138 Der Sturz des Kaiserthums. — Frankreich zum dritten Male Republik.
den Lieferanten des Kaisers die Fensterscheiben einzuschlageu und diekaiserlichen Adler herabzureißen.
Die Kaiserin Eugenie hatte die Möglichkeit einer nothwendig wer-denden Flucht bereits nach den ersten Niederlagen der französischenArmee erwogen und seit 14 Tagen Vorbereitungen zur Abreise getroffen-Am 4. September Nachmittags verließ sie die Tuilerien in einem Wa-gen, der sie rasch nach dem Nordbahnhofe brachte. Unangefochten er-reichte sie bei Trouville die See und setzte auf einer englischen Dachlnach England über, um sich zunächst nach Hastings zu begeben, wosich bereits ihr Sohn, der kaiserliche Prinz befand. Der kleine Held vonSaarbrücken war am Abend des gleichen Tages, wo seine Mutter ausParis flüchtete, in der belgischen Stadt Namur angelangt und beirndortigen Gouverneur abgestiegen. Noch wußte er von dem Geschehenennichts; erst am andern Morgen theilte ihm der Gouverneur, dessenGastfreundschaft er genoß, die ganze Wahrheit mit von der Gefangen-nahme feines Vaters, dem Sturze des Kaiserthums und der Flucht denKaiserin. Einige Minuten lang schwieg der Prinz in sprachloser Be-stürzung, — dann ries er aus: „Das Alles ist noch nichts, wenn nickFrankreich unversehrt bleibt!" Er bat hieraus, allein gelassen zu rver-den und nun erst weinte sich der arme bemitleidenswerthe Knabe vouganzem Herzen aus. Nachmittags reiste er weiter nach Ostende, ginbdort an Bord eines belgischen, für ihn bereit gehaltenen Schiffsdas ihn am 6. September nach Dover brachte, und begab sich vonhier aus nach Hastings, dem vorläufigen Exil seiner kaiserlichen Mutter-
So war die kaiserliche Familie heimathlos in fremden Landen z^streut, die noch vor Kurzem in» den stolzen Tuilerien geherrscht hast^'In diese war wenig Stunden nach der Flucht der Kaiserin das Boleingedrungen. In den Parterreräumen herrschte die größte Unord-nung und überall waren die Merkmale der raschen Abreise ihrer ehe-maligen hohen Bewohnerin zu erkennen. Auch in den Gemächern d^Kaisers und des Prinzen sah es ziemlich bunt aus. Aus demboden lagen Zeitungen, Hüte, ein Revolveretui und ein Kinderdegeü'Den Teppich im Arbeitszimmer des Prinzen bedeckten kleine Bl^soldaten, welche durch eine mechanische Vorrichtung in Bewegungwerden konnten; auf dem Tische fand sich ein Geschichts -Schreib^