hin lossen gon. Und 25 wistint ir wie swer Got dis rechen sol, ir möchtint torren von engsten. Got hat alle ding gegeben, das si ein weg zu im sin, und er sol dis ende alleine sin und anders nüt, weder dis noch das. Wenent ir das es ein spot si? nein, entrüwen: der orden enmacht üch nüt heilig; min cappe noch min blatte noch min kloster noch mine heilige geselschaft enmacht alles nüt heilig. Es müs 30 e in heilig lidig rein unbesessen grünt sin, sol ich heilig werden. Das ich vil spreche: 'herre, herre!', vil bette, lese, schöne wort und schön verston und schin: nein, nein, es engat alles also dar nüt, da hört entrüwen ein anders z fi. Betrügest du dich, der schade blibet din und nüt min. Mit üweren weltlichen herzen und gemüte und üwere italkeit in geistlichem schine: die 35 4. nach lust: als swer oder, v. j. H. gesir. E. 6. fürgang: für auf liasur E. 8- dis minre—get als vil a. II. nachgetr. als Besserung des Sprungs von dem ersten als vil auf das vierte als vil der Vorlage E. 10. das erste und f. Druck. etliche: et auf Mas. E. 14. des aus dis Jcorr. v. j. H. E. 20. Matth. 7,37? 21. anderswo: swo teilw. auf Bas. E. a He in statt des urspr. I v. j. H. a. B.; dafür das urspr. alle vor die do gestr. E. 21 (• Matth. 7,31. 32. 1., vyl schöner wort, vil verstund, gütt scheyn Bruch. 35. nach schine: in dise [se rad.] gewonheit vnd gestr. E. 222 49. Trausite ad ine omnes qui concupiscitis me. ding werdent recht in üch geprüfet, als die ein zwig zwigent uf einen stok, und nach dem zwige so wirt alle die fruclit die der stok vor trug, und nüt nach siner eigenen art. Also werdent dise usserlichen frömden gebürte mit den ir besessen 5 sint, das alle üwere frucht tut, nach den zwigen. Och üwere guten werk die gütlich solten sin, die werdent alle creatur- lich und nützwert, wan es gebirt in in alle üwere krefte innerlich und usserlich. Her uf sprach Job: 'in dem grüwele der neiglicher gesiebte do heilt mich angst und bibunge, und alle mine bein die sint erbert, und do der 10 [7() v ] geist vor gieng in miner engegenwürtkeit, do erbibenten du bar mins fleisches'. Der grüwel der neiglicher gesiebt das ist die vinstere blinde be- sitzunge, do unbegriflich grüwel nach gat und angst bibunge, das alle die bein bibenen mügen. Der fürgang des geistes in siner gegenwürtkeit das ist ein 15 fürgang Götz. Nu sprach och hie das ewangelium von einem fürgange. Zwene tränsite, das sind zwene fiirgenge. Ein fürgang der ist des geistes, das ist Götz zu uns, und der ander fürgang der ist uns ze Gotte. Diser fürgang der müs einen abgang haben, als ir gehört hant. Wan als die meister sprechent 20 das enkeine zwo formen enmügen mit einander ston: sol für werden, das holtz müs verwerden; sol der böm gewerden, der kerne müs verwerden; sol Götz furgang in uns gewerden mit der erfüllung siner geburt, so müs die creature in uns verwerden. Dar uf sprach S. Gregorius, das die har sines fleisches erbibenten von 25 des geistes fürgang: das sint die Leviten, den solt man die har abschern. Dise har das meint: als die har in dem fleische wachsent, also wachset in den kreften, von den obersten in die nidersten, die ankleblicheit der alten gewon- heit: die sol man ab schern mit dem scharphen scharsach eines heiligen flisses; den sol man scherphen und wetzen an die starke bibende verborgene urteil 30 Götz und an die swinden gerechtkeit, der einen gedank nüt ungeurteilt enlot, es si ein ieklicb biltlin mit willen besessen; das müs mit unlidelichem [71 r ] vegfür ab geleit werden, e man iemer für Got körne. Als nu dise bösen unreine har mit dem scharphen scharsache sint ab- geschorn, so wachsent du har aber wider: so müs man aber dar mit einem 35 nüwen flisse; als etliche menschen die sint als flissig: als balde als si eines gedank es gewar werdent, der müs zehant ab geschorn werden mit dem isinin 1. vor als urspr.: recht, raä., aber lesb. E. urspr. inpfet, dann gestr., dafür a. B. v. j. IL zwiget E. 5. nach tut: die werdent gestr. E. 7. geb. in allen euweren kreften Druck. 8. Job 4,13. In dem grollen d' nechtliche gesieht, da helt mich Druck. 10. engeg.: en rad., aber lesb. E. 16 f. zwene transite sw. unterstr., wohl nicht urspr. E. 18. Götz : z rad., aber lesb. E. 24. Greg' E. 25. sint f. E, seind Druck. 27. vö übergeschr. E. 31. zwischen si und ein ein Wort (denne ?) rad. E. zwischen das und müs ein kl. Wort rad. E. 49. Transite ad nie ornnes qui concupiscitis me. 223 flisse. Zem ersten ist dis etwas hert, das stete war nemen der mensche sin selbes. Aber dar nach als sich der mensche drin gewent, so ist es im gar licht. Und dar zu er zem ersten eins isinen flisses bedürfte, das bloset er nu ab. Ocli sol der mensche haben die würklichen minne und sol gemeine sin, wan er sol mit alleine den sunderlichen, och allen menschen, nüt allein den 5 guten, sunder den gemeinen armen: also was disen lieben menschen, unser fröwen vatter und muter, her Joachim und fro Anna: die teilten alle ir habe in drü teil. Ein teil das was zu dem dienste Götz und des tempels. Das ander teil der gemeinen armen. 10 Von dem dritten teil lebtent si selber. Wissent das, wo frasheit, karg- heit ist, do ist ze mole ein unrein grob loch, das ze male bös ist. Ein mensche solte als milt sin über dise snöde zergangklich ding. Dolgit, dem wirt gegeben, und der vergit, dem wirt och vergeben. Wie du us- missest, also wirt dir wider ingemessew. 15 Nu belibent och etliche lüte an inwendigen dingen, das do inne och hose har wachsent, der si nüt enbekennent. Si möchten also sin das si meiner do mit für Got enkemen. Und dise selben [71"] menschen möchten wol also luterlichen gelebt han und sin och von gar grossen Übungen, ane dis lit verborgen in dem gründe inwendig, und des enwissent si selber nüt wol, an das 20 si ungelossen sint in der kleblicheit. Und dar umbe were es gar sicherlich das die menschen die der warheit gerne lebtin, das die einen Götz frünt betten dem si sich underwürffen und das si die richten nach Götz geiste. Wan es enist nüt balde ze prüfende, man gienge etzwas mit den luten umbe die also die inwendig kleblicheit habent. Die menschen solten einen gelebten 25 Götz frünt über hundert mile suchen die den rechten weg bekanten und si richte. Und enwer es och nüt ein sunderlicli mensche, so wer ein gemein hichter, wie grob die sint, so sprichet doch der heilig geist durch si dicke von irs amtes wegen, das sis dicke nüt enwissent noch selber enverstont. Den sol man sich under werften und gehorsamen und nüt usser im selber leben. 30 Dis han wir ein volkomen bilde an der götlichen jungfröwen Marien. Do si ein kint was, do was si gehorsam ire« alteren, vatter und müter. Dar nach schiere do was si under der hüte des priesters in dem tempel. Dar 2. es übergeschr. E. 3. vor dem ersten er: das rad., aber lesb. JE. 5. sol auf ■Ras. E. 5. den sunderlicli meinen, sunder alle m., nit a. die g., s. auch die gem. a. Also Waren die 1. Druck. 6. also: so auf Ras. E. 9. tempels; das zweite e übergeschr. E. 11 f. kargh; v.j. H. ergänzt eit E. 12. die v.j. II. in das verwandelt E. 13. zergengklich: z auf Bas. (urspr. ver-?); das zweite e v.j. H. in a gewandelt E. IG. etliche: et auf Bas. E. och inne mit Versetzungszeichen E. 19. ane] Vn Bruch. 20 f. nit wie wol sy vng. Bruch. 24. gienge auf Bas. E. 27. so wer so; l. sunder?,- der Bruch hat: so wer e. gem. h. gut. 28. sprichet.- et übergeschr. E. 30. nach gehorsamen ist v. j. H. sin übergeschr. E. 32. irem alteren E, irem alten Bruch. 224- 50. Trausite ad nie omnes qui concnpiscitia me. nach do was si under hern Yosephs hüte, dar nach under unserm herren Jhesu Christo, dar nach under Sant Johannes hüte, dem si unser herre in sin stat beval. Und vor wellen wir si bitten mit aller andacht das si uns neme in ir 5 hüte, wan si als hütte geborn wart das si uns wider gebere in den Ursprung'. [72 r ] Das uns das allen geschehe, des helf uns Got. Amen. 50. Transite ad me omnes qui concupiscitis me et a generacionibus meis adinplemini. Man begat hüt^e den achtoden tag das unser fröwe geborn wart. Und 10 dise grossen vernünftigen heiligen S. Bernhardus und ander heiligen bekennent das si si nüt enkünnen geloben und müssent swigen von überiger richeit irs lobs. Sprach S. Bernhardus: 'liebe fröwe, wie das ir überhaben sint in der sipschaft der hochwirdigen gotbeit, so envergessent doch nüt der sipschaft die ir haut mit der armer menscheit! Und also sere so vergont nit in- dem ab- 15 gründe der gotbeit das ir es lossent, ir gedenkent der menschlichen krankheit, die ir och wol versucht nach etlicher mosse haut'; und manig innerlich gebet das er und ander heiligen zu ir tünt. Nu sint zwo wise die die lüte habent. Die einen enwellent nüt betten und sprechent si enkünnen niemer nüt 20 gebetten, denne si wellen und müssen sich Gotte lossen, das er mit in und allen iren Sachen tüie was er welle. Nu die andern die bettent gar flisseklicben unser fröwen an und die heiligen umbe alle ir Sachen. Disen allen beiden mag sere gebresten. Den ersten den gebrist das si nüt wol enhant durch sehen das die 25 heilige kilche geordenet hat das man betten sülle. Und unser herre hat uns selber gelert betten, und das bilde dis gebetz hat er uns selber gegeben, und bettet sinen vatter an. Dise menschen entschuldiget ir einvaltige meinunge, das si nüt enbettent; das entschuldiget si und werdent [72"] doch erhört, wan si nüt übel enmeinent. Und etliche Sachen sint die der herre nüt tun enwil, 30 es ensi mit gebet. Und S. Gregorius sprach: 'Got wil gebetten sin'. Und 7 ff. StücJc 50 f. in S. 10. 12. S. Bn' E. 12. urspr. fr. och wie; dann och gestr. (v.j.S.?)E. 14. so v'got nit auf Bas. E. dem] de E. 17. er Druck, ir E. 19. meiner: urspr. iemer E. 20. er v. j. H. auf Bas. an Stelle eines urspr. längeren Wortes E. 21. tüie v. j. H. a. B. mit Verw. statt eines urspr. so E. 26. betten v. j. II. am unt. Band mit Venu. E. 27. bette': das t übergeschr.; urspr. wohl bette als Brät. E. 30. ensi: en rad. und dafür nach si a. B. v. j. H. denne naehgetr. E. 50. Transite ad me omnes qui concupisoitis me. 225 wissent: Got lat den menschen dicke in not komen, das der mensche werde ge- reisset ze bittende und im Got denne hütet und in erhört, umbe das sin minne denne aber gereisset werde und der mensche von dem erhörende getrost werde. Den andern mag och gebresten, die do bettent, das si sint ungelossen, 5 und wellent iemer das ir ding für ge, do si für bitten! Si solten wol bitten, und das in rechter gelossenheit, wie es Gotte geviele, das in das liep were in aller wise und in allen dingen. Nu Transite. Do hau wir dise tage vil von geseit wie die anhebenden menschen süllen die groben grossen sünde, die groben locke ab 10 schern und die zünemenden die bösen neiglicheit und die menschen die der volkomenheit ein wening gelich sint, die inwendig schöner sint. Nu gat diser minnekliclie mensche der sich abgescheiden hat und sin herze zu Gotte gekert hat, in ze minnende und ze meinende allein: dem menschen bringet der vijent ein als grobe bekorunge in, ein weltlich mensche 15 erschreke ab ir. Nu dise haut dise alle beide, und ist doch der grünt von in beiden gar ungelich. Dem weltlichen menschen dem get dise bekorunge us einem ungestorbenen gründe und natural fleisches und blutz, und dar umbe siecht er die bekorunge do nider und volbringet das werk. Und der vigent endarf mit 20 nie in bekoren, denne [73 r ] er blaset si dar, und er endarf mit me dar zu tun. Aber der gute mensche stot in siner luterkeit, und si kumet im von ussen zu und' mit us sinem gründe ane ein wening. Das ist aber der vigent. Es vint ein neigklicheit in 'dem menschen, wie er doch luter si, als ob ein mensche von naturen geneigt were zu zornlicheit: als der vigent des geAvar 25 Wirt, so leit er riemen zu mit allen sinen listen und böser Schalheit. Der arbeit endarf der weltliche mensche mit der zehant volget. An disen wirft er rechte als der kletten uf einen menschen wurffe und würffe eine für und die ander nach, bis das der mensche als vol kletten würde. Also tut der vigent: als er den menschen vint geneiget zu zornlicheit, 30 so wirffet er ein bilde der materiell hin für und das ander nach, das in dar zu reissen mag das der mensche ze lest also gar zornig wirt, und ruft und gilt als ob er slahen und stechen welle. Könde denne der mensche zu im selber komen und einen tieften underval getan in den grünt der demütkeit für Got, ob er enkeinen bichter enmöchte gehaben, und als er sich mit dem menschen 35 berichte und dem genüg getete, das er denne under viele sunder al entschul- 1. lat (v.j.H.?) auf Bas. E. nach dicke; och gestr. E. 6. für v.j.H. auf Bas. E. 12. ein v.j.H. übergeschr. E. 13. Nun disem mensche Druck. 14. dem] De E. 15. in »• 3- H. übergeschr. E. 18. get: v. j. IL Jcorr. aus got E. 21. nach endarf: do rad., aber lesb. E. 26. so get er im zu mit Druck. 28. zwischen rechte und als ein Id. Wort (so ?) radiert E. 31. hin: urspr. im? E, im Druck. 35. gehaben: ge rad., aber lesb. E. 30. dz er (v. j. IL f) auf Bas. E. Deutsche Texte des Mittelalters XI. ^5 226 50. Transite ad nie omnes qui concupiscitis me. digung in sin nüt und in sinen grossen gebresten: kinder, in dem so versmulze der gebreste vor Gotte al zehant als der sne vor der heissen sunnen, und wurde alles versünt, und der vigent der sclieit mit lediger hant von dannan, und wil der mensche wisliclien hie mit varen, er wirt verre luterre und 5 bereiter uf ze gonde. Nu süllen [73 v ] wir einen sin rüren der nüt alle lüt an engat. Unde wir armen kranken lüte, wir mügen erschrecken von disen hohen dingen ze sagende und ze hörende, der im nüt gelebt enhat, Wan die es do sint, die wissent do von und enkünnen doch nüt gentzlichen do von gesagen. 10 Job sprach: 'der geist der gieng vor mir in miner gegenwürtkeit, und ein bilde stünt bi dem und des bildes enbekant ich nüt'. Bi disem geiste, der vor siner gegenwürtkeit gieng und in der bewegunge was, do bi nimet S. Gre- gorius die heilige menscheit unseres herren. Und das bilde das er sach und nüt enbekant, das was die unbekante gotheit, die verborgen ist und unbekant 15 allen creaturen. Und her zu nimet er das geschriben stat in dem dritten buche der künige: 'der engel sprach zu Elyas das er uf den berg gienge, der herre der solte komen. Do er dar uf kam, do kam ein grüwelich geist, der was also stark das er den berg umkerte al zemole, und er zerbrach die herten velse; den stein zerreis er: in dem so enkam der herre nüt. Dar nach kam 20 ein engstliche grosse bewegunge, und dar in kam och der herre nüt. Dar nach kam ein stark für: in dem enkam der herre och nüt. Nach allem disem so kam ein süsse stille senft dünne gerüne als ein wispelen, und in dem so kam der herre. Und Elyas der stünt in der türm der Mlin; do tet Elyas den mantel für die ögen'. 25 Kinder, in allen disen wisen: in diser noch in der bewegunge noch in der umbekerunge [74 r ] noch in dem füre enkam alles der herre nüt. Aber dis was alles "ein bereitunge her zu und ein weg. Sant Gregorius der sprach das dise hohen berge das sint die hochen grossen gemüte, und die herten steine die dise bewegunge wegen tet, das sint 30 die ungelossenen gemüte und gütdunkenden lüte die mit iren uf setzen stont hert in eigenwillikeit und in ungelossenheit und hant do mit grosse wise und tünt grosse werk, aber alles mit eigenschaft zu den lüten. So denne der herre komen wil, so müs er zem ersten senden ein grosse bewegunge, die kert alles das umbe das in dem menschen ist. Aber leider diser lüte enist nüt vil. Das 35 ist die sache: die enthaltent sich in zitlichen dingen, und die kleblicheit die in der leiden nature lit, do inne belibent si und in sinlicher genügde; aber do dis 1. urspr. entschul/digen: en v. j. H. in üg Jcorr. E. nach versmulze kl. Bas. E. 3. wurde: v.j.H. Jcorr. aus wurt oder wirt E. schiede Druck. 10. Job 4,15 f. 12. gieng mit Veno. a. B. v. j. H. ergänzt E. 16. Reg. III 19,11—13. 21. % vor Nach E. 23. durrin d. külin E, thür d' hüle Druck. 25. in diser f. Druck, urspr. cömocien, durchstr.; darunter v.j.H. am unt. Bande hewegüge E. 26. Ab': b' auf Bas. E. 28. hochen; e n v.j.H. übergeschr. E. 50. Transite ad me omnes qui concupiscitis me. 227 triben inne ist, in den do si recht ist, aber minr und me, der menseben habe ich etwie vil gesehen die über hundert werbe dar zu kamen das sie in der stunden ir leben wonden uf gebeu Ein mensclie fragte unsern herren was er her zu tun solte, wan er alle nacht und tag sin leben wände her umbe verlieren, ob er hie alsus sin leben 5 wogen solte. Do antwurt im unser herre: 'enmacht du das mit wogen und geliden inwendig, das ich so gröslichen sunder mosse leit liplichen durcli mine hende und füsse und an allem minem übe?' Kinder, disen tritt enkünnen etliche lüte mit geliden und löffent bar und dar. So süchent si ussen das si rüwe vinden, und envin/y^Vdent ir do 10 nüt. Si solten sich in dem liden und lossen ze gründe in das liden. Ach was went ir das dem sterben den antwürten solte! Das ist ein wunder. Kinder, wer ein mensche als luter als er us dem töffe kam, und nie in sünde enwere gevallen, noch denne, sol er zu der nechsten lebenden worheit komen, so müs er durch dise bewegunge und durch disen weg in rechter ge- 15 lossenbeitj oder er blibet. Nach diser bewegunge kam das für, und in dem kam noch enwas der herre öch nüt. Kinder, dis ist die fürine minne, die verzert das marg und das Mut, und in der wirt der mensche zemole usser ime selber gesast. Ein mensche was von disem füre also gröslichen enbrant inwendig und 20 och uswendig, das er niergent engetorste zu keime ströwe komen und gedachte es müste von der hitze enpfangen von im werden. Ein ander mensche, lebt noch, das enkonde von der hitze niemer ent- sloffen denne in dem winter, als es sere gesnit was, do want er sich in dem sn e, und also entslief er, und zehant so flos der sne als wasser verre und nach 25 umbe in. Sehent, also tringet dise fürine minne durch den geist in den lichamen. Noch enkam der herre nüt in allem disem. Her nach kam ein senfte süsse stille gerüne, ein senfter wint als ein wispelen: in dem so kam der herre. 30 Och kinder, was went ir was do were do der herre kam? Als der herre kumet in den menschen nach allen disen fürgengen die geswinde und stark sint gewesen und hant [75 r ] so gros bewegen und gestürm gemacht, und a lles das do ist in der armen nature und in dem geiste alsus gebrant ist, 1. aber f. Druck. if. urspr.: wan alle n. u. t. s. 1. went er h. v. oder er; dann »• }■ H. korr. mit Basaren wie oben im Text E. 9. etliche: et auf Bas. E. 11. nach lossen: sich; nachtr. durchsir. E. 12. st. den (= denne)] sterbenden E, sterben Bruch 16. oder Brück, ob E. 23. lebt noch durchstr. (ivohl erst v. j. II.) E. 24 f. urspr. darin w. e - s - vnd; dann korr.: do, und nach sich mit Verw. a. B. in de sne E. 31. Och; 0 v. j. H. m A lc °rr. E. 32. fürgengen: das erste e v. j. H. in a korr. E. geswinde: ge v. j. II. °w unt. B an d ergänzt E. 34. g. als. Brück, g. und als. E. 15* 228 50. Transite ad me omnes qui eoncupiscitis me. und denne der herre selber kunt, och was Wunders went ir das do gewerde? Wissent: und enthielte Got die nature mit in übernatürlicher wise, het ein mensche hundert menschen kraft, er enmöchte der wunnen und des wunders von eigener kraft nüt erliden. Noch denne enist dis nüt denne ein blik. 5 Der herre kam als ein blik: der blik was über alle die mosse, die was ze mole so swinde das Elyas stünt in der (arm der Mlin und tet den mantel für die ögen. Dise Mle das ist menschliche unlidelicheit, aber die türm das enist anders nüt denne do man in die gotheit sieht. Und das er den mantel für die ögen tet, das was das gesiebt. Wie kurtz und wie klein 10 das ist, so ist des ein blik aller naturen ze überswenkig und von blosser nature unlidlich und unbegriffenlich. Kinder, er ist werlichen Got. Der herre der ist in der worheit hie. Kinder, dise süssikeit die gat über alles honig und hongseim, das uswendig das süsseste heist. Aber dis über gat alle sinne, alle verstentnisse und alle krefte 15 verre in ein grundelos abgründe. Als ein krank öge nüt enmag erliden die klarheit der sunnen, tusent werbe minre mag die nature dis bevinden von irre krankheit erliden. Lieben kinder, alles das man disem mag gesprechen, wie gut, wie gros man mit sinnen oder [75 °J mit Worten oder mit verstentnisse mag begriffen, 20 das ist als vil und verre ungelicher in der worheit denne ob ich spreche von einem swarzen kolen. Sich, das ist die klare sunne, die alle die weit erlüchtet. Kinder, es wirt der wore weseliche fride geborn, der fride der alle sinne über trift. Und diser mensche der wirt also in einem weselichen friden gesast, das her nach nüt wol in ieman entfriden mag. 25 Nu das bilde das Job sach und des er nüt enbekante, das was die minnekliche persone des sunes in der gotheit, und das senfte stille gerüne in dem der herre kam, das was der heilig geist. Nu sprach S. Gregorius: 'was das meinde das er in disem also stillem gerüne kam und an dem gerüsche nüt enkam? das was die sache: er kam do 30 dem usseren menschen in sinnelicher wise, umbe das si mit sinnelicher übunge mochten uswürken der cristenheit ze nutze. Und des enwas in diser wise in disem nüt not. Wan dis in dem geist kam, so enwas der wise nüt not'. Selig wart der mensche ie geborn der zu disem grossem gute mag komen ein ögen^ blik vor sinem tode. 1. 51 vor Och E. Och: 0 v.j. II. in A leorr. E. 5. nach was: so rad., aber lesb. E. 6. vor El.: der rad., aber lesb. E. 6. 8. dürrin E. 6. külin E. 7. küle E. 10. nach blik: das ist, durchstr. E. 17. zwischen krankheit und erliden Basur; urspr. dis? E. 19. vor man: dz, durchstr. E. 20. vor in: denne das es, vor denne: ist; nachtr. durchstr. E. 28. nach disem: vnd rad., aber lesb. E. 32. dem: urspr. den, wozu nachtr. ein dritter (m-) Strich gesetzt (v. j. II?) E. 33. vor mag Bas. E. 50. Transite ad me omnes qui concupiscitis me. 229 Doch wissent: wie gros oder wie gut dis ist, so ist es doch als ungelich der süssikeit die man hat in dem ewigeii lebende, als der minste : troptie wassers gegen einem grundelosen mer.fi,. Nu avo belibent oder wo gelendent dise menschen, den dise unspreche- ' liehe fröide und dis wunder vor gehalten und entecket ist? Das ist: dise 5 menschen die versinkent [76'"] in ir grundelos nüt in einer unwortlicher wise. Also, were das mügelich das si hundert werbe ze nute möchten!, werden im ze lobe, das were ir fröide, das si vor dem hohen wesende möchten von grosser erwirdikeit des wesens und von minnen des wesens in ein Unwesen komen, und von siner hocheit wolten si gerne versinken in den tiefsten grünt, Wan ie me 10 si. bekennent sin hocheit, ie me si erkennent ir kleinheit und vernütlieit. In disem vernütende sint si ir selbes also gruntlichen entformet, und wölt in Got disen trost und dis bevinden noch me geben, si enwoltentz nüt, si flnhen dannan ab, und wer och das si mit irem frijen beratenen willen das me wolten haben, dem enwwrde nüt recht, und si möchten lichte da mit in 15 gebresten vallen und müsten vegfür dar umbe lideii, und wer ein zeichen das im nüt völlenklichen recht enwere. Aber die minnende kraft die mus wol ston in einem turste, aber die bescheidenheit und die redelicheit die fliehent dannan ab. Und dise menschen die stont in dem swinsten turste nach lidende; das neme er nu für alle die fröide und den trost den im Got ie gegab, dem 20 minneklichen bilde sines herren nach ze volgende, und begerent des in der sworster schentlichster pinlichster wise als mans liden mag. Nach dem krüze türstet si und lant sich mit minnen, mit inniger begerunge under das geminte krüze irs minners. Hie wirt das heilig krütz [70"] erhaben. Es ist exaltacio sanete crucis, des heiligen krüzes tag in der worheit. Wan das liden ist 25 in so minneklichen, und die bilde unsers herren werdent hie in iren rechten adel geborn. Sprach der edel himelfürste S. Paulus, der in dem himel gewesen was: 'michi absit gloriari, verre si mir dehein gloria, denne in dem krüze mins herren Jhesu Christi'. Sprach der liebe Job: 'elegit suspen- dium anima mea, min sele hat erweit ein erhenknisse und alle mine bein 30 hant erweit den tot'. Dis kos er us für alles das gut das im Got geton hatte. Dis erhenknisse ist an das krüze in der meisten pinlicheit, wan sin Got an dem krüze gehangen hat umbe sinen willen. Her nach verhengt Got über den 5. dise: e auf Bas. E. 9. und (vor von)] so wolten si gerne, durchstr. und dafür vn v. j. H. übergeschr. E. 11- hier a. B. von ivcnig jüngerer Hand in feiner Schrift: no(?) (= nota?) E. 12. ui-spr. irs: das s rad., aber lesb. E. vil v. j. IL auf Bas. E. 13. wölt: ( fas e über o v. j. IL zugesetzt E. 14 f. das si me; dann si rad., aber lesb. E. 15. urspr. enwirt, v. j. II. Jcorr. enwirde (i in u zu liorr. vergessen) E. 22. krüze: urspr. krut (versehentlich); v. j. IL korr. E. 23. turste: v. j. IL hon. in türste* E. 25. zwischen das und ist Verw., wozu am ob. B. v.j.H.: liden; dafür 26 urspr. m. das liden vfi die b., dann das Wen gestr. E. 20. vH v. j. H. korr. aus in? E. 28. Gal. 6,14. 29. Job 7,15. 230 50. Transite ad rae omnes qui concupiscitis me. menschen das grüwelicheste vinsternisse nnd das tiefste eilende also ze mole verlossen. Och wie enthielt sich die rahmende kraft, die in dem brande der minne also enpfangen was nnd nu also ze mole dar nider geslagen ist von 5 allem tröste in bevintlicher wise? So knmet die redelicheit nnd die bescheiden- heit und spricht zu der minnenden kraft: 'sich, minner, dis ist das erbe dines geminten, dis ist das erbe das er sinen geminten gelossen hat, ein sele vol Götz und ein nature vol lidens'. Und dar nach die minne minr und me brüget, dar nach smakt dis erbe me und bas, ja me denne im aller trost 10 ie mochte gesmaken. Dis ist das begerliche erbe das unser herre sinen fründen gelobt hat durch den propheten, und so si dis erbe adellicher erhabent und minnent [77 r ], so si das selig himelsche erbe geAvaltklicher und innerlicher seligklicher süllent eweklich besitzen. 15 Dis erbe hant die heiligen marterer mit grosser minne ervolget. Dise menschen die meinent si wellen nu alrerst an vohen ze lebent und ist in recht als anhebenden Inten. Och das dis wunnekliche usnemende grosse wore luter gut mit gemeint enwirt, und das dis mit also snöden kranken dingen versumet wirt, das müsse 20 den erbarmherzigen Got erbarmen und iemer me geklaget sin. Das wir alle den rechten weg müssen gon, das wir zu dem nechsten ende müssen komen, des helf uns Got. Amen. 51. In exaltacione sancte crucis. Es ist hütte der tag der erhebunge des heiligen minneklichen krüzes, 25 an dem das heil aller der weite gehangen von minne hat. Durch das krüze süllen wir wider geborn werden in den hohen adel do wir in der ewikeit inne woren; dar süllen wir mit minnen dis krüzes wider in geborn und getragen werden. Von dis krüzes hoch überiger wirdikeit enist mit ze sagende mit 30 Worten. 3. Och: O in A v. j. H. korr. E. sich (v.j.H.?) mit Veno. a. Ii. ergänzt E. urspr. die so in; so rad., aber lesb. E. 6. das (vor erbe) aus dis v. j. H. korr. E. 10. gemochte: ge gestr. E. 12. haben Druck. 18. Och: O in A v. j. IL korr. E. 23. Dieses Stück fehlt in S. 27. nach woren auf Bas. v.j.H.: ane; dann von der ersten Hand vns selber; beides gestr. E. 51. In exaltacione sancte orucis. 231 Nu sprach unser herre: 'ist das ich erhaben werde, so züch ich alle ding nach mir'. Hie meint er das er unser irdensch herze und irdenscher dinge lust und genügde, die mit minnen besessen "sint der creaturen, nach im strecken und ziehen wil, und unser hofertig stoltz gemüte in bevellicheit unser selbes mit [77'] unser kleblicheit mit minnen in zitlicher genügde unser 5 sinnelicheit, dis wil er alles nach im ziehen, ja ob er alsus erhaben wirt in uns und das er gros in uns wirt in unsern herzen; wan wem Got ie gros wart, dem sint alle creaturen klein, und vergengkliche ding sint im als mit. Dis minnekliche krütz das ist der gekrüzgotte Christus, der ist erhaben verre und ungedenklichen über alle heiligen und engele und über alle 10 die fröide und wunne und selikeit die si alle mit einander habent, und also als sin rechte weseliche stat ist in dem obersten, also wil er och wonen in unserm aller obersten, das ist in unser oberster inwendigoster bevintlichester minne und meinunge. Die nidersten krefte die wil er ziehen in die obersten, mit den nidersten die obersten füren in sich. Tun wir das, so wil ot uns och nach 15 im ziehen in sin aller oberstes und in sin jüngstes. Wan das müs von not sin: Süllen wir dar in komen und do sin, so müs ich in von not hie nemen m das min. Nu als vil des minen, als vil denne des sinen: das ist ein gelich köf. Och wie ist dis minneklichen krüzes als gar vergessen und wie wirt im aiser grünt und dis innigoste als gar beslossen und verseif mit gunst 20 und minnen der creaturen, das leider richset in diser sörgklicher zit under geistlichen lüten, das die herze werdent verlorn mit den creaturen! Kinder, dis ist der verblentste jamer den des menschen herze und sinne begriffen mügen. [78 r ] Und wisti man was her nach gat, man möchte dorren von engsten, wele räche und zorn Götz. Und dis lat man und lidet es 25 als es ein spil si, und ist leider in ein gewonheit komen und man lat es gut sin und sol ein ere heissen und ist als es ein spot si, dar umbe alle heiligen, möchten si, si schrüwen blutige trehene. Und die minne wunden unsers lierren werdent umbe gerissen von disem jamer, das das herze dar umbe er sin minnekliehes junge blüiendes leben hat gegeben und sine liebe heilige sele, im 30 als schemlichen wirt benomen und dannan us wirt smechlingen getriben: das müsse Got iemer geklaget sin, und müsse es erbarmen. Kinder, nüt nement dis als min wort, mere durch alle die schritt die si üch durch seit.' Und sprach nüt das ewangelium: 'nieman enmag zwein herren gedienen- er müs den einen minnen und den andern hassen'? Er sprach 35 1 Joh 12 33. 3- die (vom Sehr, ausgelassen) v. j. H. mit Veno. a. IL nachgetr. E. er. das er die n. • dann das er die gestr. E. 5. urspr. vnsers (vor selbes): das Schluß-s rad., aber lesb.E. kl. vnd lieb in Druck. 19. nach Och: vnd gestr. E. 21. hier a.ll. 118(?) (wie 0. 229,11) E. richset v.J. H. auf lias. E. 25. wele] von der Bruch 27. nach umbe: das gestr. E. 28. das erste si (zwischen möchten und si) übergeschr. (v. j. IL?) E. zwischen vnd und die gestr.: vmbe, wohl vom Sehr. E. 30 f. ur&pr. sele das im das a. E. 33/". ge- schrifft die euch es sagt Druck. 232 51. In exaltacione sancte crucis. och: 'hindert dich din öge, brich es us' et c, und anderswo: 'wo din schätz ist, do ist din herze och'. Liebes kint, nu sich wie vil Got dins herzen hat, ob er din schätz si. Augustinus: 'minnest du erde, so bist du erde, wan die sele ist nie do si 5 mint, denne do si leben gif. Paulus: 'lies ich minen lichamen verburnen und spreche mit der engel zungen und gebe alle mine hab enweg den armen, und enhan ich der minne nüt, so enbin ich nüf. Nu, min vil lieben swesteren, ir süllent mit grosser zu gekerter dank- nemkeit, mit würklicher minne nemen dise grosse gnade die üch der mm[?'8"J 10 nekliche Got in den orden hat gegeben an dem lichamen unsers herren, und ich begeren von allem minem herzen und seien das dise minnekliche übunge nüt ab enneme noch nüt enslaffe in diser sorgklicher zit; wan die nature enwil nüt nu ston als ein wile: antweder man müs nu krefteklichen Gotte anhangen oder vallen al zemole her nider. 15 Also enwas es ein wile nüt. Und dar umbe bedürften die menschen nu grosses kreftiges enthaltes, das si werden behüt vor disem sörgklichen valle. Und enwenent nüt das man dis sülle tun durch grosse hoch volkomenheit; wan man hat es not durch die menschliche swinde krankheit (der sieche der bedarf des artzates: des enbedarf der gesunde nüt), und das man mit diser 20 helfe und kraft werde behut und enthalten vor disem sörgklichen valle der nu richset under geistlichen lüten. Und dar umbe ensol nieman sprechen von disen, ob si nüt grosse volkomenheit enhaben oder gros werk entfin. Es ist genug das si iren heiligen orden halten wellen als verre als si mügen, und das si das meinen ze tünde, und wo sis nüt envermügen, das si das mit urlobe 25 lossen. Man enbedarf och enkeiner grosser Vernunft her zu. sunder es ist ze mole genüg hie mit das si gerne recht und wol tetin, und das in die ögen als verre werden uf geton das si sich vor disem mordigen schaden wellen hüten, und das in die als verre offen bliben. Und umbe dis süllen unser lieben jungen swestern [79 r ] zu dem heiligen lichamen unsers herren flisklichen und 30 gerne gon. Nu wil ich unser lieben alten swesteren och entschuldigen und fürant- würten: die sint do her gegangen in grosser heilikeit in den ziten do es nüt als übel umbe die creaturen enstünt als nu, und hant den orden in grosser swinder strengheit gehalten und die gesetzde. Und dar umbe wan si alle 35 die gesetzde gemint und gemeint haut, so hielten si och gerne dise alten gesetzde, nach der alten guten wise zu vierzehen nechten zu ze gonde. Und ir grossen volkomenheit und heilikeit der genügt och do gar wol darmit, do es 4. Aug' E. 5. Cor. I, 13,1—3. 12. enneme: en rud., aberlesb.E. 17. enwenent unter dem ent Bas.; urspr. enwent?) Korr. des Sehr.? E. WS auf Bas. E. 21. richset (v.j. IL?) auf Bas. (wie o. 231,21; 237,15) E. 35. so: urspr. Dar vmbe, dann gestr. und dafür v. j. IL so eingesetzt E. 51. In exaltacione sancte cruois. 233 bas stunt denne es nu tut, und was unschedelicher dan der verdorbener nature nu tüje in jungen lüten, wan si verre nu nie geneiglicheit habent wan man do hatte. Dar umbe bedarf man nu merer helfe wan man do bedorfte, und ane sunderlichen enthalt enmag man nu nüt beston in den obersten guten wisen. Es sinkt nu alles in den grünt der vichlicher lust nach sinne- 5 licher begerunge, Und och nicht si der biwesunge der die die wise fürent, die als jung sint und als krank und des selben leders sint so dise sint. Und dar umbe, min lieben swesteren, min lieben zarten kinder, ich enheischen von üch kein grosse volkomenheit noch heilikeit, denne das ir minne habent zu üwerem heiligen orden, und die minnekliche gesetzde meinent ze haltende als 10 verre als ir mügent, und üwer swigen gerne haltent uf allen den [79"J stetten do es gebotten ist, und aller meist ob dem tische und in dem köre, und das ir üch gerne hüten wellent vor aller menschen heimlicheit die üch Gotte frömde machent. Die alten lossent es von heilikeit und dise tünt es von krankheit. Wan sicher: tunt ir dis mit aller andacht, so wirf üch Got 15 heimlich, und fliehent alle die Ursachen da dis schaden her komet, Verlust der herzen. Wissent, das unvertreglich liden uf etliche klöster ist gevallen. Und wer das si dise minnekliche übunge als flisklichen hie vor mols nüt geübet hetten, so möchten si ze nute sin worden. Lieben kinder, und ob ir och denne nüt süssikeit enbevindent, des er- 20 schrecken! och nüt. So der mensche das sin getüt und er denne von innen verlossen ist,, das gat über das smacken und bevinden das man haben mag, als alle des menschen krefte stont uf gespannen nach Gotte, und er denne gar gelossen ist, und in türst dar nach das er gerne Got bevintlichen minnete, und er stot in vinsterer kalter hertikeit. 25 Kinder, das krütz das gat für alle die krütz die man liden mag. Dis bitter eilende das treit den menschen naher in den grünt der lebendiger worheit denne alle die bevintlicheit. Sprach unser herre Got: 'min Got, wie hast du mich gelossen'! und uf dem herge: 'herre, din wille und nüt der min'. Kinder, enfürchtent üch nüt. Unser herre sprach: 'die mir volgen 30 wellent, die heben uf ir krüze und volgen mir'. Kinder, dis krüze das ist der gekrüzigot Christus. Der sol und miis geborn werden durch alle die [80 r ] krefte, Vernunft, willen und durch den usseren menschen, durch die sinne und sunderlich durch dise viere. Der ist einer die uswendige gelustlicheit: da müs das krüze durch 35 geborn werden. 2. tüie: ie auf Ras. statt urspr. zweier Worte (tüient ist?) E. 4 urspr. snnderlichem: dann der dritte Sirich des m rad. E. urspr. enthalten: dann das Schlufs-n rad. E. 11. nach haltent: als verre, gestr. E. 10. urspr. komeut; nt rad., aber lesb., und dafür t gesetzt E. 20 f. vor erschreckent Eas., urspr. enerschreckent ? E. 21. vor och Mas., urspr. hier vch? E. 234 51. In exaltacione sancte crucis. Sant Paulus sprach: 'die Götz sint, die hant ir fleisch gekrützget mit allen sinen lüsten'. Dise müssen gezemt und uf gehalten werden. Das ander das ist die zürnende kraft, das man sich in allen dingen gelossen künne und in alwegen dunke das ein ander rechter habe denne er, 5 und weder stritig noch kibig si; sunder man sol sich leren lossen und stille sin und gütlich in guter gütlicheit, wo der wint her weiet. Ein mensche sitzet in einer samenunge, und do sitzent etliche und klaffent und engeswigent kume iemer. Liebes kint, do bi solt du dich leren lossen und liden und keren dich zu dir selber. 10 Das ein mensche ein kunst solte künnen und ir nüt enwolte leren: solt ein mensche ein schirmer werden und enwolt es nüt leren, er möchte grossen schaden tun ob er des Werkes ane die kunst begönde. Also in aller widerwertikeit sol man leren striten. Die anderen zwo krefte do das krüze durch geborn sol werden, die 15 sint subtiler, das ist durch die Vernunft und durch die gelüste des geistes inwendig; und alsus, kurtz geseit, durch den uswendigen und inwendigen menschen sol diser aller minneklicheste gekrüzigot Christus geborn werden in uns und usser uns: so werden wir wider in in geborn in der frucht sines geistes, als geschriben stot: [80"J 'ir süllent sin als nüwe geboren kinder'. 20 Lieben kinder, lebent ir alsus, so hant ir alle tage kilwi in üch, und üch werdent alle üwer sünde gantz vergeben in diser geburt des heiligen krüzes. Das wir dem minnenklichen krüze das Christus ist, also müssen anhangen, das er ane undeiios in uns nüwe geboren werde, des helf uns 25 Got. Amen. 52. Transite ad me omnes qui coneupiscitis me et a generacionibus meis adinplemini. Kinder, ich seit üch in der nechsten bredie von disen worten die die ewige wisheit sprach, und die liset man von unser fröwen, der wirdikeit 30 und ere nieman mit enkeiner wise noch worten usgesprechen enmag, wan si übertriffet alle sinne mit wirdikeit. Kinder, ich han geseit wise und werk die dar zu von not müssent gehören dem anhebenden menschen, das er kome in den weg der worheit, und 1. Gal. 5,24. 5. vor stritig: weder eingeschoben mit Verw. a. B. (vom Sehr.?) JE. 6. sein Druck, f. E. 7. sitzte: die Einschiebung des t (v.j.IL?) deutlich vor dem e: wohl Versehen für sitzet? E. sitz allein, oder T Druck. etliche: et auf Ras. E. 26. Dieses Stück fehlt in S. Eccl. 24, 26. 52. Transite ad nie omnes qui concupiscitis me. 235 denne was dem zünemenden menschen zu gehört, und denne wie der volkomene mensche, als verre als man hie volkomenheit mag nemen, wo der mensche gelende und weles sin ende si. Und han geseit wie der anhebende mensche müs von not allen dingen abscheren die groben unreinen har der groben stünde, als unküschkeit und 5 gritkeit und hofart, zornikeit und die weltliche italkeit der herzen mit aller affechtiger gelust an allem dem das creatürlich ist, es sin creaturen lebendig oder tot. Kurtz geseit: so wel mensche sich nüt mit einem verwegenen gemüte und ganzem willen zu Got enkert, das er Got in sinem gründe [81 r ] welle minnen und meinen für alle ding: wirt er in dem funden, er enkumet zu 10 Gotte niemer, und tete er och als vil guter grosser werke als alle die tunt die lebent, und hette och als gros Vernunft und spreche mit engelschen zungen und liesse er sinen lichamen durch Got verburnen und gebe alles sin gut den armen, als Sant Paulus seit. Nu wie hant die ir minne und willen zu Gotte gekert die ir herzen mit frijem willen und ir lust kerent zu den creaturen, die 15 si wissent das si die stat bekümbemt do Got inne wonen solte, und im das benement wissentlichen: so enist och Got umbe die werk nüt, als er des herzen und der minne beröbet ist. Was süllent im die sprüwer, so ein ander das körn hat? Als nu dise groben har ab sint geschorn an dem anliebenden menschen 20 mit dem scharphen isenin flisse von dem ich me geseit han, und der sol ge- scherphet sin als ein scharph scharsach und sol gewetzet und gescherphet sin an die gros gerechtekeit Götz, die ewfein wörtelin noch enkein lüstlin lat, wie klein das iemer gesin mag, ungerochen, und an die verborgenen grüwelichen urteil Götz, das nieman enweis wie es ime ergon sülle, wan im unbekant ist 25 ob er in Götz zorne si oder in sinen hulden. Als nu diser mensche dise böse untugende alsus ab geschorn hat in sinem beginne, so sol er denne der schösse har war nemen, das ist die ge- nügklicheit die ime von langer gewonheit sint in dem gründe he[81 Gliben von der böser gewonheit: die entschuldigent sich und wisent sich als es sin 30 fugende, und sint valsche schine, da hofart in dem gründe lit verborgen. Und uian went überwunden han: do blibet denne flis der kleider und des geliches gescheffede, und das heisset man reinikeit und lust an allen sinnelichen dingen, spisen und trankes; das heisset man ein notdurft. Denne sint etliche nienschen so zornig und grimmig und wellent ein ieklichen berichten und sint 35 2. wo d. in. f. Druck. 4. allen dingen: die 2 Schlufs-n rad. (wohl irrtüml.) E. 8 - so rad., aber lesb. E. 9. enkert: en rad. E. zwischen gründe und welle urspr. meinende: erst de rad. und zwischen welle und minnen ein vS übergeschr.; dann meinen gestr., aber vil belassen E. 14. s. E, sprach Druck. 15. die (nach er.) JE, so Druck. 16. d. sy die stat uekümmern Druck, das die stont beküinbert E. 21. der Druck, die E. 23. kein w. Druck, «n w. E. 31 /. Vnd wo man Druck. 236 52. Transite ad me omnes qui concupiscitis me. als grüwelichen beswinde, und das heissent si ein besclieidenlieit und ein ge- rechtekeit. Und do luter tragheit ist, das dunket man dicke, es si kranklieit. Kinder, verblibent ir an delieinem diser gelicli und flogiert denne in üwerre eigener beheglicheit und gut dunkliclieit und in üweren vernünftigen 5 hohen Avisen und Worten: und als ir an das ende konient, so kumet der tüfel und fürt üch mit ime, die nu gar wol dar an wenent sin, sunder liehen die mit der verborgener hofart, und das under einem schine von demütkeit und in ir vernünftiger wise: die gehörent recht under Lucifers baner. Und ie hoher si sint in ir eigener gutdunklicheit, ie tiefer si in den grünt vallent. 10 Kinder, sehent für üch: es enstot nüt an kleinen dingen. Soltent ir in einer heissen Stuben nacht und tag ligen, es solta üch ze swere dünken: ich Josse ston enmitten in der glitt manig jor oder eweklichen. Kinder, kerent üch in üch selber, wan das rieh Götz das ist in üch. Sehent wo mit ir umbe gont und wo ir [82 r ] beliben sint mit allem flisse, und 15 sehent in den grünt und in die neiglicheit von aller der gewonheit. Wan stot ein mensche in einem gebresten ein jor oder zwei, der gebreste der wurzelt also tief in den menschen das der mensche mit allem seinem flisse kume den gebresten überwinden mag. Dar umbe solten sich junge lüte also flisseklichen hüten das der gebreste ir bösen wurzellen nüt in si enkeme, und brechent den 20 gebresten mit dem ersten: so wer es liht ze tünde engegen dem das es im dar nach wirt. Und sunderlingen sol man vier ding war nemen mit allem flisse in vier kreften, da gar gerne und unprüflichen gar schedelichen böse locke inne wachsent. Das erste das ist die lustlicheit uswendiger sinnelicher dinge: die lit 25 in der begerlicher kraft. Kinder, wie schedelichen die lüte gemeinlichen da mit belibent, das enkönde nieman geworfen. Alle menschen die och gerne gute menschen weren, beginnent dis und des und gont alles mit den sinnen umbe und entblibent also der luter worheit und enkoment in sich selber nüt, und ir inwendikeit die blibent in vor beslossen recht als ein verre 30 fremdes ding, das do tusent tusent mile verre ist, und uswendige sinneliche ding die sint in alles inne, und alsus belibent si und entgont in selber, das si nüt enwissent wo si dar an sint. Die ander.kraft das ist die zornliche kraft: die gebracht man gar un- ordenlichen; die ensol nüt uswürkens han denne in die ding die Gotte wider 35 weren, und ist ein gar edel [82"J kraft in ir selber. Aber dar in wachsent gar böse har in manigen menschen, das si mit swindikeit uf ein ieklich ding un- 1. geschwind Druck. 3. deheine (lies deheinen?) v. j. IL. (?) in einen freigelassenen Raum eingetr. E. 3 f. glorieret vff eüwer eigen geuellikeit vfi g. Druck. 5. und (vor als) f. Druck. 12. nach losse kl. Rasur; urspr. lossen? E. 15. Wan: a aus o v. j. H. korr. E. 19. vmd br.]' sy solten brechen Druck. 20. so wer und liht v. j. IL auf Ras. E. es (vor im) f. Druck. 27. urspr. so heg. si dis; dann so und si rad. E. 28. entblibent v. j. H. auf Ras. E. 34. nach ensol Ras.; ebenso o auf Ras.; urspr. ensüllent? E. 52. Transite ad nie omnes qui concupiscitis me. 237 ordenliclien vallent und mit einer valscher gerechtekeit. Si wellent die lüte und die wisen und die werk richten, und si triegent sich selber und ander lüte mit irre ungestümkeit und herter zornikeit ungelossen in rügenden sweren pinlichen ärgerlichen Worten. Der dritte schade der hebet sich in der vernünftiger kraft, das do inne 5 manig mensche belibet gar schedelichen, und verlossent sich uf ir Vernunft und flogierent do inne und vermissent da mit der vernünftiger worheit der lebenden weselichen worheit, Wan do mit das man die worheit bekent, dar umbe enhat man ir nüt, als sicli manig mensche selber trüget und wenet es habe, als es einem in der Vernunft vor spilt, und ist im hundert mile verre 10 und vermisset des edelen Schatzes do mit: das ist ein tief versinkende demüt- keit in dem valschen schine vor im selber und och anderen lüten. Der vierde schade das ist die inwendige lustikeit die man nimet in dem geiste. Kinder, dise wise richset sere in vil menschen und werdent in dem 15 guten schine betrogen, das si lust me zühet denne götliche minne, und nement den lust für Got, und das si wenent das Got si, das ist ir lustkeit. Wan ver- gienge der lust, so vergienge och der flis. Kinder, sehent für üch: wan vil dicke schint manig ding als es kome us götlicher minne, [83 r ] das also manigen züval hat das die genügde und der 20 smak und das bevinden me reisse denne man went, und kumet etwenne von nüwer beweglicheit oder von neiglicheit, von vorchteu der helle und begerunge selig ze sinde, des der mensche von naturen begert. Wissent: wo Got nüt gemeint enwirt, des ensol er och kein ende noch kein Ion sin. Kinder, dise ding alle, als ir gehört hant, die müssent mit einem 25 scharphen flisse, der isenin si, ab geschorn werden. Den flis, das scharsach sol man wetzen an die strengen urteil Götz und an sine unbewegelichen gerechtekeit, die enkein ding under enlot gon. Als nu dise uswendigen groben gebresten ab geschorn sint, so blibent doch in dem gründe der neiglicheit die bilde der vorgegangener gewonheit; 30 die sol der mensche vertriben mit den minneklichen bilden unsers herren Jhesu Christi und sol recht einen val mit dem anderen us slahen und sol die als innerlichen mit grosser andacht in sich ze gründe trucken und ziehen, das alle ungelicheit in im verwerde und verlösche. Sit dem male das Got hat gegeben das wort das stein und krut macht 35 habent vil grosse suchte ze vertribende: wele macht wenent ir denne das der 3. rügende (g auf Ras.) gestr. und mit Verw. a. B. v. j. II. wiederholt rügeden E. 7. glorieren Bruch. da v. j. IL übergeschr. E. 9 f. wenet er hab es alles vili das, daß es im in d. v. Druck. 15. richset (v.j.H.?) auf Bas. (vgl. 231,21; 232,21) E, herschet Druck. 16. zwischen zühet und denne gestr.: vnd niht E. 34. ™ r werde: ver nachtr. {v.j.H.?) mit Einschubzeichen übergeschr. E. 35. dz (vor stein) siv. u. r. durchstr., dann unterpunktiert E. 238 52. Trausite ad nie omnes qui concupiscitis me. lebende Gottes sun habe alle suchte der seien ze vertribende mit sinen heiligen bilden und mit sinem lidende und mit sinem bitterlichen tode? Wan nu der mensche von im selber nüt envermag, dar umbe sol er das wirdige liden üben als in gebettes wise, also das man gar innerlichen sol 5 [83 v ] sich legen für die füsse des himelschen vatters und bitten durch sinen ge- minten sun und durch einen ieklichen pnncten sins lidens das er im helfe, wan man sunder in nüt enkan getün. Man sol sich reht wennen das das wirdige liden und die minneklichen bilde niemer von des menschen herzen enkomen und das kein frömde bilde enkeine stat do nüt vinden enmüge. Und dar nach 10 sol man den grünt und das gemüte uf erheben an die gloriose hohe gotheit die sol man mit grosser demütiger vorchte und verlöigenender Avise an seilen. Und der sin vinster eilende umbekentnisse also Got für leit, denne verstot er das Job sprach: 'der geist der gieng vor im'. Von disem vorgange des geistes so wirt ein michel gerümel in dem menschen. So der Vorgang klarer und 15 worer und blosser ist, so das werk und die triff und die umbekerunge des menschen swinder und starker, sneller, worer und luterer ist und der mensche sin verbliben bioslicher bekent: und denne kumet der herre in einem snellen blicke und lüchtet in den grünt, und wellent do selber Werkmeister sin. Und wenne man des gewar wirt das der herre do ist, so sol man im das werk 20 lossen lideklichen und sol im firen, und alle krefte süllen denne swigen und im ein stille machen, und denne weren des menschen werk ein hindernissen und sine guten gedenke. Aber denne ensol der mensche nüt tun denne das er Got lide; mer: aber als der mensche denne im selber gelossen wirt und Götz werks [84 r ] in bevintlicher oder bekentlicher wise nüt me in im gewar 25 enwirt, denne sol der mensche aber selber würken mit sinem heiligen flisse und tun sin heilige übunge. Und alsus so sol der mensche etwenne würken, etwenne rasten, nach dem das er von innen von Gotte getriben und vermant wirt, und denne ein ieklicher nach dem das er bevint das in aller meist zu Gotte reissen mag, es si in würklicheit oder in stillin. Der nüt mit 30 lidikeit innerlichen enkan, der kome dar mit würklicheit heiliger bilde und übunge und alsus das man werde gewurzelt in der heiligen minne und gefundiert, das ir mügent begriffen mit allen heiligen, als man nu liset, wele si die höhi und die lengi, die tieffi und die breiti. Kinder, dis ze begriff ende das ist unmügelich; aber es ist mit minne 35 und mit luter meinunge dran ze hangende; do sol dis gemüte uf swimmen in die höhi der über weselicheit und über klimmen alle nidere sinneliche ding 6. im v. j. H. auf Ras. E, urspr.: vns? 9. do nüt gestr. E. 11. an sehe v. j. IL mit Venu. a. lt. E. 13. Job 4,15. 14. gerümel E, grolle (= grüwel) Drude. 15. vnd die krefft Bruch, in die tr. E. 16. vnd so d.; dann so rad. E. 18. wil des selben wereks meyster s. Druck. 21. hindernisse so E. 23. mer f. Druck. 28. d. alsus ein; dann alsus gestr. E. 35. schwingen Druck. 52. Transite ad me omnia qni concupiscitis me. 239 und an sehen das Got, der alle ding vermag, vermochte des nüt das er ein creature so edel machen mochte, das der hochen weselicheit sins wesens mit irem natürlichen verstentnisse iergent nach gelangen mochte oder bekennen mochte; denne die tiefte des gütlichen abgründes das ist unervölgig allen ver- nünften. Aber der tieffe sol man volgen mit einer vertieffeter demütkeit. Dar 5 umbe unser fröwe versweig alles des grossen gütz das Got in si gegossen hatte, und sprach von ir [81 v ] grundeloser demütkeit, daz si dar umbe solten selig sagen alle gesiechte, wan der herre het die alleine an gesehen. Denne die. breiti Götz die sol der mensche verston in der gemeinen minne, das sich Got git in allen stetten, in allen landen, in allen wisen, in allen werken die 10 gut sint. Es enist enkein ding als gerecht und als gemein als Got noch als nach in dem innersten gründe: wer in do suchen wil, der vint in och. Alle tage vinden wir in in dem heiligen sacramente und in allen Götz frunden und in allen creaturen. 15 Diser breitin sol man volgen mit einem nissigen innigen lidigen gemüte und unbekümbert mit allen anderen dingen und ergeben sich dem gegenwärtigen Gotte inwendeklichen mit allen kreften: do wirt dem menschen gegeben friheit des geistes und überweseliche gnade in einem erbebende des gemütes über alle die bilde und formen in einem erswingende über alle 20 geschaffene ding. . Hinnan sprach S. Gregorius: 'süllen wir komen in ein bekentnisse der unsichtlicher dinge, so müssen wir übertretten die gesichtlichen ding'. Denne die lengi das ist die ewikeit die einkein für noch enkein nach enhat, denne es ist ein stille umwandelber, nu do alle ding engegenwürtig sint 25 in einem steten unwandelberne ansehen sins selbes und in im alle ding gegenwürtklichen: dem sol der mensche volgen mit einem steten unwandel- heren gemüte, mit einem in versunkenem gemüte unwandelber/8.'5'71ichen in Got, und getrosten sicli liebes und leides und aller creaturen, das man des sich in Gotte müge getrösten und ze friden bliben und lossen alle ding Gotte. 30 Und alsus wirt das edel wort volbracht: Transite, das man aller dinge über kumet, und wirt volbracht mit der gütlicher geburt. Diser minneklichen jung- fröwen süllen alle menschen grosse ere erbieten, wie hoch si iemer künnent; si süllent ir ie ein zit und ein mosse geben si ze erende und ir ze dienende. Das wir ir nu alle also müssen volgen, das wir mit irre geburt erfüllet 35 werden, des helf uns Got. Amen. 2. hoch 1 " 1 : en übergeschr. E- 3. nach mochte Verw. v. j. II. , aber ohne eine entsprechende Randbemerkung E. 7. dem. vnd dar; dann vnd gestr. und dafür v. j. H. daz si übergeschr.; nach solten ein si rad. E. 22. S. G e G' E. 25. nu (v.j.H.?) auf Bas., urspr. Nu? E. nu do] darin Druck. 32 f. j. der s.; dann der rad. E. 35. al so; al nachir. (v.Schr.?) übergeschr. E. 240 53. Fratres, obsecro vos ego vinctus in domino. 53. Fratres, obsecro vos ego vinctus in domino. 'Brüdere, ich gebunden mensche in Gotte, ich bitten üch das ir wirdeklichen wandelent in der ladunge als ir geladen sint, mit aller demütkeit und senftmütikeit, und mit gedult vertragent ein andern in der minne. Sint 5 sorgveltig ze behaltende die einikeit des geistes in dem bände des friden, ein licham und ein geist, als ir gerüffet sint' et c. Kinder, in disen werten, das nun herre S. Paulus uns bit das wir wirdeklichen wandelen sollen in der ladunge, in dem rüffe als wir gerüffet sin, do an sint ze prüvende vier ding. 10 Das ein ist: wer der ist der uns hie ruhet und ladet. Das ander ist: war zu er uns ruft, war er uns haben welle. Das dritte ist: weles sin ruf si, wel wise er her zu habe. Das vierde ist: wie man wirdeklichen volgen sülle disem rüffe in diser ladunge. 15 Nu zem ersten: [85 v ] wer uns raffet, das ist der himelsche vatter; der ruft uns mit allem dem das er ist, hat und vermag. Das ladet und locket uns: sin guti, sin minne, sin edel wesen: das ladet uns alles zu im und in in. In der worheit: Got ist so not nach uns als ob alle sine selikeit an uns gelige. Und sin wesen, alles das Got der vatter gemacht und geschaffen 20 hat in himel und in erden mit aller siner wisheit und gute, das hat er alles dar umbe geton das er uns do mit wider rüffe und lade in unsern Ursprung und wider brechte in sich. Und alles ist dis ein luter rüffen zu unserm beginne. Ein meister sprach: 'alles das Got ie getet oder iemer getüt, das hat 25 er dar umbe geton das er die sele wider brechte und das si sinen ruf hören wolte und in minnen wolte'. Nu das ander wort ist: war zu er uns ruffe. Das ist: zu sinem geminten sune, das wir sine brüdere sin und mit erbe sins suns. Er ist der erste und der höchste mider den brüdern und hat das an geborne erbe von 30 nature, und wir süllen sin mit erbe von gnaden. Und dar zu ruft er uns, das wir sinen bilden nach volgen; wan er ist der weg durch den wir gon süllen, 1. in S (Stück 55) zu der Überschrift: 'Eph. 4, 1—6', dann: Die bredige usser sant Paulus epistele dos sübenzehensten sunnendages seit von drier bände lüte den got ruffet und oueb wie ieglicbe wandelen süllent in iren greten, die ersten in den gebotten, die andern in den reten, die dirten in einikeit des geistes. 5. sorgsam S. 7. das (vor min)] also S. 10. hie f. S. 11. r. und warzu 8. 13. würdeclichen 8, wirklichen E. 17. sin g. — 1. uns f. S. 18. n. alle zit n. 8. 22. r. vnd z.; dann vnd gestr. E. 25. w. bringe und wider brechte das sü S. 20. m. solte S. 28. 30. miterben S. 31. n. volgeteut S. 53. Fratres, obsecro vos ego vinctus in doinino. 241 und er ist die worlieit die uns in dem wege richten sol, und er ist das leben das unser ende sol sin, und nach unser mügelicheit, nüt alleine mit gedenkende und dankende, sunder mit tugen tlichem lebende und gedultigem lidende. Das dritte: weles der ruf si und wenne er ruft. Der ruf [86 r J der ist 5 maniger künne, do Got dem menschen mit ruft: inwendig in dem gründe do ruft Got dem menschen an underlos mit maniger manunge und och mit innerlicher warnunge nacht und tag, und herten straffungen von innan und och von ussen mit allen den ufvellen die er über den menschen verhenget, die in maniger wise koment: nu liep, nu leit; das sint alles die starken stimme do Got dem 10 menschen mit ruft. Wer das der mensche den süssen senften rüffen volgete, so endorfte er der maniger herter stimme mit von als manigem liden und von als manigen ufvellen. Das vierde wort ist: wie wir wirdeklichen wandelen stillen nu mit aller gedult, mit demütkeit und senftmütikeit et c. 15 Nu süllen wir hie prüfen wem Got rül'l'et; das sint drijer leije lüte. Das sint zu dem ersten anhebende lüte; die werdent gerüffet in den nidersten grat. Dar nach zünemende lüte in den anderen grat. Das dritte das sint volkomene lüte und die in den obersten grat der 20 volkomenheit. Und dis ensol niemaii von im für übel haben, wan er ist der herre und mag tun das er wil: das wir mitformig werden sins einbornen natürlichen suns und werden sine wunneklicheste kint. Nu süllen wir brüven was wir tun süllen zu disem rüffe. Etliche ding die sint uns gebotten und etliche die sint uns verbotten. Die ding die uns 25 gebotten sint, das ist das höchste gebot: das wir Got vor allen dingen süllen minnen. Dis sprechent vil lüte, si minnen Got über al; aber si wellent der dinge [86 "] nüt lossen die si in ir minne und meinunge tieffer vindent denne Got, und hant me lust und genügde do inne denne in Gotte, und hindert si 30 a l ze mole an der götlicher minne. Des sehen si wie si Got minnen. Das ander: du solt minnen dinen nechsten als dich selber, das ist zu dem selben gute do du dich selber niinnest. 6. 10 f. mit dem g. (1. in. r. S. 8. vnd mit h. str. Druck. 10. alles f. S. 11- den] dem: der dritte m- Strich rad. E, dem 8. 12. bedürfte S. der herteu stimen n. S. v on beidemal darüber und daneben eingeflickt E. manige E. 12 f. mit also manigem 1. n. »it also m. S. 14. wie] das S. 16. Hie s. w. p. 8. leije] bände S. 17. Z. d. e. sint es a - 8. 19. die zünemenden in S. 19 f. gr.; die vollekomeuen in d. o. S. 20. den] de E. 22. t. und Ion das S. wil. Er wil das S. 23. naturl. /'. 8. w. s. minnenklicben k. S. 24. 25. etliche: et auf Ras. E; urspr. süliche? 28. hier a. B. no {wie oben 229,11. 231,21). 1 das sti g. m . S. 29/'. meinunge v. me d. g. S. Deutsche Texte des Mittelalters XI. }ß 242 53. Fratres, obsecro vos ego vinotus in domino. Du solt vatter und müter eren, das meint: alle die ob dir sint. Du solt dines Gottes namen nüt unwirdeklichen in dinen munt nemen. Du solt dinen virtag halten. Das sint die ding die gebotten sint, die wir von not tun müssen, süllen wir behalten werden. 5 Dis sint die ding die uns verbotten sint, das ist: du ensolt dinem nechsten enkeinen schaden tun weder an libe noch an gute noch an eren, noch mit Worten noch mit werken. Noch ensolt enkein der dinge begeren die sin sint, und du ensolt nüt unküsch sin. Dis sint du vier gebot; der ist me, und sint doch alle hie inne 10 beslossen. Kinder, wissent: weler mensche disen weg recht gat und in dem woren rechten geloben undertenig und gehorsam si der heiligen kilchen nach rechter ordenunge, so ist es der niderste grat in dem man dem rüffe Götz volget. Und die disem recht tünt, die sint in dem wege sicher zu Gotte ze körnende, 15 als alles das abgebrant ist in dem vegfüre, das si hie inne nüt luterlichen gelebt hant. Nu ist ein ander hoher grat, das heisset der rat Götz, und der ist vil noher, und die menschen die dem rate volgent, die koment vil und verre [87 r ] über dise menschen. Und dis siut die wege der tilgende, als küscheit des 20 lichamen und armüt und gehorsamkeit. Dirre ruf ist vil höher und anders wan der erste mit den gebotten. Nu das disem rate Götz in disem rüffe wol und recht gevolget werde, so hat die heilige kilche von rate des heiligen geistes geistliche samenunge und orden gemacht, das man do inne dem rate Götz gevolgen müge. Und dise 25 habent vil gesetzde und die gont alle her uf. Und wel mensche sich mit willen und mit beratenem mute in dise ordenunge gebent: bricht es dis bant, des nimet sich die heilige kilche an ze richtende. Aber uswendig disem ob sich ein mensche Gotte verbunden hette und neme dar nach einen man, des gebottes rieht die heilige kilche nüt, und Got müs das richten und 30 würken selber. Nu ist dise minnekliche wise sere verkert und verdorben in dem meisten teile, das die geistlich schinent, die hant weltliche herzen, und etliche weltliche hant geistliche herzen. Von disen sprach S.Augustinus: 'vermaledictet ist der mensche der irre 35 gat in Gottes wege'. Dis ist der weg Götz, do der mensche in gerüffet ist Gotte und sinem rate ze volgende. Ieklichs sehe für sich wie er in disem 2. in d. munt f. S. nemmen S. 5. So sint dis d. d. die S. 7 f. werken, noch begeren enkein ding das sin sige S. 12. in der heiligen kilchen vor undert. nachtr. gestr. E. sin E, ist S. 13. so ist es v. j. H. auf Bas. E. 18. noher] höher S. vil und v. f. S. 19. küschj E. 26. gemüte S. m. sich in; sich nachtr. gestr. E. 32. etliche: et auf Bas. E. 34 S. Aug' E. vermaledictet auch S. 53. Fratres, obsecro vos ego vinctus in domino. 243 wege sicherlichen wandele und der ladunge Götz als gewerlichen volge das er nüt sunder das brüte kleit enwerde funden an dem tage der beschöwunge, und nüt in die usserste vinsternisse enwerde geworffen. Ein ieklichs sehe ocli mit offenen innerlichen ögen weles sin weg si, [87 v ] und denne inwelen in Got welle von disen drin wegen, do ir ab 5 gehört hant. Nu enkoment ir in ücli selber nüt noch enwissent üwers rüffes nüt, und hütte beginnent ir eins und morn eins anderen, als ir hörent oder sehent von ussen und üch durch die sinne in kumet, und das enist üwer ding nüt. Und dannan von enblibent ir da bi nüt und enwirt nüt drus, alles blinde- io üngen. Wissest das eins menschen leben das ist des anderen tot. Kerent zu üch selber und sehent wo mit ir umbe gont, und enver- sument üch selber nüt. Wissent das manig mensche enmitten in der weit ist, und hat man und kint, und sitzet etlich mensche und macht sin schuhe, und ist sin meinunge zu Gotte sich und sine kint generen. Und etlich arm mensche 15 us einem dorffe gat misten und sin brötlin mit grosser surer arbeit gewinnet. Und disen allen mag geschehen, si süllen hundert werbe bas varn und volgent einvelteklichen irem rüffe, und das ist doch ein kleglich ding. Dise stont in der vorchte Götz in demütkeit in irem armüte und volgent irem rüffe einvalteklichen. Armer blinder geistlich mensche, sich für 20 dich, uime dines rüffes mit allem flisse von innan war, war dich der himelsche vatter haben Welle, und volge dem und engang nüt irre in sinem wege. Der höchste und der oberste weg dis rüffes das ist nach ze volgende den minneklichen bilden sines aller gemintesten suns uswendig und in- [88 r ] Wendig, in würklicher wise und in lidelicher wise und in biltlicher oder in 25 schöwelicher wise über alle bilde. Und wer disem aller luterlichest und aller bloslichest nach volget, der ervolget das aller oberste und das aller höchste zu. Und hie an süllent ir üch selber bekennen, wie nach, wie verre ir sint disen bilden. Ir süllent och innerlichen volgen und suchen das bilde inwendig, da es 30 lebt in dem gründe weselichen und würklichen. Von disem ingange stot geschriben in Ysaia: 'du solt mich vatter heissen; ich han dich hütte geborn, und ensolt nüt uf hören in ze goncle'. Das ist als vil gemeint das du ane underlos solt in gon. Du ensolt nüt ufhören in 1. vii mit blasserer Tinte leorr. aus in E; und auch S. 5. urspr. denne das in; dann das gestr. und mit blasserer Tinte inwele übergeschr. E. 5 f. u. neme war in welem in g. haben w. uuder d. dr. w. als ir geh. h. S. 7. enkunnent S. 10. enblibent: n rad. E. urspr. dar: r rad. E. 10 f. alles —wissest] und 8. 11. 1. ist, das i. S. 12. K. üch z. u. S. 15. etlich: et auf Bas. E. 16. nisten S. surer f. S. gewinnen S. 17. d. mag alsf o g. S. 21 f. d. h. v.] got S. 22. in dem wege gottes S. 26. disen a. luterlichesten S. 28. erkennen 8. nohe und w. S. 29. disem bilde ■ l II. zugesetzt E. es v.j. H. übergeschr. E. 18. alsus f. S. 19. recht, f. S. 21. wore f- S- 22. inne en (v. Sehr. ?) auf Bas. (worauf am Zeilenanfang dent) E. inne f. S, an 80. nieinent S, urspr. (irriüml.) nement, dann unvoUst. leorr. neinent E. 29. hevintliche S, hevintlichen E. 30. urspr. hekent; dann v. j. II. am Schlufs e übergeschr. und aus dem ersten e ein a. gemacht E. 31. dis V. j. IL korr. in das E. 33 f. B'n E. 248 54. Diliges dominum deum tuum. die dritte heisset er ein starke minne. Diser drijer leije minne die süllent ir brüven in eime gelichnisse von drijer leije bilden. Das eine das ist ein hültzin bilde und ist über giilt. Das ander das ist ein silberin bilde und ist och über gult. 5 Das dritte das ist ein bilde von vinem luterem golde. Das hültzin bilde das ist die süsse minne. Und das silberin bilde das gelichet sich der wisen minne. Aber die starke minne die gelichet sich dem güldin bilde. Die erste sinliche süsse biltliche minne die ist gelich dem hültzinen 10 bilde: das sieht man och etwenne mit grosser lust, [Ol"] so es wol geformiert und gebilt ist und übergült ist. Aber als man das golt ab geschabet, so were es kume zwelf phenning wert. Also ist mit diser süsser biltlicher minne: die ist übergült mit einer guter meinunge. Als man die alleine ab geschübe, so were, Avas do blibe, 15 harte kleines Schatzes wert; aber es ist gar lustlich den sinnen in der naturen. Aber Got zühet und reist mit alsolicher süssikeit den menschen fürbas in einen- fürgang das die wore minne mit disem bevinden zu lege und in ime gebilt und geboren werde und also mit dem smacken in ime verlesene smak und lust der creaturen und aller ander dinge. Aber der mensche ensol dis nüt ver- 20 werffen, und solt dis mit erwirdiger vorchte und demütkeit nemen, und solt es siner kleinheit und snödekeit an schriben, das man in dar umbe alsus locken und reissen müsse, und sol her durch gon durch die bilde in in über bilde, durch die uswendige sinliche übunge inwendig in sich selber in den grünt, do das rieh Götz in der worheit ist. Wan man vint manigen menschen der vil wol 25 mit der biltlicher wise kan und do grosse wollust inne hat und den ir in- wendikeit vor beslossen ist: recht als ein isenin berg, der enkeinen weg inne hat. Das kumet in von unÜbungen und och dannan ab das si ze vil ver- blibent uf disen sinlichen bilden und do bestant und nüt für in koment und enkeinen durbruch tünt in [i)2 r ] den grünt do die lebende worheit liichtet; 30 wan man enmag mit zwein herren gedienen, das ist den sinnen und dem geiste. Her nach kumet die ander minne von der S. Bemharäus schribt, die er nemmet ein wise minne, das ist: ein vernünftige minne. Kinder, dise minne die ist über die erste wunderlichen verre. Und 35 dise geliehen wir dem silljerin bilde über gült. Das ist in im selber als köstlich: wer es gros, man zierte ein gantze kilchen dermit. 10. 1. aber so; dann aber gestr. E. 14. w. es was; dann es gestr. E. 16. vnd zühet hinter reist gestr. E. l(i /: eime fürgange S. 17. leg zu lege ergänzt und darauf nüt Verw. a. IL (v. Sehr.?, aber blasser) vli (?) zugefügt E; zu letst in im Druck. 17 f. geb. und geformet werde u. geb. w. S. 18. werden: n rad., aber lesb. E. dem S, des E. 19. naturen S. 20. sol S. es v.j.IL übergeschr. E. 21, in S, im auf Bas.; urspr. in? E. 22. ein in /'. S. 26. inne] in ime S. 28. in koment E, enkumment S. 32. B'n E. 30. d'mit E: l. darmit? 54. Diliges dominum deum tuum. 249 Also ist die edele vernünftige wise minne ein gar edel kostber wunneklich ding. Nu brüve, liebes kint, wie du her zu komen solt. Du solt din gemüte in keren an ewige ding: als du vor alles dachtest an die biltliche wise, es wer an die geburt oder an die wise und werk, also ker dich nu an die inwendige 5 wise und werk, an die ewige geburt: wie das ewige wort wirt geborn in dem vetterlichen herzen, usgeborn und inne blibende, und wie der heilig geist us- tringet und us blüt in einer unsprechelichen minne und in einem wolgevallen, und wie das götliche wesen in drin personen ein einvaltig luter einikeit ist. Dar in gang; trag din Unwesen und din vernütkeit und dine manigvaltige 10 zerströwunge 'dar in und sich an die verborgene inwendige Verborgenheit, und dar engegen trag dine usseiiiche uswendikeit, und an sine ewikeit, die enkein für noch dekein nach enhat denne ein engegenwürtig besitzen in eime einzigen nu sich selber und alle ding in eime, [92"] und das unwandelberlichen; dar engegen trag die verflossenheit und unstetikeit diner zit und dins wandelberen 15 lebens und gemütz, das enkein stetkeit inne enhat. Und alsus zühet sich die minne bas uf in ein abgescheidenheit und wirt der wisen minne gelich und kumet über alle bilde und formen und gelichnisse und kumet alsus durch die bilde über die bilde. Kinder, dise wise minne die zühet des menschen gemüte verre von 20 disen frömden usserlichen dingen, das er ir rechte kumet als mer als in ein vergessen. In der ersten süssen minne do kert er sich wol mit arbeit von den dingen. Aber hie in disem enpfallent im die ding und versmehet die ding und wirt in im geborn recht ein urdrutz und ein unwertikeit zu allem dem das unordenlich ist, und dis treit din gunst vil naher uf und von den dingen die 25 zitlich sint, denne vil grosse uswendige übunge. Kinder, hie wirt der mensche naher in geborn und sieht an das goüiche _vinsternisse . das von überflüssikeit der unbekentlicheit und ansen- licheit vinster ist allem geschaffenein verstentnissc, engele und aller creaturen, also als die sunne die ögen des menschen vervinstert von ir klarheit, und als 30 S- Dyonisius schribet das Got ist über alles das man im zu gelegen mag von namen oder von wisen oder von bilden, iiberweselichen über alle ding. Als der mensche dis gesmakt innerlichen, das tut in versinken und versmelzen in sin eigen [93 r ] nicht und in sin Kleinheit ; wan so im ie kler- licher und bloslicher in lücht Gottes grosheit, so im ie bekentlicher wirt sin 35 5. an die in die, sodann die in gestr. E. 7 f. usstringet S, ustrug E 89. usblüt 89. 11. dar in v. j. H. übergeschr. E. an sich mit UmsteMungseeichen E. 12. die] d>e E. 13. engeg..- en nachtr. rad. E, gegenwertig S. 13 f. einz. nüwen. nu; wen nu und das \\-Zeichcn rad. Jg. jg ; nne enn , j^ in ime h. S. 21. als mer als f. S. 24. w. ingeborn 89. 27. siht an S, an sieht E. 29. allen geschaffenen S. verstentnissen ES. engein S. al len S. 30. sunne E 89, sinne S. vervinstert E 89, vervinsternt S. der k. S. 250 54. Diliges dominum deum tuum. kleinheit und sin niclitkeit. Und do an sol man bekennen worheit dis gütlichen in.lüchtens das es ein weselich in Wehten ist gewesen, mit in bilden oder in die krefte, sunder in den grünt der seien, do an das der mensche tieffer versinkt in sin eigen nicht. Dis ist wider die frijen geiste, die mit iren valschen 5 liechtern wenent die worheit hekant hau, und swimment do mit uf in ir eigen beheglicheit und in ir gut dunklicheit und kerent den sin in in ir valscha lidikeit und sprechent us dem unserm herren unerlichen, ob man noch nüt über die bilde insi komen, und andere frije wort. Wissent, ein gut mensche enacht sich nüt an deheinen dingen über 10 komen, wie klein oder snöde das iemer gesin mag, so es gut si, und wie man och wol durch soliche ding kome, so sint si im doch als gemint und als er- wirklichen gemint als si ie wurden; er achtet sich under alle ding und über nüt komen. So koment si mit ir vernünftiger wise und flogierent, und als si üt wilder worte hörent bredien, die weder leben noch wise mit in inbringent, 15 denne hat man in das luterste gut geseit; so hört man als wol welich si sint. Aber die lebende blosse worheit der si vil notdürftiger weren, die ensmakt in nüt. Dis sint verblibende menschen; dise [9S V ] stont in irem natürlichen liechte und flogierent und enhant enkeinen durbruch geton durch das hoch 20 wirdige leben unsers herren Jhesu Christi, noch ir nature enhant si nüt durch brochen mit Übungen der tilgende und ensint nüt gegangen durch den weg...der woren minne; mer si stont in irem vernünftigen liechte und in inwendiger valscher lidikeit. Und das ist der naturen so lüstlich das si Stent in disem unverbildeten gründe in stillin und in rasten; das ist der naturen so in ge- 25 wurzelt, die raste und das gemach, das dar in die lüte ietzunt also gemeinlichen slahent das es den erbarmherzigen Got iemer erbarmen müsse, wan in diser kranker zit so enwil im selber nieman we tun; wan die menschen sint worden minner irs selbes. Mer die minneklichen menschen die recht gelangent in dise wise 30 minne, die türstet nach lidende und nach verkleinunge irs selbes und och der lere, de»- minneklichen, irs geminten herren Jhesu Christi nach ze volgende. Und dise envallent in keine valsche ledikeit noch in unrechte friheit und en- flogierent nüt; denne si sint klein und nüt in iren ögen, und dannan ab sint si Gotte gros und wert. 1. sin S, die E. 3. in S, f. E. do an das E, an dem S. 5. schwingen Druck. 6. den sin E 89, sich S. 7. spr. denne nz S. 8. in si E, insi 89, si S. 9. enhat S (l.: enlat?). hinter dingen: ä enkein rad. und gestr. E. 11 f. erwürdeklichen S, wurk- lichen 8.9. 13. das erste si] die falschen üppigen menschenn Druck. 14. mit E 89, nüt S. 27. urspr. kräk / heit zit; dann nach kräk (am Zeilcnschlufs) das er- Zeichen gesetzt und heit sie. u. r. gestr. E; kranken z. S. 30 f. u. noch der minneclichen lere i. S. 31. dem m. E. '62 f. glorierent Druck. 54. Diliges dominum deum tuum. 251 Denne kumet die dritte, die starke minne, das ist die weseliche minne; bi der nemen wir das fin luter golt. Kinder envint sich der mensche in diser minnen enkeiner und envint er in sime gv'im[94 r ]äe enkeine, so sol er wissen das es gar sörgklichen und engstlichen umbe in stot, und die mügent wol weinen nacht und tag. 5 Kinder, dis golt das wir bi diser minne nemen, das ist so gepaliert und glisset, das man es vor siner klarheit kume mag an gesehen. Der glantz ist den ögen ze stark. Also geschieht dem geiste in diser starken minne der gegenwiirtkeit des herren. Und die Wehtet so weselich dem gründe in das des der geist nüt 10 erliden enmag von siner menslicher krankheit, und müs do von not versmelzen und wider uf sin unvermügen geslagen werden. Und denne enhat der geist enkein enthalt denne das er versinke und ertrinke in das gütlich abgrunde und in dem sich verliere, als das er von im selber nüt enweis, und denne der götliche fürwurf der äirre starken minne antwürt, die ist im ze liberswenkig. 15 Und denne tut er recht als Elyas tet, do er stünt in der türm der Mlin, das was in siner menschlicher krankheit in der türin der gegenwürtkeit Götz. Do tet er den mantel für die ögen, das ist: der geist enphellet hie sinem eigenen bekenntnisse und sines eigenen werkes, und Got müs alle ding do in ime würken, in im bekennen, in im minnen, wan er ist im selber in diser 20 starken minne entsunken in den geminten in dem er sich verlorn hat als der tropphe wassers in dem tieffeil mere, und ist verre me mit im eins worden denne der luft si vereiniget [9-1 v ] mit der klarheit der sunnen, als die schint an dem Hechten tag. "Wie es do get, do ist bas ab ze bevindende denne man dar ab gesprechen künne. Und was blibet denne hie in dem menschen? nüt 25 anders denne ein grundelos vernüten sin selbes und ein gantz verlöigenen aller eigenschaft an willen und an gemüte und in wisen und an lebende. Wan alhie in diser verlornheit do versinkt der mensche als gar ze gründe; möchte er tieffer sinken denne das er ze nute würde von minnen und von demütkeit, das tet er über gerne; wan alsolich vernüten sin selbes ist in im geborn. 30 Denne dunket in das er unwirdig si das er ein mensche si oder das er in ein küche gange und das crueifixum ansehe, do es an der want gemolet ist, und dunkt sicli arger wan der vigent. Aber das Jiden unsers herren und sin heilige menschheit die enwart im nie so gruntlichen lieb, und denne dunkt in 2. nem C11 : en v. j. H. übcrgesclir. E. 3. aber gestr., dann v. j. H. vnd darunter gesetzt E. 4. e. ir nüt i.; dann ir nüt gestr. E. 11. menslicher: ns auf Ras. E. 14. denne das der; dann das gestr. E. 15. Mrwrf E. der dirre S, die der E. 16. türrin d- külin E, dürre d. külen S, thüre der hüle Druck. 17. türrin E. türm der'f. S. 18. hie f. S. 19. do /'. . gotte one m. 8, gots on m. Druck. 27. Sunder (vor die) in Ane hon. und rad. E; sunder 8. 28. ein f. S. bauen*: das t nachlr. übertjeschr. E. 32. Got f. S. 34. vor Und kein % in E. 56. Renovamini spiritu mentis vestre. 263 sprechent gemeinlichen: 'ja'. Aber ein gros edel meister sprach: 'also schiere als sich der mensche wider kert mit sinem gemüte und mit gantzem willen, und sinen geist in treit in Götz geiste über die zit, so wirt alles das wider bracht in dem ögenblicke das ie verlorn wart'. Und möcht der mensche das getan tusent werbe an dem tage, so wurde alle zit ein wore vernüwunge do, 5 und in disem innerlichen werke do ist die woreste luterste vernüwunge die gesin mag. 'Hodie genui te, [10-1"] hütte han ich dich nüwe geborn'. Als der geist al zemole in sinket und in smilzet mit sinem innigosten in Götz innigosten, so wirt er do wider bilt und ernüwet, und also vil me wirf, der geist über gössen und über formet von Götz geiste, als vil als er disen weg io ordenlicher und luterlicher gegangen hat und Got bioslicher gemeint hat: als ingüsset sich hie Got, als die natürliche sunne güsset iren schin in die lüft, und wirt aller der luft durch formet mit dem Hechte. Und dis underscheit von luft und von Hechte das enmag enkein öge begriffen noch gescheiden. Und wer möchte denne gescheiden dise götliche verre übernatürliche einunge, do 15 der geist ist in genomen und in gezogen in das abgriinde sines beginnes? Wissent: wer es mugelich das man den geist in dem geiste gesehen möchte, man sehe in ane allen zwivel an für Got. Kinder, in disem vernüwende und in kerende da swimmet der geist alle zit über sich, das nie enkein are also uf engenög engegen. der liplichen 20 sunnen, noch das für engegen dem bimel: also s wimmet hie der geist engegen das götliche vinsternisse , als Job sprach: 'dem manne ist der weg verborgen und ist umbevangen mit vinsternisse', das ist in das vinsternisse der unbekant- heit Gots, do er ist über alles das man im zu gelegen mag, und do ist namlo.s, formlos, bildelos über alle wise [105 r ] und über alle wesen. Dis sint, kinder, 25 die weselichen kere. Her zu ist die nacht in der stillen ein nlzemole nütze und förderlich" dinge. So wenne der mensche einen guten slaf hat geton vor der mettin, denne sol er sich verstelen allen sinen sinnen und sinlichen kreften, Und er sol sich mit allen sinen kreften nach der mettin recht in senken über a Ue bilde und formen und über alle sin krefte erswimmen, und von siner klein- 30 h^it eusol er nüt gedenken dem edelen vinsternisse ze nohende von dem ein heilig schribet: 'Got ist ein viusternisse nach allem liechte, sunder dem 1. edel f. 8. 3. geiste] geist S. i. dem] eime S. 5. so wurde (oder würde?) au f Bas. E. 6. d. minnenclichen w. S. vereinuuge S. 9. urspr. vnd wirt do; dann Ull( l (jcstr. und dafür mit Veno, so an den Band gesetzt, nach wirt ein er übergeschr. E. «• güst in güssy (= güsset) korr. E. luft S. 13. besser durchsunnet S. 14. 15. gescheiden] gesehen S. 16. zog auf Bas. E. 17. geiste 8, f. E. 17 /'. m., er wurde gesehen on a. z. S. l* 21. schwingt Druck. 20. are so hohe gefloug 8. 21. dem.- de E. 22. dem götte- achen S, j 0 & 3> 23. 23. vor dem zweiten vinsternisse ist das (mit Miniierung) am Zeilenanfang wiederholt, dann geslr. E. das —d. viust. /'. S. 25. b. und ü. S. 20. alzemole n. 8, zcuütze E - 27. dTge mit Veno. a. li. nachgetr. E. 30. sin, urspr. sinne: ne rad. E. Mswimmcn E, erswingen 8. 31. nach dem s/weiten dem ein das (v.j. IL?) gestr. E; das steht S. 264 56. Roiiovamini spiritu raeutis vestre. vinsternisse siner unbekantheit', losse sich do inne Gotte einvalteklichen und enfroge mit noch envordere mit, denne meine und minne Got, und wirf in den unbekanten Got alle ding, och dine gebresten und dine sünde und alle die sache die du vor haben macht, alles in der wirklichen minne; wirf es alles in 5 den vinsteren unbekanten gütlichen willen. Diser mensche ensol och uswendig disem mit meinen noch wellen: noch die wise, noch die raste, noch würklicheit, noch dis noch das, sus noch so; denne er sol sich lossen dem unbekanten willen Gots. Nu als dis mensche in disem inwendigen werke were, gebe im denne 10 Got das er das hoch edele ding Hesse und solte einem siechen gon dienen, im lichte ein suffe machen, das solt der mensche mit [105"j grossem friden tun. Und ob ich der menschen einer were und solte das denne lossen und solte her us keren ze brediende oder des gelich tun, es möchte wol geschehen das mir Got gegenwärtiger were und me gutz tete in dem usserlichem werke denne 15 lichte in vil grosser schouwelicheit. Also süllen dise edele menschen, als si sich des nachtes vil wol hant geübet in disem innerlichen kere und des morgens och ein wening: so süllent si denne fürbas in gutem friden ir gescheute tun, ein iekliches als es im Got füget, und nem Götz in den werken war, wan er si sicher: eime geschieht 20 etwenne in disem me gütz denne in yeme. Und das heisset uns Sant Paulus, das wir arbeiten mit den henden, das das gut ist der mensche im selber und och dem nechsten, in weler wise das eins not hat. Dis sint die woren armen des geistes die ir selbes und des iren ver- löigent hant und Gotte volgent, war er si haben wil, es si.rasten oder 25 würken. Aber entrüwen, junge anhebende lüte die dürffent das si vil zites geben Gotte und ir inwendikeit, bis si weselich werdent; wan si möchten lichte sich als vil us keren das si ze mole usse bliben, und wenne ein ieklich diser mensch en Götz mit enbevindet noch in alles mit ensmakt noch wol ze- lianden engat, so lide er sicli in dem armüte; wände er mag vil me_Jil_g2S- :i0 und zu nemen in lidende und in lossende denne in würkende und habende, und sol denne der mensche sicli einvaltklichen halten [lud''] an sinen heiligen geloben. Och kinder, wel einen fürgang wenent ir das dise lüte haben? Ja das ist ungedenklich und ungelöiplich, wie das zttnemen ist, das ist in einem 1. Vil (vor losse) v. j. IL gestr. E, steht S. lossen: dann das n rad. E. 2. frogen: ebenso. envorderen E (das n nicht rad.), vorder S. 4. es a. li. nachgetr. E. vor in ein Buchst, (h?) rad. E. 7. sus noch so f. 8. 8. denne] sunder 8. er losse sich d. S. 9.^ Nu als] und so 8. dein i. werken S. H) f. im —machen f. S. .11. besser grossen fremden S. 16. die edeln S. 18. fürbas /'. S. 19. u. sol i. d. selben w. gottes w. nemen, w. er si s. das eime schinet e. S. 21 ff. h. uns und unsern nechsten die es bedurffent, Dis 8. 25. entrüwen f. S. 20/: wes.-das si f. S. 29. dem gemütlicliou a. 8. 31. sol S, f. %■ !i4. zunemende 8, ze nemen E. 56. Renovamini spiritu meutig vestre. 265 iekliclien gedanke, wie klein ein wort, ein werk ist, do in im selber mit vil an notdurft enist. Aber was si tünt, das ist über alle mosse wirdig und nement do inne wunderlichen sere zu. Es ist ein gros ding den lüten lang ze lebende i n der zit, wan ir ernüwen ist al ze gros und ir wachsen, ob si in disen wegen recht durch gegangen sint und nüt beliben ensint an deheiner diser 5 stücke, als ir hie gehört hant. Dise menschen enwissent mit selber das si als vil wol dar an sint, und gont als einvaltklichen hin und schlechtlichen. Got verbirget es in, wan die nature als lichte mag das si uf swimmet. Aber do er einen woren demütigen menschen hette, der leider wening ist, dem offenbart er es wol; wan der rechte tiefmütige mensche, so er nie bekent siner 10 eren, so er tieft er in den grünt versinket, wan er enzelt im enkein gut zu. Diser lüte zünemen das lit gröslichen an lidende. Wan unser herre der übet si, und alle die bi im sint, die übent si, und in einer samenunge do diser lüte ist licht eins oder zwei, alle die anderen die übent si mit herten wisen und Worten und hamerslegen. 15 Hie vor moles do martereten die beiden und die Juden die heiligen, und nu stillen dich, liebes kiiit, die marteren die vil heilig schinent und vil grossen schin hant [106°] und vil mere werk tünt wan du tust. Och das get in das marg; wan dise sprechen!,, dir si zemole unrecht, und sie haben vil gesellen und die grossen bredier gehört und wissen wol. Och so enweist du nüt 20 wes du beginnen solt oder wo du hin keren._m.ajM. Nu lide dich und la dich und bücke und swig stille und sprich inwendig: lieber herre, du weist wol, ich enmeine nüt denne dich. So wellent üise einen iekliclien orden nach iren höbten und alle in einen puneten triben, und des enmag nüt sin. Ieklich müs sin wise liaben, und als es gerüfet ist, 25 so müs eins komen. Und alsus süllen wir alle ernüwet werden in lieilikeit, in der worheit, in der gerechtekeit. Kinder, alle unser heiligkeit und gerechtekeit die enist ze mole nüt. Und unser gerechtekeit die ist ein ungerehtekeit, ein unreinikeit und ein un- endelich ding, das man nüt nemmen engetar vor sinen ögen. Aber, kinder, es 30 müs sin in siner gerechtikeit und lieilikeit, mit in deheiner unser wisen und Worten oder in üt des unsern, sunder in ime. 1. ist v. j. II. übergeschr. E. lf. do —enist f. S. 1. ane: e rad. E. 2. dz auf Ras. E. 4. also gr. S. 4 f. disem wege S. 5. dehein' E, deheiner S. 8. der naturen S. m- werden d. S. 10. demütige S. 11. g. werg mit z. S. nach gilt gestr. nüt E. 13. urspr. in; Jcorr. in im E; in S. 14. nach eins ist ist rad. E. 17 f. und vil —hant f' s - 18. w. t. denne du; ouch S. du eis t.; dann eis rad. E. 20. die gr. br. /'. 8. 22. bücke] hüte dich 8. 24. orden iekliclien mit ■Umsiettungszcichen E. 26. so —komen f- s - 27. und in 8. 29. ung., ein S, f. E. 30. nemeu E. 31. deheiner: deli v. j. II. übergeschr. E. 266 50. Renovamini spiritu inentis vestre. Das wir denne nu alle also ze gründe in in versinken und verfliessen, das wir in ime in der worlieit ernüwet werden, das wir in ime funden werden, des müsse er uns helfen. Amen. 57. Uno homines ascenderunt ut orarent. 5 Zwene menschen giengen uf in den tempel das si betteten; der was einer ein phariseus und der ander ein publicanus. Dise zwene menschen giengen in den tempel. Diser tempel das ist der i'iberminnekli/'i07'7che inwendige grünt der seien, do die heilige drivaltikeit so liepliclieu_inne__WQnet und so adellichen inne wiirkt und so richlichen allen 10 iren schätz in geleit hat und ir spil und ire wollust inne hat und irs edelen bildes und ires gelichnisses do inne gebruchet. Hin ab enmag nieman die volle von gesprechen, wie edel und hoch- wirdig dis tempel ist. In disen sol man gan betten. Und diser menschen müssen zwene sin, 15 die süllen uf gan, das ist: über alle ding gan und über sich selber gan und gan in. Und diser menschen müssen zwene sin, das ist der uswendige mensche und der inwendige mensche, sol dis gebet recht geschehen. Und was der usser mensche bit sunder den inwendigen menschen, das töwet wening oder lichte ze mole nüt. 20 Lieben mine swesteren, zu diseme rechten woren gebette enist enkein merer noch nützer helfe zu einem woren fürgange wan der heilige wirdige fronlicham unsers herren Jliesu Christi; das der mensche den zitlichen enphohe und sich do inne zemole vernüwe und do inne wider geborn werde. Und min. lieben kinder, das üch dise grosse gnade nu fürbas erlöbet 25 ist denne e, des süllent ir wunderlichen sere dankneme sin und süllent es üch vil nütze machen vor allen dingen; wan die nature die ist ietz so krank und wunderlichen sere geneiget nider wert ze vil gebresten und velle, das der 3. des helffe uns got. a. 8. -1. in S (Stück IG) zu der Überschr.: 'Luc. 18,10 u.f.'; dann: Die bredige usser sant Lucas ewangelio des eilften sunnendages von dem phariseo und publicano, wiset uns uf unser kleinheit und nüt vermügen und ist ein gute regele aller geistlicher lüte wie sich ein iegliche sammenunge halten sol; — in F Bl. 108?. 5. in den tempel (v.j. IL?) übergeschr. E. 7. Diser tempel f. 89. 8. über- /'. S. !). lebliche F. 10. wollust ES, wöle F. 12. Hin ab] hievon &'. von /: S. 18. das EF, diser S. 16. Vnd—sin v.j. iL gestr. E, Skid SF. 17. Und ES, Wenne F. 20. so (nach gebette) rad. E. 21. nutzer; er auf Bas. E. für auf llas. E. 21. grosse /'. S. 25. sunderlichcn gotte dancken u. S. 20. vor —dingen f. S. 27. wund, sere /'. 8. nidervvert EF 89, in der weit S. und velle f. S. 57. Duo homines ascenderunt ut orarent. 267 mensche sere he[107"]ä'Avf grosser helfe und enthalte», das in wider uf ziehe und in enthalte: das ist dise gütliche spise vor allen dingen. Nu diser menschen eins was ein phariseus — wie es dem ergieng, dannan ab sprach das ewangelium — und der ander ein publicanus, und stünt verre und engetorste sin ögen nüt uf heben in den himel und sprach: 'herre, 5 erbarme dich mins armen sünders'. Dem ergieng es seliklichen. Ich wolte das ich in der worheit also tete als diser tet, und sehe alle zit in min nicht: das Were der edelste nutzeste wege den man iemer gehaben möchte. Wan diser weg der bringet dem menschen Got steklichen in ane alles mittel; wan war Got kumet mit siner barmherzikeit, dar kumet er mit allem sinem wesende 10 und mit im selber. Nu kumet dirre sünder wise in etliche lüte, und die lüte wellent mit bekentnisse irre sunden von Gotte fliehen und von disem heiligen sacramente, und spreclient, si engetiirren. Nein, lieben swesteren, vil deste lieber süllent ir dar gon umbe das die Sünden ab Valien, und spreclient: 'kum, herre, kum 15 balde, e denne min sele sterbe in den sunden: des ist not das du balde körnest, e si ze mole sterbe'. Und wissent in der worheit: avo ich einen menschen in der rechten publicanisser wise fände, und sich für sündig in der worheit hette, so er gerne wolte gut sin in diser demiitkeit, und liet ein erwirdige vorchte und wolte gerne leben [108'] nach dem liebsten willen Götz, und von dem 20 besesse der creaturen sich keren als verre als er möchte: ich wolte dem selben menschen mit guter consciencie alle zit über den anderen tag unsers herren lichamen geben Mücken, und das wolt ich mit aller der heiliger schritt beweren. Do wir in den heiligen töf wurden gestossen und uns Gotte verbunden, do al zehant gewunnen wir recht an dem heiligen sacrament, und 25 das recht enmügen uns alle creaturen nüt benemen, wir benemen es uns denne selber. Min lieben swesteren, des enist enkein not das man gros bevintliche andacht habe und och grosse usserliche werk geton habe; des ist genüg das man sunder tot sünde si und das man gerne gut were und in einer demütiger 30 erwirdiger vorchte stc und sichs unwirdig bekenne und sin notdurft bekenne: hie mit ist es genüg, und dis ist not und gar nütz. Wolt der mensche hie inne bliben, das er sunder swere sünde und velle blibe, so ist ein grosse not 3/'. wie — ewangelium f.S. erg., das wiset das e. 89. 6. d. über mich a. sünder FS. 0. wege F [wie 8 Ej. dem FS, dB E, den 89. gotte 89. stetliche F, steteclichen S. alle F. 12. dis sunders S. nach die: soliche, gestr. (vom Sehr. ?) E. lüte (nach die) f. S. wellet v. j. S. a. B., -in der Zeile auf Bas. ein Kreuz als Veno. E. 12 f. dise publican'sche w. i. solliche 1- vfi dise solliche 1. vfi vb'mitz bekentnisse ire sünde. so wellent si v. g. f. F. 13. zwischen Sünden und von gestr. (vom Sehr.?): so wellent si E. 16. nach sterbe gestr. die; in den und en auf Bas. F. st. die wil si sündig ist des F. 16 f. des — sterbe /'. S. 17 /'. m. reht i. d - P. S. rmblicanvsser F. 19. würdige S. 20 f. d. besessen F, der besessenheyt Druck. 2 3. fronlichamen S. '24. uns /'. S. 25. an] zu S. 31. ste F Druck, sten ES. sich F, 33. und velle f. S. ein] es Druck. 268 57. Duo hoiuines ascenderunt ut orarent. das er mit diser edeler starker spise gespiset werde, und zühet in fürbas uf den tolden eines gütlichen lebens. Und dar umbe ensüllent ir nüt lichtklicli hindersich tretten, umbe das ir üch gebrestlich bekennent, sunder ir süllent deste me ilen zu ze gonde; wan dis ist do alle kraft, alle heilikeit und alle 5 helfe und trost ab kumet und inne gelit und [108"] verborgen ist. Und ocli ensüllent ir die nüt urteilen die es nüt entünt. Und die anderen die ensüllent och dise nüt urteilen die zu gant. Wan S. Augustinus sprach: 'man ensol enkeinen menschen urteilen umbe dehein ding das er getüt, es enwere das in die heilige kilche verurteilt hette geistlich und weltlich'. Es enwere 10 das ein mensche in einem frevelen stolzem hovertigem gemüte inwendig und uswendig stünde und die ding die sü hinderent, die creaturen, vaste will ekli eben übten: ob die gewerlichen zu gen, das wellen wir ir meisterschaft bevelhen; ob si es iemer sicherlichen getünt, des sehen si. Dis alles, lieben kinder, ensüllent ir nüt urteilen, umbe das ir nüt 15 gelichet werdent disem phariseus, der sich erhüb und urteilte den der hinder im stünt. Hütent üch hie vor als vor der ewigen Verlust ÜAver seien, und nüt enfürchtent üch, ob üwer gebresten üch sere für gehalten werdent; des hütent üch vor disem sorgklichem gebresten dis urteiles. Hie vor moles als ich die heiligen brüdere sach die den orden in der 20 strengheit hielten, do het ich wunderlichen gerne och also geton, und des enwolt unser lieber herre nüt; wan ich bekenne mich also krank: ich fürchte, ich möchte lange in phariseilich wise sin gevallen mit eigener behagunge. Und dar umbe, min lieben, enfürchtent üch nüt; [109 r J wan unser lieber herre der ist also recht getruwe, und er lat dicke einem vil gut willigem menschen 25 einen merklichen gebresten alle sine lebtage dar umbe das der mensche gedemütiget werde do mit in im selber und och vor den die mit im umbe gont, und werde gewiset uf sin nüt. Und her umbe ensol der mensche nüt ab ston, sunder mit minnen für gon und spreche: 'ich enbin nüt wirdig das du körnest im der min tach; denne uf dine grundelose erbarmherzikeit und uf den ?>0 riehen schätz dines wirdigen verdienens gon ich zu; wan mir gebrist rüwen, minnen und gnade: das vinde ich alles gantz in dir; do vint man tilgende und gerunge und alles gut'. Kinder, die sorgklichen wise umbe die das der himelsche vatter als zornig was das er alle die weit wolte vertilgget han in unsers vatters S. Do- 1. starker f. S, sterkend' F. n. sü z. S. 5. und —ist f. S. 7. ouch nüt geurteilt werden von disen die z. g. 8. Aug' E. 8. denne (nach enwere) v.j. IL a. lt. nachgetr. E, f. F. 10. frevele E (das erste von mehreren Adjj. nach uribest. Art. ist oft schwach und die folgenden stark flektiert), vrevele F, fehlt 8. 11. stünde a. lt. v.j. IL nachgetr. E, schine S, f. F. in in sü v. j. IL karr. E, sü 89, in FS. der er. 8. 12. vbte; te auf Bas. E, vbe F. 15. gelichy E, gelichet F, glich 8. 19/: o. vil strenglich h. S. 21. in wolt mir. vnser F. 24. einen gut w. 8. 25. einen] in S. liebe tage F. 28. s. die lieben f. F. 34. in] bi F. 57. Duo homines ascenderunt ut orarent. 269 minicus ziten, und er es im do ab bat: die selben wisen und gebresten die sint nu gar wider uf gestanden, und wir enwissen mit wie es uns ergon sülle. Wir bedürften wol das wir ein wise könden vinden do mit wir die barmherzkeit Götz er kriegen möchten, und do enist enkein wise besser zu denne das der mensche alle ding über gebe und hinder rüggen werffe und sich minneklichen 5 mit G-otte vereine in dem heiligen lichamen unsers herren. Min aller liebsten swestern, [109"] min lieben zarten kinder, dis süllent ir iemer mit allem flisse tun, wenne es üch geschehen mag, und dis niemer versumen uf den grünt, wellent ir das in üch vinden das ir gerne Gotte luter- lich lebtent, und wo üch das ab ge, das üch das entget, das üch das leit si 10 und wider si, und gerne fliehen wellent alle die Ursachen die üch an üwer lidiger luterkeit mügen gehinderen als verre als ir mügent, und in trüwen. Kinder, und üwer heiligen Orden do ir inne sint, — het ich uswendige lüte vor mir, den enwolt ich in keine wise als grossen miob geben, es en- weren denne gar sunderliche menschen, und ich das vil wol bekante und von 15 in wiste. Aber entrüwen, kint, der heilig orden do wir inne sin, ir mit mir und ich mit üch, das ist ein gar hoch wirdig ding, des.wir al ze dankneme süllen sin, das uns der herre dar in geladen und gerüffet hat von diser sorgklicher weite, das wir alleine süllen sin warten und im allein leben. 20 Kinder, disem rüffen süllen wir volgen mit allen trüwen und andacht. Lieben kinder, nement dis hochwirdigen rüffes vil dicke war, das ir üwer volgunge selber bekennent, und och von anderen bekant werde, und die fruehtberkeit dis Zuganges des hochwirdigen sacramentes: dar an ir süllent dis heiligen ordens in allen üwern gesetzden gar und gar flissig sin. 25 [110 r ] Nu enmein ich mit disen allen gesetzden des nüt das ein alte kranke swester sülle wachen oder vasten oder usserliche werk sülle tun über alle ire macht, oder üwer stille ze haltende in allen den ziten und stetten als ir von dem heiligen orden hant. Kinder, die frucht und der nutz der dannan von kumet, das enkönde 80 nieman bekennen noch gegründen. Das ander: die selben wort die man spricht, die süllent süs und gütlich und fridelich sin. Enpfert üch ein hert wörtlin, al zehant das do ein demütig val geschehe under Got und under den menschen. Kumet üch ieman an mit lierten sweren ruschenden Worten, des ensüllent ir mit nute ver- 35 3 f. den barmhertzigen got möhtent erweichen, u. S. 7. min — kinder f. S. 9- wenne i. F. vindet F. 10. das üch das entget /'. 8. 11. und wid. si /'. 8. alle die /'. S. 13. üwern 8. 13—22. sint und oueh ich, do wir in geladen sint und darin uns got gerüffet hat von dirre sorglichen weite, in diseme süllent wir alleine sin warten und ime alleine leben wit gantzen trüwen. Lieben S. 14. nüt (vor geben) gestr. E. gros ein gerum nüt g. F. 18. ding wirdig mit Umstellungszckhen E. alzv d. F. 26. Nu —des f. 8. 28 f. alle-— haut] naht 8. 270 57. Duo homiues asceuderunt ut orarent. antwürten denne mit einem gütlichen süssen antlit und ein wort oder zwei und nüt me. Ir süllent üwers selbes gnot war nemen, das ir enkein ding mit lust enbesitzent oder gebruchent oder habent oder eigen behagliheit üwers selbs 5 oder iemannes, es si an kleidern oder an tüchern oder an kleinöde oder an gespilschaft. Und alles des ir not liant nach redeliclier ordenlicher wise, es sin kleider oder beize, und der als vil als ir bedurffent, des gan üch Got und der orden wol. Ir süllent haben grosse brüderliche minne under einander und ein de- 10 mutige underworft'enlieit eine der anderen in minnen und in gütlicheit, niemer swer gelos noch frömtkeit eine der anderen umb dehein ding das gevallen mag under üch. Ir süllent üch [110 v ] üben an tugentlichen werken in minnen under ein ander und süllent stritten minneklichen ze dienstlichen werken ze Juadß—- 15 üwer eine der anderen: nüt den üwern, sunder einer ieklicher alter kranker swester und ir das werk und die bürdin usser den henden frölichen und gütlichen nemen und ir vor tragen; das irs den üwern tünt, was nimet sich des- Got an? Das tünt och die beiden, als unser herre in dem ewangelio sprach. Und ob ir nu umbe eine gute übunge werdent an geworcht oder 20 verspot oder versmecht, des ensv'illent ir nüt verantworten noch anden noch klagen. In dem köre do süllent ir sunderlichen üwer stille als flisklichen haben, an allen unerlobten stetten: in dem tormente und vil anderen stetten halten. In dem köre süllent ir mit also grosser erwirdikeit ston, do unsers herren licham gegenwürtig in der warheit ist, und mit nider geslagenen ögen 25 und mit zu geleertem gemüte und. versamnetem gemüte vor des ewigen küniges gegenwürtikeit und angesicht. Stünde ein jungfröwe vor einem künige und si wi.ste das er si sunderlichen ansehe: wer si sinnig, si solte ir zucht gar sere bi ir hau und gar erberlichen und züchteklichen und hövelichen ston. Wie solt denne ein ieklich mensche mit allen sinen kreften von innan und von ussen 30 ston vor sins herren und Götz und üwers userweiten brütgomens, der üch ane underlos an sieht von innan und von ussen? 1. antwürten F. 3. gnot v. j. 11. auf Ras. E, gnote S, genote 89, grosse F. 4. bes. od. habent oder gebr. oder eig. S. eigener E, eTge F (= eilige?), eigen 8. behag 1 '- heit: li nachtr. (v. Sehr.?) übergeschr. E, behageheit F. 1 f. Gl. in de o. w. F. 10. gülieheit F. 11. gelos aus geles leorr. E. 11 ff. a. tun, noch dehein ding daz üch entfriden mag. Ir S. dehein v. j. 11. auf Mas. E, einich F. 14. ander a. 11. v. j. 11. mchgetr. E, f. F. s. üch ininn erbieten z. d. 8. 17. tr., wenne daz ir d. S. 21 f. alzü flissen sin a. a. F. 22. vngeurlobten in vnerlobten v. j. IL radiert und leorr. E, unerlobeten 8, vngevrlobete F. 22 f. in dem —halten f. S. 25. gemüte (vor vor) f. F. 27. wiste FS, wisete E. ÜO. sinem S. erg. Unter herren: angesicht? gotte 8. nwerme S. brütgomen 8 : das s nachtr. (vom Sehreiher?) übergeschr. E, brutegome S. 57. Duo homines ascenderunt ut orarent. 271 Och, vil üben swestern, süllent ir üwer [UV] gezit mit grosser er- wirdikeit singen oder lesen und mit zu gekertem gemüte als verre als ir mügent, Aber wissent: umbe Sicherheit üwer consciencie so ist von gebottes wegen genug das man die wort gentzlichen spreche, und ob der gedank do bi mit enist, so endarf mans mit anderwarb sprechen: so bezalt man wol mit den 5 Worten, so es der mensche nüt mit willen entü und och mit engedenket, das do widerwärtig si. Nu sprach das ewangelium: 'an iren fruchten sol man si bekennen'. Alsus sint dis üwer uswendige fruch te, an den ir üch selber süllent bekennen und bekant werden: zu diser wise aller sament enist nieman ze alt noch ze 10 krank, das man habe minne und trüwe under einander und gedult und senft- mütikeit. Dis möcht ein mensche halten uf sime bette, ob er als krank were. Och nu süllent ir üwer fruchte inwendig bekennen; das ist, das ir üch süllent abgescheidenlichen halten von allem dem des Got nüt ein wore Sache enist. Zit verlieren das sol von üch als ein böse vergiftekeit geachtet sin. 15 Ir.süllent üch gerne in die winkel und in die einnöte machen und do lideklichen mit Gotte üch vereinen und uf den blüjenden minneklichen böm klimmen des wirdigcn lebens und des lidens unsers herren Jhesu Christi und in sine klariflcierten wunden und denne fürbas uf klimmen uf den tolden siner hoher wirdiger gotheit, und süllent in gon und us gon und süllent volle weide 20 vinden. Und bi äi[lll"]sm fruchten alsoliches lebens süllent ir diser über wirdiger gnaden des hohen sacramentes mit grossem nütze und fürgange gebrachen. Und ob den guten swesteren die dis von vorchte lossent (das och gut ist), dise wise nüt enbehaget und ob denne wol liden dar uf viele oder swere wise oder wort — als enkein gut werk enmag nüt wol geschehen, do 25 valle gerne liden uf —: das süllent ir vil demütklichen und senftmütklichen vertragen. Und allein das wol gilt si das mans von tieffer versinkender demütkeit losse, mer dis ist unzellichen und unbegriflichen vil und verre besser und mere, das mans von minnen tu. Der sieche der bedarf des artzates und sunderlichen soliches artzates des bi sin gesuntheit ist. Die demütige vorchte 30 die ensol üch mit ab ziehen: das üch üwer gebresten gros fürgehalten werdent, das ist ein gewis zeichen das dis heilige sacrament an üch geworcht hat. 10. wisen: n rad. E, wiseu F. alle' samen* E, alle same F, f. 8. 11. das f. S. 12. halten E 89, haben 8. 13 f. üeh ahg. haltent v. S. 14 f. dem das got n. ist, und süllent sere fliehen zit verl.; das folgende bis sin /'. 8. 15. urspr. vergilt; ekeit (oder tekeit?) nachtr. (am Zeilenschlufs) v.j. H. zugesetzt ? E; v'gebenisse F. 16. wink/le (?) in winkel Jcorr. und rad. E, winkele F. 16 f. 8. ouoh gerne in der eillöte sin und do 1. S. 20. hochwürdigen S. 22. fürgange: fü auf Ras. E. 23. de: e auf Bas. E. die gute sw. F. 21. nach ist gestr.: vnd ob E. nach wise rad. in; beides steht in F in der Zeile. 25f. also kume ein g. w. gesch. mag, do v. S. 27. und das ist w. g. das 8. v'sükere F, f. S. 28. unz. &e's vil und f' 8. 29 f. artzotes wol, des bisin g. i. 8. 31. gros f. 8. fü auf Mas. E. 272 57. Duo homines ascenderunt ut orarent. Wan ze gelicher wis als die artzenie die suchte uswert tribet, das si usslecht, so schint das der mensche genesen sol und das der siechtage vergon sol. Also wenne dem menschen sine gebresten vor den ögen siner bescheidenheit sere und gros erschinen und im sere wider sint, das ist ein gros wor zeichen das 5 der mensche ze gründe gesunt sülle werden. So wenne der mensche das in im vint das er gerne lebte nach dem liebsten willen Götz [112 r ] und tete recht und wol ob ers vermöchte, und och das es der mensche nüt entfi von einer tumber kunheit oder von einer blinder vermessenheit oder einer gütdunklicheit und getörstikeit: denne als er diser vergiftlicher böser dinge nüt in ime 10 envint, denne mag er frilichen und sicherlichen und wol zu gan, und im leit ist das er missetan bat, und so er es dicker tut, so es ie besser und nützer und fruchtberer ist. Und ob nu unser lieben swesteren diser fruclit und dis grossen gütz der würklicheit nüt enkünnen gewarten des morgens zehant, wan si müssen lichte singen oder lesen oder dem covent in allen dingen volgen, 15 als es recht und gewonlieh ist, lichte in dem reventor: hie alles engelit nüt an; so wartentz nach dem essende oder ze vesperen oder nach der completc: denne kumet unser herre als wol mit sinem werke als des morgens; wartent es iemer. Dis heilige sacrament das wüi'ket iemer wo es stat vint. 20 Nu och, lieben swesteren, umbe dise ufvelle von tegelicben gebresten und Sünden, der der mensche in diser zit nüt wol lidig enmag sin, do ensüllent ir enkeine grosse not umbe tun, ob si nüt alle gebicht enwerdent, sunder mit aller denn'itkeit und ernst so süllent ir si Gotte bichten und vor im üch schuldig geben mit rüweu und mit allem ernste und andacht. Und man ensol 25 den bichtern nüt als vil ir zit benemen, sunder alsoliche ding sol man in einer gemeinde rüren. [112"] Und von rechte engehörent nüt zu der bichte von not- durft denne totsunde. Aber dise tegeliche schulde die vallent ab mit rüwen und mit dem pater noster, mit knüwende und des geliches malligen dingen. Und bat der mensche nüt rüwen, so hab umbe das selbe rüwe. Das ist rüwe, 30 das man hab rüwe umbe rüwe. Und hat man nüt begerunge, so begere das 3 f. sere. sere. vJi F. 4. gl. und raste c. S. gros (vor wor) /'. S. 0 /'. tette. vfi wolt ob A'. G— 12. stall und tete bis fruchtb. ist; und diser böser dinge im in ime vindet, denne mag er fr. iind sieh, zfigon 89. I). v'giflich' F. 10. und wol f. 8. 11. so er es denne noch disen dingen als ir hie gehört haut [h. so erz F] ie dicker t. SF. 13. nach gütz mit Verw.v.j.H.a.B. d' wür klicheit gesetzt und die entsprechenden Worte zivisehen künnen und gewarten gestr. K; gr. gutes der würklicheit nüt gewarten kuimen des S; V wie K vor der Korrekt. 14 f. con- vente volle volgen an den dingen also reht 8. 15. ist, in d. rev. oder anderswo, hie lit 8. IG. wardens F, wartend S. o. noch der v. S. 17—19. morg. wanne dis h. s. S. 21. n. w. hewaren T mag. da F. lidig v. j. IL auf Bas. eines längeren Wortes (enberen ? geraten ?) geschr. und hinler enmag (am Zeilenschluß) sin zugesetzt E. 2if. do hant nüt g. n. umbe, obe S. 22—24. mit eime demütigen ernst bihtent sii gotte und gent ime sü üch schuldig mit S. 24. allem ernste und f. S. 26 f. Wanne von notd. hört n. z. bihten wanne dotsünde S. 27. schulde die] sünden 8. 27. mit] von 8. k. und mit wihewasser und mit m. d. 8. 57. Duo homines ascenderunt ut orarent. 273 man begere, und minne die minne umbe die minne. Und under allen dingen so sol man sich üben an der wurklichen minne: das ist usser der mosse nütz und fruchtber. Das ist das der mensche danknem si des manigvaltigen gütz das Got im und allen menschen und engelen hat geton, und kere sich mit allen sinen kreften in die grossen minne zeichen die im Got bewiset hat in 5 allen wiseu und werken gemeinlichen und im sunderlichen und mit im selber in allem sinem lebende und sinem lidende, und dar engegen trage sin kleinheit und unwirdikeit und vernütheit und lade himel und erde und alle creaturen dar zu, das si im helfen danken und loben, wan er des nüt envermag, und zielie denne her in mit einem einvaltigen an sehende alle die heiligen cristen- 10 heit, lebenden und toten, und die die in siner meinunge sint: für alle dise ding tu ein inner minnekliclie begerliches uf tragen und in einem einvaltigen an sehen und die sunderliclie minne ^_l_eb^n^und_des„lid£iis_unsers herren Jhesu Christi: dis alles mit einem einvaltigen über [113 r ] sehende, als der tusent mensclien Übersicht mit einem gesichte. Und dis zukeren des gemütz das sol 15 man dicke und dicke ernüwen bliklichen aber und aber und mit allem disem wider in Got fliessen wirklichen und vernünftklichen mit würklicher minne, und alles das man ie von Gotte enpfieng, sich des och nüt annemen mit enkeiner eigenschaft; denne tragent es im also ze mole wider uf, und ensol och dar ab nüt halten, denne von sinem luterem nute und armüte, und lossen och 20 sin trogen und dispitieren sin, ob es Got si das ime sich inwendig engegen treit und erbüt, und alleine ste uf siner kleinheit und uf sinem luterem armüte und nichte, das er in der worheit .ist, und losse Gotte das sin und ker echt wider in sin begin, als unser herre Jhesus Christus: der was mit allen sinen kreften alle zit uf gekert, den obersten und den nidersten. Wel mensche nu 25 dem aller glichest ein nach volgen hat, das ist der aller beste, wan der mensche enmag nüt so lichtlichen noch so snelleklichen dem entsinken nider- Wert, er envalle etwas in ungelicheit und werde ein teil entlütert. Denne sol der mensche mit grundeloser demütkeit wider anlieben und wider in blicken und sinken wider in den Ursprung. Und dis alles durch das 30 leben und liden unsers herren Jhesu Christi: ie glicher, dar durch ie hoher und weselicher und götlicher und worer; und das alles mit verkleinunge sin selbes und ein gantz vernüten, und [113'] sol tun oder gedenken als das sieche 1. begere] begcrunge gewinne 8 (89 wie E). under] obe 8. 4. und engelen /'. S. G- und (vor mit) f. S. 10. alle f. S. 11. vii den t. F. die die] alle die 8. 12/". einen Innerlichen bcgirlichen uftragen 8. 12—15. und in—gesichte f. S. 16. man dicke ern. ^er 8. allem f. 8. 18. e., des sol m. sich n. a. 8. 19. trage S. es v.ß.H. übergeschr. F, f- l'\ sieht S. 20. losse 8. 21. es v. j. IL übergeschr. E, f. F. 23. vor ker 2 Buchst, rad. E, vE er ker F. echt f. S. 25. uf kert, mit den ob. 8. 27. de F. 28. en vor valle fad. E. 31. Cr., glich dard. S. ieclich' F. 32. nach verkleinunge v. j. H. geslr.: d er. M. E, f. 8, steht F (vgl unten 275, 9). ßeutsohe Texte des Mittelalters XI. ig 274 57. Duo homines asoenderunt ut orarent. fröwelin, das sprach: 'oh mir das geschehen möchte das ich gerürte den söm sines kleides, so würde ich sicherlichen gesunt'. Die hrawe oder sins kleides söm, das meint das minste das von siner heiligen menscheit ie geflos; wan das kleit das ist die heilige menscheit, aber die hrawe mag man meinen einen 5 trophen sins heiligen blütz. Nu sol der mensche das bekennen das er das aller minste von allen disen nüt enmag berüren von siner snödikeit; wan möclit er von siner krank- heit die berüren, so würde er ane zwivel gesunt von allen sinen gesuchten. Alsus sol der mensche vor allen dingen sich setzen in sin nüt. Wenne 10 der mensche kumet uf den tolden aller volkomenheit, so enwart im nie so not nider ze sinkende in den aller tiefsten ginnt und an die wurzele der demüt- keit. Wan also als des böms höhi kumet von der tiefsten der wurzelen, also kumet alle höhin dis lebens von dem gründe der demütkeit. Und dar umbe wan sich diser bublicanus bekante in dem nidersten, also das er sin ögen nüt 15 engetorste erheben in den himel, dar umbe wart er erhaben in.die höhin, wan er gat gerecht in sin hus. Das wir uns nu alle also müssen mit disem bublicano demütigen in der worheit, das wir gerecht mügen werden, des helf uns der vatter und der sun und der heilig geist. Amen. 20 Dis ist ein gut lere und ein heilige manunge. [iM r ] Kinder, ich rate lieh und manen und bitte üch das ir lerent Gotte innerlichen und luterlichen bichten alle üwer gebresten, und lerent ime üch gruntlichen schuldig geben, und wegent vor im innerlichen sere und gröslichen liwer gebresten mit liden, und das ir üch nüt ensetzent uf vil 25 uswendiges langes hichtens, vil ze sagende mit underscheide von uweren tegelichen gebresten. Wan sicher, kinder, do ist wening fürganges an, und benement den bichtern ir edel zit und machent in verdriessen und unlust. Kinder, hinnan ab von disem vil saryen so envallent die gebresten nüt ab. Und als ich dicke und me gesprochen han: die bichter enhant enkeinen 30 gewalt über die gebresten; ja der phaffe der enhat enkeinen gewalt dar 2. Die br. od. /'. 8, steht F. brawe: wo nachtr. v. j. IL überyeschr. E. « ftCÄ kleides rad.: den E. 2 f. sins sönies kleit 8, den sSme sins kleides F. 3. 5. heiligen f. S. 4. aber bi dem söme m. m. nemen ein 8. 6 f. alle dise E (lies: allem disem? so S). 12. als f. 8, steht F. d. aller tieffesten w. 8. IG. gat] ging 8. 20 ff. Stück 58: in F Bl. UO r —H ir ' fehlt 8. 26. Vorganges v. j. IL in fürg. korr. E; vorgans F. 28. dise vil Sachen K, diseme vil sagende F. 30. vor dar (». j. IL?) gestr.: nüt E, steht F. 58. Dis ist ein gut lere und ein heilige manunge. 275 über. Kerent ücli in üch selber mit bekentnisse üwer selbes. Wan dis vil uswendiges sagen ane das innerliche enbringet wening frucht an solichen dingen die enkein totsünde ensint, und es ist ein zeichen eins unflissigen menschen sins inwendigen bichtens, wan do die inder worheit were, do verloschen die tegelichen züvelle als gar von innan das man kume eins oder 5 lichte mit mit underscheide dar ab gesagen könde. Und des würde gar gut rat, als es mit G-otte alsus verriebt were. Dis meint man alles mit tegelichen Sünden. Vor tot sünden bewar üch Got. Kinder, des inwendigen warnemeiis der mensche sin selbs des ist grosse not, wan [114"] der mensche hat manige hwt in im die im den grünt bedeckent 10 und über wachsen haut, das er im selber die worheit bedecket und unbekant hübet und er es selber mit enweis, und weis so manig ander ding und sich selber mit. Noch drissig oder vierzig hüte und vel die sint recht als ochsen Stirnen, als dicke und als hert. Die sint recht als das loche, das alles vol surer hüte ist, ie eine nach der anderen bis uf den grünt. Dis 15 enkünnent ir mit bichten mit ab gelegen als ir wenent. Weles sint dise vel? Das sint alle die ding do du dich und das dine inne hast und miimest und meinest und suchest und gebruchest, der Got eine wore saclie noch ende mit enist. Das sint alles abgötte, die bilde der dinge und eigen lust und eigen willikeit und gemigde der sinne in der naturen, und die besitzet der mensche 20 als fro Sare, die uf die abgötte ging sitzen. Dis ist vermessenheit, ungelossen- heit, Unachtsamkeit und unflis aller götlicher dingen. Dise machent alle dise vel. Dis enist alles mit us ze bichtende; aber der mensche sol dis inwendig war nemen und bekennen dis demütklichen vor Gotte und tun einen woren underval für sine götliche füsse. So sich der mensche alsus ze mole schuldig 25 git, so wirt es alles gilt rat, und man sich mit allem Hisse dervon keren welle als verre als man mag mit der helfe des herren. 59. Dis ist ein [115 r ] kurtze bichte. Mit disen Worten mag man in der gemeinde von tegelichen schulden bichten: 'ich gib mich schuldig das ich gesundet hau mit italen und mit un- 30 nützen gedenken und die in niinem gezite und gebette, die ich solte für komen 1. zu vber mit Verw. a. II. v. j. IL sv sint dir denne loit vii wellest (lieb do vor hvten S( > dv beste mat F. 4. die] dise F. inner Druck, in der FF. 9. der mensche: vgl oben zu 273,33. 10. hut F {aber vgl. 13. 15. hüte), hut F. 11. die Bruch, vii die E, vii der F. bedecket: et undeutl. auf Ras. F, bedecke F. 12. es v. j. H.(?) a. K (mit Verw.) F, sich F. 12/". vnd sich s. mit v. j. IL gestr. F, steht F. 14. hinter hert urspr. sint si; v.j. IL gestr. F, steht F. IG. wet F. 21. versahr F, fraw Kachel Druck; vgl. den. 31,34. 28 ff. St. 59 in F 14J.r-.i42v (Schluß des Bandes). 28. ein /'. F. 31. und die /'. Druck. 18* "\ 276 59. Dis ist ein kurtze Hellte. lian mit guten gedenken, das mir min unflis gemacht hat; und mit Worten an unnützen und unfruchtberigen Worten, an still ebrechene an stetteu, an ziten do es nüt geurlobt enwas, mit snellen worten und italen worten, an ze vil Worten, an herteu, an spötlichen, an unversehenen worten und an misselichen un- 5 gantzen und ocli unfridelichen worten; denne mit werken, mit unflisse min selbes und Götz willen und mins ordens und mins kores und miner gesetzde, mit ungehorsamkeit und mit undanknemkeit, das ich G-ot mit enminnen noch in loben und sinen manungen nüt envolgen und minen swesteren nüt gut bilde enhan vor getragen, als ich billich solte, und das armüte und die küscheit 10 und die gehorsam und alle die ding die ich Gotte und dem orden gelobt hau, nüt gehalten enhan. Diser und aller gib ich mich schuldig'. Alsus mügent ir üwern aplas heischen und mügent gedenken oder sprechen: 'lieber herre, möcht ich dar komen, und wer ich fri, so wolt ich den aplas suchen und holen, es wer dur Ein, durch sne, durch nas und kalt. 15 Vil lieber [lli> v ] vatter, wan ich nüt me enmag, so gon ich dar mit miner begerunge, das du mir dine muten almüsen gebest des aplas und aller der guten Übungen die in dem gotzhus und in allen enden geschehent. Und gebest mir aplas aller miner sunden us dinen hiessenden minnewunden, do alle gnade ist us geflossen. Du möchtest dis also begeren mit glöben und mit 20 getrüwunge dirre worte als vil als du alle die weit fiirbas richtest. 60. Dis ist ein gute lere. Moyses der sprach: '0 Israel höre. Din Got ist ein Got, alleine Got, ein einvaltig Got'. So mügen wir doch also grossen fürgang nemen an den sunderlichen eigenschaftlichen bescheiden namen die wir im zu legen, und 25 wesende engegen der wir unser vernichtkeit tragen stillen. Wan, als ich me han gesprochen, als der mensche hie vormals alles dachte nach der zitlichen wise, als nach unsers herren gehurt und werken und leben und wise, also sol er nu alles uf ziehen sin gemüte und sol leren sich erswingen über die zit in die ewigen wise und wesen. 2. und (vor unfr.) f. F. 4. worten (nach vnvursehene) f. F. 6. gesezzo b. 10. zwischen die wnd gehorsam v.j.H. gestr.: alles das E; alles daz steht F. 14. reyff Druck. 15. nu(?) in wä v.j.H. korr. E, nv F, seydtmal Brück. 18. gebest: e und est (v. Sehr.?) auf Mas. E. 20. als (vor du)] daz F. Mit SO schließt die 11s. F, indem hier nur noch der Besitzvermerk (der Ketrin von Hall) folgt. 21. Bas Stück fehlt in S. 22. Beuteron- 6, 4- 24 f. 1. und seynem wesen, da gegen wir Brück. 27. vor Also steht H in E. 60. Dis ist ein gute lere. 277 Nu mag der mensche in disen eigenscheften sin gemüte erspiegelen in wirklicher wise, das er an sehe das Got ist ein luter wesen, das aller wesen we gen i st, und doch enist er aller d inge, in keines. Alles das ist und das wesen ist und" wesen hat und gut ist, da inne ist Got. Sant Augustinus sprach: 'sist du ein gut mensche, ein gut engel, gut 5 himel: [116 r ] tu ab mensclie, tu ab engel und himel, und was do blibet, das ist Avesen der guten: das ist Got; wan er ist al in allen dingen und doch verre über die ding'. Alle creaturen hant wol gut, haut wol minnen: si ensint mit gut noch minne et c. Aber Got allein ist wesen der guten, der minne und alles des das man wesen nemmen mag. Dar engegen sol der mensche sich 10 tragen und dar in versenken mit allen sinen kreften in wirklicher gefölliger an schöwelicher wise, das sine vermitkeit ze mole werde enphangen und ver- miwet und gewesen in dem gütlichen wesende, das allein wesen und leben und würken ist in allen dingen, Denne sehe der mensche an die eigenschaft der einiger einikeit des wesens, wan Got ist an dem lesten ende der einvaltikeit 15 und in ime wirt alle manigvaltikeit geeiniget und einvaltig in dem einigen ein wesende. Sin wesen ist sin würken, sin bekennen, sin Ionen, sin minnen, sin richten alles ein, sin barmherzikeit, sin gerechtekeit: dar in gang und trage din unbegriffenlichen grosse manigvaltikeit, das er die einvaltige in sinem ein valtigen wesende. Denne an sehe der mensche die unsprechliche 20 Verborgenheit Götz, als Moyses sprach: 'werlichen, herre, du bist ein verborgen Got'. Und er ist verborgenlichen in allen dingen verre me Avan dehein ding im selber si in dem gründe der seien , verborgen allen sinnen und unbekant [ll(i v ] ze mole inne in dem gründe. Dar in tring mit allen kreften verre über den gedank dine usserliche uswendikeit, die so verre, so frömde ir selber ist 25 und aller innerlicher imvendikeit als ein vidi, das den sinnen lebt und mit einveis noch ensmakt noch enbevindet, und in senke, verbirg dich in der Verborgenheit vor allen creaturen und vor allem dem das dem Avesende frömde und ungelich ist. Dis alles ensol mit sin in biltlicher oder allein in gedenk- licher Avise, sunder in Aveselicher, Aviirklicher Avise mit allen kreften und 30 hegerungen über die sinne in bevintlicher wise. Denne mag der mensche an sehen die eigenschaft der götlichen Avüstenunge in der stillen einsamkeit, do nie wort in dem wesende nach weselicher wise inne gesprochen emvart noch Werk geAvürkt enAvart; denne do ist es so stille, so heimelich und so jyüst. Do e nist mit denne luter Got. Dar in kam nie mit frömdes, nie creature, bilde 35 4. da—gotte v.j.Il. auf Bas. E. got Bruch, gotte E. 5. Aug' E. 5/'. sihest du eynen guten menschen, einen guten engel, einen guten h. Druck. 9. gute Druck. 12. zwischen wise und sine v. j. IL übcrgeschr. das, nach mole dafür das die gcslr. E. 13- geweset Druck. 17. urspr. einen: en rad. E. ynwescn Druck. 18 f. g. vii trage d in v. j. 11. auf Mas. E. 21. Esaias Druck; vgl. Jcs. 45,15. 22. er ist vil näher, dann keyu ding Druck. 24. inne v. j. IL gestr. E. 31. den sinnen in die sinne korr. und rad. E. 35. in hinter frömdes rad. E. -\ 278 60. Dis ist ein gute lere. noch wise. Dise wüstenunge meint unser herre do er sprach durch den Propheten Johel: 'ich wil die minen füren in die wüstenunge, und do Avil ich ir zu irem herzen sprechen'. Dise wüste das ist sin stille wüste gotheit; dar in fürt er alle die die dis insprechens Götz enphengklich süllent werden, nu 5 und in der ewikeit. Und in die wüsten stillen lidigen gotheit trag dinen italen wüsten grünt, in die wüste Götz den grünt der da ist vol verwachsens un-/il7 , 7krutz und lidig alles gütz und vol wilder tier diner vichlicher tierlicher sinne und krefte. Denne sich an das gotliclie vinsternisse, das von unsprechelicher klorheit vinster ist allen verstentnissen, engelen und menschen, - 10 als der glantz und die sunne in irem rade ist dem kranken ögen ein vinsternisse. Wan alle geschaffen verstentnisse haltent sich engegen der klarheit von naturen als der swalwen öge sich haltet engegen der kloren sunnen, und müssen da wider slagen werden in ir unbeken tnisse und blintheit , als verre als si geschaffen und creaturen sint. Dar engegen trag diu abgründig 15 vinsternisse beruhet von allem worem hechte und darbende alles Hechtes und la das abgründe des gütlichem vinsternisses im s elber allein behaut und allen dingen unbekant. Das abgründe, das unbekant und ungenant, das selig, ist me gemint und reisset me die seien denne alles das si bekennen mngen in der ewigen selikeit, an dem gütlichem wesende. ','0 60a (= I, Nr. 17). Dixit Jhesus diseipulis suis. Unser herre sprach: 'weler under üch hat einen frünt und got zu im zu mitternacht und spreche zii ime: "frünt, lihe mir drü brot, wan min frünt der ist komen von dem lande zii mir, und ich enhan im ni'it für ze legende." Und der inwendig ist, der antwürt: mich 1 117" I ungemüget: min türen 25 sint beslossen und niine kinder sint mit mir in dem bette und ich mag mit uf geston und dir geben'" etc. Dis ewangelium das ist vor lang; das lossen wir ston durch die kürzin. 2. richtig Osee Drude; vgl. Os. 2, 14. 5. in (vor die) nachlr. übergeschr. v. j. H.? E. 6. gotz —ist v.j. II. auf lias. E. 7. gütz nachtr. v.j.II.(?) übergeschr. E. !). engel Druck. 15. vn (vor darb.) v. j. IL auf Mas., dahinter din abgründe dines vinsternisses gestr. E. darbende: ende auf Bas. E. 17. hinter selig v. j. IL (?) vnd yesir. E. 17 f: das ist selig vnd ist ^mer geliebet l)ruck. 20. in 8 (SI. 17) Überschrift: Quis vestrura habet amicum. - Dazu: 'Luc. 11,5—13.'; dann: Die bredie usser sanote Lucas ewangelio des mandages vor dem nonedage, leret uns betten, suchen und kloppfen, und seit von waz Sachen zweier leige lüte versteinet werdent in irrne gebette, die eine ist gar schedelich, die ander züniole nützlich und fruchtber. 21. go in g a t (v. j. LL?) Jcorr. E, gat 8. 22. lihe (v. j. H.?) auf Bas. fy urspr. borge? 27. vor lang ES; lioeihe schlägt borlang vor. 60 a. Dixit Jhesus disoipulia suis. 279 Unser lieber lierre der leret uns lue inne das wir bitten süllen, und sprichet: 'der bittet, dem wirt gegeben. Bittent, so wirt üch gegeben; suchent und ir snllent vinden; klopfent, so wirt ücli uf geton. Wan wer bittet, dem Wirt; der suchet, der vindet; der klophet, dem tut man uf. ~\ Nu was underscheides sol man an disen drin Worten vernemen: bitten, 5 suchen und klophen? das wellen wir mit dem ersten prüfen. Das bitten das meinet ein zügekert gemüte mit einer inniger be- gerunge zu Gotte und heischen etwas von im. Mer das suchen: das er uns heisset suchen, das ist ein us erkiesen eins für das ander. Wan der suchet, der hat sinen flis gekert zu dem sunderlichen 10 das er suchet für ander ding. Aber der klopphet: das meinet ein volherten und nüt ablossen bis man das erkrieget das man meinet. Und haut dise wort guten underscheit: bitten, suchen und klopphen. Nu nemen wir her für uns des lerers uslegunge in der omelien. Beda 15 der sprach: 'diser frünt der alsus von dem lande zu sinem fründe ist komen, das ist das gemüte des menschen; das gemüte das get al ze dike und swer- lichen von den menschen in ein verre frömdes lant der ungelicheit [118 r ] und kumet denne etwenne wider hungerig und turstig alles gutes, und so enhat im der mensche mit für ze legende; so get er zu sinem fründe — das ist Got — 20 Und klopphet und bittet vor siner tür das er im gebe drü brot, das ist: ver- stentnisse der heiligen drivaltikeit. Und der do inne ist, der entschuldiget sich und spricht: "la mich ungemüget, wan mine türen sint beslossen und mine kinder sint mit mir an den betten": das sint die lerer, die sint mit Got an den betten der heiligen contemplacien. 25 Nu diser behert also lange klophende das diser durch sins hertendes AVillen uf stet und git im alles das er wil: das ist das Got ime git, antweder durch die lerer oder durch sich selber sunder mittel. Und dar umbe sprach Christus: "bittent, so wirt üch geben; suchent, so vindent ir; klophent, so wirt üch uf geton'". 30 Hie ist sere ze prüfende die unsprecheliche unbegrilTenliche miltikeit Götz, das er so gerne gebe, ob wir in echt wollen bitten; der uns so Hissek- liche manet und reissct und leret das wir echt bitten Avellen. Aber die gaben enwerdent den müssig gonden nüt gegeben und den italen umbegonden, sunder den bettern und den hertern in dem gebette. 35 Nu süllen wir merken was und wie wir bitten süllen. AVenne der Mensche sich wil geben zu sinem gebette, vor allen dingen so sol er sin 1. das JE 89. 91, was 88. bf. bittent, suchent, kloppfent S. 6. mit] an S. 19. denne /'. S, er 91. 25. dem bette S. 26. hertet S. 20/". durch — willen f. S. 2 Jf- Wil; er git ime antwurte durch S. 32. echt /'. 8. 33. echt f. S, in 88. wellen ES, süllen Druck. 34. dem m. S. 35. volleherteru S. 280 60 a. Dixit Jhesus disc.ipulis suis. gemüte heim holen und ruffen dem von allen den uslöiffen und zerströwunge do es gewesen ist von allen [118"] dingen, und sol denne mit also grosser demütkeit Valien für die füsse Götz und bitten die muten almüsen Götz, klophen vor dem vetterliche n herzen und heischen das brot: das ist die minne. 5 Wan der alle die edel spise hette die die weit hat, ane brot, si enwere mit essig noch lustlich noch nützlich: also sint alle ding ane die götliche minne. Nu sol der mensche bitten das im Got gebe und in wise ze bittende was im aller meist bevelt in sime gebette und in siner inniger übunge, und dem menschen aller nützest si, und was wise es denne sint die ime denne 10 engegen löffent, die sol er für sicli nemen, es si von der gotheit, von der heiligen drivaltikeit oder von dem liden oder von den wunden unsers herren. Nu verstent von dem bittende: unsern herren an ze bittende. Alle menschen enkünnent nüt in dem geiste betten, sunder mit Worten müssent si betten. Liebes kint, so solt du unsern lieben herren also lieplichen und also 15 gütlich mit den minnendesten Worten an sprechen als du iemer erdenken kaust. Und das sol och dine minne und din herze reissen. Bit den himelschen vatter das er dir durch sinen einbornen sun gebe sich selber einen fürwnrf in der aller bevellichester Avise. Und als du denne vindest ein wise die dich aller meist zu andacht reisset und aller gevellichest ist, es were och dine 1 sünde und 20 dine gebresten oder was das si: do bi blib und küs sü us. Und das ist dis [1W] suchen das man suche den liebsten willen Götz und des menschen bestes und klophe mit einziger volhertunge; wan der volhert, dem wirt die kröne. Nu sprichet unser herre: 'wel vatter were der sinen kinden, als si im 25 heischent einen visch, gebe einen slangen?' — bi dem vische verstet man wäre Zuversicht — 'und ob er im ein ei hiesche, das er ime denne gebe einen scorpio?' — bi dem ei verstet man einen lebenden geloben. Und spricht er: 'die wile ir die da böse sint, künnent üwern kinden gute gaben geben: wie vil me üwer himelscher vatter git gute und die aller besten den 30 die in bittent?' Nu sprach der munt der worheit, der bittet, dem sülle geben werden. Wie mag nu das iemer gesin das alse manig mensche bittet, und bittet alle sine leb tage und enwirt im doch dis lebende brot nüt, und Got so unspreche- lich milt ist und ane alle mosse und über alle wise so gerne git und vergit 2/'. m. rechter d. S. 8. gevellet S. 9. es. Dene: großer Anfanqsbuchst. und Funkt wohl Irrtum des Schreibers; ne v.j.H. auf Bas. E. 14 f. ü. bitten mit 1. u. gütlichen Worten anspr. S. 15. erdenken f. S. 17. nach sun gestr.: dir E. e. fürwrf E, zu eim gegen- wurff Druck. 19. ist] si S. 25. hieschent S. Dazu am Band: ein brot, gebe in einen stein? Bi dem brot verstot man götliche minne. Und obe sü yme Lieschen einen 88. nach visch gestr.: das er in dene E. 26. nach Zuversicht gestr.: vnd hoffunge E. o. sü i. ein ey hieschent, gebe S. 29. me 88, den: eil auf Bas. E, denne S. 31. sol S. 33 f. und Got — vergit f. S. 60 a. Dixit Jhesus discipulis suis. 281 und tusent werbe bereiter ist ze gebende wan der mensche ze nemende? Und dise lüte sprechent die selben heiligen gebet, das heilige pater noster und vil seiter und die heiligen eollecten die der heilig geist gelert hat, und noch J denne so enwerdent si mit erhöret: das miis ie ein grosse sache sin und ein wunder. 5 Kint, ich wil dir sagen: ir herze und ir grünt, ir minne und ir mei- nunge die ist besessen mit frömder minne, das si was das si, [119'] tot oder lebent, si sins selber oder üt des iren. Und das selbe das hat die stat also besessen und bektimbert das die wore götliche minne, die das wore lebende brot ist, die enmag do enkeiue wis in sü leomen, sü bitten und betten, wie 10 vil des si. Meister Hug sprach: 'es ist als nnmügelich das der mensche lebe ane deheiner dinge minnen, als das er lebe sunder sele'. Nu merke ein ieklichs wo mit es umbe ge. Wan sol die eine minne in, so mus die ander von not us. 'Giis us', sprach Augustinus, 'das du vol werdest.' Nu dise menschen kument mit iren weltlichen hertzen, mit irem be- 15 sessen gründe, und bitten und betten, und in wirt das brot, mit. Das ist mit Götz schuld, sunder ir eigen schulde. Und den wirt der stein für das brot, das ist: ein lieft steinin herze, hert und dürre unde kalt, und verlöschen ane andacht und gnade, und lesent vaste die bücher us, eins nach dem andern, und das ensmacket im nüt, und des endacht er nüt noch er enquillet noch er 20 enturst dar nach nüt. Als er das getüt in einer grober blinder wise, so leit er sich nider und sloffet. Des morgens hebet er aber an als von erst, das er also sin gebettelin getü; so dunket in es si gnüg. Und hie bi wirt sin grünt als hert als ein mülistein, das man si weder gebrechen noch gebiegen enkan. Kumet man si an mit einem dinge das wider si ist, es si an tünde oder an 25 lossende, so wirt man des grundes so gewar, man mag [120'] wunder sehen, herte steinin berge. Liebes kint, vor disem steinin gründe hüte dich und hab nüt vil redendes mit in, das du si üt berichten wellest denne ein wort, und fluch. Unser herre sprach: 'ja ja, nein nein.' Gedenke und tu als der wise 30 man sprach: das üch und uns mit gebreste. Si och das dir dise steine an din köpf varen, büg dich und hut dich das du in nüt wider steinest. Es sint och kleine kiselsteine. Nein, liebes kint, nein: tu den munt zu und tu das herze engegen Gotte uf. 2. dise lüte f. S. 6. ir (vor gr.)] urspr. iren: en rad. E. 10. w. mit i.; dann nüt v. j. IL gestr. E. komen sü 88, komen S, f. E. 12. urspr. sunder einiger (vor dinge) ; dann gestr. und a. B. mit Verw. ane de hein' E. 14. i., von not so m. d. a. u. S. Aug' E. 15. kument: erster Sirich des u auf lias. E; urspr. kunnent? 20. im E, in S, f. 91. 20 f. in endürstet S. 21 f. lit in leit korr. und nach er v.j. II. sich übergeschr. E. 26 f. gew. daz man wol steinin berge sehen mag. S. 30/. gedenke — gebreste /'. S. 32. ime iht widerstandest 91. 282 60 a. Dixit Jhesus discipulis suis. Lieben kint, tünt es umbe Got und umbe alles das ich gebitten mag, und sint senftmütig und demütige lembelin gegen den die üch wider sint. Swigent und vertragent und nement üwers grundes war. Dise steine ligent dicke verborgen in dem menschen lange wile bis 5 man si an kumet in etlicher wise. Wissent: do ich dise lüte wiste mit ver- borgem hasse oder Ungunst, und mit sich entlossent berichten, ich engebe in Glottes lichamen mit. Man vindet vil menschen, die bichtent zwenzig oder clrissig jar und engetaten nie rechte bichte nocli si enwurden nie absolviert und gont do mit zu dem heiligen sacrament: das ist ein engstlich sör'gklich 10 grüwelich ding. Wan der babst der den obersten gewalt hat, der enmöchte den menschen mit lösen. Und so dise me dar gent und me bettent und gütter werk tünt, es si was das si, so si ie herter und versteinter werdent und blinder und grober, wan si lossent sich uf ir guten werk, und in wer [120 v ] verre besser das si ir mit entetent wan das si zu dem heiligen lichamen 15 unsers herren gont und die Ursache nüt wellent lossen und och die gebresten wissent, das das Got niemer enlat ungerochen: er enricÄet es nüt allein an der seien, mer och an dem libe. In wirt och der slange für den visch. Kinder, das sint alle urteilten lüte. Als der slange suchet al umbe und güsset sin vergift, also sint dise urteilten lüte: was si sehent oder hörent, das wirt 20 vergift in in, und das giessent si us mit verkleinunge und vernichtende, und sint die slangen in in als lange als von einer want zu der andern. Si ensehent nüt wer si selber sint; aber also und alsus solte dis und das sin. Dise slangen die sint och wol klein als blintslichen: das ist verborgen Ungunst und behende stiche und verkleinunge di us einem bösen gründe her us 25 slichent; do vor hütent üch. Urteilent üch selber und nieman anders, Disen menschen wirt das scorpio für das ei, das ist: ein valsch gelobe von im selber, eine valsche Zuversicht und ein vermessenheit. War umbe ensolte ich nüt als wol varn als die und die? Ich bette, ich singe und lise und leben als wol als.si tünt. Als das scorpio, das lechelet vornan und smeichelet mit dem 30 munde und binden stiebet es mit dem sterze: als geschiht diser valsch er Zuversicht an dem ende; als der grünt sich endecket, der valsche besessen grünt, so vallent si in missetrost und in zwivel und [12V] werdent eweklicli verlorn: so kumet der stich des ewigen todes. Kinder, dis tut, das man des grundes und der gebresten nüt war ennimet: das ist ein hert sörgklich ding. 35 Der babst der hat etliche artikel im selber behalten ze lösende, etliche den 5. do] wo S. 8. b. und wurdent nie rechte abs. 8. 12. es —das si f. S. si f. E, ^ steht 8 (su). 14. wanne S, und E. 16. liehet 88 Drude, enrichtet E, richte S. 18. urteilende S. 19/'. verg. in sü, und daz (also— in in f.) S. 22. das zweite dis in das v. j. H. korr. E. 23 /'. verborgene st. 8. 20. in in im v. j. IL leorr. E. 28. leben] tu S. 29. wol] recht 8. nach wol mit Venu. a. R. als nachgetr. E. 31. ende f. 8. 35. etliche: et auf lias. E. erlösende: er rad. E. 60 a. Dixit Jhesus discipiüis suis. 283 penitentiern verluhen, etliche den bischofen und ander den priestera. Dis enist nüt getan zu herter verdümekeit, sunder das die sünde do mit bekant und ) gewegen und gros geachtet werde und der rtnve deste merre werde und denne gewegen werdent und behüt werdent. Kinder, wistint ir wie sörgklich dise lüte mit disem besessen gründe 5 das hoch wirdige türe blüt das Got durch uns vergossen hat, enphiengent und irs falschen grundes noch irre gebresten nüt war ennement, ir möchtent ver- varn von engsten. Und dar umbe hat man in etlichen klöstern gebotten das man zu drin wuchen müs zu dem sacrament gan: dar umb also lange zit das man alle die wile wol und sere sich berichte gegen der grossen Wirtschaft, das 10 das heilige sacrament sines Werkes in dem menschen bekomen müge. Aber, lieben kinder Götz, reissent üwer begerunge dar zu und haltent lieh also das ir dicke mügent das hoch Avirdige sacrament nemen. Bittent unsern herren das er üch selber bereite, und lebent also minneklich innerlich; sint senftmritig und demütig und abgescheiden. 15 Veit nu wol her umbe uf üch liden, swi- [121''] gent und enant- würtent nüt. Ein meister der heiligen geschrift wart gefraget wie im das geviele das etliche geistliche lüte unsern herren als dicke wolten nemen uswendig irre geselschaft und irre gewonheit. T)o sprach diser meister: 'owe, herre Got, wir 20 solten uns des so inneklichen fröwen das ieman were den Gottes gelüstete und sin begerte, und den klöstern die das tünt, den dienent die andern und helfent in zu mit also grossem flisse'. Nieman gedenke der die zu unserm herren gon/; aber dise sint verre besser die es nüt tünt, wan sü lossent es von grosser erwirdikeit und demütkeit, das ein gros ding ist. 25 Ist das üch ieman steine engegen wirffet mit urteillunge und siecht üch mit siechten Worten, gedenkent das es sunder mittel von Gotte komen ist. Es sint och noch ander steine, das der mensche von innen wirt ge- lossen der von allem sinem herzen Got begert, und vindet sich liert, dürre, kalt und trege. Denne sol man sicli me innerlichen halten und hüten, als der 30 mensche innerliche hertekeit bevindet, das er do bi blibe und sich hüte das nüt anders zu enslahe das im das erlichte. Denne blibe bi dir selber, und löi'l'ent dir och dine gebresten engegen mit swerem strengem urteil und straffende dich, do bi blip und straffe dich selber vil hert. Und stünde das urteil 2. nach nüt (v.j.IL?) gestr.: dar ynibe E. 4. gewegen werdent und f. S. 7. noch — gebresten /'. S. vor ir ycstr.: Wistint irs E. 8. vor kl. gcstr.: geistlichen E. 9. v. j. IL dar auf Bas. am ZeilenscMufs, dazu a. B. vmb daz und vmbe (im Zeilenanfang) gcstr. E. 10. wile sich sere wol muge berichten S. 11. de. M. E. 10 f. Veit — nüt f. S. 23/. Nieman gestr. und ged. — gonde aber auf die ganz radierte folgende Zeile und den Band der zweitfolgenden geschr. E; nieman —gant auch S. 24, aber /'. S Druck. seyen böser Druck 26. vor Ist in E Icein f. 26 f. sieht uf nch mit w. S. 33/'. stroffeut 91. 34. nach dich rad.: selbs E, 284 60 a. Dixit Jhesus discipulis suis. och ein gantz wuchen, das were vil gut. Steine dich selber mit, vor Gotte in dir selber. Und alsus solt du tun: [122 r ] als balde als du in dehein ding in unordenunge gevallen bist, al ze hant so bichte Gotte sunder beiten. En- phallent dir denne die gebresten, das du nüt enweist ze sagende als du zu 5 dem bichter kumest, so gelobe das die sünde bas si vergeben denne du si dem pfaffen selber gebichtet hettest. Aber ich bitte üch das ir nüt vil worte enhabent in der bichte uswendig. Die heilige kilche hat die bichte geordent uf totsünde, und ob man in zwivel were das ein ding totsünde mochte sin und mit uf tegeliche schulde, das mache einvaltig und kurtz. Eya, bichte Gotte; 10 och, dunket dich das dich dise uswendigen werk hinderen, als kor gan und dienstliche werk der gehorsamkeit: liebes kint, die werk die enhinderent dich mit, sunder dine unordenunge in den werken die hinderent dich das du Got nüt luterlichen für enliast in diner minne, in diner meinunge, in dinem gemüte, das du zerströwet bist und verbildet bist und dir Got nüt gentzlich inne enist; 15 entrüwen, kint, das hindert dich und nüt die werk noch kein ding denne du selber. Dis ist ein züwurf uf diso klopfunge, do dis ewangelium ab sprach. Unser herre sprach anderswo, er si die tür durch die man gan müs. Zu diser minneklichen türe sol der bettende mensche klophen in drin enden, das er in der worheit in gelossen werde. Er sol mit aller andacht klopfen 20 vor dem minneklichen uf getanem herzen und uf geslossener [122"] siten unsers herren Jhesu Christi, und dar in sich tragen mit aller andacht und in bekent- nisse sines grundelosen armütes und sines nichtes, als der arme Lazarus für des riehen mans tür, und hiesch die brocken siner gnaden. Die gnade die git dir ein gütlich über natürlich wesen. 25 Denne klopfe zu dem anderen mole vor den türen der heiligen uf getaner wunden der heiligen hende, und bit umbe wore götlich bekentnisse, das dich erlüchte und zu im erhebe. Denne klophe vor den türen der heiligen fusse und bit al da umbe wore gütliche minne, die dich al ze mole mit im vereine und dich in im 30 al ze mole versenke und versliesse. Das wir nu alle also müssen bitten, suchen und klophen, das wir werden in gelossen, des helf uns der minnekliche Gut. Amen. 1. wuchen] ior 8. vor a. IL anstatt eines in der Zeile r/eslr. Wortes (dir?) -K- 2. einig gestr. und dehein dariiberyesclir. E. 5. denne obe du S. 0 f. Aber — uswendig f. S. 8 f. und —schulde f. S. !). einv. und f. S. Eya, b. Gotte f. S. 10. och] und S. als zu köre S. 11. liehes kint /'. S. 14—16. verbildet, und also hinderst du dich selber. Dis S. 23. tür tet, er hiesch 8. brocken] parteken 91. 29. im] in S. 30. sliesse 8, besliesse 91. 32. der minnekliche f. S. COb. Recumbentibus undeoim discipulis. 285 601 (=I,Nr.l8). Eecumbentibus undecim discipulis. Do die jungem unsers herren bi einander sassen und unser herre •Jhesus der erschein in und strafte si umbe iren ungeloben und die hertikeit ir herzen. i Dise stroffunge die tut unser herre noch alle tage und alle stunde 5 umbe den ungeloben und die hertikeit des hertzen die alle menschen hant von allen stetten die in der weite sint. Mer sunderlich so stroffet er geistliche lüte, es sien lüte von bewerten ördenen oder angenomew geistliche Inte, als beginen oder swestern und der gelich. Dise bestraffet unser lieber herre under wilen durch die [123 r ] lerer 10 oder durch sich selber in irre inwendikeit, ob si echt das straffen wölten nemen. Dise geistlichen lüte die sint al ze wunderlichen sere ze straffende, das si sint herte von herzen und mit engelöbent, wan das ist ein al ze wunderlich usgenomen gros ding das Got einen menschen dar zu erweit das er zu 15 dem hohen adel ist geruft eins geistlichen lebens. Kinder, dannan ab sin wir Gotte als usgenomen grosse minne schuldig und ein als grosse dankberkeit vor allen dingen. . • Dise lüte die bestraffet unser herre dar umbe das dise sint ungelöbig und herte von herzen. Könde es doch dar zu komen das si sicli wolten Jossen 20 stroffen und wolten bekennen die hertikeit irre herzen und iren ungeloben, so möchte ir noch rat werden, und sich schuldig geben. Sant Jacob sprach: 'der gelobe ane werk der ist tot.' Christus sprach: 'der gelobet und getöiffet ist, der wirt behalten.' Wir sprechen den geloben alle mit dem munde. Sant Paulus sprach: 'wir sind alle getöiffet in dem tode 25 1. in S (St. 18) vor der Überschr.: Dise allernehesten nochgonden vier bredien von unsers herren ufl'art sint gezogen usser sauete Marx ewangelio das man ballet an dem nonetage und den gantzen abtesten, und die fünfte bredige von der uffart ist gezogen uffe sanete Mathyses kleinheit, usser der epistelen die men ierlicbe haltet an sime hochgezit umbe die vastnaht. — Zu der Überschr.: 'Marc. 16,14'; dann: Die eine uzlegunge von der uffart seit wie aller leyge lüte von gotte gestroffet werdent umb iren ungelouhen und unib die hertikeit ires hertzen, und verwurffet gar tröweliche alle sinneliehe ufsetze und glichet sü 'den fulen sinackenden zisternen. 2 f. S., do erschein in u. h. J. Cristus und S. 6. v. j. IL nach hertikeit mit Verw. a 11.: vo h'tze, dann in der Zeile auf längerer Basur: die alle mensche hat" in der folgenden Zeile zen vnd alle -m- gestr. E; des hertzen die a. m. h. S. 8. Es sien v.j.lL durch Korr. aus En sin es ? E. 8 f. ang. geistl. 1. S, mit blasserer Tinte Jcorr. zu aiigenonien™ geistliche lüte E. 9. beginen swestern oder des g. S. 11. ob si echt v. j. II. auf lias. E. wölten: ten v. j. IL auf Bas. E. 12. warnemen S. 13. sint wol zu str. S. 17. ein als grosse f. S. 20/".»hertes hertzen; doch laut sü sich darumh ungeme stroffen, und wer gfit das sü wol teilt bck. S. 22. und —geben /'. S. 23. für sund' auf Bas. v. j. IL ane E. > 286 60b. Becumbentibus undecim discipulis. Jhesu Christi'. Sant Augustinus sprach: 'das ist mit ein wor gelobe, do er nüt mit lebender minne und mit den werken in gat zu Gotte, das man gelobet mit dem munde'. Disen ungelöben den vindet man gröslich an dem das uns üt smacket oder uns eines dinges gelüstet, denne das wir mügen sprechen: 'herre, 5 du bist min Got, wan mir enist niergen wol denne in dir', das die lüte dem woren lebenden geloben enpfallen sint also gar, und aber [123 v ] sunderlich die geistlichen namen hant und die etwenne von Gotte etwas beruret sint gewesen, das si slaffende oder wachende, und gemant in dem gründe und dem enpfallen sint. 10 Unser herre strofl'et si och umbe die hertikeit irre herzen. Kinder, dis ist ein gar gros grüwelich ding, das dise lüte die Got gerüft'et hat zu im selber, also verhertet sint das in gütliche ding mit ensmackent, es si ir gebet, es si weler guter künne übunge, und ander ding, das in die also sinneklich sint, licht und lustlich, und zu Gotte sint ir herze als steine. Von den sprach 15 unser herre durch den propheten: 'ich sol ab nemen üwer steinin herze und geben lieh wider ein fleischin herze'. Was machet dise herten herzen das si dem menschen als dürre und als kalt sint zu allem dem das er gutes tun solte, das er das als tut in einer unsinnelicher wise: do müs das herze üt anders han das Got nüt enist, er si es selber oder was das si, und dise wellent nüt 20 gestraffet sin. Von disen sprach unser herre durch Jeremias den propheten: 'ir himele, verwunderent und verbildent üch; ir himelporten, entsliessent üch von unbilde über min volk, wan si hant geton zwei übel: si habent mich gelossen, das lebende wasser, und si habent in selber gegraben ein cisterne, die cistern 25 die enkein wasser in enthaltet', und was drin kumet, das kumet von ussen oder von obenan in, und [lM r ] der regen oder ander wasser das fulet und stinket, und von innan in dem gründe do inhant si nüt. Dis klaget Got himel und erden und allen creaturen, dis gros unbilde, und allen sinen fründen. Weles ist dis volk über das Got alsus klaget? Das ist sin volk, das sint geistliche lüte, 30 und die als gar die lebenden wasser gelossen hant und in der gründe als wening wores Hechtes ist und lebens, denne alles uswendige ding, und verblibent al ze male mit iren sinnelichen usserlichen wisen und werken und iren ufsetzen, alles 1. Aug' E. 2. nach werken gestr.: dur das E. 4. eines dinges f. 8. G. vü aber auf Ras. E. 7. etwas f. S. 10. Kinder] Und S. 11 f. bet, und doch also S. 12. nach selber v. j. IL gestr.: das die E. 13. si: urspr. sint: nt rad. E. es —weler] oder ander S. künne f. S. 14. nach steine v. j. H. gestr.: sint E. 15. Ezech. 11,10. üwere'JE. steinine: e rad. E. Iß. nach das v. j. IL übergeschr. si E. 17. ist v. j. IL in sTt korr. E; si und sint auch S. 19. nüt ist, und wellent doch nüt S. 21. Jer. 2,12 f. 22. urspr. verunbildent: vn rad. E. 24. cistern mit Ras. (wohl eines e) E. 24 f. ein zist. die kein w. enth. S. 25. die f. E. in (vor entb.) rad. E. 2ö. in a. R. v. j. H. naehgetr. E. 27. inhant: in rad. E. si auf Ras. E. 28. und a. s. fründen f. S. 30. beide und f. S. 31. lebe/den: den rad.; a. R. zu lebe ein s gefügt E, lebendes S. alles /. 8. 32. v 4 . serlichen: 2 Buchst, rad. E; f. S. 601). Recumbentibus uudecim discipulis. 287 von ussen in getragen von hörende oder alles durch die sinne von ussen in ) bildelichen wisen, und von innen in dem gründe, do es her us solte springen und qwellen, da enist al ze male nichtes nicht. Ensint das nüt werlichen die cisternen do nüt inne ist das us dem gründe us gesprungen oder gequullen si, denne alles von ussen in komen, und vellet och schiere ab, als es zu gevallen 5 ist? Und das selbe das üt sol sin an in, das sint ir ufsetze und ir wisen, die si in irem gut dunkende gestiftet und gesast haut. Si enkerent sich in den grünt nit: do inne hant si kein qweln noch dürsten, noch si ensüchent nüt fürbas. So si ir ding getünt in iren Avisen, die ingetragen sint von ussen durch die sinne, denne genüget in gar wol. Si haltent sich an ire cisterne, die 10 sü in selben gemachet hant, und smacket in Got nüt. Och trinkent si von dem lebenden wasser nüt, das [124 v ] lossent si sin. Und so legent si sich nid er und slaffent, und des morgens hebent si aber an ir alte wise: do mit genüget in gar wol. Aber in einer blinder kalter dürrer herter wise, so si in iren cisternen, die si in selber gemachet hant, blibent, so lossent si den lebenden 15 burnen bliben. Und sprach unser herre: 'du hast vil unküschekeit getriben und dich verunküschet'. Das sprach er vor in einem andern capitel: 'das ist alles das du mich, den lebenden burnen, hast gelossen und hast dir eine cisterne gegraben, und mich gelossen hast'. 20 In disen cisternen Met und wirt stinkende das drin getragen ist: das torret, das ist mit disen sinnelichen ufsetzen; so blibet in dem gründe hofart,- eigenwillikeit, hertmütikeit und swer urteil, swere wort und gelos und berespunge des nechsten, nüt us minnen noch mit senftmütikeit, sunder do es noch stat noch zit enhet. Maniges wenet eime anderen sin hus loschen und 25 verburnet das sin. Ja hette er drü hüser mit sinen herten swinden worten und gelessen, so Sprechent si, kumet ein arm kint zu in: 'nein, es ist ein trunffeht mensche'; kumet zu den andern ein mensche: 'nein, es ist ein be- gine'. Wol hin, ir rechten cisternen: wer der lebende burne ie geqwollen in üwern dürren grünt, so enwurde niemer an üch funden underscheit der per- 30 sonen, denne alles gelich wore götliche minne in dem gründe her us qwellende ; do enwer kein verkleinen noch kein swer urteil noch hertmüti/i^o^keit. Dise fulunge wachsent alle in den cisternen. 1. von hörende /'. S. 3—5. Ensint—komen f. S. G. vn (vor das) mit blasserer Tinte auf Bas. E. 7. gesät in gesast v.j. H, Jcorr. E. 7 f. vor sich v.j. IL gestr.: nüt und dafür nit nach grünt übergeschr. E. 12. das —sin f. S. 14—IG. Aber—bliben] und blibent in irre wise 8. 15. urspr. bl. si. Si 1.; Si v. j. H. in So korr. und si nach losseiit a, R. nachgetr. E. 17. U. do sp. S. 18. alles das] das das S. 20. und—hast f. S. 21. diser 8. 23. geles (?) in, gelos (vgl. unten ZI. 27; mhä. geltere in gela^e?) v. j. II. korr. E, gelos S. 27. ein S, f. E. 28. trunffeht auf freigelassenen Raum v.j. II. eingesetzt E, trufeht 8. den] dem S. 30 f. p., es were [wurde 88] alles gelich; wer g. in. S. 32. verk auf Ras. E. 33. den] disen S. 288 60 b. Recumbentibus undecim discipulis. Och sint die cisternen dise vernünftigen mit iren hohen Worten und hohem verstände. Den einen den genüget mit iren gütschinenden werken unde schine, den andern mit irem hohen verstände. Wie wenent ir das es denne gan sülle an der zit als die grossen winde koment rüschende und alle ding 5 über einander vallent und die plagen koment, die so grüwelich und engstlich sint? Denne wirt man solichen jamer sehent der ungelöiplich ist. Die nu vil schone geschinen haut mit grossen namen und mit grossem verstünde und womit von grossen behenden Worten und mit valscher schulender heilikeit und mit wores lebendes grundes in in ist - alles in getragen, alles cisternen —: 10 denne an dem ende so kumet der tüfel mit einer ackes und siecht einen slag derdurch. AI zehant verstübet und verfüget alles das do was, das ein traben mit do blibet: es ist alles Verblasen und vervarn al ze mole, wan do enwas mit inne. Es worent fule wasser das in den cisternen was. Si wolten etwas schinen und üt sin, und do enwas mit inne. 15 Kinder, w« wenent ir das man dis alles vi.nd.en sülle? Dis gedenkent als ir koment an en weit, das icli üch dis geseit ban, und ich prüfe vil wol das dise valsche schine und wise nu al der gemeine I8i aller der geistlicher liite verblibent mit uswendiger gütscliinender sinnelicher blinder wise, und wenne das weltliche [125"] e lüte ■ und etliche witwen verre dise lüte für 20 löffent, verre, alze verre. Und ob disen Got von siner erbermde des gan das si an irem ende behalten werdent, so süllent si doch als unmessig vegfür liden als lange als es Got geordent hat, und darnach süllent si als wunderlichen verre von der nacheit Götz sin hie hindenan verre. Kinder, sehent für üch, des bit ich üch durch Got. Nement üwers grundes war und sehent für üch, wo mit ir umbe gont, und sind sanftmütig und demütig und lossent üch under Got und under alle creaturen, wan Got der klaget himel und erden und allen creaturen über üch. Dise himele das sint alle himelsche herzen, wan ein ieklich. gut mensche der ist ein himel GotZj und dise selben die tragent den himel in in; mer doch so enkoment si nüt drin. 30 Und das ist den vertümten ir meiste pin, das si das bekennent in in und si meiner drin komen ensüllent. Und als wir ietzunt rürten das unser berre sprach durch den propheteil : 'ir hant üch verunküschet und du bist einem frömden und dinem minner nach gegangen; du hast mich versmohet und bist eime frömden dime ■':, 1. dise c. die S. 2. hohe (l: hohen?) E; f. S. G. sehen S. 7 f. mit gr. n.— Worten] mit Worten und wereken S. 8—10. heil., in den w. 1. gr. nüt ist, es ist alles ing. also in eist., do kummet d. t. am ende mit S. 11. trahen] troppfe 8. 12. es si als vervarn wanne do 8. 15. was E, wo 8. 17. löf S, hof E 91.' aller: r v. j. IL überyeschr. E. 18. blibet 8. wisen S. 18 f. und wenne E, wanne ich wene S, wan wenne 91. 19. we/ne mit U. Tinte auf Ras. E. etliche: et auf Bas. E; urspr. eliche? 20. verre a. verre /'. 8. 23. hie h. verre f. S. 30. der verdampten m. p. 8. 33. und dinem f. S. 31 f. und — minner f. S. 60b. Recumbentibus undecim disoipulis. 289 minner nach gegangen; doch noch kum zu mir, und ich wil dir geworen rüwen geben, und denne wolt ich dir in giessen lebendig wasser, ob du gentzlicli zu mir kernest'. Nu merkent und seheilt die unbegriffenlich unsprechelich barmherzikeit und güti Götz, und [126 v ] wie gerne er uns hülfe ob wir wolten, und rette 5 gerne mit uns als frünt mit fründe, ob wir iena zu im wolten. Und sprach vor unser herre: 'unde tust du dis mit, so müs ich mit dir kriegen an dem ( (, gerichte'. Mit im ze kriegende, das ist ein sörgklich krieg, wan er nimet do oberhant. Kinder, hütent üch das er denne nüt enspreche das ir von sinen 10 Schöffen nüt ensint. Wan sine schaf die hant sine stimme gehört und ensint inkeime frömden nach gegangen, als er selber sprach. Weles ist nu dise un- küschekeit die unser herre sprach der du vil getriben hast? Das ist in einem geistlichen sinne, ob es nüt gröblich enist, do du zu dem minsten bist verhüben uf den bilden. Und dem frömden dem du nach bist gangen, dinem 15 minner, das sint alle die frömden bilde und die fürwürffe durch die du zu mir soltest sin gegangen: mit den hast du dich verunküschet. Doch nu kum zu mir, und ich wil dich enphahen und giessen in dich lebende wasser. Von disem wassere sprach unser herre in der nüwen e an zwein stetten in dem ewangelio. 'Alle die', sprach er, 'die do türstet, die komen zu 20 mir und trinken, und die in mich gelöbent, von der libe süllent springen lebende, wasser, und süllent springen in das eAvig leben'. Und von disem wasser sprach er zu der fröwen uf dem burnen: 'der von disem wasser trinket, den türstet aber, sunder die von dem wasser trinkent [126"] das ich gibe, den getürstet eweklich niemer me, und bettest du das von mir gelieischen, 25 das het ich dir gegeben'. 'Ach herre', sprach sü, 'das wasser gib mir, das ich nüt her wider in dürfte komen und wasser schephen'. Do sprach unser herre: 'gang zem ersten und hole dinen man (das ist bekentnisse din selbes) und bichte mir zu gründe das du eine cisterne als vil und als lange bist gewesen, also das du die 30 lebenden Avasser nüt getrunken enhast; denne mügen si dir werden. Und fünf man liest du gehebt (das sint dine fünf sinne): ach den best du gelebet und der gebruchet nach dinem lust und hast dich des lebenden burnen unwirdig gemachet mit diner sinnelichen uswürkunge, da du alles inne gestanden hast G. als E, also Ol, alles 8. iendert v. j. H. in iena leorr. E. 7. dovor 8. unser herre f. 8. unde —nüt] kerest du dich zu mir nüt S. ■ 8. Mit — kriegende f. 8. 10. vor Kinder gestr.: sint des sicher E. 12. inkeime; in rad, oder auf Bas.? E. vor nach rad.: nüt E. 13. h. meinte do er spr. 0 r ]d\ge, Got do worchte an dem tage do er starb, die selben frucht die vindet man alle tage in einer ieklichen messe, und die selbe gnade die enphahet ein ieklich gut mensche der den wirdigen lichamen unsers herren wirdeklichen enphahet. Dis heilige sacrament das vertribet und tötet die sünde, und es git grosse nüwe gnade und tut den menschen wachsen und zü- 30 nemen an tugentlichem lebende. Es behütet den menschen vor künftigen zü- vellen und vor des vigendes stricken die si aneunderlos dem menschen legent, das er grösselich müste vallen geistlich und och liplich, enwere dise kreftige helfe und hüte nüt, und den seien in dem vctjfüre wirt wunderlich grosse gnade dar ab. Es sint manig tusent seien die in dem wallenden ofen solten ligen bis. 35 an den jüngsten tag, enwere die heilige übunge der messe nüt, die mit disem 2. dar auf leergelassenem Baum v. j. IL nachgetr. E, dohin 3. 3 f. li. vil befunden h. 8. 5. kette: te nachtr. v. j. IL übergeschr. E. G. nach gene oben v. j. IL. ein undeutl. Zeichen (= r ?) E. gene der f. S. 7. ab] von S. nüt f. S. bevät v. j. IL in eine leergelass. Stelle nachtr. eingesetzt E. 9. als] das S. 11. noch. — enist f. S. 12 f. unsers — licham f. S. 13. unsprechlich f. S. 16. und üben f. S. 18. begange aus bego v.j.II korr. E. 22. hohe /: S. 23. des E 91, der S. 24. über f. S. 25. got S, tot E. 29. nach sünde ein n rad. E. 32. e. müste v. swerlich g. S. 33. in dem fegefüre 8, /'. E. 60g. Homo quidam fecit cenam magnam. 319 heiligen ambacht ze übent snelleklicli werdent erlost, und sunderlich von heiligen Intern priestern. Der übunge die wirket unbegriffenlicli gros wunder in_dem yegfüre und och in der zit. Mit disem opher sol ein ieklich mensche sich hin tragen alle tage mit siner inniger begerunge zii aller priester übunge der messen als wit die weit ist, und sunderlichen zu den heiligen priestern, 5 und sol das heilige sacrament von in allen und von disen sunderlich begeren von den dis opher Gotte als geneme ist, und sol dar in ziehen alle die in silier meinunge sint lebent und tot. Der mensche wirt teü[139°]ha£t nut alleine der messe die er hört, sunder aller der messen die in aller der weite gelesen werdent ensit mers und hie disent mers. Und do ein inwendig 10 mensche were und sich inkeren könde, dem törste ich wol raten, als er ein messe gehorte uswendeklich des tages, das er sich zu im selber kerte, wand ie innerlicher er sich kerte zu Gotte, ie fruchtberlicher er alle messen horte und liesse do mit im genügen. Was ist nu die sache das als grosse unmessige gnade an dem heiligen 15 sacrament ist und dannan us get, und das als manig mensche dis heilige sacrament als dicke nimet die noch denne in der gnade sint, und doch an in als wening schinet in deheiner fruclitberkeit? Das ist des schult: die selben menschen nement mit mit flisse ires tegelichen gebresten war noch ensehent ir mit an denne in einer slumerender wise, und die gebresten die stont in für die 20 gnade und iren influs. Ach kinder, der mensche solte als newelichen sehen in sin leben und in sine wandelunge das er inkeinen standen gebresten enbehielte. Und vor allen dingen sol man sich hüten vor unbehüten Worten und unnützen Worten; wan alle die wort heissent unnütz wo die andacht des nutzes nüt bi enist. 25 Ein mensche solte siner worten hüten mit allem dem des er vermochte. Die ander hindernisse die den menschen hindert an der gnaden influs wirklichen, das ist das im — — gebristet gegenwürtiger andaht und das man kein bibliben hat, und louiTent zu vil us uf andere ding und wartent der gnoden mit, das man ir stat 30 gebe zu würkende in in mit eime ingekerten gemüte, wanne über zwene oder über drije tage so würket das heilige sacramente, der es war nimmet. — Der 1. ze üb. snell. f. S. vor snell. v.j.IL gestr.: die JB. 3. vor sol gestr.: dar E. 4 f. zii allen messen [pr. —der f.] S. 6. das heilige v. j. II. korr. aus des heiligen E. 9. messe E, messen S. 10. ensit—dis. mers f. S. 12. wand auf lias. E. ie] wie 88. 13. innerlich ES, innerlicher Druck. horte v. j. II. korr. aus höre? E, höret S. 15. unmessige f. S. 15 f. gn. lit an disem s. u. das also m. in. S. 18. anschinet S. 18 f. d. s. m.] sü S. 19. noch] und S. 20. slummenden S. 22. Ach] Sehent S. neweklichen S, gnaweclichen 88. 91. 23. enkeinen v. j. II- korr. aus inkeinen E. 24. Worten u. unnützen /'. 8. 25. bi f. S. 28. Die in E folgende Lücke von 1 Bl. ist hier aus S gefüllt. 320 GOg. Homo quidam fecit cenam magnam. dise fruht bevinden sol, der müs uz Egypten gevarn sin, uss dem lande der dunsternisse, sol ime daz himmelbrot werden das do smacket wie man es begert. Das brot wart aber dem userweiten volke mit also lange also sü des meles iergent traben liattent daz sü uz Egypten braht bettent, und do sü das 5 mel zümole verzert bettent, do gap in Got daz liimmelbrot, an dem fundent sü aller bände gesmag, so ir bertze gelüsten möbte. Nocb demme so der menscbe uz Egypten gevarn ist, uz der weite und uss weltlicher wandelunge, und wenet zümole uzkommen sin und geistlicb sin, alle die wile denne der menscbe das mel der naturen oder der creaturen an im hat und die neigelicheit der in- 10 bildunge, so smacket ime dise götteliche spise niemer in irme adel und noch rechtem luste siner indewendikeit. Alle die ie üt befundent von innan, die süllent alzümole warnemen diser anklebelicheit und süllent zu diser würdiger spise gon, nüt uf ire vollekomenheit, sunder umb ir grosse krankheit. Gelicher wise also obe ein menscbe kerne in also grosse krangbeit das men zümole ver- 15 zwifelte an sime lebende; vermöhte aber er es an demme ussewendigen gute wol, und möbte man ime sin leben domitte gefristen, so mähte man ime ein türe latwerge von gokle und von berlin, daz ime sin leben domitte gefristet wurde; nüt gebe man ime die spise durch lust, denne durch not sines lebendes: also sol der mensche diser türen edeln spisen nüt nemen dann um sine krang- 20 beit, das er nüt valle in den tot, das ist in minne geschaffener dinge. Und also der mensche dise türe edele spise het gessen, und truncke denne wasser deruf, so verderbet die kelte des wassers der spise ir würckliche liitze und hindert ire weg: rechte also geschult hie, wenne der mensche dise edel hohe würdige spise hat genummen, das heilige sacramente, und darnoch nimet 25 fremde bilde in sich und bekümbernisse und manigvaltikeit der dinge usse- wendiger, so wurt der mensche gehindert daz er nüt enpfenglich ist dez adels, und die liitze der minne wurt verlöschen und verkaltet, und der geist und die nature werdent ungeschicket zu dem innerlichen wartende des heiligen Werkes. Nu kummet der vigent, wenne der mensche in daz kirnt das er sich wil abe- 30 scheiden von allen creaturen, und sprichet es si ein trogheit: 'du mäht nüt geston'. So tut der — [140'J — blinde mensche als das Israhelische volk do si Moyses us dem lande von Egypten gefürte, und do si hinder sich sahen das in die von Egypten nach volgeten wol mit sechs hundert wegenen kament in nach 35 rüschende, do sprachen si: 'woffen! bettest du uns noch in Egypten 1. diser 88. Egyptenlant 88. 4. 7. Egyptenlande 88. 5. m. do z. 88. G. a. der h. 88. 7. usser den weltlichen Wandelungen 88. 9. u. ouch d. 88. 10 f. n. dem rehten 88. 17. u. ouch v. 88. 18. notdurft 88. 20. in die m. aller g. 88. 22. ir /'. 88. 23. dise] die 88. 23/1 hochwürdige 88. 28. h. sacramentes und w. 88. 32. Hier tritt Hs. E wieder ein. 32 f. us —lande f. S. 34 f. kament — rüschende /'. S. 60 g. Homo quidam fecit ceuam magnam. 321 gelossen und hetten gelitten was wir möchten, denne wir nu hie verderben müssen!' Recht also tünt dise zaghaften lüte, die von kleinen geloben sint. Als der vigent in nohet al rüschende über die steine mit den manigvaltigen vtcgemn der bekorunge, so gedenkent si: 'es ist ein affenheit; mir geschieht vil bas das icli in Egypten, in der weite, in bekümbernisse der creaturen und in 5 ir minne blibe, in der angste miner seien, denne ich si doch verlieren stille'. Alsus verblibet mauig mensche, das si Gotte nüt engetrüwent. So sol der mensclie vallen an unsern herren Jhesum Cliristum und bitten den das er sinen himelschen vatter für in bitte, mit vollem trüwende vallen uf in. Von der dritten Wirtschaft stillen wir bevinden als wir dar komen: des 10 lielf uns Got. Amen. GOh (= I, Nr. 35). Karissimi, liumili amini sub potenti manu Dei et c. Aller liebsten, demütigent üch under die gewaltigen hant Götz, uf das er üch erhöhe in der zit der beschöwunge. Alle üwer sorgveltikeit die werffent in in; wau er sorget für üch. Sint nüchtern unde wachent; wan üwer wider- 15 sache der tüfel der löffet umbe als ein briwmender lügender löwe, siiehent wenne er üch verslinde: dem wider/iiO'^stont mit dem geloben. Ir süllent wissen das ir die selbe lidunge haut die üwer brüderschaft lidet in der weite; sunder Got der üch geladen het in sin ewige ere, der sol üch volbringen und sol üch Sterken und stetigen in Christo Jliesu. Der nu 20 durch in ein kleines lidet umbe sin ere, dem si lob iemer ane ende.' Dis ist die epistole die uns der minnekliclie fürste min herre S. Peter für leit, an der Avir vindent ein gantze lere ze volbr'mgende und ze er- volgende alles das die lieilige kilche alles das jor begangen hat mit allen den hochgeziten, und wirt dis alles mit disem beslossen und ervolget, ob wir 25 das halten. Er sprach: 'lieben brüder, aller liebsten, ir süllent üch demütigen under die gewaltigen hant Götz'. 3/'. den man. weg. S, dem m. wone E. 9. b. und in. 8. vallen E 01, valle S. 12. in S (Stück 3S) zu der Übcrschr.: Die bredige usser sant Peters epistele von dem flirten snnnendage, leret drie tilgende, demütikeit, gütlich minne und bescheidenheit, und ouch wackerkeit wider den lügenden löwen des bösen geistes. Vgl 1. Pctr. 5,6. 16. brinneiider E, /'. 8. 17. wenne — üch ES, leorr. wen er 88. 20. Absats (%-Zeichen) vor Der statt vor Dis E. 22. fürste min E 89, f. S. 23. vor wir rad,: das E. 24. alles {nach kilebe) f. S. 25. vor besl. gestr.: concludiert vnd hie mit E. 26. bebaltent 8. Deutsche Texte des Mittelalters XI. 21 322 00h. Karissimi, humiliamini sub potenti manu Dei. Hie süllent ir drü stük merken die der mensche von not müs lian, und uf die gat alle unser übunge, wesen und leben, und ob uns diser eins gebristet, weles es ist, so ensol alles unser wesen, leben und alle unser übunge die enliilfet al ze mole mit, und ist alle unser arbeit nütznüt wert. 5 Die eine von disen das ist das uns S. Peter hie beisset das wir uns süllen demütigen. Das ist der grünt do alles das gezimmer des menschen leben und alle sine werk uf gebuwen müssent werden, oder es velt alles do nider. Das ander das ist wore götliche minne. Das dritte das ist bescheidenheit. 10 In disen drin ervolget der mensche alle vol- — komenheit. Nu het der minnencliche erbarmherzige Got die tugent alzümole gesenket in unser nature, wie er das bekante das uns diser dinge also notdurftig ist, und so hat er uns dis also heimlichen und in diseme dinge ein grosse sipschaft geben und das edele gotvar fünckelin, das uns vil inne- 15 wendiger und noher ist denne wir uns selber, und uns gar frömde und un- bekant ist umb unsere hochfart. Obe die nature nu in einer ordenunge stunde, so fundent wir die materie diser fügende in uns one underlos, und möhtent uns darmitte entsagen wol, obe uns reht were, und blibent wir bi uns selber. — Die materie und sache der demütekeit finden wir in unserme indewendigen und 20 ussewendigen menschen an zwein Sachen, daz ist natürliche gebreste, süntlich gebreste. AVeles der natürliche gebreste si, das sehe an ein ieglich mensche wie sin nature bedarf und verzert der dinge und wie die alle in ime ver- werdent; das ist uns allen wol bekant, der gebreste der naturen, und dis endet alles in einem nihte: also wir sint kummen von nichte, also werden wir wider 25 zu nihte. Die ander sache ist süntlich gebreste. 0, der wol bi ime selber blibe und ime selber heimelich were, wie grundelosecliche fünde er sich in dem süntlichen gebresten, und vindet wol wie one mosse sine nature in disem gebresten stot; und behüte sü Got mit, wie kräng, wie vellig, wie geneiglich dis ist one alles ende, unbegrifl'enlich, und wol endet diser gebreste in dem 30 ewigen tode und in der helle zu wonende mit den tüfeln. Nu mercke, ist dis nüt grosse materie zu demütekeit? Uf dise tugent wiset uns unser nature, wo wir uns anesehent indewendig oder ussewendig, das wir bevindent daz wir nüt gutes hant noch vermügent. — Die ander tugent ist wore götteliche minne; 2. gont S. 3. ist] si 8. ensol] hilffet S. 3 f. die—mole f. S. L nützn. wert] nüt 8. G. gezimmet E. 7. do E, dar 89, durch S. 10. disen drin] diseme 8. Die in E folgende Lücke von 2 Bll. ist gefüllt aus S. 11 f. t in uns alle gesenket w. 88, tugendo alle in uns gesenket w. 91. 12. das (vor bek.) f. 88. dinge f. 88. 13. notdurft 88. und (vor so) f. 88. also f. 88. heimlichen] himmelrich 88. dinge f. 88. 13 f. ist, vnd in disem hatt vns gott heimlich grosse frttntschafft than, das ist das edel Bruch. 15. denne — selber f. 88.91. 18. darmitte] denne der nüt 88. 20. Sachen] schaden 88. g. und s. 88. 27. v. ouch w. 88. 28. sü] in 88. 29. wo lendet 88. : 60 h. Karissimi, humiliamini süb potenti manu Dei. 323 die tugent liet Got gepflantzet und gewurtzelt in die nature. Vo n nature n minnet der mensche, und also ist die demütekeit nüt gepflantzet in den menschen, aber die kummet von ussen zu; die minne die ist gegruntfestent in den menschen. Beda sprach, es were also unmugelich das der mensche lebete one minne, also das der mensche lebete one sele. Stunde nu der mensche in rehter ordenunge siner naturen, so mäste er Got nie minnen denne sich selber. Das ist ein jemerlich ding das der mensche sin edel art also verkert und daz neigeliche werg siner nature kert zu den creaturen und lot den schöppfer der naturen. — Die dritte tugent ist bescheidenheit, die kunt von der Vernunft, Avanne der mensche ist ein redeliche creature. Wissent, wel werg ir würckent 10 das die bescheidenlieit nüt meistert, das ist mit gut, wanne es ist Gotte nüt geneme. Und darumb sprach sante Peter hie in der epistelen: 'ir süllent sin nüchtern und wacker', das ist: uwer bescheidenlieit sol nüchterlingen richten und regieren des menschen werg und sine wort und sin leben in allen stetten und in allen litten, zu allen ziten und in allen wisen indewendig und 15 ! ussewendig. — Nu nement wider die erste tugent: ir süllent üch temütigen under die gewaltige hant Gottes, so erhöret er üch an dem tage siner visitacien. Kinder, wenne uns Got visitiere, und vindet er uns nut in dem gründe der Avoren demütikeit, so sint wir übel dran, wan also die geschrift seit, Got hasset die hochvertigen, den demütigen git er sine gnode; wanne also vil 20 nie demütig, also vil grosser gnoden; also vil minner demütig, also vil minner gnoden in siner visitacien; vindet er uns denne hoch, sint sicher: so trucket er uns; vindet er uns nider, er erhabet uns uf; die niderunge gebirt die höhe; darumb demütigent üch und niderent üch, so werdent ir erhöhet. Kinder, sin hant ist also gewaltig, sü ist wise und gut und minnesani; so sint wir kräng 25 und blint und böse und mögent nüt one in getün. Darumb sprach er: 'alle uwer sorge werffent in in, wan er sorget für uns'. Und hettent wir an Gotte nüt nie fürganges und nochkomendes denne die getruwe sorge die wir tege- liche bevindent und wie er uns fürsiht in aller unser notdurft geistes und naturen und uns behütet vor manigem hertzeleide libes und der seien und uns 30 tegelichen tröstet und löset, und blibent wir bi uns selber, so wurdent wir sin avoI geAA'ar und solte uns vaste zu ime ziehen und reissen. Alleine alle ding in ime sint sunder manigvaltikeit und sorgveltikeit, so kunt uns niemer so kleines zu das von ime nüt geordent und angesehen si, das also sin solte 2. den] deine 91. 3. die] sü 88. 4. sprichet 88. 6 f. s. s. oder alle creaturen. 1). SS. 10. i. nüt w. 01. 11. es] das 88. 12. der] dirre 88. 15. in {nach und)] Li 88. 16. wider] wir 88. 18. wenne S 91, so 88. zu nut: 'Cod. 88, ausgesir.'. 19. zu übel: 'Ib. [SS] übel fehlt; beigeschr.: wol'; übel f. auch Ol. seit] sprichet 88. 20/1 a. v. demütikeit 88. 21. gn. und a. 88. demütikeit 88. 23. u. denne u. 88. 24. 'und niderent üch so werdent ir erhöhet fehlt; dafür: so erhöbet er üch, under der gewaltigen hant gottes' 88. 28. furgondes 88. 29 f. u. der n. 88. 31 f. sin wol] es on underlos 88. 32. uns] unser minne 88. 21* 324 GOli. Karissimi, humiliämmi sub potenti manu Dei. und nüt anders. Nu sant Peter sprach fürbas: 'sint nücliter und wacker', wanne der vigent, der löwe, wenne er lüget mit siner stimme, so ersclireckent die tiere also sere das sü nidervallent; so vert er über sü und isset sü: rechte also kummet der vigent lügende über den kleinen krancken menschen der nüt 5 wol gegruntvestent ist; so vellet er zühant darnider und lat sich den vigent essen. Hie heisset sant Peter wacker sin, das wir sinem bösen inwerffende widerston mügent mit dem glouben. [141''] Der mensche sol tun als ob ein stat belegen were: so man wisti das das her aller stärkest were und die stat aller krankest, do leit man aller 10 meist hüte zu, und tete man des nüt, man verlüre die stat. Keht also sol der mensche wackerliclien war nemen an welem ende im der vigent aller meist zu setze und wo sin nature aller krankest si und was aller meist sin gebreste si, und do sol man wackerlich engegen hüte setzen. Nu bringet der vigent also gerne den menschen in ungeordent truri- il5ke.it; wan von dem das der mensche och ansieht sinen natürlichen gebresten.. und die süntlichen gebresten do wir vor ab sprachen, so machet e s de n, menschen trurig und enge; so kumet diser löwe, der vijent, und bloset dir in: ' sich, solt du alsus in sorgen und in rüwen leben? Nein, es ist ein affenheit. Lebe du in fröiden als ander lüte und gebruche dines lebens; Got sol dir wol 20 rüwe geben an dinem endo. Leite nach dinem willen unde gebruche der creaturen die wile du jung bist; als du nu alt wirst, so wirt denne heilig'. Ach kinder, sehent für üch die wile es tag ist, das üch die vinsternisse nüt begriffe, und sint nüchtern und wacker und sehent für üch, wan do ist enkein wider keren, und sehent das denne mit in üch funden enwerde, wan 25 unser herre selber sprach: 'alle die pflanzen die min himelscher vatter mit gepflanzet enhat, die [141 v ] müssent mit der wurzel us geworfen werden'. Ach kinder, dar an sehent mit einem vernünftigen angesichte! Diser vigent der bringet den menschen in manigvaltige invelle. 'Ach', gedenket der mensche denne, 'heftest du nu einen bichter! mir ist dis und das in ge- 30 vallen. Wolfen, wo bist du nu dran!' Nein, liebes kint, von den invellen do weis ich gar wol von. Aber ich sage dir: ist dir in gevallen, so las och us vallen und bis ze friden und ker din herze zu Gotte und ensich es 2. v. louffet umbe also ein lügender lSwe suchende welichen er verslinde [ebenso 91], dem widerstont mit dem glouben, d. 1. 88. 3. t. alle a. 88. 5. do nider 88. 8. Hier tritt Hs. E wieder ein. 9. aller (nach stat) f. S, steht 88. 11. wele 8. 12. sin a. in. gebr.; dann sin gestr. und hinter meist v. j. IL übergeschr. E; aller meist f. S. 13. man] er S. engegen] sin 8. b. hin s. 88. IG. maehent sü 88. 17. und enge f. S. nach enge (v.j.H.?) gestr.: dis angesicht siner gebresten E. 24. Hinter enwerde steht S (89) die vinsternisse; f. E. 88. 91. 28. dem m. mau. S. Ach] so S. 31 f. las es o. S; es f. auch 91. 32. bis] sist 8. GOh. Karissimi, humiliamini süb potenti manu Dei. 325 mit an, enkose nüt der mit. Lo vallen, und manig getrenge kumet dir in die dir der vigent in bringet; das kumet alles von ungeordenter trurikeit. Ze lest bringet er den menschen in zwifel und sprichet: 'es ist ze mole verlorn'. Was sol der mensclie tun? Er sol sine sorge al ze mole legen in Got. Wirf dinen enker in Got! Wenne man in schiffen in nöten ist und ze mole wenet ver- 5 derben, so wirf et man den enker in den Ein, in den grünt: so erwerent si sich. Also wenne der vigent den menschen an kumet mit sweren bekorungen, es si inwendig oder uswendig, so losse der mensche alle ding und griffe an den enker und werfe den al ze mole in den grünt: das ist gantz vol*trüwen und hoffen in Got. AI zehant so leit man riemen und rüder zu und griffent alle an 10 den enker. Also solt du tun, in wel not du iemer kumest seien oder libes. Ach, könde der mensche disen enker getreffen in einer rechten [:M2 r ] wise an sime lesten ende, das er in einer götlichen hoffenunge und getrüwung e stürbe: das wer ein selig sterben 1 Ein mensclie solle, sieh an getrüwunge gewennen als an ander tilgende: das hülfe im an sinem ende. Dis ensol nüt 15 sin ein valsche getrüwunge. Das ein mensche übel wil leben und denne wil Gotte getrüwen, das ist ein sünde in den heiligen geist, das man wissende und wellende übel tut uf Götz barmherzikeit. Aber die getrüwunge meinet man, das der mensclie us deine gründe der woren demütkeit und niinne bekenne sin nicht vermügen und valle do mit in rechter bescheidenheit in 20 die helfe Götz. Und das tu mit einem gantzen woren kere frölich, wan den frölichen ufgeber den mimiet Got. Ensolt du dem nüt zemole getrüwen der dir als unmossen vil grosses gutes geton hat? E du ie mensche würde, so behaute er dine krankheit, das du sünden soltest, und vant ze vorderest die wise do du dine sünde mit verlöschen soltest, mit sime wirdigen tode, ane 25 unzellich gut das er dir alle tage und alle stunde und sunder underlos tut, Ker gentzlich ab und zu im. Wissent wel bekorunge der mensche hat: alle die wile das du stest in einem wankende, du süllest oder ensüllest, so engelat der vigent niemer ab; du bist in dem vil nach als überwunden. Aber wilt du 1. gedreng vnd angst Druck. If. enkose — ungeordneter] es sol dir nüt schaden, es tut dir der vigent und kunt von ung. S. 5. nöten] engesten S. f>f. und — verderben /'. S. (>• Hin ze gründe S. 7. sich des todes Druck. 9. al ze mole /'. S. 9/". gantz hoffen S, gantze hoffenunge 88. 10. nach rüder mitVerw. a. II. nachgetr.: zu E; steht auch S. 11. s. euch du S, soltu oueh 88. 12. getreffen ES, lies: gewerffen? 16. ein mensche] man S. 16 f. u. domitte gotte g. S. 17 f. wissentlichen und mit willen ÄS'. 18. Ab' scheint aus einem andern Wort (an?) korr. E. 19/". m. bekenne S, m. und bekennen E, m. und bekenne 91. 20. domitte mit b. S. 21. frölichen kere S. 23. unmossen /'. S. grosses /'. S. 24. zum [do zu dem 88] ersten S. 25. soltest erlöschen, das ist m. S. 26. tage —stunde] zit S. 27//". Ker — überwunden] Kere dich [K. gentzlich 88] zu gotte mit ernste, wanne alle die wile das nüt gesohehen ist [das — ensüllest 88 = JE], so enlot dich d. v. niemer on bekorunge und überwindet dich S. 29. vil — übferwunden] auf Bas. E. 29 f. du in üb. S. 326 60 h. Karissimi, humiliamini sub potenti manu Dei. überwinden, so tu einen wackern ganzen abker [142 v ] und sprich du enwellest nienier nie getun, mit eime gantzen kere: so hast du überwunden unde flühet denne der vigent mit schänden. Das der mensche sich iemer lot den vigent überwinden, do tü.t der mensche recht als ob ein wol gewoffent man gienge 5 ligen für ein fliegen und Hesse sich ze tode bissen. Wan der mensche hat verre starker woffen: den heiligen geloben, das heilig sacrament, das wort Götz, aller guter menschen bilde und der heiligen kilchen gebet, ane manig ander grosse bevestenunge, da für des vigendes gewalt vil minre ist denne ein fliege gegen einem bern, ob anders der mensche wil wider ston weckerlichen 10 und werfe sinen enker in Got manlichen, der im vil gütz hat geton. Kinder, sehent für üch: wenne ir koment an en weit, enhant ir dem vigende nüt widerstanden, so vallent ir in sine hant; er sol üch do wirs tun, das ir im gevolget hant; do enist kein wider keren. Och sol der mensche mit allem flisse sines grundes war nemen, wan 15 der mensche als valschlich lebet und betrüget sich selber. Er wenet Got und die lüte betriegen und verlürt sin edel zit und die gnade. Des git Got dem vigende die gewalt das er den menschen enkein gut werk lot tun. Sehent für üch die wile es tag ist und ir das liecht hant, und wande- lent in dem Hechte und hütent üch das üch das vinsternisse nüt begriffe, und 20 sehent in üwern grünt wackerlich von innan. Alsus entunt etliche [143 r ] nüt; alle ir würklicheit get uswert; wenne si von innan berüret werdent, alzeliant uf und enweg in ein ander lant, in ein ander stat; so enkunnent si nüt, si hebent ein ander wise an und löffent maniges in sin eigen Verderbnisse. So sol er ein arm mensche werden; denne 25 sol er in ein klosen, denne in ein kloster. Entrüwen die in das kloster koment, in einen bewerten orden und in ein slos, den ist wol; die koment in das sicherste, und ist das dinen ufsetzen ungelich; alleine si nüt alle, aber ir ein teil us eime götlichen trübende dar in ensint komen, so sint si doch do und Sprechent: 'herre, ich danken dir das ich hie bin; ich wil dir iemer dienen, 30 danken und loben, wie ich och her komen bin'. Und ir süllent das wissen: das aller minste snödeste werk das getan wirt in worer gehorsamin, das das selbe klein werk von der gehorsamin Avegen .wirdiger und besser und lonberer 1—3. sprich—Das] spr. mit dins hertzen meiminge du wellest dich hüten vor sünden iemer me, so fl. er von dir m. seh. Wau so 8. Der Schlufs des Absatzes mehrfach abgeändert und abgekürzt S. 8. zwischen da und für ein Buchst, rad. LI 11. vor enhant scheint vnd gestr. E. 15. der m.] er S. 21. etliche teüio. auf Bas. (urspr. süliche?) E. wspr. Tron; an gestr. und enne v. j. LI. übergeschr. E. 22. werdent, so loffent sü in ander 1. S. 22—25. lant und vahent an maniger hande wise und verderhent sich selber doinitte, denne wil er S (aber SS wie LS). 25. das] ein S. 27/1 alleine—komen] dis ist aber nüt ir meiuunge und [alleine sü nüt alle aber 88] ir ist wenig die darin koment in eime g. tr. 8. 28. vor dar (v.J. IL.?) gestr.: nüt E. 32. selbe —wegen f. 8. / 60 h. Karissimi, humiliamini sub potenti manu Dei. 327 ist wan alle die grossen werk die deliein mensche würket. Wenne ein mensche eins niiwen Werkes, einer nüwen wise wil beginnen, so valle des al zemole in Got, das er sin ere in im füge, und besehe vil eben ob siner gnaden also genüg si und ob siner trift recht si und ob sin nature also gevölgig si und ob er die kost bezalen müge die dar uf vellet, und kere in sin nicht vermögen und sehe 5 in sinen grünt und warte des und losse sin uslöffen sin und sehe ob er clisen grünt in der worheit in ime vinde: [143 v ] wore weseliche demütkeit, minne und bescheidenheit; het er dise, sicher so solte Got grosse und wunderliche ding in im würken. Nu sprach min herre S. Peter fürbas: 'brüder, wissent das ir die selbe 10 lidunge lident die üwere brüder lident in der weite'. Lieben kinder, es müs iemer gelitten sin. Der mensche der si wo er si, er müs ie liden, die dem vigende dienent in der weite. Sehent wie maniger stolzer helt und frisch geselle ir leben wogent und hant verlorn in dem dienste, den kein ander Ion enwirt denne das fleisch den wurmen und die sele dem tüfel. Was git in 15 ieman her umbe? So mngent ir gerne durch Got liden der sich selber und himelrich und ewig leben üch geben wil, und er hat selber gelitten. Sit das höbet hat gelitten, so scheinen sich die lidere ob si nüt enlident. Wer lidet noch als vil als unser lieber herre lasters und smacheit noch alle tage lidet? Were er in lidender wise als er was, so litte er nu verre me denne er do leit 20 do im der tot wart an geton; wan er wirt manig werbe des tages gekrüziget mit grüwelichem swerende, und im sin tot, sine wunden also verwissen werdent, und sin marter die wirt im tegelich ernüwet, und erfrischet sine wunden und vergossen sin tür blüt mit einer ieklicher totsünde in einer wise. Was lasters geschihet im tegelich, das sin reiner wirdig götlich licham tegelich wirt 25 enphangen in als manig unrein stinkent tafellich vas, das der Avelte der [144 r ] creaturen willeklich vol ist! Und wer es im in pinlicher bevintlicher wise, so wer es im swerer das in die nement, denne das in Judas enphieng. Wan dise bekennent in dem glöben das er ir Got und ir schepher ist, und das was im unbekant. Und möchtent sin frünt dis mit bevintlicher materielicher pine liden 30 als si es von herzen und mit smerzen der minne lident, so wundet dis ir herze und gienge durch ir sele und durch ir marg. Und möchtent si dis gewandelen mit liplichem sterbende, das sterben wer in frölicher wan ir 1. grosten S. die—würket] die von frigen willen werdent gewürcket S. 2. valle es domitte in S. 3. in im] do inne S. eben] genote S. sinen eren und gn. S. 4 f. und ob sin—vellet f. S, steht 88. 5. sin (vom Sehr.?) aus din korr. E. 8 f. grosser wunder in S. 12. Der m. der] ein m. S. liden, oueh die S. 14 f. dienste, und wurt in k. a. 1. wenne den w. der lichamc und iS'. IG /'. der üch daruinb wil geben sich s. u. das h. u. ew. 1., wanne e. h. ouch s. für üch g. S. 18. Schemen korr. aus schament? E, schament S. 19. sm. het gelitten und noch S. 22. tot und sin S. 2G. tüfellich f. S. weite der /'. S. 28. swerer E. 30. möchtent S, möchtent E. 31. wundete S. 32. gienge teilw. auf Bas. E; urspr. got? i 328 60 h. Karissimi, humiliamini sub potenti manu Dei. natürlich leben, das irem genanten Gotte und lierren das laster und unere geschieht. Liehen kinder, dis ist denne alles sament der wore und der sicher rechte weg, als uns min herre S. Peter geleret hat, das wir uns süllen 5 demütgen und wie die demütkeit sol unser grünt sin und minne sol unser gezimber sin und redelicheit, bescheidenheit, die wir uf den grünt süllen gebuwen han: so erhöhet uns Got in dem tage der yisitacien. Kinder, der ist vil die uf sint gegangen in der vernünftiger wise und hant geflogiert in hohem verstonde und ensint durch disen weg mit gegangen: 10 die vallent alle dernider und vallent in den grünt. Wan: so hoher berg, so tieffer tal. Das wir nu alle in dem rechten gründe müssen funden werden, das uns Got ufziehen müsse und sprechen: 'frünt, gang uf, des müsse er uns allen helfen. Amen. 61. 15 flli 1 '] Hie venit ut testimonium perhiheret de lumine. 'Diser ist komen das er gezügnisse gehe von deme liechte.' Unser müter die heilige kilche die beget dise wuche das hochgezit des hohen wirdigen heiligen mins herren S. Johans Baptisten. Das wir den mit Worten wolten loben, das wer gar ein klein ding; wan unser herre Jhesus Christus der hat 20 in wirdeklichen gelobet und hochlichen und hat gesprochen das Wider der wiben süne ensi nieman uf gestanden als gros als Johannes. Er sprach och: 'wes sint ir usgegangen ze sehende? Einen proplieten? Diser ist merre denne ein prophete', und sprach: 'war zu sint ir usgegangen? ze sehende einen menschen der mit weichem gekleidet ist? oder süchent ir 25 ein l'or das von dem winde wirt geworfi'en har und dar? Nein, des ist hie mit'. Und er sprach selber von im selben, er wer ein stimme die do rüffet in der wiisti: 'bereitent den weg unserm herren und machent gereht sine phede'. Und man singet dise wuchen von im das er si ein lucerne lüchtende und 6 f. red. und besoh. süllent wir u. d. gl. geb. b. S. 15. in S (Stück GS) zu der Ubcrschr.: 'Joh.1,7'; dann: Die ander bredige von sant Jobans baptisten seit von zweien liebten der gnoden und der glorien und wie wir das gezügnisse enpfoben süllent das wir be- vindent die minnende minne, die quelende minne und die rasende minne. 16. gezügnisso E. 17. iirsjir. der heiligen kileben, v. j. IL hon: u. rad. in die beilige kilche E; so auch S. 20. wunderliehen S. 20 f. under aller wiben sunen S. 21. vor ensi rad.: so K 22. was S. 24. weichen kleidern gekl. S. 61. Hie venit ut testimonium perhiberet de lumine. 329 burnende. Und S. Johans ewangelist schribet dis wort von im das er were ein gezügnisse von dem Hechte. Dis ist das wort do unser rede uf sol gon. Nu wie möchten wir im disen heiligen her über geloben? Nu ist dis wort: er ist ein gezüg von dem liechte. Das liecht das ist ein weselich, ein über bekentlich übertreilich liecht, des er ein gezüg was. Dis liecht [145 r ] das 5 lüchtet in das aller inwendigoste, in das aller tiefste des menschen grünt. Und wenne dis liecht und dis gezügnisse den menschen an kumet und beginnet rüren, so des der mensche warten solle do es ist, so leert sich der mensche von dem gründe und kert den orden umbe und Avil us löffen gegen Triele und neiswo hin und enphahet des gezüges nüt, umbe ir sinnelich uswürklicheit, 10 Also shit och ander lüte die dis gezüg mit enphiengent. Er kam in sin eigen, und die sine die enphiengent sin nüt, Dise die sint widerwertig wider das liecht. Si sint von weltlichen herzen und sint als S. Johannes sprach zu den pharisen: natren gesiechte, und si sprachen si weren Abrahams gesiechte. Si sind widerwertig allen den die das liecht minnent. Das ist ein sörgklich engst- 15 lieh ding. Dise hangen! kume als an eime vademe an dem liechte und an dem glöben. Nu süllen wir hie prüfen: die nature die ist krank und envermag zemole nüt; des hat ir der barmherzig Got gegeben ze helfe ein übernatürlich helfe und ein übernatürlich kraft: das ist das liecht der gnaden. Das ist ein 20 geschaffen liecht; das über hebet die nature verre über sich, und das bringet alle die kost mit im der die nature bedarf in der wise. Dar über ist denne ein ungeschaffen liecht: das heisset man das liecht der glorien. Das ist ein gütlich liecht und das ist Got selber. [145'j Wan süllen wir Got bekennen, das müs sin durch Got, mit Gotte, in Got, Got durch Got, als der prophete 25 sprach: 'herre, in dime liechte so sehen wir das liecht'. Dis ist ein über swenklich liecht; das liecht erlüchtet einen ieklichen menschen die do koment in dise weit. Das liecht Übersicht alle menschen bös und gut, also als die sunue schinet über alle creaturen: sint si blint, der schade si ir. Wer das der mensche were in einem vinstern huse, könde er denne als vil lichtes gehaben 30 das er ein venster oder ein loch könde vindew uf geton, das er sin höbt könde us gestossen: so were er in dem liechte. Diser git gezügnisse von dem liechte. Nu süllen wir war nemen wie der mensche sich zem ersten zu dem gezügnisse halten sülle, das er es enphahen müge. Das ist das der mensche 1. J. ewangelium von im seit das S. 3. das erste Nu f. S. 3 f. disem h. harüber ge- sagen lop und ere? Er S. 4. Das liecht f. S. 5. übertreflich] überwesenlich S. was f. S, si 88. 8. k. er sich v. S. 9 f. gegen — hin] hin und har S. 10. 11. geztignisses S. 10. ir] sein Bruch. 12. wid'w'tig auf Bas. E. widern, dem lichte 8. 14. phariseen S. nach phar. gestr. (vom Sehr.?): das si were E. lof. engstlich f. S. 1(1. als f. S. 18 f. u. vermag sich 11. S. 19 f. z. h. e. ü. krat't und Sterke, das 1. S. 21. das erste über /. S. 23. man f. S. 21. und /. 8. 27. der do klimmet S. 28. übersiht korr. in über- schiuet 8. 31. vinde E, vinden S. 32. Diser — liechte f. S. 330 61. Hie venit ut testimonium perhiberet de lumine. sich ab scheide von allem dem das zitlich und zergengklich ist; wan dis gezügnisse wirt geben in die nidersten und obersten krefte. Die niderste das ist die begirliche kraft und die zürnende kraft: das ist die lustheit die do das gezügnisse nemen sol; die sol sich zem ersten abscheiden von lustlicheit der 5 naturen und der sinne, wo er vindet genügde: es si an menschen oder an kleidern oder kürtzlichen wo er siner sinne lust vindet; der notdurft der gan Got den menschen wol. Dis ist wol ein wüstunge do die stimme Götz in ruhet, und dis heisset ein abgescheiden leben, dise abgescheidenheit von aller lust geistes und naturen inwendig und uswendig. 10 Zu [146 r J dem andern mole so wirt dis gezügnisse gegeben in die zürnende kraft: do wirt der mensche geleret stetekeit und starkheit, das der mensche als unbeweglich wirt recht als ein stehelin berg, ob er dis gezüg enphangen hat; mit das der mensche sich her nider losse werfen als ein ror. Das unser herre von im sprach, er wer nüt der mit weichen kleidern gekleidet 15 were, bi dem verstot man lüte di irs libes gemach minnent und süchent. Nu vindet man die lüte die das wol versmohent; aber das ror sint si al ze sere, das si umb ein affechtig torecht spottende oder hert wort al zehant werdent beweget und entsetzet als das ror. Ina, selig mensche, was schadet dir ein wort? Aber im kumet der vigent und bringet dir in nu dis, nu das; so 20 wirst du imordenlich trurig: nu fro, nu unfro, im alsus, nu also: ir sint recht rorecht volk. Nu wirt dis gezüg och gegeben in die obersten krefte: in die Vernunft, in den willen, in die minne. In der Vernunft do ist es ein prophete. Propheta spricht als vil als der verre sieht: videns. Die Vernunft die sieht verre, so 25 verre das es ein wunder ist wie verre si sieht; do ein erlüchtet mensche were der noch denne nüt in clisem enwere, als er horte verborgene ding, so git im sin grünt des ein gezüg und sprichet: es ist recht also. Nu sprach er: 'er ist nie denne ein prophete', das ist: in disem gründe do die Vernunft nüt gelangen enkan, do sieht man das liecht in dem liechte, das ist: in dem inwendigen 30 liechte do [MG"] sieht man, in dem creaturlichen liechte do sieht man, do verstet man das göttelich, das ist in dem liechte der gnaden. 3. lustlicheit 8. 4. gezüg"is>>° E, s. o. 328, IG; 330,10; gezüg unverändert 330,22.27; 333,7; 335,19.21; dagegen 329,32.34; 330,2 die längere Form. scheiden«. 5. gen. zu allen dingen, es S. G. v.; aber der S. 7. dem m. 8. 8. d. abg. fehlt S. d. abg. ist v. Druck. 10. gezügiii«^ (e loolü irriüml.) E. 11. z. k. in der wurt gelert st. S. 12. gezügnisse S. 14. n. der der m. weichem gekl. S. 15. verst. man] sol man merken S. gem. nflegent, m. S. IG. die {vor lüte) /'. S. IG /f. v., sü sint aber daz ror, wan umb ein klein ding, werg oder spotlig wort werdent sü züliant b. also S. 17. si auf Bas. E. 18. entsetzte auf Bas. E. Ina auch S. schat in schadet v. j. II. leorr. E. 18 f. e. solich w. S. 19. bringet] treit S. 20. u. betrübet und tr. S. nu unfro 8, f. E. denne a. denne a. S. 21. dorehte lüte S. 24f. so —sieht] wunderlich verre, also verre S. 2G. in disem grundt hie nit stund, wer das er höret Druck h. sagen v. S. 27. gez. das es ist r. a. S. er] Jesus Christus Druck. 61. Hie venit ut testimonium perhiberet de lumine. 331 Zu dem ersten in einer bedekter wise. In disen grünt so enmügent die krefte mit gelangen bi tusent milen nahe. Die wite die sich in dem gründe do wiset, die enhat weder bilde noch forme noch wise; es enhat weder hie noch do; denne es ist ein grundelos abgründe swebende in im selber sunder grünt, als die wasser wallent und flogierent: iezent sinkent si in ein abgründe 5 und schinent als do kein wasser ensi; über ein kleine stunde rüschet es her us_als ob es alle ding ertrenken welle. Dis gat in ein abgründe; in disem ist eigeulich Götz wonunge verre me denne in dem himel oder in allen creaturen; der liar in gelangen könde, der fünde do werlichen Got und fünde sich in Gotte einvelteklich; wan Got enscheidet niemer von disem; im wer io Got gegenwürtig, und ewikeit wirt hie bevintlichen und smeklichen funden, und do ernst weder für gondes noch nach körnendes. In disen grünt enmag kein geschaffen liecht nüt gereichen noch gelüchten, wan allein Götz wonunge und sin stat ist hie. Dis abgründe das enmügent mit nute erfüllen noch gegründen alle creaturen; si enmügent mit nute begnügen noch gefriden, noch 15 nieman wan Got mit aller siner unmosse. In dis abgründe gehört allein das göttelich abgründe. Abyssus abyssum invocat. Diser [M7 r ] grünt, der des mit flisse war neme, der lüchtet in die krefte under sich und neiget und reisset beide die obersten und die nidersten zu irem beginne und zu irem Ursprünge, ob es der mensche war neme und bi im selber blibe und wer 20 gehörig der minneklichen stimme die in der wüstunge in disem gründe raffet und leitet alles in bas in. In diser wüsti do ist also wüst das nie gedank in die in kau. Nein, nüt: alle die vernünftigen gedenke die ie mensche gedachte von der heiligen drivaltikeit, do etliche vil mit umbe gont, der enkan nie keiner her in. Nein, nüt; wan dis ist so innig, so verre und so verre; 25 wan es enhat weder zit noch stat. Es ist einvaltig und sunder underscheit, und wer her in geratet recht, dem ist als er alhie eweklich gewesen si und als er ein mit dem selben si, noch denne das es nüt enist denne ögenblike, und die selben blicke die vindent sich und zöigent sich ein ewigkeit; dis lüchtet es us und git ein gezüg das das der mensche was e weltlichen in Gotte in siner 30 ungeschaffenheit. Do er in im was, do was der mensche Got in Gotte. Sant Johannes schöbet: 'alles das gemacht ist, das was in im ein leben.' Das selbe das der mensche nu ist in siner geschafl'enheit, das ist er 2 f. gr. bewiset S. 5. und flogierent f. S. iezent teilw. auf Ras. E; nu S. 6/ 1 . kl. wile rusebet e. h. wider u. S. 7. in ein abgr.] nider 8. 8. verre f. S. 9. fünde (vor sich) f. S. 10. gescheidet sich n. S. 14 f. abg. mug. alle er. nit ergr. u. erfüllen, sü S. 15. befriden 8. 17 f. Der dis grundes m. it. wolte waniemeu S. 21. nach gehörig steht ist E, f. S. 22. in nach bas f. S. 23 f. in die in kan] drin kam S. 25. wan dis] es S. tu so auf Bas. E. 25/'. und so —enhat] und het 8. 27. recht f. S. 28. noch — ögen- Mike] und si do nument ein ougenblig S. 30. gezüg, hon. gezügnisse S. das das so E; '••' des das?; das er, Jcorr. das es S, r 332 Gl. Hie venit ut testimonium perhiberet de lunrine. eweklich gewesen in Gotte in ungeschaffenheit, ein istig wesen mit im. Und als lange als der mensche nüt in die luterkeit enknmet, als er ns dem Ursprünge geflossen ist in sin geschaffenheit [M7 V ] us der ungeschaffenheit, so enknmet er niemer wider in G-ot, alle die neiglicheit und die ankleblicheit und 5 gutdunklicheit und alles das den grünt verunlutert liat in deheiner besitzunge, das ensi al ze mole us, und alles das der mensche mit lust ie besas willeklich in geist oder in nature, das in unordenunge ie in in geviel und wissendes und wellendes enphieng, das enwerde als gantz abgetilgget als eins im flos, so enkumet er niemer wider in den Ursprung. Und do mit enist 10 der luterkeit nüt geniig, der geist enwerde über formet mit dem liechte der gnaden zem ersten. Und der der überformunge nu völleklichen volgete und ein in gekert mensche were in sinen innigen grünt in rechter ordenunge, es möchte im wol erlingen das im in disem lebende würde ein blik der obersten überformunge, sunder wie das nieman in Got enmag komen noch Got 15 enmag erkennen denne in dem ungeschaffen liechte und das ist Got selber. I) omine, in 1 umine tuo videbimus lumen. Der nu in sinen innigen grünt dicke kerte und dem heimlich were, dem würde manig edel blik von dem inwendigen gründe, der im noch klorer und offenbarer were (das Got ist) denne sinen liplichen ögen die materieliche sunne. Disem gründe woren die beiden 20 heimlich und versmochten ze mole zergengküche ding und giengen disem [148''] gründe nach. Aber do kamen die grossen meister als Proculus und Plato und gabent des ein klor undersclieit den die dis underscheit als verre nüt vinden enkonden. Sant Augustinus sprach das Plato das ewangelium In prineipio al zemole bette vor gesprochen bis an das wort: 'fuit homo 25 missus a Deo', und das was doch mit verborgen bedekten Worten, und dise fundent undersclieit von der heiligen drivaltikeit. Kinder, dis kam alles us disem inwendigen gründe: dem lebtent si und wartent des. Das ist ein gros laster und schände das wir armen verbliben volle, die cristen sint und als grosse helfe haut, die gnade Götz und den heiligen glöben und das heilig 30 sacrament und als manig grosse helfe, und gont recht umbe als blinde hiinr und erkennen! unser selbes nüt das in uns ist, und enwissent dannan ab ze mole mit: das machet unser grosse manigvaltikeit und uswendikeit, und das wir als vil mit den sinnen würken, und unser ufsetze, die vigilien und die G. dene (hinter ensi) v. j. 11. mit Veno. a. li. E. vii übergeschr. E. 7. gewillichc S. in unord.] unordenliclien S. 8. wisendes E. en (in?) rad. und nach werde mit Veno. a. li. dene (v. j. II.?) nachgetr. E. 9. den] sinen S. 10. enwerde hier belassen; danach (am Zeilenschlufs) dene v. j. IL zugefügt E. 11. der (vor der) auf lias. E. 14. sunder /'. S. IG. iimewendigen S. 21. Protuliis? E, Proculus S. 22. als verre f. S. 23. Aug' E. 24. al zemole] gantz S. 24 f. Hier stehen die lat. Worte auch in S. 25. verborgen f. S. 27. wartetent S. 30. und —helfe /'. S. 31. bekennent S. n. noch d. S. 31/". und enw. — nüt f. S. 33/". ufs, der v. und s. S. Gl. Hie venit ut testimonium perMberet de lumine. 333 seiter und die des gelich die uns uf lialtent, das wir in uns selber niergent enkünnen komen. Nu, lieben kinder, der sine vas nu nüt enkünne gefüllen mit edelem kipperwine, der fülle si aber mit steinen und mit eschen, das sine vas nüt ze mole ital und lidig eubliben, das der tüiel nüt drin envar. So ist besser 5 das er der fünfzige vil bette. Noch ist ein gezüg in den [148"] obersten kreften, das ist in der minnende« kraft, das ist der wille. Wir hau dise wuchen von im gesungen: 'lucerna lucens et ardens, er ist ein lüchtende und brinnende lucerne'. Dise lucerne hat hitze und liecht. Du bevindest der hitze an der liant, und 10 doch siehst du des füres nüt, du sehest denne obnan in, und dis liecht ensihest du nüt denne durch das mittel des hornes. Ach, kinder, der disen sin wol markte und neme dis Hechtes und der hitze dicker war! Das ist die wundende minne, die sol dich in disen grünt füren. Und alle die wile so du in der bist, so solt du dich reissen und 15 stürmen mit der minne und tennen und spannen dinen bogen in das aller höchste. Aber kumest du in die gevangene minne in disem tieften yer- borgenen abgründe, so müst du dich lossen der minne nach irem willen; do bist du in migewalt din selbes: do ist weder gedanke noch öhunge der krefte noch werk der lügende. Aber wirt dir als vil gerumes das du als vil lidig wirst 20 das dir ein gedanke mag werden und wider in die wunden minne vellest, so tu al zehant einen swank und richte und reisse dich in stürm mit der minne und beger und bit und trib die minne. Enkanst du nüt gesprochen, so gedenke unde begere, als S. Augustinus sprach: 'herre, du gebütest mir das ich dich minne: gib mir das du mir gebütest; du gebütest mir dich ze minnende [149'J 25 von allem herzen, von aller sele, von allen kreften und von allem gemüte: gib mir, herre, das ich dich minne für al, über ab' Ob du nu als grob bist das du mit dem gedanke nüt enkanst, so sprich mit dem munde. Dis entünt die nüt die sich ungeübet do nider setzent als es alles geton si, und haut diser minne nüt. 30 Her nach kumet die qwelende minne; denne zu dem vierden mole so kumet die rasende minne. Ach, lieben kinder, die minne ist recht under gegangen und die Vernunft die ist recht uf gegangen. Die lüte die enwurdent nie als vernünftig ze geltende und ze verhelfende als nu. Die rasende minne 4. kipp, w.] baisam Drude. mit st. u. m. e.J mit schlechten wein Druck. sine vas] sü S. 5. lidig-] 1er S. G. nach fünfzige (so auch S) ein r raä. E. v. nssbette S. V- gezüg, Jcorr. gezügnisse S. 8. miunenden S, minnende E. 15 f. und stürmen f. S. 19. in ung.] ungewaltig S. 22. richte dich in den st. S, riebt dich auf v. r. d. mit einem gesturm Druck. 23. beger und f. S. gespr.] reden S. 24. Aug-' E. 27. für ««/■ Ras. (urspr. vor?) E. nu; der Sirich v. j. H. nachtr. E. 28. Dis] Aber dis 8. 29. und] die S. 334 61. Hie venit ut testimonium perliiberet de lumine. die gelicliet sicli der lucernen. Der minne liitze der wirt er wol gewar; si machet in ungestüme in allen sinen kreften: er qwilt nach der minne, und das er si hat, des enweis er nüt. Si verzert dir das marg und das blüt. Hie sich für dich das du die nature nüt mit dinen uswendigen ufsetzen 5 enverderbest, wenne die minne ir werk sülle würken, das du ir denne üt entwichen dürfest, du mügist ir denne gevolgen in irme stürme und in ir uswiirk- licheit. Dis Sprechent etliche, si wellent sich vor dem stürme hüten, das si nüt ze schänden enwerden; es engehöre zu irem leben nüt. Kinder, wenne die unsinnige minne kumet, so get das menschlich werk 10 under: so kumet denne unser herre und sprichet [149"] ein wort denne durch den menschen: das wort das ist edeler und nützer denne hundert tusent wort die alle menschen mügent gesprechen. Sant Dyonisius sprach: 'wenne das ewig wort wirt gesprochen in den grünt der seien, und der grünt als vil bereitschaft und enphenglicheit hat das 15 er das wort mag enphahen in siner allikeit und geberlichen, nüt teilhafteklich, sunder gentzlich: do wirt der grünt ein mit dem worte unde wirt das selbe selb in dem worte, allein doch der grünt sine geschaffenheit behalte in der weslicheit, mer in der vereürange'. Und das bezüget unser herre do er sprach: 'vatter, das si ein werden als wir ein sint'; und als er och sprach zu 20 S. Augustinus: 'du solt gewandelt werden in mich'. Kinder, her zu mag nieman komen denne durch disen weg der minne. Nu sprach S. Johans das er si ein stimme des rüffenden: 'bereitent den weg dem herren': das ist der weg der tilgende. Der weg ist ein gar siecht ding. Und er sprach: 'und machent siecht — oder richtent — sine füsphede'. 25 Die füsphede sint behender wan der weg. Der ietzunt in dem körne die füsphede solte suchen, es müste im gar sur werden und irre gan, und die füsphede die richtent doch und kürzent den weg gar vil me wan die gemeinen breiten Strossen. Kinder, der die phede gereichen könde die do leitent in den grünt, 30 ach wie richtet er und [150 r ] kürzete er sinen weg so sere das er echt des grundes war neme und vor allen dingen bi im selber blibe und neme der phede war; die sint gar wilde, gar behende und dünster, gar unbekant und frömde: der es war neme, so enist kein widerwertikeit noch getrenge uswendig noch inwendig, ja och gebreste die uf den menschen vallent, es ensi alles 35 leitende und lockende und tribende in den grünt. 1 f. 1. und wurt d. m. h. wol g. und m. 8. 3. n. und v. ir d. S. 7. etliche teihv. auf Bas. E. Ettel. spr., si S. 8. irem leben teilw. auf Ras. E. 10. denne gestr., aber wieder an den Band gesetzt E. spr. denne ein w. d. d. m. 8. 12. möhtent 8. 15. adenlich- keyt Druck. IG f. unde — worte f. S. 20. Aug' E. 22. stimme rüffende S. bereiten* E. 23. ein f. E. 24. ding f. S. und m.—fäsph.] ribtent sine pfede S. 26 f. i. gon u. ribtent doch u. k. S. 29 f. gr., der rihtete u. k. s. w. S. 32. war, wanne sü s. S. wilde gar f. S. 34. ja och] noch S. 35. nach grünt gestr.: der es echt war neme E, steht S. 61. Hie venit ut testimonium perhiberet de lumiue. 335 Och sol man suchten die phede von innan; der sol man war nemen, des geistes zu Gotte und Gottes zu uns; wan die sint gar behende und verborgen. Und dis verkerent vil lüte und löffent alles uf uswendig übunge und würk- licheit und tünt recht als der ze ßome solte gon, das ist das lant uf, und gienge denne das lant ab gen Hollant: so er fürbas gienge, so er rae des 5 gondes verirrete. Und als dise menschen denne her wider umbe koment, so sint si alt und tut in das höbt we, und enkünnent der minne nüt genug gesin in irem werke, in irem stürme. Kinder, wenne der mensche in disem stürme der minne ist, so ensol er nüt gedenken uf sine sünde noch uf demütkeit noch nüt denne das er der 10 minne genüg si in irem werke. Man stürmet och wol mit der minne in kalt- heit, in gelossenheit, in hertikeit; da sol man sich der minne lossen und halten ir gantze trüwe und arm und ellent sin von allem dem das die minne nüt enist, [150"J und hab stete emzeklich begerunge und ein gantz sicher getrüwen, und halt dich hert zu der minne, und du solt als gros und als vil bevinden als 15 ie mensche in der zit bevant. Als din trüwe mit gantz enist, so sinket diu begerunge nider, und dine minne die verlöschet, und also enwirt dar us nüt. Und wissest: hast du alle die Wortzeichen die man gehaben mag, und envindest dis gezüg nüt der minne, so ist es alles verlorn. Dis mag dich harte wol bedunken, und der vigent der lot dir gerne alle die andern, echt das dir dis 20 wore gezüg der waren minnen nüt enwerde. Die betrogene minne die lat er dir. Och wol maniges dunket es habe die minne; aber sehe er tief in den grünt, er fünde wol wie es umbe sine minne stünde. Alles das üch gebrist, das ist: ir enkünnent in den grünt nüt komen; kement ir dar in, so fündent ir die gnade, wie üch die ane underlos manet zu eime uf erhabenen gemüte über üch selber. 25 Der manunge widerstat der mensche als vil und als dicke das er der als unwirdig wirt das si im eweklich niemer ine enwerdent; das verderbet der mensche alles mit sime gütdunkende. Aber wer der mensche gehorsam den blicken der gnaden, sie solten in füren und bringen in alsolich vereinunge das er in der zit befünde des er eweklich gebruchen sol, als wol befunden ist. 30 Das uns dis allen geschehe, des helf uns Got, [151 r ] Amen. 1. i. und sol ir w. n. und d. S. 5—7. so ie nie er irrete und verrer ginge; u. so er d. h. w. u. kerne, so were er a. S. 7. in] ime 8. 8. iren werken und in S. 13. arm eilende 8. sein Druck, f. ES. 14. emzeklich f. S. 15. u. solt als vil S. 10. vor bevant stand urspr. ie; dann (v.J.3.9) gestr. E; steht S. 19. gezüg, leorr. gezugnisse S. alles f. S. harte /'. S. 21. urspr. nach enwerde: der woren minne; dann dies gesir. u. dafür (v. Sehr.?) vorher zwischen der und minne übergeschr.: waren E; wie oben auch S. Die — dir] er lot dir d. b. m. S. 22. er (vor tief)] es S. 23. er (vor fünde)] es S. 25. uf f. S. 26. der (vor als)] ir 8. 29. vor füren rad.: dar? E. 33G G2. Estote misericordes sicut et pater vester misericors est. 62. Estote misericordes sicut et pater vester misericors est. Man liset dis ewangelium von der wuchen, das unser herre sprach: 'sint barmherzig als üwer vatter barmherzig ist; vergent, das üch vergeben werde; gent, das üch geben werde. Mit der selben 'mosse so ir us messent, mit 5 der selben mosse sol man üch wider messen. Man sol üch geben ein gute mosse, ein zu gegeben mosse und ein getrukte mosse und ein überfiiessende mosse in üwer schos'. Von dem ersten ein wort: 'sint barmherzig als üwer vatter'. Kinder, die tugent die ist ietzunt gar frömde, ein ieklichs engegen sime nechsten in 10 aller der wise do er es bedarf, mit allein an den gaben, sunder och an dem vertragende sine gebreste mit barmherzikeit; nein, sunder ein ieklichs vellet uf den andern mit urteil. Als ein slag vellet uf den menschen al zehant sunder beraten, so kumet dis und leit des sinen dar zu, das ze beswerende und ze verkerende und das in dem aller hosten und sweresten für ze bringende, und 15 die leide zunge von der unzellich leit kumet, die ist al zehant do, e denne er zu siner bescheidenheit kome. Arm mensche, beite doch als lange das du zii diner bescheidenheit körnest, das du doch wistist und gedechtest was du sprechest, und das ist doch ein sehentlieh lesterlich ding. Wer hat dir dis urteil bevolhen? Unser herre sprach: 'der urteilt, der sol verurteilt werden; 20 wan also als [151"] du us missest, also sol man dir wider messen'. Hie von mit nie, denne von den mossen verstent von den unser herre sprach. Er rüret vier leige mosse die den menschen süllent gegeben werden: ein gute mosse, ein zii gegeben mosse, ein getrukte mosse und ein überfiiessende mosse. Dis legent die heiligen alsus us: die gute mosse, das si das der 25 mensche stet in dem das er in das ewig leben komen mag. Die ander, das der lieh am mit der seien nach dem jüngsten tag sol geclariflciert werden: da s ist die zfl gegeben mosse. Die getrukte mosse, das ist das der mensche sol mit gebruchlich sin mit allen heiligen. Die überflüssige mosse das ist die grosse mosse: Götz gebruchen sunder mittel. 1. in S (Stück 30) zu der Übcrschr.: 'Luc. 6,36u.f.'; dann: Ein ander uzlegunge des egenanten ewangelies, seit von vier mossen die dem mensclien süllent geben werden und von zweien greten eines göttelichen lebendes und wie wir unsern ebenmenscben minnen sülleut. — Denselben Text behandelte bereits oben St. 3S, das in S dem unsrigen unmittelbar vorangehl. 2. der ES, diser 88. ?, f. vergent, so wnrt üch v. S. 8. \i. bimeliscber v. S; SS wie E. 10. och mit Verw. {wohl vom Sehr.) a. 11. nachgetr. 11. 11. sins gebresten S. ein /: 8. 14. Und sw. f. S. fürbringet S. 16/". das — gedeebtest] untz du dich bedenkest S. 17. wisjtist so (neben gedeebtest; E. 20. messen E, inmessen 8, nsmessen Ol. 21. denne /'. 8. von den (vor unser)] als hie S. 23. überfiiessende E 80, überflüssige 8. 24. m. ist das d. S. 26. nach] an S. 28. mit (nach sol) f. 8. 62. Estote misericordes siout et pater vester misericors est. 337 Nu süllen wir noch in eime anderen sinne us legen. Hie stet uns zu dem ersten ze merkende weles dise messe si, das vas do man mit misset; zu dem andern mole: wer der si der hie misset. Die niosse do man mit misset, das ist die minnende kraft, das ist der wille. Dis ist die rechte eigenliche mosse do alles des menschen werk und leben und sin 5 ewige selikeit mit. gemessen wirt; dem engel weder ab noch zu, denne als gros u nd wit die mosse ist. Der messer der dise mosse us misset, das ist din erllichtet bescheidenheit. Nu verstont zu dem ersten von diser guten mosse: das ist das der mensche sineii willen zfi Gotte köre und lebe in den gebotten Götz und„der io heiligen kil/"i5^'7ciien und lebe in aller ordenunge, in den heiligen sacramenten, in dem geloben, und im sine sünde leit sind, und gautzen willen habe die niemer me ze tüude, und lebe in penitencien, das nu wening ieman tun wil, und lebe in der vorchte Götz und minne Got und sinen nechsten. Kinder, dis ist und heisset ein recht eristen leben und ein cristen 15 mensche, und dis ist ein gute mosse, und dis leben das gehört in das ewig leben sunder zwivel, und dis ist ein notdürftige rede. In dise mosse hat Got etteliche lüte geladen und gerül't'et, und er enhöischet nüt nie von in denne dis, und möchte wol geschehen das die selben menschen in disem wege als luter- lichen lebten das si sunder alles vegfür in das ewige leben füren. 20 Noch denne ist dis der niderste grat ze Gotte ze körnende, und die andern menschen die Got gerüffet hat, zu eime vil höheren grate und zii eime vil höheren ende komen süllent, das doch die selben menschen süllent komen in ens vegfür und süllent do gesotten und gebraten werden und also uumessig vegfür liden das enkein lierze gegründen enmag. In disem so dis us gelitten 25 ist, so überverl er disen me nschen busenl busent grete hoher. Als der mensche an hebet ein geistlich leben, zii dem ersten so halt er im für vil guter uswendiger tibunge: betten, venien, vasten und vil guter wise. Denne wirt im ein zii gegeben mosse, das ist: ein innerlich inwendig übunge, das der [152 v ] mensche in kert allen sinen flis Got ze suchende in dem gründe, wan 30 do ist das rieh Götz. Kinder, das ist dem ersten lebende als ungelich als löfi'en und sitzen. Könde das der mensche nu gehaben das das uswendige das innerlich nüt enhinderte, so weren besser zwei denne eins. Aber vindest du das das dich das usw r endig des innerlichen hindert, so losse ab künlich. 1. noch] es S. 4. nach mosse {wohl vom Sehr.) gestr.: die liie misset E. k. und der 8. 7. Der messer] Und 8. 9. zu dem ersten /'. S. 12. habe 8, haben E. 17. dis — rede /'. S. rede] regel allen rechten Christen menschen Druck. 20. sunder alles] one S. 21. kein 5] E. 23/". das sü doch klimmen süllent in das v. und do g. S. 21. also] do 8. 26. das zweite tusent f. 8. 27. hat er vil S. im: T übergeschr. E. 30. m. a. s. f. keret zu g. in sime gr. S. 31. gottes, und das ist S. das erste als] gar 8. 31/'. als—sitzen /. S. DoutBoho Texte des Mittelalters XI. 22 338 62. Estote misericordes sicut et pater vester misericors est. Nu tünt die pfäffen also in der vasten: so lesen wir so vil der sahnen und vil wisen; ze ostern so slalien wir ab und lesen denne ein lange wile dri salinen, ein antiphone und ein collecte. Als hochgezit ist, so slalien wir ab unser fröwen zit und preces. 5 Also, liebes kint, als das hochgezit mag gesin eines innerlichen keres, so slahe das uswendige künlich ab, ob es dich dises hindert; wan das inwendige das ist ein göttelich wunneklich leben. Nim für dich was dich dunket das dich aller meist reissen mag, es si das leben oder das liden oder die minnenden wunden oder das götlich wesen oder die heilige drivaltikeit oder der gewalt, 10 die wisheit oder die gute oder das gut das dir Got geton hat: weles das si das dich reissen mag, do mitte versink in den grünt mit danknemkeit und warte Götz in disem. Diso übunge mit minnen die machent grosse enpheng- licheit Götz verre über usserlich übunge; wan das innerste das ist alwegen das aller beste; wan das uswendige das nimet alle [lf>3 r ] sine kraft von disem. 15 Ze gelicher Avise ob du bettest einen als edelen win der als kreftig were das ein trophe vermöchte, ob der trophe kerne in ein füder wassers, und das wasser alles edel gut win würde: also ist dem inwendigen, des ein einig trophe über gälte alles das uswendig. Nu vindet man menschen die also grosse bereite wite vas habent: si 20 künnent als wol gedenken und innig sin; aber si sint knme zweijer finger breit tief; in gebristet der demütkeit und der gemeinre minne. Sant Augustinus sprach: 'es engelit mit an langheit der zit noch an vilheit der werke, sunder an grosheit d er_ minne'. Das sieht man an den die das körn arbeiten!', und den win; disen wirt des besten nüt: si essent den roggen und trinkent 25 das wasser. Denne kumet die zu gehuffete getrukte mosse: das ist die fliessende minne; die zühet alle ding zu ir: alle gute werk, alle leben, alle liden, alles in ir vas, das in aller der weite gutes geschieht von allen menschen gut und böse. Wan ist din minne merre wan ens si der si tut, so werdent si mit dinre 30 minne nie din wan des der si tut. Ach was wirt manig salter und vigilien gelesen und manig messe gelesen und gesungen und manig gros oppher geophert, das es den die es tünt, niemer nüt da von enwirt, und wirt al zemole disem mit sin er minne, und 1. nach also geslr.: und slahent ab E. 3. coli., und so h. kummet so S. 5. Also du h. mäht haben e. S. 9. der /'. S. 10/'. h., und weles dich der dinge gereissen S. 11. mit] der S. 13. vor innerste, rot gextr. {vom Sehr.?): ist E. 15. einen als /'. S. IG. ein tr. ein gantz f. w. machte noch [w. zu wine machte und das er wurde noch 88] edehn wine smackende und S. urspr. wassers: das Schhifs-s rad. E. 17. alles edel /'. S. 19. bereite f. 8. 21. gemeinen S. 25. nach wasser: Also geschieht auch vil menschen geystlich, in iren äußern wereken die sy üben, das sy offt andere edele audeehtige menschen abschneiden vnnd geniessen Druck. 26. vor Penne kein f E. 28. gut n. b. /'. S. 29. ens si] des S. 30. des /: E, steht S. 31. A. wie m. s. u. v. g. werdent S. 32. m. o. geton S. 32/: t. nüt autwurt [enwurt 88] S. 33. al zemole f. S. 62. Estote misericördes sicut et pater vester misericors est. 339 trucket es alles in sin vas. Nut enmag im engon in aller [153 v ] der weite; der und aller der werke der Got mit ein ende ist, der ennimet sich Got mit an. Do von sprichet Paulus: 'ob ich alle mine habe gebe den armen und minen lip Hesse verburnen und enhab ich der minne mit, so enbin ich mit'; alles in der minne. Hat iemau üt böses, das blibe ime; aber was do gutes ist, 5 das wirt der minne; als der körn güsset in ein vas, so ilt es und trucket sich in ein als ob es alles ein welle werden. Och verslindet si alles das in himelrich ist an allen engelen und heiligen, das aller marterer liden: dis alles verslindet sü in sich, das alle creaturen gutes habent in liimel und in erden, des unzellichen vil verlorn ist, 10 das doch schinet das es si, und sü enlat mit verlorn werden. Die meister und die heiligen sprechent das in dem ewigen lebende als grosse minne si: do ein sele bekent das ein andere me minne hat denne si, des fröwe si sich also sere al s ob si es selb er habe. Und als vil gelicheit man mit dem hat, als vil adellicher sol mams do eweklich seliklicher gebruchen. 15 Wer nu-in der minne masse alles gutes me in sich vasset, der sol es do aller meist besitzen. Dis hat der vigent has und bringet dem menschen ein valsche gerechtekeit, ein missevallen uf sinen nechsten, uf die wise und etliche sine werk, das si mit als gut ensüllent sin: da enphelt im die minne, find'] und urteilt, es solte alsus und also sin, und us dem urteil kumet die 20 schedelich vergiftige zunge als ein böge und schlisset einen phil her us. War get der phil? Er schlisset dir in dine sele und verwundet die mit dem schösse des jywigen todes, und dar zu alles das du in din masse gevasset hattest, das schüttet er alles umbe und wirt dir alles verstöret: das ist ein engstlich sörg- klich ding vor allen dingen. Hütent der zungen! Och kumet der vigent und 25 bringet dir ein unmiigen und ein urteil uf einen guten menschen; dar velst du uf mit unmügende. AI zehant so scheidet die teilsamkeit siner usflüsse, siner guten gaben und werke von dir in der besten Avise, in dem innigosten der minne. Von dem sprach der prophete: 'recht als die salbe nider gieng von dem höbte in den bart her Aarons'. Der bart der hat vil hars, und ist das 30 alles ein bart; in den get die süsse salbe in sü alle; aber weles har, wie klein 1—5. Nüt —minne /'. S. 2. vor mit urspr. noch dis; rad. E. 3. Do — sp'chet auf Ras. E. 5. vor hat urspr. noch Was; rad. E. bllbet S. 5/'. aber —das] das gute S. 0. so tT. es s. S. 9. alle: r oben v. j. IL zugesetzt E. vor liden (vom Sehr.?) gestr.: alles ir E; f. auch S. vor alles oben v. j. H. zugesetzt: dis E; /'. S. vor in urspr. noch: es; gestr.il. das] und waz S. 11. sü (v.j.II.?), urspr. si E. und sn —werden f. 8; sü enlot aber n. v. w. 88. 13. frSwent S; aber habe wie E. 14. nach gelicheit v.j. H. gestr.: das E. 14/. adellich' am Hand mit Veno. (v. Sehr.?) nachgetr. E. 16. alles /'. S. 17. de m. E. 17/'. den m. in e. S. 19. etliche; urspr. süliche? E. n. sint also g. also sü schinent; also enpf. S. 20. vor die rad.: so E. 21. schedelichesto %. rehte a. S. 21 /'. War —dir] der get dir S. 23. din aus urspr. dime rad. E. 24. dir] dis 8. zerströwet S. 26/'. m., uf den vellest d. in. dime urteile S. 29. Ps. 132,2. 30. heru S. bette 8. 22* 340 62. Estote misericordes sieut et pater vester misericors est. es were, das usser der einikeit sich schiede, in das enflüsse die edel salbe nüt: also, alle die wile ein ganze minne, ein ganze nngeteilet gnnst ist, so flösset in den menschen die süsse edel salbe alles gutes; aber scheidest du üt oder ieman von dem selben, so enwirt dir siner salbe mit. 5 Kinder, sehent für üch mit diser gemeiner minne und haltent üwern gunst gantz zu einem ieklichen und en.t[154']hi&.&at och nieman und en- zerstörent mit Götz tempel, der von dem obersten babste gewütet ist, und enwirf dich mit in Gottes ban. Leider, die nature ist als verkert von brüderlicher minne: sieht ein mensche sinen nechsten vallen, noch denne das es im 10 herzeklicb we tut, —■ der mensche stet derbi und lat es: also ist es ein verkert ding. Nement üwer gebresten war, wie es mit üwer minne stet, und lerent die vorchte Götz die wile ir in der zit sint; wenne ir us der koment, so ist es alles getan; da enist dan ab noch zu ze legende: das unser fröwe mit allen heiligen Got mit blutigen treuen für den menschen denne bete, das enliülfe 15. mit, und dar umbe sehent für den. Got ist nu unser steteklich beitende und ist ane underlos bereit uns nüwe gaben ze gebende, und was wir nu Versionen, das enwirt uns meiner me; die rechte minne die en versumet niemer nüt. Sant Paulus: 'die minne enwirt niemer müssig: sii würket, si lidet alle ding'; das ist in disen die ir hie gehört haut. ■20 Denne kumet die liberflüssige masse; dise masse ist so vol, so rieh, so liiilt: si gat ze mole an allen enden über. Unser herre rüret das vas mit einem vinger, so vert es alzemole über [155 r ] alles das es in sich ie gevassete und sich selber mitte; es schiit sich ze mole eines ganges wider us, wider in den Ursprung do es us geflossen ist; dar flüsset es wider in sunder mittel und ver- 25 hiret sich da ze mole: willen, wissen, minnen, kennen; es ist alles über geflossen, es ist alles in Gotte verlorn und ein mit im worden; Got minnet sich in in und er würket alle ir werk in in. Noch enkan sich der übergus nüt uf gehalten in in; si habent ein minneklich begeren. 'Eya, lieber herre', meinent si, 'erbarme dich über die armen sünder die 30 die werk geworcht und verlorn habent! Gib in der bröckelin von dime riehen tische und bekere si dan us ins vegfür!' Eya, herre, gib in der brocken; und also über flüsset ir mosse in alle die heiligen kilchen, in guten und in bösen, und tragent es alles wider in den grünt alles das ie geworcht wart. Si lossent nüt verlorn werden von dem 1. innikeit sich scheidet 8. 3. oder ieman /'. S. 4. siner E, der S. 6. en vor zerst. rad., aber lesb. E. 9/'. noch —und f. S, sieht E 88. 10. lat es E, er lachet sin S. es v.j.B. übergeschr. E. 10 /'. also —ding] und ret das krenkeste derzü S. 11. uwers g. 8. 14. bette 8, hettent 88. IG. ane und.] alle zit S. 18. P. sprach d. m. S. IS f. das — haut f. S. 20. vor denne kein f E. 21. ze mole /'. S. 23. das erste wider f. S. 24. vor do kein Zeichen, dagegen vor Dar (D mit Bot) ein Punkt E; sonst könnte das Semikolon vor do gesetzt iverden. 24 f. v. do willen S. 27. uf /'. S. 30. geworcht und f. S, steht 88. 31. u. denne kerent sü sich dannan u. i. v. 88. 62. Estote misericordcs sicut et pater vester misericors est. 341 minstenin dem meisten das ie gesehach. noch einkein so klein gebettelin noch, bilde noch glöben der luten: alles tragent si es Gotte uf mit irre wirklicher nünne und opherent es alles dem himelschen vatte r, alles das alle engele und heiligen in hinielrich hant: ir minne, ir selikeit, mit entget irme übergange irre mosse. Kinder, betten wir diser menschen mit, so weren wir [155 v ] übel dran. Nu bitten wir unsern herren das wir dise mossen ervolgen mussent alle sament. Amen. 63. Duc in altum et laxate recia vestra in capturam. Man liset in dem heiligen ewangelio von der wuchen das unser herre io Jhesus kam zu dem mere und gieng in Symons schif, und er bat in das er das schif von dem lande fürte en wening und saste sich drin und lerte das volk und sprach zu Symone: 'duc in altum, füre das schif in die höhin und henkent üwer netz ze vollende'. Und Symon sprach: 'gebieter, wir han alle dise nacht gearbeitet und enhan nüt gevangen; aber in dime worte so henke 15 ich das netz'. Do si das getatent, do beslussent si als vil vische das das netz reis, und si woren vil nohe versunken. Sant Peter viel uf sinn knü und sprach: 'herre, gang us von mir, wan ich bin ein sünder'. Dis ewangelium liset man, das dis was vor unsers herren tode und nach unsers herren tode: do vischeten si aber und viengent hundert grosser 20 vische und dri und fünfzig, und do enreis das netze nüt noch si ensunken mit. Dis hat wunderlichen vil verborgener sinne: der ein Vernunft hette die wol erlüchtet were, der solte vil guter sinne hie inne vinden, der bi im selber were. Dis schif was Symons des gehorsamen menschen, der Gotte gehorsam ist in der worheit. 25 Weles ist nu floß'] das schif da unser herre in sitzet ze lerende? Das ist das inwendige, der grünt des menschen: da setzet unser herre inne sine raste; sin wöle die ist da. Der des grundes war neme von innan und liesse alle ding und kerte sich in den grünt, — des entüt nieman, und geschieht 1. m. in den [zu dem 88] m. S. 9. in S (Stück 43) zur Überschr.: 'Luc. 5,1 u.f.'; dann: Die andere uzlegunge des ersten ewangelies von dem fünften sunuendage seit wie wir gotte söllent gehorsam sin und sime insprechende stat geben und armüt minnen in rehter ge- lossenheit geistes und naturen. 10. ew. diser w. 8. 14. henkent ES, werffent 88. 15. henke] wurffc S. 19. dis] es S. 19/'. und nach —tode /'. S, steht 88. 21. enreis] brach S. 27. das] der S. der /'. S. 21 f. da —da] unser h. sitzet do inne und rastet do inne ,S'. 28. urspr. wol; v. j. H. in wöle korr. E. 29. tut wenig ieman S. 342 63. Duc in altum et laxate recia vestra in capturam. dicke das der mensche in usserlichen werken zehen werbe gemant wirt das er sich in kere, und des entfit er iemer mit. Hie enist nüt Symon — und blibet in sime willen und gewonheit und enist Got mit gehorsam. Alle gehorsamin enist dem nüt gelich, wan sine 5 gehorsamin die get für alle gehorsamim Und geviele das eine swester stünde in dem köre und sünge und befände das das si Got manete sich in ze kerende und si das gute werk des hindert, des inkeres: si solte den sang lossen sinken iiude volgen Gotte und lossen die anderen gar vaste singen. Mer möchte sis beide getan, das uswendig mit dem inwendigen, das were besser. Der sang us 10 dem gründe der gienge gar hoch. Kinder, wistint ir wie schedelichen das ist das ir den manungen Götz widerstant und das man Gotte ungehorsam ist, üch grüwelte dar ab, und wie gros vegfür man dar umbe liden sol, ir getürrent Gotte nüt geloben noch getniwen. 15 Kinder, [156"] von der grundeloser güti Götz kumet das das die menschen die Got gerüffet hat zu eime liohen ende und enphallent dem gründe, das si daz müssent ervolgen mit lidende, die wile si es nüt ervolgent mit lebende. Und die menschen lident grosse not an irem ende, nierre vil denne ander liite, und dar nach al ze grüwelich vegfür, und nach allem disem 20 so koment si denne wunderlich verre über die die lichte kume zem aller nidersten grate gerüffet sint. Kinder, das schif was Symons, da unser herre in sas und lerte. Wan sint sicher: in dises gehorsamen menschen grünt dar in setzet sich Got ze lerende: wan Got git da grosse gnade und alsoliche lere das der mensche von 25 Gotte von innen geleret wirt. Wer es not, er solte aller der weite lere gnüg geben. Nu unser herre bat Symon das er das schif fürte von der erden. Des menschen herze in dem aller nidersten grate das sol und niüs von der erden von aller niinne irdenscher und zergengklicher dinge gefüret sin und der lust SO der creaturen und der natural. Wenne der mensche Got er kriegen wil, der sol einen steten unbeweglichen ilis haben, also nüt das er hätte an hebe und 2 /'. und — nüt] und tut des mit und blibet in sinem willen und in [i. siner 88] gewonheit und ist gotte mit gehorsam S. 3/'. und — sine] wenne der was gotte gehorsam und die S (hier wohl die ursprünglichere Fassung). 7. und si — hindert] wurde sti mit dem sauge gehindert S. sinken /'. S. 8. unde — möchte] und solte gotte sin gehorsam; nidhte aber S. 9. das —inwend. /'. S, steht SS. 9 f. Der —hoch /'. S, steht SS. 12. ab v.j.II. auf Bas. K; urspr. toolil vor. 17. si daz v. j. IL (?) nach das mit Veno. a. 11. nachrjelr. und nach müssent ein si rad. (zur Beseitigung der Anaholuthie) E. 18. die menschen /'. S. 19. al ze E, gar SS, f. S. 20. denne wunderlich f. S. lichte kume f. S. 22/'. Wan —sicher f. S. 23. dises] des 8. dar in /'. S. 24—27. lerende — unser] 1. und git do gute lere und gr. genode. Unser S. 28. aller /'. S. das f. S. 28 f. m. geffirt werden v. aller m. S, 29. gef. sin f. S. 30. wan in Wen" v.j.H. korr. E. Weler m. S. 81 f. also — losse] nüt hebe es an hüte und losse in. abe S. 63. Duo in altunt et laxate reoia vestra in capturam. 343 morne abe losse, sunder er sol sin stete an der übunge alle zit, alle stunde und alle tage, ob er zu sinem besten [157 r ] komen wil; nüt hütte leben Gotte und morne der naturen oder den creaturen. Hie ab gruwelet etlichen lüten und getürrent Gotte nüt geloben noch getruwen, und dunket si ein gros ding und kerent wider und gedenkent, si envermügent dis nüt; si wellent leben als 5 die und die die der naturen lebent, und wellent als wol varn als si und kerent wider zti der weite. Wan alles das ist weit, das Got nüt ist. Da zerrisset das netz, und alle die vische die dar in koment, die vallent derdurch. Kinder, ir süllent wissen das alle die werk, wie gros und wie gut si sint, der Got nüt ein sache enist, der ennimet er sich ein traben nüt an, und io alle habent si etwas naturen der symonien. Das ist symonie das man git geistlich gut umbe liplich zitlich gut, und ist der meisten sünden eine. So wel mensche nu tut gute geistliche werk die götlich solten sin und ocli schinent, und git die in sinre meinunge umbe zitlich zergenkliche Sachen, weler künue die sint, es si inwendig oder uswendig, die in der worheit Got nüt ensint, die 15 machent sich etwas schuldig an der sünde in geistlicher wise, Si büstent ir netz. Also sol der mensche sin netz, das zerrissen ist mit deheinem schedeli- [157"] eben usgange und im zerrissen ist, büssen mit eime gantzen widerkere, und sol tun als der ein krumb holtz suchten wil: der wider büget es me denne recht, und von dem widerbügende so wirt es recht. Und mit worem 20 bekentnissin und mit tieffer demütkeit so klage Gotte mit S. Peter: 'herre, ich hau alle dise nacht gearbeit und hau nüt gevangen'. Alles das der mensche arbeit sunder Got, das ist alles nacht und vervohet ze mole nüt. So vellet er och wol in dem wege Götz in tragheit und in slaflieit, das die nature unge- schicket ist zii allen guten dingen: denne ist es nacht. Denne sol man den 25 uswendigen menschen üben mit arbeit, hende und fasse und rügge, und sol alles meinen wider in den grünt. 'Herre, in dime worte wirf ich us min netz'; das süllent sin alles des menschen werk, wort und gedenke: essen, trinken, slaffen, wachen, alles in sime worte. 1. der] göttelicher S. lf- alle st.—tage /'. S. 2. ein nu (nach mit) und hütte ycalr.; hütte v. j. IL neu über nu gesetzt und nach gotte gleichwohl wiederholt E. 2/. n. li. gotte 1. m. S. 3. der er. S. vor grüwelet v. j. E. übergeschr.: ab, nach lüten rad.: für E. etlichen] den S. 4 und — getruwen /'. S. 5—7. si env.— Got] sü mügent es nüt lange triben und lont abe und lebent der naturen also ie von erst und allem dem [erst und kerent —weit (= 6-7 E) 88] das got S. 8. die dar —die /'. S. derdurch] us S, darus 88. 10/'. sint, in weler wise sü geschehent, in den g. 11. luter meinunge [luterlichen geineinet 88] ist, er kert sich mit dran, wan sü haut ettewas S. 12. grösten S. 13. und och] also sü S. 11. zitl. zerg. sachen] zitliche ding S. 15 -16. die in — wise] das ist symonie in geistlicher wise S. 16—18. weyß, die da heisset Simoncy, da durch zerrissen wirt das edel netz der seel. Vnd darum welchem meschen zerrissen ist das edel netz seiner sei, der sol es wider vmb büssen Druck. 17/'. das mit süntlichen dingen z. i. büssen S. 18. nach ist v. j. II. gestr.: das sol er E. 19/'. es und dovon wurt es reht S. 23. uer vor vohet oben übergeschr. (v.j.H.?) E. ze mole f. S. 25/'. Der usser mensche sol werden geübet mit S. 28/'. essen —worte /'. S. 344 G3. Duc iu altum et laxate reoia vestra in capturavn. Unser lierre sprach zu S. Peter: 'Duc in altum, füre das scliif in die höhin', das ist: erhebe diu gemüte und alle dine krefte in die höhin über dich selber und über dise nideren sinnelichen ding; wan unser herre der enkan mit disen nideren dingen nüt; es ist im ze enge da; er enkan sich niergent 5 bekeren. Er [158 r ] ist behende und subtil und die nidersten krefte die sint ze grob, und dar umbe: 'Duc in altum, füre das schif in die höhin'; ker dich über zit mit dinen obersten kreften, wan do sitzet Got; do ist Got in der wor- heit; do leret er das über weselich wort in dem und mit dem alle ding geschaffen sint. Das wort sol man enphahen in senftmütikeit, das in ge- 10 pflanzete wort. Kinder, der dem wort stat gebe in senftmütikeit, das von not sin müs, und mit allen sinen kreften sich erhübe in die höhin über zit in ewikeit, dem solte das wort Götz wunnenklich in gesprochen werden und von dem erlüchtet werden verre über das man mit den sinnen begriffen mag. Dise richheit die hie geborn wirt, die ist so überswendende! Do unser herre dis 15 wort alsus leret und es von ime recht enphangen wirt, das das netz risset und das schif das sinket und gat under: so wenet die nature ze mole verderben. Denne ensol der mensche nüt us löffen umbe deheine behelfunge, sunder er sol tun als S.Peter tet: der enlief noch enrief, sunder er winkte sinen gesellen heimlieh und sunderlich S. -Tohans; das ist: die [158 v ] erlüchte bescheidenheit 20 sol mau her zu winken und sol sinre bescheidenheit in disem undergange gebrachen. Wann wenne das wäre liecht das Got ist, us get, so müs das geschaffen liecht under; so das ungeschaffen liecht beginnet glenzen und schinen, so müs von not das geschaffen liecht dunster und dunkler werden, ze glicher Avis als der klare schin der liplichen suunen machet dunkel und 25 dunster der kerzen liecht ze erlüchtende. Ach kinder, der des Hechtes ein buk wirt gewar, die wunne und die fröide und genügde die do ist, die get un- sprechlich über alle die wollust und fröide und genügde die alle dise weit geleisten mag; das get über alle mosse. Noch denne ist dis in den nidersten kreften, alle dise grosse bevintlicheit. ">0 Unser herre der sprach: 'wirf us das netz zu der rechten siten und du solt vohen'. Und do si das getotent, do viengent si anderhalb hundert grosser vische und dri, und ie doch so enreis das netz nüt, noch si ensunkent och do nüt. Dis was nach unsers herren tode. Do sprach unser herre: 'kinder, haut ir üt das man muge essen?' (Der mensche müs pur sin, luter 4. niegent: r nachtr. übergeschr. E, do nüt 8. 7. üb. die zit 88. 9/'. das i. g. wort f. 8. 10 f. das —müs /'. 8, 14. überswenkende S, überschwenklich groß Bruch. 15. leite S; aber auch wart. nach netz rad.: das K. 17. 18. sunder f. S. 20. sinre — undergange] ir 8. 23. dunkel S. 25. d. k. liehter S. ze erl. f. S. 26. 27. und gen. f. S. 28. das —messe f. S. vor in gestr.: noch; in den übergeschr. E, steht auch S. 29. noch {nach kreften) gestr., aber lesb. E, mit S. 29. alle [rad. aus aller?] d. gr. E, aller diser 8. 34. pur /'. S. 63. Duc in altum et laxate reeia vestra in capturam. 345 und arm sin selbes.) Si sprachen: 'nein'. 'So werffent us zu der rechten haut'. [159'] 'Herre, in dime Worte so wirf ich us das netz.' In sime worte do vohet der mensche das verre ist ob dem das in den nidersten kreften ist gewesen. Wan in disem wirt der mensche überformet und über menschlich wise gefüret und mit göttelichen formen überformet, als S. Paulus sprach: 'wir 5 Süllen überformet werden in das selbe bilde von klarheit in klarheit'. E denne der mensche her zu kome, so ist vor unser herre in im geborn und gestorben und nf erstanden; und der mensche sprichet alle zit als die sprachent do er si fragete ob si üt hettent; si sprachent: 'nein'. Dise staut in dem woresten lutersten armüte und vernichtikeit ir selbes ze mole. Dise enwellent noch si 10 enhabent noch enbegerent noch enmeinent nüt denne Got und mit des rren, und geschieht das dike das si koment in die arbeit der nacht, das ist in gelossenheit, in armüte und stark kreftig dunsternisse und untrost, also das si habent enkeinen enthalt noch lüchten noch burnen in bevintlicher wise noch in smackender wise, und stont die menschen in dem dunsternisse in rechter 15 worer gelossenheit, also ob Got das armüte von in wolte eweklich gehebet han und das darben und das verdorren, das si dar in willeklich sint bereit [159'] ze gonde in Götz willen eweklich und niemer gedenkent üt do mit ze gewinnende. Ach kinder, das wer ein wor arm mensche, und wer alle die weit sin! Wie wening wene ich das man diser menschen in aller der weite vinde 20 die enkein seilen noch enthalt enhabent noch hoffen noch meinen uf nüt denne das der aller liebste wille Götz in in gewerde, und nüt denne als unser herre sprach: 'als ir alles das getünt das ir vermügent, so süllent ir sprechen das ir unnütze knechte sint gewesen'. Ein unnützer knecht der tut unnütze werk. Nein, entrihven, ein ieklicher enwil nüt ein unnützer knecht sin; er wil ie 25 wissen das er üt geton habe, und dar uf buwet er verborgenlichen und Avil das wissen. Nein, liebes killt, enbuwe nüt denne uf diu luter nicht und tu do mitte einen val in das abgründe des gütlichen willen, was er von dir machen wil. Tu als S.Peter tet, der sprach: 'herre, gang us von mir, wan ich bin ein sünder'. Also val uf dine kleinheit und uf din nicht mügen und nüt 30 wissen, und do mitte losse dich in den hohen adel des göttelichen willen und enlosse nüt anders zu slahen, denne halt dich eilende und arm in sinen willen. 3. nidern S. 5/'. als — bilde /'. 88, steht 80 S. 10. vernütent sich zümole S. itrspr. irs; s rad. E. nach mole (v. j. IL.?) geslr.: nicht 23. 10 ff. Sü hant nüt und wellent och nüt noch heg. nüt, sn minnent n. denne g. u. sückent d. i. n. u. kumment doch dicke in die S. 12. das ist /'. S. 13. und st. —und] und in 8. 13 f. also—kab.] und haut S. 14. vor habent und vor enthalt jeweilen rad.: in E. uf enthalt SS. burnen E, berüren S. 15. die menschen /'. S. dem E, eime S. 17/'. und dorren in das sü sich gewillikliehe kerent zii g. S. 19. vi! auf Bas. E. 20—22. Wie —denne] Zusammenziehung auf 1<; 2 Zeilen S. 22. vor mit rad.: si E. 23. Luc. 17,10. 24. knecht mit Vcriv. a. li. v. j. LI. naehyetr. E. 25. Nein — knechtJ aber es ist wenig ieman der ein unnütze k. welle S. 2G. nach verborgenlichen gestr.: vf sin tun E. 2G f. verborgenl. — wissen f. S. 30. nüt f. S. 31. wissen] süllen 88. 32. sinem & 346 63. Duc in altum et laxate recia vestra in capturam. Dise menschen kerent sich in den grünt einer [160 r ] messe lang: so haut si alle ir ding verrichtet, und Mrbas so sint alle ir werk in grossem friden, und alles ir leben das ist gesasset und vol tilgende, senftmutig und ge- lossen und gutlich. Si liabent ir netz zu der rechten haut us geworft'en und hant die wundenden minne gevangen. Das wir denne nu alle also arbeiten müssen das wir vollen, des helf uns Got durch sine gute! Amen. 64. Beati oculi qui vident que vos videtis. et c. In disem ewangelio von der wuchen ist die luterste worheit, do die 10 oberste selikeit an gelit, von dem do ich dise tage alhie ab sprach, das unser herre sprach zu sinen jungern: 'selig sint die ögen die do sehent das ir sehent; wan vil kiinige und propheten die woltent sehen das ir sehent, und si ensahent es mit'. Und do stet wie ein gelerter von den buchen kam und wolte unsern herren versuchen und bekoren, und wer den andern versuchen wil, das ist 15 alles valscli. Diser sprach: 'meister, was tun ich das ich das ewige leben besitze?' Do antwurt im unser herre vil senfteklich, als ob er sine valschheit mit enbekante, und wiste in uf das geziignisse das er hatte von der geschrift. Wan ein ieklich mensche niiis haben drü gezüg/'i6't»"7nissin, sol im recht sin. 20 Das eine das sol sin ein geziignissin von Gotte. Das ander us im selber, us sime eigenen gründe, sime lebenden geiste. Das dritte geziignisse sol sin us der heiligen geschrift. Diser enhatte mit nie denne eins, uf das in unser herre wisete und sprach: 'wie lisest du?' Do sprach er: 'du solt dinen Got minnen von allein dinem herzen, von aller 25 diner sele und von allen dinen krei'ten und von allem gemute, und dinen nechsten als dich selber'. Diser hat wol geantwortet, und dannan ab wan in des och duchte, so wolte er och geantwiirtet han; wan er erhiib sich des. 1. den] irn S. 3. gesosset S. 5. wunde >S'. 7. durch sine gute f. S. 8. in S (St. 50) zu der Überschi:: 'Luc. 10,23'; dann: Eine höhere geistliche usslegunge des ersten ewangelies von dem drizehendeu snnnentage, wie der mensclio niiis lossen von eigeme willen und müs gon durch minne und niiis in siuer redelicheit ervolgen sehs stücke, sol er hekennen das wesen siner seien. 0. nach wuchen yestr.: do iime E, wofür in dem 8. 10. an gelit] geligen mag S. von —das /'. S. 13. und—kam] Und kam ein g. von den bucher S. 14. und bekoren /'. S. IG. sprach] sprach zu ime S. 18. enbekante] erkande S. 10. 20. geziignisse S. 2L. sins lebenden geistes S. 23. eins] eine S, eins SO. 27. dannan ab] dannan von S. 28. wan] und S. 6 64. Beati oculi qui vident que vos videtis. 347 Die antwurt lossen wir nu ligen, wele der nechste were, das wir uf unser sin komen deste e. Nu sint hie zwene sinne von den seligen ögen, Avele die sint die selig sint. Der erste sin ist von dem inwendigen geistlichen angesichte des 5 grossen wunderlichen adels; do die sunderliche sibschaft ist die Got in den grünt der seien geleit hat: das ist wol und recht angesehen. Das bringet eime minnenden herzen grosse selikeit. Von disem inwendigen adel der in dem gründe lit verborgen, hant vil meister gesprochen beide alte unde nüwe: bi [16 l r ]schof Albrecht, meister 10 Dietrich, meister Eghart, Der eine heisset es ein funke der seien, der ander einen boden oder ein tolden, einer ein erstekeit, und bischof Albrecht nemmet es ein bilde in dem die heilige drivaltikeit gebildet ist und do inne gelegen ist. Und diser funke flüget als hoch, do im recht ist, das dem das verstentnisse nüt gevolgen enmag, wan es enrastet mit, es enkome wider in den grünt do es 15 us geflossen ist, das es was in siner ungeschaffenheit. Dise meister die human ab gesprochen hant, die hant es mit lebende und mit Vernunft ervolget, und si hant es nu in der worheit befunden, und dise hant es genomen us den grossen heiligen und lerem der heiligen kilchen die human ab gesprochen hant, und vor Götz gebürte vil meister die hinnan 20 ab sprachen: Plato und Aristotiles und Proculns. Und also als dis die guten gröslich reisset und tunt einen swinden in ker und zu ker von disem hohen adel in der naher sibschaft: also tunt die' valschen iren ewigen schaden hie mitte. Nu süllen wir den weg prüfen der zu der woren selikeit leitet, das ir 25 dise tage wol hortent: das ist wore demütkeit [161 "j und ein gantz verloigenen der mensche sin selbs in eigener Avise, von im selber nüt halten noch von allem dem das er tut oder getün mag: dem allem enphallen, und halte sich ze mole für nüt, als er och ist. Ist do üt, das enist des sinen nüt, denue ze mole Gottes. In disen grünt müst du komen; süllent dine ögen selig werden, so 80 müst du gruntlichen leren sehen in disen grünt; wan dise regele hat uns unser herre gelossen do er sprach: 'lerent von mir das ich diemutig bin und senftmütig'. Dise sint zwo gespilen, zwo geswesteren die alwegen bi einander wonent und löfl'ent. AVo die eine in dem gründe ist, do müs die ander von not 35 1/: Die antwurt —deste e /'. S. 2. I. unsern? 6. wunderlichen /'. 8. sunder- üchen S, sunderlinge SO. 7. das—angesehen] Wenne das.w. u. r. wurt angesehen S, w. das ist w. r. a. 89. 11. Eckehart 6'. 13. vor die gestr.: das E. vor inne gestr.: das E. 17. ni. dem 1. S. 10. US den h. U. g. lerem 8. 20. und — meister die] und ander m. die vor gottes g. S. 21. Protulusf?] E, Proculns S. 21 f. Und also— reisset] und dis reisseut die guten S. 22. inker und f. S. 25/'. das —hortent f. S. 27. der mensche ES, des menschen 80. 29. üt do S. 348 64. Bcati oculi qui vident que vos videtis. sin. Den kleinen den offenbart der himelsche vatter die grossen hohen verborgen ding und hat si bedecket vor den grossen und den wisen. In diser kleinheit do wirt alleine verstanden die blosse luter worheit, do das wesen der selikcit an gelit und anders niergent. 5 Nu sprach unser herre: 'vil künige und propheten woltens seilen und si ensahens mit'. Bi den propheten nemen wir die grossen swinden vernimftigen geiste, die in irre natürlicher Vernunft Stent in subtüheit und flogierent do inne. Dise ögen enwerdent nüt selig. Bi den künigen nemen wir die hei- [162 r ] ligen starken gewaltige menschen, die ir selbes gewaltig sint in werken, 10 in Worten und irre zungen und mügent würken wie si wellent: vasten, wachen, betten, und hinnan ab haltent si als es üt si, und verkleinent die andern. Bis ensint och nüt die ögen die do sehent das si selig mache. Dise alle woltent sehen und ensahen nüt. Si woltent sehen; si stünden in irem willen. Kinder, in dem willen do inne lit der schade; wan der wille der ist 15 recht das subjectum, der understant des hindernisses. Der wille der bedecket die ögen innewendig, ze gelicher wise als das uswendig öge das ein vel oder ein decken hat, das enmag nüt gesehen. Dar umbe müs das öge sin sunder alle varwe, das es alle varwe gesehen müge. Also müs das innewendig blos und luter sin alles wellendes und unwellendes, sol es luterlichen und seliklichen 20 sehen. Der wille hat vil varwcn in den weltlichen herzen; do ist der Aville grob und uswendig; mer in den geistlichen do hat er sine varwe; wan der mensche ist rechte als ob er drü menschen si und ist doch ein mensche. Das eine das ist der uswendig vihelich sinneliche mensche; der ander das ist der vernünftige mensche mit sinen vernünftigen kreften; der dritte mensche [16,2''] 25 das ist das gemüte, das oberste teil der seien. Dis alles ist ein mensche. Als ist och maniger künue wille in den menschen, ieklichs nach siner wise. Kinder, der wille der müs ab, als unser herre sprach: "ich bin komen nüt das ich tu minen willen, sunder mines vatter willen'. Als lange und alle die wile das du stest in dinie eigen willen, so wissest das dir diser selikeit 30 gebristet, Wan alle die gewore selikeit die gelit an rechter gelossenheit, willeloskeit; dis wirt alles geborn us dem gründe der kleimiiütikeit: do wirt der eigen wille verlorn; wan der wille ist recht als ein sul da alle un- ordenunge sich inne enthaltet: könden wir die gevellen, so vielen die muren alle dar nider. le kleiner, ie minre willen. 35 Nu süllen wir fürbas sprechen von der minne, wie die sin sülle von allem herzen und aller sele und allen kreften, und von dem gemüte. 2. sü vor hat gestr. und si nach hat v. j. H. übergeschr. E. hat sü auch 8. 5 f. vor wolten rad.: si, dann zu wo]teil und esahen jeweilcn am ScMufs v. j. II. ein s gefügt Hj. 8. nemeu] verstont 8. 10. und irre zungen /'. 8. 11. und —si] und dis ahtent sü gros 8. 12. mache E 89, mäht S. 15. das subiectum f. 8. 18. das-müge f. 8. 19. es mit Veno, v.j. II. a. E. E. 25/'. Als —menschen /'. S. 28. Als lange und] Sich S. 29/'. so — gebristetj so müs dir gebresten dirre s S. 36. seien 8. G4. Beati oculi qui vident que vos videtis. 349 Von fliser minne haut die meister vil tisputacie, weder bekentnissin. hoher si oder die minne. Das lossen wir nn ligen. Aber do enist kein zwivel an, die minne ensi hie vil verdienlicher und nützer wan bekentnis.se. Wan die minne die get do in do das bekentnisse [163 r J müs husse bliben. Die minne die enbedarf keins grossen subtilen bekentnisse, denne eins luteren lebenden 5 glöben in cristenlichen wisen. Nu süllen wir merken weles ir forme si, weles ir materie si und weles ir ende si. Der minne materie das ist "WT herze,, seift, krefte. Ir forme das ist minne, Ir wirklicheit das ist das man minne von al. Ir ende und ir für- wurf das ist Got sunder mittel; minne wesen ist minne; wan minne minnet 10 umbe minne. Nu git Richardus ein underscheit von dieser minne und spricht: 'minne in dem nidersten grate das ist von dem herzen, das ist in dem gedanke; von der seien das ist von gunst und gnüglicheit; mer von den kreften das ist ein undertruken allem dem das der minne wider ist, und diser minne ist 15 kein von al'. Nu schribet bischof Albrecht von disem allem uf dis ewangelium und sprichet: 'von allem herzen', das ist mit eime beraten frijen willen sich üben mit allem herzen und seien und krefte. Wan es geschieht wol das einem menschen ein ding in vellet ze mannende und. das die bescheidenheit von irre 20 friheit wider zühet. Und ein ander ist das er nüt von solichem getrange [163 v ] also sere mit lust betwungen enwirt ze minnende, sunder sin beraten bescheidenheit die betwenget in das ze minnende. Also sol dise minne sin usser eime beraten frijen willigem herzen von al und von meinunge und gedenken füiwurflichen als verre als das mügelich ist in diser wandelberigen zit. 25 Denne: 'von aller seien', das ist usser aller gelust und genügde und us gunst und anminnekeit und us frijem willen, und Got minnen usser allen den stetten der seien, das ist mit sime inren und usseren menschen. Dise minne kunt von bekentnisse der worheit. Denne: 'von allen kreften', das ist gemint von allem Hisse und übunge, 30 das man die vihelichen krefte und die sinne und alle uswendikeit nider trucke und sich mit aller kraft uswendig und innewendig zu der minne kere mit allem dem das man vermag sich üben in der minne als verre als mügelich ist; recht alle die krefte uf spannen, als der einen bogen harte spannet als er verre schiessen Avil und ein recht zil treffen wil. Dis ist der minne alheit 35 und ist der oberste grat. 1. disputiert S. bekantnisse S. 5. nach bekentnisse [so; bekantnisses S] v. j. H. Oestr.: m'it E. 8. herze, krefte der sele S. 13. hier a. 11 v. j. H.: nü (=nota?) 23. t4. in dem gunste S. 15. alle dB E. 19. kreften S. 20. vor von v. j. H. gestr.: das E. 23. twinget S. 24. manunge S. 25. wandelberen S. 27. an minnekeit /'. S. 30. von {vor allem)] mit S. SB f. als—ist f. S. 34/". als der —tr. wil f. 89. 350 04. Beati oculi qui vident que vos videtis. Nu 'von allem gem ute ': in dem ist. das ander alles beslossen, das ist und heisset das gemute. Es wirt genant ein mosse, wan es misset das [164 r ] ander alles. Es git im sine forme, sine SAvere, sin gewicht. Es teilet al umbe und umbe. Habitus mentis. 5 Sant Augustinus sprichet: 'enkein gut werk emnachet nüt eigenlich ein trigent, es ensi das es ein förmlich habit gewinne und einem menschen als gewonlich und als licht und lustlich si als ob es sine nature si worden'. Das kunt us dem gründe der de mutigen minne. Nu süllen wir alhie merken Avas dis gemute si. Das ist verre hoher 10 und innerlicher wan die krefte; wan die krefte nement al ir vermügen dannan us und sint do inne und dannan us geflossen und ist in allen doch ob sunder mosse. Es ist gar einvaltig und weselich und formelich. Ein meister sprichet von disem und och me denne die meister. Die meister sprechent das dis gemute der seien das si als edel, es si alwegent 15 wurkent, der mensche slaffe oder wache, er wisse es oder enwisse es nüt; es hat ein. gotformig unzellich ewig wider kalten in Got. Aber dise sprechent, es schöwe ahvegen und minne und gebruche Gottes ane underlos. Wie das si, das lossen Avir nu ligen; mer dis bekent sich Got in Gotte, und noch denne ist es geschaffen. 20 Proculus, ein heidenscher meister, nemt es ein slaf und [1(>4 V ] ein stille und ein gotlich rasen und sprichet: 'uns ist ein verborgen suchen des einen, das ist verre über die Vernunft und verstentnisse'. So Avenne das sich die sele dar in kert, so wirt si gotlich und lebet eins götliehen lebendes. Die Avile das der mensche sus get mangelen und würken mit disen usAvendigen sinnelichen 25 dingen, so enmag er des nüt wissen, ja er enmag es nüt geloben das das in im si. Dis gemüt, diser grünt das ist als in pflanzet das die pflanze hat ein e/wig reissen und ziehen nach ir, und das gemute, der grünt der hat ein eAvig neigen, ein grünt neigen wider in den Ursprung. Dis neigen enverl6schß1 niemer oc h in der helle, und das ist ir meiste pin das in dis eAveklich entbliben miis. Als 80 der mensche sich nu kert in sin redelioheit, die berichtet und corrigiert alle die nidersten, und betwinget die nidersten, und alle die gelüste und begerunge der unredelicheit die offenbart si und leit ab alles das ein heischen hat zu 5. Aug' E. 0. nach ensi mit Verw. a. R. nachgetr.: done JE. habit: it auf Ras, E, habe 8. einen E, einem 8. 10. das zweite wan die krefte /'. 8. w.-i (nach krefte) auf Ras. E, 11/; doch — mosse] ob one müsse S. 13/'. und — sprechent /'. S. 14. das si—es /: S. 15. er v.j. IL gestr. E? 16. gotformig hoffen wider in got 8. IG/'. Aber — ahvegen] und schowet allewcgont S. 17. minnet S. gebruchet S. 18. mer] aber S. 19. hinter geschaffen] vnd ist oreatura (dieses W. rot unterstr.): v. j. IL geslr. E. 20. Protulus E, Proculus S. 21. uns E, es 8. das eine S. 22. So] und S. 23. gütlichen 1. E SD, ieglichen 1. S, gottelichen 1. 89. 24. get Avandeln m. u. w. S. 25. es ioch n. gel. 6'. 25/. das d. —si /'. S. 20. ingepflanzet . r > r l nud bekent sich ein vernünftig bilde des us dem si geflossen ist. Dise ögen mügent von dem gesiebte wol selig heissen die her in recht koment 5 und disem mit dem edelen gemüte einvelteklich und weselich anhangent und in das versinken. 'Das ist das aller wunderlichest', sprichet bischof Albrecht, 'das man do vindet, es ist das aller luterste und das aller sicherste und das aller unabziehelicheste und das aller ungehinderste und das unenthelt- licheste in diser gelust'. Und es ist kein widerwertikeit, wan in disem 10 -enist mit bildunge noeb. sinlicheit noch zitlicheit noch vergenglicheit; wan in disem enlöffent die underscheide mit die von den fantasien koment, als S. Dyonisius spricht. Nu leit bischof Albrecht dise sechs stiike us und spricht: 'es ist dar umbe aller wunderlichest; wan ob disem und uswendig disem enist kein wunder, 15 und der bar in sieht, in den enmag enkein wunder me gevällen, und es ist das aller oberste über das enkein ding enist. Es ist och das aller luterste; wan es enhat mit gemeins mit materielicheit noch mit materielichen sachen. Es ist dar umbe das aller sicherste; wan dise wege gent allen Avegen Sicherheit, und si enphohent von enen wegen [165 v ] keine Sicherheit. Und si sint och dar umbe 20 unabziehelich; wan si enwerdent mit ab gezogen von fleische noch fleischlichen gebresten der untugende oder der bekorunge, von der übunge irre würklicheit. Denne ist es das aller ungehinderste; wan dis bevint sich in dem aller klaresten liechte, das es ietz begriffen hat von flisse, das ime ietz ist worden als sine nature, das in keinre sworheit mit enbevint, und ist im ein habit 25 worden. Es ist och das aller bi blibendeste; wan es enhat enkein widerwerti- keit; wan diser lust der enwirt nüt verlossen; wan dise enhat des iren mit in der sinlicheit der seien, und dis ist die aller luterste worheit in liechte und in dem lebende der worheit'. Und dis ist genant die ewige selikeit umbe drijer sachen willen; wan 30 es ze mole götlich ist und ein bilde Götz in den menschen. Och ist es götlicb, wan es in Got ze mole gesunken ist. Die dritte sache ist: wan dis werk diser ubnnge gebruchet Got selber, und götlich substancie die dar umbe götlich heisset, von dem teile das si von Gotte nement. Alle dise unwandelber und unzellicheit da diser meister hie ab sprach, das enist nüt in der würklicheit, 35 1. dem E SO, den S. allem disen S, allen disen E 80. frömde E, f'rümden 8. 7. 5| in E vor sprichet. 8/'. und das aller unabziehelieheste /'. S. 9/'. unentheltlicheste E, Unentlicheste S. 10. disem g. S. 11. zergenglicheit S. 20. von den andern wegen S. 25. in] es SO. 25 f. habit wesen worden S. 30. 51 sieht in E nicht vor Und, sondern vor Die dritte Z. 32. 31. den] dem S. 32. gesunken] fanden 80. 34. unwandelberkeit S. 3o2 64. Beati ocnli qui vident que vos videtis. sunder es ist m der wesenlicheit, in dem gründe: da ist es unabziehelieh und bibliplich und [166 r ] nüt in der würklicheit noch wise der zit hie; wan in diser zit sint die ding wandelber und die unzellicheit der würklicheit; von allem disem hat es wol ein underyal in dem werke und mit in de m wesend e, 5 da disem recht ist. Und der reclit her in ist komen, der mag wol selig human ab heissen. Und dise selikeit meinde unser herre do er sprach: 'Beati ocnli, selig sint die (igen die do sehent das ir selient'. Kinder, dis ze bevindende das müs stat und stunde haben und ein stille und bibliben und ledikeit, und dar zu ist die nacht sere gut: die ist 10 stille und lang. Und als man dis denne des morgens ein wening solte bevinden, so darf man dis und des und beginnet eins anderen, unde löffet man her und dar und enwartet dis mit von innan in ledikeit. So kumet der tufel und bestosset die wege, das dir dis lichte niemer me enwirt, und ein anders wirt an dine stat gesast, der sich dar zu haltet. 15 Liebes kint, git dir Got ein kunigrich, so git er dir och wol ein müitclihot Git er dir dis grosse, er versieht dich och wol des du not hast. An disem lit der aller gröste schade das ir enkein bi hüben mit enhant. Diser lüte ensol sich nieman an nemen; wan der babst und die heilige kilche die ennement sich ir nüt [KiG'j an; si lossent Got mit in gewerden. Dis alles 20 mochte man wol beweren an manigen enden der geschrift der aller grösten heiligen die die zit hette. Dis nemt David 'in pace in id ipsum' einen slaf, und S. Paulus der nemt es ein fride der alle sinne iiber triftet, und S. Johannes der nemt es ein stille die eine halbe stunde wert, und manig ander gros heilig der heiligen kilchen: Sant Dyonisius und S. Gregorins und manig ander die vil 25 hinnan ab geschriben liabent. Disem müs man gerum und flis geben. Sprichet S. Augustinus: 'wenne Got würken wil, so sol mau zu siine werke ein flissig bi bliben haben'. Dise süllent hören das unser herre leret senftmfitikeit und demütkeit, und sin joch were senft und sin bürde die were licht. Ein joch das ist ein 30 ding das man füret oder ziihet. Der himelsche vatter der füret und zühet dise menschen innewendig in dem aller innersten und och uswendig mit manigem wunderlichem ufvalle und sweren wisen; das ist disen menschen alles senfte und alle bürdin sint in wunderlich licht, der vatter mag si ziehen wie er wil. 1. sunder — wes /. S, sieht 89. es (nach ist) a. B. nachgetr. E. 2. zit; hie in S. 4. allem /'. 8. ein E, einen 8. 5. disem] ime 8. 8. Kinder] und 8. 13. verstopft!, Druck. 14. gesät S. IG. vor hof v. j. II. gestr.: munch E; aber nninche hof S, mnuiclie hof 89. er versieht dich] er git dir 8. not hast] bedarf't 8. 21/'. Dis —und /'. Ä 22. Sanctus Paulus sprichet im ein f. 8. 25. disen 8. 2G. Aug' E. nach wil urspr.: und zu; dann und gestr. und mit Veno. a. B. (v. Sehr.?) nachgetr.: so sol / man; nach werke urspr.: sol mä ein; dann sol man gestr. E. 30. Der himelsche — zühet f. S, steht E 89. 04. Bcati oculi qni vident que vos vidotis. 353 La vaste nf dich slahen, swig echt stille: Got wil sine bürdin uf dich legen. Das man sprichet, du rasest, dir si unrecht: swig! Got hat dir diso, bürdin geordent, nüt das man dir das höhet ah sülle slahen als man den hei- [167 r ßigea tet. Das wir also müssen volgen, das wir also seilen müssen das unser ögen 5 selig werden, des helf uns Got. Amen. Si exaltatus fuero, omnia traham ad me ipsum. Es ist hüt der tag der erliebunge des über wirdigen heiligen krnces, des wirdikeit enist nüt us ze sprechent, an dem alle die ere und wirdikeit gelit die man in zit und in ewikeit erdenken mag. Wan man meinet an disem den 10 der an dem crüce erstarp, und dar umhe nement geistliche lüte dis crüce hütte über sich und liebent an ze vastende die regel vaste, das ein wirdig ding ist allen den die es vermügent, und ein lüstlich ding. Nu heget man wie der cristen kunig dem heidenschen künige dis heilig krüce nam und mit allen den eren und wirdikeit die sin herschaft geleisten 15 oder erdenken mochte nach siner wirdikeit, nüt nach des crüces wirdikeit, und wolte es füren ze Jherusalem. Do er gegen der porten kam geritten, do slos sich die porte mit einer starker dicker mnren zu, und ein engel stünt dar nf und sprach: 'du kumest her geritten mit hoher herheit mit dem crüce, und der !ne an starp, der wart mit grosser smocheit und lästere hinnan us getriben 20 und trüg es uf sime rüggen barfüs'. Der keiser viel balde von sime rosse und zoch sine kleider ze mole [167"] us uf sin hemde und nam das heilig krüce uf sin rüggen und die porte tet sich wider uf, und trüg es in die stat. Und do geschahen wunderlich vil zeichen von aller leige siechen, lamen, blinden, hufhalzen. • 25 Unser herre sprach: 'ist das ich erhaben wirde, so zühe ich alle ding nach mir'. Der mensche ist alle ding, wan er hat gelicheit mit allen dingen. Der menschen vindet man wol die das crüce vindent und an das crüce vil wol gezogen werdent von Gotte mit maniger lidnnge und übunge, das si Got also nach ime ziehe. Aber das liden das müs uf erhaben werden, als man hütte 30 von disem heiligen crüce heget. Nüt alleine funden, sunder erhaben. Neme 2/'. Got —geordent E, got wil dich also bereiten S. G. werden] wesent S. 7. Das Stück fehlt in S. vor Si ein längeres Wort, ebenfalls rot, rad. E. 12. vor ze gestr.: die E. 15. vor mit gestr.: es E. 17. nach iherusalem gestr.: Aber nüt nach dis crüzes wirdikeit E. 20. hin in hin« v. j. H. korr. E. 28. wol (vor die)] vil Druck. Deutsche Texte de? Mittelalters XI. 23 354 05. Si exaltatus fuero, omnia traham ad rae ipsum. der mensche sin selbes dicker war und kerte hie zu im selber, so fünde er das crüce noch zwenzig werbe an dem tage mit manigem pinlichem invalle und ufvalle, do mitte er gekrüziget würde, wer er bi im selber. Aber er en erhebet es mit. Er tut dem dinge gar unrecht. Man solte alle die bürdin des 5 criices uf erheben in Got und nemen willeklich für sin crüce, es were uswendig oder innewendig, liplich oder geistlich. Also wirt der mensche in Got gezogen der alle ding wil nach im ziehen als er sprach, ob er erhaben würde. Nu vindet man menschen die dis crüce uswendig wol tragent mit guter 10 uswendiger Übungen und tragent ein bürdin eins Ordens: singen [16S r ] und lesen und ze köre gan und ze reventor gan, und tünt unserm herren alsus einen smalen dienst mit irme usseren menschen, singent und lesen. Wenent ir, lieben kinder, das üch Got dar umbe gemacht habe alleine das ir sin vogel siiit? Er wolte och sine sonderlichen brüte und frtint an in gerne haben. 15 Nu dise tragent das crüce uswendig; aber mit allem flisse hütcnt si sich das es nüt in si kome, und süchent kurzewil wo si mügent. Dise tragent das crüce nüt mit unserm herren, sunder mit dem roten Symon der dar zu betwungen wart. Aber es ist doch das selbe tragen vil gut: es behütet si vor maniger untugent und lichtekeit, und grüwelich vegfur nimet es ab und lichte 20 ein ewig helle. Nu spricht unser herre, er welle alle ding nach im ziehen. Der die ding wil ziehen, der sament sü zem ersten zesamen und zühet sü denne. Also tut unser herre: er sament den menschen zem ersten von aller siner uslöh'unge und zerströwunge, sine sinne, sine krefte, wort und werk, und innan sine ge- 25 denke, sine meinunge, sin inbildunge, sine begerunge, sine gunst, sin ver- stentnisse, sinen willen und minne. Und denne als das wol gesament ist, so zühet Got den menschen nach ime, wan es müs alles ab, so wo du an klebest innewendig oder uswendig von aller genügde. Dis ab ziehen das wirt ein swer crütz [168"] und als vü swere 30 als dis ankleben herter und starker was; wan aller der lust und minne die du zu den creaturen hast, si schine oder heisse wie heilig oder götlich oder jvie si dich dunket, es müs alles von not ab, solt du iemer recht erhöhet werden oder in Got gezogen werden. Dis ist der erste und der niderste grat. Es müs alles dannan von not. 35 Dis ist in dem usseren menschen. Denne sol man das crüce erheben in dem innewendigen menschen, das der mensche von aller innewendiger lust gezogen werde, von aller siner ankleblicheit, der lust des geistes der och von den tagenden kumet. Die meister tisputierent in der schule, man ensülle enkeiner 22. zesame nachtr. v. j. H. in eine leergelassene Stelle eingetr. IS. 27. so aus denne v. j. TL rad. u. korr. E. 28. so gestr. E. 29. vil schwerer Druck. 30. allem inwendige 1. Druck. 37. kleblichkeit deß lust Druck. 05. Si esaltfttua fuero, omnia traliam ad ine ipsum. 355 tugent gebrachen, sunder man sülle si fruclitb er liehen nutzen, uncle Gottes Sülle man alleine gebrachen. Dise ding enmügent nüt wol gesin sunder lust, aber das sol sin sunder ei genschaft. Kinder, was wenent ir was lust und genügde das si? Das der mensche mag wol gevasten, gewachen, gebetten, den orden getragen: den lust 5 enwolte unser herre mit mit das ich dem orden mvige recht getun. War umbe wenent ir das dis Got gestattet das dir selten iemer einen tag oder ein nacht get als die ander? und das dir hütte sere zu andacht half, das ennützet dich morne oder noch hint nüt, und hast vil bilde und m[169']ve\le und enwirt nüt drus. 10 Liebes killt, das krüce nim von Gotte und lide dich do inne: do wirt ein minneklich kratz, köndest dus Gotte uf getragen und von ime in rechter gelosseubeit genemen und in dem Gotte danken: 'Magnificat anima mea, min sele die grösset Got in allen dingen'; er neme, er gebe, des menschen sun sol erhöhet werden an dem erüce. 15 Unser kinder die sint gar luter an iren gründen; aber si sint ze klebrig und wellent gerne bevinden und smacken und vernünftig erkennen haben. Liebes kint, do lo dich an und flisse dich mc an rechte gelossenheit und erschrik dich me der dinge und bekenne dich unwirdig und gedenke das 20 du lieber hast das erüce der bekorunge denne die blute der süssikeit; wan der mensche müs iemer ein erüce haben. Es was not das Christus litte und also kerne in sin ere. Was dir engegen löfflet in diner inwendikeit, lüchten oder smaken, las es sin und under- wint dich sin nüt. Enförsche nüt dar nach was es si, sunder val uf din nicht 25 und nim din nicht sin und dar an halt dich und an anders nüt. Unser herre sprach: 'der zu mir wil komen, der neme sin erütz und volge mir'. Nüt mit wol sin, sunder mit dem erüce volget man Gotte. Sprach der minnekliche S. Andres: 'ich grüsse dich, aller minneklicliestes erütz, des ich von allem herzen begert han. Nim mich von den lüten und [169"] gib mich 30 wider minem meister'. Dis ensol nüt sin eins tages und des anderen nüt: es sol sin alle tage, ane underlos solt du din selbs war nemen in allen uf vellen usserlich und innerlich, wo es her uf kumet. Och dine sünde und dinen gebresten bezale; das du des tages sibenzig werbe vallest, als dicke kere wider und kum wider zu Gotte, so enkeme du 35 nie so dicke dar; als vil me so ile und tring dich in Got als swintlich das dir die sünde ze mole enphallent, ob du der mitte zu der bichte kumest, das du ir nüt enwissest ze sagende. Dis ensol dich nüt entsetzen; es enist dir nüt uf C. mit: oder nüt? E; der Druck hat mit. 7. nach dir ein s rad. E. 11. do w.] dz v,'. Druck. 14. gr&sset: 5 nachtr. aus ü gemacht E. 27. der oben v. j. IL nachgetr. E. 34. bezale; be nachtr. übergeschr. E. 36. nach dar gestr.: vnd E. 23* 356 C5. Si exaltatus fncro, omnia traham ad nie ipsum. gevallen ze schaden, sunder zu eime bekentnisse dines nichtes und zu einer versmehunge din selbes in einer gelossenheit, mit in einer swermütikeit, ob allein der mensche das in ime vindet das er einen guten bereiten willen zu Gotte in ime vindet. Wan der mensche enist nüt unsüntlich als unser fröwe 5 was. Und bis ze friden aller diser lidunge und diser crüce. Sant Paulus spricht: 'den die Got minnent, diligentibus deum omnia cooperant in bonum, den koment alle ding zu dem besten'. Nu sprichet die glose och sunder: 'swig und fluch zu Gotte und sich uf din nicht und belibe inne; mit enlöf dermit ze haut zu dem bichter'. 10 Sant Matheus, unberichtet und unbereit, die richte volgete er Gotte. Als du, mensche, alsus dich vindest in gebresten, so ensolt du das criice nüt ze [170 r ] gros machen nach dinen uswendigen sinnen, sunder la es die worheit selber machen, sunder in rüwen bis getrüwe. Wan nüt enist vertiimnisse den die do sint in Christo Jhesu, sunder den ist vertümenisse die do mit mütwillen 15 sich zu den creaturen kerent; mer es ist disen ein übunge die Got gerne minneten und in meinden. Aber ich warnen üch des in guten trüwen: sint ir besessen mit den creaturen willeklich gonde und stonde und Ursache gebent dar zu, das ist werlich üwer Verderbnisse. Und ob üch Got woren riiweu dar umbe git, das harte misselich ist, so süllent ir als gros grüwelich vegfür dar 20 umbe liden; möchtent ir das nu sehen, üwer nature enmöcht es niemer erliden. 'Und gont do mit zu dem werden lichamen unsers herren und tiint recht', sprichet ein gros heilig, 'als ob ir nement ein zart jung kint und tretent das in einen unreinen phül under üwer füsse'. Dis tut man dem lebenden Gottes sun, der sich von minnen uns hie gegeben hat. So tünt ir die bichte und 25 enwellent doch der Ursachen nüt hüten: do enlöset üch der babst mit allen sinen cardinalen nüt ab; wan do enist enkein rüwe, und gedenkent: als dicke si dis tiint, si werdent werlichen schuldig an dem lichamen unsers herren. Nu spricht unser herre: 'wilt du mir volgen, so verzihe und verlöigene din selbes und nim din crütz'. Dis verlognen und dis crütz [170"] das wirt 30 manigem edelen Gottes fründe für gehalten und dar uf getriben das man des nüt engetörste gesagen wie gruntlichen man sich ze gründe lossen müs und sin selbes verlognen müs in allen wisen wo man sich vindet. Das nüt enkost, das engiltet och mit. Der sperlichen seiet, der meiet och krenklich. Als du us missest, also misset man dir och wider. Mer das ensol nieman meinen, nüt 35 denne Got luterlichen. Lieben kinder, was sol alles daz man üch hinnan ab sagen mag, die nüt enwellent ir alte wise und gewonheit lossen und klebent an irre würk- 13. rüw Druck. nach vert. rad.: in E. 22. nach gros v. j. IL übergcschr. ein s (gross) oder ein > (groser) & 26. hier a. IL das Zeichen liö E. 29. löiken gestr. und logneii v. j. IL darunter und darüber an den Rand gesetzt E. 3G. sol alles daz nach was, v. j. II. mit Veno. a. 11. E. 65. Si exaltatus fuero, omnia traliam ad me ipsum. 357 licheit uswendig mit den sinnen, seiter und vigilien und des gelicli ufsetze? Du unist entrüwen, kint, dich lossen und ersterben din selbes ze gründe. Er sprach: 'du solt mir nach volgen'. Der knecht der gat sinem herren nach: mit für, sunder nach, mit nach des knechtes willen, sunder nach sines herren willen. Und hetten wir mit me lere und sehen an wie gar die diener und die 5 dirnen wie wening si irs willen nuigent haben, wie alle ir zit, ir flis, ir macht al ze mole gat in irs herren willen und dienst in aller wise! Liebes kint, das weissen körn das müs sterben, sol es frucht bringen. Du must dines eigenen willen sterben ze gründe. Der mensche ensolt öch niemer als gar sin selbes und sines willen US gan als denne als er sich zii 10 Gotte von innan git: so solte er recht sin als ob er [171 r ] nie willen enhette gewunnen. Ein jungfröwe stünt in dem köre und sang und sprach: 'herre, dise zit ist din und min; aber als ich mich inkere, so ist die zit din und mit min'. Wenne der mensche sich zu Gotte sol geben, so sol er sich in ein grundelos 15 willoskeit ergeben von al; wan der mensche ist recht als ob er drü menschen si: sin vihelich mensche als er nach den sinnen ist, und sin vernünftiger mensche und denne sin oberster mensche, sin gotformiger, got gebildeter mensche. In disen obersten innewendigen menschen sol sich der mensche keren 20 und legen mit dem für das götlich abgründe und gan sin selbes us, und gebe sich dem gevangen mit ahne. Nu die zwene nidersten menschen sol er über tretten und under trucken. Her uf sprichet S. Bevnhardus als hart: 'das ist das man den vihelichen menschen mit siner sinnelicher lust müge ab geziehen von den dingen die er 25 mit minnen besessen hat'. Wie harte ein crütz das ist, das wissent ir wol: als swär ist und mit minre, sprichet er, den uswendigen mensclien ze ziehende in den inneAvendigen mensclien und von den bildelichen dingen und gesichtlichen in die ungesichtlichen: das ist in dem gründe das S. Augustinus nemt: 'abditum mentis'. Alle die ufvelle und die erüce die in die nidersten zwei 30 menschen vallent, die in dunket das si in dicke von disem inkere ziehen! und in hinderen!, die neme der mensclie für sin crüze und bevelhe die [171''] ufvelle Got, si sint von den sinnen oder von der Vernunft: die losse er alle und bevelhe die den nidersten kreften. Und mit aller kraft erhebe er sich dar über in sin obersten, als Abraham: der lies den knecht und den esel do 35 nidenan an dem berge, do er Gotte opheren solte; er gieng allein uf die höhin 3. hiezu am Bande: no E. 1. nach (nach sunder) /'. E, sunder nach f. Bruch. 5. vn (vor die) v. j. II. nachtr. übergeschr. E. 10. denne teil™, auf Bas. E; urspr.: dan? 11. innä auf Bas. E. 22. in aus in gemacht E; dieses urspr. ? 21. B'n. E. 27. nach er gcslr.: ist E. 29. in auf Bas. E. Aug' E. 81. indunket: in auf Bas. E; urspr. en-? 35. yber v. j. H. in eine leergelassene Stelle eingebe. E. 358 65. Si exaltatus fuero, omnia traham ad me ipsum. des berges mit sim sune. Also las den esel, den vihelichen menschen der wol ein esel ist, und den knecht, das ist dine natürliche Vernunft, die ist hie wol ein kneht; wan si hant her zu gedienet, wan si leitent den menschen an den berg dis ufganges; aber do sol si hüben. Und du solt dise beide do lossen do 5 nidenan und solt all eine mit dem sune uf gon, das ist mit dem gemüte in das heimliche, in das sancta sanctorum, und tun do din opher. Gib do dich al zemole uf und gang do in und verbirg din verborgen gemüte, das S. Augustinus also nemt, in die Verborgenheit des gütlichen abgründes, als der prophete sprichet in dem salter: 'herre, du solt si verbergen in der Verborgenheit dins 10 antlitz, Abscondes eos in abscondito faciei tue'. In der Verborgenheit wirt der geschaffen geist wider getragen in sin ungeschaffenheit, do er ewe- klichen gewesen ist e er geschaffen würde, und bekent sich Got in Gotte und doch an im selber creatur und geschaffen. Aber in Gotte sint alle ding Got, do sich diser grünt inne vindet. 'Als der mensche her in kumt', [172 r ] spricht 15 Proculus, 'was denne uf den usseren mensclien gevallen mag: armüte, liden oder gebreste, das si weler künne es si, des enachtet der mensclie nüt'. Als spricht och der prophete: 'du solt si verbergen vor dem betrüb- nisse der lüte'. Dise die volgent unserm herren, als och unser herre anderswo sprach: 'ich bin in dem vatter und der vatter ist in mir und ich in üch und 20 ir in mir'. Das wir nu alle von unserm herren gezogen werden, als er wolte alle ding nach im ziehen, und wir das crüce also erheben müssen, das wir durch das heilige crüce müssen in den woren grünt geraten, dar der für uns gegangen ist der an dem crüce für uns alle starb, des helf uns Got. Amen. 66. 25 Querite primum regnum Dei et justiciam eins. 'Süchent zem ersten das rieh Götz und sine gerechtekeit, und üch werdent alle ding zu geworfen', und gab unser herre ein al ze merklich glich- nisse und wiset den menschen uf das krut der garten und uf die unvernünftige vögele des himels und sprichet: 'sehent an die lylyen des ackers, die spinnent 6. sancta scoro rot imterstr. E. 7. Aug' E. 9. Fs. 30,21. 15. Protnlus (?) E. 18. volget E. 25. in S (Stück 53) zu der Überschr.: 'Matth. 6,33'; dann: Die bredige usser saut Matheus ewangelio von dem egenanten fünfzeheiideii sunnentage verhütet alle sorgvaltikeit und erzalet vil stücke der gritekeit und stroffet sunderliche geistliche lüte umb ire wergberkeit und glichet irre wisen vil der symonigen. 27. und gab u. h. E, hie gibt vns gottes son Druck, u. h. gab S. 66. Querite primum regnum Dei et jnsticiam eius. 359 mit noch enneient, wan Salonion in aller siner wisheit und riclitüm enwart nie gekleidet als diser eine; — noch die vogel des himels, wan si enseient noch si ensnident noch ensamnent in die schüren, und üwer himelscher vatter genert si. Ensint ir denne mit besser wan der dekeiner? Und ich sag üch: ir ensüllent mit sorgen üwer seien was ir gessent, 5 und och nüt [172"] i'nverem libe wo mit ir üch gekleident. Und ir sullent nüt sprechen: ' ; was essen wir?" oder "was trinken wir?" oder "wo mitte kleiden wir uns?"; wan diser dinge begerent die lüte. Mer üwer himelscher vatter der weis wol das ir dis alles bedürfent'; und schiltet und spricht: 'ir kleines glöben, wes sorgent ir? Süchent zem ersten das rieh Götz und sine ge- 10 rechtekeit, so werdent üch alle ding zu geworfen.' Kinder, do vor sprach er das nieman zwein herren emnüge gedienen: Gotte und dem richtüm; den einen müs er minnen und den andern hassen. Es ist ein wunder und ein unbegriffelich ding das hie inne beslossen ist. Wir solten recht dis ewaugelium für unser ögen setzen, und solte unser pater 15 noster sin. Wie blösklich unser herre uns die worheit leret mit offenbaren Worten und mit guten woren glichnissen, und verbüt hie alle sorgvaltikeit zer- geuglicher dinge und spricht hie: 'weler üwer mag mit sinre sorge sime libe an der lenge üt zu gelegen? ir krankes glöben!' Kinder, hie sehent ir wol an diser rede wie uugelich alle menschen gemeinlich der worheit lebent in 20 aller der weite. Dis ist ein heimlich verborgen gebreste der unter diser sorg- veltikeit geschieht; das ist die leide gritikeit, die der siben höbtsünde eine ist. Uise sünde die tut unmerklich den aller meisten schaden der in ertrich geschieht. Merke ein ieklich mensche und sehe was wimders, was [173 r ] arbeit, 25 was zit, was flisses und behendikeit wirt erdacht und geübet, ein ieklichs gegen sime nelisten. Och solte man die materie rüren ze gründe, was würde dannan us? Aber gent mir urlob das ich ein wening dar ab spreche. Nu merkent was das si das wening ieman Gotte der alle ding vermag, 30 getar getrüwen, und sorgent und schaffent und würkeut und tönt ein ieklichs als ob er eweklich leben sülle, das alles us disem gründe kumet. Sehe mau recht dar in, man mochte sich es wol erschrecken wie der mensche das sine suchet in allen dingen engegen allen menschen, in worten, in werken, in gaben, 1. enneient] negent S'. 10/'. flisse ist emzelieher ü. und gek. n. u. dag uf S. 12. sin rdckelin 8. das er echt —ist] und spinnet und würket S. 15. hlos in eine freigelassene Stelle eingeschr. E. 21. geben S. 22. nach nüt gestr.: es nüt des wert enist E. 23. es sol S. 25. sorge S. 2G. e. g. d.] grundelos S. 29. ver- blendent S, verblendet 80. 32. dik' v. j. IL aus dik S. verderbet] vertribet S. 66. Querite primum regnum Dei et justiciam eius. 361 menschen sinen aten. Dise sorgveltikeit wirt geborn us der sünde und der untugent gritikeit. Selient für üeh wo mit ir umbe gont die wile ir in der zit sint, und süclient das rieh Götz, das das fluiden werde und endecket werde do es verborgen in dem gründe lit der seien und wirt verderbet. Do gehört manig strit 5 zu; wan es enwirt niemer recht fluiden, diser gebreste valle zem ersten ab, und das enget nüt eines tages zu. Was der mensche gcwalteklich gewinnen sol, das müs er mit arbeiten erkriegen und mit hisse; e denne man deii usseren menschen ab geziehe von minnen zergengklicher dinge in diser uswendiger sorgveltikeit, dar gehört gar ein behender flis zu. 10 Wan er stecket so verborgenlichen in der naturen in dem vihelichen gründe, das der mensche das sin suchet in allen dingen: in Worten, in Averken, in wisen, in dienste, in früntschaft. Wie das der leide gesuch der naturen in allen verb6rgenlich würket und och an Gotte, so wellent si trost haben, lüchten, smaken, bevinden, und wellent iemer etwas haben und wellent gerne 15 himelrich haben. Man müs wol Helen in dem [174"] heiligen cristen glöben, und Got git dirs gerne. Propter retribucionem. Tu grosse werk und übe dich in allen guten tilgenden: Got sol dir grossen Ion geben als verre als du dich hütest vor urteil clines nechsten und das du och dich selber mit für besser enliast wan einen anderen. Wan tetest du das, so enweis ich entrüwen ob dir 20 iemer üt drumbe werde. Kinder, hütent üch vor disem behenden gesüche der naturen, das man geistlich gut übunge tut umbe keine lipliche zitlich ding. Das hat ein anhang der symonien, die die heilige kilche also sere verwosset als deheine sünde, und ist ze mole wider die gerechtekeit; wan Got ist von nature ein recht ende 25 aller dinge, und du setzest dar in sine stat zii dem ende diner werke ein bös snöde zergengklich ding. Wir süllen suchen die gerechtekeit Gots. Dis ist wider sine gerechtekeit. Kinder, dis grundes liement in üch war und süclient das rieh Götz und allein sine gerechtekeit, das ist: süclient alleine Got, der ist das gewore rieh. 30 Dis riches begeren wir, und bittet ein ieklich mensche alle tage in dem pater noster. Kinder, das pater noster ist ein al ze hoch kreftig gebet, Ir enwissent nüt was ir bittent. Got ist sin selbes rieh. In dem riebe do richsent alle vernünftige creaturen, us und do inne. Das ist das rieh, das wir bittent Got 1/'. und untugende der gr. S. 4. riebe gottes und sine gerehtekeit, das es f. u. entd. w. S. 11. das f steht in E nicht vor Wan, sondern vor In diser ZI. 0. verborgen S. 13. in wisen in diensto] in die liebsten S. 15. hiliteu E SO, bibten S. 15 f. bev. und wellent gerne heimlicbeit der lüte haben und bim. haben S. 17. das Latein hier ohne Unterstreichung E, f. S. 11). hütest E SO, übest und b. S. 20 /'. Wan —werde] das keine dir übel S. 23. kleine Druck. 2-1. verwosset] verwürfet S. 29. dises falschen grunds Druck. 30. das ist das wore rieh S. gewore: ge mit Venu. a. 11. (v. Sehr.?) nachgelr. E. 31. bittent S. 33. got ist selber das riebe in dem riebe do r. S. 362 66. Querite primum regnum Dei et justiciam eius. selber in allem sime richtiim. In dem liehe wirt Got unser [175 r ] vatter und bewiset sich do die vetterlicli trüwe und die vetterlich kraft. Und in dem so er stat in uns vindet ze wirkende, do wirt der name Götz geheiliget und ge- grösset und bekant: das ist sin heiligen in uns, das er in uns richsen müge 5 und sin recht werk in uns gewürken müge; do wirt sin wille hie in der erden als do in dein himel, das ist: in uns als in im selber, in dem himel der er selb selber ist. Och wie git man sich in clisem so dicke uf in sinen willen und nimet sich so snelklichen wider und enphelt dem! Nu lieb aber wider an und gib dich ime aber uf! Gib dich dem göt- 10 liehen willen gevangen in rechter gelossenheit und getruwe der vetterlichen kraft die alle ding vermag und der du so dicke und dicke so offenließ gewar bist worden und alle stunde und tage gewar wirst. Engetarst du dich der mit lossen? Suche sine gerechtekeit; das ist sin gerechtekeit das er bi den blibe die in innerlichen süchent und in meinent und sich an in lossent. Nu in den 15 richset Got. Alle die sich in rechter gelossenheit zu Gotte haltent und sich an in lossent, den vellet alle ungeordente sorgveltikeit ab. Nut das man Got ut sülle bekoren; wan man mus harte wol haben ein vernünftige wisliche fürsichtikeit zu allen geordenten dingen, wie es gebürt dir und clime nechsten und ze dienste dir [175''] und der gemeinen minne, und das ein ieklich ding, 20 als es gevellet, in guter füge und in bescheidenheit werde getan. Und das selbe das man meinde in der lidikeit in der kilchen, das selbe sol man meinen in aller wirklicheit, man würke, man rede, man esse, man trinke, ze slaffende, ze wachende: meine in alles und nüt des dinen. Nu mochte man sprechen von dem das Got nieman enlot der im ge- 25 trüwet: er lot doch dicke gute menschen grossen gebresten liden. Das tut er, als bischof Albrecht spricht, umbe drije sache. Das eine: das er den menschen versuchen wil, ob im der mensche üt getürre geloben und getrüwen. Dar umbe lot Got dicke den menschen in not komen, das er in lere gelossenheit, und och, als er ime usser der not gehilfet, 30 das er in denne bekenne und sine früntschaft und sin helfe, das sine minne und danknemkeit daiman ab wachse, und Gotte naher kome und lieber werde, oder das er hie mit im sin vegfür minren wil, oder zu eime urteil die die es wol besseren mügent und es nüt entünt. Liebes killt, suche denne zem ersten das rieh Götz, das ist: luter blos 35 Got und nüt anders. So die minlicheit alle ab geworfen werdent, so wirt der wille Götz in der erden als in dem himele, also als der vatter eweklich hat 7. Och v.J. IL in Ach korr. E (doch 344,25; 345,19 u. ö. urspr. ach). 8. sich E 89, sin 8. 14—16. Nu—lossent f. S. 16. vor den urspr. von; dann cjestr. E. 17. üt /'. S. 19. das vor ein gestr. E; steht S. 25. grosse 8. 27 T E. 27/'. üt glouhe und getruwe S. 29. usser der not /'. S. 30. vH vor sine fr. a. IL und Zeilenanfang v. j. 11. nachgetr. E. 32. oder] und S. im /' S. nach die ein zweites die v.j. H. übergeschr. E, f. S. 66. Querite primum regnum Dei et justiciam eius. 363 gewalt in dem liimel, das ist in sime sune; als der mensche in dem stet, nüt anders meinende noch wellende noch begerende denne das selbe, [176 r ] so wirt er selber Götz rieh, und Got richset in ime; do sitzet der ewige ktinig herlichen in sinem trone und gehütet und regniert in dem menschen. Dis rieh das ist eigenlich in dem aller innersten des grundes, als der mensche mit aller 5 übunge den ussersten menschen gezühet in den innewendigen vernünftigen menschen, und denne die zwene menschen, das sint die sinnelichen krefte und die vernünftigen krefte, sich al zemole uf tragent in den aller innewendigsten menschen, in die Verborgenheit des geistes, do das wore bilde Götz in gebt, und sich das al zemole erswinget in das götlich abgründe, in dem er eweklich 10 was in siner ungeschaffenheit. Denne als Got den menschen also vindet in der luterkeit und in der blosheit zu gekert, so neiget sich das götlich abgründe und sinket in den luteren zu gekerten grünt und überformet den geschaffen grünt und zühet in in die ungeschaffenheit mit der üborformunge, das der geist als ein mit dem wirt. Möchte sich der mensche in dem sehen, er sehe 15 sich also edel das er gantz wände das er Got Avere, und sehe sich hundert- tusent werbe edelre denne er an im selber ist, und sehe alle gedenke und meinunge, wort und werk und wissen sin und aller menschen; alles das ie geschacli, das soltest du ze gründe bekennen, ob du in dis rieh mochtest komen, und in disen adel do Avere alle sorg/i'/YJ'yvaltikeit us und ab gevallen. 20 Dis ist das rieh das man zem ersten suchen sol und sine gerechtkeit: das ist das man in an allen zu val setze zu ebne rechten ende aller unser meinunge in allen uiisern werken, und im getrüwen. Als Got nie menschen ze vil enmochte gewinnen, als enmochte nie mensche Gotte ze vil getrüwen, so es ein trüwe were in rechter wise und alsus sin sorge hin wirfet als er gesprochen het. 25 Nu sprichet S. Paulus doch: 'ir süllent sin sorgveltig, das ir behaltent die einikeit des geistes in dem bände des friden'. Kinder, den frideii den man in dem geiste und in der inwendikeit vindet, der bedarf wol sorgveltikeit; wan in dem friden so vindet man alles dis: do wirt das rieh entecket und wirt do funden und die gerechtekeit. Den friden ensol der mensche im nieman lossen 30 nemen, wie alle ding koment: schade und frome, ere oder smocheit. Halt ie den inren menschen in woren friden, in dem bände des friden, das ist in der gemeinre ungepartigeter minne: einen iekliehen minnen als sich selber; und. setzent für ücli das minneklicli exemplar unsers herreu Jhegu Christi and sehent an wie sin minne gewirkt hat. die in ine tet iiden wan alle heiligen 35 3. riebet urspr.; s v. j. IL. eingeschoben E; richset S, richet 89. 5. grundes] gemütes S. 6. ussern S. 0. die] der S. 10. erswingent S. nach dem gestr.: das E; f. 8. 14. das erste in v. j. IL nachtr. übergeschr. E. das E 89, und S. 19. dis] das S. 22. aller Brück, alle E, in aller S. 23. I. getrüwe? M. E, mensche S. 26. Eph.4,3. 29. das ziveite do] es S. 30. und f. Druck 31. und] oder S. 32. worera S, 33. ungepartierter S. 35. Iiden det S. 364 66. Querito primum regnuin Dei et justiciam eius. oder alle menschen ie gelittent. Und er was in allen sinen tagen me trostlos wan ie mensche ie [177 r ] wart, und endete das mit dem bitterlichesten tode des ie mensche ie gestarb, und im woront sine obersten krefte nüt niinre selig denne si ietzunt sint. Die ime nu aller werlichest nach volgent an uswendiger 5 trostloskeit und an worein eilende von innen und von ussen von allem enthalt und sich blos haltent von aller minlichheit und annemlicheit, die koment aller adellichest und luterlichest dar do das rieh entecket und funden wirt. Und das ist sine gerechtekeit das man dis vinde in den woren fusspüren: in rechter gelossenre trostloskeit, in willigem armüte des geistes, in eilende. 10 Das wir nu alle das rieh also suchen, das wirs in der worheit vinden, dar zu gehört das wir uns selber und alle frömde sorge verlieren, wan unser herre sprichet: 'der sine sele verlüret, der sol si behalten'. Das geschieht in worein verlöigenende der mensche sin selbes in allem dem do er sich, vindet von innan und von ussen: des helf uns allen der sich von minnen durch uns 15 verlor. Amen. 67. Flecto genua mea ad Deum et patrem Domini Jhesu Christi, a quo omnis paternitas in celo et in terra nominatur. Min herre S. Paulus sprichet: 'ich büge minii knü zu dem vatter unsers herren Jhesu Christi, von dem alle vetterlicheit wirt genant in himel 20 und in erden, das ir mit enverzagent umbe min liden umb lieh, 1177"] und gebe ach den richtüm siner eren und kreftige licli mit tilgenden mit siine geiste in dem inwendigen menschen und gebe Christum ze wonende in uwerm herzen mit dem heiligen glöben gewurzelt in der minne und gefundiert, das ir niügent begriffen mit allen heiligen weles si die breiti, die lengi, die höhi und 25 die tiei'l'i, und das ir niügent wissen die höchste minne Christi, das ir erfüllet werdent in aller föllin Götz'. Dise rede ist so rieh und so vol sinnes das des enkein not enwere das wir die buch üt her zii bedürfent durch sehen oder her zu tun. Do min her 8. Paulus dise epistole schreib, do was er gevangen und 30 begerte das sin frünt sich her umbe nüt enbetrübten, als: 'ob ich och gevangen l. entete 8.9. 3. im f. S. 5. vor trostloskeit v. j. IL ühergeschr. (irrtüml.): vu E. 11—15. darzu-verlor /;, dafür nur: daz helfe uns got 89. 14. nssenan S. 16. in S(St.54) m der Uberschr.: 'Eph. 3,14 u. f.'; dann: Die bredige usser sant Paulus epislele von dem seht- zehensten^sunnendage seit uuder vil andern tieften sinnen wie der mensche kummen mng in die höhe der überwesenlichen gotlieit durch drie tilgende, gelossenheit, lidikeit und unannemlicheit. 25. vor wissen ein ge rad. E. 27. und het so vil sinues S. 28. her (beidemal)] hie S. G7. Flecto genua mea ad Deum et patrem Domini Jhesu Christi. 365 were, das were etlichen menschen ein liden, und das were mir werlichen leit, und si enwerent mir ein trahen deste lieber nüt'. Und do er in disem ge- vengnisse was, do wisete er sine frünt uf den weg der gelossenheit, das si sich dis noch keines dinges enhetrubten; wan etlichen menschen den get vil naher irre fründe leit denne ir selbes, und do mit wellent si sich entschuldigen, und 5 im ist doch unrecht. Dis wolte er das si stünden in allen dingen in rechter gelossenheit; wan rechte gelossenheit ist enphenglich aller der gebürte und der gaben und lügenden die Got ie gegab oder iemer geben wil, aller gnaden und alles gutes. Dis wolte er [178 r ] das si sunder betrübnisse weren; wan betrübnisse 10 ist ein gros hindernisse: es verstiket das leben, es verdünstert das liecht und verlöschet das für der minne. Und dar umbe spricht S. Paulus: 'Gaudete, fröwent üch in unserm herren alwegen, und ich spriche aber das ir üch fröwent'. Nu spricht S. Paulus: 'ich büge minü knü' und meinde die inne- 15 wendigen knü, mit die uswendigen; wan die inwendikeit die ist hunderttusent werbe witer und breiter, tiefler und langer, wan das uswendig ist. Die bein das ist unser enthalt uswendig: also sol der mensche alles sin vermügen bügen für Got; alles das er ist und vermag, das sol er alzemole bügen under die gewaltigen haut und kraft Götz, und sol gruntlich bekennen sin natürlich nicht 20 und sin gebrestlich nicht. Das natürlich nicht das ist das wir von naturen nicht, ensint, und das gebrestlich nicht das ist das uns ze nichte gemacht hat. Mit disen beiden nickten süllen wir uns legen für die füsse Götz. Dise bügunge wiset uns uf einen rechten underwurf und rechte gelossenheit und uf lidikeit und uf unannemlicheit. Dise drü die sint recht als dri geswesteren 25 und sint gekleit mit eime kleide, das ist wore demütkeit, Der mensche der sol ston in einer geordenter gelicheit liebes und leides, habendes und darbendes, hert und weich, und nemen ein ieklich ding von Gotte und nüt von den creaturen. Der mensche ist als er drü menschen si. Den ussern menschen den 30 [178"j sol man betwingen als verre man iemer mag an gelossenheit, und ziehen in inwert in den anderen menschen der inneAvendig ist. Das ist der vernünftige mensche, das ist: das der usser mensche nüt enwürke noch us enlöffe denne nach anwisungen des vernünftigen menschen und nüt nach der 1. etlichen: et auf Bas. E. nach leit urspr.: Nu leit. und denne leit; dann geslr. E. 2. ein —nüt] nüt deste lieher S. 8 f. sü urah kein ding betrübet werent, wan 8. 7. Dis] Darurah S. 9. aller —gutes f. S. 10. am Lagenschluß (nach er), unten an der Seite, Mille: -xvj-, Ecke rechts: dz si. 14. fröwent] frouwent in dem herren S. 16/1 ist tusent w. 8. 18. das ist] sint 8. 19. für] under S. 20. gotz. Paulus, und sol E; gottes. Paulus der mensche sol 8; Paulus wohl als Glosse in den Text geraten; es fehlt im Bruch. 21. natürlich nicht ist S, nat. das ist E. 23. Mit] in 8. 32. innewendigest ist S. 366 67. Flecto gemia raea ad Denm et patrem Domini Jhesu Christi. vihelicheit. Als denne der ander, der vernünftige mensche, stet in rechter lidiger gelossenheit und sunder annemlicheit, denne haltet er sich in sime Intern nichte und lat Got ein herren sin und underwirfet sich ime. Denne wirt der dritte mensche al zemole uf gericht und hübet ungehindert und mag 5 sich keren in sinen Ursprung und in sin ungeschaitenheit, do er eweklich gewesen ist, und stet do sunder bilde und forme in rechter lidikeit; do git im Got nach dem richtum sinre ere. Also gröslichen wirt er do begäbet das von der richeit alle die nidersten und die mittelsten und die obersten hrefte werdent begäbet und gesterket in bevintlicher wise und gebruchlichen. 10 Dis ist das Got git nach dem richtum sinre glorien. Und hie wirt der mensche gekreftiget mit tilgenden nach dem innewendigen menschen. 'Und (/ehe uch Christum ze wonende in üwerm herzen.' Kinder, das wort verstont: ze wonende mit dem heiligen glöben; das ist, als der munt uswendig sprichet: 'Credo in deum, ich glöhe an Got vatter almechtig'. Also dise Iß menschen baut den selben glöben innewendig in einer vil hoher wise bevint- lichen und smeklichen. Ze glicher wis ob ein sechs jerig kint den glöben spreche, und ein meister von [179 r J Paris spreche den selben glöben (wie es ein glöbe were, so wirt er doch ungelich von den zwein verstanden): also hant in dise menschen in dem inren menschen in liebte und in klarheit und in 20 underscheide. Aber in dem dritten obersten menschen, in dem verborgenen menschen, do hant si es ob dem Hechte in eime dünsternisse sunder underscheit ob bilden und formen und underscheide in einer einveltiger einvaltikeit. Dise hant den glöben in smackender bevintlicher wise gebruchlichen. Und spricht S. Paulus: 'er gebe Christum ze wonende in üwerm herzen'. 25 Christus sprichet als vil als ein salbe. So wo Got disen grünt alsus bereit und zu gekert vindet, in den flüsset die salbe Christus und wonet do, das die menschen von gründe so süsse und scnfte werdent, si cnvermügent mit keine hertekeit. Wo dise drije tilgende in dem gründe funden werdent: gelossenheit, lidikeit, unannemlicheit, dar flüsset dise salbe Christus sunder underlos und 30 machet den grünt so süs und milt; möchtent si selber zu einer salben werden und sich allen menschen mit geteilen, das were ir fröide. Ir minne wirt so wit, so breit: si slüsset al in sich, und möchtent si alle menschen selig machen als S. Paulus: er was mit den beiden ein beide, mit den Juden ein Jude, das er alle menschen gewünne, und unser herre Jbesus Christus der mit den Sündern 35 as und dike mit in wandelte. Christus salbe die flüsset durch si in süsser ge- meiner minne. 7. silier eren 8. 8. krefft Druck, krefte /'. ES. 0. und gebruchlichen /'. S. 12. gebe 8, f. E. das ]} steht in E erst vor Kinder. 12. won. mit dem heiigen glouben in 8. 14. an] in S. 15. m. die h. 8. IG. smeklichen] sinnelichen 8. 21. eime] dem 8. 25. So gestr. E. 27 f. si — hertekeit] das sü nut habent keine h. 8. 31. mit a. m. geteilen S. 32. slüsset ) keine Überschr.; am unteren Bande v.j.H.: disse bredige lisset an sät laurecz' tag od' an eins and' marter's tag F. 28—31 fehlen F. 77. Qui michi ministrat, me sequatur. 413 Unser herre sprach: 'wer mir dienet, der sol mir volgen, und wo ich bin, do sol ouch sin min diener.' Dise wort sint vol edels riches Sinnes und mag man von eime ieglichen Worte ein gantz buch schriben. Doch nement wir die lesten wort: 'der mir dienet, der volge mir, und wo ich bin, do sol min diener bi mir sin.' Hie an ist blöslich zu bekennende geben weles die woren 5 diener sint die Gotte in der worheit dienent: das sint die Gotte volgent und ime volgent war und wie er sü zühet. Got enzühet sine diener nüt in einen weg noch in ein werg noch in eine wise, sunder er zühet sü do er ist, daz ist in alle werg, wege und wise, wanne Got ist in allen dingen alleine gut. Und der endienet nüt eigenliche der ime nüt kan dienen denne in sinre ufgesatten 10 wise, das si in dem köre oder in dem gebette, noch sinre wise, und also in die wise nüt envolgent und sü Got ein andern weg wil ziehen, so kerent sü wider und verfliessent do rihte mit den sinnen uf die ding do sü bi wandelent oder sint, und ensint do nüt diener Gottes, wanne sü kerent von Gotte, dem sü in allen stetten, wisen und wercken dienen soltent. Und wan Got in allen stetten 15 ist und wan sü ime nüt ritterli chen noch blöslichen in den dingen dienent und in nüt innerliche und werlich ftir enhant noch in inen enist, darumbe ver- manigvaltigent und verusserent sü und entfrident sü die werg und wisen und stette, die lüte und dinge. ■— Was ist die sache des verströwendes und des entsetzendes? Das ist daz dir Got nüt ingewesent enist in dime gründe, und 20 das du hast ein gedahten und ein gemachten Got, den du in dinen wisen haben müst, der nüt gewesent enist. Darumbe alse dir dine wisen engont, so enget dir ouch die gegenwertikeit Gottes und enbist do nit ein reht diener der ime volget. — Die ander sache ist daz der mensche sich ergüsset und heftet sich in die ding die ime vor sint mit den sinnen; wenne wer von den dingen 25 unvermeniget wil bliben, der sol die ussern sinnelic hen ding lossen hinfliessen und tringen dodurch also durch eins des er nüt enahtet, und niemer mere nüt in tiefer dan us notdurft, der gegenwertikeit bedarf er nüt, vor dew enhaltet er sich uf mit in nach zu haltende oder inrelichen mit in zu redende oder zu rechende, sunder sü sint ime also des er nüt enahtet noch enmeinet noch .en- 30 suchet; waz uf in vellet, das valle ouch uf, und tu als ob er in allen dingen spreche: 'ich suchen, ich meinen, ich jagen Got; waz mir begegent, das grüsse und geleite Got und var sinen weg; was solte mir mere helle oder arger tüfel, wan das ich den nüt enminnete dem alle creaturen noch jagent?' Der mensche tringe mit allen sinen kreften durch alle züvalle und alle siege in Got und 35 2. vol F. 5. bi mir /'. F. 12. and' F. 13. do r. S, die r. F. 15. das zweite stetten f. F. 16. noch nachtr. bcigeschr. 8, f. F. 17. inen] ime F. 18 f. wisen die stetü vn 1. F. 19. des] dis [2 mal] F. 21. hast Jcorr. aus habest S (letzteres auch bei F). 22 f. so alze hant so e. F. 24. daz daz der F. 25. want so wer F. den dingen S, der menien F. 26. wil Jcorr. statt sol S, sol F. 28. us] die us S, die F. de F, der S. 31. in F, f. 8. 35. a. an siege F. ■414 77. Qui raiohi ministrat, me sequatur. neme sich nüt vil an des er in üt ufhalte, liebes oder leides: lo fliessen, und berihte ouch des nüt daz dicli nit anenget; danne unberihtet und unbereit volge Gotte mit der redelicheit. Die sinnelielieit daz enist der mensche nüt: hinabe kummet das ist das der mensche alle sine werg mag getün on sin 5 selbes und das ime Got also gegenwertig blibet in der manigvaltekeit und unvermanigvaltiget blibet, das kummet alleine hievon und daz man daz gemüte nüt enheftet in die ding und blos luter uf Got go und nüt hinderwert noch herwert, enmeine nüt lust noch nutz, behagen noch missehageii, denne allein luter Got; vellet ime aber herin üt über sins Undankes, denne erhebe 10 er sich mit der Vernunft, wanne er es gewar wurt; nun und ker daz schif umb mit dem rüder der bescheidenheit, wanne er des werkes in dem werke er dem wege nüt enbegan; wanne der diener Gottes in diser wisen blibet, so on allen zwifel waz uf den fiel werg, wisen, manigvaltikeit, das en- manigvaltiget in nüt, und do enwürre ime ouch niemer nüt von der dinge 15 wegen, wie vil ouch uf in viele; were das ime Got nüt also getruwelichen gegenwertig were in siner Vernunft, so ist er doch in dem gemüte aller nehst.. und innewendigest. — So nüt gebreste und nüt creature zu gründe nu in sü slahent, so entfrident der werke noch der züvelle niemer keins; entfrident in aber einig diser wercke oder wisen, so sol er für wor wissen von ime selber 20 oder an weme er es vindet, daz ime dis grundes gebrosten ist und das die werg nüt rehte geton ensint und nüt sin tun gantz luter uf Got ist gangen; vindet aber der mensche daz ime Got nüt einig und alleine in enist, so müs er mit allen sinen kreften darnoch dasten daz er ime werde, und fliehen alles daz in des geirren mag, das si was daz si oder wie daz heisse, oder ime geschult 25 rehte also eime menschen der do het einen pfil in sime libe: der möhte von ime nüt, do müste ein smertze gescliehen, und geschihet des nüt und lot in gewerden, so müs er vil smertzlicher und swerlicher sweren, und daz fleisch müs darvon fulen, wanne sine stat enist do nüt. Also in der worheit, ist dir üt inne daz nüt luter Got enist noch des er nüt wore Sache enist, des stat ist 30 in dir nüt. Enwagest du nit den ersten smertzen, er si wie er si, do sol alsolicher smertze noch gon, also we und überwe über alle menschliche sinne. Also wissest: daz gemüte müs lidig und luter und blos uf Got gon und meinen in und nüt anders, noch sin ding suchen,, und ston in allen sinen werken und wisen mit eime bereiten gemüte, also ob er spreche: 'o herre, künde ich dir 35 iergent an liebe getün in allen stetteu, bi allen lüten also es also gevellet!' 1. in nachgetr. 8. 3 f. Die— kummet unverständlich, fehlt im Dr. Ist Z. 4 das ist zu sireichen? 4. on korr. statt sunder S, sonder F. 5. also geg.] engegenwertig F. 6. a. hin abe d. F. 7. enliefte F. n. enge h. F. 9. her inboven üt in s. u. F. 13. fiel nachtr. leigeschr. S, f. F. m. vallent daz B\ 15. gerüwekliche F. 17. in en slahet F. Idf.von — vindet FBruclc, f. S. 24. nach geschihet ist die Stelle Oder wie dz heisse oder ime geschihet irrtümlich wiederholt F. 25. eine m. F. der do f. F, nachtr. leigeschr. S. 27. I. geweren? (B.) 30. wielich F. 31. AlsoUc we F. 34. gereiten F. 35. das zive ite also auf Rasur F. 77. Qui michi ministrat, me sequatur. 415 Aber wenne der mensche kiesen mag, so sol er me mit minnen nemen und erwelen fluht aller manigvaltikeit, und keren mit allen kreften zu ime selber. Der mensche sol Gotte dienen mit noch sinem willen, sunder noch Gottes willen in'allen dingen von innan und von ussen. War der mensche get und waz er dete, also er Got nüt inne enhat, so get er unsicherlich und ungewerlich, also 5 eine geschrift sprichet: 'we dem der alleine ist: vellet er, so hilffet ime nieman uf.' Aber wenne der mensche sich vor gewarnet liet und die bürg wol gesät ist, so enkunnent ir die vigende mit angewinnen. — Und wan der mensche Got also wol ingevasset und gegenwertecliche in sich gezühet, so genüget in also wol mit kleinen dingen; alle ding sint ime denne gut und gnüg; in ungelicheit 10 isi__sine stat und werg und lüte; also man Got wol inne hat, do nimmet der mensche me zu und erkrieget die tugent vil e danne in der glicheit, alleine es der naturen vil swer si, und er darf vil me flisses und zügekertheit sines ge- mütes, und also ist in der glicheit mit: do get es selber zu, und in diseme en- vindet er nüt obe er si ein getruwer diener Gottes, und nimmet in ungelicheit 15 me zu und vindet sich selber in truwe verre baz denne in glicheit. Wer daz ime der mensche entginge, do ensol er mit lange uf bliben, sunder er gebe es sinre kleinheit und vernihtekeit schult und kere snellecliclie wider in Got so e so besser: so ist es zuhant geton und wurt glich. Wil der mensche uf sime gebresten lange bliben und wil sehen wie es herzu komen si oder es solte 20 alsus oder also geton han, das haltet in alles uf ein unberihtekeit; kere dorihte zu Gotte; bistu ungelich, wie wiltu bas glich werden? wie wil der mensche deine tode verrer kummen danne mit dem woren wesenlich en lebende? wie wil ein mensche iemer warmer werden denne das er sich dem füre noher machet? Ouch sol der mensche alle sine Sachen uf Got legen und ime lossen: so versiht 25 er ime alle ding in daz aller beste und sol ime daz gantz getruwen und neme denne in der getruwunge alle ding für daz aller beste, und si gantz züfriden. — Wil aber der mensche nüt getruwen Gotte und sich uf in nüt lossen: wenne er wil mit den dingen gon schaffen und sorgen und würken, so let in Got dicke in not kummen, daz er sehe wie verre er mit siner helffe kummen müge; 30 aber liesse sich der mensche in rehten truwen Gotte und in allen Sachen, in allem sime tünde: sicher so versehe er in innewendig und ussewendig unzellich bas denne alle creaturen hulffent; wanne er ist vol gnoden und worheit: waz man mit truwen an in suchet, das vindet man. Aber die getruwunge die sol gon usser truwen, Got meinen in gunst und in willen: so ist getruwunge über 35 alles gut. Also man Got nit zu vil mag geminnen, also mag man ime nüt zu 4<{ 4. dingen f. F, nacJdr. beigcschr. S. 6 f. s. enhat er n. der ime uf helfe F. 7. hat F. besät F. 8. ir F, f. S. 1.5. n. also o. F. 15 f. in ung. m. z.] ungeliches nie dinne z. F. 16. in tr.] sine tr. F. 18. schult f. F, naehtr. beigeschr. S. 21. derihte F. 25. Sachen gotte vflegen F. got beigesclir.S. 26/". und sol —für daz aller beste f. F, naehtr. beigeschr. S. 35. u. rehter tr. F. 416 77. Qui michi ministrat, me sequatur. vil getruwen, so die truwe get usser truwe. Dise wisen in den der mensche alle truwe, fröude und fride vindet in allen wisen, wercken und stetten, daz wurt alleine gelert und funden in indewendikeit, in zftgekertheit des gemütes in den grünt, und daz bedarf in dem ersten lidekeit und müssekeit, zit und 5 statte. Do in deine gründe der innewendikeit do wehsset diser boum heruss mit allen sinen zwigen und mit allen sinen fruhten; wenne von innewendiger zügekerter lidekeit do wurt dem menschen entdecket und zu bekennende geben weg und wise zu Gotte, und werdent erkant die wege und wise Gottes zu dem menschen, und ie me dis ist, ie klorer und ie worer dise wege bekant werdent, 10 und wo der mensche daz bevindet an ime selber oder an eime andern, das ime dis gebristet, do sol er wissen, das ime dis weges gebrosten ist, das man ime nüt zit noch stat noch müsse gegeben hat und es von innan nit gesüchet enhet, und stont soliche menschen alle ir leben in eime geistlichen schine uf iren ufsetzen und wissent doch nit wo sü dran sint, und gevölent und be- 15 vindent sü Gottes nüt, daz lossent su sin; sü wenent von in selber es si eine gelossenheit, und es ist ein rehte unrüchsam unahtsamkeit, und slehent denne andere ding in, es sint sü selber oder üt des iren das die stat Gottes be- kumbert, wanne es ist also unmügelich daz der mensche Got niit inne enhabe und on minne sy, also daz er lebe on sele, er wisse oder enwisse es nüt. Und 20 get der mensche also hin in einer blinder wise und verlot sich uf sin geistlich stat in dem er ist, oder sine werg die er tut, und ennimmet nüt war sins grundes, und wenet also den rehten weg sin gegangen, und also er an das ende kummet, so get er in den ewigen dot, wanne er ist nüt gegangen durch den Aveg der Cristus ist, der von ime selber sprach das er der weg si, die wor- 25 heit und das leben; ' wer durch den weg nüt engot, der get irre.' Daz ist gros laster und schände daz ein mensche also vil ander dinge weis und enweis sich selber nüt. Nieman ensol sich sins ewigen lebens an keinen zwifel lossen, wanne er sol wissen und nüt wenen werlichen wie ime Got inne si und wie ime zu Gotte si; und gebristet ime dis woren wissendes, so suche er an den 30 heiligen wisen lüten das er sicher wisse und nit enwene; wanne was der mensche nu versumet, das enwurt ime niemer me: alle heiigen und alle creaturen enmöhtent mit blutigen trehen ime nüt ein einig hör breit me erwerben. — Die bereit worent, die gingent mit deine brutegöm in; aber die sich bereiten wolten und zu spote koment, den sprach er mit dem eide 35 in sinre worheit, er bekante ir nüt. Wie bekante er ir nit? jo in dem daz er die sinen bekante die ime heimlich sint und in sinre noheheit sint, in den scharn bekante er sü nüt, und waz sü kloppfetent, sü enkoment nit 1. die tr.] l. die getruwunge ? IL 4. zit F, f. S. 7. wurt] werdent .F. 9. das zweite ie f. 8. worü F. 12. müsse F. 14. noch F. 16. slahent F. 18. unmügelich F, korr. statt mugelich 8. streiche nüt imä en-? 18 f. das der mensch got inil hab on lieb Dr. 19. on minne sy korr. statt minne 8, minne F. on leorr. statt sunder S, sunder F. 24. der korr. statt das S, daz F. 37. der seh. F. sü n.] ir n. F. 77. Qui miohi ministrat, me sequatur. 417 in. — Sant Augustinus sprichst: 'es ist kein ding alse sicher also der dot, und kein ding also unsicher alse die stunde des tode s \ wanne oder wie er kumme, die zit, die wise des todes; und darumb enist keines dinges nöter danne daz man on underlos bereit si und das man daz wisse und nüt enwene; und darumb sint wir in der zit, nüt umb keinre werke willen, allein umb 5 wissendes willen, das die werg fliessent us dem wissende also die fruht us dem boume. Darumbe daz sol unser übunge sin in der zit daz wir me Avissendes gewinnent und noher kumment, und darumb der sich selber wol durchbrochen het und sich über die zit wol erheben kan und in Gottes willen und in sin heimliche.it alles sin leben geordent het, den vermenigent und zerströwent und 10 hinderent nut die minne und die ding die die zit inne hat und von ir zusieht; wanne so des menschen gemiite me und inrelicher in Got geheftet ist, so der mensche gefrideter und geordenter und glicher in allem sime tünde ist und un- verworrenre blibet, und das ist ein zeichen eins guten menschen das alles sin tun alsolich si also er begert zu sinde so der lichame begraben wurt in der 15 erden, das die sele denne werde begraben in der grundelosen gotheit. Darumb sint wir alleme in der zit, und das wir nu daz versument, das müs uns iemer versumet sin. Wes die ubergeschrift des pfenniges ist, dem git man den pfennig on alle widersproche Gottes oder creaturen. Und des sehe ein iegliches in sinen grünt tegeliche und dicke waz sin Überschrift si, was von ime aller- 20 meist geminnet und gemeinet und gesuchet si, was in allermeist trösten, er- fröwen, bewegen möge, waz ime aller dickest und allermeist inne si, wie liep ime zu Gotte si und zu allen göttelichen dingen, es sint Gottes frünt oder Gottes dienst oder was in angehört, wie ime darzü si und wie ime sin gemüte zu Gotte gekert si und in welicher wisen sin wille und ouch sin us- 25 rihtunge sins lebendes und sine wandelunge, wort und werg sint, und sehe wie ime selber zu ime selber si: obe ime üt me smacke und lust bringe innewendig oder ussewendig sin lust, sin nutz, sin trost, sin ere, sin vorteil,.sin fnint, sin gut, sin gemach danne die göttelichen ding. Der dise ding me durchgründet in rehter bescheidenheit, der gewinnet ein wissen in grosser demütiger züversiht 30 war er höre und waz sin ubergeschrift si, das ist der grünt siner meinunge in dem gründe; wanne sint sicher: ist in des menschen gründe üt oder einig ding das nüt wer liehe Got enist und Got nüt ein wore sache enist, du sist es selber oder waz daz ist, wie kleine das ist: alle die wile daz daz do stet, so enwurt dir Got niemer gruntlichen, und schruwest du darumb also vil trehen also daz 35 gantze mer wassers hat, es enhulffe dich nüt, du müst des iemer enbern also 5 f. alleine danne u. F. 8. selber nv w. F. 10. v'nienigunt F (l: vermenig- valtent? vermenigvaltigent ?). 11. zv sleth F. 12. so f. F. 17. alleine F, alle 8. 27. selber vor zu f. F. 27 f. i. ding o. F. 28. vrteil F. 28 f. sin gut F, f. S. 29. me] alle wol F. 30. in—züv.] und nüt ein wenen F. 31. gebore F. sin] si F. 32. ding f- F. 33. des S. Deutsche Texte dos Mittelalters XI. 27 418 77. Qui michi ministrat, me seqüatui. lange also die ewikeit stot. Wo mitte gont die menschen umb und selient nüt in die winkelelite nature die so vil verborgenlichen mit den dingen und mit ir selber besessen ist und daz ire in allen dingen meinet an Gotte und an den creaturen und wider geböuget ist uf daz ire, uf sich selber? Aber der mensche 5 solte on alles underlos also vaste ilen, wanne wir nüt zit enhant, also sant Paulus sprichet. Wo üt Gottes ist, wie wenig daz si, das selbe hat vil me inne wan alles daz dobi nidenan ist: ist es me, es ist neher. Das wir nu alle Gotte also gedienent und ime also gevolgent, das wir müssent komen do er ist, des lielffe er uns selber. Amen. 78. 10 Domus mea domus oracionis vocabitur. Ein andere usslegunge von der kilwihen seit von dem wesen der an- daht, darzü man kummen müs durch dro stücke iegliches underscheidenliche mit sinen züvellen: das erste ist geworer gloube, das ander ist ein vernunftig bekennen Gottes, das dirte ist gebet. 15 Unser herre het uns selber alhie gelert wie es darzü komen sol das unser innewendikeit werde ein hus des gebettes, wan der mensche ist eigenlich ein heilig tempel Götz. Die kouflüte süllent zu dem ersten uzgetriben werden, die bilde und die fantasien und waz genügede in der creaturen ist und eigens willen. Und ouch sol er geweschen sin mit den trehen, daz der tempel reine si. 20 Alle tempel ensint dannanvon nit heilig daz sü hüser sint, noch dis tempel noch zu Korne noch niergent, wan von Gotte so sint sü heilig. Diser tempel, die sele, daz ist der minnencliche tempel Götz, do Got in der worheit inne wonet, so alle ungelicheit usgetriben ist und gerumet ist. Was wonunge mag Got do han? E ime ein gedang von Gotte müge werden, so werdent ir dicke 25 von andern dingen viertzig. Do wart gerüret wie die kouflüte werent und welich kouflüte es werent, und was das daz sü irme frien willen lebent in luste und genügede der creaturen; wanne do enist kein zwifel an, welich mensche wil daz Got in ime wone und würcke, der müs von not alle mittel und ungelicheit us ime triben, das ist alle minne und genügede der creaturen 30 der Got nüt ein wore sache enist. Der nu daz spreche das zehen mittel un- schedelicher werent wanne eins, das were daz zehen menschen heimlicheit und minne und früntschaft minre schaden solte wanne eins, und das wer ein torheit 6. ist f. F. 7. ist vor es nachtr. beigeschr. S, es ist m. F. 9. d. müsse e. u. s. helfen F. zu der Nummer (63) vor Z. 1:] 'Cod. 89, no. 69' S. zu Z. 10: 'Matth. 31,3.' S. 12. drü 89, die 8. 20. heüser gottes heyssen Dr. 23. Hinter gerumet ist hat der Brück folgenden, in 8 vielleicht übersprungenen Zwischensatz: Vil darüb sag ich euch, das got in dem tepel seyn wonung nit habe mag, der nit also geraumet ist. 32. und f. Dr. 78. Domus mea domus oracionis vocabitur. 419 und horte ein kint wol daz dem nit relite werfe; eins si ie bas zu überwindende denne zeliene und usszütribende; sunder ein ding süllent ir wissen daz zelien gebresten die der mensch für gebresten hat und wol bekennet, ensint nüt alse einen den der mensche nüt bekennen enwil noch für gebresten han und mit eime frevel allewegent do inne bliben. Der mensche sol han allewegent ein 5 demütige vorht von unbekanten gebresten; wenne sich der mensche mit demütekeit leit für die barmhertzikeit und sich do für gebrestenlich het, so wurt sin gut rot; aber do der mensche also in eime frevel stot und eime entschuldigen, des enwurt niemer rat. Wan do vor hütent üch als von dem ewigen tode; und den sin ding also rehte duncket, der den heiigesten menschen 10 der in ertlich ist, frogete ob er also vil geweinet hette also er solte, er spreche nein, er hette den tusendesten trahen nüt geweinet, er solte es alrerst beginnen: die wile daz heiiger lüte ding ist, so hütent üch. Nu möhte man frogen, die wile der gute mensche also ist also er weinen sülle beginnen: sol man danne alle zit weinen? jo und nein, nieman ensol duncken das er iergent 15 überkummen si, wie kleine es si. — Alsus so denne der tempel gereiniget ist und die kouflüte usgetriben sint: wanne sint dise kouflüte ussgetriben? so du ussgetriben liest alle die dinge der creaturen und alle ir genügede, also das du mit dime willen noch mit dime gantzen gehengnisse sü wider in nüt ennimmest noch behaltest. Wanne du also stest, koment denne dise bösen kouflüte herin 20 aber mit irme bösen krome, sü müssent zu hant uss, sü müssent do rumen; und wer es ouch wol daz sü ein wile do blibent one minen willen und sunder min gehengnisse, so enschat es mir nüt; wie lange es si, sü müssent zu derselben türen us do sü sint in komen; und darzu me, vindent sü üt böses, üt mistes do inne, si ouch daz es zwentzig jor do gehuset habe, daz müssent sü 25 mit in dannan tragen und reinigen disen tempel: so es sunder min gehengnisse si, was es danne si, es si hochfart oder gritekeit oder unkuschikeit, was wider minen willen ist, das enbeflecket mich nüt, es reiniget mich, wan dem guten menschen sint alle ding beholffen. — Nu dan: min hus das sol sin ein hus des gebettes. Zu dem gebette hört andaht. Andaht, was ist daz? daz ist devocio, 30 das ist also vil gesprochen also 'quasi se vovere deo', ein innewendig verbinden mit Gotte mit einer bewegunge der ewikeit. Wenne du dich Gotte also verbindest, alsus gelobest, so liest du andaht, du sist wo du sist oder waz guter wercke du tust, welicher kunne die sint. Daz ist kein not daz man allewegent jubiliere oder grosse süssekeit habe, das ist wol ein zuval; mer daz wesen der 35 andaht lit an diseme innewendigen ergebende oder vereinigen oder verbinden mit Gotte; dis werg triff et sere nohe, hie wurt rehte die katze an die mure getrungen; schiere so der mensche in kummet in daz riche daz in uns ist, die muren süllent schiere gevellet werden. — Nu schribet Hilarius drü stücke mit 1. si] ist Dr. 4. einen S, ein einiger Dr. 8 f. st. in einem vnsclmldigen sein selbs Dr. 22. und wer es Jcorr. statt si S. 23. gehengnisse: über en ein u(?) geschr. S (als Konjektur?). 25. es] er & 27* 420 78. Doraus mea domus oracionis vocabitur. den man in dis riche die rihte kummet: daz erste das ist warer gloube, das ander daz ist ein vernunftig bekennen Götz, das dirte das ist gebet. Welich ist nu gloube? ensint nüt alle cristenlüte glöubige lüte? Wissest, also uf dem kirchofe sint vil doten, also sint in der heiigen kirchen vil und manig mensche 5 dot und schinent lebende und sint in der worheit dot. Was ist nu ein lebendig gloube? das enist nit anders wan ein lebendiger gunst zu Gotte und zu allem dem das göttelich ist. Ein mensche höre oder sehe oder was den glouben anhört, es si von der gotheit oder von der menscheit oder die drivaltikeit oder waz daz si, der mensche vindet in ime einen lebendigen glouben der in bas 10 wiset das Got ist, und ime klerlicher inne ist danne ime alle meister kunnent gesagen, wanne er lebete und wonete in dem innewendigen riche do diz leben uss quillet uss sime eigenen burnen. Ander lüte, der leider vil ist, sü hangent wol an dem leben, aber des wölken mag gar lihte sin, also obe der sunnen- schin ein lebende ding were das sich bewegete, und ein wölken darüber ginge, 15 so verginge das leben, also mag der wölke der sünden gar lihte sin, der dis leben zu mole in ime bedecket und benimmst, wenne es ist gar kräng. Kummet wol über die lebenden lüte ein wölken der sünden, also alle menschen sint gebrestlich, so tringet die sunne, das leben, dardurch und kummet zühant snelleclichen wider, wan das leben het do gewurtzelt, dovon kummet es wider, 20 es tringet do durch, es flühet do von. Wanne dise andern vallent, so blibent sü, wanne sü kumment nüt; kumment sü in, so vindent sü einen doten hunt dinne ligen, ein doten hunt: er stincket, trag in uss, er ist dot! einen lewen dürren kalten doten menschen, der swer ist zu allem dem daz götelich ist und Got angehöret; er wer selig ob er doch hangende blibe an dem leben; wie 25 wenig es were, er wurde behalten; wurde er do inne funden, er kerne zu jungest zu himelrich, wurde es ime joch gar zu lang. Aber des mag gar lihte sin daz sü abevallent, wanne sü hant nüt weg noch wise in sich selber zu körnende, danne alleine wonent sü in disen ussern dingen und werdent als itel und dürre und in selber verre und frömde. Aber die edeln lebenden lüte die 30 wonent in dem leben und bevindent innewendig dis leben, und die wissent von innewendikeit von der worheit, und waz den lüten ussewendig begegent das göttelich ist, das erwecket das innewendige leben mit einer neigunge, mit einer minne, mit eime wolgevallen daz in ir ist, und anders nüt; sü wonent in dem innewendigen riche und do smackent sü; das müs den verborgen sin die dar 35 nüt enkumment. — Das ander ist ein vernunftig bekennen Gottes; das vindet man in disem, man endarf sich hernoch nüt spannen noch verre suchen; man vindet es in disem, es endecket sich selber; dis lieht lühtet hie; hie kummet man in dis riche zu der rehten türen in, nit binden in; in die rehte Strasse kummet man hie. Disen mag man wol sprechen: 'daz riche Gottes ist in üch'; 40 dise vindent die worheit die allen den unbekant ist die doheime nüt enwonent, und ist den allein bekant die doheime wonent; sü vindent daz sant Dyonisius schribet, das do ist übervernunftig, übergedenglich, überverstentlich, das lieht 78. Domus mea domus oracionis vocabitur. 421 in dem liehte. Die grossen meister von Paris die lesent die grossen Melier und kerent die bletter umb; es ist wol gut, aber dise lesent das lebende buch, do es alles inne lebet, su kerent den himel und das ertrieb umb und lesent daz wunderliche Averg Gottes, und gent vor an daz undersclieit der heiigen engein und kumment vorn an die obersten botschaft der heiigen drivaltikeit, 5 wie der vatter den sun eweclichen geborn liet, wie daz ewecliche wort ewec- liche het gespilt in dem vetterliehen hertzen, und wie der heiige geist flüsset von in beden, und wie die heiige drivaltikeit sich ergüsset in alle selige geiste und wie sü sich wieder ergiessent in wunderlicher selikeit. Dis ist die selikeit von der unser herre sprach: 'das ist das ewige leben das sü dich vatter be- 10 kennent, und den du gesant liest, Jhesum Cristum.' Das ist das wore leben in disem tempel, dis ist daz edel wartespil, hie ist der oberste priester in sime eigen palaste, hie ist das riche ervolget, wenne hie ist die wore gegenwertikeit in der alles leit, alles liden verswindet. Wer dis befunden hat, der weis dis alleine; dis ist allen kunstenrichen meistern noch den wisen unbekant. Aber 15 welich mensche dis allermeist in disem lebende bevindet und diseme aller nehst kummet, der sol do Got aller nehst sin und sol dis allermeist in ime runden werden und süllent aller seiigest sin. — Das dirte stucke von dem diser heiige schribet, daz ist gebet. "Waz ist gebet? Zu dem ersten, also geschriben stot, daz ist ein ufgang des gemütes in Gotte; in eime nehern sinne so ist gebet ein 20 vereinender inker des geschaffenen geistes in den ungeschaffenen geist Gottes mit eime fürsatze das do wurt beweget von ewikeit der gotheit. Dis sint die woren anbetter die den vatter anbettent in dem geiste und in der worheit, und der vatter begert alsolicher die in anbettent also Cristus sprach; dis sint die die enphahent waz su bittent, und vindent waz sü süchent. In disem gebende 25 wurt funden und verlorn. Waz wurt verlorn? der tempel wurt hie verlorn und der geist und alles das do wir von gesprochen hant. War ist es alles kummen? es ist in Got geflossen und ingelossen und ist ein geist mit Gotte worden, also der liebe Sant Paulus sprach: 'der Gotte anhanget, der wurt ein geist mit ime.' Was daz si und wie daz si, do ist bas abe zu bevindende 30 danne zu sprechende; dis ist also ungelich und also kleine das hievon ist gesprochen, also einer nalden puntelin gegen dem grossen himel. Got gunne uns das wir es ervolgen, und daz uns das geschehe, des helffe uns Got der vatter, und Got der sun und Got der heiige geist. Amen. 1. Die Dr., Dise S. 5. vnnd da erkennen sy denn vor an die oberst Dr. vornan S. 15. nach dem wissen Dr. 34. Es folgen in Schmidts Abschrift (S) hier die oben als 58, 50, 60 (aus E) abgedruckten Stücke: Dis ist ein gut lere und ein heilige manunge, Dis ist ein kurtze bichte, Dis ist ein gute lere, womit dort die einschlägigen Stücke von F bereits verglichen sind; die wenigen Abweichungen in S sind am Schluß des Bandes nachgetragen. 422 79. Die materie sunder tytulus und one tliema. « 70. Die materie sunder tytulus und one tliema ist geheissen ein büchelin, seit von vier gar sorglichen subtilen bekorungen und oucli mit was Übungen man sü fürkummen sol und in angesigen mag. Dis ist ein nutze und ein notdurftige minnencliche rede in allen ver- 5 nunftigen tütschen buchen und in allen subtilen sinnen und zu eime inne- wendigen lidigen abgescheidenen geistlichen lebende. In der ewigen wisheit unsers herren Jhesu Oristi süllent wissen alle die dis büchelin lesent oder hörent lesen: wie das dise noch geschriben lere gantz lutere einvaltige worheit si, so ist sü doch gar sorglich allen den zu lesende und zu wissende die ir 10 selbes mit willeclichen zümole verzigen und gelossen hant gegenwerteclichen und künfteclichen in einer sterbender übunge irs blütes und irs fleisches, ire sinne und ire vernünftiger werke, noch dem alse sü von Gotte und von sinen heimlichen fründen vermanet werden und getriben werdent. — Aber nu richsent vier grosse bekorunge in der weite. Das erste, ussewendig zu wonende noch 15 natürlicher wisheit der sinne, mit einer unahtsamkeit alles innewendigen geistlichen ernstes und unratsamkeit, und nüt mit grosser innewendiger minne Gotte on underloss zu lebende würcklichen und gegenwürteclichen und an ime alleine blöslichen zu hangende mit lutere einvaltiger meinunge und mit lustlicher liplicher neigunge in sime allerliebsten willen und darinnen ston in 20 habende und in darbende liplicher und geistlicher dinge. Die ander bekorunge ist innewendig und ussewendig offenbornnge und liebte und formen und sprechende und Visionen noch frömder ungewonlicher wisen; und wie doch das Got sinen fründen underwilent ettewaz worheit offenbort, so ist doch dise wise nüt balde zu gloubende noch zu getruwende, wanne des menschen geistlich 25 nutz lit wenig daran, mer manigvaltiger grosser geistlicher schade und ouch liplicher dem menschen die von disen wisen vil halten wellent. Die dirte bekorunge ist ein gros vernünftig flogieren von warheit mit allem underscheide uszüsprechende, aber mit innewendigen vernünftigen wercken anzusehende nach bewegunge und reissunge des grossen lustes natürliches liehtes mit eime un- 30 bekentnisse sin selbes wol gevallen, und harzü sint alle menschen von naturen geneiget, und dise bekorunge ist vil sorgliche eime ungestorbenen menschen, wan sü gebirt geistliche hochfart und ein betrogen leben und gross irrunge in eime geistlichen schine. Die vierde bekorunge ist ein innewendige itele blinde lidekeit sunder würklich minne und begerunge mit eime liplichen nidersitzende, 35 schedelichen widergeböiget uf sich selber entslaffen oder ein entsincken in ime selber, daz do geschiht eime anhebenden oder eime jungen menschen oder zu der Nummer (65) vor Z. 2: 'Cod. 89, no. 60. 8. mein Lehen Taiders, 74; — und Vier Schriften BusbroeJcs (Hannover 1848), XXIV und 223.' S. 26. dem = den (Sandhi). 79. Die materie sunder tytulus und one thema. 423 eime ungestandenen menschen, sunderliclien also dise menschen zu vil herzu keren wellent, mit einre friheit zu vil danvon halten wellent und allezit sich darin gebent als oh es der fride und die gohe Götz si; und hie inne werdent ' su swerlichen betrogen, Avenne es ist der naturen und des vigendes rot und ' würcket in in ein sorglich verleiten. — Mer der mensche der disen bekorungen 5 enpfliehen wil und Gotte erlichen und ime selber nutzlichen leben wil, noch diser noch geschriben lere, der sol sich mit eime geordenten ernste ussewendig und innewendig üben one alle eigenschaft uf enkeinre wisen zu blibende, emzlichen bescheidenlichen warnemende des götlichen tribendes in ime; und die wisen und der materien die in aller meist reissent ussewendig und innewendig 10 zu guten werken und zu göttelicher minnen, die ensol er nüt balde abelossen, bitze daz sü selber abevallent. Wer noch denne das ime ein nehers gezöuget und bekant wurde, doch alle die wile das der mensche under sinen viertzig joren ist, so ensol dekeiner innewendige noch ussewendige zii vil friden noch lidekeitew und riclisenen zu gentzlichen getruwen, wenne es ist noch denne vil 15 vaste mit naturen vermüschet; und er sol sich me halten und lossen zu der würcklicher minnen von innan und von ussen, und ouch in alles darben würck- licher minne und innewendiger rüwe, in senftmütiger demütikeit sich selber do inne zu lidende. Also es Got let vallen oder der mensche die übunge der minnen ernstlichen gesuchet hat noch sinre vermügende, so mag er deste sicher- 20 lieber sich liden und darben. Und daz alle menschen den geistlichen friden und richeit nüt balde sich darin lossen süllent und ime getruwen süllent, das bewert sa,nt Gregorius do er sprach daz die priester in der alten e, als sü fünfzig jor alt Avurdent, daz sü danne alre erst wurdent hüter des tempels, mer die wile das sü under fünfzig joren worent, do Avorent sü trager des tempels 25 mit arbeiten der übunge. Mer von welichem alter der mensche ist, der sinen inneAvendigen grünt mit ernste übet mit einre einvaltiger luterre gütlicher meinunge in geordenter demütiger blibender vorhten, ist danne das ime derselbe underAvilent entsincket mit gebruchlicher minne und innewendigem friden niAvende in verlorenheit und in Vergessenheit sin selbes, der enpfahet im- 30 sprechenliche unbekante richeit in göttelicher vereinunge. Und zu diser Avisen und aller usseAvendiger tugentlicher ordenunge sol alle vernunftige richeit ein züdienende kneht sin, und götliche heimlicheit sol unbekant bliben; und dis sprach sant Dyonisius: 'loss alle sinneliche und vernunftigen Averg und stant unbekennende uf zu der einunge mit Gotte die do ist über alle Vernunft.' Der 35 sich alsus ordenlichen innewendig übete, dem wurt dicke daz inneAvendige tabernackel unbekentlichen gezöuget göttelicher einikeit inne Avonende und rüwende, mer gebruchliche und götliche schÖAvende. Dem ist nüt zu getruAvende in allen menschen vor den fünfzig joren. — Wer nu dise vor und nach ge- 14. deheine S. 15. 'lidekeiter (sie)' S. riclisenen, wie Z. 22 richeit. 21. /. m. in den? 29. und f. S. 424 79. Die materie sunder tytulus und one thema. schriben lere verstan wil und G-otte erlichen und ime selber nützlichen leben, der sol sich mit innigem ernst und mit demütiger iibunge und gebetten inne- wendiclichen zu Gotte keren und bitten das ime dis bekant werde noch sinre notdurft in dem liebsten willen Götz. Des helffe uns die ewige wisheit, unser 5 lieber herre Jhesus Cristus. Amen. 80. Dilectus meus loquitur michi: 'surge propera amica mea et veni'. Die bredige usser der brüte Spruch in der minnen buche seit von vil stücken die eine brut Gottes an ir haben müs, das ir götlicher fride von innan blibe und überwinde die drie widersachen: die weit, den bösen geist und ir 10 eigen fleisch. — Alsus sprach die brut in der minnen buche: 'min liep sprach zu mir: stant uf, mine fründin, ile und kum.' Der nu wil ein sunderliche fründinne unsere herren sin und wissen wil obe er si ein sunderliche brut unsers herren, der sol dise stücke mercken ob er die an ime habe; het er die, so enist do kein zwifel an er si gantz ein userweite brut. — Das eine ist das 15 er sich mit unserm herren in solichen friden habe gesetzet daz in keine creature müge entfriden in sinre innewendikeit. Dovon sprach der prophete: 'in dem friden ist sine stat.' Eine sunderliche brut unsers herren sol sich also halten daz sü sich aller dinge getröste: der var, der vare, der blibe, der blibe, daz ir göttelich fride von innan gantz blibe und aller dinge sich in ime und 20 durch in müge getrösten. Nu möhtest du frogen mit wemme du friden soltest haben. Mit drin widersachen solt du friden haben: das ist die weit, der vient und din eigen fleisch. — Also wie mit der weite? Das du nüt enahtest was dir die weite getün mag, sü neme dir, sü gebe dir; darzü kummest du mit vol- komenre getult. — Das ander: das du friden mit den vigenden solt haben. 25 Dar kan doch der mensche kume iemer zu komen, der vigent der strite ie wider in; er bringet iemer üt und get mit allen sinen werken und allem sime tünde und lossende uf das er den menschen gehindere. Die fürin strolen des vigendes die überwindet der mensche mit keinen dingen also vollekomen- liche also mit innigem andehtigeme gebette, das verbrüget und verjaget und 30 machet in flüchtig mit allen sinen listen; und darumb wenne der mensche gewar wurt der fürinen pflle die ime do her kumment schiessen, die ime sin geistlichen friden wellent benemen, so gebe er sich zühant mit gewalte in sin innig gebet und enahte der hindernisse nüt, so enmag dem vigenden nit m der Nummer (66) vor Z. 6:] 'Cod. 89, no. 81 (fehlt)' S. zu Z. 6:] 'Cant. 2, 20.' S. 17. dem leorr. statt disem S. 80. Dilectus meus loquitur michi: 'surge propera amica mea et veni'. 425 leider geschehen, und so wurt er alles hindernisses los. Also vindet man von sant Bartholomeus, do er bettete, do rufte der tüfel: 'ach du verburnest mich mit dime gebette, und mit dime furin bände liest du mich gebunden!' — Das jdirte: du solt ouch haben friden mit dir selber. Ach wie? du solt dinen lichamen underwerffen dime geiste in allen dingen, also das du sin gewaltig 5 sigest in allen dingen, das er dich in keinen weg hindere die G-ot von dir wil. Also ftettent die heiligen das sü ires lichamens also gewaltig worent, und hettent in ouch also gewenet: wenne der geist wolte, so sprang der lichame für, als ob er spreche: 'ich wil hie sin e du.' — Herzu kummet der mensche mit drin dingen das er sins lichamens alsus gewaltig wurt. Daz erste, das du 10 dime lichamen abeziehest an essende, an trinckende und an sloffende und an alleme gemache, und obe du silist daz er übelen wil, so lege im einen harnen an mit scharpfen disciplinen. — Das ander, das du solt widersache haben dem turste der weite und allen weltlichen dingen und sorgen der weite. Lo die doten die doten begraben, volge du Gotte noch; dir sterbent dine frünt, ane 15 varen, ane kummen, ane ere, ane richtuom Überkummet; fröwest du dich dis, so enbist du mit in diseme. Ein heiige sprichet: 'mit wemme du dich fröwest und betrübest, mit dem soltu geurteilet werden.' Sant Paulus sprach: 'ir süllent üch ahten dot der weite.' Der dote enahtet nüt obe du in lobest oder scheltest, oder gebest oder nemest; ein dote oder ein sterbender mensche der 20 engebe uf alles daz golt oder edel gesteine oder uf alle die ere oder frode oder frünt oder trost nit ein einig hör. Du solt tun also ein vatter, der sas in dem walde, zu dem kam sin liplicher brüder und sprach: 'bruder lieber, ich bin in grossen nöten und ist mir eine karre mit grosseme dürem gute in das wasser gevallen: hilf mirs uz ziehen!' und schrei und weinde und bat in 25 vaste; do sprach er: 'des bit den der do nohe wonet: wes zihest du mich?' do sprach diser: 'der brüder ist vor eime jore dot!' do sprach diser: 'so bin ich vor zwentzig joren dot gewesen', und lies also den gon und bekumberte sich nit nie. — Daz dirte ist daz du habest ein ufgerihtet gemüte in G-ot, alle zit ein gegenwertekeit Gottes. In der worheit, wilt du haben den schöppfer der 30 creaturen, so must du enberen der creaturen, wanne es enmag nüt anders sin, also vil also din sele geblösset ist und geteilet: also vil minre creaturen, also vil me Gottes; das ist rehte ein glich kouf. Sprach sant Augustinus: 'der mensche ist alzu gitig dem an Gotte nüt enbenüget; wes mäht du begeren daz du an ime nüt envindest?' Gedencke: waz ein einig hertze erdencken mag, 35 das vindest du tusentvalt an ime; wilt du minne oder truwe oder worheit oder trost oder stete gegenwertikeit, dis ist an ime liberal sunder alle mosse oder 4. du solt korr. statt solt du 8. 6. in keynen wercken Dr. 7. hettent S, thete Dr. 15/". freund, od' dir stand zu frettd, kumer, eer, reichtüb, es sey was es sey, dz dich angäg, od' dir begegnet, trag es mitt gedult in got Dr.; I. oben etwa: frünt, dich ane varen kummer, ere, richtuom, swaz dich Überkummet w, s. w. 30. ein] in Druck 42G 80. Dileotus mens loquitur miolii: 'surgc propera amica mea et veni'. wise; begerest du oucli Schönheit, er ist der schönste; begerest du richtfimes, er ist der rieheste; begerest du gewaltes, er ist der gewaltigeste; oder was ie hertze ie möhte begeren, das vindet man tusentvalt an ime. Alsus vindest du an dem einvaltigen aller gutesten gute daz Got ist, und darumb trib us und 5 jage uz alle creaturen mit allem irme tröste; sprich: 'gang von mir, du enbist nüt den ich suche, den ich meine und den ich minne'; es si ere, es si richtüm oder fröude oder früntschaft, sprich: 'gang enweg, fluch von mir; los sin, los Valien: ich enahte din nüt.' — Wannanvon ist das das dir Got so frömde ist und daz dir sine minnencliche engegenwertikeit so dicke underget? Des enist keine 10 ander Sache denne daz din gemüte nüt blos noch lidig enist, das du mit den creaturen bekumbert bist und domitte verbildet bist. Dovon sprach sant Bernhart: ' contemplacio enist nüt anders denne ein anhangen in Got mit eime vergessende aller zitlicher dinge.' Dovon sprach sant Augustinus: 'der do fri ist von irdenschen gedencken, der henget sich an die ding die Gottes sint', und 15 sprach ouch: 'o guter Jhesu, min sele begert unsprechenliche dinre minnen.' Ich bitte dich daz ich werde begriffen zu der contemplacien und zu dime erütze und in die allerheiligeste süssikeit dinre menscheit, das ich müge wider- ston der itelkeit und der bekorunge der weite, und begere daz ich werde begriffen in den himel zu durchsehende die heimlicheit der sacramente Gottes, 20 und das ich müge zünemen in geistlichen dingen, und das ich werde begriffen zu schöwende dine götliche drivaltikeit, daz ich bekenne in allen minen werken dinen göttelichen willen und werde ingeknüppfet in dine baut. Und ob ich zu dem ersten grate und zu dem andern grate werde nidergelossen underwilen, das ich doch enkein merren habe wider uf zu gonde, also obe ich die ersten ding 25 sehe oder höre, das ich ir nüt enmereke und zümole ersterbe und dir alleine lebe. — Du solt ein ding wissen: und werest du alleine lidig der bilde der creaturen, du müstest Got on underlos haben, wanne er enmöhte sich nüt enthalten weder in dem himele noch in ertriche, er müste in dich kummen, oder hette er es ouch gesworen, er müste sin wort wandeln und in dich kummen und müste 30 dine sele zümole erfüllen ob er sü itel fünde. Aber kere es war du wilt, alle die wile das die creaturen in dir sint, so müst du Gottes itel sin und sin enbern; nimest du ime des dinen ein kleines, on allen zwifel so nimet er dir daz grosse ungemessene das er ist, ein ungemessen teil. — Man vindet das eine schöne wisse fröwe ein kint gebar, das was zümole swartz also ein möre; do 35 wart meister Albrehte dis grosse leit geklaget; do vant er ein bilde eins mören das die fröwe hette angesehen, und sprach: 'fröwe, ich han uwers kindes vatter funden', und bewerte das mit einre hennen, die wart gegen eime sperwer gesetzet, und von dem bilde wurdent der hennen alle ire jungen geschaffen also sperwern. Also werdent von gütlichen bilden alle die geburt 14. der henget sich nachtr. heigeschr. S. 30. 31. itel] 1er, wozu am Bande: 'Ohne Zweifel stand zuerst: itel; es scheint ausgekratzt und corrigiert.' S. 80. Dilectus meus loquitur michi: 'surge propera amica mea et veni'. 427 göttelichen und von Creatoren creaturlich. — Das vierde ist: du solt dine natürlichen sinne underbrochen han und solt ir gewaltig sin zu aller zit: du solt sehen und nut sehen, und niemer dine ougen noch dine oren ufgelieben zu /keinre itelkeit, noch dinen munt niemer ufgetun wanne zu nutze, dine hende J noch dine fusse noch enkein din gelesse, denne in grosseme getwange und in 5 innehande und in grosser Sicherheit, das do niemer in in gevalle noch gesehen werde denne daz zumole göttelich ist. Sprach sant Augustinus: 'wir süllent sterben und nüt sterben, wir süllent unser nature mit gewalte undertrucken und unser sinne; ist unser G-ot gewaltig, sunder allen zwifel so werdent wir ouch unser gewaltig.' Das uns dis geschehe, des gunne uns Grot. Amen. io 1 IV. Stück 61 aus der J-reiburger Handschrift 4/. / * 81 [F46 r J Ecce prandium meum paravi et c. Man begat hüte den tag der edelen juncfrowen sancte Cordelen. Die was zu ir selber gelassen in ire eigine krancheit. Und do ging si an den aller nidersten grat vor allen den anderen in menschlicher vorhten und wolte sin geflohen und ist doch wol zu prüfenne daz si übermitz — daz ist zu gelobende 5 daz sü in dem selben — kam in den alre obersten grat in boven si alle; wan alle die töde der blüt stürzungen, die klöppele, die kulben, die wunden, die vientliche mt[46 flitze der bösen lüte: dis alles ging ir durch ir herze und durch ir fantasien und starb mit eime ieklichen eins sünderlichen todes in irme gemüte; in den striten starb sü maniges todes, der die anderen geliehen eins 10 sterben; nach alle diseme so leite si sich do willeklichen under die ganze gewalt irre viende und under daz swert des todes. — Sondere, kindere, hie ist uns sere zu merkenne die überwunderliche truwe Götz und die verborgene wege wie Got den menschen züz ime zühet und in wunderlichen wisen und zu den höhesten dingen durch ungeprüfete wisen und wegen. Got lat dicke den menschen ime 15 selber in grosse mordigen bekorungen, in grosse not und getrenge, in mensch- licher kranckeit. Wolte nu der mensche Gotte in dem wege volgen und sin da inne war nemen, an allen zwifel er fürt in in tusent grete höherre über mitz den strit und die kranckeit, wolte er flis und ernest haben. So er eht es war neme in deine daz er an sehe und war [47 r J neme der gütlichen helfe 20 und Gotte getruwete und an ime niht in verzwifelte und ouch nüt in unrehte friheit in viele, so in mohte die bekorunge niemer so böse, so swer noch so gros gesin daz ime üt werren mohten. — Nu liset man in dem tegelichen ewangelio wie daz ein brutlöft gemachet wart von eime klinge sime süne und wie vil lüte dar an geladen wurden zu der Wirtschaft. Diser herre daz ist der hime- 25 lisch er vatter, der brütegöme daz ist unser herre Jhesus Christus. Die brut daz sin wir: din und min sele, wir alle sin geruffet und geladen, und alle ding sint bereit zu male in der vereinuiige Götz mit der minnender seien, mit sinre brut. Daz ist so unsprechenliche und ist die minne so nohe, so inrelich, so hf. überm. —daz sü f. Dr. 19. und f. Dr. 23. möht Dr. •* 432 81. Ecce prandium meum paravi et c. lieimelich, so friintlich, so minnenklich, daz daz zu male vber triff alle verstent- nisse, und aller künsten riehen meistere zu Paris mit alle ire behendikeit enkümien nüt her bi komen, und wolten si hin abe sprechen, si müsten zu male verstummen, und ie si hin [47"J abe me wolten sprechen, ie sins minre 5 künden und minre verstunden; nüt alleine natürlichen, sunder alle genaden richeit in mag des nüt gegeben us ze sprechenne noch alle engele noch alle heiligen; sunder ein einvaltig mensche daz an Got gelassen sich hat und demütig ist, daz bevindet und gefült dis ettewaz an sime inwendigeme gründe und in mag es doch nüt begriffen noch es inmohtes mit nihte niht zu Worten 10 keine wise nüt bringen, wan es ist verre über begriffen aller creaturen. — Nu dise brut die sol man bereiten also man die erste brüte bereit. Man sol sü weschen und mit nuwen kleidere kleiden und si zieren mit aller zierden und die alte kleidere hin werfen nochtan daz si gut sint. Daz weschen weliches das si, daz verstent ir wol: daz ist ein reinigunge von Sünden und gebresten, 15 und daz us tun in eime groben sinne daz ist der alte mensche, alle die un- tugende und sitten und die gewonheit, und dise nuwe kleidere daz sint nuwe tügen/48'7de und ein himelsche gütliche leben und den nuwen menschen der nach Christo gebildet ist. Mer nu in eime noheren sinne: obe man ouch die gute kleidere, umbe daz si alt sint, der brut us düt, obe man öch diser göt- 20 lieber brüte dise alte kleidere, die minre fügende und wisen, umbe daz si alt sint, üt us süllent tun und süllent ir anderen an tun in einre höheren wisen, und ob man es spreche, mer ich aber niht, man sülle von fügenden entkleit werden und über die fügende kummen: mohte man deine üt gehelfen daz es nüt unreht inwere gesprochen: 'kummen über fügende'? Ya und ouch nein. Nieman 25 ensol noch enmag über die tilgende kummen, daz er ir niht ensülle minnen noch üben noch haben. Aber nu ist daz doch war, daz ein mensche von Gotte entzucket würde, al die wile in übet er sich nüt an werken der fugende noch an gedult noch an barmeherzikeit und vil der gelich. Mer als er wider kerne züz ime selber, so hat er alle fügende als ir zit kumment zu wirkenne. Noch 30 [48 v ] in eime anderen sinne von fügenden entkleit werden. Der mensche wolte dis und daz von Gotte haben: er wolte gerne also arm sin daz er nüt eine naht in lege da er die andere lege, und wolte gerne alle worheit bekennen und grossen trost von Gotte han und gefülen und heimelicheit haben und daz ime were also deme und dem ist, von deme alles entkleit werden und in dem alre 35 wol gevellichesten liebesten willen Götz in rehter warer gelassenheit, wie es Got welle, und in deme sich lassen und entkleiden von allen deine, wie gut es vor dir schine oder si, und entsinken in den gütliche willen; wan wie gut es ist, so hat der mensche einen verborgenen unart in ime die alle gute in ime 2. alle Dr. 4. sins] l. si es? (Dr.: ye minder sy künden vnd vil minder es verst.). 15. Daz (vor ist) F. 17. der new menseh Dr. 18. mer F. 22. Mer F. 23. Mohte F. 29. noch F. 34. alles] alle sol man Dr. 36. und in deme f. Dr. 37. götliche Dr. 38. ein verborge Dr. 81. Eoce prandium meum paravi et c. 433 verderbet und vernut, rehte also der alzü edele gute spise dete in eine unreinen schussele oder guten win in ein unreine vas. Dis bekent der getruwe minnenk- liclie Got und lat den menschen daz über Valien daz er noch in meint noch inwil, [49 r J umbe daz er sich lere lassen und den bösen unart also überwinde, und ist ime die entkleidunge dicke ungeliches besser dan daz er mit vil grossen 5 dingen gekleit würde. — Och kindere, der sins grundes war neme, waz in ime were, und sins unartes, und Hesse sich und volgete Gotte wie und in welicher wisen und durch weliche wege er in ziehen wolte, der kerne balde der durch und neme von Gotte alles das uf in viele indewendig und ussewendig, und neme die verborgene urteil und verhengnisse Götz mit dancnemikeit. Och 10 schint daz so frömede etwenne und ungelich, und in deme wü'stu bas gekleit dan mit den aller höhesten wisen do du zu male mitte wenest gros ding schaffen. So sprechent si: 'och herre, ich wer gerne mins selbes gewaltig und hette gerne daz ich indewendig zu friden were und das mir were also deme und dem ist.' Nein, kint, es sol ein anders sin. Du müst entkleit werden, du 15 müst uf din niht gewiset werden [49 v ] und sehen waz in dir verborgen und bedecket lit. Blib bi dir selber! — Ich fragete einen hohen edelen menschen, einen also heiligen menschen, waz sin höheste fürwurf were. Do sprach er 'sünde, und also kum ich in minen Got', und ime waz vil rehte. Also la dich Got und alle creature dich wisen uf dine sünde und urteil dicli selber: so en- 20 wirstu von Gotte nüt verurteilet nach sancte Paulus worte. Dis sol sin in der worheit in dir an alle gelose, es ensol niht sin ein gemähte demütikeit, wan \ l die ist ein swester der hochfart. Es sol sin in deme gründe und daz nüt mit eime gestürme, also man die köppfe zerbrechen wellen, sunder mit einre stilre gesaster gelassenre under worfenheit in demütiger vorhten Götz leg ime dinen 25 bösen besessenen grünt für und in herzelicheme gebette und daz in deme geiste: so suche an ime; war du anders löffest, es enhilfet dich nüt. Niht enrihte dich nach diseme noch nach deme: daz ist ze male ein blintheit. Als ungelich die lüte sint, also sint öch ir wege zu Gotte [50 r ]:ä&s eins menschen leben were, daz were des anderen dot, und also als der lüte conpleccien sint 30 und naturen, dar nach rilltet sich dicke ir genade, und dar umbe en sich nüt uf die wisen der lüte, dan uf ir tilgende mahtu wol sehen die sü habent: es si demütikeit, senftmütikeit und der gelich, an die wise der haltungen, die nim also als din ruf ist, des nim für allen dingen war weliches din ruf si in deme daz dir Got gerüffet hat, in deme volge. Nemestu es alleine mit flisse war, du 35 solt es also blos vinden und bekennen als din hant. — Aber nu in blibent ir bi üch selber niht und in süchent es oucli niht getruwelichen von in binnen an Ootte, dan sehent alles uswert, und dar umbe blibet üch Got in der worheit und ir üch selber unbekant, und louffent also in eime löffele über xx oder über 22. glose Dr. 24. wöll Dr. 27. so nachtr. übergeschr. F. 30. cöpleccie F. 39. in einem lauften Dr. Deutsche Texte dos Mittelalters XI. 28 434 81. Ecce prandium meum paravi et c. xxx jar, als ir in eime geistlichen lebenne gescliinen hant. So ist sü relite als nach und rehte also verre komen also des ersten tages. Das ist doch ein jamer sicher/30 glichen. Also nement üwere zecken war und dötent die und nüt die natüren. Dar umbe das ir dis mit endunt, daz ir ettewenne ein jar 5 mit arbeite gesanimet hant, daz verlieret ir uf eine stunde, daz ir lihte in Worten oder in werken die US deine bösen zecken her us wahsent der in dem gründe lit, die wile dise manigveltige uf setze und wisen nach üwerme willen üch besitzest und üch da mit gekleidet hat, so in mag der briitegoum nüt üch nach sinem willen gekleiden. Und nement enkeinre wisen nocli werke war dan 10 sius götlichen willen. Hette ich gevolget, ich wer lauge tot. Meinent und minnent Got von gründe und sin ere und nüt des üweren in keinen dingen noch lust noch nutz, und gent üch in daz gevengnisse des götlichen Finsternisse in das unbekentnissen des verborgenen ab gründes und lassent üch deme in welicher wisen er üch fürt: so sol er üch wunnenklichen mit ime selber in 15 wunnenklicher wisen kleiden, also daz öge nie en/3i7gesach noch ore nie engehorte noch nie in menschen herze uf in geging. Daz uns daz allen geschehe, daz helfe uns der minnenkliche Got durch sich selber, amen. 1. ist sü] seind ir Dr. 2. nach und wiederholt und dann gestrichen: sü rehte alles nach vnd si ist F. 5. daz ir Ureichen? 8. besitzet F. 12 f. tinsternuß vimd bekuntnuß des verh. a. Dr. 15. Also 2''.