ing c 0072 ULB Düsseldorf N „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ 1067 779 01 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurzer begriff und nuzen der ter etterien 5 bei gelegenheit derjenigen, di auf dem schlosse, und den übrigen kurfürstlichen gebäuden zu Düsseldorf errichtet worden sind, abgefasset von Jakob Hemmer'n, kurpfälzischem geistlichen rate und stiftshern zu Heinsberg, vorsteher des kurfürstlichen kabinettes dei naturlere zu Mannheim, mitglide der gesellschaften der wissenschaften zu Mannheim und Bononien, der kurpfälzischen witterungsgesellschaft beständigem sekretäre. S — — Düsseldorf mit ſlahliſchen ſchriften, 7/8 2. 4/9 . . ) . . 1er D C. T. . # 30 P0 # 2eT 0 J. J. J. J. J. J. J. J. S 2 ⸸ 0 E * S Kurzer begriff und nuzen der Wetterleiter. 1 §. Man höret schon in früher jugend von den schädlichen wirkungen des blizes erzälen. Man ſiht mit der zeit ſelbſt vile gräuliche verwuͤſtungen, di er an gebäuden, menschen, und vihe anrichtet. Es ist daher kein wunder, das furcht und schreken im herzen des menschen entsiehe, wenn er geschlängelte stralen dises himmlischen feuers, von brausendem donner begleitet, di luft durchkreuzen siht. Und wenn er denn nimal einen gehörigen unterricht über di beschaffenheit diser schrekbaren erscheinung empfangen hat; wenn er nimal gelegenheit gehabt hat, in das heiligtum der natur einzugehen, und di eigenschaften und wirkungen des blizes durch beobachtungen und versuche in der nähe kennen zu lernen: ist es nicht natürlich, das ihm das herz doppelt bebe, wenn er unbekante maschinen auf den dächern errichten sihr, welche dises schmetternde, tödende feüer aus den donnerwolken einsaugen, und in di erde herab füren sollen. Unbillig, oder wenigstens kein weltweiser, wäre der naturforscher, der den in den herzen entstehenden unwillen, auch wenn er in einige herbe vorwürfe ausbrechen solte, übel aufnemen wolte. Seine pflicht ist vil mer, sanft zu beleren, und den empfindungen seines mitmenschen eine glüklichere und beruhigendere richtung zu geben. Ich will einen versuch hirüber in folgendem aufsaze wagen, der freilich, wegen enge diser blätter, nicht anders als ser kurz und gedrängt aufe A 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ausfallen kann. Indessen soll alles auf untrüglichs erfarungen und grundsäze der geläütertsten weltweisheit und natürkunde gebauet werden. 2 §. Man hat seit ser langer zeit feüer aus den körpern durch das reiben one entzündung geloket, welches man das elektrische nennet, und welches man jezt in allen gattungen der körper, welche di erde enthält, als ein natürliches eigentum der selben entdefet hat. Gegen di hälfte dises jarhunderts hat man den bliz zu Marli la Ville in Frankreich durch künstliche anstalten zu erst aus der luft aufgefangen, welches jezt alle naturforscher der welt, di wetterkabinette besizen, zum öftesten tun. Di maschinen, wodurch man solches bewerkstelliget, heiset man blizfänger. Durch angestelte überzeügende versuche hat man gefunden, das dises himmlische feüer, und das oben genante elektrische, sich in allem vollkommen gleichen, und beide eins und eben das selbige wesen sein. Man hat daher dasjenige, welches wir durch das reiben in unsern kabinetten erregen, mit rechte den künstlichen, dasjenige aber, welches di allmächtige hand des schöpfers hervor bringt, den natürlichen bliz genennet. Zu allen zeiten hat man beobachtet, das einige körper disem feuer einen ser leichten und ungehinderten, andere einen beschwerlichen durchgang gestatten. Jene nennet man deswegen leiter, dise nichtleiter. Unter di leiter gehören vorzüglich aller art metalle, dann di nerven und säfte der menschen und tire, di säfte der bäume und pflanzen, endlich das wasser samt allen flisigkeiten, fett ausgenommen. Alle übrige körper der natur, als luft, seide, harz, glas u. s. w., gehören zu den nichtleitern, 25 — 3 §. Und in der tat hat di erfarung von je her geleret, das, wenn der natürliche bliz sich auf gebäude geworfen hat, er das metall, so wol auf dem dache als in den zimmern, immer begirig aufgesucht und verfolget habe. Alle gedenkschriften der akademien der wissenschaften, alle werke der naturforscher, di über den bliz geschriben haben, als Franklin, Mako, Reimarus, meine abhandlungen u. s. f., sind voll überzeügender beispile. Und hat nicht der neüliche wetterschlag, vom 22 des verflosse enen augustmonates, in der hisigen vorstatt eben das b wisen? Der stral nam seine richtung da selbst durch den kamin nach der ofenpfeife, von dem ofen auf das fensterblei im untern zimmer, welches er anschmelzte, und von disem auf eine der eisernen stangen, welche das gitter dises fensters ausmachen, wo er ein loch in den stein schlug, in welchen di stange eingelassen war. 4 §. Eben dise langjärige erfarung hat immer gezeiget, das, wenn das metall nicht zu dünn war, der bliz dem selben, so weit es reichete, ganz ruhig nachgelaufen sei, und nur da schaden getan habe, wo das selbe ein end hatte, und der stral auf ein anderes metall über sprang. Und wi kann das anders sein? Zwischen solchen getrenten metallteilen ligen nichtleiter, das ist, solche körper, di den bliz nicht gern durchlassen (2 §), als holz, steine u. dgl. Diser mus sich allso bei besagtem sprunge mit gewalt einen weg durch di selben bauen, welches denn one reisen, schmettern und dergleichen, nicht geschehen kann. Daher hat der bliz neülich in der vorstatt einen balken zersplittert, eine irdene schüssel unter dem ofen zerschlagen, den boden des zimmers durchlöchert, di steine am fenster zermalmet und aufgerissen, . 5 §. Aus diſer erfaring muſten di naturforſcher, so wi jeder andere selbst denkende mensch, notwendiger weise auf den gedanken kommen, das, wenn der himmlische stral zusammen hangendes metall von gehöriger stärke anträfe, welches vom gebäude bis in di erde, als den gemeinen behälter der elektrizität, herab lise, er seinen weg durch das selbe, one einige beschädigung des gebäudes, nemen würde. Solches zusammen bangende metall hat man wegen des natürlichen begrisses, den man sich davon machte, einen wetterleiter genent. 6 §. Ein guter wetterleiter, so wi ihn di vernunft gleich anfänglich bestimmet hat, mus am obersten teile des gebäudes anfangen, damit ihn der bliz desto sicherer erreiche. Er mus nebst dem in wasser, oder wenigstens in feüchten boden, versenket werden, damit er sich durch dise körper, deren erster aus sich, der andere wegen der wasserteilchen, di er enthält, ein leiter ist (2 §), desto leichter in der erde verstreue. Einige naturforscher machen di wetterleiter oben spiz, andere stumpf. Wesentlich sind si einerlei. Ir unterschid besteht blos darin, das der stark strömende bliz in di lezstern immer mit einem schickenden, doch unschädlichen knalle, in di erstern mersten teils sanft, one geräusch, sich ergiset. In lezsterem falle siht man oft, wenn es recht dunkel ist, ein bleibendes feuer auf den spizen stehen. 7 §. Der erste wetterleiter wurde zu Filadelfia in Amerika, wo di wetter immer grosen schaden taten, im jare 1752 errichtet. Das haus blib unter so vilen andern, welche der bliz nach dem in der statt traf, vile jare lang unversehrt. Man konte nun frei freilich noch zweifeln, ob dises eine wirkung der aufgerichteten maschine sei. Allein der himmel entschib hernach den zweifel, da der stral sich sichtbarlich auf den wetterleiter stürzte, di spize des selben merere zolle weit abschmelzte, und one verursachung einiges schadens in di erde über ging. Da rif der naturforscher Kinnerslei voll zutrauen auf di stärke der menschlichen vernunft, welche furcht und vorurteile endlich ein mal, frü oder spat, besigen mus, mit warsagerischem geiste aus, man würde in zukunft, nach einer so herrlichen überzeugenden wirkung, eben so vile wetterleiter als regenleiter (dachrinnen) auf den häusern sehen. 8 §. Di vorsagung dises mannes komt allgemach in erfüllung. Amerika und Europa sind volk wetterleiter. Vile tausend der selben streken ire spizen auf allen gattungen von gebäuden den wolken entgegen. Di staten von Aengelland, Sardinien, Venedig, Toskana, des römischen kaisers, und vorzüglich unseres durchleüchtigsten kursürsten, Karl Theodors des weltweisen, zeichnen sich darin aus. In der Pfalz stehen vile diser maschinen; aber ire anzal ist nichts gegen bijenige, welche seit einem jare, da seine kurf. Durchleücht ihre schlösser zu Nimfenburg und München damit haben versehen lassen, in Baiern errichtet worden sind. Unglaublich ist der eifer, womit si allda in stätten, fleken und dörfern, auf herrschaftliche, bürgerliche, bauern- und gotteshäuser immer wärend aufgepflanzet werden. Dise brafe nazion wird hirin alle andere von Europa bald übertreffen. Und was war bisher der erfolg aller dis§. er so häufig in der welt errichteten wetterleiter? Alle di gebäude, worauf si stehen, alle sind von den schädlichen wirkungen des himmlischen feüers verwaret gebliben. Wir naturforscher sind kün darauf, sehen frei mit unsern augen umher, und erwarten beispile vom gegenteile. Wird man dises wol einem ongefär zuschreiben können? O, meine freünde, ich bin weit davon entfernt zu glauben, das Ir selbst den menschen nicht für unbillig halten würdet, der so denken wolte. Es ist ja nicht nur ein tag, ein monat, ein jar; es sind 30 volle jare (7 §), das di wetterleiter di probe ausgehalten haben. Si haben si nicht nur auf einem, oder auf etlichen, sondern auf merern tausend gebäuden ausgehalten (8 §). Und dises solte ein ongefär sein können? Gesezt, di pest wütete in einem lande, und raffete alle jare vile leüte weg; man hätte aber ein mittel entdeket, das schon vile tausend personen in einem verlaufe von 30 jaren gebraucht hätten, und von allen disen personen wäre in aller diser zeit nicht eine einzige von diser schreklichen plage angegriffen worden. Welcher vernünftig denkende einwoner würde wol dise wirkung einem ongefär beimessen, und nicht vil eher besagtes mittel, wenn er dessen habhaft werden könte, mit beiden händen ergreifen? 10 §. Doch di erfarung, dise treüe lermeisterin, soll hir sprechen. Und was saget si uns? Der bliz sei schon auf ser vile gebäüde gefallen, di mit wetterleitern versehen waren; er habe dise maschinen immer erreichet, und sei alle male an den selben glüklich in di erde herab geflossen *). Das erste redende bei*) Der kenner stose sich nicht an disem ausdruke. Es ist mir wol bekant, das der bliz eben so oft aus der erde hinauf, beispil hivon haben wir schon oben (7 §) gesehen. In den brisen des berömten naturforschers Franklin wird gemeldet, das das wetter ser oft in eine kirche in Nordamerika geschlagen, und immer grosen schaden durch seine schmetterkraft getan habe; man habe endlich seine zuflucht zu einem wetterleiter genommen; das nächst folgende jar habe sich der stral ongefär um di selbige zeit, da er vorhin einzufallen pflegte, auf di kirche geworfen, habe aber den wetterleiter ergrissen, durch welchen er sich sanft in di erde ergoſſen habe, one einen andern teil der kirche zu berüren, welche auch bis jezt unbeschädigt gebliben ist. — Solander berichtet uns in seiner reisbeschreibung, das, als bei einem entstandenen entsetzlichen ungewitter di ableitungslette kaum an dem maſte eines ängelischen schiffes angehenkt, und ins mer geworfen war, der ſtral mit einem groſen geraſſel an der selben in das wasser herunter gefaren sei, one dem schiffe im geringsten zu schaden; zu gleicher zeit aber sei der bliz auf ein holländisches, an der selbigen insel haltendes, aber mit keinem wetterleiter versehenes schiff gefallen, und habe es erbärmlich zerschmettert. “ Wenn von der unzbarkeit der wetterleiter kein beispil in der welt wäre, als dises, saget der gelerte verfasser, so wäre das hinlänglich, jeden vernünftigen menschen zu überzeügen. Hätte der gute Holländer einen wetterleiter gehabt, wi wir, so wäre sein schiff one zweifel eben so gut, als das unshinauf, als von oben herab schlage. Ich drüke mich aber blos der kürze wegen so aus, als wenn sein übergang immer auf einerlei weise geschähe. 10 unserige, gerettet worden " *). — Vor einigen jaren sil der stral im angesichte viler leüte auf den wetterleiter der sternwarte zu Padua, und lis an den ableitungsstangen eine starke beschwärzung, zum deütlichsten beweise seines überganges, zurük; dem gehäüde selbst aber ist nicht der mindeste schaden zugefügt worden. Dise nachricht gibt uns der gelerte naturforscher und sternseher Toaldo, vorsteher besagter warte. — Eben diser gelerte meldet (in einem noch ungedrukten, an mich erlassenen schreiben), er habe das lezt verflosne jar eine venezianische kirche, welche der bliz oft der äuſerſten gefar der zerſtörung ausgesezt habe, mit einem wetterleiter verwaret, welchen das wetter kurz darauf, one einige verlezung der kirche, getroffen habe. — Doch was brauchen wir auswärtige heispile, da wir einheimiſche haben? Vor 3 jaren im herbſte ergoß ſich ein Gewaltiger ſtrom des himmliſchen feüers auf eine der wetterſtangen, di auf dem hauſe des graſen von Niancour zu Mannheim stehen. Bile erhabene und andere glaubwürdige personen, di gerad gegen über stunden, und augenzeügen der begebenheit waren, gaben mir nachricht davon. Als ich di getroffene kupferne spize abschrauben, und herunter bringen lis: fand ich si oben angeschmolzen, und 2 zolle weit *) Ich seze Solanders worte nur wesentlich, nicht buchstäblich her, weil ich von allem büchervorrate, in welchem ich nachschlagen könte, gänzlich entfernt schreibe. Eben dises machet, das ich auch di tatsachen, di ich in diser abhandlung erzäle, nicht mit allen umständen begleite, di pilleicht einige dabei zu lesen verlangen möchten. 11 weit schnekenförmig gewunden. Jedermann kann si in dem dasigen kurf. kabinette der naturlere, wo ich si aufbeware, in augenschein nemen. Indessen ist dem gräflichen hause nichts leids dabei geschehen. — Den vorigen sommer (im j. 1781) ist das kurf. weitläüsige prächtige schlos zu Nimfenburg in Baiern auf höchsten befel mit 17 wetterleitern versehen worden, welche seit dem merere augenscheinliche merkmale irer guten wirkungen gegeben haben. Kaum waren si errichtet, so sah der ganze im schlosse befindliche hof, in dessen mitte seine kurf. Durchleücht selbst waren, bei einem abends ausbrechenden starken wetter auf merern spizen der wetterstangen bleibende flämmchen, welche ein untrüglicher beweis der sanft durchslisenden blizmateri waren. Nicht lang danach zog ein gräsliches wetter von westen gerad über das schlos nach osten; und sehet da, so bald di wetterwolken über dem schlosse her gegangen waren, glichen si toden kolen, und gaben nicht das mindeste feüer mer von sich, da si doch alle auf der andern seite des schlosses, wo das wetter her kam, so entsezlich blizeten, das der ganze himmel da selbst ein feüriger strom zu sein schin. Es haben nämlich di vilen spizen der wetterstangen alle blizmateri aus den darüber her zihenden wolken still eingeſauget, und in di erde befördert. Faſt ein änliches beispil hat sich, nach dem berichte des so wol um di wissenschaften, als um di gemeine wolfart überhaupt, bässtens verdinten kurpfälzigen Regirungsrates und geheimen kabinetssekretäres, hern von Stengel, noch dises früjar da selbst zugetragen. Ein weit ausgebreitetes wetter nam eben ben weg, wi das vorige. Dijenigen wolken, di gerad über dem schlosse her gingen, wurden wider alls 12 alle entladen, di aber rechts und links in einiger entfernung vorüber zogen, furen fort zu blizen. erere dergleichen überzeügende beispile, di ich zum beweise der von den wetterleitern geleisteten herrlichsten dinste aus verschidenen gegenden und zeiten anfüren könte, mus ich übergehen, damit ich nicht zu weitläüsig werde. 11 §. So gar unvollkommene, mangelhafte wetterleiter haben ersprisliche wirkungen getan. Als di selben noch gleichsam in der wie lagen, und ire gehörige bildung von der erfarung noch nicht empfangen hatten; wurde einer in Amerika angelegt, dessen ableitungsrate aus einem dünnen drate bestund. Ein wetterstral fil darauf, zerstörte den drat, wurde aber dessen ungeachtet glüklich in di erde gefüret — In Aengelland verſah man ein hoch ligendes haus mit einem wetterleiter, vergas aber (und dises vergessen war gros), di eisernen klammern eines daran befindlichen äuͤseren ganges damit zu verbinden. Der dunstkreis einer tif achenden wetterwolke stis an disen gang, der heraus brechende stral warf sich auf eine der klammern, zerbrach einen stein, und sprang one weitern schaden auf den ableiter, an dem er seinen weg ruhi, in di erde fort sezte. — Das vorige jar legte ein baierischer naturforscher an dem landhause eines vornemen hern einen wetterleiter an, versenkte den selben aber, an statt in feüchten grund (6 §), in eitel dürren fand, unter welchem er ihn eine gute streke fort laufen lis. Nicht lang danach, als er errichtet war, fil der stral bei einem entstandenen wetter im angesichte viler leüte darauf, verfolgte ihn one schaden bis in di erde, riß aber den boden, so weit der 13 der leiter unter dem sande her lif, auf eine merkliche tife auf. 12 §. Hat es solche beschaffenheit mit den wetterleitern, so sehe ich nicht, wi ein mensch, der di stöhme seiner vernunft rubig anhören, und den stralen ires göttlichen lichtes einen geneigten eingang geſtatten will, noch einen augenblik an ꝺer nuzbarken und sicherheit diser maschinen zweifeln könne. Di wetterleiter haben di erfarung, eine langjärige, auf allen seiten feste, unwankelbare erfarung für sich (9. 10 §); und dise spricht richtiger, entscheidet sicherer, als alle vernünftlungen und einwendungen der welt, wenn si auch noch so scheinbar wären. Mit wehmute des herzens denken wir noch alle an jene unglükſelige zeiten zurük, da man di ganze naturkunde in solche aufgetürnte eitele vernünftlungen einschlos; da man sich töricht einfallen lis, der mutter natur in den studirstuben geseze verzuschreiben, und den weg anzuzeigen, den si gehen solte, aber nicht kante. Aufgebracht über dise verwägenheit der menschenkinder verbarg si sich hinter einen dichten vorhang, und dise silen in tise finsternisse der unwissenheit, des wahnes, der vorurteile, des aberglaubens, in welchen si, zum unersezlichen schaden der religion und des gemeinen bässtens, so vile jarbunderte blind herum taumelten, bis uns endlich der gütige schöpfer zu neuern zeiten di fakel der beobachtung und erfarung in di hand gab, mit deren seligem lichte wir uns aus den alten irrgängen heraus arbeiteten, und in di geheimnisse der natur eindrangen, in welchen man jezt seit 50 jaren glüklicher und weiter fort geschritten ist, als man je hätte glauben können. Doch wollen wir ungeachtet diser 114 diser festen burg der erfarung, auf welche sich di vernunft in ansehung der wetterleiter gelagert hat, zur völligen beruhigung unserer leser auch di einwürfe noch beantworten, di von einigen dawider gemacht zu werden pflegen. 13 §. Der erste, zimlich gemeine einwurf, den ich noch fast aller orte gehöret habe, ist, das di wetterstangen di gewitter von weitem herbei zihen, und oft über eine statt bringen, welche si verbei gegangen sein würden. — War ist es, alle körper zihen einander an, oder bestreben sich durch eine inere kraft, sich einander zu nähern, one das darum immer eine wirkliche, wenigstens merkliche bewegung erfolge, entweder wegen zu groser entfernung, oder wegen anderer hindernisse. Dises hat nicht nur in ansehung der teile unserer erde unter sich, sondern auch in ansehung aller sterne, di eine welt ausmachen, gegen einander statt. Di ungeheuern himmelskörper, welche sich durch unermessene räume des si mamentes daher wälzen, werden blos durch dise kraft, in vereinigung der flibkraft, di inen di allmächtige hand des schöpfers bei irer entstehung eingedrukt hat, in iren laufbanen unverrükt erhalten. Aber das anzihen der körper stehet, nach einem ewigen sichern geseze, immer in verhältnisse mit irer masse oder teilemenge, so, das der kleinere, der weniger ursloffliche teilchen hat, vom grösern, der solcher teilchen mer hat, stärker angezogen wird, als der grösere vom kleinern. Dises zeiget man sichtbarlich durch di erfarung, da man zwei körper von ungleicher masse in solche lage sezet, wo ſi ſich frei gegen einander bewegen können, z. b. zwei kwekſilberküglein auf dem waſſer u. dgl. Dises 15 Dises zeiget auch selbst di einrichtung unserer welt, da di planeten von irer weit grösern sonne, nicht aber dise von jenen in bewegung gesezt wird. Nun betrachte man, wi klein eine wetterstange gegen eine anrükende ungeheüre gewitterwolke sei. Di stange mus allso von der wolke weit mer, als dise von jener, angezogen werden. Henket man nun solche stange mit einem irer ende über einem gebäübe an einem seile frei auf; wird si wol von der wolke nur ein harbreit aus item senkel gebracht werden? Wenigstens nach unsern sinnen nicht. Und doch soll di wolke, diser grosmächtige se, von der stange so stark angezogen werden, das si gezwungen sei, dahin zu laufen, auch wenn si iren weg anders wohin gerichtet hätte? "Aber tun di spizen der wetterstangen nichts“? Wenn ein körper den andern durch seine anzihungskraft wirklich an sich reiset: so vereiniget er sich mit ihm liber durch di spizigen, als durch di stumpfen teile. Das ist eine warheit, welche uns di erfarung leret, und wovon sich jeder leser leicht überzeügen kann, wenn er einige stüke bein, papir u. dgl., di an einem ende spiz, am andern wol abgeründet sind, in einer mäsigen entfernung von einander auf wasser leget, oder ein par holköpfige kleine eiserne nägel darauf sezet. Ist aber di anzihunskraft eines körpers gegen den andern wegen allzugroser entfernung, oder wegen wenigkeit seiner masse, one wirkliche bewegung, wi in unserem falle, ſo werden di ſpizen diſe bewegung darum nicht hervor bringen. Di spizen der wetterstangen wirken allso weiter nichts, als das si den nahen dunst der wetterwolke, welcher wirklich zum einschlagen bereit ist, vor andern teilen des gebäudes einsaugen, und 16 in di erde füren, welches denn eben der vorteil ist, den wir durch di wetterleiter suchen. 14 §. Wem nach allem dem noch ein zweifel wegen des herbeizihens ferner wetterwolken übrig bleiben solte, der müste sich in einem sisikalischen kabinette, worin ein blizfänger (2 §) zu finden ist, durch den augenschein überzeügen. Der blizfänger im kurfürstlichen kabinette zu Manuheim hebet seine metallene spize 18 schuhe hoch über das schlos gegen himmel emppor, und ist so eingerichtet, das er nicht nur aus den vorüber zihenden blizenden, sondern auch stillen wetterwolken ein häüsiges, meisten teils heftig schlagendes feüer ins kabinett herab füret, mit welchem alsdann allerhand versuche da selbst angestellet werden. Nun gehen einige solcher wolken bisweilen senkrecht über der stange her, one einen funken feüer abzugeben. Ir zug ist nämlich so hoch, das ir dunstkreis di spize der stange nicht berüret, in welchem falle natürlicher weise nichts eingesanget werden kann. Wäre es nun gegründet, was man fürchtet, das di spizigen stangen di gewitterwolken von weitem herbei zögen: so müsten ja di darüber her gehenden wolken gewis auch, und noch vil eher, herab gezogen werden, teils, weil si der spize senkrecht entgegen gekeret, teils, weil si nicht so weit davon entfernt sind, als dijenigen, wovon di rede im einwurfe ist. Aber könte der bliz nicht neben dem 15 S. weiterleiter, oder zwischen zweien der selben, auf das gebäüd fallen, sonderlich, wenn irer nicht vile daran stehen,? Das dises möglich sei, zeiget das oben (11 §) angefürte beispil von Aengelland. Indessen ist es es so selten, das es in 30 jaren nur ein mal gescheh en ist. Geschicht es aber, so ist es doch di schuld des wetterleiters eben so wenig, als ein guter damm schuld an einer übersch emmung ist, wenn das wasser auf einer andern seite ausbricht, wo kein damm ist. In solchem falle kann man blos sagen, der wetterleiter habe nicht genuzet, nicht aber, er habe geschadet. Doch, der naturforscher kann und mus sorgen, das solche seitenschläge nicht schädlich werden. Dises ist leicht zu bewerkstelligen, wenn man di beträchlichern metallenen körper, di sich auf dem gebäude besinden, als windfanen, bleigräte, dachrinnen und dgl., und bei hoch ligenden gebäuden auch di tifer angebrachten schwerern metalle, so wol unter sich als mit dem ableiter gehörig verbindet. Wo keine bleigräte über der fürst her laufen, da füre ich eiserne ruten darüber her, und bringe si mit dem ableiter in verbindung. Alsdann mag der stral bin fallen, wo er immer will, so findet er metall, welches er unfelbar ergreifet (35). Hat er dises aber erreichet, so ist er, wegen dessen verbindung, auch am wetterleiter, und folglich in der erde (4.6 §. Zur grössten sicherheit bringe ich auch an allen schornsteinen (kaminen), di im sommer gebraucht werden, metall an, wenn keines darauf ist, und verbinde es mittel= oder unmittelbar mit dem ableiter. Auf dises metall fält der stral ganz gewis, der etwann durch di aufsteigende rauchsäüle, als einen leiter, herab gefüret werden könte, wi nur gar zu ofe geschiht. Denn di natur der sache erfodert es, das der bliz den schlechtern leiter verlasse, und sich auf einen bässern werfe, den er unter wegs antrift. Und dises bestättiget di ersarung in allen fällen, unter andern auch, wenn der stral von einem baume, an dem er herab flist, auf di darunter stehenden menschen sprin et. 18 et. Nun aber ist das metall der bässte leiter in der natur, hinter dem di leitungskraft der wässerigen teile, aus welchen der rauch groſen teils beſteht, weit zurük bleibt (25). . „ Solten aber di eisernen stifte oder 16 klammern; womit ich di leitungsruten an holz und steinen des gebäůdes befestige, nicht gefärlich sein, indem es scheint, das si den am ableiter herab laufenden bliz in das gebäüd selbst füren könten „? Holz und steine, wi si an gebäüden sind, sind nichtleiter, eisen hingegen iſt ein vortreflicher leiter, wi wir ſchon oft gesagt haben. Wäre es nun nicht wider allen begriff der leiter, wider di ganze wasserwageknust, wider alle geseze der natur, wenn der stral von dem guten, gebahnten, sanften wege, den er in dem ableiter findet, abginge, um ſich durch körper, in welchen er di schwersten hindernisse zu überwinden hat (2 §), einen durchgang zu verschaffen? Und wohin zu verschaffen? An eben den ort, wo ihn auch der ableiter hin füret. Wenn jemand mit einem stabe oder brecheisen hir und da wagerechte löcher in das ufer eines flusses machte: solte wol zu fürchten sein, das biser aus veranlassung solcher kleinen scitengänge sein gemächliches bett verlasse, das ufer durchbreche, und den angränzenden gefilden mit reisenden fluten verwüstung und verderben bringe? Es sind aber di eingetribenen eisernen stifte, womit di ableitungsrüte gehalten wird, in absicht auf den elektrischen strom nichts anders, als solche kleine löcher und seitengänge; di körper, worin di stifte steken, sind di ufer, di aber unendlich vil fester als di flußuser sind. Doch di erfarung, di ich nun anküren will, wird vollends allen zweifel in diser sache zerstreüen. Ich fasse di stange des ableiters, der meinem 19 meinem blizfänger gerad gegenüber steht, und mich in meinen versuchen in sicherheit sezet, mit beiden händen, lasse das himmlische feüer stromweise in di stange ſchlagen, und ich habe nicht di mindeſte empfindung davon. Vile hundert personen haben disen versuch im kursürstlichen kabinette mit gleichem erfolge nachgemacht. Ich fülle nach dem eine kleine kauone von pappendekel mit feinem schispulver, steke einen metallenen drat mitten durch, auf dessen beide ende ich kugeln von gleicher materi schraube; dann lasse ich einen starken strom des blizes durch di eine kugel hinein, durch di andere wider heraus auf den ableiter springen; und das pulver entzündet sich nicht. Eben so wenig fängt sein zerstosener schwefel feüer, wenn ich di kanone mit disem lade. Bleibet nun der himmlische stral so genau bei dem zusammen hangenden metalle, das er zwischen den händen, di doch gute leiter sind (2 §), zwischen den brennbarsten materien, wi schispulver und schwefel sind, durchslise, one si im ge ringsten anzugreifen; wi wird man noch besorgen können, er möchte sich von seinem, mit der erde genau verbundenen ableiter in holz und steine am gebäude ergisen? §. “ Das eisen, saget man ferner, roslet mit der zeit; und dises mindert, oder zerstöret gar, dessen ableitungskraft „. Durch gerostetes eisen fliset freilich di elektrische materi nicht gern. Es rosten aber eiserne stangen von solcher dike, wi meine ableitungsruten sind, nimal bis auf den kern, indem di krust, womit der rost solches eisen überziht, dem selben selbst zur deke wider das weitere einrosten dinet. Doch auch dem anfange des rostens komme ich bei meinen wetterleitern vor. Denn di spizen sind von kupfer, di eisernen 20 nen stangen werden mit ölfarbe stark überstrichen, und der in di erde versenkte teil des ableiters ist von bleie. " Gesezt nun, das gebäüd, worauf wol 18 § eingerichtete wetterleiter stehen, sei wider den bliz hinlänglich gesichert; kommen aber di benachbarten häuser dadurch nicht in gefar„? Nicht in di mindeste. Erstlich verschwindet aus dem oben (13. 14 S) gesagten der wahn, als zögen di wetterstangen di gewitterwolken herbei. Zum andern ist es wider di natur der dinge, das, wenn ich einer eingeschlossenen aufgeschwollenen flißigkeit irgendwo luft mache, si deswegen auf einer andern seite desto eher ausbrechen solle. Man stelle sich einen grosen teich voll wasser vor, das durch langwirige regen ser gestigen ist, und den rings herum aufgeworfenen damm mit grose gewalt drüket. Von dem damme bis an eine nahe unergründliche tife füre ich einen graben, und stose den damm daselst durch. Das wasser stürzet sich rasch und gewaltsam heraus, und verfolget den angewisenen weg ungestört. Wird dises verfaren wol anlaß geben, das das wasser den damm anderswo durchbreche, und sich über di umligenden fluren ergise? Habe ich dise gefar, durch verminderung der menge und des drukes des wassers, nicht vil eher vermindert? Und gesezt, es zerreise wärend dem, das es durch di gemachte öffnung heraus fliset, den damm doch noch an einem orte, den es vorhin durch seinen anhaltenden starken druk schon unendlich geschwächt hatte; wem wird wol einfallen zu sagen, meine öffnung und mein kanal seien schuld daran? Di wetterwolke ist der teich, jr feuer das wasser; bi si umgebende luft, als ein nichtleiter (2 §), der damm; di spize der wetterstange, welche di öffwelche bis an den dunstkreis der wolke reichei nung des dammes; di ableitungsſtangen der kanal; ꝺi erde der abgrund, worein ſich das waſſer ſtuͤrzet. Hiraus erhellet nun augenscheinlich, das di wetterleiteran statt den benachbarten häusern gefärlich zu sein, den selben vil mer zum grössten vorteile gereichen, indem si di gewittermateri aus den nahe vorüber zihenden wolken entweder ganz, wi zu Nimfenburg (105), oder wenn diſes ire lage nicht zuläſt, doch groſen teils einsangen, und si allso bei fort geseztem zuge zum einschlagen unkräftig machen. Doch ist dises nur von den häusern zu verstehen, über welchen di gewitterwolken her zihen, nachdem si di wetterleiter schon verlassen haben. Denn es ist natürlich, das dijenigen häuser, welche auf der seite ligen, wo das ungewitter her komt, und welche dises folglich eher erreichet als di wetterleiter, von disen nicht geschützet werden können. So vil bleibet aber auch immer war, das di wetterleiter disen häusern nicht schaden. 19 §. "Ist es eine so unschuldige und sichere sache um di wetterleiter, warum hat man si denn in manchen stätten wider von den häusern weg getan „? Diser einwurf komt von leüten her, welche di wetterleiter von den blizfängern (2 §) nicht genug zu unterscheiden wissen. Da der bliz mit disen lezstern maschinen nicht in di erde, wi mit jenen, sondern in di zimmer geleitet, und da selbst mit fleise angehäüft und aufgehalten wird, um versuche damit anzustellen: so musten si natürlicher weise mit gefar verbunden sein, so lang man ſich dabei ꝺurch gute anſtalten nicht in ſicherheit zu sezen wuste. Und in der tat ist der pfarrer zu Marli la Ville ꝺu ch ꝺen ausbrechenden bliz dabei ſer verwundet, der berümte naturforscher Oelor zu Paris betäubt 22 betäübt zu boden geworfen, professor Richmann zu Petersburg aber gar getödet worden. Man hat allso dise damals noch übel eingerichteten blizfänger, welches si jezt nicht mer sind, an manchen orten von den häusern herab genommen, wobei man recht gehabt hat. Aber dises hat man mit den wetterleitern noch nirgendswo in der welt getan. Es ist zwar wirklich an dem, das jemand in Londen seine wetterleitet hat abnemen lassen. Der ruf diser geschichte hat sich schnell und weit verbreitet. Man hat aber nicht überall hinzu gesezt, welches doch nicht hätte übergangen werden sollen, das dise wetterleiter nur um des willen abgenommen worden seien, um andere dafür aufzupflanzen. Di erstern waren spiz, di andern stumpf 16 §. „ Greift man aber durch dise anstalten 20 Gott nicht ins gericht, und tut man nicht eben so vil, als wenn man ihm di donnerkeile, welche er auf di sündige welt zu schleüdern pfleget, aus der hand winden wolte? Welche verwägenheit von uns schwachen menschen"! Es ist gewis nicht verwägen, wenn wir den übeln, womit uns di elemente hir und da bedrohen, auszuweichen oder vorzukommen suchen. Dazu hat uns der Herr selbst vernunft und weisheit gegeben. Oder ist es villeicht auch verwägen, das wir den wilden wässern dämme, dem regen dächer auf den häusern, der kälte pelzkleider und warme zimmer entgegen sezen? Und doch komt regen, kälte u. s w. eben so wol von Gott als der bliz. "Aber diser ist blos als ein werkzeüg des göttlichen zornes geschaffen „ Nidriger, falscher gedanken! so etwas ist in der natur nicht aus der gütigen hand des schöpfers gekommen. Nichts befördert das wakstum der pflanzen mer, nichts ist allen lebenden geschöpfen der erde gebeilicher, als eben eben dises feuer. Aber wenn es denn doch eine verwägenheit sein soll, den bliz von den gebäuden abzuhalten: so mus es auch eben so wol eine sein, das feüer zu löschen, welches er durchs einschlagen erreget. Man müste allso den wütenden flammen ruhig zusehen, um den göttlichen gerichten nicht zu nahe zu treten. Welcher mensch ist diser meinung? 21 §. Himit glaube ich nun, den unzen und bi unschädlichkeit der wetterleiter zwar kurz, doch hinlänglich gezeiget zu haben. Wi glüklich wäre ich nicht wenn ich dadurch zur beruhigung und glükseligkeit meier nebenmenschen etwas beigetragen hätte! S (Nr. 11 ... 20b) F. n. 6. 1. 3 . .