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ROM.
so sehr das Gepräge der Natürlichkeit, dafs man glauben mufs, er habejeden Strich nach wirklichen Vorbildern gemacht. Allein seine Mappen undSkizzenbücher enthielten nur wenige unausgeführte Blätter. Wohl aber sahman ihn oft und gern allein im Freien, an öffentlichen Plätzen stehen,wo sich Menschen zu bestimmtem Thun zusammenfanden, und währendes schien, dafs er nur sich an dem Getümmel erfreue, hielt er mittendarin eine einzelne Erscheinung fest, suchte das unter gleichen Voraus-setzungen Gleichartige bei verschiedenen Individuen in Haltung, Bewegungu. s. w. heraus, ja er trieb die Aufmerksamkeit auf die kleinen Züge soweit, dafs er nicht nur z. B. die Wirkungen der Tabackspfeife, oder desBierkruges am Munde, sondern auch die einer wiederkehrenden Bewegungam Kleide bemerkte, ja sich anheischig machte, einen Schreiner von einemSchmidt schon nach den Westenfalten am Rücken unterscheiden zu kön-nen. Aber Alles, was er bemerkte, zeichnete er sich nur in sein Gedächt-nis, nicht auf Papier und Leinwand. So kam es, dafs seine Bilder ohneäufsere Hülfsmittel aus ihm heraus geschaffen wurden. Seine Schilderun-gen Deutschen Familien- und Volkslebens gehören zu den interessantestendieser Gattung, und sind noch nicht übertroffen worden; namentlich hatdas Freischiefsen aus dem Freischütz, früher in Besitz des Herrn Campein Leipzig, ungetheilten Beifall erhalten.
Von München ging Krafft nach Rom. Bei dem grofsen Reize, den dasRömische Volksleben mit seiner Mannigfaltigkeit, Schönheit und Unbefan-genheit ausübt, gehört fast für jeden Maler die gröste Enthaltsamkeit dazu,in seiner Schilderung sich nicht zu versuchen. Wie sehr muste es einemKünstler zusagen, der gerade in der Auffafsung und Darstellung des wirk-lichen Lebens so glücklich war.
Leider war Krafft fast ununterbrochen kränklich in Rom; um so mehrmufs man sich freuen, dafs er wenigstens in Einem vollständigen Werkeein Zeugnis seines Künstlerwerthes niedergelegt hat, und dafs dieses einerSammlung angehört, die den Charakter eines Gemeingutes, den ihr der