HEB
382
MÜNCHEN.
sicherlich ist er derjenige, der mit der grösten Leichtigkeit begabt ist. —Während meines Aufenthalts zu München im Jahre 1835 war er, auf Be-fehl des Königs, in Griechenland, um Entwürfe zur Fortsetzung der Land-schaften in den Arkaden zu machen, von welchen schon die Rede gewe-sen ist *. Seine Leichtigkeit ist vielleicht niemals übertroffen worden. Aufglückliche Weise giebt er die glänzendsten und treffendsten Lichtwirkun-gen wieder. Niemand wird jemals seine Werke für die eines Andern neh-men, so eigenthümlich ist ihr Gepräge. Es steckt Zauberei in seiner Pa-lette und in seinem Pinsel. Seine Frescogemälde in den Arkaden, dieItalienische Gegenden darstellen, sind sehr ausgezeichnet. Ich habe beiHerrn yon Klenze zwei Landschaften von ihm gesehen, welche die Auf-merksamkeit unwiderstehlich fefseln. Ich denke mir, dafs Rottmann, wenner angesichts der Natur zu Werke geht, er sie mit grofser Aufmerksam-keit des Geistes befragt; die Natur begeistert ihn, aber er unterwirft sichihr nicht demüthig: gleichwohl ist für die meisten Landschafter die Demuthangesichts der Natur eine nützliche, ich möchte sogar sagen, nothwendigeEigenschaft.
Im Jahre 1837 war Rottmann aus Griechenland heimgekehrt, und hatte einegrofse Anzahl Naturstudien dorther mitgebracht, welche er nunmehr, demAuftrage des Königs gemäfs, in den Arkaden, in Fresco ausführen wird.Diese Griechischen Landschaften werden die bedeutsame Folge zu den Italie-nischen Landschaften bilden, welche man schon in den Arkaden sieht.
Man kann in Rottmanns Werken ein Talent sehr hohen Ranges nicht ver-kennen. Dieser Künstler ist ebenso ausgezeichnet durch seinen Geist, seineKenntnis, sein Benehmen und seinen Charakter.
In der Einleitung S. 95 und im ersten Kapitel S. 107.