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Belagerung und Fall von Straßburg
festesten Keller, so daß auch diese den entsetzten Belagerten kein sicheresAsyl mehr darboten. Eine gänzliche Schonung der Stadt war nichtmöglich, da die alterthümlichen Befestigungen dem Angriffe Schwierig-keiten bereiteten, denen man nur durch gleichzeitige Beschießung derStadt wieder beikommen konnte. Dagegen ging General v. Werderbereitwillig aus den Vorschlag der Schweizer ein, welche den bedräng-testen Familien gastfreundliche Aufnahme gewähren wollten, und sandtezu diesem Zwecke täglich Hunderte von Geleitscheinen in die Stadt.Natürlich konnten bei der Auswahl hauptsächlich nur Verwundete,Kranke, Frauen, Kinder und Greise Berücksichtigung finden, die dennauch von dieser gewährten Vergünstigung Gebrauch machten. Unterder Leitung der schweizerischen Delegation wurde die Auswanderungnach der Schweiz systematisch organisirt. General v. Werder stellteselbst die nöthige Anzahl von Fuhrwerken, so daß täglich zwei Zügevon je 500 Personen befördert werden konnten, welchen von der nächstenEisenbahnstation aus auf Kosten der badischen Regierung freie Fahrtbis Basel gewährt wurde. Dank der Anwesenheit der schweizerischenDelegirten in der Stadt erfuhren die Straßburger dann endlich, welchekriegerischen und politischen Ereignisse sich draußen in der Welt zuge-tragen hatten. Die Stadt hatte nie sonderliche Sympathien für Na-poleon gehegt und begrüßte die Absetzung des Kaisers mit Jubel. In
einer Sitzung des Municipalraths am 12. September trat man unter
dem Rufe: „Es lebe die Republik!" den Entschlüssen der PariserMachthaber bei, und auch General Uhrich fand sich veranlaßt, die neueRegierung anzuerkennen. Die Proclamirung der Republik hob denMuth der Belagerten, da man derselben, ganz wie in dem kindischesParis, die Kraft zutrauete, dem Kriege eine für Frankreich günstigWendung zu geben.
Während der beiden Nächte vom 9. bis 11. September wurden
die Annäherungen zur dritten Parallele, und in der Nacht auf den
12. die Parallele selbst ausgehoben. Dieser Bau reichte nun schon bisdicht an den Fuß des Glacis, und die Entfernung der in die Parallelegeführten Batterien von den Wällen war eine so kurze, daß derDampf der Geschütze sich dicht um die Stadt lagerte und dieselbebeständig mit einer weißlichen Wolke bedeckt schien, aus welcher dee
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