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2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
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NIBELUNGEN.

Wolfharten, um dessen Verlust ihn seine Geburt gereute; und so alle, die ihm einst heim-helfen sollten.

„Das ist an meinen Freuden mir der letzte Tag:

0 wehe, dafs vor Leide niemand zu sterben vermag!"

Er wehklagte so laut, dafs das Haus wiederhallte, bis er wieder rechten Mannes-Muth ge-wann. Da suchte er selber seine Rüstung, und Hildebrand half ihm sich wappnen.

NEUN UND DREISSIGSTER GESANG.

Hagen sah beide kommen, und sagte Günthern, Dietrich komme zur Rache; wie stark undgräubch der sich aber dünke, doch wolle er ihn bestehen, und heute werde man schauen,wem der Preis gebühre. Indem trat Dietrich vor das Haus, wo die beiden Recken aufsenan die Wand gelehnt stunden; er setzte seinen Schild nieder, und fragte, was er ihnen ge-than, dafs sie ihn, den Landflüchtigen, Rüdigers und all seiner Mannen beraubt hätten: siekönnten sein Leid durch ihren eigenen Verlust ermefsen. Hagen entschuldigte durch Noth-wehr gegen die Gewappneten. Dietrich rügte dagegen den Spott bei Verweigerung von Rü-digers Leichnam. Günther erwiederte, es sei nur Etzeln zu Leide geschehen, bis Wollhartzu schelten angehoben. Dietrich sagte, es habe nun einmal so sein sollen, und bat Günthern,zur Sühne und Vergütung des Leides, sich und Hagen als Geisel zu ergeben: so wolle ersie sicher heim geleiten. Ilagen fand es unrühmlich für zwei noch so wehrhafte Helden, ge-genüber zwei anderen. Da rieth Hildebraud, den Frieden anzunehmen, weil es noch Zeit wäre.Hagen spottete, er nähme freilich lieber den Frieden, als dafs er so schmählich flöhe, wieHildebrand; er hätte ihn standmuthiger gewähnt. Hildebrand fragte, wer es denn gewesen,der vor dem Wasgensleine auf einem Schilde gesefsen, während ihm Walther von Spanienso viel Freunde erschlagen *. Da zürnte Dietrich, dafs Helden wie die alten Weiber schöl-ten, und gebot Ilildebranden Schweigen. Dann mahnte er Hagen der früheren Rede. Hagenwar bereit, allein ihn zu bestehen.

Nun erhub Dietrich den Schild, und Hagen sprang ihm von der Stiege entgegen, und liefsdas Schwert laut auf ihm erklingen. Dietrich schirmte sich vorsichtig, er kannte Hagen wohl,und fürchtete auch Balmungen; endlich aber schlug er ihm eine Wunde tief und lang. Dahielt er's für schimpflich, ihn zu tödten, liefs den Schild fallen, umschlofs ihn mit Armen,zwang und band ihn.

So führte er ihn zu Chriemhilden, und übergab ihr den kühnsten Recken, der jemalsein Schwert trug. Da ward sie fröhlich nach so langem Leide. Sic dankte Dietrichen,und wollte es ihm immerdar vergelten. Dietrich hiefs sie den Gebundenen leben lafsen, erwerde ihr noch das angethane Leid vergüten. Sic liefs ihn in ein Gefängnis führen, undverschliefscn.

Da rief Günther nach Dietrichen um Rache. Dietrich ging hin, und Günther lief ihm ent-gegen vor den Saal, und laut erklangen beider Schwerter. Wieviel und lange Dietrich auch

* Der schon oben, von Etzel, sowie hei Walther von der Vogclweide, erwähnte Held Waltherder, mit Hildegunden aus der Geiselschaft hei Etzeln fliehend, im Engpasse der Vcesen, d. i. derWasgenstein, von den Wormser 12 Helden angerannt wurde, und sie nach einander besiegte, zuletzt

auch Ha"en selber, seinen ehemaligen Genofsen hei Etzeln.