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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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MAILAND.

Herr Cavezzali besitzt ein andres liebliches Bild dieses Künstlers: eineScene aus Grossi's Roman Marco Visconti: die Heldin desselben wird ohn-mächtig entführt. Marco Visconti ist eine von den Hauptpersonen diesesBildes, wie des Romans selber. Hier ist Romantik, dem Genre sehr nahe,aber sie ist ergreifend und zugleich voller Anmuth.

In der Werkstatt des Herrn Hayez sah ich auch eine akademische Stu-die, welche er in seiner Jugend angefertigt hatte, und die mir aus dem Pa-last Luxemburg entsprungen zu sein schien. Ein nackter behelmter Helderklimmt einen Felsen, an welchen stürmische Wellen schlagen. Welchein Glück, dafs Herr Hayez nicht diesem klassischen Helden gefolgt ist,und darauf verzichtete, mit ihm zu klettern: er änderte seine Richtung, undhiezu, glaube ich, darf man sowohl dem Künstler, wie dem Publicum Glückwünschen.

Ich kann mich noch nicht von Herrn Hayez trennen, ich wünschte ihnnoch befser zu charakterisieren, noch befser jenen Eindruck zu bezeichnen,den seine Werke auf mich hervorbrachten. Man findet Einiges von AriScheffer in ihm: aber Scheffer steht dem Rembrandt näher, Hayez hinge-gen dem Tintoretto; was sich aus eines jeden Herkunft erklärt. In einerSkizze (der Heilige Timidio das Volk taufend), welche ich in der Werk-statt des Herrn Hayez sah, hatten die Composition und die Farbe so vielVerwandtschaft mit Tintoretto oder mit Paolo Veronese, dafs, wenn auchdie Patina vorhanden wäre, man sich täuschen könnte.

Ich will in wenig Worten den Eindruck wiedergeben, den sein Talentauf mich gemacht hat. Hayez ist voller Geist, Geschmack und Aufschwung.Er besitzt eine grofse Leichtigkeit des Pinsels. In seiner lieblichen Fär-bung ist Anmuth und Zauber. Seine Richtung entfernt ihn vom Helden-gedicht aber sie führt ihn in den Kreis des Gefühlvollen und der wahrenGemüthsbeweguugen. Er ist romantisch; er ist ein Kind des Jahrhunderts;er ist nach der Mode; er bezaubert, rührt, und nimmt zugleich den Ge-schmack und die Empfindung der Seele in Anspruch.