Druckschrift 
1 (1836) Düsseldorf und das Rheinland : mit einem Anhange: Ausflug nach Paris
Entstehung
Seite
288
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

288

FRANKFURT, STADELSCHE STIFTUNG.

Sein Schild des Achilles ist nach Vossens Übersetzung der Ilias, imachtzehnten Gesänge, entworfen. Diese Zeichnung hat ungefähr zwei Fufsim Durchmesser, auf braunem Papier, die Lichter mit Gold aufgehöhet.Der Styl dieser Darstellung ist dem Gegenstand angemefsen; er nähert sichdem antiken erhobenen Bildwerke. Die Anordnung des Ganzen ist lobens-würdig: indessen ist dies eins von jenen Werken, die einer Auslegung be-dürfen; und es ist schwer, dafs ein tiefer Eindruck entstehe und hafte,bei einer so langhin sich entwickelnden Darstellung. Ich erinnere michdabei, dafs mein Verständnis sich immerdar geweigert hat, die Säule Tra-jans oder die des Vendome-Platzes vom Fufse bis zum Gipfel in Schlan-genwindung emporzusteigen. Die lang fortgesetzten oder im Kreise zu-rücklaufenden Gegenstände der Kunst erzeugen fast unfehlbar Ermüdung.In dieser Hinsicht haben sie einige Ähnlichkeit mit den Kunstsammlungen,wenn der unerschrockene Reisende in Einem Tage und von einem Endezum andern sie durchlaufen will.

Sehr verschieden ist der Eindruck und viel dauernder das Vergnügengewesen, welches mir der Anblick des bewundernswürdigen Bildnisses desAbbe Martin de Noirlieu gewährt hat; und doch ist es nur ein Brustbild,unter Lebensgröfse. Dieses Bildnis befindet sich in der Städelschen Ga-lerie. Man entdeckt darin einige Ähnlichkeit mit den Werken der Zeit vorRafael: aber diese Ähnlichkeit ist nicht Folge der Nachahmung; sie ist hiereine Wirkung ähnlicher Eindrücke, wie die Maler jener entfernten Zeit em-pfanden, das heifst eines reinen, zarten, innigen Gefühls, einer Hingebungund einer Sorgfalt, welche sich in dem erwählten Gegenstande gefallen,endlich einer heifsen Liebe zu der Kunst. Dieses Gefühl erklärt sich hieraus den Freundschaftsverhältnissen, welche zwischen diesem Geistlichenund den Deutschen Künstlern bestanden, und welche bis in die Zeit zu-rückreichen, wo mehrere derselben, und darunter namentlich Veit, katho-lisch wurden. Es giebt kein Bildnis, welches mir unwillkürlich einen tie-feren Eindruck gemacht hätte. Obgleich sehr vollendet, zeigt es doch kei-