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MAILAND.
Composition. Der Ton ist milde, der Effect genügend, in keiner Weiseübertrieben.
Francesco Hayez, aus Venedig, scheint das fünfzigste Lebensjahr erreichtzu haben, und soll einen grofsen Theil seiner künstlerischen Bildung demCanova verdanken. Die Art des Talents, welches diesen berühmten Malerauszeichnet zeigt, wie mir scheint, einige Verwandtschaft mit Tiepolo,wenn schon mehr Zartheit in dem Farbenauftrag und mehr Gefühl. Auchfällt er nicht in den Misbrauch der Leichtigkeit, wodurch uns Tiepolo invielen seiner Werke mehr kühn, als glücklich erscheint. In Hayez Bildernfindet man eine liebliche Färbung, die Beleuchtung harmonisch, die Mittel-töne sanft und glücklich gewählt, eine freie und breite Pinselführung, stolzeStellungen, mosse feraci, viel Bewegung, lange Gestalten, die Köpfe imVerhältnisse zum Rumpfe sehr klein: Eigenschaften, die mich vielleichtauf den Gedanken dieser Übereinstimmung mit Tiepolo führten, welche ichübrigens nicht als ein entschiedenes Urtheil hinstelle.
Wenn man die hohe Achtung in Erwägung zieht, deren sich die Arbei-ten von Hayez erfreuen, und dagegen den kleinen Grad von Bewunderungin Anschlag bringt, welchen das jetzige Publicum den alten Bildern zollt,mit denen Tiepolo seiner Zeit die Welt bereicherte, so könnte man in Ver-suchung gerathen, diesen Vergleich als eine Beleidigung für Hayez anzu-sehen. Wir müfsen uns aber die Umgebungen vergegenwärtigen, durchderen Einflufs beide Talente ihre Entwicklung erhielten: Hayez ist ausden Bedürfnissen und dem Geschmack unserer Zeit hervorgegangen, wieTiepolo ein Kind seiner Zeit ist. Auch Tiepolo galt für sehr bedeutend:nur freilich hat sich diese Meinung nicht erhalten.
Sollte diese Vergleichung den Freunden des Herrn Hayez ungerecht er-scheinen so wäre ich zugleich sehr unglücklich und sehr ungeschickt; dennauch ich bewundre das Talent des Herrn Hayez, und fühle mich fortge-rifsen von dem Zauber seines romantischen Künstlergeistes.
Es war den 8. März 1837, als ich die Werkstätte des Herrn Hayez mit
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