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MÜNCHEN.
Marienkirche der Vorstadt Au bestimmt hat * Schon mehrere davon sindfertig. Ich habe den Carton gesehen, welcher den Tod der Heiligen Jung-frau darstellt, und ich habe ihn in aller Hinsicht vorzüglich gefunden.
Auch bei dieser Arbeit, wie bei jener in der Allerheiligen-Kap eile, be-währt Schraudolf grofse Selbstverläugnung; denn das auf Glas übertrageneBild kann nicht seine ursprünglichen Grundzüge behalten. Häufig ist esnur schwaches Abbild durch ein untergeordnetes Talent; die durch eineBleieinfafsung bezeichneten Umrifse können auch nicht ihre Schärfe behal-ten, und die Feinheit der Zeichnung und die Beschaffenheit des Glases giebtdem Ganzen ein besonderes, von den Cartons sehr abweichendes Ansehen.
Man kann überhaupt von Schraudolf sagen, dafs er in seinen Werkenmehr Verstand, mehr Geschmack, mehr Reinheit beweiset, als Kraft, Tiefe,Schwung und Eigenthümlichkeit. Er ist durchdrungen von der Wesentlich-keit des Styls und von der guten Lehre, und er macht überall davon dieglücklichste Anwendung. Indem er sich den Absichten des Königs fügt,indem er unter der Leitung des Professors Hefs malt, und an Werken ar-beitet, welche ihm nicht alles das seinen Anstrengungen gebührende Lobeintragen und ihm keinen ungeteilten Ruhm erwerben, übt er sein Talentauf eine fruchtbare Weise für sein Vaterland, für die Kunst und für sichselbst, und er zeigt eine Bescheidenheit und Verständigkeit, die nur den-jenigen der Würde zu ermangeln scheinen kann, welche sich durch Hoch-muth, Neid und den Einflufs von Redensarten stets zu unbedachtem Wi-derspruch hinreifsen lafsen.
Schraudolf kann so nur Fortschritte machen, und indem er diese Bahnverfolgt, ist er schon zu einer bedeutenden Höhe gelangt. Nichtsdesto-weniger verdienen nicht alle Werke, welche ich von ihm kenne, gleichesLob: ich habe fünf Halbfiguren von ihm an der Decke einer Kapelle gese-hen, welche mir schwach schienen.
Vergleiche oben S. 132.