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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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MÜNCHEN. — EINLEITUNG.

glänzender Zeit ebenfalls die eigentliche (Nord-) Französische Poesie, nach der Provenzali-schen, in reichster Blüte stand, und auch ihn selber verherrlichte. Zugleich tlrat die Machtdieses Königs sich in Deutschland selber durch die kräftige Unterstützung König Friedrichs II.gegen Otto W. kund. Walther, der auf seinen Fahrten ins Ausland auch über den Rheinbis an die Seine kam *, sang hier also wohl nicht minder aus lebendiger Anschauung: aberim Fortgange des Wettstreites, in welchem am nächsten Tage der tugendhafte Schreiber (Kanz-ler Heinrich) und Biterolf, und endlich die zu Kiesern (Schiedsrichtern) berufenen Reimar vonZwetcr (Zwetl) und Wolfram von Eschenbach selber mit dem Preise des Thüringer und Hen-neberger Herrn auftreten, schilt Walther seine gestrige Übereilung, nennt den milden und be-herzten Österreichischen Fürsten zugleich Mann und Löwe (mit Anspielung auf den NamenLeopold, und auch wohl auf den Österreichischen Wappenlöwen), erhebt den Herzog überden König, und vergleicht ihn der Sonne; aber den Landgrafen, der mit Freuden „uns" seinGut spendet, vergleicht er dem der Sonne vorgehenden Tage. Jetzo beklagt sich Ofterdingen,dafs Walther ihm ungleiche Würfel vorlege und durch falsches Spiel ihn übervorlhcile, be-ruft sich dagegen auf die Meisterkunst Klinsors von Ungerland, den er herbei holen will,Österreichs Preis zu bewähren. Die Meister rufen mehrmals nach dem Scharfrichter Stempfclvon Eisenach, der mit dem Strange dabei steht: aber die Landgräfin nimmt sich Ofterdingensan, malmt die Sieger an die ihnen bewiesene Milde, und bewegt sie, dafs sie, um ihrer Ge-genwart willen, ihn gewähren lafsen.

Im zweiten Theile des Gedichtes ist Klinsor gekommen, und nimmt den Kampf auf, denWolfram von Eschenbach ritterlich besteht. An diesem poetischen Zweikampfe, wobei auchder Landgraf und die Landgräfin mit ihrem ganzen Hofe zugegen sind, nimmt Walther nurdurch einzelne Beistimmung Eschenbachs Thcil, und die übrigen Sänger treten ganz zurück.

Die unter dem Namen der Manessischen Sammlung bekannte, in Paris leider mit einigenanderen Kleinoden vergefsenc, prächtige Handschrift unserer Minnesinger, an der Zahl 140,mit ihren Bildnissen, aus dem Anfange des 14ten Jahrhunderts, liefert auch ein Gemälde zudiesem Wettgesange: in zwei Feldern, unten die sieben Sänger, und oben die Landgräfin undder Landgraf, als oberster Richter, mit dem Schwert in der Hand, alle sitzend. Auf diesemguten Grunde ist für die neue Ausgabe der Minnesinger ein neues Bild zusammengesetzt, mitBeibehaltung der ausdrucksvollen alten Gestalten und Stellungen, der Landgraf und die Land-gräfin in die Mitte der Sänger, nur etwas höher, gesetzt **.

Weniger Rücksicht auf dieses alte Vorbild hat Gafsens Deckengemälde genommen, obschones auch nicht ganz unbeachtet geblieben zu sein scheint. Wir sehen hier Walthern, als voll-kommenen Sieger, mit dem Lorbeer gekrönt, vor dem fürstlichen Paare, während der besiegteOfterdingen sich unter den Schutz des Zauberers Klinsor begiebt. Zur Rechten sitzen, als Kampf-richter, Eschenbach, Reimar, Biterolf und der Schreiber. Zur Linken steht der Scharfrichtermit dem Strick in der Hand. Den Hintergrund nehmen die Hofleute in ihren Logen ein.

Die Strophe im zweiten Tlieile der Wartburg-Lieder, unter Waltliers Namen, worin er sagt, erhabe zu Paris gute Schule gefunden, gehört, ihrem ganzen Inhalte nach, dem Klinsor zu.

Eine Abbildung des alten Gemäldes in verkleinerten Umrifsen von F. Hegi, liefert v. d. HagensMuseum für Altdeutsche Litteratur und Kunst, Bd. 2. (1811). Der darnach von ünzelmann entwor-fene und ausgeführte Holzschnitt steht vor dem zweiten Bande der v. d. Hagenschen grofsen Ausgabeder Minnesinger, welche auch Walthers sämmtliche Gedichte enthalt.