42
Auf Vorposten. Die Einnahme von Weißenburg.
Hohlgeschosse schlugen in Straßen und Häuser und dazwischen fiel einoft Minuten anhaltender Hagel von Chassepotkugeln über die Brüchebis in die zürn Bahnhof führende Straße hinein. Gegen 11 Uhrwaren mehrere feindliche Bataillone von den Höhen herabgerückt, hattenaber auf große Distanz Stellung genommen. Die vorgeschobenenSchützenzüge der 3 Compagnien sowie vier an verschiedenen Punktenaufgestellte Geschütze brachten dem Feinde bedeutende Verluste bei, wäh-rend die Wirkungen seines eigenen Feuers zu seiner Heftigkeit in keinemVerhältniß standen.
Als die erste Mitrailleuse auf die 10. Compagnie gerichtet wurde,welche eben von dem sich aus dem Gefecht ziehenden 2. Bataillone aus-genommen werden sollte, commandirte der Hauptmann von Blombergseiner Mannschaft in ganz ungedeckter Aufstellung Halt, ließ die Sol-daten die Helme schwenken und ein dreimaliges donnerndes Hoch aufden König ausbringen. Knatternd entsandte die Mitrailleuse ihreLadung, ohne daß auch nur ein Mann getroffen worden wäre. Gegen12 Uhr schob der rechte Flügel des Feindes neue Massen vor und die3 Compagnien zogen sich langsam über die von den Chassepotkugelnbestrichene Brücke zurück und räumten die Stadt. Der Gesammtver-lust der Preußen betrug 2 Offiziere und 73 Mann, auf französischerSeite zählte man über 200 Todte und Verwundete.
Vier Stunden lang hatten 3 Compagnien gegen 3 DivisionenStand gehalten, so daß man französischer Seits die numerische Stärkedes Gegners bis in's Abenteuerliche überschätzte. Kaiser Napoleon warmit seinem Sohne eigens aus Metz gekommen, um der Einnahme vonSaarbrücken beizuwohnen. In seinem Telegramme an die Kaiserinrühmte er die bewundernswerte Kaltblütigkeit des Prinzen, welcherAngesichts der zu seinen Füßen fallenden Flinten- und Kanonenkugelndie Feuertaufe empfangen habe. „Eine hob Louis aus", besagt dieDepesche in Bezug auf die feindlichen Kugeln, „so daß Soldaten biszu Thränen gerührt wurden!" Wie diese ganze lächerliche Comödievon der schwindelhaften französischen Presse ausgebeutet und als einglorreicher Sieg dargestellt wurde, kann man sich leicht denken, wennsogar das amtliche Journal den Preußen in Position wie in Zahleine außerordentliche Stärke andichtete und von einer furchtbaren