199
PETER VON CORNELIUS.
der Natur zu erkennen glaubten. Von zartester Jugend auf hat sein Vaterihn immer nach Rafael zeichnen lafsen, nach den Köpfen der Stanzen, nachden Kupferstichen von Marc-Antonio, Volpato und Anderen. So erzähltCornelius selber seine ersten Studien.
Die Gemälde der Kirche von Neufs sind sein erstes wichtiges Jugend-werk. Es ist gleichsam aus dem Stegreif auf der Mauer entworfen, undwenn man es aufmerksam betrachtet, so kann man einiges Studium Ra-faels darin erkennen. So berichtet und urtheilt Cornelius selber von die-ser Arbeit.
Im Alter von 26 Jahren machte er die Zeichnungen zum Faust, derenTitelblatt schon die neue Richtung ankündigt, welche er jetzo nahm. Mansieht hier eine riesige Gestalt, die auf ihren starken Armen alle über dieNatur herrschenden Kräfte trägt. Cornelius begann dieses Werk im Jahre1810; es hat ihn sogleich als einen echt Deutschen Künstler ausgezeichnet,und gewiss ist, wenn Cornelius den Grundsätzen Winkelmanns und demStudium der Antike ausschliefslich ergeben gewesen wäre, so hätte er nichtdiese ganz nationale Eigenthümlichkeit entfalten können, denn nicht blofsin äufseren Formen offenbart er diesen Charakter, sondern es ist das per-sönliche Gefühl, es ist die Deutsche Natur selber, welche sich mit Flam-menzügen in dieser unsterblichen Schöpfung ausprägt.
Cornelius sandte diese Zeichnungen an Goethe. Dieser grofse Mannwürdigte sie nach Verdienst. Indessen mufs bemerkt werden, dafs, wennGoethe und mehrere andere Deutsche Litteratoren durch ihre Schriften mäch-tig dazu beigetragen, den Künsten eine neue Richtung und neuen Schwungzu ertheilen, sie jedoch später die Fortschritte der Kunst nicht geradehinbegünstigt haben.
Cornelius sagt selber, indem er von der Natur seines eigenen Talentsredet:
»Mein Streben und meine Natur tendierte von Jugend auf nach Objecti-vität, Universalität u. s. w. Ich selbst halte mich für eine complicirte