259
DUSSELDORF, LANDSCHAFTER.
Aufmerksamkeit des Auslandes auf den Zustand der Künste in Deutsch-land zu lenken. Und sollten meine Würdigungen in Frankreich oder Eng-land Widerspruch finden, so würde ich mich immer noch glücklich schätzen,die Kunstkenner und Liebhaber beider Länder aufgefordert zu haben, sel-ber zu sehen und zu urtheilen.
Um die Übersicht der Düsseldorfer Landschaftsmalerei zu vervollständi-gen und die unterscheidenden Grundzüge derselben zu zeigen, will ichhier einige Bemerkungen mittheilen über die Landschaften, welche die Ber-liner Kunstausstellung im Jahr 1834 in grofser Anzahl zusammenbrachte.So nahe neben einander aufgestellt, und sich wechselseitig zum Gegensatzdienend; konnten diese Gemälde mir Stoff zu fruchtbaren Vergleichungendarbieten.
Es erschien auf dieser Ausstellung eine Landschaft von Watelet, welche,man möchte sagen, recht absichtlich dahin gehängt worden, um einen völ-ligen Gegensatz zu den Düsseldorfer Landschaften zu bilden. Diese Land-schaft, welche dem Dr. Spiker in Berlin gehört, scheint mir nicht frei vonFehlern; die grofse Baumgruppe vorn zur Rechten, eine andere weiterhin,und ein Theil der Ferne scheinen mir nicht hinlänglich studiert: aber die-ser Maler hat das Verdienst, keine Ansprüche zu verrathen; er trachtetnicht, Dichter zu sein; er zeigt sich weder träumerisch, noch schwermü-thig; er hat kein anderes Verlangen, als, der Natur zu gleichen. Das Was-ser hier ist ein Studium, und eins der glücklichsten und bewundernswür-digsten, die je gemacht sind; die Gebäude und die Felsen sind gleicher-weise nach der Natur gemalt und machen keinen Anspruch, noch mehr zubedeuten; die Art, wie die Spitzen der Berge sich in die Wolken verlie-ren, ist von grofser Wahrheit und trefflicher Wirkung. Dagegen die übri-gen minder löblichen Theile des Gemäldes möchten leichtlich nur aus ei-ner unbestimmten Erinnerung gemacht, oder die Frucht einer grofsen Fer-tigkeit sein. Überhaupt ist der Eindruck, welchen dieses Gemälde hervor-bringt, ungemein befriedigend. Vor dieser Landschaft glaubt man sich der