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DEUTSCHE KUNST.
er hat ihm auch ein Gemüth gegeben, das alle Herzen an sich zieht undhält. In ihm ist jene Sehnsucht erfüllt, die uns so oft beim Anblick einesseelenvollen Kindes belebt: das, was uns an diesem entzückt, unversehrtim spätem Alter wiederzusehen. Thorwaldsen ist der Mann, von dessenSeele der erweiterte Blick in die Welt, der durchdringende Verstand, derReichthum der Phantasie, die Erfahrung eines siebenzigjährigen Lebens,Lob, Bewunderung, ja Verehrung eines ganzen Erdtheils den Hauch derKindheit nicht verwischt haben. Trotz dem Umfange seiner Fähigkeitenund der Höhe seines Genies, jedes auch noch so junge oder geringe Ta-lent, als wäre er dessen Gleichen, mit Theilnahme beachtend, aufmunterndund leitend; trotz aller Ehrenbezeugungen von Fürsten und Grofsen, einschlichter Künstler ohne alle äufsern Zeichen seines Ranges; in der soge-nannten hohen Gesellschaft voll edlen Anstandes und angeborner Würde,als sei er da zu Hause, am liebsten aber unter Kunstgenofsen, in der rus-sigen Höhle einer Römischen Osterie, bei Gesang und Wein und unbefan-genem Gespräch; trotz seines Reichthums, einfach in Sitten und Lebens-weise, so dafs sich seine Nahrung, Wohnung, Kleidung, selbst Bedienungin nichts von denen der Unbemittelten unterscheidet; mildthätig, hülfreich,und zuverläfsig Keinem feind. Was aber am meisten seine Natur bezeich-net, ist, dafs er von der Fülle des in ihm wohnenden Geistes, dem Reich-thume der Gedanken, der Wahrheit der Empfindungen, durch die er vor-zugweise der Wiederhersteller der neuem Sculptur geworden, kaum etwaszu wifsen scheint, während er mit gröster Klarheit des Bewustseins nachFormenvollendung strebt. Das ist der grofse Mann, zu dem mit Stolz undFreude die Gegenwart hinaufsieht, und den drei Nationen den ihrigen nen-nen: die Dänen, denn er ist ihres Stammes; die Deutschen, denn sein Geistist der ihrer neuen Literatur und Kunst; die Italiener, denn Rom gab sei-nem Talent die Ausbildung, ward seine Heimat, und er selbst nennt, auf dieFrage nach seinem Geburtstage, den S.März, den Tag, an dem er zuerstin dieser Stadt angekommen.