HHMNNMMilMHL I ■PPPIHH ¥ ?'^v5>«: P ■ 4 J>6p ^f ZQ55 LA.NDES- UND STADT* BIBLIOTHEK DÜSSELDORF W. A<\<\% Württembergische Gesch ich ts quellen. Herausgegeben von der Württembergischen Kommission für Landesgeschichte Elfter Band. STUTTGART. Druck und Verlag von W. Kohlhammer. 191 1. Ausgewählte Urkunden zur Württembergischen Geschichte. Herausgegeben von Eugen Schneider. Stuttgart. Druck und Verlag von W. Kohlhammer. I9II, LA.NDBS- UND STADT- B1BUOTHBJC iDÜSSJiLDORP c Uorwort Die in dieser Sammlung vereinigten Urkunden sollen für die einzelnen Abschnitte und Verhältnisse der württembergischen Geschichte queüenmässige Belege und Anknüpfungspunkte geben. Für die Übung des geschichtlichen Studiums soll die Sammlung ein handliches Hilfsmittel, für Mittelschulen und für den Kreis der höher Gebildeten die Möglichkeit bieten durch eigene Kenntnisnahme von Haupturkunden Ausdrucksweise und Geist der Zeiten kennen zu lernen. Die Stücke sind so gewählt, dass sie ein Gerippe für den Aufbau der württembergischen Geschichte darstellen. Der Zweck der Sammlung beeinflusste die Behandlung des Textes der Urkunden. Während die Schreibung der älteren in der üblichen Weise ausgeglichen und vereinfacht ist, wurde in den späteren nur die gröbste Verwilderung der Schreibung ausgemerzt, damit nicht das ursprüngliche Bild der Schriftstücke zerstört würde. Die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts fast regelmässig durchgeführten grossen Anfangsbuchstaben der Hauptwörter wurden gleichfalls von dieser Zeit ab beibehalten. Die Bemerkungen zu den Urkunden selbst und die Anmerkungen zu sprachlich oder sachlich undeutlichen Stellen sind knapp gehalten worden, um die eigene. Nachforschung nicht abzuschneiden. Für diese und für die Beleuchtung des Zusammenhangs, in den die Urkunden gehören, sind vor allem die beiden Werke von Chr. Fr. und F. Stalin, wegen der neueren Zeit die Darstellungen von Karl Ffaf, Fugen Schneider, Karl Weller zu Bat zu ziehen. Viele der Urkunden sind schon gedruckt, die meisten bei liegscher, Sammlung der württembergischen Gesetze, und bei Sattler, VI Geschichte des Herzoytliums Würtenberg unter der Regierung der Graven, bez. der Herzogen, freilich in beiden Werken, namentlich dem Sattlers, in einer oft den Sinn entstellenden Weise. Für die vorliegende Sammlung sind die Originale oder in deren Ermanglung gtde sonst erreichbare Vorlagen verwertet worden. Stuttgart, im Januar 1911. 2)r. Sugen Scfjneider, Direktor des Kijl. Geh. Haus- und Staatsarchivs. Inhalt. Soite. 1. Inschrift aus der Kapelle der Burg Württemberg:. 1083 Februar 7 1 2. Überlassung des Reichslehens Elfingen an (Ins Kloster Maulbronn. um 1153..................... 1 3. Friedensvertrag König- Rudolfs mit Graf Eberhard dem Erlauchten. 1286 November 10.................2 4. Übergabe der Stadt Stuttgart an die Reichsstadt Esslingen. 1312 Juli 31......................6 B. Verlegung des Stifts Beutelsbach nach Stuttgart. 1321 Januar 25 8 6. Kaiserlicher Freilicitsbrief für die Stadt Cannstatt. 1330 Dezember 1] 12 7. Verleihung der Reichssturmfahne an die Grafen von Württemberg. 1336 März 3.................... 13 8. Kaiserliche Bestätigung der eigenen Gerichtsbarkeit für Graf Eberhard den Greiner. 1361 Oktober 5........... 14 9. Vertrag über die Unteilbarkeit Württembergs. 1361 Dezember 3 16 10. Kaiserliche Erlaubnis, das Dorf Laichingen zur Stadt zu erbeben. 1364 August 28.................. 24 11. Kaiserlicher Freiheitsbrief für Graf Eberhard den Greiner, eigene Heller zu schlagen. 1374 Januar 17........... 25 12. Bündnis der schwäbischen Reichsstädte. 1377 Dezember 20 . . . 26 13. Ehevertrag zwischen Graf Eberhard d. J. von Württemberg und Gräfin Henriette von Mömpelgard. 1397 November 18..... 32 14. Stuttgarter Erbrechts!)estimmung. 1432 Januar 24...... 37 15. Landesteilung zwischen den Grafen Ludwig und Dlrich. J442 Januar 25..................... 38 16. Peindsbrief Graf Ulrichs des Vielgeliebten gegen die Stadt Esslingen. 1449 August 5............ , ... 47 17. Urteil des westpbäliselicn Gerichts zugunsten der Gerichtsbarkeit des Grafen von Württemberg. 1449 August 12....... 48 18. Marktordnung für Calw. 1454 August 5......... 51 19. Das älteste Anbringen der württemliergisehen Landschaft. 1459 November ..................... 53 20. Kaiserlicher Freilicitsbrief, bei Cannstatt eine Zollstätte zu errichten. 1465 September 4.................. 56 21. Bulle über die Gründung der Universität Tübingen. 1476 November 13 58 22. Münsingen Vertrag. 1482 Dezember 14.......... 65 VIII Seite. 23. Beitritt des Grafen Eberhard im Bart zum Schwäbischen Bund. 1488 Februar 14 ... • ............... 72 24. Herzogsbrief für Graf Eberhard im Bart. 1495 Juli 21 ... . 80 25. Tübinger Vertrag. 1514 Juli 8............. 87 26. Erste Ordnung für den landschaftlichen Ausschuss. 1521 Juni 2 94 27. Kaadener Frieden. 1634 Juni 29............ 95 28. Ordnung des Kirchenvermögens in Urach. 1537 Mai 28 ... . 106 29. Ordnung der deutschen Schulen. 1559.......... 111 30. Aus der Schwäbischen Kreisordnung. 1563 November 22 ... 118 31. Prager Vertrag. 1599 Januar 24............ 124 32. ünionsvertrag. 1608 Mai 4.............. 132 33. Vertrag zwischen Herzog Bernhard von Weimar und Conrad Wiederhold über die Feste Hohentwiel. 1637 November 21..... 142 34. Kaiserliche Entscliliessung wegen Rückgabe Württembergs au Herzog Eberhard HI. 1637 November 24.......... 144 35. Kriegsschatzungsvertrag zwischen Württemberg und Frankreich. 1693 August 7 und 13................ 147 36. Keligionsroversalien des Herzogs Karl Alexander. 1733 Dezember 17 149 37. Aus dem Erbvergleich. 1770 Februar 27 und März 2..... 158 38. Kurfürsteuhrief für Herzog Friedrich II. 1803 August 24 . . . 178 39. Erlass über Annahme der Königswürde. 1806 Januar 1 . . . . 181 40. Kheinbunds-Akte. 1806 Juli 12............. 183 41. Keligionsedikt. 1806 Oktober 15............ 192 42. Deutsche Bundesakte. 1815 Juni 8........... 194 43. Verfassungaurkunde für das Königreich Württemberg. 1819 .September 25..................... 202 44. Zollvertrag zwischen Württemberg' und Hohenzollern-Hecbingen 1824 Mai 13.................... 241 45. Tübinger Adresse an den Ausschuss der Ständekammer. 1848 März 2 246 46. Gesetz, betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen. 1864 August 13........... 248 47. Schutz- und Trutzbiiiulnis zwischen Preusscn und Württemberg. 1866 August 13.................. 249 48. Vertrag zwischen Württemberg und dem Norddeutschen Bunde, Baden und Hessen. 1870 November 25.......... 251 49. Militärkonvention zwischen dem Korddeutschen Bunde und Württemberg. 1870 November 21—25............ 253 50. Verfassungsgesetz, betreffend Abänderungen des IX. Kapitels der Verfassungsurkunde. 1906 Juli 16........... 259 Kegcntentafel................... 271 1. Inschrift aus der Kapelle der Burg Württemberg. 1083 Februar 7. Jetzt in der Sakristei der Grabkapelle auf Württemberg. Ann» doniinice inearnationis milesimo LXXXIII, indictione VI, ■") VII idus Februarii dedicata est liee capella ab Adelbert» Worma- tiensis eeelesie episcopo in honorem saneti [Nicolai]. Conrad von Württemberg-, der die Burg gebaut haben muss, stand auf der Seite des Papstes Gregor VII. gegen Kaiser Heinrich IV. Daher die Weihe seiner Burgkapelle durch den Wormser statt durch den vom Papst gebannten 10 Konstanzer Bisehof. — Nach späteren Nachrichten war die Kapelle dem hl. Nikolaus geweiht. 2. Überlassung des Reichslehens Elfingeh an das Kloster Maulbro nn. Um 1153. 15 Nach dem Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck: Wirtcm- bergisehes Urknndenbuch 2, 74. In nomine sanete et individuc trinitatis. Fredericus divina dementia favente Romanorum rex, in Christo semper victor, cesar augustus. Quamquam pro imperiali amplitudine circa secularia 20 negotia discretionis nostre applicare neeesse hahemus regimina, eeclesiastica tarnen et spiritalia ministeria a nostra non credimus sequestranda esse sollertia, sed Cbristo famulantium gandere debe- nms ])rofeetibus, quippe cum eoruin orationibus et regni celestis nos adeptnros esse consortia et temporalis regni firmani et incon- 25 vulsam credimus stabilitatem. Nbtuin igitur fieri volumus regni uöstri prineipibus, liberalibus, ministcrialibus eunetisque Christi ndeubus tarn presentibus quam posteris, quod pie conversationis ct boni testimonii Spirensis episcopus Gunterus peticionibus et benefieiis optinucrit a Lüdevico de Wertenebereh, quod idem 30 Ludevicns allodium smim Brache regle nostre potentie maneipa- vent et idem allodium in feodum reoeperit, in commutationem videlicet feodi Flvingen, quod idem Lüdevicus a palarin» comite, Württ. GoBchichtaquellon XI. 1 item palatinus a regali maiestate in feodum tenüerat. Hac itaque commutatione testimonio comitnm, Iiberalium et ministerialium nostrorum in presentia nostra facta atque firmata prefatus Lfide- vicus Elvingen iam allodium sibi factum cum eeclesia eiusdem loci ecclesie dei, que est in Mulenburne, in usus vidclicet fratrum r> ibidem deo famulantium per inanuni Marquardi de llcinvcldc con- tradidit, nt vidclicet memoria nostri, item episcopi Gunteri nee; non et eiusdem Lftdevici in orationibus ibi iugiter babeatur. Quia igitur a provisione spiritualium nos non alienos esse estimamus, spe communicaiidc orationis bonorum virorum banc seriem in carta lü conscribi feeimus, sigilli nostri impressione munivimus regia auc- toritatc interdicentes, ne quis bec infringerc vcl inquietarc presu- mat, ne imperiali maiestate percussus condigne sue pravitati habeat subiacere sententie. Iluius rei sunt testes: Zeizolf cancellarius, Ileinricus notarius, Emechö comes de Liningen, Ülricus de Hör- 15 ninge, Berengerus de Itavenstein, lii liberales; Werncrus Kricli, Ülricus Wayse, Erlefridus et frater eius de Udingcn, Walterus de Tardingen, Cüno de Bluchingen, lii ministeriales regis; Walterus Cudo, Conradus Colecnop, Wezzel de Drivclcs, Walterus de Schipph, Burcnardus de Kesteneburcb, Bertolf de Scarphenberch, 20 Rudolf dapifer, Bertoldus de Niwenbusen, Conradus ministerialis prefati Lüdovici et alii complures. — Signum domini Friderici Romanorum regis invietissimi. Das Roichslehen Elfingen, das Ludwig von Württemberg als Aftcrlchcn von der Pfalz innehatte, sollte dem Kloster Maulbronn überlassen werden. Da 25 dieses nur Eigengut besitzen sollte, nmsste Elflngen aus dem Lebensverband gelöst und, da das Reichsgut niebt geschmälert werden durfte, nmsste dafür ein Eigengut in eiu Lehen verwandelt werden. 3. Friedensvertrag König Rudolfs mit Graf Eberhard dem Erlauebten. 80 1286 November 10. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck: Wirtem- bergisches TJrknndenbtieh 9,104. Wir Rudolf von gottes genaden römseber kuneb und merer des riebes tun kunt allen den, die disen brief selient und börent ;i5 lesen, daz grave Eberhart von Wirtenbereb und sin lielfer zu unsern liuldcn und gnaden komen sint, alse bic nab gesriben stat. Zem ersten bat der selbe Eberbart unde sin lielfer vercigen umbe allen den schaden unde unibe alle die getat, die im unde den sinen geschehen unde getan ist baide von uns unde von ungern heifern in disein urluge unde öch da vor, sit der süne du nu jungest ze Ulme gemachet wart, unde sol der selbe grave 5 Eberhart unde alle sin helfer in dem selben relite sin, als si waren, e daz urlüge anvienge. In dem selben rehte sülen öch unser heiter sin, als si waren vor dem urluge. Und sol öch der vor genant grave Eberfhart] unde sin helfer alle die gevangen, die sie in disein urluge gevangen haut, ledich unde los lazen, si sin 10 usgeborget oder niht, unde swaz öch in burgeschaft stat, daz sol ledich sin, daz selbe sülen wir in öch hinwider tun. Umbe den von Bernhusen, der da irslagen wart, ensülen wir noh die unsern wider den selben Eberhart noch wider die sinen enkaine unminne han, es enwäre denne, daz der totslach geschehen wäre mit ge- 15 värde von ainem man, der sol sich entschuldegen nach relite, swenne man in ansprichet. Dar nach umbe den kriech, der da ist zewüschen Wolfram von Bernhusen unde Diepoltz saliges kinden, sol man nemen iewederthalp zewene man unde ainen oberman, die si verslihten sülen ainweder nah minnen oder nach rehte. 20 Vürbaz der selbe Eberhart sol zewo bürge, Wittelingcn unde Remiz, antworten maregeraven Hainrich von Burgowe, graven Burkart von Honberch unde Swicger von Gundolvingen oder der drier zewain, zewai jar ze behalten also, ob der selbe Eberhart oder die sine lhte täten mit brande, mit röbe oder mit kainen dingen, daz wider 25 die süne wäre, daz sülen si innewendich zewain lnanedeii nach der drier oder zewaicr us den drin sage unde haisse ane allen yürchocli widertun. Täten si dez niht, so sol man uns antwürten die selben zewo bürge vür den schaden. Swenne aber der schade wirt abgerihtet, so sülen wir die selben zewo bürge den vor ge- 30 nannten drin oder zewain us den drin widergeben ze behalten.uf daz vorgenante eil, unde swaz schaden Eberliart oder die sine taten, mage er niht pheniiinge haben, so sol man sine hüben dar umbe nemen, alse den vor genanten drin oder zewain us in müge- lR 'h dunket. Uar nach sol der herzöge von Tekke unde grave 35 Albreht von Ilaigerloch unde alle ir helfer gänzelich versünet sin unde vrimde sin mit dem vor genanten Eberliart und mit allen den sinen unde geschähe zewüschen in kaineilaige bruch, dar umbe sülen die zewo vorgenante bürge niht phant oder behaft sin, unde wurden wir oder unser stette belfent dem herzogen oder 40 graven Albreht oder aber ahn andern, swaz schaden denne Eber- 1* hart von Wirtenberch oder die sinen da wider täten in dem urlüge, dar umbe sülen die bürge niht behaftet sin. Hilfet er öch sinen vründen, dar umbe sülen (ich die bürge niht beheftet sin. Der vor genant Eberhart der sol öch mit guten trüwen gelten baide eristan unde Juden alles daz, dez er in schuldige ist, unde sol öch uns 5 antwürten die stat Stutgarten zerbrechende, also da geredet ist. Ulrich von Helfenstain den han wir öch ze genaden genomen unde der kriech, der zewüschen im ainhalp unde graven Albreht unde dem phallenczgraven von Tüwingen anderthalp ist, sol beliben unde stau gütelich an ietweders schaden unde kränkenust sines 10 rehtes von nu dem obersten tage über ain jar also, ob der selbe von Helfenstain mit uns über daz gebirge vert, belib es aber an im, daz er mit uns niht füre oder also daz daz jar US kumet, so sol er nach ainem manode dar nach, so er gemant wirt, graven Albreht unde dem phallentzgraven reht tfin unde sol öch dennc ir> iederman in dem rehte sin als er waz dez tages, do man von Ulme schiet. Der von Hclfensten sol öch den clöstern Ahuscn unde Herbrehtingen dekainen schaden noch unlust tun unde solz han, als ers her hat gehapt von dem obersten tage über ain jar, also daz daz dem riebe an sincin rehte kain schade si. Und 20 swenne daz jar us ist, so sülen wir unde er in allem dem rehte sin alse wir von Ulme schiedent, also doch ob er mit uns cti der crone vert. Belibe es aber an im, daz er mit uns niht vüre oder also daz daz jar us kumet, so sol er nach ainem manode dar nach, so er gemant wirt, uns umbe du selben closter reht tun. 25 Er sol öch gelten eristen unde Juden, daz er in scbuldich ist, mit guten trüwen. Dez schaden, der zewüschen uns und im ist beschchen, han wir uns baidenthalp vereiden und sol man die gevangen ane vürchuch ievvcdcrthalp ledich lassen. Der von Zolrc unde sinü kint sülen öch unser hulde han und sol uns die bessc- 30 runge tftn, die in haisset unser lieber vürste der erchebischof von Mägencz unde der buregerave von Nürenberch. Swaz öch krieges ist zewüschen dem von Zolre und sine kint ainhalp unde graven Albreht anderhalp, dez sol man gen iewederthalp uf dri man, über die sint erkorn ze ühennan der burci>crave von Nürenberch 35 und der grave von Otingen, die süln ain sün ganzeelich State unde vestc under in machen unde swenne du süne beschult unde bestätet wirt, so sol man baidenthalp die gevangen ledige unde vri lassen. Ulrich von Muntfort der sol öch unser hulde haben unde swaz ansprach zewüschen uns unde im ist, dez sin wir baidenthalb ge- 40 gangen uf den graven von Ötingen unde uf graven Rudolf von Muntfort unde sülen uns die verrihtcn nach niinne, ob si niügen, "der nach relit. Cünrat von Landowe der sol öch unser liulde han nnde uinbc sogetane saehc, alse zewüschen im und graven 5 Albreht ist, sol man kiesen iewederthalp zewene man, die si ver- niinnen. Vindent si aber kaine minne da, swaz si denne relites zewüschen in sprechen, dar an sol si baide genügen und süln oeb daz baidenthalp State haben. Daz aber diso sün also da vor gesriben ist, stäte unde unzerbrochen belibe, dez han wir unser ■lü küniehlich insigel an disen brief haissen gehenket. Diser briet' wart gesriben vor Stütgarten, an sant Martins abent, do man zalt von gottes gebürt 1 ) [tusend zewejhundert unde sehs unde abeich jar, in dem viercehenden jar unsers künichriehs. Ich der vor genant Eberhart von Wirtenbereh han gesworn, die 15 vor gescriben sün State unde veste ze behalten unde dar uinbc ze aincin üfrehund hejnk ieh min insigel an disen briet'. Wir Friderich grave von Zolre, Ulrich grave von Muntfort unde Ulrich grave von Helfenstain.haben öch gesworn, daz wir die selbe sün alse hie vor gesriben ist, stäte [unde unccrprochcn] halten, und wan wir ze 20 diser cit unser insigel bi uns niht enhaben, so han ich grave Friderich von Zolre mines vetterron Friderichs dez Imrcgeravcn von Nürenberch, ich grave Ulrich von Muntfort mines brüfders grav Rudolfs un]d ich grave Ulrich von Helfenstain Friderichs von Trüliendingen iusigele gebetten henken an disen brief unde loben 25 och alle dri, daz wir zewüschen hie und sant Andres messe hi her an henken unsfer insigelc. Und wir Friderich] burchgerave von Nürenberch, grave Rudolf von Muntfort unde Friderich von Trüliendingen verjehen, daz wir durch bette der vor genanten dricr graven Eberhart von Wirtenbereh, Ül[rich] v[on Muntfort 30 unde Ulrichs v]on Helfenstain haben unser insigel an disen brief g'ehcnket. Dior brief wart gegeben vor Stütgarten, an dem tage »nde dem jar, alse da vor gesriben stat. Der Krieg des Grafen Eberhards des Erlauchten gegen den deutschen König nahm bald darauf seinen Fortgang. ) Die Lücken der beschädigten Urkunde sind in Klammern ergänzt. 4. Übergabe der Stadt Stuttgart an die Reichsstadt Essli ngcn. 1312 Juli 31. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart,. Abdruck: Esslinger üi- kundcnbuch 1, Nr. 418. 5 Wir . . der schulthaize, . . die rihter und die gemainde der stat ze Stüggarten verjehen und tügen kunt allen den, die disen brieve sehent oder hörent lesen, daz wir die frunien Hute . . den burgermaister, . . den schulthaizen, den rat und die gemainde der stet ze Ezzelingen uzerkorn haben vür alle die weit und haben in unser libe und unser gut an das römsche riebe und an sie ergeben und haben in zen hailigen gesworn und alle, die iemer burger ze Stüggarten werden, suln ouch zen hailigen swern, daz wir in iemerme beholfen und undertaenig mit libe und mit gute sien ewegeclich gen allcrniacngelich als uns selber und suln uns niemer lazzen ge- 15 rillten mit dem graven von Wirtenberg und mit sinen kinden an ir willen. Sic suln ouch haben, unde niezzen iemerme allcz daz gut, gelt und reht, die der grave von Wirtenberg ze Stüggarten in dem zehende unde ze Wizzenberg ') in der mareke und darumbe liet ge- 20 sucht und ungesucht an redelichen gesatzeten zinsen und nützen, swie die geliaisen sint, an den trethabern, -) vogctliabern, voget- hünrre und ander unredelich nütze, swie sie geliaisen sint, die suln alle gen uns abe sin. Wir suln ouch sehz jar, die naehsten die nali ainander kument, 25 tri sin aller stiure, und swenne diu sehz jar enweg kument, so suln wir in und der stat ze Ezzelingen alliu jar driu hundert phunde guter phennige haller münsc gen ze stiure und nit nie. Ez suln ouch alle ir wingarten und allez ir gut, daz in dem zehende ze Stüggarten und in der mareke ze Wizzenberg und darumbe gelegen 30 ist, fri sin iemerme und entladen von stiure, von betwine 3 ) und von allem dienste, swie er genant ist. Gcwünnen sie aber da kain gut furbaz ine, daz stiurbaer oder dienstbaer waere, davon suln sie die stiure gen, die sieb gebiurt, an den drien hundert phunden, die wir in ze stiure gen suln als hienach geschriben stat. Koi'tc aber :j5 kain burger ze Ezzelingen iutzit umbe den andern, daz sol ouch fri sin. ') Weissenburg über dem Bopser. 2 ) Haberabgabe aus einem (Grundstück. 8 ) Weinabgabe an den Grundherrn. Wir suln mich zol, ungelt und die ysche') han und suln damit unser stat bessern. Wir suln ouch uns selber ainen voget neinen, der ir aitgenozfce si, und swenne der uns oder in nit fuget, den suln wir aendern nach ircm rate. Wir suln ouch nemen ainen ■"> schulthaizen, der uns fuget; der sol gen von dem ampte allin jar fier unde zwainzig phundc haller ainem voget, der denne unser voget ist. Waere ouch, daz unser licrre, der römsche kunig oder sie die closter oder ander Hute, die sie nit anhörten, der stiure überheben 10 wölten, swaz dieselben denne ze stiure geben sölten, daz sol uns ahe gen an den drien hundert phunden, die wir in ze stiure gen suln. Ez suln ouch allin closter und uzliute, die stiurbaer gut haut in der marcke ze Stüggarten und ze Wizzenberg, ob ioch daz waer, daz sie burger waern worden ze Ezzelingcn darnach, do wir den 15 bürgern ze Ezzclingen sworn und sie uns, die suln mit uns stiurn an den drien hundert phunden, die wir in ze stiure gen. Ez suln ouch abe sin und kain Gräfte nie han alle die clage und die urtaile, die wider uns ze Stüggarten sint gewesen, diewile dirre krieg wert und diewile wir uns niht mohten versprechen gen 20 allen den, der sie gewaltig sint. Wir sulen ouch in den nächsten sehz jarn, die nah ainander kument, der burger von Ezzclingen kainen enphahen ze bürgern ze Stüggarten, sie suln aber unser burger von .Stüggarten enphahen ze burgern ze Ezzelingen, swelb ez mütent. Wir suln ouch daz holtze, daz zc Wizzenberg höret, und daz holtze, 25 daz der grave von Wirtenberg koftc umbe drizig phunde haller und daz haizzet der Burgstal, und hern Renhartz holtz von Berge han zu unser holtzinarckc. Wir noch sie suln der aide meiner ledig gen ainander sin, wir crlazzcn denne bedenthalp gerne und gütlich ainander. 60 Und daz diz allez wäre, gantze und staetc belibe, so geben wir in disen brieve besigelt mit der stet insigcl ze Stüggarten zem waren Urkunde. Derselbe brieve wart geben do man zalt von gottez gehürte driuzehen hundert jar und darnach im zwölften jar an dem «aehsten gütemtage nach sant Jaeobez tage. Das an der Urkunde hängende Siegel zeigt das älteste Wappen der Stadt, zwei schreitende Pferde übereinander. — Im Keichskricgc, den Conrad von Weins- berg im Auftrage des Königs Heinrich VIT. leitete und an dem namentlich das dem aufstrebenden Grafen Eberhard dem Erlauchten feindliche Esslingen sich beteiligte, unterlag dieser völlig, bis der Tod Heinrichs den Umschwung brachte. ') Heische von verkauften Waren, Accise. 5. Verlegung fies »Stifts Beutelsbach nach Stuttgart. 1321 Januar 25. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck: Sattler, Geschichte Würtenbergs unter den Grafen I, Heil. 59. In gotcs nanicn amen. Wir Eberhart grave von Wirtenberg 5 tun kunt allen den, die disen brief ansehent oder hörent lesen, das wir ansahen, das diu gestift der corherren ze Bütclspach, da unser vordem begraben warn, die si auch stiften, wan sie uf dem laude lag, von unfride dicke gcbrcsten hat an gotzdienst und das die corherren dannan müztcn entwichen, darumb behüben wir von dem 10 biscliof und dem capitel ze Costcntz dieselben gestift ze Bütclspach ze legen in unser stat ze Stugarten, dar wir auch geleit haben unsrcr vordem libe und gebainc. Darnah das wir der corherren zal und der diener, die zu der gestift gehörent, und auch ir gülte mähten gemerun, das si (lest vriliclicr und gcrüwiclichcr gotz- 15 dienst möhten geüben, so behüben wir von unserem haiigen vatcr bähest Johansen, zu dem wir mit unser selbes libe darumb und umb ander sachc warn gevarn, 1 ) das wir von sincr verhenchnüst geben die kirchen ze Altenburch, darzü Stütgarten, Berge undc Wangen gehörent, die wir bisher lihen von bände mit allen nutzen und 20 rechten, die zu denselben kirchen gehörent und als sie ein kircherre haben sölt, und haben gegeben zu der kirchen zc Bütelspach an die vorgenanten gestift, diu nu ze Stugarten ligen sol. Darnah ze einer ewiclicher gedechtnüst, wie diuselbe gestift ze Stugarten geordent si und ewielichen bestan und boliben sül, 25 so sezzen wir mit des bistüms willen ze Costentz und mit wiscr lütte rat, das diuselbe gestift zc Stugarten sol haben einen probest, zwölf corherren und zwelf viearien, die alle priester sien un ir ampt tuen ungevarlicbcn, und ander den zwelf corherren soll einer ein custer, einer ein senger, der auch schfllmaister si, und einer m ein keller sin. Der probest sol besorgen und sol des vollen gewalt han die gestift an pfäflicher zuht und leben und an gotzdienst, wie der gütlichen und redlichen begangen werde an den messen und an den siben ziten, die man allewegcn singen sol, und auch an vigilien, und an anderen dingen, als hienah völleclicher geschriben 35 ist und wirt. Und mag der probest und sol die corherren und auch die, ') Eberhard war im Juni 1320 als Gesandter König Friedrichs des Schönen bei Papst Johann XXII. in Avignon. die diu ämpter hant, und auch die viearien und ander pfaffen, die in der gcstift gotzdienst tun süln, baidiu mit dem banne und mit den pfründen oder ein taile der nütze, darnah als diu tat und diu schulde ist, und mit aller betwenchnüst betwingen, wie si bie den ,5 siben säten sien und ieglicher sin ampt, das im uflit, und gotzdienst vlizzeclichen an den messen begange und an den siben ziten und an den vigilien und auch pfafflich leben haben. Er soll auch ander den zweit' corherren ie dric ordenen, der einer vronanipt singe, der ander das ewangclium, der dritte die 10 epistel lese, und süln die zwen die das ewangclium und die epistel lesent, dest früwcr messe sprechen, das es si an dem dienst zc vronanipt niht enirre. Der probest sol ze den grossen hohtziten singen ungevarlichen, der viearien aber einer nah des probstes ordnunge sol die selmessc 15 singen nah der prime und sol ze vronaltcr niemant anders singen wan die corherren und der probest; darzü sol der probest besorgen und berihten die gestift und die pfarre an täuffen, an bihtigun, an bewaren und an andern gaistlichen dingen und sol Aber die zwelf viearien bie im haben zwen priestcr zc gesellen, die erber sien, 20 die im die pfarre helfen berihten. Der probst sol auch besorgen und besezzen die kirchen zc Altenburch und ze Berge und zc Wangen, die darzü gehörent, mit ewigen viearien, den man ir p(runde sezze, bie der sie erberclichen beliben mügen, und anderiu dinge tun, diu in anligent. Und sol 25 auch einen ewigen viearien, der einen erbern gesellen hab, gen Bütelspach sezzen, der siniu reht und sin eure enphahe von Costcntz, demselben viearien sol man auch ein pfründe sezzen, der er sich erberclichen began müg und anderiu dinge tun, diu im anligent. Der euster sol mit zwaien burgern, die die burger darzü er- 30 kiesent, pflegen das an den kirchenschatz und an die gezierde und anderes an die custrie gehöret und das mesenampt 1 ) besorgen und besezzen und entsezzen und anderiu dinge tun, diu das custerampt von reht oder von gewonheit angehört. Der senger, der auch schülmaister ist, sol sin ambt tun an 35 der sengerie und an der sehülmaistrie als reht und gewonlichen ist uf andern gestiften. Der keller sol sines amptes pflegen ussan und innan mit mnämen zebehalten und ze tailen als reht und zimlich ist mit allen trewen, aber besezzen und entzesezzen und hinzelihen das sol er *) Messneramt. 10 tftn nah zwaier corherren rat und willen, di im der probst und das capitel darzü benennent. Er sol auch alliu jar widerraiten, swenne es an in gevordert wirt. Und war das er an sinein anibt oder der custer oder der senger an iren amptern als kfintlichen scheidlichen und unnützlichen runden wurden, so mag sie der probest und das 5 capitel von den amptern absezzen und ander an ir stat sezzen. Umb das welen den probest, die zwelf corherren, die zwelf vicarien und diu ämbter in der gestift so wellen wir und ordenen, das die zwelf corherren einen probest welen von der gestift, der si der erberst und nützlichest dunket uf ir aide, den sie der gestift 10 gesworn haut. Dasselbe sol auch beschchen von den drien wirdi- kaiden und amptern der custric, der sengeric, und der kellerie, und swar der merer taile vellet das sol fürgang hau, war aber das diu wale der corherren gelich belibe an der zal, swem denne der eltist an der herschaft ze Wirtenberg, die wile si ungetailet ist, sinen 15 günst git, der sol furvarn. War aber, davor got si, das diu herschaft getailet würde, swes danne St&tgarten war ander den der denne der eltist war, swem der sin günst gab, der hat einen fürgang. Dasselbe sol auch also beliben von der wale der corherren und vicarien, wan so verre das man die corherren usscr den vicarien 20 und anderswa und die vicarien anderswa gcwclen und genemen mach, als es danne der gestift aller nützlichest und erliehest ist, auch uf iren aide. Der probest, der auch genomen wirt als vorgeschoben ist, der sol nämen sin bestättigungen und enphahen sin eure und siniu reht 25 von dem bistftm ze Costentz. Die corherren aber und die dric wirdikait und ampter und die vicarien sol bestättigen ein probest von derselben gestift ze Stügarten. Darzü sol man welen nieman noh enphahen ze, corherren noh ze vicarien wan ze einer ledigen pfründe und zu einer ledigen vicaric. Es sol auch nieman noch au enmach ze probest noh ze corherren erweit werden, wan der sizzen wil beliplichen uf der gestift und auch des swerc zu den haiigen und auch der priester si und sin anibt tue oder das er si episteler oder ewangelier und in demselben jar oder e, ob er mag, äne alle geverde priester werde und sin ambt tue und des swere zu den 35 haiigen. Tat aber er des niht, so sol er sin pfründe verlorn haben und sol man einen anderen darzü nemen. Die vicarien aber, so man die welct und nimet, die süln des tages, so man si nimet, priester sin. Wan auch der probest, die corherren und die vicarien liplichen 40 11 sizzen süln und ir ampt tun, war das ir dehainer uzfftre einest «der dikker und als lange uzwär ane redliche sacke, das es den probest und das capitel gevarlichen duhtc und • schedliclien der ge- stift oder den inerercn taile under in, so sol man in manen, das 6 er uf zimlich zit, das si im uf ir gewissend benennent, widcrkonien und sizze und sin ampt tue. Tut er des niht, so mag in der probest entzesezzen und die corherren suln einen andern nänien. Darnah darümbe das die persone die zu der gestift gehörent dest völliclicher und gcrüwiclicher ir amptes und gotzdienstes pflegen 10 und für unser und der herschaft baue und gelükke und über aller unsrer vordem und nabkonien selliaile bitten mügen, so wellen wir und ordenen, das von dein gelte, das zfi der gestift benennet ist und wirt baidiu von der kireben ze Bütelspach und von der ze Altenbilrch und ze .Stügarten und das darzü gehört und von 15 andern guten, die wir darzü bewisen, der probest hab anderthalbe blindert pfände geltes und jeglicher der corherren drissig pfände geltes, swer aber under den corherren custer, senger oder keller ist, der sol vierzig pfunde geltes hau. Der viearien aber einer sol haben zwainzig pfunde geltes. Und ist unser sin, möchten den 20 pfründen, als vorgeschriben ist, mit dem gelte das benennet ist niht völliclichen ufgericht werden, dass wir wellen mit anderem unserem gelte erfüllen. Ist aber als wir von uns versehen, das über wirt an dem gelte, das sol man behalten die gestift und die gotzdienst ze incren und ze verbessern. Umb das opfer aber oder 25 das von messe frümen kunipt, es si hainilich oder ofr'cnliehcn, das sie alles die zu der gestift gehörent bie dem aide wider werfen süln in die gcinainde. Das ze Stügarten gcvellet, ist unser sin und willc, das dem probest, wan er zwen gesellen hat, zwaier corherren taile hab und werde und icglichein corherren, er hab 30 ampt oder niht, einen taile und ie zwaien viearien als vil als einem corherren, und soll des Opfers noch des frümens nieman werden wan den, die desselben tages messe sprechent oder gesprochen haut. Der aber messe niht gesprochen hat des tages, des taile sol den andern gevallen ane allen schirmen. Dasselbe sol 35 auch geschehen dem probest, und swa auch siner gesellen einer des tages niht messe spreieh, davon sol dem probest als vil abgan als einein viearien, ob er nit messe spreieh. Das selgereit aber das jezünt gesezzet ist oder noh geben und gesezzet wurde, das sol darkomen und also beliben und dem oder den beliben, dahin 40 des wille was, der es trab oder hat g-esezzet. 12 Swas aber von tauffen, von bewaren, von bihtigen, von ölen oder von hüaiten gevcllet, das sol dem probest beliben. Wir wellen auch und sezzen, es si der probest, die corherren oder die vicarien, swcllicr der Imse oder liof hat oder gewinnet, swenne der abgat, das sol dem beliben, dem des prründe wirf. 5 Dis alles das vorgeschriben ist und swas ander guter gesetzde und gewonheit in der gestift ist und wirt, sol der probest, die cor- herren und die vicarien oder die pfründener, die iezünt sint oder swenne si niuwcs werdent genomen, swern zu den baiigen ze behalten ane alle geverdc. 10 Und das alles das, das bievor gesebriben ist, ewielicben stäf belibe und von uns und unsern nabkoiuen stat behalten werde, so haben wir disen brief gevestnet und besigelt mit unserm und mit unsers suncs graven Ulrichs und graven Ulrichs uirsers sunes sun insigcln, die es aueli zu den baiigen gesworn bant ze stät 15 haben, swas wir mit der gestift sezzen und ordenen. Wir die jetzünt genenten grave Ulrich und grave Ulrich von Wirtenberg verieben desselben als es vorgeschriben ist und ze einer bestättigunge und vestinunge, das es von uns nimmer gebrochen werde, so haben wir auch unseriu insigel gebenket an disen briet'. 20 Dis geschah und wart dirr brief gegeben ze Stügarten an sant Paules tag als er bekert wart, do man zalt von Cbristes ge- bürt driuzehenhundert jar und in dem eins und zwainzigesten jar. Das württembergische Erbbegräbnis in Beutelsbach war im Kriege Eberhards mit König Heinrieh Vit. 1311—1312 von den Reichsstädten zerstört 25 worden; die Verlegung nach Stuttgart beförderte dessen Entwicklung zur Hauptstadt. 6. Kaiserlicher Freiheitsbrief für die Stadt Cannstatt. 1330 Dezember 11. Nach dein Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck: Sattler I, Beil. 74. 30 Wir Ludwig von gots gnaden romischer cheyser zu allen ziten merer dez riebs verjeben offenbar an disem brief, daz wir durch besunder gnade und gunst, so wir haben zu dem edeln manne Ulrich graven zu Wirtenberg unserm lieben landvogt in Elsazzen 1 ) im gefried haben und öch chatten und frigen von 35 ') Diese Würde bekleidete" Graf Ulrich III., der 1324 die elsäseischen Herrschaften Horburg und Reichenweier seinem Hause erworben hatte, nur kurze Zeit. 13 unserm cheyserliclien gewalt mit disem gegenwertigem brief die stat ze Chanelstatt also, daz si alle diu reht, ere und gut gewon- heit haben sülle und mfige als unser und dez richs stat zu Esselingen. Wir wellen öch durch besundern vride und nutz derselben 5 stat, daz si den lantag, den sie habend vor der stat, in der stat haben sullen und nifigen von unserm vollen gewalt uf den tag, als er her von alter vor der stat gewesen ist. Und darüber zu einem urchünde geben wir disen briet' versigelten mit unserm cheyserliclien insigel, der geben ist zu Inspruck 10 am zinstage nah sant Nyclaustag do man zalt von Christes gehurt driuzebenliundert jar darnah in dem dreizzigestem jar in dem sibentzchendcn jar unsers richs und in dem dritten dez cheyser- tumes. Die Verleihung dieser für eine Landstadt ungewöhnlichen Rechte hängt 1" offenbar mit der Unmöglichkeit zusammen, das alte Landgericht ausserhalb der »Stadt noch mit freien Leuten zu besetzen. '. Verleihung der Reich ssturmf ahne an die Grafen von Württemberg. 1336 März 3. 20 Nach dem Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart, — Abdruck: Sattler I, Beil. 82. Wir Ludowig von gotes genaden romischer keiser ze allen ziten merer dez riches veriehen und tun chunt offenlichen an disem brief, daz wir unsern und dez riches sturinvanen enpfolhen haben dem edlen manne Ulrichen grafen ze Wirtenberg unserm üben 25 oheim und lantvogt, und darzü haben wir im und allen sinen erben, die sün sint, ze rechtem leben verlihen und verleihen in och mit disem unserm brief Grüningen stat und burch mit luten mit guten und mit alle diu, daz darzü gebort, besuchte und unbe- sftchts, ez sin aigen oder lehen, und daz si öch dieselben leben, 30 wie die genant sin, fürbaz leihen sullen und mugen, wan daz zu unserm und dez richs sturinvanen leben ist und öch darzü gehört, mit der bescheidenheit, daz der vorgenant grav Ulrich von Wirten- ■ J ei'g und sin erben, die sün sint, uns und unsern nachkomen an dem riebe künigen und keisern owiklichen die dienst tun sullen 35 getriwlichen, die man dovon ze recht und billich tun sol. Si sullent öch und habent geheizzen, daz si den sturinvanen besorgen und bewarnen, als man den ze recht und billich besorgen und bewarnen sol. 14 Und darüber ze einem urchund geben wir disen brief versigelten mit unserm keiserlichen insigel, der geben ist ze Ulme an dem sunntag vor Mittervasten, do man zalt von Christus geburt driuzehenhnndert jar darnach in dem seclisten und dreizzigstem jar, in dem zwei und zwcinzigsteni jar unsers richs und in dem niunden dez keisertüins. Durcl) diese Verleihung wurde die Führung der Reichssturmfahne endgültig mit dein Reichslehen Markgröningen verknüpft. Graf Ulrich III. erhielt sie villi Kaiser Ludwig zum Lohne für Wal'l'enhilfe gegen Böhmen. 8. Kaiserliche Bestätigung- der eigen en Gerichtsbarkeit 10 für Graf Eberhard den Grein er. 1361 Oktober 5. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. —Abdruck: SattlerT, Beil.128. Wir Karl von gotes genaden romischer keiser zu allen zeiten merer dez reiche und kung zu Beheim bekennen und tun kunt 15 offenlichen mit disem briete allen den, die in scheut und horent lesent, daz wir haben angesehen die getrewen steten dienste und grozzen fleizze dez edlen grafen Eberhartz ze Wirtenberg, unser lieber getrewer, damit er uns und daz heilig reiche mit lleizzigen steten trevven meinet und noch kunfticlichcn gentzlichen meinen 20 wird, und darumbe haben wir im, seinen erben und nahkoincn graten zc Wirtenberg und tun auch in mit disem briefe die bc- siuidern nahgeschriben genade mit rehter unser wizzent und wellen auch daz mit vollekoincnhcit keiserlicher melitc, daz man ir diener und ander ir man und leute gemeinlichen noch besunder für dehein 25 gerillte oder lantgerihte niht laden sulle. Wer aber daz ir einer oder ir mer ir diener, man oder arm lüte, für ein gerillte oder lantgerihte oder für ir mer geladen wurden, so sol derselb riliter oder lantrihter, wann oder als oft im der vorgenant grafe Eberhart oder sein erben darumbe schreiben oder schreiben werdent, 30 den oder die, ir sei einer oder mere, die also furgeladen werdent, und als oft daz not geschult für grafen Eberharten und sein erben und für ir gerillte wider weisen, also daz der egenant graf Eberhart, sein erben und nahkomen von dem oder denselben dem clager als ofte ez not geschult unvcrtzogenliclicn für in und iren 35 gerillten rehtes gestaten und heltfen sullen in den liebsten vier wochen von dem tag ze zclen, als si für sie geweiset werdent 011 allcz geverde. Und darzu soll unser und dez reichs riliter oder 15 landrihter zwen erWerg 1 ) wolbehalten man senden, die darüber sweren sullen der warbeit zu bekennen, ob sölichen clagern in der egenanten grafen gerillten relit widervaren sei. Geschehe aber dez nibt also, daz graf Eberhart oder sein erben den clagern in- 6 wendig' den vier wochen rebtes nibt hulffen noch gestaten als vor- geschribn stet, so sol und mag unser und des reicbs ribter oder laiitribter nach den egenanten vier wochen dem clager rebtes gestaten und lielffen in denselben Sachen, die denn zu gerillte lauffent nach gerilltes relit und ordenunge ungeverlichen. Wer to auch daz der ribter oder Iantrihter dez reiches, wer der were, wider diso genade dez egenanten graten Eberhartz oder seiner erben man, diener oder ander ir lüte den oder die, die also fur- geladen wurden, nibt wolten für dieselbe egenanten grafen von Wirtenberg ir berren und ir gerillte wider weisen, als davor be- 15 griffen ist, so meinen und wellen wir, daz denne alle Sachen, die furbas nie dawider geschehent mit gerillte, ladungen, urteilen oder sunst in andrer weise dawider geschehen, untügenlich, unkreftig und gentzlichen ab sein sullen und denselben, die also fürgeladen und furgetriben würden, keinen schaden bringen. Und dise unser 20 gegenwertig genade sol weren zu unsern lebtagen und allezeit die weile in allen iren kreften gentzlieh beleihen. Davon gebieten wir allen unsern lantvogten, rihtern, lantrilirern, schultheizzen und allen den, die unsern und dez heiligen reicbs gerillten vor sein, die nu sint oder die bei unsern lebtagen werdent in zukünftigen Zeiten, 25 daz sie wider dise unser keiserlich genade nibt tun sullen in de- ueine weise bey der pen hundert marek goldez, die ein ieglichcr, der dawider tut oder tete, ez sei clager oder ribter als oftc vervallen sein sol, als dawider geschult in solicher bescheidenheit, daz dieselbe pene halbe uns und dem heiligen reiche und daz ander halb teil dem egenanten graf Eberharten oder seinen erben gevallcn sol on alle hindcrnüzze, mit urkünd ditz briefes versigelt mit unsenn keiserlichen maiestat insigel, der geben ist zu Nüren- berg an dem liebsten dinstag nach sant Michels, do man zalt von tnsts gehurt drewtzehenhundert jar und darnach in dem einen und ' sec 'dzigsten jar, unser reiche in dem sechtzehenden und dez keiser- tftms in dem sibenden jare. Diese Bestätigung ist immer wieder erneuert wurden und hat durch das Privilegium de non evocando vom 23. Juli 1495 Ausdehnung auf jede Anrufung fremder Gerichte erhalten. ) = ewerg, dem gleichen Staude angehörig. 16 9. Vertrag über die TInteilbarkeit Württembergs. 1361 Dezember 3. Nach dein Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck nach einer andern Ausfertigung bei Reyscher 1, 467. Wir Ulrich von gotes genaden gravc zu Wirtimberg bekennen r. und tun kunt offenlicb mit dyscm brief allen den, die yn sehen odir hören lesen, das wir mit dem edelen graven Ebirharten von Wirtimberg, unserm lieben bruder, nach aller myssehel und uflouffe umb alle sache, die czwischcn uns beidenseiten gewesen sint bis uf dysen beütigen tag, uns mit rat unser frunde und ouch diener 10 friintlich und brüderlich berichtet haben in allir der mazze, als hernach geschriben stet. Czu dem ersten, daz wir uns für uns und unser erben verezigeu und versprochen haben und verezeihen und versprechen uns ouch mit dyscm brief, als das von rechte oder gewonheit allir beste crafft odir macht haben mag, als wir ouch 15 des zu den heiligen gesworn haben, daz wir deheine teil odir teilunge der grafschafft zu Wirtimberg oder an derselben grafschafft herrschefften und allen iren freiheiten, rechten und gewonheiten, es sey an leuten, landen, vesten, steten und guten, erbe, eigen odir lehen, zinsen, galten oder nüczen an dem vorgenannten graven 20 Ebirharten, unserm bruder, und seinen erben nyinmer furbas ewic- lich gefordern oder getun wollen odir stillen, sunder wir wollen und maynen, das die grafschafft zu Wirtimberg mit den vorgenannten iren herscheften, landen, leuten und czugehorungen, wie man die genennen mag mit sunderlichen worten, ungesundert, 25 ungcteilet und unezirbrochen bleiben, und besten sullen furbas ewielich. Ouch haben wir für uns und unser erben demselben graven Ebirharten, unserm bruder, und seinen erben in gegen- wertigkeit des allirdurchleuchtigstcn fursten und herren, herren Karls romischen keysers, zu allen czeiten merers des reichs und 30 kungs zu Bcheini, unsers liben gnedigen herren') die cgenannt grafschafft von Wirtimberg mit iren herschefften und czugehorungen ufgeben in sulchcr niazz und in sulcher bescheidenheit, wer das sache, das wir on elichen leibes mannes erben stürben und abgingen, das denne die vorgenannt grafschafft von Wirtembcrg mit 35 allen iren herscheften, landen, leuten, guten, rechten, freiheiten, nuezen und zugehorungen, wie man sie mit sunderlichen worten benennen mag, uf den egenannten graf Ebirharten, unsern bruder, ') Der Vertrag wurde auf dem Reichstag zu Nürnberg geschlossen. 17 grave Ulrichen seinen sün und ir erben on alles liindernüzze und geverde erben und gevallen sullen also, das wir kein craft, macht oder gewalt haben die vorgenannt grafschafft mit iren herscheften, landen, leuten, steten, vesten und czugehorungen furbas ewiclichen 5 ymand anders hinzugeben, czu vermachen odir zu verschreiben odir yemand doruf weisen mit deheinen Sachen, die dem egenannten unserm bruder, seinem sün und iren erben doran schaden odir hindernuzz bringen mochten on alles geverde. Wir verczeihen uns ouch in disen Sachen allir hilfe geistlicher und werltlicher 10 gerichte und rechte, bebstlicher und heiserlicher gesecze und gemeinlich allir rechte, gesecze und gewonheit, domit wir oder unser erben uns behelfen oder gewercn mochten in gerichte oder on gerichte wider alle puncto, stuck und artikel, die dovor begriffen sint. Ouch wollen und sullen wir und unser erben, ob wir die 15 gewinnen, den vorgenannten graven Ebirharten unsern bruder, grave Ulrichen seinen sun und ir erben von der egenannten graf- schaft von Wirtemberg, iren herscheften, landen, leuten, guten, nüczen und czugehorungen nicht verweisen noch verstozzen noch sie der entweren mit deheinen Sachen noch die besunder wider 20 sie oder ir erben einnemen oder besliezzen noch des yemand helfen oder zulegen mit rat oder mit tat, heimlich oder offenlich, noch ymand dorinne gesten deheinerley underweisung oder geheizze, von was sacken das komen mochte, noch gen ymand uns domit deheiner lehenschaft oder manschaft verpinden, vermachen oder 25 verschreiben mit der egenannten grafschafft, herscheften, landen und leuten, steten und vesten, guten, nuczen und zugehorungen on alles geverde, usgenomen der leben und der manschaft, die wir dem kunigreich und der cronen zu Beheim J ) vermacht haben oedenseiten, und den dinsten, mit den wir dem egenannten kunigreich und der cronen zu Beheim verpunden sein ze warten. Wir sullen ouch und unser erben, ob wir die gewinnen, oder yemand von unsern wegen die vorgenannt grafschaft, ir herschaft, lande, 'eute, stete, vesten, nuczen, und czugehorungen deheinen manne gewalt oder gerichte nicht eingeben noch cinseczen noch die be- sament oder besunder an leuten oder an guten gen 'ymand weder gen herren, steten oder andern leuten nicht verkümmern, verkoufen l ) An demselben 3. Dezember hatten die Grafen dem Kaiser als König von Böhmen einige ihrer Festen zu Lehen auftragen und Kriegsdienste versprechen müssen. Wflrtt. (iCBchichtsquollen XI. 2 18 noch verseczen noch uns doniit gen yemand ichtes verschreiben zu gewarten noch verpinden mit deheinen suchen stucken, odir artikeln, wie man die benennen mochte, also das wir oder unser erben uns domit nyndert vermachen wollen noch sullcn on bc- sundern willen, wizzen, gunst und rat des graven Ehirhart unsers 5 bruders, graven Ulrich seines sunes und irer erben on alles geverde. Ouch sullen und wollen wir und unser erben, ob wir die gewinnen, dehein unredlich oder geverlich schuld uf die herschaft zu Wirtem- herg odir uf ire gut nicht machen oder tun an des egenannten graven Ebirbarts unsers bruders und seiner erben wizzen und 10 willen on alles geverde. Wir globen ouch für uns und unser erben, oh wir die gewinnen, und ouch unser ratgeben und diener, der wir gewaltig sein und die durch unsern willen tun und lazzen wollen und der wir ouch gewaltig werden nuigen, on geverde ein gute Sicherheit, 15 fruntschaft und ein stete sune mit dem egenannten graven Ebir- hart unserm bruder, graven Ulrich seinem snn und iren erben und mit allen iren ratgehen, helffer und diener, wie die genant sein, umb sulche geschieht und umb alle getat, die sie an uns, an landen und an leuten, wie und von was Sachen sich das verlaufen habe 20 und verhandelt, von dyscr geschieht wegen und ouch von ander getat bis uf dysen heutigen tag getan und begangen haben mit reten und mit toten, in welcher mazz das geschehen sey, und wollen ouch und globen by dem eyde, den wir dorubir zu den heiligen gesworn haben, daz wir sulche sache und getat nyinmer 25 geanden noch gerochen wollen noch sullcn mit rat oder mit tat und ouch nymand von unsern wegen für uns, unser erben und alle unser helffer und diener on alles geverde. Es sullen und wollen ouch wir, unser erben, helfer und diener die vesten, stete, diener, burger, oder ander leute der herschaft ze Wirtembcrg von 30 diser getat wegen nicht besweren noch angreiffen und das nymmer gen yn geanden noch reeben heimlich oder offenlich, mit deheinen werken ungeverlicb. Wer ouch das wir uns gen yniand verbunden, vermachet, oder verstricket hetten oder hinder yemand gesworn betten mit uns n5 selber der herschaft von Wirtemberg, iren landen, lüten und guten oder sust ymand globt hetten domit zu warten wider den egenannten graven Ebirharten unsern bruder, sein erben, diener oder herschaft on graven Ebirharts willen und wizzen und ob ouch das verbrivet were oder nicht, das sol alles vor allen Sachen untugelicb, 40 19 uncreftig und genczlich absein on alles geverde usgnomen der lelien und der manschaft, die wir bedesampt mit einander dem kunig- reieh und der erone ze Behem vermachet haben, und den diensten, mit den wir dem egenannten kunigreich und der cron zc Behem 5 verpunden sein cze warten. Ouch sullen wir und unser erben, ob wir die gewinnen, uns hinder yemand oder ze ymand, sie sein herren oder stete, gericht oder lantfrid nicht vermachen noch verkümmern noch deheine inanschafft, verpüntnüzz, geluhde, schritt, oder versprechnüzz tun noch haben mit uns selber, mit landen lü oder mit lüten on willen, wizzcn und rat des egenannteii unsers bruders und seiner erben noch zu deheiner stat burgerrecht, freyung oder versprechnüzz globen oder tun on alles geverde. Teten wir es abir dorubir, so sol es kein craft und macht haben unschedlich dem kungreich und der cronen zu Behem an leben, manscheften 15 und dingten, der wir yn pflichtig sein. Wir sullen ouch von unsern nuczen und guten gleich halbe kost geben und tragen an bawen cze tun, es sey an vesten oder an steten, do des not ist ungeverlich, die wir mit unserm bruder gemein haben, und sullen ouch und wollen demselben unserm 20 bruder des gestaten und helfen. Es sol graf Ebirhart unser bruder in den steten, die er zevor US innc hat, das ungelt gancz innemen, beide sein und unsern teil, die dorinne gevallen, und dieselben mit bawe wenden an diselben stete on alles geverde. Wer ouch daz er nicht hawet, so sol er uns unsern teil an dem ungelt genz- 25 liehen volgen lazzen ungeverlich. Dasselbe sullen wir ouch tun ze Marpach mit dem ungelt, das do gevellet ungeverlich. Wer ouch daz die herschaft von Wirtembcrg kriege bette oder haben müste von des landes oder der diener wegen oder sust vesten oder stete von veintschaft wegen besorget und behütet 80 werden lnusten und man dorumb mit dienern, kost und gab haben und tun muste oder in botschaft ze unserm herren dem keyser zereiten oder ze senden oder anderswo hinwar, daz wer mit luczel oder mit vil, daz die herschaft ze Wirtemberg anrüret, und dem ande oder den diener not were czerung und gab tun muste, das o sullen wir von unsern nuczen und guten alles gleich halbes geben Und beczalen on alles geverde. Wir sullen und wollen ouch alle schult halbe geldeu, bezalen und richten von unsern nüczeii und guten, die man den dynern von gemeines krieges wegen richten sol von der herfart wegen, die unser herre der keyser von wegen 40 des heiligen reichs uf uns getan hat. 20 Wer mich daz man der herschaft ze Wirtemberg bürge, stete, land und lüte, nücz und gerieb te oder gut kauften, verpfenden oder losen wolde mit unser beider willen, daz der herschaft nuez und gut werc, daz sullen wir ouch von unsern nuezen und habe gleich halb beczalen. 5 Wir sullen ouch und unser erben dem egenannten unserni bruder graven Ebirhart, graven Ulrich seinem sun und iren erben beigesten und geholfen sein wider allirmenielich umb allir der herschaft bruche und gebrechen und nimmer wider sie oder die herschaft von Wirtemberg gekrigen noch gesein und des nymand 10 ! helfen noch zulegen und ouch nymand dornt Sterken mit geben noch mit leihen on alles geverde, usgenommen unserm herren dem keyser und der vermachung, die wir ze im von wegen des reich s und ouch sust der cronen ze Hellem getan haben. Wer ouch sache daz die herschaft ichtes anginge oder man 15 die diener ze iren nöten versprechen solte und dorumb gäbe tun müste, wenn daz wer, die sullen wir von unsern nüczen gleich halb richten. Wir sullen ouch graven Ebirhart unserm bruder, graven Ulrich seinem sun und iren erben von den zweien vesten, die wir 20 vorus innehaben, alle nueze und gct'ellc, die dorezu gehorn, gleich halb gcvallen lazzen und geben und sullen ouch dieselben czwu vesten mit burghut und mit andern Sachen selber besorgen und behüten on unsers bruder, seines sunes und ir erben schaden an geverde. Wir sullen ouch dieselben vesten, beide stat und bürg, 25 nymand eingeben noch cinseezen, vcrkouf'cn, verkümmern noch verpfenden noch nymand doruf enthalden unserm egenannten bruder, seinem süne, und ir erben und der herschaft ze schaden ungeverlich noch die in deheinen weg von der herschaft entpfrcin- den on besunder unsers bruder und seiner erben willen und wizzen 30 mit sulcher bescheidenheit, wer das sache, daz wir graf Ulrich stürben und abgingen on eliche leibesmannes erben, so sullen denn diselben zwü vesten mit sampt der herschaft und andern guten uf den egenannten unsern bruder und sein erben erben und gefallen on alles hindernüzz. Wir sullen uns ouch yeezund noch hernach mit 35 den zweyn vesten gen nymand noch ze nymand verpinden, vermannen, verschreiben noch verstricken klein oder grozz ungeverlich; geschehe es aber, so sol es weder craft noch macht haben. Ouch sollen wir mit acht vesten, die graf Ebirhart unser bruder vorus hat, nicht zetun haben noch zeschaffen klein noch grozz und 40 21 sol oucli er und sein erben dieselben vesten mit burghut und mit andern Sachen behüten und besorgen on unsern schaden ungever- lich. Wer ouch das wir mit haus in eine veste oder in ein stat, welche die wer, die wir und unser bruder miteinander gemein 5 haben, sizen wolten, das mochten wir wol tun, doch unserm bruder und seinen erben unschedlich an irem teil der nüczen und velle doselbest ungeverlich. Wer oucli saclie, daz wir eliche leibes mannes erben gewunnen, so sullen die vesten und stete, die wir vorus innehaben und die 10 ouch graf Ebirhart unser bruder zuvor us innehat, uns beider- seiten und unsern erben gleich offen und gemein sein als ander unser stete und vesten on alles geverde. Wer abir das wir einen eliehen erben weibes gesiechte gewunnen und on andern eliche leibes mannes erben abgingen, der tochter sol man geben zu einem 15 manne czwenczig tausend pfunt hallir. AVer ouch das graf Ebirhart unser bruder odir graf Ulrich sein sun on euch leibes mannes erben abgingen und ir yglicher oder ir einer ein tochter liezzen, so sol man ouch ir yglichem einer tochter czwenczig tusent pfunt hallir geben und sie domit ze manne geben und bestaten. 20 Es ist oucli beredet, daz wir und graf Ebirhard unser bruder mit einander czwen gemein amptmann scczen sulln, die die herschaft von Wirtcmberg und daz lant beide diener und arme lüte verantworten und verteidingen nach ir notdurft. Wer abir daz wir uns der czweyer nicht vereinen mochten, so sullen wir uns 25 eins gemeinen mannes vereinen und übireinkomen und sullen wir und unser bruder unser yetweder von seinem teil einen ze dem geben und die drey oder der nierer tail us den dreyn sullen uf ii' gesworn eide czwen erber man uns geben und benennen us czwelfen, die wir und unser bruder dorczu benennen und biten, und die czwen manne, die sie uns geben, die sullen die herschafft zu Wirtemberg, land und lcute verteidingen und versprechen, als vorgeschriben stet, uf ein zil als wir und unser bruder des übirein komen mit sulcher bescheidenheit, das ouch unser yetweder, beide wir und unser bruder mügcn die herschaft von Wirtemberg, leute, üiener und lande, beide arme und reiche selber verteidingen und versprechen zu tagen und ze teidingen, wann und als oft wir wollen, die czwen unser amptman sint dobey oder nicht ungeverlich. Wer ouch daz die czwen man, die uns die drey oder der merer teil dar geben und benennen, das ampt nicht an sich nemen wolten oder tun, so sullen sie uns andrer czwen man geben 22 und sullcn das tun als oft und als vil, bis sie uns czwen vinden und benennen, die daz tun ungeverlich. Wir sullen oueb die czwen aniptmann gleich verleben und verkosten, als wir des denne mit yn ubircinkomeu ungeverlich. Es ist oueb beredet unib die leben ze verleiben, was ver- 5 fallen leben das sint, es sein kireben, pfrunde oder sust leyen- leben, soll der egenannt graf Ebirbart das erste leben leiben wein er wil, wer abir daz das leben ein kirebe were, so sol er der vorgenannt unser bruder die andern kirebe, die dornaeb ledig wirdet, nacb seinem willen nicht leihen, dann für wen wir schreiben und 10 biten ungeverlich; wer oueb daz ein pfrunde oder ein altar lcdig wurden, so soll der egenannt graf Ebirbart unser bruder das erste abir, das ledig wirt, leihen wem er wil und das andern leiben, für wen wir schreiben und biten. Es sol also besten zwischen uns unib alle verfallen leben mit der undersebeid, das ye ein 15 kirebe gelieben werde gen einer kirchen und ein altar gen einem altar, ein pfrunde gen einer pfrunde ungeverlich. Es sol oueb graf Ebirbart unser bruder der vorgenannt ander mannlcben leihen von der haut, als oft als des not geschieht, also daz die, die sulche leben empfahen, sweren der herschaft undertenig zu sein und uns 20 und unserm bruder und unsern erben getrew zc sein und gewar on argelist ungeverlich. Es ist ouch beredet, daz die diener in der herschaft zu Wir- temberg, sie alle und ir yeglicher besundern dienen mügen uns oder unserm bruder, welchem sie wollen, on des andern czorn un- 25 geverlich. Es sullen oueb alle die, die do gesworn hahen in der herschaft zu Wirtcniberg, ledig sein und uns und unserm bruder und allen unsern erben anderweit sweren und hulden usgcnonimen sulchen bürgen und steten, die unser bruder und ouch wir unser yglicber besunder vor us genomen hat und haben sol, ungeverlich. 30 Es ist ouch beredet und geleidinget, wann wir und unser bruder graf Ebirbart uns mit einandern unserm gnedigen herren keyser Karl als einem kunig von Beheim ze manschaft verschriben haben mit sechs vesten und mit fumfezig mannen mit helmen ze dinste, des sullen wir und unser yglicber besunder seiner manschaft 35 wartende sein und unsern dinst bestellen yeglicher ze seinem halben teil, das er domit gereit sey, wenn er des erinanet wirdet, nach laute der brive, die wir beide dorubir geben haben ungeverlich. Wer ouch daz unser einer abginge, also daz er elicb leibes mannes erben hinder yni nicht liezze, so sol der ander, der nach ym die iO 23 herschaft besiezet, mit seinen erben der manschafft und des dinstes pflichtig sein; liezzen wir abir beider Seiten erben, die sullen alles des pflichtig seyn, daz wir einem kunige von Behem vermachet und verschriben haben ungeverlich. 5 Ouch ist beredet und geteidingt, daz wir der obgenannt graf Ulrieb den allerdurcbleuchtigsten forsten unsern gnedigen herren herren Karin romischen keyser demiiticlich biten sullen und haben ouch gebeten und biten yn, das er alle richtung stück und artikel, als wir die dem egenannten unserm bruder graf Ebirhart und seinen 10 erben verbrivet haben und verschriben, von besundern gnaden und keyserlichcr macht bestetigen und versebreiben wolle und geruelie mit seinen besundern keyserlichen briven, also daz die ewielich stete bleiben, crai't haben und macht und ouch daz es von seinem besundern willen und gunst geschehen sey und volgangen, mit 15 sulcher meyming, wer ob wir der vorgenannt graf Ulrich, unser erben, ob wir die gewinnen, oder sust yemand von unsern wegen dise richtung und brive, alle mit einander oder ir ein teil, an welchem artikel das were, als hievor beschriben stet, übirfüre oder ubirfaren wolte, des got nicht verhenge, wann und als offt daz 20 geschehe oder geschehen were, daz wir die also ubirfaren betten, so sol und mag der vorgenannt unser bruder uns dorumb ze rede setzen und sullen denne ym das dornach ufrichten indweudig dem neliesten manden ungeverlich. Teten wir des nicht oder verantworten wir uns des gen ym nicht, so mocht der vorgenannt unser 25 bruder das clagen dein obgenannten unserm herren dem keyser und uns des vor ym und dem heiligen reich ze rede seezen, der inaynet denn und wil ouch von seinen gnaden, dornach unserm bruder und seinen erben, die also ubirfaren weren, dowider und dorezu geholfen sein ungeverlich. Ouch globen wir der obgenannt graf Ulrich in guten trewen °n geverde und by dem eide, den wir doruber zu den heiligen gesworen haben für uns und unsern erben, ob wir die gewinnen, tlaz wir alle die obgeschriben richtung, teidinge, stucke, punet und «utikel und ir yglichs besunder in allir der mazz, als sie in dysem begriffen und geschriben sten, gancz, stete und unverrüket mlden nnd volfuren wollen und sullen und wollen ouch dowider nynsmer in deheinen zeiten mit deheinen Sachen tun oder körnen heimlich oder offenlich on alles geverde. Und die zwu vesten, die wir graf Ulrich zevor behalten haben, 40 die heizzen also Wirtembcrg die bürg und Marppach die stat und 24 unsers bruder graven Ebirhart acht vesten heizzen also Urach bürg und stat für ein slozz, Nyfen bürg und stat, Eychelberg die bürg, Stukarten, Vehingen, Tuwingen und Schorndorf und das sullen wir und unser bruder halden in allir der mazz, als vorbegriffen ist. Des liaben wir gebeten die nacbgescliriben forsten und lierren, 5 das sie zu geczeuknüzz ire ingesigel liengen wollen an dysen brief. Und wir Johans von gotes gnaden biscbof zu dem Leuthmuschel, unsers herren des keysers canczler, Gerhart bischof ze Speyr und Paul biscbof ze Freysingen, Rydacker herzog von Brunswig, Burghart burggraf ze Meidburg, unsers egenannten herren des keysers 10 hofmeister, und Rudolf lantkomentewer ze Behein deutseben ordens, bekennen ouch offenlich an disem brief, daz wir durch sunderlich bete und fruntschaft des obgenannten berren graven Ulrich von Wirtembcrg by dysen teidingen gewesen sein in allir der mazz, als sie dovor begriffen sint, und haben ouch dorumb unsern in- 15 gesigel ze gezeuknuzz an dysen brief gebangen mit urkund diz brives, der mit unser allir ingesigel ist vcrsigelt, der geben ist ze Nuremberg nach Cristus geburt dreuezenhundert jar, dornach in dem ein un sechezigsten jar des nehesten freitags nach sant Andres tag. 20 Graf Ulrich hatte von seinem Bruder, Graf Eberhard dem Greiner, die Teilung des Landes verlangt, worauf dieser dessen Räte gefangen setzte. Der vorliegende Vertrag kam durch die Vermittlung Kaiser Karls IV. zustande, der sich dafür belohnen liess. 10. Kaiserliche Erlaubnis, das Dorf Laichingen zur 25 Stadt zu erheben. 1364 August 28. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. Abdruck: Sattler I, Beil. 132. Wir Karl von gots gnaden romischer keiser zu allen czeiten merer des reichs und kunig zu Beheim bekennen und tun kunt 30 offenlich mit diesem brieff allen den, die yn sehen oder hören lesen, daz für unser keiserlich wirdikeit koinen sint die edlen Eberhart und Ulrich gebruder grafen zu Wirtemberg unser und des reichs lieben getrewen und haben uns fleizzicleicben gebeten, daz wir in und iren erben von volkomenheit keiserlicher mecht erleuben und 35 gunnen wollen, daz sie uz dem dorfe ze Leichingen eine gemawerte stat machen und daz sie galgen und stock und allez hochgerichte, auch daz daz blut und leib und gut antritt, und einen wochenmarkt do haben mugen. Dez haben wir angesehen gantze stete trewe 25 der egenanten bruder, die sie alleczeit uns und dem heiligen reich beweiset haben und ouch soliclie nutzliche dienste, als sie uns und demselben reich merklichen gedienet haben stetcclichen und nützlicher dienen sullen und mugen in künftigen czeiten, und haben B dorumb mit wolbedachtem mute, mit rechter wizzen und von keiser- licher macht den egenanten brüdern, iren erben und naehkomen, grafen zu Wirtemberg gnediclichen erleubet und erleuben in mit craft diez bricfs, daz sie daz vorgenant dorfe zu Leichingen mit mauren, türmen, porten, erkern, graben und anders wie sie wollen 10 vesten und bewaren und zu einer stat machen mugen, und wollen, daz sie doselbist ewielichen stock und galgen und alle hohgeriehte und mit nanien über daz blut, und daz leib und gut antriffet, und ouch einen wochenlichen markt, den sie seezen werden, da haben sullen und mugen zu irem willen. Auch wollen wir daz die ege- 15 nante stat zu Leichingen und die burger, die dorinne wonen oder wonen werden, haben sullen alle die freiheit, recht und gnade und auch gebruchunge aller guter gevvonheit, die do hat die stat zu Stukgarten, mit beheltnuzz aller recht unser und des reichs stete und ieder mannes in allen den egenanten Sachen. 20 Mit urkund diez briefs versigelt mit unser keiserlichen maie- stat insigel, der geben ist zu Prag nach Cristus gehurt dreuezen- hundert jar darnach in dem vier und sechezigistem jar an sand Augustinus tag, unserer reiche in dem neunezenden und des keiser- tums in dem czenden jare. Per dominum imperatorem 0 Johannes Eystetensis. iL Kaiserlicher Freiheitsbrief für Graf Eberhard den Greiner, eigene Meiler zu schlagen. 1374 Januar 17. Nach ,l em Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck: IL Günter, das Münzwesen in der Grafschaft Württemberg S. 49. Wir Karl von gotes gnaden romischer keiser, zu allen zeiten merer des reichs und kunig zu Beheim, bekennen und tun kunt ottenlicli mit diesem brieve allen den, die yn sehent oder horent lesen, das wir angesehen haben stete getrewe nuze dienste, die • uns und dem heiligen reiche der edel Eberhart grave zu AVirtem- berg, unser lieher getrewer, offte und dicke getan hat, teglich tut "nd noch tun sol und mag in künftigen zeiten, und auch durch sunderliche Zuversicht und trewe, die wir an ym erfunden haben, 26 und darumb haben wir yrn mit wolbcdachtem mute, rate unser fursten, graven, freyen, edeln und getrewen mit rechter wissen als ein romischer keiser gnediclich erlewbet und genad getan, erlewl)en ym ouch und tun die genad mit diesem brieve, das er, dieweil wir das nicht widerruffen, sulle und müge an Widerrede und liinder- 5 nüsse allermeniclichs ein gut, genge, gebe und gewer hallermüntzc, doch under seinem gepreg und tzeichen, slahen, der zwenzig Schilling oder ein pfund hallcr an rechtem gewichte und werde für einen guten cleyncn sweren guidein geen sullen noch saldier werung, als das land und lewten gemeiniclich nuz und gut sey. 10 Dorumb gebieten wir allen fursten, geislichen und werntliehen, graven, freyen, herren, rittern, knechten, lantfogten, amptlutcn, burgermeistern, reten und gemeinden der stete und allen andern unsern und des reichs getrewen, die nu sein oder in zeiten werden, das sie den egenanten von Wirtemberg an der egenanten hallermüntze 15 nicht hindern oder yrren und, als offte sich gepuret, sich domit bezalen lassen und die nemen, doch ase verre als sie genge und gebe sein und derselben haller zwenzig Schilling oder ir eyn pfund wol wert sein eyncs guten cleynen guidein, als lieb yn sey unser und des reichs swere ungenade zu vermeiden. 20 Mit urkunt diz brieves, versigelt mit unser keiserlichen maie- stat ingesiegel, der geben ist zu Präge nach Cristus geburte dreytzcn- hundert jar darnach in dem vierundsibenzigsten jare an sante Anthonius tage, unser reiebe in dem achtundzwenzigsten und des keisertums in dem newnzenden jaren. 25 Per dominum archiepiscopum Pragensem Conradus de Gysenheim. Am !). Oktober desselben Jahres wurde das Recht auf 10 Jahre ausgedehnt. 1396 trat Württemberg einem grösseren Münzverein bei. 12. Bündnis der schwäbischen Keichsstädte. 30 1377 Dezember 20. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchive zu Stuttgart. — Abdruck: Forschungen zur deutschen Geschichte 2, 188. Wir dis nachgeschribnen des hailigen römischen riches stete Ulme, Costentz, Ezzelingen, Ruflingen, Rotwile, Wile, Überlingen, 35 Memmingen ; Bybrach, Ravenspurg, Lyndow, Sant Gallen, Kemptun, Koufburren, Liutkirch, Isny, Wangen, Büchorn, Gemund, Halle, Hailbrunnen, Nördlingcn, Dynkelspuhel, Pophingen, Wymphen. 27 Winsperg und Aulun bekennen alle offenlich und ainmüteklich mit disem briefe und tilgen kunt allen den die in ansehent oder hörent lesen: Wan rehter fürsatze gütlicher wishait damit' gcnaigt und oeh naturlichiu gescliribniu reht wisent und gebietent, daz alle lüt 5 gebunden sint gemaynen nutze und fride ze fürdrent tmd den schaden dez gemainen giitz ze wendent, daran baben wir gedaht und baben ocb denne für uns gesetzet, angesehen und betrachtet, wie daz daz baylig riebe und gemains land, Witwen und waisen mit kaiuen Sachen alz wol, als nutzlich und alz tröstlich beliben lo und bestan mugen, alz mit dem, daz frid und gemach gescbepliet und gemachet werde. Wan aber sich nu daz aigenlich wol erfunden hat, daz gemains lande mit dehainen Sachen alz wol geschirmet und daz baylig riebe gesterket und gemeret werden mag, alz mit dem daz wir aynhellig sien und ainander bigestendig und zu fride 15 beholffen und beraten sien, darumbe und von sölicher mänigfaltiger ere und nutze, die in künftigen ziten darus wahsen und gän mag, ^ so haben wir uns alle ainhelliklich und mit guten berätenn fürsetzen, got ze lob, dem hayligen riche ze trost und ze eren, uns selb und gemaynem lande ze fride und och ze gemach, uns selb ainer lieb- 20 licher friuntschafft und gelübde mit guter vorbetrachtunge gesamp- net, verstrikket und überain komen, verbinden und verstrikken uns och der ietzo zesamen mit rehter wissent und krafft ditz briefs bi guten trüwen ainberklich und mit ayden, die wir darumbe alle liplich ze got und zu den tauigen gesworn haben, bynnan bis 25 uff sant Görientag, der nebst kumpt, und dannan hin siben gantziu jar die nehsten nach ainander ze zellent, also und in aller der wise, maynungen und artikeln ze haltent und ze vollfureut an alle geverde alz hie nach begriffen und versebriben stat. Bi dem ersten sien wir überain komen, war daz dehayn 0 herre, ritter oder knecht, gesellschaft oder wer ald wie die genant waren, uns vorgenante stete gemainlich ald ain oder mer besunder, die ietzo bi uns in diser gelübde und buntnüzze sint oder die noch "i'o zfi uns darin träten oder kämen, es wären berren oder stete, m der zit alz diser bunde weren sol, angriffen, bcküinberen, drengen 35 oder beschädigen wölten an unsern rehten, fryhaiten, briefen oder guten ' gewonbaiten, die wir haben von römischen kaysern und einigen, oder es were mit schatzunge, mit versetzent oder umb ander Sachen, wer der were, der uns darumbe also ze besebedigen maynte oder angriffe, nieman usgenomen äne allayn dem hayligen 40 ricne syniu reht ze halten und ze tünd an alle geverde, dez süln 28 wir die obgenanten stete, die ietzo in dem band sint oder die nocli fi'iro zu uns darin kämen, es weren herren oder stete, ainander getrftwlich beholfen und beraten sin, denselben, die also under uns beschädiget sint, ez sien herren oder stete, an alle geverde, als ob es unser selbs sache were und uns allen selber beschechen were. 5 Und war daz kayn vordrung oder mutunge bescheehc von unserni herren dem kaiscr, dem römischen künige oder von iemant andre von iren wegen, darumbe sol sich doch kain stat umb sölich sache versprechen noch verantworten noch kaynen vortail darinne suchen noch uft'nemcn, si berüffe denue vor alle stete gemainlich in diser 10 buntnuzze zesamen und sol die sache nach gemayner stett rat und nach dem merren tail ir erkantnuzze daz verantworten, und sol och bi den aiden dabi beliben. Were aber daz der stette dehaynin die ietzo in diser gclübde sint oder die noch furo darin träten oder kämen, es wären herren 15 oder stete darüber von ieinan angegriffen wurden, so siiln wir andren stete gemainlich den zog und den angriff' wenden an herren und an iren dienern und si'iln alle die, die den schaden getan haut ' oder tun wölten ald die hilfflich darzü gewesen sint, angriffen und beschädigen an Hb und an gut, alz verre unser vernuigent geraichet, 20 an alle geverde. Und war daz dchayner der selben herren diener, die den angriff' täten, stille sitzen wölten, den sol man dennocht angriffen und beschädigen, es were denne daz derselbe swereu und brief über sich selb geben wölte, daz er in vier gantzen jaren den liebsten nach ainander wider uns noch unsern bunde niht sin wölt 25 noch uns beschädigen wölte. Were och daz dehain stat, ain oder mer, die ietzo in diser gelubde sint oder noch furo darin kämen, es wären herren oder stete, von iemant angegriffen wurde, wer die wärent und die den andren steten niht kündig wärent, wenne denne dieselben bescha- 30 digeten herren oder stete uns andren steten den oder die verkün- deut, die den schaden getan haut oder die hilfflich darzfl gewesen sint, den oder die süln denne aber dieselben stete under uns, den es also verküntt wird, angriffen und beschädigen an in selbe und och an ir lüt und gutern ungevarlich und als ob in der schade 35 selber beschechen war. Und war daz dahein herre, rittet oder kneht dero dehainen husety oder hofety oder kost gebe, die uns beschadigoten oder daz erweren wölte, daz man den steten kost züfurte, den suln wir stete och angriffen und beschädigen, als vorgeschriben stat. 40 29 War ouch daz dehain stat unsers bundes, die ietzo därinne, sint oder noch furo zu uns darin kamen, es waren herren oder stete, von der vorgenanten artikel wegen angegriffen würden, weren denne der oder die, die den angriff getan beten, derselben an- 5 gegriffnen stat gesezzen, und wölte denne dieselben stete oder stat dieselben oeb darumbe angriffen und didite sy, das es ir ze stark were, dieselben möhten denne wol die liebsten stete zu in nianen, besenden und raffen, daz sy in darzü bebolffen weren alz itiänig daz in darzü notdürfftig weren. Werent aber die, die den 10 schaden getan betten, ainer andren stat bas gesezzen, so mag diu angegriffen stat denselben steten ocli gebieten, daz si die darumbe angriffen. War es aber den ze stark, die möhtent aber den liebsten steten zu in raffen und gebieten, nutz daz diu sache erobert würde and der schade würde abgeleit. 15 War ouch daz dehain stat, die ietzo bi uns in unserm bunde i^t oder die noch furo zu uns darin kam, also angegriffen und mit geliger besezzen würde, diu sol und mag die nettsten drye stete manen und gebieten, daz si ir unverzogenlich ze helff konien mit ir lüten, mit zing, mit kost und mit andren Sachen ungevarlich, 20 damit si ir stat besorgen und geretten niugen, und war daz si dez furbaz notdürftig würden, so mügen si di andren stete och die liebsten in ayner billicby zu in manen in derselben wise und waz kost denne daruff gieng, die kost sttln wir die stete ge'mainlioh liden und tragen ieglichiu stat nach anzal ir gcwonlichcr stiure -o und sol och die kost ieglichiu stat in zwayn manoden bezaln nach dem zyte, so die stette gemainlich angeleit haut. Welhiu stat och kost 'larhhi, diu mag die andren stete alle darumbe manen uff ainen rag und sond da die stete die kostan anlegen nach irem besten 'in alle geverde. War och daz ieman, ez weren herren, stete, ritter oder knehte, oegertent in dise gelübde und friuntschaft ze komen, der oder die mugent daz bringen an weih stat si went unsers bundes, und danket denne dieselben stat, daz die stete darumbe ze manent sien, az mag s j wo ] t ün un( j wez s i cn denne die stete da gemainlich ocier mit dem merren taile erkanten, wie der in ze nement were, da bi sol es beliben. War oeb daz ieman uns vorgenante stete ain oder mer, die ietzo bi uns in unserm bunde sint oder noch furo zu uns darin kamen, wölt felien oder vigentschaft antragen umb sölich angriffe, 40 die im von uns in diser gelübde und friuntschafft besebechen oder 30 widerfaren wären, denselben steten oder stat, ir war ain oder nier, söln wir die andern stete alle bi guten triiwen und bi unsern aiden darumbe beraten und beholffen sin nach dem zit, so disiu geli'ibde ain ende hat, untz daz diu sache gentzlich erobert und usgetragen wirt, an alle geverde, und hant och dieselben stete, die also be- 5 schadiget weren oder wurden, vollen gwalt, uns darumbe ze manent und zu ze sprechent alz vorgeschriben stat. Wir sien och mit rehtem namen dez i'iberain komen, ob daz war, daz dehayn stat ain oder mer die ietzo bi uns sint oder noch fi'irbaz zu uns kämen, mit ainer andren steten oder stat unsers 10 bundes iht bräche, stozze oder misshelung heten oder gewünnen, umb waz sache daz war, daz da entwedre stat selb darzii nichtz tun, angriffen noch di andren stete oder stat darumbe beschedigen noch ufheben sol, alle die wile und diser unser bunde weret. Und dieselben stete oder stat, die sölich stözze mit einander heten, suln tr> daz bringen für gcniain stete und den baidenthalbc ir klag, red und Widerrede fi'irlegen und erzellen, und wez die stete gemainlicli oder ir der merre taile sich denne darumbe erkennent ald wie si daz entschaiden und usrichtent, es si mit minne oder mit dem rehten, oder wes ald wahin si die wisent, dez süln baid taile ge- 20 folgig sin und söln och bi dem aide dabi belibcn an alle geverde. Wir haben och disen unsern bunde also geordent und uns daruff also zesamen versprochen, wer daz wir kain stukke oder artikel darinne bessren wölten, daz wir dez volle mäht und gwalt luiben siiln und och wol getftn mugen, ob sich dez oder wie sich 25 dez die stete oder ir der merr tail erkennent und ze rat werdent, doch sol disiu unsriu geli'ibde und friuntschafft die obgenante zit und jare beliben und daz wir kain stukke niht mindren si'iln, es bescheche denne mit unser vorgenanten stete gutem ainbern willen. Es suln ocli umb alle vorgeschribne stükk und artikel alle 80 manunge beschechen gen Bibrach in die stat, es were denne daz wir stete oder unser der merr tail ainer andren gelegner stat ze raut wurden, dabi soll es denne aber beliben. Es sulp och die von Ulme, von Costentz und von Ezzclingen ieglichiu stat zwen von iren raten zu dem spruche setzen und der andren stette ieglichiu 3jS ainen. Und wenne wir och zesamen gemant werden, were denne daz kain stat daran süinig wäre und niht kam alz si gemant were, der git ieglichiu stat zwaintzig guldin an der gemainen stett kostan, usgenomen allayn der von Saut Gallen, von Isnyn, von Wangen, von Liutkirch, von Koufburren, von Buchom, von Winphen, 40 31 von Winsperg, von Pophingen und von Aulun, der iegliehiu stat git zechen guldin, und sol och sich dez kayn stat nicht sperren noch widren, es war denne daz sich ain stat mit ayden davon genemen möhte, daz si ehafft not geirret het. 5 Were och, dcz wir zft got nit getruwen, daz kain stat in diser gclübde sicli daran übersehe und nilit hielte noch vollflirte' die artikel, die vorgeschriben sint ungevarlich, würde diu dez überwunden mit dem rehten mit erkanntnüzze dez merren tails der stete, diu sölte denne geben ze penne von hundert phunt hallern 10 zway hundert phunt guter haller, nach anzal ir gewonlicher stiure, aber an gemain kostan der stette, ez were denne daz si sich mit aiden davon genemen möhten, alz vorgeschriben stat, daz si ehaft not geirret het. Und sol och diu vorgeschriben unser buntnüzze und gelübde 15 in aller der wise alz vorgeschriben stat weren, krafft haben und stiit beliben an geverde die vorgeschribnen zit und jare, daz ist human bis uff sant Görien tag der nehst krimpt und darnach syben gantziu jar die nehsten nach ainander, alz och daz vorbegriffen ist, es war denne, daz uns ander bünde oder lantfrid ze banden giengent, 20 die uns uff ze nement werent, dez sich die zwen tail oder mer under uns erkanten und dühten uff ze nemen, daz sol also beliben und sol der dritt taile dem merren tail daran gefölgig sin. Und haben och also alle vorgeschribene Sache, stukk, bünde und artikel gelobt bi den vorgeschribnen gesworn ayden stat ze 2o naltent und ze vollfürent luterlich und an alle geverde alz vorgeschriben stat. Und dez allez ze warem offnem Urkunde und daz es stat uelibe, so haben wir die obgeschribnen dez hailigen richs stete alle siben und zwainrzig unserr stett gemainiu aie-niu insigl offen- neuen gehenket an disen briefe, der geben ist an sant Thomans aoeiit dez hayligen zwelffbotten vor wihennehten do man zalt nach S°tz gebürt driuzehenhundert jar und darnach in dem syben und sybentzigosten jare. o_ _ -Dieser Bund war namentlich gegen Graf Eberhard den Greiner von V urttemberg gericlitet und brachte den Reichsstädten eine grosse Überlegenheit, s dur °h die Schlacht bei Döffingen (23. August 1388) wieder eine Wendung zugunsten der Fürsten eintrat. 32 13. Ehevertrag zwischen Graf Eberhard d. J. von Württemberg und Gräfin Henriette von Mömpelgard. 1397 November 13. Nach dem Original im Kgl. Hausarchiv zu Stuttgart. Nos Eberhardus comes de Wirtemberg nostro nomine et Eber- 5 hardi filii nostri carissimi naturalis et legitimi, pro quo nos fortein facimus, ex parte una et nos Henricus comes de Ruppe') dominus de Vilariosaxel legalis administrator ordinatus per bone mcmorie nobilem et potentem virum dominum Stephanum comitem Montis Beligardi et dominum Montis Falconis in regimine et administratione 10 nobilium et potentum domicellarum Henriete, Margarete, Johanne et Agnetis filiarum legitimarum et näturalium nobilis et potentis viri domini Ilenrici de Monte Beligardo domini de Orba, filii dicti quondam comitis Montis Beligardi ex parte altera notum facimus universis, quod nos nominibus quihus supra in traetatu matrimonii 15 solempnizandi inter Eberhardum filium nostri dicti comitis de Wirtemberg et Henrietam de Monte Beligardo predietam primogenitam feeimus, inivimus faeimusque et inimus per presentes pacciones, convenciones, ordinaciones et constituciones, que seeuntur, videlicet quod idem Eberhardus filius nostri comitis de Wirtemberg et Hcn- 20 rieta de Monte Beligardo filia dicti domini de Orba predieta primo- genita seeundum deum et sacras saneciones adinvicem legali rnatri- monio copulabuntur, dum ad matrimonii congruum tempus advenient. Item quod dieta Henrieta pro dote seu maritagio suo ac pro omni porcione, parte, partagio et divisione sibi competentibus in omnibus 25 et singulis terris et hereditagiis ac bonis mobilibus quibuseunque sibi provenientibus et debitis tarn ex parte dicti comitis avi sui, ex parte dicti domini Ilenrici domini de Orba patris sui, quam ex parte bone memorie domine Marie de Castillione, alias de Fere, matris sue, habet et habere debet terras, hereditagia, possessiones 30 et bona que seeuntur, videlicet Montem Beligardum 2 ), comitatum ipsius loci neenon et dominatum, villam, opidum, castellaniam, feoda, retrofeoda cum suis pertineneiis et appendieiis universis, villam et opidum de Pomramtruy, castellaniam et suas appendicias universas et singulas, villam, opidum et castellaniam de Grangiis 35 ') Übersetzung von de la Koche. r ) Die Besitzungen sind Mömpelgard, Pruntrut, oranges, Btobon, Saulnot, Clerval, Passavant. — Villa bedeutet hier die Stadt, wie denn die Urkunde auch sonst französische Wendungen enthält (opidum ist befestigter Ort). 33 cum feodis et retrofeodis ac ceteris pertinenciis dicti loci de Grangiis, opidum et castellaniani d'Estobon cum suis pertinenciis et appcn- diciis, villani et opidum de Salneto cum salneria eiusdem loci suis oneribus onerata, villani et castrum de Claravalle supra Dubium, 5 castellaniain eiusdem cum suis pertinenciis et villam et opidum de Passavant cum castellania eiusdem ac feodis et retrofeodis, iuribus, possessionibus et proprietatibus universis et singulis dictorum loco- rum et quitquid iuris, dominacionis, possessionis et redituum dictns dominus comes Montis Beligardi tempore, quo vivebat, habebat, 1,1 possidebat et tenebat seu habere, tenere et possidere debebat in dictis locis et appendenciis eorundem, illis modo et forma, quibus idem comes Montis Beligardi possidebat et habebat tempore vite sue. Item habet et habere debet dieta Henrieta pro parte, partagio et divisione bonorum mobilium dicti domini comitis Montis Beligardi, ] o domini de Orba, patris sui, et prefate domine Marie, matris sue, partem et procionem sibi Henriete legatam et atributam per dictum quondain comitem Montis Beligardi in testamento seu extrema volnntate ipsius comitis scriptis et ordinatis. Ita tarnen quod dieta mobilia rite coniputata, numerata et existimata tenebimur nos comes -0 de Wirtemberg prefatus nomine quo supra fideliter assignare, asse- dere et in apparenti ac evidenti assignationc poncre super bona, i'edditus, loca, possessiones et emolumenta nostra propinquiora ac confiniora dicti comitatus Montis Beligardi eo modo et securiori forma, quibus melius, tucius ac rectius poterit fieri sine fraude et 0 dolo. Et priusquam dieta bona mobilia existimata ut superius dictum est reeipiamns nos vel dictus Eberhardus filius noster pre- 'betus, videlicet et expresse super villam, opidum, redditus, iura, exitus et emolumenta quecumque ville et opidi in Ricliwilr prope ^ohustam Petram : ) Basiliensis diocesis et super dominationem, castellaniam et appendentias eiusdem liberas et inmunes ab omni a| ia obligacione et ypotheca, et si que sint obligaciones seu onera 111 dicto Ricliwilr apposita, promittimus paeiflicare. In casu vero quod dieta villa cum appendenciis suis minus sufficeret ad assigna- tionem dictorum mobilium ex nunc et in ultra, residuum assigna- • ° nnis super loca nostra propinquiora dicte ville et opidi in Rich- W1 'i', dietam villam et opidum de Ricliwilr cum suis pertinenciis e t appendenciis cum aliis nostris locis propinquioribus ad hec ex- presse ex nunc prout ex tunc obligando et ypothecando, nee debent ') Reiohenweier bei Büsten) im Elsass. Württ. Gescliichtsquellen XI. 8 34 existimari vcl computari mobilia in villis et fortaliciis existentia preterquam illa, que tradentur in auro, argento, iocalibus, lapidibus preciosis et vasallis auri et argenti. Item nos comes de Wirtemberg prefatus nomine quo supra faeimus, constituimus et coneedi- mus per presentes dicte Henriete uxori future dieti Eberhardi filii B nostri nomine dotalicii seu donacionis propter nuptias seu coritcm- plaeione nuptiavum ter millc florenos auri lioni t'ortisque ponderis annui redditus in casu quo dotalicium seu donacio propter nuptias locum habebit, videlicet ipso matrimonio solempnizato. Quam summam triurn mille florenorum, ut premituntur, nos eidem Heu- 10 riete nomine quo supra assignamus, assedimus et in apparenti assignacione ponimus ex nunc prout ex tunc supra villam, castrum et opidum de Tuwingen diocesis Constancicnsis, supra villam, ea- stcllaniani et pertinencias universas cum feodis et retrofcodis, villis, villagiis et aliis quilmseunque. Quam quidem villam, castrum, opi- 16 dum et eastcllaniam ipsius loci debemus et tenemur nos comes de Wirtemberg predictus facere in valore dictorum ter mille florenorum annui redditus pro dieta Henrieta in casu, in quo dictum dotalicium locum haberet. Et in casu in quo non valeret dictos ter mille florenos redditus, debemus et tenemur complere et deffectum 20 perficere in locis dominii nostri propinquioribus dicto loco de Tuwingen nee debet conputari in assignacione castrum, fortalicium vel situacio predicti loci de Tuwingen. Item quod et matrimonio facto et solempnizato inter prefatos Eberbarduni et Hcnrictam, priusquam nos comes de Wirtemberg prefatus nomine quo supra 25 reeipiamus, habeamus seu reeipere et habere debeamus dominium, possessionem et proprietatem dictorum locorum cum suis appen- dieiis speetaneium seu speetare debencium dicte Henriete, ut prescripta sunt, tenebimur dicte Henriete et suis heredibus in casu, quod ipsa Henrieta ab humanis, quod absit, decederet 30 sine heredibus legitimis et naturalibus de suo corpore proereatis, nos obligare et dare securitatem sufficientem, prout videbitur expe- diens dicto comiti de Ruppe, nee non dare, ponere et in manu mittcre bonos condignos et legales fideiussores et hostagia cum ypothcca de retradendo, reddendo, restituendo et resarciendo ipsi 35 Henriete in casu, quo dictus Eberhardus filius noster, quod absit, decederet sine heredibus legitimis et naturalibus proereatis in dieta, Henrieta uxore sua futura, seu post obitum ipsius Henriete heredibus legitimis, veris et propriis, videlicet sororibus suis vel carum heredibus, quibus dictus quondam comes Montis Biligardi ordinavit 40 35 tarn in suo testamento quam alibi in contractibus matrimonii aliarum filiarum, sororum dicte Henriete, dolo et fraude in boc penitus seclusis et remotis dictas villas, opida, castra, castellanias, terras et loea de Monte Beligardo, de Pomraintruy, de Grangiis, d'Estobon, 5 de Salneto, de Claravalle supra Dubiuni et de Passavant cum feodis, retrofeodis, possessionibus, appendiciis et pertinenciis ipsorum locorum, villarum et opidorum libere rcddere, restituere et resarcire sine fraude et dolo et in statu in quo nobis tradentur. Item pro- mittimus nos dictus comes de Wirtemberg nomine quo supra, quod 10 dictas villas, opida, castra, castellanias et appendencias dicte Henriete pro dote maritagio, parte et divisione ipsius traditas non obligabimus, pcnnutabimus, allienabimus seu impignorabimus quo- vis modo, quin ipsa Henrieta seu heredes supradicti a dicto comite Montis Beligardi ordinati, ut premititur, possint et valeant seu possit 15 et valeat ipsa loca et terras libere reliabere, possidere et teuere, ut premissum est, et in casu predicto. Hec autem omnia et singula premissa nos dicti comites de Wirtemberg et de Kuppe promisimus bona fide sub honore nostri nee non per iuramenta nostra ad saneta dei evangelia corporaliter 20 taeta solempni et legitima stipulacione super boc interieeta adimplere, tenere, rirmiter observarc ac dictum matrimonium futurum quilibet nostrum, in quantum nos tangit, tangere potest et debet, procurare et perquirere solcmpnizandum et perficiendum sine fraude et dolo. Item nos comes de Wirtemberg prenominatus nomine quo supra 25 proinittimus per iuramentum nostrum ad saneta dei evangelia datum testamentum seu extremain voluntatem dicti quondam comitis Montis Beligardi bene et legitime complere tenoremque ciusdem testa- menti firmiter oljservare nee contravenirc seu contravenienti consen- t] re quovis modo et in quantum nos tangit seu tangere potest et 0 clebet nomine quo supra legata et ordinata persolvere et conservare uolo et fraude in boc penitus seclusis et remotis. Item nos comes de Wirtemberg predictus nomine quo supra promittimus per iura- lucntuni nostrum iam datum solvere et paeificare terciam partem (otalicii seu donacionis propter nupeias dati et promissi nobili 3o domine Beatrici de Furstemberg uxori dicti domini de Orba patris e Henriete eciam cum tercia parte vulgariter nuneupata morgen- gab, si sibi Beatrici de iure debeatur. Item nos comites de Wir- emberg et de Ruppe nominibus quibus supra promittimus per iuramenta nostra supra saneta dei evangelia iam taeta et quilibet 40 nostrum prout nos tangit, tangere potest et debet pro nobis 3* 36 et heredibus nostris et casas a nobis habentibus et habituris omnia et singula Supradicta tenere, adimplere et firmiter observare et non contravenire seu eontravcnienti consentire publice et occulte. Et ut omnia et singula premissa robur obtineant perpetue firmitatis, nos dicti comites de Wirtemberg et de Ruppe presentes 5 literas sigillorum nostrorum fecimus appensione muniri. Et insuper nos comes de Wirtemberg prenominatus ad maio- rem securitateni babendam de premissis rogavimus dilectos nostros consiliarios ac nobiles et providos viros Rüdolffum comitem de Sultz, Rüdolffum comitem de Hohcmberg, Wernberum de Rosenveit 10 militem, Burkardum Mftnch et Cfinradum Daebs protbonotarium, quatinus sigilla sua presentibus una cum sigillis nostris apponant. Et nos Rüdolffus comes de Sultz, Rüdolffus comes de Hobemberg, Wernberius de Rosenvclt miles, Burkardus Müncb et Cünradus Dachs prothonotarius predicti ad rogatum dicti domini comitis de 15 Wirtemberg una cum sigillo ipsius et dicti comitis de Ruppe presentibus literis sigilla nostra duximus apponenda in robur et testi- monium premissormn. Et nos comes de Ruppe prefatus rogavimus dilectum fratrem nostrum dominum Gerardum dominum de Cusancia militem ac religiosum et bonestum virum dominum Johannem de 20 Balmeta, priorem de Vergeyo et de Altkich, quatinus sigilla sua una cum sigillo nostro apponant promittantque premissa omnia et singula, prout superius scripta sunt, firmiter adimplere et dictum matrimonium in effectu procurare compleri. Et nos omnes predicti requisiti tarn pro parte dicti comitis 25 de Wirtemberg quam pro parte dicti comitis de Ruppe omnia et singula supradicta par dictos dorninos comites de Wirtemberg et de Ruppe promissa, iurata et acta proniisimus et per presentes promittimus per iuramenta nostra tenere firmiter et implerc dictum- que matrimonium facere et compleri procurare ac sigilla nostra una 30 cum sigillis dictorum comitum in testimonium veritatis presentibus apposuimus. Datum et actum in Monte Beligardo Bisuntinensis diocesis presentibus ibidem nobilibus viris Johanne domino de Varra, Johanne bastardo de Cabilone domino de Monte Trucheto, Guillielmo 35 de Grandi Monte militibus dicte Bisuntinensis diocesis, Syfrido de Zülnhart milite, Cünrado de Gereltzekg domicello, Ülrico de Stfi- gardia preposito in Sindelfingen, Roberto in Parte domino de Mosternel, Theobaldo de Grandivillari domicellis, magistro Guillielmo de Sedeloco in legibus licentiato, Petro de Pino domicello 40 37 et pluribus aliis testibus fidedignis ad hec vocatis specialiter et rogatis tereia decima die niensis Novembris anno domini millesimo trescentcsimo nonagesimo septimo. Durch diese Urkunde ist Mömpelgard mit Zugehör an Württemberg 5 gekommen, von dem es erst durch den Lüneviller Frieden an Frankreich abgetreten wurde. 14. Stuttgarter Erbrechtsbestimmung. 1432 Januar 24. Nach einem Kopialbuoh des 15. Jahrhundert (XIX Bl. 58) im Kgl. Staatsarchive 10 zu Stuttgart. — Abdruck: Sattler II, Beil. 52. Wir Ludwig grave zu Wirtemberg etc. bekennen und tun kunt offembar mit diseni brieff, wann uns unser lieb getruwen der vogt, die richter und burger geineinlicli unser stat zu Stutgarten fürbracht bond, wie sie von unsern vordem seligen begnadet werent 15 worden, wenn sich ir eins kind, er wer ains oder mer, verenderte und zu der heiligen ee griffe one sines vatters oder muter wissen und wider iren willen, das dann dieselben sin vatter und muter oder ir eins, ob eins vor dem andern abgienge, dassclb oder dieselben sine kinder wol enterben möchtent, des sie oucli brieff ge- 20 habt liabent, die sie aber verlorn haben, und haben uns gebetten in solich loblich gut sach und gewonheit zu ernüwern, zu bestetigen und zu kreftigen, also haben wir solich ir bett gütlich erhöret und ernüwern, kreftigen und bestetigen den obgenanten von Stutgarten und iren nachkomen für uns und unsern lieben bruder Ulrichen graven zu Wirtemberg und unser beider erben, wenn das wer, das sich der vorgenanten unser burger und hindersessen zu Stutgarten kinder- eins oder mer, wievil der were, zu der heiligen ee griffe und sich veränderte mit ainem elichen gemächid one sines vatters und muter wissen und wider iren willen oder das sich derselben unser burger und hindersessen kinder eins oder mer gegen vatter und muter oder gegen ir einem verhandelte und verwürekte mit »liehen Sachen, darumb sie von vatter oder muter billich zu enterben werent, das dann desselben oder derselben kind vatter und muter sie beide oder ir eins nach des andern tod dasselb oder die- 5 selben ire kind wol enterben und ir gut, das denselben kinden zugefallen und worden solt sin, an ander end durch gott oder durch ir seien heiles willen oder andern iren kinden oder fründen geben und ordenen mögen, doch das solich geben und ordenen, das vatter 38 und müter oder ir eins, ob eins vor dem andern abgienge, tun würden, nit geschee noch geton werd usserthalb unser lierscliaft und das uns, unserni lieben bruder und unsern erben unsere recht zu den guten behalten sin und das man uns davon tue als dann von denselben guten gcwonlichen und hcrkomcn ist. 5 Und des zu urkund so hon wir unser insigel für uns und den vorgenanten unsern lieben bruder und unser beider erben öffentlich tun hencken an disen brieff, der geben ist zu Nürtingen an sant Pauls aubend als er bekert ward anno domini MCCCC tricesimo seeundo. 10 15. Landesteilung zwischen den Grafen Ludwig und Ulrich. 1442 Januar 25. Nach dem Original im Kgl. Hausarchivc zu Stuttgart. Wir Ludewig und wir Ulrich gebrüdere graven zu Wirtern- 15 berg etc. bekennen und tun kunt offenbar mit disem brieffe, das wir mit guter zytlicher Vorbetrachtung mit rate, wissen und willen der hochgebornnen frowen frow lleinrieten grevinnen zu Wirteinbcrg und zu Mümppellgartt witwen, unser lieben frowen und muter, ouch unser rete und gctrüwen, ein teylung unser lannd und lüte 20 getan und fürgenomen hau inmassen als hernach geschriben stet. Und ist uns grave Ludewigen zu teyl gevallen und worden der teyle, der zu Urach geteilt ist, nenilichen dise nachgescliriben ampte: das ampte zu Urach, Rosenveld das schultheissenampte und die ampte zu Tüwingen, Oberndorff, Hornnberg, Dornnhein, Uornn- 25 stetten, Kalw, Nüwburg, Wylppad, Zavelstcin, Vogtsperg, Nagelt, Herremberg, Böblingen, Lienberg, Grünyngen, Asperg, Bütekein, Veyhingen, Brackenhein, Güglingen, Gartach, die herrschafft zu Piichcnwilr, des waldvogtes ampte und alle ander vörste in disem teile gelegen, das alles und ir yeglichs besunder mit den stetten, 30 slossen, dörffern, wylern und höfen, so dartzu gehörent und die yeglicher amptmann uff disen tag zu sinen banden gehapt und in der nechsten rechnung in anno domini millesimo quadringentesimo quadragesimo primo verrechent hat, ussgenomen den vorstehabern, der sol zu yeglichem vorste, darinne der gevallet, gehören. Es 35 j söllent ouch zu Uracher teyl gehören dise nachgescliriben bcrggsloss: Urach, Wyttlingen, »Sewburg, Hundersingen, Liechtenstein, Achclin, 39 Wassneck, Hornnberg, Vogtsperg, Asperg, Veyhingen, Planckenhorii, Magenliein, der teyl zu Nyperg, der teyl zu Sachsscnhein, Nagelt, Nüwburg, Kalw, Zavelstein, Bilstein in Elsess und Sponecke, und yeglich vorgenant statt, sloss, dorffe, wyler, böte oder guter mit 5 gerichten, vogttyen, zwingen, bennen, frefeln, feilen, zollen und aller herliebeit, holtz, velde, wasser, wunne und weyde, was dann zu in allen und ir yeglichem besunder gehöret gross und eleine und sunder mit wiltpcnnen und geleyte als hernach gesehribcn stet, doch ussgenomen Schaltzburg, Balingen und Ehingen mit dörffern, 10 wylcrn, böten, guten und aller zugehörde als dann das von den amptlüten ouch verrechent ist in der vorgeuanten recbnung, Westbein, Gemmerckein, Walttenbucb, Steinibrunn und Plidclsshcin, die zu Niffer teyl nss diseni teyle, als der grösser gewesen ist dann Kiffer teyl, geleyt sint. Uns sint ouch zu teil gevallen dise nach- 15 gesehribcn sew und visehwasser: item der sew zu Asperg, item der sew zu Eltingen, item der sew zu Sindeltingen, item der sew zu Güglingen, item der sew zu Gartach, item der sew zu Oehsscnbach, item zu Böblingen die zwcn sew, item die zwen sew zu Herrcinberg, item die sew zu Urach, item zu 20 Hindern Einndach das sewlin, item zu Grcvenhusen das sewlin und dise nachgeschrieen visehwasser: item nun vischentzen zu Tüwingen, item das wasser zu Sewburg, item zwey wasser zu Tettingcn und eins zu Metzingen, item die wasser zu Wybingen, Hohneck und Bybingen, item und von den mülinen zu Truchtel- 25 fingen zweintzig pfund zins und zu Wyle im Schunbuch zweintzig vierteil öls. Item uns ist ouch zu teyl gevallen an den pfantschaff- ten, die von der herschafft zu AVirtemberg versetzt sin, Schilttach, -Tuttlingen, Mcinssbein, Horbcin und Haslach, Megdberg, Sternnen- tels, Wyttersshusen, Liechtenstein ob Nüfran, Meglingen, Wyle das 0 "orff, Ingersshein, der teyl zu Sachssenhcin, Mundingen, Gundelss- hein und Helmsshein, Planckenstein, Ürsslingen, das gut zum Kalten- marekt, item das Grossholtz, item das vogtrecht zu Bentzingen, und der hofe zu Beringen. Es söllcnt ouch zu dem vorgenanten unserm teil gehören dise naebgeschriben clöster mit diensten, schirmgelte, 5 vogttyen und andern sachen als bissher gekomen ist ungeverlich: item Mulnbrunn, Bebenhusen, Alperspach, Hirsow, Albe, Rechiss- liofen, Frowenzymniern, Offenbusen und Pfullingen, und ouch diese naebgeschriben schefferien mit namen zu Magenliein, zu Ensingen, zu Bcrgghein, Bulfertingen, Dabttel, Grevenhusen, Wolffenhusen, 40 Steinibrunn, Tötungen und Waltdorff. 40 So ist uns grave Ulrichen zu teyl gevallen und worden der teyle, der zu Nyffen geteilt ist, neinlichen dise nachgeschriben ampte: zu Nürtingen, zu Nyffen, zu Gretzingen, zu Weyblingen, zu Schorndorf}', zu Göppingen, zu Kirchein, zu Stutgarten, zu Kannstatt, zu Backnang, zu Botwar, das ampte zu Marpach und das 5 ampte zu Balingen und zu Ehingen mit den vörstcn in disem teyl gelegen, das alles und der yeglichs hesunder mit den stetten, slossen, dörffern, wylern und höfen, so dartzu gehörent und die ycglicher amptman uff disen tag zu sinen handen gehapt und in der vorgenanten rechnung verrechent hat, ussgenomen den vorsthabern, 10 der sol zu yeglichem vorste, darinne der gevallet, gehören, und ouch ussgenomen das dorff Waltdorffe in dem Sehunbuchc mit sincr zugehörde und die schefferyc daselbs, das sol in den teyl zu Urach gehören. Es söllent ouch in den vorgenanten unsern teyl zu Nyffen gehören Louffen, Wyniden und Bilstein die pfantschafften und dise 15 nachgeschribenn berggsloss: Nyffen, Tecke, Gutemberg, Eychelberg, die Wielantstein, Wirtemberg, Kaltental, Liechtemberg, Wyniden, Louffen und der teyl zu Frowemberg und yeglich statt, sloss, dörffer, wyler, höfe oder guter in yeglichem vorgenanten ampt mit gerichten, vogttyen, zwingen, bennen, freveln, feilen, zollen und 20 aller herlichkeit, holtz, velde, wasser, wunnc und weyde, was dann zu in allen und in yeglichem besunder gehört gross und deine und sunder mit wiltpennen und geleyt, als hernach geschriben stet, und dartzu Westhein, Gemmerckein, Waltenbuch, Steinenbrunn und Plidelsshein, ouch mit allen iren rechten, nützen und zugehörden, 25 die von Uracher teyl uff disen teyl, als der der deiner gewesen ist, geleyt sint. Uns sint ouch zu teyl gevallen dise nachgeschriben sew und vischwasser: item der sew zu Gerringen, item der sew zu Wissach, item der sew zu Bonlanden, item der sew zu Zuffen- busen, item die sew zu Richembach, item zu Nabern drü sewlin, 30 item das sewlin zu Ky r nne '), item das zu Stetten, item der sew zu Stutgarten, item der sew zu Wyniden, item der sew zu Urbach, item die sew zu Gutemberg und das löchlin zu Eychelberg und dise nachgeschriben vischwasser: item zu Waltenbuch zwey wasser an der Ee 2 ), itern von Talfingen biss gen Pfawenhusen drytzehen- 35 halb wasser am Necker, item von Oberndürnkein biss gen Wyhingen siben wasser am Necker mit der Bergerin wasser, item ein dein ') Gemeinde Bissingen a. d. T. -) Aich. 41 vischentz zu Caimstatt, giltet ein pfund sechss Schilling heller, item das far zu Neckergrüningen, item ein halp wasser zu Boppenwyler, das des Kreps erben haben, item die wasser zu Bünnyngen und Marpach, die da ertragent sibentzehen pfunt acht Schilling, und das 5 wasser zu Marpach, gyt dartzu sechs pfunt zins, item das wasser an der Rems von der badstuben zu Heckbach biss uff die almand gen Rems, item die zwey wasser zu Kirchberg, eins zu Burgstal und eins under Kirchberg, stosset uff Hans Haucken wasser, alle an der Murr, item das wasser im Lenndinger tal herab undern 10 sewen biss gen Tettingen mit dem wasser zu Tettingen. Item und dise nachgeschriben zins, die ein kuchimeistcr ingenomen hat, uss den zwein mülinen zu Nyffen sechs pfunt heller, item zu Uyngen uss der mülin sechs pfunt heller, item hubschwin') und mülschwin zu Werbungen eylff schwin, item zu gattergelt zu Weyblingen 15 sechtzehen pfunt, item zu Göppingen vier mülschwin, die söllent wert sin dryssig und vier pfunt heller, item zu Schorndorf ein mülschwin, sol wert sin drü pfunt heller, item zu Grossenheckpach ein mülschwin, sol wert sin fünffthalb pfund heller, item zu Boppen- wiler ein mülschwin für achtendlialb pfunt heller, item für zwen 20 schöffel und sechs simeri öls acht pfunt und sechtzehen Schilling heller. Item so ist uns grave Ulrichen ouch zu teyl gevallen an den pfantschafften, die von der herrschafft zu Wirtemberg versetzt sin, Hohenstouffen, Luterburg, Hohnecke, Waidenstein, Löwenfels, Ebersperg, Richemberg, Bittenfeld, Arneckc, item der Recht Stein, 25 item fünft' marck silbergelts zu Byssingen stend zwo und fünffrzig inarck Silbers, item die mülinen zu Kirchein, item Wyler, item ein hofe, zu Owen, stet Dietrich Späten zu Sultzburg, item Slatt und Holtzhein und Schiltzburg. Es söllent ouch in den vorgenanten unsern teyl geboren dise nachgeschriben clöster mit diensteu, schirm- 30 gelte, vogtyen und andern Sachen als bissher gekomen ist ungever- Hch: item Ellwangen, Adelberg, Usingen *), Nallingen, Dcnckendorff, Salmenswyler hofe zu Esslingen, Wyniden, Lorch, Backnang, Murrhart, Steinhein, Oberstenveld, Louffen, Zwyfaltum, Kirchein und Wyler 8 ) und ouch dise nachgeschriben schefferyen: item die 85 schefferye zum Ungehüre, item die zu Wiler zum Stein, item die zu Bonlanden, item die zu Westhein, item die zu Wyniden und ') Ein aus einer Hube, einem kleineren Gut, jährlich abzulieferndes Schwein. •) Jesing-en Oberamts Kirchheim, wo sich eine Pröbstei des Klosters S. Peter befand. 3 ) Weil bei Esslingen. 42 Kemnaten. Und als die vorgenanten pfantschafften Winidcn, Ullstein und Louffen mit iren gülten und zugehörden in unser grave Ulrichs teyl zu Nyff'en gehörig geleyt sint, darumb das unser grave Ludewigs teyle zu Urach gehörig der grösser ist gewesen, so nemmen wir vorgenanter grave Ludewig uff uns drytzehend tusent 5 guldin schuld, die der vorgenant unser bruder grauff Ulrich disen nachgeschriben schuldig ist gewesen, nemblichen der von Hohem- berg selig, dem von Tengen, Rafan Hofwart, Syfryden von Züln- hart und Albrecht Ruhen, davon sich jerlich zu giilt und dienst an gelt triffet tusent sibentzig fünft' pfunt und vier Schilling heller, 10 yc für einen guldin gerechent ein pfunt und acht Schilling heller. Dann sich uns des, sovil zum halbteil der summ das sie sten und als das in der teylung angesehen ist, zu geben gepürt. Und wir und unser erben sollen und wollen den vorgenanten unsern bruder graf Ulrichen und sin erben umb die vorgenanten schulden entheben 15 und die betzalen one sinen und sincr erben schaden, alles one geverdc. Und derselbe unser bruder graf Ulrich oder sin erben mögen die vorgenanten pfantschafften Winiden, Bilstein und Louft'en lösen, wenn sie wollen und inen das eben ist. Werent ouch ycht mer oder andere wasser in den vorgenan- 20 ten unser beider teyln gelegen, dann als vorgeschriben stet und die nit genennet werent, dieselben wasser söllent gehören zu unser yeglichs teyle, darinno die ligent. Es söllent ouch diso nachgeschriben pfantschafften Sigmeringen und Veringen, Gundeltingen und Liphein mit ir zugehörung unser beyder gemein sin und wir und unser 25 erben die gemeinlich und miteinander zu lösen haben. Were aber das unser einer oder sin erben der pfant eins oder mer lösen wölten, das mag er wol tun, doch wenn im der ander under uns oder sin erben das halbteil des gelts, darumb er das gelöset hat, betzalt und geben hat, doch zu sölichen zilen als derselbe die losung 30 getan hett, so sol er in zu dem halbteil ouch stau und komen und das mit im messen lassen. Dessglich sol ouch die ansprach von Trochteliingcn wegen ouch unser beyder gemein sin. Wir beyde und unser erben söllent ouch die lipgedinge, die unser vordem und wir zu geben verschriben hand, gemeinlich und miteinander 3ö richten, das unser einer alss vil daran geben sol als der ander. Und als riyderhusen und Rosenstein und das wasser, das Wilhelm Bergers selige witwe hat, item ein hof zu Eyehach und ein hofe zu Plydclsshein lipgeding sint, wenn das alles oder ir yeglichs zu vollen kompt, das sol in Nyft'er teyl gevallen und uns 40 43 grave Ulrichen vorgenant und unsern erben werden. Als dann Homnberg by Bernnecke und der sechssteil des zehenden zu Heringen ouch zu lipgedinge verschriben sint, wenn die beyde oder ir eins heymfallent, das sol in Uracher teil geraden und uns grave 5 Ludewigen vorgenant und unsern erben werden. Wir sint ouch überkomen von der wiltpenne wegen, das der wiltparm unser yeglichem in sinem teyl volgen und beliben sol, doch ussgenomen das des Hubers vorste zu Nyffer teyl nu fürbass gehören sol, und der sol anfallen zu Honow uff der steig und da 10 dannen der strass nach biss gen Cleinen Engstingen und von deinen Engstingen der rechten strauss nach biss gen Bernnloch, von Bernn- loch gen Walstetten, von Walstetten den wege hinabe, der da get gen Gumadingen biss eninitten in das Pfaffental und dann das tal ab und ab biss gen Stetten in die Luter und dann die Luter ab und ab biss 15 in die Tunow. Es sol ouch zu Nyffer teyl gehören der wiltpann in disen nachgeschriben kreyssen und underzyln gen dem Necker zu, nendich von Cannstatt den nechsten wege gen Frowemberg und von Erowcmberg zwischent den fürhöltzern und den wingarten, die zu Stutgarten gehören, hin biss gen Kaltental, von Kaltental den rechten 20 wege biss gen Fögingen, von Vögingen den rechten wege biss gen Echtertingcn, von Echtertingen gen Bonlanden, von Bonlanden die rechten strass uss biss gen Ee, von Ee der rechten strass nach biss gen Talfingen in der fürt by dem steg und da dannen den Necker uff biss gen Tüntzlingen in das dorff, von Tüntzlingen der Erms nach in gen Bempfflingen, von Bempfflingen biss gen Rüdrichingen, von Rüdrichingen gen Nyffcn, von Nyffen das Lcnndinger tal uff biss gen Gutembcrg Slatstal, da dannen in die Katzengruben, da dannen biss in die Pfannen, da dannen die Eck : ) umbher biss in das burggeleyt. Und als Sigmeringen unser beyder herren gemein ist, als vor- geschriben stet, wenn das zu unsern handen kompt, so sölen wir grave Ludewig und unser erben nit wyter geleyten dann biss an die wiltpenne und geleyte, die zu Sigmeringen gehören, dann die unser beyder gemein sin sollen. Als ouch diso nachgeschriben kirchen zu etlicher handen, die weltlich und ouch geistlich sint, gelühen sint, mit namen in unser grave Ludewigs teyl Enyngen, die ist angeslagen für sechsshundert guldin, item Asperg für tusent guldin, item Rüxingen für tusent ') Teck. 44 guldin, item Rütensskeim für sechsshundert guldin, item Münchingen für sechsshundert guldin, item Meymsshein für tusent guldin, item Heyterhach für tusent guldin, item Metzingen für tusent guldin, item in unser grave "Ulrichs teil Gretzingen die kirch ist angeslagen für fünff'hundcrt guldin, item Ensingen für vierhundert guldin, item 5 Uffkirch für sechsshundert guldin, von der vorgenanten kirchen wegen sin wir üherkomen, wenn die ledig werden, das wir und unser erben die beyd lihcn sollen und gemein miteinander niessen. Doch in welichs herren teyl ander uns der ohgenanten kirchen eine oder mer heymfallet, wil dan derselbe herr oder sin erben 10 die lyhung der kirchen für sich selbs haben, wenn er dann dem andern die sum guldin, als die kirch angeslagen ist, als vor- geschriben stet, gyt, so mag derselb herr dieselben kirchen daunen- hin selbs lyhen und niessen und die andern kirchen und pfründen sol unser yeglicher herr in synem teyl lyhen ussgenomen die kirchen 15 und pfründen zu Brethcin, zu Kettenacker, zu Bretzingen, und die pfründ zu Ulm, die söllent wir grave Ulrich und unser erben lyhen. Were ouch ob ein closter oder mer, das dem vorgenanten unserm bruder grave Ulrichen zugeteylt ist, höfe oder guter bette, die in unserm grave Ludwigs teyl gelegen weren, so sollen wir grave 20 Ludwig noch unser erben mit denselben höfen und guten nit zu tund han und sie unbeswert lassen mit huntlegungen, diensten und andern unbillichen beswerungen ungeverlich. Dessglich ob ein closter oder mer, das dem vorgenanten unserm bruder grave Ludwigen zugeteylt ist, höfe oder guter hett, die in unserm grave 25 Ulrichs teil gelegen werent, so sollen wir graf Ulrich noch unser erben mit denselben liöfen und guten ouch nit zu tund han und sie unbeswert lassen mit huntlegungen, diensten und andern unbillichen beswerungen ungeverlich. Doch ob sölich höfe oder guter unser einem stürbar oder schatzber werent, dartzu sölte unser veg- 30 liebem herren, under dem die gelegen stürbar und schatzber werent, sine recht behalten sin. Als dann wir beyd ein jerlich gült haben von grave Ytel- frytzen von Zolr seligen kinden und ouch von der statt zu Sultz, die sollen wir beyde und unser erben gemein niessen, und ouch 35 das dienstgelt, das wir grave Ytelfrytzen erben und den von Gerolz- egg herren zu Sultz verschriben haben, gemein geben und der rechte und velle, so wir zu beyden herrschaft'ten und slossen Zolrr und Sultz haben, gemein warten und uns beyden und unsern erben glich gevallen und werden. 40 45 Was ouch von der vorgenanten frowen frowen Heinrieten grevinnen zu Wirtemberg und zu Münippclgart Avitwen unser lieben frowen und muter zu Nürtingen uff das ampte oder uff das anipte zu Tüwingen'), wa sie dann an der ende einem sitzet, costens und 5 Schadens gen wirdet mit beboltzung und andern diensten, den söllent unser beyder herren teyl gemein und glich tragen, das unser yeglichs teyl alssvil daran geben sol als der ander. Wir sollen und wollen ouch den Necker offnen, ob wir anders das an andern lüten gehaben mögen, und was kouffmannschafft 10 und kouflüte den Necker uff oder abe farent underhalb Marpach, das sol geleytgelt geben gen Brackenheini. Wir sint ouch überkomen für uns und unser erben, das unser burger und armelütc zu beyder syte von tinser .einem zu dem andern und under den andern in sinen teil ziehen, ouch sich ver- 15 mannen oder verwyben mögen ungeverlich, alss dicke und wenn sie wollen one des irrung und hindernüss, von dem sie also ziehen wollen. Doch wenn unser herren einer oder sin erben ein gemeyn l'ilft'e oder Schätzung von dem land nemmen wölten und das offem- bar und verkündt wirdt, so sol keiner von dem herren under dem 20 er sitzet, ziehen, er habe dann zuvor demselben herren sin Schätzung geben, alles one geverde, doch ussgenomen Asperg, das sol damit beliben als bissher ungeverlich. Wir haben ouch unsere lehen und manschafft geteilt als dann das zwey register, der unser yeglicher eins hat mit des andern 25 schriber hannd geschriben das usswisent, bi derselben teylung sol es ouch beliben und unser yeglichem und sinen erben die lehen und manschafft zugehören, die dann an dem register, das im dess- halb übergeben ist, geschriben sten. Und sol die lehenschafft und manschafft zu Richenwilr im Elsess und zu der herschafft Horburg • 0 gehörig uns grave Ludewigen vorgenant und unsern erben zugehören and beliben. Were ouch ob ycht mer pfant oder lehen, dann an den registern und vorgeschriben stet, erfaren oder fanden würden, in weliches teil die legent, die söllent dem under uns werden, in des teyl die ligent. Werent aber die usserthalb unsern teil gelegen, 3 o so sollen wir die miteinander teilen und verglichen alles one geverde. Were ouch ob unser einer oder wir beyde oder unser erben rete oder amptlüte hettent oder gewünnent, die von dem andern under uns belehent werent, der oder die mögent dem herren, by ') Nürtingen und Tübingen waren ihr als Witwengut ausgesetzt. 46 dem sie sint, wo] raten und bystendig sin des lehens und der manschafft halb unengolten und one schaden. Wir und unser erben sollen und wollen ouch bestellen und schaffen, das die spenne') zu Stutgarten zu den vier fronvasten 2 ) jerlich gegeben und die jaurtzyten 3 ) begangen werden, ininassen 5 und die unser vordem und wir bissber gegeben und begangen band, und die nit abgen lassen. Und wir grave Ulrich sollen uff dise neebstkünfftige fronvasten anfallen und die spenne das neehst- künfftig jaur geben und die jaurtzyte began. So sollen dann wir grave Ludewig das ander jaure, das nach ussgang des neclisten 10 jaurs anfallet, anfallen und die spenne dasselbe jaur geben und die jaurtzyt ouch begen. Und söllent also wir und unser erben die spenne und jaurtzyt in wecbssels wise öweclich ussriebten, also wenn einer das ein jaure geriebt und getan hat, das dann der ander das ander jaure das ouch ussriebten und tun sol one geverde. 15 Alles das, das hievor geschriben stet, gereden und versprechen wir Ludewig und wir Ulrich gebrüder graven zu Wirteniberg vorgenant für uns, unsere erben und nachkomen war, stete und veste zu halten getrüwlichen by den-gelübden, die unser yeglicher be- sunder für sich, sine erben und nachkomen herunib der vor- 20 genanten unser lieben frowen und muter an eydes statt gegeben und getan hat. Und des zu warem Urkunde so hat unser yeglicher sin eigen insigele für sich, sine erben und nachkomen offenlich tun hencken an disen brieff und wir haben dartzu gebetten die egenanten unser 25 lieb frowen und muter, das sie zu getzügniss aller vorgeschriben dinge ir eigen insigele ouch offenlich hat tun hencken an disen brieff, des wir vorgenante frow Heinrieta grevin zu Wirteniberg und zu Mümpelgart witwe bekennen, doch uns one schaden. Geben zu Nürtingen an sant Pauls tag der bekerung, nach :-«> Cristi gepurt als man zalt tusent vierhundert viertzig und zwey jaure. Die Teilung, die dem Unteilbarkeitsvertrag von 1361 Dezember 3 widersprach, wurde durch den Sohn des Grafen Ludwig, Eberhard im Bart, 1482 wieder aufgehoben. - Der nach Neuffen benannte Teil liicss später der Stuttgarter. 30 ') Spenden, Almosen. 2 ) Die vierteljährlichen gebotenen Fasttage. a ) Gedächtnisgottesdienste. 47 16. Feindsbrief Graf Ulrichs des Vielgeliebten gegen die »Stadt Esslingen. 1449 August 5. Nach gleichzeitigen Abschriften im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart, — Abdruck; 5 Sattler II, Beil. 82. Ulrich grave zu Wirtemberg: Wisset burgermaister, raute und gemaind zu Esslingen, als ir ainen nuwen zoll in uwer stat ufgesetzt und damit unser land und strass, auch alle kouffniansehaft hert und swer besweret band, der 10 zoll uns unserm land solchen schaden bringt, das wir den durch unser grosse notdurft nit erliden nmgen, und haben uch darum!» vor uwern puntgenossen Ulm und ander stett rautfrund gutlich ersucht, auch darnach zu andern gutlichen tagen vor dem hoch- gebornen fursten und herrn hern Hainrichen pfaltzgrauen by Rine 15 hertzog in nydern und obern Bayern unserm lieben herrn und sweher, den zoll abzutun, es hat bisher nit mugen verfallen. Es ist och ain unser arm knecht von etlichen, die uwer statt weren vor im beslossen band, an den weren ermurdet und vom leben zum tode gebracht worden unverschulter ding, dieselben nach der geschieht 20 wider von stund an in uwer stat gegangen sind, die selbigen och ainer uwer burger under uwer stat thore verwartet hat, das sie die geschieht dester ee mochten volbringen. Etlieh die uwer sind sölehs von etlichen den unsern erinnert worden. Ir band uch aber zu dehainein laide der sache nye bewiset, des ir ueb doch selbs, 25 ob wir uns und die unsern darin nit wolten angesehen haben, nicht schuldig weren zuverachten als jetzo mer dann anderhalb jar be- schehen ist. Uns ist ouch kurtzlich uss uwer stat und, als wir verneinen, wider darin ain unser arm man von uwer stat besteltcn soldner erslagen und vom leben zum tode gebracht worden unverschulter 30 ding, da ir ouch billich gen den uwern zu getun betten, das dem laide glich were. Wir haben das och nie verstanden, verstet ouch, ob got wil, menglich wol, das uns das von uch unlidelich ist. Herumb so wollen wir uwer und der uwern vind sin und des unser ere gen uch und den uwern mit disein unserm offeni brief gewart 0 hau. Zu urkund mit unserm zu ruk ufgetruckten insigel besigclt. Geben zu Stutgarten an zinstag nach sant Peterstag vineula anno MCCCCXL Viiij. Die allgemeine Spannung zwischen Fürsten und Reichsstädten führte auch zum Krieg zwischen Württemberg und Esslingen, in dem beide sich schweren Schaden zufügten. 48 17. Urteil des westph'älischen Gerichts zugunsten der Gerichtsbarkeit des Grafen von Württemberg. 1449 August 12. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchive zu Stuttgart. ■ Abdruck: Sattler IT, Beil. 78. 5 Wir Conraid van Lyndenhorst erbgreff der keyserlichen katne- ren der graefschafft der stad Dortniunde und friegreff des hilghen römischen ryclis und der friengrafschafft darselffs, Einrieb von Lyndenhorst junckgreff der keyserlichen kameren der graefschafft der stad Dortniunde und friegreff des hilghen romischen ryehs und 10 der friengraefschafft darselffs syn son, Wilhelm van der Zungher friegreff der keyserlichen kameren der stad Dortniunde, Diderich Ploigher in der frien krummen graefschafft etc. friegreff und Arnd Cleynsmyt zu Vclgystc etc. fryegreff dont kunt und bezugent für allen forsten, bereu, graven, etcln, baronen, rittcren, knechten, ampt- 15 luden, voigten, richteren, stetten und sus allen guten luden und sunderlinx allen ersamen friegraven und echten rechten frienscheffen des heilghen roemschen rycbs, daz wir uff datum diss brieffs l>e- saissen stat und stull den fricnstull ze Brunynckhusen in der krummen graefschafft gelegen myt urtale und rechte gcs])anncnder banck zu 20 richten in des heilghen riebs beynilichen achte nach frienstuls rechte under konix banne umb etzliclie Sachen dess hilghen richs frie- gerichte antreffende zu erbitteren und zu erclerende, als sich daz nach frienstuls rechte gebort. Dar für uns komen und ersehenen ist der ersanie Heinrich Murer vervver zu Esslingen, eyn echt recht 25 friescheff des hilghen richs, diener des hochgeborn heren Lern Ludewighs graven zu Wirtemberg und bereu zum Munipelgarten, und zogbede durch synen gewunnen vorsprecher und Hess lesen eyn offen liedegans') procuratorium uff pergament geschriben myt des hochgeborn heren hern Ludewighs graven zu Wirtemberg 30 vorstenden insiegell versiegelt. Und als daz procuratorium über das gerichte gelesen, verhört, vermerekt, verstanden, oueb ledegans was an perganiente, schrifften, siegele, sunder caduc, rasur oder lastermaill, so bad Heinrieb Murer procurator vorgenant eyns rechten urtals, ob daz procuratorium icht volmecbtig, krefftig und bun- 35 digh syn und bliven solte in dem rechte, ob waz darumb recht sy. Daz urtall satzen wir an eynen echten, rechten, frienscheffen des ') Wohl: lediges, im Gegensatz zu einem Heft. 49 heilghen rychs, der nach anwishighe der ritterschafft, dingpflichtigen und unistendern des friengerichts daruff wisende für recht, nachdem und daz procuratorium ledegans sy an pergamente, schafften, siegele, sunder caduc, rasur off lastennaill, so sy daz nach frienstuls rechte B bündig', meclitig, krefftig und von werde. Und as dat procuratoriuni volmechtig erkant was, so offende Heinrich Murer procurator vorstend und durch synen gewunnen vorsprecher vorgenant, wie daz der hochgeborn her her Ludewig grave zu Wirtemberg und zu Mumpel- garten durch alle sync lande verinyts synen aniptluden, voigten, 10 scholtheissen, richteren alle syner wertlichen gerichte hestalt und ernstlichen entfolen hettc, idernianen nach gewonniss urtall und erkentnisse der gerichte, gerichts und rechtes zu gestaden und zu wiedervaren laissen. Daruff so bad der ergnant Hainrieb. Murer procurator vorstend eyns rechten urtails under konix banne in 15 nanien und von weghen des obgnanten imsers gnedigen hern Lude- wigs graven tu Wirtemberg etc., wer eynich man, der syner gnaden volschuldighe, zugcliorighe lyffeighen wer, hin der inie in syner gnade lande besessen, der boven soliche geböte des rechten vor- stende eyinande anders syner hindersesen, oder die syn gnaden 20 zu versprechen staut, vor andere ausswendighe wertliche gerichte heischede, beswerede oder verbodete, ob syn gnade der oder den, die sulichs deten, darumb in dem rechten icht mochte schuldighen, straiffen oder straitfen laissen nach syner gnaden lande ghericlits i'eclite, ob waz darumb recht sy. Daz urtall satzen wir friegraven 25 vorstend an eynen echten, rechten, schiltbordighcn frienscheffen des hughen rychs, der nach anwisinge der ritterscliafft, dingpflichtigen und umstenderen des friengerichts daruff wisete für recht, wer eynich man, der dess obgenanten unsers gnedigen beren hern Ludewiges graven zu Wirtemberg und zu Mumpelgarten volschul- 0 dighe, zuhehorighe lyffeighen wer, hynder ime in syner gnade lande besessen, der boven solich gebodt des rechten eymande anders syner gnaden hindersessen, oder die synen gnaden zu versprechen steent, vor andere ausswendighe wertliche gerichte heischen, bc- ^ sweren off verboden dete, den oder die daz sulichs deten, die 3i > mochten im rechte syn gnade darumb woll schuldighen, straiffen °ilcr straiffen laissen nach syner gnaden lande ghericlits rechte, der oder die das also getan heften off noch doende wurden, en- niochten dan wisen off bibrengen myt warhafftigen künden und kuntschopfen oder myt gnugsainelichen zughe, daz dem oder den ü gerichts off rechts geweighert und an syner gnaden gerichte recht- Wilrtt. Goscliichtsquollon XI. 4 50 lois gelaissen wer wurden, dess stunde ein oder en zu genyessen. Alle disse forstende artickule, puncte, ordell und rechte synt zugebissen, bestediget, vervolgt, besatz und gevulbort van dem gantzeD umstände und dingpflichtigen nach des friengerichts rechte, dar wir unse orkundc uff entfangen hayn als recht ist. Dar vort urtali 5 und recht uff gegangen is nach frienstuls rechte, das inen disscr gewiseten urtale uff keyner ander stcde wederachten oder wiedersprechen sole noch moghe by solieher swarer peenc als darzu gehört und l)y konix banne, darmyt unss over und ane weren ersame frome ritterschafft myt namen die vesten junckeren Ditherich von 10 Wickede stulher disses vorstenden frienstuls, Everhart und llinricli von Wickede gebruderc syn sone, Vrcderich Norrentyn, Johan und Ernst van Menghede genant Oesthove gebroidere, Eberhardt van der Ovcte, Diderich van Mcilccke, Cost van Aldynclioven, llughc van der Laghe, Rotgher van Galen, Godecke Sluyck, Diderich van 1& Vyffhus genant die Dcne, alle echte rechte Bchiltbordighe friescheflfen, vort Johan TretHoch, Engelbert van Holte, gnant Koster, Herman Titz, llinricli Loynen, Reynold van Stipell, Gobell Wernemars, Albrecht Schulte, Johan Hacke, Evert ter Westen, Diderich tcr Westen, Dirich Fotmann und Diderich Grcveken eyn gesworn fry- 20 vrone dess vorstenden gerichts und vill iner echten rechten frie- scheffen des heilghen romischen richs geachtet uff hundert und mer. Und diss alles zu merer vestnussc liaint wir Conraid und llinricli syn soen erbgraven der keyserlichen kameren der graeff- schafft der stad Dortmunde und friegraven des heiigen römischen 28 richs etc., Wilhelm van der Zungher, friegreff der keyserlichen kameren der friengrafschafft zu Dortmunde, Diderich l'loigher in der frienkruniengrafschafl't etc. friegreff und Arnd Cleynsmyt zu Volgystc etc. friegreff von gerichts und unser ampte wegen eyn itzlicher van unss syn eignen insiegell an dissen brieff gehangen, 30 vorth bekennen und bezughen wir Diderich van Wickede stuylher, Eberhart und llinricli van Wickede syn soen, Vrcderich Norrentyn, Johan und Ernst van Menghedc gnant Oesthove gebruder, Eberhardt van dem Ovete, Diderich van Mcilccke, Rotgher van Galen, Johan Tretiloch, Engelbert Koster und Herman Titz alle vorgenant, daz 3& wir hir myt oever und ane waren, horten und saghen daz alle vorstende puneten, ordell und artikell sieh ergangen und gescheyn synt, so vorgeschoben steit. Und diss allez zu merer vestnisse und gezugnissc der warheit haint wir unse ingesigele mede by der vorstenden friegreven ingcsiegell an dissen brieff gehangen. 1° 51 Datum et actum anno domini millesimo quadringentcsimo quadragesimo nono feria tercia proxima post beati Laurencii martiris. 18. Marktordnung für Calw. 1454 August 5. 5 Nach einem Kopialbucli des IB. Jahrhunderte (XIX Bl. 135). — Abdruck: Sattler II, Beil. 95. Wir Ludewig grave zu Wirttemberg und zu Mumppelgart etc. bekennen offenlich mit disem brieff für uns und den hocligcbornen Eberharten graven zu Wirttemberg und zu Mumppelgart etc. unsern !0 Heben bruder, der noch under sinen jaren und zu sinen tagen nit komen ist'), und für unser baider erben, das wir wol besonnen und betrachtet haben das nutzlich und bequemlich furnemen, so unser lieb getruwen die burger gcmainlich rieh und arm unser statt zu Kalb getan und ain nuw raut- und koufhus uff iren aigen costen l" 1 und schaden dem gemainen man, der alsdann pfleget die märekt zu suchen, zu nutz und fromen gebuwen band, sonnder ouch das H' statt und ir jar- und wochenmarekt geuffet werden, zulegen und mt abniemen. Wicwol sie nun das mit ir fursichtickeit wolbetrach- tet und besonnen band, das solich ir furnemen in künftig zitt iren 20 nachkomen zu nutz und zu fromen wol gedienen mage, noch den- "oeht so versten und brüten wir wol, das sie den vorgenanten buw °iie unser gnad, gunstlich und merklich furdrung nit wol erliden und getun können. Und darumb so haben wir für uns und den vorgenanten unnsern lieben bruder und für unser baider erben und nachkomen den vorgenanten unsern lieben getruwen den burgern armen und riehen der statt zu Kalw und allen iren nachkomen die sonnder gnad getan und die fryheit gegeben, geben in mit urkund u nd kraft dis briefs, das sie die nutzung, die von dem vorgenanten raut- und koufhus immer ewiglich werdent und gefallen, innemen und die zu und in ir statt mit wissen und willen unser amptlüt daselbs nutz und fromen keren und bewennden und die mit kunt- schaft unser amptlüt zu Kalw an der statt verbuwen sollen, doch uns unsern erben und nachkomen die kornschuttin ufi" dein vorgenanten raut- und koufhaus vorbehalten, das die uns ewiglich zu 0 nutzen, zu niesen und zu brachen zu aller unser nodturft zugehören ') Eberhard im Bart war damals noch nicht 9 Jahre alt; mit 14 Jahren übernahm er selbst die Regierung. 4* 52 und beliben sol one der burger Widerrede. Und wir begnaden und frien für uns, unser erben und nachkomen die vorgenanten burger rieh und arm der vorgenanten unser statt zu Kalb und alle ir nachkomen also, das nun furobin zu ewigen zitten ain iegliclier gast, und der nit burger zu Calw ist, und an den kirchwiliinen, 5 das ist an den jarmärekten, ain statt 1 ) nimpt, von derselben statt geben one widerred vier Schilling haller und der burger zu Kalw dry Schilling haller. Welicher aber nit ain statt nimpt und nit über vier tuch hat, der sol geben von ieglichem tuch vier heller und von aincr ballen Zwillichs oder ains tuchs zwen heller, es sy 10 ain burger oder usman, und weliche schlowcr 2 ) fail band und statt niemend, die söllent geben von jeder statt ain Schilling heller und die nit statt niemend, das sol stan an unserm aniptniann und dem burgerincistcr, was die niemendt, doch das nieman besehätzt werde. Und das ist dem burger und ussnian: item ain löwer' 1 ) von ainer 15 statt an der kirchwihin der ussnian zwen Schilling heller und an den messen ain Schilling haller und der burger des halbteils minder, item die sehuchmachcr an der kirchwihin ain iegliclier man achtzehen heller, an den messen ain Schilling haller und der burger halbs als vil, item die saltzer an der kirchwihin ain Schilling haller 20 und an den messen acht heller der ussnian und der burger halbs als vil, item von aincr schiben saltz abzustossen *) und ufzusetzen, wenn das geschieht, der keuffer zwen heller und der verkeuffer ouch als vil, er sy burger oder ussnian, item von einem Schilling ysen, zu welicher zyt das ist, abzustossen und ufzusetzen, der 26 keufer zwen haller und der verköuffer ouch als vil, sie sigen burger oder ussnian, item von einer tunnen haring abzustossen und ufzusetzen der keuffer ain Schilling heller und der verkeufer ouch als vil die usman und die burger halb als vil, item von einem hundert bernsch ■') leders der keufer ain Schilling haller und der verkeufer 30 ouch als vil die usman und die burger halb als vil, item von frueht zu messen, er sy burger oder usman, der verkeufer vom nialter ain heller und der keuffer desglieh ouch ain heller, item von ainem nietzelbanck zway pfund haller und von ainem brottbanck ain pfund heller. 3& Und des zu warem urkund haben wir unser aigen insigel für uns und den hochgebornnen unsern lieben bruder offenließ tun hencken an disen brief, der geben ist zu Tuwingcn an nicnrag ') Stätte, Verkaufsptatz. — ~) Schleier, feine Leinwand. - 8 ) Lolier, Gerber. — 4 ) Abzuladen. — '') Nach Bern benannt.. 53 nach sant Tettcrs tag ad vincula nach Crists gepurt als man zalt tusent vierhundert funftzig und vier jare. 19- Das älteste Anbringen der württembergischen Land seh aft. 5 [1459 November.] Nach einer gleichzeitigen Abschrift im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck: Württemb. Vierteljahrshefte für Landesgeschichte 1894, 342. Hochgeborner genediger lierr'). Als uwer gnaden hoffmeister und ratt durch uwer gnaden empfelhen uns armen von der lannt- 10 schafft bosanndt und zu erkennen geben haben ertlich schwär für- nemen und handeln, so dann jetz uwern gnaden in der furmünder- schafft unsers genedigen herren grave Eberharts, uwer gnaden vetters 2 ), begegnen, zusanipt andern schwären louffen, darinne uwer gnad, als uns beduncken wil, vast gesmächt und verachtet wirdt, 15 und daruf an uwer gnaden stat an uns begert mit hoher ermannung, uns zu fürsehen und darnach zu richten, ob es zu schulden kam, das uwern gnaden gebärt ettwas in und zu disen dingen fürzu- nemen, daz wir dann zu uwern gnaden setzen und tun wölten als die, dero vordem und ouch wir an der herrschafft zu Wirtemberg ao a ls fromm, getruw lut und undertan allwegen erkennt und funden worden waren, wie dann das in lengern, ersamem und gebürlichern Worten gelut hat, — haben wir vermerekt und sind sölicher Sachen in vergangen ziten und jetz gegenwirtig gegen uwern gnaden fürgenommen und gesucht nit allain erschrocken sonder hoch und tieff 2o beswärt, angeselien, daz wir die sind, die uwern gnaden hoher eren, lobs und guts gönnen mer dann iemandts anders der lebt, als daz natürlich und billich ist. Dann wir können woll gemereken, wann uwern gnaden er, nutz und guts zustet, daz das uss uwern gnaden in uns armen ouch flässet, und hinwiderumb, wann uwern 30 gnaden schad, unfuog oder widerwärtikeit begegnet, das wo das beschicht unss in truwen laid ist, daz wir des ouch mitlider sin müssen, als daz ouch billich ist. Solichs augesehen so wären wir allwegen geneigt uwer gnaden lob, er, nutz und bestentlicheit zu uffnen und zu fürdern, als wir uns eren halb erkennen schuldig ') Graf Ulrich der Vielgeliebte. 2 ) Im November 1459 entzog sich der junge Eberhard im Bart, Graf dos Uracher Landesteils, der Vormundschaft seines Stuttgarter Oheims Ulrich. 54 sind; uwer gnaden sol ouch nit zwifeln, dann das wir zu uwern gnaden unser Lib und guot in allen gebürlichen Sachen zu setzen nit sparen wollen. Aber uwer gnad und uwer gnaden rätte sind der vergangen und gegenwartigen louf gar wol hcriclit und mit sonder, wie unser herr der pfaltzgraf und der markgraf von Baden 5 sich kürtzlicb understünden uwer gnad zu überziehen und zu be- schedige» wider billiehs '), daz uns noch unvergessen ist, des uwer gnad die geinain rittersehaft und lanntschafft vast und hoch besw'ärt. Was und wie uns armen von der lanntschafft sölich beschwarnus oucli furgehalten und was dozemal mit uns geredt ward, ist uwern |() gnaden und uwer gnaden raten noch wol ingedenk und wissend, des wir meinend desshalb davon witcr zu melden nit not tuot dannc sovil, als dozemal von der rittersehaft und lanntscliafi't uwern gnaden von uwer gnaden er und nutz wegen mancherlei gebrechen und beswärnus der ritterschafft und lanntschaft gegen uwrn gnaden Y« angelegen furgehalten ward, under andern) wie uwer gnade durch solich gebrechen und uwer regieren und fürnemen, als uns beduncken wolt, ir selbs, der gemeinen ritterschafft und uns solich beswarnüs zufügte und sich selber anders hielte dann uwer gnaden stat und herlicheit zustiend und uwer gnaden altvordern seliger gedechtnüs w getan betten, ouch mit mer Worten für uwer gnad gebracht. Ist uns noch unvergessen, daz uns uwer gnad darzu genedig, erber und gut antwurt gab uff meinung: fügte got der allmcchtig, das sölich Sachen understanden und hingelegt würden ; uwer gnad wolte firo, des wir kainen zwifcl solten haben, mit rat uvver gnaden $ ritterschaft't, der prelatcn und lanntschafft also regieren, handeln und fürnemen, das uwern gnaden, der ritterschafft, den prelatcn und unss zu guotcni kommen und dienen sölt. Des wir nit klein fröd betten und also getrost unser Hb und leben zu uwern gnaden zu setzen zusagten, ouch mit mer worten hierzu dienende. Daz 30 aber von uwern gnaden, als uns beduncken wil, bisshcr noch nit beschchen ist, und haben doch nit zwifel, wäre uwer gnad dem nachkommen, uwer gnad war jetz und furo in künftig zit sölielis unbillichs fürnemens und handeis ab und vertragen. Nu verstat uwer gnad wol, wir armen mereken ouch das in unser kleinen 35 vernunfft, das billich, nütz und guot ist, daz ir und ander fürsten und herren ire lant und lüt regieren durch die edeln geborn und erbern r'ätt der ritterschafft, — das aber, als uns beduncken wil, ') Im August 1457. Es handelte sich um einen Streit üher das Vermögen der Gemahlin Ulrichs, Margarete von Savoyen. 55 bissher nit geschehen ist, sonder die vast geüssert und geobert werden — und haben darfür, daz sölichs vast ein ursach sie der vergangnen und jetzigen sehwären und widerwärtigen louffe und handlung. Demnoch, genediger herr, so bitten wir armen uwer 5 gnad mit allerundertänikeit gehorsamelich und ernstlich, uwer gnad wöll ansclien und bedencken uwern gnaden vordem seliger gedecht- nüss, wie die so loblich, wol und in selbs nützlich und erlich durch den gebomen adel der ritterschafft geregiert haben, und in dein den fusstaffen uwer altvordern löblicher gedechtnüs nachvolgen und 10 die erbern ritterschaft zu uwern gnaden ziehen, die nit bbern sonder die voderer haben dann bissher beschehen, als das ouch billich, uwer gnaden loblich, nützlich und erlich ist, und mit derselben und ander uwer und unser herren und guten i'runde rate und hilff in disen Sachen und louffen, die uns schwärlich anhangen und 15 erschinen, furnemen und handeln, daz uwer gnaden, der erbern ritterschafft, den prelaten, lanntschafft und unser nutz heliben und bestentlicheit sie und werd und uwer gnaden, si und wir sölichs ünbillichs fürnemens furo dester bass absin und in gutem wesen beliben mögen, als wir nit zwifeln uwer gnad und uwer gnaden y o rätt und erber ritterschafft wol zu tun wissen, bass dann wir daVon geschriben oder sagen können. Dester gerner wollen wir armen unser lib und leben und alles unser vermögen, wo sich daz gepürt, zu dein das wir das schuldig sind zu uwern gnaden zu setzen, nit sparen sonder alles das tun, daz fromm getruw lüt irem genedigen 2 o herren verbunden und schuldig sind, und darinn nit hinder sich heben umb deheinerlei sach willen. Und hieruff so bitten wir uwer gnaden rätt und alle die, die uwern gnaden rats oder diensts halb gewand und verbunden sind, mit allein rliss dienstlich, daz si vorab umb gottes und unser armen willigen dienst willen uwer gnade 0 und unss in disen schwären louffen und sacken nit verlassen, sonder mit guotein ratt, hilff und bistand getruwlich zu uwern gnaden und uns setzen, als sich gepurt und ein notdurft ist und als wildes und alles guten zu in und der erbern ritterschafft ein unzwifen- lich getruwen haben. Daz wollen wir armen mit unser cleine um • 5 8i all und ieglichen besonder und die iren gar unvergessenlich und willig haben zu gedienen ; als dann ouch billich ist. Dann wir können wol versten und mereken nach handlung solicher Sachen, wo diso ding nit mit getruwem ratt und anders dann bissher fur- genommen und gehandelt werden, daz dann daz uwer gnaden, der iO erbern ritterschaft und uns zu gantzem verderben langen und 56 kommen möcht, davor got der allmechtig sin und uwer gnad und si mit sölichcr vernunfft und wisshcit begnaden und erlüchten wöll, damit das also gehandelt und fürgenommen werde, das es siner allmechtikcit lob und er geber und uwer gnaden, der erbern ritter- schaft, den prelaten und unss armen von der lanntscliafft nützlich 5 wesen, beliben und uffcnthalt. Und wir bitten oueli uwer gnad und uwer gnaden ratt sölielis von uns im besten, als das beschicht, zu vermereken und dise unser aint'eltige mainung bass zu gründen und zu versten dann wir das usslegcn und setzen mögen. Dann was wir zu f'ürkomniung diser ding guotes getan und fiirneincn 10 möchten, darinn wolten wir unser üb und guot nach unserm vermögen nit sparen sonder volkoinmenlich darstrecken als wir erkennen schuldig sin. Aus diesem Anbringen ergibt sieh, dass damals schon der Graf an den Rat von Kittem, Prälaten und Landschaft gebunden war, dass aber die Land- 15 schaft ihre Beiziehung noch als Last empfand. 20. Kaiserlicher Freiheitsbrief, bei Cann statt eine Zo 11 stä11e zu errichten. 1465 September 4. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck: Sattler III, 20 Beil. 36. Wir Friderich von gottes gnaden römischer keyser zu allen zeiten merer des reichs, zu Hungern, Dalinatien, Croaticn etc. kimig, hertzog zu Oesterrcicb, zu Steyr, zu Kerndtcn und zu Crain, herre auf der Windischen Marcli und zu Portcnaw, grave zu Habspurg, 25 zu Tirol, zu Phyrt und zu Kyburg, marggrave zu ßurgaw und landgrave in Elsass, bekennen und tun kirnt offcnlich mit disein brief allen den, die in sehen oder hören lesen, daz wir gütlich angeseben und betrachtet haben die getrewen annemen und nutzlichen dinste, die uns und dem heiligen reiche der wolgeborn Ulrich 30 grave zu Wirttembcrg unser swager und des reichs lieber getrewer oft und dick, williclich, unverdrossenlich und sonder in unsern und des reichs gescheften und notdurften als unser und des reichs liauptman mit seinem mcrcklichcn darlegen, auch costen und schaden, so er desshalben getan und gelitten hat, teglich tut und hinfür in 35 künftigen zeiten wol t.un sol und mag, und haben darumb dem vorgenanten Ulrichen graven zu Wirttemberg in seines darlegens und costens zu ergetzen, auch umb seiner fleissigen bete willen mit wolbedachtem mute, gutem rate und rechter wissen und von sondern 57 unsern keyserlichen gnaden diso gnade getan und im vergönnet und erlaubet, daz er und sein erben zu der niüle bey Cannstat gelegen auf unser und des heiligen reichs freyer. Strassen ein zoll- statt furncnien, ordnen und haben und au derselben zollstatt von 5 allen den, die zentnergut dasclbs durch und furfurcn werden, von einem rosse, so daselb zcntnerguet zühct, einen reinischen guldin und ein alten thurness '), und von andcrin gute, das nit zentnergut genennet wirdet, von einem yeden ross sechs phening der gemeinen landeswerung daselbs zu zolgclt aufbeben und nemen sollen und 10 mögen, in allwege und masse der wolgeborn Eberhart grave zu Wirttcmberg und zu Mümppelgartt, auch unser swager und des reichs lieber getrewer die zolle zu Vaihingen und zu Brackenheini hat und einnympt, tun gönnen und erlauben inen solich vorgemelt gnade und zolle von römischer keyserlicher machtvolkomcnheit 15 wissentlich in craft dis briefs. Doch sol der obgenant graf Ulrich von Wirttemborg und sein erben die vier wegzölle neinlich zu Zuffenhusen, zu Fürbach, zu Cannstatt und zu AVangen und darzu das gelaitgelt, das er bisher gehabt und cingenomen hat, hinfür von denen, so die obgemeltcn Strasse zu der müle bey Cannstatt 20 mit ihrem gute faren und denselben zolle geben und bezalen, ganz nachlassen und dieselben wegzölle noch dhein gelaitgelt von in nemen noch nemen lassen. Es sollen auch dieselben solich wegzolle und gelaitgelt zu geben nicht schuldig sein, sonder darauf durch alle seine graveschaften, herschaften und gepietc von im on 2B alle ferrer beswerunge gelaitet und beschirmet werden und also damit ganz frey, ledig und unbeswert sein und beleihen, des sich fiuch der obgenant graf Ulrich also zuhalten und ze tundo begeben und verwilliget bat. Ob auch yeniands, wer der were, solch maut und zolle in des gemelten graf Ulrichs unsers swagers lande und 30 gepiete, wa das beschehe, auf andern Strassen oder wege zu ver- faren understundc und durch solchs bezalung und ausrichtung des Zolles bey der gemelten mül vermeiden wolte, wellen wir, daz dieselben nichts destmynder solch maut und zolle zu entrichten und zu bezalen schuldig sein und graf Ulrich obgenannt und die seinen 35 darumb sy nach maut und zolles recht und altem herkomen bis zu völliger bezalunge soliches verfaren zolles und maute in seinen gepietcn aufhalten, angreifen und bekumbern sollen und mögen. Und wir gepietcn darumb allen und yeglichen fursten, geistlichen und werntlichen graven, freyen, herren, rittern, knechten, hauptluten, ') Französischer Turnose, im Wert von etwa 1 Pranken. 58 amptluten, vögten, pflegem, Verwesern, burgermeistern, schultheissen, richtem, roten, bürgern und gemeinden und sust allen andern unsern und dos reicbs undertanen und getrewen, in was vvirden Btates oder wesens die sein, von römischer keyserlicher macht ernstlich und vesticlich mit disem briet', daz sy den vorgenanten graf Ulrichen von Wirteinberg und sein erben an der obgeschriben unser gnad, verg&nstung und erlaubung des gemelten zolgelts nicht hindern noch irren in dlioin weise, sonderr sy des, als obgeschriben steet, gerulich geprauchn und messen lassen, yeglichen sey unser lü ungnad und darzu luarck lotigs goldes ein yeglicher, so oft wider tete, halb in camer und den an- m obgenanten graf Ul- erben unableslich zu sein sol. Signum Serenissimi prineipis et domini domini Friderici tertii Romanorum imperatoris semper augusti, Hungarie, Dabnatic, Croa- 20 tie eto. regis ac Austrio, Stirie, Karinthie et Carniole ducis etc. Mit urkunt dis briefs besigelt under unser keyserlichen guldin bulle, gehen zu der Newenstatt am mittichen nach sant Gilgen tage nach Cristi gepurde vierzehenhundert und im funff und sechzigisten, unser reiche des römischen im sechs und zwainzigsten, des keyser- 2& thumbs im vierzehenden und des hungrischen in dem sibenden jaren. Nos Fridericus prelibatus prescripta recognoseimus, profitemur et aprobamus. Ad mandatum domini imperatoris in consilio Udalricus episcopus Pataviensis cancellarius. 1 als lieb in und einem und des rciclis swere ein pene vierzig zu vermeiden, die der freventlich da- unscr und des reichs dorn halben teil dem riehen und seinen bezalen verfallen 21. Bulle über die Gründung der Universität Tübingen. 1476 November 13. Nach dein Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck nach der Ausführnngsurkunde vom 11. März 1477 in Roth, Urkunden zur Geschichte der Universität Tübingen S. 12. itf Sixtus episcopus sorvus sorvorum dei dilectis filiis abbati in Blaburen et saneti Martini in Sindelfingen per prepositum soliti gubernari monasteriorum ac ccelesie in Herrenberg prepositis Con- 59 stanciensis diocesis salutem et apostolicam benedictionem. Copio- sus in misericordia dominus et in cunctis suis gloriosus operibus, a quo omnia dona defluunt, ad hoc nobis licet insufficientibus meritis sue sponse universalis ecclesie reg'imen commitere et nostre 5 debilitati iugum apostolice servitutis imponere voluit, ut tamquam de suninio vertice niontis ad infima reflectentes intuitiun, quod pro huiusmodi illustranda ecelesia ad tidci propagationem confcrat orthodoxe, quod statui quorumlibet tidclium conveniat, prospiciamus attentius et, qualiter a fidelibus ipsis profiigatis ignorancie tcnebris '0 illi per donum sapientie in via mandatorum ac domo domini con- servari debeant, solcrtius attendatnus, cos ad querendum literarum studia, per que militantis ecclesie respublica geritur, divini nominis ac ciusdem tidci eultus protenditur omnisque prosperitatis humane conditio augetur, nostre solicitndinis ope apostolicisque favoribus lö propensius excitemus. Sane pro parte dilecti filii nobilis viri Ebcrhardi comitis in Wcrttembcrg et Montisbcligardi nobis nuper exhibita petitio con- tinebat, quod in civitatibus, opidis et locis suo ac dilecti filii nobilis viri Ulrici ctiam comitis in Werttemberg et Montisbcligardi 20 temporali dominio subiectis, quoruni territoria longo lateque anipla existunt et incolarum multitudine ac f'ructunni ubertate habundant, non est aliqua universitas studii generalis, ad quam civitatum, ter- rarum, opidorum et locorum huiusmodi et aliornrn circumvicinoruni locorum incole volentcs in scientiis protiecre ad studendum et ad 25 discendum conimodc sc tiansferre valeant, quodque, si in opido Tuwingen Constancicnsis diocesis provincie Maguntinensis loco in- signi et commodis habitationibus pleno, in quo victualium omnium maxima copia habetur, eins temporali dominio subiecto, prope quod mfra duas dietas vulgares non est aliqua universitas studii genera- 30 hs, erigeretur una universitas ipsius studii generalis euiuscumque iaeultatis et scientie eidemque Universität] sie postmodum erecte pro faciliori supportatione oncrum et expensaruni ciusdem presertim salariorum illorum, qui cathedras pro tempore inibi regent, saneti Johannis Baptiste in Brackenhen et sanetorum Philippi et Jacobi 35 in Stctten ac in Asch nee non Ringingen et in Eningen Worma- ciensis et predicte Constancicnsis diocesis parrochiales ecclesie, quo de iure patronatus comitis de Werttemberg pro tempore existentis lore noseuntur, resorvata congrua portione pro perpetuis vicariis ad presentationem dicte universitatis instituendis perpetuo unirentur, io annecterentur et incorporarentur ac in ecelesia saneti Martini in 60 Sindelfingen dietc Oonstanciensis dioeesis, quam nuper in collegia- tam ac illius preposituram dignitatem inibi principalem et octo canonicatus et totidem prebendas ad parochialem saneti Georgii dicti opidi Tübingen transferri et saneti Georgii in collegiatam cum dieta prepositura et octo canonicatibus et totidem prebendis, saneti 5 Martini vero eeclesiam predietam in monasterium ordinis saneti Augustini erigi mandavimus, duo canonicatus et totidem probende, postquam ereeti fuerint, supprimerentur et extinguerentur illarumque t'ruetus redditus et proventus pro dote quatuor inibi aliorum cano- nicatuum et totidem prebendarum de novo engendorum cquis 10 portionibus applicarentur et assignarentur ae per nos statueretur et ordinaretur, quod ad buiusmodi deceni canonicatus et totidem prebendas, qui de dicto iure patronatus existunt, cum prima viee eos vacare contigerit, et deinde perpetuis t'uturis temporibus suc- cessive viri ecclesiastici ad regendas deceni eatliedras in eadem 15 universitatc studii erigendi ydonei et docti, videlieet quatuor magistri in artibus, quibus dicte quatuor de novo engende prebende assignarentur et in cisdein artibus legerent et regerent, per dictum eomitem seu dileetam in Christo filiam Meeiitildem illius genitricem, ad quam ratione dotis sue inpresentiarum presentatio personaruin 20 ydonearum ad canonicatus et prebendas predictos, cum pro tempore vacant, ut asseritur, pertinet, et corum successorcs in iure patronatus predicto presentari et ad presentationem huiusmodi institui deberent, exinde predictis et aliorum predictoruni locorum circuin- vicinorum incolis et habitatoribus volentibus in scientia proficere, 25 magna eomoditas studendi pararetur et ex eorundem studentium postmoduui doetrina et scientia in civitatum, terrarum et locorum predictoruni regimen fideique catholice propagationem quam plurimi t'ruetus provenirent. Quare pro parte dicti Eberbardi eomitis nobis fuit humiliter 30 supplicatum, ut in prefato opido Tubingen Studium generale qua- rumeunque faeultatuin crigerc ac eidem sie ereeto parroebiales ecclesias prefatas perpetuo unire, annectere et incorporare nec non duos canonicatus et totidem prebendas ciusdom ecclesie, si opus f'uerit, supprimere ac quatuor alios canonicatus et totidem preben- $ das ibidem de novo erigere illisque sie erectis pro eorum dote fruetus redditus et jiroventus dictorum supprimendorum eanoni- eatuuni et prebendarum equis portionibus applicare et assignare et quod ad canonicatus et prebendas predictos videlieet de novo erigendos quatuor magistri in artibus, ad alios vero alii viri docti iO 61 et ydouei, qui omnes in prediota ecclesia modo int'ra scripto resi- dentiam facere teneantur, ad regendas cathedras predictas, ut pre- fertur, et non alii presentari debeant, statuere et ordinäre ac alias in premissis oportunc providere de benignitate apostolica digfla- 5 remur. Kos igitur, qui duduin inter alia voluimus et ordinavimus, quod petentes beneficia ecclesiastica aliis uniri tenerentur exprinierc verum valorem tarn benefieii uniendi quam illius, cui uniri peteretur, alioquin unio non valeret, attendeutes, quod ex litterarum studio 10 animarum saluti consulitur, insurgentes controversie deeiduntur, pax et tranquillitas inter mortales procurantur, licitum ab illicito dis- cernitur, bonis premia et reprobis supplicia dispensairtur et alia tarn publica quam privata spiritualia et temporalia commoda mundo proveniunt, universitatis predicte fruetuuni reddituum et proventuum 15 verum valorem annuum presentibus pro expresso liabcntes et eius- dem eomitis laudabile propositum huiusmodi plurimum in domino eommendantes, huiusmodi supplicationibus inclinati, discretioni vestre per apostolica scripta mandamus, quatinus vos vel düo aut unus vestrum, si predieta vera compereritis, in prefato opido Tübingen 20 perpetuis t'uturis temporibus generale Studium euiuseunque facultatis et seientie liehe auetoritate nostra crigatis et in illo catbedras quarumeunque facultatum nee non rectorie et alia pro illius pro- spero et felici regimine necessaria officia dieta auetoritate instituatis et, que propterea utilia et oportuna fore cognoveritis, constitutiones 25 et statuta eadcni auetoritate ordinetis, neenon dietas paroeliiales ecclesias, quarum omnium fruetus redditus et proventus quinqua- ginta duarum marcharum argenti seeundum conmuuiem extimationem valorem annuum, ut asseritur, non excedunt, reservata tarnen con- grua ])ortione pro perpetuis vieariis in illis ad presentationem uni- 30 versitatis dicti studii instituendis, de qua se sustentare, episcopalia iura solvere et alia eis ineumbentia oncra perferre commode possint, eidem mense universitatis predicte, ita quod cedentibus vel deee- dentibus ipsarum parroehialium ecclesiarum rectoribus seu alias paroeliiales ecclesias predictas quomodolibet dimittentibus, lieeat ^5 extunc eidem universitati per se vel alium seu alios corporalcm parocbialium ecclesiarum iuriumque et pertinentiarum predictorum possesionem propria auetoritate libere apprebendere et earundem parocbialium ecclesiarum fruetus redditus et proventus in dicti studii usus et utilitateni ac inibi legentium doctorum salaria convertere 40 et perpetuo retinere, diocesaui loci et cuiusvis alterius licentia super 62 hoc minime requisita, prefata auctoritate uniatis iucorporetis et annectatis nee non duos canonicatus et totidem prebendas in dieta ecclesia saneti Georgii eadem auctoritate supprimatis et extinguatis ac ibidem quatuor alios canonicatus et quatuor prebendas de novo erigatis et pro illorum sie erigendorum dote fruetus redditus et 5 proventus dictorum supprimendorum canonicatuum et prebendarum equis portionibus applicetis et assignetis, sie quod ad canonicatus et prebendas predictos, quotiens illos perpetuis futuris temporibus vacare contigerit, videlicet ad quatuor de novo erigendos quatuor magistri in artibus, qui in cisdem artibus actu legant et regant, 10 ad alios vero canonicatus et prebendas predictos alii viri ccclesia- stici docti et ydonci ad regendas decem ex liuiusmodi catliedras in eodem studio perpetuo per dictum comitem in Werttemberg et eiusdem coniitis successores in iure patronatus predicto presentari et ad presentationes huiusmodi in canonicos dicte ecclesie institui 15 et instituti catliedras i]>sas regere teneantur et debeant, quodque, si ex modernis canonicis huiusmodi aliqui reperirentur ad legendum et regendum ibidem sufficientes et ydonei et onus huiusmodi as- sumere voluerint, ad illud deputentur, prelibata auctoritate statuatis et ordinetis. Ac obtinentibus pro tempore dictos canonicatus et 20 prebendas cathedrasque actu regentibus in universitate predieta, ut, quamdiu catliedras ipsas rexerint, divinis in dieta ecclesia saneti Georgii, in qua sunt duodeeim perpetui vicarii divina officia ibidem continue celebrantes et illis insistentes, ratione canonicatuum et prebendarum predictorum intcresse non teneantur, nisi quatinus 25 interesse tenentur divinis in ecclesia saneti Spiritus Haidebergensi Wormaciensis diocesis ipsius ecclesie saneti Spiritus canonici catliedras regentes in universitate studii Haidebergensi, absque eo quod in dieta ecclesia saneti Georgii divinis intersint seu insistant eorun- dem canonicatuum et prebendarum fruetus, redditus et proventus 30 etiain pro tribus primis annis, pro quibus novi canonici iuxta ipsius ecclesie in Sindelfingen statuta iurata illos non pereipiunt sed partim defuneto canonico partim fabrice cedunt, cum ea integritate, quotidianis distributionibus duintaxat exceptis, pereipere possint et debeant, cum qua illos pereiperent, si in ipsa ecclesia saneti f6 Georgii divinis interessent, nee ad interessendum divinis in dieta ecclesia saneti Georgii alias teneantur aut ad .id inviti coaretari valeant, nisi quatinus in ecclesia saneti Spiritus Haidebergensi, eadem auctoritate coneedatis, faciatisque eins huiusmodi eorundeni decem canonicatuum et prebendarum fruetus, redditus, proventus et emo- 40 63 lumenta quecunque, que interesse[ndo] divinis in eadem eeclesia perciperent, integre ministrari, non pennittentes cos per venerabilem fratrem nostrum episcopum Constancicnsem et dilectos filios dicte ecclesie sancti Georgii eapituluni seu quoscumque alios ad interessen- 5 dum in ipga eeclesia compelli aut alias contra huiusmodi con- eessionis, si illam feceritis, tenorein, quomodolibet molestari. Et nieliiloniinus si ad eft'ectum premissorum obtinentes parocliiales eeclesias predictas illas resignare voluerint, resignationes huiusmodi prefata auctoritate rccipiatis et admittatis, eisque per vos rcceptis 10 et admissis cisdein resignantibus, ne ex resignationibus huiusmodi »iiniuni dispendium patiantur, pensiones annuas, de quibus cum eis concordari potent, super fructibus, redditibus et proventibus parrochialium ecclesiarum resignatarum huiusmodi cisdem resignantibus, quoad vixcrint, vel procuratorihus eorum sub penis et censuris 1B ecclcsiasticis ac in terminis et locis per vos statuendis integre per- solvendas aut parrochialium ecclesiarum, quas resignaverint, fructus redditus et proventus in toto vel in parte cum libera facultate illos etiam propria auctoritate percipiendi et levandi dicta auctoritate reser- vetis, constituatis et assignetis facientcs pensiones huiusmodi iuxta 20 i'eservationis, constitutionis et assignationis earundem, si eas fieri con- tigerit, tcnorem efficacitcr persolvi et non permittentes eosdem resig- "antes, quominus pensiones seu fructus huiusmodi percipiant, per luosoümque impediri, contradictores auctoritate nostra appellatione Postposita compescendo, non obstantibus priori voluntate nostra pre- aB dicta ac felicis recordationis Bonifacii pape vm predecessoris nostri, Per quam huiusmodi concessiones de fructibus in absentia pereipien- dis sine pretinitione temporis fieri prohibentur, et aliis apostolicis ac ln pvovincialibus et synodalibus conciliis editis generalibus vel special ibus constitutionibus et ordinationibus nee non dicte ecclesie sancti Georgii iuramento confirmatione apostolica vel quavis alia firmi- f atc roboratis statutis et consuetudinibus contrariis quibuscumque, ctiam si per ipsos decem canonicatus et prebendas pro tempore obtinentes de illis servandis et non impetrandis litteris contra illa et illis '■npetratis seu alias quovismodo coneessis non utendo prestare con- 0 mgeret iuramentum aut si primam non fecerint in eadem eeclesia s ancti Georgii residentiam consuetam seu si episcopo prefato a sede a postolica sit concessum vel imposterum concedi contingat, quod eanonicos ecclesiarum suarum civitatis et diocesis per subtractionem pi'oventuum suorum canonicatuum et prebendarum compcllere valeant a , ad bacallariatus, licentie, magisterii et doctoratus 35 aliosquc gradus quoscumque in thcologia et utroque iure artibus quoque et medicina cum solita insigniorum exhibitione, scrvata ») Der Text des Halses steht zum Teil auf Rasur und scheint aus einer Aktivwendung geändert zu sein. 65 tarnen constitutione Viennensis concilii 1 ) super hoc edita in uni- versitate predicta duntaxat promovendi et eis sie promotis, ukathe- dras regere, legere, docere et alios actus pertinentes ad gradus, ad quos promoti fuerint, facere possint et yaleant, concedendi et gene- 5 raliter omnia alia et singula, que archidiaconus ecclesie Bononien- sis 2 ) in universitate studii Bononiensis facere et, exercere quomo- dolibet potest, ex apostolica concessione, Statute vel consuetudine faciendi, exercendi presentium tenore auetoritate apostolica concedi- mus faeultatem ac volumus et universitati eiusdem s.e engend! 10 studii nee non illius pro tempore rectori ac doetonbus, scolanbus et personis, qui pro tempore erunt, ac Ulis, quos ad gradus quos- eunque inibi promoveri contigerit, ut omnibus et singuhs prmleg.is immunitatibus gratiis, favoribus, exemptionibus, concessiombus et indultis tarn de iure communi quam ex concessiombus apostolicis 15 et imperialibus aut alias quomodolibet in genere vel in specie qui- buseunque aliorum quorumeunque studiorum generahum umversi- tatibus et illarum rectoribus, doctoribus, scolaribus et personis ac promotis pro tempore in cisdem concessis et concedcndis et, quibus Uli potiuntur et gaudent ac uti et garniere poterunt quomodohbe 20 in futurum, uti. potiri et gaudere possint et debeant m omnibus et per omnia, perinde ae si illa eisdem universitati engend! studii et illius rectori, doctoribus, scolaribus et personis in illa pro tempore promotis specialer et noininatim concessa forent, auetoritate apostolica tenore presentium indulgcmus et insuper exnune irritum decei- 25 nimus et inane, si secus super hiis a quoquam quavis auetoritate scienter vel ignoranter contigerit attemptari. Datum Eome apud sanetmn Petrum, anno incarnatioms domi- niee millesimo quadringentesimo septuagesimo sexto idus Novcmbns pontificatus nostri anno sexto. 30 22. Münsi nger Vertrag. 1482 Dezember .14. Nach (lern Original im Kgl. Staatsarchive zu Stuttgart, - Abdruck: Keyscher I, 489. Wir Eberbart der elter und wir Eberbart der junger gevettern graven zu Wirttennberg und zu Mümppelgartt etc. tun kunt allen ') Eine vom Konzil zu Vienne 1317 erlassene Bestimmung über die Magisterwürde. „ T , . „„frnffen •) Eine solche Anordnung hatte Honorius III. 1210 für Bologna getroffen. Württ. QoEGhichtaquelleii XI. 66 denen, die disen briete sehent oder hörent lesen, wiewol vormals die hochgcbornen berren Ulrich grave zu Wirttennberg und zu Miimpellgartt unser lieber vetter und vater säliger gedeclitnus, auch berr Hainrieb grave zu Württemberg und zu Miimppelgartt etc. unser lieber vetter und bruder und wir uns geaint haben etlicher vertrag 5 und aynung 1 ), wie es mit erbfällen unser baider land und lute, auch mit hilf und in andern dingen zwüsclien uns, unser land und lut berürend gebalten werden sol nach lut derselben hrieve darüber begriffen, do dann insonder der obgemelt vertrag unser land und lüte antreffend von unserm allergnedigsten herren dem römischen 10 kayser confirnüert und bestetigt, wie das alles an im selbs ist, des in betraebtung und auch so uns als vilfältig und in manichen weg begegnent sacben, die uns dienent zu abbrueb unsrer vorderen und unserm herkomen und wesen, wo wir dem mit widerstand nit begegneten, so haben wir in ansehung desselben, und das wir uns 15 unser land lute und die unseren gaistlichs und weltlicbs Stands bey friden, gemach und in ainigkait behalten, auch vor unreclit und gewalt dest bass erweren mögen, als bruder, damit wir mit allen den unseren und zugewandten ungetrennt erkennt werden, uns jetzo mit raut unserer prclaten, ritterschaft und landschaft geaint 20 der hoffnung und zuversiebt unser und unserer erben ere und nutz zu fördern und schaden zu verhüten, das wir aber fruchtbarer noch bass nit wissen zu thund, dann das wir unser baider land und lüte zusammen in ain regiment und wesen tuen, domit wir unser leben lang und nach uns unser erben und die loblich herschaft 25 Württemberg zu ewigen zeiten ungetailt al sain wesen erlicb, loblich Und werlich bey ainander blyben und syen und dem hailigen reich, auch gemeinem nutz dest stattlicher erschiessen und vorsein mögen als unsere vorderen loblicher gedechtnus auch gethan habent. Darumb und aus bewegnus angeborner sipp, lieb und fruntschaft 30 so haben wir frywilliglich und mit raut wie vorsteet unser baider land und lüte mit allen unseren slossen, stetten, dörfern, lüten, gulten, guten, herlichkaiten., wiltpennen, gelaiten und allen andern zinsen, nützen und zugehörungen, nichtzit usgenommen, auch unserem Silbergeschirr, husrat, farende hab, wein, fruchten, bargelt, all 35 schulden unserer landschryber, ambtlüten und der unseren, so sy uns zu thun syen, auch die schulden, zins, gülten lypding und anderes, das wir baid schuldig sint und das man uns schuldig ist, ') Im Uracher Vertrag- vom 12. Juli 1473. 67 Auch was uns in erbfällen'oder sust zufallen würde, zusammen in am gemainschaft geworfen und gethan also, das es furo zu ewigen weiten ain wesen und ain land unser baider haissen und sein soll, a ls auch alle burger, inwohner und underthon unser baider land 5 uns in geinainschaft erbbuldung gethan und gesworen haben uns baiden als iren rechten natürlichen herren getruw und hold zu sind, unseren frommen zuschauen und zu fürdern, unseren schaden zu warnen und zu wenden, auch ir lyb und gut, wyb und kind nit zu entpfremden und uns grave Eberharten dem eitern als regieren- 10 den herren von unser baider wegen und in unser baider namen gehorsam und gewertig zu sind unser leben lang und nach unserm tode uns grave Eberharten dein jungern, ob wir den erleben, und darnach f ürus dem eltsten herren von Wirtteinberg von unser ainem geboren und also fürus abstygender lynien nach. Und ob wir 15 baide nit kinder mannspersonen uberkemen und verliessen, so sölt darnach der erstgemelt'vertrag auf unseren lieben vetter und bruder grave Hainriehen wysend in kreften sein und beleiben ungeverlich. Wir bald sollen und wollen auch in unser baider land an ainem bequemen end, als wir yetzo Stutgarten achten bequem sein, mit 20 sampt unseren baiden gemaheln bey ainander ainen hof und ain fvowenzimmer, auch ain cantzly und ainen lanthofmaister haben Und halten, der mitsampt etlichen reten, die im von uns zugeordnet werden, unser und unsers landes Sachen und gescheft nach unser grave Eberliards des eitern als des regierenden herren beschaid 25 handeln und aussrichten sollen zum besten. Dieselben hofmaister und rät, auch cantzler, schryber, amptlüt und all ander unser baider diener und knecht sollen sweren uns baiden getruw und hold zu sinde, unsern frommen und bestes zu werben, unsern schaden zu Warnen und zu wenden und getruwlichen zu raten und uns grave SO Eberharten dem eitern als dem regierenden herren von unser baider wegen gehorsam und gewertig zu sind on geverde. Und so dick Slph fürter begeben würdt by unser baider leben oder auch darnach ret, diener, amptlüt oder ander zu Urlauben oder ander ufzu- uchmen, so sol dem eltesten, der regiert, das zu thun zusteen. 35 Doch welich also zu hofmaister, reten, dienern, amptlüten oder sust ^genommen werdent, die sollen uns auch baiden in gemain sweren, wie yetzo geschehen ist und vorsteet ungeverlich. Aber wir grauf Eberhart der elter sollen und wollen dero dhainen, so unser lieber Vetter grave Eberhart in siner anzal der achtundviertzig personen, 40 als hernach steet, zu im genommen haut oder füronenien wirdet, 5* 68 Urlauben on siner lieb wissen und willen ungeverlich. Es sollen auch alle brief und Schriften unser gemain herschaft berürend von uns baiden luten und usgeen. Aber wir grave Eberhart der elter sollen und wollen uns als der eltest des regiments unser land und lüte annemen und domit beladen sein unser lebenlang, das uszu- 6 richten zum getruwlichsten und besten, wie sieh gebürt und als hievor auch gemeldet ist. Doch sollen und wollen wir als regierender her nichtzit davon hingeben, versetzen noch verkaufen dann mit unser grave Eherhart des jungern willen; ob wir aber in sölichem nit ains werden möchten, umb daz dann das, das unser 10 baider herschaft nützlich und gut sein mag, nit underwegen plcib, so sol solichs mit raut unser baider prelaten, reten und landschaft gehandelt und dem, das also an raut erfunden wirdt, nachkomen werden und solichs sol also fürus von allen regierenden herren zu Wirttemberg werden gehalten ungeverlicb. Und was sich sust 15 usserthalh des yetzgenanten artickels grosser hendcl und Sachen begeben unser gemain land und lüt antreffend, und daran sonders gelegen wer, die sollen hinder uns grave Eberharten dem jungern nit gehandelt, sonder wir sollen darzu ervordert und beruft werden, und in welichen solichen hendeln und Sachen wir auch nit ains 20 willens sein wurden, was dann an raut unserer ret erfunden wirdt gut sein, dem sölt aber volg geschehen. Doch in welichen Sachen wir grave Eberhart der junger also beruft würden, sölten wir von stund unserem vettern verkünden, ob wir darzu komen wölten oder möchten, sich darnach wissen zu richten. Zu welicher sach wir 25 dann nit wölten kommen, darzu bedürft unser nit erwartet werden. Wann wir aber zu kommen maynten und doch so bald nit kommen möchten, das unsern lieben vettern und die ret bedacht, das die- selb sach nit so langen Verzug leyden möcht, so mögen wir grave Eberhart der elter in derselben sach aber fürfaren alles ungeverlicb. 90 Wir grave Eberhart der junger mögen auch sust bey anderen gemainen hendeln sein, so uns das gefällig ist, darin zum besten helfen zu handeln on geverde. Es sol auch hinfür zu ewigen zeiten also gehalten werden, das allwegcn der eltest herr von Wirttemberg in der wyse wie 35 vorsteet regier ungeirrt siner bruder oder anderer siner fründ herren zu Wirttemberg. Und ob wir baid oder unser einer eelich sönc überkemen, das gott zum besten füg, so sölten die nach unser baider tod unser land und lüt erben und doch aber der eltest under denselben regieren und die anderen sust nach raut und 40 69 billichkait versenl.cn gaistlichs oder weltlichs Stands oder bey im behalten, domit die herschaft bey ainander und ungetailt belybe, und das sol als,, von erben zu erben gehalten und nyminermer geendert werden. Doch ob wir grave Eberbart der elter eelich son 5 überkemen und vor unserem lieben vettern grave Eberbarten dem jungern todes abgiengen, selten wir grave Eberbart der junger dannocht land und lüte vor denselben unsers vetteren landen 111- baben und regieren unser leben lang in der mass und mit der Ordnung, wie wir grave Eberhart der elter yetzo zu regieren ver- 10 schriben sint, und nach unser baider tode sol es dann an unser erben fallen und gehalten werden wie vorstet ungeverlieh Item wir baid wollen in unserm bofe haben und halten hundert und fünftzig pferd ungeverlieh, der unser yegheher acht und vierzig pferid für sein person haben und die erwelen sol, weich 15 er wil, auf in zu warten wie er beschaidt, und die übrigen solleiit sein für unser hofmaister, ret, cantzlcr und zu dem gemainen State unsers hofhaltens, doch das sie all in gemain sweren sollen wie vorsteet. In solichcr gestalt mag auch unser yeder siner gemaheln zuordnen hofmaister, hofmaisterin und junckfrowen und ander not- 20 türftig und taugenlieh personen in glyeber zal on geverde. Und wir grave Eberhart der elter behalten uns mermne bevor die stett, sehlos und empter zu Böblingen, Sindelfingen, Wiltperg und Bulach, Hirsow und Wurmlingen mit sampt den dörfern, nutzung und gälten darzu gehörig, wie uns die von unser lieben frowen 2~> und mutter säligen angefallen sint, unser testament davon zu machen und sust domit zu handelcn, zu tbund und zu laussen nach unserm willen; doch das die inwoner derselben stett und empter yetzo uns baiden auch erbhuldung sweren sollen wie ander und das Wdtperg und Bulach uns grave Eberharten dem jungern auch often sollen 30 sein wie ander unser grave Eberharts des eitern stett und slos, und nach unserm tode sollen dieselben slos, stett und empter zu Böblingen, Sindellingen, Wiltperg, Bulach, Hirsow und Wurmlingen wie obsteet gantz bey der herschaft Wirttennberg belyben und davon nit verendert werden, usgenommen das sich zu allen zeiten 35 mit Wiltperg, Bulach, Hirsow und Wurmlingen gehalten werden sol nach laut des testaments der obgenannten unser grave Eberhards des eitern frowen und muter loblicher gedechtnuss hinder ir ver- laussen un geverde. , , , • Darzu und zu dem opfergelt, das uns von den prelauten bis- 40 her gegeben ist und das wir eingenommen haben, sollen uns ussei 70 der cautzly aller jerlichs gegeben werden zwaytausend gtildin für unser person, davon wir uns selbs mit claidern, clainoten und was zu unser person gehört, auch mit hengsten und pferiden für unsern sattel, marstaller und stalknecht versenhen, dcsglieh all handtwerek- lut umb das, so sie für uns selbs und die vorgemelten hengst und 5 pferid machen werden, usrichten sollen. So sollen uns grave Eberharten dem jungern auch alle jaur aus der cantzly geben werden druwtausend guldin zu dem opfergelt, das uns von den prelaten bisher gegeben ist und das wir eingenomen haben, davon wir uns selbs mit claidern, clainoten und was zu unser person 10 gehört, auch mit hengsten und pferiden für unsern sattel, marstaller und stalknecht versenhen, dessglich all handtwcrcklut umb das, so sie für uns selbs und die vorgemelten hengst und pferid machen werden, usrichten sollen. Desglich sollen unser yeglichs gemahel jerlichs in iren gewalt gegeben werden fünfhundert guldin 1& zu irem lust und notturft zu gebruehen, auch sich selbs davon zu beclaiden und alles das zu versenhen, das von iren wegen uszu- geben ist, und darzu auch ire junckfrowen und edelknaben zu beclaiden ungeverlich. Item unser yeder haut im auch vorbehalten die lehen gaistlich und weltlich, die er hievor zu lyhen gehabt 20 haut, furo sinen leptag aber zu lyhen, doch das die brieve daruinb us der cantzley genommen werden sollen. Item ob wir grave Eberhart der junger zu zeyten usserthalb des gewöndlichen hofs in ander unser baider stett ryten und etlich personen unsers ge- maynen hofgesinds mit uns nemen würden zu kurtzwyl oder zu 25 jagen, byrsen oder bayssen, so sollen wir mit denselben, die wir also mit uns nemen, an denselben enden von unser baider ampt- lüten mit costen gelifert werden unabgebrochen der druwtausend guldin, so uns wie vorsteet in unser camer gegeben werden sollen on geverde. Wölten wir aber usserthalb unser baider land zu et- 30 liehen unsern herren und fründen oder anderer ende ryten umb kurtzwyl willen, es were zu stechen, rennen oder anderen dingen, und nement mit uns etlich us der anzal unsers gemainen hofgesinds, diewyle dann dieselben am hofe die zeit kainen costen täten und wir sie an solichen enden Ufern und vercosten mustert, sölt uns 3& zu solichem ryten zimlich zerung gegeben werden, nämlich so vil als solich personen und pferid, die wir mit uns nement, die zeit am hofe gebraucht und costet haben möchten ungeverlich. Und als wir grave Eberhart der elter uns vorbehalten band die gälten und nutzung der stett, slos und guter, die uns von unser lieben 40 71 frowen und mutter S älig angefallen sint, me vorsteet wotoj grave Eberhart der junger uns auch hierin vorbehalten j^— guldin, das wir die in unserem testament durch gott oder ereoto sust nach unserem gefallen verschaffen oder lungeben mögen un 5 geirrt mcnglichs. „ . . ,i nvllll ,h Und so dise ding von uns baideu fürgenommen "£*£*£ das die herschaft Wirttemherg in westlichem stand bey.niande ungetrennt belybe, so sol auch absein das ^^/g^S lieber vetter und vater grave Ulrich selig und wn^grave Ebe« fO der elter in dem ^^^^^^^^Z landen und lüten unser lebenlang ZU schatten un i unserm willen, also das wir obgenanter grave Ebe hart der elter des hinfüro nit mer macht sonder dasselb vorbehalten gmtt, ab sein sol, als ob des vor in dem vertrag nit gedacht wer £1 ^ 15 truwlich und ungeverlicb. Und was der obgejndt oneeiB_ heben vetters, vaters und bruders und unser vertrag mhalte, ^JZ verschrybung mit sondern worten nit begriffen noch geendext ist, dasselb alles sol hiemit ungeletzt sein. xv ;A pmon Es sollen auch unser baider elich gemaheln bey iren widemen, 20 wie inen'die verschriben sint, von uns und menglichem vonunsern wegen ungeirrt und one intrag pleiben, sonder getruwheb_ labey gelhirmbt und gehandhapt werden on geverde Und oW ba A grave Eberhart der elter und der junger uns selbs ains odei n i artickel in diser Verschiebung begriffen mit willen amandei eilausse 25 mindern oder meren wurden, des wollen wir macht haben und band auch das hierhin vorbehalten. Alles das, so hievor geschriben stat, gercden, globen und versprechen wir obgenannten Eberbart der elter und Eberhart der junge gevettern graven zu Wirttennberg und zu Mümppelgartt für uns 30 und unser erben bey unseren ayden, die wir hierumb lyplicli zu gott und den hailigen gesworn haben, an allen stucken, punctcn und artickeln getruwlich, war, stet, fest und unverbrochenlich zu halten und darwider nit zu sind noch zu thund noch schatten gethan werden durch uns selbs oder yemand anders von unsernt- 35 wegen in dhain weys noch weg ungeverlicb. Und des zu warem Urkunde so haut unser yeglicher für sie und sein erben sein aigen insigel offenlich gethan hencken an dissen brieve. Und diewyle wir vögt, schulthaissen, keller, burgermai te , richter und gantz gemainden der herschaften und ampter zu btutt 40 garten, Tüwingen, Urach, Mümppelgartt, Granns, Clereval 72 Pessevant, Wayblingen, Ganntstatt, Nürtingen, Nyffen, Oiretzingcn, Kirchein, Wylliein, Owen, Schorndorf, Göppingen, Marpach, Winiden, Lauffen, Beylstein, Bottwar, Backnang, Balingen, Waltenbuch, Ehingen, Münsingen, Blaburren, Herrenberg, Nagelt, Calw, Wilt- pad, Nüwburg, Zavelstain, Haiterbach, Rosenfeld, Dornstetten, Dorn- 5 hein, Sultz, Wiltperg, Bulach, Hayerloch, Schiltach, Hornberg, Tuttlingen, Löwemberg, Groningen, Vayhingen, Brackenhein, Böblingen, Sindelfingen, Giiglingen, Gartach, Asperg, Rüxingen und Bütigkain das obgemelt zusammenwerfen unseren gnedigen herren gerauten haben, so gercden und versprechen wir bey unseren ayden hierumb 10 gethon alles das, so dise verschrybung uns bindet, es sey an einem oder mer puneten oder artikeln für uns und unser nachkomen war, stet, vest und unverbrochenlicli zu halten und dem getruwlich nachzukommen, sonder darwider nit zu sind noch ZU thnnd noch schaffen gethan werden in dhain wyse ungeverlich. 15 Und des zu warem urkund, so haben wir ohgenanten von Stuttgarten, Tüwingen, Urach, Mümppelgartt, Nürtingen, Kirchein,. Groningen, Schorndorf und Rosenfeld der yetzgemelten stett insigel für uns und unser nachkommen auch offenlich gehenckt an disen brieve, under der sigeln wir ander obgemelten stett all für uns 20 und unser nachkommen bekennen, verbinden und niitgcbruehen aller vorgeschrihncr ding. Geben zu Münsingen an Samstag nach Sant Lucyen der balligen junckfrowen tag, nach der gepurte Cristi als man zalt vier- zehenhundert achtzig und zway jarc. 25 23. Beitritt des Grafen Eberhard von Württemberg zum Schwäbischen 15 und. 1488 Februar 14. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchive zu Stuttgart. Abdruck: Sattler III, Beil. 121. 30 Wir die hawptlewt, prelaten, graten, fryen herren, ritter und knecht der geselschaften und der veraynung sanet Jörigen schilt in Swaben und wir ditz nachbenempten des hailigen reichs stett mit namen Ulme, Kawfbüren, Memmingen, Kempten, Ysny, Lütkirch, Wangen, Bibfach, Ravenspurg, Lindow, Überlingen, Pfullendorf, 35 Rcwtlingen, Esselingen, Gmünd, Hall, Dunckelspühel, Awln, Nörd- lingen und Giengen bekennen und thiin kunt offenbar mit disem briefe, als wir auf gepot des allerdurc.hlichtigist.cn grossmächtigisten 73 fürsten und herren hern Fridrichs römischen kaisers zu allen ziten merers des reielis etc. unsers allergnädigisten herren uns gegen und mit ainander veraint und verpunden haben nach lawt der ver- aynungsbrief desshalb aufgericht und aber der hochgeporn herre 5 herr Eberhart grafe zu Wirttemperg und zu Mumppelgartt etc. der elter, unser gnädiger herr, durch die kaiserlich majestät mit gepot auch erfordert worden ist sich mit und gegen uns auch zu verainen and zu verbinden, das wir hierauf als der kaiserlich majestät gehorsamen underthan uns mit dem genanten unserm gnädigen lierrn 10 graf Ebcrliarten mit allen unsern grafschaften, herschaften, lewten and guten die naclibcmelt zit aus nachfolgender form für uns unser erben und nachkomen verpnicht und verpunden haben, verpflichten und verpunden uns hiemit wissend und in kraft ditz briefs von erst, das wir, die unsern, und die uns zu versprechen stend, die 15 nachgemelten zit aus gegen dem gemelten unserm gnädigen herren, «einer gnaden prelaten, raten, dienern und allen denen, so sein gnaden zft versprechen stend, niehtz unfreuntlichs sollen furnämen noch üben, sonder sie und ir yetwedern bey dem gemelten land- friden und dem rechten beliben lassen und die spenn, so sich 20 zwüschen uns, den unsern und den, so uns zft versprechen stend, SÖllich zit anheben werden, mit, recht austragen, wie nachfolgt. Nämlich also ob der genant unser gnediger herr, seine prelaten, cominun, rät oder diener zusprechen gewonnen zft uns gemelten prelaten, grafen, fryen herren, den vom adel und den stetten in- 2& gemain oder insonder, das dann söllich sach berechtet werd vor axnem gemain, den er oder sie aus unsern gemainen hawptlewten und raten, ob die sach uns ingemain berürte, oder des tails, den die sach insonder berürte, hawptlewten und raten nämen und kiesen sollen mit glichem Zusatz. Gewonnen aber wir die prelaten, grafen, 0 fryen herren, die vom adel und stett ingemain oder insonder die unsern, oder die uns zft versprechen stend, zusprechen zii dem genanten unserm gnädigen herren, seiner gnaden communen, prelaten, raten oder dienern, oder die seinen gnaden zft versprechen stend, ingemain oder insonder, das dann söllich sach berechtet werd vor axnem gemain, den wir, die unsern, oder die uns zu versprechen stend, nämen und kiesen sollen aus sinem hofmeister und newn edlen raten, so er zii der sach ordnen und uns benennen wird mit glichem züsatz. Ob aber wir, die unsern, oder die uns zu versprechen stend, 0 Spruch gewonnen zii communen, stetten, märekten oder dörfern dem 74 genanten unserm gnädigen herren, den seinen, oder die im zu versprechen stünden, underworfen, die sollen obgeschribner mass berechtet werden vor ainem gemain zft nänien von seiner gnaden hofmaister und ncwn edlen raten zii der sach verordnet. Und die, so also in obgeschribner mass zu gemain erkorn werden, sollen ir | pflicht und aid von der parthy, der sie verwandt sind, ledig gezelt werden in der sach, darumb auf sie koinen ward. Es sol auch ain yeder gemain von dem tail, ander dem er ist, vermögt werden sicli der sach zu beladen und wann er das also gethan baut, so sol er in monatsfrist an ain gelegen cnd tag setzen und der sach 1" kainen vertzug thün dann nach Ordnung des rechten. Es sol auch kainer weder von sein gnaden noch uns zii hofmaistern, hawpt- man oder raten in gemelten Sachen geordnet werden, der ain gemain zu sein vor diser veraynung verlopt oder versworn haut. Wa aber unser dehain tail die sinen, oder die im zu versprechen stond, 1^ sprach gewonnen zii des andern tails bürgern, gcbawrn, hinder- sässen oder underthan, das sol beschcen an dem cnd und in dem gericht, da der, so angefordert wirt, gesessen ist, doch also das dem clagcr furderlicb.es und austrägcnliehs rechten gegen im verholten werd. Es war dann das unser ain eher tail oder die sinen 2" gegen dem andern oder den sinen anders hevkomen und in gebraweh warn ungefarlieh. Wann aber spenn wurden miih frävel, erbfäll, aigen oder leben, so sollen die berechtet werden an den enden, da die besebeen ligen oder dabin sie gehörn. Wa sich aber begab, das sich yet- $ weder tail für ain inhaber des guts, darumb span war, hielt oder spenn wurden, welher tail cläger oder antwurter sein sölt, so sollen söllich spenn gelutert werden vor ainem gemain mit glichem züsatz. Derselb gemain in nachgeschribner mass sol erkorn werden, nämlich also das unser yeder tail dry man furschlahen und besuchen sollen, 3° oh wir uns aus denen ains gemain mögen verainen, und ob das nit gesein mag, das dann darumb gelöst werd, welher tail aus des andern fürgeschlagen mannen ain gemain nämen still, und sol söllichs alwegen in monatsfrist beschcen und volgen. Doch so sollen in diser verstäntnuss und aynung unvergriffen sein die sachen, & so hievor mit recht angefängt sind und hangen. Und was also obgeschribner mass zu recht erkent und gesprochen wirt, das sol unser yeder tail dein andern tliim in gepürlicher zit nach erkant- nuss gemain und zusätz. Ob aber aincher tail vermainte mit aincher urtail beswärt zft sein, mag dann derselb vor dem richter, vor $ 75 dem gerechtet war, darsteen und ainen aid zft gott und den hailigen sweren, das er acht und darfür liab, das im appellieren» not thue und das er kains Verzugs halb noch aus gefärd zu appelliern widerstand und dem, wider den er appelliern will, sichrung tut, ob er 5 in der appellatzionsach verlustig wurd, das derselbs seins costens Und Schadens an im bckomcn mög, so sol er zu appelliern zugelassen werden. Wa er aber söllielis nit tat, so sol er zu appellieren nit macht haben, sonder der urtail leben, doch also wann ain eommun in stetten, märekten oder dörffern appelliern wölt, das 10 dann gnüg sy, so der nieertail des rauts oder gerichtz söllich aid thue. Und ob yemand, war der oder die warn, den genanten unsent gnädigen herrn die seinen, oder die im zu versprechen stend, ge- niainlich oder ainen oder nicer darinn insonderheit unerfolgt und 15 Unerlangt rechts bekriegen, überziehen, belagern, angriffen oder beschädigen wurde, so sollen wir in allen unsern slossen, stetten, herschaften und gepieten bestellen, schaffen und darob sein, das die unsern, so das gewar oder ermant werden, zu frischer taut naehylen, retten und behalten sollen nach irem besten vermögen. 20 Und ob söllich nom wider erylt wurde, so sol das dem, des es gewesen ist, wie das erobert wirt, wider geantwurt werden. Möchten aber söllich Zugriff, gefangen oder nam nit erobert und zu Irischer taut erylt werden und sich die sach zu ainem täglichen krieg begab oder das der obgenant unser gnädiger lierr unerfolgt 5 rechts wie obstet bekriegt wurde, so sollen wir im zu Zusätzen legen hundert raisiger zft ross auf sein selbs kosten und unser selbs schaden und umb sollich hilf und zusätz mag er uns manen, alsdann mich derselben manung sollen wir im in viertzehen tagen den nächsten sollich unser hilf und zusätz legen und schicken an Da j ° a «s end uns von im bestimpt. Wurde er aber minder begern zft schicken, wie vil der wäre, sollen wir im zusenden, doch sol er alhvcg zum miiidsten söllich anzal, als sein gnad von uns begert, v °r da ligen haben. Und weihe also von uns dem obgenanten unserin gnädigen herren zu täglichem krieg zugeschickt werden, 0 C] e sollen der, wider die man sie brawehen wirt, feind werden und alsdann sein hawptlewten auf die feind zu ryten und die zu beschädigen mit andern den sinen gehorsam und gewärtig sein ge- rewlich und ungefarlich und nit von im ryten ane erlawben seiner gnaden hawptlewt ane geferd. Und diewyl er die hundert pfärd, 80 im vou uns /ft t ägii c ii e m krieg geschickt werden, wa es sich 76 anders also begeben, in seinem costen und auf unser selbs schaden haben wurde, was dann in söllichen sachen, darumb wir zülegaing täten, von im oder sinen hawptlewten gewonnen oder erobert wurd, nichtzit ausgenoincn dann was an ain gemain bewt gehörte, das selb auch daran wie sich gepürt komen sol, das übrig alles sol 5 im allain züstecn und pliben, es war dann das von unsern geschickten gegen sinen feinden oder widerwärtigen, dessglichen von inen gegen im, levvt niderlegen oder gefangen wurden, dieselben gefangen sollen gegen ain ander doch in glicher mass ledig gezelt werden und, ob überig gefangen vorhanden warn, dieselben sollen 10 sein gnaden allain zftsteen. Wann aber der genant unser gnadiger herro uns sein zftsätz zu täglichem krieg schicken und legen oder uns mit den' zwayhundert pfärden und achthundert zu fftss oder mit macht, wie dann die zwen artickel hernachfolgend davon anzögung gebend, zuziehen oder schicken, ob dann sloss, stett, lewt 16 oder gut erobert und gewonnen wurden, das sol getailt werden yedem tail nach anzal seins folks ungefarlich. War auch das der genant unser gnädiger herr mit gewalt oder macht überzogen oder seine sloss oder stett belagert wurden, darumb wann dann wir oder die unsern von im darumb erfordert werden, so sollen wir 20 mit im zuziehen, mit macht dieselben sloss und stett helfen retten und demselben uberzug und gewalt widerstand thün, als ob es unser aigen sach war, auf unser selbs costen und schaden. Ob auch dem obgenanten unserni gnädigen herren seine sloss oder stett abgewonnen wurden mit gewalt oder sunst, in weihen weg das be- 25 schee, und das er das widerumb zfi gewinnen understen wurde, darzü sollen wir im zu hilf schicken zwayhundert zft ross und achthundert zu fftss oder nach gclcgenhait der sach auf unser selbs costen und schaden und umb söllich hilf mag er uns manen, wie dann darvon in dein nächsten artikel begriffen ist, es war dann 30 das der widerstand so gross sein, das er mit macht oder sunst, in weihen weg das beschee, überzogen wurd, so sollen wir mit macht zuziehen, aber als ob es unser aigen sach war auf unsern costen und schaden wie vor, und ob söllich sloss und stett widerumb erobert wurden, also sollen sie dem, des sie vor waren, wider 35 geantwurt werden. Und wie oft wir im die unsern zu hilf schicken werden, wie obsteet, sol er allwegen an denselben enden bestellen das den unsern in gleich failem kawf und) irn pfenning liferung gegeben werd. Was auch schätzbarer und treffenlicher personen in söllichen kriegen, ausgenomen so wir im die hundert pfiirt zu $ 77 täglichem krieg schicken werden, wie davon hie vor geschriben steet, gefangen wurden, dieselben gefangen sollen gemain sein, doch sol man alwegen edel und raisig lewt oder sunst gefangen lewt gegen ainander ledig lassen ungefarlich. 5 Wann wir auch von des oftgenanten nnsers gnädigen herren wegen mit jemand, war der oder die warn, zu offner fehd und feindschaft kämen, so sollen wir uns von im nit ziehen, m- wortcn noch schaiden, sonder im bis zu austrag der sach mnhalt diser aynung berauten und beholfen sein getrewhch und ungetar- 10 lieh. Wh- und die unsern, auch unsere diener, die> iren.und die uns zuvorsprechen stend, sollen und wollen auch des obgeinelten unsers gnädigen herren feind, so bald uns die verkunt zu wissen gethan oder wir selbs gewar werden, in allen und yeghehen unsern slossen, stetten, märekten, dörfern und gepieten wissenüich mt 15 enthalten, hawsen noch hofen, äsen, trencken noch gelarhch Hinschieben, hilf, fiirderung noch beystand thün noch inen für sie dehaih gclait, trostung noch sicherhait geben, sonder dieselbe an- nämen und im zu sollichen sein feinden, an weihen enden die ergriffen wurden, rechts gestatten und ergeen lassen one intrag und 20 verziehen getrewlich und ungefarlich. Doch mögen wir amem yeden zu tagen und' tädingen gelait geben und, ob uns am iurSt, herr oder sunst ein gut freund zu haws käme und ungefarlich ainen mit im prächte, der des genanten unsers gnadigen herren, der sinen, oder die im zu versprechen stend, feind oder beschadiger 25 war, mit dem sol es ungefarlich gehalten werden. Und ob wir, die unsern, unsere diener, und die uns zu versprechen stend, von des gemelten unsers gnädigen herren wegen zu krieg kamen und unsere lehen aufsagten, so sol kain richtung aufgenomen werden, uns den unsern, unsern dienern, und denen so uns zu versprechen. 30 stend, syen dann zuvor unsere und ire leben wider gehhen. Und ob yemand, war der oder die warn, den obgenanten unsern gnadigen herren, die sein, oder die im zu versprechen stend, mit frombden oder auslendigen rechten gaischlichen oder weltlichen, dahin sie zu recht nit gehorten, zii bekümbern und umbzfitriben widerstunden, 35 über das er und sie an billiche end f ürzükomen nit warn erfordert noch inen die versagt heften, darwider und darinn sollen und wollen wir sein gnaden, den sinen, und die im /.«versprechen stond, ge- trewe hilf und bystand thftn, darmit sie söllicher frombder im auslendiger gericht entladen werden und bey zimlichen und bWicne 40 rechten beliben mögen. Doch ob er oder die seinen mit gaisc - 78 liehen gerichtet) von gaischlicher sach wegen von yeinand wurden angelangt und fürgenomen, das sol hierinn unvergriffen sein ungefarlich. Wolte auch der genielt unser gnädiger lierr sich zu andern fürsten, fürstgenossen oder communen verainen, das sol er vor an uns bringen, ob wir auch in söllicli aynung mit denselben komen 5 und verainen wollen, des stillen wir macht haben. Ob aber söllich verpüntnus von uns nit beschee und er sich dannocht zu denselben verpünden wurde, das er unserhalb auch macht haut, darinn sol er uns diser unser aynung und verschribung halb gegen denselben ausnämen und wir im von derselben wegen, und was in von der- 10 selben wegen angieng, dehainr hilf schuldig noch pflichtig sein. Und diso verpüntnus und aynung sol uns an unsern lehenschaften, pfandschaften, Öffnungen und dienstbarkaiten unschädlich und un- vergriffen sein. Und ob sich auch fügen wurd, das yeinand, war der oder die warn, die in diser verstäntnus nit wären begriffen, 15 den oftgenanten unsern gnädigen herren, die sein, oder die im zu versprechen stünden, wurden ersuchen und anlangen umb suchen, die sich von diser aynung und punds wegen, dieweil die geweret, begeben und verlofl'en hotten, darinn sollen und wollen wir nach diser aynung innhalt, so die ausgangen ist, sein gnaden und inen 20 dannocht berauten und beholfen sein zu glicher weis und in all- weg, als ob dise aynung dannocht werte. Und in diser aynung sollen ausgenomen und hindangesetzt sein alle erfolgte und erlangte recht von yeinand ausserhalb diser aynung erfolgt und erlangt, derselben wir dieser aynung müssig sein mögen ungefarlich. 25 Also haben wir für uns, all die unsern, die uns zügehörn und zu versprechen stend, gaischlieh und weltlich, dise püntnus und vcraynung mit allen und yeden irn stucken, puneten und artickeln von dato ditz briefs an und darnach von der nächstkunf- tigen mitfasten anzufallen und von derselben zit acht jar die nach- SO Sten nach ainander folgend zu weren, die sich endent auf den sübenzehenden tag des monats Marcij im sechsundnewnzigisten jare, by unsern aiden, so wir darumb zu gott und den hailigen gesworn haben, versprochen zu halten und zfl volfürn, alles getrewlich und ungefarlich. gg Und zu wavem offem urkund und vestung aller und jeglicher obgeschribner stuck und Sachen so haben von uns ob- genanten prelaten, graten, fryen herren, rittern und vom adel, nämlich ich Italhanns von Bödmen der zit als ain hawptman des tails im Hegöw und am Bodensew und zu im wir Wolfgang von 40 79 Klingenberg tütschs ordene landchomither der baly zu Elsäss und Burgunde, wir Johanns abte des gotzhaws Salmenswylr ordens von Citel, wir Jörg grafe zu Werdemberg und zum Hailigenberg und Johanns grafe zu Sonnenberg Truchsäss zu Waltpurg land- 5 v ogt, ich Marquart von Künseck zu Aulendorf ritter und Bilgrin von Rischach zu Stoffel, item wir Albreeht herr zu Lympurg des römischen reichs erbschenck der zit als hawptman des tails am Kochen und zu im wir Ludwig grafe zu Helfenstain der jünger, ich Albrecht von Rechberg von Hochenrechberg, Ulrich von Wester- 10 stetten, Cunrat von Ahelfingen von Hochenahelfingen, Rennwart von Well wart all vier ritter und Ber von Hürnhain hawsvogt zu Stutt- garten, item ich Ulrich von Preuntsperg zu Mündelheim ritter der z 't als ain verweser des hawptmans in der sach des tails an der •Thimow und zu im wir Symon abte sanct Jörigen gotzhaws zu *5 Oehsenliawsen und wir Symon abte des gotzhaws zu Obcrmarch- tal, ieh Johanns von Stoffeln zu Justingen fry, Lutz von Landow z i' Lutrach, Wilhalm von Stadion bald ritter und Burekhart von Ellerbach, item ich Wilhalm von Urbach der zit als ain hawptman des tails am Necker und zu im ich Cunrat Schenck von Winter- 2( * stetten, Herman von Sachsenheim, Jörig von Ehingen der zit ober- v Ogt zu Tüwingen, Hanns von Newneck all vier ritter, Wolf von Liehenhawsen der elter und Ludwig von Emershoffen der zit vogt z 'i Horb als für uns selbs und uns ander unser gemain gesel- schaften sanct Jörigen scliilts, des von inen geordnet und erbetten, 5 u nsre, aigen insigel an disen brief gehenckt, so haben wir burger- '"aister und rät des hailigen reichs stett Ulm, Esselingen, Rewt- "Ugen, Gmünd, Memmingen und Bibrach für uns selbs und all °bgenant stett zu der sach verwandt, des von inen beschaiden und Cl 'betten, unser stett insigel auch hieran thün bencken under die o obgeschriben insigel alle, nämlich wir obgenannten prelaten, grafen, b'yen herren, ritter und knecht under der obgenanten unser herren Ull d mitgescllen, dessglich wir die obgenanten stett under der ob- S e 8chriben unser mitstett anhangenden insigeln aller und yeder ol) gescliribcn stucken, puneten, artickeln und verschribung bey Unsern geswornen aiden verpunden, allermass als ob unser aller nisigel hieran Mengen und wir all von nainen zu namen hierinn geschriben stünden. Geben an sanct Vällentinstag des jars da man zalt nach ü(n " gepurd Cristi viertzehenhundert und im acht und achtzi- i0 gisten jare. 80 Graf Eberhard im Bart hatte ans Furcht, das* der Bund überwiegend österreichischen Zwecken dienen werde, mit dem Beitritt gezögert. Der Bund kam endgültig in Esslingen zustande (Tgl. Klüpfel, Urkunden zur Geschichte des Schwäbischen Bundes I, S. 13). Eberhard seihst hatte bei einer Unternehmung des ganzen Bundes zum ersten Aufgebot 3000 Mann zu Fuss und i> 300 zu Pferd zu stellen, heim zweiten die Hälfte. 24. Herzogsbrief für Graf Eberhart im Bart. 1495 Juli 21. Nach dem Originale im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck: Keyscher 11, 1. In dem mimen der heiligen drivaltigkeit. Wir Maximilian 10 von gottes genaden römischer künig zu allenn zeyten merer des reielis, zu Hungern, Dalmatien, Croatien etc. künig, ertzhertzog zu Oesterreieh, hertzog zu Burgundi, zu Lotherig, zu Brabant, zu Steyr, zu Kerendten. zu Crain, zu Lymburg, zu Lutzemburg und zu Ghel- dern, grave zu Flandern, zu Habspurg, zu Tiroll, zu Phirt, zu 15 Kyburg, zu Arthoys und zu Burgundi, phallentzgrave zu Henigew, zu Holland, zu »Seeland, zu Namur und zu Zutphen, marggrave des heiligen römischen reielis und zu Burgaw, landgravc in Elsess, herre zu Friesland, auf der Windschen march, zu Portenaw, zu Salin und zu Mecheln ete. embieten den erwirdigen hoch und auch 20 wolgcbornen, cdeln, strengen und ersamen unsern und des reielis churfürsten, fürsten, geistlichen und weltlichen, auch prelaten, graven, herren, ritterschaft und stetten und allen andern, die yetzo und hinfür in ewigkeit sein werden, unser genad und alles gut. Die lieb göttlicher natur hat anfangs die oebersten creaturen geschöpft, 25 nach genaden und verdienst crlcwchtet, in wirde und gewalt geordnet, dardurch göttlicher wille und gewalt nach ansehung von ewigkeit ordenlieh in der lieb beschehen und das obrist und himelisch reiche mit wirden und stenden der creatur gezieret wurde. Von dannen wir in cristenlicher versamblung unser das lieili^- römisch 30 reiche bekreftiget, geeret und enthalten gentzlieh glauben, auch geflissen sein sollen und wellen und, so ferre wir niiigen, den obristen fusstaffen zu gelcyehnuss unser vorfaren am reiche nachzufolgen, die nit allein zu erlewchtung und wirden sonder auch zu notdurft der zierung des reielis grossmechtigkeit fürstenthurab 35 und andere stende in wesen geordnet und versehen haben, derselben fürstenthumb und stende nach den feilen diser zeitlichen zergenglichen weit vil abkonien und erloschen seind, und so 81 solch eere, wird und steende nit ersetzt, dem heiligen reiche ain schein seiner zierung und grossmechtigkeit, auch regierung seiner lande und herrschaft mynderunge und mangel geberen wurd. Darumb aus der gebür unser regierung, auch notdurft S vorgemelt uns als römischem künig darein zu sehen zustet und durch person, hewser, land und herrschaft, die in den. heiligen reiche eerlich, loblich und zu eeren und nutz des heiligen reichs verdienstlieh herkommen sein, vorgemelten des reichs abgang zu erstatten. 10 Und wann nu das loblich hawse von Wirtemberg in dem •'eiligen reiche loblich, eerlich und fürstmessig herkomen und gehalten und besonder der hochgeborn fürst, unser lieber oheim, Eberhart hertzog zu Wirtemberg der elter cristenlichs eerlichs gemüets und regierung ist, sich auch dem reiche und sonderlich 15 bey unsern zeyten dienstlich und willig bewisen hat und hinfür fluni und beweysen soll, auch von genaden des allniechtigen mit landschaft und herrsehaften zu fürstlichem stände und wesen zu ''alten gnugsam begäbet ist, darumb aus vorgemelten Ursachen Und besonder naigung und genaden, die wir zu dem gemelten 20 unserm lieben oheim und fürsten und seiner landschaft im krays zu Swaben gelegen haben und tragen, so haben wir mit vil und w ol gedachtem zeytigem rat in scheinbarer zierde, offenbarem sess ind beywesen miscr und des reichs churfürsten und fürsten in mercklicher zal die vorgemelt wirtembergisch landschaft zu Swaben 25 gelegen mit allen herrsehaften, stetten, schlössen, lewten und guetem, 80 von dem heiligen reich zu leben herrüren, es seyen hertzog- thumb, grafschaften oder herrsehaften, gantz nichts ausgenomen, dem vorgenannten unserm fürsten und lieben oheim hertzog Eber- harten von Wirtemberg dem eitern zu leben vcrsamelt, verainigt 30 lud also sanientlich zu einem hertzogthumb geordnet, gemacht, erhaben und aufgericht und den titel und nainen des hertzogthumbs zu Wirtemberg gegeben, auch den yetzgemelten unsern lieben oheim ««d fürsten hertzog Eberharten zu Wirtemberg den eitern mit solchem hertzogthumb zu rechtem manlehen belebet und fürstlichen 35 hertzogthumblichen titel, eeren und würden gewürdigt und gehöhet, ordnen, machen und richten solch hertzogthumb auf und belehnen den vorgenannten unsern fürsten und lieben oheim hertzog Eberharten zu Wirtemberg den eitern damit wie vorgemelt ist, eeren, würden, erhöhen und begaben ine auch mit hertzogthumblichen 40 wirden aus römischer küniglicher machtvolkomenheit, eigner be- w ürtt. Geaohiohtsqnellen XI. 6 82 wegnus und rechtem wissen in und mit eraft dits briefs, also das yetzgemelter hertzog Eberhart zu Wirtemherg der eltor und sein nachkomen hertzogen zu Wirtemberg hinfür srdeli hertzogthumb zu Wirtemberg mit allen eren, titel, oberkeiten, herrlicheiten, wirden, freyheiten, nutzen, reuten, lewten, guten, hohen und nydern ge- 5 richten, wassern, Strassen, gelayten, zollen, saltzflüssen, ertz- und berckwerckhen, manrechten, wildpennen, gold und silber, müntzen, geboten unnd verboten, und allen andern gerechtigkeiten undei" und ob der erden besitzen, nutzen, niessen und in allweg zu ir notdurft als hertzogen des reichs, und wie sy das sunst bisher 10 auch getan haben, gebrauchen niügen, auch wäre hertzogen und fürsten zu Wirtemberg sein, sich auch titeis und namen allenthalb mit allen eeren, Sessionen, stenden und professionell an allen enden und stenden gebrauchen, f'rewen und also in hertzog- und f'ürsfen- thumblichen wirden von allen stenden wie hertzogen des reichs 15 geeret und gehalten werden. TJnd auf das solch unser und des reichs hertzogthum nit zer- trent noch getailt werd, sonder beyeinander beleih, als auch vormals im haws von Wirtemberge durch vertreg, das dieselbig herr- sehaft Wirtemberg beyeinander beleybcn und nit getrennt werden 20 solle, im besten auch angeschen und von löblicher gedechtnus unserm lieben herren und vater keyser Friderichen aus keyser- licher oberkeit bestett ist, als wir dann dieselben vertreg liicmit aus königlicher oberkeit und rechter wissen auch eonfirniiren und bestetigen in allermassen, als ob sy von wort zu wort hierinne 25 begriffen weren und geschriben stücnden. Demselben nach und damit hinfür fürstlicher stand und wesen der hertzogen zu Wirtemberg kiinftiglich (lest stattlicher und vcrniüglicher gehalten werden möge, so ordnen, setzen und wellen wir, das der vorgenielt hertzog Eberhart der elter solch hertzogthumb sein leben lang allein in- 30 haben und mit allen eeren, titel und nutzungen wie vorstet gebrauchen solle und möge und nach seinem tode und abgang graf Eberhart von Wirtemberg der jünger, so ferre er anders derselben zeyt in leben sein wirdet, der auch dasselbig hertzogthumb dann- tzuniale emphahen, inhaben, besitzen und mit allen wirden, eeren :fr und titel gebrauchen soll und mag, doch in der form und masse, wie der vertrag zwischen den vorgeinclten hertzog Eberharten dem eitern und grave Eberharten dem Jüngern hievor zu Esslingen gemacht, und des datum stect an Sonntag nach sant Egidien tag nach der gepurt Cristi unsers lieben herren vierzehenhundert und 40 83 im zweyundnewntzigisten jarcn l ), das inhaltet und aussweyset, denselben vertrag wir auch liiemit aus küniglicher macht volkommen- heit und rechter wissen confirmieren und bestetigen in craft dits briefs. Und ob alsdann zu solchem abgang hertzog Eberharts 3 des Jüngern eelich manlich leybserben von seinem oder des ob- genannten hertzog Eberharts des eitern leyb geboren in leben verbinden weren, so sollte doch desselben hertzog Eberharts des Jüngern eltester eelicher manlicher leybserbe vor hertzog Eberharts des eitern eelichen niaidichen leybserben an das hertzogthumb zu 10 Wirtemberg steen, treten und damit belehnet werden, damit ob- hestiinptcm vertrag zu Esslingen gemacht hertzog Eberharts des eitern halb nit abbruch geschehe. Doch wann derselben hertzog Eberharts des Jüngern eelicher manlicher leybserbe keiner mer in leben vorhanden were, so sollte alsdann solch hertzogthumb zu Wirtem- 0 berg auf hertzog Eberharts von Wirtemberg des eitern eltesten eelichen manlichen leybserben, und ob derselben auch dheiner in leben were, auf den eltesten von Wirtemberg und von dem auf sein ehest sune fallen, oder ob dersclbig eltest sun vor oder nach seines Vaters tod abgangen were und leybserben in absteygender linien einen oder mer süne von ime geborn oder suns kind mannsperson gelassen hette, so sollte des abgangen eltester sune mit dem gezielten hertzogthumb belehnet und vor allen von Wirtemberg dartzu gelassen werden. Ob aber der eltest sone dhein erben niannes- person, wie vorgeschriben steet, gelassen hette, so sollte auf den andern gepornen sune und seine erben mannespersone seines stamens das hertzogthumbe fallen, und ob dersclbig auch nit erben ln ;umcsperson und seines Stammes von Wirtemperg gelassen hette, alsdann das gcmelt hertzogthumb auf den drittgebornen sone fallen und der damit belebet und also für und für mit den anfeilen gehalten werden, also das die erstgebornen und die ihenen von irer sfe .ygenden linien allezeyt vor andern statt und Vorgang haben, so lang herren von Wirtemberg sein werden. Aufweichen auch solch hertzogthumb kommen wirdet, dersclbig auch das, inmassen wie vorstet, mit titcl, wirden, cren und nutzungen allain haben, emphahen unnd regieren soll und die andern von Wirtemperg das •erizogthumb bey zeyten solcher des eltesten regierung nit besitzen Hoch erben, sonder stillen sy von dem regierenden hertzogen mit ') Im Esslinger Vortrag vom 2. September 1492 war Eberhard dem Jüngern wieder die Nachfolge im ganzen Land, wenn auch mit Einschränkung, zugesagt worden. 6* 84 andern herrschaften und gnetern oder sunst werden versehen nach Ordnung, die yetzo zwischen den gemeltcn graven von Wirtemberg ist oder hernach aufgericht werden mag. Und als wir auch vermerekhen das gemuet und den willen des obgenannten hertzog Eherharts von Wirtemberg des eitern, da- 5 mit er zu unsern und des heiligen reichs eeren, nutz und merung, auch ewiger einigkeit, versamblung und frid der verwandten seines hertzogtliumbs geneigt ist, haben wir uns für uns und unser nachkommen am reiche, römisch keyser und künig, mit seiner lieb für sich, sein erben und nachkommen und sein lieb wiederumb also 10 gegeneinander in nachgeschribner Ordnung verdingt und verpflicht ewiglich. Ob es were, das gott der allmechtig nach genaden ver- hüeten welle, das der manlich stam und linea der hertzogen und herren von Wirtemberg gantz absterben und dlieiner mer sein wurde, das alsdann solch hertzogthumb durch uns künig Maximilian 15 oder unser nachkommen am reich, römisch keyser oder künig, nit soll oder möge ferrer yemand aus einichcr Ursache oder weyse, wie die gesein möcht, zu leben verleylien oder durch einichen andern titel, form oder mass gantz oder ichtzit von stetten, schlössen, nutzung oder zugehörde davon gegeben, verkawft, verewssert oder 20 in vergwaltung in ampts oder pflegweyse eingegeben oder in besess zugestellt werden, sonder solch hertzogthumb mit aller oberkeit, herrlicheit, manschaften, nutzen, lewten und guten, nichtzit ausgenommen, soll beleyben bey römischen keysern und künigen und bey dem heiligen römischen reiche ewiglieh und als ein merung 25 des reichs wydemgut und der camer incorporirt und verleybt sein. Doch ob zu derselben zeyt gülten, leybding oder schulde darauf steen wurd, die sollten von uns oder unsern nachkoinen am reiche, römischen keysern oder künigen, one costen und schaden der, so darhynder verschriben sind, ausgericht unnd bezalt werden. Und 30 ob zu solchem fal und abgang aller von Wirtemberg dochtern von Wirtemberg eelich geborn unberaten vorhanden weren, die sollten von uns oder unsern nachkommen am reiche mit heyratgut und in ander wege ausgestewert und beraten werden eerlich, wie dann im haws zu Wirtemberg herkommen ist. Item es sollten 35 auch alsdann römisch keyser oder künig, so sy persondlich im lande zu »Swaben iren hofe hielten, solch lande und lewt des gemelten hertzogthumbs regieren und versehen zum besten nach recht und erbern gewonheiten und iren freyheiten. Und nachdem sich in vergangem hertzog Eberhart der elter 40 85 mit seinem vetter grave Eberhart dem Jüngern iren landen unnd lewten zugut eins regiments"), das yetzo zum teyl angefangen und nach seinem tod auch gehalten werden sol, vereint hat, so sollt, ob wir vorgemelter kunig Maximilian oder unser nachkommen am 5 reich, römisch keyser und künig, unsern hof im land zu Swaben persondlieh nit halten wurden, demselben regiment gleich zu ob- gemeltem fal in einem monat dem nechsten darnach aus den prelaten und vom adel des gemelten hertzogthumbs zu Wirtemberg ein president fürgenommen und demselben aus solchen zweyen 10 stenden und auch der landschaft des hertzogthums zu Wirtemberg zwelf ret zugeordnet werden, nemlichen von yeglichem stand vier, durch dieselben das regiment der stend und verwandten vorgemelt versehen, auch der president und rete redlich versoldet und erber 8'ericht und recht aufrichtlich gehalten und durch sy in allermasse 15 gehandelt werden, wie der obgemelt vertrage zwischen hertzog Eberharten und grave Eberharten von Wirtemberg seinem vetter das an dem stuckh inhaltet. Wir und unser nachkommen, römisch keyser und künig, wellen und sollen in vorgemelten zeytcn und fal die prelaten, graven, herren, ritterschaft und stett, die wie vor- 20 stect uns und unsern nachkummen und dem reiche zugewachsen und angefallen weren, und alle des verleybten hertzogthumbs geistlich und weltlich getrewlich handhaben, schützen und schirmen vor allem gewalt, sy auch alle bey iren genaden, freyheiten, ober- keiten, herrlicheiten und rechten beleyben und sy davon nit tringen 25 oder engen, auch von nyemand anders tringen oder engen lassen in dheinen wege. Wir behalten auch in diser unser erhebung und belehung sust aus unser und des reichs oberkeit, die wir hiemit nit wellen begeben oder gemyndert haben. Und wiewol das hertzogthumb zu Deck mit anderm dem vor- 3 0 gemelten hertzogthum zu Wirtemberg auch eingeleybt und vereiniget i g t, so geben wir doch zu für uns und unser nachkommen, römisch keyser und künig, am reyche und wellen, das sich der obgemelt hertzog Eberhart zu Wirtemperg und sein nachkommen hertzogen zu Wirtemberg von solchem hertzogthumb zu Deck titeis, Wappens 35 und namens, auch aller ceren und wirden gebrauchen süllen und ln 'iigen, nit minder dann von dem obgemelten vereinigten und verleybten hertzogthumb zu Wirtemberg. ') Im Frankfurter Entscheid, vom 30. Juli 1489 und im eben erwähnten Esslinger Vertrag. 86 Ob auch solch hertzogthumb an uns, unser nachkommen und das heilig reiche fallen und kommen und die geistlichen lehen dartzu gehörig zu verleihen sich begeben wurde, so sollen und wellen wir und unser naclikumnien, römisch keyser oder künige, allezeyt zu solchen lehen benennen und presentieren die persone, die aus der 5 landschaft des hertzogthumbs geporn, soferre diesclbigen auf zeyt, so sich die feile der presentation begeben, geschickht; weren aber sölclie nit, so möcht man andere geschickhte presentieren, wie sicli von recht und herkommen gepüren würde. Und wir obgemelter künig Maximilian etc. bevelhen hierauf 10 allen und yeden unsern und des reichs churfürsten und fursten geistlich und weltlich, auch prelaten, graven, freyen, rittern und kneebten und allen andern, was stats oder wesens die sein, nyc- mand ausgenommen, das sy den genanten unsern fürsten und lieben oheim Eberharten hertzogen zu Wirtemberg und alle sein lehens- 15 erben und an solchem hertzogthumb nachkommen mit allen eeren, wirden, titel und namen allenthalb erkennen, haben und halten, unser und des reichs swere ungenad und ein pene tawsent march feines goldes zu vermeyden, halb in unser und des reichs camer und den andern halbcnteil dem gemelten hertzog Eberharten, oder 20 dem solch Verachtung geschehen were, unablesslich austzurichten und zu bezalen. Und hiebey sein gewest die erwirdigen und hochgebornen unser lieb neven und öheimen Berchtold zu Mentz durch Germanien, Herman zu Collen durch Italien, Johanns zu Trier durch 25 Gallien und das künigreich Arelat ertzbischoven und ertzcantzlcr, Philips phaltzgrave bey Reine ertztruchsess, Friderich hertzog zu Sachsen, landgrave in Döringen und marggrave zu Meyssen ertz- marsclialch, alle churfürsten, auch des hochgebornnen fürsten Johannsen marggraven zu Brandenburg etc. churfürsten potschaft, 30 Wilhelm zu Eystett, Johanns zu Worms, Ludwig zu Speyr bischove, Johanns abte zu Fulde, unser küniglichen gemahel cantzler, Albrecht hertzog zu Sachsen, landgrave in Döringen und marggrave zu Meyssen, Heinrich und Erich geprüeder hertzogen zu Brunswig etc., Friderich marggrave zu Brandenburg etc., Magnus hertzog zu Meckel- 35 bürg, Gerhart hertzog zum Berge, Wilhelm und Wilhelm beide landgraven zu Hessen, Rudolf fürste zu Anholt, Ott gefürst grave und herre zu Hennenberg, auch der künig von Hispanien, Neapels und der herrschaft von Venedig und anderer treffenlicher persone, fürsten, graven, herren und stett potschaft in grosser antzale. 40 87 Mit Urkunde ditz briefs, besigelt mit unserm küniglichen anhangendem insigel, geben in unser und des heiligen reichs statt Worms, am einundzweintzigisten tage des monets July nach Cristi gepurde viertzehenhundert und im fünfundnewntzigisten, ■ unser 5 reiche des römischen im zehenden und des hunnischen im sechsten jaren. Ad mandatum domini regis in eonsilio Bertoldus archiepiscopus Moguntinensis archieanccllarius subseripsit. 10 25. Tübinger Vertrag'. 1514 .luli 8. Nach dem Original im Ständischen Archiv zu Stuttgart. - Abdruck: Keyscher II, 40. Des allerdurchleuchtigsten, grossmechtigsten t'ürstcn und herren hern Maximilian von gots gnaden römischen kaysers zu allen zyten !B incrers des rychs etc. unsers allergnedigsten liern gesandt rate, »dt namen wir Jörig grave zu Montfort her zu Bregentzs, Cristof nerr zu Limppurg des hailigen rychs erbschenckh semperfry und Johann Schad baider rechten doctor und von gottes gnaden wir Wühalme bischofe zu Strassburg landgrafe in Elsäss, ouch von 0 denselben gnaden wir Hug bischof zu Costantzs, auch wir nach- benanten Schenckh Valentin her zu Erbach, Florentz von Veningen Daider rechten doctor cantzler und Franciscus von Sickhingen von unsern gnedigsten und gnedigen hern hern Ludwig churfürsten und nern Priderichen baiden pfalntzerafen by Reyn und hertzogen in ■' oaym gebrüder, Petter von Uffsess zu Bamberg und Wirtzburg thumbherr, propst zu Ghomberg und Ludwig von Hütten ritter v °n unserm gnedigen hern, hern Lourentzen biscliofen zu Wirtz- '»T'g und hertzogen zu Francken und Pleyckher Landtschade von «uns gnedigen hern hern Philipsen marggraven zu Baden und «•ötteln gesandt und verordnet rate bekhennen ofenlich in disem niete und thund kund allerineniglich, nachdem sich zwischend dem "'irchlcuchtigen hochgehornen fürsten und hern hern Ulrichen herzogen zu Wirttemberg und zu Teckh, grafen zu Mümppelgart etc. unserm lieben hern freund und gnedigen hern ains und den 0 0nv 'irdigen und ersannen prelaten und gemainer Landschaft snier lieb und gnaden fiirstenthumbs verwanten und nnterthanen »Jiderstails etlicli spenn und gebrechen gehalten, derenhalb etwas ufruren under gemainer landschaft sicli erwegt und begeben, aber darzwischent sovil in der gütin fürgenommen und gehandelt, das dieselbige zu gemainem einer lieb und gnaden usgeschriben landtag alher und zu ferrer handlang gebracht, ouch etwas vil tag her zwischent inen baydersyts gebändelt worden, aber zuletzst für uns 5 zu gütlicher handlang kommen, darinn wir sovil arbait und flys fürgewent und gethon, das wir sie solicher aller und sonderlich mit ir baider tailen gutem wissen und willen in der gute ent- schaiden und vertragen haben, wie hernach folgt. Nemlich und zum ersten söllent die landschaft für sich ob- 10 gemeltem hertzog Ulrichen fünf jar lange die nesten ains jeden jars geben und raichen zway und zwaintzig tusend guldin, dartzu söllent im die prelaten, stift, clöster, ouch die ämpter Münipel- gart, Nürtingen, Plamont und Rychenwylr ouch geben und raychen, als vil by denselben allen erraicht werden mag, und sölichs alles, 15 so die angezögten fünf jar lang allenthalp, wie obstet, gefeilt, söllent zu hertzog Ulrichs wachender schuld und zu stattlicher be- zalung der guten bewendt werden. Darnach und nach usgang der fünf jaren obgemelt söllent gemaine landschaft mit sampt den prelaten, stiften, clöstern, ouch den ämptern Mümpelgart, Nur- 20 fingen, Plawmont und Rychenwyler, so vil by denselben ämptern ouch erlangt werden mag, achtmal hundert tusend guldin houpt- guts zu ablösung der zins unnd guten, damit das fürstenthumb beswert ist, uf sich nemen und bezalcn, wie hernach folgt. Also das die landschaft für sich daran söllent geben zway und zwantzig 25 tusend guldin aines yeden jars, so lang bis obangezögt summa, achtmal hundert tusend guldin bezalt und abgelöst ist. Daneben söllent die prelaten, stift, clöster und obbestimpt ämpter jedes jars geben, als vil by denselben allen erlangt werden mag. Und was also von den prelaten und ämptern jarlicbs gefeilt, das soll in die 30 achtmal hundert tusent guldin gerechnet und daran abgezogen, also was zu yeder zyt jars von solicher somm achtmal hundert tusent guldin der verschribnen guten obbestimt abgelöst werden, dieselben söllent in hertzog Ulrichs seckel alltzyt gefallen. Und zu empfahung solicher järlichen rayehung, als neinlich der ersten fünf jaren, auch 35 nachfolgender landstcur der achtmal hundert tusent guldin söllent sonder personen, so vormals mit ämptern ynnemens und usgebens nit beladen sind, von hertzog Ulrichen und der landschaft mit Verpflichtung geordnet werden, solicher rayehung der ersten fünf jare fürter zu den wachenden schulden und bezalung der guten und 40 89 nachmals die landsteuer zu ablosung der zins und guten, damit das fürstenihumb beswert ist, und nit anders waliin trewlich zu wenden und zu keren und dernlialb alle jar gemeltem bertzog Ulrichen und der landscbaft ufricbtlicb redlich rechnung zu tand. 5 Und hieruf soll hertzog Ulrich US sondern gnaden, die er zu siner landscbaft tregt, den landschaden, so bisher im gebrucb gewesen, yetzo abthun und nachlassen, also das der binfüro nit mer begert werden oder sein soll. Doch das dise'nachlassung des landschadens und die bezalung der ersten zway und zwaintzig tusend guldin 10 ains mit dem andern zugeen und besehenen. Der houptkrieg halben, so die zu rettung land, leut und siner herzog Ulrichs verwandten, zu handhabung siner ober- und her- Ücheit, ouch gerechtigkait, hilf und haltung siner aynung bisher angenomen und beschlossen, und der ihenen, so er fürter seins !5 gefallene dem fürstenthumb zu gut annemen und thun mag, für- genomen wölten werden, so soll das geschehen mit rat und wissen gemeiner landscbaft. Würde aber hertzog Ulrich usserhalb der obgemelten stück ainich krieg fürnemen und jemand us freund- schaft oder sunst fürschuh oder hilf thun, so soll dasselbig ge- 20 schehen mit rat, wissen und willen gemainer landscbaft, sover anders hertzog Ulrich von inen hilf haben wölt. Und sol in allen stücken hertzog Ulrich wie sine voreitern die liferung geben, des- glychen die landscbaft mit iren lyben, fürung und anderm dienen, wie von alter herkomen und by hertzog Ulrichs voreitern ouch 26 geschehen ist, alles ungevarlicb. Und ob ain landskrieg obgemelter mass angenomen und man hilf darzu thun müste, das dann dieselbig zyt dise yetzige an- genomne hilf ainen stillstand haben soll, doch unabbrüchlich disem zusagen bis zu end der kriegsbilf. Dergestalt soll es ouch gehalten 30 werden, wa ein regierender fürst, das got verhüt, gefangen würde, u «d soll die landschafft alsdann zu erledigung irs regierenden landsfürsten treuwlich helfen und soliche hilf mit irem rat und Wissen fürgenoinen werden, wie dann by bertzog Ulrichs voreitern geschehen ist. 35 Damit ouch der gemain man den last so viel lydenlicher und williger tragen, so soll inen hertzog Ulrich ainen fryen zug gnedig- lich vergönden und zulassen, doch also das in den nesten fünf jaren niemands von der landschaft us dem land ziehen. Wollt aber jeniands in solcher zyte sine kind us solichem verhyraten, der soll 40 des macht haben mit abzug des zehenden pfennings aller hab, die 90 das usgestürt kind hinus niinpt und sölicher abzug des zchenden Pfennings soll hertzog Ulrichen in den fünf jaren in sinen scekel gefallen. Wölicher aber nach usgang sölicher fünf jaren in den andern nestfolgenden fünf jaren hinus ziehen oder sine kind hinns hyraten wölt, der soll das zu thun macht haben mit abzug des zchenden pfennings, wie obsteet. Wölicher aber nach usgang yetz genielter zehen jar in nestfolgenden zehen jaren hinus ziehen wölt, der soll den zwaintzigsten pfenning zu abzug geben, und fürous wer nach den zwainzig jaren hinus zühet, der soll für den abzug zu geben nichtz schuldig, sonnder alsdann fry sein. Und was 10 also nach verschynung der ersten fünf jaren von abzug gefallet, soll der landschaft zu hilf der zway und zwaintzig tusend guldin zufallen und konien. Und hieruf söllent land, leut, schloss, stett und dörfer one rat, wissen und willen geniainer landschaft nit nier versetzt oder 15 verendert, aber doch ob sich erschainten eehefig not und Ursachen, söllent in sölicher bevvilligung ouch betracht und angesenhen werden, ouch gemaine landschaft nit schuldig sein sich fürter mer als mitschuldner zu verschryben und zu bcsiglen. Derglychen soll ouch ainich Schätzung oder sunst ander unordenlich hilf oder beschwerdc, 20 wie die namen haben mügen, fürter uf prelaten oder landschaft, nit mer gelegt werden. Wie aber die töchtern von Wirtcmberg usgestürt und was inen in erbfals wyse zusteen, soll sich hertzog Ulrich mit siner landschaft deshalb underreden und veraynigen. Es soll ouch niemands in pynlichcn Sachen, wa es eer, lyb 2ö oder leben antrifft, anders dann mit urtail und recht gestraft oder getötet, sonder ainem yeden nach sinem verschulden rechts gestattet werden, es were dann in feilen, darin die kayserlichen recht anders zu thond zulassen, und mit gefengnus und frag soll es, wie von alter herkomen ist, gehalten werden. Damit 30 aber hertzog Ulrich von Wirttemberg by land und leuten und herwiderumb land und leut by sinen fürstlichen gnaden in fryden und gehorsami, onch ain yeder biderman by hüslichen eeren, wyb und kinden, onch by recht und gerechtigkait belyben, des- glychen sein fürstlich gnad und die erberkait sich vor ungehor- 35 sami, schmach und niderdruckung der ungehorsamen und böfels ufenthalten mögen, so haben genannter hertzog Ulrich, ouch gemaine landschaft, der nachfolgenden Satzung sich miteinander beratenlich veraint und entschlossen. Ob sich begebe fürohin, das jemands, wer der were, ainich uflöff und embörnng machen oder fürnemen 40 91 würde wider die herschafft, irer fürstlichen gnaden rät, amptleut, wiener, prelaten, gaistlichait, burgermaister, gericht, rat oder snnst wider die erberkait, die niderzudrücken, desglycheu wölicher in ainem feldleger oder in besatzungen den houptleuten ainieh freve- 5 lieh ungehorsami erzögten, ouch ob yemands ain geboten oder glopten friden frevelich brechen würden, an wölichem deren jetweder Übeltat erfunden und usgefürt oder soliclis offenlich am tag lege, der soll sein lyb und leben verwirekt haben und ime daruf sein verschulte straf ufgelegt und an ihm vollstreckt werden, es sy mit 10 viertaylen, radbrechen, ertrencken, enthoupten, mit dem strick richten, die hend abhowen und derglychen, wie sich das alles nach grossen und gelegenhait der Übeltat zu thund gehurt. Hieruf so söllent zusampt der erbbuldung alle amptleut, gericht, rat, und gantz ge- uiaiiulen mit sampt allen dienstknechten lyplich ayde zu got und 15 den hailigen schweren in dem, als oblut, ainander getreuwen hilf und bystand zu ton und nit zu verlassen, sonder sölich ubcltctcr ind böfel als niderdrücker der gerechtigkait und erberkait, so die Notdurft und gegenwere das erfordert, niderzuschlahcn und zu dernincn oder fenglich anzunemen und der oberkait mit guter ge- u Warsami zu äberantwurten, darin ain yeder dem andern, sobald er des gewar oder erfordert wirdet, tröstlich zutreten, damit also die frommen und erbern sich by dem iren, ouch by friden und ge- ''echtigkait, behalten und vor dem böfel plyben niügen. Zu discr trostlichen und notdürftigen erbern handlungen gibt hertzog Ulrich 0 yetzo und allweg befelh und gwalt, hierin also mögen fürgeen und volstreckung thun, wie sein fürstlich gnad des in kraft siner e *upfangen regalien und fürstlichen oberkait zu thun gwalt und Wacht hat. Darzu ouch sein fürstlich gnad gnedig trostlich und getreuw hilf und bystand allezyt thun und darin die erberkait nit verlassen will. Wa ouch yemand, vor und ee solich uflöuf, em- Dorung und ungehorsami sich offenlich erzögto. erfaren oder gewar Wurde ainichen argwon, anschlag, zusamenschlupfung oder rottieren, es sy mit worten oder wereken, das zu solichem bösen fürnemen dienen mag, das soll ain jeder by obgemeltem sinem geswornen «nie von stund an dem, so also etwas zu ungutem widerfaren sollt, " lu 'h der oberkait, es sy tag oder nacht, fürbringen und ain getreuwe Warnung thun, wie das einem jeden biderman gebärt und zu thund schuldig ist. In welichen hüsern und wonungen man ouch erfin- ( h't, (l as wissentlich darin solich bös fürnemen geratschlagt, davon auschleg gemacht und abgeredt sint, in oder us desselben behusung 92 zu thun, solichc hänser und wonung söllent abgebrochen oder vcr- prennt und uf dieselbig hofstatt zu öwiger gedechtnus nymer mer gebuwen, oucli zu des manns erlitten straf, als oblut, sein wyb und kinden des fürstenthumbs verwysen werden. Und ob in vergangen handlangen jemand zu dem andern einigen versprach, 5 gläbd, aide oder zusagen geton betten, ainandcr hilf zu thun und nit zu verlassen, das alles soll hiemit toud, ab, kraftlous, unbindig, gantz ufgehept und kain tail dem andern darin nichtzit verbanden sein, aber fürohin sollent derglychen verpundnussen by obgemclten geswornen ayde nymer mer geschehen, by vcrmydung der straf 10 hie oben geschriben. Und ob hertzog Ulrich und sein bruder on manlich eeliche lybserben mit toud abgieng, so soll alsdann die obgemclt hilf toud und ab sein, aber nit destweniger die obbestimpten fryhaiten in allweg beständig sein und plyben, doch das die schulden und 15 guten uf dem fürstenthumb steen, ouch die, so hertzog Ulrich und des bruder hinter inen verlassen würden, vor allen dingen von den gefeilen und nutzungen des fürstenthumbs usgericht und be- zalt werden. Und sollent die obangezögt fryhait von hertzog Ulrichen und 20 darnach für und für von aller herschaft allweg in anfang irs regi- mentz zu halten, des ir brief und sigel, darinnen sie sich by iren fürstlichen wirden im wort der Wahrheit dieselben fryhait zu halten verpflichten sollen, gemainer landschaft übergeben werden und davor sie ynzulassen oder inen gehorsami zu laisten nit schuldig 25 sein. Dagegen sollen gemaine landschaft gemeltcm hertzog Ulrichen, sin erben und nachkhomen regierenden globen und schweren, wie inen fürgehalten wirdet von worten zu Worten also lutende: Ihr werdent schweren aide zu got und den hailigen, unserm gnedigen forsten und herren, siner fürstlichen gnaden erben und nachkommen 30 des herzogthumbs zu Wirtemberg trew und hold zu sind, siner gnaden, dero raten und verordneten amptlcuten geboten und verboten von siner gnaden wegen gehorsam und gewertig zu sein, sinen fürstlichen gnaden frouien und nutz zu schaffen, dero schaden zu warnen und zu wenden nach uwerm besten vermügen, euch 30 erzögen und halten, wie from gehorsam underthan sich gegen ir natürlichen herschaft erzögen und halten sol, ouch üch, uwer lyb und gut, wyb und kind, so lybaigen sind, nit zu verendern on bcmelts unsers gnedigen fürsten und hern oder siner fürstlichen amptleut wissen und erloben, alles nach vermag der gegeben fryhait, ^ 93 äarzu sein fürstlichen gnaden und deren erben hertzogen zu Wirt- temberg und iren nachkomen die hilf zu thun und zu geben, ouch die handhabung der gehorsami und oberkait sein fürstlichen gnaden zugesagt und verschrieben, wie hievor in dein artickel die straf der 5 pinlichen Sachen betreffent aigentlich anzögt, usdruckt und begrifen stet, treuwlichen zu volziehen und zu halten, wie sich nach inhalt sölicher verschrybung, ouch der vertrage zwiscliend unser gnedigen herschaft und gemaincr landschaft ufgericht und gemacht zu thund gebürt, alles erberlich, trewlich und ungevarlich. Ouch wo hie W üben licrtzog Ulrich benennt, söllent sin erben als fürsten zu Wir- ternberg, derglycli wo die landschaft benennt werden, alle ire nachkommen hiemit gemaint, verstanden uad allem dem so hierin ge- schriben stet folg zu thun verpflicht, ouch uf solichs alle und yede gebrechen, ouch darus folgend ungnad, widerwertigkait und strafe, 15 was derselben zwischent bemelten tailen bisher empfangen, ge- schenhen und sich darunder begeben und verloffen haben in gemain and sonderhait, hiemit gentzlich ufgehept und nachgelassen sein und plyben, alles getreuwlich und ungevarlich. Und söllent hieruf ''crtzog Ulrich und gemaine landschaft römisch kayserlich majestat 20 «nsern allcrgnedigstcn hern sollicher aller obgeschribner vertreg Und fryhaiten gnugsam berichten und ir majestat daruf in under- tenigkait bitten gnediglich zu confirmiern und bestetigen. Das alles zu warem urkund haben wir dises unsers gütlichen v «'trags und spruchs zwen briefc glychs luts ufrichten, mit unsern 25 Cristofeln hern zu Limpburg als kayserlicher majestat mitgesandter ra te, Willmlm bischof zu Strassburg, Hugen bischofen zu Costantzs, Schenck Valentin herr zu Erbach, Pettern von Ufsess thombhern, P'yckhern Landtschaden anhangenden insigeln, mangelshalp diser z yt unser andern insigeln, jedem tail deren ainen übergeben lassen 30 zu Tüwingcn uf sampstag sankt Kylian des hailigen bischofs und ^arterers tag nach der geburt Cristi unsers lieben herren im fünf- zehen hundertsten und vierzchenden jaren. Der Aufstand des Armen Konrad hatte zur Einmischung des Kaisers 35 eefUhrt - Ein Nebenabschied von demselben Tage brachte die Abstellung zahlreicher Einzelbeschwerden. 94 26. Erste Ordnung für die landschaftlichen Ausschüsse. [1521 Juni 2.] Nach dem Originalentwurf im Ständischen Archiv zw Stuttgart. — Abdruck: Eeyscher I, 304 Aura. 527 mit falschem Datum. Ordnung wie man fürt er ain usschutz der land- 5 schuft beschryben soll. Diewyl die Verwaltung des ynnemens und usgebens in der landschaft hand konien und wachsen soll, so ist sieh zu vermuten, das die notturft gemeiner landschaft und sonderlich deren, so aber das ynkomen und usgeben verordnet, zum dickenmal erhaischen 10 werd den usschutz der landschaft zu beschryben und zu erfordern. Damit dann dasselbig mit dem geringesten costen zugang, so hat sich die landschaft nachvolgender maynung entschlossen. Erstlieh so soll ain usschutz geordnet und erweit werden von VII personen, neniblieh ainer von den prelaten, ainer von Stut- 16 garten, ainer von Tubingen und sunst vier von der landschaft, die sollen der ciain usschutz genent werden und furterhin macht haben in den geringen und clainen Sachen ze handeln und ze beschliessen, was die notturft erfordert und sie jeder zyt für fruchtbar und gut ansieht. 20 Nebent demselben so soll ain wyterer usschutz und zusatz verordnet und erweit werden von VI andern personen von der landschaft, die mitsampt ainem prelaten dem ersten usschutz, so die sachen etwas treffenlichs und dapfers berucren wölten, getrulich helfen handeln und rautschlagen zu nutz und notturft gemainer 26 landschaft, so oft sie darumb erfordert, besehriben und ermant werden. Item die von Stutgarten und Tübingen mitsampt den geordneten von der landschaft, so by der eantzly sin werden, sollen jeder zyt macht und gewalt haben in geringen Sachen den clainen 30 usschutz allain oder in dapfern handeln gross und ciain usschutz mitainander zu beschryben und zu erfordern, so oft sie das für notturft, nutz oder gut ansieht. Item es sollen zu baiden vorgemelten usschutzen genomen und beweit werden froni, erber, dapfer und vernunftig personen, '$> die vorhin zu den vergangen landtagen gebracht und der landschaft anligenden hendel und Sachen erfaren und bericht, auch ains sollichen statlichen ansehens und Vermögens syen, daz sie der landschaft sachen mögen anhangen und uswarten. Und so die selben 95 "» clainen «der grossen usschutz also beschriben und erfordert werden, so soll man inen von der landschaft gelt US genminem seekel geben von bus US bis wider bayin für liferung, zerung und allen Unkosten uf ain jeglicb person für man und ross des tags 5 XIUI Schilling heller, desglycken dem von Stutgarten, der in solchem usschutz verordnet wurd, des tags VII Schilling heller und nit wyter. Es mögen ouch die, so usserthalb Stutgart in sollichcn baiden usschutzen verordnet und erweit, so oft sie beschriben werden, ir jeder ain knecht mit im bringen, dem ouch für liferung 10 und uncosten alle tag uf man und ross XIIII Schilling heller geben und gerechnet werden sollen und nit wyter. Die vorgemclten erweiten personen in baiden usschutzen sollen °uch also verordnet blyben und nit geendert werden, es were dann, das sich ainer oder mer us inen nit geschicklich hielten oder sunst 15 durch kranckheit oder in ander weg untaugenlich wurden, so hat (li c landschaft jeder zyt macht den oder die selbige mit andern geschickten personen zu ersetzen nach irem gefallen. So oft ouch furterhin ain gantze versamblung ains gemainen landtags furgenomen und gehalten wurdet, so haben sie alwegen «nacht diso baid usschutz zu endern, zu mindern, zu meren, gar abzethun oder von nuwen zu besetzen nach irem guten willen und ^gefallen, wie sie jeder zyt für nutz, notturftig und gut wird ansehen. 20 25 Das Datum ergibt sich aus der bei Sattler II, Beil. 82 abgedruckten Anweisung für die Kammermeister, die gleichzeitig in das Leben gerufen wurden. 27. Kaadener Frieden. 1534 Juni 29. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchive zu Stuttgart. — Abdruck: Keyscher II, 75. Wir Albrecht von gots gnaden der hayligen römischen kirchen des titeis saneti Petri ad vineula priester cardinal, legatus natus, sitzbischof zu Magdeburgk und Meintz primas, des hayligen römischen reichs durch Germanien ertzcantzler und churfürst, admini- Strator des Stifts zu Halberstadt, marggraven zu Brandenburgk, zu Stettin, Pommern, der Cassuben und Wenden hertzog, burggraf zu Nurembergk und fürst zu Ruhgen, und von denselben gnaden wir jJ«Wg hertzog zu Sachsen, landgraf in Doringen und marggraf zu ^eyssen bekennen und thun kundt an diesem offnen brieve, nach- 96 dem und als /wüschen dem allerdurchlouchtigen grosmechrigen hochgepornen fürsten und hern, licrn Ferdinando römischem künige, zu allen zeiten melircr des reichs, in Germanien, zu Hungarn, Bebeim, üalmatien und Croatien etc. kunig, infant in Hispanien, ertzhertzogen zu Österreich, hertzogen zu Burgundi, Brabandt etc., 5 gravcn zu Tyrol etc., unscrni gnedigsten bern an einem, und dem hochgepornen fürsten bern Jobans Fridericben bertzogen zu Sachsen, des bayligen römischen reichs ertzmarschalh, cburfürsten, land- graven in Doringen und marggraven zu Meyssen, unserm freunt- lichen lieben bern ohmen, brudern und vedter, sampt derselben 10 mitverwantcn anders tayls sich ein zeitber etlich zwyspalt und gepreeben von wegen irer römischen königlichen maiestat bescheene wähl zu römischem kunige, dawider bemelter churfürst zu Sachsen sampt seinen mitverwantcn aus etlichen vorgewanten Ursachen protestirt, auch von wegen etlicher disputation und irrung, so des 15 f'ridestands halber, jüngst zu Nurcmbergk in der rcligionsacbe behandelt und durch die römische kayserliche maiestat aufgeriebt, etlicher am kayserlichen camergericht vorgenohmenen process halber vorgefallen, unentschayden gebalten, das wir dem bayligen reich deutzscher nation zu nutz, ehren und wolfarth, auch allen stenden 20 desselben zu rwhe, fride und aynigkeit auf gnedig Zulassung hoch- gemelter königlicher maiestat, auch mit bewilligung gnants unsers obmen, brudern und vedtern des churfürsten zu Sachsen von wegen sein und seiner mitverwantcn uns gantzer getrawer wolmaynungc in solchen gepreeben guetlich zu handeln eingelassen haben und 25 so dann eben zur selben zeit, als wir in solcher handlung gestanden, sich zugetragen, das die hochgepornen fürsten her Ulrich hertzog zu Wirttembergk und grave zu Deck etc. und her Philipps landgraf zu Hessen, graf zu Catzenellnpogen, zu Dietz, Zygenhayn und Neyda etc., unsere lieben ohmen und son, understanden das 30 hertzogthuirib zu Wirttembergk zu ubertzybcn, eynzuncbmcn und zu erobern, wie sie auch dasselbig sampt seinen vestungen gantz erobert und eyngenobmen betten, auch in weytberm furnehmen gestanden, daraus, wa solchem nit vorkommen, merklicher unrath im bayligen reich hette ervolgen mögen, des wir dann die konig- 3ü liehe maiestat, die herwiderumb auch in tapferer krigsrüstung, solchem vornehmen mit der that zu begegnen und dassclbigc irer maiestat abgedrungen fürstenthumb wider zu erlangen, gestanden ist, aus schuldiger pflicht undertheniglicb erinnert und gebethen, das ire königliche maiestat in ansebung itziger leuflt't und 40 97 Beschwerungen uns gnediglich nachlassen wolt, das wir neben den vorangetzaygten irrungen in derselben wirttenibergischen sach auch 'mittel und wege suchen mochten, dardurch solch furnemen gestillct, die krigsrüstung von hayden taylen abgethan und ferrer beschwerung, 5 so dem reich und deutzscher nation daraus crvolgen mochten, vorkommen werden, das dann irer königlichen maiestat auf solche unsere underthenige bitt, als ein gnediger guethiger römischer kunig, der gemeynes reichs ehre und wolfart vor derselben irer maiestat a ygen nutz zu gemüth gefurtli, uns gnediglich nachgehangen, auch to obbemelter unser her oheim, bruder und vedter der churfürst zu Sachsen anstadt und in vollmacht iztbemelter bayder f ürsten hertzog Ulrichs von Wirttcmbergk und landgraf Philips zu Hessen solche guetliche underhandlunge gewilligt und eyngereuhmet hat und wir u "s derselben im nahmen gottes underfangen. Und so wir dann 15 deshalb etliche tage erstlich auf sant Annaperge, auch volgende z "m Cadam im kunigreich Beheim, dahin wir uns den Sachen zu Smth zu der römischen kuniglichen maiestat aygener person gefugt, a "eh den churfürsten zu Sachsen vermocht, das sein lieb zuletzt a ygener person auch dahin kommen, in embsigor, vleyssiger hand- 2o hinge gestanden, haben wir beschlieslich durch verleyhung des allemechtigen und mit aller tayl volwort und verwilligung alle s, dche zwyspalt, irrungen und geprechen auf nachvolgende maynunge beredt, gesühnet und endlich zu gründe bcygclegt und vertragen, vv 'o hernach volgt und gemcldt wirdet: Erstlich das der friden und stillestand zu Nurcmbergk, [so] •b'ngst aufgericht und, wie obgemclt, durch römische kayserliche "'aiestat allen stenden zuhalten gebothen ist, in allewege soll ge- 'alten und demselben nachgelebt werden. Und nachdem ein mys- v erstand darinnen vorgevallen, so hat die königliche maiestat gnediglich gewilliget, das ire königliche maiestat von wegen der ^ayscrlichen maiestat beschaffen wolle, das mit den processen am Ca yserlichen cammergericht zu crhaltung solchs fridestands wider (|,e > so darinnen benent sein, stiller gestandn, auch alle die bisher v °''genohmcne process wirklich abgeschafft werden, alles nach lauth üesselbigen aufgerichten fridestands. Doch so sollen in allewege ü'e sacramentirer'), widerteufisch secten, auch andere newe un- c ''ristliche secten, die hinforthan erregt werden mochten, hirinnen ') Gemeint sind namentlich die Zwingliancr, zu denen Herzog Ulrich Persönlich hinneigte. Wt 'Ttt. GeBcliichtsquollon XI. 7 98 ausgeslossen sein und durch die königliche maiestat, churfürsten, fürsten und stende eintrechtiglich gewehret und in iren landen nit geduldet noch gelieden werden. Und soll sunst hierüber kein tayl den andern in der religion Sachen ubertzyhen, vergeweltigen noch des seinen entsetzen bey einer ansehenlichen peen, nemlich, wa eyn chur- 8 fürst dawider handelt, bey verlast seiner chur und ein ander fürst, stand oder stadt bey Verlust seiner regalia, privilegia und leben. Und soll solcher fridebrecher darüber mit der that in die acht gefallen sein. Und in allen andern Sachen soll ihme ein yeder thail gegen dem andern an gleich und recht benugen lassen und 10 keiner den andern sonder vorgehend ordentlich rechtlich erkentnus des seinen entsetzen, nbertzyhen noch vergeweltigen, auch den ihenigen, so sich des widerstehen mochten, sie weren in diesem friden begriffen oder nit und wurde von ihnen in waserley schein solchs erdacht, mit der that understanden, mit gar nichts hulf noch 1& furderunge darzuthun weder mit leuthen, geldc noch practiciren, oder wie sunst solch tetlich furnehmen mocht diesem frieden zu entgegen gesterekt werden, alles bey obangetzaygter peen. Doch das der verdechtige des Verdachts zuvorn vermuge des aufgerichten landfridcns überwunden werde. Welchs alles die königliche 20 maiestat von wegen der kayserlichen maiestat, und vor sich selbst gnediglich gewilligt und hirmit confirmirt hat, dawider nit zu thucn noch zu verhengen. Ferrer ist auch beredt und vertragen, das der churfürst zu Sachsen sampt seinen mitverwandten den römischen kunig wie andere churfürsten, fürsten und stende für 20 ein römischen kunig erkennen, seiner maiestat den titcl geben und von der disputation der wahlsachen abstehen und die fallen lassen soll und will, wie auch sein lieb vor sich und seine mitverwanten davon gegenwertig abgestanden und darauf den römischen kunig erkant hat. 30 Dargegen hat die königliche maiestat bewilligt bey der kayserlichen maiestat zu erlangen und iros tayls bey den churfürsten hier- zwüseben und ostern nchstkommend zu sollicitiren, das diese nach- volgende artickcl bewilligt und darauf durch die kayserliche maiestat bey der gülden bullen confirmirt und diesclbige damit orderet $ und verbrievet werde. Nemlich das kunftiglich, wann bey leben eins römischen kaysers oder kunigs ein römischer kunig soll er- wchlct werden, alle churfürsten zuvorn zusanipne beschayden werden, davon zu reden, ob ursach gnugsam vorhanden und dem reich vertreglich scy, ein römischen kunig bey leben eins kaysers oder i0 99 kunigs zu erwehlen. Und wann sie sich des veraynigt, das alsdann und nit ehr die churfürsten vermöge und inbalt der gülden bullen sollen zu königlicher wähl erfordert und zur wähl geschritten und derselben bullen unveruklich in allem nachgegangen werden. 5 Und wa die wähl in dem fall anders fiirgenohmen und ergieng, das dicsclbig nichtig und durch ein deeretum irritans der kayser- Üchen maiestat cassirt sein soll. Und hirmit soll aller unwill und vcvdruss, so uf allen taylcn kegeneynander gefast, aufgehoben und durch die kayserliche und königliche maiestaten in Ungnaden 10 Oder sunst durch andere stende bayderseits in unguthem nit geahnt noch geefert werden. Im fall aber, das solche obgemcltte artickel zwüschen an- getzeigter zeit durch den merhern tayl der churfürsten nit bewilligt n °ch bcslossen und die kayserliche maiestat zugelassen, bestetigt 15 und verbrievet worden, so soll dann der churfürst zu Sachsen sarapt seinen mitverwanten des kunigs der wähl und titeis halber widerumb freystehen und ihm sein recht vorbehalten sein, sich auch die königliche maiestat in keinerley weise in noch auserhalb rechtens des falles darmit zu bchelfen haben. Und dannoch soll 20 ein tayl gegen dem andern sich an gleich und recht benugen lassen. Wi e es auch der personen halber, die zu romischen kunigen zu erwehlen und nit deutzscher sprach oder gezunge weren, auch ob zwene, drey oder mehr römische kunige aus einem hause nacheinander mögen crwehlct werden, darum!) sollen sich die chur- 25 forsten inwendig vorbestimpter zeit vergleichen und veraynigen u, id solchs in irer veraynigung verordent werden. So sollen auch de 'n churfürsten zu Sachsen und seiner lieb unmündigen bruder 111 vorberurtcr zeit ihre leben und regalia gelyhen werden. Es wollen auch die königliche maiestat sich bey der römischen 30 kayserlichen maiestat zum hohsten und trewlichsten bevleyssigen, das der vertrag des churfürsten zu Sachsen mit Gülich und Clef durch Lre kayserliche maiestat bestetigt werde. Dann sovil die bekrigung und eynnchmung des fürstenthumbs 3 ^ttemhergk belangt, ist beredt und vertragen, nachdem die d kÖnigli Cne maiestat hievor von der kayserlichen maiestat mit dem fl "stenthumb Wirttembergk gnediglich und freuntlich belehent * e 'n, das die römische königliche maiestat den titel herzog von Wirttembergk behalte und hinfür bemclt furstenthumb Wirttembergk des hauses Osterreich afterlehen scy und hertzog Ulrich dasselbig V(m römischer königlicher maiestat als regirendem ertzhertzog zu 40 100 Österreich zu lehen emphahe und ire königliche maiestat oder derselben erben, ertzhertzogen zu Österreich, nach abgange gedachts hertzog Ulrichs verpunden sein angetzaygt t'urstenthumb seinen nianlichen ehelichen leibeserben zu lehen zuverleyhen und sie die hertzogen von Wirttembcrgk, so oft sich der fall begibt, solchs von dem hause Österreich also zu aftcrlehen zu cinphahen schuldig sein, doch dem hayligen reich, sein obivkeit und gerechtigkeit, auch dem von Wirttembcrgk sein standt und stymm im reich, wie er solchs zuvor gehabt an bemeltem hertzogthumb, in allcwcg vorbehalten, der gcstalt das sich die königliche maiestat vor sich 10 und ire nianliehc erben und nachkommen, ertzhertzogen zu Osterreich, kegen aufrichtung dieses Vertrags verschrieben hat, so oft von ircr königlichen maiestat oder derselben lehenserben das fürstenthumb Wirttembcrgk zu aftcrlehen verlyhen wirdet oder so sich der fall obbemolter massen begibet, das berurt fürstenthumb Iß Wirttembcrgk an das haus Osterreich feilet und von königlicher maiestat als ertzhertzogen zu Österreich oder derselben lehenserben vom reich zu lehen empfangen wird und selbst besitzen, das durch dieselbig belehnung dem reich nichts benohmen, sonder dem reich von angetzaygtem fürstenthumb alle dienstbarkeit, gehorsam, stewer 20 und anders, wie von alters herkomen ist, zustehen und verfolgen soll, das auch hertzog Ulrich die römische königliche maiestat vor römischen kunig erkennen, ehren und halten und sich wie andere des reichs stende in solchem gehorsamlich crtzaygcn und wider die königliche maiestat mit nymandc verbinden soll noch will. 25 Sein lieb sampt dem landgraven sollen und wollen auch das, so in itziger eroberung des lands von stedten, flecken, heusern und andern», das zu dem lande nit gehorth, sonder andern forsten, prelaten, graven, denen vom adel und andern zustendig, cingenohmen ist, widerumb abtrethen und einem yedern das seine, des er also ;H> entwehrt ist, widerumb eynantworten, zustellen und solche guether berwiglich besitzen lassen, auch einen yeden in und auserhalh des fürstenthumbs zusampt den gefursten ebten, die im binde gesessen und ire sonderliche regalia haben und zum fürstenthumb nit geboren, mit sampt iren leuthen und underthanen bey irem * 5 glauben und rcligion pleibcn, ihnen auch ire rent und zynsc volgen und darane ungehindert lassen nach lauth und Inhalt der kayser- lichen rcichsabschiede. Es sollen auch hohs und nyder Stands, sie seyn gaystlieh oder weltlich, nyemandc ausgenohmen, welche sich königlicher maiestat gehorsam!» gehalten, aus dem lande gewichen ** 101 oder daraus vertrieben sein und denen auch das ire genohnien ist, durch hertzog Ulrich widerumb mit friden und glayth eingelassen, ihnen ire entwehrte guether widerumb zugestalt und rwigklich da- t>ey gelassen werden.' Und welcher im lande nit wohnen oder den S hertzog Ulrich darinnen nit leiden wolt, das demselben soll vor- gont und zugelassen sein seine guether zu verkeilten und sich an andere orthe seins gefallen* uyder zu thucn. Desgleichen sollen auch den gaystlichen und weltlichen die in dem fürstenthumb Wirttembergk nit gesessen sein und doch rent, zynsc und gult !0 darinnen halten, solche ire zynse, rent und gult unverhmdert verfolgen und gerayeht und inen über die ungehorsamen oder nit haltenden gepurlich verholten werden, doch so ferren von denselben wten den wirtten.l.ergischcn ire rent und zynse auch nit gehemmet werden, sunder in gleichnus volgen. 15 Verrer so sol und wil auch hertzog Ulrich obgedacht und «eine erben die römische königliche maiestat des ausstehenden r ests und anderer anforderunge von wegen des obbestimnten wirttembergischen fürstenthumbs gegen den stenden des bunds zu Wehwaben, desgleichen kegen hertzog Cristof und graf Georgen ao von Wirttembergk durch diesen vertrag irer pension und anforderunge entheben, schadlos halten und frey machen, auch irer maiestat lr aygen und gelyhen geschutz mit seiner zugehorung, so in jüngster Vergebung des schloss Aspergk uf demselben sloss pliben und wie es vorhanden gewest ist, daselbst widerumb zustellen und 25 folgen lassen. Item was sunst verl.yhcn schulde uf dem lande Württemberg sein, dieselbigc sollen an alles ansuchen, so an konig- li che maiestat gescheen mochte, durch hertzog Ulrich und seine C1 'hen betzalt und vergnügt oder zufriden gestalt werden. Was aber solcher schuld auserhalb kayserlicher maiestat schuld durch 80 die königliche maiestat darauf in irem aygen nutz und mit des 'andes nottorft verschrieben weren, die sich über zwentzig tausent gülden houptsumma erstreckten, die soll genanter hertzog Ulrich zu betzalen nit verpllicht sein. Sein lieb sali auch und will nyemand ^iner inhabenden pfaudschaft oder schuldverschreybunge ane vor- 85 gehend rechtlich erkenntnus entset-^n, doch dem artickcl, so ob- st chct, anfallende „Es sokoj l...:j hohes und nyderstands" etc. unvergreiüich. Ob aber yomands pension oder dinstgelt aus gnaden durch königliche maiestat verschrieben werden, die hertzog Ulrichen vor diene: nit leidelichon, den mag er solche pension auf- 40 kun«lig. eil . 102 Und nachdem auch im laml zu Wirttembergk etliche herschaften, stuck und guether sein, die von der cliron zw Bchcim zu lehen gehen, dieselben soll und will hertzog Ulrich von itziger römischer königlicher maiestat als regirendem kunig zu Beheim emphahen und solchs soll hinfür auch von seinen lehenserbcn 5 ordentlich wie sich gepurth gescheen. Item es sol auch pf'altzgraf Philipps seines zusagens und andere der königlichen maiestat rethe und diencr ircr pflicht und gelubd hertzog Ulrich und dem landgraven in Übergebung Ilohen- aspergs gethan ane entgclt ledig sein, auch dasselbig, was sich 10 irenthalben verloufen, herwideromb nit geefert noch geanth werden. Und so dan der churfürst zu Sachsen obgemelt an stadt und in vollmacht hertzog Ulrich von Wirttembergk und des landgraven zu Hessen alle diese obbeschribene artickel gegcnwertiglich belibet und gewilligt, auch zugesagt hat, das hertzog Ulrich alle dieselben 15 ires inhalts vor sich und seine erben zu verfolgen und zu halten mit briven und sigiln furderlichst versichern und sich verschreiben soll, das auch gemelte bayde forsten Wirttembergk und Hessen, ir krigsvolk ane weyter Zugriff und Vergewaltigung kaiserlicher und königlicher maiestaten, auch der andern stende des reichs zer- 20 trennen und abziehen lassen sollen, dargegen so haben wir als die underhcndlcr die römische königliche maiestat undertheniglich cr- bethen, das ire maiestat gewilligt hat umb solcher unser furbit willen, das ihme hertzog Ulrichen, seinem sone und iren ehelichen manlichen leibeserben gegen den conditionen, wie obstahet, das 25 land Wirttembergk hiemit unverhindert ircr maiestat noch derselben erben berwiglich vervolgcn und plcibcn soll, das auch ire römische königliche maiestat ihm und dem landgrafen auf ir ansuchen, das sie zwüschen dietz und Invocavit nehstkunftigs bey ircr maiestat desto zeitlicher thuen sollen, einen namhaftigen tag an gelegene malstadt 30 ansetzen wollen und inen alsdann auf ir underthenig bitten und selbstansuchen in aygener person oder durch ire anseheliche stadtliche botschaft mit billichem underthenigem fasfallen vergangene liandlung gnediglich vertzeihen und disen aufgerichten friden weither damit bekreftigen, dagegen sich ire bayde libden hinfuro gc- 35 horsamlich halten, auch sich noch die iren wider kayserliche und königliche maiestaten und die stende des reichs zu thetlichem fur- nemen oder angriff nit geprauchen noch vermögen lassen. Aisdan soll auch hertzog Ulrich auf denselben tag den lehnen am lande Wirttembergk wie oben gemelt aygener person wie gopurlich volge 40 103 thun und die von der königlichen maiestat einpfahen und damit uelyhcii werden. So will auch seine königliche maiestat die kayserliche maiestat mit vleisse erbitten, das sein maiestat gleicher gestalt angetzayg- 5 ten bayden fürsten AVirttemberg und Hessen vergangene handlung auch gnediglich vertzeihe und diesen vertrag bestetige. Und wan irc kayserliche maiestat ins reich deutzscher nation kommet, dann sollen und wollen dagegen hertzog Ulrich und der ländgraf »'er maiestat einen underthenigen fusfal aygencr person thun und 10 vergangene handlunge irer maiestat auch abbitten. Es sollen auch hiemit alle die, so bayden taylen in discr vehde gedienet, t'urschube oder furderung gethan, aus sorgen gelassen, auch die in dieser krigshandlung noch gefangen oder bestrickt, auf ein gewonlich geluhd und zusag, die gefencknus nit zu 16 efern, frey und ledig gegeben und derhalb weder an irem leib noch guth beschedigt, gestraft noch beschwert werden, auch durch diesen vertrag aller krigskosten, so bayden taylen auferloufen, hir- »>it gentzlich aufgebebt sein und kein tayl gegen dem andern derhalben aynige anforderunge suchen. 20 Alle diese obbeschriebene artickel, wie die mit iren anhengen von worte zu worte vermeldet sein, hat die königliche maiestat auf solch unsere handlunge und underthenige bitt gnediglich,^ auch der ehurfurst zu Sachsen vor sieh und seine mitverwanten in der religion und walilsachcn, auch von wegen und in vollermacht der 25 vilgcmclter bayder fürsten Wirttembcrgk und Hessen, freuntlich und wolbedcehtlich bewilligt, angenohmen und zugesagt, dem allem und yedem vor sich selbst, ire verwantten und prineipal unver- »rüehichen nachzukommen und zu geleben. Und wir Ferdinand y on gots gnaden römischer kunig, zu allen zeyten mehrer des 30 rcichs, in Germanien, zu Hungarn und Beheim etc. kunig, infant in Hispanien, ertzhertzog zu Osterreich, hertzog zu Burgundi und Wirttembcrgk etc. und graf zu Thyrol etc., bekennen vor uns, unsere nachkommen und erben, das diese vertracht mit unserer gnedigen nachlassungcn, wissen, willen und volwort durch obbcinelte 35 hendler aufgericht und voltzogcn ist, welche unsere bewilligung Wir auch hirmit dartzu geben, gereden auch und versprechen bey unsern königlichen waren worten, demselben unverbrüchlichen nachzukommen und zu geleben, confirmiren auch und bestetigen hiemit alles das ihenige, das uns darinnc zu confirmiren hiroben aufgelegt . 4,)is t. Desselbigengleichen bekennen auch von gots gnaden wir 104 Johans Friderich hertzog zu Sachsen, des hayligen römischen reichs ertzmarschalh und churfürst, landgraf in Doringen und marggraf zu Meyssen und tliuen kunt hiemit vor uns, alle unsere mitver- wanten in der religion und der wahlsachen, auch in sonderlicher vohnacht hertzog- Ulrichs von Wirttembergs und lantgraf Philipps S zu Hessen etc., das wir alle diso obbcscliriebene avtickel mit iren anhengen vor uns selbst und dieselben unsere mitverwandten und volmechtigern bewilligt, belibt und angenohmen, auch den römischen kunig alsbald daruf vor uns und die initbesebribcnen der Sachen verwantten erkant haben, inniassen wir denselben hiemit vor röini- 10 schein kunig- mit der beschaydenheit, wie der vorbcineltc artickel sich anfallende „Und im fall aber" etc. inhelt und vermag-, erkennen und ehren; gereden auch und geloben, bey unsern fürstlichen trawen und waren Worten, allen denselben artickeln, wie die hir- oben vertragen sein, unverbrüchliche volge zu thuen auch daranc 15 zu sein, das dem also durch alle obbcrürten Sachen mitverwantten unverbrüchlich vervolgt und gelebt sol werden. Und nachdem diese nachgeschrieben artickel durch uns die hendeler in dieser Sachen auch vorgeschlagen und in handlunge gewest sein, nemlich damit das krigsfolck, so Wirttembergk und 20 Hessen itzo beyeynander haben, sovil bass getrennt wurde, das bayde irc libden der königlichen inaiestat einen anschcnlichen rewther dienst thun solten der gestalt, das sie in irer maiestat, nahinen fünfhundert geruster pferde und droy tausent guther knecht mit nottorftigcni geschutz itzo alsbald vor Monster 1 ) schicken, die- 25 selbige stadt innahmen und auf bcvchl der königlichen maiestat dem bischove erobern helfen, und das dieselben reuther und knecht der königlichen maiestat verwant sein und sich derselben bcvehls halten sollen; und ob es die nottorft vor Monster erfordern wurde, also das die Stadt vor der zeit nit erobert, uf drey monat lang 30 auf derselben bayder fursten kosten und darlegen versohlet und anderhalten wurden. Item nachdem auch die königliche maiestat an dem schlösse Hohentweil im Ilegaw gelegen vormals tayl hat, das gegen der vilfaltigen irer inaiestat gnedigen nachlassungen, so sie dem hert- 3 5 zogen von Wirttembergk in dieser handlunge gethan, die uberigeu hertzog Ulrichs tayl darane mit aller zugehcrungen erblich verfolgen ') Das von den Wiedertäufern besetzte Münster, gegen das die ausbe- dungenc Hilfe übrigens nicht geleistet wurde. 105 e und zugestalt sollt werden ')• ltci " (las tertzog Ulrichs gemahel ir verweysunge, so sie bisher im laude gehabt hat, rwig pleiben und verfolgen soll, das auch die genieine Landschaft zu Wirttembergk «lie obbeschribene vertragene artiekel, welche hertzog Ulrich vor 5 sieh und seine erben verschreyben und versichern soll, vor sich, sovil sie zuhalten betrifft, zw halten und denen zu geleben neben hertzog Ulrichen Versicherung tluin sollen. Item nachdem auch der churfürst zu Sachsen ein artiekel betreffende graf Georgen von Wirttembergk 2 ) erinnert, der gestalt, das derselbe mit zu den wirt- !0 teinbergisehcu leben solt gelassen werden, das sich doch die königliche maiestat itzo allhie nit hat cntschliesseu können von deswegen, das ire maiestat die brieve über die erhebung des lands Wirttembergk zu einem furstenthumb, desgleichen die belehnung hertzog Ulrichs und die vertracht königlicher maiestat mit graf Georgen !B von Wirttembergk, hievor ufgericht, nit bey banden gehabt. Desgleichen das bemclter churfürst zu Sachsen auch angetzaigt, das Wirttembergk und Hessen her Uiethrich Speht :! ) und her George von Stauten 4 ) in dieser vertracht wollen ausgetzogen haben, des d och die königliche maiestat, dieweil die gantze vehde soll ver- 20 tragen und sunst zwüschen aller der Sachen verwantten gesuhnet S( 'in und ire maiestat darinnen nyeniandt ausgetzogen, nit für billich hat bedencken mögen, und aber desmals von solchen izt Ortzeiten artickeln auserhalb bemelter bayder fursten Wirttembergk Ul 'd Hessen gegenwertigkeit nit hat mögen gehandelt werden, auch 26 die zeit zu kurtz gewesen, von wegen bayder tayl krigskosten, so tc gelich aufgelaufen, vor obbemclter endlichen volziliung des frides- vertrags hievon mit iren libden zu handeln, demnach so seint dieselben izt ertzelten artiekel auf ferner handlange angcstalt, dergestalt das der churfürst zu Sachsen zum aller förderlichsten seine 30 rethe zu bemelten bayden fursten schicken und abfertigen und mit bayden iren libden zum vleissigisten und trcwlichsten und nit au ders, als ob die Sachen sein Iiebden selbst belangt, handeln lassen soll und will, damit der artiekel hiroben vertzayehent, sich anfahend „Nemlich damit das krigsfolk, so Wirttembergk und 35 Hessen" etc., weil diesclb sach keinen vertzug leyden kan, bey ') Diese Bedingung ist nie erfüllt worden. -) Ulriche Bruder, (lein die Grafschaft Mömpelgard verpfändet worden war. 3 ) Der der Herzogin Sabina zur Flucht geholfen hatte. ') Georg Stiiufer von Blossenstauien, wie D. Speth ein besonders heftiger Feind Ulrichs. 106 beyden iren üb den erhalten und vervolgt werden möge, und das in den andern angestelten artickeln, weil dieselbig nit so aylend, bemelter churfürst, so farderlicb d;is sein lieb anderer irer gescheft halber schicken kan, sicli aygener person zu bemelten bayden fürsten verfliegen oder die zu sich beschayden und mit iren libden 5 zum trewlichsten und vleissigsten bandeln und tractirn soll und will, damit die, wie sie gestellt, bey iren libden auch erhalten werden mögen. Auf dieselbige zeit, welche der churfürst zu Sachsen die königliche maiestat zeytlich berichten soll, will die königliche maiestat ire rethe zu seiner lieb schicken, die angetzaygten artickel 10 bey seiner lieb, das sie gewilligt werden, zu sollicitiren. Des zu Urkunde und hekentnus, auch steter und vehster haltung haben wir obbemelter Ferdinand römischer hungarischer und behemischer kunig etc. vor uns und unsere erben eins, wir Albrecht cardinallegat ertzbischof zu Magdeburgk und Meintz, chur- 1 5 fürst etc. und Georg hertzog zu Sachsen etc. als die hendler und wir Johans Friderich hertzog zu Sachsen, churfürst etc. vor uns, unsere milverwanten, auch in voller macht der obbemelten bayder fürsten Wirttembcrgk und Hessen anders tayls etc. diesen vertracht mit aygenen lianden underschrieben und unsere insigel wissentlich 20 darane gehangen, der da geben ist zum Cadam am niontage nach Johanuis Baptiste nach Christi unsers lieben hern gepurth im funftzehenhundert und vierunddreissigisten jharc. Ferdinand subscripsit. Albertus cardinalis IVloguntinus etc. Jo. Fridrich churfürst ^ manu propria subscripsit. manu propria subscripsit. Jörg hertzog zu Sachssen etc. subscripsit. Der Vertrag wurde wegen der Bestimmung der Afterlehenschaft von Herzog Ulrich nach langem Widerstreben ang-cnomincn. Kr gab ihm das Recht zu)' Keformation seines Landes. #0 28. Ordnung des Kirchenvermögens in Urach. 1537 Mai 28. Nach dem Entwurf im Kgl. Staatsarchive zu Stuttgart. Von gottes gnaden wir Ulrich herzog zu Wirttemberg und zu Tegkh, graf zu Mumppelgart etc. bekennen und thun kunth offen- 3S bar mit diseni brief für uns, unser erben und nachkoinen: nachdem ain yeder, so kristenlichen glouben angcnornen, nit allain usscr natürlicher und briedcrlieher lieb, sonder auch us göttlichem bcvelhe 107 pflichtig und verbunden ist seinem Höchsten dürftigen in der not ''•'!' zu erzögen, so erkennen wir uns in sonderliait schuldig diejenigen, wölhen wir durch gottes gnaden zur oherkait fürgesetzt sind, zum vordersten billiche hilf, notturftige fürsehung und miltc 5 handraiehung zu thun; das wir demnach in gnediger betrachtung des alles und unangesehen der merklichen grosen heschwerden und schulden, daryn wir durch eroberung unsers fürstenthumbs komen, ansenn lieben getrewen vogt, burgermeister, gericht und gemeind «nscr statt Urach und iren nachkomen für fry erhlichen aigen dis 10 hernachbenante gietere an spitaln, sondersicchenhns, die seel- und armusenpfleg 1 ), derglichen die hayligen-und bruderschaftenphlegen, auch presentzen 2 ), phriinden und anderm samht allen deren nutzungen ind yukomen, es syen an zinsen, reuten, gälten, gefallen, zehenden, landgarben 8 ), remaneten, schulden, gietern oder anderm, nichts 15 »sgenomen, zugestelt, uf und übergehen haben, und thuen auch söllichs hiemit für uns, unser erben und nachkomen wissentlich m kraft dis briefs. Erstlich so hissen wir den bemelten von Urach und iren nachkomen den spital, desglychen das sondersiechenhus daselbs 20 '»'t allen und jeden iren ynkomen, nutzungen, zugehürungen und «'ictern, wie sie die bisher in Verwaltung gehabt haben, zu Unterhaltung der armen by iren handen blyben. [Das Verzeichnis der Einkünfte bleibt hier weg.] Wir haben auch den bemelten von Urach und iren nachkomen " 0| " den arinencasten gnediglich ergeben die gros spend') daselbs, 80 von uns und unsern voreitern bisher geraioht worden ist, so si ch dan der statt Urach trifft und inen jerlichs gefolgt und geraicht Werden soll. Was auch für schlechte ornaten, messgewand, alben 5 ) und 0 dergl yc i lcu zu Urach vorhanden, wollen wir, das söllichs under die armen usgethailt, was aber von gülden stucken, samet und sydin da were, soll dasselbig mit gutem urkund und kontschaft verkouft Un d das darus erlöst gelt in den armen casten trewlich gewendt Ur »d erbere rechnung hierum!) gethan werden. So wollen wir oder unser erben und nachkomen jerlichs ainem ') Eine Stiftung für Kranke und Hausarme. 2 ) Vermögen zugunsten der ortsanwesenden Geistlichen. ) Aus Gaben bestehende Grundzinse. 4 ) Namentlich eine Prachtstiftung Eberhards im Bart. ") Weisse leinene Messgewänder. 108 predicanten zu Urach zu siner underhaltung geben und raichen 1 hundert gülden. Doch sollen die bemelten vogt, burgermeister, gericht, rat und gemaind zu Urach und irc nachkomen fürohin jerlielis und ains jeden jsirs besonder gedachtem predicanten zu Urach hierzu wyters 70 pfund, derglychen ainem diacon daselbs 6 G6 pfund und 20 moden dinkels, wöllichcm diacon wir iiucli jerlielis zu sölliehem asser unser gaistlichen Verwaltung daselbs zu reichen verordnet haben 3 ayincr wins. Die gedachten von Urach und ire nachkomen sollen auch jederzeit den lateinischen Schulmeister, so dann geschickt, gelert 10 und erbers vvesens sin soll, desglychen den messner gebürlicher weis jederzeit nach notturft one unser und unser erben costen und schaden anderhalten, und neinlich sollen sie ainem latinischen Schulmeister fürohin jerlielis geben an gelt 40 pfund, an dinkel 16 moden und an vvyn 2 aynier. Und soll fürter absin das alt lB schulgelt und ain yeglicher schuler, so das latein lernen will, er sy reich oder arm, zu yeder quotember wyters nit mer geben dan 2 Schilling. Doch wölliche so arm und das zu geben nit vermöchten, soll denselben sölliclis umb gottes willen usser dem easteii erlegt und sie die armen des enthept werden. Und soll sich der ^ Latinisch Schulmeister fürter der knaben, so tutsch lernen wollen, nit mer beladen, sonder ain messner, so darzu geschickt sin soll, die tutsch schul halten. Und wöllicher seine kind in die tutsch schul zu lernen gen lassen will, der soll gedachtem teutschen Schulmeister das alt schulgelt geben wie von alter. Und wa arm knaben '#> in stat und ambt weren und das latin lernen wöltcn, dero clter sie zu underhalten armut halb nit verinöhten, ander denselben uf acht knaben soll wöchentlich us dem thcyl des armusens das brot mitgethailt werden, damit man by inen etwas hoflhung gewertig und sie dem studiern dest bass obsin mögen, und allwegen die 80 von Urach achten und erkennen sollen, wölliche söllich brot zu empfahen tougenlich syen oder nit. Die bemclten von Urach und ire nachkomen sollen auch die kirchen, glockenthurn, glocken und urn daselbs jederzeit in gutem wesenlichen buwen und eren unzergenglichen halten one unsern ™ schaden. Und sonderlich sollen sie und ire nachkomen hinfürtcr zu öwigen zeiten uf unser universitet zu Tüwingen sambt den ambts- lleckcn bemclts amts Urach allwegen ') Stipendiaten, so nit aigens ') Für die Zahl ist Raum gelassen; es handelt sich für Stadt und Amt um 3 oder 4. 109 Vermögens mit dem studiern fürzufaren, sonder allein fromer leut kimler, in der statt und dem ambt Urach geboren und ains kristen- üdien, gotsferchtigen, vleissigen wesens und anfangs und zu studieren geschickt ist, wöllicher dann jederzyt zuvor durch unsere 5 verordneten gelerten examiniert und, so sie approbiert befunden, von obgemclten ergebnen gietern, nutzungen und gevällen under- »alten und uf ainen jars 25 gülden verwendt und bezalt werden soll one unser und unserer erben nachthail und schaden. Zu wöllicher underhaltung der statt 25 gülden und dem amt ') gülden, ! « wie dann söllichs nach ains yeglichen flecken angobür umbgethailt lud inen des ain verzaichnus zugestellt worden ist, zugeben gebürt, söllichs von inen auch allwegen auf Gcory erlegt und gen Tüwingen unsern darzu verordneten überantwurt werden soll. Soverr aber zu ainicher zeit kain söllicher geschickter weder in statt noch dem » ambt Urach befunden, alsdann soll der von uns und unsern erben angezögter gestalt sust in bind hierzu erkiest und von unser statt Urach, als oblut, underhalten werden. Und darauf die gedachten vogt, burgermeister, gericht, rat zu Urach und ir nachkomen die knaben, so uf söllich stipendia 2( > zu komen anhalten und bitten werden, allwegen uns oder unsern erben mit allem bericht irer geschicklichcit, Vermögens, wandeis, Wesens und haltens ir und irer eitern für unsere hierzu geordnete r "ät presentieren und volgends wir oder unsere erben ainen, so er, inmassen oblut, geschickt und tougenlich befunden, uf söllich stipen- 25 dium annemen und verordnen, wie sich gebürt. Wöllicher auch also von uns oder unsern erben zu söllichem stipendio angenomen und verordnet würdet, der soll (auch für ine sein freuntschaft) zuvorderst versprechen und zusagen, in keiner andern universitet, dann daselbs zu Tüwingen, zu studieren; so 80 °ft auch ainer in siner vacultet geschickt und uns und unsern erben zu gebruchen sin wurde, alsdann sich in keiner andern fremden herschaft dienst one unser, unser erben und nachkomen 0(1 er, so wir dannzumal kainen gebruchen wölten, volgends vogt, burgermeister, gericht und rats zu Urach sonder wissen, willen ;!r > und vergönden zu begeben noch zu verendern, sonder warzu wir in c als zu rat, predicanten oder andern derglichen diencr nach jedes Stands geschickliclicit und unserer gelegenheit verordnen wurden, sich alsdann in unserm fürstenthumb gebruchen zu lassen. ~Tkü7 die Zahl ist Raum gelassen; es waren 50 oder 75, je nachdem 2 od er 3 Stipendiaten bestimmt wurden; dem Amt zugemutet wurden 3. 110 Es soll auch ainem jeden obgcmclt stipcndi nit lenger, dann alle diewyl er sins vlyss zuchtbar und ains kristenlichen wandeis von seinem Ordinarien und. prclectoribus gute kontschaft hat, nach imserm und unserer erben gut ansehen vervolgen und gedyhen, und als oft also an söllichem stipcndi ain verordnet statt vacicren 5 würde, alsdann die gedachten vogt, burgermeister, gcricht, rat und gemaind zu Urach und ir nachkomen yederzyt ainen andern an des abgestanden statt vorgedachten unsern darzu verordneten raten presentieren und darnach der von uns und unsern erben in form und gestalt, als obbegrifien ist, hierzu verordnen werden. [Folgt 10 eine Spitalordnung, die hier weggelassen ist.] Und damit auch söllicli obgcmclt unser begnadung, Ordnung und Zustellung für und für in künftig zyt dester bestendiger erhalten und blyben möge, so befryen wir hiemit für uns, unser erben und nachkomen in kraft dis briefs die gedachten vogt, burger- 15 meister, gcricht, rat und gemaind zu Urach an allen und yeden obgedachten ergebnen gietern und ynkomen usserthalb der gietcr und ynkomen, so darunder zuvor in gcwonliclier steur und bc- schwerung zu Urach oder usserthalb gelegen weren, aller und yeder uflegungen und beschwerungen, wie die namen haben möchten, 20 also das sie hinfüro darvon oder dernhalben nichts geben noch belegt werden sollen, es were dann sach, das sich die gelcgcnhait unser selbs, aueb unser land und leuten, dermassen so höchlich zutriege (das doch gott gncdiglich verbieten wolle), das unser not- turft erforderte und wir des nit umbgen möchten, sondci - gemainc 25 unser landschaft auch umb hilf anzusuchen. Alsdann wollen wir uns und unsern erben uns unser fürstlich oberkeit lierinn vorbehalten, sölliche gietere und ynkomen auch zu beschweren macht baben nach jedes gelegenheit. Und ob sach were, das sich über kurz oder lang zyt in 3° ainichcr weg erfinden würde, das von obgedachten unsern vogt, burgermeistern, gericlit und rat oder iren nachkomen mit söllicher Verwaltung in ainichen weg nit nach vermög und uswysung diser unser Zustellung, Ordnung und begnadung nützlich und getrcwlich gehandelt würde, alsdan soll zu unsern oder unserer erben gevallcn, 35 willen, macht und gwalt steen, den armen zu gutem, und damit lierinn nützlicher gebändelt werde, gebürlichs ynschens zu baben und Verordnung zu tliund, wie die notturft und gclegcnbait jederzeit erfordern und sich gebüren würdet. Alles mit urkund und in kraft dis briefs, den wir mit unserm 40 111 anhangenden seeretinsigel besigelt. Geben zu Urach uf montag nach dein sonntag trinitatis, als man zalt nach der gebart Cristi unsere liehen herrn tusent fünfhundert siben und dryssig jar. Die Ordnung stammt von Räten der Visitation, clor obersten Kirchen- 5 Behörde, die von Stadt zu Stadt zogen, um die kirchlichen Einrichtungen zu regeln. — Die Bestimmungen über das Stipendium zeigen, dass dieses ursprünglich auch für weltliche Beamte bestimmt war. 29. Ordnung der deutschen Schulen. 1559. 10 Nach dem Tübinger Druck der grossen Kirchenordnung von 1559 Blatt 192—19G und Blatt 219. — Abdruck: Keyscher 11,2. Von tcütschen schulen. Damit dann auch die jugent in und bey unsern teütschcn schulen mit der forcht gottes, rechter lehr und guter zucht wol 15 underricht und erzogen und hierunder gleichheit seie, so wollen wi r, das in solchen volgcnde Ordnung gehalten werde: Von underschid der Schulkinder. Und demnach in etlichen teütschen schulen nit allein die Knaben, sonder auch döchterlin zur schul geschickt, wollen wir, 20 (1 as in solchen schulen die kinder abgesündert, die knaben allein Ull( I die döchterlin auch besonder gesetzt und geleert werden "nd der Schulmeister keinswegs gestatte under einander zu lauffen 0( ler mit einander unordenlichc gemeinsame zu haben und zftsamen zfl schlieflfen. Von der lehr. So dann der Schulmeister die Schulkinder mit nutz leeren ' wil ', so soll er die in drey heüfflin thcilen, das ein, darin diejenigen gesetzt, so erst anfallen zu buchstaben, das ander die, so a nfab.en die syllabcn züsamenschlahen, das dritt, wölchc anfallen 0 I( ' s °n und schreiben; desgleichen under jedem heüflin sondere rotten "lachen, also das diejenigen, so einander in jedem heüflin zum ^eichesten, zusamen gesetzt. Darmit werden die kinder zürn fleiss a %ereitzt und den schulmeistern die arbeit geringert. Die Schulmeister sollen auch die kinder nit übereilen oder ' ;) Ullt inen fortfaren, sie haben dann dasjenig, so inen der Ordnung lach fürgeben, wol und eigentlich gelernt, auch mit tlciss darauf sc,,c n, das sie anfangs die buchstaben recht lernen kennen, der- i'alben dann die Ordnung des alphabets zuweilen brechen und mit 25 112 verhebung der andern underschidlich etlicher büchstaben halb, wie die heissen, das kind fragen; dergleichen die, so büchstaben, gleicher gestalt mit befragnng der büchstaben, namen, und das sie ime dieselben im aiphabet zeigen, üben; und daran sein, das sie in allweg die büchstaben recht nennen, die syllaben deutlich aus- 5 sprechen und im letsten die Wörter syllabatim, underschidlich und verstentlich pronuncicren, auch die besten syllaben im mund nit verschlagen. So dann das kind zimlich wol lesen kan, alsdann daselbs mit schreiben underrichten und die Vorschriften in ein sonder büchlin, 10 so das kind darzü haben soll, ime verzeichnen und sich bcfleissen, gute teütsche büchstaben zu machen; und darob halten, das die kinder zu iren Schriften auch sondere büchlin haben und dieselben inen mit fleiss examinieren, was für lnängel an der form der büchstaben, Zusammensetzung, und anhenckung derselben und dergleichen, 16 inen tugentlich undersagen und freüntlich desselben berichten und, wie es sich darin bessern soll, anzeigen und in solchem underweilen die band füren. Und dieweil die kinder vor allen dingen zu der forcht gottes gezogen werden sollen, so wollen wir hieniit auch, das die schul- 20 nieister keinem kind gestatten einige ergerliche, schandliche, secti- schc bücher oder sonsten unnütze fabelschriften in irem lernen zu gebrauchen, sonder daran sein, was sie getruckte bücher gebrauchen wurden, damit sie in christlichen büchlin, als der tafel, darin der catechismus, psalmcnbüchlin, des spruehbüchlin Salamonis, Jesus 25 Syrachs, newen testaments und dergleichen lernen. Besonder aber ist unser meinung, das der catechismus, wie derselb in unser kirchenordnung begriffen, auf das also ein gleiche form gehalten, den hindern eingebildet und sie dahin gewönt werden, • damit sie denselbigen auswendig lernen, üben und recht verstehen HO und begreifen thüen. Zu solchem sollen die Schulmeister in der Wochen einen gewissen tag und stund desselben tags fürnemen und den catechisnium also mit inen üben und exercieren, auch cinfaltiglich desselben underrichten und inen verstentlich explieieren; auch die kinder in der schul je par und par, knaben gegen knaben, 35 nietlin gegen mctlin gegen einander aufstellen, die fragen und antworten des catechismi under ienen ergeen und recitiern lassen, damit sie gewönt werden, denselben in der kirchen, zfi zeit des catechismi auch offenlich vor der gemein aufzusagen; desgleichen die knaben zu gewissen tagen und stunden, in der wochen zürn 40 113 kirchengesang gewönen, desselben underrichten und mit inen üben, und zu etlichen tagen in der wochen nach gelegenheit auf ein gewisse zeit, inen ein stuck nach dem andern ausser dem teütschen Cision 1 ) fürgeben und sie desselbigen underrichten. • r ) Zucht. Die Schulmeister sollen von iren Schulkindern nit leiden oder gedulden gottslesterung, schandliche, leichtfertige reden, vil weniger ergerliche Sachen und handlungen; die Ordnung auch under den hindern halten, damit sie samentlicli zu der zeit, wann der catechis- 10 nius in der kirchen geleert, vor dem zftsamenleüten alle in der schul erscheinen und samentlicli von dem Schulmeister zur kirchen gefürt werden; auch darob halten, das sie darin bleiben und dem fleissig zühörn; darzü jedes mal darvor etliche par bestimmen, wölehe denselben in der kirchen aufsagen; desgleichen ermanen, 15 auf die auslegung des catechismi ir fleissigs aufmerekens zfi haben, damit sie. ime hernach etwas daraus erzelen künden, wie er dann nach end der predig sie daraus fragen und examinieren soll. Mit den knaben aber sollen sie das kirchengesang, auf mass bey einer jeden schul verordnet, verrichten; auch vor mittag vor 20 dein auslassen, wann sie heim zu tisch sollen gehn, das gebet mit inen halten und sonderlich die fürnemste stuck des christlichen glaubens, das vater unser, den glauben und die zehen gebot aufsagen und erzelen lassen; inen gar nit gestatten, in der schul zu vagiern, umbzulaufen oder one ir erlauben heimzügehn, sonder 25 darob sein, das sie jeder stund zu rechter zeit kommen und bis zum gemeinen auslassen verharren, auch ob iren tafeln oder büchlin still sitzen. Derhalben er inen kein geschroy oder geschwätz gestatten, sonder bey inen abhalten soll; und nach dem auslassen die Verordnung thttn und desshalb heimliche aufmereker under inen be- 3( J stellen, damit sie stracks, auch züchtiglich heimgangen und inen kein unvveis, so er die erfüre, nachgeben; also auch mit ernst sie anhalten, miteinander fridlich und scliidlich zu sein und gegen einander sich alles verspottens, schmähens und Widerwillens zu enthalten, die überfarenden der gebür nach strafen; dergleichen 35 nit ungestraft hingeen lassen, da eines dem andern ichtzit neme, zerbreche oder verwüste, und in müglich weg fleiss fürwenden, das sie sich gottsförchtig, züchtig, erbar, fridlich, scliidlich und fromm halten und erweisen. ') Ursprünglich lateinische Merkverse über den kirchlichen Kalender. Württ. Goschichtsqnelloi) XI. 8 114 Es sollen über die Schulmeister in dein züchtigen die raten gebürlichen gebrauchen, die kinder nit poldern, bey dem haar ziehen, umb die köpf schlagen, tollen ! ) geben oder dergleichen, sonder in dem strafen zimbliche mass zur besserung der kinder und nit abschreckung von der schftl halten. 5 Die Schulmeister sollen auch schuldig sein nach dem catechismo Sommerszeit in der kirchen, Winterszeit in der schulstuben mit der andern jugent in den flecken, so nit seine Schulkinder seien, den catechismum und gemeine gesang zu üben und die darin mit fleiss zu underrichten, wie sie des jederzeit von den pfarrherrn bescheiden 10 und inen bevohlen würd. Da auch der teütschen schftl die messnerey anhienge, wollen wir, das die Schulmeister zugleich andern messnern mit den pfar- herrn zfl den krancken, wann sie versehen sollen werden, gangen, den kelch tragen, auch solchem actu beywonen. Damit dann die 15 Schulmeister sovil der schftl dest fleissiger obligen mögen, sollen die büttel- und schützendienst an denen orten, da sie der messnerey bisher angehangen, wa solche messnerey und schulen züsamen ge- stossen, fürohin darvon abgesondert sein. Wa aber die gemeinden büttel oder veldschützcn bedörfen, mögen sie auf des gemeinen 20 fleckens kosten sondere personell darzft erhalten. Wie und von wem die teütschen Schulmeister aufgenommen und examiniert sollen werden. Als auch gemeinlichen die flecken unsers fürstenthumbs die teütsche schulen bey inen zft verleihen gehabt, wollen wir inen 25 solchs nochmalen zulassen und dise ire alte gerechtsame nit entziehen. Derwegen wa fürohin einige teütsche schulen also vaciern wurdet, mögen sie sich wol umb einen andern Schulmeister bewerben, doch denselben zft der schul mit nichten für sich selbs bestätigen, sonder zuvor unsern verordneten kirchenräthen presentiern. 30 Die haben bevelch einen jeden, so inen dermassen zugeschickt, zft examinieren und zu erlernen, ob er selbiger schftl f ürsten mög und mit nutz und wolfart der schftljunger züzelassen seie oder nit, und keinen confirmieren, er lege dann zftvor seine gute kundschaft und zeügnuss seiner gehurt, ehrlichen lebens und wandeis für, seie auch 35 in religionssachen nit irrig, sectisch oder abergläubisch, sonder der reinen, waren, cliristenlichen, der augspurgischen und unserer con- fession, verstände den catechismum und wisse denselben der Jugend ') StockKcliläg-e auf die Hund. 115 verstendlichen fürzftgeben und sie darin einfältiglichen zu under- weisen; auch habe guten verstand und bericht, die kinder mit büehstaben, syllabieren, lesen und rechnen gnügsamlich und nützlichen zu leren; darzü mache ein zimliche, lesenliche handschrift, 5 könde auch dieselb der jugent mit nutz fürgeben. In wölchem allem gedachte unsere kirchenräth einen jeden vermög von uns habenden bevelchs examinieren und, so sie kein mangcl befinden, allererst approbieren und denselben anzftnemen gestatten sollen. Im fall dann in einichem oder mehr flecken die schulen 10 vacieren und unsere underthonen keinen zft überkommen wissten, mögen unsere kirchenräth, wa sie ein taugenliolien, als vorgesetzt, betten, denselben den geriebten zuschicken, die auch schuldig sein sollen, ine in den locum vacantem anzftnenien und die verordnet besoldung verfolgen zft lassen. Sie unsere kirchenräth haben von 15 uns auch bevelch, jeder zeit anstellung zft thun, damit die schulen mit notwendigen besoldungen bedacht und die Schulmeister ir underlialtnng gehaben mögen, inniassen dann ir staat x ) weiters mitbringen. Mit dem schftlgelt, wollen wir, das volgender underschid ge- 20 halten werd, nämlich: wa die teütschen schulen den lateinischen anhangen, da soll es bey voriger unser Verordnung, bey den parti- cularschulen 2 ) begriffen, bleiben, nämlichen, das ein knab, so latine lernt, nit über vier kreützer, aber einer so teütsch lernen will, jede fronfasten fünf Schilling zft schftlgelt gebe 8 ). Da aber allein teütsche 25 schulen, als in den kleinen dörfern und flecken, seien, da soll es bey dem gewonlichen schftlgelt wie von alters her one gesteigert bleiben. Doch mögen unsere kirchenräth jederzeit nach gelegenheit der sachen das mehrn oder mindern, darinnen bescheid geben und verncre Ordnung thftn. Desgleichen sollen unsere kirchenräth in 3(> allweg darob und daran sein, damit den schulmeistern ir besoldung und schulgelt richtiglich gegeben und gereicht werd. Warauf ein jeder teütsclier Schulmeister, der kein lateinische sekül anhangen hat, promission und pflicht thftn soll. Erstlichs »das er sich diser unser Ordnung und seines ampts 35 jeder zeit fleissig und zum besten erinnern und berichten, was ime in allweg zft thun oder zft lassen seie; und dann, das er auch soll und wöll vermittelst göttlicher gnaden die ime bevohlne schftl und ') Dienstanweisung. 2 ) Lateinschulen. :1 ) Jährlich 1 Pfund Heller, das etwa den Wert eines Guldens hat. 116 undergebne Schulkinder mit allem trewem fleiss regieren, und der jugent mit züchtigem, erbarn, niiehterm leben vorsteen; kein stund in der schul gefahrlichen oder on erhebliche Ursachen underlassen, sonder selbst zu rechter zeit in der schul sein und alles jenig mit leeren und in ander weg, wie ime die Ordnung auferlegt, mit fleiss 5 verrichten; in dem strafen kein übermass oder zorn gebrauchen, sonder mit mass, und wie die Ordination ausweist, die kinder zürn lernen und zu der disziplin anhalten; den catechismum, kirchen- gesang und das gebet mit allen trewen und eyfer der jugent einbilden, mit inen üben und sie dessen underrichten; auch seines 10 diensts wegen seinen verordneten Superintendenten, pfarrherr, ampt- man, und gericht als ein getrewer diener gewärtig und gehorsam sein, unsern und des flecken, auch schulen nutzen und frommen mit allem fleiss fürdern, schaden und nachtheil seines Vermögens warnen und wenden; und so sich in zeit seiner dienst einige irrung 15 zwischen ime und unsern underthonen oder zugewanten zutrüge, wahin er von uns bescheiden wurde, recht geben und nemen und sich rechts in unserm fürstenthumb settigen und benügen lassen one ferrer appellieren; auch von der schul nit verraisen oder gar abkommen one erlaubnuss des gerichts und superattendenten; da 20 er auch von seinem dienst absteen wölte, sollichen ein viertheil jars darvor abkünden, damit man bey zeiten ein andern bekommen mög; auch sich nit hindan thün, er habe dann unsere underthonen, wölehen er schuldig worden, bezalt oder zu benügen sonsten versichert und den willen gemacht; und in allweg der Ordination, und 25 was er von unsert wegen durch die Superintendenten und pfarrher bescheiden, demselben geleben und nachsetzen. Darauf soll er dem amptman in beisein pfarrhers und gerichts bey band gegebner trew solliches alles zu halten und dem nachzukommen an aids stat promittieren und pflicht thon, getrcwlich und ungevarlich. Sovil 30 dann die Schulmeister belangt, so auch latine leeren, lassen wir es bey selbiger pflicht bleiben. Von der superattendentz der teütschen schulen. Damit auch die Schulmeister, so teütsch leeren, nit ires ge- fallens handien, sonder alle Sachen diser unser Ordnung gemess 35 anrichten und der armen jugent wolfart gentzlichen bedacht, so wollen wir hiemit, das in denjhenigen teütschen schulen, den die lateinischen annectiert, die daselbstcn bey den partieularschülen verfasste inspection durch die verordnete personen nit allein auf die lateinische schfüverrichtung, sonder auch die teütschen ver- 40 117 standen und zugleich der andern also auch diserhalb die deputierte ober diser Ordnung- halten und, das deren von den praeceptoribus gelebt und nachgesetzt, mit ernst darob sein sollen. Wa aber allein teütsch gelert und gelernt, da sollen die pfarrher selbiger orten die 5 superattendenten sein, auch allwegen in acht oder vierzehen tagen unversehens, doch zu gelegner zeit, sich in die schul verfügen, sehen und acht nemen, wie sich der Schulmeister gegen den schiü- jungen mit leer und disciplin halte, auch selber etliche darunder im catechismo, bücbstaben, syllabiern, lesen, auch schreiben exami- 10 nieren, damit er erkündigen mög, ob der Schulmeister rleissig und was er frucht bey den kindern schaffe; desgleichen in der kirchen bey dem gesang, auch catechismo aufmerckens haben, ob der Schulmeister die kinder fleissig darzü füre, und was er für feel und m'ängel befende, jedesmals dieselben understehn abzustellen; 15 wa es dann nit verfallen wölt, solliches mit allen guten umbstenden unsern spezialn zu zeit irer Visitation anzeigen oder schriftlichen zustellen, damit sollichs volgends unser superintendentz nach ferners gelangt und gebürlichs, zeitlichs einsehens bescliehen möge, wie dann wir darvon in anderweg fernere Verordnung und bevelch thon. ^ Von der teutschen schreiberey und rechenschülern. Dieweil an guten handschreibern und rechnern bey unser landschaft, stetten und stattschreibereien nit kleiner mangcl und dannocht und dem gemeinen nutz, auch guter haushaltung nit wenig daran gelegen sein will, demnach so verordnen und wollen wir, 2 & das von unsern verordneten räthen drey fromme, christeliche, gots- eiferigc, teütsche Schulmeister, die von der band gute modisten*) und Schreiber, auch mit der feder und auf der linien rechnen zu lehren geschikt und fleissig seien, verordnet werden sollen, nämlich den einen gehn Stüttgarten, den andern gehn Tübingen und den 80 dritten gehn Urach, an disen orten ire schulen mit guter Ordnung, die inen hierumb zugestelt und gegeben solle werden, anrichten. Und damit man dester geschickter solliche menner alhin bringen und bass erhalten möge, so wollen wir zulassen, das ir jedem jars ausser dem gemeinen kirchenkasten ein steür, neben dem verord- 5 neten schülgclt gereicht und auch hieneben bey gemeltcn disen stetten, inen behausungen einzügeben, angehalten werden. Der letzte Abschnitt gehört nicht zu der Schulordnung selbst, sondern steht vor dem über die Stadtschreiber. ') Privatlehrer im Lesen, Schreiben und Rechnen. 118 30. Aus der Schwäbischen K r e i s o r d n u n g. 1563 November 22. Nach dem Druck von 1563, Blatt 40—45. — Abdruck: Langwerth von Simmern, die Kreisverfassung Maximilians I. und der schwäbische Kcichskrcis S. 436. Von dem strayfen und seiner Ordnung. 5 Ain jeder fürst und stand dises krais soll sein fürstenthümbi land und gepuet, auch Strassen vermög viler und sonderlich des zu Augspurg in anno etc. 55 gemachten und publicierten reichsab- schids auf sein selbst eignen kosten rain und darzft notdurftige straifende rotten zu erhalten und, damit sich nit mutwillige leuth 10 in seiner oberkait zusamenschlagen und andere beschedigen, notwendige fürsehung zu tlifin schuldig sein. Damit aber der römischen kayserlichen mayestat und des heiligen reiche aufgeriehten constitutionibus, abschiden und Ordnungen, die execution und hand- liabung des hoehverpeenten landfridens belangend, in disem lob- 15 liehen schwabischen krais noch mehr und würklich nachgesetzt und sonderlich die vilfeltigen beschwerliche und gefarliche plackareyen, auch das gardend der herrnlosen Unecht und anders unnützen umb- schwaifenden gesinds, so vil immer müglich, abgestellt und für- kommen werde, so sein die stend dises krais in vier underschidliche 20 vierthail, wie sie hernach bezaichnet sein, eingethailt und in jedes vierthail N. raisiger pferd, welliche folgende stend geben und all- wegen under denen ain hauptmann erkiesen sollen, auf gemaines krais kosten geordnet. Und wollen die stend yeden hauptmann täglich mit ainem guldin, aber die andere pferd jedes mit neun 25 batzen, so lang der straif wärt, besolden lassen. Solliche raisige wolgerüste pferd sollen in den ausgebauten vierthailen alle hält, päss, fürth, steeg, weg, orth und winkel tleis- sig durchstraifen, über die plackareyen, und wa dieselben ihren enthalt, underschlaif, nacht- und tagläger suchen, gute kundscliaft 30 haben, und da sie sich in ain oder den andern weg argwönisch und verdächtig erzaigten oder sich aines angriffs und ubelthat under- fahen und annemen wölten oder aber denselben schon gethan betten, dass sie die thäter alsbald zu haft und fängnus pringen, da sie aber denen nit stark genüg wären, soll yeder hauptman bey den 35 nächsten stenden seines undergebnen und befolhnen vierdtails nach gelegenhait des reichsanschlags ain oder mehr pferd, auch füssvolk, sovil die notdurft erfordert, damit die rauber und ubclthäter nider- geworfen und man ihnen stark gnfig sein möge, zur sterkung er- 119 forderen, welliclie auch ain yeder stand auf das patent, so yeder hauptman bey banden haben und fürzaigen würdt, one widerred y on stund an zftzeschicken verpfiicht und schuldig sein soll. Und Wollen gemaine stend in dergleichen nothfallen allwegen auf ain 5 geschickt pferd tag und nacht auch neun batzen zu besöldung verordnen. Ob sich aber die noth also zutrug, dass der rauber und ubel- thäter versamblung. so gross oder sie sich understünden von dannen zu trachten und zu entreiten, also dass die nacheyl angeen müste, 10 so haben gemaine kraisstend bey allen iren ober- und underampt- leuten, auch derselben underthanen, alsbald neben verkündung diser Ordnung sollicbe fürsehung gethan, dass sie dem hauptmann und andern straifenden reütern auf ir begcren und erfordern, auch für- Icgung des offnen patents von stund an bey peen und straf des 15 landfridens, auch der kraisstend sondern hohen ungnad und straf helfen nacheylen und in haft bringen, auch im fall der noth under- schidlich den sturmbstraich angeen lassen. Gleichfalls sollen der verordnet hauptnian und reuter in kraft des offnen patents anderer gefreyten hcrrscbaften, geistlich und weltlich, auch die von der 20 rittersehaft, adel und sondere personen, so in disem krais gesessen, vermög des heiligen reichs Constitutionen, sonderlichen aber jüngst aufgeriebten reichsabsebids, umb hülf und die nacheyl anzurufen befelch, macht und gwalt haben, des unzweifenlicben Versehens, sie werden demjhenigen, so mit gemainem rcichsbeschluss verab- 25 schidet, unwaigerlich nachkommen und zu kainer Weiterung ursach geben. Und ob also vor, in oder under der nacheyl, jemands ver- dechtiger oder die thäter selbs nidergeworfen und zu haft gebracht wurden, sollen der oder dieselben in des kraisstands oder der- • ° jhenigen oberkait und gepuet, in deren die niderlag beschehen, verwarung und gefengnus überantwortet und der enden gegen denen nach inhalt der reichs- und kraisabschid irem verschulden nach gehandelt und vollnfaren werden. Müste aber die nacheyl bis in ain andern anrainenden krais ,u beschehen, so sollen sich die verordenten zum straif ires offnes Patents bey jedem stand oder seinen amptleuten auch gebrauchen und sie in kraft des landfridens und reichsabschid zur nacheyl und nandhabung der ubelthater, auch dem sturmbstraich, wie es yedes- mals gelcgcnhait der Sachen erfordern wirdt, fleissig und ernstlich 40 ermanen. 120 Nicht wenigem fleiss, kundschaft und aufmerken sollen die verordenten zum straif in yedem vierdtail auf die herrenlosen und gartenden knecht, so dem armen mann auf dem land, der sunder- lich zft diser klemmen thewren zeit mit seinen kinden selhs hunger leiden müss, sein blfltigen schwaiss schändlich abnimpt, haben 5 und den straifenden hiemit ernstlich befolhen sein, wa sie deren ainen oder mehr auf dem garten und ausmerglen der armen under- thonen, gemainen kraisstenden zügethan, betreten, dass sie gegen und mit sollichen inlialt des kraisabschids und mandaten handien sollen, von wellichem hieoben under dem titel von plakareyen, herrnlosen, IG gartenden und anderm umbschwaifenden gesind ferner verordnet. Da auch der verordnet straif zu disem müssig geenden gesind nit stark gnfig, sonder sie sich etvvane zusamen rottiercn und sicli obgehorter massen nicht abmanen lassen wöltcn, auf solliclien fall soll es mit der nachcyl, sturmbstraich und in ander weg nit 15 allain bey dises krais stenden, sonder auch den andern gefreyten herrschaften, wie oblaut, gehalten und aller fleiss fürgewendt werden, ob man doch einmal dises schwären lasts abkommen und die armen leutb auf dem land zu diser theuren zeit sollicher schwären bürdi erledigen und abhelfen möchte. 20 Und folgt also hernachcr die austailung obermelter vier vierd- theil in disem schwäbischen krais mitsampt dein benannten gezirk, wie weit und wahin jede straifende rott auf den grennitzen hinüber straifen soll. Und ist sonderlich ainem yeden stand sein reichs- anschlag zugesetzt, damit sich yeder hauptman in erforderung einer 25 sterke merer pferd umb so vil mehr darnach wisse zurichten. In das erst vierdthail sein hernachvolgende stand verordnet: Von den fürsten: Zu ross 60, zu f&ss 277 Württemberg. Den prälaten: 30 Zu ross 5, zu füss 18 Elwangen, 4 und 8 Elchingen. Grafen und herren: Zu ross 2, zu fiiss 0 graf Ulrich zu Helfenstain, 8 und 45 alle grafen zu Oettingen, 1 und 3 die freyherrn zu Grafeneck. Den stetten: 35 Zu ross 25, zu füss 150 Ulm, 3 und 38 Reutlingen, 5 und 40 Esslingen, 3 und 35 Gmünd, 1 und 12 Weyl, 4 und 40 Hailpronn. 2 und 14 Wimpffcn, 10 und 80 Hall, 4 und 40 Dünkelspühel, 0 und 6 Bopfingen, 1 und 12 Giengen, 1 und 12 Aalen, 5 und 50 Nördlingen, 3 und 30 Word. 40 121 Diser straifenden rott grennitz soll sein vom Bruchrain l ) an die marggrafschaft Baden nach dem fürstenthümb Wtirtemberg bis auf die grafschaft Helfenstain zu Wisenstaig und die stat Ulm, darnach die Thünaw hinab auf Word, von dannen in die graf- 5 Schaft Oettingen bis an die grenitz der mark Brandenburg auf Dinkelspühel, Ellwangen, Hall, Hcilpronn, Wimpfen und also auf andere des fränckischen krais anraincnde stende bis widerumb auf das fürstentliünib Württemberg am Bruchrain. — Darein sollen der herzog zu Württemberg und Öttiiig die N. pferd zum straif ord- 10 neu und sonderlich ir fürstliche gnaden den hauptman darzu geben. So gehören in das ander vierdtail dise stend: Von den fürsten : Zu ross 8, zu füss 28 marggraf Karl zu Baden, Hochberg und Rötteln, 24 und 60 deren fürstlichen gnaden vettern, marggraf Phili- 15 perlen und Christofen zu Baden 7011 wegen marggraf Philipsen zu Baden nacbgelassnen landscbaft, 1 und 4 die aptissin zu Bottcnmünster. Von graven und herrn: Zu ross 0, zu fftss 4 graf Wilhelm zu Eberstain, 1 und 2 der freyherr zu Geroltzeckh, 6 und 30 die grafen zu Fürstenberg, 20 6 und 20 graf Karl zu Hohenzollcrn, 2 und 9 die grafen zu Sultz und 1 und 6 als inhaber Brandiss. Von den stetten: Zu ross 3, zu füss 61 Rottweil, 0 und 30 Offenburg, 0 und 15 Griengenbach, 0 und 10 Zell am Hammersbach. 25 Und ist dises vierdthails straifender rott grennitz vom Bruch- r ain in die marggrafsebaft Baden • bis an Rhein auf Offenburg, Giengenbach, Gcroltzegkh und wider in die marggrafschaft gen Röteln und Hochberg bis an das Oesterreichisch und Aidgnossisch, v on dannen herüber an die Thünaw auf Sigmaringcn, Hohenzollern °° Und Hechingen bis an das fürstenthümb Württemberg. Die N. pferd in dises vierdthail sollen baidc fürsten und uerren die marggrafen zu Baden etc. geben und sich darunder aincs hauptmanns vergleichen. Im dritten vierdthail sind folgende stend begriffen. 0 Von den fürsten: Zu ross 7, zu füss 30 Costenz, 6 und 20 Kempten. Von den prelaten: Zu ross 2, zu füss 4 Reichenaw, 7 und 77 Salmenschweiler, x ) Gegend von Bruchsal. 122 4 und 18 Weingarten, 2 und 14 Weissenaw, 0 und 6 Petersbausen ZU Costentz, 2 und 14 Schussenried, 4 und 20 Ochseuhausen, 2 und 5 Marckthal, 1 und 8 Münchsrot. Von den aptissin: Zu ross 0, zu füss 5 Lindaw, 2 und 6 Büchaw, 0 und 5 5 Heggbach, 0 und 5 Güttenzell, 0 und 5 Baindt, 3 und 31 die Balley im Elsäss. Von den grafen und tierrfl: Zu ross 4, zu füss 22 7« die grafen zu Fürstenberg als inliaber des halben thails der Werdenbergisclien guter, 3 und 20 alle grafen 10 zu Montfort, 4 und 2272 graf Carl zu Hobenzollern als inhaber des andern halben tails der Werdenbergisclien guter, 0 und 5 inliaber der herrschaft Justingen Georg Ludwig von Freyberg, 2 und 6 herr Hans Jakob freyherr zu Künigseckh und Aulendorf, 0 und 5 mehr als inliaber der herrschaft Künigseckherberg, 2 und 4 inliaber 15 herrn Schweickharts von Gundelfingen seligen guter, graf Georg von Helfenstain, 10 und 42 die herrn Truchsässen von Waldburg von wegen ir und der Truchs'ässischen Waldburgische guter von Sonnenberg auf sie gefallen, 4 und 18 grafen zu Lupfen, 2 und 9 die grafen zu Zimmern. 20 Und von stett.cn : Zu ross 3, zu füss 30 Kempten, 4 und 46 Biberach, 1 und 14 Leukirch, 2 und 14 Eyssni, 2 und 14 Wangen, 3 und 40 Lyndaw, 3 und 40 Ravenspurg, 0 und 5 Büchhorn, 6 und 60 Überlingen, 2 und 20 Pfullendorf, 0 und 2 Büchaw am Federsee. 25 Der gezirk dises vierdtliails ist von der grafschaft Hohen- zollern an auf Hechingen bis an das land Württemberg und der herren grafen zu Helfenstain zu Wissensteig grafschaft und die statt Ulm, folgends die Bier hinauf bis an das gebürg, darnach hinumb an den Bodensee, an die Aidgenossschaft und die grafschaft 30 Fürstenberg. Darzü sollen der bischof zu Costenz und graf Haug zu Montfort die N. pferd, darunder ain hauptmann sein soll, verordnen. Und dann in das viert viertail gehören: Von den fürsten: 35 Zu ross 21, zu füss 100 der bischof zu Augspurg. Von prelaten: Zu ross 2, zu füss 10 Roggenburg, 0 und 10 Ulirsperg, 0 und 14 Jrsin. 123 Von grafen und herrn: Zu ross 4, zu füss 14 herr Georg von Frundtsperg, 5 und 20 die herrn von Paungarten, 4 und 15 herr Marx, Johann und Jakob die Fugger gebrüder etc. 5 Von den statten: Zu ross 25, zu füss 150 Augspurg, 2 und 34 Kauffbeuren, 4 und 50 Memmingen. Und ist der gezirk dises vierdtail», was zwischen der dreyen wassern, der Tünaw, Lech, Hier und des gebürgs ligt. 10 Zum straif sollen der bischof und die statt Augspurg den Hauptmann und pferd geben. Damit nun diser straif zugleich angee, soll yedes vierdtail seine N. pferd auf ainen bestympten tag zum anritt verordnen und dieselben obgehörter massen nach dem anritt auf gemaines kraiö lo kosten, wie obsteet, so lang es yeder zeit die gelegenhait und not- durft erfordern wirdet, straifen lassen, jedoch mit der beschaiden- heit, dass ein yeder häuptman vor ausgang derselben wochen, denen fiirsten und stenden, von welchen sie verordnet, zu wissen tliüe, wie die sachen in yedem vierdtail geschaffen, wie sie von ainem 80 yeden tag zu dem andern gestraift, wo ir nachtleger gewesen und was inen also teglichen ander sollichein straifen begegnet, auch wohin und wider wen die verdachte underschlaipf sein möchten; item ob die bcschwerden ab oder züegenommen, damit ire gnaden im fall der noth Verordnung thün mögen, den straif lenger forthgeen ö ze lassen oder ine abzeschaffen oder aber denselben auf ain andere zeit in vorgeschribner mass wider anzustellen und zu verordnen, dann sonst und ausserhalb irer fürstlichen gnaden gnad und gunsten Weiterer Verordnung würdet auf die reuter nach verscheinung der bestimpten zeit kain fernere besöldung geraicht werden. Insonderheit sollen auch hoch, wol und obernannte deputierte stende, zu disem straif in jedes vierdthail sölliche hauptleuth und Personen schicken und verordnen, so der landsarten, steeg, weg, hält, fürth und päss kündig, wol bericht und erfaren, denselben auch disen ernstlichen befelch anhenken, dass sie nit allerdings auf den grennitzen irer verordneten vierdtail, oder in den herbergen zu lang ligen, sonder umb und durch die vierdtail gerings und creutzweis, und wie es yedes mals die notdurft erfordern würdet, a lso straifen und ziehen, dass disem krais kain spott, nachtail °der anderer verweis daraus erfolge. Zudem so sollen auch die 0 oberkaiten yeder vierdtail gute achtung haben, dass in derselben 124 gebieten und vierteln die Strassen sauber und rain gehalten und dis unnütz gesind allenthalb abgeschafft und ausgetriben werde. Des wollen sich geraaine stende dises krais gänzlich und ernstlich versehen. 31. Prager Vertrag. 5 1599 Januar 24. Nach dein Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. —Druck: Keyscher 2, 257. Wir Rudolf der ander von gottes genaden erwölter römischer kaiser, zu allen zeiten mehrer des reichs, in Germanien, zu Hungern, Behaimb, Dalmatien, Croatien und Schlavonicn künig etc., ertz- 10 hertzog zu Osterreich etc., hertzog zu Burgundt, zu Brabandt, zu Steyr, zu Karndtn, zu Crain, zu Lutzenburg, zu Wirttcmberg, in Ober und Nider Schlesien, fürst zu Schwaben, marggrave dess heiligen römischen reichs, zu Burgaw, zu Märhern, in Ober und Nider Laussnitz, gefürster graf zu Habspurg, zu Tyrol, zu Pfierdt, 15 zu Kiburg und zue Görtz, landtgrave in Elsiiss, herr auf der Windi- schen markh, zu Portenaw und zu Salins etc. bekennen für uns unsere erben und nachkhumben sament und sonderlich mit disem brief und thuen khnndt meniglich, als sich zwischen uns als regierendem eltistcn ertzhertzogen zu Osterreich etc. und unseru 20 geliebden brüedern und vettern und dan dem hochgebornen unserm lieben vettern und fürsten Friderichen hertzogen zu Wirtemberg und Tegckh, graven zu Mümpelgart etc. als jetzt regierendem hertzogen berüerter fürstenthumb Wirttemberg und Tegckh in deme missverstandt und irrungen eraignen und zuetragen wollen, das sein 25 lieb der hertzog auf absterben wcilendt deroselben vettern, des auch hochgebornen fürsten weilendt Ludwigen hertzogen zu Wirtemberg etc. seliger gedechtnus gentzlich darfür halten wollen, das deroselben dero altvetterliche hertzogthumb AVirttembcrg und Tegckh craft uhralter Wirttembergischer erbverträg, auch darauf ervolgten 30 kaiserlichen erection ohne allen abgang und beschwerde als ohn- gemitelte reichslehen eröffnet und angefallen und derowegen sich nicht schuldig zu sein erachtet, von uns als regierendem ertzhertzogen zu Osterreich berüerte hertzogthumb vermüg der zwischen weilendt künig Ferdinandt und hertzog Ulrichen wie auch hertzog 35 Christofen zu Wirttemberg in anno etc. vierunddreissig und zwai- undfunfzig der wenigem zal zu Cadaw und Passaw aufgerichter 125 vertrag und dardurch eingefüerter afterlehenschaft zu ainem Österreichischen afterlehen zu empfahen, sondern vilniehr sich für befuegt geachtet bey uns als regierendem römischen kaiser umb genedigste belehnung ermclter hertzogthumb (wie für einklnunmener afrerlehen- 5 Schaft von unsern hochlöblichisten vorfaren am heiligen reich gegen weilendt hertzog Eberhardten dem eitern und hertzog Ulrichen zu Württemberg bescheben) allerunderthenigist antzusuechen, inmassen uns dann S. L. in aigner person, under dem anno etc. vierund- neüntzig zu Regcnspurg gehaltenem reichstag desshalben ain sonder- 10 bare supplieation übergeben; dagegen aber wir die sach dahin gar nicht verstehen khünnen, sondern vilmehr darfür gehalten, das angeregte beede vertrag, sovil sonderlich die darinnen eingefürte afterlehenschaft berüeren thuet, nochmals bey ihrer ungeschwecliten würkblicbait bestendig verbleiben und das derwegen S. L. der 1;) bertzog mit emphahung des afterlehens denselben unverwaigerte volge zu tbuen verbunden sey; und doch aber wir nichts desto "weniger die güctlichhait, aus diser sach zu khmnben, so wol als S. L. der hertzog, uns nit zuwider sein lassen, damit zwischen beeden heüsern, die numehr lang hergebrachte vertrewlichhait, 2(1 freund- und gnette nachbarsebaft fürohin gleichergestalt continuirt, besterkht und fortgepfiantzt werden möchte, das demnach, nach lang zu beederseits gepflogener traetation und auf gehaltene genueg- sambe deliberation und erwögung, wir uns mit S. L. und dieselbige sich mit uns wolbedächtlich in der güete dits orts verainigt und 25 verglichen wie von punet zu punet hernach volgt. Als nemblich haben wir anfangs zuegesagt, für uns und alle die ertzhertzogen zu Osterreich und dero gantze posteritet, uns hie- mit aller sprüch und forderung der afterlehenschaft zu begeben, uns auch ainicher belchnungsgcreehtigkait bey den hertzogthumben au Wirttemberg und Tegckh hinfüro in ainichen weg nicht antzumassen, sondern S. L. der ietzt regierende hertzog Friderich, dessen m'än- liche leibs erben und derselben posteritet, so lang immer hertzogen von Wirttemberg im leben sein werden, sollen solche hertzogthumb allain von uns als regierendem und unsern am heiligen reich nach- ° 5 khomenden römischen kaisern und künigen zu ainem rechten fürstlichen reichslehen (nach inhalt berüerter hertzogthumb erection und darauf gevolgten ersten investitur) ohne alle Verhinderung zu emphahen befuegt sein. Dagegen so haben wir uns und unsern gantzen löblichen 0 haus Österreich ingemain, das ist denen von beeden herrn gebrüedern 126 weilendt kaiser Carl dem fünften und kaiser Ferdinanden bceder christmildister gedachtnus herrüerenden linicn, die anwartschaft und succession merbesagter hertzogthumb Wirttemberg und Tegckh dergestalt lauter und unvertzüglich reservirt und vorbehalten, das, wo göttlichem willen nach der ietztrcgierende hertzog Friderich zu 6 Wirttemberg etc. und dessen gantze posteritet männlichen namens und stamens geborne hertzogen zu Wirttemberg für den ertzhertzogen zu Oesterreich absterben oder aber da berüerte hertzogthumb durch unverhoffte andere, den rechten gemässe beständige und von chur- fürsten, fürsten und stenden des heiligen reichs vermittelst ordent- 10 licher erkhandtnus approbirte weeg, wie die sein oder namen haben mögen, dem heiligen römischen reich dergestalt föllig vvuerden, das ex parte des gantzen männlichen namens und stamens der hertzogen zu Wirttemberg khain aussöhnung, reconciliation oder restitution mehr zu hoffen, noch auch mit recht zu erhalten, das allsdann und 1» che nicht der zuetritt zu würkhlicher einnamb ermelter hertzogthumb dem haus Österreich in craft habender anwartschaft gleichfals eröffnet sein solle. Zum dritten sollen uns und allen den ertzhertzogen zu Osterreich der fürstliche Wirttembergische tittl und wappen hinfüro wie 20 bisher, jedoch ainig und allain zu antzaig khunftiger succession und sonsten zu khainem ainichen andern cfl'ect, unsers und ihres thails zu füeren und zu gebrauchen unbenumben, sondern ausdruckh- lich vorbehalten sein. Desgleichen und fürs vierte haben wir uns und unserm lob- 25 liehen haus Osterreich ebenmässig reservirt und ausbedingt, das wie solches seither anno etc. fünftzchenhundertdreissig albeg lieblich also hergebracht worden, ermeltes haus Österreich auch noch füro- hin so wol die hertzogthumb Wirttemberg und Tegckh als andere Österreichische fürstenthumb und lande, wann und so oft es von- 3° nöten, jedoch allain zu beweisung vorbehaltener unvertzüegner anwartschaft vom heiligen reich zu leben zu emphahen haben, wie auch ietziger und khunftige hertzogen zu Wirttemberg, so lang diser stamb wehren wierdt, alles ehrerbietigen gueten willens, correspon- dentz, vertreulicher gueter nachbarschaft und zusamensetzung 3 5 gegen dem haus Österreich sich bevleissen und bestendiglich con- tinuirn sollen, inmassen dann auch wir sambt unsern gelicbden brüedern und vettern und dero nachkommenden ertzhertzogen zu Oesterreich uns gegen dem haus Wirttemberg hinwiderumb alles genedigen und freundtlichen gueten willens gleichmässiger eorre- 4° 127 Bpondentz, vertreulichen gueten naclibarschaft und zusamensetzung bestendiglich ertzaigen wollen. Und weil zum fünften des heiligen reichs churfürsten consens hiertzuc in allweg von nöten, so haben demnach wir hertzog Fride- 5 rieh zu Wirtemberg bewilligt und zuegesagt zu disem allen ihr der churfürsten consens mit und neben ihrer kaiserlichen majestat etc. ZU suechen und richtig machen zu helfen. Ebenfals und nicht weniger solle auch zu desto mehrern Versicherung der Sachen bey unser hertzog Friderichs landtschaft in Wirttem- 10 berg derselben consens und die guethabung diser getroffenen handhing und vergleichung mit allen ihren anhengen, sovil dieselbige sy die landtschaft in Wirttemberg berüert, durch uns hiertzue erhandlet werden. Entgegen so erbieten wir kaiser Rudolf uns und sein willig auf solchen fal, und wann ir der landtschaft consens richtig- sein 15 wierdt, deroselben und der universitet zu Tübingen alle ihre von römischen kaisern und künigen oder den hertzogen zu Wirttemberg, Wie auch vorigen antecessorn ainem oder mehr oder auch von andern herrschaften erlangte und bisher in wolhergebrachter üebung und gebrauch gehabte privilegia, freyhaiten, recht, gerechtigkhaiten 20 und gewonhaiten (jedoch so weit und ferr dieselbigen diser vergleichung der khunftigen succession und anwartschaft nicht zuwider oder entgegen) im namen unser und unsers gantzen löblichen haus Osterreich genedigst zu confirmirn und zu vernewen. Zum sechsten so haben wir hertzog Friderich wegen unser 25 geliebden söhne und aller nachkhumenden regierenden hertzogen z u Wirttemberg als jetzt regierender hertzog, vater und antecessor 'n namen und an statt jetztermelter unser söhne jure patriae P»tcstatis zum allorkhreftigisten, als es von rechtswegen ihmer geschehen khan oder mag, bey fürstlichen wahren worten und 0 trewen versprochen, das dieselbigen sainbt und sonders die getroffene vergleichung alles ihres inhalts genämb halten und würkh- "ch voltziehen, so wol auch ain jeder khunftiger regierender hertzog- zu Wirttemberg gleich bey antretung seiner regierung und noch vor euipfahung der lehen von dem pro tempore regierendem römischen kaiser oder künig sich desswegen ebenmässig in bester ft>rmb und nachvolgender gestalt zu verschreiben schuldig und verbunden sein sollen, nemblich, das nach gewöndlichem eingang der gantze inhalt dieser jetzigen zwischen ihrer kaiserlichen majestat etc. ll »d d ero gantzen haus Oesterreich etc. und dann uns hertzog *° Friderichen getroffenen und geschlossenen vergleichung von wort 128 zu wort inserirt und darauf gesetzt werden solle, das derselbige die regierung antretende hertzog zu Wirtteinberg bei fürstlichen wahren Worten und trewen zuegesagt und versprochen solchem allem für sich, dero erben und nachkhuniben nicht weniger als wir hertzog Fridcrich der prineipal contrahent selbsten zu thuen bewilligt und 5 schuldig gewesen, würkhlich nachzusetzen und unverbrüchlichen zugeleben, mit angehengter renunciation aller und yeder exce])tionen, wie man solche immer erdenkhen khundte oder möchte. Also sollen fürs sibende alle alte und newe vertrag sambt denen declarationen, contirmationen und ratificationen, welche zwi- 10 sehen dem haus Österreich und dem fürstenthumb Wirtteinberg, auch dero landtscbaften aufgerieht und diser vergleichung umb die after- lebenschaft nicht zuwider oder nachthailig sein, in iren creften und esse verbleiben. Verner und zum achten, da auf kbunftigen fal mergemelter 15 anwartschaft und des löblichen haus Österreich succession zu disen fürstenthumben Wirttemberg und Tegkh sich auf solchen fürsten- thumben gülten, leibgeding oder erweisliche schulden befinden wuerden, solle ermelts haus Osterreich ohne costen und schaden deren, so darbinder verschriben, solche austzurichten und zu betzalen, 20 es auch sonsten bey allen der regierenden hertzogen zu Wirttemberg gethonen begnadigungen allerdings verbleiben zu lassen und disfalls dem lautern inhalt mergedachter erection würkbliche volg zu thuen schuldig sein. Dessgleichen und zum neunten, da zu derselbigen zeit des 25 hauses Österreich succession unverheürate frewlein oder töchter von Wirttemberg ehelich geborn verhanden sein wuerden, solle dem anjetzo befundenen noch üeblichen Wirttembergischen landtgebrauch nach alsdann gemainc landtschaft in Wirttemberg ainem yeden unberathenen unausgesteurten frewlein von Wirttemberg zwayund- 3 ° dreissig tausent gülden heüratguct, das überige aber der disposition des Passawerischen Vertrags gemäss und also nach befundener antzahl dreyer oder weniger frewlein yedem noch achtundzwaintzig- tausent gülden, da aber deren vier oder mehr, jedweederin noch acht tausent gülden zu ergentzung besagtes heüratguets die suc- ö6 (•edierende ertzhertzogen zu Österreich erstatten und richtig machen. Zum zchenden sollen auf merbesagten fall Österreichischer succession die hertzogthumb Wirttemberg und Tegckh an landt und leütten anderer gcstalt nicht, dann in solcher qualitet, wie dieselbige bey aufrichtung beeder des Cadawerischen und Passawe- $ 129 Tischen Vertrags beschaffen gewest, an gedachtes haus Österreich fallen, dasjenige aber, so hiertzwischen weiter dartzu erkhauft oder in ander weeg acquirirt worden oder ins khunftig acquirirt werden möchte (jedoch woferr es nicht vor alters hcro etwo Wirttembergische 5 leiten oder sonsten der caranier haimbgefallen, sondern von newera zum hertzogthumb gebrachte güetter und also der erben recht aigen- tluimb sein) sambt allen mobilien (doch ausser des geschütz und der numition, davon hernach sonderbare meidung beschiecht, sonsten nichts davon ausgenumben) in solche Osterreichische suc- 10 cession nicht gehören, sondern an bemelte aigenthumbserben ohne alle Verhinderung khumben und fallen. Zum ailften und nachdem auch von uns hertzog Friderichen das in acht gcnuinbcn, das bey gewehrter afterlehenscliaft allerlay nutzliche meliorationes fürgenuinben und ins werkh gericht worden 15 und dann wir, unser posteritet und erben gleichmässige Verbesserungen anrichten möchten und derwegen auf unser anregen und begern für niclit unbillich erachtet worden, was seither des Passawerischen Vertrags bey gewehrter afterlehenscliaft und hernacher bis auf zue- tragenden fal Österreichischer anwartschaft für nutzliche melio- 20 i'ationes und Verbesserungen, die hievor nie gewesen, in vilberüerten hertzogthumben denselbigen zu guetem fürgenumben und angericlitet worden, das deren bey khunftiger Österreichischer succession die aigenthumbserben nach billichen dingen und befindender beschaffen- liait erkhenntlich wider zu geniessen haben mügen. So sollen ^ demnacli auf khunftigen solclien sich begebenden faal ex parte des liauscs Österreich zwen oder drey und wegen des hauses Wirttem- berg gleichsfals sovil ansehliche unparteysche discr und nechst liernach vermeldter lnunitionssaehen wol verstendige conimissarien sambt ainem unparteysehen obman, der khainem thail zuegethon oder verwont sey, erkhiest und verordnet werden, die solche mclio- i'ationes und Verbesserungen, ob und welche nutze und nothwendig sein oder nicht, in augenschein nemben, die Sachen nach billichen dingen ästimirn und, da sy die conimissarien sich miteinander nicht vergleichen khünnen, alsdann der obman nach gewissen darinnen a »i auspruch thucn, wie es dann mit dem geschütz und der munition, so bey den heüsern und vestungen allenthalben verbanden, auch also observirt und gehalten, und die refusion derselben auf dergleichen unpartcyscher personen ästimation und erkhandtnus, was den aigenthumbserben darfür vor ain erstattung zu thuen gestelt, ind also in ainem und dem andern bey derer wilkhüerlichen an- Württ, Goscbiolitaciuollon XI. 9 35 40 130 spruch ohne alle weitere reduetion, appellation, oder wie das immer namen haben möchte, allerdings zu beederscits gelassen werden solle; jedoch mit der lautern beschaidenbait, das ermelte aigen- thumbserben nicht eben von diser zwayer puneten wegen sich des iuris retentionis alsdann zu gefiirlicher fürsetzlicher verlengerung 5 zu gebrauchen understehen, sondern vihner schuldig sein sollen das hertzogthum auf begebenden faal dem haus Österreich allerdings ohne gefärlichen auftzug, jedoch mit hernach gesetzter mass un- verlengt würkhlich ahtzutreten, das hergegen auch zu verhüetung allerhandt ungelegenhait, unzimblichen aufhalts oder umtribs das- 10 jenige, so man dits orts ihnen den aigenthumbserben vermög diser vergleichung zu laisten schuldig, gleich bey apprähension der possession ins werkh gericht und die sach hierundter bona fide also befüerdert und angcstelt, damit die einantwortung der heuscr und vestungen und die erkhandtnus der erkhiesten arbitrorum zu- 15 gleich und pari passu miteinander fürgenumben und voltzogen werden solle. Zum zwölften, nachdem von uns hertzog Friderichen beharlich begert worden, das das jetziger zeit in khirchen und schuelen der bertzogthumb Wirttemberg und Tegckh angerichtes religionweesen 20 nach ausweisung der Augspurgischen confession, wie dicselbige weilendt kaiser Carln dem fünften anno etc. fünfzehenlmndert und im dreissigisten zu Augspurg auf damals gehaltenem reichstag übergeben worden, darin bestendigelich bleiben und ohne menigcliclis Verhinderung exercirt, auch khain andere religion in ermelten hertzog- 25 thumben khunftig eingefüert, desgleichen das es bey der anyetzo befundenen Verordnung der geistlichen gegen anderer herrsehaften jetziger zeit unstrittigen gefel ungeändert gelassen werden solle, so lassen demnach wir kaiser Rudolf für uns und oftcrmeltes unser löblich haus Österreich es bey solchem begeren allerdings verbleiben, 30 also dass dawider in dem wenigisten nicht gehandlct werden solle. Weil auch zum dreitzehenden von nöten sein wollen, neben uns kaiser Rudolfen als diser zeit eltisten und regierenden ertz- hertzogen zu Österreich, auch von unsern gelicbden brüedern und vettern denen ertzhertzogen zu Osterreich dero volkhumbliche rati- 35 ficationes und speciticirte consens hierüber urkhundtlich zu haben und desthalber versichert zu sein und aber solche fertigung umb ihrer der ertzhertzogen weit voneinander wesenhait und zumal aines thails weit entlegenheit willen, also in continenti und gleich nach geschlossenem traetat nicht zu der handt gebracht werden mügen, 40 131 als haben wir kaisei Rudolf zuegesagt und versprochen, ir der herrn interessirten fernere aigene subscriptiones und sigillationes zu desto mehren) Versicherung mit chister gelegenhait und noch vor endung des dritten termins, an welchem die refusionssunnna, 5 davon in gleich hernach volgendem puneten meidung beschiecht, völlig erlegt und richtig gemacht werden solle, einzubringen und vil- gedachtem hertzog Friderichen einhendigen zu lassen. Beschliesslich so haben wir hertzog Friderich zu Wirttemberg von wegen gentzlicher nachlassung mehrberüerter afterlehenschaft l<) und bestendiger bekhreftigung der andern bey disem vertrag ein- kommenen und unsere männliche posteritet und gehorsame landt- Schaft berüerende artiel bewilligt, zuegesagt und versprochen, ihrer kaiserlichen majestat etc. viermalhundert tausent gülden reinisch in müntz, jeden derselben zu funftzehen patzen oder sechtzig khreützer 15 gerechnet, zu denen nachvolgenden dreyen zieln, neniblich in den Sechsten zwayen monaten von dato diser vergleichung zweimal- hundert tausent gülden reinisch, volgendts in sechs monaten nach dem ersten termin ainmalhundertfunfzig tausent gülden reinisch, den rest aber in acht monaten nach dem andern zil und also die 20 gantze summa in sechtzchen monaten zu Augspurg in solchen 'Tmntzsorten und weertli, das ihre kaiserliche maiestat etc. dabey nichts zu verlieren, gewisslich zu erstatten und richtig zu machen. Hierauf so geloben und versprechen wir kaiser Rudolf als regierender eltister ertzhertzog zu Österreich etc. für uns und an statt 25 wolermelter unser geliebden brüedcrn und vettern aller der andern ertzhertzogen zu Österreich etc. craft derer von ihnen empfangenen geiiuegsamben volmacht bey unsern kaiserlichen Worten und wir Friderich hertzog zu Wirttemberg und Tcgckh etc. bey unsern fürstlichen wüerden und trewen solches alles, was diser vertrag in sich 0 helt und ainem jeden auflegt und bindet, für uns, unsere erben "nd nachkhumben unverbrüchlich, vest und stät zu halten, demselben allem zugelebcn und nachtzukhumben und dawider nicht zu thuen noch schaffen oder gestatten gethon zu werden in khainer- lay weis noch weg, genedigklich, trewlich und ohne geverde. Zu urkhundt und vester unverbrüchlicher haltung sein diser v ergleichungen drey gleiches lauts, libelsweis geschriben und auf- gericht, mit unsern kaiser Rudolfs und unsern hertzog Friderichs a 'gnen banden underschriben und anhangunden insigln bekhreftigt u ud davon uns kaiser Rudolfen die aine, die andern zwo aber uns 0 hertzog Friderichen zuegestclt und in banden gelassen worden. 132 Beschehen und geben auf unserm kaiser Rudolfs etc. kunig- clichen schloss zu Prag den vierundzwaintzigisten tag des monats January nach Christi Jhesu unsers lieben herrn und seligniachers gebuerdt im funftzehenhundert und neunundneuntzigisten, unserer reiche des Römischen im drey und zwainzigisten, des Hungerischen im sechs und zwainzigisten und des Behaimbischen auch im drey und zwaintzigisten jaren. Rudolf sscrp. Friderich propria sscrp. 32. Uni ons vertrag. 1608 Mai 14. 10 Nach dem Original im Kgl. Staatsarchive zu Stuttgart. — Abdruck: Sattler G, Beil. 4. In dem nahmen der heyligen und unthcilbarn dreyfaltigkeit, amen, thun kund und bekennen wir zu end underschriebene chur-, fürsten und stend des heyligen römischen reichs für uns, unsere 1& erben und nachkommen gegen jedermenniglich, wiewol im heyligen reich teutscher nation unserm geliebten Vaterland aus sonderer getreuer vorsorg unserer geliebten vorfahren ein allgemeiner landt- frid und einigkeit ganz wolmeinlich beschlossen, ufgerichtet und dergestalt ausgekündiget, das ihme menniglich an gleich und recht 20 benügen, auch alle thätlichkeiten verpleiben und underlassen werden, und, da von jemand, wer der auch were, darwider etwas für- genohmen und gehandlet werden solte, wider solchen unbefugten gewalt und betrangnuss, die stend des heyligen römischen reichs mit den crais- und executionshülfen einander würklichen beyzu- 2& springen und die band zu raichen schuldig sein sollen, dieweil aber solche des heyligen reichs abschied und zuvoraus die darüber verfaste executionsordnung zum theil in beschwerlichen missverstand gezogen, zum theil aber und von vielen durch feindliche und thät- liche handlungen überschritten und in mehr weg darwider frevent- 30 lieh gehandlet würd, also das man sich fast keiner bestendigen hülf mehr zugetrösten hat, wie dan nun viel jar lang die beschwerte gehorsame stend solche hülf den reichsconstitutionibus stracks zuwider, wie embsig und viel sie auch darumb angehalten, nit erlangen können, sondern dieselbe von einem reichs-, crays- und deputations- 3S> tag zum andern verschoben und über das die leuf sich mehr als 133 an eim ort sorglicher und gefährlicher als zuvor nie erzeigen; daner dan wol zu besorgen, wan diesen dingen dergestalt lenger zugesehen und nit mit göttlicher hülf dargegen gebawet werden solte, das etliche ausser, auch innerhalb des heyligen reichs bevorab bey 5 dieser leuf gclegenlieit nit underlassen würden, dergleichen thätlich und frevenlich fürnehmen hinfüro in viel weg zu vermehren und also in dem geliebten Vaterland ein Unruhe nach der andern anzurichten, die fridliebende und gehorsame stend des reichs zu überziehen und zu bekriegen und also, soviel es an ihnen, die uralte ■*ß löbliche ganze Verfassung des reichs in einen häufen zu werfen, und dasjlienige, daran man so lang gebawet und gebessert, in den grund zu legen, daraus dan nichts anders dan endliche Zerrüttung aller guten Ordnung, policey und Wohlstands, auch undergang alles ii'idliebcnden wesens im heyligen reich zu gewarten, zu dem auch 15 dem erschollenen geschrey nach in der nachbaurschaft allerhand heimliche und öffentliche kriegsrüstungen fürgehen und zum theil, wie die gemeine Zeitungen mit sich bringen, in vollem anzug sein •sollen, und dann zu vorkommung und abwendung des dannenhero besorgenden unwiderbringlichen nachtheils, Schadens und Verderbens J0 nit gnug, das im heyligen römischen reich teutscher nation heilsame gute Ordnungen ufgericht sein, sondern wie ein jeder stand darüber zu halten verpflichtet, also auch zum höchsten vonnöten sein will, dass dieselbe und sonderlich die fridliebende stend ihres theils sampt ihren gehorsamen underthonen darüber würcklicli 0 halten, auch zu dem ende sich in eine mehrere vertrewlichere ver- stendnuss und zusaraensetzung miteinander begeben und also in solcher bereitschaft sitzen, damit sie denjenigen, so sie wider solche gemeine recht, reichsabschied und Ordnungen und sonderlich den utgerichten und zum oftermal bestetigten landfriden beschweren 0 oder betrüben wollen, mit notwendiger und erlaubter defension mannlich begegnen und sich also bey gleich und recht erhalten möchten, — als haben demnach wir hernachbenante chur-, fürsten und stend des heyligen reichs in zeitlicher vorbetrachtung und erwegung alles dessen und zu abwendung solchen Unwesens, wie a uch aus andern bedenklichen und beweglichen Ursachen, wie ob- gemelt, und gar nit der römischen kayserlichen mayestät unserm allergnedigsten herrn, als dern wir allen undertheiligsten gebürlichen gehorsamb zu laisten schuldig, oder auch einigen stand des reichs, So sich dessen Ordnungen gemess erzeigt, als denen wir mit allem 0 guten nachparlichen willen zugethan, auch sonsten keinem menschen 134 zuwider, zu nachteil und bcschwerung, viel weniger aber des heyligen reichs Constitutionen zu abbrach, sondern vielmehr zu besterkung derselben und besserer erhaltung fridens und einigkeit im reich, inmassen dergleichen verstendnuss hiebevor im reich auch nach erhaschender notturft ufgericht, als liebhaber und gehorsame stend 5 des reichs teutscher nation, unsers geliebten Vaterlands, zu be- förderung gemeiner wohlfarth und unsern landen und leuthen, auch denen stenden, so sich mit uns künftig vereinigen werden, zu frid, ruhe, schütz und schirm im namen gottes des allmechtigen gegenwertiger, freundlicher und vertreulicher verstendtnuss uns sampt 10 und sonderlich mit und undereinander wohlbedächtlich verglichen, thun das auch itzo hiemit und in kraft dises briefs, wie solches am bestendigsten geschehen kan oder mag, wie hernach volgt. Und erstlichen, dass einer den andern und alle dessen erben, bind und leuth treulich meinen und kein theil wider den andern 1& oder dessen erben, land und leuth in einige bündtnuss sich einlassen, also auch keiner den andern, dessen stand, freyheit, land und leuth wider des reichs Constitutionen beschweren, befehden, bekriegen oder in einige weeg belaidigen noch, das solches beschche, fürschub oder hülf thun soll, sondern fürs ander wir die ver- 20 einte und alle unsere erben zeit wehrender dieser verain vertrauliche correspondenz haben und halten und so einer etwas widrigs, gefahr oder anschlug, die den andern, dessen erben, land und leuth angethröhet, erfahren würde, solches den andern dessen förderlich avisieren und warnen, auch desswegen ein jeder 2& gute kundschaft zu erlangen sich befleissen soll. Wir und unsere erben sollen auch fürs dritte die zeit diser verain in wichtigen fürfallenden Sachen, die belangen gleich das gemeine wesen oder uns, unsere land und leuth, einander mit getreuem rath beystendig und beholfen sein, damit ein jeder bey 30 seinem stand und land, sovil möglich, angefahrt und unbeschedigt erhalten werde. Der irrungen halben aber, so sich zwischen uns den verainigten selbst oder unsern erben in zeit werender union zutragen und begeben möchten, und dieselbe zu entscheiden, ist für gut angesehen, das erstlichen etliche negsten mitunirte sich bemühen 3& sollen die vorgefallene misshelligkeiten in der gute hinzulegen, in entstehung aber der gütlichen vergleichung die strittige parrheyen bey den austrägen, wie sie sonsten beym reich herkommen, wan es zu ordentlichem rechten und an gehörige örter kompt, gelassen und inmittelst von den verainigten keine thätlichkeit gestattet werde. $ 135 Darbey dan sonderlich bedingt, das, wann einer oder der ander wider die nnion bandelte oder aueb sonsten sieb gebrechen, so diese verain berürten, begeben, solches allein vor den mitverainig- ten gethaidinget und von ihnen geschlichtet werden soll ui nach- 5 volgende mass, dass gleichfalls fürs erste durch ein oder zweyen der mitverainigten stend, die der beschwerte theil zu benennen, die gute versucht, do aber solche nit statt finden würde, soll es dem in der beylag speeificirten und von den unirten underschnebenen process gemess damit gehalten werden. lü Sonderlich sollen und wollen wir zum vierten in sachen, so teutscher chur-, fürsten und stend freyheit und hochhebt, wie auch der evangelischen stend uf dem letzten reichstag vorgetragene gravamina belangt, sovil deren der chur-, fürsten und stend frey- heiten und des heyligen reichs constitutionibus abbruchig seyn 15 wollen, sowohl bey reichs- und kraysversamblungen, als auch sonsten nit allein gute vertrauliche correspondenz haben und halten, sondern dass dieselbe würklichen vortgesetzt und dermaleinst erörtert werden, uns angelegen sein lassen, auch bemuhen, andere evangelische stend zu gleichmessiger verstendnuss darein zu 20 vermögen. Zum fünften ist auch abgeredt und verglichen, das dise vertreuliche verain nicht hindern soll, das in etlichen religionspunkten ungleicher verstand sein möchte, sondern ungeachtet derselben diese verstendnus in gutem bestand und wesen verbleiben und 25 gehalten werden soll. Desswegen wir dan auch allerseits bey den unserigen verhüten und nit gestatten sollen, dass in hüchern oder uf der canzel unbesebeidenheit oder falsche uflagen wider den andern theil gebraucht oder sonsten zu einigem unfriden ursacb gegeben werde, doch den theologis unverwehrt thesin und antithesin 3 0 mit gottes wort zu bestetigen und zu widerlegen. Im fall fürs sechste einer under uns oder unsern underthanen mit feindlichem gewalt angegrieffen und do einem sowohl itziger Unruhe halber, als allen andern von einigem, der sey wer er wöll, wider recht und unbillicher weis zugesetzt werden solt und wir 3 5 einiges Überzugs ingesambt oder ein jeder ansonderbeit zu befahren, soll alsdan dem gefehrten und beleidigten uf sein anmahnen von den übrigen mitunirten aus der gesampten anlag, desswegen man sonderbarlicb verglichen, zugesprungen und geholfen werden, nachdem es die notturft erfordern wurd und man sich gleichs falls in 4 « gedachtem nebenabschied vereiniget. Wofern nun die sachen ganz 136 eylends und unverzüglich fürfielen, auch also beschaffen, das die betrangnus der verainigten stend offenbar und entweder derselben einem allein oder etlichen zugleich kündbare gewalt und unrecht zur ungebür zugefügt würde, so soll dem directori und zugeordneten riithen zugelassen sein, ohne lengern Verzug die obristen und befelchs- 5 haber uf die verglichene bestallung aufzumahnen, zu werben und den betrangten zu hülf zu kommen und irem besten verstand und pflichten gemess, da es die ununibgengliche notturft erfordert, die hülf zu theilen und an die notwendigste ort zu verwenden, nichts minder aber hernacher solches den andern verainigten chur-, fürsten 10 und stenden wisslich machen und nachmals in fernerer Verrichtung der defension ires raths und beistand gebrauchen. Dabey auch fernere verabschidt worden, wofern in so eilender not die unirte stend so bald nit versamblet, die hülf auch so schleunig nit auf und zusamengebracht werden könte, das sich alsdan der beschwerte 15 stand nit allein für sich selbsten mit seiner angebür der erkanten hülf vor allen dingen zu ross und fuss mit geschütz, munition und anderm gefasst zu machen, sondern auch kriegsvolk zu ross und fuss auf gemeinen kosten aufzubringen und sich damit zu retten und seine gegenwehr fürzunehmen macht und gewalt haben soll. 20 Wann aber die vorstehende noth und gefahr nit so gar unversehens und geschwind, ist es dahin verglichen, dass dcrsclb stand, so sich ubereilens zu befürchten, schuldig sein soll solches dem directori oder inmittcls den andern stenden insgesainbt mit gutem satten grund und allen unibstenden ausführlich fürzubringen und zu er- 25 kennen zu geben. Wann dann seine angezogene beschwerungen also beschaffen, dass solche durch den directorem neben den zugeordneten kriegsräthen oder mittler zeit die stend samptlieh durch schreiben, Schickung oder in andere tregliche weeg abgewendet werden könnten, wie dan solches auf der unirten stend uncosten 30 in allweg versucht werden soll, so were fernerer hülf unvonnöten; da es aber durch Schickung und schreiben in der gute nicht zu erhalten und durch den directorem und räth oder die samptliche unirte stend befunden würde, dass dem beschädigten von dem gegentheil billiche kehr und wandel beschehe, so soll in aller eyl, 35 was ferner druf zu thun bedacht und was also mit gemeiner be- willigung oder durch das mehrere geschlossen würd, ohne vernern verzug vollzogen und excquirt werden. Do sich auch zutrüge, welches doch gott gnedig abwenden wolle, das die unirte von iren widervvertigen an vielen underschiedlichen orten zumahl angriffen 40 137 und ein jeder mit sich selbs zu tlinn haben würde und daher einer dem andern die liülfliche hand nit bieten könnte, daraus trenung erwachsen und gegentheil obsiegen miiclite, so sollen der director sampt dein verordneten kriegsrath (welche dan, so lang der zug 5 wehret, an einem gewissen ort beysamen sein sollen) uf den fall sieh vergleichen, wie und welcher gestalt der zuschuss zu vermehren und die hülf olm einigen respect hohes oder nidriges Stands aus- zutheilen, das nach gelegenheit der trangsal der eine sowohl als der ander gerettet, geschützt und gehandhabt werde. Demnach 10 auch dise verain die executionsordnung nicht ufhebt, sondern allein m subsidium derselben angesehen, sollen die unirte schuldig seyn, da sie wider den landfriden betrangt oder besehwehrt würden bey den craissen vermög gedachter Ordnung umb die verordnete hülf suecurs und assistenz anzusuchen, bevorab wan es die zeit leiden 15 mag und man ihm solcher hülf halber einige hofthung machen kan. Die hülf mag der theil, dem solcher zuschuss zuerkant, ganz oder zum theil annehmen, doch das die uncosten gleichmessig getragen werden. AVürde sich dan zum siebenden zutragen, das der verainigten ■* stend einer oder mehr dem verfasten landfriden zuwider ohne gegebene Ursachen von jemanden, wer der oder die auch weren oder s ein möchten, überzogen, vergewaltigt und also getrungen und genötigt würden, dass er dieser verstendnuss hülf nit erwarten noch für sich selbsten, wie obstehet, uf kommen möchte, sondern sich 0 Kit dem feind, mehr schaden zu verhüten, vertragen müsste, — in Was gestalt das geschehe, so soll doch solcher ufgerichtcr vertrag den verainigten nit im weeg stehen, sondern der director sampt dem ausschuss oder inmittelst die stend samptlich für sich selbsten, So bald sie das erfahren, auch unersucht der beschedigten, mit der nülf und gegenwehr, auch allem andern vermög dieser verainigung gegen dem beschediger handien und verfahren in allermassen, als Were die sach unvertragen. Dazu sollen wir uns alsdan mit dem ' e »id auch nit vergleichen, es sey dan dem beschedigten dasjhenige Wider eingeraumbt und erstattet, so ihme genohmen oder er sonsten 0 Glitten, daran er billich unsers erachtens ein genügen haben, wie dann auch der angefochtene thail ingemein mit niemanden ohne der samptlichen oder mehrer interessirten verwilligcn mit den an- gi'eitenden ohne eusserste not keineswegs sich in vergleichung einlassen solle. So vil das directorium betrifft, ist fürs achte verabschiedet, 138 das solches zu fridenszeiten hie ausser lande der churfürstlichcn pfalz gelassen, doch das auch mit vorwissen, rath und zuthun der andern unirten dasjhenige, so dem gemeinen werckh zum besten und einem wie dem andern zu gut gcraichen mag, jederzeit wohl in achtung genohmen, gestalt ohne das der samptlichen unirten 5 freundliches vertrawen zu dem herrn churf'ürsten pfaltzgravcn gerichtet ist. Wofern aber hieran, so man doch nit verhoffen will, aus fürfallendcr Verhinderung mangel oder nachtheyliche verlengerung vorfallen würde, soll allsdan dem beschwerten frey und bevorstehen, die andern unirten zu beschreiben, welche auch zu erscheinen und 1° die notturft zu verhandlen verbunden sein sollen. In kricgsfallen solle jedem beschwerten oder angefochtenen in seinem land das directorium gelassen werden, ausserhalb lands aber sol man sich künftig eines generals, adjuneten und kriegsräth vergleichen, den zugleich das directorium der ends ufgetragen werden kan. 1 & Und damit zum neunten der stimmen halben künftig in dergleichen fällen keine Unrichtigkeit erfolgt, so sollen erstlich den churfürsten irc undcrschiedlichc vota pleiben, auch volgends jeder regierender fürst ein votum haben, wie dan die samptliche graven und herrn in jedem crais, so zu dieser handlung gezogen, und die 20 erbarn statt gleichfals ein votum haben sollen. Diewcil sich auch zum zehenden leichtlich zutragen kan, dass der vereinigten stend einer oder mehr in dessen oder der andern Schlösser, stetten, landen oder gebieten offnung bedürfen möchten, so ist geschlossen, dass den oder demselben verainigten, wess Stands ^ der oder die weren oder sein würden, mit oder ohne ir kriegsvolk, haab und guter, in des oder der andern land, fürstenthumb, herr- schaft und gebiet, schloss, stett oder andere flecken, so lang dise verstendtnus wehret, ohn einige gefehrlichkeit Öffnung auf der vereinigten kosten gestattet und gegeben werden soll, doch solle 3 ° solches nit änderst oder ferner verstanden werden, dan in sachen dise einigung betreffend und im fall der not. Man soll sich auch gegen denjhenigcn, so die Öffnung verstatten und geben, freundlich und gutwillig halten, sie vertheidigen und handhaben. Ingleichem sollen auch die, welche die Öffnung suchen, uf ihren aignen costen 36 und schaden, ohn nachtheil deren, so sie eingenohmen, oder derselben underthanen gebrauchen und sich an demselben ort in belägerung und sonsten gebürlich und unverweislich, auch dermassen halten, als weren sie gedachter Öffnung herrschaften aigen geworbenes kriegsvolk, den ort helfen vleissig bewahren, schützen und *° 139 schirmen und also sich in allem bezeigen, als ob es dem oder denen, die öfnung suchen und gebrauchen, selbst eigenthumblich zustünde, deswegen sie auch caution und Versicherung zii thun schuldig sein sollen. Da auch einem durch solche gutwillige ein- 5 nahm durch die eingenohme schaden beschehe, in was weis das sein möchte, denen soll von gemeinen stenden oder die, so eingenohmen worden, nach erkantnuss der gemeinen stend gebürende erstattung und ergetzung geschehen. Es sollen aber disfalls die vestungen ausgenohmen und hiemit nicht gemeint sein, in dieselbe 10 auch kein vereinigter stand jemands mehr dan die andern stend diser verainigung in der person und etliche wenig dem fürnehme und notwendige dienet sambt iren haab und gutem auf derselben costen und den notfall einzunehmen schuldig seyn. Und dieweil auch zum ailften wir die vereinigte stend die 15 hülf uf unsern selbst kosten und schaden thun müssen, so soll von demjenigen, so mit solcher hülf erobert und gewunnen wird, nichts ausgenohmen werden, dann allein fahrende haab, welche zu gemeiner beut gehört. Aber die statt, Schlösser, vestungen oder andere liegende guter, grosse geschütz und dergleichen, das soll 20 bis zu unserer Verordnung in handen behalten und, wo nit also- bald, doch nach ausgang des kriegs under den unirten chur-, fürsten und stenden nach höhe eines jeden anlag gleich ausgetheilt werden, darneben auch, da einer von den unsern in unserm dienst von dem feind nidergeworfen und gefangen würde oder wir dem feind leut 5 gefangen nehmen, so sollen dieselben gefangen gegen einander, doch in gleicher mass ledig gelassen oder sonsten gelöst und be- freyet werden. Da auch fürs zwölft einem aus den stenden in zeit der Vereinigung statt, Schlösser, vestung oder andere guter, so er entweder 0 vor innen gehabt oder ihme durch succession, erbschaft oder sonsten in andere weg rechtmessiger weis anfallen und zugehörn würden, abgewunnen und volgcnts durch uns wider erobert und eingenohmen würden, so sollen dieselben ohne fernere Schätzung, minderung und abbrach oder andere beschwerung in dem stand, wie die erobert, dem oder denen sie gewesen oder zugehörig sind, wider eingeraumbt werden. Solte aber zum dreyzehenden an vestungen, stetten, schlossern, laud und leuthen oder anderm durch die unirte etwas eingenohmen werden, so entweder ad familiam eines oder des andern unirten 0 chur- oder fürsten gehörig oder sonsten demselben im land gelegen, 140 soll es dem oder denen gegen laidenlicher recompens gefolgt und zu frcmbden banden nit gezogen werden. Was auch wir die ver- ainigten durch contribution, brandschatzung und dergleichen erlangen, solches soll zum gemeinen vertag des kriegs gebraucht und darüber den verainigten stenden gebürende rechnung getan werden. 5 Darbey dan auch zum vierzehenden verglichen, dass diese verain wehren soll von dato an zehen jar und zwey jar vor aus- gang derselben allerseits wir oder unsere erben zusammen kommen oder ordnen sollen, ob und wie dieselb weiter zu prorogiren und vortzusetzcn, inmassen auch eines jeden Stands hierzu verpflichte 10 und verordnete räth alle jähr, die notturft zu bedenkben, sich ver- samblen sollen, und da ein stand vor ausgang diser ainigung die obberürte hülf gebürlichen erforderte oder bevorstehende wissentliche noth und Vergewaltigung uf ihm hätte, solle doch diese verainigung, ob sie wohl in mittler zeit zu end laufen würde, nichts destoweniger 15 in ihren kreften plciben und sich keiner daraus ziehen, bis solcher gevvalt von dem beschwerten und beschädigten stand wiederumb vermög dieser verstendnus abgewendet worden. Da auch nacb endung solcher zeit einer oder mehr in dieser verstendnus nicht sein wollte, dem ist hiemit zugelassen sein in banden habend geld 20 nach seiner gelegenbeit zu verwenden. Wann aber auch inmittels etwas diser union wegen ingemein ufgewendt, soll er dasselbig von seinem anthail, sovil noch nit besebeben, pro quota heraus zu geben schuldig sein. Hette er aber aus seinem vorratli zu dem gemainen wesen dieser union mehr als andere ufgewendet, soll ibme dasselbe von 25 den übrigen unirten nacb billichen dingen wider gut gemacht werden. Ferners und fürs fünfzehent, do einer (welches verhoffentlich nicht sein soll) dieser verain zuwider sich seumig erzeigen und vorsetzlieh ohne erhebliche Ursachen, so zu erkantnus der mitvereinten gestellt, mit seiner anlag und hülf aussen bleiben würde, 30 soll er fürs erste das seinige zu laisten gebürlich erinnert und ihm sechs woeben termin gelassen werden, würde er aber solchen termin ohne die bezablung fürüber gehen lassen, soll er kraft dieses in poenam dupli gefallen sein, welche von seinen landen und gelegensten gütern durch mittel einer Immission die andere vereinigte 35 erheben mögen, es were dan sach, das man gegen zimblichen interesse uf sein des seumigen entgelt solche seine ausstendige quotam sampt verfallener poena dupli bei einem andern ufzubringen wüsste, doch das in allweg der mitlcidenliche fall in guter acht genohrnen und nach befindung moderirt werde. 40 141 Demnach auch fürs scchszehent ein notturft sein will dise wohlangefangene zusamensetzung dem gemeinen wcsen zu gutem je lenger je mehr zu Sterken, ist in einem sonderbar underschriebenen nebenmcmorial, so sich mit dato diss briefs vergleicht, vcrabschiedt r > worden, mit welchen chur-, fürsten, stenden und stetten und wie mit ihnen zu tractiren sein würd'), dabei es dann disfals verbleiben thut. Zum siebenzehcnden, da es sich begebe (das gott gnediglich verhüten wolle) das einer aus uns verainten innerhalb wehrender 1" Vereinzeit aus disem leben abgefordert würde, ist geschlossen, das nichts destoweniger die überlebende des andern erben gleicher gestalt mit allen trewen meinen und mit dem oder denselben diese verain vorgcmeldte zeit aushalten, auch die erben oder ire curatores darzu gleichsfals verschrieben und verbunden seyn sollen. 15 Endlichen da einer aus den verainigten stenden künftig mehr land und leuth, recht und gerechtigkeiten im heyligen reich teutscher nation überkeme und solche mit in dise verainigung begrieffen haben wolte, so ist abgeredt, das berürter stand derselben halb des reichs matrieul nach angeschlagen werde und was ihme daran 20 zukompt so vil es bis uf die zeit, da die land in diese verständ- nus kommen, und nach gelegenheit des in der cassa vorhandenen vorrafhs für seine quotain proportionaliter austrägt, erlegen soll. Solches alles haben wir nachbenanntc chur-, fürsten und steiide uns mit einander vor uns, unsere erben und nachkommen, wie ob- 25 gedacht, zu halten und zu handhaben bey unsern fürstlichen ehren, würden und wahren worten, auch bey gutem trauen und an ayds statt einander versprochen und zugesagt trewlicb und ohne gefehrde. Dessen zu urkund haben wir diese vergleichung mit unsern aignen banden underschrieben und unseren secreten bekreftiget, * auch jedem linierten eine zugestelt. Actum Ahausscn den vierten nionatstag Maji 2 ), anno etc., eintausend sechshundert und achten. Friderich pf. churfiirst. Philips Ludwig Christian marggraf zu pfaltzgrave etc. Brandenburg m pp. Joachim Ernst marg- Johann Friderich Georg Frid. in. 5 graf zu Branden- herzog zu Württem- zu Baden etc. nipp. bürg etc. mpp. berg mpp. l ) Die Unierten bezeichneten darin diejenigen evangelischen Stände, die Jeder von ihnen zum Beitritt veranlassen sollte. -) Alten Stils. 142 33. Vertrag zwischen Herzog Bernhard von Weimar und Conrad Wiederhold über die Feste Hohentwiel. 1637 November 21. Nach dem Abdruck bei Sattler 7, Beil. 55. Demnach der durchleuchtige hochgeborne fürst und herr, herr 5 Bernhard herzog zu Sachsen, Gülch, Cleve und Berg etc., land- grave in Dühringen, marggrave zu Meissen, grave zu der Marckht und Ravenspurg, lierr zu Ravenstein etc. in erfahrung bracht, was massen ihro fürstliche gnaden herzog Eberhardt von Württemberg etc. sich mit dem hauss Oesterreich etc. in nicht allein hochgedachtes 10 hauses von Würtemberg etc., sondern auch dero armen underthonen, auch seiner fürstlichen gnaden mitalliierten und sambtlichen gemeinen evangelischen wesen schedliche und höchstnachdenckhliche traetaten eingelassen, dergestalt, dass der grösste theil des herzog- thumbs Würtemberg etc. dem feind cediret und für dero einige 15 person in dero feind gewaffnete bände ohne einige genuegsame caution begeben wollen, auch endlich gleichsam zuem zeichen solcher ding und unauslöschlicher nachred dero feinde die vestung Hohcn-Twiel, welche bis dato von dem gestrengen, vesten und mannhaften Conrad Widerholdten obristen und commendanten durch 20 dessen trew und Sorgfalt auch lange zeit vor seine selbst eigene mittel obgedachte vestung bewahret und bisliero erhalten worden, welcher auch zue dem ende von ihrer fürstlichen gnaden herzog Eberhardten von Würtemberg etc. auf berüerte vestung gesetzet, solche gegen das haus Oesterreich und des evangelischen bundes 25 feinde zue manuteniren, endlichen aber dem feind selbsten simpli- citer zue übergeben zuegemuethet. Als haben vorerst hocherwclint ihro fürstliche gnaden hertzog Bernhardt zu Sachsen etc. als des evangelischen bundes obergeneral gedachten obersten und commendanten Conrad Widerholten solches zue gemüeth geführt und uf 30 nachvolgende puneten mit ihme tractirt: 1. Erstlichen haben ihro fürstliche gnaden gedachtem commendanten alsbalden zwainzig tausend reichsthaler auszahlen lassen, damit des hauses innhabende guarnison zue befriedigen und auch widerumb etwas vorrath darauf geschafft werden möge. 35 2. Haben ihre fürstliche gnaden dem obristen seine ausgelegte gelter gleichfalls widerumb baar bezahlen lassen. 3. Versprechen ihre fürstliche gnaden, dass dieselbe eusserstens sich dahin bearbeiten wollen, wie eintweder durch traetaten oder 143 andere weg des hauses Württemberg- interesse dermassen in acht genommen werde, damit die von herzog Eberhardten alberaith bewilligte traetaten und cessionen der geistlichen güetter, als auch anderer aembter möchten erhalten und in allgemeinen friden zue 5 dem fürstlichen haus Württemberg besten der gelegenheit und mügliehkheit nach möge gesueclit werden und vomemblich dahin gedacht sein, wie der herzog wiederumb von dem feinde zue der evangelischen seithen und diser parthey gezogen werden möge. 4. Hingegen hat der obriste und commendant ihro fürstlicher 10 gnaden das haus und vestung mit allem befindlichen vorrath, beedes an vivres, munition und artillerie, laut darüber ihr fürstlicher gnaden nbergebenen inventarii vollkhommenlich eingeraumbt, als dass dieselbe nicht allein mit gedachter vestung und allen, was darinnen an vivres und munition und artillery befindlich und was sonsten 15 darzue gehörig, sondern auch mit der guarnison jederzeit disponieren, die darinn ligende völckher endern, verringern und ver- sterekhen, auch mit allem jederzeit handeln und walten mögen, wie es ihro gnädigst wird gefallen. 5. Soll der obrist Widcrholdt als commendant auf gedachter 20 vestung verbleiben, dahin er vorhin mehrgedacht ihre fürstliche gnaden samt der guarnison eyd und pfticht geleist, allein von ihro fürstlichen gnaden und dero gnädigen bevehl zue despendiren. 6. Haben ihr fürstliche gnaden ihme eine absonderliche be- stallung unter ebenmässigem dato gegeben. 5 7. Es versprechen auch ihre fürstliche gnaden gedachten obristen keinesmahls in kriegs- oder fridenszeiten zu verlassen, sondern seiner allezeit in allen gnaden eingedenk zue sein. 8. Hingegen halten ihre fürstliche gnaden ihr alle weege vor, das hauss bis zu einem allgemeinen friden und so lang, bis ihre ^0 völlige erstattung der uncosten, so ihr fürstliche gnaden auf das Hohen Twyhl angewendet und noch ferners anwenden möchten, sowohl anderer forderung, die sie an den herzog von Württemberg für sich und dero armee als obergcneral zue praetendieren, ein benüegen beschehe. Oft 9. Im übrigen lassen ihr fürstliche gnaden es wegen der be- wahrung der vestung bey der alten Ordnung des herzogs von Württemberg, davon der obriste Widerholdt ihr fürstlichen gnaden ei ne abschrift mit ehistem zu überschicken, verbleiben, dass nenib- lich gleichwie ohne des herzogs von Würtemberg schriftliche ordre 144 vor disem, also auch nunmehr ohne höchstervvehnt ihrer fürstlichen gnaden herrn herzog Bernhardts zue Sachsen etc. generalissimi mit aigenen händen unterschriehencn befehlich kheiner uf das hauss soll gelassen werden, jedoch weihl wegen paw- und proviantierung der vestung etliche bauren und handwerkhsleuth Unterzeiten man 5 droben vonnöthen, so khan der obriste wohl deren etliche wenig auf einmahl hinauflassen und solcher gestalt seiner bekhanten be- scheidenheit hierinnen gebrauchen, dass der vestung kein unhail dadurch zuwachsen möge. Zue urkhund haben hochgedacht ihro fürstliche gnaden dise 10 vergleichung in duplo verfertigen lassen, deren eine abschritt ihro fürstlichen gnaden mit ihren händen und fürstlichem secret be- eräftiget und dem obristen Widerlioldt gegeben, die andere aber benambter obrister Widerholdt underschriben und ihr fürstlichen gnaden eingehendigt. Signatum Bern, den 11.') Novembris anno 1637. 15 Bernhardt herzog zue Sachsen. Der Schritt Wiederholds war mitbestimmt durch die Drohung Bernhards von Weimar, Württemberg im Fall der Abtretung des allein noch unbezwungenen Hohentwiels zu verwüsten. 34. Kaiserliche Entschliessung wegen Rückgabe Würt- 20 tembergs an Herzog Eberhard III. 1637 November 24. Nach gleichzeitigen Abschriften im kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck Sattler 7, Beil. 54. Der römischen kayserlichen auch zue Hungarn und Böheimb 25 königlichen mayestät, unserm allergnädigsten herrn, ist in under- thenigkeit referirt und vorgetragen worden, was auf dero ertheilte kayserliche resolution unterm dato den 9. dises zue end laufenden monats Novembris die reconciliation und restitution herrn herzogen Eberhards zue Württemberg betreffend deroselben rath D. Andreas 30 Burckhardt für ein Originalgewalt sub dato Strassburg den 27. mo- natstag Octobris jüngsthin wegen allerunderthenigster aeeeptation der von weiland in gott allerseeligst ruhenden kaiserlichen mayestät Ferdinandi des andern höchst löblichister gedächtnus auf des chur- türstlichen collegii in puncto amnistiae und in specie besagtes 35 ») Alten Stils. 145 herrn herzogen reeoneiliation und rcstitntion betreffend eingeholt guetaehten sab dato Regensnurg den 9. Decembris verwiehenen 1636. Jahrs ergangener kayserliclier resolution : ) geliorsambst eingereicht und übergeben, was auch berüerter fürstlich württembergischer ab- 5 geordneter in zwayen underschiedlichen memorialien sub praesen- tato den 16. und 18. vorgemelts nunmehr zu end laufenden monats Novembris weiter allergehorsambist augebracht und gebeten. Wie nun jetztregierende allerhöchstgedachte kaiserliche maye- stät obberüerte von dem herrn herzogen underschriebene und mit 10 dero fürstlichem sigill bekreftigte und obverstandnermassen in original! eingeschickte vollmacht jetzt angezogener dero christseeligsten herrn vatters den 9. Decembris zu Regenspurg gemelten 1636. jahrs ergangenen resolution und darinn einverleibten conditionibus gemäs befinden, also lassen es höchstgedachte kayserliche mayestät bey 15 ihrer vorigen anfangs gemelter den 9. Novembris diss jahrs ertheilter resolution und sein des herrn herzogen in dessen vollmacht be- schehener aeeeptation ungehindert derjenigen anhäng, so in besagtes D. Burckhardts den 16. und 18. Novembris übergebenen memorialien befindlich, allerdings bewenden, seind auch hierüber 2 0 der anerbotenen abtretung der vestung Hohentwiel gnedigst gewertig. Dieweilen aber besagter herr herzog in merberürter eingeschickter vollmacht diss mit angeheft, er gelebe der allerunder- thenigsten Zuversicht, ihre kayserliche mayestät werden sich aller- gnedigst belieben lassen, dem commendanten zu Hohentwiel und 25 allen officirn und underhabenden Soldaten, auch seinen beamten sambt jedem ihrem vermögen frey sichern abzug gestatten, nit weniger alle auf die vöstung geflehnte (ohne das dahin nicht gehörige), wie auch andere mobilien insgesambt, so sich auf der vöstung befinden, vorderist aber von stuck, artilleria und munition 3 0 sovil entweders abzufolgen oder gleichmässiges in der nähe zu ersetzen, damit er eines seiner häuser widerumb in sichere defension stellen und sonst etwas mit proviant versehen und mcublieren könne, . — '-) Ebenda S. 78. 3 ) Ebenda S. 28. •>) Reyscher 13, 365. 153 und Leuten, Lehen und Erbstücken die allermindeste Aenderung gemachet, sondern dieselbe allein gelehret, getrieben und alles in der Religion und Policey immerbin erhalten, auch wieder alle Anfechtungen gesehützet, diesemnach auch in Conformitaet deren von ß Herzog Eberhart dem Illten errichteten Kantzley-Ordnung und Testaments') alle hohe Hof- und Erb- auch andere Aemter, Ge- heime-ßaths-Collcgium und alle übrige in unserer fürstlichen Kanzler befindliche Collegia und Balleyen, auch alle dero hohe und geringe Membra, keinen ausgenommen, item alle Reichs- und Kreys-Ge- 10 sandschaften, Kammer-Gerichts-Praesentationen und Deputationen, wie auch alle herrschaftliche Beamtungen, Stadt- und andere Gerichte mit keinen andern, als der evangelisch lutherischen Religion zugethanon Subjectis nach compactatenmässigem Versprach mit Landeskindern, und wenn solche zeit währendem Amts die evan- iB gelische lutherische Religion verlassen solten, sodann bey denen ob- gehabten Officiis nicht bleiben, besetzet, anbeuebst diejenige, von denen ein solches in oftgedachter Herzog Eberhardinisehen Kanzley- ordnung erfordert wird, zu Unterschreibung der Formulae Concordiae angehalten und besonders die ehemahlige Clausul: die Landes- 20 Compactata, Freyheiten, und Privilegien beständig vor Augen zu haben, denen Staaten wieder inseriret, auch alle und jede Leuthe und Beamte darauf beaydiget, nicht weniger das Consistorium und Synodus in ihrer von Zeiten derer Herzogen Christophs, Ludwigs, Friederichs und Eberhards hergebracht, in der grossen Kirch en- 25 Ordnung fürgeschriben und bestätigten, auch bissanhero exercirt und gelassenen Verfassung, Ansehen, Activitaet und Kräften in allen und jeden Stücken, nichts davon ausgenommen, nicht nur conservirt, sondern auch, so in Ecclesiasticis etwas gemehret und gebessert werden könnte, solches jedesmahlen und allezeit von be- 30 sagtem Consistorio und Synodo in das Werck gerichtet, ingleichem alle in dem Land befindliche Clöster, Closters-Schulen und Seminaria nach Maassgab der Kirchenordnung und beständigen Verfassung unveränderlich gelassen, keiner katholischen geist- oder Weltlichen Persohn niemahlen etwas davon eingeräumet, sondern 5 deren Intraden nach denen in medio liegenden alten Verfassungen und Landtags Abschieden ad Usus destinatos und vornemlich derer Kirchen, Clöster und Schulen Reparation und Conservation, Besoldung derer Geistlichen und Schulbedienten, das Residuum aber ») Reysoher 2, 401. 154 nicht änderst, denn zum Besten des Landes und Rettung Land und Leuthe gleichfalls compaetatenmässig gebrauchet und employret, über dieses auch die Pia Corpora, Hospithäler, Lazarethen, Armen- und Siechcn-Ifäuser und besonders das allhiesige Waysenhaus in ihrem Esse nach Maassgab der Kirchen- und (Lasten-Ordnung un- 5 gekränket gelassen und darwider nichts verhänget, in specie aber auch die Legata Ulrieiana, Ludoviciana et Eberhardina denen Annen behörig ausgctheilet werden sollen. Und da auch ein Hauptstück von denen fürstlich Würtembergischen Privilegiis, Fnndamon- talgesetzen und Compactatis ist, dass keine andere, als die evange- 10 lische Religion in unserni Hertzogthum eingeführet noch geduldet werden darf, so solle auch in allen Kirchen und Schulen besagt unsers Herzogthums und aller darzu gehörigen Landen allein er- wehnte evangelische lutherische Religion gelehrct, keine catholische Kirchen, Capellen, Altäre, Bilder etc. weder neu erbauet und auf- 15 gerichtet noch etwan alte und ungebrauchte darzu aptiret, auch keine catholische Processionen, Wahl fahrten, Kirchhöfe in dem Land gelitten, das Venerabilc weder bey Providirung der Kranken noch in andern Fällen nicht öffentlich getragen, auch nirgends das in dem heylichen römischen Reich bishero so viel Unruhe erregte 20 Simultaneum Catholicum, und was sonsten darvon folgern zu werden pfleget, niemahlen in unserni Herzogthum eingeführet und überhaupt der allergeringste Actus eines catholischen Gottesdienstes, ausser was unsern Privatgottesdienst, worvon hierunten besondere Meldung beschiehet, betreffen mag-, in dem ganzen Land nicht 25 exerciret werden. So solle auch nicht weniger bey der Universitaet zu Tübingen und deren sammtlichen Facultaeten, dein Hofgericht, Collegio II- lustri, Stipendio Theologico und andern daselbst befindlichen Sti- pendiis und Stiftungen noch in dem hiesigen Gymnasio in Puncto 30 Religionis die geringste Veränderung nicht vorgenommen, auch sothane sämmtliche Collcgia mit keinen andern, als evangelisch lutherischen Cancellario, Professoribus, Superattendenten, Magistro Domus, Praeccptoribus, auch übrigen hoch- und niedern Bedienten, welche gleichfalls der Formulae Concordiae zu subscribiren ge- 35 halten sind, versehen noch weniger aber neue Professuren, Schulen, Stipendia, Collcgia, Kirchen, Gymnasia, Clöster, Auditoria und Oratoria, darinnen die katholische Religion öffentlich oder privatim zu profitiren oder zu dociren, daselbsten und nirgends in dem gantzen Lande unter keinem Praetext aufgerichtet, foviret und er- 40 155 bauet, herentgegen alle und jede Praelaturen, Probsteyen und Abbteycn mit wohl qualilicirten, gottesfürchtigen und der evange- gelischen lutherischen Religion allein zugethanen Subjectis besetzet, als der zweyte Landstand consideriret, auf allen Land- und Aus- 5 schusstägen ad Votum et Scssioneni gelassen und auf die in denen Kirchenordnungen vorgeschriebene Weise beaydiget, nicht weniger die denenselben darinnen verordnete Aufsicht in Spiritualibus et Temporalibus eingeraumet und mithin in vollkommener Würde, Pxistimation, Auctoritaet und Consistcnz erhalten, die in denen 10 Staaten vor einigen Jahren aber eingerückte und wieder das Herkommen und Landstandschaft streitende Clausul Puncto Eecursus ad Iniperatorcm ausgelassen, mithin solcher Staat auf die alte Arth •iniformiter eingerichtet werden. Anbenebst wollen wir all und jede unsere fürstliehe Collegia 15 anweisen und hiermit auch angewiesen haben, in Religions- und Kirchen-, auch dahin einschlagenden Oeconomie-Saehen nach der Observanz und dem Herkommen unsers Hcrzogthums in denen Fällen, wo es nöthig*, jedesmahlen mit gedachter Landschaft behörig zu communiciren und in Sachen von Wichtigkeit vor sich nichts 20 einseitig zu verfügen. Anbenebst sollen auch die Communen in dem Land bey der Annahme der Bürger gelassen und nicht gestattet werden, dass selbigen von einer andern Religion, wenn gleich solche sonsten ohnverwerflich wären und alle behörige Requisita hätten, jemand aufgedrungen werde. ^ Und gleichwie der Westphaelische Friedens-Schluss uns erlaubet Hofprediger von unserer Religion ohne unserer Unterthanen Besehwchrde und Prac Judiz bey uns und in unserer Residenz zu haben, also wollen wir allezeit darzu verträgliche Personen nehmen, niebt weniger zu Hebung unsers Privatgottesdienstes in unserm 30 fürstlichen Schloss allhier eine besondere Capello von dem uns hindschaftlicherseits hierzu unterthänigst otferirten Geldquanto erbauen und einrichten lassen, keineswegs aber dadurch weder den Statum Anni Regulativi noch das Publicum Exercitium Religionis Evangelicae immutiren. Gestalten wir dann auch, in diesem Betracht 35 denen evangelisch lutberischcn die dermahlig so genandte Hof- u&pelle allhier in Stuttgardt ferner auf beständig lassen und uns, auch unsere Successores am Regiment zugleich verbinden, weder desswegen noch auch überhaupt in allem etwas zu unternehmen oder unternehmen zu lassen, welches dem Statui dicti Anni Decre- *° torii und denen ratione ohngekränkt durchgängiger Beibehaltung 156 dessen Status führenden Principiis derer evangelischen Fürsten und Stände des Reichs nur in einige Wege entgegen laufen könnte, so wollen wir auch ein gleiches wegen unserer Stadt Ludwigsburg ohservircn, den dortigen catholischen Gottesdienst aber bey denen allda Eingesessenen bloss in die Schrancken einer Privatdevotion, & wie solches das Instrumentum Pacis Articulo V § 34 in dergleichen Fällen vorschreibet, und zwar ebenmässig nach denen Principiis derer evangelischen Fürsten und Stände des Reichs setzen lassen. Allermassen nun, umb es kurtz zu fassen, nach dem in diesem unserm Herzogthum und Landen eingeführt und durch oben 10 allegirte Reichs-Fridcns-Schlüsse und Oonstitutiones, auch die Lan- des-Compactata corroboriret, nicht minder von allen bisherigen Landesregenten und jedesmaligen römischen Kaysern coniirniirtcn Hauptgrundgcsetz kein anderer, denn der evangelische lutherische Gottesdienst oder Exercitium Religionis unter keinerley Vorwand 16 oder Schein im ganzen Land zu ewigen Zeiten gestattet oder geduldet werden solle, also renunciren wir auch zu dem Ende wohl- bedächtlich und freywillig nach vorhero dissfalls eingenommenen genügsamen Bericht vor uns, unsere Erben und Nachkommen am Regiment in der besten Form Rechtens allen uns etwa disfalls 20 competirenden Rechten, Freyheiten und Privilegien, wie sie Nahmen halten oder genennet werden mögen, wie auch allen canonischen Dispositionen, päbstlichen Absolutionen, Dispensationen, Edicten und denen Principiis der catholischen (Jlcrisey und versprechen hiermit nochmahlen bey unsern fürstlichen wahren Worten, Ehren, 2o und Treuen, dass wir oder unsere Nachkommen weder sub Prac- textu Juris territorialis reformandi episcopalis noch weiter unter anderley Vorwand darwieder in keinem Stück thun oder zu thun gestatten, ja vielmehr allen widrigen Machinationen und tentirenden Eingriffen sogleich unsere fürstliche Authoritaet entgegensetzen, 3° auch wieder alle inn- und äusserlich intendirende Turbationen und Eingriffe auf das kräftigste schützen, schirmen und handhaben; herentgegen die Reichs-, Crays- und Land-Compactata, Satzungen und Abschiede, Landrecht, Hofgerichts- und alle andere dieses Herzogthums wohlhergebrachte Ordnungen, wie sie durch der jedes- 3 6 mahligen römischen kayserlichen Conlirmationes bestätiget worden, als die einige Norm der fürstlichen Regierung in diesem Herzog- thumh stäth und vest bewahren und nichts dargegen verhängen lassen wollen. Und obgleich in diesem Assecurationsbrief unterschiedene zum 40 157 evangelischen lutherischen Religionswesen gehörige Specificationes geschehen, bey deren Corrohorirung es auch sein Verbleiben haben solle, so sollen doch auch alle dahin gehörige Stücke und Annexa, °b sie schon spccifice hierinnen nicht benahmst, dennoch niitbe- 5 griffen und bestätiget, hingegen alle andere dem evangelischen Religions- und allem dahin einschlagenden Policey-Wesen und dessen beyderseitigem Exercitio in Essentialibus, Accidentalibus et Annexis zuwiederlaufende Consilia et Facta, wie die auch immer Nahmen haben mögen, durch uns beständig verboten, abgestellet 10 und zu ewigen Zeiten weder durch uns noch unsere Successores Biemahlen vergönnet werden. Wie wir denn zu diesem Ende besonders unsere fürstliche Printzen mit allen bestdienlichsten Vorstellungen, väterlicher Einbindung und Befehl jederzeit dahin anweisen und angewiesen haben wollen, dass sie gleiehinässige 15 landesväterliche Grundsätze, Sentiments und Oonduite führen und nicht das mindeste vornehmen noch andern verstatten und verhängen sollen, welches zum Abbruch, Schmählerung oder Veränderung der evangelischen lutherischen Religions- und Landes-Verfassung und Freyheit gereichen könne, sondern sich vielmehr allenthalben der- 20 gestalten zu erweisen befleissen, dass wie in andern, also auch in Religions-, Kirchen-, Universitaets-, Closter- und andern Sehnlichen, auch allen deroselben Annexis und dahin mitgehörigen Policeysacben nichts verändert, sondern alles nach Maassgab der Reichsfridcns- und Religions-Schlüssen, Landes-Compactaten und 0 grossen Kirchenordnung unverletzt erhalten werde; falls auch Prac- foten und Landschaft hierunter ein wiedriges zugemuthet würde, selbige ein solches anzunehmen oder einzugehen nicht verbunden seyn sollen. Dahero auch nach ermeldeten Landes-Compactaten sie Praelaten und Landschaft unsers Herzogthumbs keinem Regenten 0 eher die Huldigung zu leisten schuldig und gehalten seyn sollen, bevor er nicht alle diese Puncten steif, fest und unverbrüchlich z 'i halten bey fürstlichen wahren Worten, Treuen und Glauben sich förmlich reserviret habe. Dessen sowohlen, als auch was wir eingangs bemerekter- 0 'nassen gegen einer ehrbarer Landschaft in Puncto Conh'rmationis Privilegiorurn gnädigst zugesaget und versprochen, zu so mehrern Versicherung haben Wir dise gegenwärtige unwiederrufliche Assecuration hiermit bekräftigen, aigenhändig unterschreiben Ui h1 mittelst Vordrückung unsers fürstlichen Insiegels bestätigen 40 wollen. 158 Geben zu Stuttgardt den siebenzehenden Monaths-Tag De- ■cembris nach Christi unsers Erlösers und Seeligmachers heylwärtiger Geburth im Jahr eintausend sieben hundert drey und dreyssig. Carl Alexander H. ■/.. W. Vt. Seheffer 5 Eine neue entsprechende Regelung brachte das Gesetz, betreffend das kirchliche Gesetz über Ausübung der landesherrlichen Kirchenregimentsrechte im Falle der Zugehörigkeit des Königs zu einer anderen als der evangelischen Konfession vom 28. März 1898 (Regierungsblatt für das Königreich Württemberg 1898, S. 75). 1° 37. Aus dem Erbvergleich. 1770 Februar 27 und März 2. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchive zu Stuttgart. — Abdruck: Reyschcr 2, 550—559, 598-609. Wir von Gottes Gnaden Carl Herzog zu Württemberg und 1& Teck, Graf zu Mömpelgart, Herr zu Heidenheim und Justingen, Ritter des güldenen Vliesses und des löblichen Schwäbischen Creyses General-Feld-Marschall etc. thun kund und zu wissen männiglich für uns und unsere Nachkommen an der Regierung des Herzogthums Württemberg: was massen sich vor einigen Jahren zwischen uns 20 und unsern treugehorsamsten Prälaten und Landschaft zerschiedene Irrungen hervorthun wollen, zu deren gütlichen Beylegung wir einen allgemeinen Landtag zusammen berufen, nachdeme aber hierdurch der erwünschte Endzweck Anfangs nicht zu erhalten gewesen, sondern vielmehr unsere Landschaft sich an kayserliche Majestät 26 gewendet und dann hierauf von allerhöchst dencnselben eine reichs- hofräthliche kayserliche Hof-Commission zur Güte allergnädigst angeordnet und diese von uns und unserer treugehorsamsten Landschaft •durch Abgeordnete an das kayserliche Hoflager eigens beschickt worden, so ist endlichen nach vielen, sowohl hier in Stuttgart 30 durch die desshalb niedergesetzte herr- und landschaftliche Deputation, als auch zu Wien gepflogenen Verglichsunterhandlungcn durch allerhöchsteigene kayserliche allergnädigste Vermittelung dieses Verglichsgeschäft dahin gediehen, dass über samtliche im Stritt befangene Puncten mit beeder Theile gutem Wissen und Willen in 3& der Güte eine glückliche Uebereinkunfft getroffen, mithin die Sache zu einer gemeinerspriesslichen Endschaft durch Gottes Segen gebracht worden. 159 Weichenmach der zwischen uns und ungern Nachkommen an der Regierung und unseru treugehorsamsten Prälaten und Landschaft respective gnädigst und unterthänigst solchergestalten errichtete und abgeschlossene Erbvertrag in folgendem bestehet und zwar: 5 Die erste Class, Classis primae Gravamen primum. Die infringirte Landes-Verfassung und aufgestellte Principia absoluta betreffend. § 1. In Ansehung alles dessen, was von Kränckung der Landes- 10 Verfassung, der Landes-Compactaten und der darinnen der Landschaft, dem Land und Untcrthanen zukommenden Freyheiten oder Rechten landschaftlicher SeitS in Collectione Gravaminum angebracht worden, wird die ausdruckentliche generale Erklärung dahin vorausgesetzt, dass der ganze Vorgang in Worten und Wercken, worüber 15 die bissherige Irrungen entstanden, als gar nicht geschehen angesehen und zu keiner Zeit dessen mehr gedacht, vielweniger etwas davon zu einer widrigen Auslegung jeinalen angeführt oder sich darauf bezogen, sondern all dieses vergangene, was inzwischen geschehen seyn mag, in ewige Vergessenheit gesetzt, dagegen aber alle ob- 20 handene Landes-Compactata, Verträge und Land-Tags-Abschiede, auch Ausschuss-Rccessus, insonderheit der Tübinger-Vertrag de anno 1514 und alle darauf bis ad Annum 1753 inclusive gefolgte Recesse, auch das bey Einnehmung der Landes-Huldigung und in denen herzoglichen Reversalien gnädigst nahmentlich bestätigte alte 25 Herkommen, samt denen daraus niessenden Rechten, Gerechtigkeiten, Immunitaeten oder Freyheiten in ihrem gesunden Verstand, wie die ausgedruckte Worte und inhaltende eigentliche Intention mit sieh bringen, so fern nicht in gegenwärtigem Vergleichs-Recess eine ausdrückliche Aenderung geschiehet, nochmalen anerkannt und be- 0 kräftiget, insonderheit auch der hierüber von des regierenden Herrn Herzogs Durchlaucht gleich bey Antritt dero Regierung ausgestellte Bestätigungsbrief nebst den Religions-Reversalien nach dem gantzen Inhalt, als ob dieser von Wort zu Wort hier eingetragen wäre, vor "wiederhohlt und zu beständiger Norm und Richtschnur der Laudes- 5 Regierung vor erneuert gehalten, mithin die coinpactatenniässige Landesverfassung in ihrem ganzen Complexu, in Politicis et Ecclesia- sticis, vollkommen belassen und hiemit aufs neue bestätiget seyn solle. § 2. Sollten auch wider Vcnnuthen künftighin wegen Ausleg- und *0 Anwendung derer Landesverträge und herzoglichen Reversalien, 160 auch des alten Herkommens Anstände sich ereignen (wobey sich aber von selbsten versteht, dass kein Tlieil einig- unbilligen Anstand machen werde), so solle fiirdersanist zwischen gnädigster Herrschaft und treugcliorsanistcn Prälaten und Landschaft gütlichen Handlungen Platz gegeben, wann aber auf solche Weise zu keinem 5 gemeinsamen Einverständniss zu gelangen wäre, die Sache Ihro Kayserlichcr Majestät zu rechtlicher Entscheidung heimgestellt, bis zu deren Erfolg aber alles in dem »Stand gelassen werden, darin es sich vor entstandenem Streit befunden hat. Wie dann auch Ihro Herzogl. Durchlaucht 10 § 3. von treugehorsamsten Prälaten und Landschaft, deren grössern und engern Ausschuss, auch Magistraten, herzoglichen Beamten und allen übrigen Landeseingesessenen keinen andern, als rcichs- und landesverfassungsmässigen Gehorsam erfordern, wider ihre bc- 15 schwohrne nach denen Landes-Verträgen eingerichtete Staate oder Amts-Instructionen und Bestallungen gnädigst nichts ansinnen noch befehlen wollen. §4. Zu dem Ende sollen und werden auch alle herzoglichen 20 Ministres, Käthe, Beamten, ingleichem die Magistrats-Personen in Gemässheit der Herzoglich-Eberhardinischen Cantzley-Ordnung und des Landtags-Abschieds de anno 1739 bey der seiner herzogliehen Durchlaucht ohnehin alleinig zu leisten habenden Verpflichtungen auf samtliche Landes-Compactata, in Ecclesiasticis et Politicis, leib- 25 lieh mit beeydiget und ein solches ihren Amts-Bestallungen und Staaten ausdrücklich einverleibet und gegen alle diejenige, so dar- wider (nehmlich der Landschaft Privilegien und Freyheiten, wie auch aufgerichtete Landtags-Abschiede) vorsetzlich thun und auf diese oder andere Weise gemeinschädliches Misstrauen zwischen 30 Herr- und Landschaft anstiften und von dieser dergleichen dem Staat gefährliche Leute nahmhaft gemacht würden, in Conformitaet der altern Landtags-Abschiede, des neuesten Landtags-Recess de anno 1739 und des unterm 28. Deccmbris 1733 ergangenen fürstlichen Edicts verfahren werden solle. — 35 Ad Gravamen II, Submcmbrum 1. Von denen unmittelbahren herzoglichen Resolutionen und Befehlen. § 1- Gleichwie seine herzogliche Durchlaucht ohnehin nicht gemeynt seynd, gegen die Landes-Verfassung oder zum Praejudiz eines 40 161 dritten oder zum Aufenthalt der Sache in denen an gehörigen Ortlien bereits rechtlich anhängigen oder sonst nach denen Landes-Compac- taten und Reversalien vor ein und das andere Collegium und Instanz gehörigen und rescrvirten Sachen etwas unmittelbar zu verfügen, 5 also werden höchstdieselbe in dergleichen Fällen die Sachen gnädigst an dcro herzogliche Collegia, oder andere Orthe, dahin sie gehören, verweisen, und selbigen die Entscheidung überlassen, auch, wo sie da schon rechts anhängig, nicht von selbigen avociren. § 2. 10 Und auf eben diese Weise werden ihro herzogliche Durchlaucht es gnädigst einzurichten geruhen, dass wann höchstdieselbe aus eigener Bewegniss allgemeine oder besondere unmittelbare Befehle ergehen zu lassen gnädigst gutfinden, selbige der Landesverfassung und eines dritten Gerechtsame ohnnachtheilig seyen. 15 § 3. Wann auch sich befinden sollte, die Landes-Verfassung oder Rechte eines dritten könnten mit einer ergangenen herzoglichen Resolution oder Befehl nicht bestehen, so werden höchstdieselbe denen dargegen machenden unterthänigsten Vorstellungen mildestes 20 Gehör geben, auch sodann die Beschwerden gnädigst abstellen. — Gravamen II, Submembrum 2. Von dem herzoglichen Geheimen Raths-Collegio. § 1- Ihro herzogliehe Durchlaucht bleibt in allweg bevor, dero 85 Geheimen Regiments-Rath zu bestellen und demselben Ordnung zu gehen, doch nicht wider die Landes-Verfassung und Reversalien, wobey höchstdieselbe in Confonnitaet der Landtags-Abschiede de annis 1629, 1633 und 1652 aufs neue gnädigst zugesagt, denselben, wie bey vorigen wohlbestellten Regierungen, beständig zu erhalten ' Und selbigen mit qualilicirten und dem Lande Selbsten wohl affectio- nirtcn Personen, wie sie solche nach ihrem freyen Belieben darzu erkiesen und verordnen werden, denen Landes-Vcrträgen und Rever- salien gemäss zu besezen, auch darbcy auf Landes Ingesessene, Wann sie hierzu tüchtig, nach gleichmässigem Inhalt der Landes? 5 Compactaten vorzüglich gnädigste Reflexion zu machen und dass derselbe dahin verpflichtet seyn solle, gnädigster Herrschaft und allgemeiner Landschaft Nutzen zu schaffen, Schaden und Nachtheil aber zu warnen, und zu wenden. §2. 0 So viel aber das wesentliche dieses Collegii (an dessen bc- Württ. Geschichtsquellcn XI. 11 162 höriger Bestellung ihro herzoglicher Durchlaucht und dem Land so sehr vieles gelegen ist) betrifft, werden liöchstdicselbe darin dero herzoglichen Reversalien, auch übrigen Landesverträgen, nicht weniger weyland Herrn Herzogs Eberhardi des III ten Durchlaucht abgefasster und gnädigst bestätigter Cantzlcy-Ordnung ohne einige 5 Ausnahm und zu allen Zeiten unverbrüchlich nachgehen. § 3. In allen Staats- und Landesangelegenheiten werden seine herzogliche Durchlaucht dero Geheimen Rcgiments-Rath collegialiter vernehmen, dessen Eath und Gutachten dabey erfordern und das- 10 jenige, so denen Landesvertragen gemäss ist, gnädigst entschliessen. § 4. Alle übrige herzogliche Collegia und Deputationen sollen dem herzoglichen Geheimen Raths Collegio hiemit zu allen Zeiten der- gcstalten subordinirt seyn und bleiben, dass selbige alle ihre unter- 15 thänigste Berichte, Gutachten und Vorstellungen von nun an wider dahin erstatten und alle gnädigste Resolutionen darauf, wie auch alle andere Befehle, von daher erhalten sollen und werden, es wäre dann, dass seine herzogliche Durchlaucht nach ein oder der andern Sach Selbsten fragen und solche erfordern lassen würden. 20 § 5. In Conformitact dessen allen das herzogliche Geheime Raths Collegium darf und solle alle und jede unterthänigste Berichte und respective Gutachten derer übrigen herzoglichen Collcgien, wie auch derer herzoglichen Gesandten, Beamten etc. ingleichem die unter- 26 thänigste Vorstellungen gemeiner Prälaten und Landschaft beyder Ausschüsse, so auch derer in »Stuttgart Anwesenden des engern Ausschusses, mit seinem auf die Landesverträge und das Herkommen, auch sonsten auf Recht und Billigkeit gegründeten untertänigsten Gutachten, wann gleich ihro herzogliche Durchlaucht solches nicht 30 ausdrücklich verlangt hätten, begleiten, und sie nach seinen auf die Bcybehaltung der Landsverfassung eingerichteten Amtspflichten unterstützen, auch von freyen Stucken und Amts halber in allen andern wichtigen Fällen unterthänigste Vorstellungen thun. — Ad Gravamen DT. 35 Vom rechtlichen Verfahren in beschuldigten Verbrechen. § 1. Was wegen des Verfahrens in peinlichen Sachen, sowohl wegen der Strafe, als auch wegen der peinlichen Frage oder Tortur in dem Tübinger Vertrag de anno 1514 nebst dessen Erläuterung de 40 163 1520 enthalten, dabey solle es füroliin sein Verbleiben haben; mithin gegen keinen Landesunterthancn in Sachen, welche Ehr, Leib, Leben, Haab und Guth betreffen, anders, als nach Maasgab' ersag- ter Landesverträge und der peinlichen Halsgerichtsordnung verjähren; demnach mit keinen andern, als von denen herzoglichen Collegiis oder behörigen Iustanzien erkannten Commissionen oder vorläuflSgem Ansatz grosser Geldsummen nicht fürgegangen, auch in Fällen, wo der Landesregent nach denen Reichs- und Landes- gesezen sich der Person eines Landesunterthanen zu versichern 10 berechtiget ist, ein jeder nach der mit ihme in Gemässheit derselben vorgenommenen Gefängnis oder Arrestirung nicht allein vor seiner ordinari Instanz, oder im Fall derselbe unter einem Foro privi- legiato oder auch immediate unter dem Landesfürsten stünde, vor solchem Foro privilegiato oder letztern Falls vor einem dcsshalb 15 besonders anzuordnenden ludicio jcdesinal in Zeiten und ohne einigen Verzug genugsam gehört, folglich hiernach die rechtliche Erkanntniss ratione torturae vel poenae ertheilt, sondern auch hie- bey demselben auf sein Verlangen die Defensio pro avertenda lirnuisitione denen Rechton nach gestattet, und wann sich in So der Folge ergeben Avürde, dass die vorgewendete Ursachen zu einem Verfahren mit Gcfängniss oder Arrest von Rechts wegen sich nicht qualificirt hätten, die behörige Satisfaction gegeben werden. § 2. So dann sollen und werden auch denen zur Landschaft gehörigen und andern in Officio publico stehenden personen ihre Amts Verrichtungen und die Pflichten halber machende Vorstellungen, wann sie in geziemenden unterthänigsten Rcspect verfasst sind, nicht zum Verbrechen angerechnet und, wann auch einiger Excess 3 0 ihnen dabey zu Schulden käme, gegen sie jedoch dieserhalb nicht, wann durch sie oder die ihrige oder die Landschaft Caution geleistet wird, mit Pcrsonalarrest verfahren noch dieselbe unter diesem Vorwand sogleich an Leib, Ehr, Haab oder Guth angegriffen, sondern legali modo und so, wie in §o praecedenti hierinnen be- 8 teits prospicirt ist, wider sie procedirt werden. Wie dann auch seine herzogliche Durchlaucht zu werekthätiger Bezeugung aller Unpartheylichkeit in diesem Fall gnädigst gestatten wollen, dass die Acta auf Begehren des Beklagten an eine unpartheyische Facul- taet zum Spruch verschickt und das von dar eingehohlte Urthel 40 Publicirt und vollstreckt werden solle. 11* 164 § 3. Ihro herzogliche Durchlaucht geben in Conformitaet des bisher angezogenen die gnädigste Versicherung, dass alle auf Vestungen, im Zuchthaus oder anderem Verhaft ohne vorgängig rechtliche Untersuchung befindliche Personen innerhalb vierzehen Tagen nach & Schliessung dieses Vergleichs, wo nicht ohnentgeltlich, doch nach Beschaffenheit der Umstände gegen gebührliche Caution losgelassen oder, wann ihro herzogliche Durchlaucht selbige nicht gäntzlich frey sprechen wollen, ihnen schleunige und unpartheyisclie Justiz widerfahren und die, so sich zu gefänglichem Verhaft qualificiren, bis 10 baldmöglichstem Ausgang ihrer Sache nicht mit ohngewöhnlieher Härte tractirt, sondern, wie es sonsten im Römischen Reich üblich, in leidentlichem Verhaft gehalten werden sollen. § 4 - Der Indemnisations-Punkt vor die Landschaft-Einnehmere, 15 Magistraten und Communen-Vorstehern. auch ganze Connnunen wegen der bey Gelegenheit derer bissherigen Landes-Irrungen angesetzten und von ihnen bey getriebenen Geldstrafen, Commissions- Kosten und anderen Schäden bleibt bis zu Endigung des ganzen Verglichs-Wercks ausgesetzt, wo alsdann, und wann man sonsten 20 in dem Vergleich übereingekommen, sich auch hierüber auf beeden Seiten eine annehmliche Auskunft finden lassen wird. Wo inzwischen jedoch in Ansehung derjenigen Strafen, so noch nicht eingezogen sind, von seiner herzoglichen Durchlaucht bereits die Verfügung besehenen, dass deren Execution sistirt bleiben solle. — 2& Ad Gravamen IV. Von dem herrschaftlichen Betragen gegen die Landschaft. § 1. Gleichwie seine herzogliche Durchlaucht überhaupt die auf die Landschaft seit einigen Jahren gefasste Ungnade vollkommen 30 schwinden und dargegen dieselbe pro futuro höchstdero landesväterliche Huld und Gnade wiederum geniessen zu lassen gnädigst versichern, also werden § 2. Höchstdieselbe sowohl die allgemeine Landesversammlung als 3& die landschaftliche Ausschüsse, als ein in denen Landes-Coiu- paetatis ehemahlen sehr weis- und heilsamlich angeordnetes und bishero aufrecht erhaltenes Corpus repraesentativum des gesammten lieben Vaterlandes in Corpore et Membris, dessen Wesen und Landes-Verfassung samt dem darzu gehörigen Prälatenstand in 40 165 seiner Würde, Existimation, Auetoritaet und Consistenz ungekränckt erhalten und die nach Inhalt der Landesverträge und des Ausschussstaats machende unterthänigste Vorstellungen gnädigst aufnehmen u nd nicht als ein Verbrechen in Ungnaden ansehen noch selbiges * andern gestatten. § 3. Der allgemeinen Landesversammlung, denen beyden Ausschüssen und denen zu Stuttgart Anwesenden des engern Ausschusses wird niemalen und unter keinerley Vorwand untersagt 10 oder sonst schwer gemacht werden, ihro herzoglichen Durchlaucht die Landesbeschwerden gehorsamst vorzulegen oder andere unterthänigste Vorstellungen zu thun, jedoch mit schuldigster Beobachtung des unterthänigsten Respects. § 4. 15 Gleiche Bewandniss hat es mit denen unterthänigsten Vorstellungen, welche zur Zeit, da der engere Ausschuss nicht collegia- liter versammlet ist, nach Befund der Umstände und nach zuvor über Land gepflogener Communication ihro herzoglicher Durchlaucht nahmens ermeldten engem Ausschusses gehorsamst übergeben 20 werden. §5. In Sachen, worin nach der Landesverfassung die Landschaft mit ihrem unterthänigsten Gutachten vernommen werden solle, solle selbige niemalen übergangen und zu rechter Zeit mit ihro com- municirt, viclweniger in Sachen, worzu ihre Einwilligung nach denen Landes-Compactaten erfordert wird, ohne ihren Consens etwas einseitig verfüget werden. § 6. Ihro herzogliche Durchlaucht und dero Geheime Räthe werden der Landesversammlung, und denen beyden Ausschüssen jedesmal die benöthigte Zeit lassen, die herzogliche gnädigste Ansinnungen genugsam überlegen und sich darauf schriftlich unterthänigst erklären z u können, wobey jedoch landschaftlicherseits man sich keinen unbenöthigten Aufschub zu Schulden kommen lassen und sonderlich, wann eine Gefahr auf dem Verzug haftet, die unterthänigste Erklärungen möglichst beschleunigen solle. § 7. Es werden inglcichem ihro herzogliche Durchlaucht auf alle Und jede schriftliche unterthänigste Vorstellungen ebenfalls schriftliche gnädigste Resolution ertheilen und solche denen Landesver- 166 trägen, dem Herkommen, dem Zustand des Landes und der Vor- liegenheit der Umstände gemäss einzurichten geruhen. § 8. Es wird keinem landschaftlichen Collegio jemalen zugemuthet werden, den Concipisten einer landschaftlichen untertänigsten Vor- 5 Stellung nahmhaft zu machen noch jemand, auf den man missfalls eine Vermuthung hätte, selbst oder die seinige desswegen mit Worten oder Wercken ungnädig behandelt werden, niassen alle dergleichen Schriften nicht nach des Concipisten Willkühr, sondern nach denen »Schlüssen der landschaftlichen Collcgien, sowohl was 10 die Sache selbst, als auch die Schreibart betrifft, abgefasst und von diesen Collegien nach Gefallen abgeändert, auch in ihrem und nicht des Concipisten Nahmen unterthänigst übergeben werden. § 9- Denen wenigen beständig in Stuttgart Anwesenden des engern 15 Ausschusses wird gnädigst nicht zugemuthet werden, sich auf etwas unterthänigst einzulassen, was für den ganzen engern Ausschuss gehöret, § io. noch dem engern Ausschuss auf etwas, so dem grössern Ausschuss zukommt, 20 § 11. noch dem grössern Ausschuss auf etwas, was nach denen Landesverträgen und derer beyden Ausschüsse Staaten einer allgemeinen Landesversammlung vorbehalten ist und worzu er nicht wenigstens durch von dem Land eingehohlte freywillige und ungezwungene 25 Gewälte und Vollmachten berechtigt ist. § 12. Ihro herzogliche Durchlaucht werden in Steuer-Sachen oder andern allgemeinen Landcsangelcgenheiten es bey dem gnädigst und unterthänigst verabschiedeten altüblichen modo traetandi durchgängig 30 gnädigst belassen und diesemnach weder das landschaftliche Corpus überhaupt noch auch die Prälaten als den geistlichen Landstand in Corpore et Membris darbey übergehen, sondern höchstdero Postu- lata und gnädigste Ansinnen an das Land entweder einer allgemeinen Landesversammlung vorlegen oder durch die gewöhnliche 35 Ausschreiben an die Prälaten, wie auch an die Stadt und Ämter zu Ertheilung der Gewalt und Vollmachten an den landschaftlichen Ausschuss gnädigst bekannt machen lassen, worbey höchstdieselbc noch insbesondere gnädigst versichern, künfftighin nicmalen, es geschehe auch durch was für Unterhandlungen es wolle, in der- 40 167 gleichen Fällen mit den einzelnen Stadt und Ämtern oder Com- munitaeten solche unmittelbare Handlung vornehmen zu lassen, Wordurch derselben Freyheit in Ertheihmg der Instruction und Vollmachten auf einige Weise beschränket noch derer klösterlichen 6 Unterthanen Einwilligung und Vollmacht wider die Landesverfassung und das Herkommen erfordert und denen Vorrechten des dieselbe vertretenden Prälatenstandes etwas derogirt werden könnte. § 13- Dem engern Ausschuss wird nach Maasgab der bey dessen 10 Errichtung im Jahr 1514') respective gnädigst und unterthänigst beliebten Verabschiedung nicht verwehrt werden, so oft es die Nothdurfft erfordert, zusammen zu kommen, doch dass jedesmalen in Conformitaet des Landtagsabschieds de anno 1608 und des engem Ausschussstaats die uhterthänigste Anzeige davon seiner herzog- 15 liehen Durchlaucht in dem herzoglichen Geheimden Rath geschehe. § 14. Wo auch der engere Ausschuss vor nothwendig halten würde, den grössern Ausschuss oder eine gemeine Landschaft zu erfordern, so wollen seine herzogliche Durchlaucht sich alsdann dem Tübingi- 20 sehen Vertrag beym Punct, die Beschreibung der Landtage betreffend, gemäss halten. 8 15. Wann in Sachen, worzu nach denen Landescompactaten der Landschaft freye Einwilligung erfordert wird, sich Ihro herzogliche 25 Durchlaucht mit treugehorsamsten Prälaten und Landschaft nicht vergleichen können, werden höchstdieselbe keinen Machtspruch ergehen noch einseitige, Verfügungen zur Ausübung bringen und solche als eine Verabschiedung geltend machen, sondern die Sache zu ferneren Verhandlungen oder allerhöchst obristrichterlichem Spruch 30 ausgesezt seyn lassen, wobey es übrigens bey demjenigen, was oben ad Gravamen I § 2 vorgekommen, sein Verbleiben behält. — Sechste Olass, Miscellanea betreffend. § 1. Seine herzogliche Durchlaucht versichern gnädigst, samtliche 35 Communcn höchst dero Landes bey allen ihren durch die Landes- Grund-Geseze, Herkommen, privilegia oder aus andern titulis ihnen zustehenden Gerechtsamen zu schüzen und selbigen keinen Eintrag zufügen zu lassen. ') Vielmehr 1521, vgl. S. 94. 1G8 § 2. Zu diesem Ende bestätigen höchstdieselbc, was die erste Residenzstadt »Stuttgart anbetrifft, die bey dero Regierungsantritt sowohl treugehorsamster Landschaft d. d. 20. April 1744 als auch ihr besagter Stadt sub dato 8. April ejusdem anni ausgestellte 5 Urkund ihrem gantzen Inhalt nach und wiederhohlen solche noch- malen dahin, dass inchrgedachtc erste Residenzstadt Stuttgart der beständige Sitz von Hof und Cantzley seyn und bleiben, auch alle Ausrichtungen des Landes und Regiments, es erforderten dann Sterbensläuftcn oder andere dergleichen Zufälle auf eine Zeit lang 10 ein anderes, in Stuttgart gehalten werden soll. § 3. Und da an Seiten treugehorsamster Prälaten und Landschaft Klagen geführt werden, dass die meiste derer herzoglichen Beamten bald auf vorgeblich erhaltene gnädigste Befehle bald auch ohne 15 solche ihren Amtsuntergebenen, Magistraten, Stadt- und Amtschreibern, Amtspflegem und Bürgern oft mit Worten und Wercken hart begegnen, sie mit Gewalt oder durch Drohungen oder auf andere Weise von ihren Gerechtsamen verdringen oder sie ihnen sonst nicht angedeyhcn lassen, denen Communcassen maneherley 20 unerlaubte Lasten aufzubürden, sich einer ungebührlichen disposition über derer Acniter oder Communcn, wie auch derer Heiligen oder Kirchencassen, ingleichem derer Pfleg- und Vormundschaften-Geldter anmassen, denen Rechnern einseitige Befehle zugehen lassen, die Stadt-, Amts- und Oomniun-Vorstehere, auch andere Officianten 25 und Bediente in Beobachtung ihrer Amts-Pflichten irre machen und davon abzuschrecken suchen oder auch diejenige, welche ihren geschwornen Eyden nachkommen, durch widrige Berichte bey seiner herzoglichen Durchlaucht verunglimpfen oder in Ungnade und Unglück zu bringen trachten und so weiter, es sich auch bey denen 30 gegen verschiedene derselben ehedessen vorgenommenen Untersuchungen klärlieh zu Tag gelegt hat, wie wohl gegründet solche Beschwerden seyen, als werden nicht nur seine herzogliche Durchlaucht höchstderoselben Beamten keine dergleichen den Landes- freyheitcn zuwiderlaufende Befehle ertheilen noch die in gewissen- 35 hafter Beobachtung ihres auf die Landesverträge mitgerichteten Amtseydes sorgfältige Beamte es in Ungnade entgelten lassen, sondern auch nicht gestatten, dass die Beamte sich dergleichen eigenmächtig anmassen, vielmehr, wie hiebevor gegen verschiedene dergleichen Personen gerechteste Ahndung vorgenommen worden 40 169 ist, also auch dermalen und künftig in allen dergleichen vorkommenden Füllen solche Exempel statuiren, damit andere abgeschreckt werden mögen, sich ihres Amts solehergestalten zu missbrauchen, Wo indessen besonders die, so Amts- oder commun-Gelder zu ver- 6 walten haben, denen einseitigen Beteiden derer Beamten zu parken durchaus nicht schuldig, sondern im Gregentheil gehalten seyn sollen, im Fall ihnen dergleichen Zumuthung geschähe, es bey der Landschaft anzuzeigen. § 4. 10 Da auch viele dieser Beamten der allererst vor etlichen Jahren ausgegangenen herzogliche Commun-Ordnung und dem Herkommen entgegen nicht unterlassen, die nicht an sie mit, sondern allein an Bürgermeister und Gericht überschriebene herzogliche gnädigste Befehle und landschaftliche Schreiben dannoch eigen- 15 mächtig zu erbrechen, wie auch denen Amts- und anderen Versammlungen in landschaftlichen Angelegenheiten mit oder ohne Direction beyzuwohnen, wordurch dann die Stadt-, Amts- und Gomnmn-Vorstchere und Deputirte an der benöthigten Freyheit im Votiren, mithin in der That an Beobachtung ihrer Amtspflichten 20 behindert werden, als wollen seine herzogliche Durchlaucht solches alsogleich durch ein geschärftes herzogliches Generalrescript ernstlich verbieten, mit all erforderlichem Nachdruck darüber halten und die demselben zuwider lebende Beamte mit würeklicher Strafe belegen lassen. 25 § 5. Nicht weniger sollen die Beamte die Gonimun-Vorstehere und Magistraten, wann solche nach vorgängiger Anzeige bey dem Beamten in landschaftlichen Angelegenheiten zusammen zu kommen vor Döring finden, auf keinerley Weise hindern. 80 § 6. Nachdeme auch seit wenigen Jahren durch die allzuhäufige Versezungen derer herzoglichen Oberbeamten von einem Ort an 'las andere neben anderem Nachtheil denen Stadt und Aemtern grosse Aufzugskosten verursacht worden, alss wollen und werden 5 seine herzogliche Durchlaucht dergleichen Veränderungen in Zukunft ohne erhebliche Ursachen und ohne Einrathcn des herzoglichen Geheimen Raths Collegii nicht mehr vorzunehmen gnädigst geruhen. Da seit wenigen Jahren her denen Städten, Amtern und 40 Gomniunen das ihnen zustehende Recht ihre Commun-Vorstehere, 170 Officianten und Bediente nach freyem Belieben zu erwählen und einzusetzen oder doch, soviel die Stadt- und Amtschreibere betrifft, seiner herzoglichen Durchlaucht zur landesherrlichen gnädigsten Bestätigung untertbänigst zu praesentiren, vielfältig gekräncket und entzogen, hingegen solche Stellen gegen Erlegung eines Stück 6 Gelds unmittelbar, auch wohl an solche Leute, gegen welche erhebliche Einwendungen zu machen gewesen wären, vergeben worden sind, also wiederhohlen seine herzogliche Durchlaucht die schon vorhin gegebene gnädigste Versicherung, dass pro futuro das den Stadt und Amtern oder Communen nach der Landes-Verfassung 10 zustehende Wahl- und respective Praesentations-Kecht allezeit frey und ungekränekt bleiben solle. § 8. So viel aber das Praeteritum betrifft, so soll dabey der Unterschied und die Ausnahm gemacht werden, dass diejenige, welche, 1& wie exempli gratia die Stadtschreiber, Amtspfleger, von denen Communen erwählt, von gnädigster Herrschaft hingegen confirmirt zu werden pflegen, retro pro electis von ihrer Behörde declarirt, mithin beybehalten werden sollen, so fern sich nicht in Ansehung eines oder des andern gegründete Einwendungen nach voraus- 20 gegangener Untersuchung zeigen, wegen der übrigen Commun- Bedienten aber, so keiner landesherrlichen Confirmation bedürfen, soll neue Wahlen vorzunehmen den Magistraten und Communen gestattet seyn. § 9. 25 Und da dem gemeinen Wesen durch die hier und da eingeführte beständige Burgermeister und andere verrechnende Com- mun-Dienste vieler Nachtheil und Schaden zugangen ist, als soll solches wieder gänzlich aufgehoben und, wie bevor mit Nutzen geschehen, das Altemiren wieder eingeführt und der Commun-Ord- 30 nung sträcklich nachgelebt werden. § io. Die Beybehaltung oder Erlassung derer eingekauften Schäfer und anderer Gemeiudshirten, derer Amtsdiener, Dorfschüzen, Todtengrüber und dergleichen wird lediglich denen Commun-Vorstehern überlassen. 80 § 11- Eürs künftige aber sollen alle dergleichen unmittelbare Com- mun-Diensts-Ersetzungen gänzlich unterbleiben und widrigenfalls den Städten, Amtern und Communen gnädigst gestattet seyn solche Persohnen nicht anzunehmen, sondern es untertbänigst zu verbitten. 40 171 § 12- So viel endlich diejenige Commun-Dienste anbetrifft, welche seiner herzoglichen Durchlaucht zu gnädigster Bestätigung unter- tnänigst zu praesentiren sind, werden höchstdieselbe, wann die 5 Wahl legal vorgenommen ist und keine erhebliche Exceptiones gegen ein solch erwähltes Subjectum vorwalten, die nachzusuchende gnädigste Conhrmation nicht difficultiren. § 13. In Ansehung derer neu aufgestellten Unteramtleute, deren 10 Anzahl sich inzwischen von Zeit zu Zeit schon sehr vermindert hat, so sollen zwar die übrige bis zu ihrem Absterben oder sonstigem Abkommen bey solchem Officio belassen werden, jedoch unter der Versicherung, dass einestheils die Wiederaufstellung solcher Unteramtleute pro futuro gänzlich unterbleiben und alles wieder alsdann 15 und vor beständig in die alte Verfassung gesetzt, andern theils aber diejenige, gegen welche die Comniun etwas erhebliches einzuwenden hat gleich jezo ihres Diensts entlassen und an ihrer Statt den Gemeinden die freye Wahl eines Schultheissen, wie vorhin, gestattet seyn soll. Es wird auch das der Unteramtleute halber unterm 20 19. November 1762 ernannte Reglement hiemit wieder aufgehoben und sollen die noch bleibende Unteramtleute in allen Stücken an die Commun-Ordnung angewiesen, in den Beyorthen aber die Schultheissen, Anwähle und Waysen-Bichter in ihre Activitaet, Besoldungen und Accidenzien wieder eingesetzt und dargegen in 5 solchen den Untcramtleutcn nur die Substituten-Geschäfte vorbehalten seyn. § 14. Nachdeme ferner seit wenigen Jahren von vielen Stadt und Aemtern eines oder mehrere derer von alten Zeiten her darzu 0 gehörig gewesenen Amtsorte abgerissen und gegen Geld andern Stadt und Aemtern zugeschlagen, dadurch aber mannigfaltige Con- fusion und Schaden verursacht worden, so sind seine herzogliche Durchlaucht gnädigst geneigt, durch ein herzogliches General- Rescript alles, Stadt und Amt Ludwigsburg ausgenommen (als 5 wesshalber seine herzogliche Durchlaucht durch eine gemeinschaftliche herr- und landschaftliche Deputation die Sache auf einen billigen Fuss sezen lassen wollen) und zwar ohnentgeltlich wieder ln den Stand zu setzen, darinnen es sich hiebevor befunden hat. § 15. 0 In Zukunft hingegen werden seine herzogliche Durchlaucht 172 dergleichen Zertrennung nicht mehr recurriren lassen, wenigstens, wann solche allenfalls zum besten des Landes für nöthig erachtet werden sollte, mit Rath und Zuthun der Landschaft dabey zu Werk gehen. § 16. Wegen des vor einigen Jahren denen Communen hinweg- 5 genommenen in denen Landes Verträgen so sorgfältig angeordneten und hochbefreyten eygenthurnlichen Fruehtvorraths, wie auch wegen der eingetriebenen Steuer-Ausstände soll der Ersatz von der gemeinsamen Schulden-Zahlungs-Deputation und zwar von dem Frucht- vorrath der ganze Belauf mit 150 000 fl. — sage einmal hundert 10 und fünfzig tausend Gulden, von denen Steuer-Ausständen aber die Helfte mit 250000 il. — sage zweymal hundert und fünfzig tausend Gulden, in die Schulden-Zahlungs-Classification und Repar- tition genommen werden. § 17. 15 In Zukunft aber werden seine herzogliche Durchlaucht sowohl wegen der Steuer-Ausstände, als der Vorraths-Früchten derer Communen keine denen Landesverträgen und der eigenen herzoglichen Communordnung zuwiderlaufende Verordnungen zu machen gnädigst geruhen und, was den Fruchtvorrath betrifft, alles sowohl in An- 20 sehung der Verwendung, als auch der Administration und Rechnungsführung, ingleichen deren Prob und Abhör, nach denen Landtagsabschieden und gedachter Communordnung einrichten und, was dargegen verfüget worden, wie bereits vorläufig in Kraft Generalis vom 7. Martii 1767 geschehen, aufheben lassen. 23 § 18. Betreffend das Fruchtbrantenwein-brcnnen und wiefern solches nach Zeit und Umständen etwa einzuschräneken seyn möchte, so werden seine herzogliche Durchlaucht hierüber von dero Collegiis Gutachten erfordern und sofort das dienliche zum Besten dero 30 Unterthanen gnädigst verordnen. § 19- Wird und soll wegen derer denen Communen oder Privatis durch die angelegte Alleen, Plantagen und neue Wege weggenommener Häuser und Güther-Stücke die Verguthung, falls deren 36 würekliche Restitution auf Verlangen der Eigenthümer nicht mehr geschehen könnte, nach dem wahren Wert bey dem Schulden- Zahlungs-Fond nicht allein vorzüglich in die Repartition genommen, sondern auch bey herzoglicher Renteammer die Verfügung gemacht werden, dass davon die Gülten und Steuren, sowohl quoad praete- 40 173 ritum als futurum mit übernommen werden. In Zukunft aber werden seine herzogliche Durchlaucht mit dergleichen Guther-W eg- nahm dero Unterthanen gnädigst verschonen, wie dann jedermann bey dem seinigen, es seye was es wolle, gelassen und darin aut 5 keinerley Weise gekränckt, auch niemand zu nichtschuldigen Lieferungen oder Geldanlehnungen wider seinen freyen Willen ge- nöthiget werden solle. § 20 - Nicht minder werden seine herzogliche Durchlaucht bey nötbig 10 gefundener Grabung des Erzs auf der Unterthanen Güthern denen- selben die billige Bonitication angedeyhen lassen. § 21. Das den 5. April 1760 angelegte Verbot wegen des Wanderns der Unterthanen, so eine Profession oder Handwerck erlernt haben, 16 ingleichem das unterm 26. December 1765 erlassene Rescnpt haben seine herzogliche Durchlaucht allbereits gänzlich wieder aufgehoben und soll dergleichen Verbot in Zukunft nicht ohne Rath und Zu- thun des engern landschaftlichen Ausschusses von neuem ergehen. § 22 - 20 Was den bisher erhobenen Dispensationstax von denen Minderjährigen, welche die gnädigste Erlaubniss heyrathen zu dorfen erlangt haben, anbetrifft, so ist die gnädigst und untertänigste Verabschiedung dahin getroffen worden, dass fürohm der Dispensationstax bis in das 20ste Jahr mit 3 Goldgulden, von dem 20 25 biss 22sten Jahr mit 2 Goldgulden und in denen übrigen Jahren nur mit 1 Goldgulden solle angesetzt werden. Es wollen auch höchstgedacht seine herzogliche Durchlaucht in Causis Dispensationis circa minorennitatem nicht allein durch dero herzogliches Regierungsraths-Collegium verfahren und auf die 80 pflichtmässige Gutachten solchen Collegü, so wie es schon in Classe prima verabschiedet worden, allezeit gnädigste Reflexion machen, sondern auch die Verfügung insonderheit thun, dass hinkünftig in den Taxzetteln der Befreyung von dem Nexu militari nicht gedacht und von Einberichtung des Messes abstrahirt werden soll. 3& § 23. Tu Ansehung der Annahm der Burger und Beysassen verbleibt es lediglich bey denen Landesverträgen und Lagerbuchern, wie auch dem Herkommen und demjenigen, was oben ad Ciassem seeundam § 4 festgesetzt worden, und soll denen Communen, welclie 40 durch Aufdringung dergleichen Burger und Beysitzer bescnwelirt 174 worden, auf ihre geziemende untertänigste Vorstellung gnädigste Remedur angedeihen. § 24. Endlich werden seine herzogliche Durchlaucht wegen derer den Stadt- und Amtschreibem zugemutheten, auf 49 850 fl. — sage neun 3 und vierzig tausend achthundert und fünfzig dulden sich belaufenden Geldanlehnungen von dem Schulden-Zahlungs-Fond bey dessen Classification und Reparation sie gnädigst indemnisiren, in Zukunft aber dergleichen Ansinnungen nicht recurriren lassen. Nachdeme nun durch Abstehende in sechs Classen abgetheilte 1° Articul das Vergleichs-Geschäft zum glücklichen Ausgang gediehen ist, so werden hiemit alle zwischen seiner herzoglichen Durchlaucht und höchstdero treugehorsamsten Prälaten und Landschaft obge- waltete Irrungen nebst denen daraus entstandenen gerichtlichen Klagen aufgehoben und soll des Vergangenen nicht mehr gedacht 1" werden, sondern alles in gänzliche Vergessenheit gestellt und darüber eine vollkommene Amnestie hiemit festgesetzt seyn. Unter dieser Amnestie sollen, wie gemeine Prälaten und Landschaft sampt und sonders, so auch dero Räthe und samtliche zur Landschaft gehörige Ofh'ciales, ingleichem die von ihr währenden 20 Streits gebrauchte Personen begriffen seyn dcrgestalten, dass alle überhaupt und jeder insbesondere wegen der nunmehro abgethanen Misshelligkeiten auf keine Weise beunruhigt noch dissfalls in Nachtheil oder Schaden gesetzt werden sollen. Seine herzogliche Durchlaucht geben zugleich einer ehrsamen 2r> Landschaft die gnädigste Versicherung, dass alles dasjenige, was mittelst obiger Articul unterthänigst nachgegeben worden ist, den landschaftlichen Preyheiten, dem Tübingischcn Vertrag und denen nachgefolgten Landes-Compactatis ohne Ausnahme unabbrüchig seyn und bleiben solle. Würden sich auch wider verhoffen 30 über kurz oder lang gegen das Verglichene neue Hauptbeschwerden hervorthun, so sollen gemeine Prälaten und Landschaft, wann deren Abstellung auf unterthänigste Vorstellung nicht zu erlangen stehen sollte, an ihre Nachlässe und Vcrwilligungen nicht gebunden seyn, sondern solche als nicht geschehen betrachtet und gegen sie weder 3ß gerichtlich noch aussergerichtlich noch sonst auf einige praejudicir- liche Weise angeführt werden. Es werden vielmehr auf diesen unverhofften Fall treugehorsamste Prälaten und Landschaft für befugt erklärt sowohl das bereits bezahlte als auch das nachgelassene wieder zurück zu fordern. 4° 175 Es soll auch die Landschaftsverbindlichkeit zu obbemelten Erklärungen und Bewilligungen nicht elier eintreten, als bis samtliche in diesem Vergleich bereits entschiedene Puncten in ihre Würklichkeit gesetzt, zu der übrigen baldmöglichsten Entscheidung 5 und Erledigung aber alle erforderliche Zubereitung hinlänglich gemacht worden. Und wie dieser Recess auf seine herzogliche Durchlaucht und uöchstdero Nachfolger in der Regierung, so wie auf die Landschaft Und ihre Nachkommen die verbindlichste Beziehung hat. also wird 10 Juan sich landschaftlicher Seits bemühen die Beystimmung der herzoglichen Herren Agnaten ebenfalls beyzubringen. Es wird auch dieser Recess sofort nach dessen Unterzeichnung und der erfolgten allerhöchsten kayserlichen Bestätigung zum Druck gebracht werden und wollen hiernächst seine herzogliche Durch- 1B laucht selbige dero samtlichen Collegiis, der Universitaet zu Tübingen, allen geist- und weltlichen Oberämtern und Stadtmagistraten zur Unabweichlichen Beobachtung in allen Verfügungen, Befehlen, Urtheilen und Bescheiden, rechtlichen Bedencken, Berichten und Gewaltcrthcilungen communiciren und zustellen, auch nach Maasgab a 0 dessen, was oben ad Ciassem primam § 4 festgesetzt worden ist, die weitere nöthige Intimationes und Befehle ausfertigen lassen. Seine herzogliche Durchlaucht entsagen demnach vor sich, und böchstdero Nachfolger an der Regierung mit reifstem Vorbedacht lud besten Willen allen und jeden Ausreden und Einwendungen, «5 die gegen diesen Vergleich etwa erdacht werden können, von welcher Art und Beschaffenheit die immer seyn mögen, und versprechen gnädigst, bey höehstdero fürstlichen höchsten Würden, wahren Worten und Glauben weder selbst dargegen zu handeln noch zu gestatten, dass darwider von andern etwas unternommen werde. Es sollen auch bey unverhofften Contraventions-Fällen auf deren geschehene Anzeigen und Bescheinigung von den höchsten Reichsgerichten Mandata poenalia sine clausula erkannt werden Und ergehen können. Über diss alles wird der Vergleichsrecess, wie solcher unter d5 seiner kaiserlichen Majestät allerhöchsten Autoritaet zum Stand gebracht worden, allerhöchst denenselben vorgelegt und um dessen kayserliche Bestätigung dahin allcruntcrthänigst gebeten werden, damit darüber tanquam super rc judicata jederzeit gehalten und 111 dessen Gefolg bey entstandenen Entgegenhandlungen executive 40 u nd sumniariissime, so lang und viel verfahren werden möge, bis 176 die Contraventiones und Turbationes abgeschafft, auch die darüber erlittene Kosten und Schaden cum omni causa ersetzt worden sind« Auch werden seine kaiserliche Majestät allerunterthänigst ersucht werden, diese ihre- kayserliche allerhöchste Bestätigung aus- druckentlich in Forma priori dahin mit zu erstrecken, dass in ß Gemässheit der Württembergischen althergebrachten Landes Verfassung, des von Kaysern zu Kaysern bestätigten Tübinger Vertrags, des Pacta Rudolphini de dato Prag den 28ten Januarii 1599 und anderer darauf gefolgter Landcsgcsctzc, besonders auch des Landtagsabsehiods von 1739 Prälaten und Landschaft keinem der 1° künftigen durchlauchtigsten Regenten eher die Huldigung zu leisten schuldig und gehalten seyn sollen, bevor derselbe nicht, wie die andere Landes-Compactaten und Reversalien nacli allen ihren Puncten, also auch gegenwärtigen Recess steif, vest und unverbrüchlich zu halten bey fürstlichen wahren Worten, Treuem und 1» Glauben sich förmlich reversirt habe. Zu Urkund dessen haben seine herzogliche Durchlaucht obigen Recess eigenhändig unterschrieben und mit höchst dero herzoglichem Insiegel bestärken lassen. So geschehen Stuttgard den 27. Pebruarii anno 1770. '2° Carl II. Z. W. Wir gemeine Prälaten und Landschaft des Herzogthunis Württemberg bekennen hiemit für uns und unsere Nachkommen: Nachdenic der durchlauchtigste Herzog und Herr, Herr Carl herzog zu Württemberg und Teck, Graf zu Mömpelgart, Herr zu 2ö Heydcnheim und Justingen, Ritter des goldenen Vliesses und des löblichen Schwäbischen Creyscs General-Feld-Marschall etc., unser gnädigster Herzog und Herr sowohl auf einem zusainenberufenen allgemeinen Landtag, als auch vor einer von seiner kayserlichen Majestät allergnädigst niedergesetzten Hofcommission über vor- 3() stehenden in sechs Classen verfässten Vergleich mit uns gehandelt und wir ihn darauf in allen seinen Puncten und Clausuin seinem gantzen Innhalt nach als ein verbindliches Landes-Grund-Gesctz und Compactatum bewilliget und angenommen halten, so erklären wir solches hiemit, geleiten auch und versprechen demselben in W allen Stücken ein vollkommen Genügen zu leisten, entsagen allen zwischen seiner herzoglichen Durchlaucht, unserem gnädigsten Herzog und Herrn, obgewalteten Irrungen und rechtshängig gewordenen Klagen, unterwerfen uns, im Fall von unserer Seite dem verglichenen entgegen gehandelt werden sollte, den obrist-richterlichen exe- * 177 cutivischen Zwangsmitteln, begeben uns aller Einreden und Aus- flüehten, welche gegen die festgesetzte Articul etwa erdacht werden könnten, wie die immer Nahmen haben mögen, und versichern sowie überhaupt als insbesondere in Ansehung des solgergcstalt ver- 5 abredeten und geschlossenen Recesses denen gegen seiner herzoglichen Durchlaucht, unserm gnädigsten Landesherrn uns obliegenden Pflichten in allen Stücken genau und unabweislich nachzukommen. Zu dessen Beurkundung ist gegenwärtiges Exemplar des Vergleichs samt dieser unserer Acceptations- und Versicherungs-Urkunde !0 eigenhändig von uns unterschrieben und mit gemeiner Landschaft grosem insigel bestärket worden. So geschehen: Stuttgart den 2ten Martii 1770. Praelaten: Bebenhausen, Christoph Friederich Stockmayer. Adelberg, 15 D. Ludwig Eberhard Fischer. Maulbronn, Johann Adam Lederer. Herbrechtingen, Johann Christian Lang. St. Georgen, als Gewalthaber Johann Christian Lang, Probst zu Herbrechtingen. Lorch, D- Jcremia Friedrich Reuss. Blaubeuren, Gottfried Käuffelin. Herrenalb, Johann Christian Storr. Murrhardt, Friderich Christoph 20 Ötinger. Alpirspach, D. Johann Gottlieb Faber. ffirsau, Johann Havid üömer. Denckendorff, Johann Christoph Schmidlin. An- liausen, Christoph Heinrich Zeller. Königsbronn vacat. Stadt und Aemter: Stuttgardt, Primarius absens, Secundarius Georg Friederich 85 Weckherlin. Tübingen, Jakob Heincrich Dann, Secundarius absens. Ludwigsburg, Georg Thomas Schoenleber, Secundarius absens. Freudenstadt, Jeremias Märcklin. Waiblingen, Ferdinand Friderich Lettinger. Leonberg, Johann Christoph Römer. Cantstatt, Gottfried Beckh. Blaubeuren, Georg Friderich Veiel. Ballungen, Philipp 80 Heinrich Hopff. Herrenberg, Christoph Adam Erhardt. Kirchheim unter Töck, Heinrich Knapp. Schorndorf, Ludwig Friederich Jäger. Urach, Johann Friderich Schmid. Göppingen, Johann Ulrich Walz. Brackenheim, Carl Christoph Binder. Niirttingcn, Johann Philipp Heller. Vaihingen, Johann Georg Hübler. Marbbach, Georg 35 Friderich Weckherlin als Gewalthaber. Wcinsperg, Friederich August Hochstetter als Gewalthaber. Groeningen, als Gewalthaber Carl Christoph Binder. Heydcnlieim, Johann Adam Schwarzmann. Calw, Johann Jakob Gfrörer. Güglingen, grösserer Ausschuss als Gewalthaber. Lauften, Georg Adam Schäffer. Backnang, Ludwig 40 Gottfrid Spindler. Bietigheim, Johann Martin Perlenfein. Boeb- Württ. ßeeohiohtsquellen XI. 178 Iingen, Johann Albrecht Ritter. Hottwar, Johann Adam Schwarzmann als Gewalthaber. Neuenbürg, Heinrich Knapp als Gewalthaber. Beilstein, als Gewalthaber Carl Christoph Binder. Hornberg, Johannes Traub als Gewalthaber. Wildberg, als Gewalthaber Christoph Adam Erhardt. Winnenden, Johannes Schwarte. Möek- 5 miihl, Friderich August Hochstetter als Gewalthaber. Besigheim, Johann Sigmund Demeradt. Amt Maulbronn, Christian Rudolph Aicher. Tuttlingen, als Gewalthaber Philipp Heinrich Hopff. Dorn- stetten, Johann Friderich Eyselen. Neuffen, Johann Philipp Heller als Gewalthaber. Nagold, Johann Friderich Stottele. Rosenfeld, 1" Johannes Traub. Sultz, Georg Jakob Dielen. Altenstaig, Friederich Schwartzkopff. Neuenstadt, Friederich August Hochstetter. Ehingen, Johannes Traub als Gewalthaber. Murrhardt, Fridrich Christoph Oetinger als Gewalthaber. Wildbad, als Gewalthaber Friederich August Hochstetter. Sindelfingen, Johann Albrecht Ritter als Be- 16 vollmächtigter. Bulach, Johann Jakob Gfrorer als Gewalthaber. Liebenzell, Ferdinand Ludwig Böhm. Hoheneck, Georg Thomas Schönleber als Gewalthaber. Zavelstein, Sebastian Dittus. Münsingen, Ferdinand Friderich Scholl. Sachsenheim, Emmanuel Wilhelm Wetschki. Heubach, als Gewalthaber Georg Friderich Veiel. 20 Priorat Reichenbach, Philipp Anderes Klumpp. Mundeisheim, Johann Georg Lillich. Dornhahn, Johann Jacob Steidinger. Kirchheim am Neckar, Johann Georg Schneider. Asperg, Georg Thomas Schönleber als Gewalthaber. Wendungen, Mathäus Speiser. Neitl- lingen, Heinerich Knapp als Gewalthaber. Gartach, Stethen und 25 Niederholen, als Gewalthaber Carl Christoph Binder. Ilöpfigheim, Johann Georg Lillich als Gewalthaber. Steusslingen, als Gewalthaber Georg Friderich Veiel. Pflummern, Philipp Jakob Breunlin als Gewalthaber. Pfullingen, Philipp Jakob Breunlin. Ochsenburg, enger Ausschuss als Gewalthaber. 30 38. Kurfürstenbrief für Herzog Friedrich II. 1803 August 24. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchiv in Stuttgart. — Abdruck: Reyscher 2, 645. Wir Franz der zweite, von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, König in Germanien, 3 5 zu Hungarn, Böhmen, Dalmazien, Kroazien, Slavonien, Galitzicn, Lodomerien und Jerusalem, Erzherzog zu Oestcrreich, Herzog zu 179 Burgund, zu Lothringen, zu Steyer, zu Kärnten und Krain, Grosherzog zu Toskann, Grosfürst zu Siebenbürgen, Markgraf zu Mähren, Herzog zu Brabant, zu Limburg, zu Luxemburg und zu Geldern, zu Würtemberg, zu Ober- und Nieder Schlesien, zu Mailand, zu • r > Mantua, zu Parma, Plazenz, Quastalla, Auschwiz und Zator, zu Kalabrien, zu Bar, zu Montferat und zu Teschen, Fürst zu Schwaben und zu Charleville, gefürsteter Graf zu Habsburg, zu Flandern, zu Tyrol, zu Hennegau, zu Kyburg, zu Görz und zu Gradiska, Markgraf des heiligen römischen Reichs zu Burgau, zu Ober- und Nieder- 10 Lausnitz, zu Font ä Mousson und zu Nomeny, Graf zu Namur, zu Provinz, zu Vaudemont, zu Blankenberg, zu Zütphen, zu Saarwerden, zu Salm und zu Falkenstein, Herr auf der Windischen Mark und zu Mecheln, bekennen für uns und unsere Nachkommen am heiligen römischen Reiche öffentlich mit diesem Briefe und thun kund aller- ™ männiglich: Nachdem von der zur gänzlichen Berichtigung des Liineviller Friedens erkornen ausserordentlichen Reichsdeputation '" ihrem unterm fünf und zwanzigsten Hornung dieses Jahres ab- gefassten und durch das Reichsgutachten vom vier und zwanzigsten Merz dieses Jahres zur reichsoberhauptlichen Genehmigung vor- 20 gelegten Hauptschlusse unter andern nach dem Antrage der hohen vermittelnden Mächte die Verleihung der Kurwürde an das herzogliche Haus Württemberg in Vorschlag gebracht worden ist und wir ; uis Rücksicht und Achtung für die vermittelnden Mächte sowohl a 's in Hinsicht des hohen Ansehens und Glanzes des herzoglich 0 wiirttembergisehcn Hauses und dessen um unsere glorwürdigste Vorfahren, römische Kaiser und Könige, und um das heilige römische Reich in vielen Wegen erworbenen hohen Verdienste, wie auch aus persönlicher Zuneigung für Seine Liebden, den durchlauchtigen Friederich Herzog zu Würtemberg und Teck, unsern lieben Vetter und Fürsten und in der gnädigsten Zuversicht, dass wir in der vermehrten Anzahl der Kurfürsten, als der kaiserlichen Majestät und des obersthauptliehen Amtes innersten Räthcn, bei allen wich- hgen Reichsangelegenheiten eine neue Stütze und Erleichterung unserer kaiserlichen Regierung finden werden, gedachtem Vorschlage durch das unterm sieben und zwanzigsten April dieses Jahres an die allgemeine Reichsversammlung erlassene kaiserliche Ratifikations- decret seiner Liebden und ihrem herzoglichen Hause die Kurwürde re ichsverfassungsm'assig verliehen worden ist, so war es seitdem (! 'u weiterer wichtiger Gegenstand unserer reichsoberhauptlichen 40 Sorgfalt, die verfassungsmässigen Erfordernisse, kraft des uns zu- 12* 180 stellenden kaiserlichen Leitungsrechtes gehörig herzustellen, welche die Gesetze und das Herkommen zur vollkommenen Qualifikation eines neuen Kurfürsten auferlegen. Wie nun nach dem »Sinne und (leiste der goldenen Bulle und in Geniiisheit des Hergangs hei Verleihung der hraunsehweigischen 5 Kurwürde zur vollkommenen Herstellung der Qualifikation vorerst die fürstlichen Lande zu bestimmen sind, auf denen künftig die verliehene Kurwürde gegründet seyn soll, so erklären wir hiermit, um sowohl dem Endzwecke jener ehrwürdigen Urkunde der teut- schen Rcichsgrundverfassung, als auch den verfassungsniäsigen 10 Wünschen seiner Liebden zu entsprechen, das bisherige Herzog- thum Würtemberg als solches, auf welchem als untheilbaren und gesetzlich mit dem Vorzuge des Erstgebornen bei der Erbfolge ausgezeichneten Lande für die Zukunft die neu ertheiltc Kurwürde haften wird und kraft deren seine Liebden und ihre Nächkommen- 15 schaff nach der Ordnung und dem Hechte der Erstgeburt die Wahlgercchtigkeit samnit allen übrigen nach der goldenen Bulle und anderen Privilegien und Reichssatz- und Ordnungen einem Kurfürsten zustehenden Rechten und Prärogativen auszuüben und zu gemessen haben werden; wie wir dann über dies auch seiner 20 Liebden das zu den kurfürstlichen Prärogativen gehörige Privilegium de non appellando unterm heutigen Datum in einer besondern Urkunde ausfertigen lassen. Da auch ferner kraft eines altern Herkommens und der goldenen Bulle ein Erzamt zur Vollkommenheit der Kur gehört, welches 25 so wie die Kurwürde selbst erblich und unzertrennlich auf den Kurlanden haftet, so wollen wir zur Berichtigung dieses Erfordernisses und zur Herstellung der vollkommenen Qualifikation seiner Liebden und ihrer Oleichstellung mit den alten Kurfürsten ernstlich daran seyn und durch unsere kaiserliche Autorität zu dem Ende 30 mitwirken, damit in Geniäsheit unserer reichsoberhauptliche.il Gesinnungen, welche wir diesfalls in dem wegen der Introduction der neuen herrn Kurfürsten an die allgemeine Reichsversammlung erlassenen Dekrete bereits zu erkennen gegeben haben, auch seine Liebden mit einem convenablen und anständigen Erzamte versehen 35 werden. Dagegen nehmen wir nicht nur die uns von seiner Liebden geschehene bereitwilligste Erklärung wegen der Uebernahme eines Kurfürsten-Anschlags in Hinsicht auf ihre nunmehrige Kurlande bei Reichs- und Kreislasten und eines erhöheten jährlichen Beitrags 40 181 zu den Kammerzielern nach dem Typus in dem genehmigten Reichsgutachten vom dreisigsten Juny siebenzehnhundert acht mit reiebsoberhauptlichem gnädigsten Wohlgefallen an, sondern setzen auch auf seine Liebden das gerechte kaiserliche Zutrauen, dass 5 dieselbe in Gemäsheit des durch den westphälischen Frieden, durch die Lehenbriefe der weltlichen Kurfürsten und das Herkommen verbürgten verfassungsmässigen Grundsatzes sich zur Pflicht rechnen werden, die Belehnung über die Kurwürde, ihre Kurlande und das Erzamt, welche wir zur Bestätigung unserer auf die schieinige 10 Beförderung der Introduction seiner Liebden in den Kurfürstenrath aufrichtigst gerichteten Absicht einsweilen noch ausgesetzt gelassen haben, von uns baldmöglichst zu empfangen, wobei wir überhaupt noch auf die konstitutionellen Gesinnungen seiner Liebden das besondere reichsoberhauptliche Vertrauen setzen, dass dieselbe in 15 ihrer nunmehrigen Eigenschaft eines Kurfürsten unsere auf die Aufrechterhaltung der teutschen Reichsverfassung in ihren grundgesetzliehen Normen unwandelbar gerichtete reichsväterliche Absichten durch ihren patriotischen Eath und thätige Mitwirkung jederzeit bestens unterstützen und befördern werden. In Urkund 20 dessen haben wir diesen unsern kaiserlichen Brief unter unserer Unterschrift und anhangendem kaiserlichen Insicgel ausfertigen lassen, der gegeben ist zu Wien den vier und zwanzigsten Tag- Monats August nach Kristus unsers lieben Herrn und Seligmachers gnadenreicher Gehurt im achtzehenhundert und dritten, unserer 25 Reiche, des römischen wie auch des hungarischen und böhmischen, im zwölften Jahre. Franz mppia. Vt. F. zu Colloredo Mannsfeld. Ad Mandatum Sacrae Caesareae 30 Mayestatis proprium Peter Anton F. H. v. Frank nipp. Die Verleihung des Erzamts erfolgte nicht mehr. Kurfürst Friedrich "»hm nber in seinen Titel die lange beanspruchte Würde des Reichserbpanners auf. 35 .'59. Erlass über Annalinie der Königswürde. 1806 Januar 1. Nach dem Originaldruck. — Abgedruckt: Reyscher 8,239. Wir Friderich, von Gottes Gnaden König von Württemberg, des heiligen Römischen Reichs Erz-Panner und Churfiirst, Herzog 'S"- 182 von Tek, Fürst zu Schwaben, Landgraf zu Tübingen und Neuenbürg', Fürst zu Ellwangen und Zwiefalten, Graf zu Limpurg Schmiedelfeld, Sontheim, Hohenberg und Bondorf, Herr zu Heidenheim, Justingen, Rottweil, Heilbronn, Hall, Altdorf und Adelmannsfelden etc. etc. entbieten allen Unseren lieben und getreuen Dienern 5 und Unterthanen Unsere Königliche Gnade. Nachdem Wir zu Folge eines mit Kr. Majestät dem Kaiser von Frankreich und König von Italien unter dein 12. Decbr. 1805. errichteten Staats-Vertrags, der einen integrirenden Haupttheil des zwischen gedachter Kaiserl. Königl. Majestät und Kr. Majestät dem 10 Kaiser von Teutschland und Österreich abgeschlossenen FriedenS- Tractats ausmacht, die Königliche Würde für Uns und Unsere Nachkommen an der Regierung angenommen haben, so wird solches anmit von Uns Kraft dieses öffentlich und zur allgemeinen Nachachtung bekannt gemacht. I 5 Wir finden in diesem höchstwichtigen, für jeden treuen Württemberger auf die denkwürdigste Art sich auszeichnenden Ereigniss einen neuen Beweis der über Unserem Königlichen Jlause wachenden Göttlichen Vorsehung und können Uns versichert halten, dass auch Unsere sämtliche Diener und Unterthanen bei dieser grossen 20 und unerwartet glüklichen Entwiklung des damit so innig verbundenen Wohls des Vaterlandes von eben denselben Empfindungen der Freude und des Danks durchdrungen seyn werden. Die neuen hienaeb eintretenden Verhältnisse eröfnen Uns zugleich die frohe Aussicht, den Wohlstand Unserer sämtlichen sowohl 25 angestammten als erworbenen Lande und das Unserem Herzen so nahe liegende Glük Unserer sämtlichen Unterthanen immer mehr erhöben und befestigen zu können. Unser hierauf rastlos gerichtetes Bestreben wird aber auch durch die sichere Hoffnung belebt, in dem Danke, der aufrichtigen 30 Treue und unerschütterlichen Anhänglichkeit Unserer gesamten Unterthanen eine stete Belohnung zu finden, und bleiben Wir denselben mit Königlicher Huld und Gnade zugethan. Gegeben in Unserer Königlichen Residenz Stuttgart, den I . Jan: 1806. 35 Friderich. Graf von Wintzingeroda. 183 40. Rheinbunds- Akte. 1806 Juli 12. Nach dein Original der französischen Ratifikationsurkunde vom 19. Juli 180(5 im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck: Altmann, Ausgewählte Urkunden ■' zm- deutschen Verfassungsgeschichte seit 1806, I, 1. Binding, Deutsche Staatsgrundgesetze III, 3. Sa majeste l'empereur des Francais, roi d'Italie, d'nne part et d'autrc part leurs majestes les rois de Baviere et de Würtemberg, leurs altesses serenissinies les electeurs archi-chancelier et de Bade, 1(1 le dm; de Berg et Cleves, le landgrave de Hesse-Darmstadt, les princes de Nassau-Usingen et NassaurWeilbourg, les princes de Hohenzollern-Hechingen et Hohenzollern-Sigmaringen et les princes de Salm-Salm et Salm-Kyrbourg, le prince d'Isenbourg-Birstein, le duc d'Aremberg et le prince de Lichtenstein et le comte de la 15 Lcycn, voulant par des stipulations convenables assurer la paix Interieure et exterieure du midi de l'Allemagne, pour laquelle l'ex- perience ;i prouve depuis longtemps et tont recemment encore, que la Constitution germanique ne pouvait plus offrir aueune sorte de garantie, ont nomme pour leurs plenipotentiaires, savoir: [die Namen 20 iverden weggelassen], lesquels apres s'etrc communique leurs pleins pouvoirs respectifs sont uonvenus des artielcs suivants: Art. 1. Les etats de leurs majestes les rois de Baviere et de Würtemberg-, de leurs altesses serenissinies les electeurs archi- chancelier et de Bade, le duc de Berg- et Cleves, le landgrave de 25 Hesse-Darmstadt, les princes de Nassau-Usingen et Nassau-Weil- bourg, les princes de llohenzollern-Hechingen et Hohenzollern-Sig- rnaringen, les princes de Salm-Salm et Salm-Kyrbourg, le prince d'Isenbourg-Birstein, le duc d'Aremberg et le prince de Lichtenstein et le comte de la Leyen seront separes k perpetuite du 3(1 territoire de Pcmpire germanique et unis entr'eux par une con- federation particuliere sous le noni d'etats confederes du Rhin. Art. 2. Toute loi de l'cmpire germanique, qui a pu jusqu'ä present concerner et obliger leurs majestes et leurs altesses serenissinies les rois et princes et le comte denommes en l'article °5 precedent, leurs sujets et leurs etats ou partic d'iceux, sera ä l'avenir relativement ä leurs dites majestes et altesses et au dit comte ä leurs etats et sujets respectifs nulle et de nul effet, sauf neanmoins les droits acquis ä des creanciers et pensionnaires par le reces de mil huit cent trois et les dispositions du paragraphe 184 trente neuf du Salm. Son altesse serenissime le grand-duc de Hesse-Darmstadt sur les seigneuries de Breüberg et de Heubach et sur la seigneurie ou baülage de Habizheim, le comte d'Erbach, la seigneurie d'Ilben- 10 Stadt, la partie du comte de Koenigstein, possedö par le prince de Stolberg-Gedern, les ])ossessions des barons de Riedescl enclavces dans les etats de sa dite altesse ou qui leurs sont contigües, nomme- ment les jurisdictions de Lauterbach, de Stockhausen, Mooss et de Freienstern, les possessions des princes et comtes de Solms en 10 Wetteravie (ä l'exception des baillages de irohensolnis, Braunfels et Greiffenstein), et entin sur les comtes de Wittgenstein et Berle- bourg et le baillage de Hesse-! lombourg possede par la branche et de ce nenn appanagee de Hesse-Darmstadt. Son altesse eminentissime le prince-primat sur les possessions 20 des princes et comtes de Loewenstein-Wertlieim situees ä la droite de Mein et sur le comte de Rieneck. Leurs altesses screnissimes les duc de Nassaw-Usingen et prince de Nassau-Weilbourg sur les baillages de Dierdorf, Alten- wied, Neuerbourg et la partie du comte du Bas-Isenbourg appar- 25 tenant au prince de A\ r ied-Runckel, les comtes de Wied-Neuwied et de Holzapfel, la seigneurie Schaumbourg, le comte de Dietz et ses dependances, la partie du village de Münzfelden appartenant au prince de Nassau-Fulde, les baillages de Wehrheim et de Burbach, la partie de la seigneurie de Runckel situee ä la gauche de 30 la Lahn, la terre equestre de G-ransberg et enfin les baillages de lloliensolms, Braunfels et Greiffenstein» Son altessc serenissime le prince de Holienzollern-Sigmaringen sur les seigneuries de Trochtelfingen, de Jungnau, de Strasberg, sur le baillage d'Ostrach et la partie de la seigneurie de Moeskirch 35 situee ä la gauche du üanube. Son altesse serenissime le prince de Salm-Kyrbourg sur la seigneurie de Gelimen. Son altesse serenissime le prince d'Isenbourg-Hirstein sur les possessions des comtes d'Isenbourg-Hudingen, Waechtersbach et i° 189 Meerholz, saus que lcs comtes äppanages de sa branche puissent se prevaloir de cettc stipulation, pour foraer aueune pretention ä sa charge. Et son altesse serenissime le (lue d'Aremberg sur le cointe 5 de Dülmen. Art. 25. Chacun des rois et princes confederes possedera en toute souverainete les terres equestres enelavees dans ses possessions. Quant aux terres equestres interposees entre deux des etats confederes elles seront partagees quant ä la souverainete entre les 10 deux etats aussi egalement que faire se pourra, niais de maniere ä ce qu'il n'en resulte ni morcelement ni melange de territoires. Art. 26. Les droits de souverainete sont ceux de legislation, de Jurisdiction supreme, de haute police, de conscription militaire ou de recrutement et d'impöt. 15 Art. 27. Les princes ou comtes actuelleinent regnans conser- veront chaeun conime propriete patrimoniale et privee tous les dornaines sans exception, qu'ils possedent niaintonant, ainsi que tous les droits seigneuriaux et feodaux non-essentielleinent inherens ä la souverainete et notamment les droits de hasse et moyenne 20 Jurisdiction en mauere eivile et criminelle, de Jurisdiction et de poliee forestiere, de cliasse, de peche, de mines, d'usines, de dixmes et prestations feodales, de patronage et autres semhlahles et lcs revenus provenans des dits dornaines et droits. Leurs dornaines et biens seront assimiles quant ä 1'impOt 25 aux dornaines et biens des princes de la maison sous la souverainete de laquelle ils doivent passer en vertu du present traite; ou, si aueun des princes de la dite maison ne possedait d'iinmeuh- lcs, aux dornaines et biens de la classe la plus privilegiee. Ne pourront les dits dornaines et droits etre vendus ä un souverain 3 0 etranger ä la confederation ni autrement alienes sans avoir öte preahlement offerts au prince sous la souverainete duquel ils sont places. Art. 28. En imitiere criminelle les princes et comtes actuelleinent regnans et leurs heritiers jouiront du droit d'austregue, ß5 c'est ä dire d'etre juges par leurs pairs, et dans aueun cas la contiscation de leurs biens ne pourra etre prononcee ni avoir Heu, niais les revenus pourront etre sequestres pendant la vie du condamne. Art. 29. Lcs etats confederes contrihucront an payenient les 40 dettes actuelles des cercles non seulement pour leurs possessions 190 anciennes, mais aussi pour les territoires, qui doivcnt etre respeetive- nient söumis ä leur souverainete. La dette du cercle de Souabe sera ä la Charge de leurs niajestes les rois de Baviere et de Würtemberg, de leurs altcsses serenissimes le grand-duc de Bade, les princes de Hohenzollern- 5 Hechingen et Sigmaringen, de Lichtenstein et de la Leyen et divisee entr'eux dans la proportion de ce que chacun des dits rois et princes possedera dans la Souabe. Art. 80. Les dettes propres de chaque prineipaute, conite ou seigneurie passant sous la souverainete de Tun des etats eoufederes 10 serout divisees entre le dit etat et les princes ou comtes actuelle- ment regnans dans la proportion des revcnus, que le dit etat doit acquerir, et de ceux, que les princes ou comtes doivent eonserver d'apres les stipulation ci-dessus. Art. 31. 11 sera libre aux princes ou comtes actuelleinent 15 regnans et ä, leurs heritiers de fixer leur residcnee partout, oü ils le voudront, pourvu que ce soit dans Fun des etats membres ou allies de la confederation du Ehin ou dans les possessions, «|u'ils conserveront en souverainete bors du territoire de la dite confederation, et de retirer leurs revenues ou leurs capitaux, sans pouvoir '20 etre assujettis pour cette cause ä aucun droit ou iinpot quelconque. Art. 32. Les individus eniployes dans l'administration publique des principautes, comtes ou seigneuries, qui doivent en vertu du present traite passer sous la souverainete de Tun des etats eoufederes et que le souverain ne jugerait pas ä propos de conserver 25 dans leurs emplois, jouiront d'une pension de retraite egale ä cellc, que les loix et re^lemens de Fetat aecordent aux ofticiers de meme grade. Art. 33. Les membres des ordres niilitaircs ou reliyieux, qui pourront etre en consequence du present traite depossedes ou 30 secularises, recevront une pension annuelle et viagcre proportionnee aux revenus, dont ils jouissaient ä leur dignite et ä leur Sge, et liypotbequecs sur les biens, dont ils etaient usufruitiers. Art. 34. Les rois, grand-ducs, ducs et jn-inces eoufederes renon- cent chacun d'eux pour soi ses heritiers et successeurs ä tout droit 3o aetuel, qu'il pourrait avoir ou pretendre sur les possessions dos autres membres de la confederation tcllcs qu'elles sont et telles qu'ellcs doivent etre en consecjucnce du present traite; les droits eventucls de succession demeurant seuls reserves et pour le cas seulement, oü viendrait k s'eteindre la inaison ou la brauche, qui 40 191 possede raaintenant ou doit cn vertu du present traite posseder en souverainete les territoires, domaines et biens, sur lesquels les sus- dits droits peuvent s'etendre. Art. 35. II y aüra entre l'empire franeais et les etats con- 5 feileres du Rhin collectivement et separement une alliance en vertu de laquelle tonte guerre continentalc, que l'une des parties con- tractantes aurait ä soutenir, deviendra immediatement eomniune ä toutes les autres. Art. 36. Dans le cas, ou une puissance etrangere a l'alliance . lü et voisine armerait, les hautes parties eontractantes, pour ne pas etre prises au depourvu, armeront pareillcment d'apres la deniande, qui cn sera faite par le ministre de l'une d'elles ä Francfort. Le contingent, que chacun des allies devra fournir, etant divise en quatre quarts, la diete determinera combien de quarts 15 devront etre rendus mobiles, raais l'armement ne sera effectue qu'en consequence d'une invitation adressee par sa majeste l'empereur et roi ä ehaoune des ])uissances alliees. Art. 37. 8a majeste le roi de Baviere s'engag'e ;i fortifier les villes d'Augsbourg et de Lindau, ä former et entretenir en tout 20 temps dans la premierc de ees deux places des etablissemcnts d'arttilerie et ä tenir dans la seconde une quantite de fusils et de niunitions süffisante pour une rescrve, de meine qu' k avoir ä Augs- bourg des boulangeries, pour qu'on ])uisse eonfectionner une quantite de biseuits teile qu'en cas de guerre la marche des armees 25 n'eprouve pas de retard. Art. 38. Le contingent a fournir par chaeun des allies pour le cas de guerre est fixe, coinnie il suit: La France fournira deux eent mille lioinmcs de toutes armes, le royaume de Baviere trente mille bommes de toutes armes, 3" le royaume de Württemberg douze mille, le grand-duc de Bade liuit mille, le grand-duc de Berg cinq mille, le grand-duc de Darmstadt quatre mille. Leurs altesses serenissimes les duc et prince de Nassau four- 3 5 niront avec les autres princes confederes un contingent de quatre mille liommes. Art. 39. Les liautes parties eontractantes sc reservent d'ad- mettre par la suite dans la nouvelle confederation d'autres princes et etats d'Allemagne, qu'il sera trouve de I'interet commun d'y io admettre. 192 Art. 40. Les ratifications du präsent traite seront echangeeg ;'i Munich 1c vingt cinq juillet de la presente annee. Fait ä Paris lc douze juillet mil huit eent six. König Friedrich ist dem Bunde nur gezwungen beigetreten. Er gab am 24. Juli seine Unterschrift, legte aber mit drei Brüdern und dem Kronprinzen 5 in einer geheimen Urkunde Verwahrung gegen die Vergewaltigung ein. Tuttlingen hat er nicht herausgegeben. Der Bundestag (Art. 6) ist nie zusammengetreten. 41. Religion sedikt. 1806 Oktober 15. 10 Nach einem Generalreskript im Kgl. Staatsarchiv. — Abdruck: Württemb. Staats- und Regierungsblatt 1807, S. 609. Wir Friderich von Gottes Gnaden König von Württemberg, souverainer Herzog in Schwaben und von Tck u. s. w. fügen hie- mit zu wissen: 15 Um unsern Königlichen Untertliancn, zu welcher der bisher aufgenommenen christlichen Religionsparthien sie auch gehören, eine freye und ungehinderte Religionsübung in dem ganzen Umfang unseres Königreiches zu sichern, setzen wir hiemit folgende dein Geiste des wahren Christenthums entsprechende Bestimmungen fest: 20 I. Jede christliche Kirche, sie gehöre zu den beyden protestantischen oder zur katholischen Confession hat gleiche Ansprüche auf unsern Königlichen Schutz. In dieser Gemässheit sichern wir jeder kirchlichen Gemeinde die Fortdauer ihrer bisherigen Religionsübung und den Genuss ihrer nacli Vorschrift unserer Gesetze zu ver- 25 waltenden Güter und Einkünfte, sowie ihres Schulfonds zu. II. Wenn an einem Orte unseres Reichs bisher nur eine Religionsübung stattfand, die Genossen einer andern Confession sich aber in diesem Orte so sehr vermehren, dass sie eine kirchliche Gemeinde bilden können, so werden wir ihnen auf ihr aller- 30 unterthänigstes Ansuchen die freie Übung ihrer Religion nach den Vorschriften ihres Cultus in dem Innern eines Kirchengebäudes allergnädigst gestatten. Es muss jedoch der zu Einrichtung des Gottesdienstes nöthige Aufwand ohne Kosten und Beschwerniss der zu einer andern Confession gehörigen Mitglieder der Gemeinde und 35 ihrer Fundationen aufgebracht werden können, indem wir nie gestatten werden, dass ein Religionstheil sich in den Mitgebrauch und Mitgenuss der Güter, Einkünfte und Stiftungen der Kirche eines andern Religionstheils eindringe. 193 III. Können die von der herrschenden Confession eines Orts dissentirenden Einwohner eine besondere kirchliche Gemeinde nicht bilden, so ist ihnen unbenommen nicht nur die benachbarte Kirche ihres Cultus zu besuchen, sondern auch einen Geistlichen ihrer 5 Confession zum häuslichen Religions- und Kinderunterricht sowie zu Administrirung der Säcramente zu sich zu berufen. Letzteres findet auch in Rücksicht auf Taufen und ehliche Trauungen statt, und können diese Actus in Privathäusern vorgenommen werden, wobei alsdann den Geistlichen zur Pflicht gemacht wird, hievon 10 sowohl vor als nach vollzogener Handlung dem Parochus des Orts eine amtliche Anzeige zu machen, welcher den Vorgang ordnungs- mässig in das Kirchenbuch einzutragen hat. In Absicht auf Beerdigungen soll unter allen Einwohnern eines Orts, zu welcher christlichen (Jonfession sie auch gehören, eine ganz gleiche Be- 15 handlung statthaben, so dass also ein Geistlicher von der Confession des Verstorbenen auf Verlangen dem Leichenzuge beywohnen und eine Rede am Grabe halten darf. Übrigens werden die der Ortsreligion nicht zugethanen Einwohner, solange sie keine besondere Kirche bilden, in allem, was ihre Religions- und Gewissensfreiheit 20 nicht beschränkt, zur Ortspfarrei gerechnet und haben daher in allen vorkommenden Fällen die gesetzliche Stolgebühren dahin zu entrichten. IV. Bei Besetzung aller Ämter und Stellen wird in Zukunft auf den Unterschied der christlichen Glaubensconfessionen keine 25 Rücksicht genommen und unter den Fähigen dem Würdigsten, er gehöre zu der katholischen oder zu einer der protestantischen Kirchen, der Vorzug gegeben werden. V. Die Verschiedenheit des christlichen Glaubensbekenntnisses schliesst in Zukunft die Königlichen Unterthanen von der Aufnahme 30 in das Bürgerrecht eines Orts nicht mehr aus, sondern jeder Unter- than, der einer der drey christlichen Glaubensconfessionen zugethan ist, kann, wenn er die übrigen gesetzlichen Vorschriften in sich vereiniget, die Aufnahme als Bürger eines Orts und den vollen Gcnuss der davon abhängenden bürgerlichen Rechte erwarten. °5 VI. Um eine Ehe mit einer Person, die einer andern christlichen Confession zugethan ist, einzugehen, bedarf es, wenn sonst alle gesetzlichen Erfordernisse vorhanden sind, keiner Dispensation und bey vorwaltenden Ehehindernissen verificirt die Obrigkeit des Orts, wo die Ehe geschlossen wird, die beyderscitigen Dispen- 40 sationen. Die Kinder aus diesen Ehen werden in der Regel bis WUrtt. Gescliichtaquollon XI. 13 194 zu den Unterscheidungsjahren in der Religion des Vaters erzogen. Es ist jedoch den Eheleuten erlaubt, durch Verträge eine nach dein Geschlecht der Kinder getheilte Erziehung oder jede andere Bestimmung dissfalls festzusetzen-, nur müssen, wenn der Vater der evangelischen Religion zugethan ist, die Söhne nothwendig auch 5 in dieser Religion erzogen werden. Jene Verträge sind aber nur dann gültig, wenn sie vor der Obrigkeit des Gatten abgeschlossen worden. Nach erreichten Unterscheidungsjahren steht es den aus solchen Ehen erzeugten Kindern frey, sich nach eigener Wahl zu einer oder der andern christlichen Kirche zu bekennen; jedoch sollen 10 die in Königlichen Civildicnsten stehenden Personen keine Rcligions- veränderung vornehmen, ohne solche durch den Departements-Chef, zu dem sie gehören, uns angezeigt zu haben. VII. Die zur Gültigkeit jeder Ehe erforderliche Einsetzung geschieht bey Ehen verschiedener Confessionsverwandten von dem 15 Pfarrer des Bräutigams. Wünscht der andere Eheteil zu seiner Gewissensberuhigung auch noch von dem Geistlichen seiner (Jonfession eingesegnet zu werden, so hat dieses keinen Anstand. Alle diese Verfügungen wollen wir hiemit in der Allgemeinheit festgesetzt haben, dass sie für alle Theile unseres Königreichs, 20 welche kirchliche Verfassung oder Ordnung bisher daselbst stattgehabt haben möge, sowohl bey dem Civil als Militair ohne allen Unterschied des Standes und der Personen als gesetzliche Norm gelten sollen. Daran geschieht unser Königlicher Wille. Gegeben in unserer Königlichen Residenz. 25 Stuttgart, den 15. Oktober 1806. Friderich. Minister des geistlichen Departements von Mandelsloh. Ad mandatum Sacrac Regiae Majestatis proprium HO von Vellnagel. 42. Deutsche Bundesaktc. 1815 Juni 8. Original in der Frankfurter Stadtbibliothek. — Abdruck nach Altinann, Ausgewählte Urkunden zur deutschen Verfassungsgeschichte seit 1806 I, 9: Weiterer 35 Druck: Binding', Deutsche Staategrundgesetee III, 17. Im Namen der allerhciligsten und unteilbaren Dreieinigkeit. Die souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands, den gc- 195 meinsamen Wunsch hegend, den sechsten Artikel des Pariser Friedens vom 30. Mai 1814 in Erfüllung zu setzen, und von den Vorteilen überzeugt, welche aus ihrer festen und dauerhaften Verbindung für die Sicherheit und Unabhängigkeit Deutschlands und die Ruhe und 5 das Gleichgewicht Europas hervorgehen würden, sind übereingekommen, sich zu einem beständigen Bunde zu vereinigen und haben zu diesem Behuf ihre Gesandten und Abgeordneten am Kongresse in Wien mit Vollmachten versehen, nämlich: [folgen die Namen], In Gemässheit dieses Beschlusses haben die vorstehenden 10 Bevollmächtigten nach geschehener Auswechslung ihrer richtig befundenen Vollmachten folgende Artikel verabredet. I. Allgemeine Bestimmungen. Art. 1. Die souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands mit Einschluss Ihrer Majestäten des Kaisers von Osterreich 15 und der Könige von Preussen, von Dänemark und der Niederlande und zwar der Kaiser von Österreich [und] der König von Preussen beide für ihre gesamten vormals zum deutschen Reiche gehörigen Besitzungen, der König von Dänemark für Holstein, der König der Niederlande für das Grossherzogtum Luxemburg vereinigen sich zu 20 einem beständigen Bunde, welcher der Deutsche Bund heissen soll. Art. 2. Der Zweck desselben ist: Erhaltung der äusseren und inneren Sicherheit Deutschlands und der Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit der einzelnen deutschen Staaten. Art. 3. Alle Bundesglieder haben als solche gleiche Rechte; 25 sie verpflichten sich alle gleichmässig, die Bundesakte unverbrüchlich zu halten. Art. 4. Die Angelegenheiten des Bundes werden durch eine Bundesversammlung besorgt, in welcher alle Glieder desselben durch ihre Bevollmächtigten teils einzelne teils Gesammtstimmen folgender- 30 müssen, jedoch unbeschadet ihres Ranges, führen : 1) Österreich 1 Stimme, 2) Preussen 1, 3) Bayern 1, 4) Sachsen 1, 5) Hannover 1, 6) Württemberg 1, 7) Baden 1, 8) Kurhessen 1, 9) Grossherzogtum Hessen 1, 10) Dänemark wegen Holstein 1, 11) Niederlande wegen des Grossherzogthums Luxemburg 1, 12) die grossherzoglich und 35 herzoglich-sächsischen Häuser 1, 13) Braunschweig und Nassau 1, 14) Mecklenburg-Schwerin und Mccklonburg-Strelitz 1, 15) Holstein- Oldenburg, Anhalt und Schwarzburg 1, 16) Hohenzollern, Lichtenstein, Reuss, Schaumburg-Lippe, Lippe und Waldeck 1, 17) .die freien Städte Lübeck, Frankfurt, Bremen und Hamburg 1 Stimme, 40 zusammen 17 Stimmen. 13* 196 Art. 5. Österreich hat bei der Bundesversammlung den Vorsitz. Jedes Bundesglied ist befugt, Vorschläge zu machen und in Vortrag zu bringen, und der Vorsitzende ist verpflichtet, solche in einer zu bestimmenden Zeitfrist' der Beratung zu übergeben. Art. 6. Wo es auf Abfassung und Abänderung von Grund- 5 gesetzen des Bundes, auf Beschlüsse, welche die Bundesakte selbst betreffen, auf organische Bundeseinrichtungen und auf gemeinnützige Anordnungen sonstiger Art ankommt, bildet sich die Versammlung zu einem Plenum, wobei jedoch mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der Grösse der einzelnen Bundesstaaten folgende Berechnung 10 und Verteilung der Stimmen verabredet ist: 1) Osterreich erhält 4 Stimmen, 2) Preussen 4, 3) Sachsen 4, 4) Baiern 4, 5) Hannover 4, 6) Württemberg 4, 7) Baden 3, 8) Kurhessen 3, 9) Grossherzogtum Hessen 3, 10) Holstein 3, 11) Luxemburgs, 12) Braunschweig 2, 13) Mecklenburg-Schwerin 2, 14) Nassau 2, 15 15) Sachsen-Weimar 1, 16) Sachsen-Gotha 1, 17) Sachsen-Coburg 1, 18) Sachsen-Meiningen 1, 19) Sachsen-Hildburghausen 1, 20) Mecklcn- burg-Strclitz 1, 21) Holstein-Oldenburg 1, 22) Anhalt-Dessau 1, 23) Anhalt-Bernburg 1, 24) Anhalt-Köthen 1, 25) Sehwarzburg- Sondershausen 1, 26) Schwarzburg-Rudolstadt 1, 27) Hohenzollern- 20 Hechingen 1, 28) Lichtenstein 1, 29) Hohenzollern-Sigmaringen 1, 30) Waldeek 1, 31) Reuss ältere Linie 1, 32) Reuss jüngere Linie 1, 33) Schaumburg-Lippe 1, 34) Lippe 1, 35) die freie Stadt Lübeck 1, 36) die freie Stadt Frankfurt 1, 37) die freie Stadt Bremen 1, 38) die freie Stadt Hamburg 1 Stimme, totale 69 Stimmen. 25 Ob den mediatisierten vormaligen Reichsständen auch einige Kuriatstimmen in Pleno zugestanden werden sollen, wird die Bundesversammlung bei der Beratung der organischen Bundesgesetze in Erwägung nehmen. Art. 7. In wiefern ein Gegenstand nach obiger Bestimmung 30 für das Plenum geeignet sei, wird in der engeren Versammlung durch Stimmenmehrheit entschieden. Die der Entscheidung des Pleni zu unterziehenden Bcschluss- Entwürfe werden in der engeren Versammlung vorbereitet und bis zur Annahme oder Verwerfung zur Reife gebracht. Sowohl in der 35 engeren Versammlung als in Pleno werden die Beschlüsse mich dei' Mehrheit der Stimmen gefasst, jedoch in der Art, dass in der ersteren die absolute, in letztcrem aber nur eine auf 2 / 3 der Abstimmung beruhende Mehrheit entscheidet. 197 Bei Stimmengleichheit in der engeren Versammlung stellet dem Vorsitzenden die Entscheidung zu. Wo es aber auf Annahme oder Abänderung der Grundgesetze, auf organische Bundeseinrichtungen, auf juni singulorum oder 5 Religionsangelegenheiten ankommt, kann weder in der engeren Versammlung noch in Pleno ein Beschluss durch Stimmenmehrheit ge- fasst werden. Die Bundesversammlung ist beständig, hat aber die Befugnis, wenn die ihrer Beratung unterzogenen Gegenstände erledigt sind, 10 auf eine bestimmte Zeit, jedoch nicht auf länger als vier Monate, sich zu vertagen. Alle nähern, die Vertagung und die Besorgung der etwa während derselben vorkommenden dringenden Geschäfte betreffenden Bestimmungen werden der Bundesversammlung bei Abfassung der organischen Gesetze vorbehalten. !B Art. 8. Die Abstimmungsordnung der Bundesglieder betrettend wird festgesetzt, dass, solange die Bundesversammlung mit Abfassung der organischen Gesetze beschäftigt ist, hierüber keinerlei Bestimmung gelte und die zufällig sich fügende Ordnung keinem der Mitglieder zum Nachteil gereichen noch eine Regel begründen soll. Nach 2 0 Abfassung der organischen Gesetze wird die Bundesversammlung die künftige, als beständige Folge einzuführende Stimmenordnung in Beratung nehmen und sich darin so wenig als möglich von der ehemals auf dem Reichstage und namentlich in Gemässheit des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 beobachteten entfernen. 25 Auch diese Ordnung kann aber auf den Rang der Bundesglieder überhaupt und ihren Vortritt ausser den Verhältnissen der Bundesversammlung keinen Einrluss ausüben. Art. 9. Die Bundesversammlung hat ihren Sitz zu Frankfurt am Main. Die Eröffnung derselben ist auf den 1. September 1815 3o festgesetzt. Art. 10. Das erste Geschäft der Bundesversammlung nach ihrer Eröffnung wird die Abfassung der Grundgesetze des Bundes und dessen organische Einrichtung in Rücksicht auf seine auswärtigen, militärischen und inneren Verhältnisse sein. 35 Art. 11. Alle Mitglieder des Bundes versprechen sowohl ganz Deutschland als jeden einzelnen Bundesstaat gegen jeden Angriff in Schutz zu nehmen und garantieren sich gegenseitig ihre sämtlichen unter dem Bunde begriffenen Besitzungen. Bei einmal erklärtem Bundeskriege darf kein Mitglied ein- 198 seitige Unterhandlungen mit dem Feinde eingehen noch einseilig Waffenstillstand oder Frieden schliessen. Die Bundesglieder behalten zwar das Recht der Bündnisse aller Art, verpflichten sich jedoch in keine Verbindungen einzugehen, welche gegen die Sicherheit des Hundes oder einzelner 5 Bundesstaaten gerichtet wären. Die Bundesglieder inachen sich ebenfalls verbindlich, einander unter keinerlei Vorwand zu bekriegen noch ihre Streitigkeiten mit Gewalt zu verfolgen, sondern sie bei der Bundesversammlung anzubringen. Dieser liegt alsdann ob, die Vermittlung durch einen 10 Ausschuss zu versuchen; falls dieser Versuch fehlschlagen sollte und demnach eine richterliche Entscheidung notwendig würde, solche durch eine wohlgeordnete Aussträgalinstanz zu Itcwirken, deren Ausspruch die streitenden Teile sich sofort zu unterwerfen haben. 15 IL Besondere Bestimmungen. Ausser den in den vorhergehenden Artikeln bestimmten auf die Feststellung des Bundes gerichteten Funkten sind die verbündeten Mitglieder übereingekommen, hiemit über folgende Gegenstände die in den nachstehenden Artikeln enthaltenen Bestimmungen 20 zu treffen, welche mit jenen Artikeln gleiche Kraft haben sollen. Art. 12. Diejenigen Bundesglieder, deren Besitzungen nicht eine Volkszahl von 300 000 Seelen erreichen, werden sich mit den ihnen verwandten Häusern oder anderen Bundesgliedern, mit welchen sie wenigstens eine solche Volkszahl ausmachen, zu Bildung eines 2& gemeinschaftlichen obersten Gerichts vereinigen. In den Staaten von solcher Volksmenge, wo schon jetzt dergleichen Gerichte dritter Instanz vorhanden sind, werden jedoch diese in ihrer bisherigen Eigenschaft erhalten, wofern nur die Volks- zahl, über welche sie sich erstrecken, nicht unter 150 000 Seelen ist. 30 Den vier freien Städten steht das Recht zu, sich untereinander über die Errichtung eines gemeinsamen obersten Gerichts zu vereinigen. Bei den solchergestalt errichteten gemeinschaftlichen obersten Gerichten soll jeder der Parteien gestattet sein, auf die Verschickung 3 & der Akten auf eine deutsche Fakultät oder an einen Schöppenstubl zur Abfassung des Endurteils anzutragen. Art. 13. In allen Bundesstaaten wird eine landständische Verfassung stattfinden. Art. 14. Um den im Jahr 1806 und seitdem mittelbar ge- 40 199 wordenen ehemaligen Reichsständen und Reichsangehörigen in Geniässheit der gegenwärtigen Verhältnisse in allen Bundesstaaten einen gleichförmig bleibenden Rechtszustand zu verschaffen, so vereinigen die Bundesstaaten sich dahin: 5 a) dass diese fürstlichen und gräflichen Häuser fortan nichts destoweniger zu dein hohen Adel in Deutschland gerechnet werden und ihnen das Recht der Ebenbürtigkeit in dem bisher damit verbundenen Begriff' verbleibt; b) sind die Häupter dieser Häuser die ersten Standesherrn in 10 dem Staat, zu dem sie gehören; sie und ihre Familien bilden die privilegierteste Klasse in demselben, insbesondere in Ansehung der Besteurung; c) es sollen ihnen überhaupt in Rücksicht ihrer Personen, Familien und Besitzungen alle diejenigen Rechte und Vorzüge zu- 15 gesichert werden oder bleiben, welche aus ihrem Eigentum und dessen ungestörtem Genüsse herrühren und nicht zu der Staatsgewalt und den höheren Regierungsrechten gehören. Unter vorerwähnten Rechten sind insbesondere und namentlich begriffen: 20 |) die unbeschränkte Freiheit, ihren Aufenthalt in jedem zu dem Bunde gehörenden oder mit demselben in Frieden lebenden Staat zu nehmen; 2) werden nach den Grundsätzen der früheren deutschen Verfassung die noch bestehenden Familienverträge aufrecht erhalten 25 und ihnen die Befugnis zugesichert, über ihre Güter und Familienverhältnisse verbindliche Verfügungen zu treffen, welche jedoch dem Souverän vorgelegt und bei den höchsten Landesstellen zur allgemeinen Kenntnis und Nachachtung gebracht werden müssen. Alle bisher dagegen erlassenen Verordnungen sollen für künftige 30 Falle nicht weiter anwendbar sein; 3) privilegierter Gerichtsstand und Befreiung von aller Militärpflichtigkeit für sich und ihre Familien; 4) die Ausübung der bürgerlichen und peinlichen Gerechtig- keitspffege in erster und, wo die Besitzung gross genug ist, in 35 zweiter Instanz, die Forstgerichtsbarkeit, Ortspolizei und Aufsicht in Kirchen- und Schulsachen, auch über milde Stiftungen, jedoch nach Vorschrift der Landesgesetze, welchen sie sowie der Militärverfassung und der Oberaufsicht der Regierungen über jene Zuständigkeiten unterworfen bleiben. 40 Bei der näheren Bestimmung der angeführten Befugnisse so- 200 wohl wie überhaupt und in allen übrigen Punkten wird zur weitern Begründung und Feststellung eines in allen deutschen Bundesstaaten übereinstimmenden Rechtszustandes der mittelbar gewordenen Fürsten, Grafen und Herren die in dem Betreff erlassene königlich bairische Verordnung vom Jahre 1807 als Basis und Norm unterlegt werden. 5 Dem ehemaligen Reichsadel werden die sub Nr. 1 und 2 angeführten Rechte, Anteil der Begüterten an Landstandschaft, Patrimonial- und Forstgerichtsbarkeit, Ortspolizei, Kirchenpatronat und der privilegierte Gerichtsstand zugesichert. Diese Rechte werden nur nach Vorschrift der Landesgesetze ausgeübt. 10 In den durch den Frieden von Luneville vom 9. Februar 1801 von Deutschland abgetretenen und jetzt wieder damit vereinigten Provinzen werden bei Anwendung der obigen Grundsätze auf den ehemaligen unmittelbaren Rcichsadel diejenigen Beschränkungen stattfinden, welche die dort bestehenden besondern Verhältnisse 15 notwendig machen. Art. 15. Die Fortdauer der auf die Rhcinschiffahrtsoktroi angewiesenen direkten und subsidiarischen Renten, die durch den Reichsdeputationsschluss vom 25. Februar 1803 getroffenen Verfügungen in betreff des Schuldcnwesens und festgesetzte Pensionen 20 an geistliche und weltliche Individuen werden von dem Bunde garantiert. Die Mitglieder der ehemaligen Dom- und freien Reichsstifter haben die Befugnis, ihre durch den erwähnten Reichsdeputationsschluss festgesetzten Pensionen ohne Abzug in jedem mit dem 25 deutschen Bunde in Frieden stehenden Staate verzehren zu dürfen. Die Mitglieder des deutschen Ordens werden ebenfalls nach den in dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 für die Dom- stifter festgesetzten Grundsätzen Pensionen erhalten, insofern sie ihnen noch nicht hinreichend bewilligt worden, und diejenigen 30 Fürsten, welche eingezogene Besitzungen des deutschen Ordens erhalten haben, werden diese Pensionen nach Verhältnis ihres Anteils an den ehemaligen Besitzungen bezahlen. Die Beratung über die Regulierung der Sustcntationskasse und der Pensionen auf die überrheinischen Bischöfe und Geist- 35 liehe, welche Pensionen auf die Besitzer des linken Rheinufers übertragen werden, ist der Bundesversammlung vorbehalten. Diese Regulierung ist binnen Jahresfrist zu beendigen, bis dahin wird die Bezahlung der erwähnten Pensionen auf die bisherige Art fortgesetzt. i° 201 Art. 16. Die Verschiedenheit der christlichen Religionsparteien kann in den Ländern und Gebieten des deutschen Bundes keinen Unterschied in dem Genüsse der bürgerlichen und politischen Rechte begründen. 5 Die Bundesversammlung wird in Beratung ziehen, wie auf eine möglichst übereinstimmende Weise die bürgerliche Verbesserung der Bekenner des jüdischen Glaubens in Deutschland zu bewirken sei, und wie insbesondere denselben der Genuas der bürgerlichen Rechte gegen die Übernahme aller Bürgerpflichten in den Bundes- 10 Staaten verschafft und gesichert werden könne. Jedoch werden den Bekennern dieses Glaubens bis dahin die denselben von den einzelnen Bundesstaaten bereits eingeräumten Rechte erhalten. Art. 17. Das fürstliche Haus Thurn und Taxis bleibt in dem durch den Reichsdeputationsschluss vom 25. Februar 1803 oder 15 spätere Verträge bestätigten Besitz und Genuas der Posten in den verschiedenen Bundesstaaten, solange als nicht etwa durch freie Übereinkunft anderweitige Verträge abgeschlossen werden sollten. In jedem Fall werden demselben infolge des Artikels 13 des erwähnten Reichsdeputationshauptschlusses seine auf Belassung der 20 Posten oder auf eine angemessene Entschädigung gegründeten Rechte und Ansprüche gesichert. Dieses soll auch da stattfinden, wo die Aufhebung der Posten seit 1803 gegen den Inhalt des Reichs- deputationshauptschlusses bereits geschehen wäre, insofern diese Entschädigung durch Verträge nicht schon definitiv festgesetzt ist. 25 Art. 18. Die verbündeten Fürsten und freien Städte kommen übercin den Unterthanen der deutschen Bundesstaaten folgende Rechte zuzusichern: a) Grundeigentum ausserhalb des Staates, den sie bewohnen, zu erwerben und zu besitzen, ohne deshalb in dem fremden Staate 30 mehreren Abgaben und Lasten unterworfen zu sein als dessen eigene Unterthanen; b) die Befugnis 1) des freien Wegziehens aus einem deutschen Bundesstaate in den andern, der erweislich sie zu Unterthanen annehmen will, auch 2) in Civil- und Militärdienste desselben zu 35 treten. Beides jedoch nur, insofern keine Verbindlichkeit zu Militärdiensten gegen das bisherige Vaterland im Wege stehe. Und damit wegen der dermalen vorwaltenden Verschiedenheit der gesetzlichen Vorschriften über Militärpflichtigkeit hierunter nicht ein ungleichartiges, für einzelne Bundesstaaten nachteiliges Verhältnis 40 entstehen möge, so wird bei der Bundesversammlung die Ein- 202 führung möglichst gleichförmiger Grundsätze über diesen Gegenstand in Beratung genommen werden; c) die Freiheit von aller Nachsteuer (jus detractus, gabclla emigrationis), insofern das Vermögen in einen andern deutschen Bundesstaat übergeht und mit diesem nicht besondere Verhältnisse 5 durch Freizügigkeitsverträge bestehen; d) die Bundesversammlung wird sich bei ihrer ersten Zusammenkunft mit Abfassung gleichförmiger Verfügungen über die Pressfreiheit und die Sicherstellung der Rechte der Schriftsteller und Verleger gegen den Nachdruck beschäftigen. 10 Art. 19. Die Bundesglieder behalten sich vor, bei der ersten Zusammenkunft der Bundesversammlung in Frankfurt wegen des Handels und Verkehrs zwischen den einzelnen Bundesstaaten sowie wegen der Schiffahrt nach Anleitung der auf dem Kongresse zu Wien angenommenen Grundsätze in Beratung zu treten. 16 Art. 20. Der gegenwärtige Vertrag wird von allen kontrahierenden Teilen ratifiziert werden, und die Ratifikationen sollen binnen der Zeit von sechs Wochen oder wonniglich noch früher nach Wien an die kaiserlich österreichische Hof- und Staatskanzlei eingesandt und bei Eröffnung des Bundes in das Archiv desselben 20 niedergelegt werden. Zur Urkunde dessen haben sämtliche Bevollmächtigte den gegenwärtigen Vertrag unterzeichnet und mit ihren Wappen besiegelt. So geschehen Wien den achten Juni im .Jahre eintausend achthundert und fünfzehn. 2ö / Die Unterschriften werden weggelassen. ] 43. Verfassungsurkunde für das Königreich Württemberg. 1819 September 25 '). Original im Ständischen und im Kgl. Staatsarchiv. — Druck: Regierungsblatt 1819 S. 633. — Die Verfassungsurkunde für das Königreich Württemberg, er- 3° läutert von. Dr. Karl G 8 ■/,. 1900. Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Württemberg, thun kund und zu wissen für Uns und Unsere Nachfolger in der Regierung : Unseres in Gott ruhenden Herrn Vaters Majestät und Gnaden 35 ') Die Anmerkungen haben nur den Zweck darauf aufmerksam zu machen, welche Paragraphen nicht mein- gültig sind. 203 haben schon im Jahre 1815 auf die Errichtung einer Staats-Grund- verfassung für das gesamte Königreich Württemberg ernstlichen Bedacht genommen, und zu diesem Ende mit den zu einer Stände- Versammlung einberufenen Fürsten, Grafen, Edelleuten, Geistlichen 5 heider Haupt-Konfessionen und den von einigen Städten, auch sämtlichen Oberamtsbezirken gewählten Abgeordneten Unterhandlungen eröffnen lassen, welche unter Unserer Regierung bis in das Jahr 1817 fortgesetzt wurden. Wiewohl damals der gewünschte Zweck nicht zu erreichen !0 gewesen, so haben Wir denselben dennoch unverrückt im Auge behalten, und um einesteils der Uns, als einem Gliede des deutschen Bundes, obliegenden Verbindlichkeit zu Erfüllung des XIII. Artikels der Bundesakte, andernteils den Wünschen und Bitten Unserer getreuen Unterthanen um endliche Begründung des öffentlichen 15 Rechtszustandes, übereinstimmend mit Unserer eigenen Überzeugung, zu entsprechen, eine neue Stände-Versammlung auf den 13. Juli gegenwärtigen Jahres in Unsere Residenzstadt Ludwigsburg berufen. Nachdem nun über den Entwurf einer den früheren vertrags- und gesetzmässigen Rechten und Freiheiten Unseres alten Stamm- So landes, sowie der damit vereinigten neuen Landesteile, zugleich aber auch den gegenwärtigen Verhältnissen möglichst angemessenen, Gruudverfassung die von der Stände-Versammlung hiezu besonders gewählten Mitglieder sich mit den von Uns ernannten Kommissarien vorläufig beredet haben, und die hierüber erstatteten Berichte 26 einerseits von Uns in Unserem Geheimen Rate, andererseits von der vollen Stände-Versammlung vollständig und sorgfältig geprüft und erwogen, sodann die gesamten Wünsche Unserer getreuen Stände Uns vorgelegt worden sind: so ist endlich durch höchste Erschliessung und allerunterthänigste Gegen-Erklärung eine voll- 30 kommene beiderseitige Vereinigung über folgende Punkte zu stände gekommen. Kapitel I. Von dem Königreiche. § 1. Sämtliche Bestandteile des Königreichs sind und bleiben zu Einem unzertrennlichen Ganzen und zur Teilnahme an Einer 85 und derselben Verfassung vereinigt. fc? 2. Würde in der Folgezeit das Königreich einen neuen Landeszuwachs durch Kauf, Tausch, oder auf andere Weise erhalten, so wird derselbe in die Gemeinschaft der Verfassung des Staates aufgenommen. 40 Als Landeszuwachs ist alles anzusehen, was der König nicht 204 bloss für Seine Person, sondern durch Anwendung der Staatskräfte, oder mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass es einen Bestandteil des Königreichs ausmachen soll, erwirbt. Sollte ein anabwendbarer Notfall die Abtretung eines Landesteils unvermeidlich machen, so ist wenigstens dafür zu sorgen, dass 5 den Eingesessenen des getrennten Landesteiles eine hinlängliche Zeitfrist gestattet wird, um sich anderwärts im Königreiche mit ihrem Eigentum niederlassen zu können, ohne in Veräusserung ihrer Liegenschaften übereilt, oder durch eine auf das mitzunehmende Vermögen gelegte Abgabe, oder sonst auf andere Weise belästigt 10 zu werden. § 3. Das Königreich Württemberg ist ein Teil des deutschen Bundes; daher haben alle organischen Beschlüsse der Bundesversammlung, welche die verfassungsmässigen Verhältnisse Deutschlands, oder die allgemeinen Verhältnisse deutscher .Staatsbürger 15 betreffen, nachdem sie von dem Könige verkündet sind, auch für Württemberg verbindende Kraft. Jedoch tritt in Ansehung der Mittel zu Erfüllung der hiedurch begründeten Verbindlichkeiten die verfassungsmässige Mitwirkung der Stände ein '). Kapitel II. Von dem Könige, der Thronfolge und der Reichs- 20 Verwesung. § 4. Der König ist das Haupt des Staates, vereinigt in sich alle Rechte der Staatsgewalt, und übt sie unter den durch die Verfassung festgesetzten Bestimmungen aus. Seine Person ist heilig und unverletzlich. 25 § 5. Der König bekennt sich zu einer der christlichen Kirchen. § 6. Der Sitz der Regierung kann in keinem Falle ausserhalb des Königreichs verlegt werden. § 7. Das Recht der Thronfolge gebührt dem Mannsstamme 30 des Königlichen Hauses; die Ordnung derselben wird durch die Lineal-Erbfolge nach dem Erstgeburtsrechte bestimmt. Erlischt der Mannsstainin, so geht die Thronfolge auf die weibliche Linie, ohne Unterschied des Geschlechtes, über, und zwar so, dass die Nähe der Verwandtschaft mit dem zuletzt regierenden Könige, und bei 35 gleichem Verwandtschaftsgrade das natürliche Alter den Vorzug giebt. Jedoch tritt bei der Deszendenz des sodann regierenden Königlichen Hauses das Vorrecht des Mannsstammes wieder ein. ') § 3 ist gegenstandslos geworden. 205 § 8. Die Fähigkeit zur Thronfolge setzt rechtmässige Geburt aus einer ebenbürtigen, mit Bewilligung des Königes geschlossenen Ehe voraus. § 9. Die Volljährigkeit des Königs tritt mit zurückgelegtem 5 achtzehnten Jahre ein. § 10. Der Huldigungseid wird dein Thronfolger erst dann abgelegt, wann Er in einer den Ständen des Königreichs auszustellenden feierlichen Urkunde die unverbrüchliche Festhaltung der Landesverfassung bei Seinem Königlichen Worte zugesichert hat. 10 §11. Ist der König minderjährig, oder aus einer andern Ursache an der eigenen Ausübung der Regierung verhindert, so tritt eine Reichs-Verwesung ein. § 12. In beiden Fällen wird die Reichs-Verwesung von dem der Erbfolge nach nächsten Agnaten geführt. Sollte kein dazu [ 5 fähiger Agnat vorhanden sein, so fällt die Rogentschaft an die Mutter, und nach dieser an die Grossmutter des Königes von väterlicher Seite. § 13. Sollte sich bei einem zunächst nach dem regierenden Könige zur Erbfolge bestimmten Familiengliede eine solche Geistes- 20 oder körperliche Beschaffenheit zeigen, welche demselben die eigene Verwaltung des Reiches unmöglich machen würde, so ist noch unter der Regierung des Königes durch ein förmliches Staatsgesetz über den künftigen Eintritt der gesetzmässigen Reichs-Verwesung zu entscheiden. Würde der König während seiner Regierung oder bei dem Anfalle der Thronfolge durch ein solches Hindernis von der eigenen Verwaltung des Reiches abgehalten sein, ohne dass schon früher die oben bestimmte Vorsehung getroffen wäre, so soll längstens binnen Jahresfrist in einer von dem Geheimen Rate zu veranlasseri- 0 den Versammlung sämtlicher im Königreich anwesenden volljährigen, nicht mehr unter väterlicher Gewalt stehenden Prinzen des Königlichen Hauses, mit Ausschluss des zunächst zur Regentschaft berufenen Agnaten, auf vorgängiges Gutachten des Geheimen Rates, durch einen nach absoluter Stimmenmehrheit zu fassenden Beschluss, 0 Uiit Zustimmung der Stände über den Eintritt der gesetzmässigen Regentschaft entschieden werden.« § 14. Der Reichsverweser hat eben so, wie der König, den Ständen die Beobachtung der Landesverfassung feierlich zuzusichern. § 15. Der Reichs-Verweser übt die Staatsgewalt in dem 0 Umfange, wie sie dem Könige zustellt, im Namen des Königes 20G verfassungsmässig' aus; daher stellt auch der Geheime Rat zum Reichs-Verweser in demselben Verhältnisse, wie zu dem regierenden Könige. Es kann aber der Reichs-Verweser keine Standeserhöhungen vornehmen, keine neuen Ritterorden und Hofämter errichten, und 5 kein Mitglied des Geheimen Rates anders, als infolge eines gerichtlichen Erkenntnisses, entlassen. Jede während einer Reichs-Verwesung verabschiedete Abänderung eines Verfassungspunktes gilt nur auf die Dauer der Regentschaft. Auch können die dem Reiche heimgefallenen Lehen während der Regentschaft nicht wieder ver- 10 liehen werden. § 16. In Ermanglung einer von dem Könige getroffenen, und dem Geheimen Rate bekannt gemachten Anordnung gebührt die Erziehung des minderjährigen Königes der Mutter, und wenn diese nicht mehr lebt, der Grossmutter von väterlicher Seite; jedoch 15 kann die Ernennung der Erzieher und Lehrer und die Festsetzung des Erziehungsplanes nur unter Rücksprache mit dem Vormundschaftsrate geschehen, welcher sich aus den Mitgliedern des Geheimen Rates unter dem Vorsitze des Reichs-Verwesers bildet, so, dass letzterer bei den deshalb zu fassenden Beschlüssen eine mitzu- 20 zählende, und im Falle einer Stimmengleichheit eine entscheidende Stimme hat. Bei einer Verschiedenheit der Ansichten hat der Vormundschaftsrat die Entscheidung; auch liegt diesem nach dem Ableben der Mutter und der Grossmuttcr die Sorge für die Erziehung des minderjährigen Königs allein ob. 25 § 17. Die Reichs-Verwesung hört auf, sobald der König das Alter der Volljährigkeit erreicht hat, oder sonst das bisherige Hindernis seiner Selbstregierung gehoben ist. § 18. Die Verhältnisse der Mitglieder des Königlichen Hauses zum Könige, als Oberhaupt der Familie, und unter sich, werden in 30 einem eigenen Hausgesetze bestimmt 1 )- Kapitel III. Von den allgemeinen Rechts-Verhältnissen der Staats- Bürger. § 19. Das Staatsbürgerrecht wird teils durch Geburt, wenn bei ehelich Geborenen der Vater, oder bei Unehelichen die Mutter & das Staatsbürgerrecht hat, teils durch Aufnahme erworben. Letztere setzt voraus, dass der Aufzunehmende von einer bestimmten Gemeinde die vorläufige Zusicherung des Bürger- oder Beisitzrechtes l ) Dieses Hausgesetz ist am 8. Juni 1828 verabschiedet worden. 207 erhalten habe. Ausserdem erfolgt durch die Anstellung im Staatsdienste die Aufnahme in das Staatsbürgerrecht, jedoch nur auf die Dauer der Dienstzeit'). § 20. Der Huldigungseid ist von jedem gebornen Württem- 5 berger nach zurückgelegtem sechszehnten Jahre, und von jedem neu Aufgenommenen bei der Aufnahme abzulegen. § 21. Alle Württemberger haben gleiche staatsbürgerliche Rechte, und ebenso sind sie zu gleichen staatsbürgerlichen Pflichten und gleicher Teilnahme an den Staatslasten verbunden, soweit nicht 10 die Verfassung eine ausdrückliche Ausnahme enthält; auch haben sie gleichen verfassungsmässigen Gehorsam zu leisten. § 22. Kein Staatsbürger kann wegen seiner Geburt von irgend einem Staatsamte ausgeschlossen werden. § 23. Die Verpflichtung zur Verteidigung des Vaterlandes 15 und die Verbindlichkeit zum Waffendienste ist allgemein; es finden in letzterer Hinsicht keine andere, als die durch die Bundesakte und die bestehenden Gesetze begründeten Ausnahmen statt 2 ). Ueber das Recht, Waffen zu tragen, wird ein Gesetz die nähere Bestimmung geben. 20 § 24. Der Staat sichert jedem Bürger Freiheit der Person, Gewissens- und Denkfreiheit, Freiheit des Eigentums und Aus- wanderungsfreiheit. § 25. Die Leibeigenschaft bleibt für immer aufgehoben. § 2ß. Niemand darf seinem ordentlichen Richter entzogen 25 und anders, als in den durch das Gesetz bestimmten Fällen, und in den gesetzlichen Formen verhaftet und bestraft, noch länger als Einmal vier und zwanzig Stunden über die Ursache seiner Verhaftung in Ungewisshcit gelassen werden 3 ). § 27. Jeder, ohne Unterschied der Religion, geniesst im König- 30 reiche ungestörte Gewissensfreiheit. Den vollen Genuss der staatsbürgerlichen Rechte gewähren die drei christlichen Glaubensbekenntnisse. Andere christliche und nicht christliche Glaubensgenossen können zur Teilnahme an den bürgerlichen Rechten nur in dem Verhältnisse zugelassen werden, 35 als sie durch die Grundsätze ihrer Religion an der Erfüllung der bürgerlichen Pflichten nicht gehindert werden 4 ). *) Durch reichsgesetzliche Bestimmungen ersetzt. -) Ebenso. 8 ) Ebenso. ') Dieser Absatz ist durch das Gesetz vom 31. Dez. 1861 abgeändert. 208 § 28. Die Freiheit der Presse und des Buchhandels findet in ihrem vollen Umfange statt, jedoch unter Beobachtung der gegen den Missbrauch bestehenden oder künftig zu erlassenden Gesetze. § 29. Jeder hat das Recht, seinen Stand und sein Gewerbe nach eigener Neigung zu wählen, und sich dazu im In- und Aus- 6 lande auszubilden, mithin auch auswärtige Bildungsanstalten in Gemässheit der gesetzlichen Vorschriften zu besuchen. § 30. Niemand kann gezwungen werden, sein Eigentum und andere Rechte für allgemeine Staats- oder Korporationszwecke abzutreten, als nachdem der Geheime-Rat über die Notwendigkeit 10 entschieden hat, und gegen vorgängige volle Entschädigung. Entsteht aber ein Streit über die Summe der Entschädigung, und der Eigentümer will sich hei der Entscheidung der Verwaltungsbehörde nicht beruhigen, so ist die Sache im ordentlichen Rechtswege zu erledigen, einstweilen aber die von jener Stelle festgesetzte Summe 15 ohne Verzug auszubezahlen'). § 31. Ausschliessliche Handels- und Gewerbsprivilegien können nur zufolge eines Gesetzes, oder mit besonderer, für den einzelnen Fall gültiger Beistimmung der Stände erteilt werden. Dem Ermessen der Regierung bleibt überlassen, nützliche 20 Erfindungen durch Patente zu deren ausschliesslichen Benützung bis auf die Dauer von 10 Jahren zu belohnen' 2 ). § 32. Jedem Staatsbürger steht frei, aus dem Königreiche, ohne Bezahlung einer Nachsteuer, auszuwandern, sobald er dem ihm vorgesetzten Beamten von seinem Vorsatze die Anzeige gemacht, 25 seine Schulden und andere Obliegenheiten berichtigt, und hinreichende Versicherung ausgestellt hat, dass er innerhalb Jahresfrist gegen Körnig und Vaterland nicht dienen, und eben so lange in Hinsicht auf die vor seinem Wegzuge erwachsenen Ansprüche vor den Gerichten des Königreichs Recht geben wolle ;i ). 30 § 33. Durch den Wegzug verliert der Auswandernde sein Staatsbürgerrecht für sich und seine mit ihm wegziehenden Kinder. Das Vermögen derjenigen Kinder, welche nicht mit den Eltern auswandern, wird im Lande zurückbehalten '). § 34. Wer ohne einen ihm zugestandenen Vorbehalt des 35 ') Durch das Verfassungsgesetz vom 20. Dezember 1888 aligeändert. -') Der § 31 ist durch reichsgesetzliche Bestimmungen ersetzt. :i ) § 32 ist grösstenteils ausser Wirkung gesetzt. 4 ) § 33 hat keine Gültigkeit mehr. 209 Staatsbürgerrechtes in auswärtige Staatsdienste tritt, wird desselben verlustig 1 ). § 35. Wer in einem fremden .Staate eine bleibende Wohnung nimmt, kann sein Württembergisches Staatsbürgerrecht nur mit • r j Königlicher Bewilligung und unter der Bedingung beibehalten, dass er den ihm obliegenden staatsbürgerlichen Pflichten in jeder Hinsicht Genüge leiste 2 ). § 36. Jeder hat das Recht, über gesetz- und ordnungswidriges Verfahren einer Staatsbehörde oder Verzögerung der Entscheidung 10 bei der unmittelbar vorgesetzten Stelle schriftliehe Beschwerde zu erheben und nötigenfalls stufenweise bis zur höchsten Behörde zu verfolgen. § 37. Wird die angebrachte Beschwerde von der vorgesetzten Behörde unbegründet gefunden, so ist letztere verpflichtet, den 15 Beschwerdeführer über die Gründe ihres Urteils zu belehren. § 38. Glaubt der Beschwerdeführer sieh auch bei der Entscheidung der obersten Staatsbehörde nicht beruhigen zu können, so darf er die Beschwerde den Ständen mit der schriftliehen Bitte um Verwendung vortragen. Haben sieh diese überzeugt, dass jene 20 Stufenfolge beobachtet worden und die Beschwerde eine Berücksichtigung verdiene, so ist ihnen auf ihr Verlangen von dein Königliehen Geheimen Rate 8 ) die nötige Auskunft über den Gegenstand zu erteilen. § 39. Der ritterschaftliche Adel des Königreichs bildet zum 25 Behuf der Wahl seiner Abgeordneten in die Stände-Versammlung und der Erhaltung seiner Familien in jedem der vier Kreise eine Körperschaft. § 40. I>ic Aufnahme in eine dieser Körperschaften hängt von ihrer Zustimmung und der Genehmigung des Königes ab. In 3 0 Beziehung auf die Aufnahme adelicher Besitzer immatrikulierter Rittergüter soll jedoch durch die Statute dieser Körperschaften das Nähere festgesetzt werden. § 41. (iledachte Statute erhalten eben auf die Art wie andere Landesgesetze verbindliche Kraft. 35 $ 42. Den Mitgliedern der Ritterschaft stehen alle allgemeinen staatsbürgerlichen Rechte zu. ') Wie. § 33. -) Wie § 33. ■■) Durch (iesetz vom 1. .Juli 1870: von dem Königl. Staatsministerium. Wtirtt. GoBoWohtsqueUe« XI. l"* 210 Die näheren Bestimmungen über die Ausübung der im XIV. Artikel der Bundesakte der Ritterschaft zugesicherten Rechte werden den Ständen mitgeteilt. Kapitel IV. Von den Staats-Behörden. A. Allgemeine Bestimmungen. 5 § 43. Die Staatsdiener werden, soferne nicht Verfassung oder besondere Rechte eine Ausnahme begründen, durch den König ernannt, und zwar — die Kollegialvorstände ausgenommen — auf Vorschläge der vorgesetzten Kollegien, wobei jedesmal alle Bewerber aufzuzählen sind. 10 § 44. Niemand kann ein Staatsamt erhalten, ohne zuvor gesetzmässig geprüft und für tüchtig erkannt zu sein. Landes- eingehorene sind bei gleicher Tüchtigkeit vorzugsweise vor Fremden zu berücksichtigen. § 45. In den Diensteid, welchen sämtliche Staatsdiener dem 15 Könige abzulegen haben, ist die Verpflichtung aufzunehmen, die Verfassung gewissenhaft zu wahren. § 46. Kein Staatsdiener, der ein Richteramt bekleidet, kann aus irgend einer Ursache ohne richterliches Erkenntnis seiner Stelle entsetzt, entlassen, oder auf eine geringere versetzt werden '). 20 § 47, Ein Gleiches hat bei den übrigen Staatsdienern statt, wenn die Entfernung aus der bisherigen Stelle wegen Verbrechen oder gemeiner Vergehen geschehen soll. Es kann aber gegen dieselben wegen Unbrauchbarkeit und Dienstvcrfehlungen auch auf Kollegialanträge der ihnen vorgesetzten Behörden und des Geheimen 25 Rates die Entlassung oder Versetzung auf ein geringeres Amt durch den König verfügt werden; jedoch hat in einem solchen Falle der Geheime Rat zuvor die oberste .Tustizstelle gutachtlich zu vernehmen, ob in rechtlicher Hinsicht bei dem Antrage der Kollegialstelle nichts zu erinnern sei. 30 Nach diesem Grundsatze sind auch die Vorsteher und übrigen Beamten der Gemeinden und anderer Körperschaften zu behandeln 2 ). § 48. Die nämlichen Bestimmungen, wie bei Entlassungen und Versetzungen auf eine geringere Stelle, treten bei Suspensionen ein, welche mit Verlust des Amtsgehaltes verbunden sind 8 ). 35 § 49. Versetzungen der Staatsdiener ohne Verlust an Gehalt ') Ersetzt durch das Beamtengesetz vom 28. Juni 1876 Art. 116. -) Ersetzt namentlich durch das Beamtengesetz. ••> Wie § 47. 211 und Ran»' können nur aus erheblichen Gründen und nach vorgängigem Gutachten des Departements-Chefs verfügt werden. Staatsdiener, welche ohne ihr Ansuchen versetzt -werden, erhalten für die Umzugskosten die gesetzliche Entschädigung l ). 6 § 50. Für die Staatsdiener, welche durch Krankheit oder Alter zur Führung ihres Amtes unfähig geworden sind, sowie für die Hinterbliebenen der Staatsdiener ist durch ein Gesetz gesorgt. § 51. Alle von dem Könige ausgehenden Verfügungen, welche die »Staatsverwaltung betreffen, müssen von dem Departements- 10 Minister oder Chef kontrasigniert sein, welcher dadurch für ihren Inhalt verantwortlich wird. § 52. Ausserdem ist jeder Departements-Minister oder Chef für dasjenige verantwortlich, was er für sich verfügt, oder was ihm vermöge des ihm zugewiesenen Geschäftskreises zu thun oder 15 zu verfügen obliegt. § 53. Auf gleiche Weise (§ 52) sind auch die übrigen Staatsdiener und Behörden in ihrem Geschäftskreise verantwortlich; sie haben bei eigener Verantwortlichkeit nur die ihnen von den geeigneten Stellen in der ordnungsmässigen Form zukommenden An- 20 Weisungen zu beobachten. Sind sie im Zweifel, ob die Stelle, welche ihnen einen Auftrag erteilte, dazu kompetent sei, so haben sie darüber bei ihrer vorgesetzten Behörde anzufragen, so wie ihnen auch obliegt, wenn sie bei dem Inhalt einer höheren Verfügung Anstände finden, solche 25 auf geziemende Weise und unter Vermeidung jeder nachteiligen Verzögerung, der verfügenden Stelle vorzutragen, im Fall eines beharrenden Bescheids aber die Verfügung zu befolgen. B. Von dem Geheimen-Rate insbesondere. § 54. Der Geheime Rat bildet die oberste, unmittelbar unter 30 dem Könige stehende und seiner Hauptbestimmung nach bloss beratende Staatsbehörde 2 ). § 55. Mitglieder des Geheimen Rates sind die Minister oder die Chefs der verschiedenen Departements und diejenigen Räte, welche der König dazu ernennen wird. 35 § 56. Die Verwaltungs-Departements, an deren Spitze die verschiedenen Minister stehen, sind folgende: das Ministerium des Justiz; ') Wie § 47. 2 ) Abgeändert durch das Gesetz über das Staatsministerium von 1876. 14* 212 das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten; das Ministerium des Innern; das des Kirchen-und Schulwesens; das Ministerium des Kriegswesens, und das Ministerium der Finanzen. § 57. Der König ernennt und entlässt die Mitglieder des 5- Geheimen Rates nach eigener freier Entscldiessung. Wird ein Mitglied des Geheimen Rats entlassen, ohne dass Dienstentfernung gegen dasselbe gerichtlich erkannt wäre, so behält ein Minister 4000 fl. als Pension, und ein anderes Mitglied des Geheimen Rats die Hälfte seiner Besoldung, sofern dein einen oder 10 dem anderen nicht durch Vertrag eine andere Summe, welche .jedoch zwei Drittel des Gehalts nicht übersteigen wird, zugesichert worden ist 1 ). § 58. Alle dem Könige vorzulegenden Vorschläge der Minister in wichtigen Angelegenheiten, namentlich in solchen, welche auf 1& die Staatsverfassung, die Organisation der Behörden und die Abänderung der Tcrritorialeintcilung, oder auf die Staatsverwaltung .im allgemeinen und die Normen derselben sich beziehen, wie auch in Gegenständen der Gesetzgebung und allgemeiner Verordnungen, so weit es sich von deren Erlassung, Abänderung, Aufhebung oder 20 authentischen Erklärung handelt, müssen, soferne nicht bei Gegenständen des Departements der auswärtigen Angelegenheiten oder des Kriegswesens die.Natur der Sache eine Ausnahme begründet, in dem Geheimen Rate zur Beratung vorgetragen, und mit dessen Gutachten begleitet an den König gebracht werden-). 25 § 59. Uebrigens gehören zu dem Geschäftskreise des Geheimen Rats als beratender Behörde: 1. alle ständischen Angelegenheiten; 2. Anträge auf Entlassung oder Zurücksetzung eines Staatsdieners nach § 47; 30 3. Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Justiz- und Verwaltungsbehörden ; 4. die Verhältnisse der Kirche zum Staate, oder auch Streitigkeiten einzelner Kirchen unter einander, wenn die Zentralstellen dieser Kirchen sich nicht vereinigen können; S& 5. alles, was dem Geheimen Rate von dem Könige zur Beratung besonders aufgetragen wird*). ') Geändert durch das Beamtengesetz. -) Wie § 54. ») Wie § 54. 213 § 60. Als entscheidende und verfügende Behörde wirkt der Geheime Rat: 1. bei Rekursen von Verfügungen der Departementsminister, wobei jedesmal die Vorstände des Obertribunals zuzuziehen sind; 5 2. bei Rekursen von Straferkenntnissen der Administrativstellen, wobei sechs Rechtsgelehrte zugegen sein müssen, deren Zahl erforderlichenfalls durch Mitglieder des Obertribunals vom Präsidenten abwärts zu ergänzen ist; 3. Im Falle des § 30 3 ). !0 § 61. Kein Mitglied des Geheimen Rates kann ausser dem Falle, wenn der Gegenstand dasselbe persönlich angeht, von der Teilnahme an den kollegialischen Beratschlagungen ausgeschlossen werden. Kapitel V. Von den Gemeinden und Amts-Körperschaften. § 62. Die Gemeinden sind die Grundlagen des Staatsvereines. !5 Jeder Staatsbürger muss daher, soferne nicht gesetzlich eine Ausnahme besteht, einer Gemeinde als Bürger oder Beisitzer angehören 2 ). § 63. Die Aufnahme der Gemeindebürger und Beisitzer :i ) hängt von der Gemeinde ab, unter Vorbehalt der gesetzmässigen Entscheidung der Staatsbehörden in streitigen Fällen. Indessen 20 setzt die Erteilung des Bürger- und Beisitzrechtes die vorgängige Erwerbung des Staatsbürgerrechtes voraus. § 64. Sämtliche zu einem Oberamt gehörigen Gemeinden bilden die Amtskörperschaft. Veränderung der Oberamtsbezirke ist Gegenstand der Gesetzgebung. 2B § 65. Die Rechte der Gemeinden werden durch die Gemeinderäte unter gesetzmässiger Mitwirkung der Bürgerausschüsse, die Rechte der Amtskörperschaften durch die Amtsversammlungen verwaltet, nach Vorschrift der Gesetze und unter der Aufsicht der Staatsbehörden. 8ü § 66. Keine Staatsbehörde ist befugt, über das Eigentum der Gemeinden und Amtskörperschaften mit Umgehung oder Hintansetzung der Vorsteher zu verfügen. § 67. Weder die Amtskörperschaften, noch einzelne Gemeinden, sollen mit Leistungen und Ausgaben beschwert werden, wozu sie 35 nicht vermöge der allgemeinen Gesetze, oder kraft der Lagerbücher oder anderer besonderer Rechtstitel verbunden sind. ') Wie § 54. -) Dieser Satz ist nicht mehr gültig. :1 ) Das Beisitzrecht ist verschwunden. 214 § 68. Was nicht auf örtliche Bedürfnisse der Gemeinden oder Amtskörperschaften, sondern zur Erfüllung allgemeiner Landesverbindlichkeiten zu verwenden ist, kann nur auf das gesamte Land verteilt werden. § 69. Sämtliche Vorsteher der Gemeinden und Amtskörper- 5 Schäften sind ebenso wie die .Staatsdiener, auf Festhaltung der Verfassung, und insbesondere auch auf Wahrung der dadurch begründeten Rechte der Gemeinden und Körperschaften zu verpflichten. Kapitel VI. Von dem Verhältnisse der Kirchen zum Staate. § 70. Jeder der drei im Königreiche bestehenden christlichen 10 Konfessionen wird freie öffentliche Religionsübung, und der volle Genuss ihrer Kirchen-, Schul- und Armenfonds zugesichert 1 ). § 71. Die Anordnungen in Betreff der innern kirchlichen Angelegenheiten bleiben der verfassungsmässigen Autonomie einer jeden Kirche überlassen. 15 § 72. Dem Könige gebührt das obersthoheitliche Schutz- und Aufsichtsrecht über die Kirchen. Vermöge desselben können die Verordnungen der Kirchengewalt ohne vorgängige Einsicht und Genehmigung des Staatsoberhauptes weder verkündet, noch vollzogen werden 2 ). 20 § 73. Die Kirchendiener sind in Ansehung ihrer bürgerlichen Handlungen und Verhältnisse der weltlichen Obrigkeit unterworfen. § 74. Kirchen- und Schuldiencr, welche durch Altersschwäche oder eine ohne Hoffnung der Wiedergenesung andauernde Kränklichkeit zu Versehung ihres Amtes unfähig werden, haben Anspruch 25 auf einen angemessenen lebenslänglichen Ruhegehalt. § 75. Das Kirchenregiment der evangelisch-lutherischen Kirche wird durch das Königliche Konsistorium und den Synodus nach den bestehenden oder künftig zu erlassenden verfassungsmässigen Gesetzen verwaltet. 30 § 76. Sollte in künftigen Zeiten sich der Fall ereignen, dass der König einer andern, als der evangelischen Konfession zugethan wäre, so treten alsdann in Hinsicht auf dessen Episkopalrechte die dahin gehörigen Bestimmungen der früheren Religions-Rever- salien ein ;i ). 35 ') Die rechtlichen Verhältnisse der Israeliten sind besonders geordnet. -) Gilt bezüglich der rein geistlichen Gegenstände nicht mehr für die katholische Kirche. :, j Ersetzt durch das Gesetz vom 28. März 1898. 215 tj 77. Die abgesonderte Verwaltung des evangelischen Kirchenguts des vormaligen Herzogtums Württemberg wird wieder hergestellt. Zu dem Ende wird ungesäumt eine gemeinschaftliehe Kommission niedergesetzt, welche zuvörderst mit der Ausscheidung 5 des Eigentums dieser Kirche in dem alten Lande und mit Bestimmung der Teilnahme der Kirche gleicher Konfession in den neuen Landesteilen sich zu beschäftigen, und sodann über die künftige Verwaltungsart desselben Vorschläge zu machen hat 1 ). § 78. Die Leitung der innern Angelegenheiten der katho- 10 lischen Kirche steht dem Landesbischofe nebst dem Domkapitel zu. Derselbe wird in dieser Hinsicht mit dem Kapitel alle diejenigen Rechte ausüben, welche nach den Grundsätzen des katholischen Kirchenrechtes mit jener Würde wesentlich verbunden sind. § 79. Die in der Staatsgewalt begriffenen Rechte über die 15 katholische Kirche werden von dem Könige durch eine aus katholischen Mitgliedern bestehende Behörde ausgeübt, welche auch bei Besetzung geistlicher Aemter, die von dem Könige abhängen, jedesmal um ihre Vorschläge vernommen wird. § 80. Die katholischen Kirchendiener gemessen eben dieselben 20 persönlichen Vorrechte, welche den Dienern der protestantischen Kirchen eingeräumt sind. § 81. Auch wird darauf Rücksicht genommen werden, dass katholische Geistliche, welche sich durch irgend ein Vergehen die Entsetzung vom Amte zugezogen haben, ohne zugleich ihrer geist- 25 liehen Würde verlustig geworden zu sein, ihren hinreichenden Unterhalt finden. § 82. Die katholische Kirche erhält zur Bestreitung derjenigen kirchlichen Bedürfnisse, wozu keine örtlichen Fonds vorhanden sind, oder die vorhandenen nicht zureichen, und besonders für die Kosten 30 der höheren Lehranstalten, einen eigenen, diesen Zwecken ausschliesslich gewidmeten Kirchenfond. Zum Behufe der Ausscheidung desselben vom .Staatsgut, und der näheren Bestimmung der künftigen Verwaltungsweise, wird auf gleiche Art, wie oben (§ 77) bei dem altwürttembergisclien Kirchengute festgesetzt ist, eine Kornea mission niedergesetzt werden -'). § 83. Was die in dein Königreiche befindlichen reformirten Kirchengemeinden betrifft, so wird sowohl auf Verbesserung ihrer ') Ist nicht ausgeführt worden. -) Wie § 77. 2 IG kirchlichen Einrichtung und besonders ihrer Unterrichtsanstalten, als auch auf Ausinittlung hinreichender Einkünfte zum Unterhalt ihrer Kirchen- und Schuldiener und zu Bestreitung der übrigen kirchlichen Bedürfnisse gesorgt werden. § 84. Für Erhaltung und Vervollkommnung der höheren und 5 niederen Unterrichtsanstalten jeder Art und namentlich der Landes- universit'ät wird auch künftig auf das zweckmässigste gesorgt. Kapitel VII. Von Ausübung der Staats-Gewalt. § 85. Der König vertritt den Staat in allen seinen Verhältnissen gegen auswärtige Staaten. Es kann jedoch ohne Einwilligung 10 der Stände durch Verträge mit Auswärligen kein Teil des Staatsgebietes und Staatseigentums veräussert, keine neue Last auf das Königreich und dessen Angehörige übernommen und kein Landesgesetz abgeändert oder aufgehoben, keine Verpflichtung, welche den Rechten der .Staatsbürger Eintrag thun würde, eingegangen, nament- 15 lieh auch kein Handelsvertrag, welcher eine neue gesetzliche Einrichtung zur Folge hätte, und kein Subsidienvcrtrag zu Verwendung der Königlichen Truppen, in einem Deutschland nicht betreffenden Kriege, geschlossen werden '). § 86. Der König wird von den Traktaten und Bündnissen, '20 welche von ihm mit auswärtigen Mächten angeknüpft werden, die Stände in Kenntnis setzen, sobald es die Umstände erlauben'-). $ 87. Alle Subsidien und Kriegskontributionen, sowie andere ähnliche Entschädigungsgelder und sonstige Erwerbungen, welche dem Könige zufolge eines Staatsvertrages, Bündnisses oder eines 25 Krieges zu teil werden, sind Staatseigentum. § 88. Ohne Beistimmung der Stände kann kein Gesetz gegeben, aufgehoben, abgeändert oder authentisch erläutert werden ;1 ). § 89. Der König hat aber das Recht, ohne die Mitwirkung der Stände die zu Vollstreckung und Handhabung der Gesetze 30 erforderlichen Verordnungen und Anstalten zu treffen, und in dringenden Fällen zur Sicherheit des Staates das Nötige vorzukehren. c^ 90. Ehen diese Bestimmungen (§§ 88, 89) linden auch bei den Gesetzen, Verordnungen und Anstalten im Landespolizei- wesen statt. 35 § 91. Alle Gesetze und Verordnungen, welche mit einer aus- ') Durch Eintritt in das Reich abgeändert. -) Wie § 85. 8 ) Jetzl gehen die Reichs- den Landesgesetzen vor. 217 drückliehen Bestimmung der gegenwärtigen Verfassungs-Urkunde in Widerspruch stehen, sind hiedurch aufgehoben. Die übrigen sind der verfassungsmässigen Reform unterworfen. $ 02. Die Gerichtsbarkeit wird im Namen des Königs und 5 unter dessen Oberaufsicht durch kollegialiseh gebildete Gerichte in gesetzlicher Instanzenordnung verwaltet'). $ 93. Die Gerichte, sowohl die bürgerlichen als die peinlichen, sind innerhalb der Grenzen ihres Berufes unabhängig; § i)4. Der Königliche Fiskus wird in allen Privatrechts- 10 Streitigkeiten bei den ordentlichen Gerichten Recht geben und nehmen. § 95. Keinem Bürger, der sich durch einen Akt der Staatsgewalt in seinem auf einem besonderen Titel beruhenden Privatrechte verletzt glaubt, kann der Weg zum Richter verschlossen werden. 15 t} 96. Die Erkenntnisse der Kriminalgerichte bedürfen, um in Rechtskraft überzugehen, keiner Bestätigung des Regenten. § 97. Dagegen steht dem Könige zu, Straferkenntnisse vermöge des Begnadigungsrechtes auf erforderten und erstatteten Bericht des erkennenden Gerichtes aufzuheben oder zu mildern. 2,1 Es sind daher die Kriminalgerichte nicht nur verbunden, in schweren Fällen die Akten samt ihrem Erkenntnisse vor der Eröffnung desselben durch das Königliche Justizministerium dem Kömige zum Behuf einer etwaigen Begnadigung vorzulegen, sondern es kann auch nach Eröffnung des Erkenntnisses der Verurteilte sich an die 2:1 Gnade des Königs wenden. Auf gleiche AVeise kann auch, wenn nach dem Gutachten des Königlichen Justizministeriums hinlängliche Gründe dazu vorhanden sind, vermöge des dem Könige zustehenden Abolitions- rechtes, noch ehe das Verbrechen oder Vergehen untersucht, oder 30 über die Bestrafung erkannt worden ist, alles Verfahren gegen den liesehuldigten eingestellt und niedergeschlagen werden. Der König wird jedoch bei Ausübung sowohl des einen, als des andern Rechtes darauf Rücksicht nehmen, dass dem Ansehen und der Wirksamkeit der .Strafgesetze dadurch nicht zu nahe ge- 35 treten werde. § 98. Die Strafe der Vermögens-Konfiskation ist allgemein aufgehoben. § 99. Was die Militärverfassung betrifft, so wird die Zahl ') Jetzt durch die Reichsjustizgesetzgebung becinflusst. 218 der zu Ergänzung des Königlichen Militärs jährlich erforderlichen Mannschaft mit den Ständen verabschiedet 1 ). § 100. Die Auswahlordnung, die nähere Bezeichnung der übrigen Landesverteidigungsanstalten und der Verbindlichkeit der Staatsbürger, sich ausserhalb des regulären Militärs zu dein Waffen- 5 dienste tüchtig zu machen, die bürgerlichen Verhältnisse der unter dem Militär befindlichen Staatsangehörigen, die militärischen Strafgesetze, wie auch die Bestimmung der Fälle, in welchen das Königliche Militär ausnahmsweise bei den Bürgern einquartiert werden kann, sind Gegenstände der Gesetzgebung und Gesetzrevision-). 10 § 101. Für die Unterstützung der Militärpersonen, welche im Dienste des Vaterlandes ihre Kräfte aufgeopfert haben, so wie ihrer Hinterbliebenen, ist durch ein Gesetz gesorgt. Kapitel VIII. Von dem Finanz-Wesen. § 102. Sämtliche zu dem vormaligen Herzoglich Württem- 15 bergischen Familienfideikommisse gehörigen, sowie die von dem Könige neu erworbenen Grundstücke, Gefälle und nutzbaren Rechte, bilden, mit Ausschluss des sogenannten Hofdomänenkamm ergutes, das Königliche Kammergut. § 103. Auf demselben haftet die Verbindlichkeit, neben den 20 persönlichen Bedürfnissen des Königs als Staatsoberhauptes und der Mitglieder des Königlichen Hauses, auch den mit der .Staatsverwaltung verbundenen Aufwand, soweit es möglich ist, zu bestreiten; es kommt ihm daher die Eigenschaft eines von dem Königreich unzertrennlichen Staatsgutes zu. 25 § 104. Für den Aufwand, welchen die Bedürfnisse des Königs und der Hofstaat erfordern, wird auf die Regierangszeit eines jeden Königs eine teils in Geld, teils in Naturalien bestehende Zivilliste verabschiedet, deren Betrag in bestimmten Raten an die von dem Könige zu benennende Verwaltungsstelle abgegeben wird. 3° § 105. Die Apanagen, Wittume, Heiratgüter und andere dergleichen Leistungen, welche die Mitglieder des Königlichen Hauses in Anspruch zu nehmen haben, werden an diese von der Staatskasse unmittelbar entrichtet. § 10G. Die Kosten der Hofhaltung des Reichsverwesers werden 35 aus den Mitteln der Zivilliste bestritten; die Apanage desselben wird bis zum Betrage der einem Kronprinzen gebührenden erhöht. ') Jetzt Reichssache. ') Wie g 99. 219 § 107. Das Kammergut ist in seinem wesentlichen Bestände zu erhalten, und kann daher ohne Einwilligung der Stände weder durch Veräusserung vermindert, noch mit Schulden oder sonst mit einer bleibenden Last beschwert werden. 5 Als eine Verminderung des Kammergutes ist es jedoch nicht anzusehen, wenn zu einer entschieden vorteilhaften Erwerbung ein Geldanlehen aufgenommen, oder zum Vorteil des Ganzen eine Veräusserung oder Austauschung einzelner minder bedeutender Bestandteile desselben vorgenommen wird. Es muss aber den Ständen in lo jedem Jahre eine genaue Berechnung über den Erlös aus solchen Veräusserungen und über dessen Wiederverwendung zum Grundstocke vorgelegt werden. Auch ist unter Veräusserung der Fall nicht begriffen, wenn vom Könige ein heimfallendes Lehen zur Belohnung ausgezeichneter 15 Verdienste um den Staat wieder verliehen wird 1 ). § 108. Das oben (§ 102) erwähnte Hofdomänenkammergut ist ein Privateigentum der Königlichen Familie, dessen Verwaltung und Benutzung dem Könige zusteht; der Grundstock darf nicht vermindert werden; es gelten jedoch, was die Aufnahme von Geld- 2t) anlehen zu einer vorteilhaften Erwerbung und die Veräusserung oder Austauschung einzelner minder bedeutenden Bestandteile zum Vorteil des Ganzen betrifft, die in dem vorigen § bei dem Kammergut angegebenen Verwaltungsgrundsätze. Zu den allgemeinen Landeslasten liefert das Hofdomänenkammergut seinen Beitrag, und zwar, 25 soweit es bisher steuerfrei war, gleich andern früher steuerfreien Gütern. § 109. Soweit der Ertrag des Kammergutes nicht zureicht, wird der Staatsbedarf durch Steuern bestritten. Ohne Verwilligung der Stände kann weder in Kriegs- noch in Friedenszeiten eine 30 direkte oder indirekte Steuer ausgeschrieben und erhoben werden. § 110. Dem Ansinnen einer Steuerverwilligung muss jedesmal eine genaue Nachweisung über die Notwendigkeit oder Nützlichkeit der zu machenden Ausgaben, über die Verwendung der früheren Staatseinnahmen und über die Unzulänglichkeit der Kammer- 35 einkünfte vorangehen. § 111. Zu dem Ende hat der Finanzminister den Hauptetat den Ständen zur Prüfung vorzulegen. Die einzelnen Minister haben die Ausgaben für ihre .Ministerien zu erläutern. 'I Der letzte Absatz ist durch Aufhebung des Lehenverbandes weggefallen. 220 § 112. Der von den Ständen anerkannte und angenommene Hauptetat ist in der Regel auf drei .Iniire gültig 3 ). § 118. Die Verwilligung der Steuern darf nicht an lie- dingungen geknüpft werden, welche die Verwendung- dieser Steuern nicht unmittelbar betreffen. - 5 § 114. Die auf einen gewissen Zeitraum verwilligten Jahressteuern werden nach Ablauf dieses Zeitraumes in gleichem Masse, auch im ersten Drittel des folgenden Jahres auf Rechnung der neuen Verwilligung eingezogen. § 115. Die verwilligten Steuern werden auf die Amtskörper- 10 schatten ausgeschrieben, und von diesen sowohl auf die; einzelnen Gemeinden, als auch auf die in keinem Gemeindeverbande stellenden (üiterbesitzer 2 ) verteilt. Letztere liefern ihre Steueranteile unmittelbar an die Amtspflegen. § 116. Von den Amtspflegern, sowie von den Obcreinbringcrn 15 der indirekten Steuern, werden die Steuergelder teils an die Staatskasse, teils an die Schuldenzahlungskasse, nach der deshalb bei der Verwilligung zu treffenden Verabschiedung eingeliefert. Die erwähnten Steuereinnehmer sind dafür verantwortlich, dass sie die eingehenden Steuergelder unter keinem Vorwande an eine andere, 20 als an die durch die Verabschiedung bestimmte Kasse, oder auf eine von derselben im gesetzlichen Wege ausgestellte Anweisung verabfolgen. tj 117. Die höhere Leitung des Einzuges der direkten und indirekten Steuern ist einer Zentralbehörde übertragen. Diese hat 25 die Accorde über indirekte Steuern zu schliesscn, die Reparation der direkten zu unterwerfen, für deren Beitreibung zu sorgen, über Steuernachlässe nach verabschiedeten Grundsätzen Anträge zu machen, und diese, sowie die Steuerrepartition, dem Finanzministerium vorzulegen. 30 § 118. Das Finanzministerium hat den Ständen die ihm vorgelegte Steuerrepartition, sowie monatlich den Kassenbericht über die eingegangenen Steuern und etwaigen Ausstände, mitzuteilen. § 119. Die Staatsschuld, worunter auch diejenige begriffen ist, welche derzeit noch auf den neuen Landesteilen haftet, ist unter 35 die Gewährleistung der Stände gestellt. § 120. Die Schuldenzahlungskasse wird nach den Normen ') Üblich sind zweijährige Perioden (seit 1871/73). -) Jetzt stehen alle in einein Geineindeverband. 221 eines zu verabschiedenden Statuts von ständischen, durcb die Regierung bestätigten Beamten, unter Leitung und Verantwortlichkeit der Stünde, verwaltet. tj 121. Es werden dem ständischen Ausschusse monatliche 5 Kassenberichte gedoppelt ausgefertigt übergeben, und jener hat jedesmal Ein Exemplar dem Finanzministerium mitzuteilen. § 122. Der Regierung steht vermöge des Oberaufsichtsrechtes frei, von dem Zustande dieser Kasse zu jeder Zeit Einsicht nehmen zu lassen. 10 fcj 123. Die Jahresrechnung über dieselbe wird von einer Königlichen und ständischen Kommission abgehört, das Resultat aber öffentlich durch den Druck bekannt gemacht. Kapitel IX. Von den Land-Ständen. § 124. Die Stände sind berufen, die Rechte des Landes in 15 dem durch die Verfassung bestimmten Verhältnisse zum Regenten geltend zu machen. Vermöge dieses Berufes haben sie bei Ausübung der Gesetzgebungsgewalt durch ihre Einwilligung mitzuwirken, in Beziehung auf Mängel oder Missbräuche, die sich bei der Staatsverwaltung ergeben, ihre Wünsche, Vorstellungen und Beschwerden 20 dem Könige vorzutragen, auch wegen verfassungswidriger Handlungen Klage anzustellen, die nach gewissenhafter Prüfung für notwendig erkannten Steuern zu verwilligen, und überhaupt das unzertrennliche Wohl des Königes und des Vaterlandes mit treuer Anhänglichkeit an die Grundsätze der Verfassung zu befördern. 25 § 125. Angelegenheiten, welche, der (§ 124) angegebenen Bestimmung zufolge, vor die gesamten Stände gehören, werden in keinem Falle, weder von dein Könige und der Regierung, noch von den Landständen und dem ständischen Ausschüsse, an einzelne Stände gebracht, oder die Erklärungen einzelner ständischer Mit- 30 glieder, Städte oder Oberamtsbezirke darüber eingefordert werden. § 126. Der Geheime Rat 1 ) ist die Behörde, durch welche sowohl der König seine Eröffnungen an die Stände erlassen wird, als auch letztere! ihre Erklärungen, Bitten und Wünsche an den König zu bringen haben. 3o Der Geheime Rat hat dieselben jedesmal dem Könige vorzulegen, wenn er nicht Anstände dabei findet, welche ihn veranlassen, vor der Vorlegung an den König mit den Landständen Rücksprache zu nehmen. ') Jetzt das StaatsHiinisterium. 222 Die Antrüge der Stände sind von ihm mit seinen auf die Verfassung gegründeten Berichten und Gutachten zu begleiten. § 127. Der König wird alle drei Jahre die Versammlung der Stände (Landtag) einberufen; und ausserordentlich erweise, so oft es zur Erledigung wichtiger oder dringender Landesangelegenheiten 6 erforderlich ist. Audi werden bei jeder Regierungsveränderung die Stände innerhalb der ersten vier Wochen versammelt werden. § 128. Die Stände teilen sieb in zwei Kannnern. § 12!). Die erste Kammer (Kammer der Standesherrn) bestellt: 10 1. aus den Prinzen des Königlichen Hauses; 2. aus den Häuptern der fürstlichen und gräflichen Familien und den Vertretern der standesherrlichen Gemeinschaften, auf deren Besitzungen vormals eine Reichs- oder Kreistagsstimme geruht hat; 15 3. aus den von dem Könige erblich oder auf Lebenszeit ernannten Mitgliedern '). § 130. Zu erblichen Mitgliedern wird der König nur solche Gutsbesitzer aus dem standesherrlichen oder ritterschaftlichen Adel ernennen, welche von einem mit Fideikommiss belegten, nach dem 20 Rechte -der Erstgeburt sich vererbenden Grundvermögen im Königreiche, nach Abzug der Zinsen aus den darauf haftenden Schulden, eine jährliche Rente von sechstausend Gulden beziehen'). § 131. Die lebenslänglichen Mitglieder werden vom Könige, ohne Rücksieht auf Geburt und Vermögen, ans den würdigsten 25 Staatsbürgern ernannt"). § 132. Die Zahl sämtlicher von dem Könige erblich oder auf lebenslang ernannten Mitglieder kann den dritten "feil der übrigen Mitglieder der ersten Kammer nicht übersteigen '). § 133. Die zweite Kammer (Kammer der Abgeordneten) ist 30 zusammengesetzt: 1. aus dreizehn Mitgliedern des rittersehaftlichen Adels, welche von diesem aus seiner Mitte gewählt werden; 2. aus den sechs protestantischen Generalsupcrintcndcnten; 3. aus dem Landesbischof, einem von dem Domkapitel aus 35 ') Geändert durch das VorfaHsung-sg-esetz vom 16. Juli 1006. -') Wie § 120. "i Wie § 129. ') Wie § 120. 223 dessen Mitte gewählten Mitgliede und dem der Amtszeit nach ältesten Dekan katholischer Konfession; 4. aus dem Kanzler der Landesuniversität; 5. aus einem gewählten Abgeordneten von jeder der .Städte 5 Stuttgart, Tübingen, Ludwigsburg, Klhvangen, Ulm, Heilbronn und Reutlingen; 6. ans einem gewählten Abgeordneten von jedem Oberamtsbezirke 1 ). § 134. Der Eintritt in die erste Kammer geschieht bei den 10 Prinzen des Königlichen Hauses und den übrigen erblichen Mitgliedern nach zurückgelegtem Alter der Minderjährigkeit, deren Dauer bei den ersteren von der hausgesetzlichen, bei den letzteren von der gemeinrechtlichen Bestimmung abhängt. In die zweite Kammer kann keiner gewählt werden, welcher 15 noch nicht das dreissigste Lebensjahr zurückgelegt hat 2 ). § 135. Die allgemeinen Erfordernisse eines Mitgliedes der Ständeversammlung sind folgende: 1. dasselbe muss einem der drei christlichen Glaubensbekenntnisse angehören und das württembergische Staatsbürgerrecht 20 haben; 2. dasselbe darf weder in eine Kriminaluntersuchung verflochten, noch durch gerichtliches Erkenntnis zur Dienstentsetzung, zur Festungsstrafe mit Zwang zu öffentlichen Arbeiten oder angemessener Beschäftigung, oder zum Zuchthaus verurteilt 25 worden, oder wegen eines angeschuldigten Verbrechens bloss c i von der Instanz entbunden sein; 3. es darf kein Konkurs gegen dasselbe gerichtlich eröffnet sein und selbst nach geendigtem Konkursverfahren dauert seine Unfähigkeit fort, wenn es wegen Vermögenszerrüttung gestraft 30 worden ist. Jedoch werden die erblichen Mitglieder der ersten Kammer durch die Erkennung einer Debitkommission von der Stimmführung nicht ausgeschlossen, wenn ihnen eine Kompetenz von wenigstens zweitausend Gulden ausgesetzt ist. Endlich 35 4. darf ein Mitglied der Ständeversammlung weder unter väterlicher Gewalt, noch unter Vormundschaft, noch unter Privatdienstherrschaft stehen '). ') Wie § 129. -) Absatz 2 wir § 129. :, l Wie 8 129. 224 § 136. Die dreizehn ritterschaftlichen Mitglieder der zweiten Kammer werden von den immatrikulierten Besitzern oder Teilhabern der Rittergüter nach den vier Kreisen des Königreichs, in den Kreisstädten, unter der Leitung des betreffenden Regierungspräsidenten mit Zuziehung zweier Mitglieder der Ritterschaft, aus sämtlichen 5 Mitgliedern ritterschaftlicher Familien gewählt'). § 187. Die Abgeordneten von den Städten, die eigenes Land- standschaftsrecht haben, und von den Oberamtsbezirken, werden durch die besteuerten Bürger jeder einzelnen Gemeinde gewählt' 2 ). § 138. Die Zahl der Wählenden verhält sieh zur Zahl der 10 sämtlichen Bürger einer Gemeinde wie eins zu sieben, so dass z. B. auf 140 Bürger (ungefähr 700 Einwohnern) zwanzig Wahlmänner kommen :l ). § 139. Zwei Dritteile der Wahlmänner bestehen aus denjenigen Bürgern, welche im nächstvorhergegangenen Finanzjahre 1 5 die höchste ordentliche direkte Steuer, sei es aus eigenem oder aus nutzniesslichein Vermögen, an den Staat zu entrichten hatten. Diese werden jedesmal vor Anstellung einer Wahl von dem Ortsvorsteher nebst dem Steuereinbriuger, dem Obmann des Bürgerausschusses und dem Ratsschreiber, oder wenn dessen Amt mit 20 der Stelle eines Ortsvorstehers vereinigt ist, dem ersten Gemeinderat, aus dem Steuerregister, als Wahlmänner aufgezeichnet'). {5 140. Das letzte Dritteil der Wahlmänner wird von den übrigen Steuerkontribuenten, unter der Leitung des Ortsvorstehers mit Zuziehung der (§ 139) erwähnten Personen gewählt. Die 25 Stimmen müssen einzeln (im Durchgang) abgegeben werden ). § 141. Die Liste der Wahlmänner sowohl derjenigen, welche wegen der Grösse ihres Steueranteiles von selbst zur Wahl berechtigt sind, als der gewählten, wird der Gemeinde bekannt gemacht"). § 142. Zur Ausübung des Wahlrechts jeder Art werden eben 30 die persönlichen Eigenschaften erfordert, welche nach § 135 der Abzuordnende selbst haben muss, nur mit der Annahme, dass das Alter der Volljährigkeit hinreicht 7 ;. ') Wie § 129. -) Wie § 12U (schon durch das Verfassungsgesetz vom 26, März L868 abgeändert). :; ) Wie § 137. '1 Wie g 137. "j Wie § 137. ») Wie § 137. ; i Wie § 137. 225 § 143. Eine gültige Wahl kommt nur durch die Abstimmung von wenigstens zwei Dritteilen der Wahlberechtigten zn stände. Die Ausübung des Wahlrechts kann nicht durch einen Bevollmächtigten geschehen; den Fall ausgenommen, wenn der Wahl- s berechtigte durch Dienstverhältnisse verhindert ist, sich am Wahlorte einzufinden ] ). § 144. Die Wahlen geschehen nach relativer Stimmenmehrheit; jedoch darf diese niemals weniger als den dritten Teil der abgegebenen Stimmen betragen. Nur in dem Fall des § 140 findet !0 die letztere Beschränkung nicht statt. Im Fall der Stimmengleichheit zwischen zwei Gewählten geht der ältere dem Jüngern vor. Niemand kann sich selbst die Stimme geben 1 '). § 145. Wer in mehreren Kreisen als Rittergutsbesitzer, oder !5 in mehreren Orten als Gemeindebürger besteuert wird, kann in mehreren Kreisen oder Gemeinden das Wahlrecht ausüben' 1 ). § 14G. Wählbar ist jeder, welchem die oben (§ 134 und 135) vorgeschriebenen Eigenschaften nicht fehlen. Jedoch können Staatsdiener nicht innerhalb des Bezirks ihrer Amtsverwaltung, und 2b Kirchendiener nicht innerhalb des Oberamtsbezirks, in welchem sie wohnen, gewählt werden und eine anderwärts auf sie gefallene Wahl nur mit Genehmigung der ihnen vorgesetzten höchsten Behörde annehmen. Auch können weder die Häupter der standesherrlichen Familien, 25 noch die Kittergutsbesitzer (§ 136) gewählt werden *). § 147. Die Wahlmänner eines Kreises, eines Oberamts oder einer Stadt sind in Ansehung der Person des Abgeordneten nicht auf ihren Wahlbezirk beschränkt; sie können auch einem anderswo im Königreiche wohnenden Staatsbürger ihre Stimme geben. Wer 30 aber an mehreren Orten gewählt worden ist, kann nur Eine der auf ihn gefallenen Wahlen annehmen 6 ). § 148. Tritt der Fall ein, dass Vater und Sohn zugleich Mitglieder der Ständeversammlung werden, so wird, wenn der Vater ') Wie § 187. -) Wie § 137. 3 ) Wie § 137. ") Wie § 129 (zum Teil schon durch das Verfassungsgesetz vom 23. Juni 1W4 abgeändert). 5 ) Wie § 129. Württ. (JeBchichtsquisllon XI. 15 226 nicht aus eigener Entschliessung zurücktritt, der Solm durch denselben ausgeschlossen'). § 149. Was das Verfahren betrifft, so müssen von den Städten und Oberamtsbezirken längstens hinnen acht Tagen von der Zeit an, da das Einberufungsreskript zu ihrer amtlichen Kenntnis ge- 5 kommen ist, die Listen sämtlicher Wahlmänner an das Oberamt eingeschickt werden, worauf sodann von letzterer Behörde längstens binnen zehn Tagen, von dem Empfange jenes Reskripts an gerechnet, ein Wahltermin zu bestimmen ist, dessen Bekanntmachung acht Tage vor dem Eintritte geschehen muss 2 ). 10 § 150. Die AVahl geschieht in der Amtsstadt durch die persönlich anwesenden Waldmänner vermittelst der Ueborgabe eines von ihnen geschriebenen oder wenigstens unterschriebenen, oder, wenn der Wahlmann nicht schreiben kann, mit dessen beglaubigtem Handzeichen, statt der Unterschrift, versehenen Stimm- 15 zetteis % § 151. Die Leitung der Wald steht dem Oberamtmann zu, bei den zu eigener Landstandschaft berechtigten Städten unter Zuziehung eines aus wenigstens vier Personen bestehenden Ausschusses von dem Stadtrate und dem Bürgerausschusse; bei den 20 Oberamtsbezirken bestellt dieser Ausschuss aus vier Mitgliedern der Amtsversammlung, nebst einem Mitgliede des Bürgerausschusses von der Stadt und einem von dem Lande; das Protokoll hat der betreffende Aktuar zu fuhren. Die Mitglieder dieses Ausschusses sind nicht wählbar in ihrem 25 Bezirke, und eben so wenig bei den Wahlen der Ritterschaft die zur Leitung der Wahlhandlung zuzuziehenden ritterschaftlichen Mitglieder (§ 136) 4 ). § 152. Die Wahlhandlung darf nicht über drei Tage dauern, welche sich in ununterbrochener Reihe folgen müssen r '). 30 § 153. Kann oder will der Gewählte die Wahl nicht annehmen, so kann der nächste in der Stimmenzahl für ihn eintreten, vorausgesetzt, dass dieser nicht weniger als den dritten Teil der abgelegten Stimmen erhalten hat; ausserdem muss eine neue AVahl vorgenommen werden. 35 l ) Wie § 129. -) Wie § 137. 3 ) Wie § 137. •') Wie. § 187. 6 ) 1868 aufgehoben. 227 Das Letztere nmss mich dann geschehen, wenn nach bereits angenommener Wahl die Stelle des Abgeordneten wieder erledigt wird '). § 154. Nach dem »Schlüsse der Wahlhandlung nmss für den 5 Gewühlten zu dessen Legitimation eine Wahlurkunde mit der Unterschrift sämtlicher zur Leitung- und Beurkundung der Wahl zugegen gewesenen Personen angefertigt werden -). § 155. Der Gewählte ist als Abgeordneter, nicht des einzelnen Wahlbezirks, sondern des ganzen Landes anzusehen. 10 Es kann ihm daher auch keine Instruktion, an welche er bei seinen künftigen Abstimmungen in der Stände Versammlung gebunden wäre, erteilt werden. § 15G. Die Mitglieder beider Kammern haben ihr Stimmrecht in Person auszuüben; nur den erblichen Mitgliedern der ersten 15 Kammer ist gestattet, ihre Stimme einem andern in der Versammlung anwesenden Mitgliede dieser Kammer, oder einem Sohne, oder dem sonstigen präsumtiven Nachfolger in der Standesherrschaft zu übertragen. Dieses besondere Recht der Stimmübertragung kann auf gleiche 2o AVeise auch für einen wegen Minderjährigkeit oder anderer persönlichen Unfähigkeit unter Vormundschaft stehenden Standesherren von dessen Vormund ausgeübt werden. In jedem Falle aber kann ein Mitglied der ersten Kammer oder ein Stellvertreter desselben niemals mehr als Eine übertragene 25 Stimme führen :; ). § 157. Alle sechs Jahre nmss eine neue Wahl der Abgeordneten, welche nicht Amtshalber Sitz und Stimme in der zweiten Kammer haben, vorgenommen werden; die bisherigen sind wieder wählbar 4 ). 3o § 158. Während dieses sechsjährigen Zeitraumes erfolgt der Austritt eines Mitgliedes der Kammer, ausser dem Falle des freiwilligen Entschlusses oder der gerichtlich erkannten Ausschliessung (§ 199) nur dann, wenn 1. ein Mitglied das Grundvermögen, den Stand oder das Amt, ^5 worauf dessen Befähigung beruht, zu besitzen aufhört; - ') Wie § 137. -) 1868 abgeändert. ■') Wie § 129. ") Wie § 129. 15» 228 2. wenn das Mitglied in der Zwischenzeit eine der oben (§ 135) festgesetzten Eigenschaften verliert. In solchen Fällen wird, wenn das austretende Mitglied ein gewählter Abgeordneter war, eine neue Wahl von einem neuen Wahlkollegium vorgenommen 1 ). & § 159. Die Mitglieder beider Kammern haben sich vor Eröffnung des Landtages zu legitimieren, und zu dem Ende einige Tage vor dem in dem Einberufungsreskripte vorgeschriebenen Termin an dem bestimmten Orte der Versammlung sich einzufinden. Die Legitimation geschieht für den ersten künftigen Landtag auf die 10 bisher übliche Weise, in der Folge aber bei dem ständischen Ausschusse (§ 187) durch Vorlegung des Einberufungsschreibens, welches in dem (§ 156) erwähnten Falle der Stimmübertragung mit der hierauf gerichteten Vollmacht begleitet sein muss, und vermittelst der Wahlurkunde. 1* Die zur Versammlung aufs neue gewählten Mitglieder des Ausschusses selbst werden zur Prüfung ihrer eigenen Legitimation durch die zuerst legitimierten Abgeordneten ersetzt. Es hängt von dem Könige ab, zu dem Legitimationsgeschäfte Kommissarien abzuordnen 2 ). 20 § 160. Die erste Kammer wird durch die Anwesenheit der Hälfte, die zweite Kammer durch das Erscheinen von zwei Dritteilen ihrer Glieder als vollständig besetzt angesehen. Der ständische Ausschuss hat am Tage vor dem in dem Einberufungsschreiben bestimmten Termin dem Geheimen Hat 3 ) von 2& dem Erfolge des Legitimationsgeschäftes Anzeige zu machen. Der König wird hierauf, wenn jene Zahl durch solche Abgeordnete erfüllt ist, bei deren Legitimation sieh kein Anstand gefunden hat, den Landtag in den für diesen Fall vereinigten Kammern eröffnen •, wobei der vom König ernannte Präsident der 30 ersten Kammer, oder, wenn noch keiner ernannt ist, derjenige, welcher es bei der vorigen Versammlung war, die Stelle des Vorstandes vertritt. Die Legitimation der etwa später eintreffenden Mitglieder, sowie die Erledigung der noch übrigen Legitimationsanstände, ge- 3& schient bei der betreffenden Kammer. Das Resultat muss dem 0 Wie § 129. 2 ) Wie § 129. *) Jetzt Staatsministerium. 229 Geheimen Rate vorgelegt werden; auch ist der andern Kammer davon Nachricht zu erteilen. § 161. Sollte bei Einberufung eines Landtages eine der beiden Kammern nicht in der nach § 160 erforderlichen Anzahl 5 zusammenkommen, so wird sie als einwilligend in die Beschlüsse der andern angesehen. Jedoch stellt es in diesem Falle den erschienenen Mitgliedern der unvollzähligen Kammer frei, den Sitzungen der andern mit Stimmrecht beizuwohnen. § 162. In der ersten Kammer nehmen die Prinzen des König- 10 liehen Hauses den ersten Platz ein; auf sie folgen die Standesherren, beide unter sich nach ihrem sonst bestehenden Range; sodann die übrigen erblichen und die auf Lebenszeit vom König ernannten Mitglieder, nach der Zeit ihrer Ernennung. In der zweiten Kammer sitzen die verschiedenen Klassen, 15 woraus sie zusammengesetzt ist, in der § 133 angegebenen Ordnung; unter den Gliedern jeder einzelnen Klasse entscheidet, je nach Beschaffenheit derselben, das Amts- oder das Lebensalter, und unter den Geistlichen katholischer Konfession der Vorzug der Amtswürde. Die Abstimmungen geschehen nach der Sitzordnung, jedoch 20 so, dass in der zweiten Kammer bei dem Stimmenaufrufe immer zwischen den vier ersten und den zwei übrigen Klassen gewechselt wird, bis jene erschöpft sind'). § 163. Jedes Mitglied der ersten und der zweiten Kammer hat bei seinem erstmaligen Eintritt in dieselbe den Ständeeid ab- 25 zulegen. Dieser lautet also: Ich schwöre, die Verfassung heilig zu halten, und in der Ständeversammlung das unzertrennliche Wohl des Königes und des Vaterlandes, ohne alle Nebenrücksicht, nach meiner eigenen Ueberzeugung, treu und gewissenhaft zu beraten. So 30 wahr mir Gott helfe! Der Stände-Eid wird von einem bei Eröffnung eines Landtags neu eintretenden Mitgliede in die Hände des Königs selbst, oder des zur Eröffnung bevollmächtigten Ministers, ausserdem in die Hände des Präsidenten einer jeden Kammer abgelegt. 35 § 164. Der Vorstand der Ständeversammlung besteht aus einem Präsidenten und einem Vizepräsidenten in jeder der beiden Kammern. Das Amt desselben dauert bis zum Ablaufe des sechsjährigen Zeitraumes (§ 157). >) Wie § 129. 230 Den Präsidenten der ersten Kammer ernennt der König ohne Vorschlag-, für die Stelle des Vizepräsidenten werden von der ersten Kammer drei standesherrliche Mitglieder durch absolute Stimmenmehrheit gewählt, aus welchen der König eines ernennt. Ebenso wählt die zweite Kammer aus ihrer Mitte, ohne Unter- 5 schied der Klassen, drei Mitglieder zur Stelle ihres Präsidenten, und wenn hierauf die Königliche Ernennung erfolgt ist, auf gleiche Art zu dem Amte des Vizepräsidenten, welchen der König ebenfalls aus den hiezu vorgeschlagenen drei Mitgliedern ernennt. Kommt nach Ablauf des sechsjährigen Zeitraumes die zweite 10 Kammer zum erstenmal zusammen, oder sollte sonst der Fall eintreten, dass bei derselben beide Präsidialstellen zugleich erledigt wären, so vertritt bis zur Ernennung des Präsidenten das älteste rechtsgelehrte Mitglied die Stelle des Vorstandes. Jede der Kammern wählt auf die Dauer eines Landtags einen 1B oder mehrere Sekretäre aus ihrer Mitte'). § 165. Der Präsident einer jeden Kammer sorgt für die Aufrechthaltung der Ordnung, bestimmt die Sitzungstage, eröffnet und schliesst die Sitzungen, ordnet den Gang der Verhandlungen, und leitet die Beratungen und Abstimmungen -). 20 i? 166. Die Mitglieder der Kammern sind verbunden, jeder Sitzung anzuwohnen; im Fall eines gegründeten Hindernisses haben sie solches dem Präsidenten anzuzeigen. Während der Dauer der Versammlung dürfen sie sich nicht ohne Erlaubnis des Präsidenten entfernen, und bei einer über acht 25 Tage dauernden Abwesenheit nicht ohne Bewilligung der Kammer; jedoch kann der Präsident in besonders dringenden Fällen auch einen solchen längern Urlaub erteilen, hat aber davon der Kammer in der folgenden Sitzung Kenntnis zu geben :i ). § 167. Die Sitzungen der zweiten Kammer sind öffentlich; 30 auch hat sie ihre Verhandlungen durch den Druck bekannt zu machen. Von der ersten Kammer muss wenigstens das letztere geschehen '). Die Zuhörer, die ein Zeichen des Beifalls oder der Missbilligung geben, werden unverzüglich entfernt. 3£> ') Wie § 129 (schon 1874 abgeändert, damals § 164 a Über die Geschäftsordnung eingefügt). -) Schon 1874 geändert. :1 ) Wie § 165. ') Wie § 165. 231 § 168. Die Sitzungen werden geheim, teils auf das Begehren der Minister und Königlichen Konnnissarien bei Vorträgen, die sie, ihrer Erklärung nach, im Namen des Königs zu machen haben, und welche mir im Falle einer solchen Erklärung für amtliche 5 Aeusserungen zu halten sind, teils auf den Antrag von wenigstens drei .Mitgliedern, wenn diesen, nach vorläufigem Abtritt der Zuhörer, die Mehrheit der Kammer beistimmt 1 ). § 169. Die Minister sind befugt, den Verhandlungen der beiden Kammern anzuwohnen und an den Beratschlagungen teil- 10 zunehmen. Sie können sich auch von andern Staatsdienern begleiten lassen, welche etwa den vorliegenden Gegenstand besonders bearbeitet halten, oder sonst vorzügliche Kenntnis davon besitzen. An den Sitzungen der ständischen Kommission steht ihnen im Fall einer ausdrücklichen Einladung gleichfalls Teilnahme zu 2 ). 15 § 170. Deputationen kann die Ständeversammlung weder annehmen, noch ohne Erlaubnis des Königs abordnen. § 171. Nur den Ministern oder Königlichen Kommissarien, den Berichterstattern der ständischen Kommissionen und den Mitgliedern, welche einen (legenstand zur Beratung in Antrag zu 20 bringen (eine Motion zu machen) haben, stellt die Befugnis zu, schriftliche Beden in der Versammlung abzulesen. Ausserdem linden bloss mündliche Vorträge statt 3 ). § 172. Gesetzesentwürfe können nur vom Könige an die Stände, nicht von den Ständen an den König gebracht werden. Den 25 Ständen ist aber unbenommen, im Wege der Petition auf neue Gesetze sowohl als auf Abänderung oder Aufhebung der bestehenden anzutragen '). Der König allein sanktioniert und verkündet die Gesetze unter Anführung der Vernehmung des Geheimen Rates '"•) und der 30 erfolgten Zustimmung der Stände. § 173. In der Regel soll kein Gegenstand der Beratung in derselben Sitzung, worin der Antrag dazu gemacht wird, zur Verhandlung und Abstimmung gebracht werden. Wenn jedoch drei Vierteile der Mitglieder einstimmen, kann ein Gegenstand für so ') Der Schlussaatz wie § 105. 2 ) Wie § 129. '■') Aufgehoben 1874. 4 ) Abgeändert 1874. 5 ) Jetzt Staatsministerium. 232 dringend oder so unwichtig erklärt werden, dass von jener Regel abgegangen werden darf. Königliche Anträge sind, elie sie zur Beratung in der Versammlung kommen können, an Kommissionen zu verweisen, welche über deren Inhalt Vortrag zu erstatten haben '). 5 § 174. Bei der Abstimmung ist der Antrag, mit den während der Beratschlagung in "Vorwurf gekommenen Modifikationen, in einzelne, einfache Fragen so aufzulösen, dass jedes Mitglied durch blosse Bejahung oder Verneinung seine .Stimme abgeben kann 2 ). § 175. Zu Fassung eines gültigen Beschlusses wird in jeder 10 Kammer die zur vollständigen Besetzung derselben (§ 160) notwendige Anzahl von Mitgliedern erfordert. § 176. Die Beschlüsse werden nach der Stimmenmehrheit, welche nach Beschaffenheit des Gegenstandes eine absolute oder relative sein kann, abgefasst, so dass im Falle der Stimmengleich- 16 heit der Präsident den Ausschlag giebt. Wenn jedoch von Abänderung irgend eines Punktes der Verfassung die Rede ist, so ist die Beistimmung von zwei Dritteilen der anwesenden Mitglieder in beiden Kammern notwendig. § 177. Die zum Wirkungskreise der Stände gehörigen An- 20 gelegenheiten werden in jeder Kammer besonders verhandelt. Doch können, um eine Ausgleichung verschiedener Ansichten zu versuchen, beide Kammern sich mit einander zu vertraulichen Besprechungen, ohne Protokollführung und Beschlussnahnie, vereinigen. § 178. Es hängt von dein Könige ab, die Gesetzesentwürfe 25 oder andere Vorschläge an die erste oder an die zweite Kammer zu bringen, ausgenommen wenn sie Vervvilligung von Abgaben betreffen, in welchem Falle solche immer zuerst an die zweite Kammer gelangen. § 179. Die von der einen Kammer gefassten Beschlüsse 30 werden der andern zu gleichmässiger Beratung mitgeteilt. Nur zu Ausübung des Rechtes der Petitionen und Beschwerden, sowie zu einer Anklage wegen verletzter Verfassung (§ 199), ist jede Kammer auch einzeln berechtigt. § 180. Die Kammer, an welche die Mitteilung geschieht, 35 kann den Antrag der mitteilenden verwerfen oder annehmen, und zwar entweder unbedingt, oder mit beigefügten Modifikationen. ') Wie § 129 (schon 1874 abgeändert). -) 1874 aufgehoben. 233 Die Verwerfung muss aber jederzeit mit Anführung' der Gründe geschehen. § 181. Von der vorstehenden Regel (§ 180) macht die Ab- gabenverwilligung eine Ausnahme in folgenden Punkten: 5 1. Eine Abgaben venvilligung wird in der zweiten Kammer, nach der von ihr in Gemässheit des § 110 vorgenommenen Untersuchung, in Beratung gezogen, und nach vorgängiger vertraulicher Besprechung mit der ersten Kammer (§ 177), Beschluss darüber in der zweiten gefasst; 10 2. dieser Beschluss wird sodann der ersten Kammer mitgeteilt, welche denselben nur im ganzen, ohne Aenderung, annehmen oder verwerfen kann; 3. erfolgt das letztere, so werden die bejahenden und die verneinenden .Stimmen beider Kammern zusammen gezählt, und 15 nach der Mehrheit sämtlicher Stimmen wird alsdann der Ständebeschluss abgefasst. Würde in diesem Fall Stimmengleichheit eintreten, so hat der Präsident der zweiten Kammer die Entscheidung 1 ). $ 182. In allen andern Fällen gilt der Grundsatz, dass nur 20 solche Beschlüsse, worüber beide Kammern, nach gegenseitiger Mitteilung einverstanden sind, an den König gebracht und von dem Könige bestätigt werden können. 8 183. Der von der einen Kammer verworfene Antrag der andern kann auf demselben Landtage nicht wiederholt werden. 25 Wird aber ein solcher Antrag bei der nächsten Ständeversammlung erneuert und abermals verworfen, so treten die zwei Kammern zu einer vertraulichen Besprechung über den Gegenstand zusammen. Sollte auch hiedurch die Verschiedenheit der Ansichten nicht ausgeglichen werden, so haben die Kammern, wenn die Frage einen 30 ihnen von dem Könige zugekommenen Gegenstand betrifft, ihre Nichtübereinstimmung dem König bloss anzuzeigen, wofern sie nicht mit einander übereinkommen, die Entscheidung dem Könige zu überlassen. § 184. Kein Mitglied der beiden Kammern kann während 35 der Dauer der Ständeversammlung ohne Einwilligung der betreffenden Kammer zu Verhaft gebracht werden, den Fall der Ergreifung auf frischer That wegen eines Verbrechens ausgenommen. In letzterem Fall ist aber die Kammer von der geschehenen ') Wie § 129. 234 Verhaftung 1 , mit Angabe des Grundes, unverzüglich in Kenntnis zu setzen ] ). § 185. Niemand kann wegen seiner in der Ständeversamm- lung gehaltenen Vorträge und gegebenen Abstimmungen zur Verantwortung gezogen werden. Jedoch sind Beleidigungen oder Ver- 5 leuindungen der Regierung, der Ständeversammlung oder einzelner Personen der Bestrafung nach den bestehenden Gesetzen in dem ordentlichen Wege des Rechtes unterworfen. Verfehlungen gegen die Gesetze des Anstandes oder der innern Polizei, oder gegen die Geschäftsvorschriften, hat der Präsident zu 10 bemerken, und, wenn sie bedeutend sind, solche zur Kenntnis der Kammer zu bringen, welche nach Beschaffenheit der Umstände ihre Missbilligung ausdrücken, Verweis erteilen, oder auch Widerruf verlangen kann 2 ). § 186. Der König eröffnet und entlässt die Ständeversanim- 15 lung entweder in eigener Person, oder durch einen dazu bevollmächtigten Minister. Dem Könige steht auch das Recht zu, die Versammlung zu vertagen oder ganz aufzulösen. Im Falle der Auflösung wird spätestens binnen sechs Monaten 20 eine neue Versammlung einberufen werden; es ist hiezu eine neue Wahl der Abgeordneten nötig, bei welcher jedoch die vorigen Mitglieder wieder gewählt werden können :1 ). § 187. So lange die Stände nicht versammelt sind, besteht, als Stellvertreter derselben, ein Ausschuss für diejenigen Geschäfte, 25 deren Besorgung von einem Landtage zum andern zur ununterbrochenen Wirksamkeit der Repräsentation des Landes notwendig ist. § 188. In dieser Hinsicht liegt dem Ausschuss ob, die ihm, nach der Verfassung, zur Erhaltung derselben zustehenden Mittel in Anwendung zu bringen, und hievon bei wichtigen Angelegenheiten 30 die in dem Königreich wohnenden Ständemitglieder in Kenntnis zu setzen, in den geeigneten Fällen bei der höchsten Staatsbehörde Vorstellungen, Verwahrungen und Beschwerden einzureichen, und nach Erfordernis der Umstände, besonders wenn es sich von der Anklage der Minister handelt, um Einberufung einer ausserordent- 35 liehen Ständeversammlung zu bitten, welche in letzterem Falle ine ') Wie § 129 (schon 1874 abgeändert). '-) 1874 abgeändert. '■') Absatz 3 wie § 120. 235- verweigert werden wird, wenn der Grund der Anklage und die Dringlichkeit derselben gehörig nachgewiesen ist. Ausserdem hat der Ausschuss am Ende der in die Zwischenzeit fallenden Finanzjahre nach Massgabe dessen, was § 110 fest- 5 gesetzt ist, die richtige, der Verabschiedung angemessene Verwendung der verwilligten Steuern in dem verflossenen Jahre zu prüfen, und den Etat des künftigen Jahres mit dem Finanzministerium zu beraten. Auch steht dem Ausschusse die Aufsicht über die Verwaltung der Staatsschuldenzahlungskasse zu. 10 Insbesondere gehört es zu seinem Wirkungskreise, die für eine Ständeversammlung sich eignenden Geschäftsgegenstände, namentlich die Erörterungen vorgelegter Gesetzesentwürfe zur künftigen Beratung vorzubereiten und für die Vollziehung der land- ständischen Beschlüsse Sorge zu tragen. 15 § 189. Dagegen kann sich der Ausschuss auf solche Gegenstände, welche verfassungsmässig eine Verabschiedung mit den Ständen erfordern, namentlich auf Gesetzgebungsanträge, Steuer- verwilligungen, Schuldenübernahmen und Militäraushebungen, nicht anders als auf eine vorbereitende Weise einlassen. 20 8 190. Der ständische Ausschuss besteht aus zwölf Personen, nämlich den Präsidenten der beiden Kammern, zwei Mitgliedern aus der ersten und acht aus der zweiten Kammer. Die Wahl derselben geschieht von den zu diesem Zwecke vereinigten Kammern nach relativer Stimmenmehrheit auf die Zeit von einem ordentlichen 25 Landtage zum andern (auf drei Jahre), und ist jedesmal dem Könige anzuzeigen. Ein in der Zwischenzeit abgehendes Ausschussmitglied wird von der nächsten Versammlung der Stände wieder definitiv ersetzt; bis dahin rückt an dessen Stelle dasjenige Ständemitglied ein, 30 welches bei der letzten Ausschusswahl die meisten Stimmen nach den Gewählten erhalten hatte. In Verhinderung der Präsidenten treten die Vizepräsidenten für sie ein; sind letztere schon Mitglieder des Ausschusses, so werden deren Stellen auf die soeben festgesetzte Weise ersetzt. 35 Sechs Mitglieder des Ausschusses, die Präsidenten der beiden Kammern mit eingeschlossen, müssen in Stuttgart anwesend sein. Die übrigen sechs Mitglieder können ausserhalb Stuttgart ihre Wohnung haben, und werden, so oft es die Umstände erfordern, von den Anwesenden einberufen. 4o § 191. Bei jeder Ständeversammlung hat der Ausschuss über 236 dasjenige, was von ihm in der Zwischenzeit verhandelt worden ist, in einem Zusammentritte beider Kammern Rechenschaft abzulegen. § 192. Die Verrichtungen des Ausschusses hören mit der Eröffnung eines neuen Landtages auf, und werden nach einer blossen Vertagung desselben, oder nach Beendigung einer ausser- 5 ordentlichen Ständeversammlung, wieder fortgesetzt. Bei der Auflösung eines jeden Landtages und bei der Entlassung eines ordentlichen muss ein neuer Ausschuss gewählt werden, wobei die vorigen Mitglieder wieder wählbar sind. Zu dieser Wald wird den .Ständen jedesmal, auch bei einer Auflösung der Ver- 10 Sammlung, die erforderliche Sitzung noch gestattet. Sollten ausserordentliche Umstände es ihnen unmöglich machen, diese Sitzung noch zu halten, so haben die bisherigen Mitglieder oder deren Stellvertreter (§ 190), sofern sie zugleich Ständemitglieder sind, die Verrichtungen des Ausschusskollegiums wieder zu 15 übernehmen. § 193. Das ständische Amtspersonal besteht, ausser den Beamten der Schuldenzahlungskasse, für beide Kammern aus einem Archivar, für jede Kammer aus einem Kegistrator und den erforderlichen Kanzcllisten; die Registraturen haben zugleich bei dem Aus- 20 schuss das Sekretariat zu versehen. Jede Kammer wählt ihren Registrator und Kanzellisten; die Beamten der Schuldenzahlungskasse, sowie der Archivar, werden von den hiezu vereinigten Kammern gewählt. Dem König ist die Bestellung der Kassenbeamten, des Archi- 25 vars und der Registratoren zur Bestätigung vorzulegen, und von der Wahl der Kanzellisten Anzeige zu machen. Die Dienstentlassung dieser Beamten geschieht auf gleiche Art, wie deren Anstellung, durch die einzelnen oder durch die vereinigten Kammern, und richtet sich im übrigen nach den deshalb 30 bei den Königlichen Beamten geltenden Gesetzen. Die Annahme und Entlassung der ständischen Kanzleidiener hängt von den Präsidenten ab. Das gesamte Amts- und Dienstpersonal steht bei nicht versammeltem Landtag unter der Aufsicht und den Befehlen des Aus- 35 Schusses, welcher auch in der Zwischenzeit die erforderlichen Amts- verweser zu bestellen, und ungetreue oder sonst sich vergehende Diener in den gesetzlichen Fällen den Gerichten zu übergeben hat 1 ). ') Wie § 129. 237 § 194. Eine eigene ständische Kasse, welche die für sie jedesmal zugleich mit dem Finanzetat zu verabschiedende Summe aus der Staatskasse in bestimmten Raten erhält, bestreitet den ständischen Aufwand. 5 Hieher gehören die Taggelder und Reisekosten der Mitglieder der Ständeversammlung, die Besoldungen der ständischen Ausschussmitglieder, Beamten und Diener, die Belohnungen derjenigen, welche durch besondere Aufträge der Stände oder des ständischen Ausschusses bemüht gewesen sind, die Unterhaltung einer angemessenen 10 Büchersammlung, die Kanzleikosten überhaupt, und andere mit der Geschäftsführung verbundene Ausgaben. Die jährliche Kassenrechnung, welche mit Angabe aller einzelnen Einnahmen und Ausgaben zu führen ist, wird von einer besonderen ständischen Kommission probiert, in der Ständever- 15 Sammlung zum Vortrag gebracht und von dieser justitiziert. Jedes Mitglied der Versammlung kann die eigene Einsicht dieser Rechnung verlangen. Die Besoldungen der Mitglieder und der Beamten des Ausschusses, sowie die Taggelder und Reisekosten der Ständemitglieder, 20 werden durch Verabschiedung bestimmt werden. Die nicht in Stuttgart anwesenden Mitglieder des Ausschusses erhalten, wenn sie einberufen werden, gleiche Diäten und Reisegelder, wie die Ständemitglieder, und bezichen solche aus der ständischen Kasse J ). 25 Kapitel X. Von dem Staats-Gerichts-Hofe. § 195. Zum gerichtlichen Schutze der Verfassung wird ein Staatsgerichtshof errichtet. Diese Behörde erkennt über Unternehmungen, welche auf den Umsturz der Verfassung gerichtet sind, und über Verletzung einzelner Punkte der Verfassung. 30 § 196. Der Staatsgerichtshof besteht aus einem Präsidenten, welcher von dem Könige aus den ersten Vorständen der höheren Gerichte ernannt wird, und aus zwölf Richtern, wovon der König die Hälfte aus den Mitgliedern jener Gerichte ernennt, die Ständeversammlung aber die andere Hälfte nebst drei Stellvertretern im 35 Zusammentritt beider Kammern ausserhalb ihrer Mitte wählt. Unter den ständischen Mitgliedern müssen wenigstens zwei Rechtsgelehrte sein, welche auch, mit Vorbehalt der Einwilligung ') Wie § 129. 238 des Königes, aus Königlichen Staatsdienern gewählt werden können. Ausserdem müssen die Mitglieder alle zur Stelle eines Ständemitgliedes erforderliche Eigenschaften haben. Das Kanzleipersonal wird aus dem Obertribunal genommen. § 197. Sämtliche Richter werden für diesen ihren Beruf 5 besonders verpflichtet, und können gleich den übrigen Justizbeamten nur durch Urteilsspruch ihrer Stelle als Mitglieder dieses Gerichtshofes entsetzt werden. Nimmt jedoch ein ständischer Richter ein Staatsamt an, so hört er dadurch auf, Mitglied dieser Stelle zu sein, kann aber von der Ständeversammlung wieder gewäldt werden. 10 Ebenso tritt ein vom Könige ernanntes Mitglied aus dem Gerichte, wenn es aufhört, sein richterliches Hauptamt zu bekleiden. § 198. Das Gerieht versammelt sieh auf Einberufung durch den Präsidenten, welche von diesem sogleich geschehen muss, wenn er dazu einen von dem Justizminister kontrasignierten Befehl des 15 Königes oder eine Aufforderung mit Angabe des Gegenstandes von einer der beiden Kammern durch deren Präsidenten erhält. Das Gericht löst sich auf, wenn der Prozess geendigt ist. Der Präsident hat für die Vollziehung der Beschlüsse zu sorgen, und in Anstandsfällen das Gericht wieder zu versammeln. 20 § 199. Eine Anklage vor dem Staatsgerichtshofe wegen der oben (§ 195) erwähnten Handlung kann geschehen von der Regierung gegen einzelne Mitglieder der Stände und des Ausschusses, und von den Ständen sowohl gegen Minister und Departementschefs als gegen einzelne Mitglieder und höhere Beamten der Ständever- 26 Sammlung. Andere Staatsdiener, als Minister und Departementschefs, können vor diesem Gerichte nicht angeklagt werden, ausser wegen Uebcrtretung der § 58 enthaltenen Vorschrift. Anklage und Verteidigung geschieht öffentlich. Die Protokolle werden mit den Abstimmungen und Beschlüssen durch den Druck 30 bekannt gemacht. § 200. Wenn es erforderlich ist, Jnquircnten zu bestellen, so wählt der Gerichtshof dieselben aus den Räten der Kriminalgerichte. Der Untersuchung hat jedesmal ein Königliches und ein ständisches Mitglied des Gerichtshofes anzuwohnen. 35 § 201. Es werden jedesmal zwei Referenten bestellt. Ist der erste Referent ein Königlicher Richter, so muss der Korreferent ein ständischer sein, und umgekehrt. § 202. Bei jedem Beschlüsse muss eine gleiche Anzahl von Königlichen und ständischen Richtern anwesend sein. Sollte durch 40 239 Zufall eine Ungleichheit der Zahl eintreten, welche nicht sogleich durch anderweitige Ernennung oder Eintritt eines Stellvertreters gehoben werden könnte, so tritt der Jüngste im Dienste von der überzählenden Seite aus; doch darf die Zahl der Richter nie unter 5 zehn sein. Im Verhinderungsfalle vertritt die Stelle des Präsidenten der erste Königliche Richter. Dein Präsidenten steht keine Stimme zu; im Falle der Stimmengleichheit entscheidet die für den Angeklagten günstigere Meinung. 10 t; 203. Die Strafbefugnis des Gerichtshofes erstreckt sich nur auf Verweise und Geldstrafen, auf Suspension und Entfernung viim Amte, auf zeitliche oder immerwährende Ausschliessung von der Landstandschaft. Wenn dieses Gericht die höchste in seiner Kompetenz liegende 15 Strafe erkannt hat, ohne eine weitere ausdrücklich auszuschliessen, so bleibt den ordentlichen Gerichten vorbehalten, gegen den Verurteilten ein weiteres Verfahren von Amtswegen eintreten zu lassen '). § 204. Gegen den Ausspruch des Staatsgeriehtshofes findet keine Apellation statt, sondern nur das Rechtsmittel der Revision 20 und der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. § 205. Der König wird nicht nur die Untersuchung niemals hemmen, sondern auch das ihm zustehende Begnadigungsrecht nie dahin ausdehnen, dass ein von diesem Gerichte in die Entfernung vom Amte verurteilter Staatsdiener in seiner bisherigen Stelle ge- 25 lassen, oder dass derselbe in einem andern Justiz- oder Staatsverwaltungsanitc angestellt würde, es wäre denn, dass in Rücksicht auf Wiederanstcllung das gerichtliche Erkenntnis einen ausdrücklichen Vorbehalt zu Gunsten des Verurteilten enthielte. Wie nun die vorstehenden Bestimmungen von nun an die 30 Staatsgrundverfassung Unseres Königreiches enthalten, so geloben Wir hiemit bei Unserer Königlichen Würde, für Uns und Unsere Nachfolger in der Regierung, den gegenwärtigen Vertrag fest und unverbrüchlich nicht nur für Uns Selbst zu halten und zu erfüllen, sondern auch gegen alle Eingriffe und Verletzungen zu schützen 35 und bei Kräften zu erhalten. Zu dessen Urkunde haben Wir denselben eigenhändig unterzeichnet, und mit Unserem grossen Königlichen Insiegel versehen lassen. ') Absatz 2 bat durch die Reicbsg-esetzgebuiig die Gültigkeit verloren. 240 So geschehen in Unserer Haupt- und Residenzstadt Stuttgart an dem fünf und zwanzigsten Tage des Monats September im Eintausend Achthundert und Neunzehnten Jahre, Unserer Königlichen Regierung im dritten. Wilhelm. 5 Auf Befehl des Königs: Der Staatssekretär: Vellnagel. Das von den Stünden dem König überreichte Exemplar der Verfassungmrkunde hat folgende Einleitung und .folgenden Schluss: 10 „Wir die unterzeichneten sämtlichen Mitglieder der zu gemeinschaftlicher Vollendung des Verfassungswerks für das Königreich Württemberg einberufenen Ständeversammlung bekennen hiermit: Nachdem S. Kön. Majestät von Württemberg, unser aller- 15 gnädigster König und Herr, durch Allerhöchste Entschliessung vom heutigen Tage den allerhöchstdenselbcn unterthänigst vorgelegten Verfassungsentwurf genehmigt, denselben als wirklichen Vertrag anerkannt und dessen Festhaltung für Sich und Allerhöchstdero Nachfolger in der Regierung durch eine 20 feierliche Urkunde zugesichert haben, welche von Wort zu Wort also lautet: [Folgt die Urkunde.] So haben wir die Unterzeichneten, zu Herstellung der Staatsgrundverfassung einberufenen Stände des Königreichs 25 Württemberg diese Allerhöchste Willenserklärung mit aller- unterthänigstem Danke angenommen und uns im Namen des gesamten Königreichs zu unverbrüchlicher Festhaltung des vorstehenden Verfassungsvertrags auf das feierlichste verpflichtet, auch zu dessen Bekräftigung die gegenwärtige Urkunde 30 eigenhändig unterzeichnet. Ludwigsburg, den fünf und zwanzigsten September Eintausend achthundert und neunzehn. Der Präsident der Ständeversammlung Franz, Fürst von Waldburg-Zeil und Trauchburg. 35 Der Vizepräsident Jakob Friedrich Weishaar, Abgeordneter der Residenzstadt Stuttgart. [Folgen die Unterschriften der Ständemitglieder. ] 241 44. Zollvertrag zwischen Württemberg und Hohenzollern- Hechingen. 1824 Mai 13. Nach dem Original im KgL Staatsarchiv in Stuttgart. — Druck: Begierungsblatt 5 für das Königreich Württemberg 1824, 581 ff. Seine Majestät der König von Württemberg, von dem Wunsche erfüllt den Zweck der in Folge des Wiener Vertrags vom 19. Mai 1820') zu Darmstadt über ein gemeinschaftliches Handels- und Zoll-System eröffneten Verhandlungen bei der längeren Verzögerung 10 einer allgemeinen Vereinbarung unter sämtlichen contrahirenden Staaten wenigstens vorläufig theilweise in Erfüllung zu bringen, haben nach der von Ihren Hochfürstlichen Durchlauchten den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und Hohcnzollern-Sigmaringen bezeugten Bereitwilligkeit, sich mit der Krone Württemberg über ein 15 gemeinschaftliches Handels-System, wodurch mit Aufhebung der Binnenzölle den beiderseitigen Unterthanen die Vortlieile eines völlig freien gegenseitigen Verkehrs gesichert werden, zu vereinbaren, mit dem Hochfürstlichen Hause Hohenzollern-Hechingen zu diesem Zweck Unterhandlungen pflegen lassen, wozu .. . zu Bevollmächtigten 20 ernannt wurden, welche unter Vorbehalt der Ratifikation ihrer allerhöchsten und höchsten Souveraine folgenden Vertrag abgeschlossen haben: § 1. Die gegenwärtige Übereinkunft ist als eine vorläufige und partielle Vollziehung des theils in Wien unterm 19. Mai 1820, 25 theils durch späteren Heitritt über ein gemeinschaftliches Zoll- und Handels-System zwischen mehreren deutseben Staaten abgeschlossenen Vertrags anzusehen. Ihre Verbindlichkeit hört daher auf, sobald unter Theilnahme der jetzt contrahirenden Staaten eine Übereinkunft über ein gemeinschaftliches Zoll-System mit einer neuen 30 gemeinschaftlichen Zoll-Linie in einer grösseren Ausdehnung nach Massgabe des erwähnten Vertrags zu Stande kommt. § 2. Das neue Zoll-Gesetz des Königreichs Württemberg nach dem den Ständen vorgelegten Entwürfe und vorbehaltlich der bei der Verabschiedung mit denselben -) etwa noch eintretenden 35 Modifikationen, wird für das Fürstenthuni Hohenzollern-Hechingen ') Beim Wiener Ministerkougress heschlossen einige süd- und mitteldeutsche Bundesstaaten, da keine allgemeine Vereinigung zustande kam, Konferenzen über eine Zollgemeinschaft abzuhalten. *) Erlassen am 18. Juli 1824. WUrtt. Gtschichtsquellcn XI. 16 242 geltend angenommen und in dem Fürstenthum als Landesgesetz mit dem Namen des Souverains verkündet. Alle von Seite Württembergs erfolgenden Änderungen in der Zoll-Gesetzgebung und darauf sich beziehenden Anordnungen werden in dem Fürstenthum in gleicher Ordnung bekannt gemacht. Es soll jedoch vor ihrer Er- 5 lassung mit der Fürstlichen Regierung Rücksprache genommen und deren Wünsche und Bemerkungen möglichst berücksichtigt werden. Die Anwendung von Ein- und Ausfuhr-Verboten auf das Fürstenthum, wenn sie von der einen oder andern Seite in Antrag kommen, wird besonderen Verhandlungen vorbehalten. 10 § 3. Die Zollverwaltung in dem Fürstenthum wird durch die Königlichen Behörden in gemeinschaftlichem Namen geführt und der Zoll-Ertrag von denselben erhoben. Für den reinen Zoll-Ertrag der Fürstlichen Hofkammer wird derselben, unabhängig von dem Erfolg der Einnahmen, von König- 15 lieh Württembergischer Seite eine Summe von jährlich Zwölftausend dreihundert Gulden in Quartals-Raten aus der Königlichen Staats- Haupt-Oasse in Stuttgart nach Verfügung der Fürstlichen Hofkammer baar, ohne irgend eine Gegen-Aufrechnung, bezahlt. Über den jährlichen reinen Ertrag des Zoll-Gcfälls werden 20 der Fürstlichen Regierung diejenigen Nachweisungen mitgetheilt werden, welche den Ständen des Königreichs, oder ihrem Ausschuss, jährlich vorgelegt werden, ohne dass die Fürstliche Regierung eine weitere Beurkundung fordern wird. Würde aus diesen Berechnungen sich ergeben, dass der Fürstlichen Hofkammer nach Verhältnis« der 25 in der Bundes-Matrikel angenommenen Bevölkerung ein, die Summe von 12 300 fl. übersteigender Antheil zukommen würde, so wird derselbe nachbezahlt. § 4. Im Innern der durch das gemeinschaftliche Zoll-System umschlossenen Länder können nach vollzogener Vereinigung keine 30 besondere Verbrauchs-Steuern auf Produkte und Fabrikate des Auslands gelegt werden. Um die Handelsverhältnisse der Tabakhändler in dem Fürstenthum jenen in dem Königreich Württemberg rücksichtlich der Abgaben gleich zu stellen, wird für die Dauer der Übereinkunft 35 verbindlich zugesichert, dass eine möglich gleichkommende Auflage auf den innern Verbrauch des Tabaks in dem Fürstenthum eingeführt und für die Fürstlichen Gassen bezogen werden soll. § 5. Der Fürstlichen Regierung bleibt die zollfreie Einfuhr fremden Salzes in dem Fürstenthum für den Fall vorbehalten, wenn 40 243 nach Ablauf des gegenwärtigen mit der Krone Württemberg bestellenden Vertrags mit einem andern Staat über die Beischaffung des Erfordernisses eine Übereinkunft abgeschlossen werden sollte. In diesem Fall werden aber für den Verschluss in dem Fürsten- 5 thum die gleichen Salzpreise, wie in "Württemberg, eingehalten und die zu Sicherstellung des Königlichen Salz-Regals erforderlichen Maassregeln in gemeinsamer Verabredung getroffen werden. Übrigens sollen bei der Verhandlung eines neuen Salz-Vertrags die Königlich Württembergischen Anträge vorzüglich beachtet werden. 10 § 6. Für die beiderseitigen Unterthanen wird bei dem innern Verkehr rücksichtlich der Accise, der Verbrauchs- und Verkaufs- Steuer eine volle Gleichheit bestimmt; so dass die Württemberger in dem Fürstenthum, und die Fürstlichen Unterthanen in Württemberg, hierin wie die eigenen Unterthanen behandelt werden. 15 § 7. Die Kaufleute, Fabrikanten und Handwerker aus dem Fürstenthum werden von der Accis-Entrichtung im Königreich sowohl bei Märkten, als sonst, nach Maasgabe des § 3, Abthl. 4 und § 10 des Accis-Gesetzes ganz frei gelassen, wenn sie über die Gcwerbs- und Handels-Berechtigung in ihrem Wohnort, so wie über 20 Bezahlung der Fürstlichen Gewerbesteuer durch amtliche Zeugnisse sich ausweisen. Die gleiche Berechtigung gemessen die Württemberger in dem Fürstenthum. Der Hausierhandel in beiden Staaten unterliegt lediglich den 25 inneren Landes-Polizei-Gesetzen. § 8. Für diejenigen zollbaren Gegenstände, welche für die Personen und Hofhaltungen des regierenden Fürsten und der Fürstlichen Familien vom Auslände bezogen, oder dahin versandt werden, wird eine völlige Zoll-Befreiung zugestanden, vorbehaltlich der 30 nöthigen Sicherhcits-Maasregeln, wohin namentlich die Entrichtung des Zolls gegen Wiedererstattung gehört. Wenn für das Bundes-Contingent des Fürstenthums vollendete Armatur- und Montur-Stückc ein- oder ausgeführt werden, so sind sie auf vorgängige genaue Anzeige und Nachweisung frei zu lassen. 35 Die in dem Zoll-Gesetz des Königreichs den fremden Gesandten und Geschäftsträgern eingeräumte bedingte Zoll-Befreiung soll in gleicher Art auch für die an dem Fürstlichen Hofe sich aufhaltenden fremden Gesandten und Geschäftsträger Anwendung finden. § 9. Die Untersuchungen in Zoll-Sachen, in streitigen oder 40 Straf-Fällen werden von den zuständigen Fürstlichen Behörden mit 10* 244 Anwendung- des Königlichen Zoll-Gesetzes verhandelt und entschieden. Die von den Landes-Behörden erkannten Geldstrafen und Connscationen fallen nach Abzug des Zoll-Betrags und gesetzlichen Antheils für die Anzeiger dem Fürstlichen Fiscus anheim. Die Straf-Rekurse gehen in ordnungsniässigeni Wege an die fr oberen Landes-Behörden. Gesuche um Nachläse von Strafen im Gnadenwege sind an den Landesfürsten zu bringen. § 10. Die Strassen-Abgaben dürfen im Fürstenthum während der Dauer des Vertrags den in dem Württembergischen Strassen- Abgaben-Gesetz vom 28. Juni 1821 (Staats- und Regierungs-Blatt 10' S. 361) bestimmten Betrag nicht übersteigen, so lange in Württemberg nicht ein höherer Tarif eingeführt wird. Die für Rechnung der Gemeinden im Fürstenthum zu beziehenden Brücken- und Pflaster-Gelder sollen über den jetzigen Bestand nicht erhöht und bei Auswechslung des Vertrags die dermaligen 15^ Tarife mitgeteilt werden. § 11. Die in dem Fürstenthum anzustellenden Zoll-Beamten werden von der Krone Württemberg ernannt und bei den Fürstlichen Landes-Behörden auf das Zoll-Gesetz und die Instructionen verpflichtet; das Verpflichtungs-Protocoll ist in Abschrift dem König- 20 liehen Steuer-Collegium mitzuteilen. Bei Dienst-Anstellungen sollen die Fürstlichen Unterthanen, so weit sie dazu befähigt sind, besonders berücksichtigt werden. Die besonderen Bestimmungen rücksichtlich der Übernahme einiger der gegenwärtig im Fürstenthum angestellten Zoll-Diener 25 sind in den dieser Convention beigefügten, und mit ihr gleich verbindliche Kraft habenden Zusatz-Artikeln festgesetzt. § 12. Die Zoll-Amter in dem Fürstenthum werden den Namen „Königlich Württembergisches und Fürstlich-Hohenzollern-IIechingen- sches Zoll-Amt" führen, und das Königliche und Fürstliche Wappen 30 soll bei den Erhebungsstellen und Lagerhäusern angeschlagen werden. § 13. Die Kosten der Verwaltung, der Zoll-Einrichtung und der gesammten Zoll-Aufsicht werden von der Krone Württemberg ohne einen Beitrag von den Fürstlichen Gassen aus den theilbaren Zoll-Gefällen bestritten. 35 Für das in Hechingen, falls es von der Fürstlichen Regierung- gewünscht wird, herzustellende Lagerhaus übernimmt sie die Verpflichtung, ein angemessenes Local auszumitteln, wovon, wenn die Gemeinde dasselbe nicht gegen den Bezug der Waag- und Lager- Gelder abtreten wollte, die Zoll-Verwaltung einen billigen Mieth- 40' 245 •/ins zu entrichten, alsdann aber die Waag- und Lager-Gelder für sieh zu beziehen hat. § 14. Der Anfangs-Termin der Vollziehung des Vertrags ist der der Einführung des neuen Zoll-Gesetzes. Die Dauer des 5 Vertrags wird, insofern die in § 1 erwähnte Voraussetzung nicht eintreten sollte, auf einen Zeitraum von zehn Jahren festgesetzt, innerhalb welchem Zeitraum von keiner Seite eine Aufkündigung- Statt rindet. Wenn vor dein Ablaufe der für die Dauer des Vertrags bestimmten Zeit nicht ein Jahr zuvor die Anzeige von der 10 Aufkündigung desselben erfolgt, so wird er als für ein weiteres Jahr stillschweigend verlängert angesehen. $ 15. Das Fürstenthum hat während der Dauer der Vereinigung an den Vortheilen aller von der Krone Württemberg mit auswärtigen Staaten abzuschliessenden Handels-Verträge Theil zu 15 nehmen; auch wird vor dem Abschlüsse 'derselben jedesmal mit der Fürstlichen Regierung Rücksprache genommen werden. § 16. Die für einzelne Gewerbe rechtmässig hergebrachten Bannrechte sollen durch gegenwärtigen Vertrag nicht beeinträchtigt werden. 2o § 17. Wenn während der Dauer des Vertrags Abtretungen oder Austauschungen einzelner Landestheile vorgenommen würden, oder wenn bedeutende Veränderungen in dem Zoll-Gesetze erfolgen sollten, wodurch die Wesenheit des bestehenden Zoll-Systems verändert würde, so soll zwar die Vereinigung an sich dadurch nicht 25 aufgehoben, jedoch über die den neueren Verhältnissen angemessene Änderung der einzelnen Vertrags-Bestimmungen eine neue Übereinkunft geschlossen werden. § 18. Der Strassenzug durch das Fürstenthum soll nicht gehemmt, sondern übereinstimmend mit dein gemeinschaftlichen 30 Interesse möglichst begünstigt werden. Wenn die Königliche Staatsregierung angemessen findet, für einzelne Strassen, welche theilweise ihre Richtung durch das Fürstenthum nehmen, Erleichterungen in dein Strassengelde zu gewähren, so wird die Fürstliche Regierung die gleiche Erleichterung für den 35 Strassenantheil in dem Fürstlichen Gebiete zugestehen. § 19. Anstände über Anwendung des Vertrags, auch sonst sich ergebende Irrungen werden, in Entstehung gütlicher Übereinkunft; durch ein Compromiss entschieden, worüber in vorkommenden Fällen die näheren Bestimmungen verabredet werden 40 sollen. 246 Gegenwärtig doppelt ausgefertigter und von den beiderseitigen Bevollmächtigten unterzeichneter Handels- und Zoll-Vertrag soll den beiden contrahirenden Höfen unverzüglich zur Ratifikation vorgelegt und die Ratifikations-Urkunden sollen längstens binnen 6 Wochen in Stuttgart gegeneinander ausgewechselt werden. 5 So geschehen Stuttgart, den 13. Mai 1824. [Folgen die Unterschriften. / Am gleichen Tage wurde ein ganz ähnlicher Vertrag mit Hohenzollern- Sigmaringen abgeschlossen; beide wurden in Württemberg am 28. Juli 1824 veröffentlicht. Das waren die ersten Zollverträge zwischen Staaten des deutschen 10 Bundes in Süddeutschland. Ihnen folgte am 28. Januar 1828 der Zoll'vereins- vertrag /.wischen Württemberg-Hohenzollern und Bayern, am 14. Februar 1828 der zwischen Preussen und Hessen-Darmstadt, am 22. März 1833 der Vertrag über den deutschen Zollverein. 45. Tübinger Adresse an den Ausschuss der Ständekamnier. 15 1848 März 2. Nach dem Abdruck in der Schwäbischen Kronik vom 7. März 1848. Hochansebnlicber ständischer Ausschuss! Der Sturm, der in die Zeit gefahren ist, hat die politischen Zustände Deutschlands in ihrer ganzen unseligen Gestalt Allen erkennbar blos gelegt. Es 20 ist nöthig in dieser bewegten Zeit, dass Deutschland gerüstet dastehe, nicht um herauszufordern, gewiss aber zu Schuz und Schirm seiner Grunzen. Allein es soll die Rüstung anlegen, den wanden Fleck auf der Brust. Jetzt eben schmerzt er tief, und es thut Noth, dass er rasch geheilt werde. Auf die Verbesserung jener Zustände 25 von Grund aus hinzuwireken, dazu spornt jezt nicht lediglich die gute Gelegenheit, das Eisen zu schmieden, so lang es glüht, es drängt dazu vor Allem ein Zwiespalt des öffentlichen Gewissens, der seine Lösung verlangt, eine Forderung der Volksehre, welche Befriedigung heischt. Einem Volke, das von der heiligen Pflicht 30 durchdrungen ist, seinem viclgcfährdeten Boden nicht eine Spanne weiter entreissen zu lassen, mangelt die Sicherheit, dass es nicht als Werkzeug diplomatischer Verwicklungen die Waffen ergreife; versagt ist ihm das begeisternde Bcwusstseyn für eine auch politisch würdige Stellung unter den gesitteten Völkern mit Gut und Blut 35 einzutreten. Das grosse Grundgebrechen unseres deutschen Gesammtvater- landes lässt sich in wenige Worte fassen; es fehlt die volksmässige Grundlage, die freie Selbstthätigkeit des Volkes, die Mitwirkung 247 seiner Einsichten und Gesinnungen bei der Bestimmung seines staatlichen Lebens. In geistiger und sittlicher Bildung keinem andern nachstehend, hat das deutsche Volk noch immer .nicht von dem Geiste, der in ihm lebt, sondern von den Überlieferungen 5 staatsmännischer Weisheit die Ordnung seiner Geschicke zu erwarten. Dieses politische Grundübel verzweigt sich in die einzelnen Mängel, deren bedeutendste, durchgreifendste jezt überall zur Abhülfe bezeichnet werden. Es fehlt die mitwirkende Vertretung der Nation an der Stelle, wo über die wichtigsten innern und äussern An- 10 gelegenheiten des Vaterlandes, wo selbst über wesentliche Rechte, die in den Verfassungen einzelner Staaten verbürgt sind, entschieden wird; es fehlt in den meisten Rundesstaaten die allgemeine Volksbewaffnung, in der zugleich die Gewähr liegt, dass nur solche Kriege geführt werden, die das Volk für nöthig erkennen muss; es fehlt 15 die freie Aeusserung mittelst der Presse, dieses klare Recht des württembergischen Verfassungsvertrags-, Versammlungen und Vereine zur Berathung der öffentlichen Angelegenheiten unterliegen den drückendsten Beschränkungen; Oeffentlichkeit und Mündlichkeit, unentbehrlich für den unmittelbaren Einblick und das allgemeine 20 Vertrauen in die Verwaltung der Rechtspflege sind hier zu Lande nur erst zu ungenügendem Anfang gelangt-, es fehlt an den Grundbedingungen einer kräftigen Entwicklung des wahren Gemeingeistes im nächsten Kreise der Gemeinden und Körperschaften; und im Verfassungsleben Württembergs, das wir an die gemeinsamen deut- 25 sehen Verhältnisse überall anknüpfen möchten, fehlt insbesondere noch der ungetrübte Ausdruck der Volksmeinung durch eine reine, volksthümliehe Wahlkammer, ein Uebelstand, der dem nothwendigen vertrauensvollen Zusammenhange des Volks mit seinen Vertretern und der Wirksamkeit der Leztern den erheblichsten Eintrag thut. 30 Hierauf richten wir Unterzeichnete an den hochansehnlichen ständischen Ausschuss, als den Stellvertreter der gegenwärtig nicht versammelten Kammern das angelegentlichste Ersuchen: Die un- verweilte Einberufung der vertagten Ständeversammlung zu veranlassen, damit die Kammern folgende Punkte zu ihren Anträgen an 35 die Königliche Staatsregierung schleunig und nachdrücklich erheben mögen: 1) Ausbildung der Gesammtverfassung Deutschlands im Sinne eines Bundesstaats mit Volksvertretung durch ein deutsches Parlament am Bundestage; 2) allgemeine Volksbewaffnung; 3) Pressfreiheit im vollen Umfange, gemäss dem § 28 der Verfassungs-Urkunde; 40 4) Aufhebung der Beschränkungen, welche gegen Vereine und 248 Versammlungen zu Berathung öffentlicher Angelegenheiten bestehen ; 5) vollständige Durchführung des Grundsazes der Oeffentiichkeit und Mündlichkeit der Rechtspflege mit allen sich daran knüpfenden Konsequenzen; 6) vollkommene Herstellung einer wirklichen »Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der Gemeinden und Bezirkskörper- 5 Schäften; 7) Revision der Verfassungs-Urkunde nach den, während ihres 28jährigen Bestehens gemachten Erfahrungen, namentlich zum Zwecke der Herstellung einer ungemischt aus der Volkswahl hervorgehenden Abgeordnetenkammer. Wir enthielten uns. die. einzelnen Anträge ausführlicher zu 10 begründen, sie betreffen Gegenstände, die einer deutschen Ständeversammlung wohl bekannt sind, und wir sezen voraus, dass der Ruf der Zeit, wie er uns ergriffen hat, auch an die Herzen der Volksvertreter und der Leiter des Staats vernehmlich geschlagen habe- Den 2. März 1848. 15 Di« 1 Adresse ist von Ludwig Uhland verfasst. 46. Gesetz, betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen. 1864 August 13. Nach dem Original im Kgl. Staatsarchiv zu Stuttgart. — Druck: Regierungsblatt 20 für das Königreich Württemberg 1864, S. 137. Karl von Gottes Gnaden, König von Württemberg. Nach Anhörung Unseres Gehcimen-Raths und unter Zustimmung Unserer getreuen Stände verordnen und verfügen wir wie folgt: Art. 1. Die im Königreiche einheimischen Israeliten sind in 25 allen bürgerlichen Verhältnissen den gleichen Gesetzen unterworfen, welche für die übrigen Staatsangehörigen massgebend sind; sie geniessen die gleichen Rechte und haben die gleichen Pflichten und Leistungen zu erfüllen. Art. 2. Die Betheurungsformel der Israeliten bei allen Eiden 30 besteht in den unter Aufhebung der rechten Hand zu sprechenden Worten: Ich schwöre, so wahr mir Gott helfe! Art. 3. Die Gerichtsbarkeit in Ehesachen der Israeliten steht dem ehegerichtlichen Senate des Obertribunals zu, welcher bei seinen Entscheidungen die Religionsgrundsätze und Ritualgesetze 35 der Juden zu berücksichtigen hat. An die Stelle der evangelischen geistlichen Mitglieder tritt für diese Fälle ein israelitischer Gottes- .249 gelehrter. Der erste Versöhnungsversuch in Ellestreitigkeiten ist durch den ersten Ortsvorsteher und dein zuständigen Rabiner vorzunehmen. Art. 4. Im Übrigen bleiben in Absicht auf das Ehewesen 5 und die kirchlichen Verhältnisse der Israeliten die Art. 37, zweiter Absatz, Art. 38, 3!), 48 bis 61 des Gesetzes vorn 25. April 1828, betreffend die öffentlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen (Reg.BIatt S. 301) in Kraft. Art. 5. Alle weiteren Bestimmungen des Gesetzes vom 25. April 10 1828 sind, soweit sie bisher noch in Wirksamkeit gestanden sind, aufgehoben und es treten an deren Stelle die entsprechenden Vorschriften der allgemeinen Gesetze. Unsere Minister der Justiz, des Innern und des Kirchen- und Schulwesens sind mit der Vollziehung dieses Gesetzes beauftragt. 15 Gegeben, Osteude den 13. August 18(54. Der Justizminister: Karl. Wächter-Spittler. Der Minister des Innern: Auf Befehl des Königs, Für denselben: Der Cabinetsrath: 20 Direktor Fleischhauer. Egloffstein. Der Chef des Departements des Kirchen- und Schulwesens: Golther. Die Unabhängigkeit der staatsbürgerlichen Rechte vom religiösen Bekennt- .25 nissc wurde durch das Gesetz vom 31. Dezember 1861 eingeführt. 47. Schutz- und Trutzbündnis zwischen Preussen und Württemberg. 1866 August 13. Original der preussischen Ratifikationsurkunde vom 18. August im Kgl. Staats- 30 arehiv zu Stuttgart. — Die württembergische Fassung veröffentlicht im Staatsanzeiger für Württemberg vom 24. März 1867. Seine Majestät der König von Württemberg und Seine Majestät der König von Preussen, beseelt von dem Wunsche, das künftige Verhältniss der Souveraine und Ihrer Staaten möglichst 35 innig zu gestalten, haben zur Bekräftigung des zwischen Ihnen abgeschlossenen Friedensvertrages vom 13. August 1866 beschlossen, weitere Verhandlung zu pflegen, und haben mit dieser beauftragt und zwar 250 Heine Majestät der König von Würtemberg den Minister ler Familienangelegenheiten des Königlichen Hauses und der aus- ( wärtigen Angelegenheiten, Freiherrn Carl von Varnbüler von und zu Hemmingen, Grosskreuz des Ordens der Württembergischen Krone und des Friedrichs-Ordens u. s. w„ sowie den Kriegs-Minister, 5 General-Lieutenant Oskar von Hardegg, Grosskreuz des Württembergischen Friedrichs-Ordens, Ritter des Ordens der Württembergischen Krone u. s. \v., Seine Majestät der König von l'rcussen Seinen Minister- Präsidenten und Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Grafen 10 Otto von ßisrnarck-Schönhausen, Ritter des Schwarzen Adler-Ordens u. s. w. und Seinen Wirklichen Geheimen Ratb, Kainmerherm und Gesandten, Carl Friedrieb von Savignv, Ritter des Rotben Adler- Ordens 1. Klasse u. s. w. Dieselben haben ihre Vollmachten ausgetauscht und haben 15 sich, nachdem diese in guter Ordnung befunden worden waren, über nachfolgende Vertragsbestimmungen geeinigt: Artikel 1. Zwischen Seiner Majestät, dem Könige von Württemberg und Seiner Majestät dem Könige von l'reussen wird hiemit ein Schutz- 20 und Trutzbündnis geschlossen. Es garantiren Sieb die hohen Contrahenten gegenseitig die Integrität des Gebietes Ihrer bezüglichen Länder und verpflichten Sich im Falle eines Krieges Ihre volle Kriegsmacht zu diesem Zwecke einander zur Verfügung zu stellen. yö Artikel 2. Seine Majestät der König von Württemberg überhaupt für diesen Fall den Oberbefehl über Seine Truppen Seiner Majestät dem Könige von l'roussen. Artikel 3. 30 Die Hohen (Kontrahenten verpflichten Sich, diesen Vertrag vorerst geheim zu halten. Artikel 4. Die Ratifikation des vorstehenden Vertrages erfolgt gleichzeitig mit der Ratifikation des unter dem heutigen Tage abge- 35 sehlossenen Friedens-Vertrages, also bis spätestens zum 21. August d.,1. Zu [Trkund dessen haben die Eingangs genannten Bevollmächtigten diesen Vertrag in doppelter Ausfertigung am beutigen Tage mit ihrer Namens-Unterschrift und mit ihrem Siegel versehen. 40 251 So geschehen Berlin den 13. August Eintausend Achthundert Sechs und Sechszig. Gez. Varnhüler. Gez. v. Bismarck. Gez. Hardegg. Gez. Savigny. 5 48. V e r t r a g z \v i s c li e n W ii r 11 e in b e r g und dem N o r d- deutschen Bunde, Baden und Hessen. 1870 November 25. Original der preussiselien Ratifikation vom 22. Dezember 1870 im KgJ. Staatsarchiv. — Veröffentlicht in Kgl. Verordnung vom .'iO. Dezember 1870, Regierungs- 10 blatt 1871 S. 1. Seine Majestät der König von Württemberg einerseits und Seine Majestät der König von Preussen im Namen des Norddeutschen Bundes, Seine Königliche Hoheit der Grossherzog von Baden und Seine Königliche Hoheit der Grossherzog von Hessen und bei 15 Rhein andererseits, von dem Wunsche geleitet, die Geltung der zwischen dem Norddeutschen Bunde, Baden und Hessen vereinbarten Verfassung des Deutschen Bundes, den über dieselbe gepflogenen Verhandlungen entsprechend, auf Württemberg auszudehnen, haben zu diesem Zwecke Bevollmächtigte ernannt, und zwar: — folgen die 20 Namen - von welchen Bevollmächtigten, nach gegenseitiger Vorlegung und Anerkennung ihrer Vollmachten, der nachstellende Vertrag verabredet und geschlossen ist. Art. 1. Württemberg tritt der zwischen dem Norddeutschen Hunde, Baden und Hessen vereinbarten, der Verhandlung d. d. Ver- 25 sailles den 15. November d. .). beigefügten Verfassung dergestalt bei, dass alle in dieser Verfassung enthaltenen Bestimmungen mit den im nachstehenden Artikel 2 näher bezeichneten Massgaben auf Württemberg volle Anwendung finden. Art, 2. Die Massgaben, unter welchen die Verfassung des 30 Deutschen Bundes auf Württemberg Anwendung findet, sind folgende: 1. Zu Artikel 6 der Verfassung: Im Bundesrate führt Württemberg vier Stimmen, und es beträgt daher die Gesamtzahl der Stimmen im Bundesrate 52. 35 2. Zu Artikel 20 der Verfassung: in Württemberg werden, bis zu der im § 5 des Wahlgesetzes vom 31. Mai 1869 vorbehaltenen gesetzlichen 252 Regelung, 17 Abgeordnete gewählt, und es beträgt daher die Gesamtzahl der Abgeordneten 334. 3. Zu den Artikeln 35 und 38 der Verfassung: Die im letzten Absätze der vorgenannten Artikel in Beziehung auf Baden getroffene Bestimmung findet auch 5 auf Württemberg Anwendung. 4. Zum VIII. Abschnitt der Verfassung: An .Stelle der im VIII. Abschnitt der Verfassung enthaltenen gelten für Württemberg folgende Bestimmungen: Dem Bunde ausschliesslich steht die Gesetzgebung über lo die Vorrechte der Post und Telegraphie, über die rechtlichen Verhältnisse beider Anstalten zum Publikum, über die Portofreiheiten und das Posttaxwesen, jedoch ausschliesslich der reglementarischen und Tarifbestimmungen für den internen Verkehr innerhalb Württembergs, sowie, 16 unter gleicher Beschränkung, die Feststellung der Gebühren für die telegraphische Korrespondenz zu. Ebenso steht dem Bunde die Regelung dos Post- und Telegraphenverkehrs mit dem Auslände zu, ausgenommen den eigenen unmittelbaren Verkehr Württembergs mit seinen 20 dem Deutschen Bunde nicht angehörenden Nachbarstaaten, wegen dessen Regelung es bei der Bestimmung im Artikel 49 des Postvertrags vom 23. November 1867 bewendet. An den zur Bundeskasse fliessenden Einnahmen des Post- und Telegraphenwesens hat Württemberg keinen Teil. 25 5. Zum XL Abschnitt der Verfassung: In Württemberg kommen die im XI. Abschnitt der Verfassung enthaltenen Vorschriften nach näherer Bestimmung der Militärkonvention vom 21. 25. November 1870 in Anwendung. .",(i 6. Zum Artikel 80 der Verfassung: Die Einführung der nachstehend genannten Gesetze des Norddeutschen Bundes als Bundesgesetze erfolgt für Württemberg, statt, von den im Artikel 80 festgesetzten, von den nachstehend genannten Zeitpunkten an, nämlich : 35 I. vom 1. Juli 1871 an : 1. des Gesetzes, betreffend die vertragsmässigen Zinsen, vom 14. November 1867, 2. des Gesetzes, betreffend die Errichtung eines obersten Gerichtshofs für Handelssachen vom 12. Juni 1869: 40 253 IL vom 1. Januar 1872 an: 1. des Gesetzes, betreffend die Beschlagnahme des Arbeitsoder Diensflohns, vom 21. Juni 1869; 2. des Gesetzes über die Ausgabe von Papiergeld, vom 5 16. Juni 1870. Die Einführung des Gesetzes, Massregeln gegen die Rinderpest betreffend, vom 7. April 1869 als Bundesgesetz bleibt für Württemberg der Bundesgesetzgebung vorbehalten, Dasselbe gilt mit der aus der vorstellenden Bestimmung unter Nr. 4 sich er- 10 gebenden Beschränkung von den im Artikel 80 unter IL Nr. 4 genannten, auf das Post- und Telegraphenwesen bezüglichen Gesetzen. Das Gesetz, betreffend die Schliessung und Beschränkung der öffentlichen Spielbanken, vom 2. Juli 1868, wird in Württemberg, vom Tage der Wirksamkeit der Bundesverfassung an, als Bundes- 15 gesetz eingeführt. Art. 3. Der gegenwärtige Vertrag soll unverzüglich den gesetzgebenden Faktoren Württembergs, beziehungsweise des Norddeutschen Bundes, Badens und Hessens zur verfassungsmässigen Zustimmung vorgelegt und, nach Erteilung dieser Zustimmung, rati- 20 fixiert werden. Der Austausch der Ratifikationsurkunden soll im Laufe des Monats Dezember d. J. in Berlin erfolgen. »So geschehen, Berlin, den 25. November 1870. Mittnacht. v. Friesen. v. Freydorf. Hofmann. 25 v. Suckow. Delbrück. Türckheim. 49. Militärkonvention zwischen dem Norddeutschen B u n d e und W ürttemberg. 1870 Nov. 21./25. Original der Kgl. preussischen Ratifikation vom 22. Dezember 1870 im Kgl. Staats* 30 archiv zu Stuttgart. — Abdruck: Regierungsblatt 1871 S. 8. Seine Majestät der König von Württemberg und Seine Majestät der König von Preussen im Namen des Norddeutschen Bundes, in der Absicht, die Bestimmungen der zwischen Ihnen vereinbarten Verfassung des Deutschen Bundes über das Bundeskriegswesen den 35 besonderen Verhältnissen des Königreichs Württemberg anzupassen, haben Unterhandlungen eröffnen lassen und zu ihren Bevollmächtigten ernannt, und zwar: [folgen die Namen] von welchen Bevoll- 254 mächtigten, nach Vorlegung' und gegenseitiger Anerkennung ihrer Vollmachten die nachstehende Militärkonvention verabredet und geschlossen ist. Art. 1. Die Königlich Württembergiscben Truppen als Teil des Deutschen Bundesheeres bilden ein in sich geschlossenes Armee- 5 korps nach der anliegenden Formation') nebst der entsprechenden Anzahl von Ersatz- und Besatzungstruppen nach Preussischen Normen im Falk; der Mobilmachung oder Kriegsbereitschaft. Art. 2. Die hierdurch bedingte neue Organisation der Königlich Württembergischen Truppen soll in drei Jahren nach erfolgter 10 Anordnung zur Rückkehr von dem gegenwärtigen Kriegsstand auf den Friedensfuss vollendet sein. Art. 3. Von dieser Rückkehr an bilden, beginnend mit einem noch näher zu bestimmenden Tage, die Königlich Württembergischen Truppen das vierzehnte 2 ) Deutsche Bundesarmeekorps mit ihren 15 eigenen Fahnen und Feldzeichen und erhalten die Divisionen, Brigaden, Regimenter, und selbständigen Bataillone des Armeekorps die entsprechende laufende Nummer in dem Deutschen Bundes- heere neben der Numerierung im Königlich Württembergischen Verbände. 20 Art. 4. Die Unterstellung der Königlich Württembergischen Truppen unter den Oberbefehl Seiner Majestät des Königs von Preussen als Buudesfeldherrn beginnt ebenfalls in einem noch näher zu bestimmenden Tage und wird in den bisherigen Fahneneid in der Weise aufgenommen, dass es an der betreffenden .Stelle heisst: 25 „dass ich Seiner Majestät dem Könige während meiner Dienstzeit als Soldat treu dienen, dem Bundesfeldherrn und den Kriegsgesetzen Gehorsam leisten und mich stets als tapferer und ehrliebender Soldat verhalten will. So wahr mir Gott helfe." . 30 Art. 5. Die Ernennung, Beförderung, Versetzung u. s. vv. der Offiziere und Beamten des Königlich Württembergischen Armeekorps erfolgt durch Seine Majestät den König von Württemberg, diejenige des Höchstkommandierenden für das Armeekorps nach vorgängiger Zustimmung Seiner Majestät des Königs von Preussen 35 als Bundesfeldherr. Seine Majestät der König von Württemberg genicsst als Chef Seiner Truppen die ihm Allerhöchst zustehenden Ehren und Rechte und übt die entsprechenden gerichtsherrlichen ') Hier weggelassen. -) Nunmehr das dreizehnte. 255 Befugnisse samt dem Bestätigungs- und Begnadigungsrecht bei Erkenntnissen gegen Angehörige des Armeekorps aus, welche über die Befugnisse des Armeekorpskommandanten, beziehungsweise des Königlich Württembergischen Kriegsministeriums hinausgehen. 5 Art. 6. Unbeschadet der dem Bundesfeldherrn gemäss der Bundesverfassung zustellenden Rechte der Disponierung über alle Bundestruppen und ihrer Dislozierung soll für die Dauer friedlicher Verhältnisse das Württembergische Armeekorps in seinem Verband und in seiner Gliederung erhalten bleiben und im eigenen Lande 10 disloziert sein; eine hiervon abweichende Anordnung des Bundesfeldherrn, sowie die Dislozierung anderer deutscher Truppenteile in das Königreich Württemberg soll in friedlichen Zeiten nur mit Zustimmung Seiner Majestät des Königs von Württemberg erfolgen, sofern es sich nicht um Besetzung Süddeutscher oder Westdeutscher 15 Festungen handelt. Art. 7. lieber die Ernennung der Kommandanten für die im Königreich Württemberg gelegenen festen Plätze, welche nach Artikel 64 der Bundesverfassung dem Bundesfeldherrn zusteht, sowie über die demselben gleiehcrmassen zustehende Berechtigung, 20 neue Befestigungen innerhalb des Königreichs anzulegen, wird sich der Bundesfeldherr eintretenden falls mit dem König von Württemberg vorher in Vernehmen setzen; ebenso wenn der Bundesfeldherr einen von Ihm zu ernennenden Offizier aus dem Königlich Württembergischen Armeekorps wählen will. 25 Um der Beurteilung dieser Ernennungen eine Grundlage zu gewähren werden über die Offiziere des Königlich Württembergischen Armeekorps vom Stabsoffizier aufwärts alljährlich Personal und Qualifikationsberichte nach Preussischem Schema aufgestellt und Seiner Majestät dem Bundesfeldherrn vorgelegt. 30 Art. 8. Zur Beförderung' der Grleichm'assigkeit in der Ausbildung und dem inneren Dienst der Truppen werden nach gegenseitiger Verabredung einige Königlich Württembergische Offiziere je auf 1—2 Jahre in die Königlich Preussiscbe Armee und Königlich Preussische Offiziere in das Königlich Württembergische Armee- 35 korps kommandiert. Hinsichtlich etwa wünschenswerter Versetzung einzelner Offiziere aus Königlich Württembergischen Diensten in die Königlich Preussische Armee oder umgekehrt haben in jedem Spezialfälle besondere Verabredungen stattzufinden. 40 Art. 9. Der Bundesfeldherr, welchem nach Artikel 63 das 256 Recht zusteht, sich jederzeit durch Inspektionen von der Verfassung der einzelnen Kontingente zu überzeugen, wird die Königlich Wiirt- tcinbergischen Truppen alljährlich mindestens einmal entweder Allerhöchstselbst inspizieren, oder durch zu ernennende Inspekteure, deren Personen vorher Seiner Majestät dem König von Württem- 5 berg bezeichnet werden sollen, in den Garnisonen oder bei den Uebungen inspizieren lassen. Die infolge solcher Inspizierungen bemerkten sachlichen und persönlichen Missstände wird der Bundesfeldherr dem Könige von Württemberg mitteilen, welcher seinerseits dieselben abstellen und 10 von dem Geschehenen alsdann dem Bundesfeldherrn Anzeige machen lässt. Art. 10. Für die Organisation des Königlich Württembergischen Armeekorps sind — so lange und insoweit nicht auf dem Wege der Bundesgesetzgebung anders bestimmt wird — die derzeitigen 15 preussischen Normen massgebend. Es kommen demgemäss in dem Königreich Württemberg ausser dem Norddeutschen Gesetz über die Verpflichtung zum Kriegsdienst vom 9. November 1867, nebst der dazu gehörigen Militär-Ersatzinstruktion vom 26. März 1868, insbesondere alle 20 Preussischen Exerzier- und sonstigen Reglements, Instruktionen und Reskripte zur Ausführung, namentlich die Verordnung über die Ehrengerichte vom 20. Juli 1843, die für Krieg und Frieden gegebenen Bestimmungen über Aushebung, Dienstzeit, Servis-, Xcy- pfiegungs- und Invalidenwesen, Mobilmachung u. s. w., über den 25 Ersatz des Offizierkorps und über das Militär-Erziehungs- und Bildungswesen. Ausgenommen sind von der Gemeinsamkeit in den Einrichtungen des Königlich Württembergischen Armeekorps mit denjenigen der Königlich Preussischen Armee: die Militär-Kirchenordnung, 30 das Militär-Strafgesetzbuch und die Militär-Strafgerichtsordnung, sowie die Bestimmungen über Einquartierung und Ersatz von Flurbeschädigungen, worüber in dem Königreich Württemberg die derzeit bestehenden Gesetze und Einrichtungen vorerst und bis zur Regelung im Wege der Bundesgesetzgebnng in Geltung verbleiben. 35 Die Gradabzeichen, sowie die Benennungen und der Modus der Verwaltung sind in dem Königlich Württembergischen Armeekorps dieselben wie in der Königlich Preussischen Armee. Die Bestimmungen über die Bekleidung für das Königlich Württembergische Armeekorps werden von Seiner Majestät dem König von 40 257 Württemberg gegeben und es soll dabei den Verhältnissen der Bundesarmee die möglichste Rechnung getragen werden. Art. 11. Im Falle eines Krieges steht von dessen Ausbruch bis zu dessen Beendigung die obere Leitung des Telegraphenwesens, 5 soweit solches für die Kriegszwecke eingerichtet ist, dem Bundes- fcldherrn zu. Die Königlich Württembergische Regierung wird bereits während des Friedens die bezüglichen Einrichtungen in Ueberein- stimmung mit denjenigen des Norddeutschen Bundes treffen, und 10 insbesondere bei dem Ausbau des Telegraphennetzes darauf Bedacht nehmen, auch eine der Kriegsstärke ihres Armeekorps entsprechende Feldtelegraphie zu organisieren. Art, 12. Aus der von Württemberg nach Art. G2 der Bundesverfassung zur Verfügung zu stellenden Summe bestreitet die König- 15 licli Württembergische Regierung, nach Massgabe des Bundeshaushalts-Etats, den Aufwand für die Unterhaltung des Königlich Württembergischen Armeekorps, einschliesslich Neuanschaffungen, Bauten, Einrichtungen u. s. w. in selbständiger Verwaltung, sowie den Anteil Württembergs an den Koston für die Einrichtungen des 20 Gesamtheeres — Zentral-Adininistration, Festungen, Unterhaltung der Militär-Bildungsanstalten, einschliesslich der Kriegsschulen und militärärztlichen Bildungsanstalten, der Examinationschule, des Lehrbataillons, der Militär- und Artillerie-Schiessschule, der Militär- Reitschule, der Zentral-Turnanstalt und des grossen Generalstabs. 25 Ersparnisse, welche unter voller Erfüllung der Bundespflichten als Ergebnisse der obwaltenden besonderen Verhältnisse möglich werden, verbleiben zur Verfügung Württembergs. Das Königlich Württembergische Armeekorps partizipiert an den gemeinschaftlichen Einrichtungen und wird im grossen General- 3() stabe verhältnismässig vertreten sein. Art. 13. Die Zahlung der von Württemberg nach Artikel 62 der Bundesverfassung aufzubringenden Summe beginnt mit dem ersten Tag des Monats, welcher auf die Anordnung zur Rückkehr der Königlich Württembergischen Truppen von dem Kriegszustande 85 auf den Friedensfuss folgt. In den Etat und die Abrechnung des Bundesheers tritt das Königlich Württembergische Armeekorps jedoch erst mit dem 1. Januar 1872 ein. Während der im Artikel 2 verabredeten dreijährigen Ueber- gangszeit wird für den Etat des Königlich Württembergischen 40 Armeekorps die Rücksicht auf die in dieser Periode zu vollziehende Württ, Gcsohiclitsqiiollcn XI. 17 258 neue Organisation massgebend sein, und zwar sowohl in Beziehung auf die in Ansatz zu bringenden Beträge, als auch in Beziehung auf die Zulässigkeit der gegenseitigen Uebertragung einzelner Titel und der Uebertragung gleichnamiger Titel aus einem Jahre ins andere. 5 Art. 14. Verstärkungen der Königlich Württembergischen Truppen durch Einziehung der Beurlaubten, sowie die Kriegsformation derselben und endlich deren Mobilmachung bangen von den Anordnungen des Bundesfeldherrn ab. Solchen Anordnungen ist allezeit und in ganzem Umfange Folge zu leisten. Die hiedurch 10 erwachsenden Kosten trägt die Bundeskasse, jedoch sind die König- lieb Württembergischen Kassen verpflichtet, insoweit ihre vorhandenen Fonds ausreichen, die notwendigen Gelder vorzuschiessen. Art. 15. Zur Vcnnittclung der dienstlichen Beziehungen des Königlich Wurttembergischen Armeekorps zu dem Deutseben Bundes- 15 beer findet ein direkter Schriftwechsel zwischen dem Königlieb Preussiscben und dem Königlich Württembergischen Kriegsministerium statt und erhält letzteres auf diese Weise alle betreffenden zur Zeit gültigen oder später zu erlassenden Reglements, Bestimmungen u. s. w. zur entsprechenden Ausführung. 20 Nebendem wird die Königlich Württembergische Regierung jederzeit in dem Bundesausseliuss für das Landbeer und die Festungen vertreten sejn. Art. 16. Die gegenwärtige Konvention soll nach erfolgter Genehmigung durch die legislativen Organe ratifiziert und es sollen 25 die Ratifikationsurkunden gleichzeitig mit den Erklärungen über die Ratifikation der am heutigen Tage vereinbarten Verfassung des Deutschen Bundes in Berlin ausgetauscht werden. Zu Urkund dessen haben die Bevollmächtigten die gegenwärtige Konvention in doppelter Ausfertigung vollzogen und untersiegelt. 30 Q , , Hauptquartier Versailles, den 21. Nov. 1870. So geschehen ' ' , . , Berlin, den 25. Nov. 1870. von Roon. v. Suckow. Ihre Ergänzung fand diese Konvention durch den königlichen Erlass vom 1. Dezember I8O0 (Staatsanzeiger vom 18. JanuaT 1894). 259 50. Verfassungsgesetz, betreffend Abänderungen des IX. Kapitels der Verfassungsurkunde. 1906 Juli 16. (Iriginal im Kgl, Staatsarchiv zu Stuttgart. — Abdruck: Regierungsblatt 1906 S. 161. 5 Wilhelm IL, von Gottes Gnaden König von Württemberg'. Nach Anhörung Unseres .Staatsministeriums und unter Zustimmung Unserer getreuen Stände verordnen und verfügen Wir, wie folgt: Art. 1. lo An die .Stelle des § 129 der Verfassungsurkunde treten die nachfolgenden Bestimmungen: s 129. Die Erste Kammer besteht 1) ans den Prinzen des Königlichen Hauses; 15 2) ans den Häuptern der fürstlichen und gräflichen Familien, auf deren Besitzungen vormals eine Eeichs- oder Kreistagsstimme geruht bat, sowie aus den Häuptern der gräflichen Familien von Rechberg und von Neipperg, solange sie sich im Besitz ihres 20 mit Fideikommiss belegten, nach dem Rechte der Erstgeburt sich vererbenden Grundvermögens im Königreich befinden; 3. aus höchstens sechs von dem König auf Lebenszeit ernannten Mitgliedern; 4) aus acht Mitgliedern des ritterschaftlichen Adels (vergl. § 132); 25 5) aus dem Präsidenten des Evangelischen Konsistoriums, dem Präsidenten der Evangelischen Landessynode — im Falle der Erledigung der Stelle dem durch die Landessynodal- ordnung bestimmten Stellvertreter desselben — und zwei evangelischen Generalsuperintendenten, ferner einem Ver- 30 treter des Bischöflichen Ordinariats (des Landesbischofs nebst dein Domkapitel) und einem von den katholischen Dekanen aus ihrer Mitte gewählten Mitgliede (vergl. § 132a Abs. 1 und 2); <>) aus je einem Vertreter der Landesuniversität in Tübingen 35 und der Technischen Hochschule in Stuttgart (vergl. § 132 a Abs. 3); 7. aus zwei Vertretern des Handels und der Industrie, zwei Vertretern der Landwirtschaft und einem Vertreter des Handwerks (vergl. § 132 b). 17* 260 Art. 2. Der § 130 der Verfassungsurkunde wird dahin abgeändert: Insoweit als Landstandschaftsrechte der in g 129 Ziff 2 bezeichneten Art auf andere Weise als dureh freiwilligen Entschluss (lauernd wegfallen, erhöht sieh entsprechend die Höchstzahl der 5 nach § 129 Ziff. 3 von dein König auf Lebenszeit zu ernennenden Mitglieder. Art. 3. Die §§ 131 und 132 der Verfassungsurkunde werden aufgehoben. 10 Nach § 130 der Verfassungsurkunde werden folgende Paragraphen eingeschaltet: § 132. Die acht ritterschaftlichen Mitglieder der Ersten Kammer werden zusammen von den immatrikulierten Besitzern oder Teil- 15 habern der Rittergüter des Königreichs aus sämtlichen Mitgliedern ritterschaftlicher Familien gewählt. Die Wahl findet in Stuttgart unter der Leitung einer von dem Ministerium des Innern bestellten Wahlkommission statt, die aus einem Vorstand und zwei aus der Zahl der wahlberechtigten Mit- 20 glieder des ritterschaftlichen Adels zu ernennenden Beisitzern bestellt. § 132 a. Die zwei evangelischen Generalsuperintendenten werden unter der Leitung eines von dem Ministerium des Kirchen- und Schulwesens bestellten Wahlkommissars von sämtlichen evangelischen 25- Generalsuperintendenten, der Vertreter des Bischöflichen Ordinariats wird von diesem aus seiner Mitte gewählt. Die Wahl des katholischen Dekans findet in einem Zusammentritt der Dekane katholischer Konfession, soweit sie nicht dem Bischöflichen Ordinariat angehören, unter der Leitung eines von 30 dem Ministerium des Kirchen- und .Schulwesens bestellten Wahlkommissars statt. Die Vertreter der Landesuniversität und der Technischen Hochschule werden je von dem akademischen Senat aus seiner Mitte gewählt. 35 § 132 b. Die Vertreter des Handels und der Industrie, der Landwirtschaft sowie des Handwerks werden je für die Dauer einer Wahlperiode durch den König ernannt. Die Ernennung erfolgt je auf den Vorschlag der gesetzlich organisierten Berufskörperschaften, 40 261 und zwar werden die Vertreter des Handels und der Industrie durch die Handelskammern aus der Zahl der zu Mitgliedern dieser Kammern wählbaren Personen, der Vertreter des Handwerks "durch die Handwerkskammern aus der Zahl der zu Mitgliedern dieser Kammern 5 wählbaren Personen, die Vertreter der Landwirtschaft, solange die Einrichtung einer oder mehrerer Landwirtschaftskammern noch nicht zur gesetzlichen Durchführung gelangt sein wird, durch die Mitglieder der Ausschüsse der landwirtschaftlichen Gauverbände aus den Kreisen derjenigen Personen, welche als Eigentümer, 10 Nutzniesser, Pächter oder Verwalter landwirtschaftlich benutzter Grundstücke für die Zwecke der Landwirtschaft tätig sind, vorgeschlagen. Die Vorschläge enthalten je die doppelte Zahl der zu ernennenden Personen, im Fall des Nichteintritts einer oder mehrerer 15 der vorgeschlagenen und ernannten Personen in die Ständeversammlung oder ihres Ausscheidens aus derselben kann von der Anordnung der Ergänzung der Vorschlagsliste für die Neuernennung Umgang genommen werden. Art. 4. 20 Der § 133 der Verfassungsurkunde wird durch nachfolgende Bestimmungen ersetzt: § 133. Die Zweite Kammer (Kammer der Abgeordneten) besteht 1) aus je einem Abgeordneten eines jeden Oberamtsbezirks, 25 2) aus sechs Abgeordneten der Stadt Stuttgart und je einem Abgeordneten der Städte Tübingen, Ludwigsburg, Ellwangen, Ulm, Heilbronn und Reutlingen, 3) aus siebzehn Abgeordneten zweier Landeswahlkreise, von denen der erste den Neckarkreis und den Jagstkreis um- 30 fasst und neun Abgeordnete wählt, der zweite den Schwarzwaldkreis und den Donaukreis umfasst und acht Abgeordnete wählt. Eine Veränderung in der Einteilung der Kreise des Landes ist Gegenstand der ordentlichen Gesetzgebung. 35 Art. 5. Nach § 133 der Verfassungsurkunde wird folgender Paragraph eingeschaltet: § 133 a. Die Abgeordneten der Zweiten Kammer (§ 133) werden durch 40 diejenigen Staatsbürger unmittelbar gewählt, welche nach § 142 262 zur Ausübung des Wahlrechts berechtigt sind und in dem Wahlbezirk ihren Wohnsitz oder ihren nicht bloss vorübergehenden Aufenthalt haben. Art. (3. Der § 134 Abs. 2 der Verfassungsurkunde erhält folgende 5 Fassung: Zu Mitgliedern der Ersten und Zweiten Kammer können nur solche Personen gewählt oder ernannt werden, die am Tage der Wahl oder Ernennung das fünfundzwanzigste Lebensjahr zurückgelegt haben. Art. 7. 10 Der § 135 der Verfassungsurkunde wird dahin abgeändert: § 135. Zum Eintritt in die Ständeversammlung sind ausserdem männliches Geschlecht, der Besitz der württembergischen Staatsangehörigkeit und ein Wohnsitz im Königreich erforderlich. Der Eintritt ir> der in § 129 Ziff. 1 und 2 bezeichneten Mitglieder hat einen Wohnsitz im Deutschen Reich zur Voraussetzung. Im Falle der Wahl oder Ernennung muss der Eintretende die Staatsangehörigkeit und den Wohnsitz am Tage der Wahl oder Ernennung besessen haben. 20 Kinen Wohnsitz im Sinne des Abs. 1 hat eine Person an dein Orte, an dem sie eine Wohnung unter Umständen innc hat, welche auf die Absicht der dauernden Beibehaltung einer solchen schliessen lassen. Von dem Eintritt in die Ständeversammlung sind diejenigen 25 Personen ausgeschlossen, welchen nach § 142 Abs. 2 Ziff. 1 bis 4 die Ausübung des Wahlrechts versagt ist. Art. 8. Die §§ 136 und 137 der Verfassungsurkunde (vergl. Art. 2 des Verfassungsgesetzes vom 26. März 1868, betreffend einige Ab- 30 änderungen des IX. Kapitels der Verfassungsurkunde, Reg.Bl. S. 175) werden aufgehoben. Art. 9. Der § 142 der Verfassungsurkunde (vergl. Art. 4 des Verfassungsgesetzes vom 26. März 1868) wird dahin abgeändert: 35 § 142. Zur Ausübung des Wahlrechts für die Ständeversammlung sind männliches Geschlecht, der Besitz der württembergischen Staatsangehörigkeit und die Zurücklegung' des f ünfundzwanzigsten Lebensjahres erforderlich. 40 263 Von der Berechtigung' zum Wählen sind ausgeschlossen: 1) Personen, welche unter Vormundschaft stehen, entmündigt sind oder wegen geistiger Gehrechen unter Pflegschaft stellen ; 2) Personen, über deren Vermögen der Konkurs eröffnet ist, 5 während der Dauer des Verfahrens; 3) Personen, welche — den Fall eines vorübergehenden Unglücks ausgenommen — eine Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln beziehen oder im letzten der Wahl vorhergegangenen Jahr bezogen haben und diese zur Zeit des endgültigen 10 Abschlusses der Wählerliste nicht wieder erstattet haben; 4) Personen, denen infolge rechtskräftiger Verurteilung der Vollgenuss der staatsbürgerlichen Rechte entzogen ist, für die Zeit der Entziehung, sofern sie nicht in diese Rechte wieder eingesetzt sind. 15 Art. 10. Der § 143 der Verfassungsurkunde (vergl. Art. 6 des Verfassungsgesetzes vom 2G. März 1868 und Art. IV des Gesetzes vom 16. Juni 1882, betreffend Änderungen des Landtagwahlgesetzes vom 26. März 1868, Reg.Bl. 8. 212) wird dahin abgeändert: 20 § 143. Die Ausübung des Wahlrechts kann nicht durch einen Bevollmächtigten geschehen. Art. 11. An die Stelle des § 144 der Verfassungsurkunde (vergl. Art. 7 25 des Verfassungsgesetzes vom 26. März 1868) treten folgende Bestimmungen : § 144. Bei den Wahlen zur Ersten Kammer (§ 132 und 132 a) und bei den Wahlen der Abgeordneten der Oberamtsbezirke und Städte 30 zur Zweiten Kammer (§ 133 Ziff. I und 2) gilt, vorbehaltlich der in Abs. 3 getroffenen Bestimmung, im ersten Wahlgang nur derjenige als gewählt, aufweichen sich mehr als die Hälfte der gültig abgegebenen Stimmen vereinigt hat. Hat sich eine solche Mehrheit nicht ergeben, so ist ein zweiter 35 Wahlgang anzuordnen, bei welchem die verhältnismässige Stimmenmehrheit und im Falle der Stimmengleichheit das Los entscheidet. Die sechs Abgeordneten der Stadt Stuttgart und die siebzehn Abgeordneten der beiden-Landeswahlkreise werden je in einem Wahlgang nach dem Grundsatz der Listen- und Verhältniswahl 40 gewählt. 264 § 144 a. Nach den Vorschriften des § 144 Abs. 1 und 2 werden auch die Vorschlagswahlen für die Ernennung der Vertreter des Handels und der Industrie, der Landwirtschaft sowie des Handwerks zu der Ersten Kammer (§ 132 b) vorgenommen. 5 Art. 12. Der § 145 der Verfassungsurkunde (vergl. Art. 8 des Verfassungsgesetzes vom 26. März 1868) wird aufgehoben. Art. 13. Der § 146 der Verfassungsurkunde erhält folgende Fassung: lo Zum Abgeordneten der Zweiten Kammer kann jeder gewählt werden, welchem die oben (§ 184 und § 135) vorgeschriebenen Eigenschaften nicht fehlen. Jedoch können bei den Wahlen für die Abgeordneten der Oberamtsbezirke und Städte Staatsdiener nicht innerhall) des Bezirks ihrer Amtsverwaltung und Kirchen- 15 diener nicht innerhalb des Oberamtsbezirks, in welchem sie wohnen, gewählt werden. Auch können die der Ersten Kammer durch Geburt oder Amt angehörenden Mitglieder in die Ständeversammlung nicht gewählt werden. Beamte bedürfen zur Annahme einer Wald keines Urlaubs. 20 Wenn ein gewähltes Ständemitglied ein besoldetes Reichsoder Staatsamt annimmt, oder im Reichs- oder Staatsdienst in ein Amt eintritt, mit welchem ein höherer Gehalt oder Rang verbunden ist, so verliert es Sitz und Stimme in der Ständeversammlung und kann seine Stelle in derselben nur durch neue Wahl wieder erlangen. 25 Art. 14. Der $ 147 der Verfassungsurkunde erhält folgende Fassung: § 147. • Wer mehrmals in die Ständeversammlung gewählt worden ist, kann nur eine der auf ihn gefallenen Wahlen annehmen. 30 Niemand kann gleichzeitig Mitglied beider Kammern sein. Art. 15. Der i; 148 der Verfassungsurkunde wird aufgehoben. Art. 16. Der § 151 der Verfassungsurkunde (Art. i) und 10 des Ver- 35 fassungsgesetzes vom 2(i. März 1868) erhält folgende Fassung: Die Vorschriften über die Vorschlagswahl zur Berufung der Vertreter des Handels und der Industrie, der Landwirtschaft sowie des Handwerks in die Erste Kammer und über die Wahl der Abgeordneten der Zweiten Kammer werden durch Gesetz näher bestimmt 40 265 Die Mitglieder der Wahlkommissionen können nicht durch die Wahlhandlung, bei deren Leitung' sie beteiligt sind, gewählt werden. Ebenso sind bei den Waiden der Ritterschaft die zur Leitung der Wahlhandlung zuzuziehenden ritterschaftliehen Mitglieder (§ 132 5 Abs. 2) nicht wählbar. Art. 17. Der § 153 der Verfassungsurkunde (vergl. Art. 12 des Verfassungsgesetzes vom 26. März 1868) wird dahin abgeändert: § 153. 10 Hat der Gewählte (§§ 132, 132a, 133) die Wahl nicht angenommen, so ist eine neue Wahl anzuordnen. Auf die nach dem Grundsatz der Verhältniswahl vollzogenen Wahlen findet diese Bestimmung keine Anwendung. Art 18. 15 Der § 156 der Verfassungsurkunde wird dahin abgeändert: § 156. Die Mitglieder beider Kammern haben ihr Stimmrecht in Person auszuüben. Niemand kann eine doppelte .Stimme führen. Es steht jedoch das Recht der Stellvertretung den in § 129 20 Ziff. 2 genannten Mitgliedern der Ersten Kammer insoweit zu, dass sie, wenn sie durch Krankheit oder andere, nicht unter die Voraussetzungen des § 142 Abs. 2 Ziff. 2 bis 4 fallende Verhältnisse gehindert sind, seihst in der Ersten Kammer zu erscheinen, und diese die Gründe als zutreffend anerkennt, einen Agnaten mit der Stell- 25 Vertretung beauftragen können. Steht eines der in § 129 Ziff. 2 genannten Mitglieder unter Vormundschaft, so kann der Vormund einen Agnaten mit der Stellvertretung beauftragen oder, wenn er selbst Agnat ist, die Stellvertretung übernehmen. 30 Der Stellvertreter muss die zum Eintritt in die Ständever- sammlung erforderlichen Eigenschaften besitzen (§ 134 Abs. 1, § 135 und § 142 Abs. 2 Ziff. 1 bis 4). Art. 19. Der § 157 der Verfassungsurkunde erhält folgende Fassung: 85 § 157. Je nach Ablauf von sechs Jahren, gerechnet vom Tag der letzten allgemeinen Hauptwahl der Abgeordneten der Oberamtsbezirke und Städte zur Zweiten Kammer (§ 133 Ziff. 1 und 2), muss eine neue Wahl sämtlicher durch Wahl berufenen Mitglieder der Ständeversammlung 40 angeordnet werden. Die bisherigen Mitglieder sind wieder wählbar. 266 Art. 20. Der § 158 der Verfassungsurkunde erhält folgende Fassung: § 158. Während dieses sechsjährigen Zeitraums erfolgt der Austritt eines Mitglieds der Ständeversammlung, ausser den Fällen des frei- r> willigen Entschlusses (vergl. auch § 147 Abs. 2), des § 146 Abs. 4 oder der gerichtlich erkannten Ausschliessung (§ 203), nur dann, wenn das Mitglied 1) das Grundvermögen, den Stand oder das Amt, worauf seine Befähigung beruht, zu besitzen aufhört; 10 2) in der Zwischenzeit eine der oben (§ 135 und 142 Abs. 2 Ziff. 1 bis 4) festgesetzten Eigenschaften verliert. Im Falle des Austritts wird, wenn der Austretende nicht ein nach dem Grundsatz der Verhältniswahl gewähltes Mitglied der Ständeversammlung war, eine neue Wahl für den noch übrigen 15 Teil der Wahlperiode vorgenommen. Art. 21. Der § 159 Abs. 1 der Verfassungsurkunde erhält folgende Fassung: Die Mitglieder beider Kammern haben sich vor Eröffnung des 20 Landtags bei dem Ständischen Ausschuss (§ 187) durch Vorlegung des Einbcrufungsschvcibens, welches in den Fällen der Stellvertretung (§ 156) von einem ordnungsmässigen Nachweis begleitet sein muss, durch Vorlegung der Wahlurkunde oder durch Bezugnahme auf das Wahlprotokoll zu legitimieren. 25 Art. 22. Der § 162 der Verfassungsurkunde wird dahin abgeändert: § 162 - Die Sitzordnung und die Reihenfolge bei namentlichen Abstimmungen werden in beiden Kammern durch die Geschäftsordnung 30 bestimmt. Art. 23. Der § 164 Abs. 3 der Verfassungsurkunde (vergl. Art. 2 des Verfassungsgesetzes vom 23. Juni 1874, betreffend einige Abänderungen des IX. Kapitels der Verfassungsurkunde, Keg.Bl. S. 177) 35 erhält folgenden Zusatz: Sie kann für die in Abs. 1 bezeichnete Zeitdauer einen zweiten Vizepräsidenten wählen. Art. 24. Der § 169 der Verfassungsurkunde wird dahin abgeändert: 40 267 § 169. Die Minister, sowie die Königlichen Kommissare in Ansehung der Gegenstände, zu deren Beratung sie ernannt sind, sind befugt, den Verhandlungen der beiden Kammern und der ständischen 5 Kommissionen — soweit nicht von der betreffenden Kommission die Abhaltung einer vertraulichen Sitzung beschlossen wird — anzuwohnen und an den Beratungen teilzunehmen. Sie können sich auch von anderen, mit dem vorliegenden Gegenstand besonders vertrauten Staatsdienern begleiten lassen. Von dem Zusammentritt 10 der Kommissionen und von dem Gegenstand ihrer Verhandlungen ist dem Staatsministerium rechtzeitig Kenntnis zu geben. Art. 25. Der § 173 der Verfassungsurkunde (vergl. Art. 7 und 10 des Verfassungsgesetzes vom 23. Juni 1874) erhält folgende Fassung: 15 § 173. Königliche Anträge sind, wenn dies von der Staatsregierung verlangt wird, vor der Einzelberatung an eine Kommission zu verweisen. Art. 26. Der § 181 der Verfassungsurkunde wird durch nachstehende 20 Bestimmungen ersetzt: § 181. Für die Beratung und Beschlussfassung über den Hauptetat (§ 111) gelten folgende Bestimmungen: 1) Der Hauptetat wird in der Zweiten Kammer unter Beach- 25 tung des § 110 in Beratung gezogen und es wird von ihr zunächst über die einzelnen Titel desselben Beschluss gefasst. 2) Die Beschlüsse der Zweiten Kammer werden sodann der Ersten Kammer zur Beratung und Beschlussfassung mitgeteilt. Hat sich dabei die Erste Kammer für Abänderung 80 eines von der Zweiten Kammer gefassten Beschlusses erklärt, so hat die Zweite Kammer den Gegenstand einer nochmaligen Beratung und Beschlussfassung zu unterziehen. Wenn hiebei die Zweite Kammer einen von demjenigen der Ersten Kammer abweichenden Beschluss fasst, so gilt 35 ihr Beschluss als Beschluss der Ständeversammlung. Diejenigen Steuern, deren Sätze im Wege der ordentlichen Gesetzgebung fest bestimmt sind, werden, ausser in dem Fall der Ablehnung des Etats im ganzen, in diesen Sätzen so lange und insoweit forterhoben, als nicht beide 40 Kammern über die Ablehnung der Steuer oder die Ermäs- 268 sigung des Steuersatzes einverstanden sind. Eines übereinstimmenden Beschlusses beider Kammern bedarf es, wenn eine Steuer, für welche in einem Steuergesetz ein fester Steuersatz bestimmt ist, in einem höheren Betrag erhoben werden soll. 5 3) Nach erfolgter Beschlussfassung über die einzelnen Titel des Hauptetats wird über den letzteren im ganzen zuerst in der Zweiten, dann in der Ersten Kammer abgestimmt. Wird hiebei von der Ersten Kammer der von der Zweiten Kammer angenommene Etat abgelehnt, so werden die be- 10 jahenden und die verneinenden Stimmen beider Kammern zusammengezählt und wird alsdann nach der Mehrheit sämtlicher Stimmen der Ständebeschluss abgefasst. Würde in diesem Falle Stimmengleichheit eintreten, so hat der Präsident der Zweiten Kammer die Entscheidung. 15 Bei der ISeschlussfassung über Aufnahme von Anlehen und über Veräusserungen von Bestandteilen des Kammerguts, auch wenn sie in Verbindung mit der Beschlussfassung über den Hauptetat erfolgt, sind beide Kammern gleichberechtigt. Art. 27. 20 Der § 184 der Verfassungsurkunde (vergl. Art. 8 des Verfassungsgesetzes vom 23. Juni 1874) erhält folgende Fassung: § 184. Kein Mitglied der Ständeversammlung kann, solange die Stände versammelt sind, ohne Genehmigung der betreffenden Kammer 25 wegen einer mit Strafe bedrohten Handlung zur Untersuchung gezogen oder verhaftet werden, ausser wenn es bei Ausübung der Tat oder im Laufe des nächstfolgenden Tages ergriffen wird. Auf Verlangen der Kammer wird jedes Strafverfahren gegen ein Mitglied derselben und jede Untersuchungshaft für die Zeit, 30 während welcher die Stände versammelt sind, aufgehoben. Diese Bestimmungen finden auf Mitglieder der Ständeversammlung, die zu Kommissionssitzungen einberufen sind, für die Dauer der Konimissionsberatung entsprechende Anwendung; die in Abs. 1 und 2 bezeichneten Befugnisse stehen in solchen Fällen an 35 Stelle der betreffenden Kammer dem Ständischen Ausschuss (§ 190 Abs. 4 Satz 1) zu. Art. 28. Der § 186 Abs. 3 der Verfassungsurkunde erhält folgende Fassung: 40 269 Im Falle der Auflösung wird spätestens binnen sechs Monaten eine neue Versammlung' einberufen werden; hiezu ist eine neue Wahl der gewählten, sowie eine neue Vorschlagswahl und Ernennung' der in § 129 Ziff. 7 bezeichneten Mitglieder der Stände- 5 Versammlung erforderlich. Art. 29. Der § 193 der Verfassungsurkunde erhält folgende Fassung: Das ständische Amtspersonal besteht ausser den Beamten der Staatsschuldenkasse für beide Kammern aus.einem Archivar,- für 10 jede Kammer aus einem Kanzleidirektor und den weiter erforderlichen Kanzleibeamten. Die Kanzleidirektoren haben zugleich bei dem Ausschuss das Sekretariat zu versehen. Die auf Lebenszeit anzustellenden Beamten der Staatsschuldenkasse sowie der Archivar werden von den vereinigten Kammern, 15 die auf Lebenszeit anzustellenden Beamten der einzelnen Kammern werden je von der betreffenden Kammer gewählt. Die anderen Beamten der Staatsschuldenkasse werden von der Staatsschuldenverwaltungsbehörde und die übrigen Beamten jeder Kammer von deren Präsidenten angestellt und entlassen. 20 Dem König ist die Anstellung der auf Lebenszeit gewählten Beamten zur Bestätigung vorzulegen, ausgenommen die Wahl der Kanzlisten, von welcher nur Anzeige zu machen ist. Die Dienststellung der ständischen Beamten richtet sich im übrigen nach den bei den Königlichen Beamten geltenden Gesetzen. 25 Das gesamte ständische Amtspersonal steht bei nichtver- sammeltem Landtag unter der Aufsicht und den Befehlen des Ausschusses, welcher auch die erforderlich werdenden Amtsverweser zu bestellen hat. Art. 30. 30 Der zweite Absatz des § 194 der Verfassungsurkunde wird dahin abgeändert: Hieher gehören die Entschädigungen, Taggelder und Reisekosten der Mitglieder der Ständeversammlung-, die Besoldungen der Beamten und die Belohnungen derjenigen, welche durch be- 35 sondere Aufträge der Stände oder des Ständischen Ausschusses bemüht gewesen sind, die Unterhaltung einer angemessenen Büchersammlung, die Kanzleikosten überhaupt und andere mit der Geschäftsführung verbundene Ausgaben. Der vierte Absatz des § 194 erhält folgende Fassung: 40 Der Betrag der Entschädigungen, Taggelder und Reisekosten, 270 welchen die Mitglieder der Ständeversammlung einschliesslich der Mitglieder des Ständischen Ausschusses kraft vorstehender Verfassungs- bestimmung anzusprechen haben, wird durch Gesetz bestimmt. Der fünfte Absatz des § 194 wird aufgehoben. Art. 31. 5 Dieses Gesetz tritt mit dem 1. Dezember 1906 in Kraft. Die Anordnungen, welche für die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes Stattfindenden Neuwahlen und Vorschlagswahlen erforderlich werden, können nach der Verkündung des Gesetzes erlassen werden. 10 Unsere sämtlichen Ministerien sind mit der Vollziehung dieses Gesetzes beauftragt. Gegeben Schloss Friedrichshafen, den lü. Juli 1906. Wilhelm. Breitling. Pischck. Zeyer. Weizsäcker. vonMarchtaler. Fleischhauer. 15 271 Regententafel. Konrad 1. 1080- •1110. Konrad IL 1110- -1122. Ludwig I. 1186- -1158. Ludwig IL 1166-1181. Ludwig HI. 1181 — 1221). Hartmann 1194—1239. Conrad von Grieningen 1226—1228. Eberhard 1239. Eberhard 1288-1241. Ulrich I. der Stifter + 1265, Ulrich IL -!■ 1279. Eberhard der Erlauchte f 1325. Ulrich III. -!- 1344. Ulrich IV. •!- 1366. Eberhard der Greiner -!- 1392. (Ulrich f 1388). Eb erhard der Milde f 1417. Eberhard d. J. -'- 1419. Ludwig d. A. -|- 1450. Ulrich V. der Vielgeliebte f 1480. Ludwig- d. .1. Eberhard Lim Eberhard IL (Heinrichf 1519). •:- 1457. Ulrich f 1550. (Georg f 1558). Christoph f 1568. Friedrich I. -j- 1608. Ludwig- -;- 1593. Johann Friedrich -!• 1628. Eberhard III. -,'- 1671. Wilhelm Ludwig | 1677. (Friedrich Karl -I- 1698). Eberhard Ludwig + 1733. Karl Alexander f 1737. Karl Eugen -]• 1793. Ludwig Eugen f 1795. Friedrich Eugen f 1797. Friedrich, König, f 1816. Wilhelm I. f 1864. (]>aul + 1852). Karl -;- 1891. (Fr iedrich j- 187 0.) Wilhelm IL Anmerkung: Bis Eberhard 1238—1241 bezeichnen die Jahre nur das urkundliche. Vorkommen. Auch der genaue genealogische Zusammenhang steht bis dahin nicht fest. £