■■■■■■■■■■HRnHHHHg
192
MÜNCHEN.
und aufgefafst, welche der unterscheidende Grundzug des Christlichen Glau-bens sind? das wage ich nicht zu entscheiden.
Cornelius hat zwar oft genug gezeigt, dafs er ebenso gut in Fresco zumalen vermag, als irgend einer: indessen giebt es in der Glyptothek Ge-mälde, deren Anblick hinsichts der Ausführung und der Farben nicht soangenehm ist, als der der übrigen. Man hat häufig, wie ich glaube, Ver-suche angestellt, man hat neue Wirkungen hervorbringen wollen; dies istes ohne Zweifel, was den Frescogemälden des Heroensaales das Geprägeder Einheit entzieht, welches man darin zu sehen wünschte, und vergeb-lich darin sucht. Ich finde mehrere Gemälde des Heroensaales schwarzund hart, und selbst das Hauptgemälde, welches, so zu sagen, den Schlufs-act des grofsen Drama's bildet, die Zerstörung Trojäs, ist nicht frei vondiesen Mängeln. Es ist schwer zu entscheiden, in welchem Maafse dieje-nigen, die Cornelius an dieser Arbeit geholfen, dazu beigetragen haben,diese Wirkung hervorzubringen. In Hinsicht der Darstellung, deren Ver-dienst sicherlich Cornelius allein zukömmt, ist dies letzte Gemälde viel-leicht eins von denjenigen, welches die grösten Schönheiten enthält. Goethehat in Bezug auf diese edle dramatische Darstellung dem Künstler, derihm einen Umrifs derselben zusandte, einen Brief geschrieben, welchen un-sere Leser hier gewiss gern lesen werden.
Ew. Hochwohlgeboren
haben durch die geneigte Sendung ein wahres Bedürfnis, das ich längstempfinde, zu erfüllen gewust; denn gerade dieses mitgetheilte Blatt, alsder Schlufsstein eines würdigen Cyclus, läfst uns mehr als ahnen, aufwelche Weise Sie die einzelnen Felder des grofsen Umkreises werdenbehandelt haben. Hier ist ja der Complex, die tragische Erfüllung einesungeheuren feindseligen Bestrebens.