WWW o m a s MN SK Oaiver»it»t»l»it»Il 0 ti»«Ir Oü»»«I6ork vr. 8»o, Otto >l» 7 «r R I N O von Thomas Mann Verlag Friedrich Blau 6c Lo. Gera i 92 6 Rino / Romanfragment n der schlechten Luft, die sich ihnen schwer auf die Brust legte und einen trüben Nebel in ihren Köpfen erzeugte, flirrte eine Menge Leben, kleingehackt, kurzweilig und beeilt. Ln aufspringender, zappelnd verweilender und wegzuckender Unruhe, zu einer kleinen Musik, die ihre gegenwärtige Zeit- gttederung auf die Erscheinungssiucht der Vergangenheit anwandte und bei beschrankten Mitteln alle Register der Feierlichkeit und des Pompes, der Leidenschaft, Wildheit und girrenden Sinnlichkeit zu ziehen wußte, auf der Leinwand vor ihren schmerzenden Au- gen vorüber. ES war eine aufgeregte Liebes- und Mordgeschichte, die sie sahen, stumm sich abhaspeln- am Hose eines orientalischen Despoten, gejagte Vor- gänge voll Pracht und Nacktheit, voll Herrscherbrunst und religiöser Wut der Unterwürfigkeit, voll Grausamkeit, Begierde, tödlicherLust und von verweilen- -er Anschaulichkeit, wenn es die Muskulatur von Henkersarmen zu besichtigen galt, — kurz, hergestellt aus sympathetischer Vertrautheit mit den geheimen wünschen der zuschauenden internationalen Zivilisation. Settembrini, als Mann des Urteils, hätte die humanitätswidrige Darbietung wohl scharf verneinen, mit gerader und klassischer Ironie den Mißbrauch der Technik zur Belebung so menschenverächterischer Vorstellungen geißeln müssen, dachte sich Hans Tastorp und flüsterte dergleichen seinem Vetter auch zu. Frau Stöhr dagegen, die ebenfalls anwesend war und nicht weit von den Dreien saß, erschien ganz Hingabe. Übrigens verhielt eö sich ähnlich mit allen Gesichtern, in die man blickte, wenn aber das letzte Flimmerbild einer Szenenfolge wegzuckte, im Saale das Licht aufging und das Feld der Visionen als leere Tafel vor der Menge ftand, fo konnte es nicht einmal Beifall geben. Niemand war da, dem man durch Applaus hätte danken, den man für feine Nunftleiftung hätte Hervorrufen können. Die Schauspieler, die sich zu dem Spiele, das man genossen, zusammengefunden, waren längst Ln alle winde zerstoben; nur die Schattenbilder ihrer Produktion hatte man gesehen, Millionen Bilder und kürzeste Fixierungen, in die man ihr Handeln ausnehmend zerlegt hatte, um es beliebig oft, zu rasch blinzelndem Ablauf, dem Elemente -er Zeit zurückzugeben. Das Schweigen der Menge nach der Illusion hatte etwas Nervloses und Widerwärtiges. Die Hände lagen ohnmächtig vor dem Nichts. Man rieb sich die Augen, stierte vor sich hin, schämte sich der Helligkeit und verlangte zurück ins Dunkel, um wieder zu schauen, um Dinge, die ihre Zeit gehabt, in srische Zeit verpflanzt und aufgeschminkt mit Musik, sich wieder begeben zu sehen. Der Despot starb unter dem Messer, mit einem Gebrüll aus offenem Munde, das man nicht hörte. Man sah dann Bilder aus aller Welt: den Präsidenten der französischen Republik in Zylinder und Großkordon, vom Sitze des Landauers eine Begrüßungsansprache erwidernd, den Vizekönig von Indien bei der Hochzeit eines Radscha; den deutschen Kronprinzen auseinemRasernenhofzuPots- dam. Man sah das Leben und Treiben in einem Eingeborenendorf von Neumecklenburg, einen Hahnenkampf auf Borneo, nackte wilde, die aus Nasen flöten bliesen, das Einfangen von wilden Elefanten, eine Zeremonie am siamesischen Rönigshof, eine Bordellstraße in Japan, wo Geishas hinter hölzernen Räsiggittern faßen. Man sah vermummte Samojeden in Renntierschlit- ten durch eine nordasiatifche Schneeöde kutschieren, russische Pilger zu Hebron anbeten, an einem persischen Delinquenten die Bastonnade vollziehen. Man war zugegen bei alledem; der Raum war ver- nichtet, die Zeit zurückgestellt, das Dort und Damals in ein huschendes, gaukelndes, von Musik umspieltes Hier und Jetzt Verwandelt. Ein junges marokkanisches Weib, in gestreifter Seide, aufgeschirrt mit Retten, Spangen und Ringen, die strotzende Brust halb entblößt, ward plötzlich in Lebensgröße angenähert. Ihre Nüstern waren breit, ihre Augen voll tierischen Lebens, ihre Züge in Bewegung; sie lachte mit weißen Zähnen, hielt eine ihrer Hände, deren Nägel Heller schienen als das Fleisch, als Schirm über die Augen und winkte mit der anderen ins Publikum. Man starrte verlegen in das Gesicht des reizvollen Schattens, der zu sehen schien und nicht sah, der von den Blicken gar nicht berührt wurde, und dessen Lachen und Winken nicht die Gegenwart meinte, sondern im Dort und Damals zu Hause war, so daß es sinnlos gewesen wäre. eö zu erwidern. Dies mischte, wie gesagt, der Lust ein Gefühl der Ohnmacht bei. Dann verschwand das Phantom. Leere Helligkeit überzog die Tafel, das Wort LNvL ward daraus geworfen, der Zyklus der Darbietungen hatte sich geschloffen, und stumm räumte man das Theater, während ein neues Publikum hereindrängte, das eine Wiederholung des Ablaufs zu genießen begehrte. MWGP WM KKM- WMH KSW LRMDM ^."E vAK ^ ,r^ .-'»LÄ XM '.-^Ä «M WM ^-V^.x.' -WAW - EM 4-MMÄ »ZWr.7 5 ^-.^ ^'.' 71 *- -7 ^W 7 > 7 LLL. 081)80088 881OI8880« -D 88lH08«88 >V8IXiA.8 VI8 ^U858^88U«O 688O8O88 88181)810« 68^0