Druckschrift 
1 (1836) Düsseldorf und das Rheinland : mit einem Anhange: Ausflug nach Paris
Entstehung
Seite
286
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

286

FRANKFURT, STÄDELSCHE STIFTUNG.

land die Häupter der Malerschulen, die Leiter der Akademien, oder min-destens doch geschickte Künstler geliefert hat. Rom war es also auch,wo Veits Talent seine Entwicklung erhalten hat, der dieser Maler seineStelle als Director der Frankfurtischen Kunstanstalten verdankt.

Philipp Veit ist in Berlin geboren, etwa vierzig Jahr alt. Von müt-terlicher Seite ist er ein Enkel des berühmten Moses Mendelssohn. SeineMutter heirathete in zweiter Ehe den gelehrten Schriftsteller FriedrichSchlegel; welcher Umstand nicht ohne Einflufs auf die Zukunft ihres Soh-nes gewesen, der schon zuvor im väterlichen Hause eine sehr sorgfältigeErziehung erhalten hatte.

In Dresden beim Professor Matthäi empfing Veit den ersten Unterrichtin der Malerkunst. Er machte in den letzten Jahren des grofsen Kampfesder Völker Europa's gegen Napoleon den Feldzug als Freiwilliger mit, undbegab sich hierauf nach Rom, wo er sich den Arbeiten Overbecks, Cor-nelius und Schadows zugesellte. Wir haben schon gesehen, dafs er einerder Maler war, die an den Wandgemälden des Saales Bartoldi arbeiteten.Er malte dort zwei Bilder, deren eines vorzüglich, die fetten Jahre, alseins der schönsten dieses Saales betrachtet werden kann. Der Carton des-selben ist jetzt in dem Frankfurter Museum. Ich gebe davon einen Kupfer-stich. Darnach hat er in einem der Bögen der langen Galerie des Vatikanseine allegorische Figur gemalt, vorstellend die triumphierende Religion,welche ebenfalls zu seinen besten Werken gezählt wird.

Auch sieht man von ihm in der Villa Massimi an einem Gewölbe Dar-stellungen aus Dante's Divina Commedia.

Endlich, enthält die Kirche Trinitd dl Monte sein schönes Altargemälde,darstellend die Himmelfahrt der Heiligen Jungfrau.

Für Deutschland hat er mehrere Staffeleigemälde gemacht, welche unge-fähr aus derselben Zeit sind: in der Hauptkirche zu Naumburg sieht manvon ihm einen Christus auf dem Ölberge; bei Herrn von Quandt in Dresdeneine Judith; bei Madame Nies in Frankfurt eine Darbringung im Tempel.