Metz, die jungfräuliche Festung.
189
Daß es die Franzosen, wenn nicht auf einen Durchbruch, so dochwenigstens auf eine große Fouragirung abgesehen hatten, darauf deu-teten die 400 ein- und zweispännigen Fahrzeuge, die ihnen über dieVerschanzungen hinaus gefolgt waren.
In Metz stieg die Noth von Tag zu Tag. Die Nahrungsmittelgingen zur Neige und der Commandant der Festung, General Cofsi-nitzres, sah sich g'enöthigt, den noch vorhandenen geringen Proviant-vorrath der um Metz lagernden Bazaine'schen Armee zu entziehen, umwenigstens feine Festungsbesatzung unterhalten zu können. In Folgedessen sandte Bazaine in der Person des Generals Bayer Mitte Octobereinen Unterhändler in das preußische Hauptquartier nach Versaillesund ließ dem Könige die Capitulation der Armee anbieten, während dieBesatzung Zurückbleiben und die Festung vertheidigen solle. Natürlichwurde dieses Anerbieten deutscherseits abgelehnt.
Die Bazaine'schen Truppen versuchten nun, der Festung und demzunehmenden Mangel ohne Capitulation zu entrinnen und liefen, imEinverständniß mit ihren Offizieren, zu Hunderten zu den preußischenVorposten über, von denen sie aber überall, wo sie sich in Massenzeigten, wieder nach Hause.geschickt wurden. Allenfalls gestattete manihnen, sich in den Feldern und Weinbergen Kartoffeln, Trauben oderPferdesutter zu suchen, was sie aber sehr bald mit einer solchen Drei-stigkeit betrieben, daß sie von ganzen Ortschaften förmlich Besitz er-griffen und mit Gewalt verjagt werden mußten, wobei übrigens derStock als Waffe genügte. Das gänzlich fehlende Futter für die Pferde,^ie zu Tausenden geschlachtet wurden, hatte die Artillerie und CavallerieEmälig zu Grunde gerichtet und die bespannungslosen Geschütze wur-den massenhaft ins Arsenal abgeführt. Trotzdem wollte man noch einenätzten Durchbruchsversuch machen, und allen Anzeichen nach, welche^om preußischen Lager aus beobachtet wurden, war hierzu die Nachtvom 24. zum 25. October ausersehen. Bazaine schien sich aber einesbesseren besonnen zu haben, als die Armee nutzlos hinzuopfern, undentschloß sich, in Uebereinstimmung mit den: Kommandanten, General^vffinitzres, denn endlich doch noch für die Armee wie für die Festung^ capituliren. Noch am Abend des 24. erschien im Hauptquartier^ Prinzen Friedrich Carl ein französischer Offizier und bot diesem