Vor Paris.
Ueberall aber wurde das fremde Eigenthum von den deut-schen Soldaten nach Möglichkeit geschont; wo sich in den von ihrenBesitzern verlassenen Häusern und Schlössern die Spuren barbarischerZerstörungssucht wahrnehmeu ließen, konnte man sicher sein, daß hiervor der Ankunft der deutschen Truppen Pariser Proletariat- undDiebesbanden gehaust hatten, welche sich die allgemeine Flucht und Ver-wirrung zu Nutze machten, in den herrenlosen Häusern der Reichennach Herzenslust zu plündern und, was sie nicht mitnehmen konnten,zu vernichten. Erbat sich doch die berühmte kaiserliche Porzellanfabrikzu Ssvres preußische Besatzung, weil einige Hausen Franctireurs dieMagazine überfallen hatten, um sich die vorhandenen Werthgegenständeanzueignen.
Die belagernden Truppen setzten sich in ihren Positionen wie auchin dem am 19. September genommenen Werke bei Moulin-la-Tourfest und warfen an verschiedenen wichtigen Punkten Schanzen auf. Jüendlosen Linien zogen sich doppelte, oft auch dreifache Schützengräbenhin, die steinernen Gartenmauern wurden mit Schießscharten versehen,und wo sich gerade kein anderes Deckungsmittel darbot, wurden Bari-kaden errichtet, wozu man Fässer, Balken, Hundehütten, Thüren,Matratzen, Möbel, ja sogar musikalische Instrumente, wie Klaviere undBaßgeigen verwendete.
Theils um diese Arbeiten zu hindern, theils um die.Belagerungs-truppen durch fortwährende Beunruhigung zu ermüden, unterhielten dieForts ein fast unausgesetztes Feuer. Namentlich leistete hierin der «ntschweren, weittragenden Schiffsgeschützen armirte Mont Valerien Auße^ordentliches, der von den deutschen Soldaten verschiedene Spitznamen,wie „Baldrian", oder „Bullerjahn", oder auch „der Dnkel" erhiesi-Wo nur eine Helmspitze, eine Lanze austauchte, wo ein Fenster sich ^der Dunkelheit erleuchtete oder eine Feldwache sich eine Cigarre aN-zündete — dahin sandte sofort das nächstgelegene Fort seine Granaten-Das konnte aber die Belagerer um so weniger um ihren guten Hurn^bringen, als die feindlichen Geschosse fast gar keinen Schaden anrichtet^n-Vielmehr machten sich die deutschen Soldaten über die französisch^Pulververschwendung noch lustig, — steckten Strohmänner in alte Un^formen und verfertigten Geschützmündungen aus Pappe, die sie