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BEILAGE B.
Anblick veranlafst fand, die Lünetten in der Galerie der Statuen im Vatican ebenfalls alfrescoausmalen zu lafsen, und das erste Bild, „den Sieg der Christlichen Religion über das Heiden-thum", Ph. Veit zur Ausführung übertrug. Etwas später gaben diese Bilder besonders denersten Anlafs zu der begeisterungsartigen Zuneigung des jetzigen Königs Ludwig von Baiernfür die neue Kunstrichtung, und zu den häufigen Besuchen desselben in den Werkstätten der-selben Künstler, und somit gewissermaafsen den eigentlichen Impuls zu allen den Kunst-schöpfungen, die, von Deutschen Künstlern ausgeführt, in der Residenz München von diesemFürsten ins Leben gerufen wurden.
Zu den Künstlern, die dieser Richtung folgten, und dem einfacheren, strengeren und ge-wifsenhaften Wege, den die alten Meister einst eingeschlagen hatten, aufs Neue nachstrebten,durfte sich auch der Stecher der magern Jahre * rechnen, da er schon seit 1810 mit Corne-lius, Mosler und Xeller aufs Freundschaftlichste verbunden in Frankfurt a. M. zusammen lebteund unter dem fortwährend belehrenden und belebenden Einflufse des Ersteren arbeitete.
Den Eindruck, den diese Bilder, und vorzugsweise die Composition der magern Jahre, aufmich machten, als ich im Jahre 1817 nach Rom gekommen war und mich aufs Neue inFreundschaft und Kunststreben Cornelius, Ovcrbeck und den andern Künstlern dieser Rich-tung angeschlofsen hatte, war so, dafs ein Umrifs, nach den magern Jahren von mir gezeich-net, die erste Arbeit zum Studium war, die ich dort machte, ohne noch zu ahnen, dafs mirspäter der Auftrag zu Thcil werden würde, das Bild zu stechen. Dieser Auftrag ward mir(nachdem ich meinen Antheil, nämlich die Hälfte der Felder des von Reimer in Berlin edir-ten und von Cornelius mit der Feder gezeichneten Nibelungen-Titelblattes beendet hatte, des-sen andere Hälfte Amsler stach) durch einige Frankfurter Kunstfreunde, die zugleich mit mirRom besucht, und die Bilder nicht nur gesehen und hochgeschätzt, sondern sich einige Car-tons angekauft und von andern genau ausgeführte Zeichnungen unter den Augen von Over-beck und Cornelius selbst hatten machen lafsen. Die Zeichnung, wonach ich, mit Zurathe-ziehung des von mir gemachten Umrifscs, die Platte stach, ist von Sutter, einem Freunde Over-becks. Die erwähnten Kunstfreunde, Herren F. B. und Ph. P. in Frankfurt a. M., beabsichtig-ten anfangs, die drei noch übrigen Felder von Cornelius und Overbeck ebenfalls von mirstechen zu lafsen, hatten sich aber vermuthlich die Sache leichter, schneller ausführbar undweniger kostspielig vorgestellt, als sie war; denn als ich nach dreiviertel Jahren die Plattevollendet hatte, nach genauer von Overbeck selbst besorgter Correctur eines Probedruckes,wünschten sie des mit mir abgeschlofsenen Contractes überhoben zu sein, nachdem sie mirmeine darauf verwendete Zeit grofsmüthig bezahlt hatten, und schenkten mir als Entschädi-gung für meinen Zurücktritt die Platte. Bald nachher, ehe ich Schritte für die Herausgabeder Platte durch mich selbst thun konnte, gab Veiten in Karlsruhe die magern Jahre und denVerkauf Josephs in Steindruck und gröfserem Format heraus, kam mir also damit zuvor undin die Quere, mir, der ich in allen kaufmännischen Geschäften unerfahren, zu unvermögendwar, damit zu rivalisiren. So blieb die Platte bis jetzt unbenutzt in meinem Besitz und ruhteso lamre, um ihrer nunmehrigen Bestimmung entgegen zu harren...........
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Hildburghausen,den 9. November 1838.
(gez.) KARL BARTH,
MAI/ER UND KITFERSTECIIEB.
* Nämlich Schreiber dieses Briefes, der Kupferstecher Barth.